Köster, Zulauf und Franck (O. A. G. R.), welche sie verneinten. Der Präsident der ersten Kammer, Se. Großherzogl. Hoheit der Prinz Emil, wohnte diesen sämmtlichen Berathungen mit ungetheilter Aufmerksamkeit bei, desgleichen verschiedene Mitglieder der ersten Kammer, des diploma⸗ tischen Corps ꝛc. ꝛc.
8 Großherzogthum Oldenburg. Nach einer Bekannt⸗ machung der Großherzoglichen Regierung vom 21. November, ist der Einfuhrzoll für Getraide und Rappsaat, so wie für Erbsen und Wicken, bis auf Weiteres aufgehoben und der für Grütze und Mehl einst⸗ weilen bedeutend ermäßigt worden.
Herzogthum Holstein. Der Alt. Merk. enthält Fol⸗ gendes: „Das Anfertigen und Auslegen der Wahllisten (auf acht Wochen) zum Behuf der etwanigen Rektifizirung hat begonnen, und es sind somit einleitende Schritte zu den bevorstehenden neuen Ständewahlen für die nächsten sechs Jahre gemacht, die unter den obwaltenden Umständen eine erhöhte Bedeutung haben. Daß es dabei an Reclamationen und Erhebung von Streitfragen nicht fehlt, läßt sich denken. So soll es bei dem städtischen Wahl⸗Kollegium in Kiel nach einer Korrespondenz⸗Nachricht im Hamb. Corresp. zur Frage stehen, ob Olsh ausen, den die Gesellschaft der Harmonie, als Grundbesitzerin, jetzt mit einer großen Stimmen⸗Mehrheit als ihren wählbaren Repräsentanten designirt hat, wegen der Untersuchung, in der er sich befindet, überall wählbar sei, und bei dem Wahl⸗Kollegium der größeren Grundbesitzer, wie es mit den bisherigen Inhabern der Virilstimmen, die ihre Entlassung be⸗ kommen, zu verhalten sei.“ — Die wegen Untersuchung der nortorfer Versammlung ernannte obergerichtliche Kommission, bestehend aus den holsteinischen Obergerichts⸗Räthen, Kammerjunker Eckard und Baron von Brockdorff, ward am 28. November in Kiel erwartet, um die bereits in Rendsburg begonnenen Vernehmungen daselbst fortzusetzen. — In den letzten Tagen ward in der Gegend von Nortorf ein Landmann, der Abends auf der Landstraße fuhr, überfallen, mehrerer hundert Mark, die er bei sich hatte, beraubt und furchtbar gemißhandelt. Man soll den Thätern schon auf der Spur sein.
* Frankfurt a. M., 26. Nov. Se. Kaiserl. Hoheit der Erzherzog Ferdinand von Oesterreich verweilte an dem Herzogl. nassauischen Hofe und wird nächsten Sonnabend die Rückreise, wie man hört, zunächst nach Prag antreten. Obgleich die hohen Ver⸗ wandten darauf vorbereitet waren, so versetzte der tödtliche Hintritt Ihrer Kaiserl. Hoheit der Großfürstin Marie von Rußland den Herzogl. nassauischen Hof doch in tiefe Betrübniß.
Das Protokoll der Verhandlungen des hiesigen Haupt⸗Vereins der Gustav⸗Adolf⸗Stiftung vom 4ten ist, als Manuskript für die Mit⸗ glieder des Vereins, im Druck erschienen, und es enthält dasselbe na⸗ mentlich den ausführlichen Bericht des Herrn Schöffen Dr. Harnier über die Haupt-Versammlung in Berlin. Das Gerücht, daß ein zweiter Verein der Gustav⸗Adolf⸗Stiftung hier erstehen solle, ist ungegründet.
Die im Königreich der Niederlande für unsere Stadt angekauf⸗ ten Vorräthe in Getraide und Mehl treffen, trotz des niedrigen Was⸗ serstandes, nach und nach hier ein, und wiewohl die Getraidepreise sich fest auf ihrer Höhe behaupten, so sind wir doch wenigstens vor effektivem Mangel geschützt. — Bei dem so niedrigen Wasserstande ist es ein wahres Glück, daß die Witterung wieder sehr gelind ge⸗ worden ist. Wiewohl im Allgemeinen der Geschäfts⸗Verkehr stockt, so zeigt sich nun doch in manchen Branchen wieder größere Lebhaf⸗ tigkeit und besonders auch bei den herannahenden Festtagen im De⸗ tailhandel. 1 8 DOesterreichische Monarchie. Wien, 25. Nov. Se. Kaiserl. Hoheit der Großfürst Michael von Rußland ist gestern Abend von hier nach Warschau abgereist.
Rußland und Polen.
St. Petersburg, 22. Nov. Am 13. Mai d. J. ertheilte der Kaiser zur Gründung eines Jacht⸗Klubs seine Genehmigung und bewilligte den Schiffen desselben eine privilegirte Flagge. Gleichzei⸗ tig befahl Se. Majestät, Sie selbst zu den Mitgliedern des Klubs zu zählen, und ernannte den Contre⸗Admiral Putiatin zum Repräsen⸗ tanten der Kaiserlichen Jacht im Comite. Am 23. Juni ließ Se. Majestät die Kaiserliche Jacht „Königin Victoria“, die in England gebaut ist, in die Liste der Vereins⸗Schiffe eintragen. Am 13. Sep⸗ tember bestätigte der Kaiser, den Vorstellungen der Vereins⸗Mitglie⸗ der willfahrend, den Großfürsten Konstantin als Ehren⸗Präsident des Jacht⸗Klubs. Am 7. Oktober wurden die Statuten des Klubs be⸗ stätigt, und am 21. Oktober hat Se. Majestät, in Folge einer Vor⸗ stellung des Marine⸗Ministers, den Fürsten A. Lobanow⸗Rostowski zum Commodore des Jacht⸗Klubs ernannt.
Frankreich.
Paris, 25. Nov. Nach dem Empfang des Bey von Tunis, vorgestern Nachmittags, kehrten der König und die Königliche Fami⸗ lie wieder nach St. Cloud zurück. Die Presse erzählt in Bezug auf diese Begrüßungesscene, der türkische Botschafter habe das Recht
1412 in Anspruch genommen, den Bey dem Könige vorzustellen, wie er mit Ibrahim Pascha gethan; diesmal aber sei es nicht möglich gewesen, dieses Verlangen zu berücksichtigen, denn da Frankreich seit Jahrhun⸗ derten in direkten Beziehungen zu den Beys von Tunis stehe und oft mit ihnen Verträge abgeschlossen habe, so betrachte es den jetzigen Bey als einen souverainen Fürsten, und es würden ihm auch alle den regierenden Souverainen zukommenden Ehrenbezeigungen erwiesen. Vor dem Empfang in den Tuilerieen machten dem Bey in seiner Wohnung im Elysee Bourbon die angesehensten Kaufleute von Pa⸗ ris, welche mit Tunis in Handels⸗Verbindungen stehen, ihre Auf⸗ wartung. Gestern Mittag empfing der Bey den Marschall Soult und den ganzen Minister⸗Rath; die Zusammenkunft währte eine halbe Stunde. Im Laufe des Tages erwiederte er dann diesen Besuch bei jedem der Minister einzeln; er fuhr in einer sechsspännigen Kutsche vor, begleitet von Chasseurs und von Königlichen Vorreitern. Die Unterredung zwischen ihm und Herrn Guizot, der blos Mustapha Kasnadar und Herr Raffo beiwohnten, dauerte ungefähr eine Stunde. Abends speiste der Bey nebst seinem ganzen Gefolge in St. Cloud beim Könige; er führte die Königin zur Tafel. Auch Marschall Soult und Herr Guizot, so wie die Herren Desgranges, von Lagau und von Lesseps, waren eingeladen. An der Tafelmusik schien der Bey, der selbst ein treffliches Musik⸗Corps auf dem „Dante“ mit sich führt, großes Vergnügen zu finden, besonders war er erfreut, einige ara⸗ bische Melodieen zu hören, welche die Oboisten des zu St. Cloud in Garnison stehenden Regiments ausführten. Nach der Mahlzeit spielte das Königliche Orchester, unter Leitung der Herren Habeneck und Auber, noch verschiedene Musikstücke. Um 9 Uhr zog die Gesellschaft sich zurück. Für gewöhnlich trägt der Bey einen reich in Gold ge⸗ stickten blauen Rock mit goldenen Epauletten und blaue Pantalons mit goldenen Streifen. Er ist von mittlerem Wuchs, hat eine Adler⸗ nase und große schwarze Augen.
Zur Verbesserung der Wege auf den ausgedehnten Gütern, welche der König, die Königin und Mad. Adelaide in dem Bezirk von Vassy besitzen, besonders aber, um den dortigen Armen Be⸗ schäftigung zu geben, haben dieselben eine Summe von 40,000 Fr. angewiesen.
Die Nachricht, daß Graf St. Aulaire seinen Botschafterposten in London verlasse, war falsch; die Morning Chroniele hatte dieselbe zuerst mit Bestimmtheit gegeben; heute wird ihr aber vom Journal des Débats und von Galignani's Messenger widersprochen. Der Graf begiebt sich übermorgen oder am Sonn⸗ abend nach London, um seinen Posten wieder einzunehmen. Als Grund, warum seine Gemahlin ihn für jetzt nicht begleitet, wird das hohe Alter und der Gesundheitszustand der verwittweten Gräfin von St. Aulaire angeführt, die der Pflege bedarf.
Die Gerüchte von einem nahen Ministerwechsel verstummen schon wieder; indeß behauptet der Courrier français, es sei sicher, daß eine ministerielle Krise vorhanden gewesen; wodurch sie hervor⸗ gerufen worden, könne man nicht wissen; nur so viel habe verlautet, daß es Zwiespalt im Minister⸗Rath gegeben, doch erfahre man nicht, wovon es sich gehandelt und worin die Uneinigkeit bestanden; vielleicht sei das Gerücht von einer bevorstehenden Veränderung auch absicht⸗ lich verbreitet worden, um die öffentliche Aufmerksamkeit irre zu leiten.
Heute schätzt das Journal des Débats sich glücklich, einem Artikel der Times von vorgestern über die krakauer Angelegenheit „ohne Rückhalt beipflichten zu können“, da dies Blatt jetzt mit einer Aufrichtigkeit, die ihm zur Ehre gereiche, anerkenne, welche Ungerech⸗ tigkeit es begangen, als es ein geheimes Einverständniß zwischen Frankreich und den drei nordischen Höfen vorausgesetzt. Auch freut es sich über die Gründe, welche die Times entwickele, um Frank⸗ reich und England aufzufordern, „den allgemeinen Interessen der Welt und der Civilisation“ ihre besonderen Mißhelligkeiten zu opfern. Mit der versprochenen näheren Beleuchtung des Manifestes über die Besitznahme von Krakau ist das französische ministerielle Blatt ziemlich schnell fertig: es sei darin kein einziges Motiv ent⸗ halten, dem man eine ernstliche Erörterung widmen könne; Krakau sei nicht dazu geeignet gewesen, den drei Mächten irgend eine Unruhe zu verursachen, und das Argument, daß sie allein über das Schicksal dieser Stadt zu entscheiden gehabt hätten, stehe durchaus im Widerspruch mit den ausdrücklichen Bestimmungen des Traktats von Wien, wonach alle demselben eingeschaltete besondere Verträge als integrirende Bestandtheile desselben betrachtet werden müßten. Nach diesen Bemerkungen wendet sich das Journal des Débats gegen die Morning Chroniecle, um wieder über deren „ungerechte und bittere“ Sprache zu klagen, in der sich mehr „öüble Laune als Redlichkeit oder Scharfsinn“ kundgebe. Man solle doch, ruft es je⸗ nem Blatte herausfordernd zu, wenn man von dem er⸗ dachte nicht lassen wolle, daß Frankreich bei der krakauer Maßregel „irgendwie mit im Spiel sei“, dasselbe auf die Probe stellen; England möge ihm doch vorschlagen, sich einer ge⸗ meinsamen Protestation anzuschließen; weiche dann das französische Ministerium zurück, oder stammle es schlechte Gründe hervor, um seine Weigerung zu decken, dann wolle das Journal des Débats ihm zuerst das Urtheil sprechen! Der Constitutionnel bleibt, trotz des Widerspruchs von Seiten des Portefeuille, bei seiner
Behauptung, daß die französische Regierung durch Herrn von Jarnac
dem englischen Kabinet den Vorschlag eines gemeinschaftlichen testes habe machen lassen; dieser Antrag sei aber ah — worden, und England wolle durchaus allein protestiren. c leicht, fügt dies Oppositionsblatt hinzu, sei noch eine näherung möglich, denn diese Isolirung müsse die Wirkung der Proteste schwächen. Die Presse findet in der di gigen Antwort Englands neuen Anlaß zu verstärkter Bekämpfun englischen Allianz und ergeht sich heute wieder in den stärksten; fällen gegen die englische Politik überhaupt, die immer nur Baumwollen⸗Manufakturen von Birmingham und Manchester ihren Schleichhandel vor Augen habe. Der National da
der zwar nichts weniger als Anglomane ist, findet es in diesen um das Verhalten der eigenen Regierung im Kontrast desto! herabsetzen zu können, für seinen Zweck geeignet, Englands Beng zu rühmen, das doch protestirt habe, während Frankreich diet einmal wage. Ein paar lauwarme ministerielle Artikel und Geschwätz von Hüningen, das sei Alles! Etwas zu daran denke man gar nicht. „Alles, was bis jetzt
schehen“, fährt dies Blatt fort, „ist, daß das Minje Instructionen nach London geschickt und Lord Palmerston zu genn gesucht hat. Und damit in dieser Demüthigung nichts fehle, he ministerielle Journal seit zwei Tagen um Verzeihung gebeten,
entschuldigt, seinen Ton herabgestimmt und sein Haupt gebeng
Whig⸗Kabinet gegenüber. Wo sind denn nun die hochmie
Triumphatoren der letzten vierzehn Tage? Was ist aus Hem
zot's glänzendem diplomatischen Erfolge geworden? Wo f
stolzen Phrasen der Regierung, die „darüber hin ging
der verächtliche Spott gegen England, das, wie man
nun nicht länger halsstarrig sein werde? Das hag
Alles in Ansuchen und freundliches Entgegenkommen verm
Das Journal des Débats, dem sein eigener Styl niche
genügt, borgt dem Constitutionnel seine Sprache ab. (8 Art. Paris in unserem gestrigen Blatte.) Die englische Alliam, wer hat denn je etwas dagegen gesagt? Wer war es dem, Lord Palmerston einen Unbesonnenen nannte? Wer bezeichnet als Zwietrachtstifter, als revolutionairen Feuerbrand? Neulch Herr Thiers noch ein Hitzkopf, heute werden seine Ideen lmund und seine Artikel abgedruckt. Das ist ganz natürlich. Hen W. predigt die Allianz mit England; 1840 ist ihm schon aus da t nerung entschwunden. Die entgegengesetzten Interessen deas den Regierungen sind nicht mehr im Widerspruch mit
ander; die Rivalität zur See bleibt zwar sicher, aben ist kein Hinderniß. Nächstens wird man uns von N. buhlern erzählen, die einander anbeten. Und doch hat 6) lang die Opposition (wozu der National, der sich über die teien setzt, sich selbst natürlich nicht mitrechnet) nur Einen Schne gen die Allianz mit England erhoben, als die an allen Opfem Ehre, Macht und Würde schuld sei, welche Herr Guizot ühe Land gebracht.“ Uebrigens will der National aus dem, mygg lische Blätter, von denen man glaubt, daß sie mit der Regime! Verbindung stehen, bisher gesagt haben, den Schluß e. England werde, was es auch für sich allein in der t kauer Sache thun möge, mit Frankreich nur dann sicch Vereinbarung setzen, wenn dieses ihm vorher volle Genugthuung die Verletzung des Vertrags von Utrecht gebe, d. h. wenn es
spanische Infantin förmlich auf alle ihre eigenen und ihrer Kinse Ansprüche an die Krone verzichten lasse; das genannte Blatt ert
dann im voraus, es würde die Erkaufung der englischen Allianz einen solchen Preis als eine schmähliche Handlung bezeichnen.
der Höflichkeit, die das Journal des Débats gestern g den Constitutionnel ausgeübt, hat das ministerielle Jo sich bei diesem seinem Kollegen auch keinen Dank geär denn da es zugleich doch nicht umhin konnte, das Be men der Opposition in den letzten Jahren mit Hinsicht
die englische Allianz und die Hindernisse, welche dieselbe
Ministerium dabei in den Weg gelegt, zu rügen, so hat der C stitutionnel nicht für das Lob, sondern nur für den Tadel sogt Vergeltung geübt und heute dem Ministerium selbst alle Schubd der Unpopularität und Gefährdung dieser Allianz zugeschoben, unter dessen Leitung nur zu Opfern und Demüthigungen für Fran ausgeschlagen sei, und die es zuletzt selbst durch „eine Heirath,
mit der Königin von Spanien, sondern mit der Infantin, die,! man hoffe, durch baldige Geburt von Erben Isabella's, süri
vom Thron werde ausgeschlossen werden“, völlig kompromittin dafür preisgegeben habe.
Die Angelegenheiten am La Plata sollen, der Presse zus die sich dabei auf offizielle und glaubwürdige Nachrichten beruft, erledigt zu betrachten sein. „Bekanntlich“, sagt dies Blatt, die Sendung des Herrn Hood nicht den erwarteten Erfolg, weil Deffaudis sich weigerte, den Artikel des Vertrages zu genehm kraft dessen die Aufhebung der Blokade von Buenos⸗Ayres, die kehr der argentinischen Truppen auf das Gebiet der Conföden und die Entwaffnung der Ausländer in Montevideo gleichzeitig! finden sollten. Dies letzte Hinderniß, welches der Wiederherstc des Friedens entgegenstand, ist von dem Minister der auswän Angelegenheiten aus dem Wege geräumt, indem dieser Herm!
erheblichen Vortheil, daß bei ihrer Anwendung die Geschützröhre nicht nur weniger erhitzt, sondern überhaupt weniger angegriffen werden, als bei den
Pulverladungen. Flintenläufe rosten jedoch bei Benutzung der Baumwolle stärker, wenn sie nach dem Schießen nicht sorgfältig gereinigt werden.
Außer dem bereits erwähnten sehr geringen Rückstoße gewährt die Buumwolle aber noch den Vortheil, daß beim Schießen kein Rückstand in den Läufen zurückbleibt, und daß kein Rauch erzeugt wird, was von eben o großer Wichtigkeit beim Gebrauche im freien Felde als namentlich beim Feuern in Kasematten, Blockhäusern ꝛc., so wie im Minenkriege, ist.
Man hat jedoch die Bemerkung gemacht, daß nach einigen, in einem geschlossenen Raume mit Baumwolle gethanen Schüssen sich ein sehr pene⸗ ranter säuerlicher Geruch fühlbar machte, und daß die Augen der Anwe⸗ enden unangenehm affizirt wurden.
Zum Vergleich der Wirkungen der Baumwolle und des Pulvers sind ie berechneten Anfangsgeschwindigkeiten benutzt, wie sie sich bei einem zweck⸗ näßig eingerichteten Gewehrpendel herausgestellt haben. Die Ergebnisse ind jedesmal das Mittel aus 5 Schüssen. “
Man erhielt beim Gewehrlaufe: mit 160 Gran Gewehrpulver 1176,8“ » 100 „ „ 1133,7 „ 30 » Baumwolle 1027,50 „ 20 5 764,7“
Beim Karabinerlaufe:
it 120 Gran Gewehrpulver 1032,6“ „ 30 8 Baumwolle 1085,8“ , 20 , 9 539,4“
Beim Pistolenlaufe:
mit 120 Gran Gewehrpulver 777,6,
» 30 » Baumwolle 890,3“ 1 3 8bc.
Es ergab daher die Baumwolle beim Gewehr mi 15 des Gewichtes der Pulverlad. eine um 109“ geringere 5 22 2225 2 149“
Anfangsgeschw.
t
20 2 22 2
beim Karabiner:
des Gewichtes der Pulverladung eine um 52“ größere „ „„ „) „ „, » 494“ geringere beim Pistol:
¼ᷣ des Gewichtes der Pulverladung eine um 112“ größere
6 » ) 2 „ 2 120“ geringere Anfangs⸗Geschwindigkeit, als das Pulver, so daß sich der Vorzug der Baumwolle besonders bei kurzen Röhren auszusprechen scheint.
Bei einem eisernen Probirmörser ergab die Baumwolle bei 3 Loth Ladung eine um 40 Schritt größere Wurfweite, als das Gewehrpuloer bei 9 Loth Ladung.
Hierbei wäre noch zu erwähnen, daß bei Gewehr und Geschütz die zur Hervorbringung derselben Wirkung erforderliche Quantität Baumwolle ziem⸗ lich genau dasselbe Volumen hat, wie die entsprechende Pulverladung, und daß die Baumwolle in dieser Beziehung zwar keinen Vortheil gewährt, im Vergleiche zum Pulver, aber auch nicht im Nachtheile steht.
Baumwolle, wenn sie stark zusammengepreßt ist, fängt sehr schwer Feuer und explodirt nicht, sondern brennt mit geringer Energie, eine Eigen⸗ schaft, die für die Aufbewahrung und den Transport des unverarbeiteten Materials sehr wichtig werden kann.
Durch einen heftigen Schlag entzündet sich die Baumwolle nur, wenn sie in einer dünnen Schicht ausgebreitet ist, wobei die eigenthümliche Erscheinung eintritt, daß nur der vom Hammer getroffene Theil der ganzen Masse ex⸗ plodirt, der Rest aber unentzündet umhergeworfen wird.
Wenn die Baumwolle auch im gegenwärtigen Augenblicke bedeutend theurer als das Pulver ist, so läßt sich doch übersehen, daß dieselbe bei einer zweckmäßig eingerichteten Fabrication im Großen im Verhältniß zur Wirkung mindestens für denselben, wenn nicht für einen geringeren Preis als das Pulver herzustellen sein wird.
Bei diesen in manchen Beziehungen allerdings sehr erheblichen Vor⸗ zügen der Baumwolle haben sich aber auch nachstende Mängel herausgestellt:
1) Die Baumwolle wirkt viel ungleichmäßiger, als das Pulver. Bei einem an ein und demselben Tage ausgeführten Versuche betrug bei ziem⸗ lich gleicher Anfangs⸗Geschwindigkeit der größte “““ Schuß⸗ weiten: 1“ 8
Pulver.
Baumwolle. 95“ 8
beim Gewehr beim Karabiner 159“ beim Pistol 205
Diese Ungleichmäßigkeit der Wirkung hat ihren Grund darin:
a) daß es nicht leicht ist, jedesmal Baumwolle und Säuren von guter Beschaffenheit zu erhalten;
b) daß eine gleichmäßige Fertigung sehr großen Schwierigkeiten
Die Baumwolle wirkt nämlich verschieden:
je nachdem sie längere oder kürzere Zeit in der Säure gelegen;
je nachdem diese mehr oder weniger rein, mehr oder weniger k.
trirt war; Baumwolle mit frischer Säure präparirt gab 1029,2“ mi
reits einmal benutzter Säure prävarirt 917,8“ Anfangsgeschwindigkeit; je nachdem die präparirte Baumwolle mehr oder weniger gut an
waschen ist;
je nach der Temperatur, bei welcher dieselbe getrocknet worden;
endlich je nachdem sie vor dem Verbrauche mehr oder weniger „ mäßig locker gezupft ist. Wenn dies nicht sehr sorgfältig geschehen, wird nicht nur ein beträchtlicher Theil der Ladung unentzündet aut Mündung, selbst aus dem Zündloche, hinausgeschleudert, sondern die † kung vermindert sich auch sehr bedeutend, so daß z. B. bei einem 8 die Anfangsgeschwindigkeit 596,3“, bei einem zweiten unter sonst ganz chen Umständen 1059,1“ betrug.
Bei der Fabrication kleiner Quantitäten sind diese Rücksichten dings nicht von so großer Erheblichkeit, daß sie sich nicht mehr oder ger vollständig beseitigen lassen sollten. Sehr zu veranschlagen diese Schwierigkeiten aber dann sein, wenn es sich um die jährliche 2 cation mehrerer 1000 Ctr. handelt, wobei nicht zu übersehen ist, daß geringe Verschiedenheiten in der Beschaffenheit des Materials sich bet Wirkung um so stärker aussprechen müssen, je größer diese Wu eben ist.
c) Daß die Baumwolle sich beim Laden der Geschütze und C viel stärker, also auch viel ungleichmäßiger, zusammenpressen läßt, 7 Pulver, und daß die Wirkung daher auch um so ungleichmäßer an jen muß. 3 1“
liegt.
dis aufgetragen hat, den Traktat so zu unterzeichnen, wie er von urn Hood im Namen Frankreichs und Englands vorgeschlagen und Rosas, Oribe und den Männern von Montevideo angenommen
den.“
Paris, 25. Nov. Nach den von mir eingezogenen Erkun⸗ ungen, auf deren Verlässigkeit ich zählen kann, wird vorläusig an „Veränderung des Ministeriums nicht gedacht, wodurch sich alle dieser Beziehung noch verbreiteten Gerüchte widerlegen.
Die bestimmte Erklärung der Morning Chronicle, daß gland nichts gegen den Akt der Einverleibung Krakau's in den rreichischen Kaiserstaat thun werde, als protestiren, hat hier unter n Freunden des Friedens einen guten Eindruck gemacht und das trauen in die Erhaltung desselben von neuem gestärkt. Die Rück⸗ kung davon wird auch an der Börse nicht ausbleiben. 8.
Großbritanien und Irland.
London, 24. Nov. Die Times erklärt sich für ermächtigt, Nachricht von der Abberufung des französischen Botschafters, afen von St. Aulaire, als unwahr zu bezeichnen, und fügt hinzu, Graf, welcher sich gegenwärtig auf Urlaub in Frankreich befindet, de binnen kurzem nach London zurückkehren, um seine Geschäfte der zu übernehmen. Die krakauer Angelegenhet wird von der hiesigen Presse im sensatz zu den französischen Blättern ziemlich lau besprochen. Man pft die Bemerkungen darüber vorzüglich an die Auszüge aus den ser Zeitungen, um Veranlassung zu nehmen, gegen die Pol tik ünkreichs zu polemisiren, welche den Bruch zwischen den beiden dern herbeigeführt und, wie man noch immer glaubt, dadurch die ah nordischen Mächte veranlaßt habe, die Unabhängigkeit Krakau's zuheben. Es werden dabei zugleich Vermuthungen über die Maß⸗ eln laut, welche Frankreich und England, jenem Faktum gegen⸗ r, treffen dürften, und danach scheint es nicht zweifelhaft, daß gland bei den drei Mächten einen Protest einreichen werde. r von den Blättern wird vorzüglich die Frage erörtert, ob nkreich und England gemeinschaftlich diesen Protest unterzeichnen den, eine Frage, die der dem französischen dynastischen Interesse ebene Standard zu bejahen scheint, während das Haupt⸗Whig⸗ t, die Morning Chroniecle, sie entschieden verneint. „Wir en uns nicht wundern“, schreibt der Standard, mit Bezug⸗ me auf die von der Times und später auch von der Chroniele bäußerte Vermuthung einer Konnivenz Guizot's zu der Sequestrirung Krakau, „wir sollten uns nicht wundern, zu erfahren, daß wig Philipp in demselben Augenblicke, wo ihm Lord Pal⸗ ston's Blätter ein Einverständniß mit Rußland vorwerfen, en feierlichen und selbst drohenden (even menacing) Pro⸗ gegen die Einverleibung Krakau's eingereicht hat, und der — Staats⸗Secretair für die auswärtigen Angelegenheiten hat ver⸗ thlich schon vor dem gegenwärtigen Augenblick einen Wink von zinkreich erhalten, daß England eine ähnliche Verwahrung einreichen ise.“ Dagegen sagt heute die Morning Chronicle: „Wenn nes für wahrscheinlich hält, daß, weil die Interessen der beiden der Frankreich und England, den wiener Vertrag unverletzt zu halten, dieselben wären, ein gemeinschaftlicher Protest gegen die rletzung des Vertrages von beiden werde eingereicht werden, so ist Schwärmerei. Es ist nicht leicht einzusehen, wie Lord Pal⸗ Frankreich auffordern könnte, mit ihm gemeinschaft⸗ gegen eine Verletzung des wiener Vertrages zu protesti⸗ „gerade in dem Augenblicke, da er gegen eine ähnliche letzung des Vertrages von Utrecht von Seiten Frankreichs prote⸗ Von welchem Nutzen würde denn dieser Protest sein? Obschon Femeinschaftlicher Protest von zwei solchen Ländern, wie England HFrankreich, in gewöhnlichen Umständen wirksamer sein dürfte, als Separat⸗Protest jedes einzelnen, so würde doch in gegenwärtigem le gerade das Gegentheil herauskommen. Der Protest Englands rde dadurch geschwächt werden. England, dessen Stolz die treue sführung seiner Versprechungen ist, hat ein Recht, gegen alle Ver⸗ zungen derselben zu protestiren; aber welch ein Recht hat Frankreich, über Verletzung des wiener Vertrags von Seiten Oster⸗ chs zu beschweren, da es zu gleicher Zeit den Vertrag Utrecht verletzt, an dem doch Oesterreich Antheil hat?“ deß zeigen doch einige Blätter sich geneigt, nach den letzten Aeu⸗ ungen der französischen Presse an eine Annäherung der beiden binette zu glauben, und selbst die Times spricht, im Gegensatze ihrem ersten Artikel, in welchem sie Frankreich verdächtigte, jetzt Freude darüber aus, daß es den Anschein habe, die krakauer An⸗ egenheit werde die beiden Länder wieder zusammenbringen. „Die geseheneren und würdigeren Blätter des Herrn Guizot“, sagt die mes, „sprechen über die Aufhebung der Republik Krakau Ansich⸗ und Pretestationen aus, welche so entschieden sind, wie unsere nen; und trotz der Spaltungen, welche zwischen den Kabinetten England und Frankreich in anderer Hinsicht herrschen mögen, kön⸗ wir uns nur freuen, daß ein Ereigniß, wie dieses, sie gezwungen sich an ihre gemeinsamen Pflichten und an ihre gemeinsamen
rston
1413
Rechte zu erinnern.“ Eine eigenthümliche Auffassung dieser Verhält⸗ nisse bringt heute der Standard in einem leitenden Artikel, worin auf Grund mehrerer Korrespondenzen der Augsburger Zeitung gegen Rußland polemisirt wird, indem diese Macht als die allein handelnde in der krakauer Sache dargestellt und zu einem gemein⸗ schaftlichen Bündnisse zwischen Oesterreich, Preußen, Frankreich und England gegen Rußland aufgefordert wird.
Am 21sten wurden vier Deputationen aus verschiedenen Theilen der Hauptstadt bei dem Premier⸗Minister vorgelassen, um Adressen wegen sofortiger Freigebung der Getraide⸗Einfuhr zu überreichen. Lord John Russell erklärte indeß wiederholt, daß er für jetzt keinen Grund zu einer solchen Maßregel erblicke, daß er aber völlig bereit sei, außerordentliche Mittel zu ergreifen, sobald außerordentliche Um⸗ stände eintreten.
Das neueste portugiesische Finanz⸗Dekret (m. s. das gestrige Blatt unter Portugal) hat an der hiesigen Börse begreiflicherweise großen Unwillen erregt. Der Börsen⸗Bericht des Standard nennt es ein schlimmer als türkisches Dekret und vergleicht es mit den Fi⸗ nanz⸗Maßregeln der despotischen Revolutions⸗Behörden Frankreichs. Indeß tröstet man sich damit, daß die Maßregel sehr bald in nichts zerfallen wird, da die nächste Folge derselben keine andere sein kann, als eine enorme Steigerung aller Waarenpreise, gegen welche das Dekret auf die Länge nicht wird Stand halten können.
Die mit dem Paketschiffe „Penguin“ am 21sten in Falmouth ange⸗ kommenen Berichte aus Rio Janeiro vom 3. Oktober bringen weder aus Brasilien noch vom Plata⸗Strome (die Nachrichten reichen aus Mon⸗ tevideo bis zum 18. September) irgend etwas von politischem In⸗ teresse. Am 15. Oktober war das Schiff „Palestine“, welches den nach England zurückkehrenden Gouverneur von Neu⸗Süd⸗Wales, Sir George Gipps, am Bord hatte, in Bahia eingelaufen.
Niederlande. “ Aus dem Haag, 25. Nov. Se. Königl. Hoheit der Prinz Friedrich von Preußen ist gestern mit einem Extrazuge von hier nach Arnhem abgereist, um nach Düsseldorf zurückzukehren. Se. Majestät der König begleitete den Prinzen bis zur Eisenbahn⸗Station.
Schweden und Norwegen.
Stockholm, 20. Nov. Se. Majestät kamen vorgestern von Norrköping, wo Prinz Gustav von seiner Reise nach Deutschland er⸗ wartet wurde, hierher zurück. Man vernimmt, daß sich der Kronprinz in Berlin befindet, wohin gestern der erste Kabinets⸗Secretair des Königs, Freiherr Manderström, mit besonderem Auftrage von Sr. Majestät abgereist ist.
Die hiesigen Blätter enthalten eine Aufforderung zu einer Ver⸗ sammlung, die heute stattfinden soll, um über die Errichtung eines Ehren⸗Denkmales für Tegnér zu berathen.
Man schreibt aus Upsala vom 18ten d., daß seit der Nacht vom 14ten, wo der erste Schnee gefallen, die Kälte 60 R. betrage.
Dänemar k.
Kopenhagen, 24. Nov. Durch Königliche Resolution vom 16. Oktober ist der Königlich preußischen Regierung eine von ihr ver⸗ langte Befreiung vom Elbzoll für etwa 20,000 und vom Sundzoll für 42,000 Scheffel Roggen zugestanden, welche seewärts, die erste Partie von Rathenow ab, die andere von Danzig und Königsberg, an die preußischen Magazine am Rhein abgehen sollen.
Schweiz. Kaaͤnton Schaffhausen. Die vom Großen Rath bean⸗ ragte Verfassungs⸗Revision ist vom Volke mit entschiedener Mehrheit, mit 3659 Stimmen, verworfen worden, während nur 1687 Stimmen in den 16 Wahl⸗Versammlungen sich dafür erklärten; unter den An⸗ nehmenden befinden sich die 3 Sectionen der Stadt Schaffhausen,
Stein und die Wahl⸗Versammlung Dörflingen.
Spanien.
IXvc Paris, 25. Nov. Wir erhalten heute Nachrichten von der catalonischen Gränze vom 21sten. Eine Bande von vierzig be⸗ waffneten Karlisten war in dem Dorfe Oriols, zwischen Figueras und Gerona, erschienen. Auf die Kunde davon sind sogleich die Linien⸗ truppen und die sogenannten Migueletes aufgebrochen, um sie zu verfolgen. Der General⸗Kommandant der Provinz, General La Rocha, hat sich dadurch veranlaßt gesehen, die Militair⸗Kommission zur Aburtheilung der Schuldigen wieder einzusetzen. Der spanische Konsul in Perpignan, Don Miguel de Tovar, setzt den General täglich von allen Schritten der karlistischen Ausgewanderten in Frank⸗ reich in Kenntniß, wodurch es dem General möglich wird, überall bei Zeiten seine Maßregeln zu nehmen und jeden Versuch zur Auf⸗ wiegelung des Volkes sogleich im Keime zu ersticken.
Aegppten. 2 Alexandrien, 9. Nov. (A. Z.) Gestern früh langte das
8
Syra kommend, hier an, die Königl. bayerische Flagge am Haupt⸗ mast, da sich Prinz Luitpold auf dem Schiffe befand. Sogleich ver⸗ fügte sich der Kaiserl. österreichische General⸗Konsul an dessen Bord; auch der Admiral Said Pascha sandte sogleich zwei Ober⸗Offiziere, um den Prinzen zu bewillkommnen und ihm in Auftrag des Vire⸗ Königs seinen eigenen Palast anzubieten, was der Prinz dankend ab⸗ lehnte. Se. Königl. Hoheit fuhr in der Gallabarke des Vice⸗Königs ans Land. Bei seiner Abfahrt vom Dampfboote wurde er vom ägyptischen Admiralschiff mit 21 Schüssen begrüßt, und als er das Land betrat, wiederholte die Batterie die gleiche Ehrenbezeugung. Am Ufer war die Kutsche des Vice⸗Königs bereit, in welcher sich Se. Königl. Hoheit mit seinem Gefolge nach dem Hotel d'Orient begab, vor welchem eine Ehrenwache aufgestellt war. Der Prinz verbat sich jedoch alle Ehrenbezeigungen und entließ die Truppen. Nachmittags erhielt er den Besuch von Said Pascha, Sohn des Vice⸗Königs. Gleich nach Eintreffen eines von Kahira erwarteten 8 .“ wird der hohe Reisende nach der ägyptischen Hauptstadt abgehen.
Der Vice⸗König, welcher von den großen Länderei⸗Besitzern vier Millionen Rthlr. für rückständige Grund⸗Abgaben zu fordern hat, scheint dieselben mit aller Strenge eintreiben zu wollen; den Anfang machte er bei den Gliedern seiner eigenen Familie. Said Pascha, welcher 300,000 Rthlr. schuldete, wurde aufgefordert, die-⸗ selben sogleich zu bezahlen, unter Androhung, bei Nichtfelgeleistung zur Strafe nach den Dörfern verwiesen zu werden. Said Pascha hat, um sich Geld zu verschaffen, all sein Silberzeug, Luxuswaffen, Juwelen seines Harems, kurz Alles, was er an werthvollen Gegen⸗ ständen besitzt, hergegeben, um seine Schuld zu tilgen; seine Mut⸗ ter soll ihm zu diesem Behuf ihre Juwelen angeboten, Einige be⸗ haupten selbst hergegeben haben. Ibrahim Pascha soll nach Cubba, einem seiner Landgüter in der Nähe von Kahira, verwiesen worden sein. Wenn der Vice⸗König mit solcher Strenge gegen seine eige⸗ nen Söhne verfährt, dürfen die übrigen Großen des Reichs, welche alle Schuldner von bedeutenden Summen sind, wohl keinen Anspruch auf Nachsicht machen.
Es wird fortwährend ohne Unterbrechung an der Besestigung der Stadt gearbeitet. Die Flotte wird ausgebessert und in guten Stand gesetzt; im nächsten Frühjahr soll die Großherrliche Flotte unter dem Befehl des Großadmirals hierherkommen, um vereint mit der ägyptischen unter Said Pascha zu kreuzen und die Matrosen zu üben.
1 Der Mangel an Schiffen wirkt störend auf die Geschäfte; die Vorräthe von Getraide häufen sich an; noch niemals standen die Frachten so hoch, wie gegenwärtig; der Preis des Weizens ist von 91 P. auf 85 P. zurückgegangen.
Handels- und Börsen⸗Nachrichten.
Berlin, 28. Nov. Unsere Börse eröffnete die abgelaufene Woche mit einer steigenden Tendenz. Die bedeutendste Veranlassung hierzu gab die plötzlich erfolgte, sehr beträchtliche Steigerung sämmtlicher österreichischen Eisenbahn⸗Actien, hervorgerufen durch eine Veranstaltung der Finanz⸗Be⸗-⸗ hörde, Eisenbahn⸗Actien anzukaufen, falls solche unter ihren Werth sinken sollten. Augenblicklich beschäftigen sich unsere Faiseurs nur mit Pesther Actien; deren Cours stieg plötzlich von 86 bis 91 %, und wiewohl einer⸗ seits bedeutend dabei gewonnen wurde, so ist anderentheils auch die Contre⸗ mine durch Verluste stark affizirt worden. Auch auf unsere inländischen Ar⸗ tien hat dieser Aufschwung günstigen Einfluß ausgeübt, namentlich auf Köln⸗ Minden, deren Cours von 86 bis 87 ½ % stieg; es wurde in diesen Effek⸗ ten viel umgesetzt, doch blieben, wie zu erwarten stand, Schwankungen nicht aus, und beunruhigende Nachrichten, verbunden mit schlechterer Rente aus Paris, bewirkten einen Rückfall bis 86 ¾ %. Heute befestigte sich der Cours auf 87 ℳ, wozu die als beendet anzunehmende Liquidation geschlos⸗ sen wurde. Die Besorgniß der Contremine, daß bei dem niedrigen Stande unserer Eisenbahnen auch plötzlich eine günstige Wendung eintreten könne, scheint ihren Operationen eine entgegengesetzte Richtung gegeben zu haben, und wenn nicht besondere ungürstige Konjekturen eintreten, so scheint die Börse augenblicklich auf dem Punkt zu stehen, wo sie sich durch sich selbst am besten wird helfen können. Die meisten Eisenbahn⸗Papiere bleiben fortwährend in festen Händen, wodurch die Hausse einen sicheren Stützpunkt erhält, während die Baisse eben darin die Schwierigkeit findet und zuletzt dem Untergang ihrer Operationen entgegensieht.
Es ist mehr als je zu wünschen, daß die günstige Stimmung, von welcher die Börse in dieser Woche beherrscht wurde, nicht nur ungestört bleibe, sondern auch unterstützt würde, woran wir um so weniger zweifeln möchten, als die wiener Finanz⸗Operation uns den Beweis liefert, wie wenig dazu gehört, um ein fortwährendes Sinken aufzuhalten und die Papiere auf den natürlichen Weg zu stellen. Wie wir bexeits oben er⸗ wähnt, war das Geschäft nur in Köln⸗Mindener umfangreich; die meisten übrigen Effekten sind aus dem Bereich der Speeulation getreten, daher auch deren Course wenig verändert. Berlin⸗Anhalter 110 a 109 und 109 ½ % bez. Anhalter Litt. B. von 96 a 95 % bez. Berlin⸗Stettiner 107, 105 ½ a 106 ¾ % bez. u. G. Niederschlesisch⸗Märkische 87 ¼ a 86 ¾ % bez. Halle⸗ Thüringer 88 a ¼ % bez. Berlin⸗Hamburger 92 ¼ a 93 ½ % bez. Kiel⸗ Altonaer von 104 ½ a 105 ¾ % bez. u. G. Friedrich Wilhelms Nordbahn 70 ½ a 71½ % bez. Magdeburg⸗Wittenberge 86 a ½ % bez. Potsdam⸗ Magdeburger 81 a 82 % bez. Sämmtliche übrigen Actien blieben fast ganz außer Verkehr; nur in Düsseldorfern a 106 % und Rheinischen
Dampfboot des österreichischen Lloyd, „Principe Metternich“, von
a 83 ¾ % wurde Einiges umgesetzt.
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Patronen, in welche die Baumwolle locker eingestopft war, ergaben bei m von hinten zu ladenden Laufe 985“, fester gestopft 1029“ mittlere jlangsgeschwindigkeit. Patronen, von hinten in den Lauf eingesetzt, ergaben bei 45 Gran n9 65 mit dem Ladestock fest angesetzt nur 1053,9“ Anfangs⸗ hwindigkeit. d) Daß die Baumwolle mehr Feuchtigkeit anzieht, als das Pylver. feuchter Luft aufgestellt, zog die Baumwolle in 6 Tagen 1,90 pCt. — asser unter der entleerten Glocke einer Lustpumpe aufgestellt bis 0 Ct. — Pulver nie über 1,50 pCt. Feuchtigkeit an. Anfangsgeschw.
30 Gran feucht gestellte Baumwolle ergab 838,3“
30 trocken 52 2 2 1042,4“
100 » feucht gestelltes Gewehrpulver „ 1142,8
100 trocken 8 9 2 1193,4“ Die Baumwolle verliert daher nicht nur viel mehr an Kraft, als das ver, sondern wirkt auch noch viel ungleichmäßiger als dieses. c) Daß schon bei einer Temperatur von 65 bis 70° R. in wenigen uten eine Verflüchtigung der Säuren eintritt, indem sich ein über die mwolle gehaltener Streifen Lackmuspapier stark färbte. Wahrscheinlich ügt dazu aber schon die länger dauernde Einwirkung einer niedrigeren peratur, indem beispielsweise beim Werg eine solche Decomposition schon zweistündiger Einwirkung einer nur bis 26° gesteigerten Wärme statt⸗
Werden durch diese Eigenschaften die Schwierigkeiten der Fabrication iaumwolle insofern bedeutend gesteigert, als man einerseits stets zu c. hat, daß dieselbe nicht genügend getrocknet sei, andererseits, daß ärkerem Trocknen eine Verflüchtigung der Säure eintrete, so sind diesel⸗ —₰ von höchst nachtheiligem Einfluß auf die Gleichmäßigkeit der . einem Versuchstage ergab dieselbe Baumwolle (30 Gran) beim ersch’, „ocken 917,8“ Anfangs⸗Geschwindigkeit und dabei als größten rschied derselben 169,3˙. 16. Tage der feuchten Luft ausgesetzt, wobei sie 1,90 pCt. ihres Ge⸗ Feuchtigkeit angezogen hatte, bei 848,3“ Anfangs⸗Geschwindigkeit
hinausgeschleudert, sondern man fand nach jedem Schusse von derselben etwas im Rohre vor.
11 Stunden auf dem Wasserbade gelegen, wobei sie 6 ¾ pCt. ihres Gewichts verloren hatte, eine Anfangsgeschwindigkeit von 683,2“ und dabei einen größten Unterschied derselben von 589,6“.
Auf ganz gleiche Weise präparirte Baumwolle kann daher nach Maß⸗ gabe der Art ihrer Aufbewahrung, so wie nach Maßgabe des beim Laden beobachteten Modus bei demselben Gewicht der Ladung, so wie der Kugel, einmal 683, ein anderesmal 1042“ mittlere Anfangsgeschwindigkeit und zu⸗ gleich bei 5 Schüssen größte Unterschiede von 589“ ergeben; Ungleichmäßig⸗ keiten, wie sie bei Anwendung des Schiezpulvers nie vorkommen können.
Dürfte man aber auch, gegen alle Wahrscheinlichkeit, annehmen, daß sich die bis hierher zur Sprache gebrachten Mängel der Baumwolle, denen sich bei der Anwendung im Großen unzweifelhaft noch manche andere bei⸗ gesellen werden, vollkommen beseitigen lassen würden, so sind noch solgende Eigenschaften zu erwähnen, die gegen die ausschließliche Verwendung der Baumwolle statt des Schießpulvers für Kriegszwecke sprechen.
2) Die große Entzündlichkeit derselben, indem die Baumwolle schon bei einer Temperatur von p. ptr. 70 und mehr Graden, Pulver erst bei 240° R. erplodirt — die Anfbewahrung, der Transport, die Verarbeitung der Baumwolle zur Munition, selbst schon die Anfertigung derselben, ist daher viel gefährlicher, als die des Schießpulvers. — Man denke sich nur den Soldaten mit einer Patrontasche voll Baumwolle, die schon bei 70 9 erplo⸗ dirt, am Bivouakfeuer!
3) In Röhren, fest gepreßt, wirkt die Baumwolle gar nichts; zur An⸗ fertigung von Raketen, Zündern, Schlagröhren ꝛc. kann man daher des Schießpulvers oder wenigstens seiner Materialien nicht entbehren.
4) Die Anfertizung der Katuschen und Patronen mit Baumwolle geht überaus langsam von statten.
Die Pulverladungen für die Geschütze, so wie für das Kleingewehr, werden gegenwärtig abgemessen und in die Kartuschen oder Patronen geschüttet. Bei Anwendung der Baumwolle ist dies nicht möglich, es muß vielmehr jede einzelne Ladung nicht nur abgewogen, sondern auch sehr sorgfältig in die Patronen, resp. Kartuschen gestopft werden. Bei dem ungeheuren Gebrauch, an Patronen namentlich, dürfte dieser Umstand daher sehr zu veranschla⸗
dMoößten Unterschied von 234,37. Es wurde dei einzelnen Schüssen tunentzündete Baumwolle aus der Mündung und dem Zündloche
en sein. b 5) Bei den bestehenden Einrichtungen ist die Baumwolle zu den La⸗
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dungen des Infanterie⸗Gewehres, so wie der Karabiner und Pistolen, unanwendbar.
Lose kann man dem Soldaten die Baumwolle natürlich nicht mit⸗ geben. 1 Aus den Patronenhülsen läßt sich dieselbe nicht wie das Pulver aus⸗ schütten; es muß daher die ganze gefüllte Patrone zu Boden gebracht wer-⸗ den, und dieselbe wird alsdann in den allermeisten Fällen beim Abfeuern sich nicht entzünden. Finge die Patrone aber auch wirklich beim jedes mali⸗ gen Losdrücken Feuer, so verzehrt die Baumwolle doch nicht das Papier der Hülse, ein Theil der letzteren und, wie oben erwähnt worden, selbst ein Theil der Baumwollezꝛ, wenn dieselbe feucht war, bleibt im Rohre zurück, so daß der Sicherheit wegen nach jedem Schuß der Krätzer gebraucht wer⸗ den muß. Es kann zwar gelingen, diesem Uebelstande durch die Anwen⸗ dung eines anderen Materials für die Patronenhülsen, so wie durch eine veränderte Einrichtung der Patronen und Gewehre, zu begegnen; es ist jedoch sehr zu hezweifeln, daß die Anwendung der Baumwolle, selbst bei allen Verbesserungen, deren dieselbe fähig ist, so überwiegende Vortheile gewähren sollte, um eine gänzliche Umgestaltung unserer Hand⸗Feuerwaffen und ihrer Munition zu rechtfertigen.
Bei den Eigenschaften, welche die zu den bisherigen Versuchen benutzte Baumwolle hat, kann von einer Verwendung derselben zu Kriegszwecken nicht die Rede sein, und man wird darauf für immer verzichten müssen, wenn es nicht gelingt, dieselbe weniger entzündlich, weniger hogroskopisch darzustellen und eine Decomposition derselben, wenigstens unter Umständen, unmöglich zu machen, wie sie bei der Aufbewahrung und dem Transporte des Kriegsmaterials unvermeidlich sind.
Man hat es versucht, sich statt der Baumwolle des Wergs und an- derer Faserstoffe zu bedienen, die jedoch nur dann den Vorzug vor der Baumwolle verdienen würden, wenn sie in hinlänglichen Quantitäten, von
leichmäßiger Beschaffenheit und wohlfeiler als diese darzustellen wären. Die bisherigen Erfahrungen haben jedoch gezeigt, daß Werg wenigstens der Baumwolle in allen Beziehungen weit nachsteht. So trat z. B. bei demselben, wie erwähnt, schon bei 26 ° R. sehr bald eine Decomposition ein, und bei demselben Gewicht der Ladung ergab Werg nur eine Anfangs⸗ geschwindigkeit von 409,1“ und zugleich einen gröͤßten Unterschied von 209,5„,
während die Baumwolle bei einer Anfangsgeschwindigkeit von 1042,4 nur einen größten Unterschied von 88,8“ ergab. 8 1