zweiten Verordnung wird als Normal⸗Zeitpunkt zur Bestimmung der gesetzlichen Eigenschaft der Grundstücke in Galizien nicht mehr das Jahr 1786, sondern das Jahr 1820 festgesetzt. Die dritte Verord⸗ nung enthält die Prinzipien, nach denen die Roboth festgesetzt wer⸗ den soll. Es wird demgemäß die Hälfte des Ertrages der gesamm⸗ ten unterthänigen Besitzungen, so wie er durch das provisorische Kataster ermittelt worden ist, nach Abzug des Kultur⸗Aufwandes als Maßstab der an die Grundherrschaften zu entrichtenden Leistungen festgesetzt. 8
nußland und Polen.
St. Petersburg, 10. Dez. Folgendes ist der Schluß des im gestrigen Blatte der Allg. Pr. Ztg. abgebrochenen Berichts über Schamil's Zug durch das Land der Akuschinzen:
Mehr als eine Werst weit folgte den Dragonern die Infanterie im Sturmschritt und erreichte beinahe gleichzeitig mit ihnen den Aul von der rechten Seite. Die Spitze hielten die dritten Bataillons des dagestanschen und apscheronschen Regiments, welche die Majore Soimanoff und Berg⸗ mann kommandirten; zwischen diesen beiden Bataillonen zogen singend die Freiwilligen des apscheronschen Regiments, die Major Rautenberg führte, zum Sturm heran. .
Diese beiden, von zwei Seiten zugleich ausgeführten stürmischen An⸗ griffe brachten den Feind dergestalt in Verwirrung, daß er, ohne einen Ka⸗ nonenschuß zu thun, sich in der Mitte des Auls zusammenschaarte.
Unter dem Befehl des Artillerie⸗Capitains Logoda eilten vier Gebirgs⸗-
Kanonen, zwei Feldgeschütze und das Raketen⸗Kommando im Trabe auf dem steinigen Wege herbei und eröffneten ein mörderisches Feuer, wodurch die zusammengedrängten Müriden sichtlich in Unordnung gebracht wur⸗ den; auch war unterdessen das 1ste Bataillon des apscheronschen Regiments, welches längs dem unteren Wege gegen die Mitte des Auls entsendet wor⸗ den war, auf dem Kampfplatze eingetroffen.
Zwei Stunden wüthete die Schlacht; die Dragoner und Infanteristen stürmten ein Haus nach dem anderen, ein Viertel nach dem anderen, un⸗ mittelbar unter dem Feuer des Feindes, das derselbe aus mehreren Reihen der an der abschüssigen Felswand erbauten Hütten unterhielt.
Mittlerweile zeigten sich in unserem Rücken bedeutende feindliche Mas⸗ sen, die uns in den Dörfern Ullu⸗Aja und Kaka⸗Machi erwartet hatten. Ohne den raschen und glänzenden Erfolg der Russen in dem Dorfe Kutaschi zu ahnden, griff Hadschi⸗Murat mit fühnem Ungestüm die Nachhut an und umzingelte sie mit seinen zahlreichen Heerhaufen von allen Seiten, indem er, nach und nach näher herandringend, die umliegenden Felsenkämme des welligen Terrains besetzte.
Die Nachhut, unter dem Befehl des Oberst⸗Lieutenants vom General⸗ stabe, Kapherr, bestand aus dem 2ten Bataillon des apscheronschen und dem 4ten Bataillon des dagestanschen Regiments, mit zwei Gebirgs⸗Kanonen, sie wurde durch eine Feld⸗Kanone, zwei Compagnieen vom 1sten Bataillon des dagestanschen Regiments und einer Sotnia Kosaken, die eilig heran⸗ kamen, verstärkt. Die Kavallerie Hadschi⸗Murat's versuchte zu wiederhol⸗ tenmalen unsere Infanterie anzugreifen, jedoch ohne allen Erfolg; Schaaren Fußvolks suchten unter Geschrei die linke Flanke der von der Arrièregarde eingenommenen Stellung zu umgehen, wurden jedoch von der 2ten Grena⸗ dier⸗ und der 4ten Musketier⸗Compagnie, die Stabs⸗Capitain Diakonoff führte, mit dem Bajonet empfangen und zurückgeworfen.
Die Nachhut hielt alle Angriffe Hadschi⸗Murats standhaft und tapfer aus; als das 1ste Bataillon des apscheronschen Regiments und 2 Esca⸗ drons Dragoner mit 2 Gebirgs⸗Kanonen zu ihr gestoßen waren, wurde der Feind sogleich angegriffen, der seinen linken Flügel mit den aus dem Dorfe Kutaschi abziehenden Schaaren zu vereinigen strebte. Durch den von der vereinten Infanterie in Masse ausgeführten Angriff, den eine Batterie von vier Kanonen unterstützte, wurden die feindlichen Schaaren an allen Punk⸗ ten geworfen, und die Flucht der Müriden wurde allgemein. Dieser An⸗ griff, der die Schlacht bei Kutaschi entsched, war dem General⸗Major Fürsten Kudascheff und dem Commandeur des apscheronschen Infanterie⸗Regiments, Obersten Fürsten Orbelian, übertragen worden.
Die Dragoner eröffneten und vollendeten die glänzende Niederlage des Feindes bei Kutaschi, indem sie die durch das Basonet der Infanterie zu⸗ rückgeworfenen Müriden verfolgten; sie hieben mit dem Säbel auf die Flüch⸗ tigen ein und bedeckten den Weg nach dem chodschal⸗machinskischen Passe, dem der Feind als seiner letzten Zuflucht zueilte, mit Leichen.
Noch auf dem Schlachtfelde von Kutaschi erschienen Deputirte aus allen Dörfern des Bezirks Dargo und boten ihre Unterwerfung an.
In der Nacht nach dem 27. Oktober langte Schamil, ohne gerastet zu haben, im Dorfe Gozatl an; in dem Bezirk Dargo ist kein einziger Müride mehr anzutreffen, und die aufrührerische Landschaft ist vollkommen eruhigt. hig. Trophäen unseres Sieges sind: 1 Gebirgskanone, 21 gefüllte
Munitions⸗Kasten, eine große Zahl von Feldzeichen, die Streitaxt Scha⸗ mil's, das Siegel Kibit⸗Mahoma's, 300 Gefangene und eine Menge Waf⸗ fen, von denen die Dragoner gegen 400 gezogene Gewehre erhalten haben. Schamil hat auf seiner eiligen Flucht selbst seinen Pelz in unseren Hän⸗ den lassen müssen.
Der Verlust des Feindes beläuft sich allein an Todten, die auf dem Platze blieben, auf ungefähr 800 Mann. Nach den eingesammelten Nach⸗ richten beträgt der ganze feindliche Verlust 1200 Mann Todte und Ver⸗ wundete. Auf unserer Seite fielen 2 Mann Gemeine und 6 Mann Mi⸗ lizen, verwundet wurden 7 Offiziere, 43 Gemeine und 32 Mann Milizen.
Fürst Bebutoff stellt der Tapferkeit und dem muthvollen Benehmen aller und eines jeden Soldaten des Detaschements das vortheilhafteste Zeugniß aus; insbesondere aber bezeichnet er die Verdienste: des General⸗ Majors Fürsten Kudaschew, des Chefs der Avantgarde; des Obersten Für⸗ sten Orbelian I., Chefs der Kavallerie; des Commandeurs des apscheron⸗ schen Infanterie⸗Regiments, Obersten Fürsten Orbelian; des Oberst⸗Lieute⸗ nants vom Generalstabe, Kapherr; des Capitains der 19ten Artillerie⸗Bri⸗ gade, Lagoda; des Oberst⸗Lieutenants vom Dragoner⸗Regiment Sr. Königl. Hoheit des Kronprinzen von Württemberg, Obuchoff; des Stabs⸗Capitains desselben Regiments, Dscharmarschadse; der Majore des apscheronschen Re⸗ giments, Bergmann und Rautenberg, und des dagestanschen, Soimanoff.
Sämmtliche Truppen hielten sich vortrefflich; am meisten aber thaten sich die Dragoner hervor. Die Bergvölker nennen sie jetzt Schaitan⸗Sol⸗ daten (Teufels⸗Soldaten). Die Feinde wurden durch die geschlossenen Ka⸗ vallerie⸗Angriffe, deren sie nicht gewohnt sind, in Erstaunen und Schrecken gesetzt und durch die Schnelligkeit, mit der die Dragoner absaßen. Das Treffen bei Kutaschi hat den Nutzen der in diesem Sommer ergriffenen Maßregeln, d. h. der von Sr. Majestät dem Kaiser genehmigten Uebersie⸗ delung des Dragoner-Regiments von Kara⸗Agatscha nach Tschir⸗Jurt, vollständig offenbart. Nirgends kann hier die regulaire Kavallerie mit solchem Erfolge agiren, als auf den weiten schamchalschen und kumyli⸗ schen Ebenen; es leidet keinen Zweifel, daß wir durch diese Disposition die beste Reserve besitzen, um jeden feindlichen Anschlag gegen die Spitze des linken Flügels der Linie oder gegen das nördliche Dagestan zu vereiteln.
Mit diesen Erfolgen der Entschlossenheit und der wohlberechneten Dis⸗ positionen des Fürsten Bebutoff schließen aller Wabhrscheinlichkeit nach die Kriegs⸗Operationen dieses Jahres, in dessen Laufe alle beabsi btigten Unter⸗ nehmungen ausgeführt und die feindlichen Angriffe überall mit Erfolg ab⸗ geschlagen wurden.
Die Ruhe ist in ganz Dagestan vollständig wiederhergestellt; die bei Annäherung Schamil's geflohenen Einwohner sind wieder in ihre Auls
zurückaekehrt. — an Wenn manche Eingeborenen bei dem Erscheinen der Empörer ihrer Pflicht
untreu geworden sind, so verdient andererseits das Verhalten der Frau des Chan von Mechtuli, Noch⸗Bike, und der Frau des Oberst⸗Lieutenants Ali⸗Sultan von Mechtuli, Pochai⸗Bike, besonders belobende Anerken⸗ nung, von denen jene in Dschengutai, diese in Kaka⸗Schura, genau alle Anordnungen des Fürsten Bebutoff in Ausführung brachte und, ungeach⸗ tet des unter den Einwohnern ausbrechenden Aufstandes, durch das Bei⸗ spiel ihrer persönlichen Entschlossenheit dieselben im pflichtgemäßen Gehor⸗ sam erhielt.“
Warschau, 14. Dez. Die Post⸗Direction des Königreichs Polen bringt zur öffentlichen Kenntniß, daß das polnische Postamt,
1492
welches bisher in Krakau bestand, mit dem 16ten d. M. aufgehoben und daß statt dessen ein Gränz⸗Postamt des Königreichs Polen in Michalowice errichtet wird und in Folge der Einverleibung Kra⸗ kau's in die österreichische Monarchie die bisher in dem Königreich Polen erhobene Ein⸗ und Ausgangs⸗Zusatz⸗Abgabe, das Porto auf Rechnung jener Stadt von der Korrespondenz aus dem Königreich nach Krakau und umgekehrt, von 4 Kopeken für das Loth, so wie von der über Krakau gehenden Korrespondenz aus dem Königreich Polen nach Oesterreich und umgekehrt, von 8 Kopeken für das Loth, zugleich mit der Aufhebung des polnischen Postamtes in Krakau auf⸗ hört. In Folge dessen wird das Porto von der Korrespondenz über Michalowice nach und über Krakau fortan ganz nach denselben Ver⸗ hältnissen wie auf allen anderen Gränzpunkten des Königreichs Polen bestimmt und erhoben werden.
Paris, 13. Dez. Der Bey von Tunis wird übermorgen, ohne England zu besuchen, die Rückreise nach Afrika antreten.
Es hat sich seit gestern hier das Gerücht von einer Unterwer⸗ fung Abd el Kader's verbreitet; das Journal des Débats be⸗ merkt nur, daß die heute eingegangenen Nachrichten aus Afrika nichts brächten, was über dies Gerücht ein näheres Licht verbreiten könnte. Man wisse blos, daß an dem Tage, wo die freigegebenen französi⸗ schen Gefangenen zu Menilla eingeschifft wurden, ein gewisser Kada⸗ Ben⸗Osman, Aga der Reiterei des Emirs, nach Oran befördert wor⸗ den sei, als Ueberbringer eines Auftrags seines Gebieters; über die⸗ sen Auftrag selbst aber, der zu den verbreiteten Gerüchten von einer .““ den Anlaß gegeben zu haben scheine, verlaute noch nichts.
Der Moniteur Algerien vom 5. Dezember berichtet, daß der General⸗Gouverneur Marschall Bugeaud von einer Reise, die er mit mehreren Mitgliedern der Deputirten⸗Kammer durch einen Theil Al⸗ geriens gemacht, in Algier wieder zurück war. Man hatte dort we⸗ der aus den westlichen, noch aus den östlichen Distrikten neuere Nach⸗ richten von Belang. Das genannte Blatt rühmt die guten Gesin⸗ nungen, welche bei den Stämmen, die nach Marokko ausgewandert waren, wieder Eingang gefunden hätten; erst jüngst seien wieder mehrere dieser Stämme auf das algerische Gebiet zurückgekehrt, und ihrer Aussage zufolge würden viele andere bald dieses Beispiel nachahmen.
Das Commerce giebt der Hoffnung Raum, daß Herr Guizot, trotz Palmerston's Drohung, Herrn Barbet auf seinem Posten in Mauritius lassen werde. Der Courrier frangçgais will dagegen wissen, die Sache sei schon zur Zufriedenheit Palmerston's entschieden, denn dies Blatt sagt: „Die Auflösung der Angelegenheit des Herrn Barbet wird nicht auf sich warten gelassen haben. Lord Palmerston wird vollkommene Genugthuung erhalten. Der Minister⸗Rath hat beschlossen, daß unser Konsul auf einen an⸗ deren Posten versetzt werde. Herr Guizot hat uns sicherlich an viele Feigheit gewöhnt, allein es giebt Thatsachen, welche allen Glauben übersteigen und offizieller Bestätigung bedürfen. Die Königliche Verordnung, versichert man, ist schon bereit, und der Moniteur wird sie ehestens veröffentlichen; Herr Guizot wollte sich bei diesem Anlaß weit nachgiebiger zeigen, als in der spanischen Frage. Freilich handelte es sich in letzterem Falle nur um eine diplo⸗ matische Frage, während es sich jetzt blos um Frankreichs Ehre und Würde handelt.“
Dem Stadtrathe zu Straßburg ist ein ministerieller Befehl zur Reorganisirung der seit mehreren Jahren aufgelösten National⸗Garde am 11. Oktober zugekommen.
Der Courrier de Lyon vom 9. Dezember berichtet, daß die Seidenfärber⸗Gesellen noch nicht wieder an die Arbeit gegangen wa⸗ ren; die der Krepp⸗ und der Wollfärber haben sich ihnen nicht an⸗ geschlossen. Die Anzahl der Feiernden ist über 1000. Die Seiden⸗ färber bilden ungefähr den sechsten Theil der Färber in Lyon, und man glaubt daher, die Färbereibesitzer dürften, zur Vollendung be⸗ gonnener Arbeiten und um Nachtheilen zu entgehen, hin und wieder Aushülfe gefunden haben und wären vielleicht sogar im Stande, da⸗ durch den Ausgetretenen die Spitze zu bieten, die am wenigsten Ur⸗ sache zu solchen Schritten haben sollen und z. B. in den meisten Färbereien bereits das Lohn von 4 Fr. täglich erhalten, das sie als das niedrigste anerkannt wissen wollen.
Die Tumulte wegen Theuerung der Lebensmittel beginnen auch im östlichen Frankreich. Zu Granges im Vogesen⸗Departement rot⸗ teten sich an 100 Personen, mehrere mit Schießgewehren bewaffnet, zusammen, um von dem dortigen Müller die Auslieferung von Mehl zu erzwingen, indem sie ihm außerdem mit dem Anzünden der Mühle drohten. Es kam jedoch nicht zum Aeußersten, indem die Tumultuan⸗ ten sich noch abweisen ließen. Die Anstifter sind bereits in Saint⸗ Dié als Gefangene eingebracht.
Herr von Lamartine hat dem Hospital⸗Vorstande von Macon 3000 Fr. mit der Bedingung zustellen lassen, 1000 Fr. zum Ankauf und respektive zur Vertheilung von Brod⸗Billets und 2000 Fr. zur Erleichterung des Ankaufs von Brod für diejenigen Familien zu ver⸗ wenden, denen der jetzige Preis schwer falle.
Bei Mer unweit Blois war einer der wiederherzustellenden Loiredämme fast zur vollen Höhe aufgeführt, als er plötzlich, wäh⸗ rend sich gerade zwei Wagen mit sechs Pferden und einem Arbeiter auf demselben befanden, fast bis zur Wasserhöhe zusammensank. Der Mensch verunglückte dabei. Man will jetzt weiter rückwärts einen einstweiligen Damm zur Abwehr der winterlichen Hochwasser anlegen.
Dem Vernehmen nach, soll General Athalin, der vertraute Freund des Königs, mit einer geheimen Mission beauftragt, nach London gehen. Die Depeschen des Grafen St. Aulaire sollen nicht sehr erfreulich lauten und ernste Besorgnisse in den Tuilerieen er⸗ regen.
ü Die öffentlichen Blätter beschäftigen sich heute vorzugsweise mit den Wahlen der Maires und der Adjunkte für die zwölf Bezirke der Stadt Paris, welche am heutigen Tage stattfinden werden.
In einer Versammlung der Fabrikanten und Kaufleute der Stadt Rheims hat die Freihandels⸗Partei einen Sieg errungen. Man hat sich mit großer Majorität für Revision der Zölle mit Aufhebung der Verbotzölle und allmäliger Reduction aller schweren Steuern ausge⸗ sprochen.
Die France bringt das Gerücht, daß der General⸗Konsul Lesseps von Barcelona nach Konstantinopel werde versetzt werden.
In Neuilly starb vor kurzem ein dort seit langen Jahren be⸗ kannter Bettler, der bei der Armen⸗Verwaltung eingeschrieben war und die meiste Zeit des Tages an der Kirchenthür verbrachte, um Almosen anzusprechen. Ein Strohsack war alles Mobiliar der Dach⸗ kammer, die er bewohnte. Mit Erstaunen entdeckte man daher unter einigen Hobelspänen in einer Ecke zwei Banknoten von 1000 Fr.; sodann fand sich im Kamin noch ein alter Mantelsack und in demsel⸗ ben 17,000 Fr. in 34 Beuteln zu je 500 Fr. vertheilt, die schon seit lange verwahrt zu sein schienen, da Fünffrankenstücke von 25, 2 und 15 Jahren in Menge und neu wie aus der Münze darunter waren. Neun glückliche Erben werden sich in diesen Schatz theilen.
— 8 .*
Organ, der Globe, begnügt sich, bei Mittheilung seiner
x½ Paris, 13. Dez. Alles deutet darauf hin, daß Kader in der That in großer Klemme sich befindet; man meldet ein Bote mit Briefen von ihm an den König Ludwig Philipp,“ Kriegs⸗Minister und den General⸗Gouverneur von Algerien ab det worden ist, und das Gerücht bezeichnet als Inhalt dieser 9 bereits ein Unterwerfungs⸗Anerbieten des Emirs. Die beiden 1 zösischen Offiziere, Carette und Dumas, denen die Wissenschaft g falls eine werthvolle Bereicherung der Kenntniß des inneren 9 zu danken hat, und deren Ansichten unstreitig eine gewichtige 1 rität haben, versichern auch, daß der bei weitem größere Thei Bevölkerung der Sahara geneigt ist, die französische Ober⸗Henst anzunehmen. Sie verlangen, man solle jenem ganzen Landstriche eine Sitten und Gewohnheiten der verschiedenen Bevölkerungen und i Religions⸗Verhältnissen, welche das gemeinschaftliche Band dersc bilden, entsprechende Verwaltung geben. Thatsache ist, daß ben eine große Anzahl von Oasen der Sahara in einer Art von ncn; schem Verband mit den Franzosen steht, indem ihre Scheiktz Biskra, der bedeutendsten Stadt des Ziban⸗Distriktes, die Inves von den französischen Behörden annehmen. Zu El Aruat und „ Madi, zwei bedeutenden Plätzen im Süden des Dschebel Amur, finden sich jetzt französische Garnisonen. Im Jahre 1838 noch sn man in fast fabelhafter Weise von Ain Madi gesprochen, dr Name von Zeit zu Zeit aus der Ferne herüberklang, in Folge 8 Feindschaft, welche zwischen Tedschini, dem dortigen Kalifa, und gh el Kader bestand, der vergeblich die Stadt längere Zeit velgn hatte, aber ohne daß die Franzosen auch nur die Lage und Eähn nung derselben genau hätten angeben können. Dies ist seimn n⸗ ders geworden. Mehr als einmal hat Abd el Kader auch sähe Zeit Krieg geführt gegen die herrschende Partei jenes Volksstaneg um dieselbe dafür zu strafen, daß sie ihn in seinen Feldzügen n die Franzosen nicht unterstützte. Im Jahre 1844 verlangte Arn⸗ Ben Salem aus freiem Antriebe von dem französischen Gertz Gouverneur die Bestätigung in seinem Kalifate El Aruat, mix Erklärung, alle muselmännischen Sultane, denen er bis jetzt vertn habe, hätten ihn hintergangen und verrathen, und er hoffe jetzten Frieden in der Gerechtigkeit des Sultans von Frankreich zu fie Abd el Kader ward wüthend über diesen Abfall und schwur, ie der Bewohner von El Aruat, der in seine Gewalt falle, zu säe und Trommelfelle aus der Haut der Niedergemachten fertigen i zu wollen. Indeß scheint er nicht im Stande gewesen zu sein,“ Drohung zu erfüllen. Unter diesen begünstigenden Umständen drangan Franzosen, ohne sonderliche Gefahren bestehen zu müssen, wenigstens hn auf einen entschlossenen Widerstand zu stoßen, immer weiter nach e Süden zu vor und brachten allmälig mehrere der bedeutendsten Mitt der Sahara unter ihren Einfluß. Wissen sie sich mit der nöthige Geschicklichkeit zu benehmen, den Handelsverkehr und die alten Bränut und Gewohnheiten der Eingeborenen zu schützen, so ist kein Zweil daß sie dadurch leichter zur Beherrschung des ganzen Landes gelan gen werden. Indeß mag wohl in den Angaben über die Geneigthet der Stämme der Sahara, sich ohne Weiteres zu unterwerfen, einig Uebertreibung mitunterlaufen. Wenigstens bestehen unleugbvare That⸗ sachen, welche darauf hindeuten. Im vorigen Jahre vot schien der Friede im Lande gesichert, und doch begann Add! Kader wenige Monate nachher seinen merkwürdigen Wint Feldzug, der sich auf eine für die Franzosen so verhängn volle Weise eröffnete, und dessen überlebende Opfer eben jetzte aus langer und harter Gefangenschaft bei Abd el Kader zurückkehn Bekanntlich hatten aber die Volksstämme der Sahara, welche außer dem Bereiche der französischen Armee befanden, damals Operationen Abd el Kader's unterstützt. Einige wurden nachr für diesen dem Emir geleisteten Beistand von den Franzosen besp darunter die Uled Nayl, welchen General Jussuf eine schwere; buße auferlegte.
Aus Allem aber erhellt, daß die Macht, welche sich in den B baresken⸗Staaten dauernd festsetzen will, eine genaue Kenntniß! der Bevölkerung der Sahara, von den Gränzen des Tell an bis; eigentlichen Wüste, haben muß. Die Türken hatten sich daraufh schränkt, von jedem Stamme des Innern, der die Märkte der Kif besuchte, eine Steuer zu erheben. Diese Art von Auflage wur gewöhnlich durch die Ueberlieferung bestimmt und in regelmäßig we derkehrenden Zeiträumen an den Dey von Algier gezahlt. Sot aber ein Stamm die Auflage zu zahlen verweigerte, mußte mr einen förmlichen Kriegszug gegen denselben organisiren und das Ge— mit Gewalt nehmen. Die Kenntniß des Umfaugs und der Ausdet nung dieses weiten und noch so wenig erforschten Landes ist alse sü Frankreich nicht mehr blos Sache der Neugierde und wissuscrys⸗ lichen Interesses, sondern es handelt sich für dasselbe dabei un ine Frage von der höchsten politischen Bedeutung.
Großbritanien und Irland.
London, 12. Dez. Vorgestern fand hier unter dem Versz des Herzogs von Richmond die gewöhnliche Jahres⸗Versammlung in Gesellschaft zum Schutze des Ackerbaues und der britischen Indufie statt, aus deren Verhandlungen hervorgeht, daß die Protectionistn⸗
Partei in der bevorstehenden Session die Abschaffung der Malzstem⸗
beantragen wird. Der Herzog von Richmond empfahl den Pächtm ein fleißiges Besuchen ihrer Lokal⸗Vereine bis zum 12. Januar, h wahrscheinlichen Eröffnung des Parlaments, damit sie ihre Ansichn über diesen Gegenstand austauschen und berichtigen könnten. U. Steuer bringt jetzt jährlich 5 Millionen Pfund, und es ist nicht zusehen, wie dieser Ausfall in der Einnahme gedeckt werden soll Der Oberst⸗Lieutenant Sir Gaspard Le Marchand ist, wie⸗ Times meldet, zum Gouverneur von New⸗Foundland an Stelt Herrn Bruce bestimmt worden. 1 Ueber die Erörterung der inneren Angelegenheiten haben Blätter in den letzten Tagen die auswärtige Politik ziemlich wmt lassen. Der Protest des Herrn Guizot in der krakauer Angelege⸗ heit, so weit der Inhalt und der Ton desselben aus den pariser Bo⸗ tern bekannt ist, wird fast mit Stillschweigen aufgenommen, und me die Morning Chroniele nimmt daraus Veranlassung, die geh Lord Palmerston früher wegen seines Protestes erhobenen Beschne⸗ den über dessen angebliche Verspätung zurückzuweisen. Auch die ni nahme des Bey von Tunis in Paris, welche unter dem diplomats Corps in Paris eine so große Bewegung hervorbrachte, lßt hiesige Presse vor der Hand fast unberührt. Die E 6 nicle theilt mit, die französische Regierung beabsichtige, „ Bey demnächst als souverainen Fürsten förmlich zu prollin ren, und dieser werde dann die Oberhoheit des 88 der Franzosen anerkennen; mittlerweile habe der türkische Botschaf
in Paris, der Nachricht von dem Plane bekommen, alle diplomatisch
Das ministerielle niah über das Thun und Treiben des Bey in Paris einige Bemerbun hinzuzufügen, in welchen es das Verfahren des französischen Ka gh als unüberlegt bezeichnet, da dasselbe durch sein Bemühen, deschue⸗ gefällig zu sein, die großen Höfe unzufrieden mache und doch ehen lich die Absicht hege, sich allen den Konsequenzen zu unterg gg welche die Anerkennung des Bey für Frankreich nach si mmuns würde, wenn etwa der Sultan gesonnen wäre, unter Zust 8
Beziehungen zu Herrn Guizot eingestellt.
1“
lands und der übrigen Mächte, den Bey mit Gewalt zur Aner⸗ 1 der Oberherrschaft der Pforte über Tunis zu zwingen. 1 Lord Stourton, das Haupt einer der ältesten katholischen Fa⸗ jüen des Landes, und Lord Aemilius Beauclerk, ein ausge⸗ ichneter Admiral, sind in diesen Tagen, der Erste 70, der Andere „Zahre alt, gestorben. Admiral Beauchlerk erfocht im letzten Kriege Linzelngefechten gegen französische Fregatten mehrere glänzende
heg,, der Resorm⸗Gesellschaft von Westminster haben Meinungs⸗ gerschiedenheiten über die Wahl eines geeigneten Kandidaten für die zaketung der City von Westminster im Unterhause zu einer völli⸗ den Spaltung geführt, und der bisherige Vorsitzende hat, weil die faiorität gegen seine Ansicht war, seinen Posten niedergelegt. Eine nzahl liberaler Wähler von Westminster hatte kürzlich Herrn Wyse sucht, sich als Kandidaten aufstellen zu lassen, was derselbe jedoch blehnte. 1 — u“ Im Kollegium der Civil⸗Ingenieure zu Putney wird jetzt auf zefehl der Admiralität eine Reihe von Versuchen zu dem Zwecke an⸗ estellt, den Werth der verschiedenen Arten britischer Steinkohlen in ezug auf ihre Verwendbarkeit für Dampfschiffe genau zu ermitteln. Am 8. Dezember hat die Oriental⸗Steam⸗Navigation⸗Com⸗ an ihre Jahres⸗Versammlung gehalten. Der Gewinn des letzten ahres übersteigt den des vorhergehenden um 19,000 Pfd. St., und „fonnte eine Dividende von 8 pCt. erklärt werden. Aus dem ab⸗ statteten Bericht ergiebt sich, daß man damit umgeht, zu Anfang z nächsten Jahres die Frachten zwischen Southampton und Kal⸗ tta, so wie zwischen Madras und Ceylon und das Passageld für sen Transport durch Aegypten, herabzusetzen. Auch beabsichtigt man bie Ausdehnung der Dampsschifffahrt von Ostindien aus nach den Folonieen in Australien. Der Pascha von Aegypten hat das Nil⸗ Hampfschiff der Gesellschaft angekauft, und die ganze Verwaltung der gyptischen Transit⸗Gesellschaft ist in seine Hände übergegangen. sur Erweiterung des Dienstes sollen drei neue Dampfschiffe gebaut erden, zwei von je 1100 Tons und 420 Pferdekraft in London und nes von 1000 Tons und 400 Pferdekraft in Glasgow. b n Belgien. “
Brüssel, 14. Dez. Als in der Repräsentanten⸗Kammer die skussion des Gesetz⸗Entwurfs zur Bewilligung von 2 Millionen r die Maßregeln zur Abhülfe der Landesnoth an die Tagesordnung m, stellte Herr Orban zunächst den Antrag, daß die zur Urbar⸗
Pachung bestimmte halbe Million ganz davon geschieden werden und uner besonderen Erörterung unterliegen solle. Es entspann sich grüber eine Debatte für und wider, wobei Herr von Brouckere die Leichtfertigkeit angriff, mit welcher das Kabinet eine Gesetze vorschlage, indem man seinen Kredit für Urbar⸗ nachungen und Industrie⸗Erweiterungen verlange, obgleich ie Kammer die Prinzipienfrage noch nicht erörtert habe. Obgleich ;dafür sei, hätte man sich hier zuerst über das Prinzip einigen gissen. Auf seine Frage, ob das Ministerium bald den Gesetz⸗Ent⸗ arxf zur Gründung einer Ausfuhr⸗Gesellschaft vorlegen werde, gab e Minister noch keine entschiedene Antwort. Der Minister es Innern erklärte sich damit einverstanden, daß man den redit für die Urbarmachung auf spätere Zeit verschiebe, falls an die 150,000 Fr. für die Bewässerungen gleich bewilligen olle, was denn auch geschah. Herr Osy ergriff auch das Wort in sich über ein Schreiben des Gouverneurs von Ostflandern zu jschweren, der den Handelsstand beschuldigte, die Getraide⸗Theuerung eegünstigt und gefördert zu haben. Von verschiedenen Seiten wurde s Unpassende dieses Vorwurfs gerügt und der Minister des Innern
zhadelt, daß er gleichsam die Verantwortlichkeit davon übernommen, am er dessen Veröffentlichung im Moniteur gestattet. Herr
tmaisieres erklärte, er habe der Kammer wegen seiner Hand⸗ ugen als Gouverneur nicht Rede zu stehen. Der Minister des Innern suchte sich dadurch zu rechtfertigen, daß er die Veröffent⸗ schung des Schreibens nur habe geschehen lassen, um die Besorgniß her Bevölferung wegen der Getraide⸗Theuerung zu beschwichtigen.
Der Observateur will aus guter Quelle wissen, daß mehrere berale Deputirten einen Wahl⸗Reformplan ausarbeiten, den sie näch⸗ bens der Kammer vorzulegen beabsichtigten. .“
Schweden und Norwegen
tockholm, 8. Dez. Bekanntlich finden gegenwärtig die Verathungen des Repräsentations⸗Comité's über die den Ständen vorzulegenden Vorschläge in Betreff einer Aenderung der National⸗ Repräsentation statt. Es handelt sich hierbei hauptsächlich darum, hurch wen die Wahlen lünftig geschehen sollen, ob nach Klassen clasval, etwa wie bisher durch Stände und zu Ständen), oder ge⸗ einschaftlich, ohne Klassen (samfäld val), oder so allgemein wie nöglich, ohne allen Unterschied der Wählenden (al männa val, was lie Ultra⸗Radikalen wollen). Es verlautet nunmehr, der Post⸗och Inrikes⸗Kidningar zufolge, daß die mittlere dieser Kategorieen, sie gemeinschaftlichen Wahlen, als Prinzip zum Grunde gelegt vorden für die Wählart auf dem Lande, zu der zweiten Rammer oder dem Unterhause. Es ist demnach klar, daß des Comité auch das Zweikammer⸗System angenommen. Zwei ategorieen des Vermögens sollen stipulirt werden; die in der höheren sategorie sollen direkt wählen, ohne vorhergehende Waht von Wäh⸗ in (wie bis jetzt), die in der niedrigeren indirekt, also durch Wäh⸗ r. Der Unterschied im Vermögen soll noch nicht bestimmt sein, bürde aber wohl bei 8000, 10,000 oder vielleicht 12,090 Reichstha⸗ r an Eigenthumswerth stehen bleiben. Die Anzahl der Repräsen⸗ anten würde auf jeder Seite gleich sein. Die Wahlmänner der öheren Kategorie wählten demnach eben so viele wie die der niedri⸗ eren. Das Stimmrecht würde nach der Gehöftezahl oder 9₰ demselben Prinzipe, wie bei der Priesterwahl auf dem 4 - berechnet. Man will auch wissen, daß die Mitglie⸗ nd *s Comité's ihre Mission als vermittelnder Art ansehen, 1 man schließt daraus, daß, da sich bisher zwei Reichsstände für onngemeinschaftliche Wählart erklärt, das Comité nicht umhin ge⸗ nte dieses Prinzip zur Geltung zu bringen, welche Ansicht die Mit⸗ iaf solcee sönlich auch von dem Nutzen derselben haben mochten. Kaacge Art erklärt man den Umstand, daß der Beschluß über ge⸗ Ungab aftliche Wahlen einstimmig gefaßt sein soll oder, nach anderer hah , gegen eine einzige Stimme (Bischof Holmström, der deshalb üt hebefreten wollen, nachher aber sich besonnen und einstimmig vo⸗ han abe). Der angenommene Vorschlag soll hauptsächlich der des gujers Herrn Schartau gewesen sein.
Dänemarhk.
nigs Echleswig, 14. Okt. (H. C.) Da der Königliche Regierungs⸗Kom⸗ gangen 8 Präsidenten angezeigt hatte, daß ein Allerhöchster Befehl einge⸗ aumen ben- daß derselbe in Folge dessen eine Stände⸗Versammlung anbe⸗ r Mütaoge⸗ so war von dem Präsidenten auf heute die Sitzung um 12 Regierun 2 angesetzt worden. Vor Verlesung des Protokolls nahm der —m dari ⸗Kommissar das Wort und fragte den Präsidenten, ob derselbe Mitglied der eine Aufklärung geben könne, weshalb das Allerhöchst ernannte
ied der Ritterschaft (Herr von Rumohr) nicht anwesend sei?
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Präsident: Er müsse darauf antworten, das gedachte Mitglied habe in der Sitzung am 4ten d., so weit er ihn aufgefaßt habe, erklärt, an den ferneren Sitzungen nicht mehr Theil nehmen zu wollen. Er habe deshalb das Convocations⸗Schreiben nicht mit an ihn gerichtet. Es sei ihm indeß auch am gestrigen Tage ein Schreiben desselben zugegangen, des Inhalts: „Er (Herr von Rumohr) müsse sehr bedauern, daß die Reden der Einzel⸗ nen in der Stände⸗Zeitung nicht abgedruckt seien, so wie, daß er durch⸗ aus mißverstanden sei. Er habe nämlich Folgendes erklärt: „„Nach den vielen Erklärungen, welche bereits abgegeben worden sind, kann es mir nicht zweifelhaft sein, daß die Geschäftsthätigkeit der Stände⸗Versammlung und damit auch meine Geschäftsthätigkeit in derselben jetzt zu Ende ist. Ich fühle mich aber gedrungen, noch auszusprechen, daß, meiner Ansicht nach, für mich ein durch die Interpretation des §. 50 abseiten der Regierung hervorgeruse⸗ ner Konflikt zwischen meiner amtlichen Stellung und meinem Verhältnisse als Stände⸗Deputirter stattfindet, über den ich mich gegenwärtig nicht wei⸗ ter auslassen will, wogegen ich mir meine weiteren Schritte in dieser Be⸗ ziehung vorbehalte.““ Er habe die Absicht gehabt, dadurch seinen Austritt
zu motiviren, und habe bereits unterm 10ten d. M. sich an Se. Majestät
gewandt, um von der ihm ertheilten Virilstimme erledigt zu werden, und daß sie auf einen Anderen übertragen werde.“ Da nun, fuhr der Präsident fort, Jeder der beste Interpret seiner Ansicht sei, und er dem Herrn von Rumohr nicht habe vorgreifen wollen, so habe er noch heute Morgen ihn aufgesordert, wenn er nicht ausgetreten, zu erscheinen. Dieses Schreiben habe Herr von Rumohr mit seinem Vidi ve’ sehen und sei nicht erschienen.
Hierauf wurde das Protokoll verlesen und angezeigt, daß noch zehn Adressen aus dem Amte Hadersleben eingegangen wären, die für den offe⸗ nen Brief und gegen den Anschluß an den deutschen Bund sich ausgespro⸗ chen hätten. Ingleichen sei eine Adresse aus dem zehnten ländlichen Wahl⸗ Distrikte Holsteins eingegangen, die einen Dank an die Stände⸗Versamm⸗ lung für die Schritte enthalte, die sie gethan, um Ruhe und Frieden auf⸗ recht zu erhalten, so wie auch noch einige Privat⸗Propositionen.
Nun nahm der Regierungs⸗Kommissar das Wort: Als Se. Majestät der König ihm den ehrenvollen Auftrag ertheilt habe, die sechste Diät der schleswigschen Stände⸗Versammlung zu eröffnen und als König⸗ licher Kommissar den Verhandlungen beizuwohnen, habe er keinen Augen⸗ blick die Schwierigkeiten seiner Stellung verkannt, so wie auch das Bewußt⸗ sein seiner geringen Fähigkeiten es nöthig gemacht habe, sich nach einer sicheren Basis umzusehen. Diese habe er natürlich nirgends anders, als im Gesetze finden können, worin die beste Stütze und der beste Anhalts⸗ punkt gegeben sei. Als er dieses erkannt, hätte Vertrauen seine Schritte geleitet, und er sei mit der Versicherung in die Versammlung getreten, daß er sich nur an das Gesetz halten wolle. Andererseits glaube er auch, daß die Versammlung an das Gesetz gebunden sei. Auf Allerhöchsten Befehl habe er heute die Minorität aufzulösen, nachdem die Majorität sich vor der Zeit entfernt habe. Ueber die Vorgänge könne er sich auf die Protokolle beziehen. Gleich im Anfange wären Propositionen gestellt, deren Unzuläs⸗ sigkeit hätte einleuchten müssen. Der Kommissar hob die drei Landes⸗Pro⸗ positionen hervor. Er habe die Versammlung aufmerksam gemacht, daß sie in materieller und formeller Rücksicht inkompetent sei, solche Fragen zu behandeln. Er habe auch gesagt, daß man über die Gränzen des Herzogthums Schleswig nicht hinausgehen, sich um andere Verhältnisse nicht bekümmern dürfe. Man habe in⸗ deß nicht darauf geachtet und habe sich, mit Hintenansetzung der Königlichen Gesetz⸗Vorlagen, mit diesen Propositionen fast allein beschäftigt. Als man nun die Adresse beschlossen gehabt, so habe er um so mehr auf die Auf⸗ rechthaltung des Gesetzes dringen müssen, da durch dieselbe Aeußerungen und Vorträge an den Thron hätten gebracht werden sollen, die entweder gar nicht oder doch nur auf dem Wege der Petition an den Thron hätten gelangen können. Er habe die Adresse zurückgegeben. Dessenun⸗ geachtet habe man bei dem eingeschlagenen Verfahren beharrt, und als er die Adresse zurückgewiesen, so habe man geglaubt, diesem bedeutungslosen Aktenstücke durch Niederlegung im Archiv und außer⸗ halb der Versammlungen einigen Werth zu verleihen. Die Motivi⸗ rungen der Privat⸗Propositionen und Comité⸗Wahlen (Berichte?) hätten bedeutend lange Zeit weggenommen, und erst am 12ten v. M. habe man mit einer Vorberathung angefangen. Hiernach habe es klar zu Tage gele⸗ gen, daß an eine Erledigung der Königl. Gesetz⸗Entwürfe auf diesem Wege nicht zu denken sei, und man habe nothwendig auf Aufrechthaltung des §. 50 dringen müssen. Auf diese Bestimmung sich berufend und zufolge Allerhöchsten Be⸗ fehls, habe er am 101en v. M. ein Schreiben an den Präsidenten einge⸗ reicht und hiernach die Tagesordnung verlangt. Der Präsident habe sich geweigert zu solgen; er habe sich darauf an die Versammlung gewandt, und diese habe das Verfahren des Präsidenten gebilligt. Man habe zu inter⸗ pretiren versucht, daß stets so viel als in der Regel; alle: einige; Pflicht: Recht, und somit die klaren hermeneutischen Regeln unbeachtet gelassen. Man habe behauptet, das Petitionsrecht sei abgeschnitten durch die regierungsseitig versuchte Interpretation. Man habe sich an den Re⸗ gierungs⸗Kommissar mit der Frage gewandt, wie es möglich sei, in dieser Zeit sämmtliche Königliche Gesetz⸗Entwürfe zu erledigen? Als solche Un⸗ möglichkeit nicht habe weggeleugnet werden können, so habe man das als ein Einräumen, als sei das Petitionsrecht genommen worden, angesehen. Man habe indeß dabei übersehen, wie der Kommissar gesagt habe, nur auf die eine oder andere Weise könne es möglich gemacht werden, daß dasselbe hintertrieben werden könne. Er müsse auch jetzt noch wiederholen, daß, wenn man die Comités rascher gewählt und die Sitzungen dann einige Zeit ausgesetzt hätte, um den Comitées Zeit zu lassen, daß dann Alles hätte erledigt werden können. Er müsse indeß einräumen, daß auch unter diesen Umständen Fälle denkbar wären, daß die eine oder andere Sache nicht erledigt werden könne. Dann habe man aber den leichteren Ausweg, sich bittend an Se. Majestät den König zu wenden. Dies habe er auch in dem vorliegenden Falle vor⸗ geschlagen. Der Präsident wie die Majorität haben sich indeß hartnäckig geweigert, dieses zu thun. Obgleich er nun ferner auf Allerhöchsten Be⸗ fehl erklärt, die Petitionen nicht entgegenzunehmen, so sei man dennoch fortgefahren auf dem eingeschlagenen Wege, bis die erwähnten Privat⸗Pro⸗ positionen erledigt gewesen seien. Als man darauf am 20. November ein⸗ gesehen habe, daß man nun an die Königlichen Gesetze gehen müsse, habe man die Sitzung mehrere Tage ausgesetzt, angeblich, weil man auf Ant⸗ wort gewartet habe. Am 4. Dezember endlich, in der 30sten Sitzung, habe die Majorität den Saal verlassen und die Gesetzentwürfe unerledigt zurück⸗ gelassen. Er habe früher gesagt, daß durch etwanige Konflikte eine Störung in der Gesetzgebung nicht eintreten könnte; er müsse indeß der Minorität wie dem Lande die Versicherung geben, daß die Regierung, wie bisher, so auch künftig, in ihrer väterlichen Fürsorge beharren werde, daß sie nach dem Prinzip der Milde und Mäßigung, auf das Gesetz gestützt, Ruhe und Sicherheit im Lande aufrecht erhalten werde, daß jedoch, falls dies von Einigen sollte verkannt werden, die gebührende Strenge walten, daß die Gleichheit vor dem Gesetze ihre volle Anerkennung finden werde. Es würden die Stellvertreter nicht mehr einberufen, weil die Zeit zu kurz sei, und habe er daher folgendes Schrei⸗ ben Sr. Majestät des Königs empfangen. Dasselbe ist im Wesentlichen folgenden Inhalts:
Aus den Berichten über die Verhandlungen der schleswigschen Stände⸗ Versammlung habe man ungern ersehen, daß die gedachte Versammlung, statt sich zunächst mit den theils dringend vom Lande erbetenen, theils von den Ständen beantragten Gesetz⸗Vorlagen zu befassen, sich mit solchen Pri⸗ vat⸗Propositionen beschäftigt habe, wodurch das Gesetz vom 28. Mai 1831 überschritten und eine gänzliche Umgestaltung des Herzogthums Schleswig, so wie eine Trennung der Verbindung mit Dänemark, bezweckt werde. Ob⸗
gleich nun wiederholt die Versammlung darauf aufmerksam gemacht worden, daß
fie in dieser Beziehung inkompetent sei, so sei dies doch fruchtlos geblieben. Nach⸗ dem darauf auf Grundlage des §. 50 die Kommission den Auftrag erhalten habe, die Petitionen nicht anzunehmen, habe der Präsident die Behauptung aufge⸗ stellt, daß das Petitionsrecht verloren sei. Dieses Recht habe man indeß in keiner Weise beschränken wollen, und würden vielleicht Anträge der Ver⸗ sammlung auf Abänderung der Interpretation des §. 50 Berücksichtigung efunden haben. Der Präsident habe dagegen bei Abänderung des Ge⸗ schäftsganges beharrt, und deshalb seien die Petitionen remittirt worden, worauf, unter Anführung von nichtigen Gründen, die Mehrzahl den Saal verlassen habe. Da nun durch das pflichtwidrige Verhalten der Majorität und das gesetzwidrige Handeln des Präsidenten, „welches letzteres Unser Allerhöchstes Mißfallen erweckt hat“, eine fernere Verhandlung nicht mehr stattsinden könne, so sei die Versammlung aufzu⸗ heben. Dann wird noch die Versicherung ertheilt, die Nationalität Schles⸗
wigs aufrecht zu erhalten.
„in Gemäßheit
„Und so erkläre ich“, sagte der Aeeeeeae 8 er Senator
dieses Auftrages die Versammlung für aufgehoben.“ Wi brachte ein Hoch auf Se. Majestät aus.
Kanton Basel. Der Vorort hat vor kurzem an den Stand Basel⸗Stadt, unter Bezugnahme auf dessen frühere Benachrichtigung wegen der Truppen⸗Bewegung an der französischen Gränze, das An⸗ suchen gerichtet, ihn auch ferner fortgesetzt in Kenntniß zu erhalten von desfallsigen Wahrnehmungen. Die Nat. Ztg. meint, hierzu scheine indessen vorläufig kein Stoff vorhanden, da die Truppenhäu⸗ sung in Hüningen gar nicht außergewöhnlich, an anderen Gränz⸗ Orten aber durchaus unbedeutend sei; auch hätten sich die Gerüchte, welche mit der Absicht einer Wiederbefestigung Hüningens mehr oder minder in Zusammenhang zu bringen gewesen wären, bis jetzt als völlig ungegründet erwiesen.
Gesellschaft naturforschender Freunde.
Berlin, 15. Dez. In der Gesellschaft naturforschender Freunde zeigte Herr Heinrich Rose Opium aus Persien in Stangen vor, das sich durch seinen geringen Morphingehalt auszeichnet. Er sprach darauf über das Opiumrauchen der Chinesen und beschrieb die Art und Weise desselben genauer. — Derselbe legte auch chinesische Galläpfel vor, die sich wesentlich von den türkischen unterscheiden. Herr Klug war der Meinung, daß die⸗ selben nicht durch den Stich einer Cynips, sondern vermuthlich durch Aphis⸗ arten hervorgebracht seien. — Herr Müller legte Abbildungen einer neuen Thierart von Helgoland vor, Pilidium gyrans von ihm benannt, eine halbe Linie groß, einem Fechthut mit Ohrklappen ähnlich, auf dessen Gipfel ein Feder⸗ busch steht. Am Rande der 4 Klappen befindet sich ein Räder⸗Organ, durch dessen Wimperthätigkeit das Thier sich bewegt, wobei es seinen Feder⸗ busch wie eine Peitsche schwenkt. Zwischen den 4 Klappen liegt Mund und Magen. Nerven sind auch beobachtet. Die Stelle des Thierchens im Sy⸗ stem ist noch unbestimmbar. — Herr Link sprach von den Einimpfungen der Wurzeln in einander. Man hat bekanntlich die Ueberwallungen abge⸗ hauener Stämme durch die Annahme erklärt, daß die Wurzeln eines grü⸗ nenden Baumes sich in die Wurzeln des abgehauenen eingeimpft hätten, wofür auch Göppert’'s Beobachtungen sprachen. Herr Link führte ein überzeugendes Beispiel dieser Erscheinung an. Zwei Mohrrüben (Daucus Carota) waren so ineinandergewachsen, daß der Zweig der einen Wurzel an der anderen aufsaß, innerlich aber die Gefäße des Holzes, das Zellgewebe der Rinde und des Markes ohne alle Unterbrechung und Verschiedenheit in einander überging. — Herr von Buch zeigte einige Exemplare einer neuen Art von Echinodermen, von Echinus dadurch wesent⸗ lich unterschieden, daß auf der Scheidung der Interambulacren jede Spitze der zusammenstoßenden Täselchen mit einem Loch versehen ist, so daß eine wellige, einfache Porenreihe auch zwischen diesen Täfelchen fortgeht, während eine zweite an den Spitzen der kleinen Täfelchen zwischen den Ambulacrenreihen sich zeigt. Daher man dies Geschlecht Diploporus nennen kann. Die vorgelegten Exemplare waren auf der von der englisch⸗ ostindischen Compagnie besetzten Insel Karnack (persischen Meerbusen) ge⸗ funden. Herr Troschel setzte die Verschiedenheiten der Thiere in den Süßwassermuscheln (Najaden) aus einander, die sich bei der Verwachsung des Mantels und der Anwachsung der Kiemenlappen an Mantel und Fuß zeigen, und begründete dadurch die generischen Unterschiede der Gattungen Hyria, Margaritana, Gastalia von Unio und Anodonta, desgleichen der Iridina rubens von exotica. 8
Eisenbahnen.
Weimar. Am 13. Dezember kam auf der Eisenbahn die erste Lokomotive mit zwei Personenwagen von Weißenfels an. Die⸗ ses erfreuliche Ereigniß war hier schon seit einigen Tagen erwartet worden, und Hunderte von Einwohnern wandelten hinaus an den Bahn⸗ hof, um es zu begrüßen, da die Umstände unbekannt waren, welche es verzögerten. Diese lagen nicht etwa in dem Damme bei Apolda, wie hier und da angenommen wurde, sondern in der eisernen Brücke über den Mühlgraben bei Weißenfels, deren Bau noch nicht hat vol⸗ lendet werden können. Um jedoch die technische Untersuchung durch eine Fahrt selbst nicht länger hinauszuschieben, ließ der Ober⸗Ingenieur Mons die Gerüstbogen einstweilen wieder wegnehmen und eine Nothbrücke errichten. Nachdem dies ge⸗ schehen war, setzte sich um 4 Uhr Nachmittags dieser erste Zug, welchen Mitglieder der Direction und Techniker der Bahn bil⸗ deten, unter dem glückwünschenden Nachruf einer großen Menschen⸗ menge vom weißenfelser Bahnhofe aus in Bewegung und gelangte ohne die geringste Störung nach Naumburg, Kösen und Apolda. Bei der letzteren Stadt wurde Wasser eingenommen. Unterdeß brach die Dämmerung ein, die Signale waren nicht mehr zu erkennen, Niemand erwartete mehr die Lokomotive. Daher ließ sie der Führer verhältnißmäßig sehr langsam gehen, während das absichtlich unter⸗ haltene Pfeifen der Maschine viele Neugierige aus den anliegenden Dörfern lockte, und so erreichte man ohne Unfall — ausgenommen, daß die Lokomotive das Gerüst zu einer Ueberbrückung am Wege wegnahm — ungefähr um 6 ½ Uhr den Bahnhof von Weimar. Am folgenden Morgen kehrte der Zug nach Weißenfels zurück.
Der auf Ersuchen der Großherzoglichen Staats⸗Regierung mit einer Besichtigung der Eisenbahnbauten im Großherzoglichen Staats⸗ Gebiete beauftragte Geheime Finanz⸗Rath Mellin hat die Ausfüh⸗ rung sämmtlicher Bauwerke als ausgezeichnet tüchtig erklärt und die Eröffnung des Betriebes als unbedenklich erachtet. Ein Gleiches steht von der Königlich preußischen Strecke zu gewärtigen. Die feier⸗ liche Einweihung der Bahn ist auf nächsten Sonnabend, den 19ten d. M., anberaumt. Der Zug wird, um 8 Uhr von Weißenfels ab⸗ fahrend, nach kurzem Aufenthalt in Naumburg, Kösen und Apolda, um 10 Uhr in Weimar eintreffen. Um 11 Uhr findet eine Festfahrt nach Apolda und zurück statt. Nachmittags 3 Uhr wird die Rück⸗ fahrt nach Weißenfels angetreten. Von Sonntag, den Lösten, ist die Bahn bis Weimar für das Publikum eröffnet, und werden täglich drei Züge eintreffen, ingleichen drei Züge von Weimar nach Berlin und Leipzig abgehen.
Handels- und Börsen-Nachrichten.
Berlin, 18. Dez. Die Börse war heute sehr geschäfislos, doch stellten sich die Course etwas höher als gestern.
Marktpreise vom Getraide.
Berlin, den 17. Dezember 1846.
Zu Lande: Weizen (weißer) 3 Rthlr. 6 Sgr., auch 3 Rtblr. 2 Sgr. 5 Pf. und 2 Rthlr. 25 Sgr. 2 Pf.; Roggen 2 Rthlr. 22 Sgr. 2 Pf., auch 2 Rthlr. 13 Sgr. 10 Pf; große Gerste 2 Rthlr.; kleine Gerste 1 Rebhlr. v. Fehl- 11 1 w ürA Pf. 1 1 Rtblr. 14 Sgr. 5 Pf.,
au r. 10 Sgr. 10 Pf.; Erbsen 2 Rthlr. 24 Sgr. Eing sind 8 Eüeh⸗ 8 Sg ingegangen u Wasser: Weizen (weißer) 3 Rthlr. 9 Sgr. 7 Pf., auch 3 Rthlr. 6 Sgr. und 2 Rthlr. 26 Sgr. 5 Pf.; Roggen 2 Rübln 21 ₰ . auch 2 Rthlr 20 Sgr. 3 Pf.; große Gerste 2 Rthlr., auch 1 Rthlr. 27 Sgr.
ö“
7 Pf.; Hafer 1 Rthlr. 8 Sgr. 1 Pf.