lische Nation werde nicht zugeben, daß er sie mit Frankreich in Krieg verwickele, und ihn dem Frieden zum Opfer bringen, wie Herr Thiers im Jahre 1840 von Frankreich geopfert worden sei. Der Natio⸗ nal mag zwar von der Allianz mit England so wenig wissen wie die Presse und ist nicht minder allen Zugeständnissen entgegen, scheint aber doch auch nicht zu glauben, daß Herr Guizot mit seiner Vertheidigung, der bestimmten Versicherung der englischen Blätter von der Zweizüngigkeit derselben gegenüber, mit Ehren davonkommen werde. Die France glaubt nicht daran, daß Lord Palmerston von der Nation werde im Stiche gelassen werden, und behauptet, daß Herr Guizot eine solche ernste Wendung der Sachen und den Verlust der britischen Allianz keinesweges vorhergesehen habe. Die Presse bemerkt, daß Englands Unwille sich jetzt selbst aufs Klein⸗ liche werfe. So habe Lord Normanby in der Konferenz mit Guizot, worin er Lord Palmerston's Antwort verlesen, darauf bestanden, daß beide Flügelthüren des Kabinets des Ministers geöffnet würden, wie es nach strenger Etikette geschehen müsse. Wie es scheine, wolle England jetzt auf jede Weise fühlbar machen, daß das herzliche Einverständniß zu Ende sei. Der Commerce sagt: „Wir haben ein Schreiben aus Ma⸗ drid vor uns, welches an einen Freund des Ministeriums gerichtet ist, und dessen Inhalt wahrscheinlich dem Chef des Guizotschen Kabinet⸗ tes mitgetheilt worden ist. Diesem Schreiben zufolge, ist das Be⸗ nehmen des Herrn Bresson am Hofe von Aranjuez der Art, das noch so junge „herzliche Einverständniß“ zwischen dem Tuilerieen⸗Kabinette und Herrn Isturiz zu gefährden. Graf Bresson, im Uebermuth über seine neuerlichen diplomatischen Erfolge, soll einen solchen Ton ange⸗ nommen haben, daß mehrere hohe Personen sich dadurch verletzt fühlten und seine Abberufung deshalb nothwendig geworden sei. Aber Herr Bresson hat bereits unserem Ministerium erklärt, daß, wenn er Madrid verlasse, er es nur thun werde, um sich nach Lon⸗ don zu begeben. Man kann sich daher die Verlegenheit des Herrn Guizot denken.“
Die Fakultät der Wissenschaften, von dem Minister des öffent⸗ lichen Unterrichts, Herrn von Salvandy, zu einem Gutachten über verschiedene Studienfragen aufgefordert, hat durch ihren Dekan, Herrn Dumas, einen Bericht erstattet, der vom 20. Juni d. J. datirt ist, aber jetzt erst veröffentlicht wird. Es heißt darin: „Die Fakultät hat mit äußerster Sorgfalt mehrere wichtige Fragen, betreffend die Grade, welche sie ertheilt, und die Prüfungen, welche dazu füh⸗ ren, in Untersuchung gezogen und ist dabei zu der Ueberzeu⸗ gung gekommen, daß sie, um im Einklang zu bleiben mit den Bedürfnissen des Landes und der Zeit, ihrer Wirkung auf den öffentlichen Geist eine neue Richtung geben muß. Der Kunstfleiß, in seinem raschen Fortschreiten, schafft täglich neue Bedürf⸗ nisse. Außerordentliche Unternehmungen bewegen die Nation und nehmen die Bodenfläche in Anspruch. Mangelhaft geleitet, können sie das Leben und Vermögen der Staatsgenossen gefährden; mit Besonnenheit und Umsicht verfolgt, sichern sie dagegen den Bezirken, in welchen sie entstehen, eine lange Zukunst von Wohlstand. Darf die Universität einer so allgemeinen Bewegung fremd bleiben? Wenn von allen Seiten eine Unterweisung gefordert wird, geeignet, die werdenden Geschlechter mit den Formen einer Civilisation vertraut zu machen, die ihnen zuvorgekommen ist und deren Früchte einzu⸗ sammeln sie berufen sind, darf wohl die Regierung die Aufgabe, sie darzubieten und zeitgemäß einzurichten, dem Privatstreben überlassen? Die Universität verbürgt durch ihr Diplom die Fähigkeit des Arztes, des Advokaten. Wäre es nicht eben so angemessen und nütz⸗ lich, wenn sie in gleicher Weise den Ingenieur, den Mechaniker, dem die industriellen Compagnieen ihr Vermögen, dem so viele Reisende ihr Leben anvertrauen, dem Publikum empföhle? Tie Wissenschaft der Maschinen und die Wissenschaft der Construction sind heute so vorgerückt, daß sie nothwendig zur Seite der mathematischen, physika⸗ lischen, naturwissenschaftlichen Lehrgegenstände einen Platz einnehmen müssen. Die Universität hat darum anerkannt, daß der Unterricht in den mechanischen Wissenschaften fortan in ihren Rahmen aufzunehmen ist. Sie drückt darum den Wunsch aus, betreffende Lehrstühle in ih⸗ rem Schooße errichtet zu sehen. Einstweilen und bis dies geschieht, glaubt sie an die Nothwendigkeit, zwei neue Grade einzuführen, erin⸗ nern zu müssen: das Licentiat und das Doktorat der mechanischen Wissenschaften.“ Auch für Metallurgie und Ackerbau nimmt der Be⸗ richt der Fakultät die Wirksamkeit der Universität in Anspruch. Nicht weniger sollen auch Laboratorien zum Behuf der chemischen Wissen⸗ schaften unter Mitwirkung der Universität eingerichtet werden. Der Minister wird gebeten, zu verfügen: 1) daß ein Licentiat und ein Doktorat für die mechanischen Wissenschaften errichtet werden sollen; 2) daß bei den physikalischen und naturwissenschaftlichen Un⸗ terrichtssweigen ein neues Bakkalaureat eingeführt werde; 3) daß die Prüfungen zum mathematischen, mechanischen, physikali⸗ schen und naturwissenschaftlichen Licentiat getheilt, respektive auf die drei letztgenannten Disziplinen ausgedehnt werden sollen; 4) daß in Zukunft auch von der Fakultät zu den Thesen zum Dok⸗ torat Propositionen gefügt werden dürfen, nach welchen der Aspirant in verschiedenen Zweigen der mechanischen Wissenschaften examinirt werden mag; 5) daß schon jetzt die Fakultät in den Stand gesetzt
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werde, ein Laboratorium zum freien Gebrauch für die Licentiaten der mechanischen Wissenschaften zu eröffnen. In einem zweiten Bericht werden die neuen Lehrstühle namhaft gemacht, deren Errichtung ge⸗ wünscht wird. Zu den neuen Vorlesungen an der Universität wird die Anstellung von vier Professoren vorgeschlagen, nämlich: eines Professors für deskriptive Geometrie, einer für Kinemathik (Be⸗ wegungslehre), Dynamometrie (Kräftemessungslehre) und Dynamik, einer für Maschinenkunde, Hydraulik und Pneumatik (Luftbewegungs⸗ Lehre), einer für die Constructions⸗Lehre (den Lokomotivenbau); au⸗ ßer diesen vier Professoren soll noch ein Zeichnenlehrer für die be⸗ schreibende Geometrie, ein zweiter für das Maschinenwesen und ein Bewahrer der Sammlung von Maschinen aller Art angestellt, endlich soll auch für eine Werkstätte zur praktischen Unterweisung im Gebrauch der vornehmlichsten Werkzeuge gesorgt werden.
Das Journal des Deé(bats theilt einen Beschluß des Stadt⸗ Raths von Piacenza mit, der dem dasigen Jesuiten⸗Kollegium die übliche Unterstützung von 5200 Lire, wenn auch nicht geradezu ver⸗ sagt, so doch unter Auedrücken bewilligt, die errathen lassen, daß er am liebsten den Jugend⸗Unterricht den Mitgliedern der Gesellschaft Jesu entzogen sähe. „Ein solcher Beschluß“, schließt das französische Blatt, „fast mit Einstimmigkeit (17 gegen 2 Stinsmen) von einer Körperschaft gefaßt, auf welche die Regierung mehr Einfluß übt als auf irgend eine andere, muß Jedermann beweisen, daß man in un⸗ serem Jahrhundert der öffentlichen Meinung nicht mehr Stillschweigen auferlegen kann.“
Das Gesetz⸗Bülletin enthält eine Verordnung über die Besol⸗ dung der Mitglieder des Staats⸗Raths und eine andere über die des Richterstandes. Die Besoldung der Staatsräthe beträgt danach 15,000 Fr. und der Requetenmeister 6000 Fr. Die Besoldungen der Richter an den Königlichen Gerichtshöfen beträgt nach den verschie⸗ denen Städten 4000 bis 10,000 Fr.; der Richter an den Tribunalen erster Instanz nach den verschiedenen Städten 1800 bis 7000 Fr.; der Fri densrichter 1200 bis 3000 Fr.
In Marseille sollte ein zu Algier redigirtes Blatt erscheinen, weil zu Algier keine Preßfreiheit besteht. Die Verwaltung hat aber die Herausgabe dieses Blattes nicht gestattet. Der Courrier fran⸗ õais meint, es stehe mithin wohl bald zu erwarten, daß man auch die Korrespondenzen unterdrücken werde, welche algerische Kolonisten an pariser Blätter richten. Einer der Gründer des neuen zu Mar⸗ seille verbotenen Blattes sagt: „Unsere Pflicht erheischt, energisch ge⸗ gen die Art zu protestiren, wie man gegen uns verfährt. Die fran⸗ zösische Presse, deren Unterstützung wir anrufen, wird urtheilen, daß es sich hier nicht um ein alleinstehendes Faktum handelt, sondern daß sie selbst ganz gefährdet ist; denn wir stehen unter der Herrschaft und dem Schutz des für die Hauptstadt geltenden Gesetzes.“
Herr Blanqui sagt in einem Schreiben an den Freihandelsbund zu Bordeanx, daß man im Handels⸗Ministerium mit einem neuen Zollgesetz⸗Entwurf beschäftigt sei, und daß alle zwecklosen Zölle im neuen Tarif wegfallen würden.
Der Courrier frangais meldet, der König der Gambia⸗Inseln habe seinen Staaten eine Verfassung nach dem Muster der Sandwichs⸗ Inseln gegeben.
Am 3. November ist zu Brest die Gabarre „Cormoran“ von Bassora mit einer Ladung archäologischer Ruinen und Kunstgegenstände für die Regierung angekommen.
Von Beaune schreibt man, daß das Departement des Cote d'Or seit 1811 keinen solchen Wein produzirt habe, wie in diesem Jahre; von der Qualität könne man sich eine Vorstellung machen, wenn man höre, daß der Wein aus der Kelter über das Vierfache höher ver⸗ kauft würde, als im vorigen Jahre.
Der National erklärt sich ganz damit einverstanden, daß das Ministerium auf die strengste Prüfung der Viadukts der Nordbahn dringe, da die Erfahrung gezeigt, wie mangelhaft mehrere Brücken und Viadukte gebaut worden. Er greift aufs heftigste den Ingenieur Locke an, der behauptet hatte, ein Bau von Ziegelsteinen sei so fest, als von Bruchsteinen. Uebrigens sagt der National, daß selbst die Ziegelbauten der Ronen-Havre-Bahn viel zu wünschen übrig ließen.
. Paris, 8. Nov. Bekanntlich hatte die französische Regie⸗ rung das Transportschiff des Staates, den „Cormoran“, nach dem persischen Merbusen abgesendet, um die in der jüngsten Zeit von fran⸗ zösischen Gelehrten am Ufer des Tigris aufgefundenen Basreliefs und anderen alterthümlichen Ueberreste von Ninive nach Frankreich zu brin⸗ gen. Nachdem das Schiff glücklich den ihm gewordenen Auftrag vollzogen hatte, verließ es am 1. Juni Bassorg und trat die Rück⸗ fahrt an. Auf dieser berührte es auch die Insel Bourbon. Nachdem es daselbst 59 Matrosen, Militairs und Civil⸗Beamten als Passagiere eingenommen hatte, segelte es am 18. August wieder ab und hat nun bis zu diesem Datum Nachrichten mitgebracht. Es lagen damals auf der Rhede von Saint-Denis (Bourbon) noch vor Anker die Fregatten „Belle Poule“ und „Reine Blanche“, die Kor⸗ vetten „la Prudente“ und „Ducouedic“ und die Dampfschisse „Archi⸗ mede“ und „Crocodile“. Am 15ten waren die Korvetten „le Berceau“
8
und „le Voltigeur“ nach Mayotte abgegangen. Die Vereinigun zahlreicher Kriegsschiffe auf einer Rhede, welche seit den Zeiten Kaiserreichs keine ähnliche gesehen hatte, war vornehmlich durch die; ihrer Rückkehr begriffenen Schiffe der Flottille veranlaßt worden, wen mit dem außerordentlichen Gesandten, Herrn von Lagrenee, nach t gesendet worden war. Wie man zu hoffen pflegt, was man wünj so hatte man auch auf Bourbon sich bereits Illusionen gemacht, 1 Kriegsschiffe dürften zu einer ernstlichen Expedition gegen Madag kar verwendet werden. Bei der Abfahrt des „Cormoran“ aber! ren diese Illusionen bereits völlig verschwunden. Die nahe Abse⸗ auch mehrerer anderen Kriegsschiffe nach verschiedenen Bestimmur, war bereits angekündigt, einige waren schon abgegangen, und Hoffnungen der Einwöohner von Bourbon, bald aus ihrer schlim Lage gezogen zu werden, waren vereitelt. Nach den mit dem „C. moran“ eingetroffenen Korrespondenzen herrschte darüber allgen Mißstimmung, die noch vermehrt worden war durch den Unste daß diese zahlreichen Kriegsschiffe zu Bourbon noch räthe an Lebensmitteln eingenommen hatten, während es in ge
der Unterbrechung der Handels⸗Verbindungen mit Madagaskar gan Dablin seine erste Versammlung gehalten,
an mehreren der nöthigsten Artikel dieser Art, wie an Fleisch, eine so außerordentliche Höhe gestiegen sind, daß die Einwohner s genöthigt sind, die härtesten Entbehrungen sich aufzulegen. † die Ankunft der Beuen Truppen⸗Verstärkungen, nachdem z doch keine Anstalten. zu einem Feldzuge gegen Madagr machen sah, wollte Niemüͤnden gefallen. Jedenfalls ist diese 8. mung begreiflich bei einer Bepölkerung, die sich seit einem Jahre st in einer peinlichen Ungewißheit über die Zukunft befindet, besti zwischen Furcht und Hoffnung schwebt, jedenfalls aber ihre Inten schon jetzt ernstlich benachtheiligt und für die Zukunft noch schr bedroht sah, wenn nicht bald die Nachricht von einem bestime Entschlusse der Regierung des Mutterlandes eintraf. Dabei gi. fortwährend Gerüchte, die Eugländer rüsteten sich auf Mauritint. sich allein zu einem Feldzuge gegen die Howas, um für die h Niederlage, die sie mit den Franzosen gemeinschaftlich von diesemze erlitten hatten, Rache zu nehmen. Die Kunde, daß das Minifin nun endlich zu einem, wenn auch in seiner Ausdehnung beschme
Feldzuge sich entschließen will, wird also voraussichtlich auf die wehit müther in Bourbon einen sehr günstigen Eindruck machen.
Großbritanien und Irland. London, 7. Nov.
bei abermals auf die spanische Frage zurück. Es wird hervorge
ben, wie ein eigenthümlicher Unstern die Verwaltung des Lordet gleite, wie es aber ungerecht und unvernünftig sei, Lord Palmen für die bestehenden Uebelstände verantwortlich zu machen. „Die wärtige Politik Lord Aberdeen's“, schreibt die Times, „vet nichts durch den Vergleich mit der seines Nachfolgers, und eine
von unvorhergesehenen Umständen hat auf Lord Palmerston's 8
kehr ins Amt einen merkwürdigen Schatten geworfen. Wollten
jetzt dieselbe schonungslose Kritik üben, welche die Opposition gn
den vorigen Minister der auswärtigen Angelegenheiten übte, son
den uns nicht Veranlassung und Gründe dazu fehlen; aber! glauben, die Thatsachen werden Anschuldigungen widerlem welche nie das Ohr der Nation erreicht haben, und es un. gut für England, wenn jene Lord Palmerston so ausschl.
lich zugeschriebenen energischen Eigenschaften jetzt dem La nur so viel Einfluß, Sicherheit und Achtung verschafften, als es! ter Lord Aberdeen's gemäßigter Leitung gehabt hat. Die For Fluth enthüllt indeß Klippen und Untiefen auf unserem Wege, i welche wir noch vor wenigen Monaten so ruhig und sicher doß schwammen. Wir haben Grund, mit unseren auswärtigen Beziem gen nach mehr als einer Seite hin unzufrieden zu sein. Dir fie gin von England kann nicht mehr ihr Parlament mit der gentd lichen, aber wichtigen Versicherung versammeln, daß ein gutes g' verständniß mit aller Welt sortbestehe. Die Regierung hat laut! mit Recht gegen eine Handlung protestirt, die ohne uns und me unseren Willen in Madrid vor sich ging; und in der neuen U scheint Lord Palmerston verurtheilt zu sein, selbst ohne zu em Protest schreiten zu können, die Einverleibung eines ganzen Reit in die amerikanische Union ansehen zu müssen. unvernünftig und ungerecht, Lord Palmerston die Uebelstände Schul geben, die er weder verhindern, noch bessern konnte. lich wäre, die Gegenwart von der Vergangenheit zu trennen, könnte unser Minister der auswärtigen Angelegenheiten vielmehr
spruch auf das Verdienst machen, daß er Alles gethan habe, was möglich war, um die Interesse und die Ehre des Landes auft zu erhalten, als wir von unseren nächsten Bundesgenossen hinten gen wurden. Nichts ist klarer in der Geschichte der jüngsten Te der französischen Diplomatie in Spanien, als daß Ludwig Phs und Herr Guizot aus Lord Palmerstons Rückkehr ins Amt Ng. ziehen wollten, um einen politischen Streich unter dem Vormꝛ⸗ einer Contre⸗Intrigue von Seiten Englands zu führen. Sie he
ten Quacksalbers war, etwas weniger Derbheit hätte zur Veredlung der Fi⸗ gur jedenfalls beigetragen. Doch fand die Leistung ungetheilten Beifall. Namentlich waren es die Duette mit Nemorino im ersten Akte und mit Adina im zweiten Akte, deren Wirkung er durch seine gelungene Ausfüh⸗ rung wesentlich erhöhte. Das improvisirte Lachen in dem ersteren der bei⸗ den bezeichneten Musikstücke entfernt sich jedoch von jedweder musikali⸗ schen Wirkung so weit, daß es in dieser Hinsicht unstatthaft erscheint und — soll es anders angewandt werden — sich in irgend einer Tongränze halten müßte.
Da bei der ersten Vorstellung der Oper fast alle Tempi vergriffen und als zu langsam genommen von uns gerügt wurden, so erkennen wir dies⸗ mal das belebtere Erfassen derselben um so mehr an. Uebrigens wäre dem Dirigenten immer noch mehr Energie zu wünschen. Daß das Orchester seinen etwas unbestimmten Bewegungen des Taktstockes zu folgen versteht, liefert den schlagendsten Beweis für die Tüchtigkeit desselben, die es auch heutes in manchen kritischen Momenten zu bewähren Gelegenheit fand.
0.
Zur deutschen Geschichtsforschung.
Wir haben vor kurzem bereits auf den zweiten Band von Lacomblet's Urkundenbuch des Niederrheins und auf die bevorstehende Herausgabe der Bilder aus Heinrich's VII. Leben in diesen Blättern aufmerksam ge⸗ macht. Im verwichenen Jahre sind solcher Werke, welche sich vorzüglich auf archivalische Forschungen stützen, noch manche erschienen; hier wollen wir nur die bedeutendsten hervorheben. Zuvor können wir nicht umhin, auf die Beschreibung des Königlichen Provinzial⸗Archivs zu Koblenz hin⸗ zuweisen, die der dortige Archivar Beyer im ersten Hefte der (sehr empfeh⸗
lenswerthen) Zeitschrift für die Archive Deutschlands, vom nas⸗ sauischen Archivarius Friedemann, geliefert hat; es erhellt daraus der ganze Inhalt des Archivs, die Anordnung desselben, die Bedeutung, die es in vielfacher Hinsicht hat, und darf als verdienstvoller Beitrag betrachtet wer⸗ den, wie wir ähnliche von anderen Archiven wohl wünschen dürfen. Sten⸗ zel hat Urkunden zur Geschichte des Bisthums Breslau herausgegeben, welche (316 an der Zahl, von 1227 bis 1524) theilweise dem schlesischen Provinzial⸗Archiv entlehnt sind, und deren Gesammtinhalt, wichtig für die Geschichte dieses Bisthums in seinem Verhältniß zum Staat oder doch
zum äußeren Leben, in einer meisterhaften Einleitung (92 S.) in muster⸗ hafter, ruhig abgefaßter Weise aneinandergereiht ist. Riedel hat den drit⸗ ten Band seiner Urkunden⸗Sammlung zur Geschichte der auswärtigen Ver⸗ hältnisse der Mark Brandenburg und ihrer Regenten erscheinen lassen (338 Urkunden, von 1373 bis 1429), von denen ein Theil dem Geheimen Staats⸗ und Kabinets⸗Archiv zu Berlin entlehnt ist. Die Archive der Pro⸗ vinz Sachsen hat Geh. Rath Lepsius zum ersten Bande seiner fleißigen Ge⸗ schichte des Hochstifts Naumburg vor der Reformation benutzt und 81 Urkun⸗ den aufgenommen. Das neueste Werk sind die Regesten der westphälischen Geschichte nebst Urkundenbuch, vom Archivrath Dr. Erhard, deren erster Band (mit 196 Urkunden) erschienen ist; er enthält die Quellen der Ge⸗ schichte Westphalens von den ältesten geschichtlichen Nachrichten vor Chr. 55 bis nach Chr. 1125 in einer in jeder Hinsicht reichhal igen und wesentlich die Geschichtsschreibung föͤrdernden Regestenform, wobei die Archive zu Ber⸗ lin, Mnster und Magdeburg benutzt worden sind, wie denn auch die große Thätigkeit des Vereins für Geschichte und Alterthumskunde Westphalens, dessen Direktor Erhard ist, und von dessen Zeitschrift jetzt der neunte Band ausgegeben wird, rühmlichst erwähnt werden muß.
Erst nach solchen Werken kann eine gründliche, zuverlässige Geschichte Deutschlands geschrieben werden, wobei zu wünschen ist, daß nicht Parti⸗ kular⸗Ansichten, nicht moderne Zeitzwecke, sondern die alleinige Absicht, ge⸗ schichtliche Wahrheit zu bieten, den Schriftstellern die Feder leite. Hier
enüge der Nachweis, daß von Seiten Preußens nichts unterlassen wird, 1 vaterländische Studien recht eifrig zu fördern. M. R.
1 1“* W
Friedrich August Elsasser. 8 Wir hatten unlängst Gelegenheit, in einem unserer Artikel über die Kunst⸗Ausstelling in den Sälen der Königlichen Akademie der Künste auch dieses zu früh dahingeschiedenen genialen Landschaftsmalers zu gedenken. Wir glauben unseren Lesern einen wesentlichen Dienst zu erzeigen, wenn wir jetzt einige biographische Notizen über das kurze Leben und Wirken
dieses ausgezeichneten Künstlers folgen lassen, welche Herr Geheime Regie⸗ rungs⸗Rath Dr. Tölken in dem so eben erschienenen „Jahres⸗Bericht der Königlichen Akademie der Künste“ zusammengestellt hat *).
99 Dieser Jahres⸗Bericht ist, gedruckt in der Druckerei der König⸗ lichen Akademie der Wissenschaften, in der Voßschen Buchhandlung (Strik⸗
Friedrich August Elsasser wurde geboren zu Berlin den 24. 1810. Die beschränkten Vermögens⸗Umstände seiner übrigens ehrenwig Aeltern legten in früherer Jugend ihm und seinen Brüdern, deren d— ihm noch zwei, Heinrich und Julius, der ihm nach Italien folgie der Kunst widmeten, manche Entbehrungen auf. Doch fehlte es dem? leben in der engen älterlichen Wohnung nicht an eifriger Beschäftihe
Bei spärlicher Lampe saßen die Brüder in langen Winterabenden an 2
um in die Wette zu zeit August, der ü—⸗ Bei so großem n
kaum erhellten Tische bis tief in die Nacht, so daß es Mühe kostete, sie zur Ruhe zu senden. war bei diesen Uebungen der Führer der übrigen.
lichen Eifer für die Kunst wurde er im Jahre 1825 als Freischültt
Akademie aufgenommen. Die Eigenthümlichkeit seines Talents errielt erst der würdige Veteran der Akademie, Professor Hummel, sein Lehmm der Perspektive und Architektar, der ihm demgemäß die Aufgabe G mehrere Kirchen Berlins, nach vorgängiger genauer Aufnahme der . perspektivisch in Aquarellbildern darzustellen. Schon seine ersten Vens dieser Art, das Innere der Nikolai⸗Kirche, dann die damals noch in! ursprüng'ichen Gestalt erhaltenen Räume des ehemaligen Franziskaner⸗ sters hierselbst, die bei dem Umbau des berlinischen Gymnasiums, wel von jener früheren Bestimmung des ihm überwiesenen Gebäundes no den Namen „zim grauen Kloster“ führt, seitdem umgestaltet wurden, die er in einer Reihe von acht Oelgemälden ausführte, fanden verd Anerkennung und Bewunderung. Dies geschah in den Jahren 182⁸ 1829.
Um diese Zeit war indeß der geniale Karl Blechen von seintr Reise nach Italeen zurückgekehrt. Die großartige Auffassung der Ei thümlichkeit ganzer Gegenden in poetisch charakteristischen Effektbildern, durch dieser hochbegabte Künstler die Landschaftsmalerei aus dem dan herrschenden Vedutenwesen herausriß, wurde für Elsasser, der sich anschloß, ein neuer gewaltiger Antrieb. Die reizenden Partieen der Pfa⸗ insel bei Potsdam mit ihren Baulichkeiten boten ihm erwünschte Geg
ker, Charlottenstraße Nr. 42) käuflich zu haben. — Gleichzeitig ist auc Rede erschienen, welche Herr Geh. Regierungs⸗Rath Dr. Tölken on zur Feier des Geburtsfestes Sr. Majestät des Königs am 15. Oktobber der Königlichen Akademie der Künste veranstalteten öffentlichen Sitzung
halten hat. 8 ö““
bedeutende Fngent und
sollschaft (deren balten haben) ist die britische Wallfisch⸗ und Seehunds⸗Fischerei⸗ Gesellschaft; Die Times widmet heute der ausm zuheuten. W gen Politik Lord Palmerston's einen längeren Artikel und komm! in verschiedenen gen Berechnungen Trotz bietet,
rst die Schuld und das Unrecht eines Bruches dem rivalisirenden gatsmann zur Last legen zu können, den sie hassen, und sie er⸗ rteten zweitens, daß ihre Erklärungen gegenüber denen des engli⸗ een Ministers, der persönlich nicht das Vertrauen der nördlichen sfe hätte, in Europa Glauben sinden würden. In beiden Erwartun⸗ Uhaben sie sich, wie wir überzeugt sind, offenbar getäuscht. Wir nen uns, daß das ganze Verhalten der britischen Regierung in spanischen Heiraths Frage eben so offen, gerade und uneigennützig er Lord Palmerston's Leitung gewesen ist, als es unter Lord Aber⸗ n gewesen wäre, und daß die Mäßigung und die Aufrichtigkeit eres Landes so vollständig waren, als sie es bei unseren Nachbarn at waren. So lange nun unsere Sache so steht, haben wir für eren Charakter und Einfluß in Europa nichts zu fürchten.“ Uebermorgen, am Geburtsfeste des Prinzen von Wales, soll das erwartete große Militair⸗Avancement stattfinden. Unter Anderen
nden, wie verlautet, der Marquis von Anglesey und die Generale
Grosvenor zu Feldmarschällen ernannt werden.
Das „junge Irland“ hat am Zten Abends in der Rotunda zu sich als die Partei der Repealer (Remonstrant Repealers of Dublin)
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monstrirenden“
Reis, auf Bourbon selbst fehlt und die Preise derselben daher aüstituirt und als Manifest eine Adresse an die Repealer von Ir⸗
d, „insbesondere an diejenigen, welche der Klasse der Tagelöhner Handwerker angehören“, erlassen. In einzelnen Theilen von and, insbesondere in der Grafschaft Clare, ist die Ordnungslosig⸗ so stark eingerissen, daß der Lord⸗Lieutenant sich genöthigt gese⸗ hat, die öffentlichen Bauten zu suspendiren und das Militair Schutze des bedrohten Eigenthums herbeizubeordern. Im All⸗ einen aber trägt die Thätigkeit des Ober-Bau⸗Amtes gute üchte, und es sind jetzt schon über 110,000 Arbeiter (50,000 mehr
aig in voriger Woche) in Arbeit gesetzt.
Die neue durch Parlaments⸗Akte eingerichtete Ober⸗Eisenbahn⸗ zmission tritt am 9ten d. M. in Wirksamkeit. Sie besteht vor⸗ g aus den Gcheimeraths⸗Mitgliedern Lord Granville und Sir vard Rejan und dem Ingenieur⸗Hauptmann Brandreth.
In Liverpool hat sich ein Verein zur Ermäßigung der Theezölle
ildet, welcher nach der Liverpool⸗Times sowohl die nöthigen Pdmittel als die nöthige Energie besitzt, um seinen Zweck mit wherheit zu erreichen. — Eine andere in letzter Zeit gebildete Ge⸗ Statuten bereits die Bestätigung der Regierung er⸗
sie beabsichtigt zunächst die nördlichen Polarmeere aus⸗ Wie die Erfahrung lehrt, ist der Erfolg des Wallfischfan⸗ Jahren ein so durchaus ungleichmäßiger, daß er und doß daher für Einzelne das ernehmen immer ein unverhältnißmäßig großes Wagniß bleibt. sen Nachtheil glaubt nun der Verein durch die Combination der ttel vieler Einzelner ausgleichen zu können. Nach der Brighton Gazette, beabsichtigt Lord Wellington in England stationirten Truppen in Woolwich, Birmingham und haven zu kronzentriren, weil dieselben von diesen Punkten aus ist der Eisenbahnen am schnellsten in der erforderlichen Anzahl allen Theilen des Königreichs hingeschafft werden können. Die Gesellschaft, welcher der „Great Britain“ gehört, soll über dert Projekte zur Abbringung des Scheffes erhalten, sich aber noch keines derselben entschieden haben. Ein auf ihre Veranlassung atteter Bericht des Ingenieur-Hauptmanns Shrapnel macht es
eß wahrscheinlich, daß es gelingen dürfte, mittelst einer rostartigen rkehrung unter dem Hintertheile des Schiffes an demselben sowohl
nöthigen Reparaturen vorzunehmen, als auch es wieder flott zu
chen.
Belg i en.
Brüssel, 9. Nov. Der belgische Gesandte beim deutschen nde, Graf von Briey, ist vorgestern hier angekommen.
Einem ministeriellen Blatte zufolge, wären Herren Ducpetiaux gegen zwanzig andere Beamte aus der „Alliance“ ausgetreten. In einem Rundschreiben des Finanz⸗Ministeriums an die Zoll⸗ ectionen in Betreff der Zulassung von außereuropäischem Mehl 10 Centimes die 1000 Kilogramm bis zum 1. Dezember, werden Beamten angewiesen, besonders darauf zu wachen, daß jenes
Wir sind nicht Mehl rein und nicht mit schädlichen Stoffen vermischt sei, in welchem
all die eingeführten Früchte anzuhalten und der Justiz davon An⸗
Wenn es seste zu machen sei, damit die dagegen gültigen Strafbestimmungen
nwendung gezogen würden.
Dieser Tage haben hier zwei Feuersbrünste stattgefunden. Außer Brande, der vor einigen Tagen in einem Schreiner⸗Magazin brach und einige Häuser niederbrannte, ist in verflossener Nacht Hotel des Rechnungshofes in Flammen aufgegangen, wobei ein il der Staats⸗Rechnungs⸗Archive ein Raub des Elements gewor⸗ Auf den Speichern lag unvorsichtigerweise viel Brennholz, was Feuer noch Nahrung gab. Nur durch die größten Anstrengungen ing es, das Feuer zu löschen und die Nachbarhänser zu reiten.
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Dänemarh “ openhagen, 7. Nov. Es ist hier das nachstehende Kanz⸗ lei⸗Plakat erschienen: „Se. Majestät haben unterm 2ten d. M. Al⸗ lergnädigst der Kanzlei zu erkennen gegeben, daß es hier im Reiche verboten sein soll, die Hamburger Neue Zeitung zu halten, und daß auch keine hiesigen Behörden gedachtem Blatte die amtlichen Bekanntmachungen zustellen dürfen, die sie in eine Hamburgische Zei⸗ tung einrücken lassen möchten. Welches hierdurch zur erforderlichen Nachricht und allerunterthänigsten Befolgung bekannt gemacht wird.“ Schleswig, 7. Nov. Die schleswig⸗holsteinsche Regierung
hat nachstehendes Cirkular an die Behörden erlassen: „Daß die Preise der Lebensmittel, namentlich der Kornfrüchte und Kartoffeln, gegenwärtig eine ungewöhnliche Höhe erreicht haben, ist eine That⸗ sache, die der unbemittelten Klasse die ungünstigsten Aussichten für den bevorstehenden Winter eröffnet und eine dringende Aufforderung enthält, auf Maßregeln Bedacht zu nehmen, welche dem Eintritt ei⸗ nes Nothstaͤndes für die ärmere Klasse vorzubeugen geeignet sind. Nach den desfalls gemachten Erfahrungen sind Vereinbarungen von Privaten, die den Ankauf von Korn und anderen Feldfrüchten, um selbige zu moderaten Preisen an Unbemittelte abzulassen, sich zur Auf⸗ gabe stellen, in dieser Richtung vorzugsweise wirksam, und es muß als eine erfreuliche Erscheinung betrachtet werden, daß in einigen Distrikten der Herzogthümer mit solchen Vorsichtsmaßregeln bereits der Anfang gemacht ist. Die Regierung erachtet sich für verpflichtet, die besondere Aufmerksamkeit der Behörden für diesen wichtigen Ge⸗ genstand in Anspruch zu nehmen und die Erwartung auszusprechen, daß selbige es sich werden angelegen sein lassen, die Bldung von Vereinen zu dem angegebenen Zwecke und deren wohlthätige Wirk samkeit möglichst zu befördern. — Königliche schleswig- holsteinsche Regierung auf Gottorff, den 20. Oktober 1846. von Scheel. Hein⸗
zelmann. Sievers.“ 1 “
Schweiz.
Kauton Genf. In der Sitzung des Großen Rathes am 2. November stellte Herr Viridet den Antrag, die provisorische Re⸗ gierung möge aufgefordert werden, einen Vorschlag zur Schließung des Tagsatzungs⸗Protokolls in der Sonderbunds⸗Angelegenheit vor⸗ zulegen. Dieser Antrag wurde angenommen. In derselben Sitzung eröffnete Herr James Fazy dem Großen Rathe die Nichtanerkennung Luzerns und deutete auf geheime Verbindungen zwischen dem gestürz⸗ ten Genfer-Regiment und Luzern, was zu entschiedenen Verwahrun⸗ gen von Seiten der Minderheit führte.
Kanton Basel. Der von Herrn Dr. K. Brenner in einer Großraths⸗Sitzung gestellte Antrag, daß die Zunst⸗Wahlen auf einen Sonntag angesetzt werden sollen, veranlaßte Herrn Bürgermeister Burckhardt zu der Bemerkung, daß es sehr bedenklich sei, wenn dem Volke von oben herab vorgeschrieben werde, am Sonntag sich mit Politik abzugeben. Auch in aufgeregten Zeiten sei es gut, wenn man einen Tag in der Woche habe, wo das Gemüth sich sammeln könne und auf die höheren Lebensgüter hingewiesen werde. Durch Ver- legung der Wahlen auf den Sonntag werde dieser Ruhetag auch noch von Obrigkeits wegen in das Getreibe politischer Aufregung hineinge⸗ zogen. Der Antrag des Dr. Brenner wurde mit 44 gegen 34 Stimmen verworfen.
— Die Ober⸗Postamts⸗Zeitung enthält nachstehendes Schreiben aus Zürich vom 5. November: „Die Revolution in Genf hat eine Seite, die bisher von der deutschen Presse noch wenig beachtet worden zu sein scheint. Man hat dieselbe meist für ein Werk der Proletarier oder gar der Kommunisten gehalten. Jetzt aber, wo die durch die Revolution in die Höhe gehobene Regierung Mä⸗ ßigung und Versöhnlichkeit mit den Bürgern der Stadt, die ihren Grundsätzen abgeneigt waren, zeigt, fängt man an zu fragen, ob denn nicht noch andere Elemente in diesem Drama eine Rolle gespielt haben? Zuerst jubelten die Radikalen anderer Kantone, daß ihre Partei einen so glänzenden Sieg erfochten habe. Dann schienen sie fast betroffen, daß ihre Genossen in Geuf sich im Glücke so zu mäßigen wußten, nachdem sie im Kartätschenregen dasselbe errungen. Werfen wir zur Aufflärung einen Blick auf die Thatsachen.
Die gestürzte Regierung von Genf bestand hauptsächlich aus Män⸗ nern von bedeutendem Reichthume, die Revolutionaire waren der Mehr⸗ zahl nach arme Teufel, die nichts zu verlieren hatten. Jene reichen wa⸗ ren aber nicht blos reich, sondern sie verwendeten ihre ürdischen Gü⸗ ter, um den Protestantismus in der Masse des Genfervolkes und der Bevölkerung des angränzenden katholischen Frankreichs zu verbreiten. Sie waren Protestanten und zwar Eiferer für ihre Kirche. Die niedere Klasse von Genss Bevölkerung hingegen war nicht blos arm, sondern der großen Mehrzahl nach katholisch. Es wunrde seit langen Jahren schon ein heißer Kampf gekämpft von der Société évangélique gegen den Genf von Frankreich und Savoyen her um⸗ ringenden Katholizismus. Der Erfolg war kein geringer; durch ihre Bemühungen hat die Gesellschaft eine ansehnliche Zahl von evange⸗
lischen Gemeinden gegründet, und in mehreren französischen Städten, wo früher nie ein protestantischer Gottesdienst zu Stande gekommen,⸗ stehen jetzt protestantische Bethäuser. Noch diesen Sommer hat ein Abgesandter dieser Gesellschaft am Missionsfeste in Basel eine Red unter freiem Himmel gehalten, in der er die Kämpfe und Siege der Seinigen mit Begeisterung den Zuhörern darstellte.
Und hat dies Alles nicht auch eine große historische Bedeutung? Sind diese Kämpfe nicht die Fortsetzung der größeren Schlachten, die einst Genf für seinen Calvin, für den Protestantismus geschlagen hat? Sind sie nicht zu einer Nothwendigkeit geworden, wenn das damals gewonnene Terrain nicht wieder soll verloren gehen? Das eben ist es, was die Streiter der katholischen Kirche wohl wußten. Wir könnten eine Reihe von Thatsachen aufführen, durch welche man katholischerseits die diesem Bekenntnisse huldigende Bevölkerung Genfs zu vermehren und mit Freiheiten in kirchlicher Beziehung zu beschen⸗ ken suchte. Es ist dies auch so weit gelungen, daß jetzt die katholi⸗ schen Einwohner Genfs schon durch ihre Zahl eine Rolle zu spielen befähigt sind. Wenn Genf das protestantische Rom heißt, so wäre es in der That keine Kleinigkeit, dasselbe dem katholischen Rom zu gewinnen. Und das ist es ohne Zweifel auch wirklich, worum sich der Kampf dreht, und was bei der letzten Revolution die erste Ursache war.
Der katholischen Bevölkerung Genfs sind durch dieselbe bisher noch nicht gekannte Vortheile zugefallen, und allmälig wird man ihr mit so wenig als möglich Aufsehen noch mehrere und größere bei⸗ bringen. In diesem Sinne schreibt die Sentinelle catholique: „Von Genf sind große Irrthümer ausgegangen, von ihm sollen einst auch große Wahrheiten ausgehen. Wir wollen einen Leuchtthurm katholischer Civilisation errichten, da mußten wir sicher Geuf dazu erwählen.“
Die Basler Zeitung dagegen bemerkt zu diesen Aeußerungen: „Also Genf ein Leuchtthurm katholischer Civilisation! Und um die⸗ sen Preis lassen die katholischen Führer in Genf ihre Anhänger ra⸗ dikal wählen, stimmen gegen den Sonderbund und geben die katho⸗ lische Urschweiz preis! Wahrlich eine fein berechnete Politik! Mag die Urschweiz zertreten werden, sie wird nicht aufhören, katho⸗ lisch zu sein, und je mehr sie von Protestanten bedrückt und bedroht wird, desto theurer wird ihr der katholische Glauben werden. Aber in der Urschweiz ist der Katholizismus seinem Wesen nach ein blos defensiver, das Volk der Hirten ist nicht bestimmt, Eroberungen zu machen auf dem Gebiete des Geistes, es ist daher in unserer Zeit, die vor Allem geistige Bildung sucht, nicht berufen, für Ausbreitung des Katholizismus Wesentliches zu leisten. Wie ganz anders aber Genf, dieses regsame, lebendige Volk mit seinen geistigen und maͤ⸗ teriellen Mitteln! — Dieser schlau kerechneten Politik gegenüber ist die Stellung des Protestantismus keine leichte, sie wird ihm noch unendlich erschwert durch die unaufhörlichen Extravaganzen seiner an⸗ geblichen Vertheidiger.“
IZtalien
Nom, 27. Okt. (A. Z.) In mehreren Orten der Provinzen haben bei der Ausfuhr von Getraide sich die Einwohner widersetzt und dieselbe förmlich verhindert. Mons. Grasselini hat in Folge die⸗ ser Gewaltthätigkeiten eine energisch abgefaßte Bekanntmachung ver⸗ öffentlicht. Es sei noch lange kein Mangel irgend einer Getraideart zu befürchten, und sollte dieser in Aussicht kommen, so werde die Re⸗ gierung zeitig genug die Ausfuhr untersagen.
Kardinal Gizzi ist gestern Abend von Ceccano, seinem Geburts⸗ orte, hierher zurückgekehrt, und, nach einer langen Unterredung mit dem heiligen Vater heute früh, bemerkte man im Staats⸗Sekretariat wieder reges Leben.
Es bildet sich hier gegenwärtig eine agrarische Gesellschaft auf Actien, welche sich des Schutzes des heiligen Vaters zu erfreuen hat. Als Präsident ist der Kardinal Massimo gewählt, und die ersten rö⸗ mischen Großen haben sich bereits unterschrieben. Auch von mehre⸗ ren Prälaten, als den Mons. Marini und Rusconi, ist die Sache mit Interesse aufgenommen. Das darüber abgefaßte Programm in sünf Artikeln sagt, man werde Ländereien in Erbpacht nehmen, ge⸗ eignete Baum-Anpflanzungen vornehmen, die Aussaat der besten Ge⸗ traide⸗-Arten wählen, Anlage von künstlichen Wiesen beginnen und auf Veredlung des Viehstandes seine Aufmerksamkeit richten. Wie wichtig diese Gesellschaft für den Anbau der römischen Campagna mit der Zeit werden muß, können die Sachkenner am besten beur— theilen, wenn sie hören, daß der ganze Plan von dem rühmlich be— kannten Abbate Coppi ausgeht, der mehrere Schriften in diesem Fach, und unter diesen den Discorso sul Agro Romano, veröffent⸗ licht hat. 1.
Rom, 31. Okt. Wie man vernimmt, ist der Kardinal Lam⸗ bruschini dazu bestimmt, die Unterhandlungen wegen Besetzung der polnisch⸗russischen Bischofsitze mit dem Grafen Bludoff zu betreiben.
In Cesena ist durch das kluge Benehmen des dort kommandiren⸗ den Offiziers der schweizer Truppen vielleicht einem Blutbade vorge⸗ beugt worden, indem er verhinderte, daß die sehr gereizten Soldaten
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de zu freieren kräftig beleuchteten Landschaften, die 1830 zur Ausstel⸗ g kamen. Auch fing er an, sich in selbstgeschaffenen poetischen Compo⸗ nen landschaftlicher und klösterlicher Oelbilder hervorzuthun. Inzwischen trieb innere Sehnsucht und der Rath seines Freundes und kers Blechen ihn nach Italien. Kaum 21 Jahre alt, verließ er 1831 in, mit Unterstützung eines bemittelten Kunstfreundes, um sich an dem ber der reicheren Naturschönheiten Italiens zu sättigen, ohne zu ahnen, er die Vaterstadt nicht werde wiedersehen. Auf der Hinreise fesselte ihn längere Zeit Tyrol, dessen Alpenhöhen und waldige Bergschluchten ihn Jahre nachher zu poetischen Darstellungen begeisterten. Zu seinem er in Rom an dem dort einheimisch gewordenen Landsmann 8 atel einen väterlichen Frennd und Führer, der seine ganze Liebe * geistesverwandten jungen Künstler übertrug. Von ihm lernte El⸗ büttlenen Zauber der Lichtwirkungen, jenen leuchtenden Duft der Ferne, 8 sgem Gegensätzen der Vordergründe, in deren poetischer Zusammen⸗ dee gaich vielleicht unerreichbar bleiben wird. So verdankte er Hum⸗ Iö Blechen die Kühnheit, Catel den Lichtglanz seiner hhhj G Leistungen, die bald in Rom allgemeine Bewunderung gen N.. dit immer neuem Entzücken besuchte er jene zauberischen Umge⸗ deehca, die dem Landschaftsmaler so unerschöpfliche Motive darbie⸗ Frascati, Grotta Ferrata, die Seen von Albano und Nemi fernere Subbigaco. Dann lockte Neapel mit seinem leuchtenden und den ihn einfassenden feenhaften Anhöhen, Vorgebirgen und In⸗ n Tnseida, Ischia, Capri, mit der Küste von Sorrent, ihn zu wieder⸗ 4 wnerangen, bis er in den Jahren 1834 und 1835 Sicilien er⸗ 1 1G fand er zu Palermo, besenders in der einsten mittelalterlichen * 3g normannischen Baue, Kirchen und Gräber, für sein Talent ge⸗ ü0'8 hegenstände, obwohl ihn die unendlich reizenden Umgegenden Pa⸗ he 68 der ganzen Nordküste Siciliens, welche Insel er ganz um— F heniger anzogen. Gewöhnlich wurden die gemachten Studien wäh⸗ ee1 g ntsts in Rom verarbeitet. Seine künstlerische Thätigkeit war reich auch nah und fern verdiente Anerkennung durch die heit 1enbei seiner Schöpfungen. Inzwischen fing seine zarte Ge⸗ 8 ö an zu wanken. Er selbst schrieb indeß die Ursache en groß F angestrengten Studien zu, welche er im Sommer 1837 ttzte ” artigen Wäldern des wildesten Calabriens viele Wochen lang indem seit jener Zeit eine unheilbare Brustkrankheit seine Kräfte
untergrub. Gleichwohl gehören seine vollendetsten Arbeiten erst dieser Zeit an. Es war, als ob er der Natur, in dem Vorgefühl, bald von ihr zu scheiden, sich um so inniger anschloß. Hatte man in einigen früheren Wer⸗ ken Elsasser's die zu große Kühnhrit der Pinselführung, die bloße geist⸗ reiche Andeutung der Gestalten, um nur den poetischen Lichteffelt zu geben, bedenllich gefunden, so zeigte sich jetzt, besonders in landschaftlichen Dar⸗ stellungen der Umgegend von Palermo, des See's von Nemi und anderen, eine so liebevolle Zartheit, daß diese Bilder den meisterhaftesten beizuzählen sind, welche die neuere Landschaftsmalerei hervorgebracht hat. Allein man wußte auch, im Vaterlande wie in der Fremde, ein so seltenes Talent zu würdigen. Am 15. März 1841 wählte ihn die Akademie zu ihrem ordent⸗ lichen Mitgliede. Im Jahre 1844 begnadigte des Königs Majestät ihn mit dem RNothen Adler-Orden vierter Klasse, und wegen zunehmender Kränklichkeit wurde ihm, auf Verwendung einer erhabenen Gönnerin, von Sr. Majestät, nach vorhergegangenen bedeutenden Unterstützungen, ein Jahrgehalt ausgesetzt. Sein jüngerer Binder, Julius Elsasser, der ihn in Rom aufsuchte, pflegte ihn, während auch in so trauriger Lage we⸗ der die Hoffnung, noch die Thätigkeit ihn verließ. Sein letztes Werk, eine
poctisch komponirte waldige Landschaft mit klösterlichen Baulichkeiten und
mächtigen Lichteffekten, obwohl nicht ganz vollendet, giebt den Beweis, daß die volle künstlerische Kraft ihm bis ans Ende getren blieb. Im Besitz einer kunstliebenden Beschützerin des Verewigten, wird dieses Bild, als ein wehmüthiges Andenken, die diesjährige Ausstellung in diesen Räumen zie⸗ ren. Es ist gleichsam das letzte Aufleuchten eines verglimmenden Lichtes. Er starb, nur 35 Jahre und sechs Wochen alt, am 1. September 1845 zu Rom in den Armen seines Bruders. Zahlreiche geschätzte Kunstwerke, im Besitz Sr. Majestät des Königs, der Stiftsdame Fräulein von Walden⸗ burg, der Frau Gräfin von Dohna, des Grafen Egloffstein, des Herrn von Diyogalsky und zum Theil auswärtiger Kunstfreunde, überleben ihn, zu einem merkwürdigen Beispiel, was ein glückliches Talent durch die beharr⸗ liche Richtung auf ein bestimmtes Ziel erreichen kann.
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“ Königsberg, 9. Nov. (K. K. u. F. Ztg.) Heute explodirten hier in dem Laboratorium des Herrn Dr. Reich etwa 6 Loth präparirter Baum⸗ wolle, welche im Wasserbade getrocknet wurden und eiwa eine Temperatur von 70 Grad erreicht haben konnten. Der Knall der Explosion war hef
tig, und ein Fenster, welches das Laboratorium mit dem Zimmer verbindet, wurde an seinem oberen Theile mit den hölzernen Leisten zertrümmert. Obgleich anderweitige Beschädigungen nicht stattgefunden haben, scheint es doch zweckmäßig, durch Mittheilung solcher Ereignisse auf die Gefährlichkeit dieses Stoffes aufmerksam zu machen.
Nom, 26. Okt. (A. Z.) Seit dem 24. Oktober erscheint hier unter der Redaction von C. J. Hemans eine Wochenschrift unter dem Titel: The Roman Advertiser, und ist ursprunglich dazu bestimmt, den hier auf kürzere oder längere Zeit verweilenden Engländern Fingerzeige in Be⸗ zug auf Alles, was Kunst, Wissenschaft und Literatur in Italien, vornehm⸗ lich in Rom, betrifft, Mittheilungen über die vorzüglichsten Wohlthätigkeits⸗ und öffentlichen Unterrichts⸗Anstalten zu geben, endlich das Verständneß der kirchlichen Ceremonien, besonders der höheren festlichen, bei denen der Papst selbst fungirt, zu vermitteln. Die erste eben erschienene Nummer giebt außer einem Programm der Zeitschrift zuerst einen Artikel über die Besitznahme des Laterans, welche jeder neu erwählte Papst feiert, die dieses Jahr auf den 8. November festgestellt ist, sodann einen Artikel über die Akademie St. Luca, ferner über Volksfeste, namentlich den Oktober, in Rom von M. Marchetti, über die Allerheiligen⸗Vigilie vom 31. Oktober in der päpstlichen Kapelle. Hierauf folgen Auszüge aus den Verhandlungen des archäologischen Instituts, und zwar aus dem Bulletino des diesjahrigen Oktobers, ein Brief des Professors Luigi Rossini an Dr. Braun und eine Mittheilung aus der Fortsetzung der oskischen Studien von Th. Mommsen. Den Beschluß macht der Anfang eines römischen Adreßbuches, die Namen und Wohnungen der hiesigen Aerzte, Banquiers, der englischen hier leben⸗ den Künstler und der bedeutendsten Gasthöfe enthaltend. Außer speziellen An⸗ zeigen ist eine dankenswerthe Beigabe, eine Art Wochenordnung, bis zum 31sten, welche Auskunft über den Besuch der Galerieen, Museen und kirch⸗ liche Festlichkeiten giebt.
Einen populaireren Zweck hat ein anderes eben angekündigtes neues italienisches Blatt, unter dem Titel: II popolare Giornale, das Auszüge über alte und neue Geschichte, Geographie, Naturwissenschaften und Heil⸗ kunde zu geben verspricht. Ein drittes neues, La stampa artistica, ist mehr den Interessen des Theaters gewidmet.
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