1846 / 306 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

Häuser, verheerte Landstraßen, versandete und in Moräste verwan⸗ delte Felder. Die Posten von Bordeaux und Nantes treffen noch immer sehr spät ein, weil sie große Umwege zu machen haben; sie nehmen ihre Richtung jetzt über Vendome und Chartres. In den einzelnen Schilderungen der Unglücks⸗Scenen finden sich auch viele Züge edelmüthiger Aufopferung. So fand zu Orleans ein braver Arbeiter den Tod, nachdem er über 80 Personen gerettet, weil die Barke umschlug und er selbst nicht schwimmen konnte. Von Orleans aus versuchte eine Deputation des Munizipal⸗Raths und der Justiz⸗ Behörde nach den Gemeinden des Val vorzudringen, was noch sehr schwierig ist. Nach mehreren Orten kann man nur in Barken kom⸗ men, nach manchen Punkten gar nicht, da die Pferde in dem von den Gewässern zurückgelassenen Schlamm ver⸗ sinken. Viele Leichen werden nach und nach aufgefunden.

Unermeßliche Massen Vieh sind zu Grunde gegangen, und die Fäul⸗ mit dem irländischen Elend die

niß derselben erfüllt die Luft mit unerträglichem Geruch. Das Or⸗ leanais hat von allen Gegenden am meisten gelitten. Der künstliche Damm der Eisenbahn hat durch Verhinderung des Abflusses der Wasser in dieser Gegend viel zu der Größe des Unheils beigetragen. Schafheerden sind auf jenen Fluren zu Tausenden ertrunken. Was das Uebel noch erhöht, ist, daß der Regen anhält, und daß trotz des Abflusses der Wässer die von denselben heimgesuchten großen Höfe nicht trocknen. Gering angeschlagen, schätzt man den durch die Loire allein angerichteten Schaden auf 70 Millionen Fr. Zum Glück ist das Steigen der Rhone ohne Schaden abgelaufen. In Bayonne waren in Folge des anhaltenden Regens die Ströme ausgetreten, der Adour hatte die Fluren weithin überschwemmt. Zwischen Blois und Tours sind die Eisenbahngründe von den Fluthen fortgeschwemmt worden, so daß die Verbindung jetzt dort wieder auf den alten Land⸗ straßen mit Diligencen geschieht. Auch in Piemont haben starke Ueberschwemmungen stattgefunden, die Brücke des Var, die einzige Verbindung zwischen Frankreich und Sardinien ist fortgerissen worden. Das General⸗Conseil der französischen Bank hat 25,000 Fr. für die unglücklichen Loire-Anwohner bewilligt. Die bei dem Journal des Débats eingegangenen Subsecriptionen belaufen sich heute auf 81,920 Fr. Das Rothschildsche Bankhaus hat, wie schon erwähnt, mit dem Kriegs⸗Departement einen Vertrag für Lieferung einer ansehnlichen Quantität Getraide abgeschlossen, welches im Hafen von Dünkirchen abzuliefern wäre. Es ist dieses Getraide, wie man vernimmt, von den Agenten des Rothschildschen Hauses bereits vor zwei Monaten in Hamburg und Antwerpen angekauft worden, und man hofft, daß der mäßige Preis, zu welchem es gestellt wird, dazu beitragen werde, einen Rückgang der Getraide⸗Preise auf den nördlichen Frankreichs und im unmittelbaren Rayon der Heuptstadt zu bewirken.

In Elbeuf droht wieder eine allgemeine Arbeits⸗Einstellung. Die dort sehr zahlreichen Fagon⸗Arbeiter konnten sich wegen der Höhe des Lohnes mit ihren Meistern und Fabrikherren nicht einigen und scheinen es vorzuziehen, lieber gar nicht zu arbeiten. Der Bürger⸗ meister Mathieu Bourdon hält die Stimmung für so bedenklich, daß er Militair aus Rouen zur Unterstützung hat requiriren lassen. Ein Aufruhr ist jedoch noch nicht ausgebrochen.

Der Constitutionnel, der früher eine große Anzahl von Veränderungen im Personal der Präfekten angekündigt hatte, sagt jetzt, da er seine Anzeige nicht bestätigt sieht, es seien die gehegten Pläne aufgegeben und es würden nur wenige dergleichen Entlassun⸗ gen oder Versetzungen stattfinden.

„Ddie erwartete Ernennung des Herrn Guizot zum Conseils⸗Prä⸗ sidenten ist auch heute im Moniteur noch nicht erschienen.

Der Akhbar erzählt, es sei zu Algier eine Karavane einge⸗ troffen, die auch gegen zwanzig Negerknaben und Mädchen zum Ver⸗ kaufe mitgebracht habe. Das genannte Blatt fragt entrüstet, wie man so den Sklavenhandel offen dulden könne.

Das Journal Epoque wird morgen für 150,000 Fr. zum Verkauf ausgestellt werden.

Dem Esprit public zufolge, soll der Zins der Schatzbillets erhöht werden; der Reserve⸗Fonds der Bank ist seit geraumer Zeit vermindert worden. Bei den Sparkassen wird auch mehr ausgezahlt, als neue Einlagen kommen. E4A“

Paris, 30. Okt. In Genf sind es jetzt, nach Sen te e⸗ sten Berichten von dort, zwei Thatsachen, welche vor Allem die Ge⸗ müther beschäftigen: der herrschende Brodmangel und die Besetzung

der Gränzen des Kantons durch die französischen Truppen. Dem Brodmangel zu steuern, haben die jetzigen Machthaber noch kein Mittel zu finden gewußt, und ihre Popularität sieht sich dadurch schon mehr oder weniger bedroht und gefährdet. Aber auch für die Fabrikherren und Meister wie für die Arbeiter droht ernstliche Gefahr, wenn jetzt, nachdem die Werkstätten von den Arbeitern in großer Zahl verlassen worden sind, der Brodmangel überhand nähme. Die Versuche andererseits von Seiten der Gewalthaber, dem Volke des Kantons wirkliche Besorgnisse wegen des Erscheinens fremder Truppen an den Grän⸗ zen einzuflößen, scheinen nicht die erwartete Wirkung hervorgebracht zu haben, wenn man nach der Kälte und Lässigkeit schließen da.f, welche das Volk im Allgemeinen gegen den Aufruf zu den Waffen beweist. Es begreift sich übrigens, daß Leute, welche weder Diszi⸗ plin noch Subordination kennen, wie ein großer Theil derer, die an den Kämpfen vom 7. und 8. Oktober gegen die gestürzte Regierung Theil genommen hatten, wohl an der Rolle von Tumultuanten und Emeutiers Geschmack finden mochten, in welcher Keiner einen Gebie⸗ ter über sich anzuerkennen brauchte, um so weniger aber an dem ei⸗ gentlichen Soldatenleben, dessen erste Elemente gerade Disziplin und Subordination sind. Die provisorische Regierung hatte von dem Unter⸗Präfekten von Gex Aufklärung verlangt über die Annäherung der französischen Truppen an die Gränze und über die wahrscheinliche Dauer der Aufrechthaltung ihrer jetzigen Stellung. Der Unter⸗Prä⸗ fekt schickte diese Anfrage, ohne sich auf eine direkte Beantwortung einzulassen, die weder in seiner Stellung noch in seinen Amtsbefug⸗ nissen lag, hierher an das Ministerium. Inzwischen wurden aus Rücksichten der Dienstes⸗Erleichterung einige der am weitesten vorge⸗ schobenen französischen Truppen etwas zurückgezogen. Eine Compagnie Infanterie, die zu Ferney gestanden hatte, ging bis Collonges zurück, eine andere von Diyonne nach Gex. An diesen beiden Orten bleiben sie bis auf Weiteres stehen. In Genf hatte diese Anordnung zu dem irrigen Glauben Anlaß gegeben, die fran⸗ zösischen Truppen zögen sich definitiv zurück. Auch auf der genser Seite ist die Gränze durch eine fortlaufende Reihe von Militair⸗ Posten besetzt. Bis jetzt ist von den beiderseitigen Truppen gute Nachbarschaft gehalten worden. Ja, der genfer Kommandant soll dem französischen sogar angezeigt haben, daß es den französischen Solda⸗ ten unbenommen sei, die Stadt Genf selbst in Uniform zu besuchen, nur dürften sie keine Waffen tragen. Indeß war dieses Anerbieten ohne Zweifel abgelehnt worden. Man glaubt, die genfer Radikalen würden es nicht ungern sehen, wenn auf irgend eine Weise Händel zwischen den veiderseitigen Truppen veranlaßt werden könnten. Ein einziger Schuß, auf der Gränze jetzt abgefeuert, könnte die ernstlich⸗ sten Folgen haben, und darum that die französische Regierung gewiß höchst klug daran, die Möglichkeit auch des geringsten Zusammen⸗ stoßes zu beseitigen, um nicht nachher in die schlimme Nothwendigkeit

sich versetzt zu sehen, zu einer Blokade oder gar zu einem Einrücken zu schreiten, das nicht in ihrer Absicht liegt. Was wir auf demsel⸗ ben Wege aus dem Kanton Waadt erfahren, klingt sehr kriegerisch. Die Rüstungen werden dort mit solchem Eifer betrieben, daß man unwillkürlich zu dem Glauben veranlaßt wird, dieser dem Ultra⸗ radikalismus seit längerer Zeit schon verfallene Kanton habe nur auf einen Vorwand gewartet, um eine Armee zu versammeln, die schein⸗ bar zur Bewachung der von Niemand angegriffenen schweizer Gränze, in der That aber zu einem ernstlicheren, zwar nicht offen eingestan⸗ denen, darum aber doch leicht zu errathenden Zwecke bestimmt ist.

Großbritanien und Irland.

London, 29. Okt. Die Eröffnung der Häfen für gänzlich freie Zulassung von Getraide ist die Frage, welche in Verbindung gesammte Tagespresse jetzt beschäftigt. Fast alle Blätter ohne Rücksicht auf ihre Parteistellung haben dem

Ministerium diese Maßregel angerathen, aber dennoch ist es zwei⸗

felhast, ob Lord John Russell sich dafür entscheiden wird. Will man der Times einiges Gewicht in Angelegenheiten beilegen, deren Ord⸗ nung noch von einem zu fassenden Beschlusse des Kabinets abhängt, so werden die Häfen nicht geöffnet werden, denn das genannte Blatt stellt jetzt in einem Artikel seiner gestrigen Nummer die Nothwendig⸗ keit einer solchen Oeffnung in Abrede. „Die Erscheinungen des Korn⸗ handels während des diesjährigen Herbstes“, schreibt die Times, „sind in der That eigenthümlich und selten. Wir begannen den Sep⸗ tember mit einer reichen Weizen⸗Aerndte und einer Aussicht auf nie⸗ drige Preise. Jedermann glaubte, die gefürchtete Zeit nahe jetzt, da der Quarter Weizen für 38 Shilling verkauft werden würde, und traf danach seine Vorkehrungen. Aber während Fülle in England herrschte, traf der Mangel das Ausland; und man hatte dort eine richtigere Ein⸗ sicht von der kommenden Gefahr, als hier. Der Belgier, der Hol⸗ länder und der Franzose, Alle speicherten Vorräthe auf, um den Aus⸗ fallen ihrer eigenen Korn⸗Aerndte zu begegnen. Aber sowohl der Belgier, als der Franzose scheint die Wirkungen der Kartoffel⸗Krank⸗ heit auf den Getraidemarkt eben so wenig berechnet zu haben, wie der Engländer. Niemand traf genügende Vorkehrungen. Wegen der geringen Preiserhöyung selbst zu damaliger Zeit auf den Märkten des Kontinents, tauschte der englische Spekulant den reichen Gewinn seiner Aerndte aus, den Zeit und Geduld ihn auf den Märkten sei⸗ nes eigenen Landes hätten erreichen lassen. Seit jener Zeit, also in kaum zwei Monaten, sind die Preise unaufhörlich gestiegen, von 48 Sh. auf 50 Sh.; von 50 Sh. auf 51, 53, 54 bis 60 Sh. für den Quarter; besondere Arten Weizen werden sogar mit 70 Sh. be⸗ zahlt, und diese Preissteigerung ist Angesichts eines Gesetzes vor sich gegangen, das, wie man prophezeite, den Agrikulturisten jeden loh⸗ nenden Preis abschneiden sollte. Gegner und Freunde des Schutz⸗ Systems können daraus unschätzbare Lehren ziehen; die Ersteren mö⸗ gen sich trösten und die Letzteren in ihrem Glauben sich stärken. Aber wie steht dies in Verbindung mit der Frage wegen Heffnung der Häfen? Nur in einer Art, wie wir glauben. Wenn bewiesen wer⸗ den kann, daß die Zölle so hoch sind, daß sie den Preis der Lebens⸗ mittel dem Konsumenten bedeutend erhöhen, oder so veränderlich und unsicher, daß sie den Spekulanten zurückschrecken, dann mag man ge⸗ rechterweise die Abschaffung der Zölle verlangen. Es wäre eine ge⸗ rechte, eine angemessene, eine humane Politik, solcher Forde⸗ rung nachzukommen, da es auch unmöglich wäre, in anderer Weise das Volk zu nähren. Aber ist dies jetzt der Fall? Kann es auch wohl bald so werden? Ist es wahrscheinlich, daß die Leichtigkeit, sich Nahrung zu besorgen, durch das Oeffnen oder Nicht⸗ öffnen der Häfen irgendwie berührt werden wird. Wenn man über diese Dinge spricht, so muß man nicht vergessen, daß unsere Politik sich geändert hat, daß sie ein großes Uebel losgeworden ist, nämlich die Unsicherheit. Es war die Unsicherheit des Handels, verbunden mit der Unsicherheit der Production, was den Hauptfehler des alten Korngesetzes ausmachte. Jetzt ist so etwas nicht zu besorgen. Der Zoll hat seinen niedrigsten Stand erreicht, aber der Preis noch nicht seinen größten Höhepunkt. Der eine bleibt stehen, der andere kann noch einige Wochen lang steigen, obschon auch seine Gränze mit ziem⸗ licher Gewißheit jetzt vorherbestimmt werden mag. Alles Korn, das ent⸗ weder von Amerika oder von Odessa zugeführt werden kann, muß vor dem Ende des Januar eingebracht sein. Man kennt die Quantität; sie schwankt von 3 bis 5 Millionen Quarter. Und es herrscht sehr geringer Zwei⸗ fel darüber, daß, wenn diese Getraidemasse zu demselben Zoll einge⸗ führt wird, die Preise in wenigen Wochen sich allmälig herunterstel⸗ len werden. Der Fall dürfte sich nach gewichtvollen Handels⸗Auto⸗ ritäten folgendermaßen gestalten: Die Preise werden von 60 bis auf 70 Sh. steigen und dann von 70 bis auf 60 Sh. wieder zurückge⸗ hen, und zwar wird diese ganze Schwankung zwei oder drei Monate dauern, innerhalb welcher sämmtliche Einfuhren be⸗ wirkt sein und die Preise stetig bleiben werden. Ist es nun wohl werth, den Zoll unter solchen Umständen abzuschaffen? Wem würde dadurch geholfen? Dem Konsumenten? Wie? Der Betrag seiner zukünftigen Bedürfuisse ist bekannt; die zu erwartende Zufuhr reicht also aus. Wir sprechen von den Weizen⸗Konsumenten. Diese haben sich über keine Noth, weder gegenwärtig noch zukünftig, zu beschweren, und was die Irländer anbetrifft, so haben dieselben über gar keinen Zoll zu klagen. Anders wäre es, wenn eine unmit⸗ telbare Gefahr drohte, wenn die Gewißheit vorhanden wäre, daß die Aerndten in der ganzen Weltso dürftig ausgefallen wären, daß während der folgenden neun Monate Jedermann in England auf halbe Rationen gesetzt werden müßte. Dann würden wir sofort auf die Abschaffung des Zolles antragen. Aber dem ist nicht so; Kaufleute, Mäkler und Schiffsführer erklären, daß vom fernen Osten wie vom sernen Westen hinreichend Getraide eingeführt werden wird, um ganz Europa zu befriedigen. Es fragt sich demnach, ob es recht ist, ein Geschrei zur Abschaffung eines Zolles zu erheben, der den englischen Konsumenten nicht drückt, und es ist noch viel wichtiger, zu fragen, inwieweit es recht, männlich und staatsklug ist, dem erhobenen Geschrei gehorchend, die Regierung in Verachtung zu bringen, die Gesetzgebung lächerlich zu machen und die Einnahmen des Landes durch eine Verletzung des Kontrakts zu verkürzen, der zwischen den beiden großen Parteien seier⸗ lich geschlossen und von dem ganzen Reiche bestätigt worden ist. Die Whigs haben das Meiste zu verlieren durch die Vernachlässigung und das Meiste zu gewinnen durch die Beobachtung ihrer öffentlichen Ver⸗ bindlichkeiten.“

Auch der Globe erklärt sich jetzt gegen die von so vielen Seiten den Ministern gemachte Zumuthung, die Häfen für zoöllfreie Getraide⸗Einfuhr zu öffnen. Er behauptet, daß die Verhältnisse keinesweges der Art seien, um die faktische Aufhebung der erst vor so kurzer Zeit vom Parlament genehmigten Kornbill zu rechtfertigen. Bei Annahme dieser Bill im Juli habe der Durchschnittspreis des Weizens 57 Sh. betragen, und jetzt stehe er auf 59 ½ Sh. Ueberdies seien die sachkundigsten Männer der Ansicht, daß der jetzige Kornpreis nur wenig oder gar nicht höher gehen werde, und daß trotz des Zolles von 4 Sh. sehr bedeutende Zufuhren von auswärts zu erwarten seien, so daß also eine Aufhebung des Zolles durchaus nicht nöthig sein werde, um Korn von auswärts herbei zu ziehen. Der Globe meint daher, daß die Minister mit Aufhebung des vom Parlamente noch für drei Jahre angeordneten

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Zollrestes wenigstens so lange herausstelle, daß die Zufuhr zu gering, und daß der Ver durch Oeffnung der Häfen zu steigern, durchaus nothwendig sej das Land vor förmlichem Brodmangel zu schützen.

Lord Morpeth hat als Ober⸗Intendant der Forsten, Walda und öffentlichen Bauten ein Rundschreiben an alle Mitglieder Königlichen Akademie erlassen, um deren Urtheil über das muh dem Triumphbogen am Hydepark Corner sich besindende ko Standbild des Herzogs von Wellington zu vernehmen, da es lich von der öffentlichen Stimme abhängig ist, ob dasselbe dor bleiben wird.

Belgien.

Brüssel, 30. Okt. (Rh. Bl.) In Folge ihrer ges⸗

Niederlage in der Sitzung der „Alliance“ haben diejenigen M. der derselben, welche in der Repräsentanten⸗Kammer sitzen, ihre lassung eingereicht. Der Bruch zwischen Alt⸗ und Jung⸗Liberag also vollständig. Ein neues politisches Trutz⸗Bündniß in Form Gesellschaft soll gegründet werden. Morgen EEEe

e abermalige S—f an

Dänemarhk.

Schleswig, 30. Okt. Versammlung stand der Antrag in Bezug auf Schleswigs Vei zum deutschen Bunde auf der Tagesordnung, indeß wurde zuns Proposition des Abgeordneten Justizrath Fries, die Sicherhei persönlichen Freiheit betreffend, motivirt. Der Königliche Comn bemerkte, daß die Sache von großer Wichtigkeit sei, bedauerte daß zugleich eine Tagesfrage (da der Proponent die Sache Herrn Olshausen erwähnt und später äußerte, daß er allerding Rücksicht hierauf diese Proposition gestellt habe) zur Sprache bracht sei, die gerichtlich ventilirt werde. Allein der Proponen wohl als der Dr. Advokat Müller entgegneten, daß der Köng Commissair irre; denn die Verhaftssache sei ja bereits entsche Die verschiedene Ansicht der Gerichte aber erfordere eine Siche lung durch ein Gesetz, und es werde dies auch für die Regz selbst wünschenswerth sein, denn nur auf die Weise würde sie; den Vorwurf der Willkür gesichert werden Die Sache wurde

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stimmig an ein Comité verwiesen.

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Kanton Zürich. Ueber das Verbot der Ausfuhr ven bensmitteln in süddeutschen Staaten, sagt die N. Züricher; „Der Schreck, welchen der von den süddeutschen Staaten au Ausfuhr von Lebensmitteln gelegte Zoll erzeugt hat, kann mög weise mehr Nachtheil bringen als die Maßregel selbst, auch dieselbe länger in Wirksamkeit bleiben sollte, als zu erwarten Bereits ist Vorsorge getroffen, um die etwa stockende Zufuhr auf Markt einigermaßen zu ergänzen; von den durch die Regieru der Ferne angeschafften Vorräthen wird ein bedeutendes Qun jedenfalls noch im Laufe des Jahres hier eintreffen. Der Er ler berechnet, daß der Zoll den Preis eines fünspfündigen 1 Brot von 33 auf 39 Kreuzer steigern müsse; nun wird schon einem Aufschlage von 6 Kreuzern auf 2 Pfunde gesprochen; s Uebertreibungen sind gewiß nicht am Platze. Uebrigens win Zoll nicht nur bei uns ein Steigen der Preise, sondern bei und Nachbarn, wenn auch nicht in gleichem Verhältnisse, den entgegn setzten Erfolg haben, wovon die Rückwirkung zu unserem Besteng nicht ausbleiben kann.".⁵.

Kanton Bern. In der Groß⸗Raths⸗Sitzung vom 27 tober wurde ein Antrag, betreffend die Ausschließung der Jel⸗ Zöglinge von Staatsstellen, behandelt und erheblich erklärt. B. Diskussion sprachen sich namentlich Karlen von d. Mühlematt, Antragsteller, RR. Stockmar und Weingart gegen die ZJesuiten verlangten aber, daß dem Jura anderweitige Bildungs⸗Anstalten namentlich ein katholisches Priester⸗Seminar gewährt werde.

Kanton Basel. Am 29. Oktober hat sich der Große! versammelt, um die Petitionen über die Verfassungs⸗Aend

welche jetzt mit ungefähr 700 Unterschriften versehen sein sollen!

berathen. Im Aeußeren herrscht in der Stadt die vollkomm Ruhe; weder vor dem Rathhause, noch sonst wo bemerkt man sammenläufe oder andere ordnungswidrige Demonstrationen, se zu erwarten steht, die Berathung werde ihren freien und ungest Verlauf haben. Obgleich auch in den verwichenen Tagen keim ßerlichen, die Störung der öffentlichen Ruhe bedrohenden Manij tionen wahrzunehmen waren, so scheinen doch gestern Besorgnise es nun durch wahre oder falsche Gerüchte veranlaßt, aufgestiege

sein. Der Kleine Rath versammelte sich noch spät Abends.

Resultat seiner Berathungen war, keine militairischen Maßregel heute anzuordnen, sondern der Bürgerschaft die Handhabung Ruhe und Ordnung zu überlassen. Andererseits wurde, nach b eingebrochener Nacht, ein „Vorläufer zur National⸗Zeitn ausgegeben, in welchem unter Anderem die Bewegungs⸗Partei falls zu Unterlassung aller Exzesse ermahnt und ankündigt, daß allen Unordnungen vorzubeugen, das freiwillige Pompiers⸗Corps, ches fast ausschließlich aus Liberalen bestehe, ohne Zuthun der gierung, von seinen Offizieren für den Donnerstag (29. Okt um 8 Uhr an seinen gewöhnlichen Sammelplatz, das Zeughaus, rufen sei. Die Versammlung fand nun wirklich statt und wan Finzig⸗ außergewöhnliche Wahrnehmung, welche das Innere der 6 darbot.

Kanton Wallis. In dem Hirtenbriefe des Bischose Sitten, der die Gläubigen zu öffentlichen Gebeten auffordert, es unter Anderem: „Es wird uns genügen, zu sagen, daß ruchlose Fraction, deren Versuche vor Luzern, unserem getreuen bündeten, scheiterten, nicht nur noch lebt, sondern handelt, sich und kühn gegen die vorrückt, deren Verderben sie beabsichtigt. Zweck ist eingestanden; und die neuesten Ereignisse in einigen genden der Schweiz beweisen, daß sie sich nicht davor scheut, Bürgerkrieg zu entzünden, um ihr Vorhaben auszuführen, daß ke lische Bündniß der sieben Stände aufzulösen, unsere Unabhängg zu zerstören, uns unsere Freiheit zu entreißen, die Kirche zu beh⸗ ten, ihre Institutionen zu vernichten, sie ihrer Rechte zu bera den Katholizismus zu unterdrücken und uns am Ende den Glau dieses unschätzbare Gut, das unsere Väter mit ihrem Blute erwee und erhalten haben, zu entreißen.“ .“

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Fürstenthum Neuenburg. In Bezug auf die von 1 teren radikalen Blättern mitgetheilte Nachricht, daß bei der Feier Geburtsfestes Sr. Majestät des Königs von Preußen in Locle der preußischen Fahne gegenüber aufgestellte Kantonalfahne von? gen Konservativen herabgerissen und mit Füßen getreten sei, sagt Eidgen. Ztg.: „Wie in der That kaum anders zu erwarten sit

erweisen sich die Berichte der radikalen Presse über den Vorfals

1““

warten müßten, bis sich that b

ge icht den preußischen Farben, allerdings die eidgenössische Fahne

zbrauchte Fahne,

ssenherabgerissen, noch irgendwie beschimpft.“

In der heutigen Sitzung der Ssch

sten lassen, um die Landbewohner zur Hülfe zu rufen. genden Tage von dem Gonfaloniere nichts geschah, um die Schul⸗

t unschädlicher, als die verkappten und heimlichen, leicht beizukommen sei.

aus unwahr. Einer Mittheilung aus Neuenburg zu⸗ . 8 die Radikalen, gegenüber den Kantonalfarben

einem abgelegenen Orte aufgestellt, und diese von ihnen so oft die sie als ihr Parteizeichen usurpiren, wurde von Konservativen allerdings herabgenommen und entfernt, aber

Italien

Rom, 20. Okt. (A. Z.) Man ist hier in Erwartung der e, die da kommen sollen. Die Römer geben die Hoffnung nicht 9ꝙ noch vor dem 8. November für welchen Tag der Papst wlich die Besitznahme vom Lateran angeordnet hat eine Ver⸗ ntlichung wegen Verbesserungen in der Staats⸗Verwaltung werde en werden. Es finden häufige Berathungen darüber statt, aber sagt zugleich, daß die Partei des Rückschrittes Alles anwende, diese Maßregeln zu hintertreiben. Die Römer sehen ergeben und trauungsvoll auf den heiligen Vater und den Kardinal Gizzi. Man sagt, der Papst habe vor einigen Tagen der Eisenbahn⸗ mission befohlen, die Richtungen der Schienenwege im Kirchen⸗ at ohne Säumniß bekannt zu machen, und das Publikum hofft zur nächsten Woche die Verkündigung als ersten Schritt zur An⸗ sung der Bahnen. Es heißt, der heilige Vater habe angeordnet, daß die zahlrei⸗ Bettler, ekelerregenden Krüppel und Mißgestalten aus den Stra⸗ entfernt werden sollen; alle fremden Bettler sollen über die länze, die einheimischen nach ihren Geburtsorten geschafft werden, die Gemeinden sie zu versorgen haben; die hier geborenen Bettler r sollen in öffentlichen Anstalten, woran Rom so reich ist, unter⸗ rracht werden. Ueber die Ereignisse in Faenza erfährt man von Augenzeugen gendes: Als Sonntag am 11ten d. mehrere junge Leute mit sang von der Jagd heimkehrten und die Vorstadt durchfuhren, den sie mit Flintenschüssen verfolgt. Auf die sofortige Anzeige der Stadtpolizei sendete diese eine Abtheilung der Schweizer da⸗ z viele Bürger folgten. Sie wurden mit Flintenschüssen empfan⸗ „wodurch ein Schweizersoldat und ein Bürger getödtet, mehrere undet wurden. Mittlerweile hatte der Pfarrer die Als am

en einzuziehen, wurde der Zorn vieler Bürger entflammt, die den faloniere als aus der Vorstadt gebürtig, als einen Centurione

schrieen und in seinem Hause arge Verwüstungen anrichteten. Am

ten Tage (13ten) kam der die Stelle eines Prolegaten in Ra⸗ na versehende Conte Lovatelli dal Corno nach Faenza. Er, ein zier, der früher mit Auszeichnung in fremden Diensten gestanden, das Militair mit Kanonen gegen sie ausrücken. Es war den nppen ein Leichtes, am 14ten die Vorstadt zu besetzen, eine allge⸗ ne Entwaffnung vorzunehmen und einige vierzig Individuen aus adt und Vorstadt zur Haft zu bringen. Weil die städtische Ver⸗ tung sich sehr saumselig bei dem ganzen Vorfalle gezeigt hatte, ist sie einstweilen ihrer Functionen entsetzt. Man erzaͤhlt sich,

hder heilige Vater die Mittheilung darüber mit Schmerz vernom⸗

diese offenen Feinde wären

,zugleich aber geäußert haben soll, welchen nicht

Neapel. Das hiesige Giornale enthält den Text des am

Oktober ratifizirten Handels⸗ und Schifffahrts⸗Vertrags zwischen sterreich und dem Königreich beider Sicilien vom 4. Juli. Sämmt⸗ e Differential⸗Zölle und ausschließende Privilegien der Untertha⸗

einer der beiden kontrahirenden Mächte werden dadurch aufgeho⸗ und der Handel beider Staaten wird fortan auf voller Gegen⸗ gkeit gegründet sein.

Palermo, 8. Okt. (A. Z.) In der Nacht vom 30. Sep⸗ ber wurden (wie bereits erwähnt) mehrere Punkte der Insel von tigen Stürmen und Strömen Regens heimgesucht; Melazzo und rfenn, an beiden Enden der Infel gelegen, litten am meisten. In

ersten dieser Orte wurden die Einwohner im Schlafe durch die eschwollenen, sich mit tobender Wuth auf die Stadt hinwälzenden

Idströme überrascht. Ungeheuer ist der Schaden an Häusern, sumen, Weinbergen, Gewächsen aller Art, die durch das Wasser

fortgerissen wurden. Noch mehr ist aber der Verlust von mehr

100 Menschen zu beklagen, die in der finstern Nacht ihren Tod den. In Marfala ist der Schaden weniger bedeutend, doch kamen h dort acht Menschen ums Leben, und Häuser, Bäume und Alles, sich sonst auf dem Wege des verheerenden Elementes befand, wur⸗ mit fortgerissen. Außer den Wasserströmen brachte dort der Sturm h große Verluste an Gebäulichkeiten, viele wurden ganz und an⸗ etheilweise fortgerissen. Auch der Postillon, welcher das Brief⸗ eisen von Marsala nach Trapani brachte, wurde unterweges von

Orkan überfallen und kam ums Leben; wie es scheint, schlug sich Pferd durch und kam mit seiner Last glücklich an, denn in der respondenz wird keine Unterbrechung bemerkt.

An der Verbesserung des so schön und günstig gelegenen Hafens

Marsala wird bereits gearbeitet. Die Stadtgemeinde hat seit em Jahrhundert sich besteuert, um zu diesem Zweck eine namhafte mme zusammenzubringen, auch haben die dort wohnenden reichen lischeen Häuser, welche diesen ihren Ansiedelungen ihre Reichthü⸗

verdanken, bedeutend dazu beigetragen. Schon seit langen Jah⸗ hat man die Regierung (die es wenig kosten sollte) mit Bitt⸗ iften um Bewilligung dieser Anlage oder Ausbesserung der alten erke bestürmt. Endlich ist die Sache doch so weit gediehen, daß

Ingenieur an Ort und Stelle angekommen ist, um Pläne und se aufzunehmen, und man kann nun die Hoffnung hegen, in den stigen hundert Jahren wirklich Arbeiten unternommen zu sehen. in Juan de Austria, der Sieger bei Lepanto, ließ den Hafen ver⸗ tten, um dadurch zu verhindern, daß die Barbaresken dort lan⸗ en. Diese Maßregel des Helden richtete aber den Wohlstand des tes zu Grunde, bis ein Engländer, der den Wein der Gegend in

brachte, ihm neuen Aufschwung verlieh. Die Barbaresken wur⸗ trotz der Verschüttung des Hasens nicht verhindert, auf vielen nkten eben dieser Küste zu landen und zu rauben.

1“

portugal.

& Lissabon, 19. Okt. Die Ruhe dauert hier sort, und das ario do Governo bringt heute wieder eine Anzahl Dekrete der nngin. Das erste stellt die seither abgeschafft gewesene Würde es Generalissimus der ganzen portugiesischen Armee wieder bher vernennt dazu den König Ferdinand, wie ich übrigens gestern on meldete. Alcantara den Ehrengrad eines Obersten des Grenadier⸗Regi⸗ nts der Königin. Das dritte betrifft die gleichfalls schon gemel⸗ e Ernennung des Marquis von Saldanha zum Chef des General⸗ es der ganzen Armee. Ein viertes verordnet die Errichtung eines

n g Snfonterie Bataillons unter dem Titel der Freiwilligen der nigin.

Dasselbe soll aus den zu Lissabon anwesenden Offzieren

Ein zweites verleiht dem Kronprinzen Dom Pedro

1297 gebildet werden, die zur vierten Heeres⸗Abtheilung gehören. Ein fünftes betrifft Maßregeln, um dem herrschenden Mangel an baarem Gelde im täglichen Verkehr möglichst abzuhelfen. Zu diesem Ende wird verordnet, daß die Königliche Münz⸗Anstalt hier eine größt⸗ vehiche Quantität von Kupfermünzen prägen lassen solle. Das sechste Dekret endlich ernennt den Prinzen Ludwig Philipp, Herzog von Porto, zum Marine⸗Garden. Ueber den Stand der Dinge in Porto meldet das offizielle Blatt, die Regierungs⸗Junta von Porto habe an die Königin eine Vorstellung gerichtet, daß sie, um einem Bürger⸗ kriege vorzubeugen, das gegenwärtige Ministerium wieder entlassen möge. Der Präsident der Junta, Baron das Antas, seinerseits habe gleichfalls an die Königin noch eine andere Vorstellung gerichtet; aus dem etwas zweideutigen Sinne dieser ersehe man, daß er sich wegen seines Verhaltens zu rechtfertigen suche. Er habe nur größerem Un⸗ heil dadurch vorbeugen wollen. Auch will man in dieser Eingabe seinen Wunsch erkennen, so bald als möglich sich von den Aufrührern

loszusagen. Man will nun wissen was jedoch das Diario nicht

sagt —, die Königin habe an ihn Weisung ergehen lassen, er solle mit den Truppen unter seinen Befehlen, nachdem er den Herzog von Terceira in Freiheit gesetzt haben werde, Porto verlassen, per⸗ sönlich aber nach der Hauptstadt kommen, um da weitere Befehle zu empfangen. Wenn man dem Diario Glauben schenken darf, so stehen die Dinge in den Nord⸗Provinzen im Ganzen befriedigen?. Alle Truppen in den Provinzen Tras os Montes und Beira zeigen sich treu und folgsam gegen die Befehle der Königin. Aber in Porto selbst soll die größte Verwirrung und Anarchie herrschen. Da nach Castello Branco zu die Telegraphenlinie nicht zerstört wurde, so hat man auf diesem Wege die Nachricht vom Einrücken des 12ten In⸗ fanterie⸗Regiments in Castello Branco erhalten. Auf allen anderen Punkten hätten sich die Truppen für die Regierung erklärt, mit blo⸗ ßer Ausnahme des 5ten und 6ten Jäger⸗Bataillons. Die Bank hat der Regierung bereits die Summe von 300 Millionen Reis eingehändigt, die sie ihr als Darlehen bewilligt hat. Hören wir nun auch die Kehrseite. Nach den von den Gegnern der Regierung verbreiteten Gerüchten sollen an mehreren Or⸗ ten im Norden von neuem miguelistische Banden aufge⸗ treten sein, und die Partei Dom Miguel's würde allerdings gewiß nicht verfehlen, von dem gegenwärtigen Zustande der Verwirrung Nutzen zu ziehen, wenn er sich verlängerte. Zu Faro in Algarvien, versichert man neuerdings, habe sich eine Junta gebildet, an der Spitze deselben stehe der General⸗Kommandant Celestino. Die Junta habe anfangs aus neun Mitgliedern bestanden, dann aber sich noch eine größere Zahl beigeordnet. Sie wäre entschieden gegen das Ministerium Saldanha. Aehnlich soll es zu Castromarin und Villa⸗ real de San Antonio stehen. Sie sehen, wie noch immer die Nach⸗ richten aus den Prodinzen voll von Widersprüchen sind. Eine Inter⸗ vention Spaniens soll das Kabinet nicht verlangt haben, wohl aber eine abermalige scharfe Bewachung der Gränze, damit der Revolu⸗ tion nicht von jenseits Unterstützung zukemmen könne. Viele glau⸗ ben, daß es am Ende doch noch zu einer Verständigung mit dem Baron das Antas kommen könnte, wodurch alle Gefahr beseitigt würde. Von Coimbra nichts Neues. 1deiA 9 588. Fahsg zrig Segnc vm t. 28

Griechenland.

Athen, 15. Okt. (A. Z.) Die Königin ist seit längerer Zeit von einem Unwohlsein befallen, das sich in den letzten Tagen bis zu einer wirklichen Erkrankung steigerte, worüber die Bevölkerung von Athen sich den widersprechendsten Vermuthungen hingiebt und die größte Theilnahme an den Tag lct.

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Türhkei.

Konstantinopel, 14. Okt. (A. Z.) Herr von Oustinow stellte neulich (wie bereits erwähnt) in einer Audienz dem Sultan den russischen Obersten Abbas Kuli Chan⸗sadeh vor, der aus einer der vornehmsten muhammedanischen Familien von Baku entsprossen und dem Generalstab des tranekaukasischen Armee⸗Corps der Russen zugetheilt ist. Es ging ihm hierher der Ruf großer Gelehrtheit vor⸗ aus, und er hatte bei der Audienz die Ehre, dem Sultan eine von ihm verfaßte astronomische Abhandlung zu überreichen, in der das von den Türken für ketzerisch gehaltene und deshalb verworfene ko⸗ pernikanische System als mit dem Koran verträglich erwiesen wird. Auch soll Abbas Kuli Chan⸗sadeh die Aufmerksamkeit des Sultans in hohem Grade angeregt haben durch eine Darlegung seiner Ansicht über den Zeugenbeweis, die darauf hingeht, daß der Koran nichts enthalte, wodurch die alleinige Zulassung muselmännischer Zeugen vor den Gerichten begründet würde. Der Oberst ist der erste Isla⸗ mit, der dem Sultan von dem Repräsentanten einer fremden Macht vorgestellt wurde.

Handels- und Börsen-KRachrichten. un

Berlin, 3. Nov. Nachdem die Course sich heute schon anfangs der Börse etwas drückten, erfuhren solche später einen wesentlichen Rückgang und schkossen flau. 2

Marktpreise vom Getraide. Berlin, den 2. November 1846.

Zu Lande: Weizen 3 Rthlr. 5 Sgr. 5 Pö., auch 3 Rthlr.; Roggen 2 Rthlr. 22 Sgr. 2 Pf., auch 2 Rthlr. 13 Sgr. 2 Pf.; große Gerste 1 Rthlr. 27 Sgr. 7 Pf.; kleine Gerste 1 Rthlr. 27 Sgr. 7 Pf.; Hafer 1 Rtblr. 13 Sgr. 2 Pf., auch 1 Rchlr. 7 Sgr. 2 Pf.; Linfen 3 Rthlr. 25 . Pf., auch 3 Rthlr. 20 Sgr. 5 Pf. Eingegangen sind 63 Wispel 12 Scheffel.

32 Wasser: Weizen (weißer) 3 Rthlr. 12 Sgr., auch 3 Rthlr. 6 Sgr. und 3 Rthlr. 3 Sgr. 7 Pf.; Roggen 2 Rthlr. 20 Sgr. 5 Pf., auch 2 Rthlr 19 Sgr. 2 Pf.; große Gerste 1 Rthlr. 27 Sgr. 7 Pf.; Hafer 1 Rthlr. 11 Sgr. 6 Pf., auch 1 Rihlr. 10 Sgr. 5 Pf.; Erb een (schlechte Sorte) 2 Rthlr. 12 Sgr. Einge angen sind 730 Wüpel 11 Scheffel.

Sonnabend, den 31. Oktober 1846.

Das Schock Stroh 5 Rthlr. 20 Sgr., auch 5 Rthlr. 10 Sgr.

Centner He 27 Sgr. 6 Pf., auch 20 Sgr. I11“

¹

Der

AMnnter der Ueberschrift:

Die deutschen Handels⸗Interessen in China“, 5

enthält die Hamburger Börsenhalle nachstehenden, von deutschen Kaufleuten in Canton und Hongkong unterzeichneten Artikel:

„Die erleichternden Verkehrs⸗Verhältnisse mit China, die zuerst durch Englands Friedensschluß i. J. 1842 hervorgerufen und allen Nationen eröff⸗ net wurden, haben auch natürlich die Aufmerksamkeit Deutschlands auf China mehr als früher gelenkt und die Uebersiedelung mancher Deutschen hierher veranlaßt, die theils selbstständig den Vertrieb deutscher Erzeugnisse in diesem umfassenden Reiche sich vorgesteckt, theils ihren eigenen Vortheil gefunden haben, sich Häusern anderer Nationen zur Betreibung des all⸗ gemeinen Handels anzuschließen. Während indessen andere Nationen durch offizielle Vertretung der Interessen ihrer Angehörigen, theils nach Schlie⸗ ßung besonderer Handels⸗Traktate, theils auch ohne dies zu thun, ihre Rechte sicher gestellt haben, sind die Deutschen noch bisher allen Schutzes, durch ein von den Chinesen anerkanntes Organ, beraubt gewesen und sind ganz auf sich selbst angewiesen, da Beamte anderer Nationen zur Verthei⸗ digung ihrer Rechte nicht befugt sind, auch ihnen eine solche nicht zugemu⸗

thet werden kann

Wir unterzeichnete Deutsche, gegenwärtig in China, fühlen uns daher gedrungen, dem Vaterlande die keinesweges gesicherten Verhältnisse, unter welchen wir hier leben müssen, näher vorzulegen und den Wunsch lebhaft auszusprechen, daß von Deutschland aus irgend etwas und baldigst gethan werde, um uns in Beziehung auf Sicherstellung unserer Personen und un⸗ seres Eigenthums wenigstens auf gleichen Fuß mit den anderen hier ver⸗ kehrenden Nationen zu bringen.

Alle hier anwesenden Fremden sind leider in Canton mehr, als irgend wo anders in China, einer dem großen Haufen der chinesischen Bevölkerung so zu sagen eingeimpften Abneigung gegen alles Fremde bloßgestellt und haben schon mehrmals in Ausbrüchen davon in eminenter Gefahr gestan⸗ den, alle ihre Häuser verbrannt und geplündert zu sehen, wie dies auch i. J. 1812 mit einem Theile der fremden Faktoreien der Fall gewesen ist. Dann haben die Fremden ihren respehiven Vertretern eidlich erhärtete Verzeichnisse ihres Verlustes vorgelegt, und dieser Betrag ist seiner Zeit durch die aner⸗ kannten Organe reklamirt und von der chinesischen Regierung vergütet wor⸗ den. In einem solchen Falle nun würden wir Deutsche für das uns vom Pöbel zerstörte Eigenthum gar keinen Regreß an die chinesischen Autoritä⸗ ten haben, da uns die genügende Vermittelung auf offiziellem Wege fehlt, denn dem beitischen Konsul ist es von seiner Regierung geradezu untersagt, für andere als britische Unterthanen sich bei der chinesischen Regierung zu verwenden, und von anderen Konsuln konnten wir einen für uns gemachten Reklam auch nicht erwarten. Noch vor einigen Wochen fand ein Volks⸗ auflauf statt, der, wenn er nicht durch energisches Einschreiten aller Frem⸗ den, Waffen in der Hand, gedämpft worden wäre, unfehlbar in Vernich⸗ tung aller fremden Faktorcien geendet haben würde. Wir Deutsche, so wie alle anderen Fremden, waren darauf gefaßt und retteten Bücher und Kassa mehr konnten wir nicht wegbringen.

Aber wäre die Befürchtung zur Wahrheit geworden, so hätten wir all unser Eigenthum verloren, während andere Nationen es vergütet erhalten hätten. Und ein solcher Vorfall ist bei Erbitterung der Chinesen, die nach der im letzten (8. Juli) stattgehabten Auflaufe erfolgten Tödtung verschie⸗ dener Individuen noch gereizkter gewerden ist, täglich zu erwarten. Aber auch unsere Personen sind in dergleichen Volksaufläufen in Gefahr, denn wir müssen, so wie alle Fremden, bewaffnet uns dem Pöbel gegenüberstel⸗ len; ereignet sich dann ein Unfall für einen Deutschen, so steht es nicht in unserer Macht, Genugthuung zu erhalten, während Engländer und Ameri⸗ kaner und auch Franzosen, Holländer und Dänen, die alle hier durch Kon⸗ suln vertreten sind, Regreß gegen die Regierung nehmen lönnen, und weit leichter könnte sich der Unwille der Chinesen gegen Deutsche persönlich rich⸗ ten und vorzugsweise, wenn sie wissen, daß sie diese ohne erhebliche Folgen angreifen können. Hier würde schon der moralische Eindruck, den das Be⸗ wußtsein, daß wir für erlittene Unbill offiziell Regreß nehmen können, auf die Mandarine und durch diese auf den großen Haufen hätte, uns von großer Wichtigkeit sein. 1 8

Bei Veruntreuungen oder sonst fraudulösen Transactionen von Chi⸗ nesen gegen Fremde, bedarf es nur der offiziellen Anzeige des betreffenden Konsuls an die chinesischen Mandarinen, um den Schuldigen zu fassen und zur Verantwortung zu ziehen, während wir Deutsche es vom Zufall ab⸗ hängen lassen müssen, ob die Mandarinen eine von uns, als Privat⸗ leuten ihnen ossiziell unbekannt, eingereichte Requisition beachten wollen oder nicht.

Deutsche Schiffe mußten bisher von fremden Konsuln in Canton. meistens von amerikanischen, da der britische es nicht darf, den chinesischen Autoritäten insoweit garantirt werden, als diese sich verpflichten, das Schiff nicht eher weggehen zu lassen, als bis alle Zoll⸗Abgaben berichtigt worden seien oder wenn die neue Garantie eines Konsuls, wie in Shanghae, wo bisher nur ein englischer Konsul war, nicht erlangt werden konnte, mußten sie ein hinreichendes Depositum machen, das die Bezahlung aller Abgaben sicherte. Im ersteren Falle machen wir uns stets von anderen Leuten ab⸗ hängig, im anderen Falle ist ein Depositum oft lästig. Auch ist, wenn ein anderer Konsul für den amerikanischen, der sich stets sehr zuvorkommend gegen alle Deutsche in dieser Beziehung bewiesen hat, die Garantie für das Schiff übernimmt, von iym nicht zu erwarten, daß er vielleicht vorkom⸗ mende Differenzen zwischen dem Capitain und der Mannschaft oder dem Consignateur gehörig untersuchen und schlichten kann, da die Kenntniß der deutschen Sprache hierzu vielleicht nothwendiges Erforderniß wäre.

Im Strandungsfalle eines deutschen Schiffes in den chinesischen Ge⸗ wässern, im Falle der hier ankommenden geretteten Mannschaft, für die gesorgt werden müßte, in Bergungsfällen, Differenzen über Bergelohn, wo deutsche Schiffe interessirt sind, bei Schlichtung von Streitigkeiten in Ge⸗ schäftssachen, würde die Anwesenheit eines dentschen Konsuls nicht nur er⸗ wünsch', sondern oft durchaus nothwendig sein, eben so wie wünschenswerth zur Regulirung der Nachlassenschaften von hier vielleicht mit Tode abge⸗ gangenen Deutschen, die keine nähere Konnexionen haben, und in vielen anderen Fällen, die nicht aufzuzählen sind, oder vielleicht vorher bedacht werden können.

Wenn wir somit in den wenigen vorstehenden Bemerkungen unsere An⸗ sicht, daß die Anstellung einer Person, die unsere Interessen offiziell bei den chinesischen Autoritäten vertritt, durchaus nothwendig wird, und daß dabei Periculum in mora ist, motivirt haben, so können wir doch nicht umhin, zu bemerken, wie wenig der Hauptzweck gefördert werden würde, wenn diese Vertretung durch Ernennung verschiedener Konsuln für den Zoll⸗Verein, die Hansestädte und noch verschiedene andere deutsche Länder statthätte, sondern wie erwünscht es wäre, daß die verschiedenen deutschen Länder sich zur An⸗ stellung eines Konsuls vereinigten oder wenigstens die verschiedenen Aemter in eine Person konzentrirten, da den Chinesen die Idee eines großen han⸗ deltreibenden Volkes, die ihnen allein imponirt, mit der durch Ernennung verschiedener Konsuln dargethanen Zerstückelung nicht recht vereinbar schei⸗ nen dürfte, auch möchten wir, gerade bei der Eigenthümlichkeit des chinesi⸗ schen Volkes, mit den diplomatischen Relationen auf dem zwischen kultivir⸗

ten Ländern herfömmlichen Fuße noch nicht erhalten werden können, die

Schließung eines Handels⸗Traktats, so lange dies nicht von dem gesamm⸗ ten Deutschland geschehen kann, für jetzt noch nicht angemessen halten, da vor der Hand alle anderen Nationen gewährten Vortheile, der Natur der anderen Verträge gemäß, auch uns zu Gute kommen.

Wenigstens erwarten wir mehr Nachtheil als Vortheil im moralischen Eindruck, den ein jetzt zu schließender Vertrag vom Zoll⸗Verein, dann von den Hansestädten, dann von einzelnen anderen deutschen Staaten hervor⸗ bringen würde. -

Aus eben dem Grunde glauben wir auch nicht, daß die Mission eines Regierungs⸗Beamten auf diplomatischem Wege, die, wenn sie irgend den nach äußeren Eindrücken so rasch urtheilenden Chinesen imponiren will, eine sehr bedeutende Summe kosten würde, dem Zwecke besser oder auch nur so gut entsprechen würde, als die einfache Ernennung und Heraus⸗ sendung eines Handels⸗Konsuls, für den bei der chinesischen Regierung das Erequatur nachgesucht wird. Es wäre dann zu wünschen, daß einem sol⸗ chen Konsul durch ein angemessenes Gehalt seine Stellung in Canton ge⸗ sichert würden, und daß derselbe sich aller eigenen Geschäfte enthielte, wie es jtzt der Fall mit dem englischen und französischen Konsul ist. Der amerikanische Konsul ist ein aktiver Kaufmann und als solcher unfalarirt, hat aber gesetzlich gar keinen Einfluß auf seine Landsleute, um die po⸗ litischen Verhältnisse wahrzunehmen, ist jetzt von den Vereinigten Staaten ein besonderer Gesandter unterweges. Der holländische Konsul, salarirt und handeltreibend, ist von der niederländisch⸗ostindischen Regierung ange⸗ stellt, die Gesetze derselben geben ihm bedeutende Gewalt über die Unter⸗ ihanen seiner Regierung hier, ein Umstand, den wir jedoch der Nachahmung nicht empfehlen wollen. 1

Indeß ziemt es uns, zu erwarten, was von Deutschland aus für uns zur Wahrung unserer Personen und unseres Eigenthums geschehen wird, wir haben, da Unterzeichnete verschiedenen Regierungen zu Hause angehören, kein förmliches Gesuch machen, sondern nur angeben wollen, wie nothwen⸗ dig es ist, daß Schritte zu unserer Beschützung baldigst gethan werden möchten.

Canton, den 4. August 1840. Edmund Moller, Carlowitz hHarkort u. Co., Wilhelm A. Meusing, Eduard Reimers,

Wilhelmy, Julius Kreyenhagen, Edmund Cramer.

Hong⸗Kong, den 20. August 1840. V. Reiche, C. A. Caesar, G. H. Schumacher, Oscar E. Müller, Ferd. Blase, George Grünewald, M. Samson, S. Dellevie, Henry Hilckes, Karl Weiß, R. Rienaecker. .