1846 / 338 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

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falls wider Erwarten ein Verlust sich ergeben sollte, die Einbuße zu decken. Vorläufig werden monatlich drei Hin⸗ und Herreisen beab⸗ sichtigt, so lange die Schifffahrt offen ist. Nach dem von dem Co⸗ mité veröffentlichten Prospektus ergeben sich eirca 5100 Mk. Cour. Kosten für jede Reise, wogegen die jedesmalige Einnahme für Fracht auf circa 5400 Mk. Cour. berechnet ist. Se. Majestät der König hat zu Glückstadt das an der Nordseite des Hafens gelegene, mit einem Thurm gezierte Haus, eines der wenigen Gebäude der Stadt, an welche sich historische Erinnerungen aus älterer Zeit knüpfen, für 32,000 Mk. Cour. ankaufen lassen.

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Freie Stadt Hamburg. Die Hamb. Neue Ztg. wird mit dem Schluße dieses Jahres zu erscheinen aufhören. Sie meldet dies an der Spitze ihres Blattes vom 3. Dezember in folgender Weise: „Durch das Plakat der Königl. dänischen Kanzlei, d. d. 5. No⸗ vember d. J., und die nachträgliche Bekanntmachung der schleswig⸗ holstein⸗lauenburgischen Kanzlei, d. d. 7. November d. J., ist bekannt⸗ lich der Hamburger Neuen schen Herzogthümern und im Königreiche Dänemark entzogen, das Halten dieser Zeitung in jenen Landestheilen verboten und den betref⸗ fenden Aemtern, Gerichten u. s. w. anbefohlen worden, die in ham⸗ burger Blätter zu inserirenden öffentlichen Bekanntmachungen ferner nicht der Hamburger Neuen Zeitung zugehen zu lassen. Durch dieses Verbot, über dessen Motiv wir uns nicht weiter auszulassen brauchen, ist das Fortbestehen dieser Zeitung eine Unmöglichfeit ge⸗ worden. Die Hamburger Neue Zeitung und Adreß⸗Com⸗ toir⸗Nachrichten werden mit dem 31. Dezember d. J. zu erschei⸗ nen aufhören.“

Rußland und Polen.

St. Petersburg, 28. Nov. Se. Majestät der Kaiser hat befohlen, in Folge des Ablebens Ihrer Kaiserlichen Hoheit der Groß⸗ fürstin Maria Michailowna am Kaiserlichen Hofe eine dreimonatliche Trauer, vom Tage des Hinscheidens Ihrer Hoheit an gerechnet, an⸗ zulegen. In der kasanschen Kathedrale wurde vorgestern von den Mit⸗ gliedern der heiligen Synode, im Beisein der gesammten Geisttlichkeit der Residenz, ein Todtenamt und nach Beendigung desselben eine Seelenmesse für Ihre Hoheit abgehalten. Die Theater bleiben vier Tage lang, bis morgen, geschlossen.

Die allgemeinen Stadtwahlen für St. Petersburg haben in den Tagen vom 25. Oktober bis zum 8. November stattgefunden. Nach dem neuen Reglement haben in den fünf die Stadtge:neinde bilden⸗ den Ständen nur diejenigen Personen Stimmrecht bei den allgemei⸗ neu Wahlen, welche a) volljährig sind; b) weder gerichtlichen nech Gemeindestrafen unterworfen waren, auch nicht bankerottirt haben; c) aus ihrem im Weichbilde der Residenz belegenen Eigenthum wenigstens 100 Silber ⸗Rubel jährlichen Einkommens beziehen und d) wenigstens seit 2 Jahren Mitglieder der städtischen Gemeinde sind. Die auf Kaiserlichen Befehl zur Leitung der ersten Gemeinde⸗ wahlen und zur Einführung des neuen Wahlmodus niedergesetzte Kommission hatte, nachdem sie die Stimmberechtigung von 8227 Per⸗ sonen, welche in den ihr vorgelegten Verzeichnissen aufgeführt waren, geprüft, eine Liste der Wähler angefertigt; diese machte namhaft: a) aus dem Stande des Erbadels 1520 Personen, wozu sowohl die, denen ein unmittelbares Stimmrecht zusteht, als auch die gezählt sind, welche das Recht, Stellvertreter zu ernennen, besitzen; b) aus dem Stande der Persönlich⸗Adeligen, der Ehrenbürger und Rasnotschinzen 428; c) aus dem Kaufmannsstande 2218; d) aus dem Bürgerstaude 1420; e) aus dem Stande der Handwerker 627 Meisterleute männ⸗ lichen Geschlechts. Im Ganzen enthielt das Verzeichniß die Namen von 4470 Personen männlichen und 1743 Personen weiblichen Ge⸗ schlechts; zusammen von 6213. Nächstdem wurden die Stände in Wahlbezirke von nicht mehr als höchstene 60 Wählern getheilt. Aus dem Stande des grundbesitzlichen Erbadels wurden 3 Wahlbezirke gebildet; aus den Wählern des Kaufmannsstandes 5, zu deren jedem 19 Kaufleute erster Gilde, 36 zweiter Gilde und 387 dritter Gilde, im Ganzen 442 Per⸗ sonen zugezählt wurden. Eine Ausnahme hiervon machte jedoch der letzte Wahlbezirk, der 2 Kaufleute erster Gilde, 2 zweiter Gilde und 4 dritter Gilde weniger zählte. Der Bürgerstand zersiel nach der Zahl der Stadttheile in 3 Bezirke. Die beiden anderen Stände, nämlich der des persönlichen Adels und der der Ehrenbürger, der grundbesitz⸗ lichen Rasnotschinzen und Handwerker, sind nicht weiter getheilt worden. Der Civil⸗Gouverneur eröffnete die Wahl⸗Versammlung mit folgen⸗ der Anrede: „Se. Majestät, unser Allergnädigster Herr und Kaiser, haben geruht, durch die Allerhöchst bestätigte Verordnung über die Gemeinde⸗Verwaltung St. Petersburgs die von der Kaiserin Katha⸗ rina II. den Städten verliehenen Rechte, welche im Laufe der Zeiten ihre wahre Bedeutung verloren hatten, in ihrer ganzen Vollständig⸗ keit wiederherzustellen. Kraft dieser neuen Verordnung sind die Be⸗ wohner der Residenz jeden Standes zur Wahrung einer Allen gleich wichtigen Angelegenheit, nämlich der Sorge für die Bedürfnisse und die Interessen der Stadt, berufen; Jedem ist es vergönnt, an dieser bedeutsamen Gemeinde⸗Angelegenheit Theil zu nehmen durch Mitwir⸗ kung bei der Wahl von Bevollmächtigten oder Gliedern der Allge⸗ meinen Raths⸗Versammlung, welche die Interessen der Stadt kräftig wahren und die Bedürfnisse der städtischen Gemeinde vertreten sollen. Vermöge der mir übertragenen Functionen eröffne ich hiermit die erste Versammlung der gesammten Stadt⸗ Gemeinde und habe die Ehre, sie aufzufordern, auf Grund⸗ lage des vorgeschriebenen Modus an den dazu feftgesetzten Tagen zur Erledigung des vorliegenden Wahlgeschäfts zu schreiten.“ An den Wahl⸗Versammlungen nahmen Theil: aus dem Stande des Erbadels 428; der Persönlich⸗Adeligen, Ehrenbürger und Rasno⸗ tschinzen 140; der Kaufleute 1213; der Bürger 517; der Handwer⸗ ker 387; im Ganzen 2685 Personen. Zu Deputirten wurden er⸗ wählt: aus dem Stande des Erbadels 120, der Persönlich⸗Adeligen, Ehrenbürger und Rasnotschinzen 100, der Kaufleute 149, der Bürger 117, der Handwerker 100; im Ganzen 586; außerdem noch 534 Kandidaten, welche in Abwesenheit oder Krankheitsfällen der gewähl⸗ ten Deputirten deren Stelle zu vertreten haben. Die Gesammtzahl der in allen Ständen gewählten Personen beträgt 1217. Am 8. November, dem zur Eröffnung der Versammlungen der Stadtgemeinde bestimmten Tage versammelten sich die neuerwählten Deputirten, so wie viele andere Gemeinde⸗Glieder, im Saale des adeligen Vereins, wo der Gouvernements⸗Chef folgende Anrede an sie verlas: „Die ersten Wahl⸗Versammlungen der St. petersburgischen Stadt⸗Gemeinde, welche laut Allerhöchster Verordnung am 25. Oktober eröffnet wur⸗ den, haben in der vorgeschriebenen Frist das ihnen übertragene Ge⸗ schäft beendet. Die Wahlen der Deputirten sind mit Einmüthigkeit und unter reger Theilnahme, wie die Regierung es erwartete, zu Stande gekommen. Ein so erfolgreicher Verlauf dieses, die Regu⸗ lirung der hiesigen Gemeinde⸗Verwaltung einleitenden Aktes berech⸗ tigt zu der Hoffnung, daß auch alle folgenden in wahrhaft ersprieß⸗ licher Weise ihre Erledigung sfinden werden. Indem ich nun die Versammlung der Stadt⸗Gemeinde schließe, habe ich die Ehre, die erwählten Deputirten zur Eidesleistung aufzufordern.“ Nachdem diese erfolgt war, wandte sich der Civil⸗Gouverneur mit folgenden Worten zu der Versammlung: „Da nunmehr die Geschäfte der all⸗ gemeinen Bürger⸗Versammlung erledigt sind, beginnt die Wirksamkeit der allgemeinen Stadt⸗Duma. Die Herren Mitglieder treten, gerhrt

Zeitung der Postdebit in den deut⸗

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durch das Vertrauen der Gemeinde, in alle ihnen durch die hohe Gnade unseres erhabenen Monarchen verliehenen Rechte. Ihnen ist von nun an die Sorge für das Wohl und die Interessen der Stadt anvertraut, von ihrer Thätigkeit wird die Einbürgerung und Befesti⸗ gung der städtischen Gemeinde⸗Verfassung abhängen. Indem ich die erste Versammlung der allgemeinen Stadt⸗Duma in hiesiger Residenz eröffne und Sie hiermit auffordere, nach den vorgeschriebenen Grund⸗ regeln zur Erledigung der ihr übertragenen Ges⸗häfte zu schreiten, erfülle ich eine mir eben so schmeichelhafte als angenehme Pflicht.“ In der Nacht vom 30. zum 31. Oktober fühlte man in Eriwan eine Erderschütterung, die von starken Erdstößen und unterirdischem Donner begleitet war. Das Wetter war während dieser Zeit ruhig und heiter; das Thermometer zeigte 5 ½ Grad Wärme. Glücklicher⸗ weise waren die Stöße nur kurz und haben nirgends Schaden ver⸗ ursacht. Man besorgt, es möchte ein Erdbeben, ähnlich dem im Jahre 1840, wo ein Theil des Ararat das Dorf Argura verschüttete,

sich wieder erneuern. Ses gs an Frankreich.

Paris, 30. Nov. Es taucht abermals das Gerücht auf, daß Graf Molé Aussichten habe, mit der Bildung eines neuen Kabinets beauftragt zu werden. Man glaubt, die Kammern würden nicht vor dem 12. Januar zusammentreten.

Der Infant Don Enrique ist heute nach Madrid abgereist.

Die Presse versichert wiederholt, der Frirde am La Plata sei entschieden, und beide Regierungen wären darüber einig, ihre Reprä⸗ sentanten zur Unterzeichnung des Vertrags zu instruiren. Dem Courrier de Havre wird vom La Plata unterm 15. September geschrieben, daß man dort auch die friedliche Beilegung des Zwistes erwartete und der Befehl von Rosas, die Feindseligkeiten einzustellen, noch nicht widerrufen sei.

Der Courrier frangais behauptet, Lord Palmerston rühre die griechische Zinsfrage wieder auf und habe der griechischen Regie⸗ rung bedeuten lassen, daß er bis zum 1. Januar diesen Gegenstand regulirt haben wolle.

Herr Odilon Barrot ist, nach einem Briefe im Sidele, am gten d. M. in Alexandrien eingetroffen, und der Vice⸗König soll ihm einen noch ausgezeichneteren Empfang vorbereitet haben, als er in Konstantinopel gefunden. Derselbe Brief meldet, daß wahrscheinlich binnen kurzem eine freundschaftliche Uebereinkunft den Bey von Tunis auf denselben Fuß zur Pforte stellen werde, wie den Pascha von Aegypten.

Der Baarvorrath der Bank von Frankreich in gemünzten Sor⸗ ten soll von 190 auf 86 Millionen Fr. gesunken sein; daher die Un⸗ terhandlung über ein Anlehen von 30 Millionen Fr. in Contanten.

Die Brodpreise für Paris bleiben für die erste Hälfte des De⸗ zembers unverändert dieselben: das Kilogramm erster Qualität 46, zweiter Qualität 38 Cent.

Gestern fanden in acht Wahlkollegien des Seine⸗Departe⸗ ments die alle drei Jahre eintretenden Ergänzungs⸗Wahlen für das General⸗Conseil des Departements statt. Die bekannt gewordenen Ernennungen sind alle zu Gunsten der Opposition. Arago ist mit 1002 und 1247 Stimmen wiedergewählt.

An der Spitze des legitimistischen Comité's, welches, nachdem der Herzog und die Herzogin von Bordeaux 70,000 Fr. zu Gunsten der hülfsbedürftigen Klassen Frankreichs eingesandt haben, zur Ent⸗ gegennahme weiterer Beiträge für diesen Zweck zusammengetreten ist, stehen die Herzoge von Clermont⸗Tonnerre, Des⸗Cars und Delor⸗

ers, der Fürst von Montmorency⸗Luxembourg, der Marquis von Pastoret und Herr Berryer.

An die Stelle des zum Titular⸗Präsidenten des Rechnungshofes ernannten Vicomte Harman d'Abancourt ist Baron Delair, Kammer⸗ Präsident des Rechnungshoses, zu einem der Mitglieder der Kom⸗ missionen für den Tilgungsfonds und die Depot⸗ und Consignations⸗ Kasse ernannt.

Falls Edgar Quinet in diesem Semester keine Vorlesungen hält, wird Herr Dumas⸗Hinard die Professur der südlichen Sprachen und Literatur versehen.

Graf Rossi, Botschafter Frankreichs zu Rom, hat sich am 21. November zu Marseille eingeschifft, um sich auf seinen Posten zu begeben.

Aus Tours schreibt man vom 26. November: „Die zu Neuille und Chateau⸗la Valliere stattgehabten Ruhestörungen haben sich am 24sten d. auf dem Markt von Chateaurenault erneuert. Die Ruhe⸗ siörer bemächtigten sich des Getraides, obgleich dessen Preis im Sin⸗ jen war, und vertheilten dasselbe unter sich, den Sester (12 Scheffel) zu 25 Fr. Die Behörde hat eine halbe Schwadron Lanciers gestern nach Chateaurenault abgesandt. Hier ist die Ruhe seit dem 23sten d. nicht gestört worden. Indessen sind gestern einige Zettel, welche neue Drohungen gegen die Behörden enthalten, in mehreren Vierteln ge⸗ funden worden.“

Ueber die kürzlich von den englischen Blättern gemeldete Ankunft des Grafen von Montemolin in London erzählen jetzt französische Blätter, daß derselbe von Turin durch Deutschland und Belgien da⸗ hin gekommen sei. Graf von Villafranca soll es gewesen sein, der von London aus die falschen bisherigen Nachrichten über den Sohn des Don Carlos verbreitete.

Herr Ed. Thouvenel hat die Stelle des Grafen Foy, der seine Entlassung genommen, als Legations⸗Secretair in Athen erhalten.

Vorgestern wurde einer der wenigen noch üͤbrigen Generale Na⸗ poleon's, Baron Merger, der vor einigen Tagen gestorben ist, zur Erde bestattet.

Eine Königliche Verordnung vom Listen d. eröffnet dem Finanz⸗ Minister einen neuen Kredit von 2 Millionen zur Ausbesserung des Schadens, den die letzten Ueberschwemmungen an Straßen, Flußbet⸗ ten und Kanälen angerichtet haben.

Dieser Tage starb zu Beaumont⸗Lezot im Arriége⸗Departement Jean Ronnet, 102 Jahre alt. Er war 30 Jahre Soldat und zur Zeit des siebenjährigen Krieges bei der Armee in Deutschland. In einem sehr blutigen Gefecht hatte er seinem Capitain von Comminge das Leben gerettet. Dieser hatte ihm seit dieser Zeit eine Pension gegeben, welche von der Familie Comminge gewessenhaft bis zum Todestage Jean Ronnet's, länger als 70 Jahre hindurch, gezahlt worden ist.

Gegen das die Beamten der Nordbahn wegen des Unglückefalls bei Fampoux freisprechende Urtheil des Zuchtpolizeigerichts zu Lille ist vom Königlichen Prokurator appellirt worden, und die Sache kommt nun vor den Königlichen Gerichtshof zu Douai.

Das Regenwetter dauert fort, und die Wege sind grundlos; fast alle Posten treffen verspätet ein, die spanische Post z. B. ist seit acht Tagen um 24 Stunden im Rückstande, und die deutschen Zei⸗ tungen, die sonst um 7 ½ Uhr Morgens ausgegeben werden, oft Mittags noch nicht einmal angekommen.

Großbritanien und Irland. 8 1

London, 1, Dez. Der Erbgroßherzog und die Erbgroßher⸗ zogin von Mecklenburg⸗Strelitz haben sich gestern in Dover wieder nach dem Kontinent eingeschifft.

Die Morning Chroniele giebt heute eine Art letzter Erklä⸗ rung in ihrem Streite mit dem Journal des

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sind jetzt 87

Débats über die

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krakauer Angelegenheit. Bekanntlich hatte das englische Blatt be französischen Kabinet eine Mitwirkung oder wenigstens eine Mitwisen schaft in dieser Sache beigemessen, und das französische Jann hatte dies entschieden in Abrede gestellt. Das Mißtrauen aber die gegenseitige Erbitterung scheinen so groß zu sein, daß die Vei sicherungen von französischer Seite hier wenig Glauben gefunde haben und das Whigblatt sich heute zu folgender Erklärung veran laßt sieht: „Wir wollen nicht den Streit mit dem Journal den Débats über die Mitwissenschaft des französischen Hofes (nicht Kabintg in der krakauer Angelegenheit verlängern. Das Journal des Doöbatz zürnt uns, aber widerspricht nicht unserer Behauptung. Dy Blatt muß uns deshalb verzeihen, wenn wir mit aller Achtung m ibm seinen Bemerkungen keine große Wichtigkeit beilegen. Unss Grund ist folgender: Während des Bürgerkrieges in Spanien ne es bekannt, daß die Bestimmungen der Quadrupel⸗Allianz von ii französischen Behörden an der Gränze nicht beobachtet, ja geraden verletzt wurden. Wir führten darüber oft Beschwerde, und dasseh Journal des Déöbats antwortete uns damals fast mit denselt Worten, in denen es sich heute über uns beschwert. Nun wohl, 9) dermann erinnert sich noch der merkwürdigen Erklärung des Hem Thiers in der Deputirten⸗Kammer, daß er, obschon Minister m eifrig bemüht, den Quadrupel⸗Traktat zu erfüllen, doch unföf sei, seine Politik wirksam zu machen. Der König mae Alles. Darüber beschwerten wir uns damals, und das ge⸗ ben wir jetzt. Es giebt in Frankreich immer zwei auswin, Minister, einen mit seinem Amte in der Rue des Capucins und anderen in den Tuilerieen. So lange als Herr Guizot, oder Thiers, oder Herr Molé, oder irgend sonst Jemand sich darauf schränkt, die Absichten des Königs auszuführen, kann er Minister ben. Aber man lasse ihn diesen Absichten entgegen sein, und nicht länger Minister Ludwig Philipp's. Wir fühlen das Unpassa den Namen des Souverains mit der Leitung der Angelegenheite †† einem constitutionellen Staate zu vermischen; aber in dem gegenwärt Falle kann es nicht vermieden werden. Die auswärtige Politik Fm reichs ist jetzt durchaus persönlich, und man kann von ihr nicht rea ohne auf ihre Quelle zurückzugehen. Dies ist der Grund, weehti wir jener Politik Doppelseitigkeit Schuld geben, und wenn Journal des Déöbats dies nicht zugeben will, so wissen wir, u es doch eine sehr große Anzahl tüchtiger und einflußreicher Mäne in Frankreich giebt, die mit uns übereinstimmt. Unsere Kollns spricht aus, was ihr gesagt wird, und glaubt damit ohr Zweifel die Wahrheit zu sagen. So geschah es amt 1837 und 1838, und doch würde sie jetzt wohl nicht be⸗ haupten wollen, daß sie damals im Recht und wir im Unrec 0. waren. In der krakauer Angelegenheit dürfte es eben so sein. 9 läßt sich allerdings dies schwer beweisen, aber wenn man die Die⸗ kussion einmal hervorruft, so wollen wir hinreichende Thatsachen beie bringen, um jeden weniger vorurtheilsvollen Geist, als wie er in den Spalten des Journal des Débats oder des großen Meinnngs⸗ Organs, Galignani's Messenger, weht, zu überzeugen.“

Die Morning Chronicle meldet nach Briesen aus hai über die beabsichtigte Anleihe der französischen Bank, daß der Baar⸗ vorrath derselben von 190 Millionen Franken auf 90 gesunken sei und man allgemein glaube, englischen Bank wegen eines Darlehns von 2 Millionen in Silber Unterhandlung angeknüpft oder werde das doch thun. Der Sun bemerkt, wie es nicht zweifelhaft sein könne, da die englische Bank ohne Unbequemlichkeit 2 Millionen Pfd. Sterl. i Gold darzuleihen im Stande sei; allein da ihr ganzer Vorraih ve Silber nur 2,506,000 Pfd. Sterl. dings ein, daß sie davon so viel nicht abzugeben vermöge. Jede falls würde aber zu bedauern sein, wenn nach der vor einigen Jo ren von der französischen Bank gewährten Aushülfe jetzt die en lische sich verhindert sehen sollte, derselben in erwünschter Weise ge⸗ fällig zu sein.

Vor einigen Tagen hielten die Direktoren und Vorsteher der Armen des Stadttheils Marylebone eine Versammlung und über⸗ zeugten sich durch die vorgelegten Aktenstücke und durch den Beriche der Todtenschau, daß kürzlich im Arbeitshause durch Fahrlässigkeit de Beamten eine arme Frau vor Entkräftung und Hunger gestorben ist Schon früher war die Entlassung des Inspektors beantragt worden der Vorstand hat aber jetzt, da alle Beamte des Arbeitshausth nach den vorliegenden Beweisen pflichtwidrig und gewissenlos gehar⸗ delt haben, eine Spezial⸗Untersuchung ihres Verfahrens angeordm⸗ Die Times, welche mit Eifer die sozialen Gebrechen Englandss leuchtet und schon oft auf die Nothwendigkeit einer Reform der 2 waltung der Arbeitshäuser hingewiesen hat, benutzt den obigen dü⸗ um abermals die entsetzliche Härte und Gefühllosigkeit, womit n Armen in den meisten Arbeitshäusern behandelt werden, und die ü durchgängige Fahrlässigkeit und Gewissenlosigkeit der Unterstützunge Beamten zu brandmarken.

Aus Hull schreibt man, daß dort am 23sten der letzte Wallffis⸗ fahrer aus der Davisstraße angelangt sei und berichte, daß weder 9 noch ein anderer Wallfischfahrer während der Fangzeit das Mindest von der Nordpol⸗Expedition gewahrt oder gehört hätten, welche be kanntlich, aus den Schiffen „Terror“” und „Erebus“ unter den 0- pitains Franklin und Crozier bestehend, im Frühjahr 1845 vond Admiralität abgeschickt ward, um eine nordwestliche Durchfahrt zu sucha Man vermuthete, daß die Schiffe den Lancaster⸗Sund hinaufgefahn seien; wegen der großen Eismassen im Norden vermochte aber dieß Jahr keiner der Wallfischfahrer so weit vorzudringen.

Graf NYarborough hat seinen zahlreichen Pächtern in der Gr schaft Doncaster die Erlaubniß gegeben, auf ihren Pachtgrundstüc wo das Wild seit 12 Jahren sorgfältig gehegt wurde, dasselbe niederzuschießen und das Wildpret nach Gutdünken selbst zu verwent oder zu verkaufen. Da der wachsende Wildstand den Pächtern h6 her vielen Schaden zufügte, so hat dieser Schritt des Gutszen allgemeine Freude erregt. 8 1t

In Manchester ist ein großer Theil der Wähler entschieden d⸗ geneigt, den von den Ultras der Freihandelsmänner vorgeschlagene Herrn Bright zu ihrem Vertreter im Unterhause zu wählen. Dis Partei, welche immer mehr anwächst, hat jetzt beschlossen, Lord Le coln, der ebenfalls ein Vertheidiger der Freihandels⸗Grundsähe 3 wiewohl er sie mit mehr Mäßigung versicht, als Herr Bright,”¹ ihren Kandidaten aufzustellen.

Nach einer vorläufigen Aufmachung soll die insolvente Masse 9 Herren Harman u. Co. eine Dividende von 15 pCt. versprec wenn sie unter Administration genommen, dagegen nur 10 pCt., wel der Bankerott erklärt wird.

Das Edinburgh Register spricht von einem Fund zu Naua der, sollte er sich bestätigen, von großer naturhistorischer Wichtigke sein würde. In einem Schreiben aus Philadelphia heißt es nämla daß Dr. Dickison aus dieser Stadt, in der Nähe von Natchez 9 Mississippi, 100 Fuß unter dem Boden einen fossilen Menschenknane gefunden habe. In einer Versammlung bei dem berühmten Et ss jogen Dr. D. G. Morton zu Philadelphia, bei welcher auch Proftsc Agassiz zugegen war und andere Palaeontologen, entschied man 1. dafür, daß das gefundene Fossil der Beckenknochen eines Mang, zwischen 16—20 Jahren gewesen sei; der Knochen fand sich unter gche ren Resten von Megatherium, megalonix und anderen vorfluthli

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geschlechtern. Der Fund wurde in dem Museum der Naturwissen⸗ in zu Philadelphia niedergelegt. Bisher sanden sich Menschen⸗ os in neueren Ablagerungen vor und in Verbindung mit fossi⸗ esten von Thieren, die noch jetzt vorhanden sind. Sollte sich Thatsache als unbestritten herausstellen, so führt dies die der Menschen auf eine Epoche zurück, wo ein Tropen⸗Klima jetzigen gemäßigten und kalten Zone herrschte. Die Gelehr⸗ helche bei der Untersuchung zugegen gewesen, werden sich sicher rnäher aussprechen, indem noch immer die Annahme am wahr⸗ icsten ist, daß hier ein Irrthum mituntergelaufen und das Fossil Schichte gefunden, die weit später, als das Megathor, ex istirt ildet. 5 Zustand des Dampsschiffes „Great Britain“ in der Dun⸗ Bai ist beinahe hülflos. Der neuliche Sturm hat nachtheilig ewirkt, und die letzten Versuche, es flott zu machen, sind miß⸗ Man wird sich also wohl damit begnügen, die Masten und

aschine herauszuschaffen. 8 1

Niederlande. 1 lus dem Haag, 30. Nov. Ihre Majestät die Königin be. Königl. Hoheit der Prinz Alexander sind von ihrer Reise ztalien heute hier wieder eingetroffen.

BGelgien.

prüssel, 2. Dez. Die Emancipation meldet: „Herr Ba⸗ Peneral⸗Secretair im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, ist erlin, we er eine Post⸗Convention zwischen Preußen und Bel⸗ die für beide Länder vortheilhaft st, abgeschlossen hat, nach zurückgekehrt.“

der vorgestrigen Sitzung der Repräsentanten⸗Kammer wurde dget der auswärtigen Angelegenheiten mit 50 Stimmen gegen nommen. Es beläuft sich auf 1,073,524 Fr. die Herren F. Biolley und Söhne zu Verviers lassen selbst für ahlreichen Arbeiter Brodt backen, welchen dadurch ein Brodt Psfd. 9 Centimes billiger als bei den Bäckern zu stehen kommt. eisten großen Fabrikanten wollen diesem schönen Beispiele

hie Voruntersuchung wegen der Unruhen zu Nieuport ist zu gegen zwanzig Militairpersonen und einige Bürger sind vor chtpolizei⸗Gericht verwiesen worden. Schweden und Norwegen.

Stockholm, 27. Nov. (B. H.) Gestern Mittag fand sich hlosse ein junger, schlecht gekleideter Mann ein und verlangte eftigen Geberden von dem dienstthuenden Kammerherrn des s, dem Obersten von Peyron, daß er ihm eine Audienz bei Najestät verschaffe. Auf die Weigerung des Kammerherrn be⸗ er denselben mit einer Pistole, die er aus der Tasche zog, hald darauf richtete er eine andere Pistole auf den Schloß⸗ mann, Grafen von Horn, der mit einiger Mannschaft von Pache herbeigeeilt war, um ihn zu verhaften. Der Schuß un, glücklicherweise ohne Jemand zu treffen. Aus dem so⸗

Millionen Fr.]wit dem Verhafteten im Polizei⸗Büreau vorgenommenen Ver⸗

eht hevor, daß er sich Platen nennt, Fourier im Regiment karlien“ gewesen, ein Jahr lang wegen Geistes⸗Abwesenheit Irren⸗Hospital von Danviken verpflegt worden ist, dasselbe

dafl. Mai 1845 als geheilt verlassen hat, alsdann zu seinen Ver⸗

en zurückgeschickt worden ist und sich erst seit vorgestern in olm befindet. Die belden Pistolen waren mit Eisenschrot ver⸗ er Sorten stark geladen. Das Gutachten der Aerzte, welche erhafteten untersucht haben, bezeugt, daß sich derselbe in dem e völligen Wahnsinnes befindet, und er wird demgemäß in voptal von Danviken gebracht werden. Man hat allen Grund, huben, daß die Absichten dieses Unglücklichen nicht so schuldvoll en sind, als sie im ersten Augenblicke erschienen. Am 8. November ist die irdische Hülle des Bischofs Tegnér in eiche⸗Kapelle der Domkirche von Vexiö beigesetzt worden, und ten hat die seierliche Beerdigung in Gegenwart einer zahlrei⸗ Menschenmenge auf dem dortigen Kirchhofe stattgefunden, wobei ischof Dr. Heurlin die Leichenrede hielt. n. n

Dänemarkxk. 8

Fchleswig, 1. Dez. (H. C.) In der gestrigen Sitzung der e⸗Versammlung forderte Se. Durchlaucht der Herzog den Prä⸗ auf, über die den Mitgliedern der Ritterschaft ertheilte Viril⸗ sich gefälligst äußern zu wollen, da er bei der desfallsigen on (s. Allg. Preuß. Z. Nr. 335) nicht zugegen gewesen. drobst Graf Reventlow erwiederte, daß er dazu um so mehr sei, weil er die desfallsigen Papiere in Händen habe. Er sodann das Schreiben des Landesherrn mit, wodurch er zum lde der holsteinischen Stände⸗Versammlung Allerhoͤchst ernannt sei. In diesem Schreiben ist nun ausdrücklich die ihm bei⸗ Stimme eine Virilstimme genannt. Er äußerte dann ferner, a er sich genöthigt gesehen habe, die holsteinische Stände⸗Ver⸗ ung zu verlassen, und er auf die landesherrliche Aufforderung, seinen der Stände⸗Versammlung wieder einzunehmen, unter den der⸗ Umständen unmöglich habe eintreten können, ihm diese Viril⸗ entzogen worden sei. Er seinerseits habe aber dagegen eine ation an die Kanzlei eingesandt, weil die Virilstimme, mit der adigt worden, ihm, so lange er im Besitze eines adeligen wäre, nicht entzogen werden könne. Hierauf sei keine Ant⸗ folgt. Hätte er glauben können, daß die Regierung der An⸗ „daß die mit einer Virilstimme Begnadigten nur den Ansich⸗ Regierung beistimmen müßten, so würde er sofort sein Be⸗ ungs⸗Patent zurückgesandt haben. Er habe aber dadurch blos Pflichten, sondern auch Rechte empfangen. Er im Gegentheile dafür, daß die Inhaber der Virilstim⸗ eben weil sie lebenslänglich ernannt, die freieste Stellung ein⸗ und so wenig die Wähler das Recht hätten, ihre Abgeord⸗ zu entlassen und ihre Wahl zu kassiren, eben so wenig stehe es gierung frei, dem Viril⸗Stimmberechtigten die Stimme zu . Der Regierungs⸗Commissair suchte seine frühere Aeußerung zu berichtigen, daß er hätte sagen wollen, der Ausdruck „Viril⸗ werde in der Verordnung nicht gefunden, so wie er nicht 1 wie der Inhaber dieser Stimme freier als die übrigen Ab⸗ en stände, indem es jedem Abgeordneten freistehe, unumwun⸗ ne Ansicht in dem Ständesaal auszusprechen. 8 Herzog forderte dann noch den Hof⸗Jägermeister von Ah⸗ uf sich zu erklären, ob demselben auf sein Schreiben, wodurch * ihm beigelegte Virilstimme verzichtet habe, eine Antwort kasei Nachdem derselbe dies verneint und der Regierungs⸗ mif erklärt hatte, er müsse wiederholen, daß er nichts weiter 4₰ weshalb kein viertes Mitglied von der Ritterschaft er⸗ daß 5 sei, äußerte Se. Durchlaucht, er müsse wiederholt er⸗ e eben das das Schlimme sei, daß der Regierungs⸗Commissair cheid wisse und keine Aufflärung geben könne.

chleswig, 2. Dey. (8. H.) Es sst im höchsten Grade 8 der Kommissar noch immer nicht über die Annahme btannahme der bereits vorgestern ihm übergebenen Petitionen

Schreiben geantwortet, heute keine Sitzung gehalten werde.

sich erklärt hat. In dem Begleitschreiben, mit welchem der Präsi⸗ dent vorgestern Abend sowohl die von der Stände⸗Versammlung aus⸗ gegangenen Petitionen, als auch die bis jetzt fertigen Gutachten über Königliche Gesetz⸗Entwürfe dem Kommissar übersandte, ersuchte er den Letzteren, theils den Empfang zu bescheinigen, theils aber mit Rücksicht auf die früher von ihm über die Gesetzwidrigkeit der Peti⸗ tionen abgegebenen Erklärungen sich sofort darüber zu entscheiden, ob er diese Petitionen an den König befördern oder zurückwei⸗ sen werde. Auf dieses Schreiben ist bis heute Abend spät, nachdem der Kommissar mehr als volle zwei Tage Zeit ge⸗ habt hat, sich zu erklären über ein Ereigniß, welches sich wenig⸗ stens seit vierzehn Tagen mit Bestimmtheit voraussehen ließ, keine Antwort erfolgt. Gestern war keine Sitzung der Stände⸗Versamm⸗ lung. Auf heute Vormittag war eine Sitzung angesetzt. Als aber bis 10 Uhr heute Morgen noch keine Antwort vom Kommissar ein⸗ getroffen war, setzte der Präsident die Sitzung aus und schrieb dem Kommissar, daß, weil er ihm bis jetzt nicht auf das vorgestrige Au hierauf hat der Kommissar nicht geantwortet. Manche wollen znnch den Anfang eines Einlenkens von Seiten der Regierung sehen und erwarten, daß der Kommissar über die Annahme der Petitionen vor⸗ läufig eine ausweichende Antwort geben oder vielleicht sich erst nähere Instructionen aus Kopenhagen einholen wird. Bis eine bestimmte Antwort des Kommissars über die Annahme oder Nichtannahme der Petitionen erfolgt, wird die Versammlung vorläufig ihre ganze Thä⸗ tigkeit suspendiren. .

Schweiz. 1“ Kanton Luzern. Die hier angekommene Sendung Muni⸗ tion ist bedeutender, als man glaubte. Statt sechs sind im Ganzen zwölf Kisten angelangt. In acht Kisten waren Sechs⸗ und Acht⸗ pfünder⸗Kanonen und Zwölfpfünder⸗Haubitzen verpackt. Die vier anderen Kisten enthielten Granaten und Kartätschen. In kurzem sollen auch noch 5000 Gewehre eintreffen.

Kanton Basel. Am 30. November versammelte sich der Verfassungs⸗Rath unter dem Alterspräsidium des Herrn Rathsherrn Mathias Oswald. In der Eröffnungsrede erklärte er, keine prunk⸗ vollen Worte, sondern einen redlichen offenen Sinn für Freiheit und Vaterland darbringen zu wollen; er fühle sich verjüngt durch die Ehre dieses Tages. Seit 1830 seien viele neue Verfassungen in der Schweiz entstanden, die jetzt zu revidirende gehöre nach des Redners Ueberzeugung zu den freisinnigsten. Nicht die Verfassung sei an un⸗ serer jetzigen Lage Schuld, sondern wohl eher eine gewisse Richtung in eidg. Fragen; doch wolle er hierauf nicht eingehen. „Wir leben“, fuhr er fort, „in einer ernstlich bewegten Zeit, überall treten Gäh- rungsstoffe hervor, der menschliche Geist fängt allmälig an, sich freier zu entwickeln, und keine Macht auf Erden wird diese Entwickelung zu verhindern im Stande sein. Die Völker können nicht mehr mit Theorieen und Kathederweisheit regiert werden, eben so wenig mit schroffem Entge⸗ gentreten, nur umsichtige Beachtung der Verhältnisse des Lebens kann helfen. Aber es geschieht nichts von ungefähr, kein Haar fällt vom Haupte und kein Sperling vom Dache ohne Gottes Willen. Alle Menschen sind blos Werkzeuge, um das auszuführen, was eine hö⸗ here Hand über die Menschheit zum Lohne oder zur Strafe beschlos⸗ sen hat. Fern sei daher aller Haß; ruhige Ergebenheit in den hö⸗ heren Willen und friedliches Handbieten zum gemeinsamen Wohle möge uns leiten. Dann wird das alte Basel im Kreise der Eid⸗ genossen sich heben und eine Stellung einnehmen, die seiner wissen⸗ schaftlichen Bildung und seiner Intelligenz angemessen ist. Bauen wir also frei von äußeren Einflüssen ein Gebäude, in welchem unsere Bürger glücklich wohnen und auch unser Handwerksstand bei Fleiß und Thätigkeit gedeihen möge. Der Gott unserer Väter gebe dazu seinen Segen.“

Es ward sodann zur Wahl des Präsidenten geschritten und Herr Bürgermeister Frei im ersten Skrutinium mit 73 von 113 Stimmen dazu ernannt; Statthalter wurde Herr Appellations⸗Rath Rud. Burckhardt⸗Keller II. Auf den vom Herrn Statthalter unterstützten Antrag des Präsidenten wird beschlossen, ohne eine vorläufige Bera⸗ thung sofort zur Wahl einer Kommission zu schreiten. Herr Dr. K. Brenner wünscht Oeffentlichkeit der Sitzungen dieser Kommission, welcher Antrag von mehreren Mitgliedern als unangemessen bestritten und bei der Abstimmung fast allgemein verworfen wird. Hingegen werden sowohl die Mitglieder des Verfassungs⸗Raths, als sämmtliche Bürger zur Eingabe ihrer Ansichten eingeladen, auch wird der von Herrn Ad. Christ geäußerte Wunsch, daß von der Kommission für angemessenes Bekanntwerden ihrer Verhandlungen gesorgt werden möge, mehrfach unterstützt. Auf den Antrag des Herrn Präsidenten viß⸗ beschlossen, die Kommission aus 15 Mitgliedern bestehen zu assen.

Kanton Freiburg. (Eidg. Ztg.) In der Sitzung des Großen Raths vom 27sten d. M. ward der staatsräthliche Bericht verlesen über die außergewöhnlichen Bewaffnungen, über die Be⸗ schwerdeführung des Stadtraths von Freiburg und über die Motion des Herrn Berchthold, betreffend die errichtete Sicherheits⸗Wache. Nach einer lebhaften Diskussion ward derselbe auf den Antrag des Präsidenten der diplomatischen Kommission zur Begutachtung zuge⸗ wiesen. Die Stimmung im ganzen Lande ist nun offenbar eine be⸗ deutend ruhigere. Von allen Seiten kommen dem Großen Rathe Dank⸗Adressen zu für seine entschiedene Haltung bei dem erfolgten Motionssturme.

Kanton Graubündten. (N. Z. Z.) Seitdem der neue für beide Konfessionen gemeinschaftliche Erziehungs⸗Rath angefangen hat, seine Thätigkeit zu entwickeln, sind in unserem Volksschulwesen, namentlich im katholischen Landestheile, sehr erfreuliche Fortschritte gemacht worden. Wie bedauerlich es mit den Volksschulen, vorzüg⸗ jich in katholischen Gemeinden, sonst ausgesehen hat, mag daraus abgenommen werden, daß viele derselben entweder gar keine Schule hatten oder, wo eine solche dem Namen nach bestand, der Unterricht ein sehr kümmerlicher war, so daß mancher Orten kaum etwas An⸗ deres gelehrt wurde, als das Lesen im Officium beatae virginis. In anderen Gemeinden erhielten wohl die Knaben einigen Unterricht im Lesen, Schreiben und Rechnen, die Mädchen aber blieben von der Schule ganz ausgeschlossen. Noch vor kurzem sind bei der Volks⸗ Schul⸗Kommission Klagen eingegangen, daß in einigen Gemeinden Kapuziner sich ernstlich widersetzen, die Mädchen mit den Knaben in die Schule gehen zu lassen.

Rom, 23. Nov. (A. Z.) Das erwartete päpstliche Rund⸗ schreiben an die katholischen Bischöfe ist erschienen. Es ist gewisser⸗ maßen das geistliche Notifications⸗Schreiben der päpstlichen Thron⸗ besteigung und trägt das Datum vom 9. November, wurde aber erst heute der Oeffentlichkeit übergeben und in 10,500 Exemplaren ver⸗ sendet. Nach einem Rücklick auf das glorreiche Pontisikat Gre⸗ gor's XVI. (cujus certe memoriam, atque illustria et gloriosa facta aureis notis inscripta in Ecclesiae Fastis semper admira- bitur posteritas), und nachdem vorausgeschickt ist, daß der heilige

Vater bei Uebernahme seines hohen Hirtenamtes das Bedürfniß gefühlt habe, alsbald an die Gehülfen seiner Arbeiten, die geistlichen Behörden, seine Ansprache zu richten, auf daß sie „mit bischöflicher Kraft und Standhaftigkeit streitend gegen den ab⸗ scheulichsten Feind des Menschengeschlechts, als gute Soldaten Jesu Christi unerschütterlich daständen, eine Mauer für das Haue Israel“ heißt es in dem umfassenden Dokumente von funfzehn Seiten klein Folio weiter: „Keinem von Euch ist verborgen, ehrwürdige Brüder wie in diesem unseren beklagenswerthen Zeitalter (deploranda aetate) der heftigste und furchtbarste Krieg gegen die gesammte katholische Sache angefacht wird von denjenigen, die, in ruchloser Sn verbunden, der gesunden Lehre entfremdet und von der Wahrheit das Gehör abwendend, beflissen sind, jegliche Meinungs⸗Ungethüme (opi nionum portenta) aus der Finsterniß hervorzuwühlen, sie aus Kräf⸗ ten noch zu übertreiben und unter das Volk zu streuen und auszubrei⸗ ten. Wir schaudern in der Seele und werden verzehrt vom bittersten Schmerz. wenn wir alle die Ungeheuer von Irrthümern, die mancherlei und vielfältigen Künste zu schaden, Nachstellungen, Ränke überdenken, durch welche diese Hasser der Wahrheit und des Lichts und geübteste Meister des Betrugs sich angelegen sein lassen, alles Trachten nach Gottesfurcht, Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit in den Gemüthern Aller auszu⸗ löschen, die Sitten zu verderben, göttliche und menschliche Rechte zu verwirren, die katholische Religion und die bürgerliche Gesellschaft zu rütteln und wankend zu machen, ja, wenn es je geschehen könnte, von Grund aus zu zerstören.“

Hierher werden nicht blos die Offenbarungsleugner und Gottes⸗ lästerer gerechnet, sondern „es erhellt auch, in welchem großen Irr⸗ thum sich die befinden, welche, die Vernunft mißbrauchend und Got⸗ tes Wort für Menschenwerk ausgebend, sich dreist erkühnen, dasselbe nach eigenem Gutdünken zu erklären und auszulegen, da doch Gott selbst eine lebendige Autorität aufgestellt hat, die den wahren und rich⸗ tigen Sinn seiner himmlischen Offenbarung lehren, bekräftigen und alle Streitigkeiten in Sachen des Glaubens und der Sittlichkeit durch ein unfehlbares Urtheil schlichten sollte“, und es wird, unter Hin⸗ weisung auf das Ansehen der Kirche und ihrer priesterlichen Einheit in der ununterbrochenen Succession der Nachfolger der Apostel, ein Hauptaugenmerk der Seelsorge dahin gerichtet, daß zum treuen Fest⸗ halten an diesen Grundsätzen unablässig ermahnt und vor den ver⸗ abscheuungswürdigen Verführern, welche die Kirche und Gottes Wort der Vernunft unterwerfen möchten (ut omni sollicitudine et studio deles curxæ vestræ concreditos assidue monere, exhortari connitamini, ut hisce principiis firmiter adhærentes nunquam se ab iis decipi et in errorem induci patiantur, qui abominabi- les facti in studiis suis humani progressus obtentu fidem destruere, eamque rationi impie subjicere ac Dei eloquia inver- tere contendunt), gewarnt werden solle.

Nun kommt das Rundschreiben auf andere Verirrungen und Arglisten (monstra errorum et fraudes) zu sprechen gottlose Umtriebe gegen den heiligen Stuhl, heimliche Sektirereien, die schon von früheren Päpsten verdammt worden, die „Bibel⸗Gesellschaften (valerrimae biblicae Societates, quae veterum haereticorum artem renovantes, divinarum scripturarum libros contra sanctis- simas Ecclesiae regulas vulgaribus quibusque linguis translatos, ac perversis saepe explicationibus interpretatos, maximo exem-

larium numero, ingentique expensa omnibus cujusque generis

bomaemebs etiam rudioribus gratuito impertiri, obtrudere non cessant, ut divina traditione, et catholicae Ecclesiae anctori- tate rejecta, omnes eloquia Domini privato suo judicio inter- pretentur, corumque sensum pervertant), die der heilige Vater nach dem Beispiel seiner Vorfahren gleichfalls verdammt ferner auf den verkehrten philosophischen Jugend⸗Unterricht (perverta in philosophicis praesertim disciplinis docendi ratio, quae impro- vidam juventutem miserandum in modum decipit, corrumpit, eique fel draconis in calice Babylonis propinat), das jeden Un⸗ terschied von gut und böse vernichtende System des religiösen In⸗ differentismus (horrendum ac vel ipsi naturali rationis lumini maxime repugnans de cujuslibet religionis indifferentia syste- ma quo isti veteratores, omni virtutis et vitii, veritatis et er- roris, honestatis et turpitudinis sublato discrimine, homines in cujusvis religionis cultu aeternam salutem assequi posse com- miniscuntur), auf die Angriffe gegen den ehelosen Prie⸗ sterstand (foedissima contra sacrum clericorum coelibatum conspiratio, quae a nonnullis etiam, proh dolor! ec- clesiasticis viris fovetur, qui propriae dignitatis misere obliti, se voluptatum blanditis ac ilfecebris vinci et deliniri patiun- tur), auf den schon naturrechtswidrigen, grundverderblichen Kommu⸗ nismus (infanda, ac vel ipsi naturali juri maxime adversa de Communismo, uti vocant, doctrina, qua semel admissa, omnium jura, res, proprietates ac vel ipsa humana societas funditus everterentur), auf die Muckerei (tenebricosissimae eorum insidiae qui in vestitu ovium, cum intus sint lupi rapaces, mentita ac fraudulenta purioris pietatis et severioris virtutis ac disciplinae specie humiliter irrepunt, blande capiunt, molliter ligant, la- tenter occidunt), endlich auf die schlechte Presse (teterrima tot undique volantium et peccare docentium voluminum ac libro- rum contagio), welche hier nicht in dem gewöhnlichen politischen Begriff, sondern im moralischen Sinn zu verstehen ist.

Im weiteren Verfolg wird der Klerus zu rechischaffenem Wan⸗ del, Lehre und Zucht ermahnt (elaborandum ut in clero morum gravitas, vitae integritas, sanctitas, atque doctrina eluceat, et ecclesiatica disciplina ex Sacrorum Canonum praescripto dili- gentissime servetur, et ubi collapsa fuerit, in pristinum splen- dorem restituatur), namentlich sollen die Bischo nicht zu schnell die Weihen ertheilen (ne cuipiam cito manus imponatis), sondern vorher genau prüfen, ob die zu ordinirenden Kleriker in jeder Bezie⸗ hung musterhaft seien (exemplum sint fidelium in verbo, in con- versatione, in caritate, in fide, in castitate), doch so, daß vor⸗ züglich auf die Sittlichkeit und die wissenschaftliche Bildung (in islo- rum praecipue mores et scientiam esse inquirendum) zu sehen wäre. Auf diesen Zweck solle die Erziehung der Geistlichen von frü⸗ her Jugend auf (ut adolescentes clerici vel a teneris annis tum ad pietatem solidamque virtutem, tum ad litteras severiores- que disciplinas, praesertim sacras rite insormentur) und die ganze Einrichtung der theologischen Seminarien, den Vor⸗ schriften des tridentinischen Konzils gemäß, abzielen. Eben so wird endlich auch als das beste Mittel, Abfall zu verhin⸗ dern und Erbauung zu befördern, die lautere Predigt des göttlichen Wortes ohne das Gepränge falscher Beredtsamkeit (evangelicum ministerium non in persuasibilibus humanæ sapientiæ verbis, non in profano inanis et ambitiosæ eloquentiæ apparatu et lenocinio, sed in ostensione spiritus et virtutis Fedaasehis exerceant, et non semetipsos sed Christum crucifixum prædi- cantes, sanctissimæ nostræ religionis dogmala, præcepta juzta catholicae Ecclesiae et Patrum doctrinam gravi ac splendido orationis genere populis clare aperteque annuncient, pecularia singulorum offcia accurate explicent) und zur Hebung des geist⸗ lichen Berufs das Institut frommer Uebungen (ad ecclesiastici or- dinis dignitatem et sanctimoniam retinendam et conservan- dam pium spiritualium exercitiorum institutum vel maxime con-

“] ducere) emp ohlen. Aühnsi- 1 ius. 8