nahe daran gewesen sei, wegen des Empfangs des Bey's von Tunis als unabhängigen Souverains, seine Pässe zu fordern, wird jetzt von letzterem Blatte für ganz unbegründet erklärt. Es wird bei dieser Gelegenheit der Titel angeführt, der dem Bey in dem Handels⸗ Vertrage gegeben wurde, welchen Frankreich am 8. August 1830 mit ihm abschloß. Derselbe lautete: „Der Fürst des Volks, der Aus⸗ erwählte unter den Großen, aus Königlichem Geblüt entsprossen, strahlend im höchsten Glanze und leuchtend von den erhabensten Tu⸗ genden, Hussein Bey, Herr des Königreichs Afrika.“ Dieselbe Be⸗ zeichnung wurde, wie die Revue diplomatique bemerkt, auch in die mit ihm am 22. Februar 1832 von Sardinien und am 14. Ok⸗ tober 1839 von Belgien abgeschlossenen Verträge aufgenommen.
Briefe aus Mazagan in Marokko vom 16. November melden, daß der französische General⸗Konsul Du Chasteau auf dem „Acheron“ dort eingetroffen ist und sich nach der Hauptstadt Marokko begeben sollte. Die Behörden empfingen ihn am Ufer mit den größten Eh⸗ renbezeugungen; mehrere angesehene Häuptlinge und 200 Reiter von der Leibwache des Kaisers standen bereit, um den französischen Be⸗ vollmächtigten bis nach Marokko zu eskortiren. Die Geschenke für den Kaiser, worunter sechs prächtige normännische Pferde und eine Feldbatterie von sechs Geschützen, wurden sogleich ausgeschifft. Die Mission des Herrn Du Chasteau wird als sehr wichtig bezeichnet; er soll angeblich den Kaiser bewegen, seine Residenz in Fez aufzuschla⸗ gen, damit er der algierischen Gränze näher sei und Abd el Kader besser im Zaume halten könne, und die Bewilligung zu erhalten suchen, daß die französischen Kolonnen nöthigenfalls über die Tafna auf das marokkanische Gebiet rücken und den Emir und seine Anhän⸗ ger verfolgen können.
Dem Minister des Innern wird mittelst Königlicher Verordnung
vom 7ten d. abermals ein außerordentlicher Kredit von 500,000 Fr. auf das Dienstjahr 1846 eröffnet, um den Gemeinden der über⸗ schwemmten Gegenden, wenn auch dergleichen Unterstützungen in ge⸗ wöhnlichen Zeiten nicht Staats⸗Prinzip sind, unter den jetzigen außer⸗ ordentlichen Umständen bei der Herstellung der Vicinal⸗Straßen zu Hülfe zu kommen. . Am 16. Januar soll auf dem Wege der öffentlichen Konkurrenz die Konzession zum Bau der Eisenbahn von St. Dizier nach Gray ertheilt werden; bleibt dieses Ausgebot ohne Resultat, so wird der Bau auf Staatskosten unternommen.
Der lange Finanz⸗Artikel des Journal des Débats und die Befürchtungen hinsichtlich der Wahlen in Spanien haben auf die Staats⸗Fonds sehr ungünstig gewirkt. Die 3proz. fielen auf 82.20 und die spanischen auf 32 ½. Dazu kömmt, daß die Bank für 279 Millionen Kassen⸗Anweisungen im Umlaufe und kaum einen Baarbe⸗ stand von 80 Millionen Franken in Cassa hat. An der Sonntags⸗ Börse herrschte daher große Aufregung. Das Journal des Débats hat darauf folgende Erklärung veröffentlicht: „Die finanzielle Lage betreffend, so fühlt die Regierung sehr wohl die bedeutende Aenderung, die seit der letzten Session ein⸗ getreten. Die Erfahrung hat gezeigt, daß die Ausgaben die Hülfsquellen bedeutend überstiegen, und sie überzeugt sich täglich, daß die Eisen⸗Production nicht mehr im Verhältniß zum Verbrauch steht. Hieraus entstehen hohe Preise und Verzögerungen in der Ausführung der Staats⸗Eisenbahnen. Von dem Wunsche beseelt, nichtsdestoweni⸗ ger die großen Bahnlinien vollendet zu sehen, hat sich die Regierung entschlossen, den Actien⸗Gesellschaften die Ausführung derjenigen Strecken vorläufig zu erlassen, deren Ertrag am unergiebigsten sein dürfte. Die Bedingungen sollen demnach geändert werden. Indem auf diese Weise die Gesammtkräfte den Hauptlinien zugewandt und deren Pro⸗ duktivität um so näher gerückt wird, können die ursprünglich in den Bedingungen festgestellten Fristen um so leichter innegehalten werden. Für diejenigen Linien, deren Vertagung ausgesprochen, würde natür⸗ lich eine verhältnißmäßige Verläugerung der Konzession eintre⸗ ten. Dies ungefähr sind die Eröffnungen, welche die Re⸗ gierung zunächst der Lyon⸗Avignoner, Bordeaux⸗Cetter und den Versailler Gesellschaften für die Westbahn gemacht hat.“ Heute meldet das Journal des Débats auch Folgendes: „Es wurde gestern dem Finanz⸗Minister eine von den angesehensten pari⸗ ser Handels⸗ und Banquierhäusern unterzeichnete Petition überreicht, worin darum ersucht wird, daß er baldmöglichst die Actien der Eisen⸗
bahn von Cette nach Bordeaux an der Börse wolle notiren lassen,
wogegen gesetzlich nichts mehr eingewendet werden kann. Hoffent⸗ lich wird diesem Gesuch unverzüglich Genüge geleistet werden. Un⸗ ter den Umständen, in denen wir uns befinden, am Schluß des
Jahres, wo die Bedürfnisse des Handels sich gebieterischer als zu jeder anderen Jahreszeit geltend machen, ist es dringend nöthig, ein so be⸗
trächtliches Kapital, wie das in dieser Unternehmung angelegte, wel⸗
ches in den Händen der Unterzeichner gelähmt ist, dem Verkehr zu übergeben.“ Indem der Constitutionnel auf den vom Jour⸗ nal des Débats neulich berührten Grund der Finanzkrisis eingeht,
will er der Regierung einen Theil der Schuld aufbürden, in⸗
zuziehen.
dem sie gezwungen sei, alle Schatzgelder aus der Bank heraus⸗ Die Schuld, meint er, liege mit daran, daß man eine so
ungeheure Masse öffentlicher Arbeiten begonnen, daß man in der Nothwendigkeit gewesen, in kurzer Zeit die 170 Millionen zurückzu⸗ nehmen, die seit einigen Jahren gewöhnlich in der Bank gelegen. Man hiätte voraussehen müssen, welche Folgen diese plötzliche Ent⸗
ziehung haben werde. Was die sonstige Lage des Geldmarktes und
die Masse der Bahn⸗Unternehmungen betreffe, sozhätte es schon frü⸗ her nicht an Warnungen gefehlt.
Auf die Anfrage des National erwiedert der Moniteur
daß der Kriegs⸗Minister sich an Herrn von Rothschild zur Getraide⸗
ieferung gewandt, wie er sich an andere Kaufleute gewendet hatte.
Inzwischen sei wirklich für Algerien ursprünglich bestimmtes Getraide nach Marseille gebracht worden, indem es zu billigem Preise ver⸗
schafft worden sei.
Das Ministerium habe absichtlich keine Konkur⸗
renz ausgeschrieben, weil dann auf den fremden Märkten das Ge⸗ traide gestiegen wäre, hätte man erfahren, daß die französische Re⸗ gierung Mangel an Getraide habe; die Kammer hätte übrigens sns die Befugniß, über die bezahlten Preise Rechenschaft zu ver⸗ langen.
Dem Constitutionnel wird aus Brest geschrieben, die dorti⸗
gen Magazine für die Marine seien so übel versehen, daß die Fre⸗
atte „Danae“ nur mit größter Mühe ausgerüstet werden konnte. m die nach den Antillen bestimmte Korvette „Boussole“ auf drei Monate zu verproviantiren, fehle es an Mehl und Wein. Unerhört
sei es, einem zu eiliger Reise bestimmten Capitain zu sagen, er solle
8
habe man auch nicht Kohlen genug
in Martinique einnehmen, was man ihm hier, in einem der ersten Kriegshäfen von Frankreich, nicht geben könne. Vor einiger Zeit für ein nach Cherbourg bestimm⸗
tes Dampfschiff gehabt.
Das Journal des Débats beklagt, daß die Morning
Chronickle fortwährend behaupte, es seien durch die Vermählung
des Herzogs von Montpensier mit der Infantin von Spanien die
utrechter Verträge verletzt worden, und diese Verletzung sei von viel größerer Bedeutung, als die krakauer Angelegenheit, während doch die Times bereits zu anderen Ansichten gekommen sei.
eingetroffen.
Baron Bois le Comte ist auf seinen Posten nach Zürich abgereist. Der portugiesische Ex⸗Minister Costa Cabral ist in Bayonne
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Großbritanien und Irland.
London, 8. Dez. Am letzten Sonnabend empfing Lord John Russell Deputationen von Kaufleuten aus Liverpool, Leeds, Edinburg und anderen Städten, welche Anträge wegen Herabsetzung der Thee⸗ zölle überreichten. Der Premier⸗Minister erklärte, daß die Frage von der siskalischen Seite Bedenken errege, daß sie indeß in ernstlichste Erwägung gezogen werden solle. Der Globe hatte bekanntlich diese Antwort schon im voraus angedeutet. An demselben Tage empfing Lord John Russell eine Deputation, welche die Herabsetzung der Ta⸗ backszölle bevorwortete; dieser Deputation scheint keine Andeutung über die Absichten der Regierung kundgegeben worden zu sein.
Die irländischen Zustände beschäftigen die Presse jetzt wieder vorzugsweise. Der dort stattfindende umfangreiche und offene Ver⸗ und Ankauf von Schußwaffen hat den Lord⸗Lieutenant zu einem Rundschreiben an alle Friedensrichter veranlaßt, worin dieselben auf die noch in Kraft bestehende, unter Georg III. durchgegangene „Whi⸗ teboy⸗Akte“ aufmerksam gemacht und zur strengen Aufrechthaltung der dort getroffenen Bestimmungen ermahnt werden. Diesen zufolge macht sich Jeder, der, mit irgend einer Art von Feuergewehr oder einer anderen Angriffswaffe versehen, bei Tag oder Nacht zum Schrecken von Ihrer Majestät Unterthanen erscheint, eines großen Vergehens schuldig und hat Geldstrafe und Gefängniß zu gewärtigen. Diese Bestimmungen sollen in Wirksamkeit treten, sobald mit Grund anzunehmen, daß die betreffenden Personen nicht in gesetzlicher Ab⸗ sicht bewaffnet sind, und dies besonders zur Nachtzeit, wo ein gesetz⸗ lich erlaubter Grund zur Bewaffnung minder wahrscheinlich ist. Man glaubt durch Anwendung dieses alten Gesetzes die wieder nöthig werdende Waffenbill umgehen zu können. — Nach einer amtlichen Angabe sind für öffentliche Arbeiten in Irland in den Monaten Ok⸗ tober und November 442,150 Pfd. 2 Sh. 1 Pce. verausgabt. In der mit dem 28. November endigenden Woche waren 273,023 Per⸗ sonen bei diesen Arbeiten beschäftigt. Dennoch herrscht in den ver⸗ schiedenen Distrikten des Landes noch immer schreckliches Elend.
Die Times erklärt in Folge eines Börsengerüchtes über die Absendung eines neuen Gesandten nach dem Plata⸗Strome, daß we⸗ nigstens an der Abberusung des Herrn Ouseley kein Zweifel sei.
Bis zum 30sten v. M. (dem Schlußtermine) waren für die nächste Parlaments⸗Session 260 neue Eisenbahn⸗Projekte angemeldet; am 30. November v. J. betrug vie Zahl 678.
Das der britisch⸗irländischen Dampfschifffahrts⸗Gesellschaft gehö⸗ rende Schiff „Shannon“ ist am 5ten Morgens bei Plymouth ein Raub der Flammen geworden. Die Fastas eie⸗ welche sich am Bord des Schiffes befanden, 120 an der Zahl, sind sämmtlich gerettet worden.
X London, 8. Dez. Irland ist so lange die Haupt⸗Schwie⸗ rigkeit englischer Regierungen, die Haupt⸗Verlegenheit für englische Staatsmänner und die Hauptquelle für Ruhestörer und Parteigänger gewesen, daß, wie unergründlich sein Elend auch immer sein mochte, man doch niemals für wahrscheinlich hielt, dasselbe könnte noch ein⸗ mal eine gänzlich veränderte und schlimmere Gestalt annehmen. Und doch ist das gegenwärtig der Fall, wo die Zukunft der Insel oder die Politik, welche die Regierung zu befolgen gedenkt, trüber und dunkler denn jemals erscheint. Ich habe schon früher auf die Ten⸗ denz und die Folgen des Systems der National⸗Unterstützung in Ge⸗ stalt von Arbeiten hingewiesen, welche auf Staatskosten für den er⸗ klärten Zweck unternommen werden, dem Volke Beschäftigung und Arbeitslohn zu geben. Diese Maßregel hat, mit einem Worte, das Land pauperisirt; ein armer Mann ist derjenige, dessen eigene Hülfs⸗ quellen beschränkt sind, ein dem Pauperismus oder Proleta⸗ riat verfallener Mann aber ist derjenige, der ganz oder zum Theil auf Hülfsquellen angewiesen ist, die nicht seine eigenen sind. Irland ist buchstäblich der große Proletarier des vereinigten Königreichs geworden, theils durch sein Mißge⸗ schick, theils durch Mißärndten, aber bei weitem am meisten durch jenen bettelhaften und indolenten Geist seines Volkes, welcher im Privat⸗ leben unfehlbar auf die Straße oder ins Arbeitshaus führt. So lange als die Kartoffeln dauerten und noch Land zu irgend einem Preise zu erlangen war, lebte der irländische Bauer ohne etwas zu thun. Die Bebanung eines Ackers Kartoffelland war sein ganzes Geschäft, und während hier seine physische Lage eine elende blieb, ward seine moralische durch die gänzliche Vernachlässigung jener Pflichten der Arbeit herabgewürdigt, welche den Menschen veredeln, indem sie seine Fähigkeiten in Anspruch nehmen, und seine Freuden vergrößern. Die Vernichtung'der Kartoffel⸗Aerndten führte den Untergang dieses bettelhaften Paradieses mit sich. Es wurde nöthig, für Tagelohn zu arbeiten oder Hungers zu sterben. Die humane Nachsicht der Regierung verfiel auf das Mittel öffentlicher Arbeiten für Irland, welche England be⸗ zahlen soll, da die Grundbesitzer des Landes nicht in der Lage wa⸗ ren, Fonds für solche Fälle aufzutreiben. Aber obgleich man Sorge trug, das Arbeitslohn bei diesen Werken etwas unter dem Betrage der gewöhnlichen Löhnung in den verschiedenen Grafschaften zu hal⸗ ten, so ist doch die Folge dieser ganzen Maßregel eine furchtbare Stö⸗ rung des Verhältnisses der Nachfrage zu dem Vorrath von Arbeitskräf⸗ ten gewesen. Nicht weniger als 300,000 Arbeiter leben gegenwärtig von der Löhnung des Schatzamts in Irland, und die Kosten dieser enormen Al⸗ mosenspendung betragen monatlich nicht weniger als eine halbe Mil⸗ lion Pfd. Sterling. Bleibt man bei diesem System acht Monate, so werden die Kosten dem Lande auf 4 Millionen Pfd. zu stehen kommen. Hier ist aber das Uebel noch nicht zu Ende. Diese öffent⸗ lichen Arbeiten erzeugen eine ungeheure Nachfrage nach Arbeitslräf⸗ ten und wirken wie ein Auswuchs an dem Körper von Irland, in⸗ dem sie die Arbeit des Landes aus ihren natürlichen und eigenen Ka⸗ nälen ableiten; die unvermeidliche Folge muß sein, daß die Lage des irländischen Volkes, wenn es mit dieser großen National⸗Armenbe⸗ stenerung seiner Nachbarn zu Ende geht, schrecklicher denn je sein wird.
Inzwischen ist der erste Gebrauch, den der irländische Bauer von dem englischen Gelde macht, der, daß er sich Waffen anschafft, um desto besser gerüstet zu sein, seine Autorität zu behaupten. Die Ver⸗ werfung von Sir R. Peel's Zwangs⸗ und Waffenbill in letzter Ses⸗ sion trägt jetzt alle ihre Früchte. Die Fabriken von Birmingham schicken so viel Waffen nach Irland, als sie nur schaffen können, und die Aufmerksamkeit der Regierung ist bereits auf diesen Umstand ge⸗ richtet. Lord John Russell wird natürlich hierbei auf die Opposition Sir R. Peel's und seiner Anhänger stoßen, auch ist nicht leicht ein⸗ zusehen, wie die Whigs Irland ohne jene Zwangsmaßregeln werden regieren können, die sie ihren Vorgängern verweigerten. Herr La⸗ bouchere hat indeß schon eine alte Klausel in der gegen die soge⸗ nannten „White Boys“ erlassenen Akte von 1775 entdeckt, die zu⸗ fällig noch in Kraft ist, und über deren Auffindung unter den Anti⸗ quitäten des Statuten⸗Buches man hoch erfreut ist. x. ““
Niederlande. .
Aus dem Haag, 3. Dez. (Rh. B.) Die scharfen Maß⸗ regeln, welche Rußland durch den Ukas vom 19. Juni 1845 gegen die Länder angenommen hat, die ihm nicht eine gerechte Reciprozität in den Handelsverhältnissen vgeng haben schon gute Früchte getragen. Der günstige Handels⸗Vertrag mit Frankreich, den es
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kürzlich abgeschlossen, ist schon als ein desfallsiger Beweis anzuse aber einen noch schlagenderen Beweis für diese Behauptung 8 der am 1. (13.) September d. J. zwischen Holland und Nuis abgeschlossene Handels⸗ und Schifffahrts⸗Vertrag, welcher in der ländischen Staats⸗Courant laut Königlichen Beschlusses; 18. November veröffentlicht worden ist. In demselben j sich Bestimmungen, die in keinem anderen Handels⸗ 1 Schifffahrts⸗Vertrage enthalten sind, und Holland hat sich türlich gegen entsprechende Bewilligungen, zu solchen Begir gungen der russischen Flagge herbeigelassen, daß man staunt un Ursache solcher Nachgiebigkeit nicht recht begreift. Den russs Schiffen ist nicht allein vollkommene Gleichheit mit den holländs in den niederländischen Häfen bewilligt, sondern auch die gin Schifffahrt von einem holländischen Hafen zum anderen ist ihnen stattet, während solche den holländischen Schiffen in Rußland u— sagt ist, und serner zahlen die aus einem russischen Hafen komma und wenigstens zur Hälfte mit Hanf, Flachs, Holz, Pech oder „ belasteten russischen Schiffe in niederländischen Häfen sogar P weniger an Lootsengeld als die niederländischen Schiffe selbst. qi dem bewilligt der Vertrag dem russischen Getraide aus riss und niederländischen Häfen einen Differenz⸗Zoll von 10 % an den Eingungsrechten. Dieses sind bedeutende Vongg welche Rußland für seinen Handel und seine Schifffahrt von e sigen Regierung erhalten, und man kann mit Grund behaupte, wenn Rußland nicht so scharf aufgetreten und kräftige Remig gegen die Benachtheiligung der russischen Flagge in den Nietea ergriffen hätte, Holland demselben gewiß nicht diese großen eingeräumt, ja ihm wohl auch nie eine vollständige Reciproggg willigt haben würde. so mußte es der holländischen Schifffahrt für die eingeräumte theile auch eine Entschädigung geben, und diese ist darin enzeg daß es den holländischen Schiffen und deren Ladungen auch danne Behandlung in den russischen Häfen wie den russischen Schife stattet, wenn sie nicht direkt aus einem niederländischen Hafen, dern in indirekter Fahrt aus dem Auslande nach R. kommen. Diese Bestimmung ist bisher in keinem anderen V zwischen schifffahrttreibenden Nationen enthalten. Ueberall wen Schiffe und deren Ladungen nur dann den einheimischen gleichge wenn sie in direkter Fahrt aus einem Hafen des Mutterlandes men. In dieser Beziehung ist daher der russisch⸗Fholländische trag von großer Bedeutung; jedoch' für Deutschland enthält en noch wichtigere Lehre, nämlich die, daß es nur dann hoffen bc⸗
von Holland gerecht behandelt zu werden, wenn es endlich eingg
Ernst macht und kräftige Repressalien gegen die vielfachen Bm⸗ theiligungen ergreift, womit Holland schon seit dem pariser git den Handel und Gewerbfleiß desselben bedrückt, und trotzden, es Deutschland gar nicht entbehren kann, es viel ungünstiger beh delt als andere Nationen.
Belgien.
Brüssel, 10. Dez. In der fortgesetzten Debatte übu Budget der Mittel und Wege suchte Herr von Brouckere dere thun, daß kein erfreuliches Gleichgewicht zwischen Ausgaben und dn nahmen bestehe, indem es immer so viele außerordentliche Ausgat gebe, daß ein Ausfall sich gewöhnlich einstelle. Auf die Bemerk des Abbé Defoere, daß das Ministerium vom Jahre 1833 zuf die schwebende Schuld geschaffen, bemerkte Herr Rogier, daß! damals Schatzbillets blos als provisorische Maßregel ausgegeben, durch man die Steuer⸗Einziehung erleichtern wollte; man habe d aber keine Anleihe verdecken wollen, wie bisher Sitte geworden. Osy ist mit mehreren Maßregeln der Landeszählung nicht zusrj denen er den Vorwurf der Fiskalität machte.
Der Finanz⸗Minister hat einen Gesetz⸗Entwurf vorgt wonach bei Ausfuhr des rohen Runkelrüben⸗Zuckers derselbe von Verbrauchssteuer, die auf demselben lastet, befreit wird.
Die beiden Söhne des Königs werden nächstens als Unter⸗A. tenants ins Heer treten. 161
Herr Nothomb ist von Berlin hier eingetroffen.
Dänemark.
Schleswig, 9. Dez. (B. H.) Die Selbstauflösungn Stände⸗Versammlung hat das faktische Ende dieser Diät herbes führt, und es bedarf kaum einer Bemerkung, daß die zurückgehte⸗
bene Minorität der fünf Abgeordneten mit ihrem Präsidenm n.
der Spitze nicht im Stande ist, irgend ein Geschäft vom⸗ men. Sie kann weder verhandeln, noch irgend welche Beth fassen, weil dazu wenigstens drei Viertel der ursprünglichen N. der Abgeordneten, d. h. 33 Mitglieder, nothwendig sind. Ah. noch läßt sich nicht leugnen, das, von der rein formellen Em betrachtet, die Herren Jensen, Nielsen, Jepsen, Lorenzen und tersen gegenwärtig noch die schleswigsche Stände⸗Versamne bilden. Es liegt nur die Frage vor, ob die Regierung jett Versammlung auch formell auflösen oder ob sie den Vrne machen will, durch Einberufung der Stellvertreter die Stände n der vollzählig zu machen. So machte sie es in diesem Senmmg in Holstein, und es könnte wahrscheinlich sein, daß dasselbe in hier geschähe, wenn nicht zu viele Gründe dagegen sprächen. Et mal nämlich ist es gewiß, daß die Stellvertreter fast ohne Auenit den Abgeordneten beistimmen werden, und werden deshalb entmdh gar nicht der Einberufung Folge leisten oder jedenfalls nur von kal dieselbe Richtung einschlagen, wie die eben aufgelöste Versamnih Dazu kommt aber noch, daß, selbst wenn alle Stellvertreter hiu⸗ schienen, die Stände⸗Versammlung doch nicht mehr vollzähhhs beschlußfähig werden könnte; denn es sind im Laufe der sechsjüthe Wahlperiode schon zu viele Stellvertreter in die Reihen der Abgli⸗ neten, wo Lücken entstanden waren, eingerückt; und so sind jeßt etwa 22 oder 23 Stellvertreter noch vorhanden, während 33 Mi der zu einer beschlußfähigen Versammlung gehören. Zu diesen 0n den, welche freilich schon in Holstein die Emberufung der Stellvenn ter hätten widerrathen müssen, kommt als neuer Grund für Schles noch hinzu, daß die Zeit, welche der Stände⸗Versammlung noch Gebote steht, nicht mehr zu einer ernsten und eingehenden Behes lung der Geschäfte ausreicht. Denn wenn jetzt die Stellveruma einberufen werden sollten, so könnte es doch füglich nicht frühen
zum 16ten oder 17ten d. M. geschehen. Das gesetzmäßige Ende Stände⸗Versammlung aber ist am 21. Dezember; und wenn auch
Regierung diese Frist weiter hinausschieben kann, so darf diese U. doch auf keinen Fall über den 31. Dezember verlängert werden, n
mit dem Ende dieses Jahres die sechsjährige Wahlperiode geschoße und das Mandat sämmtlicher Abgeordneten und Stellvertreter 2
loschen ist. Alle diese Gründe müssen es wahrscheinlich machen, die Regierung nicht erst die Stellvertreter einberufen, sondern sogse die Stände⸗Versammlung auflösen wird. Jedenfalls ist seit 89 abend, den öten, keine Sitzung gewesen, und man ist vorläufig 6c eingekommen, abzuwarten, welche Instructionen der Kommissar en
nachdem er die freiwillige Auflösung der Versammlung einbernge
wieder 1
9 2 7 ' haben wird. In den nächsten Tagen aber wird woh Austöse bet
Sitzung angesetzt werden, in welcher ohne Zweifel das Patent vom Kommissar verlesen wird. mr
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Da Rußland nur das Letzte verlangen sa 5
Italien.
Rom, 30. Nov. (A. Z.) Der Kardinal Ostini, Präfekt Congregazione dei Vescovi e Regolari, hat an die geistlichen örden ein Rundschreiben erlsssen, welches die wichtige Angelegen⸗ einer ökonomischen Beschränkung der geistlichen Stiftungen in vorläufig angesetzten finanziellen Kontrolle einleitet; es lautet: e geordnete Verwaltung der wohlthätigen Vereine und sonderlich tommen Stiftungen, welche deren Haushalt regelt, macht eine ige ihrer Einnahmen und Ausgaben dringend nöthig. Deshalb Se. Heiligkeit, unser Herr, daß Sie den Verwaltern von Non⸗ östern, von Konservatorien, Brüderschaften, Hospitälern und Leih⸗ ern (im Kirchenstaate sind letztere bekanntlich milde Stiftungen Privatleuten unter staatlicher Obhut) Ihrer Jurisdiction die Ab⸗ ng einer genauen und ins Einzelne gehenden Darlegung der ünfte und Ausgaben eines jeden jener Institute aufgeben. Die⸗ ist von den Verwaltern selbst zu unterzeichnen, durch Personen, Sie absenden wollen, zu prüfen und dann von Ihnen an die gregation der Vescovi e Regolari hierher einzusenden. Indem ich en diese Allerhöchste Bestimmung mittheile, vertraue ich, daß Sie deren schnelle Ansführung thätig sein werden, und wünsche Ihnen Heil von oben. Rom, 27. November 1846. Der Kardinal stini.“ Spanien.
3 Madrid, 1. Dez. Ein nunbedeutender Vorfall hat eine gerielle Krisis herbeigeführt, die ihre Lösung nur in der Nach⸗ gkeit fand, mit welcher die Königin sich in den Willen der Mi⸗ gte.
188 Pacheco, der für den Chef der constitutionellen, moderir⸗ Dpposition gilt und vermöge seiner amtlichen Stellung als Fis⸗ es höchsten Gerichtshofes hier in Madrid wohnt, hatte Urlaub ngt, um sich in die Provinz Cordova zu begeben, wo die Wäh⸗ er Oppositions⸗Partei ihn gegen den ministeriellen Kandidaten hie nächsten Cortes aufstellten. Der Präsident des obersten Ge⸗ hofes und darauf der Justiz⸗Minister selbst verweigerten Herrn eco den nachgesuchten Urlaub und veranlaßten ihn dadurch, seine ssung einzureichen. Diese wurde von den Ministern angenom⸗ und vorgestern Vormittags durch den Justiz⸗Minister zur Unter⸗ vorgelegt. Die Königin weigerte sich jedoch, die Entlassung des Pacheco zu genehmigen, indem sie sich darauf berief, daß er eher ihr nur Beweise der treuesten Ergebenheit und Uneigen⸗ Fkeit gegeben hätte und auch nicht der Schatten des Verdachtes sutionairer Gesinnungen auf ihn fallen könnte. Die Minister be⸗ ssen darauf, die Entlassung des Herrn Pacheco zu einer Kabinets⸗ e zu machen und versammelten sich vorgestern Mittag unter dem stze der Königin, um ihr vorzustellen, daß Herr Pacheco verab⸗ det werden müßte. Da aber die Königin nicht nachgeben wollte, lete der Minister⸗Präsident, Herr Isturiz, folgende Worte an sie: ir sind die ergebenen Diener Ew. Majestät, aber nicht die des Pacheco“, und sämmtliche Minister reichten gegen Abend schrift⸗ hre Entlassung ein. Noch während der Nacht verbreitete sich Gerücht von diesem Vorgange, und da die Königin die Entlas⸗
ss⸗Gesuche der Minister in ihren Händen behielt, so betrachtete
dae Kabinet als aufgelöst. Sobald man aber erfuhr, daß die igin gestern früh den Marquis von Viluma zu sich rufen ließ, e man voraussehen, daß sie unterdessen einen Rathgeber gefun⸗ hatte, dessen Absicht es war, ihr das mit seiner Entlassung dro⸗ Ministerium als ein unentbehrliches aufs neue zu empfehlen. Marquis von Viluma verkannte die ihm gestellte Falle keines⸗ Er ersuchte die Königin, ihm nur in Gegenwart einiger an⸗ Personen, die er bezeichnete, Gehör zu schenken, und erklärte un Beisein, daß er es nicht auf sich nehmen könnte, ein neues trium zu bilden, indem die aus der Vermählung der Königin deren Schwester hervorgegangenen politischen Verhältnisse von denklicher Natur wären, daß nur diejenigen Minister, unter deren bakung die Doppelheirath erfolgte, sich mit der Verantwortlich⸗ für die weitere Entwickelung der Lage belasten könnten. Die nungen des Marquis don Viluma sind bekannt. Denen der der⸗ gen Minister sind sie schnurstracks entgegengesetzt. Er ist nicht Mann, um mit der Revolution oder der Camarilla zu unterhan⸗ Bei dem Bewußtsein, daß diese beiden Elemente sich um den der Gewalt streiten, erkennt er vollkommen, daß es ihm an Waffen um beide zu überwältigen. Kaum hatte der Marquis sich aus Palast entfernt, als die Königin Marie Christine und darauf anzösiche Botschafter dort erschienen und lange Zeit bei der enden Königin verweilten. Der Botschaster hatte auch eine redung mit dem Könige. Gestern Nachmittag berief endlich die gin die Minister wieder vor sich und forderte sie auf, ihre Aem⸗ ufs neue zu übernehmen. Nur unter der Bedingung, daß die assung des Herrn Pacheco ausgefertigt würde, verstanden sie sich und gestern Abend erfolgte diese Ausfertigung. Da die Mini⸗ hefürchttten, daß die Nachricht von der Auflösung des Kabinets len Provinzen einen ihnen nachtheiligen Einfluß auf die Wahlen ben könnte, so ließen sie den Abgang der Post gestern um drei 8 verzögern, bis sie jener Nachricht amtlich widersprechen Bei dieser Gelegenheit hat sich abermals, den Ansichten unpar⸗ her Personen zufolge, die Erfahrung bestätigt, daß der Wille der ster mehr vermag, als der Wunsch und die Ueberzeugung der gin. Der ministerielle Heraldo behauptet, die Sache der Frei⸗ onne nicht untergehen, so lange ihr die erlauchten Personen, sie auf und um den Thron vertreten und darstellen, als Schild
Während auf diese Weise die Minister dem schwankenden Baume eiheit eine Stütze verliehen, verzehrte eine furchtbare Feuers⸗ b einen Theil der Gebände, in denen das Justiz⸗ und das Ma⸗ 5 lriserum sich befinden, und das Kriegs⸗Ministerium gänzlich. - 9. Pr. Ztg. Nr. 343.) Diese drei Gebäude, früherhin um des Friedensfürsten, stoßen an einander, und der Senats⸗ ößt wiederum an das Kriegs⸗Ministerium. In letzterem vorgestern (Sonntags) Abend nach 11 Uhr, als alle Büreaus sossen waren, plötzlich ein heftiges Feuer aus. Der Minister, ¹ gerade mit seinen Kollegen über die Krisis berieth, hielt seine Fsene bei dem Brande nicht für nothwendig, und seine Beam⸗ b chienen erst, als das Gebäude mit allen Möbeln (30,000 Piaster Brg), dem ganzen Archiv und allen Papieren in Asche lag. . dn Papier ist gerettet worden, und da von den dort aufbe⸗ h- kten das Schicksal mehrerer tausend Familien, ja, die Lage Cicer Militairs abhängt, so sind die Folgen unberechenbar. nenass ⸗ Palast mußte zur Hälfte niedergerissen werden. In danszenden Sitzungssaale wurden Spritzeen aufgestellt. Auch in sitt Ministerium richteten die Flammen noch gestern Mittag be⸗ uncbtaerrerungen an, bis man ihnen endlich gestern Abend bei Der ässig herabströmenden Niges ein Ziel zu seen vermochte. Prix 8 von Renduffe überreichte gestern der Königin in
v. 4 ⸗Andienz sein Abberufungs⸗Schreiben. De 82 Nachrichten. — fi Nigen Progressisten haben folgende Kandidaten als De⸗ e Mhs rid ausgestellt: Don Evaristo San Miguel (Gene⸗
Aus Portugal
1471
ral), Gomez de la Serna (letzter Minister des Innern unter Espartero), Cortina, Lujan, Mendizabal. Mit Ausnahme Coörtina's gehören diese Personen sämmtlich zu den entschiedensten Anhängern Espartero's. Mendizabal verspricht in seinem Programm Abschaffung der Abgaben und des Militairdienstes und Wiederherstellung der National⸗Miliz. Die Kandidaten des Ministeriums für Madrid sind: Pidal (Minister des Innern), Martinez de la Rosa, Mon (Finanz⸗ Minister), Marquis von Povar, Marquis von Perales, Don Vicente Juan Perez.
* Eisenbahnen.
Am 8. Dezember langte die erste Lokomotive auf einer Probe⸗ fahrt von Bautzen in Löbau an. Die Eröffnung dieser Bahnstrecke wird binnen kurzem erfolgen.
Hamburg, 11. Dez. (B. H.)
eingetroffen, so daß der Eröffnung der Berlin⸗Hamburger Eisenbahn für Personen⸗ und Eilgüter⸗Verkehr zum 15. Dezember keinerlei Hinderniß mehr im Wege steht.
Die Börsen⸗Halle berichtet: „Dem Vernehmen nach, dürfte die am Bundestage von Lübeck eingereichte Petition, wegen Ver⸗ bindung mit dem deutschen Eisenbahnnetz, einem befriedigenden Re⸗ sultat entgegensehen. Die Bundes⸗Versammlung hat sich in der Sache kompetent erklärt und in vertrauter Sitzung darüber berathen. Ein Bundes⸗Beschluß ist indessen nicht gefaßt worden, dagegen sollen Oesterreich und Preußen es übernommen haben, auf diplomatischem Wege durch ihre Gesandten bei der dänischen Regierung auf Gewäh⸗ rung der Petition hinzuwirken. Die von dem dänischen Kabinet er⸗ theilte Antwort auf die überreichten Noten sell sür die Interessen Lübecks günstig lauten.“
Handels- und Börsen-Nachrichten.
Berlin, 12. Dez. Der Verkehr in Eisenbahn⸗Actien war in der ab⸗ gelaufenen Woche sehr beträchtlich; eben so bedeutend war die Steigerung der Course, doch ist die Ursache durchaus nur als lokal zu bezeichnen und dürfte durch die großen Unternehmungen à la hausse von kleinen Speku⸗ lanten um so weniger haltbar sein, als unsere Besitzer bedeutende Posten effektiver Stücke herauszugeben haben. Die rapide Steigerung der Course wurde heute bereits durch beträchtliche Verkaufs⸗Ordres von auswärtigen Plätzen unterbrochen, und da die Contremine, auf deren Wendung oder, richtiger gesagt, deren Vernichtung es abgesehen war, vollständig aufgehört hat, fanden sich nur zu niedrigeren Coursen Abnehmer. Es dürfte sich bald herausstellen, daß bei der großen Anzahl Actien und bei dem Mangel an wirklich bedeutenden Spekulanten die Contremine ein nothwendiges Uebel ist, welches auch in den jetzigen Verhältnissen an keiner Börse der Welt ganz ausgerottet werden kann.
Mit Rückblick auf unsere früheren Geschäfts Verhälmisse konnten Spe⸗ culationen in Staats⸗Effekten mit Sicherheit und mit dem günstigsten Er⸗ solg unternommen werden, denn die ganze Welt stand für die Objelte des Verkehrs offen, an allen großen Börsen fand sich ein regelmäßiger Abzug, und überall fanden die Faiseurs willige Mittel, ihre Fonds zu diskontiren. Jetzt sind die meisten Eisenbahn⸗Actien auf unsere Börse allein angewiesen, nur Franlfurt a. M. eignet sich zum Wechsel⸗Verkehr einiger Actien⸗Gat⸗ tungen; dieser Platz aber dürfte schwerlich geneigt sein, bei 5prozentigen Anleihen, die jetzt unter Pari kontrahirt werden, 3 ½⸗ und 4prozentige Eisen⸗ bahn⸗Actien zu behalten, wenn solche dem Pari⸗Cours nahe lommen; und was von unseren Actien für auswärtige Rechnung gekauft worden, sließt eben so schnell zu uns zurück. Wir schreiben diese Betrachtungen keines⸗ weges nieder, um schon jetzt den Actien eine fernere Steigerung abzu⸗ sprechen, sondern nur um diese auf eine solide Basis zurückzuführen. Die Steigerung in dieser Woche war keine solide, sie war vielmehr die Folge einer systematischen Operation, sie war die Eröffnung eines Kampfes der Haussiers gegen die Baissiers, aus welchem die Ersteren zwar siegreich hervorgegangen sind, aber wohl schwerlich in der Hitze des Gefechts bedacht haben, daß sie selbst dem Feinde die Waffen in die Hände gegeben, um ihnen neue empfindliche Schläge beizubringen. Die Contremine ist freilich zum Schweigen gebracht, und dem Unwesen der mannigfachen Machina⸗ tionen ist durch die erlebten Vorgänge gewiß ein mächtiger Damm gesetzt worden, aber die Hausse hat auch ihre eigentliche natürliche Stütze verlo⸗ ren, indem das nothwendige Bedürfniß täglicher Käufer aufhört, die schwachen Spekulanten à la hausse aber, die sich seit einigen Tagen bereits in Massen eingefunden haben, täglich als Verkäufer auftreten und bei vor⸗ kommenden Evenements den Fall der Course beschleunigen, während die Baisse ihn aufhält.
Gestern wurden die Course durch den Ausfall eines Contremineurs in einem Augenblick um 1 ½ % getrieben, doch sielen sie eben so rasch wieder, da kein Grund vorlag, an weitere Ausfälle zu glauben. Die äußeren Ver⸗ hältnisse boten in der abgelaufenen Woche mehr Stoff zur Besorgniß als zur Beruhigung der Börse dar, denn außer bereits decouprirten bedeutenden Fallissements verlauteten noch allerhand üble Gerüchte, die sich indeß nicht bestätigt haben. Hauptsächlich auffallend war die Schwäche der wiener Börse, welche nur mühsam unserem Impuls folgte und dann erst ein Stei⸗ gen der Course ersuhr, als beträchtliche Kauf⸗Ordres für hiesige Rechnung ausgeführt wurden. Es stiegen daselbst auch nur Pesther Actien, worin das Geschäft hier so beträchtlich war, daß wir sie dem Verkehr unserer inländi⸗ schen Bahnen vorausstellen müssen. Deren Cours stieg von 91 ½ bis 97 ½1 a 98 %, blieben heute 96 ⅛ à 96 bezahlt. Nächstdem war der Umsatz be⸗ trächtlich in Köln⸗Minden, welche von 88 bis 93 ¼ ℳ stiegen, heute aber bis 91 à 90 ⅞ % zurückgingen. Alle übrigen Aectien sind in dem Verhält⸗ nisse, und wie wir sie hier folgen lassen, gestiegen und wieder zurück⸗ gegangen. Berlin⸗Anhalter von 111 bis 113 a 112 ͤℳ. ö“ Berlin⸗Stettiner von 107 ⅞ bis 112 a 110 o. Niederschlesisch⸗Märlische von 89 bis 93 a 90 ½ o., Halle⸗Thüringer von 90 bis 96 a 94 ½ ͤ. Potsdam⸗Magdeburger von 86 bis 90 a 87 ½ %. Kiel⸗Altonaer von 107 bis 109 ½ a 109 ℳͤ. * Berlin⸗Hamburger von 94 bis 99 ½ a 97 ½ „oc.
Rheinische von 83 bis 86 a 84 ½ %. “ Kosel⸗Oderberger von 72 bis 78 ½ a 77 „%o% Feas Sben lesiche pon 713 bis 888 1“ otterdamer von 92 bis 96 ⅓ a 96 ℳ. 1““ Aachen⸗Mastrichter von 84 bis 89 a 87 ¾ %. E“ Bergisch⸗Märkische von 82 bis 88 a 86 ½ c. “ 8 Friedrich Wilhelms Nordbahn von 73 bis 77 a 75 ½ ao„.
In den meisten vorstehenden vollen Actien und Quittungsbogen waren die Umsätze ungeachtet der beträchtlichen Steigerung nur unbedeutend, weil die Abgeber sehr zurückhaltend waren, doch wurde in Friedrich Wilhelms Nordbahn viel auf Speculation gekauft.
Das Geschäft in unseren und ausländischen Staats⸗Effekten war bei matten Coursen sehr beschränkt. Preußische Staatsschuldscheine hielten sich 92¾ % Brief und Geld.
Berlin, 12. Dez. Unter den dieswöchentlichen Getraide⸗Anfuhren zu Lande hatten die von Gerste und Hafer etwas ab⸗, die von Roggen da⸗ hechen etwas zugenommen; sie bestanden aus: 110 Wispel Weizen, 213
Cispel Roggen, 54 Wispel Gerste, 180 Wispel Hafer, 9 ½ Wispel Erbsen. Wiewohl das Wetter, wechselnd zwischen leichtem Frost und geringem Schnee⸗ fall, seinen winterlichen Charakter behalten, war der Absatz schwerfällig zu kaum behaupteten Preisen. — Den Finow⸗Kanal passirten noch: 716 Wispel Weizen, 496 Wispel Roggen, 71 Wispel Gerste, 100 Wispel Hafer, 55 Wispel Oelsaat, 1260 Ctr. Mehl; den Fried.⸗Wilh.⸗Kanal 20 Wispel Rog⸗ gen, 660 Ctr. Mehl. An den Markt kamen noch: 548 Wispel Weizen,
297 Wispel Roggen, 114 Wispel Gerste und 761 Wispel Hafer. — In⸗
b Sicherem Vernehmen nach, — ist nun auch die Genehmigung der Königl. dänischen Regierung hier
zwischen wurden auch die nachbarlichen Seen, durch welche die Schifffahr geht, mit Eis belegt, und vorläufig dürften selbst bis nahe an unseren laß gekommene Fahrzeuge denselben nicht mehr erreichen, wenn die Schif⸗ er sich nicht durcheisen sollten. Was indeß auf der Tour von Neustadt, zunächst den Mühlen, an Weizen und Roggen verwintert, wird zu den bestehenden Preisen auch noch willige Abnahme zur dortigen Vermahlung finden. Darüber Hinausstehendes dürfte nur zu wesentlich billigeren Preisen beachtet werden. Der größere Verkehr, von außen nicht angeregt, weil überall Geschäftsstille, bei lustloser Meinung, vorherrschend blieb, stockte hier fast gänzlich, und Umsätze von nur einiger Bedeutung kamen nicht vor; wir notiren des⸗ halb, mit wenigen Ausnahmen, fast durchweg nominelle Preise. — Für Weizen bestand selbst bei den Konsumenten schwache Kauflust, und dessen Werth ist um 3 a 4 Rthlr. seit 8 Tagen gesunken; verkauft wurde: weißer 87 pfd. poln., diesseits Neustadt verwintert, zu 75 Rthlr., gelber 86 pfd. in
W zu 72 Rihlr.; für weißen 88 ¾ /89 pfd. poln. zur Stelle wurde 77 ½
Rihlr. verlangt, 76 ½ Rthlr. vergeblich geboten. Wir notiren demnach: weißen 87./89 pfd. poln. 75 a 78 Rthlr., bunten 84/86pfd. 73 2 75 Rthlr., bunten und gelben 85/87 pfd. märkischen 71 a 73 Rthlr., desgl. 86./88pfd. Saal 74 a 76 Rthlr. Roggen am Platze noch auf vorige Preise gehalten, aber nur 1 Rthlr. pro Wispel darunter zu lassen, — in gleichem Verhältniß diesseits Neustadt verwinterte Waare. Für Lieferung pro Frühjahr k. J. war zu Anfang der Woche vorübergehend gute Frage und ward bis 60 ¾˖ Rthlr. bez. Seitdem hatte diese sich verloren, und Nachgiebigkeit der Verkäufer führte auch nur zu spärlichen Abschlüssen. Wir schließen heute: für Waare am Platze 82 /85 pfd. 63 a 65 ⅞ Rthlr., diesseits Neustadt verwinterte 63 a 62 ½ Rthlr. pro 82pfd., pro Frühjahr 82 pfd. mit 59 ½ Rthlr. verkauft und anzukommen, 59 ¼ Rthlr. Geld. Gerste blieb schwer und nur im Einzelnen zu 46 — 48 Rthlr. abzu⸗ setzen. In gleichen Verhältnissen stand Hafer, wofür in loco bei 46 — 50 pfd. 31 a 33 Rthlr. zu notiren, 48pfd. pro Frühjahr k. J. bis zu 33 Rthlr. herunter vergeblich offerirt, über 32 ½ Rthlr. wohl nicht zu bedingen, es fehlt an Kauflust. Erbsen in feinsten Qualitäten waren zu 68 a 72 Rthlr. gut zu ver⸗ werthen; geringere Güter zu 62 a 68 Rthlr. nur mühsam unterzubringen. Der Handel in Kleesaaten blieb unbelebt, doch nicht aus Mangel an Offerten, sondern an Unternehmungslust, die noch nicht erwacht schien. Unsere Vorräthe von Oelsaaten am Platze sind geringfügig und werden gleich Anstellungen auf Lieferung p. Frühjahr k. J. weit über die Gebote gehalten, weshalb der Verkehr darin auch ruht; für Rapps 75 a 74 Rthlr. verlangt, 72 a 73 Rthlr. zu machen; für Rübsen 73 a 72 Rthlr. gefordert, 70 a 71 Rihlr. zu bedingen; für Rapps p. Frühjahr k. J. 76 Rthͤlr. Forderung, 75 Rthlr. Gebot und Connoissement so anzukommen. Rüböl, in ansehnlichen Posten vom Lager verkauft und sonst noch reichlich angekündigt von den nicht unbedeutenden Zufuhren aus den be⸗ nachbarten Mühlen, wie von Stettin, hat im Werthe nachgeben müssen, weil dadurch das Konsumo mehr als gedeckt wurdr; auch für spätere Lie⸗ ferung nahm es eine weichende Tendenz an, da die jungen Saaten im Felde fast überall Schneedecke bekommen und die Besorgniß einstweilen geschwunden, daß der Winter schädlichen Einfluß auf sie haben werde. Wir notiren heute: loco Dez. u. Dez. (Jan. 10 ⅔ Rihlr. Br., 10 ¾ Rthlr. G., bis ¹. Rthlr. zu lösen; Jan./ Febr. 10 ¼ Rihlr. Br., 10 % Rthlr. G.; Fedr. März 10 ¾ Rthlr. Br., 10 ½ Rihlr. G.; März / April 10 ¼ Rthlr. Br., 10 ½ Rtihlr. G.; April/ Mai 10 ⅞ Rthlr. Br., 10 ¾ a ⅔ Rthlr. G. Leinöl, loco und p. Frühjahr mit 11 ½ Rthlr. offerirt, bei geringer Kauflust 11 Rthlr. zu bedingen. Mohnöl 18 Rthlr. Südseethran 92½ Rthlr. Spiritus loco 28 ½ Rthlr. Br., 28 ½ Rthlr. bez. u. G.; p. Frühjahr 28 8 Rthlr. Br., 28 ¾ Rthlr. G. Bei Nordwind leichten Frost.
** Frankfurt a. M., 9. Dez. Unser Fondsmarkt hat seit der letzten monatlichen Abrechnung einen günstigeren Umschwung gewonnen, von dem nur zu wünschen ist, daß er nachhaltig bleiben möge. Die Course haben sich fühlbar gehoben und sind noch in der Besserung begriffen. Das baare Geld ist flüssiger und der Diskonto fast auf 4 % gewichen. Natür⸗ lich ist auch im Wechselbandel größere Lebhaftigkeit und Lrichtigreit des Um⸗ satzes in allen fremden Devisen eingetreten. 1 1“ - 8 1„,nE
Auswärtige Börsen.
Niederl. wirkl. Sch. 59 . 5 % Spon. 21 ¼. Preuss. Pr. Sch. —. Poln. —
“ 8 Amsterdam, 9. Dez. 3 % do. 37 ⅞. Pass. —. Ausg. —. 4 % Russ. Hope 88 ½. Antwerpen, 8. Dez. Frankfurt a. M., 10. Dez. 5 % Met. 108 ½⅛ G. 1915. 13. Bayr. Bank-Actien 654 Br. Hope 88 G. Stiegl. 87 G. Poln. 300 Fl. 97 G. do. 500 Fl. 79 ½. 79. Hamburg, II. Dez. Bank-Actien 1570 Br. Engl. Russ. 105 ¾ Be. Lon don, 8. Dez. Cons. 3 % 95 ½. 2. Belg. 96.95. Neue Anl. 26 ¾. 5. Passive 5 ⅛. 7. Ausg. Sch. 17 ½. 17. 2 ½ % Hon. 61. 60 ½. 4 % do. 93. 92 ½. Port. —. Engl. Russ. 111 ⅞. 110 ½. Bras. 86 ½. 85 ½. Chili 97. 95. Mex. 22 ⅞. 3
Peru 38. 36. P aris, 9. Dez. 5 % Rente üin cour. 118. 30. 3 % do. ün cour. 80. 80.
3 % Span. 38 ½.
Zinsl. —.
Zinsl. —. Neue Aul. 21 ½. Bank-Actien p. ult.
Int. 59 ½. .
Neapl. —. Pass. —.
E111
EE1“ . en. Meteorologische Beobachtungen.
Abends 10 Uhr.
331,86 Par. 330,76 Par. 329,25 Par. — 2,3° h. — 1,7° R. — 2,4 ° R. — 3,80 R. — 4,40 h. — 4,9° R.
87 pct. 79 pet. 80 pct. trüb. heiter. bhalbbeiter.
Wiasd.. NW. NW. NW.
Wolkenzug.. — NW. —
Tagesmittel: 330 62“ Par. — 2,1°9 R..
1846. 12. Dez.
Nachmittags Nach einmahger
Morgens 2 Uhr.
6 Uhr. Beobachtung.
QAuellwärme 7,70 R. Flusswärme 0,09° R. Bodenwärmo 0,9 R. Ausdünstung 0,0032“ Rh. Niederschlag 0.
Wäürmewechael — 1,69 — 5,50
— 4,50 R. 82 pct. KW.
Luftdruck Luftwärme.. Thaupunkt... Donstsättigung. Wetter
Khnieliche Schauspile.
Montag, 14. Dez. Im Schauspielhause. 208te Abonnements⸗ Vorstellung. Auf Begehren: Gottsched und Gellert, Charakter⸗Lust⸗ spiel in 5 Abth., von Laube.
Dienstag, 15. Dez. Im Opernhause. 143ste Abonnements⸗ Vorstellung. (Neu einstudirt): So machen sie es Alle, Opera buffa in 2 Akten, von A. W. Mozart. Nach Cosi fan' tutte neu bear⸗ beitet. Anfang halb 7 Uhr.
Zu dieser Vorstellung werden
Opernhaus⸗Preisen verkauft. Im Schauspielhause. 13te franzoͤsische Abonnements⸗Vorstellung.
La premidre représentation de la reprise de: Une Chaine, comédie en 5 actes, du Théatre frangçais, par Scribe.
Alle diejenigen, welche für Lieferungen und Arbeiten aus dem Jahre 1846 Forderungen an die Königl. Theater⸗Haupt⸗Kasse zu machen haben, werden aufgefordert, ihre Rechnungen spätestens bis zum 8. Januar k. J. im Theater⸗Büreau abzugeben.
Berlin, den 12. Dezember 1846. —
General⸗Intendantur der Königl. Schauspiele.
88 Verantwortlicher Redacteur Dr. J. W. Zinkeisen.
ö Im Selbstverlage der Expedition.
Billets zu den gewöhnlichen
Gedruckt in der Heckerschen Geheimen Oder⸗Hofbuchdruckerel.
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