klagen, nachdem dieselben durch die Juli⸗Revolution und ihre Folgen einen so bedeutenden Riß erhalten. Die Presse will dies nicht wahr haben: Frankreich habe 1830 nur seine inneren Angelegenhei⸗ ten umgestaltet, und Niemand habe ein Recht gehabt, sich darein zu mischen; was aber Belgien betreffe, so habe dieses das Werk der wiener Verträge, insofern sie auf dieses Land sich bezogen, mit Zu⸗ stimmung aller Mächte umgestoßen, die bei diesen Verträgen mitge⸗ wirkt. Am Schluß ihrer Betrachtungen ist die Presse übrigens der Meinung, daß, wenn eine Protestation gegen die Maßregel in Be⸗ treff Krakau's geschehen sollte, dieselbe nicht blos von Frank⸗ reich und England, sondern von den fünf Mächten zusammen ausge⸗ hen müßte, die mit den drei Schutzmächten Krakau's zusammen das Comité der acht gebildet, von denen die Akte vom 9. Juni 1815 unterzeichnet worden. Der Constitutionnel dagegen will wissen, daß Lord Palmerston bereits für England allein protestirt habe.
Die Nachricht von der Mission des Herrn Schwartzer, Redac⸗ teurs der Blätter des österreichischen Lloyds, im Interesse der Be⸗ förderung der indischen Post, veranlaßt das Journal des Débats, welches sehr bemüht ist, Frankreich diesen Transit zuzuwenden, zu folgenden Bemerkungen: „Wir begreifen vollkommen das Gevicht, welches Deutschland darauf legt, daß der Verkehr Englands mit Indien durch dieses Land gehe; aber wir bleiben bei der Ueberzeugung, daß der Weg über Marseille der kürzeste ist, selbst bei dem gegenwärtigen Stand der Dinge, nämlich ohne Hülfe der Eisenbahnen. Die letzte Reise hat dies schon bewiesen, und wir hoffen, die weiteren Versuche werden es unwiderlegbar darthun. Ganz ungewöhnliche Hindernisse auf dem französischen Wege, wie die Ueberschwemmungen, haben den Courier von Marseille nicht abgehalten, seinem triester Konkurrenten, der solchen Hindernissen in Tyrol, Steyermark und Bayern nicht be⸗ gegnet ist, um Vieles zuvorzukommen. Um die Hindernisse des deut⸗ schen Weges zu beurtheilen, muß man die schlechte Jahreszeit in den Gebirgen abwarten.“
Der Marquis von Larochejacquelin hat sich wegen seines Lotte⸗ rieplanes zum Besten der überschwemmten Departements von neuem an das Ministerium gewendet und denselben bis zur Uebereinstimmung mit dem Wortlaute der Gesetze modifizirt. Es sollen nämlich jetzt keine Geldgewinne, sondern dergleichen in Juwelen und anderen Sachen ausgesetzt werden, wobei die Verbindlichkeit der Zurücknahme zu den ihnen beigesetzten Werthen aufgestellt werden würde. Der Marquis glaubt, daß die bereits mehreren Verloosungen von Sachen im Wohlthätigkeits⸗Interesse gewährte Erlaubniß auch die für seinen Plan nach sich ziehen müsse.
Obgleich sich die Nachricht bestätigt, daß die Regierung einen
Vertrag zu einer transatlantischen Verbindung zwischen Havre und New⸗York eingegangen, und daß dazu ein Dampfschiff von 450 Pferdekraft auf 10 Jahre bewilligt, ist die Eröffnung dieser Verbin⸗ dung doch noch lange ausgesetzt, weil der Vertrag der Billigung der Kammer bedarf.
Der Kriegs⸗Minister hat dem Ober⸗Befehlshaber der 7ten Mi⸗ litair⸗Division die Weisung ertheilt, 50 Bagagewagen und 200 Pferde nach Marseille abgehen zu lassen, um Getraide nach Lyon zu beför⸗ dern, welches auf der Rhone des hohen Frachtpreises wegen nicht verladen werden kann.
Der englische Romandichter Dickens ist von einer Reise durch
ddie Schweiz hier eingetroffen.
Die Akademie der schönen Künste hat gestern Herrn Duchatel an die Stelle des Grafen von Simeon zu ihrem Mitgliede gewählt.
Vor einigen Tagen sind die sterblichen Ueberreste Cherubini's, welche seit seinem Tode, den 15. März 1842, auf dem Friedhofe des Pere Lachaise vorläufig beigesetzt waren, in das ihm neu errichtete Grabmal neben dem Abbé Delille, Fourcroy, Chenier, Gretry und Mehul gebracht worden.
Am 12. November haben 47 Bettler unter der Leitung eines der Ihrigen, den sie zum Haupmann ernannten, verschiedene Gemein⸗ den des Bezirks Nogent⸗le⸗Rotrou durchzogen, alle Meierhöfe, in welche sie mit Gewalt eindrangen, gebrandschatzt und den Eigen⸗ thümern gedroht, nächstens in weit größerer Anzahl zurückzukommen. Vor acht Tagen erschienen sie, 80 an der Zahl, bei dem Maire der Gemeinde Montigny und brachen ebenfalls in Drohungen aller Art aus. Mehrere Brigaden Gendarmerie wurden zu ihrer Versolgung abgesandt.
Dieser Tage trugen mehrere Actionaire der Epoque und einige der Gläubiger derselben beim Civilgerichte auf Bestellung eines ver⸗ pflichteten Geschäftsführers für die Unternehmung an, weil der Käu⸗ fer des Blattes, Herr Deville, zu dem anberaumten Termine die 262,500 Fr. Kaufpreis nicht gezahlt hatte. Es wurde ihm zuletzt eine Frist von 20 Tagen bewilligt. “
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*. Paris, 22. Nov. Es wird jetzt gewaltig viel Dinte ver⸗ gossen und Druckerschwärze verbraucht, um alle die heldenmüthigen Artikel in die Welt zu senden, welche die französischen Journale, de⸗ nen nach der eingetretenen fast völligen Erschöpfung der Streitfrage
1400
über die spanische Vermählungsfrage der Stoff bereits zu mangeln begann, tagtäglich ihren Lesern zum Besten geben in Betreff der Vereinigung Krakau's und seines Gebiets mit Oesterreich. Die voll⸗ brachte Thatsache läßt sich dadurch freilich nicht abändern, aber man gewinnt dabei doch wenigstens so viel, auf etwa 8 oder 14 Tage wieder einen Gegenstand zu haben, über welchen man seiner Imagi⸗ nation vollen freien Lauf lassen kann. Ob es klug gethan ist, wenn ein sonst in der Regel so vorsichtiges und zurückhaltendes Blatt, als das Journal des Débats, wie 1840 nach dem londoner Vertrage vom 15. Juli und neuerlich erst wieder bei einigen Anlässen, nament⸗ lich den Ereignissen in Portugal, so auch jetzt den gewohnten Pfad ruhiger Mäßigung und leidenschaftloser Abwägung der Thatsachen verläßt, vielmehr in dieselben Extravaganzen verfällt, wie die ra⸗ dikalen und revolutionairen Blätter, kann man dem Urtheile jedes Unbefangenen anheimstellen. Durch Aufregung der Leidenschaften, zu welcher das Journal des Débats jetzt vollauf mitzuwirken be⸗ müht ist, kann sicher das große Interesse des Friedens, in welchem auch die Krakau betreffende Maßregel von den drei Schutzmächten endlich gefaßt wurde und gefaßt werden mußte, nichts gewinnen, und diesen Frieden zu erhalten, liegt unzweifelhaft eben so sehr im Interesse Frankreichs und vielleicht noch mehr, als in dem irgend einer anderen Macht. Nur die revolutionairen Parteien in Frankreich können den Krieg wollen, und wenn diese bei jeder Gelegenheit darauf hinarbei⸗ ten, das Feuer zu schüren, bis es einmal zu blutigen Flammen auf⸗ schlage, in welchen sie die Morgenröthe für Verwirklichung aller ihrer Hoffnungen erblicken, so kann dies Niemanden befremden. Von ihrer Seite ist es vollkommen Ernst, wenn sie stets von neuem auf dieses Thema zurückkommen. Die Interessen, welche das Journal des Débats vertritt, und welche sehr vielseitig sind, wären aber die ersten, welche den Gegenschlag fühlen würden, gelänge je den Revo⸗ lutionairen die Erreichung ihrer Zwecke. Darüber hat das Journal des Débats gewiß selber nicht den geringsten Zweifel. Sicher wird sich kein ruhiger Beobachter der Begebnisse durch die Sprache des Journal des Déöbats zu der Meinung verleiten lassen, als sei es ihm Ernst damit, wenn es sogar, mit den radikalen Blättern über⸗ einstimmend, die Frage der Rheingränze wieder in Anregung bringt. In Frankreich mag es gutmüthige Seelen geben, die sich dadurch irre führen lassen, schwerlich außerhalb Frankreichs. Daß im Grunde diese Idee noch immer in sehr vielen, ja den meisten französischen Köpfen spukt und selbst durch die Begebnisse von 1840 nicht besei⸗ tigt worden ist, ist allerdings denen, die Land und Volk Frankreichs genauer kennen, als durch oberflächliche Anschauung, unzweifelhaft, und dieses Faktum sollte auf der anderen Seite des Rheins niemals vergessen werden; aber nicht weniger gewiß ist auch, daß die Schreier bis jetzt noch selbst nicht an die Möglichkeit der Realisirung ihrer Ideen glauben. Nur wenn neue innere Stürme in Folge äußerer oder innerer Anlässe über Frankreich je wieder hereinbrechen sollten, würde die kriegslustige Partei auch versuchen, Hand ans Werk zu legen. Denn von ihr kann man mit vollem Rechte sagen: sie hat nichts ge⸗ lernt und nichts vergessen; aber sie würde auch zu spät die Erfah⸗ rung machen, daß die Zeiten vorüber sind, wo man auf ben Zwie⸗ spalt der Nachbarn seine Stärke baute. Ein bemerkenswerther Um⸗ stand, der am besten zeigt, worauf sich das ganze Handeln der Kabi⸗ nette von Paris und London in der krakauer Angelegenheit beschrän⸗ ken dürfte, ist die Haltung der englischen und der französischen Mini⸗ sterialblätter; auf beiden Seiten des Kanals machen dieselben viel Lärm, aber auf beiden Seiten enthält man sich auch wohlweislich, ein bestimmtes Verlangen zu äußern. Das Jour⸗ nal des Débats wartet ab, was die Morning Chronicle oder die Times sagen wird, und diese beiden befolgen wieder die⸗ selbe abwartende Taktik; viel Declamation auf beiden Seiten, nir⸗ gends bestimmte Anträge, gegenseitig ist vielmehr das Bestreben un⸗ verkennbar, sich die Initiative darin zuzuschieben. Man streitet sich darüber herum, ob England oder Frankreich dabei mehr interessirt, ob das Ministerium Guizot oder das des Lord Palmerston in grö⸗ ßere Verlegenheit versetzt sei, und aus allem dem geht nur das Ein⸗ zige als sicher hervor, daß man weder diesseits noch jenseits weiß, wie man sich am besten herausziehen solle, ohne sich allzu sehr bloßzustellen und das Unkluge der früher, namentlich von Lord Palmerston über die Vorgänge in Galizien geführten Sprache in allzu grellem Lichte erscheinen zu lassen. Darin liegt auch eine entschiedene Bürgschaft für die Zukunft, und dies wurde von denen, welche bei Aufrechthaltung des Staats⸗Kredits durch Bewahrung des allgemeinen Friedens zunächst betheiligt sind, mit richtigem Blicke bald erkannt. Daher erklärt sich, daß der augenblickliche Schrecken an der Börse, welcher selbst die französischen Staatspapiere anfangs zum Weichen gebracht hatte, so schnell vorüberging; gestern schon trat wieder Neigung zum Steigen ein. Die Spekulanten haben allerdings jenen Moment der ersten Bestürzung in ihrem Interesse auszubeuten
gewußt.
— . .
Großbritanien und Irland.
London, 21. Nov. Heute Mittag fand der gestern von; John Russell berufene Minister⸗Rath statt, welchem alle hier an⸗ senden Kabinets⸗Mitglieder beiwohnten.
Die beabsichtigte Expedition des General Flores nach Ecun zu welcher derselbe in England und Irland in ausgedehntem N. Truppen warb, hat hier einen schlechten Erfolg gehabt. Vorgez Abends begab sich, wie die Times meldet, der Ober⸗Zollwath Herr Forsyth, in Begleitung mehrerer Unterbeamten, an Bord vor Gravesend liegenden Schiffes „Glenelg“, welches zu der Eng tion des Generals gehört, und konsiszirte dasselbe im Namen Regierung wegen Verletzung der Gesetze gegen Rekrutirung Ausrüstung für den Dienst des Auslandes. Cestern Morgen folgte dieselbe Prozedur mit den Dampfschiffen „Monarch“ „Neptun“, welche ebenfalls zu der Ecuador⸗Expedition gehören in den ostindischen Docks bei Blackwall liegen. Kurz vor der; schlagnahme des „Glenelg“ waren 250 geworbene Leute an Bord geh worden, die als Matrosen und Marine⸗Soldaten Dienst verrichten se Der „Glenelg“ ist ein schönes Schiff von 1200 Tons und p früher im ostindischen Handel verwendet; von den beiden Damfse fen, welche bis vor kurzem Eigenthum der General⸗Dampfschifffa Gesellschaft waren, ist früher der „Monarch“ für die Fahrt Leith und der „Neptun“ für die Fahrt nach Hamburg benutzt war Es heißt, Herr Forsyth besitze so genaue Beweisstücke über die stimmung der Schiffe, daß dieselben ohne Zweifel als der Kromg fallen von den Gerichten werden verurtheilt werden.
Die ministeriellen Whigblätter haben in der krakauer Angel heit noch nicht das Wort genommen, und nur beiläufig sinden in sich einige Bemerkungen bei Gelegenheit der Aeußerungen der zösischen Blätter über das Faktum. So giebt der Globe eine Zusammenstellung der Erklärungen des Journal des! bats und der Epoque, stellt aber dabei diese Blätter als O) der französischen Regierung mit ihren eifrigen Protesten gega Einverleibung Krakau's in die österreichische Monarchie n lächerliches Licht, da sich, wie das englische Blatt heheu tet, dahinter nur das Bestreben verberge, das alte Venäl niß mit England, welches die Montpensier⸗Heirath unttigce habe, wiederherzustellen. „Daß Frankreich“, schreibt der Gid „mit den drei Mächten im geheimen Einverständniß hinsichtlih Besitznahme Krakau's gewesen ist, hat sich nicht bestätigt, wenn dem offiziellen Artikel im Journal des Débats glauben. Preis eines solchen Bündnisses ist höher, als ihn Herr Guizot zahlen kann, und nachdem er erkannt hat, daß es ihm unmöglich worden ist, mit neuen Freunden auf derselben Stelle sich niede lassen, so klopft er wieder an die Thür seines alten Gefährten begehrt Einlaß.“ Aber dieser Einlaß, giebt der Globe zu we hen, dürfte jetzt schwer zu erhalten sein, denn wenn das Joum des Débats gegen eine Verletzung des wiener Traktats dellun wenn es behauptet, die drei Mächte hätten zuerst England undäa reich mit zu Rathe ziehen müssen, und es erwachse, da dies nichg schehen, für Europa nicht so sehr aus dem Incorporationsakt set als vielmehr aus der Behandlung der Prinzipienfrage, große Gest so sei nur zu wünschen — sagt der Globe — das französische B. hätte eine eben solche Ansicht der Dinge auch bei der Gelegene der Heirath des Herzogs von Montpensier an den Tag gele „Eines von den Argumenten“, heißt es, „welche man damals ge uns erhob, bestand darin, daß wir so viel Geschrei um eine St— machten, die keine ernstlichen Resultate haben könnte, aber nichts v lautete vom Prinzip. Nun aber ist mit einemmal das Prinziy Hauptsache, und das Journal des Débats fordert Lord Pal ston auf, seine hinsichtlich der Unabhängigkeit Krakau's übernomm Verbindlichkeiten zu erfüllen; das Recht, sagt das Journal Débats, dürfe nicht verletzt werden. Gewiß nicht. Aber wenn Journal des Débats so bemüht um die Aufrechthaltung d Rechts ist, warum hat es denn die Verletzung des Vertrags Utrecht bei der Heirath des Herzogs von Montpenfier w theidigt, selbst vorausgesetzt, die Folgen derselben wie wirklich nicht so ernstlich, was wir indeß nicht zugeben Auf die Behauptung der übrigen französischen Blätter, „die unib— legte Politik Lord Palmerston's“ sei Schuld, daß das Einvernehr Frankreichs und Englands gestört und Krakau einverleibt me den wäre, erwiedert der Globe, gerade umgekehrt, „die unübe legte Politik des Herrn Guizot“ habe dies bewirkt, und daß d. richtig sei, beweise das Journal des Débats selbst, wenn h kläre, daß das Prinzip aufrecht erhalten werden müsse. „Di fen zösische Regierung befindet sich in einer ungereimten Lage; sie nül zuerst das Prinzip in ihren Beziehungen zu England nicht respei und suchte bei anderen Mächten Beistand zu ihrem Widerstn Dieser Beistand wird verweigert oder vielleicht unter Bedingun zugesagt, welche der herrschenden Dynastie fatal sind, und jetzt ler sie nun zu uns, nicht um ihren Irrthum einzugestehen, sondem!
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logen das Luxemburgum Romanum von Alex. Wiltheim bezeichnet, dessen Unwissenheit sich in vielen Beispielen zeigt. Hierauf sieht sich der Verfasser genöthigt, den Streit über Gesonia und Geusen, den er selbst einen uner⸗ quicklichen, unfruchtbaren genannt hat, um Herrn Dederich's willen noch einmal aufzunehmen, und schließt dann mit den von Janssen herausgegebe⸗ nen römischen Alterthümern in Seeland. Auf Einzelnes, wie über den ge⸗ lehrten Exkurs über Britones und Bistones (S. 67 ff.), können wir hier nicht eingehen, aber es sind fruchtbare Andeutungen in Menge vorhanden. Der Abdruck eines leidener Fragments, geographischen Inhalts, dessen künftige Erläuterung Lersch verspricht, macht den Schluß der ersten Ab⸗ theilung.
b Ucer den Monumenten, deren Beschreibung und Erläuterung die zweite Abtheilung bilden, hat Chassot von Florancourt den Torso einer weiblichen Figur im Museum zu Trier als den Torso einer Amazone gedeutet und ein Reliefbild nach dem Vorgange Alex. Wiltheim's als das einer Diana unter den Buchen. Die erstere Erklärung dünkt uns etwas gewagt zu sein. Eine geschmackvolle Gelehrsamkeit aber bemerken wir in der Beschreibung eines Elfenbein⸗Reliefs im agachener Münster und einer Sandstein⸗Herme von Lechenich bei Bonn. Beide Aufsätze rühren wieder von Lersch her, der in dem ersten die Isis und ihr heiliges Schiff, in der zweiten einen Jupiter Ammon erkannt hat, und erinnern an die glücklichen Auslegungen Böttiger's, der — was von Herrn Lersch nicht erwähnt ist — über die Verehrung der Isis in Rom und ihre Heiligthümer zuerst in der Sabina (S. 159, 227, 232 ff. u. a. verschiedene Stellen des ersten Theils) und dann in der Urania vom Jahre 1823 S. 22 — 42 gesprochen hat. Für des Verfassers Ansicht über die Vorstellung des Isisschiffes sprechen auch die christlich⸗katholischen Gebräuche zu Aachen im Jahre 1133, wo ein heiliges Schiff, auf Rädern ruhend, vom Cornelius⸗Münster nach Aachen und Mastricht von vorgespannten Menschen gezogen worden ist. Mit Glück hat Simrock an Seb. Brant's Narrenschiff erinnert und Lersch diese Aufzüge in Verbindung mit karnevalartigen Lustbarkeiten gebracht. Ob er aber auch mit dem phantasiereichen Herrn Müller in Carneval kein carne vale, sondern ein Carnaval oder char naval, ein Landschiff, erkennen dürfte, lassen wir zur Zeit dahingestellt sein. In den folgenden Aufsätzen ver⸗ muthet Otto Jahn auf einem etruskischen Sarkophage aus Mannheim eine Darstellung aus der Geschichte der Hypermnestra und des Lynkeus, und Urlichs erläutert bei Gelegenheit römischer Grabdenkmale in Bonn durch schätzbare Mittheilungen die Geschichte der einundzwanzigsten römischen Le⸗ gion, woran sich die Angabe des neuesten Zuwachses, welchen das König⸗ liche Museum in Bonn erhalten hat, anschließt, und die lebendige Be⸗
schreibung einer sehr zierlichen Bronze aus Köln, die einen Amor auf einer Weltkugel darstellt. Alle diese Abschnitte sind mit guten Lithogra⸗ phieen der besprochenen Gegenstände zum großen Vortheile der Leser aus⸗ gestattet.
In der dritten Abtheilung: Literatur, beurtheilt Düntzer Steininger’'s Geschichte der Trevirer und Schneemann's Abhandlung de rebus Trevero- rum und bereichert beide mit sprachlichen und sachlichen Anmerkungen. Bei den ersteren erinnern wir noch, daß Düntzer und Schneemann die Form Treveri billigen, während Steininger das Volk Treviri nennt, wie ein in solchen Dingen höchst genauer Philologe, C. E. Chr. Schneider, zu Caesar. de bell. Gallic. IJ. 37 auch geschrieben wissen will, da die hand⸗ schriftlichen Angaben bei Cäsar sehr schwanken. Freilich hat er die Auto⸗ rität der Inschristen (m. s. Lersch Central⸗Museum rhein. Inschriften III. S. 2 f.) dabei nicht berücksichtigt. Eine zweite Abhandlung von J. Freu⸗ denberg über einige Schriften zur Straßen⸗ und Wegekunde der Römer in den Rhein⸗ und Maingegenden beleuchtet einzelne Stellen der Peutinger⸗ schen Tafel mit jener Klarheit, welche den Schriften dieses Philologen eigen zu sein pflegt. Zwei Antikritiken, Cäsar am Rhein gegen Heirm. Müller von Dederich und Geseniacum von Osane gegen Dederich, müssen wir jetzt unerwähnt lassen, eben so die in der vierten Abtheilung gesammelten Miscellen.
Die fünste und letzte Abtheilung betrifft die Chronik des Vereins, aus der wir mit Theilnahme die zunehmende Blüthe desselben und die gesteigerte Zahl der Mitglieder (jetzt 12 Ehrenmitglieder, 204 ordentliche, 5 außeror⸗ dentliche) ersehen, wie uns denn auch anderweitig bekannt geworden ist, daß durch gute Verwaltung die Geldmittel des Vereins zu allen nöthigen Aus⸗ aben hinreichen. Es enthält aber diese Chronik am Schlusse die wichtige Rachricht, daß es dem Vorstande des Vereins jetzt nicht mehr nothwendig erschiene, die Bestrebungen desselben auf ein engeres Gebiet zu beschränken. „Es ist vielmehr“, so fährt Herr Urlichs im Namen des Vorstandes fort, „unsere Absicht, von jetzt an auch die Kunst⸗Denkmäler des Mittelalters in den Kreis unserer Forschungen aufzunehmen. Die Ufer des Rheins und seiner Nebenflüsse sind mit einem Kranze der herrlichsten Gebäude bedeckt; von Werken der übrigen Kunstzweige sind viele in größeren Sammlungen zugänglich, manche noch in Privathäusern und abgelegenen Gegenden ver⸗ borgen. Reich ist die Saat, und der kundigen Schnitter giebt es in unse⸗ ren Landen nicht wenige. Sie Alle werden freundlich eingeladen, Hand an das Werk zu legen. Gleich das nächste Heft, dessen Druck wir noch in diesem Jahre zu bewerkstelligen hoffen, wird neben den Denkmälern des Al⸗
terthums auch mittelalterliche Gegenstände behandeln und von nun an
Namen des Rechts und Prinzips zu Hülfe zu rufen, was, wie Epoque sogar noch dazu bemerkt, Christenpflicht sei. Wir kön⸗ dem Journal des Débats versichern“, schließt der Globe, aß wir recht gut wissen, was Recht ist, und daß unsere Regierung h danach handeln wird. Aber wenn wir in unserem gerechten rger die Waffen brauchen wollten, deren man sich gegen uns be⸗ it, eine wie schreckliche Rache könnten wir nehmen an der Dop⸗ güngigkeit unserer Nachbarn und an ihrer Abweichung vom Prinzip.“ Zur Befestigung von Guernsey und zur Verbesserung der dorti⸗ Hafenplätze sollen nach dem Guernsey Star 500,000 Pfd. St. der Regierung bestimmt sein. 8 Die Times erklärt sich für Herabsetzung der Theezölle, ein gu⸗ Omen für den neu gebildeten Verein, der es sich bekanntlich zum se gesetzt hat, diese Zoll⸗Ermäßigung zu erlangen
Gelgien.
Brüssel, 23. Nov. Folgendes ist der Schluß der (gestern nebrochenen) Adreß⸗Verhandlungen in der Repräsentanten⸗Kammer: Graf von Merode: Jeder genieße in Belgien der vollkommensten ibeit, keine Freiheit werde durch die Regierung bedroht, da sie alle gleich e; allein die Meinung, die sich angeblich „die liberale“ nenne, sei es
de welche keine andere Freiheit gelten lasse, als die von ihr geübt werde,
n mache der Regierung den Vorwurf, daß sie sich in die Vereinbarun⸗
der Bischöfe mit den Gemeinderäthen nicht mische; die Bischöfe ver⸗
aien nur, wozu sie berechtigt seien, sie wollten den Jugend⸗Unterricht so boffen, daß er die Menschen zum Heil führe und jene religiösen Gefühle icht halte, welche zum Glück ihrer Väter gereicht. Weltliche Erziehung er gelten, wenn die Vorsteher und Lehrer einer Anstalt religiöse Ueber⸗ gungen hätten, nicht aber könne er einer Anstalt Vertrauen schenken, wo waehrer nicht diese Eigenschaft besäßen. Mithin wären die Bischöfe in
Rechte, ihre Mitwirkung solchen Anstalten zu entziehen, deren Lehrer
n keine Garantie böten. Die Opposiition sei nicht berechtigt, den Bi⸗ ffen hierin Vorschriften zu machen; Letztere würden im Gegentheil gegen
Pflicht fehlen, schenkten sie Anstalten ihre Mitwirkung, die kein Ver⸗
gen verdienten. Die Bildung des jetzigen Ministeriums anlangend, so
es dadurch ein exklusives, weil die Nothwendigkeit es so geboten; die
jorität habe ausschließlich die Regierung bilden müssen, weil die Mi⸗ ütät es nicht anders gewollt. Ob die Liberalen, wie Herr Lebeau glaube,
ukunft siegen würden, werde sich zeigen, es freue ihn aber, mit Herrn
au in einem Punkte, nämlich in seinem Urtheil über Pius IX., über⸗ simmen zu können.
Herr Verhaegen griff darauf sehr lebhaft das Ministerium an.
rst spottete er der Behauptungen des Finanz⸗Ministers Malou,
gesagt hatte, die jetzige Stärke des Ministeriums entspringe nehmlich aus der Spaltung der Liberalen. Das Ministerium
Fpfe also seine Kraft nicht aus sich selbst, sondern aus der an⸗ lichen Schwäche seiner Gegner! Diese Kraft würde also gleich wieder
inden, sobald seine Gegner sich wieder verbänden? Uebrigens über⸗ be man die Bedeutung einer Spaltung, welche die Kraft des Liberalis⸗
s um nichts schwäche. Das Ministerium scheine den Satz Macchiavell's üͤtzen zu wollen, „daß man, um besser zu regieren, Trennungen erzeu⸗
müsse.“ Ginge aber in Frankreich bei Fragen allgemeinen Interesses ht die äußerste Linke mit dem linken Centrum Hand in Hand? Die libe⸗ Partei habe gerade durch ihre Sonderung in zwei Parteien ihre Stel⸗
ggewahrt und dem Lande einen Dienst geleistet; werde die katholische nses auch wagen, den extemen Forderungen der Ihrigen entgegenzu ⸗
n Werde man wagen, den Uebergriffen des Episkopats Schranken zu
n? Nein, dies werde man nicht, da man ein serviles Werkzeug des
us sei. (Herr Garcia ruft zur Ordnung: Es sei nicht zu dulden, man die Majorität so angreife, die eben so unabhängig wie Herr Ver⸗ gen sei.) Er wiederhole, die katholische Partei wage nicht, sich von ih⸗
Ultras zu trennen, man sehe die Spaltung im feindlichen Lager gern; n hoffe, daß die Radikalen sich mit den Katholiken gegen die Liberalen binden würden, wie in England schon die Radikalen sich mit den To⸗
zum Sturz der Whigs verbündet. Aber man täusche sich sehr, nicht der brüsseler Wahlgesellschaft beruhe die Zukunft des Liberalismus;
K,Brügge, Cambray, Audenarde, Nvern selbst hätten ihre liberalen Ge⸗
vown, deren Wirksamkeit sich zeigen werde. Man glaube ferner durch
sschüchterung auf die Beamten zu wirken, auch hierin werde man sich sscen. Schließlich müsse er die liberale Meinung vertheidigen; sie sei ht mit jener der Encyklopädisten des vorigen Jahrhunderts zu verglei⸗
n, sie achte das religiöse Gefühl des Volkes, doch wolle sie nicht den
fluß der Geistlichkeit auf weltliche Dinge, da dieselbe sich blos mit ihren
silichen Obliegenheiten befassen müsse; hierin liege das ganze System
Liberalen. Beim Elementargesetz sei er dawider gewesen, daß der Kle⸗
in den Gemeinde⸗Schulen eine Autorität übe, eben so wenig wolle er
8 für den mittleren Unterricht, die Kinder der verschiedenen Konfessionen
ten in ihren betreffenden Kirchen ihren Religions⸗Unterricht erhalten.
Herr Malou (Finanz⸗Minister) meinte, gleich Herrn de Theux, die regung des Landes, die man dem Ministerium schuldgebe, sei eine ganz ürliche, aus dem Spiel der liberalen Institutionen einfach hervorgegan⸗
n; diese Aufregung sei ein bloßes Zeichen politischen Lebens und unver⸗
dlich. Man könne indessen nicht sagen, daß diese Aufregung eine ge⸗
ndrohende sei, denn das Land genieße wirklich der Ruhe, indem Regie⸗
g und Majorität die materiellen und moralischen Interessen des Landes piedigt haben. Unbegründet sei der Vorwurf, den man der Regierung iche, die Civilgewalt hinzuopfern, denn es sei bereit, bei dem Unterrichts⸗
setze das constitutionelle Prinzip durchaus vorwalten zu lassen. Das
nisterium sei an seinem Platze, weil es in der Kammer, in dem legalen de die Majorität für sich habe, und es sei Täuschung, wolle man glau⸗ machen, die Aufregung des Landes wäre blos dem zuzuschreiben, daß
8 Ministerium am Ruder sei. Es sei nicht zulässig, zu sagen, daß die
Majorität des Landes gegen das Ministerium sei, während das legale Land ihm eine Majorität gegeben habe. So würden die Liberalen immer sprechen, so lange sie nicht die Majorität in der Kammer hätten. So wenig wie das Ministerium, hätten die Jesuiten diese Aufregung verschuldet, die Herr Lebeau ihnen aufbürde. Habe dieser gegen die Jesuiten die Ansicht eines guten Katholiken angeführt, so könne er dagegen andere Gewährsmänner anführen — Chateaubriand's Wort für sie. (Herr Rogier: Ist es wahr, daß man in den Jesniten⸗Kollegien den Landes⸗Institutionen feindliche Dinge lehrt? Herr Brabant lebhaft: Nein!) Auch er (Minister Malou) dürfe Herrn Rogier's Frage verneinen, er habe unter den Jesuiten studirt, und sie hätten ihm die innigste Vaterlandsliebe eingeflößt. Die Regierung sei in ihrem vollen Rechte, die Spaltung der Liberalen in die Diskussion hineinzuziehen; man frage sie, ob sie den Muth hätten, sich von ihren Extremen zu trennen, blesen Muth würde das Ministerium haben, wenn es dessen bedürfte. Bei redlichen Absichten vertraue die Regierung auf das Urtheil des Landes und appellire an die öffentliche Meinung.
Herr Dedecker nahm sodann das Wort und griff aufs heftigste die Liberalen, insbesondere ihre politischen Führer, an. Er warf ihnen sogar den schwärzesten Undank gegen die Ultraliberalen vor, von denen sie sich getrennt hätten. (Reclamationen von der Linken.)
Herr Rogier wies mit Feuer die gegen ihn und seine Kollegen ge⸗ richteten Angriffe zurück, und da Herr Dedecker ihm die Zerstückelung des belgischen Gebiets vorwarf, entgegnete er, daß dirjenigen dafür verantwort⸗ lich zu machen seien, die Belgiens Sache aufgegeben, nachdem sie das Volk dafür aufgeregt.
Herr Garcia stellte nun dem Amendement des Herrn Rogier ein anderes entgegen, welches folgendermaßen abgefaßt war: „Bei der Prüfung dieses Gesetzentwurfs (über den mittleren Unterricht) werden wir uns angelegen sein lassen, den Familienvätern moralische und religiöse Bürgschaften zu geben, und die Wirksamkeit der Civilgewalt in Bezug auf die Ausübung ihrer Rechte und die Erfüllung ihrer Pflichten aufrechtzuerhalten.“ Nachdem Herr Liedts, der Präsident der Kammer, erklärt hatte, daß er dieses Amendement zurückweisen würde, wenn das Ministerium in der Annahme desselben ein mittel⸗ bares Vertrauens⸗Votum, eine Billigung seiner Politik, erblicken wollte, erwiederte Herr de Theux, daß das nicht die Absicht des Ministeriums sei. Das Amendement des Herrn Rogier wurde dar⸗ auf, wie schon erwähnt, mit 52 gegen 34, also mit einer Majorität von 18 Stimmen verworfen. Mit Ausnahme des Herrn Eloy de Burdinne, welcher gegen dasselbe stimmte, und des Herrn Vandensteen, der abwesend war, stimmten alle Deputirte der Provinz Lüttich für das Amendement. Der Namens⸗Aufruf ergab, daß die Herren No⸗ thomb, Savart, Troye, von Chimay, Defoere, Dehaerne, von Mue⸗ lenaere, Manilius und Vandensteen bei der Abstimmung fehlten. Die Herren Liedts, Maertens, Biebuyck und Pirmez, die in der Ver⸗ trauensfrage, welche kurz vor dem Verwaltungs⸗Antritt des jetzigen Ministeriums gestellt wurde, mit der Opposition gestimmt hatten, stimmten jetzt gegen Rogier's Amendement.
Das Amendement des Herrn Garcia wurde von der Kammer angenommen, worauf dieselbe zur Diekussion der einzelnen Artikel überging und einige derselben nach den Vorschlägen einzelner Mit⸗ glieder und mit Zustimmung der Minister modifizirte. So wurde in dem Satz: „Es gereicht uns zur Genugthuung, zu sehen, wie die verschiedenen Quellen der öffentlichen Einkünfte zunehmend fortschrei⸗ ten und das Gleichgewicht zwischen den Staats⸗Einnahmen und Aus⸗ gaben hergestellt ist, so daß der Steuerpflichtige vor neuen Lasten be⸗ wahrt werden kann“, auf Antrag des Herrn Delfosse statt: „zu sehen“ gesetzt: „die Versicherung zu erhalten“; ferner an der Stelle, wo von den zu befördernden öffentlichen Ar⸗ beiten die Rede ist, auf Antrag der Herren Delfosse, Fleussu, von Tornaco und Lesoinne eingeschaltet: „besonders diejenigen, welche zum Zweck haben, das System der Gewässer und Schifffahrtswege zu ver⸗ bessern und die verschiedenen Theile des Landes vor Ueberschwemmun⸗ gen zu schützen“, jedoch, auf Verlangen der Minister, mit dem Zu⸗ satz: „in dem Maße, als der Zustand des Schatzes es gestatten wird“; und der Satz: „das Gesetz über die Vermehrung der Volksvertretung wird Wünschen entsprechen, welche der ru⸗ hige Zustand des Landes zu befriedigen erlaubt“, auf An⸗ trag des Herrn Delehaye folgendermaßen abgeändert: „wird Wünschen entsprechen, deren Befriedigung gerecht ist“; es kam dem Antragsteller hierbei besonders darcauf an, die Phrase von dem „ruhigen Zustande des Landes“ ganz aus der Adresse zu entfernen, um so mehr, wie er bemerkte, als dieselbe sich auch in der Adresse des Senats nicht befinde. Schließlich wurde dann die so modifizirte Adresse mit 73 gegen 5 Stimmen angenommenz diese 5 Gegner waren die Herren Castiau, Delfosse, von Tornaco, Lesoinne und Verhaegen.
Schweden und RNorwegen.
Stockholm, 17. Nov. Se. Majestät der König ist vorgestern abermals auf dem Dampfschiffe „l'Aigle“ nach Norrköping gereist; die von dort eingehenden Bülletins über das Befinden des Prinzen August lauten jedoch immer günstiger.
Die schwedische Akademie hat um Tegnér auf einen Monat Trauer angelegt, auch seinen Namen unter die ausgezeichneten Män⸗ ner Schwedens aufgeführt, denen zu Ehren eine Denkmünze geprägt und an Feiertagen eine Rede gehalten wird. Daneben hat sie be⸗
schlossen, sein Brustbild in Marmor ausführen zu lassen, um es zur Seite Kellgrén's und Leopold's aufzustellen.
Der Winter hat endlich vorgestern den Anfang bei uns gemacht, indem am Morgen alle Straßen mit Schnee, wiewohl dünn, bedeckt waren, der sich auch noch hält. Noch dieser Tage vernahm man unter Anderem aus Linköping und Calmar von solcher Wärme, daß der Roggen nahe daran war, in Aehren zu schießen und man ihn aus Besorgniß zu schneiden anfing. 868 8
Schweiz.
Kanton Luzern. (Köln. Ztg.) In einer der jüngsten Berathungen des Sonderbundes war man zu dem Beschlusse gekom⸗ men, sich vollständig zu waffnen und eine Art Einberufung der Trup⸗ pen zu verfügen, um den radikalen Kantonen gegenüber eine Kund⸗ gebung der Stärke und Unerschrockenheit zu zeigen. Luzern ward übrigens auf vertraulichem Wege von einigen auswärtigen Diploma⸗ ten auf das Unkluge dieses Schrittes, der zu viel Herausforderndes an sich gehabt hätte, aufmerksam gemacht, und so betreibt man nun wieder nach wie vor alle kriegerischen Vorbereitungen im Stillen. * viele reiche Familien, die sich hier niedergelassen hatten, zie⸗
en fort.
Kanton Bern. Dem Verfassungsfreunde zufolge, ist im ganzen Lande die Polizeistunde von 11 Uhr auf 10 Uhr vorge⸗ rückt worden, was, wie natürlich, in der Stadt Bern am empfind⸗ lichsten gefühlt, ziemliches Aufsehen mache und zu den wunderlichsten Versionen über die Gründe dieser Maßregel veranlasse, um so mehr, ls dieselbe nicht blos auf die Cafés, Speisehäuser ꝛc., sondern auch, allerdings seltsamerweise, auf die Gasthöfe ausgedehnt wurde. Der Verfassungsfreund bespricht die Angelegenheit, die „nicht bei den Reichen, wohl aber beim Bürgerstande, böses Blut zu erregen geeignet sei“, sehr weitläuftig und hofft, es werde nicht von langer Dauer sein; den Grund davon giebt aber auch er nicht an.
Kanton Genf. Dem Großen Rathe wurde in der Sitzung vom 16. November das Antwortschreiben der Regierung von Waadt auf die Anzeige der hiesigen provisorischen Regierung, daß der Große Rath sie in ihren Functionen bestätigt habe, mitgetheilt. In diesem Schreiben der Regierung von Waadt heißt es am Schlusse: „Wir ergreifen diese Gelegenheit, um Euch zu versichern, daß wir die Ent⸗ rüstung, welche die Protestation von Luzern gegen Eure Revolution vom 7. und 8. Oktober und gegen Eure jetzige Ordnung der Dinge, so wie dessen Schreiben an den Vorort, in Euch hervorrufen mußte, vollkommen theilen; wir haben es jedoch für unnöthig erachtet, auf lächerliche Manifestationen, die eine ohnmächtige Wuth eingegeben hat, zu antworten.“ Hierauf wurde die Erwiederung der provisorischen Regierung verlesen, worin unter Anderem ge⸗ sagt wird: „Ihr habt aber begriffen, daß eine Regierung, welche, durch besondere Gnade der Vorsehung und den guten Geist seiner Bürger, sehen konnte, wie gleichsam durch Zauber die Ruhe auf den Sturm folgte, die Bürger sich vereinigten und die Feindseligkeiten aufhörten; daß eine Regierung, welche sich den Wahl⸗ spruch gewählt: Gerechtigkeit für Alle, Toleranz und Annäherung; daß eine Regierung, deren erstes Wort gewesen ist: keine Rache, keine Bedrückung — daß eine solche Regierung der Regierung von Luzern nicht antwortet, und daß sie sich bestrebt, den Blick abzuwen⸗ den von einem Schauplatz der Proscriptionen, der Rechtsverweige⸗ rungen und des Fanatismus, welcher der Schweiz zur Schmach ge⸗ reichen würde, wenn sie als solidarisch für solche Exzesse betrachtet werden könnte.“
Italien.
Nom, 14. Nov. (O. P. A. Z.) Der bekannte englische Reisende, Lieutenant Waghorn, traf dieser Tage hier ein und hatte schon mehrere längere Besprechungen mit hiesigen hochgestellten Per⸗ sonen über die baldmöglichste Ausführung der Eisenbahn von Brin⸗ disi (Neapel ꝛc.) durch den Kirchenstaat nach dem Norden, weil er alsdann von Venedig aus die indische Post durch Deutschland nach England befördert wissen möchte und durch die genannte Eisenbahn die Unsicherheit einer adriatischen Seefahrt in Zukunft umgangen werden soll. Der berühmte Reisende wurde hier eben so ausge⸗ zeichnet aufgenommen, als dies vor kurzem vom Könige von Neapel geschehen war. .
Am 11ten versammelten sich mehrere Hundert Personen zu einem Festschmause zu Ehren des Papstes im Teatro Aliberti. Zugleich war es ein Versöhnungsmahl zwischen den Römern und Bolognesern, und Viele von den durch die Gnade Pius' IX. erst unlängst Befrei⸗ ten nahmen daran Theil. Es ist fast überflüssig, beizufügen, daß die schönsten Toaste auf den edlen Herrscher ausgebracht und mit unend⸗ lichem Enthusiasmus aufgenommen wurden. Reden so freisinniger Art wurden während dieses Festes gehalten, wie man sie hier nicht für möglich gehalten hätte. Mehr als 700 Personen fanden sich, theils als wirkliche Theilnehmer, theils als Zuschauer, in dem weiten Lokale ein. Erst am frühen Morgen ward das Haus und der Corso
tike und christliche Kunst gleichmäßig in unseren Jahrbüchern vertreten sca
Wir geben uns gern mit dem Herrn Berichterstatter der Hofan⸗ daß diese Erweiterung der Bestrebungen des Vereins für das Fortbe
desselben von den ersprießlichsten Folgen sein werde. Denn im Allgemas ist doch wohl der Sinn für die Kunst und Gelehrtheit des Mittelaltalt Rhein lebhafter, als der für die Denkmäler des Alterthums, weil das h den Rheinländern näher liegt und viele Erinnerungen der Vorzeit, die
Gesang, Dichtkunst und Malerei ihnen näher gebracht sind, ihres b;
den Eindruckes auf die gegenwärtige Generation nicht ermangeln Und das großartige Beispiel, welches der Dombau in Köln der ganzen, vinz darbietet, muß ebenfalls für die Zwecke des Vereins lebhafte Bep rung entzünden und jeden Einzelnen ermahnen, in seinem kleinen Kreise⸗ Achtung und Liebe die Denkmale zu hegen, welche die Zierde des vafat dischen Bodens gewesen sind. 8 J
Deutsche Kunst in Italien.
Rom, 30. Okt. (A. Z.) Zu den größeren monumentalen Pah welche aus den hiesigen Bildhauer⸗Werkstätten hervorgegangen sind, ges⸗ die kolossale Gruppe einer Victoria, welche einen Jüngling auf die heldenmuüͤthiger Vaterlands⸗Vertheidiger hinweist und ihn dadurch zu Theilnahme an den Freiheitskämpfen begeistert — eine Arbeit, welche Bildhauer Emil Wolff fur die berliner Zeughausbrücke im höchsten trage ausgeführt hat. Der Künstler hat die Aufgabe des Programme durch gelöst, daß er die Namen großer Helden auf einen Schild’ gezeichnet, welchen die Siegesgöttin ihrem hoffnungsvollen Zögling edlem Stolz gleichsam wie einen Spiegel der Vergangenheit hin und dabei die Thaten der Vorzeit erläutert. Die scharfsinnige geschickte Entwickelung des dargebotenen Gedankens ist schon dan als er die Skizze davon eingesandt, vielfach belobt worden. Beic⸗ Marmor⸗Ausführung scheint er besonders auf die Bestimmung dieses 2 kes Rücksicht genommen zu haben, welches für eine Aufstellung in 6 Tageslicht, vor dem die Umrisse so leicht zusammenschwinden, berechnen mußte. Bie Wirkung dieses künstlerischen Kalküls wird sich freilich en⸗ Ort und Stelle beurtheilen lassen; daß er in Erreichung derselben „ nicht weniger glücklich gewesen sein werde, als bei mehreren seiner ben
in Wiederholungen verbreiteten Kabinetsstücke, läßt die Erfahrung einti
denkenden und virtuosen Künstlers mit Zuversicht hoffen.
Ein ebenfalls in kolossalen Dimensionen ausgeführtes Marmor⸗Stand⸗ ist Troschel's Perseus, welcher auf Befehl Ihrer Königlichen Hoheit Frau Prinzessin Albrecht von Preußen in Marmor ausgeführt und für Villa Sommariva bestimmt ist. - Der Nestor der deutschen Künstler, der Maler Reinhard, hat unlängst Delgemälde vollendet, welches von einer Sicherheit und Stetigkeit der dzeugt, um die ihn junge wackere Künstler beneiden. Die Composition in jene schönen Zeiten origineller Begeisterung, in welchen er so manche Fartige Natur⸗Anschauung jenen unvergleichlichen Zeichnungen anver⸗ that, die seinen Vortrag besonders glänzend erscheinen lassen. Der genstand ist die anmuthige Erzählung, welche die Erfindung des korinthi⸗ Chn Kapitäls auf eine so sinnige Weise vergegenwärtigt. Durch solche Fvisoden weiß der Meister den Beschauer in die Stimmung zu versetzen, welcher die landschaftliche Schilderung unternommen worden ist. Weit ernt, daß dergleichen mythisches Beiwerk das Interesse theile, en solche Figuren der Haupt⸗Vorstellung im Gegentheil einen chen Reiz, wie jene Sinnsprüche und Epigramme, welche den histori⸗ n Compositionen der älteren Griechen einverleibt waren. Hier erfahren durch die dargestellte Handlung sofort, daß wir uns in der Umgegend egnih befinden, und dieser Wink gewährt eine nicht zu verachtende se zum Verständniß eines so bedeutsamen Schauplatzes menschlicher öße und Herrlichkeit, der in einem ganz anderen Sinn aufgefaßt sein als Oerllichkeiten, die wir mit slächtigem Fuß betreten und, mit den † gemeinen Daseins umkleidet, unserem Gedächtniß eingeprägt, auch ; durch pikante Veduten gesichert haben. Wenn große Männer in hohen gen sonst wohl Werke ins Leben riefen, die von jugendlicher Lebens⸗ he ein redendes Zeugniß ablegten, so pflegte die ganze Nation stolz zu Hauf solche Aeußerungen unverwüstlicher Kraft und Willensfestigkeit. lichs sollte es freuen, daß nicht blos Göthe in späten Jahren so un⸗ 2 giich süße Melodieen gegriffen, sondern daß auch auf diesem schönen er eesg 8 das fünfundachtzigste Lebensjahr von dem Meister mit d enugthuung eingezeichnet worden ist. urch eine hübsche Konjunktur trifft es sich, daß eben auch von Rhoden 18, 8 mit so wunderbarem Fleiß durchgeführten Oelgemälde beendigt lnne ches uns in eine ganz andere, aber nicht weniger eigenthümliche sten ng versetzt. Während wir dort mit Reinhard einen Blick thun in die stolzen frohen Tage des Jünglingsalters der Menschheit,
werden wir hier in eine der griechischen Weltanschauung diametral entge⸗ gengesetzte Gemüthswelt versetzt. Ein friedliches Thal mit einer üppigen sudlichen Vegetation vergegenwärtigt uns die stille Zurückgezogenheit, welche ein Theil der ersten Christen⸗Gesellschaft mit jener gott⸗ begeisterten Leidenschaft aufsuchte, von der wir uns heutzutage kaum einen leibhaftigen Begriff zu verschaffen im Stande sind. Zu Füßen eines mächtigen Felßend, dessen Höhlen und Schluchten den Aufenthalt jener Anachoreten bezeichnen, ruht Paulus, der erste Eremit, welchem der Legende zufolge ein Rabe täglich ein halbes Brod zutrug. Als er den Besuch eines anderen Heiligen empfing, überbrachte ihm jener Nah⸗ rungsbote die doppelte Portion. Diese Sage sehen wir hier geschildert, und durch die Darstellung derselben wird uns der Sinn erschlossen, welchen der Künstler seinem landschaftlichen Vortrage zu Grunde gelegt hat.
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Schießbaumwolle.
Dorpat. (Rig. Z.) Der Professor der Chemie an der hiesigen Universität, Friedem. Göbel, theilt in der Dorpatschen Zeitung mit, daß er bereits vor der Veröffentlichung der Ottoschen Entdeckung ein auf⸗ blitzengsfähiges Baumwollen⸗Präparat bereitet habe, das sich erst bei 200 ° Celsius entzündete und das Schlagen mit dem Hammer dergestalt vertrug, daß es erst nach einer Reihe von Schlägen, dadurch gewissermaßen pulver⸗ förmig geworden, explodirte. Ein solches Baumwollen⸗Kügelchen puffte mit starkem Knalle los, verbrannte aber nicht, sondern wurde, schwach verkohlt, fortgeschleudert. Nach Bekanntmachung der Ottoschen Entdeckung stellte Göbel dessen Baumwolle dar, überzeugte sich aber bald von vielen ihrer Mängel, ihrer Kostspieligkeit und von der Ungleichartigkeit und Unsicherheit ihrer Triebkraft bei Schießversuchen. Schon am 25. Oktober gelangte Pro⸗ fessor Göbel zu einer Methode, die nach seiner Versicherung jetzt zu einer Vollkommenheit gediehen ist, daß sie nicht nur wohlfeiler als die Ottosche ist, sondern auch ein Präparat von gleicher (wahrscheinlich nicht der Ottoschen gleicher, sondern bei den einzelnen Anwendungsfällen sich stets gleichbleibender) Krastäußerung liefert. Er will als Staats⸗Beamter jedoch das Verfahren nicht mittheilen, um Mißbrauch zu verhü⸗ ten, vermuthet aber, wie er sagt, gewiß nicht mit Unrecht, daß sie
mit der von Schönbein und Böttcher geheim gehaltenen ein und dieselbe
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ist. Von den mit der Göbelschen Explosions⸗Baumwolle durch Versuche gefundenen Resultaten sind folgende die bedeutendsten: Aus einem gezogenen Gewehr wurde mit 12 Gran Baumwolle eine Kugel auf 100 Schritt Ent⸗ fernung durch ein einzölliges Brett und 3 ½ Zoll in den hinter dem Brett stehenden Fichtenklotz getrieben. 37 ½ Gran englisches Jagdpulver trieben die Kugel auf 50 Schritt nur 2 ½ Zoll tief in den Klotz, mit 43 Gran Schieß⸗ pulver drang das Blei aus einem runden Laufe auf 100 Schritt 2 ½⅔ Zoll tief in den Klotz, aus dem gezogenen Lauf 2 ½ Zoll tief. Eine erprobte Büchse von größerem Kaliber, deren Kugeln etwas mehr als noch einmal so schwer, wie die genannten waren, trug die Kugel durch 12 Gran Baumwolle auf 50 Schritt durch das einzöllige Brett und 2 ½ Zoll tief in den Klotz. Bei einer Ladung mit 15 Gran Baumwolle zersprang das Gewehr, dessen Wände über ½ Zoll dick, über der Patentschraube. Das Gewehr war auf solche Weise gehalten worden, daß der Schießende nicht verletzt werden konnte. Vier Schüsse aus einer doppelläufigen gezogenen Pistole mit vier Gran Baumwollen⸗Ladung trieben auf 20 Schritt Entfernung die Kugel viermal vollkommen gleichförmig durch das Brett und 1 ⅜ Zoll in den Klotz. Bei einem sechsten Schusse zersprang ebenfalls ein Lauf, und zwar gleich⸗ falls über der Patentschraube, obgleich aus derselben Pistole mit 6 Gran Ottoscher Baumwolle ohne Stoß mehrmals geschossen worden war. Von englischem Jagdpulver ersorderte die Pistole 24 Gran Ladung, also das Sechs⸗ sache von dem Baumwollengewicht. Diese Experimente zeigen zur Genüge, welch' eine furchtbare Kraft in dem chemischen Präparate liegt (sie übertrifft die des englischen Jagdpulvers um mehr als das Vierfache) sie geben aber auch Beweis für die gleichförmige Wirkung desselben. Nichtsdestoweniger muß dennoch noch Manches bei der Anwendung der Baumwolle und bei der noch unbekannten Natur dieses neuen Präparats näher erforscht und durch ge⸗ naue Versuche festgestellt werden, wie z. B. die Art der Ladung, ob stark oder schwach aufgesetzt werden muß, ob der elastische Filzpfropf oder der festere Papierpfropf ꝛc. anzuwenden ist, denn alles dieses wird die Wirkung modisiziren. Professor Göbel schließt mit Folgendem: „Daß mit meiner explosiven Baumwolle Hasen, Feldhühner ꝛc. bei 8.—10 Gran Ladung auf 40 bis 80 Schritt Entfernung geschossen worden sind, ist hier wohl fast allgemein bekannt, und wenn eine Kugel auf 100 Schritt Entfernung 4 ½ Zoll tief in einen Holzklotz einschlägt, so tödtet sie sicherlich auch den Sper⸗ ling und den Wolff.“