1846 / 289 p. 3 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

Dieses Bild ist von einer etwas vreiteren,

dem Kommandanten der Festung Ragusa, Brigadier⸗General Reiche, und dem Kreis⸗Hauptmanne, Freiherrn von Rosner, die Ober⸗Offiziere aus jedem Waffen⸗Corps der hiesigen Besatzung einfanden.

Man hat die Annahme gestellt, daß eine Schiffs⸗Division sich des den Hafen von Gravosa beschützenden befestigten Felsen⸗Eilandes von Daxa bemächtigen, und daß, um dahin zu gelangen, sie die Bat⸗ terie der Halbinsel Lapad zuerst besetzen solle. Gestern mit Tages⸗ anbruch warfen daher vier Kriegsschiffe der gedachten Escadre, die man, als von weitem kommend, voraussetzte, zwischen der Felseninsel und zwischen dem festen Lande hindurchziehend, Anker, so daß sie, Daxa quer gegenüber liegend, die inneren Punkte davon beschießen und die beabsichtigte Landung decken konnten. 6

Kaum waren die Kriegsschiffe vor Anker gegangen, so eröffneten sie gegen die Forts⸗Batterieen ein wohlgenährtes Feuer, unter dessen Schutz sich ein aus Matrosen, Artilleristen und Linien⸗Soldaten be⸗ stehendes, 550 Mann starkes Landungs⸗Corps formirte. Diese waren, mit dem zum Abfeuern von Raketen nöthigen Materiale versehen, in 30 Schaluppen vertheilt, die 8 Geschützstücke führten. Ueberdies waren 4 den Kriegsschiffen entlehnte Kanonen von schwerem Kaliber auf größere Schaluppen geladen worden, um sie auf dem Lande auf⸗ zustellen.

Die in drei Kolonnen formirte Schaluppen⸗Division schlug also⸗ bald die Richtung von Lapad ein, wo sie die in drei Corps einge⸗ theilte Mannschaft auf verschiedenen Punkten ans Land setzte. Eines davon bemächtigte sich im Laufe der Anhöhen, während die zwei an⸗ deren die Batterie in der Fronte angegriffen hatten, so daß den von allen Seiten gedrängten Vertheidigern nichts Anderes übrig blieb, als das Fort, nach vorgängiger Unbrauchbarmachung der Geschütze, zu räumen.

Bei dieser Gelegenheit zeigte sich die Ersprießlichkeit der mitge⸗ nommenen vier schweren Kanonen deutlich, welche von den Seeleuten zusammengefügt, und über einen steilen und steinigen Fußpfad mit solcher Behendigkeit fortgeschafft wurden, daß eine halbe Stunde nach bewerkstelligter Landung sie, an die Stelle der zurückgelassenen Ge⸗ schüze⸗ zur Verwendung derselben nach Daxa aufgestellt werden onnten.

Nachdem so der beabsichtigte Zweck erreicht worden, kehrten die Kolonnen unter gleichzeitiger Einschiffung der Kanonen in die Scha⸗ luppen zurück, und indem sie zuerst in einer Frontlinie auf das Ei⸗ land zufuhren, bewerkstelligten sie gegen die aus den Schießscharten der Gebäude Feuernden eine neue Landung.

Auch hier gelangten die Kolonnen bald zur Besitznahme der Anhöhen, indeß eine aus den Mannschaften der Kriegsschiffe gebil⸗ dete Reserve und 100 Mann zur Verstärkung gleichfalls auf die In⸗ sel zusteuerten, und während die zuerst auf Lapad aufgerichtet gewe⸗ senen Kanonen hier ebenfalls an das Land gesetzt wurden, ward das entworfene Unternehmen zu Ende gebracht.

Se. Kaiserliche Hoheit befahl hierauf, daß sämmtliche Scha⸗ luppen in Marschordnung in den Hafen von Gravosa einlaufen soll⸗ ten, in dessen Hintergrunde die Landungs⸗Truppen an das Land stie⸗ gen und sich auf dem Exerzier⸗Platze in Schlachtordnung aufstellten. Nachdem der Erzherzog Heerschau über dieselben gehalten, defilirten sie beim Spiele des Musik⸗Corps der Fregatte „Bellona“ vorüber, worauf Jedermann wieder an Bord des ihm zugewiesenen Kriegs⸗ schiffes ging.

Obschon sowohl die Schiffs⸗Division und die Schaluppen⸗Abthei⸗ lung, als auch die Landungs⸗Mannschaften ihre eigenen Befehlshaber hatten, so hatte Se. Kaiserl. Hoheit dennoch die gesammten Bewe⸗ gungen in Person geleitet, indem Höchstderselbe zuerst längs den Schaluppen Kolonnen zog und sich dann nach den wichtigsten Terrain⸗ und Befestigungspunkten begeben hatte. Die ununterbrochene Anwe⸗ senheit des Erzherzogs bei diesen Uebungen hatte, wie leicht zu den⸗ ken, die Truppen und Seeleute so begeistert, daß sie an Thätigkeit und Schnelligkeit mit einander wetteiferten.

Frankreich. Paris, 13. Okt. Der König kam gestern nach Paris, um die Zimmer zu besichtigen, welche für den Herzog und die Herzogin von Montpensier eingerichtet werden. Auch die Vorbereitungen zu den Festen, welche zu Ehren der Neuvermählten veranstaltet werden sollen, sind in vollem Gange.

Das Journal des Déöbats widerspricht aufs förmlichste der Behauptung eines londoner Blattes, daß die sranzösische Regierung von der englischen die Auslieferung des Grafen von Montemolin ver⸗ langt hätte.

gs'Die Presse spricht in ihrer Widerlegung des im Constitu⸗ tionnel erschienenen Artikels über den Notenwechsel zwischen England und Frankreich in gleichem Sinne wie das Journal des Débats von der vorgeblichen neuen Note des englischen Botschafters und be⸗ stätigt die Angabe des genannten Journais dahin, daß sie erfahren, Lord Normanby habe Herrn Guizot Einsicht gegeben von einer Note, die bestimmt wäre, von Herrn Bulwer dem spanischen Kabinet zuge⸗

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stellt zu werden; in dieser Note, von welcher dem französischen Ka⸗ binet keine Abschrift gelassen worden, behalte sich England vor, für den Fall, daß die Kinder der Herzogin von Montpensier auf den spa⸗ nischen Thron berufen würden, einer solchen Eventualität seine Oppo⸗ sition entgegenzustellen. Eine dritte Version findet sich in der mini⸗ steriellen Epoque. Dieses Blatt will nicht einmal von der Depesche an Herrn Bulwer etwas wissen, die Lord Normanby dem Herrn Guizot vorgelesen haben soll, sondern fertigt die Angaben des Con⸗ stitutionnel als eine träumerische Erfindung in folgender Weise ab: „In Wahrheit, der Constitutionnel wird nicht bezahlt für seine Großmuth. Er hat sich seit einem Monat zum Verfechter Eng⸗ lands gegen Frankreich aufgeworfen; er giebt sich die erdenklichste Mühe, die Wünsche Lord Palmerston's gegen die Wünsche unserer Regierung und unserer Dynastie aufkommen zu lassen; er läßt sich das Gehässige einer solchen Rolle gefallen;z und zum Lohn für so große Hingebung erlangt er nicht einmal, daß man ihn von dem, was vorgeht, in genaue Kenntniß setze. Den Verräther zu spielen an dem eigenen Lande, das ist schon stark genug: aber man sollte doch we⸗ nigstens ein gut unterrichteter Verräther sein. Nun aber weiß der arme Constitutionnel, der sich jeden Morgen die Parole und das Stichwort im englischen Botschafts⸗Hotel abholt, nur etwas weniger, als andere Journalisten. Diejenigen, welche sich nicht zu dem engli⸗ schen Botschafter bemühen, erhalten freilich keine Mittheilungen; der Constitutionnel aber wird mit falschen versehen. So macht er großen Lärm von einer zweiten Note, die Lord Palmerston an Herrn Guizot gerichtet haben soll; es wird vorgegeben, diese Note sei sehr lebhaft und sehr bestimmt; sie verlange von der französischen Regie⸗ rung die Verzichtleistung des Herzogs von Montpensier auf das even⸗ tuelle Recht, welches seinen Kindern in Bezug auf die Thronfolge in Spanien zufallen dürfte. Der Constitutionnel hat offenbar ge⸗ träumt; seine Einbildungskraft, geblendet von den Nebeln der Themse, hat die zweite Note Palmerston's an Guizot rein erfunden. Ob⸗ schon er sie genau analysirt, glauben wir doch noch ge⸗ nauer als er zu sein, wenn wir behaupten, die zweite Note existire nicht, habe nie existirt und werde auch, nach dem Gang, wel⸗ chen die Dinge nehmen, wahrscheinlich nie existiren. Der Consti⸗ tutionnel muß wohl noch geschlafen haben, als er in der famosen Note etwas von einer Entsagung des Herzogs von Montpensier auf die eventuellen Rechte seiner Nachkommen zu lesen glaubte. Das Alles ist ossianische Poesie oder Gnomenpolitik; ein Irrwisch oder eine Peri hat den guten Constitutionnel zum Besten gehabt. Nein! Lord Palmerston ist doch noch zu verständig, als daß er so handeln sollte, wie man von ihm aussagt; einmal nur zu protestiren ist schon viel von einer Regierung, die stark genug ist, zu handeln; aber zwei⸗ mal protestiren und dann die letzten Herbsttage auf dem Lande ver⸗ bringen, das wäre selbst unter der Würde eines weniger würdigen Ministers, als Lord Palmerston ist. Um sich einzubilden, die Entsa⸗ gung des Herzogs von Montpensier könne am Vorabend der Trauung mit der Infantin gefordert werden, muß man der Constitutionnel sein. Solcherlei Dinge werden nie verlangt, weil sie stets abgeschla⸗ gen werden. Daß Lord Palmerston sich künftige Entschließungen vor⸗ behält, seine Zustimmung versagt, seiner Regierung für mögliche, höchst wahrscheinlich nie eintretende Fälle freie Hand ausbedingt, das kann wohl sein, und wir sagen nicht, Lord Palmerston habe sich ent⸗ halten, dergleichen zu thun. Aber von einem solchen Verfahren bis zu dem Artikel im Constitutionnel ist die Entfernung so groß, wie die, welche den Traum von der Wirklichkeit scheidet.“

Das Journal des Doébats sagt in einem leitenden Artikel über die irländischen Verhältnisse: „Irland gleicht in diesem Augen⸗ blicke einer ausgehungerten Stadt, welche man von außen mit Le⸗ bensmitteln versorgt. Ein englisches Geschwader, welches gleichsam in ein umherziehendes Getraide⸗Magazin umgeändert worden ist, fährt um die Küsten herum und ladet hier und dort Getraide und Mais aus, welches nur mit Mühe gegen Plünderung geschützt wird. An einigen Orten ist die Verzweiflung der Bevölkerung in Hand⸗ lungen der Gewalt und des Aufstandes ausgebrochen; Städte sahen sich einem Zudrange ausgesetzt, welche das Einschreiten der bewaff⸗ neten Macht herbeiführte, und es ist Blut geflossen. Das, was man in Frankreich hochtrabend die Krise der Lebensmittel nennt, erbleicht und verschwindet vor den Schrecken der wahren großen Hungersnoth, welche dieses schwer heimgesuchte Irland verwüstet. Der einzige Trost, welchen diese schreckliche Noth darbietet, findet sich in der Größe derselben. Man ist dahin gekommen, dieselbe als eine heil⸗ same Wunde anzusehen, weil sie die Regierung, das Parlament und das Volk in England zwingen wird, dem Uebel ins Angesicht zu schauen und endlich eine krästige Anstrengung zu machen, um dessen Wiederkehr zu verhüten. Man kann übrigens der britischen Regie⸗ rung nicht den Vorwurf machen, daß sie ihre Pflichten gegen Irland vernachlässige. Wir haben schon früher die Maßregeln aufgezählt, welche sie ergriff, um so viel wie möglich den Verwüstungen der Noth Einhalk zu thun und der armen Bevölkerung Nahrung zu ver⸗ sschaffen. Wir haben aber auch ferner bemerkt, welche Schwierigkei⸗

ten die Ausführung dieser Maßregeln herbeiführe, und welche stigkeiten sie zwischen der ausführenden Gewalt und der Klas Grundeigenthümer hervorrufe. Der Bezirke, welche man Ban⸗ nennt, giebt es in Irland 322. Von diesen haben sich in ’m Groß⸗Juries bereits versammelt und die Summen für Anlagn öffentlichem Nutzen bewilligt, welche Summen bekanntlich von Staatskasse vorgeschossen und dann in zehn Jahren mit 3 pCt. 8 wieder zurückgezahlt werden sollen. Man darf daher glauben, daß etwa in einem Monate einem großen Theile der nothleidenden völkerung Arbeit werde geben können.“

Dem Commeree zufolge, wäre man im Ministerium der wärtigen Angelegenheiten mit einem Wechsel des diplomatischen nals beschäftigt. Botschafter und bevollmächtigte Minister ole Ruhestand gesetzt und zwei junge Deputirte zu Botschaftern befß werden. Herr von Barante Sohn soll zu einem Gesandtsee Secretair ernannt werden. Man spricht auch von einem Wechst Personal der Präfekturen. Die Patric will erfahren haben Graf Bresson zum Botschafter in London bestimmt sei und in N. den Marquis de Dalmatie zum Nachfolger erhalten werde.

Graf Rossi ist von Rom hier angekommen.

Der Constitutionnel sagt, die Regierung habe vor Tagen die Nachricht erhalten, daß Herr von Nayneval, der fiug sche Geschäftsträger in St. Petersburg, vom Kaiser zu einem lien⸗Diner eingeladen worden sei.

Aus Lyon erfährt man, daß mehrere Karlisten von don schwunden sind.

Die Stadt Lamarche in den Vogesen hat am 27. Seg die Inauguration des dem daselbst geborenen Marschall Herzeh Belluno, Claude Victor Perrin, gewidmeten Denkmals gefeien,

Nach dem Courrier des Ardennes hat der Kriegs⸗M durch einen besonderen Beschluß den Abgang der halbjährigen laubten aller Grade vom 63sten Linien⸗Regiment, welche am 1.9 ber statthaben sollte, verschoben. Dieser Beschluß ist ebenfell die im ganzen Umfange der 16ten Militair⸗Division stehende 9e terie angewendet worden.

Großbritanien und Irland.

London, 12. Okt. Der Spectator verfolgt seir sg Ansicht in Betreff der spanischen Vermählungs⸗Angelegenheg ine er, wie es scheint, von keinem Partei⸗Motiv geleitet, sich sas denschaftlichen Diskussion darüber enthält und die Frage lediziheg rechtlichen und historischen Standpunkt erörtert. Der Spetigt ist indeß der Whig-⸗Politik nicht ganz geneigt, und es ist nist daß sich darunter eine Opposition gegen Lord Palmerston wst Er wirft in seinem letzten Blatt die Frage auf, ob der Traitg Utrecht irgendwie gegen eine Vermählung zwischen Kindern derfe zösischen und spanischen Zweige des Bourbonschen Hauses strein, beantwortet sie dahin, daß in diesem Punkte der Traktat, mand ihn nun buchstäblich nehmen oder ihn auslegen, nichts als 6t gründe gegen eine solche Vermählung enthalte. Philipp v. Spanien nämlich vollziehe darin die Entsagung aller Rechte, R von den beiden Königlichen Häusern Spaniens und Frankreichs, fern es ihre gegenseitigen Erbfolgen unter einander betreffe, in spruch genommen werden könnten, indem er vermittelst seiner i gung seinen Zweig von dem Königlichen Stamme Frankreihe alle Zweige Frankreichs von dem Königlichen Stamme (Spu trenne. Diese Entsagung wiederhole er durch die Erklärung, di sich, seine Söhne, Erben und Nachkommen, ohne Unterschied dar sonen und des Geschlechts, auf immer vom Rechte der Erbfol den französischen Thron für ausgeschlossen erkläre, und Ludwig. entsage auf dieselbe Weise für seinen Enkel, den Herzog von und für seinen Neffen, den Herzog von Orleans, sowohl für se als für ihre männlichen und weiblichen Nachkommen, so wiöca seinen Enkel, den König von Spanien, dessen Erben, Nachsom. Nachkommen, auf immer für ausgeschlossen von der Erbfolge ind reich erkläre. Dieselbe Entsagung finde auch von Seiten des zogs Philipp von Orleans statt. Die Entsagungen und der in welchem sie enthalten, schlössen also von der Erbfolge af respektiven Thronen alle resp. Erben, Nachfolger und Nachkan aus, untersagten aber nicht Heirathen zwischen denselben. Hm gehe also hervor, daß der Traktat nicht die Vermählung des zogs von Montpensier mit der Infantin Luisa von Spanien vest daß er aber ihre Kinder von der Erbfolge auf beiden Thronn! schließe, nämlich als Kinder der Infantin von der Erbfolge 8 fra zzösischen und als Kinder des Herzogs von der Erbfolge spanischen Throne. Nach der buchstäblichen Auslegung wit Traktat also nicht eher verletzt werden, als bis die aus dien rath hervorgehenden Kinder einen Erbfolge⸗Anspruch auf dam oder den anderen Thron erhoben hätten. Lege man aber den N tat mehr seinem Geiste nach aus, so würde die Disqualificatcens noch nicht existirenden Königlichen Kinder nicht so unbedingt, Der Zweck des Traktats sei gewesen, daß „die Königreiche Shmn

Nicht minder charakteristisch ist die „Linien⸗Infanterie auf dem Marsche“ (Nr. 608). Durch ein trübes, windig-kaltes Schneewetter bewegt sich der schweigsame Zug vorwärts. Die Unbehaglichkeit des Schauplatzes zeigt sich vortrefflich in dem Einzelnen wiedergegeben. 1

Die übrigen im Katalog angezeigten Bilder dieses Künstlers sind ent⸗ weder noch nicht ausgestellt oder unserer wiederholten Nachsuchung entgan⸗ gen. Doch erwähnen wir noch die „wolleauswickelnde Bauersfrau“ (Nr. 610). minder polirten Ausführung. Wir finden in den beiden Hauptpersonen das, was wir eben den Ausdruck der ganzen Innerlichkeit genannt haben, nicht so vergegenwärtigt. Dage⸗ gen ist der Knabe daneben, der einer dahereilenden Hühnerschaar aus dem Korbe Futter zuwirft, wieder durchaus gelungen und höchst ergötzlich.

Vorzügliche Bilder aus dem Militair⸗Genre geben die Compositionen von Edmund Rabe. „Die Verwundeten und Versprengten auf einem Hügel, in der Ferne ein Gefecht beobachtend“ (Nr. 699), zeigen eine leben⸗ volle, höchst charakteristische Gruppe, welche einladend genug ist, um unser Interesse für die Einzelnen zu erwecken. Auch in der Beobachtung der Luft⸗ Perspektive und der Beleuchtung hat dieses Bild seine Vorzüge. Nicht minder wahr und getreu aufgefaßt ist der „Truppenmarsch durch ein Gehölz im Winter“ (Nr. 700), obgleich im Süjet nicht so anziehend.

In einer ähnlichen Sphäre der Gesellschaft, wie Ed. Meyerheim, be⸗ wegt sich Rudolph Jordan, ebenfalls mit Liebenswürdigkeit. Doch ist es nicht blos stille, friedliche Beschäftigung, unschuldiges, spielendes Thun, was seine Figuren erfüllt, sondern wir sehen Männer und Jungfrauen mit auf den Schauplatz treten und zeigen, was für eine ideale Seite sich ihrem Treiben, ihrer Beschäftigung, ihrem „Neigen des Herzens zum Herzen“ in dieser Sphäre abgewinnen läßt. Auch der Schauplatz ist ein ganz anderer. Wir sind von lauter Seemanns⸗Gestalten umgeben und haben das Darge⸗ botene als Ausbeute eines längeren Aufenthalts auf Helgoland (wem fällt hier nicht der berühmte Heiraths⸗Antrag ein?) zu betrachten. Diesem ange⸗ messen i die kräftige, derbe Behandlungsart. Aus dem Bilderschatze der Stifts⸗ damen, Fräulein von Waldenburg, sehen wir drei Stücke, von denen das erste „Liebe an der Thür und Eifersucht im Fenster“ betitelt ist (Nr. 404).

Im Fenster lauscht die Eifersüchtige dem Gespräch eines kräftigen, frischen

Matrosen, das er, ganz in der breiten, bequemen Stellung, die diesen Söhnen des Meeres eigen ist, gegen die Mauer des Hauses gelehnt, mit einem anderen jungen Mädchen in der Thür angeknüpft hat. Das Haus scheint eine Wirthschaft zu sein, wo hauptsächlich die Schiffer verkehren,

und mit Humor hat der Maler auf dem Schilde über der Thür sich selbst

als Wirch genannt. Wenn wir uns in unserem letzten Artikel gegen die

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Darstellung der Lyrik der Liebe erklärten, so stehen wir nicht an, sie für zulässig zu halten, sobald wir uns in der Sphäre des Volks befinden, wo ihre Aeußerung gewissermaßen konkreter erscheint, und wo sie überhaupt mehr in die äußere Erscheinung hervortritt; denn das Volk hat es nicht gelernt, sich zu verschließen und im Innern zu bergen, was außen nicht er⸗ scheinen soll.

So sehen wir auf dem anderen Bilde, das die bekannte Strophe aus dem Volksliede als Motto trägt, welche unser Katalog nicht ganz richtig bringt: „Kein Feuer, keine Kohle kann brennen so heiß, als heimliche Liebe,

tüchtigen Seemann, der zur Abreise oder doch zum Gehen bereit scheint. Vorher will er sich noch die Pfeife anzünden. Dazu reicht ihm ein Mäd⸗ chen die brennende Kohle, die sie mit einer langen Feuerzange ihm entge⸗ genhält. Er ist eben nicht pressirt mit dem Anrauchen. Er hat zuvor noch gar Manches zu sagen. Er sagt nicht, daß er sie liebe, er erzählt nur hun⸗ dert andere Dinge, die ungefähr dasselbe sagen sollen. Beider Liebe ist so heimlich, daß sie kaum selber etwas davon wissen. Oder wenn sie es auch wissen, so sagen sie nichts davon, wenn sie sich sehen, um es desto öfter zu denken, wenn sie sich nicht sehen.

„Das schmollende Ehepaar“ (Nr. 406) ist ebenfalls so gemüthlich und harmlos in seiner Auffassung, daß es, weit entfernt, eine gehässige, unan⸗ genehme Scene zu zeigen, vielmehr die herzlichste Zuneigung der beiden Leutchen zu einander bekundet. Ihr augenblicklicher Zank ist nur ein Früh⸗ lingsregen, der die heitere Welt ganz zu umdüstern gar nicht fähig ist. Der Mann sitzt halb abgewandt an einem Tische seitwärts und bläst Dampf⸗ wolken aus der Pfeife. An dem Knäuel Wolle zu seinen Füßen sehen wir, wo eben noch seine junge Frau gestanden oder gar traulich auf seinem Schoße gesessen hat. Jetzt leitet der Faden auf die andere Seite hinüber, wo sie die Arbeit auf einen Stuhl gelegt hat, an welchem sie lehnt und sich die Fingerspitzen besieht, augenscheinlich auf einen einlenkenden Anfang denkend, dem er, wenn er nicht schon eher einen findet, bereitwillig entgegen⸗ kommen wird. Es ist auch wahrscheinlich die erste kleine Differenz, die in ihrem jungen Beisammenleben vorfällt.

Hinausgeführt auf die Dünen werden wir in dem Bilde „Art läßt nicht von Art“” (Nr. 1516), auf dem ein alter Fischer oder Lootse, mit schwerer Fußbekleidung angethan, quer über das Ufer schreitet. Er über⸗ denkt sich seine Angelegenheiten in schweigender Gemächlichkeit. Sein Sohn aber schreitet in froher Lebenslustigkeit mit aufgerichtetem Haupte neben ihm her. Er hat, gerade wie der Alte, seine Hände in die Bekleidung gescho⸗ ben und scheint in seinen Holzschuhen gleichen Schritt mit Jenem zu halten.

von der Niemand nichts weiß“ (Nr. 405), wieder einen überaus derben,

Dabei sieht er so verständig, altklug aus und so natürlich, als müßtt) Alles nur so sein, und entfernt dadurch jeden Schein der Absichllichke ser Zusammenstellung, die auch trotzdem nicht hervortritt, daß vir ng hinten im Mittelgrunde eine Mutter, mit der Tochter vereint, daherkom⸗ sehen. Auch dies ist ein recht gemüthlich heiteres Bild, das uns üm. der Darstellungssphäre verweilen läßt, aus der es genommen ist. Weniger ansprechend wegen des Vorwurfs sind zwei andere de desselben Künstlers: „eine alte Jungfrau“ (Nr. 1517) und „der verg Versuch eines Doktors, einem Matrosen einen Zahn auszureißen 1518), obgleich beide in der Auffassung und Ausfuhrung den eben si chenen Werken nicht nachstehen. Jene Alte schlürst ihren Kaffer 9 in ihrer Phosiognomie ganz das Kalte und Abstoßende, was eiman willige Verzichtlistung auf Verhältnisse, die in der Bestimmung an schlechtes liegen, hervorzubringen pflegt. Es ist, als sänne sie mite freulichen Geschichten nach. Am Boden spielt die von Ihresgleichn als Gesellschafterin gewählte Katze mit dem Knäuel. Das zulettgen Bild scheint in die oft gemalte Operation des Zahnausziehens eine W tion bringen und zugleich den unästhetischen Gipfelpunkt derselben vm den zu wollen, indem der Moment gewählt ist, da der vom Stubl 27 sprungene Matrose vor Schmerz förmlich tanzt, indeß der ärzllich stand die Schuld wegen der Vergeblichkeit seines Angriffes von sich s zu demonstriren scheint. Dieser wahrscheinliche Zusammenhang ist niche klar und verständlich; denn man bemerkt nicht sogleich, um wa handelt, und daß man es mit einem Zahnbrecher zu thun hat, Suchen wir jetzt die Bilder von Most aus Stettin auf, so gien „die harrende Fischerfrau“ (Nr. 622) wieder Gelegenheit zu einen gleiche mit französischer Behandlungsweise ungefähr desselben Gegenßn nämlich mit einem Bilde von Delacroir, welches im Katalog nich geführt ist. Bei jenem ist das Innere einer stillen Fischerhütte stellt, die uns nur durch die geöffnete Thür das stark bewegte à- den gewitterschwangeren Himmel sehen läßt. Bei diesem däßegn Schauplatz ein ödes Meeresufer mit steilen, unzugänglichen Felsen, T9 losgelassene Element tobt in der ganzen Wuth seines ungebändigten dork harrt die einsame Hausfrau mit dem Säugling an der Brust, ihren Füßen auf der Schwelle sitzt ein älteres Knäbchen. Sie see traurig und sehnsüchtig hinaus. Hier aber sehen wir eine Gruphe⸗ bewegter Frauen und Mädchen, welche händeringend und herausgelaufen sind an den unwirthlichen sturmdurchtosten So hat jeder dieser beiden Maler wieder nach sein hg nal⸗Charakter den Stoff aufgefaßt und verarbestet. Se

Frankreich nie unter derselben Herrschaft vereinigt würden, und one und dieselbe Person nie König beider Reiche werde, damit Friede und die Ruhe der Christenheit durch die Macht des Gleich⸗ ichts erhalten bleibe.“ Man habe nämlich damals die Universal⸗ rchie⸗Projekte des großen Monarchen oder, wie man es jetzt Einverleibungs⸗Projekte“ gefürchtet. Die Absicht sei also ge⸗ 2 bie Nachkommen Ludwig's XIV., während sie den französischen inne hätten oder darauf Ansprüche machten, daran zu hindern,

e an den spanischen Thron, vermöge ihrer Blutsverwandtschaft philipp V., Ansprüche machten, und andererseits eben so die nüche der Nachfolger Philipp's V. an den französischen Thron

itigen. Es könne also keinem Zweifel unterliegen, daß der des Traktats gänzlich erfüllt werden würde, wenn die beiden greiche, die beiden Kronen und die Erbfolge in den beiden ver⸗ znen spanischen und französischen Zweigen des Hauses Bourbon mut gehalten würden, und wenn, statt die Kinder des Herzogs Nontpensier und der Infantin Luisa von beiden Thronen aus⸗ bließen, man ihnen einen derselben zur Erbfolge reservirte. Die [zwischen den beiden Thronen könne übrigens kaum mehr zwei⸗ aft sein, die Aussicht auf den französischen sei für den Herzog Montpenster sehr unbedeutend; wogegen die Infantin Luisa bis präsumtive Erbin des spanischen Thrones sei. Die Kinder also, z'den Traktat von Utrecht aller Erbansprüche an den spanischen on vermöge ihrer Blutsverwandtschaft mit Philipp V. vermittelst Herzogs von Montpensier (dessen Ansprüche an den spanischen on durch seine Vorfahren vernichtet wurden) beraubt, würden Erbfolge⸗Ansprüche in Folge ihrer unmittelbaren Abstam⸗

von Philipp V. erheben können und dadurch zugleich vermöge Taktats von Frbansprüchen an den französischen Thron aus⸗ blossen sein. u u“ aufgemachte Status der Staats⸗Einnahme des in Vierteljahres bestätigt die im voraus vom Globe gemachten theilungen darüber. Die Einnahme des Vierteljahres ergiebt, glchen mit der des vorjährigen entsprechenden Zeitraums, in sechs ssen einen Zuwachs von 869,198 Pfd. St., und nur zwei Posten, mpel⸗ und vermischte Einnahmen, weisen einen Ausfall von 339 Pfd. gegen früher nach. Unter dem Titel „Zölle“ zeigt sich in ein Zuwachs von 462,472 Pfd. oder etwa 400,000 Pfd. mehr, in irgend einem Vierteljahr der letzten zwei Jahre. Diese nahme steigerte sich besonders durch die Mehreinfuhr und Nehrverbrauch von Thee, Kaffee, Cacao ꝛc. und giebt einen Beweis von dem vermehrten Comfort der Kon⸗ senten solcher Artikel. Das ganze Jahr betrachtet, ergiebt sich die Zoll⸗Einnahme noch immer gegen das mit dem 5. Okto⸗ 1815 abgelaufene Jahr einen Ausfall von 501,619 Pfd., bringt naber die großen 1 ½ Millionen betragenden Zoll⸗Reductionen von 1s und 1846 hierbei in Anschlag, so erscheint der Ausfall sehr ing. Die Accise ergiebt ein noch günstigeres Resultat; 1845 de diese Art Steuer um beinahe 1 Million Pfd. ermäßigt, und enwärtig zeigt sich eine Erhöhung statt eines Ausfalls in der Ein⸗ hme gegen die Jahre 1843, 1844 und 1845. Oktober 1845 be⸗ gdie Vierteljahrs⸗Einnahme 3,955,106 Pfd., die Jahres⸗Einnahme 069,215, und Oktober 1846 ist sie auf resp. 4,181,920 Pfd. und 251,932 Pfd. gestiegen. Die Einkommensteuer ergiebt für das artal eine Steigerung von 148,245 Pfd., für das Jahr eine eben hhe von 205,031 Pfd.; die Post⸗Einnahme ist im Vierteljahr um 00 Pfd., im Jahr um 114,000 Pfd. gestiegen, so daß sich im nzen folgendes günstige Resultat für den konsolidirten Fonds her⸗ stellt: das Vierteljahr, welches mit dem 10. Oktober 1845 endete,

ein Einkommen von 13,821,674 Pfd.

eine Ausgabe von. 9,005,719 * also einen Ueberschuß von 4,815,955 Pfd. Das mit dem 10. Oktober 1846 endende Vierteljah

ebt: eine Ausgabe von. 8,598,077 » also einen Ueberschuß von 5,762,370 Pfd.

Die Zuschüsse für Irland werden davon freilich eine bedeutende mme erfordern.

Der Standard hält es für sehr wahrscheinlich, daß das Par⸗ nent im nächsten Monat zusammenberufen werden wird. Zwei agen sollen demselben zur Entscheidung vorgelegt werden. Zunächst kile es sich darum, für den Lordlieutenant von Irland, Lord Bes⸗ pugh, eine Indemnitäts⸗Bill zu votiren, daß er die Parlaments⸗ schlisse hinsichts der irländischen Vorschüsse überschritten und dann le das Parlament angegangen werden, den Zoll von 4 Sh. auf⸗ heben, der jetzt noch auf dem Getraide laste. An eine Auflösung Parlaments denke man nicht mehr bei der heutigen Lage des

von 1846

eeiin Einkommen von 14,.360,447 Pfd.

vündes.

WE“ 6n 1 E1“ Der Patriot hat Nachrichten von den Gesellschafts⸗Inseln bis Anfangs Mai. Nach den Angriffen der Eingebornen auf Bora⸗ bora, das die Franzosen räumen mußten, ergriff Gouverneur Bruat mit 1400 1500 Mann wieder die Offensive und zog gegen das Lager der Eingebornen. Diese zogen sich in ihre innersten Verschan⸗ zungen zurück, welche die Franzosen mit Verlust angriffen, sie hatten dabei 27 Todte und 60 Vewundete, während den Taheitern nur zehn Mann verwundet wurden, ohne einen einzigen zu verlieren. Hierauf, erzählt der Patriot, hätten die Franzosen, um sich dafür zu rächen, die Wohnungen und Felder der Eingebornen verheert und verödet, die Kirchen und Wohnungen der englischen Missionaire ver⸗ brannt, ihre Aerndten vernichtet und seien sodann nach Papeiti zu⸗ rückgekehrt. Wenige Tage darauf griffen die Franzosen das Dorf Bonaonia an. Die Eingebornen zogen sich wieder zurück, und die Franzosen, welche bis in die Gebirge den Feind verfolgten, erlitten wieder bedeutende Verluste und wurden geschlagen. Herr Brea, der

Kommandant der Expedition, ward tödtlich verwundet, ein Capitain und der Chef des Generalstabs, Malmache, erhielten schwere Wunden, Der Verlust war so stark wie bei der

zwei Marine⸗Offiziere fielen. Expedition gegen Huahina.

Gelgien.

Brüssel, 13. Okt. Die allgemeine Volkszählung ist im Gange. Dem Wortlaut der belgischen Verfassung zufolge, kann Niemand ge⸗ halten werden, sich zu einer Religion zu bekennen, und so ist auch eine Rubrik für die Personen offen, welche keine Religion zu haben angeben oder sich zu keiner Kirche bekennen wollen. Im Ganzen stellt sich aber heraus, daß auf tausend Personen nur drei in diese Kategorie fallen.

Die Independanee erklärt, daß die von Seiten Belgiens zu Berlin neu aufgenommenen kommerziellen Unterhandlungen durchaus nicht abgebrochen, sondern blos vertagt worden seien.

In dem letzten Minister⸗Rath, der einige Stunden dauerte, be⸗ schäftigte man sich besonders mit der Frage, wie der Noth in Flan⸗ dern abzuhelfen und der unbeschäftigten Bevölkerung im Winter Ar⸗ beit zu verschaffen sei.

Am 11ten hielt der Freihandels⸗Verein seine erste öffentliche Sitzung. Es waren ziemlich viel Zuhörer anwesend.

Herr Gachard ist mit einer Mission nach Spanien abgegangen.

Gegen 175 deutsche Auswanderer, welche ohne Subsistenzmittel und ohne Kontrakt zur Abfahrt nach Amerika in Antwerpen dieser Tage eingetroffen waren, sind unter Gendarmerie⸗Begleitung mit der Eisenbahn nach der preußischen Gränze zurückgesandt worden.

Dänemar h.

Kopenhagen, 10. Okt. (H. C.) Unter den verschiedenen, zwischen dem Koͤniglichen Hofe und dem Herzoge von Glücksburg obwaltenden Differenzen sind mehrfach auch die von Seiten des Her⸗ zogs auf das Gut und die Fabrik Friedrichswerk erhobenen Ansprüche genannt. Dieser Sache scheint indessen eine ausgleichende Lösung nahe bevorzustehen, und soll insbesondere die verwittwete Königin be⸗ müht gewesen sein, jedenfalls in dieser der Politik fremden, rein pri⸗ vativen Angelegenheit eine Verständigung herbeizuführen und unter allen Umständen das Aufsehen eines förmlichen Prozesses zwischen dem Könige und dem Herzoge von Glücksburg zu vermeiden. Wie man er⸗ zählt, hat der Herzog der Königin Wittwe in so weit nachgegeben, daß er sich bereit erklärt habe, in die Renunciation seiner hohen Gemahlin auf die gedachte Besitzung gegen eine möglicherweise relativ mäßige, an sich aber erhebliche Geldsumme zu willigen. Bei der Lage der Sache, die sich vom juristischen Standpunkte aus, und sofern nicht die Be⸗ stimmung des Königsgesetzes, welcher zufolge jeder Besitzzustand in Dänemark nur auf die Allerhöchste Gnade zurückzuführen ist, zur Anwendung kommen sollte, jedenfalls als zweifelhaft darstellt, dürfte diese Erledigung auch von Seiten des Königs Billigung finden.

Beachtungswerth ist hierbei, daß der neuernannte Präsident der schleswig⸗holsteinschen Provinzial⸗Regierung, Kammerherr von Scheel, in dieser Sache der Konsulent und Mandatar des Herzogs von Glücks⸗ burg gewesen ist und bei dieser Gelegenheit große Festigkeit und eine sehr entschiedene Haltung gezeigt hat. Das von einem vollständigen Erfolg begleitet gewesene Auftreten des Kammerherrn von Scheel bei einer zunächst auf Dokumenten⸗-Edition in dieser Sache bezüglichen Mission, der dieserhalb Allerhöchst ernannten Kommission gegenüber, ist hier in gewissen Kreisen noch in guter Erinnerung und steht die⸗ ses Faktum der Annahme zur Seite, daß der neu ernannte Regie⸗ rungs⸗Präsident ein Mann ist, welcher mit Nachsicht und Energie seinen Ueberzeugungen Eingang zu verschaffen weiß, ohne auch nur im Geringsten durch Rücksichten sich leiten zu lassen.

Im Allgemeinen ist man aber hier mit der Reorganisirung der schleswig⸗holsteinschen Provinzial⸗Regierung wenig zufrieden. Wäh⸗

eine

rend eine politische Partei, die viele Anhänger zählt, seit Jahren auf!

Lösung und allmälige Aufhebung der administrativen Verbindung der Herzogthümer Schleswig und Holstein hingearbeitet hat, sieht sie dieses Ziel nicht nur durch die Allerhöchsten Erlasse vom 8. Juli und 18. September d. J., sondern auch faktisch durch eine Reorganisirung der schleswig⸗holsteinschen Provinzial⸗Regierung und insbesondere durch die Art und Weise, wie dies geschehen, in weite, kaum erreichbare Ferne hinausgerückt. Hierzu kommt die bedenkliche Beschwerung des Pensions⸗Fonds durch Entlassung von sechs so hoch besoldeten. Beamten, wie es die entlassenen Regierungs⸗Beamten waren, in voller Arbeits⸗Tüchtigkeit, in der Blüthe des männlichen Alters und unter Belassung ihres vollen Gehalts. Auch ist man, abgesehen von diesen Momenten, in Dänemark derartigen Entlassungen im Allge⸗ meinen wenig geneigt und vielmehr gewohnt, die Stellung der Königl. Beamten als nur durch Recht und Urtheil antastbar zu betrachten und sind einseitige Entlassungen aus administrativen Rücksichten hier fast unerhört.

Mit großer Spannung sieht man den bevorstehenden Stände⸗ Versammlungen in Viborg und Schleswig entgegen. Es ist wohl keinem Zweifel unterworfen, daß die viborger Stände in derber Weise ihren Ansichten Geltung zu verschaffen suchen werden, und erzählt man hier gerüchtweise, daß in Schleswig der Herzog von Augusten⸗ burg sich an die Spitze der constitutionellen Bewegung stellen und außerdem die Entlassung der delegirten Mitglieder aus der holstein⸗ schen Stände⸗Versammlung unter Provocation auf die gleichzeitig versammelten viborger Stände als einen Eingriff in die Stände⸗In⸗ stitution zur Sprache bringen werde. Es läßt sich nicht verkennen, daß eine Provocation auf die viborger Stände in dieser Sache der Regierung Verlegenheiten ganz neuer Art bereiten und die Stellung des Herzogs von Augustenburg im Norden der Königsaue sehr sentlich modifiziren würde.

5 ch

Keaanton Zürich. Die Züricher Zeitung vom 10. Ok⸗ tober enthält Folgendes: „Da wir vernehmen, daß die Abordnung des Herrn von Gonzenbach nach Genf großes Befremden unter den Lberalen erregte, so glauben wir, berichten zu müssen, daß derselbe durchaus nicht in der Eigenschaft eines eidgenössischen Repräsentanten dahin abgeordnet wurde, sondern allein, um dem Vorort über den Stand der Dinge Bericht zu erstatten. Er hat keinerlei Vollmachten erhalten. Zu diesem Zwecke hätte unter keinen Umständen ein Mit⸗ glied der Regierung abgeordnet werden können. Ferner hat Herr von Gonzenbach den bestimmten Auftrag, sogleich zurückzukehren, so⸗ bald er da oder dort in Erfahrung bringe, daß die Ereignisse in Genf erledigt seien. Da dies nun der Fall ist, so dürfen wir seiner baldigen Rückkehr entgegensehen.“

Kanton Genf. Die provisorische Regierung ist sogleich nach ihrer Ernennung durch das General⸗Conseil ins Rathhaus gezogen, um Besitz von der vollziehenden Gewalt zu nehmen. Der Große Rath, unter dem Präsidium des Herrn Rigaud⸗Constant, war, etwa 80 Mitglieder stark, versammelt. Die provisorische Regierung trat in den Saal, erklärte den Großen Rath im Namen des General⸗Con⸗ seils für aufgelöst und forderte ihn auf, sich zu entfernen. Hierauf begab sich die provisorische Regierung in den Sitzungs⸗Saal des Staats⸗Raths und schritt sogleich zur Bildung der Departements, die folgendermaßen zusammengesetzt wurden: James Fazy, Präsident; Gentin, Vice⸗Präsident; Militair⸗Departement: Oberst Rillier, Bor⸗ dier, F. Janin; Finanz⸗Departement: Moulinie der Aeltere, James Fazy; Departement des Innern und der öffentlichen Arbeiten: Bal⸗ thasar Decrey, Janin, Gentin; Departement der Justiz und Polizei: Castoldi, Fontanel; Departement des öffentlichen Unterrichts: L. Gen⸗ tin, Pons. Der Advokat Piguet ist zum abgeordneten Kanzler er⸗ nannt worden.

Die provisorische Regierung erließ nunmehr nachstehende Pro⸗ clamation:

„Die genfer Bürger, nach Väter Sitte aus freien Stücken zu einem General⸗Conseil versammelt, haben beschlossen: Der Große Rath ist für aufgelöst erklärt. Die Abdankung des Staats⸗Raths ist angenommen. Das General⸗Conseil wird sofort eine provisorische Regierung aus 10 Mitgliedern ernennen. Der neue Große Rath ist auf den 25. Oktober einberufen, wird aber nur noch halb so zahlreich sein, wie bisher. In Zukunft soll es blos noch drei Wahl⸗Kollegien geben, eines für die Stadt und zwei für die Landschaft. Der neue Große Rath wird eine Verfassungs⸗Aenderung vornehmen, über welche vom Volke abgestimmt werden soll. Die stehenden Truppen werden abgedankt. Alle am 7. Oktober erfolgten Beschädigungen an öffentlichen und Privathäusern sollen von den abgetretenen Staats⸗ räthen und dem Ober⸗Kommandanten der Regierungs⸗Truppen be⸗ zahlt werden.“

In Folge dieser Bekanntmachung erschien nachstehende Procla⸗ mation der provisorischen Regierung:

f die Ausführung, so steht Most im Schatten. Seine See ist

ht natuwahr genug, die Wellen ermangeln der charalteristischen Formi⸗-

g und des eigenthümlichen Verlaufs der Wasserbewegung. Bei Dela⸗ oir dagegen ist Wasser, schäumendes, nasses, bewegliches Wasser, welches n lüchtiges Studium der Wellenformen bekundet, wovon die halbüber⸗ zende im Vordergrunde ein redendes, man möchte sagen, brausendes ugniß ablegt. Nur hat der Künstler nicht den gehörigen Abstand der tuppe von der Uferlinie berechnet. So wie sie da steht, muß sie unfehl⸗ von dem feindlichen Elemente erreicht werden. Most's Figuren sehen ht, wie sie sollen, zur Thür hinaus. Sie bleiben, namentlich die Frau ber, drinnen mit ihren Blicken, und solche intendirte, aber nicht verwirk⸗ ie Richtung eines Blickes ist immer, namentlich aber da, wo es darauf fommt und der Sinn der Handlung darin besteht, sehr störend. Als he gelungen in der Zeichnung müssen wir noch den Säugling bezeichnen, onders in Betreff des vorgeschobenen entblößten Beines.

ben so will uns auch das Wasser in der „Fischerfamilie am Strande“ 8 624) nicht gefallen. Auch scheint der Horizont näher zu liegen, als

wirklich näheren Wasserstreifen. Besser ist die Lust und das Land⸗ aflliche gelungen. Auch die Gruppe der Familie hat unseren Beifall. n Fischer kitzelt scherzend seinen kleinen Buben, zu dem er sich herab⸗ deazt hat, und die Mutter und eine erwachsene Tochter sehen dem Spiel alheilnahme zu. Noch zwei andere Kinder vervollständigen die glückliche

82 welcher man gern ein theilnehmender Zuschauer wird.

Um gelungensten erscheint: „die Häringspackerei“ (623), welche die nnae des Künstlers, inneren Zusammenhang der Composition, scharfe 8 ualistrung, treuherzige Wahrheit in der Auffassung der Zustände, glücklichsten in sich vereinigt. Wir sehen das Innere eines Waarengebäu⸗

wangefüllt mit den zur angedeuteten Beschäftigung gehörigen Menschen nif dazu passenden ungezwungen erfundenen Moliven. Zu jenen rech⸗ knasc den im Vordergrunde links sitzenden, der Feder ungewohnten, see⸗ ahi chen Buchführer, umgeben von einigen Leuten mit Bottichen voll des gaagen Trösters“. Weiter hinten eine andere Menge, welche die gebuchte n nmeiter behandeln. In ihr tritt hervor ein junges Paar, welches, vhae n seiner Arbeit kontrollirt, Zeit zu gewiß recht unterhaltendem gefunden hat, dem ein Junge zuhört. Zu diesen aber gehören

sher n Vordergrunde sitzende, vor Ermüdung eingeschlafene junge ige, em selbst der ruhige Schlaf nicht die von Anstrengung zeugenden gemildert hat. Zu seimen Füßen verzehrt eine Katze ein vielleicht

e Pfegickirtes Exemplar des vielwandernden Fisches, und in der Mitte

Kzahen⸗ am Boden sehen wir zwei Kinderchen mit Emsigkeit beschäftigt, 8 vin eines Schiffes (denn das stellt ohne Zweifel das Stäbchen mit hen Papier vor) auf dem Meere eines Wasserbottichs zu leiten.

““

Holdselige Geschöpfe dicht neben den durch Arbeit und ihr Geschäft mar⸗

kirten Gesichtern.

Durchaus in humoristisch⸗satyrischen Darstellungen bewegt sich bekannt⸗ lich Peter Haseneclever. Er wäre nicht mit Unrecht der Hogarth un⸗ serer Zeit zu nennen und soll auch neuerdings seiner Richtung wegen be⸗ sonders von Engländern viel beschäftigt worden sein. Wir können bei Bildern von seiner Art nicht viel gegen die Anhäufung spaßhafter oder satyrischer Beziehungen und Motive einwenden, weil die Handlung selbst sich gewöhnlich als ganz klar und verständig daneben darstellt. Es bleibt Jedem dann überlassen, sich so weit in die Einzelnheiten hinein zu vertiefen, als er eben Lust hat. Diese Arbeit ist einerseits nicht schwer, andererseits wird man leicht dazu angereizt, von einem komischen Zuge zu dem anderen fortzugehen, bis man alle aufgefunden hat, und es kommt nur darauf an, daß das Bild eines Gesammtausdruckes nicht ermangele, den es schon aus⸗ üben muß, noch ehe man sich in alle besonderen Motive hineinstudirt hat. Dieses ist am wenigsten der Fall bei „der Segtimentalen“, einem im Kataloge nicht verzeichneten Bilde. Ein Mädchen schaut, von uns abge⸗ wendet, zum Fenster hinaus auf die mondbeglänzte Landschaft mit thränen⸗ bethautem Angesicht. Wir glauben uns zum Mitleid berechtigt und merken erst, wenn wir uns das durch die Lampe erhellte Zimmer genauer betrachten und die Titel der aufgeschlagenen Bücher lesen (Werther's Leiden und Mimili von Clauren), daß wir es mit einer Sentimentalen zu thun haben, die der Maler ein wenig persifliren will. Nun bemerken wir auch das Portrait eines Husaren⸗Lieutenants über dem Bette und sein Medaillon und Brief auf dem Tische, eine zwischen Blättern getrocknete Rose u. s. w. Wissen wir, daß wir es mit Hasenclever zu thun haben, werden wir frei⸗ lich sogleich auf solche Nebendinge achten und nicht säumen, in dem an⸗ scheinend ernsten und ruhigen Bilde den Schalk zu suchen. Eine Klippe für ihn ist die Ueberhäufung. So finden wir z. B. bei den „Schachspie⸗ lern“ (Nr. 281) das Zimmer keinesweges zu sehr angefüllt von Personen; aber dennoch sind ihrer fast zu Viele für die einfache Begebenheit, daß un⸗ erwartet Einer matt gemacht ist, wenn wir uns nicht etwa einen Schach⸗ klub und zwei außerordentlich gute Spieler denken wollen, die allerdings die Aufmerksamkeit einer Stube voll in Anspruch zu nehmen vermögen.

Auch das „Schul⸗Erxamen aus der Jobsiade“ (Nr. 282) bringt uns in solcher Anhäufung fast die ganze Weltgeschichte der Schulbubenstreiche und des Schulkinderlebens: Naschen, Bäriemalen, Zopfeinstecken, Esels⸗ bank, konsiszirte Aepfel, Zank, Fliegenfangen, Tafelbemalen, artige Kinder u. s. w. u. s. w., nichts ist vergessen. Es ist als ob der jüngste Tag einer Dorfschule angebrochen wäre, wo Jeder in seinem wahren Charakter er⸗ scheint. Und über all' dem Wirrwarr erhaben steht Herr Jobs und deutet lautirend auf die Tafel, um das h aussprechen zu lehren; und über der

Thür hängen, wie die Mahner einer schönen durchpaukten und durchschwärm⸗ ten Studentenzeit, die Schläger und die Handschuhe des ehemaligen Stu⸗ diosen der Gottesgelahrtheit. Für den behandelten Stoff hat das Bild die größtmögliche Dimension.

Eine solche erscheint eher gerechtsertigt in einem Vorwurse wie „die Eröffnung eines Testaments“ von Alois Hunin (Nr. 387). Dieses Bild zeichnet sich durch mannigfaltige Schönheiten in Betreff der Technik aus, leidet aber an dem Fehler der Unverständlichkeit und Unbestimmtheit in dem Charakter einzelner Figuren. Wenn auch die meisterhafte Gestalt des ent⸗ erbten Mannes links, die Frau neben ihm mit der Geberde der Freude über unverhofftes Glück, jene Lauschende weiter hinten, eine Gott ergebene Frau in Trauer, lauter bestimmt individualisirte und verständliche Personen sind, so giebt es doch andere, z. B. der hereinschreitende Geistliche, deren Be⸗ theiligung oder Verhältniß zu der Handlung nicht klar ist. Auch bei dem Schreiber stört es, daß der den Enterbten Verlachende ihn nicht wirklich, wie beabsichtigt wird, ansieht. Man ermüdet, bis man sich alle wahrschein⸗ lichen Beziehungen herausgedacht hat, und muß sich dann durch die fleißige und schöne Ausführung schadlos halten lassen.

Ein sehr hübsches Bild, das wir auch im Kataloge nicht verzeichnet finden und die „ungebetenen Frühstücksgäste“ betiteln möchten, von dem trefflichen J. Becker aus Frankfurt, zeigt uns einen Buben, der kaum mit seinem Morgenbrodte, bestehend in etlichen Kirschen und einem Stück Schwarzbrod, vor die Thür getreten ist, als der ganze Viehhof sich um ihn versammelt hat und eine entschiedene Neigung zur Theilnahme an dem Frühstück an den Tag legt. Dies erschreckt den Kleinen dermaßen, daß er laut schreiend seinen Schatz in beiden Händen so hoch über das Haupt er⸗ hebt, als es seine kleine Statur erlaubt. Eine höchst ergötzliche Secene, der die Mutter lächelnd aus der Thür zusieht. Die verschiedenen Thiere sind mit Wahrheit aufgefaßt und mit Sorgfalt wiedergegeben, obgleich hier und da die charakteristische Bewegung sehlt.

Wir nennen noch Basile de Loose, Karl Schulz, Nerenz, Pistorius, Adolf Menzel als solche, deren Bilder aufgesucht und fleißig beschaut zu werden verdienen. Wir können leider nicht näher auf die einzelnen, zum Theil sehr verdienstlichen Werke dieser Künstler eingehen, da die Zeit drängt und die Durchmusterung anderer Gebiete, und zwar zunächst der Landschafts⸗ und der See⸗Malerei, unsere Thätigkeit noch vielfach in Anspruch nimmt. 5.