1846 / 292 p. 3 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

so ernsten Ereignissen höchst auffallend ist. Die ultraradikale Partei will zwar Anarchie, und ein hier erschienenes Büchelchen, „die Volks⸗ wünsche“, enthält abscheuliche Dinge (s. den folgenden Artikel); in⸗ dessen wird dies nur dazz dienen, die Unentschiedenen desto schneller zur provisorischen Regierung hinüberzudrängen. 8 1

Die Eidgenössische Zeitung schreibt: „Wie man hört, haben sich James Fazy, Rilliet⸗Constant ꝛc. sehr beeilt, die proviso⸗ rische Regierung durch eine Volks⸗Versammlung der großen Stadt

bestätigen zu lassen und ohne Zögern das Rathhaus einzunehmen, weeil bereits in St. Gervais bevor nur die jetzigen Machthaber die Macht in Händen hatten schon eine zweite „volksthümlichere“ Regierung in petto war, so daß sich Genf und die Schweiz so unglaublich das auch klingen mag zu allem Unglück noch Glück wünschen darf, daß die Regierung für einmal in diesen Händen ist. So viel geht aus Privatbriefen hervor, die wir für zuverlässig hal⸗ ten können, und in der That erhält die Angabe noch mehr Glaub⸗ würdigkeit, wenn man sieht, wie die Revue de Geneve, die wir vor einigen Tagen noch mit Fug und Recht das Organ des parii émeutier genannt haben, schon in ihrer heutigen Nummer, so zu sagen noch im ersten Siegesrausche, gegen „Excentrizitäten“ anzu⸗ kämpfen hat. Hätten die wahren Enfants du peuple ein eigenes Organ, die Revue de Geneve würde wohl jetzt schon „reactio⸗ nair“ genannt. Sie sagt nämlich: „„So eben wird eine Schrift un⸗ ter dem Titel „der Wunsch des Volkes“ zahlreich nach allen Seiten verbreitet. Diese Schrift enthält mancherlei Gutes, worüber man allseitig einverstanden ist; daneben aber auch Anderes, was wir in keiner Weise zu billigen vermöchten. So z. B. die Errichtung eines erxceptionellen Gerichts, um diejenigen vor dasselbe zu stellen, welche die Urheber und Anstifter der Kanonade waren, die Reactionaire, die Feinde des Volks (das sind die eigenen Ausdrücke der Schrift), scheint uns keinesweges in den wahren Wünschen der Bevölkerung zu liegen, die an nichts weniger als an Rache denkt. Das Volk, das sich ge⸗ schlagen hat, ist zu fortgeschritten, zu civilisirt, um sich auch nur einen Augenblick in Widerspruch zu setzen mit den Grundsätzen, auf wel⸗ chen die wahre Freiheit beruht. Wir haben ein Dekret der proviso⸗ rischen Regierung, das der Handlungsweise derselben zur Grundlage dient; sie wird sich nicht davon entfernen, und wenn „Wünsche“, die diesem Dekret fremd und entgegen sind, sich geltend machen wollen, so muß dies vor dem künftigen Großen Rath geschehen. Uebri⸗ gens müssen wir dem Verfasser des „Volkswunsches“ bemer⸗ ken, daß es wenig Muth verräth, solche Excentrizitäten im Namen des Volkes zu Tage zu fördern, ohne sie nur zu unterzeichnen.““ Uebereinstimmend mit dieser Lage der Dinge melden denn auch Privatbriefe, daß die provisorische Regierung sechs Com⸗ pagnieen Milizen einberufen habe, um die Bewachung der Stadt statt der Blousenmänner des Quartiers St. Gervais zu übernehmen, und daß die Konservativen dem Ruf sehr bereitwillig gefolgt seien; han⸗ delte es sich doch um den Schutz des Eigenthums, und zwar da sechs Compagnieen für nothwendig erachtet wurden gegen An⸗ riffe jeder Art, freilich erst, nachdem sofort nach dem Siege dem Quartier St. Gervais sechs Kanonen und 1500 Flinten als Unter⸗ pfand ausgeliefert worden waren. Eben so deutet uns auch ein Brief aus Lausanne die Lage der Dinge in Genf an, indem er auf den Unterschied zwischen den Erscheinungen daselbst seit dem Siege der Radikalen und denjenigen des Waadtlandes nach der „glorreichen“ Revolution vom 14. Februar aufmerksam macht.“

Die waadtländische Regierung hat sich gegen den abgetretenen Staats⸗Rath sehr loyal benommen; durch die an der Gränze aufge⸗ tellten Truppen sind alle Freischaarenzüge vereitelt worden, so daß

ie genfer Revolution ohne alle fremde Hülfe gemacht wurde. Eine waadtländische Freischaar, die bis Nyon gelangte, wurde von dem dortigen Präfekten verhindert, weiter zu gehen.

Heute kündigt der Föderal mit folgenden Worten an, daß er aufhören werde, zu erscheinen: „Unser Blatt hat gelebt, so lange die National⸗Souverainetät respektirt wurde, und es würde seine Aufgabe weiter verfolgt haben, wenn, wie dies noch möglich war,

vor dem 9. Oktober 10 ½ Uhr (die Stunde, da der Große Rath ge⸗

waltsam aufgelöst wurde) die Legalität fortgefahren hätte, dem neuen Geschick des Vaterlandes vorzustehen. In dieser Stunde haben die Verfassung und die Gesetze aufgehört, zu sein; der Föderal stirbt mit ihnen.“

In der letzten Sitzung des Großen Raths protestirte, laut dem Föderal, Herr Staatsrath Chaulmontet Namens der durch den Vertrag von Turin mit der Schweiz vereinigten Gemeinden und er⸗ klärte, daß sich diese Gemeinden nicht für verpflichtet hielten, einer Regierung zu gehorchen, deren Ursprung illegal wäre.

Der Oberst Chateauvieux ist gestorben, dagegen scheint Herr Favre außer Gefahr zu sein.

Bei den Großraths⸗Wahlen wird die Stadt 44 und das Land 49 Deputirte zu wählen haben.

In Folge der hiesigen Vorgänge sind in Wallis und Freiburg Vorsichtsmaßregeln getroffen worden. In Wallis ist die Landwehr auf das Piket gestellt, in Freiburg sind drei Compagnieen Infanterie und eine Compagnie Artillerie einberufen, und es sollen da neue Landwehr⸗ und Landsturm⸗Bataillone gebildet werden.

Kanton Waadt. Die an die genfer Gränzen gesandten hie⸗ sigen Bataillone sind am 10ten d. beurlaubt worden

II1“

7. Okt. Diesen Morgen um 8 Uhr reiste der Papst von Rom nach Albano und Castell Gandolfo. In Albano wurde er aufs festlichste empfangen, man hatte Ehrenbogen und dergleichen er⸗ richtet, und von Rom und anderen Orten aus hatte sich eine unge⸗ meine Anzahl Karossen und Volks dahin verfügt. Se. Heiligkeit speiste bei den Kapuzinern. Die heute Abend gegen 7 Uhr erfolgte Räück⸗ kehr glich einem Triumphzug. Jede der noch folgenden kleinen Er⸗ holungsreisen wird, theils wegen Mangels an Zeit, theils um den Bewohnern der Orte die Kosten zu sparen, auf Einen Tag be⸗ schränkt sein.

Se. Heiligkeit hat den Kardinal Orioli unter die Kardinäle auf⸗ genommen, welche die Corporation de propaganda fide bilden.

Wie man versichert, hat Se. Heiligkeit den Entschluß gefaßt, die Todesstrafe für immer aufzuheben und deren Stelle durch lebens⸗ längliche strenge Haft mit Arbeit vertreten zu lassen.

Nach südfranzösischen Blättern hat der Papst an die Stelle der Kardinal⸗Congregation, welche seinen und des Kardinal Gizzi Plä⸗ nen kein freundliches Entgegenkommen zeigte, eine Consulta di stalo ernannt, die aus den Unter⸗Staats⸗Secretairen, den Prälaten, welche in Rom die höchsten Administrativposten einnehmen, und eini⸗ gen noch zu ernennenden Laien bestehen soll.

8 8

1 Madrid, 11. Okt. Gestern Abend fand (wie bereits erwähnt) die seierliche Einsegnung der beiden hohen Brautpaare im Thronsaale statt. Zur Rechten des Thrones waren die Sitze für die Infantin Luisa, den Infanten Don Francisco de Paula Antonio, den Infanten Don Francisco de Asis und die Herzoge von Montpensier und Aumale;

Throne war ein Altar mit einem Kreuze und Kandelabern errichtet.

frauen festlich geschmückten Maschine,

1240

Nachdem sämmtliche Anwesende die ihnen angewiesenen Plätze eingenommen hatten, erhob die Königin Isabella sich vom Throne und schritt, geführt von dem Infanten Don Francisco de Asis, auf den Altar zu; ihr folgte die Infantin Luisa, geführt von dem Her⸗ zoge von Montpensier, die Königin Christine und der Herzog von Aumale. Vor dem Altare nahm die Königin Mutter ihren Platz zwischen den beiden hohen Brautpaaren ein, und zwar stand die Kö⸗ nigin Isabella mit dem Infanten Don Francisco de Asis ihr zur Linken und die Infantin Luisa mit dem Herzoge von Montpensier zur Rechten. Der Patriarch schritt nunmehr zum Beginn der Cere⸗ monie, indem er zuerst die Königin und die Infantin und dann den Infanten und den Herzog von Montpeusier fragte, ob sie auch voll⸗ kommen von dem Zwecke ihres Hierseins unterrichtet seien, ob sie wüßten, daß kein anderes Hinderniß bestehe, als das der Verwandtschaft, welches durch die Dispensation des Papstes hinweggeräumt worden, und ob ihre Einwilligung auch eine freiwillige sei. Nachdem diese Fra⸗ gen beantwortet waren und der Patriarch sodann die Königin Isa⸗ bella gefragt, ob sie den Infanten Don Francisco, und die Infantin Luisa, ob sie den Herzog von Montpensier nach den Bestimmungen der heiligen katholischen, apostolischen und römischen Kirche als ihren gesetzlichen Gemahl zu ehelichen Willens sei, und Beide, nachdem sie der Königin Mutter die Hand geküßt, geantwortet hatten: „Ich will“, richtete er dieselbe Frage an den Infanten und den Herzog, und als auch diese auf dieselbe Weise geantwortet, ergriff er das Kreuz und erklärte beide Paare für gesetzlich verbunden mit folgenden Worten: „Im Namen des allmächtigen Gottes, der heiligen Apostel Petrus und Paulus und der heiligen Mutterkirche vereinige ich in gesetzlicher Ehe (hier folgen die Namen der hohen Paare), und ich bestäͤtige dies heilige Sakrament der Ehe im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.“

Der Patriarch besprengte sodann beide Paare mit Weihwasser, und die Ceremonie war beendigt.

Am folgenden Tage begaben sich die Neuvermählten mit der Königin Mutter und allen Personen, welche der gestrigen Ceremonie beigewohnt hatten, in feierlichem Zuge nach der festlich geschmückten Kirche von Atocha, wo sie von dem Patriarchen empfangen wurden. Hier begann die Feierlichkeit damit, daß der Patriarch über die drei⸗ zehn Geldstücke, welche der Bräutigam der Braut überreicht, und die von dieser sogleich der Kirche geschenkt werden, den Segen sprach. Nachdem dann die Ringe gewechselt waren, folgten die Neuvermähl⸗ ten dem voraufgehenden Prälaten bis an die Stufen des Altars, wo sie niederknieten und die eheliche Einsegnung empfingen. Hierauf las der Patriarch eine Messe und richtete dann noch folgende Worte an beide Paare: „Jetzt, da Sie den von der Kirche vorgeschriebenen Segen empfangen, habe ich Ihnen nur noch zu empfehlen, einander treu zu sein, einander zu lieben als Mann und Weib und in der hei⸗ ligen Furcht Gottes zu leben. Amen.“ Nachdem sodann das Evan⸗ gelium verlesen war, wandte sich der Patriarch an die beiden Bräu⸗ tigame mit den Worten: „Ich habe Ihnen eine Gesährtin gegeben und nicht eine Dienerin, lieben Sie dieselbe, wie Jesus Christus seine Kirche liebt. Gehen Sie hin in Frieden!“ 8

Hiermit schloß die Feierlichkeit, und die Königliche Familie kehrte in den Palast zurück.

Sriechenland.

Athen, 20. Sept. (D. A. Z.) In diesen Tagen wurden mehrere Richter abgesetzt und andere an ihre Stelle gewählt. Im Allgemeinen war man der Ansicht, daß die Entlassenen nicht mehr im Best ihrer Stellen bleiben durften wegen der Parteilichkeit, die sie sich in denselben hatten zu Schulden kommen lassen; die Neuerwähl⸗ ten aber gelten für achtbare und tüchtige Männer. Das macht Herrn Kolettis, der das Ministerium der Justiz mit verwaltet, große Ehre, besonders insofern er sich bemüht, inmitten nicht geringer Schwierigkeiten den Richterstand von solchen zu säubern, die sich seit einiger Zeit auf unwürdige Weise in denselben einzuschleichen ge⸗ wußt haben, und insofern er danach strebt, den Ruf dieses Standes durch entsprechende Wahlen zu heben. Unter den neu er⸗ nannten Richtern befindet sich auch ein junger Grieche aus Gortynia, B. Nikolopulos, welcher der erste Doktor ist, dem die juristische Fa⸗ kultät unserer Universität vor einigen Monaten diese Würde ertheilte, während die medizinische Fakultät dieselbe schon vielen Aerzten ver⸗ liehen hat, von denen manche ihrer besonders würdig sind. Das könnte vielleicht auffallen, weil es natürlich war, daß die medizinische Fakultät bei der Schwierigkeit des Studiums und bei dem hier herrschenden Mangel an den erforderlichen Hülfsmitteln, wie z. B. großer Krankenhäuser ꝛc., weniger fruchtbar als die juristische sich zeigte. Aber das Gegentheil davon erklärt sich dadurch, daß die jungen Juristen in Griechenland bleiben, die Aerzte aber meistentheils sich nach der Türkei wenden, und eben deswegen herrscht in Betreff der Ersteren eine größere Strenge als bei den Letzteren, wozu noch kommt, daß die Juristen ihr Amt auch ohne Diplom der Universität verwalten können, und es dazu genügt, daß sie bei einer leichten Prüfung vor einer Kommission von Juristen bestehen, die Aerzte aber nicht die Erlaubniß erhalten, ohne Diplom zu praktiziren und daher gezwungen sind, mehr als die Anderen die Erlangung des Diploms zu betreiben. Endlich scheint auch die medizinische Fakultät in gewisser Hinsicht besser organisirt zu sein als die juristische.

Kürzlich ist auf der hiesigen Universität ein neuer Lehrstuhl, nämlich eine Professur der asiatischen Sprachen, errichtet und ein die⸗ ser Sprachen ganz mächtiger Lehrer dafür bestimmt worden. Er⸗ wägt man die Lage Griechenlands in Bezug auf den Orient und na⸗ mentlich seine Verhältnisse zur Türkei, so muß man sich wundern, daß dies nicht früher geschehen ist, und es gebührt Herrn Kolettis Dank dafür, daß er diese nothwendige Ergänzung der Universität ins Werk gesetzt hat. Gleichwohl unterläßt die Opposition nicht, zu be⸗ haupten, daß Kolettis den Untergang aller Bildung und besonders den der Universität wolle!

Athen, 4. Okt. (A. Z.) Die Berathungen in der Kammer der Abgeordneten über das Budget der Ausgaben des Kriegs⸗Mini⸗ steriums sind mit großer Majorität für die Regierung beendigt worden, obgleich die Opposition durch den immer schillernden, immer zwei⸗ deutigen Kammer⸗Präsidenten Riza Palamides aus Tripolizza, der neulich in die Reihe der Gegner der Regierung getreten ist, nachdem er lange genug ein falscher Freund gewesen war, den Budget⸗Ent⸗ wurf der Regierung mit Beredtheit zwar, aber mit wenig Sachkennt⸗ niß bekämpfen ließ.

Mit dem letzten Dampfschiff von Triest traf der Köni lich preu⸗ ßische Gesandte, Baron von 1 mit seiner vgen Vearapfts nach vierwöchentlicher Abwesenheit hier wieder ein.

Eisenbahnen.

Kulmbach, 15. Okt. (N. K.) Der heute am Namenstage Ihrer Majestät der Königin erfolgten Eröffnung der Lichten⸗ fels⸗Neuenmarkter Bahnstrecke ging die nochmalige Unter⸗ suchung derselben und der einzelnen Stationen durch den General⸗ Direktor der Königlichen Eisenbahnen, Freiherrn von Brück, voraus. Um 7 Uhr Morgens ging der Zug, mit einer von hiesigen Jung⸗ von hier nach Neuenm

c euenmarkt ab, 16 v“ 1hh“

wo die Ankommenden mit Gesang empfangen wurden.

aus setzte sich dieser Zug, welchem zahlreiche P

ersonen e

Ständen beiwohnten, nach Nürnberg in Bewegung und n allen neuen Stationen mit Jubel begrüßt, welcher

die vielen Gäste brachte,

bereitet war.

den

Im Bahnhofe selbst wurden de Direktor und die Bahnbeamten von den Königl. Landweh

en hier ein

und den Mitgliedern der städtischen Behörde, unter Musik

Salven, freundlich begrüßt.

Mittags vereinte ein fröhliche

in 1b sich steigerte, als ein langer Wagenzug, der um hoha gens von Nürnberg mit zwei Maschinen ab

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an 100 Personen im Gasthause zum Hirschen, wo Abends“,

Ball stattfand.

Aue allen umliegenden Orten war man

eilt, um die längst ersehnte Maschine ꝛc. zu beschauen.

6 Uhr ging ausnahmsweise ein Zug nach

Unfall störte die Feier des doppelt festlichen Tages.

öffnung dieser Bahnstrecke ist die Verbindung mit Sa

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Nürnberg zurüch

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Bedeutendes erleichtert, und es dürfte die nächste Folge si

hamburger und bremer Güter den Weg nach

chenbach und unsere Stadt nehmen werden.

Die Eisenbahn von Stuttgart nach Ludwigsburg und m lingen ist am 15. Oktober dem öffentlichen Verkehr übergehen

Nürnberg ir

8 Handels⸗- und Börsen-Nachrichten.

Berlin, 20. Okt

.

Die Börse eröffnete heute flau,

stellten sich zuletzt abermals niedriger als gestern.

Marktpreise vom Getraide.

Berlin, den 19. Oktober 1846.

Zu Lande: Weizen (weißer) 3 Rthlr. 6 Sgr., auch 3 R

2 Pf. und 2 Rthlr. 28 Sgr. 10 Pf.; Roggen 2 Rthlr. 21 auch 2 Rthlr. 16 Sgr. 10 Pf.; große Gerste 1 Rthlr. 24 8 1 Rthlr. 22 Sgr. 10 Pf.; lleine Gerste 1 Rthlr. 21 Sgr. 7 1 Rthlr. 13 Sgr. 2 Pf., auch 1 Rthlr. 9 Sgr. 7 Pf. Einge

78 Wispel.

ö 2 N.

Zu Wasser: Weizen (weißer) 3 Rthlr. 12 Sgr., auc;

8 Sgr. 5 Pf. und 3 Rthlr. 3 Sgr. 7 P gg 1 Rthlr. 16 Sgr. 10 Pf.; große Gerste 1 Rthlr. 2 Hafer 1 Rthlr. 11 Sgr. 6 Pf., auch 1 Rthlr. 10 Sgr. sj 2 Rthlr. 12 Sgr. Eingegangen sind 116 Wispel 20 Schefefel

Sonnabend, den 17. Oktober 1846.

Das Schock Stroh 6 Rthlr., auch 5 Rthlr. 1 Centner Heu 27 Sgr. 6 Pf., auch 20 Sgr.

Berliner

Den 20. Oktober

1846.

Börsse.

f.; Roggen 2 Rthlr. 20 g.

09 Chh. ¹ 1

0 2 Sgr ü5f

Fonds.

Beief.

Pr.

Cour.

Geld. Gem.

ctien.

St. Schald-Sch. Prämien-Scheine d. Seeb. à 50 T. Kur- u. Neumärk. Schuldverschr. 3 ½ Berliner Stadt- Obligationen Westpr. Pfandbr.- 8 Grossh. Pos. do. do. do. Ostpr. Pfandbr. Pomm. do. Kur- u. Neum. do. 3¼¾ Schlesische do. do. v. Staat g. Lt B.

Gold al marco. Friedrichsd'or. And. Gldm. à 5 Th.

92² ½¼

do. Obl. Lit. A. B. do. Lit. C. Mgd. Lpz. Bisenb.

do. do. Prior. Obl. Rhein. Eisenb. do. do. Prnior. Obl.

B.-St. B. Lt. A. u. B. Magd.-Halbst. Eb. Br.-Schw.-Frb. E. do. do. Prior. Obl.

do. do. Prior. Obl. Düss. Elb. Htrenb, 4

do. v. Staat garant.- 0b.-Schles. E. L A do. Prior. do. Lt. B.

Brl. Potsd. Magdb. 4 85

4. 4S—

Bonn-Kölner Bsb. do. Prioritat Nied.-Mrk. Zwgb.

do. Priorität Wilh.-B. (C.-O.)

do. do. Prior. Obl. 4 V V Brl. Auh. 1e. es. 1102 4

5 - Niedersch. Mk. v. c. 1 88

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do. Priorität 5 1003

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Berlin-Hanburger 4

96*

die Mehrzahl dieser Versammlungen hat im Jahre 1846

nicht so schnell zum Ziele wird gelangen können.

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Amsterdamnmn . ... ö“

do. Hamburg do.

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Wien in 2 Augsbueg e“

Breslau

Leipzig in Courant im 14 Thl. Puss.

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Auf Höchstes Begehren: Waleenstein

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Inhalt. grankreich. Schreiben aus Paris. (Ergebnisse der Berathungen der General⸗Conseils.) .“

iber die diesjährige Aerndte im Allgemeinen und insbesondere über die der Kartoffeln.

Frankreich.

x. Paris, 15. Okt. Man kennt jetzt die Verhandlungen und eschlüsse fast sämmtlicher General⸗Conseils. Die Wünsche, welche n der Mehrzahl derselben an die Regierung gebracht wurden, kön⸗ en als der Ausdruck der wahren Stimmung und zugleich der Be⸗ ürfnisse des Landes gelten, denen von Seiten der Kammern und der negierung früher oder später Befriedigung zu Theil werden wird. . die schon üher ausgesprochenen Wünsche für Abschaffung der so schwer auf m Landbau lastenden Auflage auf das Salz, für Reform des Post⸗ esens und die Post⸗Tarife, für Einführung einer Hundesteuer, für ufhebung des der Regierung oder, richtiger gesagt, dem Staats⸗ zatze zufließenden und von diesem vorweg erhobenen Zehntheils von n Erträgnissen der Octrois der Städte, für Wiederanpflanzung von aldungen auf den nun davon entblößten Bergen, endlich für Her⸗ setzng des Zinsfußes der fünsprozentigen Rente erneuert. Fast e diese verschiedenen Vorschläge waren schon vor den Kammern lbst zur Verhandlung gekommen, ohne jedoch noch zur Entscheidung braht worden zu sein. Aller Wahrscheinlichkeit nach dürften sie ese genau in der Ordnung erhalten, wie sie vorstehend nach einan⸗ ar afgeführt sind; aber darüber werden sicher noch manche Jahre rsießen, da der Ausfall, welcher durch Versiegung dieser innahmequellen für den Staatsschatz entstehen wird, doch ch erst gedeckt werden, der Finanz⸗Minister die Mittel zu aufsuchen muß. Daß die Abschaffung der Auflage auf Salz schon in der nächsten Kammer⸗Session erfolgen werde, darf in als so ziemlich gewiß annehmen, da der Finanz⸗Minister selbst mit einverstanden ist, und Herr Demesmay, der unermüdliche Vor⸗ npfer für diese Reform⸗-Maßregel, wird also endlich sein Ziel er⸗ cht sehen. Auch die Post⸗Reform, worin andere Staaten Frank⸗ ch längst vorangegangen sind, kann nicht lange mehr verschoben nden, da über diese Frage fast unter allen Parteien jetzt Einstim⸗ gkeit berrscht und ein unleugbares Bedürfniß hier für das Land vor⸗ ge. Die Einführung einer Auflage auf die Hunde, zumal diejenige asee dieser Hausthiere, welche nicht sowohl des Nutzens als des gnügens halber gehalten werden, wird schon deshalb bald wenig iderspruch mehr erfahren, weil einerseits alle Welt über die Nach⸗ ile und wirkliche Gefahr der übergroßen Zahl dieser Thiere ein⸗ standen ist, andererseits gerade durch den Ertrag einer solchen flage wenigstens ein Theil des durch Aufhebung anderer entstehen⸗

Ausfalls gedeckt werden kann. Für Vorbereitung der Maßregeln Wiederbewaldung der jetzt kahlen Gebirgshöhen, namentlich in Departements der Hochalpen, der Isere, Ardeche, des Var und Vaucluse, hat die Regierung bereits durch eine Kommission alle higen Vorarbeiten veranlaßt, um später den Kammern geeignete schläge darüber zu machen. Die eigenthümliche Natur und Wichtigkeit wie der Umfang dieser Maßregel aber, so wie ferner damit verbundenen Kosten, machen es erklärlich, daß man damit Am meisten Wider⸗ vo wird immer die Herabsetzung des Ziasfußes der fünfprozentigen ate finden, denn wenn auch der Finanz⸗Minister im Prinz p die ässigkeit der Maßregel als ein dem Staate zustehendes Recht an⸗ uint, so ist doch heute noch, wie früher, die große Mehrheit der irs⸗Kammer derselben entgegen, und so lange diese ihren Wider⸗ ad sortsetzt, ist nicht an Durchführung der Maßregel zu ken. Ein General⸗Conseil, das des Cote d'dr, hat eine seutende Herabsetzung des Octroi in den Städten auf den Wein langt, in der Ueberzeugung, daß dadurch der Verbrauch des Weins üchtlich würde vermehrt und der Verfälschung der Weine, die na⸗ llich die Gesundheit der arbeitenden Klassen bedroht, ein Damm de entgegengesetzt werden. Mehrere General⸗Conseils haben auch nsche für Verbesserung der Lehrergehalte an den Kommunalschulen

baldige Vorlegung eines bezüglichen Gesetz⸗Entwurfs ausgedrückt. eiftigste Vorkämpfer für diesen Punkt, Herr Moreau, Deputirter siebenten Bezirks von Paris, wird nicht unterlassen, auch in der isten Session wieder die betreffenden Anträge zu erneuern. jeßt so viel besprochene Frage der allgemeinen Han⸗ efreihit hat einige General⸗⸗ Conseils zum Ausdruck von insch für Einführung von Zoll⸗Reformen veranlaßt. Aber

t ein einzges, was sehr bedeutsam ist, hat die vollständige und

erzügiche Abschaffung der Schutzzölle angerathen. Die vorherr⸗ ende Stimmung war für allmälige Wegräumung der inneren ranfen, die noch der Freiheit des Verkehrs sich entgegenstellen fast noch läͤstiger sind, als die ehemaligen Zolllinien, welche die vinzen des Landes von einander trennten. Die Herabsetzung oder möglich gänzliche Umgestaltung der Octroi⸗Abgaben ist eine Idee, ein kurzer Zeit rasche Fortschritte gemacht hat. Daß einige eral⸗Conseils sich auch für eine Wahlreform aussprachen, ist bei geringen Anklang, den dieser Antrag in der großen Mehrzahl unden hat, nur im Vorbeigehen zu erwähnen. Im Ganzen haben die General⸗Conseils fast durchgehends auf dem praktischen Felde moralschen und materiellen Interessen des Landes gehalten, und 8g allein sind auch praktische Resultate von ihrer Wirksamkeit arten.

geber die diesjährige Aerndte im Allgemeinen und insbesondere über die der Kartoffeln *).

Hah Fahr 1845 schloß für uns Deutsche mit banger Besorgniß für 3 8 t. Nach den Berichten über die geärndteten Vorräthe an Lebens⸗ 8 gegen die Zeit der neuen Aerndte Mangel zu besorgen. Noch ag⸗ mußte die häufig geäußerte Furcht machen, es würde im F⸗üh⸗ en wosseln zur Aussaat sfehlen, und diejenigen, welche eiwa noch dem Kleinn urch Fäulniß entgangen wären, würden nicht keimen. Ja, es gab 8 nüthige, welche meinten, diese wichtige Fruchtwerde aufhören, ihre Seg⸗ 42 swenden; wenigstens sei von den ausgearteten Abkömmlingen des 8 remden Welttheile übergesiedelten Gewächses ein voller Ertrag afenn eannn. Es müsse neue Saat aus dem Vaterlande der anzikhen. eigeschafft werden, oder man müsse sich eine solche aus Saa⸗ nncr der zweite Monat des neuen Jahres verflossen war, zeigte sich, üi dvier Vorräthe an Nahrungsmitteln zu gering angeschlagen hatte. nlich 88. 8n das hoffnungsvolle Grün der Sagten bei dem unge⸗ i if,d en Winter darauf ein, daß die Besorgnisse sich verminderten. Acc⸗ Preise vom Februar an allmälig. beruntergingen. Mai in Waamen⸗Kartoffeln sehlte es nicht; im Gegentheil, es war Inhaber einigen Gegenden ein solcher Vorrath davon vorhanden, daß Haber derselben kaum wußten, was sie damit anfangen sollten. Auch

3 *) A2q 5 3 2 1 lin, vhe Aufsatz ist aus der seit Juli d. J. bei G. Bethge zu Pmn ne aldsbrücke Nr. 16, erscheinenden Zeitschrift „der Säemann“ en Preis vierteljährlich 72 Sgr.

1241

Zeitung.

89

Mittwoch den 21 Oktober.

trieben die neu gepflanzten Knollen krästige Triebe, und alles Volk sah, daß der gefürchtete Nothstand nicht eintrat. Das ungewöhnlich warme Frühlingswetter wirkte wohlthätig auf die ganze Pflanzenwelt. Der Acker⸗ bauer mußte eine reiche Aerndte erwarten. Er eilte also, seine Vorräthe zu guten Preisen loszuschlagen, indem er fürchtete, daß nach der Aerndte jene tief sinken würden.

Im Rathe der Vorsehung war es jedoch anders beschlossen.

Beim Schossen des Roggens und als sich die Aehren zeigten, bemerkte man in einigen Gegenden, besonders am Rhein und in Westphalen, daß diese erste unserer Brodfrüchte an einer ungewöhnlichen Krankheit leide, die mit dem Roste, der dem Weizen zuweilen höchst verderblich wird, eine Aehnlichteit hat. Diese Erscheinung ist beim Roggen eine seltene, weshalb man auch Zweifel hegte, ob nicht manche Berichte die Sache übertrieben hätten. Leider! ist es diesmal nicht der Fall.

Der Roggen hat in vielen Gegenden bei der Körner⸗-Ausbilrung durch eine Krankheit gelitten, und es ist gewiß, daß der Körnergewinn von dieser Frucht ganz außer Verhältniß zu der Strohmenge steht, die sie geliefert hat. Diese scheint aber reich ausgefallen zu sein, denn auf einem Wege von 60 bis 70 Meilen nach verschiedenen Nichtungen hin habe ich große Getraide⸗ Feimen (Miethen, Schober, Diemen) angetroffen, die seit mehreren Jahren in solcher Menge nicht bemerkt wurden. Da nun außerdem der Roggen ein sehr gutes Gewicht hat, von 85—89 Pfund der berliner Scheffel, so kann ich mich davon nicht überzeugen, daß in Deutschland Mangel an Roggen eintreten werde. Nach meinen früheren Erfahrungen bei Mißaͤrndten ang Roggen erreichte derselbe dann nicht das Gewicht von 80 Psd. für den berliner Scheffel, sondern ich habe in solchen Fällen noch Roggen gewonnen, der nur 75 bis 78 Pfd. wog.

Ueber Rost im Weizen wird weniger als in anderen Jahren ge⸗ klagt. Derselbe hatte ebenfalls eine Zeit lang, aber vor dem Austrieb der Aehren, die verdächtigen Rostflecke in den Blattscheiden, die den Halmen umgaben; auch ist er wegen der ungewöhnlichen Hitze und Dürre in der letzten Hälfte des Juli und ersten des August zu schnell gereift und be⸗ kommt kleine Körner. Dieselben sind aber mehlreich und das Gewicht eines gewissen Hohlmaßes ein durchschnittliches.

Die Menge an eingeschnittenen Gebunden beim Weizen ist wohl an den meisten Orten in Deutschland unter mittelmäßig geblieben. Wo der Boden nicht eine große, wasserhaltende Krast hat, da fehlte es zu der Zeit, wo diese Frucht sich am stärtsten entwickelt, an Feuchtigkeit.

Die andauernde Hitze und Dürre hielt noch mehr die Sommer⸗Halmen⸗ früchte, Erbsen, Wicken und Bohnen, besonders auf allen Bodenarten mit durchlässigem Untergrunde, in der Entwickelung zurück. Wo der Boden nicht durch einen Gewitterregen zu rechter Zeit ersrischt wurde, gaben sie nur schwache Erträge. Aber solche Strichregen gehörten in diesem Sommer zu den ihm eigenthümlichen Erscheinungen. Wenn die eine Feldmark stets zu rechter Zeit mit Feuchtigkeit versehen wurde, so hielt die Dürre auf der anderen ohne Unterbrechung an. Man muß daher bei Abfassung eines Witterungs⸗ und Aerndte⸗Berichts mit großer Umsicht verfahren. Man darf vor den Ergebnissen Einer Feldmark oder Eines landräthlichen Kreises nicht auf das Ganze einen Schluß machen. We so ein Strichregen zur rechten Zeit gefallen ist, hat man eine reiche Aerndte in den meisten Er⸗ zeugnissen gehalten.

Dieser wechselnde Regenfall scheint die Ursache zu sein, warum sich bei den Wurzel⸗ und Krautgewächsen, namentlich bei den Kartoffeln, so sehr abweichende Erscheinungen herausstellen. An einigen, freilich sehr wenigen Orten sind die Kartoffeln nicht nur ganz gesund, sondern sie geben auch einen völlig genügenden Ertrag. An anderen sind sie zwar gesund, aber voller Nachwuchs, der klein und unreif geblieben ist. Dies ist überall dort der Fall, wo die Dürre eine Zeit lang anhielt und wo die Ackerkrume zur Zeit des lebhaftesten Wachsthums durch einen tief eindringenden Gewitter⸗ regen erfrischt wurde. Dieser Wechsel des Feuchtigkeits⸗Zustandes bewirkte bei der großen Hitze eine erneute Thätigkeit der Pflanzen. Die bis dahin erwachsenen Früchte (Knollen) trieben Ableger, neue Ansätze, die wegen der sortgeruckten Zeit keine Reife erlangen konnten. Diese neuen unreifen Knollen, mit den früher angesetzten durch Stränge verbunden, erschweren das Ausnehmen und verschlechtern die gewonnenen Früchte, wenn sie nicht durch Auslesen von den reifen gesondert werden.

In niedrigen Gründen, wo die Ackerkrume zeitweise eher zu viel als zu wenig Feuchtigkeit hatte, sind die Kartoffeln wieder, wie im vorigen Jahre, krank. Diese Krankheit zeigt sich aber auf die verschiedenste Weise. Entweder es werden auf der Oberfläche der Knollen einzelne schwarze Flecke angetroffen oder sie sind ganz oder theilweise in Fäulniß übergegangen. Noch häusiger findet man Früchte, die unter der Schaale mit einer schwa⸗ chen braunen Masse umgeben sind. Die Erfahrungen des vorigen Jahres haben dargethan, daß solche Kartoffeln bei vorsichtiger Aufbewahrung lange danerm und theils zu technischen Gewerben, theils zu Viehfutter brauch⸗ ar sind.

Eine auffallende Erscheinung ist die, daß in ausgedehnten Landstrichen das Wachsthum der Kartoffeln bereits im August, und zwar nach einem fruchtbar scheinenden Gewitterregen, aufhörte, daß das Kraut derselben an⸗ fangs einzelne schwarze Flecke zeigte, dann abstarb, und daß sonach die Spätkartoffeln bereits im ersten Drittel des Septembers so trocken aussa⸗ hen, wie man es um diese Zeit nur von Frühkartoffeln gewohnt ist. In anderen angränzenden Gegenden ist das Kraut noch jetzt im Oktober grün, wo es die Nachtfröste des vorigen Monats nicht zerstört haben.

Jenes frühe Absterben des Krautes ist keinesweges im Zusammenhange mit der vorjährigen Kartoffelkrankheit. Auf einem 50 bis 60 Meilen aus⸗ gedehnten Wege von Süden nach Norden hat der Unterzeichnete Landstriche angetroffen, wo das Kraut noch jetzt gesund ist, obgleich im vorigen Jahre dort die Krankheit häufig bemerkt wurde, dagegen ist in anderen, wo dies nicht der Fall war, das Kraut schon in den ersten Tagen des Septembers dürre geworden. Es scheint hier dieselbe Ursache zum Grunde zu liegen, welche in diesem Frühjahr die Veranlassung der Fehl⸗Aerndte an Pfirsichen und Pflaumen war, deren Blätter durch das sogenannte Befallen litten, ein Uebel, dessen wahrer Ursprung nicht genügend erklärt ist. Daß die Atmo⸗ sphäre die Ursache sei, ist wohl entschieden, keinesweges aber kann angenom⸗ men werden, daß in der Luft selbst sich eine verderbliche Masse erzeuge und auf die Pflanzen herabsalle. Wäre dies, so müßten alle Pflanzen gleich⸗ mäßig erkranken. Da dies aber nicht geschieht, da vielmehr nur gewisse Arten von Gewächsen und in einem gewissen Grade ihrer Ausbildung da⸗ durch leiden, so muß wohl angenommen werden, daß entweder ein schneller Wechsel zwischen Wärme und Kälte oder ein ungewöhnliches Zuströmen von Nahrung eine Störung in der regelmäßigen Ausbildung der Pflanzen verursache, mit anderen Worten, sie krank mache oder gar ihr Absterben (Verdorren) herbeiführe. Daß durch ein solches Ereigniß die Kartoffeln in ihrem Ertrage leiden müssen, ist erwiesen, denn es haben Versuche, welche man mit dem Abschneiden des Krautes angestellt hat, dargethan, daß da⸗ durch die Knollenbildung ungemein leidet. In solcher Art habe ich auch über den Rückschlag der Kartoffel⸗Aerndte an Orten, wo das Kraut schon im August abgestorben ist, Beobachtungen angestellt und gefunden, daß ein Drittel von der vollen Aerndte sehlt, gegen andere Gegenden, wo das Kraut einen Monat länger grün geblieben ist. Die in oöͤffentlichen Blättern verkündigte Thatsache, daß die Verderbniß von dem Kraute auf die Fruüchte übergegangen sei, habe ich an mehr als hundert Orten in der Provinz Brandenburg, in Pommern und der Lausitz nicht bestätigt gesunden. In besonders nassen Gründen habe ich saulende Kartoffeln angetroffen und vorzugsweise bei der Sorte mit weißer und gel⸗ ber, seltener bei Sorten mit rother Schaale.

Noch muß ich bemerken, daß dort, wo das Kartoffelkraut durch das erwähnte Befallen frühzeitig vertrocknet ist, auch das zum Grünfutter ge⸗- säete Wintergemenge voller Rostflecke und deshalb ungenießbar für das Vieh war. An Orten, wo die Kartoffeln Ende Septembers noch grün waren, fand ich doch das in die Stoppeln gesäete Wicken⸗, Erbsen⸗, auch Hafergemenge ganz gesund, woraus folgt, daß diejenigen in Irrthum sind, welche meinen, es habe sich eine nur den Kartoffeln eigenthümliche Krank⸗ heit eingestellt, welche den serneren Anbau derselben in Gefahr bringe. Es ist eine längst beobachtete Thatsache, daß alle mit vielem Saft versehene Früchte, wie Pfirsich, Aepfel, Birnen und die Rüben⸗Arten, in manchen Jahrgängen ungewöhnlich zur Fäulniß hinneigen, wie alle erfahrene Haus⸗ frauen bestätigen werden. Die sorgfältigsten Beobachtungen, welche ich

————V über das Wesen der in beiden Jahren herrschenden Kartoffelfrankheit an⸗ gestellt habe, nöthigen mich zu der Ansicht, daß ich sie keinesweges für eine ganz unerhörte Erscheinung halten kann, die in der Verderblichkeit zunehmen wird. Im Gegentheil, ich habe die Hoffnung, diese Krankheit wird bei ge⸗ wöhnlicher Sommerwitterung wieder verschwinden, wie es mit anderen Pflanzenkrankheiten, die ihren Ursprung aus der Witterung herbeileiten, zu geschehen pflegt. Rost, Mutterkorn, Mehl⸗ und Honigthau richten bei den Halmfrüchten, den Oelgewächsen und anderen angebauten Pflanzen in man⸗ chen Jahrgängen große Verheerungen an. Nachher vergeht dann oft eine Zeit lang, bevor sie wiederkehren.

Es scheint mir nöthig, hiernach einige Behauptungen über die veran⸗ lassenden Ursachen der Kartoffelkrankheit einer Prüfung zu unterwerfen.

Man hat gesagt, diese aus einem fremden Welttheile zu uns gebrachte Pflanze sei deshalb ausgeartet, weil man sie allein durch die Knollen fort⸗ pflanze und sie nicht oft genug aus dem Saamen erneuere. Aber es hat sich gezeigt, daß die aus dem Saamen gezogenen Kartoffeln eben so gut als die Ablömmlinge von der Knollenpflanzung, wenn sonst alle Verhaͤlt⸗ nisse gleich waren, von der Krankheit ergriffen wurden.

Man hat ferner finden wollen, daß unser gewöhnlicher Ackerboden aus⸗ getragen, gleichsam von dem oft wiederholzen Anbau dieser Frucht erschöpft sei. Auch hierfür sprechen keine von mir leobachteten Thatsachen. Ich habe selbst in meinen eigenen Wirthschaften jungfräulichen Boden, wie man zu sagen beliebt, mit Kartoffeln bebaut, wo es gewiß ist, daß er noch keine Kartoffeln getragen hat. Auf solchem habe ich die Neigung zur Verderb⸗ niß der Knollen viel stärker angetroffen, als auf allem Ackerlande, wenn einmal die Bedingungen, besonders zu viel Feuchtigkeit, zur Krankheit vor⸗ handen waren. Dieselbe Beobachtung habe ich auch auf anderen Gütern, die in sehr großer Entfernung von einander liegen, gemacht. Auch die frische Düngung zu der Kartoffelpflanzung hat man als eine die Krankheit erzeu⸗ gende Ursache angegeben. Nach meinen Beobachtungen ist sie in einer Ge⸗ gend, wo man stets zu den Kartoffeln düngt, im vorigen Jahre gar nicht bemerkt worden, und in einer anderen, wo im vorigen Jahre viele unge⸗ sunde Kartoffeln waren, zeigte sich vor kurzer Zeit noch keine Spur, ob⸗ gleich zu ihrer Pflanzung frischer Dünger verwendet war.

Ganz zufällig ist folgende Beobachtung gemacht worden. Ein Land⸗ wirth, dessen Kartoffeln im vorigen Jahre bedeutend krank waren, hatte auf der Miethenstelle, wo im Laufe des Winters eine Partie aufbewahrt worden war, die schadhaften liegen lassen. Diese Stelle wurde später um⸗ gepflügt. Nach einiger Zeit erwuchsen die zurückgebliebenen Keimstücke zu gropen Stauden, die man stehen und sich ausbilden ließ. Die davon ge⸗ ärndteten Kartoffeln waren gesund, wogegen andere, zu denen vorzügliches Pflanzgut genommen war, von der Krankheit ergriffen waren.

Daß die Ertragsfähigkeit der nur durch die Knollen fortgepflanzten Kartoffeln abgenommen habe, kann ich nach einer sechsundvierzigjährigen selbstständigen Wirksamkeit nicht zugeben. Als ich im Jahre 1800 die Ad⸗ ministralion des Gutes Gräfendorf bei Jüterbogk übernahm, fand ich dort nur einen sehr beschränkten Kartoffelbau vor, der während meines Aufent⸗ halts mehr als verfünffacht wurde. Später bin ich in Verhältnisse gekom⸗ men, wo unter meiner mittel⸗ und unmittelbaren Leitung mehrere Tausend Morgen mit Kartoffeln angebaut worden und zwar gegenwärtig in mehre⸗ ren Provinzen und auf den verschiedensten Bodenarten. Die Aerndten von einer gegebenen Fläche, unendlich verschieden nach der Kultur und dem Bo⸗ den, fallen jetzt noch eben so aus, wie beim Beginn meiner landwirth⸗ schastlichen Laufbahn. Meine eigenen Erfahrungen geben mir also nicht die geringste Veranlassung, nach Saat⸗ Kartoffeln, die von den unmittelbar jaus Amerika gekommenen oder von den aus Saa⸗ men erzeugten abstammen, zu trachten. Durch diese Aeußerung will ich kelnesweges die Versuche, welche andere Landwirthe machen, herabsetzen. Wer dazu Lust und Neigung hat, möge sortfahren, Beobachtungen in die⸗ sem Sinne anzustellen und sie bekannt zu machen. Er unternimmt ohne Zweifel etwas Verdienstliches. Aber dafür halte ich es auch angemessen, meine Beobachtungen öffentlich mitzutheilen, um die Sorge zu verscheu⸗ chen, der wichtige Kartoffelbau werde durch die seit 2 Jahren sich häufig 5 190,8⸗ Krankhei! inen Stoß erleiden.

Klug ist es gewiß, neben den Kartoffeln noch andere Knollengewächse anzubauen und die Viehhaltung insbesondere nicht von Einer Frücht ab- hängig zu machen. Für Sandboden sind die Mohrrüben (Möhren) und Wasserruben, für die besseren Bodenarten Kohl⸗ oder Steckrüͤben, Runkeln und mehrere Kohlarten⸗Gewächse, welche in gewissem Betracht Vorzüge vor den Kartoffeln haben. Für Milchvieh sind mehrere Rübenarten geeigneter, als jene. Sie geben eine wohlschmeckendere Butter. Daß Möhren ein gutes Pferdefutter sind, ist allgemein bekannt. 8

Da man nicht wissen kann, wie die Witterung des künftigen Jahres auf den Kartoffel⸗Ertrag wirken wird, so kann ich nur rathen, alle Bodenarten mit tiefer Krume, welche mehr feucht als trocken liegen, und auf welchen man gewöhnlich Kartoffeln zum Viehfutter anbauet, mit Run⸗ keln, Kohlrüben oder Kohl zu bebauen. Die sandigen und, trockenen Aecker möge man vor wie nach mit Kartoffeln bepflanzen. Will man von diesen einen Theil zu Möhren oder Wasserrüben bestimmen, so wird man seinen Futterbau um so unabhängiger von der Jahreswitterung machen. Je man⸗ nigfaltiger der Anbau ist, je mehr Hoffnung hat man, durch den reichen Ertrag Eines Gewächses dem Mißrathen eines anderen entgegenzuwirken.

Mit der Aufbewahrung der schadhaften Kartoffeln verfahre man sol⸗ gendermaßen:

Niemals häufe man sie in zu hoch aufgeschichteten Massen an, beson⸗ ders nicht bei warmer Witterung. Wenn der Frost im Anzuge ist, so cr⸗ tragen sie cher ein hohes Aufhäufen, ob es gleich allezeit gefährlich bleibt. Ferner übereile man sich nicht mit dem völligen Zudecken der Miethen mit Erde, sondern lasse die Mitte derselben blos mit Stroh, Kiehnnadeln od 3 anderen Deckmitteln so lange belegt, bis der Frost nöthigt, auch die Rücken der dachförmigen Miethen mit Erde zu bedecken. Tritt im Laufe des Winters anhaltend gelinde Witterung ein, so unterlasse man nicht, nachzusehen, ob sich irgend wo Erhitzung zeige. Be⸗ wahrt man die Kartoffeln in den Gebäuden auf, so hat man sich ebenfalls vor dem hohen Aufschütten zu hüten. Das rechte Maß anzugeben, ist deshalb schwer, weil die Höhe der Keller oder anderer Ausbewahrungsräume dabei in Betrachtung kommt. Je niedriger die letzteren sind, um so wen ger hoch darf man die Wurzelgewächse aufschütten. Es muß zwischen die⸗ sen und der Decke noch ein hinreichender Raum für Ohne diese Vorsicht gerathen ganz gesunde Kartoffeln, welche bei warme Witterung in niedrigen Kellern aufgeschüttet werden, leicht in Fäulnif Ueberhaupt ist zu ängstliches Verwahren der Wurzel⸗ und Knollengewachse gegen Frost fast nachtheiliger, als die leichte Bedeckung. Denn erfroren

Kartoffeln z. B. kann man durch Dämpfen in diesem Zustande noch als

Viehfutter benutzen, wogegen verfaulte noch Mühe verursachen, um sie auf den Düngerhaufen zu bringen.

Die Summe meiner Beobachtungen über die Aerndte in den östliche Provinzen des preußischen Staates ist, daß sie allerdings zu den geringe gehört, und daß mit den Körnerfrüchten und den Speisckartoffeln haushal⸗ terisch umgegangen werden muß, um damit bis zur neuen Aerndte auszu reichen. Geschieht dies aber, so habe ich nach den sorgfältigsten Unter suchungen die Ueberzeugung gewonnen, daß nirgends ein eigentlicher Man gel eintreten wird.

In vielen Kartoffeln bauenden Gegenden ist, des Feblschlagens de Aerndte ungeachtet, ein Ueberfluß vorhanden, der nach solchen G⸗ geschafft werden kann, wo es an Speisekartoffeln fehlt. Im O zum Beispiel wird diese Frucht eigentlich zu Viehfutter angebaut.

woͤhnlichen Jahren werden hier die Ochsen, Hammel und Gaänse, welche im

Winter in Berlin verzehrt werden, mit Kartoffeln gemästet, bei welcher Ver wendung der Scheffel oft nicht zu 8 t ‚der 2 auf das Doppelte, wie es jetzt den Anschein hat, so wird das Mästen ein

geschränkt, und ein großer Theil der Kartoffeln kommt zur Nahrung der

Menschen. Dann geben viele Tausende von Wispeln durch die Wasfer

straßen fort. 8 So wie es hier im großen Maßstabe ist, so ist es in einem kleinere

in einem großen Theile der märkischen Hohe, in Pommern und Posen

Der höhere Preis der Kartoffeln wird die Landwirthe veranlassen, mit den

Viehfutter eine andere Einrichtung zu treffen, und dadurch wird der Be 8

darf an Speisekartoffeln in Gegenden, wo es daran fehlt, gedeckt werden.

die Luft bleiben.

Sgr. benutzt wird. Steigt der Preis

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