1846 / 328 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

öniglich lombardisch⸗venetianische adelige Leibgarden, mit Florschär⸗ pen und mit gezogenem Seitengewehre, so wie Kaiserliche Edellnaben mit brennenden Wachgsfackeln, die Leiche.

In der Kapelle waren Ihre Kaiserl. Hoheiten die durchlauch⸗ tigsten Herren Erzherzoge zugegen und wurden daselbst von dem am Kaiserlichen Hofe beglaubigten Kaiserl. russischen Gesandten, Grafen von Medem, erwartet und empfangen. Auch Ihre Königl. Hoheit die verwittwete Frau Herzogin Pauline von Nassau (Tante der hohen

Verblichenen) hatte sich in der Kapelle eingefunden. Der Stellver⸗

treter des Kaiserl. ersten Obersthofmeisters, Oberstkämmerer Graf Dietrichstein, und mehrere Kaiserl. Geheime Räthe und Kämmerer

hatten sich gleichfalls dort versammelt.

Der Sarg wurde bei der Ankunft von dem Gefolge des Groß⸗ fürsten und von Sr. Kaiserl. Hoheit Höchstselbst (eben so, wie es in em oben gedachten Erzherzoglichen Palast bei dem Herabtragen und Hineinheben in den Leichenwagen geschehen war) aus dem Wagen gehoben, unter Vortretung der K. Edelknaben und in Begleitung der rwähnten K. Leibgarden in die Kapelle gebracht und dort auf den eichgeschmückten Katafalk gestellt.

Nunmehr wurde der feierliche Trauer⸗Gottesdienst abgehalten, wobei die K. Leibgarden die Ehrenposten am Katafalk besetzt hielten.

Rußland und Polen.

St. Petersburg, 18. Nov. Aus dem Kaukasus sind vom 5. November folgende Nachrichten eingegangen: Am 28. Oktober hat der General⸗Lieutenant Fürst Bebutoff in der Nähe des Dorfes Kutaschi, auf der Gränze des Landes der Akuschinzen und des nördlichen Dagestan, über Schamil einen glänzenden Sieg Dies wichtige Ereigniß war von folgenden näheren Umständen begleitet:

F Die rasche Vollendung der atschchojewschen Festung, so wie die kampf⸗ gerüstete Stellung des tschetschenzischen Detaschements, führten das Haupt der Empörer zu der Ueberzeugung, daß es ihm vollkommen unmöglich sein werde, auf dem Nord⸗Abhange des kaukasischen Gebirgszuges irgend einen Erfolg zu erringen. So beschloß er, sein Glück in Dagestan zu versuchen, und zog in Avarien einen zahlreichen, wohl gegen 15,000 Mann starken Trupp zusammen, mit dem er gegen das Dorf Zudachar vorrückte. Die Bewohner dieses Dorfes vertheidigten sich auch diesmal tapfer gegen die Müriden. Sodann drang Schamil, noch ehe General⸗Lieutenant Fürst Argutinski⸗Dolgoruki das samursche Detaschement das wegen Mangel an Brennmaterial in ver⸗ schiedenen Dörfern zwischen dem Kumuch und dem Tschirach vertheilt war zusammenziehen konnte, in das Land der Akuschinzen, in der Hoffnung, die ganze Landschaft in Aufruhr zu bringen und daselbst festen Fuß zu fassen. Bei der ersten Nachricht über die Bewegung des Feindes eilte General⸗ Lieutenant Fürst Bebutoff mit einem Theil der Infanterie, zwei Divisionen des Dragoner⸗Regiments „Kronprinz von Württemberg“ und der Miliz aus Temir⸗Chan⸗Schura ihm entgegen. Am 27sten vertrieb unsere Avant⸗ garde, geführt von dem General⸗Major Fürsten Kudaschew, die Müriden mit dem Bajonet aus dem Dorfe Aimaki und brachte ihnen einen empfind⸗ lichen Verlust bei. b

Unterdessen hatte Schamil, in der Meinung, daß der Fürst Bebutoff nicht stark genug sei, um ihn anzugreifen, und daß der Fürst Argutineli⸗ Dolgoruti durch den gegen ihn entsendeten Daniel⸗Bek aufgehalten werden würde, eine feste Stellung beim Dorfe Kutaschi eingenommen. Von hier aus hoffte er durch Drohungen und lügenhafte Versprechungen den Auf⸗ stand unter die benachbarten Stämme zu verbreiten. Da der Fürst Be⸗ butoff jedoch von der Nothwendigkrit entschiedenen und unaufschiebbaren Handelns überzeugt war, vereinigte er sich mit seiner Avantgarde, drang auf den Feind ein und erstürmte am 28sten dessen Stellung.

Der vollständigste Sieg krönte das wohlberechnete und kühne Unter⸗ nehmen des Fürsten Bebutoff.

Schamil wurde total aufs Haupt geschlagen und konnte sich kaum durch die Flucht retten; er ließ 800 Todte auf dem Kampfplatze, eines der mitgeführten Geschütze, 21 Munitions⸗Wagen, eine Menge Feldzeichen, 300 e eg Müriden und die Streitaxt, die er stets vor sich hertra⸗ en läßt.

Die Bewohner der umliegenden Dörfer verfolgen den fliehenden Feind und haben ihm bereits Beute und Gefangene, die zu nehmen ihm bei sei⸗ nem ersten Einfalle gelang, wieder entrissen.

Weitere Details sind noch nicht eingegangen; bekannt ist aber, daß Schamil sich nirgends halten konnte und am 2. November sich wieder nach Weden' zurückzog.

Am 8. Oktober wurde zu Jekatherinoslaw ein zu Ehren der Kaiserin Katharina II. errichtetes Monument feierlich eingeweiht. Die Statue, etwas über 9 Fuß hoch und 45 Centner schwer, ist auf Kosten des Adels des Gouvernements Jekatherinoslaw aufgerichtet worden und bezeichnet den Ausdruck der Dankbarkeit für die Gnaden⸗ beweise der Kaiserin zu Gunsten Neurußlands. Es wurde bereits im Jahre 1788, und zwar, wie man sagt, auf Bestellung Potemkin's, in Berlin gegossen. Das Kunstwerk war durch Zufall in den Besitz des Herrn Baird gekommen, bei welchem es der Adelsmar⸗ schall des Gouvernements Jekatherinoslaw kaufte. Die Bildsäule stellt die Kaiserin stehend dar, mit einer kleinen Krone auf dem Haupte und mit einem römischen Panzer und der von der linken Schulter herabfallenden Toga bekleidet, den linken etwas erhobenen Arm auf ein Pult, auf welchem das unter der Regierung der Kai⸗ serin herausgegebene Gesetzbuch liegt, stützend. Am Fußstücke steht eine lateinische Inschrift, die besagt, daß die Statue in Berlin durch die Künstler Meyer, Maukisch und Meltzer im Jahre 1788 ausge⸗ führt worden sei. Auf dem gußeisernen Piedestal, das sie gegenwär⸗ tig trägt, steht mit goldenen Buchstaben in russischer Sprache: „Der Kaiserin Katharina II. der dankbare Adel des Gouvernements Jeka⸗ therinoslaw im Jahre 1846.“

Eiliger, als man nach der langdauernden milden Herbstwitterung erwarten durfte, hat sich der Winter eingestellt. Nachdem es am vergangenen Sonnabend mit dem Umschlagen des Windes nach Nor⸗ den kalt geworden war, brachte ein reicher Schneefall am darauf fol⸗ genden Sonntag der Residenz eine tadellose Winterbahn. Am Mon⸗ tag, in den Nachmittagsstunden, zeigten sich, bei R., die ersten Eisschollen auf der Newa, und gegen 5 Uhr wurden die Brücken ab⸗ gelassen. Am Dienstag, obwohl das Thermometer wieder stieg, trieb der Strom Eis auf seiner ganzen Breite; doch konnte während des ganzen Tages die Communication mittelst Böten unterhalten werden.

1161“ Frankreich. 8 Paris, 21. Nov. Der Minister der auswärtigen Angelege eiten hat, wie die Presse versichert, am Donnerstag eine Depesche an Herrn von Jarnac, den französischen Geschäftsträger in London, über die ihn vom österreichischen Geschäftsträger gemachte Mitthei⸗ lung abgefertigt und gestern den englischen Botschafter, Marquis von Normanby, mit dieser Depesche bekannt gemacht.

Das Journal des Débats eröffnet sein heutiges Blatt wie⸗ ber mit Bemerkungen über die Maßregel in Betreff Krakau's, worin es die selbe hauptsächlich mit Hinsicht auf den Traktat von Wien an⸗ greift, indem es davon ausgeht, daß der auf Krakau sich beziehende Artikel desselben eben so bindend gewesen sei, wie jeder andere. Dann wendet sich das französische ministerielle Blatt zu Betrachtun⸗ gen über die Art und Weise, wie die englischen Blätter Standard, Sun und Times sich über diese Angelegenheit äußern, und antwortet dem letzteren Blatte auf die Herausforde⸗ rung, welche dasselbe an die französische Regierung gerichtet hatte, sehr emphatisch: daß es von der Insinuation, als ob diese insgeheim jener Maßregel ihre Zustimmung gegeben, ganz absehe; daß die Times, wenn sie Frankreich so lebhaft rathe, dagegen zu protestiren, ihre Predigt doch zunächst an das eigene Land richten

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und darüber Aufschluß geben möge, wie England sich in der Sache verhalten werde, bei der es eben so, wo nicht mehr als Frankreich, interessirt sei; daß es seinerseits aber Alles, was die Times über die Rolle gesagt, welche Frankreich hierbei zu spielen habe, vollkom⸗ men annehme. Der Constitutionnel, der Sièecle und der National bleiben bei der Ansicht, daß die Einverleibung Krakau's in die österreichische Monarchie nur aus der jetzigen Span⸗ nung zwischen England und Frankreich zu erklären sei, und das letztere Blatt erklärt sich für überzeugt, daß Herr Guizot seine Zustimmung zu der Maßregel gegeben habe. Während die für das Organ dieses Ministers geltende Epoque den Oppositions⸗Blät⸗ tern in jener ersteren Ansicht vollkommen beistimmt, läßt sie die vom National außerdem ausgesprochene Meinung ganz unbeachtet; nur benutzt sie diese Gelegenheit, den Oppositionsblättern vorzuhal⸗ ten, daß ihnen früher die englische Allianz nicht so wichtig und werth⸗ voll, sondern im Gegentheil demüthigend und unfruchtbar für Frank⸗ reich erschienen sei, und so möchten dieselben jetzt nicht wenigstens nach der anderen Seite hin übertreiben und ein zu großes Gewicht auf die momentanen Störungen in dieser Allianz legen.

Der Infant Don Enrique, Herzog von Sevilla (Bruder des Gemahls der Königin Isabella von Spanien), ist von Brüssel hier angekommen; er hat eine Wohnung im Elysee⸗Bourbon bezogen.

Auf den Wersten von Rochefort wird sehr thätig gearbeitet. Nach einem dort eingegangenen Befehl des Marine⸗Ministers müssen sämmtliche angewiesene Arbeiten im künftigen Jahre durchaus vollen⸗ det sein. Die Zahl der Arbeiter wird deshalb stark vermehrt. Man baut an 13 Schiffen. Darunter sind 1 Linienschiff vom ersten Range und eines vom zweiten Range, 1 Fregatte vom erstn Range, 2 vom zweiten Range und 1 Korvette, 1 Brigg erster Klasse, 4 Dampf⸗ schiffe, worunter ein Kriegsschiff vom ersten Range.

Das englische Kabinet hat als Entschädigung für die durch das englische Paketboot „Polyphem“ in der Nacht vom 12. auf den 13. Juli 1845 in den Grund gefahrene französische Brigg „Karl August“ den Eigenthümern derselben eine Entschädigung von 57,003 Fr. aus⸗ zahlen lassen.

Der Bey von Tunis ist am 16ten d. in Lyon eingetroffen; er soll, dem Courrier frangais zufolge, beharrlich die Einladurng der englischen Regierung, auch London zu besuchen, ausgeschlagen haben, indem er nicht in die Falle gehen wolle, sich vom türkischen Gesand⸗ ten vorstellen zu lassen, wodurch er seine Vasallenschaft eingestehen würde.

Der belgische Gesandte, Fürst von Ligne, ist in Paris von seiner Urlaubsreise wieder angelangt.

Dem Sisdele zufolge, soll Algier nächstens eine Munizipal- Verfassung bekommen; ferner soll, um die Einwanderung nach Algier zu vermehren, jeder Einwanderer nach fünfjährigem Aufenthalte in der Kolonie die französische Naturalisation erhalten.

Der Moniteur enthält eine Königliche Verordnung, wodurch zwei Stellen von General⸗Inspektoren für den Elementar⸗Unterricht, eine jede mit 8000 Fr. Gehalt, errichtet werden.

Der Moniteur parisien sagt, es sollten, dem Vernehmen nach, die Häfen Algeriens, ganz eben so wie die Häfen Frankreichs, den aus der Türkei kommenden Handels⸗Artikeln geöffnet werden.

Die Sparkasse von Paris hat beim letzten Wochenschlusse em⸗ pfangen: 619,649 Fr., dagegen herausgezahlt: 885,580 Fr. angemeldete Herauszahlungen: 922,103 Fr. 8

Großbritanien und Irland

London, 20. Nov. Die Times macht heute die Mitthei⸗ lung, daß die Berusung des Parlaments nicht länger als eine Woche über den zuletzt festgesetzten Prorogations⸗Termin verschoben und demzufolge auf den 19. Januar k. J. festgesetzt sei.

Die Zustände in Irland bessern sich immer mehr, obwohl die Verbrechen in den Grafschaften Kilkenny und Tipperary noch immer fortdauern. In der mit dem 8ten d. M. zu Ende gegangenen Woche weisen die Listen der bei den öffentlichen Bauten beschäftigten Arbei⸗ ter 150,268 Individuen nach, welche sich über 28 Grafschaften ver⸗ theilen;z von vier G afschaften, Down, Derry, Donegal und Tyrone, fehlten die Listen. In der letzten Sitzung des Repeal⸗Vereins, in welcher die RepealRente durch einen bedeutenden Beitrag aus Boston wieder auf 372 Pfd. anschwoll, erklärte O'Connell das Gerücht, als wolle er den Repeal⸗Verein vertagen, um ihn eines natürlichen Todes sterben zu lassen, auf das Entschiedenste für unwahr.

Die Morning Chroniecle erklärt nun ebenfalls, daß die An⸗ gabe, Hood's Mission sei durch die Vertreter Englands und Frank⸗ reichs am Laplatastrome, Ouseley und Teffaudis, vereitelt worden, vollkommen begründet sei. Herr Hood habe die ihm von Lord Aberdeen mit Zustimmung Frankreichs übertragene Mission treff⸗ lich vollführt und auf die ihm vorgeschriebenen Bedingungen eine Uebereinkunft mit Rosas und Oribe abgeschlossen; aber die Herren Ouseley und Deffaudis hätten sich geweigert, sie zu genehmigen und zum Vollzuge gelangen zu lassen. Es scheine freilich unglaublich und komme gewiß selten vor, daß der feste und klar angedeutete Entschluß zweier mächtigen Regierungen durch ihre eigenen Agenten bekämpft und vereitelt werde; aber es sei geschehen und räthselhaft erscheine blos, weshalb man beiden Gesandten, da doch schon die bloße Sendung Hood's bewiesen hätte, daß sie nicht länger das Vertrauen ihrer Regierungen besaßen, die Macht zu schaden belassen habe. Welche Folge ihr Verfahren für sie selbst haben werde, sei gleichgültig; die politische Folge desselben aber sei, daß die Blokade, deren Beendigung beide Regierungen so ange⸗ legentlich erstrebt hätten, vorläufig zum Nachtheile der Unterthanen von England und Frankreich, wie der Staaten am Laplatastrome, fort⸗ dauere, obgleich sie jetzt nicht länger eine Blokade Seitens der briti⸗ schen und französischen Regterung, sondern von Seiten der Herren Ouseley und Deffaudis sei.

Die Gazette enthält nachstehende Anzeige über die Blokade des Douro: „Es wird hiermit kund gethan, daß Lord Palmerston von Herrn Southern, dem Geschäftsträger in Lissabon, eine Depesche empfangen hat, worin eine vom Marschall Saldanha, dem portugie⸗ sischen Staats⸗Secretair für die auswärtigen Angelegenheiten, an ihn gerichtete Note eingeschlossen war, welche die effektive Blokade des Flusses Douro ankündigt. Der Geschäftsträger Ihrer Majestät übersendet zugleich eine Note des Marschalls Saldanha, welche an⸗ kündigt, daß den die Blokade vollziehenden Kriegsschiffen die Wei⸗ sung ertheilt worden sei, britische Kriegsschiffe unbelästigt in den Hafen einlaufen zu lassen und die Ablieferung der Posten, die Lan⸗ dung von Passagieren, so wie die Abreise britischer Unterthanen, welche sich in den Paketböten einzuschiffen wünschen, nicht zu be⸗ hindern.“

In vergangener Nacht hat eine große Feuersbrunst in Grave⸗ send vierzig Häuser zerstört. Auch sollen mehrere Menschen dabei das Leben verloren haben. -

Berichte vom Kap der guten Hoffnung vom 20. September melden zwar die Unterwerfung zweier Kaffern⸗Häuptlinge, Namens Stock und Kreli, aber noch immer nichts von entscheidendem Erfolge. Die Truppen, wie es scheint, beharrlich den Plan verfolgend, dem⸗ gemäß die Kaffern durch Umzingelung zur Uebergabe gezwungen werden sollen, vermögen, ihrer geringen Anzahl wegen, nicht, die Kolonisten vor den Streisparteien der Feinde genügend zu schützen.

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Sir A. Stockenstrom soll, wegen Uneinigkeit mit General Maitl sein Kommando niedergelegt haben.

Der hiesige mexikanische Konsul, Herr Mendoza, erklärt in Schreiben an die Zeitungen die Vollmacht der Herren Schne und Comp. als Finanz⸗Agenten Mexiko's für erloschen. Letztere gern sich indeß, die Effekten der mexikanischen Regierung, welche in Händen haben, herauszugeben.

8 t Niederlande.

Aus dem Haag, 20. Nov. Gestern Abend war zur des Namenstages Ihrer Majestät der Königin von Preußen, sol zu Ehren Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Friedrich von Preif bei dem preußischen Gesandten, Grafen von Königsmark, großer 8. dem der König und die Prinzen und Prinzessinnen des Königit Hauses beiwohnten.

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HBHelgien. 8

Brüssel, 22. Nov. Das von Herrn Regier zur Adreste⸗w Repräsentanten⸗Kammer vorgeschlagene Amendement lautete: Gesetz über den mittleren Unterricht erheischt eine bestin Lösung, durch welche Anmaßungen ein Damm gesetzt würde, die den Rechten und Pflichten der Civilgewalt unverträglich sind.“ Minister des Innern, Graf de Theux, bekämpfte dasselbe in folg der Weise: 8

„Nach Erwägung des von Herrn Rogier gestellten Amendemen das Ministerinm zu der Ueberzeugung gelangt, daß es offener und bif ter abgefaßt eigentlich so heißen solle: „Sire, das Kabinet gefähn Unabhängigkeit der Civilgewalt.’“ Einem solchen Antrag gegenüben das Kabinet mithin in dem Amendement seine Existenz in Frage erblicken; das Ministerium will so sehr wie seine Gegner die Unabhahe keit der Civilgewalt; es bedarf aber der Achtung, um seine Unabhansge keit allen übertriebenen Forderungen gegenüber, von welcher Seite sier kommen mögen, zu behaupten. Fehlt diese Achtung ihm, so wird es me Augenblick länger am Ruder bleiben. Warum hat Herr Rogier, stat anscheinend harmlose Phrase als Amendement vorzuschlagen, die imse im Grunde eher eine angreifende Bedeutung hat, nicht, da er zur Cenmt Section gehörte, seine Wünsche hinsichtlich des Unterrichts⸗Gesetzes faßbare Amendements gestellt, damit man bei der Diskussion des Giitze wisse, um was es sich handle, statt sich jetzt in blos aufreizenden Dognsso nen zu bewegen. Die Regierung hat in den der Central⸗Section wa legten Amendements ihre Gedanken unverschleiert dargelegt, indem se Unabhängigkeit der Kommunalgewalt vollkommen gewährte; sie ist se darin weiter gegangen, als je Her. Rogier vor ihr; man hat dem Entwurf die Vorschläge des Herrn Regier verwirklicht, ist weiter gegangen, als die Andentungen des liberalen Minis riums durchblicken ließen. Wo das Ministerium von 1840 die meinde⸗Anstalten gewissen Beschränkungen unterwerfen wollte, übat man sie jetzt den Gemeinden zur ganz freien Verfügung; nur für die Start Anstalten will man gewisse gesetzliche Bestimmungen seststellen. Was e Rogier in seinem Programm vom 27. März aufgestellt, nämlich: „resptne Unabhängigkeit der Civilgewalt und religibsen Gewalt“, hat die Reginmg als Richtschnur genommen; das Gesetz schreibt der religiösen Gewalich vor, den Religions⸗Unterricht in den weltlichen Anstalten zu geben im da der Kultus ganz frei ist, so würde es im Widerspruch damit sie könnte man ihm hier Zwang auflegen. Entziecht das Episkopat die gesfted Mitwirkung dann einer Anstalt, so wird der wissenschaftliche Unternctem. gestoört vorwärts gehen und nur kein Religions⸗Unterricht ertheilt wende denn einem Laien darf dieser Unterricht wohl nicht übertragen na den. Daß man der Jugend gestatte, eine Anstalt zu besuchen, wo garke Religions⸗Unterricht gegeben wird, begreift sich; ein Familienvater, de seine Religion am Herzen liegt, wird sich aber nicht damit beruhigen, wer die Religion von einem Nicht Geistlichen gelehrt wird, dessen Persönlichte ihm keine Garantie bietet. In Betreff der Ernennung und Absetzung àd Professoren haben die von der Regierung vorgeschlagenen Amendeme auch die Unabhängigkeit der Civilgewalt sicher gestellt, indem der reägid Gewalt durchaus kein Antheil daran eingeräumt ist; es heißt sogar stimmt darin, daß das Absetzungsrecht nicht Anderen übertragen den könne. Man erinnert an die Convention von Tournay; dabei das Ministerium blos der Ansicht, daß, trotz des Vertrags mit de Bischof, der Gemeinderath von Tournay sich seines Einennung und Absetzungsrechts nicht begeben hat. Die Gegner des Kabinets st unter sich nicht einig. Herr Verhaegen beharrt auf dem, was er he Elementar⸗-Unterricht verfochten, nämlich vollkommene Trennung des un⸗ giösen und wissenschaftlichen Unterrichts, waͤhrend Herr Rogier in sein Programm selbst angedentet, er werde auf administrativem Wege Alce aufbieten, die Mitwirkung der religiösen Gewalt für den Religions⸗Unuag richt in den weltlichen Anstalten zu erlangen. Man hat dem Ministenn gewisse Feiertage für die Gemeindeschulen vorgeworfen. Herr Nociheng fand es zweckmäßig, dieselben auf religiöse Festtage zu vertheilen, welche de Brauch noch heilig hält und wo das Landvolk nicht arbeitet. Herr W haegen wirst den Ministern vor, sie seien nicht unabhängig, sie in

den unter gewissen Einflüssen; er macht ihnen den Vorwurf, zur Infspretn

der Atheneen einen unfähigen Mann ernannt zu haben; diese Exnemung ist aber ohne die entfernteste Mitwirkung des Klerus geschehen, nachn man sich von den Verdiensten des Ernannten überzeugt. Man wirste Ministerium ferner Schwäche vor; man wirft ihm vor, in einem Joum gegen das Episkopat zu Felde zu ziehen und die Segel zu streichen, so die katholischen Organe antworten; das Ministerium steht aber der h. Polemik gegen das Episkopat ganz fremd; seine Ueberzeugungen sind fannt, es bedient sich keiner versteckien, seiner unwürdigen Mittel. Man sagt, Ministerium bedürfe des Klerus bei den Wahlen, es stehe da ganz unter sen Botmäßigkeit. Wenn Regierung und Klerus zusammen denselben Kande ten unterstützen, so folgt daraus blos, daß sie beide auf den elben Veitrig setzen, nichts weiter. Was geschieht denn bei den Wahlen unserer Gegm Wirken da nicht anch die verschiedensten Einflüsse zusammen? Von A Association ist zwischen Regierung und Klerus aber nicht die Rede, ne auch zuweilen Uebereinstimmung obgewaltet hat; die Regierung ist nicht; bunden und bleibt immer frei in ihrer Wahl. Man spricht von Unabe gigkeit der Civilgewalt! Diese kräftigt man am wirksamsten, indem! die Krone inmitten der Parteien unterstützt, indem man die Achtung sie erhöht und ihr nicht die Vorrechte zu entziehen trachtet, welch h. legislative Gewalt ihr übertragen. Die Ernennung der Bürgerm muß z. B. der Krone unverkümmert bleiben. Das unabhängigste nisterium ist wohl das, welches am wenigsten Verpflichtungen eingegang und ich darf auf Ehre versichern, daß das jetzige keiner Corporation, kel Individuum gegenüber dergleichen eingegangen ist; möchten unsere Gegg einmal zur Gewalt gelangt, ein Gleiches sagen können! Die Opposti ans Ruder gelangt, würde sicher auch große Schwierigkeiten, und se gerade aus ihrer Mitte entsprungen, zu überwinden haben. Man 900 immerfort die Meinung an, welche man als die „katholische“ bezeich und diese, dadurch gereizt, würde sicherlich nicht mit Vertrauen ihre Geg⸗ am Ruder sehen, dies hat die Vergangenheit schon bewiesen. Herr Deduh meint, das Ministerinm übertreibe das Vertrauen auf seine Lage; ditz aber nicht der Fall, das Ministerium hält eben das Land für m. genug, daß allgemeine Wahlen stattfinden könnten. Herr Dedecker bell den Mangel an Nationalgefühl, der sich bemerklich mache; aber trotz stah zösicher Literaturherrscaft, trotzdem die Presse zu viel von Fremden behern ist, wird doch das Nationalgefühl nicht bei den kommerziellen und in striellen Klassen durch das Interesse unterdrückt; nie wird man die 2 zur Aufgebung der Nationalität bieten. Der Kampf der Meinungen Lande ist nicht zu verwundern. Wirft man einen Rückblick auf die fruhe Geschichte Belgiens, seine frühere Zerrissenheit und sieht man dann, welc Freiheiten Belgien seit seiner Revolution errungen, so darf es mo befremden, daß in einem Lande, wo Preß⸗ und Associationsfreiheit d häufig wiederkehrende Wahlen bestehen, ein politisches Leben sich kundgiek wäre es anders, so müßte die Nation ohne Leben sein! Man macht katholische Meinung, die Minister verantwortlich für die Lage des Lande hat nicht der Redner, der ihnen dies zum Vorwurf gemacht, auch das 59 der in schwierigen Zeiten geführt, hat er nicht auch seinen Theil Veralk, wortung mit zu tragen? So schließe ich denn mit dem Wunsche, daß

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persönlichen Differenzen absehend, gemeinsam zum Besten des des arbeiten mögen.“ b k Herr Delsosse wies darauf hin, daß selbst der feurigste Anhänger fatholischen Partei, Herr Dedecker, die Höslingssprache in der Adresse ißelt habe, mit der man dem Könige keinen Dienst leiste, der klar genug num solche Demonstrationen nach Gebühr zu würdigen. Die Auf⸗ nin den Gemüthern bestehe einmal und lasse sich nicht weglengnen, jege blos in der bekannten Schwäche der Minister, die weder den Wil⸗ noch den Muth hätten, den Forderungen der Bischöfe entgegenzutreten. inge es dem Klerus, den ganzen Unterricht zu beherrschen, so werde aien in die Zustände zurückfallen, welche Portugal, Italien und Spa⸗ hrarböten. Ueber die Spaltung der liberalen Parteien möge das Mi⸗ rium sich nicht freuen, denn deren Stärke nehme zusehends zu. I Auf eine Bemerkung des Ministers des Innern erklärte der Präsi⸗ die Central⸗Section werde in kurzem ihre Arbeiten über das Unter⸗ gägesetz wieder aufnehmen. 8 28 heir Lebeau sprach die Ueberzeugung aus, daß diese politischen Dis⸗ enen zur Aufklärung des Landes von hoher Wichtigkeit seien. Mittler⸗ nehme die liberale Meinung im Lande in furchtbarer Progression zu, Alles deute darauf hin, daß die katholische Partei im Lande zurückge⸗ n werde. Nicht verstehe er unter „katholischer Meinung“ etwa hier aufrichtige, religiöse Ueberzeugung, welche die sicherste Bürgschaft wah⸗ Moralität sei, sondern was er bekämpfe, sei blos, daß eine Religions⸗ ei sich die Leitung der Staats⸗Angelegenheiten unterthan mache. Wäre die Spaltung unter den Liberalen zu beklagen, die nur eine Folge Aufregung sei, welche das ausschließlich katholische Ministerium im „hervorgerufen, so werde man bald erfahren, daß alle Schattirungen Lberalismus sich verbinden würden, handle es sich um den Kampf wi⸗ in gemeinsamen Gegner. (Schluß folgt.)

Der heutige Moniteur zeigt an, daß der König aus der Hand

sat spanischen Minister⸗Residenten, Grafen von Colombi, die Notifi⸗

ns⸗Schreiben über die beiden spanischen Vermählungen empfan⸗ at.

. Folge der Spaltung in der „Alliance“ sind von den 839 Nedern, aus der sie bestand, 216 ausgetreten; sie zählt jetzt 623 Mitglieder. Der Präsident des Cassationshofes, Herr van nen, ist in die Verwaltungs⸗Kommission gewählt worden.

Nach dem Vorbild der französischen Zoll⸗Verwaltung, welche Gepäck der belgischen Reisenden an der Gränze der Durchsuchung oben hat, erwartet man ehestens, daß auch den von Frankreich nenden Reisenden die Durchsuchung an der Gränze erspart wer⸗

Nov. Die Diskussion der Adresse, die seit en Tagen begonnen, hat sich bis jetzt nur um die gewöhnlichen jen der ministeriellen und liberalen Politik bewegt. Das Kabinet ein der Thronrede die eigentliche politische Hauptfrage in einer se von angekündigten Gesetzentwürfen zu verschwemmen gesucht, n diese Taktik ward leicht erkannt, und die Oppositron ermangelte „die Unterrichts⸗Frage, welche die Auflösung des Ministeriums deweyer herbeigeführt, in den Vordergrund zu stellen und durch ein ufbezügliches Amendement das Kabinet in seinem Dasein anzugreifen. Haupt der parlamentarischen Opposition, Herr Rogier, stellte öals einen in die Adresse aufzunehmenden Antrag, daß die Frage Sttkundär⸗Unterrichts eine Lösung erhalten möge, welche die ensionen zurückweise (qui mette obstacle aux preten- 8), die mit den Rechten und Pflichten der Staats⸗ halt unvereinbar seien. Die Fassung dieses Amendements offenbar einen zu herben und für die geistliche Behörde des Lan⸗ zu drohenden Charakter, so daß uns die Verwerfung desselben gewiß erscheint. Doch, muß man gesteyen, war es kaum mög⸗ eine andere unzweideutige Fassung zu finden, wodurch der ent⸗ gesetzte Gesichtspunkt der liberalen und der ministeriellen Poli⸗ n der Unterrichts⸗Frage hinlänglich charakterisirt worden wäre. isch die Opposition begnügt, die Unabhängigkeit und die Rechte bwardgewalt bei der Leitung des Unterrichts in Anspruch zu en, so würde das Kabinet beigestimmt haben, da dasselbe eben⸗ diese Rechte zu schützen vorgtebt. Alle Zweideutigkeit mußte schwinden, sobald die Opposition auf die Prätensionen hinwies, welche ders auf diesem Gebiete von Seiten der Bischöfe erhoben waren. Das isterium, wenn es gleich aus politischer Rücksicht, wegen der schwierigen mstände, die Unausführbarkeit mehrerer der von den Bischöfen erho⸗ Ansprüche erkannt, steht doch, dem Grundprinzipe nach, mit eistlichen Behörde auf gleichem Gebiete und mußte daher eine age derselben, wie sie in dem Amendement ausgesprochen war, hieden zurückweisen. Eine kleine Majorität wird sich gewiß jetzt gen erklären, da eine Fraction der gemäßigten Meinung das Ka⸗ ach dem in kurzem vorzulegenden Gesetz⸗Antrage beurtheilen will und annt ist, daß das Ministerium, durch die Umstände gedrungen, der len Meinung sehr bedeutende Konzessionen machen wird. ußerdem liegt es jetzt nicht in der Politik der Häupter der parla⸗ arischen Opposition, das Kabinet zu stürzen, da sie erst noch eine ärkung ihrer Partei in den nächsten Juni⸗Wahlen erwarten. Es t ihnen jetzt vor Allem darauf anzukommen, eine scharfe Gränzlinie hen ihrer und der ministeriellen Politik zu ziehen, um so mehr, as Kabinet beflissen gewesen ist, mehrere in das liberale Pro⸗ mn aufgenommene Anträge, wie z. B. die Vermehrung der De⸗ enzahl nach Maßgabe der seit 1830 zugenommenen Bevölkerung, n seinigen zu machen. Die Prinzipien der Unterrichtsfrage bil⸗ ehauptsächlichste Differenz, und wir glauben daher, daß, so wie es das esse des katholischen Ministeriums ist, diese Frage in dieser Session ösung zu bringen, es eine Taktik der Opposition sein wird, die⸗ wenn es irgend thunlich ist, bis auf das nächste Jahr zu ver⸗ „theils um diese Waffe gegen das Kabinet bei den Wahlen in (pand zu behalten, theils um später der Frage eine den liberalen, echte 9 Staatsgewalt schützenden Prinzipien angemessenere Lö⸗ u geben. Das Nähere der Adreß⸗Diskussion zu berühren, würde we⸗ nsprechend sein, da sie sich im Allgemeinen nur auf den nlichen Gemeinplätzen bewegt hat. Nur der wichtige Vorfall Pennung der gemäßigten liberalen Meinung von der extremen Partei ist nein Gegenstand der Verhandlung in der Kammer geworden, als das et bei dieser Veranlassung sämmtlichen Beamten bei Strafe der ung aufgegeben, aus den bestehenden politischen Gesellschaften treten und ihnen den Eintritt in neue für die Zukunft untersagt So wie vorher die katholischen Journale über diesen offenen zwischen den Hauptnüancen der Opposition lauten Jubel ange⸗ hatten, so konnten sich auch einige Minister die naheliegende gthuung nicht versagen, auf diesen Zwiespalt als auf einen Be⸗ der Schwäͤche und der Organisations⸗Unfähigkeit der liberalen ung hinzuweisen. Die Opposition blieb die Antwort nicht 3 und wir glauben, der Vortheil war auf ihrer Die Häupter der parlamentarischen Opposition haben den gehabt, mit einer Fraction offen zu brechen, deren Richtung sie e radikale ansehen. Sie mußten leicht einsehen, daß die ka⸗ he Partei auf einige Zeit von diesem Zwiespalte Vortheil zie⸗ nd das Kabinet dadurch gestärkt werden würde. Aber dagegen eie constitutionelle Opposition an moralischer Kraft gewonnen, s kann ihr nicht mehr der oft gehörte Vorwurf gemacht „daß sie gemeinsame Sache mit der radikalen Partei mache von derselben beherrscher lasse. Mit Recht entgegnete daher 8 liberal n Deputirten auf die Rede eines Ministers: „Wir

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haben den Muth gehabt, uns offen von der extremen Partei zu tren⸗ nen, während Ihr nicht den Muth habt, die Prätensionen Eurer Ul⸗ tras, wie sie sich beim Unterrichtsgesetze ausgesprochen, als solche zu bezeichnen und abzuweisen.“

So eben hat die Abstimmung über das Amendement stattge⸗ funden; 52 haben sich dagegen, 34 dafür erklärt. Diese nicht erwartete Majorität hat das Kabinet, welches die Annahme des Amendements oder dessen Verwerfung mit einer zu geringen Mino⸗ rität fürchtete, dadurch gewonnen, daß es der gemäßigten liberalen Meinung eine neue Konzession machte und durch einen seiner entschie⸗ densten Anhänger ein anderes Amendement vorschlagen ließ, welches mit einiger Veränderung das erste in sich aufnahm, und wonach die Kammer die Erklärung giebt, daß sie es sich angelegen sein lassen werde, den Familienväterndie Garantie zugeben,

daß ihre Kinder eine wahrhaft moralische und religiöse

Erziehung erhielten, und andererseits die Einwirkung der bürgerlichen Gewalt für die Ausübung ihrer Rechte und die Erfüllung ihrer Pflichten zu behaupten. Ein Redner der extremen katholischen Meinung, der in diesem Amende⸗ ment eine nachgiebige Schwäche des Ministeriums sah, hatte dabei die etwas scharf charakterisirende Bemerkung gemacht, daß dies Amen⸗ dement dem Episkopat einen Schlag auf die linke Backe versetze, wäh⸗ rend das von der Opposition vorgeschlagene auf die rechte gerichtet gewesen seir. 1“

111111“““ Schleswig, 22. Nov. Verlöbnisse schritt die Versammlung zur Berathung über die Verfas⸗ sungs⸗Proposition. Der Commissair hatte sich auf nähere Anfrage ganz entfernt, weshalb der Präsident bemerkte, daß, da es demselben freistehe, bei den Berathungen zugegen zu sein oder nicht, so könne die Versammlung auch die zur weiteren Tagesordnung stehende Pro⸗ position vornehmen. Nach der Schluß⸗Berathung über die Verfas⸗ sungs⸗Proposition folgte die Vorberathung über den Anschluß an den deutschen Bund. Die Abgeordneten Jepsen, Nis Lorenzen und Pe⸗ tersen sprachen sich theils dagegen aus, indem der Letzte, der immer die Mitte zu halten sich bemüht, keinen An⸗ schluß an Dänemark wollte, während die beiden Anderen äußerten, wenn Schleswig sich nicht selbstständig erhalten könne, so müsse man sich Dönemark zuwenden. Dagegen trat Thies Steenhold in entschiedener N ise auf, indem er äußerte, daß der Anschluß durchaus im Sinne des Volks in dem nördlichen Schleswig sei. Der Kanzlei⸗Secretair Clausen, Abgeordneter für Hadereleben, wies auf die Petitionen hin, die aus dem nördlichen Schleswig für diese Sache eingekommen wären, und hob hervor, daß es die Sache der Volksvertreter sei, auch einen Blick in die Zukunft des Landes zu thun, und daß eben eine solche Betrachtung die Nothwen⸗ digkeit darlege, daß Schleswig sich einem größeren Staaten-Vereine anschließe. Durch die unauflösliche Verbindung mit Holstein wäre der geschichtliche Weg dem Herzogthume angewiesen, den es zu be⸗

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Kanton Genf. Die Verfassungs⸗Revisions⸗Kom ihr Werk fort; doch dringt von ihren Arbeiten wenig ins Publikum; man behauptet, das Projekt J. Fazy's und seiner Freunde, die Wahl der vollziehenden Gewalt dem General⸗Rath zuzuweisen, finde Anklang; im Großen Rathe aber dürfte es auf einen starken Widerstand stoßen.

Die Revue de Geneve berichtet, daß nun auch der päpstliche Nuntius den Empfang des Schreibens der hiesigen Regierung ange⸗ zeigt habe, somit auch hier die Kanzlei⸗Verbindungen wieder ange⸗ knüpft sind. Die einzigen Kantone, die bisher, außer den sieben Son⸗ derbunds⸗Ständen, das Schreiben der provisorischen Regierung noch nicht erwiedert haben, seien Neuenburg, Graubündten und Appenzell.

Kanton Graubündten. (N. Z. Z.) Auf den 23. November ist der Große Rath zur Fortsetzung seiner ordentlichen Jahressitzung einberusen. Außer verschiedenen anderen Verwaltungs⸗Gegenständen wird derselbe auch die Frage zu berathen und zu entscheiden haben, ob eine unter ausschließlicher Verwaltung und Garantie des Kantons stehende Sparkasse erichtet und beförderlichst ins Leben gerufen wer⸗ den solle. Bereits soll ein Entwurf zu den Statuten einer solchen Anstalt durch eine eigene Kommission ausgearbeitet und dem Kleinen Rathe übergeben worden sein.

x△ Paris, 20. Nov. In der Provinz Gerona haben neuer— dings wieder einzelne Karlistenbanden von 10 bis zu 30 und 40 Köpfen Stärke sich gezeigt. So erfahren wir, daß eine solche am 9ten zu Viladran eingedrungen ist unter den Cabecillas Gras und Carrofa. Sobald die Garnison von Vich davon Kunde erhalten hatte, rückte sie zu ihrer Verfolgung aus. Der General⸗Kommandant der Pro⸗ vinz Gerona hat für angemessen erachtet, energische Maßregeln zu treffen, um der Vermehrung dieser Banden vorzubeugen und sie auszurotten, wo sie wirklich sich gezeigt haben. Er hat zu diesem Ende folgenden Bando erlassen:

Bewohner der Provinz Gerona!

Die karlistischen Ausgewanderten, nicht zufrieden mit den Uebeln, welche sie dem Vaterlande in den sieben Jahren des Bürgerkrieges, den sie hervorgerufen, verursacht haben, versuchen von neuem ihn anzufachen mit allen seinen Schrecken auf dem Boden, wo sie geboren sind; von neuem möchten sie eure Felder verwüstet, eure Häuser gepluüͤndert und in Brand gesteckt, eure Familien verfolgt sehen; von nenem möchten sie, daß euer Reichthum und das Blut eurer Söhne ihren elenden Leidenschaften, ihren Zwecken und Privat⸗Interessen diene, und zu diesem Ende haben sich einige in die Provinz eingeschlichen, welche die treulose Mission haben, zu ihren Unternehmungen diejenigen zu verleiten, welche sich unüberlegt verblen⸗ den lassen durch ihre Falschheit. Ja, ich weiß es, ich kenne sie bei ihren Namen, ich suche sie auf, und kann ich sie festnehmen, so verspreche ich eüch, daß es ihnen weder jetzt noch je gelingen soll, eure Ruhe zu stören, weil das Gesetz an ihnen unerbittlich und ohne Aufschub vollzogen werden wird. Einwohner der Provinz Gerona! Während der Zeit, daß ich die Ehre habe, den Oberbefehl bei euch zu führen, habt ihr meinen Charakter und das Interesse kennen zu lernen vermocht, das ich an eurem Wohlergehen nehme. Mich ausschließlich auf die Erfüllung meiner Pflicht beschränkend, habe ich nichts unterlassen, um euch dieses kostbare Geschenk zu bewahren, das der Himmel den Völkern als Bürgschaft ihrer Prosperität gewährt: den Frieden. Auch jetzt werde ich nichts unterlassen, um ihn euch zu sichern. Die friedlichen Bewohner werden Schutz finden, die Empörer gezüchtigt werden. Ich hege indessen die Zuversicht, daß die Ruhe nicht werde gestört werden, weil die Bemühungen der Böswilligen scheitern werden an eurem geraden Sinn, an eurer Ehrfurcht vor dem Gesetz, an der Gelehrigkeit, mit welcher ihr der Stimme der Autorität Gehör gebt. Aber wenn un⸗ glücklicherweise dem nicht so sein sollte, so will ich bei Zeiten Warnung ergehen lassen. Dem Verbrechen lieber vorbeugen, als es züchtigen, ist meine Maxime, so daß ich von diesem Augenblick an und Gehrauch machend von den außerordentlichen Befugnissen, welche kraft des Ausnahmezustandes mir zustehen,

Anordne und befehle:

Art. 1. Jeder, der mit Verlassung seines Wohnorts sich in die Rei⸗ hen der Rebellion einreiht, um dieselbe mit den Waffen in der Hand zu unterstützen, soll auf der Stelle, wo man seiner habhaft wird, vor die Militair⸗Kommission geführt werden, um dort mündlich gerichtet und abge⸗ urtheilt zu werden, gemäß dem Gesetze vom 7. April 1821 und den in Kraft

Nach der Abstimmung über die Ehe⸗ 6

stehenden Bandos Sr. Excellenz des Herrrk General⸗Capitains. Und zu dem Ende, daß die gerechte Bestrafung des Verbrechens keinen Aufschub erleide, wird die Militair⸗Kommission an dem dazu geeignetsten Punkte, d. i. an dem, wo ich mich befinden sollte, ihren Sitz haben.

Art. 2. Alle jene Hütten oder Landhäuser, welche den Verbrechern eine Zufluchtstätte gewähren oder in irgend einer Art freiwillig ihnen Hülfe leisten sollten, sollen unverzüglich geschlossen, ihre Bewohner an dem am geeigneisten erscheinenden Punkte abgesperrt und das Familienhaupt in Haft genommen werden, um über sein Verhalten vor der Militair⸗Kommission Rechenschaft zu geben. Dasselbe soll geschehen mit den Häusern, die in den Ortschaften selbst den Rebellen Schutz gewähren sollten.

Art. 3. Diejenigen, welche auf die Stimme der Lokal⸗Autorität oder irgend einer anderen Civil⸗ und Militair⸗Autorität nicht eiligst sich stellen, um den ihnen anbefohlenen Dienst zu leisten, oder jene, welche nicht unver⸗ züglich der nächstgelegenen Behörde Kenntniß geben von irgend einem Be⸗ gebnisse, das vor ihren Augen sich ereignet, werden angesehen werden, als gewährten sie der Rebellion Schutz, und sollen deshalb verhaftet und durch die Militair⸗Kommission abgeurtheilt werden.

Art. 4. Die Lokal⸗, Civil⸗ und Militair Behörden, die Commissaire und Aufseher für öffentlichen Schutz und Sicherheit, die Chefs von Ko⸗ lonnen, Streif⸗Corps und Runden sind beauftragt, für pünktlichen und ge⸗ nauen Vollzug dieser Verfügungen zu sorgen, unter der strengsten Verant⸗ wortlichkeit, die ich unnachsichtlich gegen sie in Anspruch nehmen werde im Falle der Unterlassung oder Nachlässigkeit.

Art. 5. Zugleich beauftrage ich dieselben Behörden und Chefs der bewaffneten Macht, daß sie Schutz gewähren und die Hülse leisten, welche die Umstände für die friedlichen und dem Gesetze folgsamen Bewohner an⸗ gemessen machen sollten.

Grerona, 13. November 1846.

8 (Gez.) Der General⸗Kommandant Ramon de la Rocha. Indeß stimmen alle zu Gerona sowohl als Barcelona von den Be⸗ hörden in der Provinz einlaufenden Berichte überein in der Versiche⸗ rung, daß es den Karlisten weder jetzt, noch später gelingen werde, etwas Ernstliches in Catalonien zu unternehmen.

Ostindien und China.

Pearis, 21. Nov. Das Dampfboot „Luxor“, welches Alexan⸗ drien am 11ten d. M. verlassen hat, ist am 18ten in Marseille mit Nachrichten aus Ostindien bis zur Mitte Oktober angekommen. Der Aufstand in Kaschmir, dem Theile des Pendschab, welcher bekanntlich Gulab Singh abgetreten ist, scheint einen sehr ernstlichen Charakter angenommen zu haben und wird wahrscheinlich die Engländer zu einem neuen Kriege mit den Seikhs nöthigen. Die englischen Truppen, welche in den westlichen Provinzen kantonnirten, haben bereits Befehl erhalten, dem Maharadschah Gulab Singh zu Hülfe zu rücken, da dessen Soldaten theils desertirt, theils in verschiedenen Gefechten ge⸗ gen die Insurgenten niedergemacht worden waren. Die ihm zugesand⸗ ten englischen Verstärkungen bestanden aus dem 12ten, 27sten, 42sten und 45sten eingeborenen Infanterie⸗-Regiment end dem 80sten der Königin, welche direkt nach Kaschmir zogen. Sechs andere eingeborene Corps und zwei englische Regimenter von Dschullundur sollen sich mit den erste⸗ ren vereinigen und den Scheich Emamudin, der sich in den Bergen von Huripurwut stark verschanzt hat, angreifen. In Kaschmir war übrigens eine große Menge Schnee gefallen, so daß es zweifelhaft ist, ob die von Lahore abgeschickten Truppen ihren Marsch werden fortsetzen können. Die Cholera richtete in Persien große Verhee⸗ rungen an.

Aus China gehen die Nachrichten bis zum 3. September von Hongkong, die indeß nichts von Bedeutung melden. Tschusan war den Chinesen übergeben; die Unruhen in Canton haben sich nicht er⸗ neuert, obgleich noch große Besorgniß unter den europäischen Kauf⸗ leuten herrschte.

Eisenbahnen.

Breslau, 23. Nov. (Schl. Ztg.) Heute Nachmittag fand eine Versammlung des Direktoriums der Neisse⸗Brieger Eisenbahn statt. Der schon mehrfach erwähnte Protest der berliner Actionaire war nicht eingegangen. Die Einzahlungen sind bis ungefähr auf ein Achtel sämmtlich gemacht worden. Das Direktorium beschloß, die noch rückstehenden Einzahlungen nebst der statutenmäßigen Conventional⸗ Strafe 2 Rthlr. pro Actie einzuziehen. Die von Brieg aus bis Boesdorf, eine Meile vor Neisse, fast fertige Strecke soll vollends in Stand gesetzt werden, so daß die Bahn zum Frühjahr befahren wer⸗ den kann; die Strecke von Boeodorf bis Neisse wird erst dann ge⸗ baut, wenn die Entscheidung des Kriegs⸗Ministeriums über die Lage des neisser Bahnhofes eingegangen sein wird.

Ludwigslust, 21. Nov. (H. C.) Vom 15. Dezember an wird auf der dann gänzlich vollendeten Berlin⸗Hamburger Eisenbahn nach folgendem Plane gefahren werden. Hauptzüge: Aus Berlin Uhr Morgens, durch Ludwigslust Uhr Nachmittags, Hagenow 2 ¼½ Uhr Nachmittags, Boitzenburg 3 ¼ Uhr Nachmittags, in Hamburg 5 ¼ Uhr Nachmittags. Aus Hamburg 7 Uhr Morgens, durch Boitzenburg 9 Uhr Morgens, Hagenow 10 Uhr Morgens, Ludwigs⸗ lust 10 ½ Uhr Morgens, in Berlin 4 ½ Uhr Nachmittags. Zwischen⸗ züge: Aus Wittenberge 6 Uhr Morgens, durch Ludwigslust 7 ¼ Uhr Morgens, Hagenow 7 ¾ Uhr Morgens, Boitzenburg 9 Uhr Morgens, in Hamburg 11 Uhr Morgens. Aus Hamburg 2 ½ Uhr Nachmittags, durch Boitzenburg 4 ½ Uhr Nachmittags, durch Hagenow 5 ¾ Uhr Nachmittags, durch Ludwigs⸗ lust 6 ½ Uhr Nachmittags, in Wittenberge 8 Uhr Abends. Außer⸗ dem werden Zwischenzüge zwischen Berlin und Wittenberge eingerich⸗ tet werden, und zwar: aus Berlin 3 ¼ Uhr Nachmittags, in Witten⸗ berge 6 ¾ Uhr Abends; aus Wittenberge 6 ½ Uhr Morgens, in Ber⸗ lin 10 ½ Uhr Vormittags. Die Fahrpreise sind folgende: Berlin⸗ Hamburg (preuß. Court.) 7 Rthlr. 15 Sgr., 5 Rthlr., 3 Rthlr.; Berlin⸗Wittenberge 3 Rthlr. 9 Sgr., 2 Rthlr. 5 Sgr., 1 Rthlr. 9 Sgr.; Berlin⸗Grabow 4 Rthlr. 9 Sgr., 2 Rthlr. 24 Sgr., 1 Rthlr. 21 Sgr. (N. * 3 Rthlr. 37 Sch., 2 Rthlr. 22 Sch., 1 Rihlr. 23 Sch.); Berlin⸗Ludwigslust 4 Rthlr. 15 Sgr., 2 Rthlr. 28 Sgr., 1 Rthlr. 23 Sgr. (N* 3 Rthlr. 45 Sch., 2 Rthlr. 27 Sch., 1 Rthlr. 26 Schilling); Berlin⸗Hagenow 5 Rthlr. 1 Sgr., 3 Rthlr. 10 Sgr., 2 Rthlr. (Nz. 4 Rthlr. 20 Schilling, 2 Rthlr. 43 Sch., 1 Rthlr. 35 Sch.); Berlin⸗Boitzenburg 5 Rthlr. 25 Sgr., 3 Rthlr. 27 Sgr., 2 Rthlr. 9 Sgr. (Nꝛ 5 Rthlr. 7 Schilling, 3 Rthlr. 20 Schilling, 2 Rthlr.); Hamburg⸗Boitzenburg (Hamb. Cour.) 4 Mark 2 Schilling, 2 Mark 12 Schilling, 1 Mark 13 Schilling (N⸗* 1 Rthlr. 21 Schil⸗ ling, 46 Schilling, 30 Schilling); Hamburg⸗Hagenow 6 Mark 3 Schilling, 4 Mark 4 Schilling, 2 Mark 10 Schilling (N⸗* 2 Rthlr. 8 Schilling, 1 Rthlr. 24 Schilling, 44 Schilling); Hamburg⸗Ludwigs⸗ lust 7 Mark 8 Schilling, 5 Mark 3 Schilling, 3 Mark 2 Schilling (Nz 2 Rthlr. 20 Schilling, 1 Rthlr. 39 Schilling, 1 Rthlr. 4 Schil⸗ ling); Hamburg⸗-Grabow 8 Mark, 5 Mark 8 Schilling, 3 Mark 5 Schilling (N⸗ 2 Rthlr. 39 Schilling, 1 Rthlr. 45 Schilling, 1 Rthlr. 7 Schilling); Hamburg⸗Wittenberge 10 Mark 8 Schilling, 7 Mark 2 Schilling, 4 Mark 5 Schilling; Hamburg⸗Berlin 18 Mark 12 Schilling, 12 Mark 8 Schilling, 7 Mark 8 Schilling.

Mailand. (Mail. Ztg.) Auf einer vor kurzem hier ab⸗ gehaltenen General⸗-Versammlung der Actionaire der Mailand⸗Como⸗ Eisenbahn vereinigte man sich über die einzuschlagende Richtung da