gen 2 Stimmen verworfen und dagegen der Antrag des Herrn Rehm, die Sache an den Rechtspflege⸗Ausschuß zur weiteren Begutach⸗ tung, namentlich hinsichtlich der ergangenen Erkenntnisse des Ober⸗ gerichts zu Hanau, zu überweisen, mit großer Stimmenmehrheit ange⸗ nommen. Auch ein Antrag des Herrn Wippermann, die Regie⸗ rung um Gestattung des Privat⸗Gottesdienstes für die katholischen Dissidenten zu ersuchen, wurde dem Ausschuß zur Begutachtung über⸗ wiesen und hierauf die Sitzung geschlossen.
Großherzogthum Hessen und bei Rhein. In der Sitzung der zweiten Kammer der Stände vom 9. November wurde zur Berathung über den Entwurf der IJ. Abtheilung des bürgerlichen Gesetzbuchs geschritten. Zuvor jedoch machte der Präsident im Einverständnisse mit dem Großherzoglichen Regierungs⸗Commissair einen Vorschlag wegen Abstimmung über die einzelnen Artikel alsbald nach der Berathung, wie dies auch früher bei Berathung des Straf⸗ Gesetzbuchs geschehen und zur Förderung der Sache durchaus nöthig sei. Es entspann sich hierüber eine mehrstündige Diskussion, nach deren Schlusse der Präsident die Frage stellte: „Will die Kammer nach dem Antrage ihres Präsidenten, jedoch, was die Entscheidung der gegenwärtigen Frage durch Majorität betrifft, ohne Präjudiz für zukünftige Fälle, genehmigen, daß, abweichend von den Bestimmun⸗ gen der Geschäfts⸗Ordnung, bei Berathung über den Entwurf des Personenrechts alsbald nach der Berathung über die einzelnen Artikel und Anträge, und zwar in öffentlicher Sitzung, abgestimmt werde, wobei es sich übrigens von selbst versteht, daß vor der Diskussion über die einzelnen Artikel eines jeden Titels jedem Mitgliede das Recht zusteht, über den vorliegenden Titel im Allgemeinen sich zu äußern?“ — welche mit 36 gegen 7 Stimmen bejaht ward.
Freie Stadt Hamburg. In dem am 12. November abgehaltenen Bürgerkonvente beantragte der Senat, behufs An⸗ lage der Stadt⸗Wasserkunst, in dem durch Rath⸗ und Bürger⸗Schluß vom 26. Juni 1844 genehmigten Umfange, und unter Hinzufügung derjenigen Zweigleitungen und Zweignothpfosten außerhalb des Di⸗ strikts der früheren vereinigten Alster⸗Wasserkünste, die Geldmittel bis zum Maximum von 450,000 Mark Banco zu bewilligen; eben so auch, daß behufs Wasser⸗Versorgung der Privathäuser und Anle⸗ gung von Nothpfosten in denjenigen Straßen der Stadt, welche keine Hauptleitungen erhalten, sondern ausschließlich durch Zweigleitungen ohne daneben liegende Hauptleitungen versorgt werden müssen, und welche mithin bei der bisherigen Beschränkung der Leitungen ohne Nothpfosten und ohne Versorgung der Häuser bleiben würden, die erforderlichen Röhrenleitungen und Nothpfosten angelegt und hierzu bis zum Belaufe von 160,000 Mk. Beo. ver⸗ wendet werden. Außerdem beantragte der Senat, daß die bisher mit der Freien Stadt Lübeck bestehenden alten Verträge über Arrest⸗ freiheit der beiderseitigen Angehörigen in Schuldsachen in der Weise aufgehoben werden, daß künftig Arreste gegen die Person und Güter der Bürger und Angehörigen des einen Staates in dem anderen aus denselben Gründen verfügt werden können, aus welchen solches gegen die eigenen Angehörigen stattnehmig ist. Die Erbges. Bürgerschaft
enehmigte den letzten Antrag, lehnte aber den ersten ab. “ E11“
Frankreich. 8
Paris, 10. Nov. Gestern hat im Palais von St. Cloud die Eintragung des Certifikats über die Heirath des Herzogs und der Herzogin von Montpensier in die Register des Civilstandes der Kö⸗ niglichen Familie stattgefunden.
Der Herzog von Normanby hat sich bei Herrn Guizot entschul⸗ digt, daß die Umstände ihm nicht gestattet, an der öffentlichen Au⸗ dienz des diplomatischen Corps bei dem Herzog und der Herzogin von Montpensier theilzunehmen, hat aber zugleich um die Erlaubniß nachgesucht, denjenigen Mitgliedern der Königlichen Familie, welche, als er im August seine Antritts⸗Audienzen hatte, nicht in der Haupt⸗ stadt anwesend waren, nachträglich seine Aufwartung machen zu dürfen, in Folge dessen er gestern besondere Audienzen bei dem neu⸗ vermählten Paare und bei dem Prinzen von Joinville hatte.
Der Moniteur bringt heute die schon neulich vom Jour⸗ nal des Débats angekündigten Veränderungen im diplomatischen Personal.
Es wird wiederholt versichert, daß die portugiesische Regierung die spanische dringend um eine Intervention angegangen, daß die französische sich aber dagegen erklärt habe, um mit England in keine neuen Verwickelungen zu gerathen.
Das Journal des Débats bemerkt: „Die widersprechendsten Gerüchte sind in Lissabon über die Rolle, welche das englische Ge⸗ schwader unter den jetzigen Verhältnissen zu übernehmen beabsichtige, in Umlauf. Die Einen behaupten, es habe keinen anderen Zweck, als die englischen Interessen zu beschützen; die Anderen dagegen, es habe den Auftrag, die Unternehmungen der der Königin treu geblie⸗ benen Truppen zu unterstützen und zur Vertheidigung der Hauptstadt gegen die Truppen der Rebellen mitzuwirken. Es scheint gewiß, daß seine unerwartete Ankunft in den Gemüthern eine große Ueberreizung hervorgerufen hat und allen Arten von Gerüchten und beklagens⸗ werther Aufregung zum Vorwande dient.“
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Die Presse beharrt bei ihrer Ansicht, daß nur durch Palmer⸗ ston's Austritt aus dem Kabinet der Streit mit England zu schlich⸗ ten sein dürfte. In Bezug auf die Gerüchte, daß König Leopold zu dem Ende nach England gehen würde, meint sie, derselbe wäre bei der gan⸗ zen Sache mithandelnd gewesen. Um so mehr sähe sich König Leopold bewogen, die bestehenden Differenzen auszugleichen, indem durch einen möglichen Konflikt die Neutralität Belgiens am meisten gefährdet werden könnte. Uebrigens glaube sie nicht, daß Frankreich ihn auf⸗ gefordert habe, diese Reise nach London zu unternehmen, Frankreich habe nur eines unbestreitbaren Rechtes sich bedient und durchaus keinen gerechten Anlaß zu der in England erwachten Erbitterung ge⸗ geben, so daß es nicht an ihm liege, dieselbe zu beschwich⸗ tigen. Erkenne England an, daß es keinen Grund zur Beschwerde habe, sehe es ein, daß sein Interesse mehr als das fran⸗ zösische durch den Bruch litte, sehe endlich Lord Palmerston ein, mit welchem Argwohn man seine Politik in Europa hinnehme, und welche Gegner er sich selbst in England dadurch geschaffen, werde er dann seinen Journalen Schweigen gebieten und seine Note zurücknehmen, dann könnte, wenn auch nicht ein herzliches, doch ein passendes Ver⸗ hältniß zwischen beiden Regierungen hergestellt werden. Ob aber die persönliche Vermittelung des Königs Leopold in den Beziehungen bei⸗ der Länder bedeutende Veränderungen bewirken werde, sei zweifelhaft. So lange Palmerston Minister sei, müsse die französische Regierung mit großer Zurückhaltung verfahren. Die Epoque ist, wie schon erwähnt, der Ansicht, daß, beharre Lord Palmerston darauf, von der französischen Regierung ein Zugeständniß zu erlan⸗ gen, welches diese unmöglich gewähren könne, das englische Volk es nicht dulden werde, daß er deshalb einen Krieg entzünde, sondern es werde ihn den Interessen des Friedens opfern, wie Thiers 1840 geopfert worden. Im Jahre 1840 sei Thiers deshalb in Wuth gegen Lord Palmerston gerathen, weil er wirklich sich von ihm habe anführen lassen; er habe sich indessen verrechnet, als er geglaubt, Frankreich werde für ihn Partei ergreifen. Ein constitutionelles Land kenne seine Interessen, und daher hahe man Thiers beiseit geschoben, gleichwie England Lord Palmerston habe fallen lassen, weil er Eng⸗ land sonst in Krieg mit Frankreich verwickelt hätte. Eben so wenig aber, wie man dazumal Ursache zu einem Kriege gehabt, habe man heute Lust dazu. Drum sei Lord Palmerston nicht gefährlich. Stehe ihm nicht das Recht in seinen Forderungen zur Seite, so möge man nur kräftig ihm Widerstand leisten. Englands richtiges Urtheil werde seine Launen doch gewiß nicht für Richtersprüche halten. Nur dann könne man England Zugeständnisse machen, wenn es ein Kabinet habe, das wahrhaft mit Frankreich sympathisire. Englands bedeu⸗ tendes Handels⸗Interesse sei gegen einen Krieg, und sicherlich werde man des utrechter Vertrages wegen keinen beginnen. Bis das herz⸗ liche Einverständniß mit England wiederhergestellt sei, habe das fran⸗ zösische Kabinet nur sich aufrichtigen und versöhnlichen Sinnes Eng⸗ land gegenüber zu benehmen, worin die konservative Majorität das Kabinet wohl unterstützen werde. „Als“, schließt die Epoque, „Lord Palmerston vor einigen Monaten nach Paris kam, um die Hindernisse zu entfernen, die wir gegen seine wahrscheinliche Rückkehr ans Ruder erheben möchten, führte Herr Guizot eine Sprache, deren sich Se. Herrlichkeit erinnern mag. Er sagte: „„Mylord, ich habe öffentliche Beweise meines Wunsches gegeben, Friede zwischen beiden Ländern aufrecht zu erhalten, und wenn dieser Friede während Ihres Ministeriums gestört würde; so wird Europa nicht mir des⸗ sen Bruch zuschreiben.““ Herr Guizot hatte vollkommen Recht!“ Der National wundert sich, daß das Journal des Débats, welches die Diskussion über die Vermählungsfrage wieder aufgenom⸗ men, auf die letzten Artikel der Times nicht geantwortet hat. Gui⸗ zot's einzige Rechtfertigung stütze sich darauf, Lord Palmerston sei von Aberdeen's Politik abgewichen; und die französische Regierung habe mithin auch keine Verpflichtungen mehr England gegenüber ge⸗ habt. Die Times habe nun aber es für durchaus falsch erklärt, daß England den Prinzen Koburgnals Kandidaten aufgestellt, ja, sie behaupte, Lord Palmerston habe soögar den Vorschlag Christinens, den Prinzen von Koburg als Kandidat aufzustellen, zurückgewiesen, eben so wie Lord Aberdeen dies bereits gethan. Auf diese That⸗ sache stütze sich das englische Kabinet, und wenn dies wahr, wie wolle sich dann Guizot rechtfertigen? Warum stelle das Journal des Débats sie nicht in Abrede, wenn sie falsch sei! Die Quotidienne ist der Ansicht, England werde seinen festen Entschluß, den verlangten Verzicht zu erlangen, trotz alles Widerstan⸗ des durchsetzen. Galignani's Messenger, der sich nicht darüber entscheiden will, ob Guizht oder Palmerston Recht habe, meint, jetzt sei nur dann ein Krieg möglich, wenn Ehre und Interessen der Völ⸗ ker auf dem Spiele ständen. Alle Interessen der heutigen Zeit, der Welthandel, die Eisenbahnen und die Macht der Kapitalisten, würden sich gegen einen Krieg verschwören und Alles aufbieten, eine Aus⸗ gleichung des Zwistes auf andere Weise herüberzuführen; die Inter⸗ essen, der gesunde Sinn und die frzundlichen Gesinnungen zwischen beiden Völkern würden also wohl den Streit beizulegen wissen.
Das Portefeuille, welches als halb offizielles Organ des Herrn Guizot betrachtet wird, giebt über die neueste Note folgende Aufschlüsse: „Mehrere Journale sprechen von einer neuen Protesta⸗ tion gegen die Heirath des Herzogs von Montpensier, welche das
englische Kabinet an Herrn Guizot gerichtet habe. So viel d Erfahrung gebracht haben, war die Depesche, welche Lord Nomn am 4. November dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten gelesen hat, weniger eine Protestation, als eine Erläuterun 18 Verfahrens des englischen Kabinets in der spanischen Heirathe Lord Palmerston hatte sich geschmeichelt, die nordischen M. würden sich mit England verbinden, wenn auch nicht die schon vollzogene Heirath zu hindern, so doch um die 9 tin Donna Luisa zu zwingen, ihren eventuellen Rechten den spanischen Thron zu entsagen. Mächte erklärt hatten, es liege nicht in ihrer Absicht, ihre morg Mitwirkung in dieser Hinsicht zu gewähren, hielt Lord Palmerston angemessen, eine lange Depesche zu schreiben und darin die Gri auseinanderzusetzen, welche das Kabinet von St. James bewegen seinen Reclamationen gegen die eheliche Verbindung eines franzisse Prinzen mit der eventuellen Erbin des spanischen Thrones zu beste Diese Depesche ist es, welche Herrn Guizot vorzulesen Lord Norm vor einigen Tagen die Weisung erhalten hat. Da die betreffende Daz nicht an die französische Regierung, sondern an den britischen Botsce gerichtet ist, so hat dieser sie nicht, nach geschehener Vorlesung Minister der auswärtigen Angelegenheiten zugestellt, sondern sich auf beschränkt, ihm die Zusendung einer Abschrift davon zu; sprechen. Diese Abschrift ist erst am 7. November an Herrn Gu. gelangt. Der Minister⸗Rath konnte sich demnach noch nicht w beschäftigen. In der gedachten, übermäßig lang gerathenen h welche Lord Normanby mit einer gewissen Feierlichkeit, obwohl gleich sehr rasch, verlesen hat, versucht Lord Palmer alle Argumente des Herrn Guizot zu viderlegen. britische Minister der auswärtigen Angelegenheiten, um d Ordnung und Klarheit in das nene Dokument zu bringen die Verwirrung und Dunkelheit zu vermeiden, die man seinen fie ren Noten vorgeworfen hat, verfährt diesmal mit Ordnung! Methode. Er nimmt die Antworten des Herrn Guizot einzeln, einander vor; ohne irgend einen neuen Einwand beizubringen,; wickelt er nochmals und aufe ausführlichste alle Ausstellungen, e längst geltend zu machen versucht hat. Da jedoch der Satz, welchem er ausgeht, nichts taugt, so muß er seine Zuflucht zus phismen nehmen. Die Frage von der spanischen Heirath nicht erfassend, wirft er sich in ein Labyrinth von Ausreden und iin zuletzt wieder, wie immer, zu dem Schluß, der Herzog; Montpensier und die Infantin Louise Ferdinande von Bourbon m. ten für sich und ihre Kinder auf die spanische Krone verzichten. 8 wollen nicht zurückgehen auf das Unzulässige in dieser Schlußfge rung, deren schwache und lächerliche Seite wir längst hervorgette haben. Es mag genügen, zu bemerken, daß die Note Lord! mrrston's durchaus unnöthig war, weil sie kein neues Argument bringt. Sie zeichnet sich nur durch einen trockenen und bitteren! aus, der den Charakter des edlen Lords ganz erkennen läßt. Times, welche die Note ohne Zweifel kannte, bevor se ihre Bestimmung abging, sagt, Herr Guizot habe 2 schen erhalten, die ankündigen, „daß die Schmeichelrede gehört habe bei den gegenseitigen Eröffnungen zwischen den Rg rungen Frankreichs und Englands gebraucht zu werden.“ Unkt Wahrheit näher zu kommen, hätte die Times sagen müssen, d Höflichkeit habe aufgehört, wenigstens von Lord Palmerston's Et Hierin liegt nichts, was uns zu überraschen geeignet wäre. Allerdi hatte der edle Lord bisher seine Artigkeiten für die Artikel in ü Morning Chroniele aufgespart; es scheint, daß er nun ser diplomatischen Noten damit ausschmücken will. Welches indessen an das Eigenthümliche der jüngsten Note des britischen Kabinets sa mag, so ist so viel gewiß, daß sie der Haltung der anderen i mächte Europa's gegenüber nur eine untergeordnete Wichtigkeit) Ueber diesen Punkt sind wir dem londoner Globe eine Antw schuldig; derselbe hat vor einigen Tagen behauptet, „— Agenten Frankreichs gäben sich die erdenklichste Mühe ier Glauben zu verbreiten, als hätten die nordischen Mächte die de mählung des Herzogs von Montpensier gutgeheißen, während d. eine derartige Gutheißung gar nicht existire.“ Wir können de Globe sagen, daß das Tuilerieen⸗Kabinet forthin die offizielle wißheit hat, daß Großbritanien in allen seinen Protestationen t Reclamationen gegen die Heirath des Herzogs von Montpensier st lirt bleiben wird. Frankreich hatte nicht nöthig, irgend eine steust Macht um ihre Gutheißung der ehelichen Verbindung des beß zogss von Montpensier anzugehen. einen derartigen Schritt. Frankreich hat nur Berufung eingelege Europa's Urtheil zur Entscheidung der von Engiand aufgeste Frage: ob die Verträge von Utrecht durch die Vermählung des . zogs von Montpensier mit der Infantin Donna Luisa wirklich h letzt worden sind? Mit einer Beeiferung, die man nicht genug . men kann, haben sich die nordischen Höfe einstimmig für die Negit erklärt. Dies war Alles, was der Tuilerieenhof von ihnen beget Heute nun, stark in seinem Recht und in der Zustimmung der am ren Großmächte Europa's, kann die französische Regierung es ruhig! unbefangen abwarten, bis Lord Palmerston seine schlimme Lauht Noten von 109 Seiten erschöpft haben wird.“
—,
Ganze sei im Geiste des errungenen Sieges sinnig gedacht und großartig ausgeführt nach den Anordnungen Schinkel’'s. Das Volk hätte seine Freude daran. Es sei schon zu spät, eine Abänderung darin zu treffen; sie würde Mißmuth verbreiten.“ Der König antwortete entrüstet: „Es muß aber doch geschehen und sollte die ganze Nacht daran gearbeitet werden. Sollte Mir sehr leid sein, wenn das Volk so wäre, wie Sie sagen. Kenne es aber besser, und wird damit zufrieden sein, wenn es Meine Grsinnung erfährt. Muß geschehen.“
An der Tafel erzählte einst sein Adjutant, der jetzige General von Thümen, Scenen aus dem letzten Kriege: wie der General von Alvens⸗ leben, der Commandeur des ersten Garde⸗Regiments zu Fuß, am Abend das Schlachtfeld zu Montmartre besehen und erforscht hätte, ob sich noch verwundete Gardisten, die sich in diesem letzten Treffen vor der Einnahme von Paris sehr ausgezeichnet, nebst noch unbegrabenen Todten dort fänden. In einer entlegenen Ecke fand er einen von einer Kugel getroffenen, im Unterleibe zerrissenen, mit dem Tode kämpfenden Gardisten. „Armer Ka⸗ merad, bist Du noch hier? Da sollst sofort ins Lazareth gebracht werden.“ „Das, Herr General, wird nicht nöthig sein; ich fühle es, der Tod ist nahe, ich sterbe gleich. Aber es ist mir eine große Frrude in meinen letz⸗ ten Augenblicken, Sie noch zu sehen und Ihnen zu danken, daß Sie uns so brav geführt haben. Wir haben gesiegt, unser König ist in Paris. Nun sterbe ich gern. Gott sei ferner mit uns.“ So verschied er. Der König weinte bei dieser Erzählung und sagte: „Braver Mann! Es ist eine Ehre für Mich, daß er sterbend noch Meiner gedacht hat. Wie kann Ich solche Treue vergelten! Wohl ist es viel werth, einer solchen Armee anzuge⸗
bren.“
Als sich nach dem Kriege eine krankhafte Richtung vieler junger Gei⸗ ster bemächtigte, zu der Zeit, als Müllner's Schuld florirte, erschoß sich ein Garde⸗Offizier in Potsdam. Eylert hielt es für seine Pllicht, im Leben, wie in der Predigt, gegen diese Richtung zu wirken, und setzte eines Sonn⸗ tags, zum Anstoß für alle die, welche den Selbstmord für eine Heldenthat ansahen, aus einander, daß sie vielmehr eine That feiger, schwacher Seelen sei. Man wollte bemerkt haben, daß der König sehr finster und ernst in der Kirche ausgesehen; auch grüßte er beim Weggehen den Prediger nicht, noch luͤd er ihn, wie er pflegte, zur Mittagstafel ein. Als dies aber vier⸗ zehn Tage später geschah, sagte der König: „Haben heut vor 14
igen
über den Selbstmord Mir aus der Seele gesprochen. Gerade so muß diese Verirrung nach Grundsätzen der gesunden Vernunft und des Christenthums angesehen und beurtheilt werden. Leider geschieht das nicht immer; viel⸗ mehr sieht man oft in der Unthat etwas Großes. Erbärmlich! Haben Sie die Predigt drucken lassen? Ein Wort zu seiner Zeit; danke Ihnen.“
Daß bei der Darstellung der moralischen Restauration unserer Armee der alte Blücher erwähnt und manche artige Anekdote von ihm zum Besten gegeben wird, läßt sich denken. So. . B., wie er mitten in der Schlacht an der Katzbach plötzlich kommandirt: „Halt, Kameraden! Das ist heute eine Schlächter⸗Arbeit; laßt uns ein wenig stille halten und einen Hieb nehmen und frisch stopfen!“ Nachdem dies geschehen und Mann und Roß sich verschnauft haben, ist er wieder der Erste mit dem Zurufe: „Nun drauf in Gottes Namen, bald sind wir damit fertig“, und der fliehende Feind wurde in die schäumende Katzbach gewoffen.
Als die kommandirenden Generale in Halle bei ihren Spezialkarten den Plan der leipziger Schlacht entwarfen, saß Blücher während der Zeit in einem anderen Zimmer beim Kanzler Nienzeyer auf dem Sopha und rauchte ruhig seine Pfeife. Hereingerüfen, sagte er: „Nun ihr Herren Schriftgelehrten, was habt ihr Gutes ausgeheckt?“ Nachdem er zugehört, sagte er: „Das mag wohl das Rechte sein, aber ich kann von dem Allen nichts brauchen; wenn ich mit meinen Jungen auf das Champ de bataille bnms, hhe de ich schon sehen, was zu thun ist. Nun, Herr Kanzler, noch eine Pfeife.“
Ein Adjutant des General von Tauenzien, jetzt Prediger, der eine Depesche an den Feldmarschall Blücher zu bringen hatte, fand ihn mitten in der heißen Schlacht zu Pferde kommandirend und ruhig seine Pfeife rauchend. Auf derselben Stelle bleihend, schrieb er mit Bleistift auf dem Sattelknopf seine Befehle unter den überbrachten Brief und rief dem Ad⸗ jutanten, der vor den vorbeisliegenden Kugeln rechts und links mit dem Kopfe auswich, zu: „Sie thun den blauen Bohnen zu viel Ehre an, daß Sie vor ihnen sich bücken! Wenn sie merken, daß Sie vor ihnen solchen Respekt haben, werden sie immer dreister. Man muß sie dreist ansehen. Audacem fortuna juvat, sagt der Lateiner. Hier, Herr Lieutenant, ist die Antwort, machen Sie, daß Sie fortkommen.“ Dann kommandirte er: „Voran, drauf!“ und sprengte mit hochaufgehobenem Säbel voran.
Als ein Courier von Wellington in der Nacht mit der Nachricht an⸗
kam, daß er des anderen Tages bei Waterloo eine Schlacht zu liefem!
denke, aber auf Blücher's Hülfe rechne, schrieb dieser herunter: „Mal bin ich zur rechten Zeit da“, kehrte sich um und schlief ruhig weiter.
Einen verwundeten Offizier, welchem der Arm abgenommen wen mußte, hielt er während der Amputation, gab ihm die Nacht sein! und legte sich selbst auf einen Strohsack.
Als er auf dem Rückwege von Paris in Frankfurt a. M. von Dh tirten aller Gegenden feierlich empfangen wurde, hielt auch ein Baron Plettenberg im Namen der Stände der Grafschaft Mark seine An Blücher, der mit gestrecktem Degen zu Pferde zuhört, erkennt in dem N'
ner plötzlich einen Jugendfreund, stößt den Säbel in die Scheide, spusʒ
vom Pferde und umarmt ihn mit den Worten: „Freund, was bist! dick geworden! Laß das Haranguiren! Komm, laß uns nach alter eins trinken!“
Auf eine Einladung, Hamburg zu besuchen, wo er sich zur Zest Unglücs mehrere Wochen aufgehalten hatte, antwortete er erst ablehnen weil er Geschäfte hatte, dann wurde ihm die Absage wieder leid, un! schrieb unter den Absagebrief: „Ich will doch kommen“. Der Jubel endlos. „Kinder“, rief er im Gedränge, „ich danke euch, aber überne nicht.“ Er besuchte Klopstock's Wittwe und trank die letzte Flasche weins, den der Verewigte vom Könige von Dänemark bekommen, auf sh Andenken. Der alte Fürst vergoß Thränen bei diesem Toast.
Auf seinem Sterbebette erhielt er noch den Besuch seines hochvereh Königs und von ibm diesen tröstlichen Zuspruch: „Gott hat Sie, Ug Blücher, wunderbar durch Drangsale auf den Gipfel des Ruhms gefiß und wie die Mitwelt, so wird die Nachwelt Ihren Namen mit Bewun
rung und Dank nennen. Der Allmächtige wird Alles mit Ihnen wef
machen.“ 9 besprochene Werk hat den Erfolg gehabt, die Gestalt des de ewigten Königs uns Allen näher zu rücken und auch den Tausenden, ihm ferne standen, die Freude an hundert edlen Zügen zu gewähren, den⸗ Zeugen nur die nahe Stehenden waren. Dieser Erfolg wird dem Verfos der willkommenste Lohn seiner Arbeit sein. 24.
aa
avenschiffen genommenen
Nachdem jedoch die norze 2
Seine Würde untersagte
2,905,252
Herr Henderson ist als Abgeordneter der Inhaber spanischer ds von hier nach Madrid abgegangen. — Nach einer Mittheilung vom 4. August aus der Gabvonbai, wo französische Faktorei das Proviantdepot für die südliche Abtheilung Geschwaders zur Unterdrückung des Sklaven⸗Handels abgiebt, der Erfolg, mit welchem dasselbe operirt, ein höchst günstiger Zugleich wird als Vorschlag angeregt, einen Theil der auf — Neger in dieser französischen Besitzung weil die nur mit dem Handel sich beschäftigende Bevöl⸗ g zum Urbarmachen des vortrefflichen, zum Theil aber noch mit dungen bedeckten Bodens keine Neigung zeige. Der Courrier ngais bemerkt, daß man den Plan, zu Gaboon Befestigungen legen, vorläufig Englands Eifersucht wegen aufgegeben habe, ob⸗ ch die französischen Handels⸗Interessen die feste Oecupation jenes
siedeln
uftes, wo Frankreich ein Handels⸗Comtoir habe, nöthig machten.
h will dies Blatt wissen, daß England bei seinen Plänen gegen dagaskar es gar nicht auf Tamatave abgesehen habe. Es wolle der Bai von Diego Suarez, die es schon in Besitz genommen, des ganzen Landes bemächtigen, das bis zum Ambre⸗Cap sich hin⸗ „ Dieser Theil Madagaskars sei in jeder Beziehung der für opäer wichtigste und den Ausfällen der Howas am wenigsten aus⸗ t. Es sei gewiß, daß England daraus das Centrum einer wich⸗ n Besetzung machen wolle, die mit Mauritius und dem Cap der n Hoffnung in Verbindung stände.
Seit mehreren Tagen sieht man in Nancy eine große Anzahl cher Auswanderer ankommen, deren Ziel nicht Amerika, sondern rien ist. Ueber das Schicksal der früher aus Rheinpreußen in erien eingewanderten Kolonisten berichtet ein Brief aus Oran, daß elben, im⸗Ganzen etwa 100 Familien, in den Dörfern Sdenia Mostaganem und Sidi Magreb bei Arsew angesiedelt sind und wenigen Monaten ihre Häuser erbaut haben werden. Doch war Zahl durch häufige Todesfälle, namentlich der Kinder, außeror⸗ lich gelichtet, was man den vor der Ankunft von ihnen ausge⸗ denen Beschwerden zuschreiben will.
Die Kirche de Panthemont, in der Straße de Grenelle St. main, früher eine katholische, ist gestern von dem Präsidenten des estantischen Konsistoriums, Herrn Juillerat, feierlich als prote⸗ tische Kirche eingeweiht worden. Der Feier wohnten der Mini⸗ der Justiz und des Kultus, Herr Martin, der Minister der aus⸗ tigen Angelegenheiten, Herr Guizot, die beiden Präfekten des partements, der Maire des 10ten Bezirks und viele Andere bei. ist dies bereits die dritte katholische Kirche der Hauptstadt, welche 1801 in eine protestantische umgewandelt worden ist.
In Orleans sind zwei große Häuser zur Aufnahme kleiner Kin⸗ Knaben von 3 bis 7, Mädchen von 3 bis 12 Jahren, einge⸗ et worden, um den Aeltern, welche durch die Ueberschwemmungen Ihrige verloren haben, ihren Unterhalt im Winter zu erleichtern. h für alte Leute wird eine Aufnahmestätte vorbereitet.
Der Constitutionnel bemerkt, daß jetzt schon 5— 600,000 verausgabt worden, die gar nicht im Budget vorgesehen seien. Eine erste Abschätzung giebt die in der Sadt Roanne in Folge Ueberschwemmungen erlittenen Verluste an Möbeln, Waaren und häuden auf 1,783,235 Fr. an.
Großbritanien und Irland.
London, 7. Nov. Der neue Lord Ober⸗Richter am Gerichts⸗ eder Common⸗Pleas, Sir Thomas Wilde, so wie der Präsident des errichteten Eisenbahn⸗Amtes, sind zu Mitgliedern des Geheimen hs ernannt worden.
Nach einem Schreiben aus Portsmouth hat die Artillerie⸗Direc⸗
Befehl ertheilt, für die auf den Fortificationen der Stadt ver⸗ een 32⸗Pfünder auf der Stelle sofort die nöthige Munition zu w. Auwf einer der Batterieen sollen sechs 68⸗Pfünder aufgestellt ben, sobald die Lafetten fertig sind. Alle Kanonen, über welche Garnison gegenwärtig verfügt, sollen montirt werden.
Ueber das Fallen der Getraide⸗Preise in den letzten Tagen giebt London Price Current folgende Erklärung: „Unsere frühe⸗ Angaben über die bereits angelangten starken Korn⸗ und Mehl⸗ uhren, so wie die beispiellos großen Massen, welche in den Ver⸗ gten Staaten zur Verschiffung bereit liegen, falls sie wirklich für diesseitigen Verbrauch gesordert werden, haben unsere Leser zwei⸗ ohne auf das gestern zu Marklane auf dem Kornmarkte eingetre⸗ Weichen der Preise vorbereitet, welches für Weizen 3, für Gerste ond für Hafer 1 Shilling pro Quarter, für den Sack Mehl aber Shilling betrug. Auch war die Nachfrage so gering, daß große genverkäufe unmöglich gewesen wären, selbst wenn man 4 Shil⸗ pro Quarter nachgelassen hätte. Dies kann indessen nicht über⸗ en, da viele der größten Händler in der City der Meinung daß in den nächsten zwei Monaten der Weizenpreis um 10 Sh. Quarter fallen werde. Es ist jetzt selbst den nicht im Kornhan⸗ Eingeweihten klar geworden, daß für das neuliche Steigen der se gar keine zureichenden Gründe vorhanden waren. Niemand leugnen, daß die diesjährige Weizenärndte bezüglich der Quan⸗ eine reichliche Durchschnittsärndte war, und daß er letztere, was Qualität betrifft, weit überstieg. Niemand kann leugnen, daß ttelbar vor der Aerndte 3,043,505 Quarter Weizen und anderes „so wie 2,905,252 Ctr. Mehl, sämmtlich von auswärts einge⸗ verzollt und für den Verbrauch verfügbar wurden, während noch so viel altes Korn im Lande hatten, daß dadurch allein un⸗ bedarf bis nach eingebrachter Aerndte gedeckt werden konnte. Bei ig der jetzigen Saison hatten wir also außer einer vollen Durch⸗ tsärndte noch jene unverbrauchte Zusuhr von 3,048,505 Quarter Korn 2,905,252 Ctr. Mehl zur Verfügnng. Wie bei so ungeheuren äthen die Preise steigen konnten, scheint sonderbar, obgleich die den Geheimnissen des Kornhandels Vertrauten sich es vielleicht en können. Gewiß aber ist, daß auf den ausländischen Märk⸗ wo blos durch Speculationskäufe die Preise hinaufgetrieben wur⸗ weil man England ungeheurer Zufuhren bedürftig glaubte und
dorthin theuer verkaufen zu können rechnete, jetzt die Kornpreise alls weichen werden. Wenn die Ausländer finden, daß bei uns
Märkte nachgeben, und daß wir schon starke Vorräthe besitzen, eden Ausfall in der Kartoffel⸗Aerndte decken können, so werden ich die hohen Preise auf jenen Märkten, die hauptsächlich auf rage aus Großbritanien bauten, sich nicht behaupten können.“ In der hiesigen Münze wird jetzt eine neue Goldmünze im e von 5 Sovereigns geschlagen. Auf der einen Seite dersel⸗ befindet sich bas Brustbild der Königin, auf der anderen das dbild derselben, den Löwen zur Seite, und mit der Umschrift: lgit Deus gressus meos“ (Gott leitet meine Schritte).
Die Lords des Schatzes haben die vom General⸗Postmeister eschlagene neue Besoldungs⸗Skala der hiesigen Briefträger ge⸗
igt, deren Zahl von 271 auf 300 erhöht worden ist. Die 60 sen erhalten wöchentlich 30, die folgenden 110 wöchentlich 25 und brigen 130 wöchentlich 20 Shillinge. Außerdem werden sie für e Emolumente entschädigt, welche ihnen durch die im Dienste Penen Veränderungen entgehen.
V eit längerer Zeit war man wegen des zuletzt von Sydnei aus⸗ fenen Wallsischfahrers „Cape Packet“, Capitain Powell, und Bemannung von 28 Seeleuten in Besorgniß gewesen. Leider man jetzt aus Sydnei die Nachricht erhalten, daß dies seit zwei
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— 1345 r sn 1 i eeehnk Jahren vermißte Schiff den Eingebornen der Neu⸗Hebriden und Sandwichs⸗Inseln in die Hände gefallen ist, welche die ganze Be⸗ mannung bis auf vier Personen grausam ermordeten. Die näheren Angaben dankt man dem Capitain Jones des Schiffes „Elisabeth“, welches am 9. Juni von den Sandwichs⸗Inseln, wo es nur mit Noth dem gleichen Schicksale entging, zu Sydnei anlangte. Jones legte bei den Sandwichs⸗Inseln an, um sich Sandelholz, Vege⸗ tabilien ꝛc. zu verschaffen, und ankerte, da die Eingebornen anscheinend friedlich gesinnt waren, dicht am Lande. Meh⸗ Eingeborenen ward verstattet, die ganze Nacht an Bord zu
eiben. der „Elisabeth“ als einer derjenigen erkannt wurde, die in dem ver⸗ schollenen Wallfischfahrer „Cape Packet“ absegelten. Der Pilot
dieser gestand nach einigem Zögern, daß er zur Bemannung des un⸗ glücklichen Schiffes gehört habe, über dessen Schicksal er sodann Fol⸗ gendes mittheilte: „Ein paar Tage nach Ankunft des „Cape Packet“ wurden drei Böte zum Wasserholen ans Ufer geschickt; ihre Mann⸗ schaft aber ward, während sie damit beschäftigt war, von den Ein⸗ geborenen angegriffen und insgesammt getödtet. Die Eingeborenen fuhren darauf in ihren Kähnen an das Schiff, auf welchem sich Capitain Powell, zehn Engländer und vier Farbige befanden. Da der Capitain von dem Schicksale der ans Ufer gesandten Mannschaft noch nichts wußte, so ließ er sie aufs Verdeck, wo sie sich einige Minuten lang mit gewohnter Freundlichkeit betrugen. Sobald sie aber ihre Schlachtopfer umringt hat⸗ ten, ward ein Zeichen gegeben, und das Gemetzel begann. Der An⸗ griff erfolgte so plötzlich, daß gar kein Widerstand möglich war; der Capitain und sämmtliche Mannschaften, mit Ausnahme der vier Far⸗ bigen, die man unverletzt ließ, wurden niedergemacht, ihre Leichen ans Ufer gebracht und dort verzehrt. Das Schiff, welches 700 Fässer Thran an Bord hatte, wurde geplündert und nach Fortschaf⸗ fung der Gewehre, des Pulvers ꝛc. verbrannt. Drei der Farbigen entkamen später in einem Boote und wurden von einem französischen Schiffe aufgenommen. So weit der Bericht des Neuseeländers, den die „Elisabeth“ nach Sydney mitnahm und ohne dessen rechtzeitige Warnung wahrscheinlich auch Capitain Jones von den Eingebornen angegriffen worden wäre. Sie hatten schon alle Vorkehrungen ge⸗ troffen und verließen eben in ihren Kähnen die Bucht, als die „Eli⸗ sabeth“ ihre Anker lichtete und in See stach. Das verunglückte „Cape Packet“ war ein Schiff von 300 Tonnenlast, und sein Verlust wird, die Ladung eingerechnet, auf 18 — 20,000 Pfd. St. geschätzt.
BHelgien.
Brüssel, 11. Nov. Die neue gesetzgebende Session ist gestern vom Könige in Person eröffnet worden. Se. Majestät erklärt in der Thron⸗Rede, daß die Verhältnisse Belgiens zu allen fremden Mäch⸗ ten friedlicher und freundschaftlicher Art seien und erwähnt dann der Maßregeln, welche die Kammern in dieser Session vorzugsweise zu berathen haben werden.
Die Independance meint, der Schweiz und Tyrol habe wohl den Zweck gehabt, sich von dem französisch⸗ englischen Streit fern zu halten. Auf inständiges Bitten Ludwig Philipp's sei der König nach Paris ge⸗ gangen, und daß er vor Rückkunft des Herzogs Montpensier zurück⸗ gekommen, deute an, welche Haltung er in dieser Frage einnehme. Wenn er übrigens nach London gehe, so geschehe es sicher auf französischen Wunsch, und dann habe seine Reise sicher den Zweck, eine Versöhnung zu Wege zu bringen.
Der Legations⸗Secretair Carolus ist zum General⸗Konsul im Großherzogthum Hessen ernannt und mit einer Handels⸗Mission nach den Rhein⸗Uferstaaten beauftragt worden.
Im Ministerium des Innern ist eine eigene Abtheilung für Acker⸗ bau mit Einschluß von Jagd und Fischfang gegründet worden.
Der Moniteur versichert, fast alle Archive des Rechnungs⸗ hofes, alle Bücher und Dokumente von höchstem Interesse seien bei der Feuersbrunst gerettet worden. Verkäufliche Staats⸗Papiere seien gar nicht vorhanden gewesen; bezahlte Zins⸗Coupons und Schatz⸗ billets möchten bei der Rettung in fremde Hände gefallen sein; das Publikum wird vor Ankauf derselben gewarnt, da sie annullirt seien und dies auf ihnen vermerkt sei.
Das Journal de Liöge stellt die Nachricht förmlich in Ab⸗ rede, daß der Bürgermeister von Lüttich aufgefordert worden sei, aus der liberalen Wahlgesellschaft seiner Stadt auszutreten.
Dänemar hk.
Kopenhagen, 9. Nov. Kjöbenhavnsposten zufolge, wäre der Colonisations⸗Versuch auf den Nikobarischen Inseln jetzt aufgegeben. Dieses Blatt theilt nach Briefen von jenen Inseln vom 22. April und aus Pulo Pinang vom 6. August Folgendes mit: In dem ersten Briefe heißt es, daß nach der Entfernung der Kor⸗ vette das Fieber unter den zurückgebliebenen Dänen und Chinesen ausgebrochen war. Nachdem das Transportschiff gelöscht und nach dem Festlande zurückgesandt worden war, machte der Capitain Aschlund mit dem Dampfschiffe „Ganges“ eine Tour um die Inseln, landete bei Bompoka, um Wasser einzunehmen, so wie im Hafen vom Nancowry, und kehrte dann nach der Station auf Pulo Melo bei Klein⸗Nicobar zurück. Der zweite Brief ist aus der britischen Kolonie Pulo Pinang an der Küste von Malakka datirt, und es heißt darin, daß, nachdem man einen kleinen Fleck gereinigt, die dänische Flagge auf mehreren Inseln aufgezogen ein paar Touren nach den nördlichen Inseln gemacht und auf einen Seeräuber geschossen hatte, das Fieber sich in der Kolonie eingesun⸗ den habe, woran 7 Chinesen gestorben seien, während von den übri⸗ gen der dritte Theil täglich krank gewesen. Hierdurch sei denn die Arbeit bedeutend versäumt worden, Unlust und schlechter Wille habe sich eingefunden, der Aufseher sei, am Heimweh erkrankt, und von diesem Augenblick an hätten alle Arbeiten aufgehört. Auch auf dem Dampfschiffe sei das Fieber ausgebrochen, und aus Furcht vor Mangel an Arznei habe Capitain Aschlund gegen Ende Mai be⸗ schlossen, die Inseln zu verlassen. Damals waren in der Kolonie zwei Blockhäuser für die Chinesen und ein drittes für den Aufseher errichtet, welches zugleich als Packhaus dienen sollte. Von der gro⸗ ßen Menge Hühner, Enten und Gänse, die nach der Kolonie ge⸗ bracht worden, war bei der Abreise des Capitain Aschlund nicht ein einziges mehr übrig. Einige Zugochsen, die man mitgebracht hatte, waren nebst den übrigen Hausthieren in die Dschunges (Dickichte) ge⸗ laufen, und man hatte sie nicht wieder gesehen. Wie es nach der Abreise des Capitain Aschlund mit den auf den Nikobaren Zurück⸗ gelassenen geworden, wußte man in Pinang nicht; man fürchtete, bei der Rückkehr nur noch ihre Skelette zu finden. Inzwischen erwar⸗ tete Capitain Aschlund Antwort auf seine Berichte an die Re⸗ gierung.
Schleswig, 10. Nov. Die Vereinigung der Herzogthümer mit Dänemark hat, wie die kommerzielle Welt weiß, auch die Folge gehabt, daß diese Staaten 1813 in die Geldkrisis hineingezogen wur⸗ den, in welche das Königreich gerathen war. Der seit 1808 auf⸗ tauchende, in die Wirklichkeit allmälig eintretende Gedanke von einer
König Leopold's Reise nach
dänischen Monarchie war die Ursache, daß nun auch auf die Herzog⸗
Unter ihnen war ein Neuseeländer, der von dem Piloten
äußerte dies dem Neuseeländer, der fließend Englisch spricht, und 8 1 schleswigeholsteinischem Courant, obgleich seit mehr als 30 Jahren die Re⸗
538 149 11 a 916 2424 pdu chülndarche 50
ümer die neue Geld⸗Procreation der Reichsbank ausgedehnt wer⸗ den sollte. Der Kampf der Herzogthümer für ihr Silbergeld war damals nicht weniger energisch, als jetzt für ihre Selbstständigkeit. Jene Reichsbank ist in das Reich Dänemark, dem die Herzogthümer immer als deutsche Lande zur Seite gestanden haben, zurückgewiesen worden. Nichtsdestoweniger erneuern sich immer wieder die Versuche, jene unvolksthümliche, unpraktische Berechnung, jenes dänische Geld- wesen bei uns einzuführen. Es lag daher nahe, daß neue Erschei⸗ nungen in dem Geldwesen den einen oder anderen Abgeordneten wohl veranlassen würden, eine Proposition auf Einführung des preußischen Münzfußes zu stellen. Der Abgeordnete für Fehmarn, Justizrath F motivirte dieselbe am 9ten d. M. in nachstehender
eise:
Faktisch besteht in den Herzogthümern nur die Geldberechnung nach
gierung eine den Münz⸗Verhältnissen der Herzogthümer durchaus nicht ent⸗ sprechende Berechnung, die nach dänischem Reichsbank⸗Gelde, hat einführen wollen. Diese Courant⸗Berechnung hat hauptsächlich drei Nüancen: 1) Der Spezies, in den Händen der Kapitalisten und Banquiers, ist eine Waare des Geldmarkts, dessen Werth sich normirt nach dem temporairen Bedarf dieser Münze, zumal zur Zeit der Haupt⸗Termin⸗Zahlungen 2) Das Grobcourant, mit Ausschluß des hamburger Grobcourants, was, wiewohl gehaltreicher, doch bei öffentlichen Hebungen nicht angenommen werde. Dieses sogenannte schleswig⸗holsteinische Courant oder dönische Grobcourant hat nur einen erhöhten Werth gegen die gewöhnliche Cou⸗ rant⸗Münze, weil es zur Zahlung der Zölle in Staats⸗Abgaben von der Regierung verlangt wird; nicht aber (wenn es devalvirt würde) nach seinem inneren Silbergehalte, weil es sehr verbraucht ist. 3) Die Circulations Münze von inländischen und fremden Münzen, vom Schilling bis zum Münz⸗Vereins⸗Thaler.
Diese allgemein geltenden Münzen des täglichen Verkehrs haben durch Entziehung des groben Courants an Umfang gewonnen durch das Hinzu kommen des preußischen Thalers, der von Hand zu Hand geht und bis oben nach Jütland gedrungen ist. Er hat dadurch, so zu sagen, das Bür⸗ gerrecht erhalten, daß er im gemeinen Leben vierzig Schillinge repräsentirt, wodurch wir faktisch bereits den leichteren Münzfuß rezipirt haben. Der Konsument bezahlt mit dieser Münze, weil sie ihm die wohlfeilste ist, alle seine Lebensbedürfnisse; der inländische Produzent und der Kaufmann er- balten sie fast ausschließlich; dagegen muß er Zölle, Zinsen und alle Staats⸗ Abgaben in grob Courant oder Species bezahlen, wird also, um diese Geldsorte zu erhalten, Agio bezahlen müssen, und gerade jetzt wird durch den erleichterten Verkehr mit dem Süden das Eindringen des preußischen Thalers noch vermehrt. Schließen sich Mecklenburg, Lübeck, Hamburg dem Münzvereine an, so sind auch wir zu diesem Schritte genöthigt. Eutin wird folgen, da Oldenburg sich bereits diesem Münzfuße angeschlossen hat.
Allerdings bietet diese Geldreform einige Schwierigkeiten dar. Da je doch der preußische Thaler unseren 40 Courant⸗Schillingstücken, 1 Schilling X Silbergroschen, 2 Fl. = 1 ½, 4 =3, 8 =6, 12 = entspricht, da unser grob Courant so devalvirt ist, daß der Silbergehalt dem gleichfalls ent sprechend ist, so stehen der Einführung im praktischen Leben wenig Schwie rigkeiten entgegen. Die Verordnung vom 29. Februar 1788 enthält manch maßgebende Bestimmungen in dieser Beziehung. Nicht unerwähnt kann ich lassen, daß die sich in Hamburg und bei uns entwickelnde Umgestaltung des Münzwesens wesentlich darauf eingewirkt hat, daß das schleswig⸗holsteinische Banquiergeschäft in Flensburg seine Berechnungen in grob Courant aufgege⸗ ben und die dem Münzvereinsfuß so leicht zu akkomodirende Courant⸗Berechnung angenommen hat. Deshalb sei die Regierung zu ersuchen, die Reichsbank⸗ Berechnung aufzugeben, die Einziehung unserer Courant⸗Münze zu unter⸗ lassen, die projektirte Ausprägung der Unter⸗Abtheilungen des Reichsbank⸗ Thalers nicht zu vollziehen, die neue Ausprägung von Spezies nur vorzu⸗ nehmen, wenn Privatbarren zum Prägen eingeliefert und endlich einen möglichst engen Termin mit Lübeck und Hamburg festzusetzen zur Einführung des 14⸗Thalerfußes oder 35 Mark auf die Mark fein. Neben der Wich tigkeit dieser materiellen Vortheile führe dieser hier besprochene Lebensner 87, 8* in die engste Verbindung mit unserem gemeinsamen deutschen Va terlande.
„Nur hinweisen“, fügte der Proponent hinzu, „will ich auf das groß Interesse, das uns bewegt, die Verwirklichung der der Proposition zum Grunde liegenden Idee zu wünschen. In diesem politischen Gedanken ma auch der Grund zu suchen sein, weshalb man an gewissen Orten in Ko⸗ penhagen so sehr darauf bedacht ist, uns unter so mancherlei Gestaltungen die Reichsberechnung aufzudringen. Doch gegen den inneren Drang der Verhältnisse kämpft man vergebens, und ein günstiges Prognostikon glaub ich darin für die Aufnahme meiner Proposition finden zu konnen, daß Frie- drich VI. nach preußischem Münzfuß hat prägen lassen und Christian VII. demselben hierin gefolgt ist. Was in Gold bereits geschehen ist, wünschen wir in Silber ausgeführt.“
Es entspann sich nun eine Debatte, wobei der Abgeordnete Berwal hervorhob, daß es zweifelhaft sei, ob Hamburg den preußischen Münzfuß annehmen werde, und daß die Unter⸗Abtheilung in Silbergroschen nachthei lig sein müsse, während Dr. Weber die Einführung von der Annahme in Hamburg abhängig gemacht haben wollte. Der Regierungs⸗Commissai äußerte, daß es viele Gründe gebe, wodurch der preußische Thaler sich Eingang verschafft habe. Neben den Gesetz⸗Entwürfen sei aber kein Zeit zur Verhandlung, die Einführung würde auch große Unbequem lichkeiten verursachen. Durch die Eintheilung des Reichsbank⸗Thalers in 120 Reichsbank⸗Schillinge sei dem Wunsche des Volkes eine Konzession gegeben worden. Der Proponent begegnete diesen Einwendungen, indem er bemerkte, daß er weniger Gewicht darauf lege, ob die Unter⸗Abtheilungen eingeführt würden; daß das Agio wohl nur als etwas Zufälliges zu be⸗ trachten, indem allein der Unterschied zu berücksichtigen sei, der durch den Silberhalt ermittelt werde, also 34 Mk. 11 Sch. zu 35 Mk. Andererseits hätte die roeskilder Stände⸗Versammlung die intendirte neue Eintheilung des Reichsbank⸗Thalers abgelehnt, indem sie gegen den Volksgebrauch in Dänemark anstoßen werde, wurde mit 24 Stimmen beschlossen, den Antrag einer Kommission zu überweisen. Die Geldmänner waren theilweise dagegen.
8 Schweiz.
1 I “
Kanton Zürich. (N. Z. Z.) Aus dem Berichte des pro⸗ visorischen Comité's der Actien⸗Gesellschaft des Limmat⸗Thales zu Anschaffung von Lebensmitteln ergiebt sich, daß bereits 666 Actien, denen ein Kapital von 13,320 Fl. entspricht, unterzeichnet worden und die Listen mit den Actienzeichnungen noch aus mehreren Gemein⸗ den fehlen. Bekanntlich hatte die Actien⸗Gesellschaft des Limmat-⸗ Thales in einer Petition an den Regierungs⸗Rath das Gesuch ge⸗ stellt, er möchte eine Kommission von Sachverständigen ernennen, welche für diese Gesellschaft, wie überhaupt für alle Lokal⸗Vereine, zum Ankauf von Lebensmitteln oder für Gemeinden, die sich an sie wenden und ihr die hierfür erforderlichen Geldmittel einhändigen würden, die gewünschten Einkäufe zu treffen und den Vereinen oder Gemeinden je nach den gemachten Bestellungen die eingekauften Le⸗ bensmittel zu verabfolgen hätte. Der Regierungs⸗Rath hat be⸗ schlossen, diesem Gesuche zu entsprechen und eine solche Kommission ins Leben zu rufen. 18n 8
Kanton Genf. In der Sitzung am 4. November wurde die Berathung über die Verfassung beendigt und beschlossen, eine Kommission von 11 Mitgliedern zur Vorberathung niederzusetzen. Ein Antrag, daß die Sitzung dieser Kommission öffentlich sein solle, wurde verworfen.
Die Regierung hat beschlossen, bei dem Großen Rath in der Sonderbunds⸗Angelegenheit die Rücknahme des Beschlusses vom 3. Oktober und den Anschluß an den Antrag von ich, Auflösung des Sonderbundes, zu beantragen.