Bemerken gekündigt, daß die Rückzahlung des Nennwerthes derselben gegen Auslieferung der Pfandbriefe
vom 1. Juli 1847 ab, entweder in Breslau bei dem Handlungshause Ruffer u. Comp. oder in Berlin bei der Königlichen Haupt⸗Seehandlungs⸗Kasse, erfolgen wird, und daß mit diesem Tage nach §. 59 der allegirten Verord⸗ nung die weitere Verzinsung der gezogenen Pfandbriefe B. aufhört.
Die Inhaber derselben haben daher bei der Präsentation be⸗ hufs der Empfangnahme des Kapitals die Coupons Ser. III. Nr. 4 bis 10 über die Zinsen vom 1. Juli 1847 bis Ende Dezember 1850 mit abzuliefern, widrigenfalls deren Beträge bei der Auszahlung des Kapitals davon in Abzug gebracht werden müssen.
Gleichzeitig werden die Inhaber der in den früheren Verloosun⸗ gen gezogenen 4proz. Pfandbriefe B., nämlich:
aus der ersten Verloosung vom Jahre 1840:
Nr. 10743 bis einschließlich 10746 auf Haltauf à 50 Rthlr.
aus der Zten Verloosung vom Jahre 1842:
Nr. 21642 bis einschließlich 21648 und Nr. 21655 bis ein⸗ schließlich Nr. 21659, so wie Nr. 21663 und 21664 à 25 Rthlr. sämmtlich auf Wildschütz,
aus der 4ten Verloosung vom Jahre 18433 Nr. 3077 auf Rettkau à 200 Rthlr., Nr. 11369, 11370 auf Osten à 50 Rthlr., aus der 5ten Verloosung vom Jahre 1844: Nr. 8636 auf Lossen à 100 Rthlr. »„ 22241 auf Osten à 25 Rkthlr., aus der 6ten Verloosung vom Jahre 1845: Nr. 81 auf Ratibor à 1000 Rthlr. 3688 auf Roschowitz à 200 Rthlr. 17566 auf Siemianowitz à 100 Rthlr. » 22747 auf Nieder⸗Radoschau à 25 Rthlr., welche, unseren Bekanntmachungen vom 28. Dezember 1840, 24. No⸗ vember 1842, 6. Dezember 1843, 23. November 1844 und 18. De⸗ zember 1845 entgegen, bis jetzt noch immer nicht zur Empfangnahme des Kapitals präsentirt worden sind, hierdurch wiederholt an die schleunige Abhebung der resp. seit 1. Juli 1841, 1. Juli 1813, 1. Juli 1844, 1. Juli 1845 und 1. Juli 1846 zinslos niedergeleg⸗ ten Kapital⸗Beträge erinnert.
Berlin, den 16. Dezember 1846.
Königliches Kredit⸗Institut für Schlesien.
Angekommen: Der Keaiserl. österreichische außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister am hiesigen Hofe, Graf von Trauttmansdorff⸗Weinsberg, von Neu⸗Strelitz. 8
Uichtamtlicher Theil.
Deutsche Bundesstaaten.
Königreich Württemberg. Der Schwäb. Merkur berichtet aus Stuttgart vom 14. Dezember Folgendes: „Auf den starken Schneefall der letzten Tage ist in der vorigen Nacht schnell empfindliche Kälte eingetreten; wir hatten gestern Abend um 9 Uhr 11 ½ Grad und heute früh um 7 Uhr 13 ½ Grad Reaumur Kälte, in⸗ dessen ist der Boden offen und mit einem tiefen Schnee bedeckt, so daß für die schͤnen Saaten nichts zu fürchten ist. Die Verbindung mit anderen Orten dagegen ist, da die Schneebahn noch nicht voll⸗ kommen hergestellt ist, sehr erschwert, und es fehlen diesen Vormittag noch mehrere Posten von verschiedenen Seiten her.“ — Die Zahl der Studirenden auf der tübinger Universttät beträgt gegenwärtig 852 (worunter 96 Ausländer). Davon sind in diesem Halbjahr neu angekommen 236. Im letzten Sommer⸗Halbjahr war die Zahl der Studirenden 863 (darunter 98 Ausländer) und im letzten Winter⸗ Halbjahr 890 (worunter 82 Ausländer).
Großherzogthum Hessen und bei Rhein. Der Groß⸗ herzog und der Herzog Bernhard von Sachsen⸗Weimar⸗Eisenach tra⸗ fen am 15. Dezember von Mannheim in Darmstadt ein, speisten bei Hofe und setzten dann auf der Eisenbahn die Reise nach Frankfurt weiter fort. — Das mainzer Wochenblatt vom 16. Dezember ent⸗ hält eine, erhaltenem Auftrage gemäß, von dem dortigen Bürger⸗ meister Nack erlassene und die in der Provinz Rheinhessen beabsich⸗ tigten Versammlungen wegen Besprechung der Mittel zur Erhaltung der rheinhessischen Rechtszustände betreffende Bekanntmachung, welche besagt, daß durch Reskript Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 10ten d. M. die Kreisräthe der Provinz ange⸗ wiesen worden seien, darüber zu wachen, daß Versammlungen obiger Art als unzulässig und nach Inhalt der Verordnung vom 17. Sep⸗ tember 1819 und vom 23. Juni 1832 unerlaubt, weder stattfinden, noch Einladungen zu denselben erfolgen dürfen, und daß die Bestim⸗ mungen jener Verordnungen streng zu handhaben seien. Auf Grund dieses Ministerial⸗Reskripts hat denn auch eine wenige Tage zuvor beabsichtigte Bürger⸗Versammlung in Mainz nicht stattfinden dürfen. — Die Großherzoglich Hessische Zeitung enthält in ihrem neuesten Blatte einen ausführlichen Bericht über die Sitzung der zweiten Kammer der Stände vom 10. Dezember (s. Nr. 348 der Allg. Preuß. Ztg.) und bemerkt:
Von den Artikeln des zweiten Abschnitts, der von der Scheidung auf gemeinschaftlichen Antrag beider Ehegatten handelt, wurde nur Art. 116 Gegenstand einer ausführlichen Berathung: Nachdem der Abg. Franck (von Reddighausen) das Wort ergriffen hatte, um gegen das zu protestiren, was in den Motiven hinsichtlich der Machtvollkommenheit des Regenten zu⸗ gleich in der Eigenschaft als oberster Bischof der evangelischen Landeskirche in Bezug auf Ehescheidung ausgesprochen worden sei, und der Gr. Re⸗ gierungs⸗Kommissar dagegen hervorgehoben hatte, das von dem Abg. Franck Berührte finde sich nicht im Gesetz⸗Entwurfe, sondern nur in den Motiven, daher es an einem Anlasse, sich zu äußern, fehle, nahm der Abg. Wernher das Wort, um sich im Sinne des Abg. Franck auszusprechen und dann zur Betrachtung des Artikels selbst überzugehen. Der Redner er⸗ klärte sich gegen das im Gesetz⸗Entwurf ausgesprochene Prinzip, daß das Eheband durch Vereinigung des Willens beider Ehegatten getrennt werden könne, weil dadurch das hochwichtige Institut der Ehe in seinem Innersten zerrüttet werde; bei der Trauung verpflichteten sich Beide eidlich, und das Ende sei die Willkür. Welcher Widerspruch zwischen Anfang und Ende! Also auch eine Ehescheidung ohne ein auf Erforschung der Gründe gestütz⸗ tes richterliches Erkenntniß? Das französische Recht habe diese seine Schwäche gefühlt und den bedenklichen Grundsatz durch Häufung von Schwierigkeiten fast aufgehoben, während der Entwurf Erleichterungen ge⸗ statte; sei auch Abneigung der Grund des Verlangens beider Ehegatten, geschieden zu werden, so liege derselben in 999 Fällen unter 1000 die Nei⸗ gung für einen Anderen zu Grunde; bei der Aussicht, ein anderes Ehe⸗ band zu schließen, werde die Untreue befördert. — Der Großherzogliche Regierungs⸗Kommissar erwiederte, er ehre die Ansicht des Ab⸗
eordneten Wernher, könne sie aber nicht theilen. Betrachte man das System des Entwurfs, so werde man finden, daß er leichtsinnigen Ehe⸗ scheidungen den Weg nicht bahne. Redner zählte die Voraussetzungen und Schwierigkeiten auf und deutete darauf hin, daß zur Erreichung des Zieles ein Zeitraum von wenigstens vier Jahren durchschritten werden müsse. Be⸗ harre das Ehepaar während dieser langen Zeit ununterbrochen bei sei⸗ nem Vorsatze, so könne man mit apodiktischer Gewißheit annehmen, daß eine wahre Ehe eigentlich gar nicht mehr existire, vielmehr eine unüberwind⸗ liche Abneigung Platz gegriffen habe, und der Staat habe kein Interesse
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dabei, eine Verbindung bestehen zu lassen, die das Schauspiel eines solchen Grades wechselseitigen Hasses gewähre. Wolle man den Gesetz⸗Entwurf verwerfen, so führe man die Abänderung eines Rechtszustandes herbei, der diesseits und jenseits bestehe, denn die in den älteren Provinzen übliche Schei⸗ dung wegen odium implacabile sei, zumal wenn die Parteien sich insgeheim verstanden hätten, viel kürzer und weit leichter zu erlangen, als die durch den Entwurf vorgeschlagene Scheidung auf gemeinschaftlichen Antrag. Wenn der Entwurf die Formalitäten des Code gemildert habe, so müsse man bedenken, wie der Code zu seinen Formen gekommen sei. In der französischen Revolution sei das Gesetz ergangen, daß alle Ehegatten sich ganz beliebig könnten scheiden lassen und zwar auf der Stelle. Um diesen Zustand zu paralisiren, sei der Code auf das entgegengesetzte Extrem ge⸗ rathen, nämlich die Scheidung zwar zu gestatten, sie aber durch Formen fast unmöglich zu machen, das erscheine aber des Gesetzgebers nicht würdig. Alle Formen und Bedingungen des Entwurfs seien einzig darauf berechnet, zur Gewißheit zu gelangen, daß die staatliche Lösung des Bandes eine Noth⸗ wendigkeit sei. — Nachdem der Abg. Peerrot seine Ansicht ausgesprochen hatte, erhob sich der Abg. Weyland: Das Institut der Scheidung auf Antrag beider Ehegatten sei der Schlußstein des ganzen Systems; fehle es, so zeige sich eine wesentliche Lücke; die dagegen vorgebrachten Gründe hätten ihn nicht überzeugt; berufe man sich darauf, die französische Gesetzgebung sei zu streng, fiade daher selten Anwendung, so verlange man damit nur, daß gemäßigt werden solle. Stütze man sich auf das Gelöbniß bei der Trauung, und leite man daraus einen Grund ab, so beweise derselbe zu viel, also gar nichts, da er auch der Scheidung auf Klage entgegenstehen würde. Gebe man an, daß fast in allen Fällen, dem Widerwillen eine Neigung für eine andere Person und die Absicht, sich mit derselben ehelich verbinden zu wollen, zu Grunde liege, so liege darin eine willkürliche Behauptung; dieses Motiv erscheine in der Regel dann, wenn auf Scheidung geklagt werbe. Erhebe man den Vorwurf, daß der Richter die Gründe nicht erfor⸗ schen dürfe, so tadle man, was als Vorzug des Spstems erscheine. Mache man geltend, daß der Code civil wenigstens sehr strenge sei, so müsse man auf das Gesetzbuch für das Königreich der Niederlande hindeuten, welches die Strenge gemildert habe; wende man ein, daß das Institut kein deutsch⸗ rechtliches, so ignorire man, daß das österreichische Gesetzbuch es adoptirt habe, indem es Katholiken von Tisch und Bett und Protestanten vom Bande scheiden lasse, daß Aehnliches in der Gesetzgebung von Preußen zu finden. — Nachdem der Abg. Wernher noch einmal das Wort genommen und der Großherzogliche Regierungs Kommissar ihm geantwortet, erhob sich der Abg. Brunck, um den von dem Abg. Franck (von Reddighansen) unterstützten Antrag zu stellen, die in dem Artikel genannte Zeit von zwei Jahren auf vier Jahre zu erhöhen; nach seiner Erfahrung sei jene Zeit am reichsten an chelichen Zwisten. — Der Abgeordnete Kilian: Kein blinder Verehrer des Code civil, erfenne er an, daß derselbe die For⸗ men zu sehr gehäuft und dadurch nachtheilig eingewirkt habe. Trotz dieser Anhäufung von Schwierigkeiten, deren Ueberwindung mit großen Kosten verbunden, habe man in Rheinhessen Beispiele einer Prozedur we⸗ gen freiwilliger Scheidung. Bei dem zweijährigen Zeitraum solle man es belassen, da bei den wenigsten Scheidungen die Ehe länger bestanden habe. — Der Gr. Regierungs⸗Kommissar erklärte sich gegen das Amendement des Abg. Brunck, indem es möglich sei, daß sich die Gründe unmittelbar nach dem Abschluß der Ehe ergäben. Als hierauf die Kammer zur Abstimmung schritt, nahm sie mit 40 St. gegen 3 den Art. 116 an, indem sie sich vor⸗ behielt, über das Amendement des Abg. Brunck besonders abzustimmen; die⸗ ses ward mit 37 St. gegen 6 verworsen.
Frankreich.
Paris, 14. Dez. Man versichert, die Beförderung des Vice⸗ Admirals Prinzen von Joinville zum Grade eines Admirals werde am 1. Januar erfolgen.
Die Presse erzählt, Lord Palmerston hätte sehr gewünscht, daß der Bey von Tunis auch nach London komme, um ihn von dem französi⸗ schen ausschließlichen Einflusse zu befreien, wobei die Etiketten⸗Frage aber ein Hinderniß geboten habe. Lord Normanby sei beauftragt worden, dem Minister des Bey, Herrn Raffo, zu verstehen zu geben, wie es in des Bey's Interessen liege, Großbritanien zu berücksichtigen und den Schein zu vermeiden, als ergebe er sich ganz dem französi⸗ Interesse. Nichtsdestoweniger habe sich der Bey nicht bereit dazu ge⸗ funden, indem er fest darauf beharre, als souverainer Fürst behandelt zu werden, wozu man sich englischerseits nicht verstehen wolle. Lord Palmerston solle sogar eine Depesche an Lord Normanby ge⸗ sandt haben, die zur Mittheilung an Herrn Raffo bestimmt gewesen, und worin der englische Minister gesagt, daß der Bey sicher mit vieler Herzlichkeit würde empfangen werden, daß das britische Kabinet aber Pflichten zu erfüllen habe, die ihm nicht gestatteten, den Bey der Vorstellung des türkischen Gesandten zu entheben. Der Bey müsse erwägen, daß er auch andere Nachbarn als die von Al⸗ gerien zu beachten habe. Trotzdem sei der Bey hartnäckig geblieben und wolle nun in Begleitung des französischen General⸗Konsuls Lagau direkt nach seiner Heimat zurückkehren.
Es sind jetzt 1000 bis 1200 Kanonen und Haubitzen, die zur Bewaffnung der detaschirten Forts von Paris dienen sollen, in ferti⸗ gem Stande.
Für den straßburger Handelsstand ist die dort seit vier Monaten errichtete Bank von außerordentlichem Nutzen, denn während noch im vorigen Jahre zu ganz ungewöhnlich hohen Zinsen diskontirt wurde, trägt jetzt der Zinsfuß der Bank, der nur 4pCt. beträgt, da⸗ zu bei, daß sich die Geschäfte vermehren und selbst benachbarte deut⸗ sche Städte dies Bank⸗Institut zu benutzen suchen. In der kurzen Zeit seines Bestehens sind schon daselbst etwa 12 bis 15 Millionen Wechsel diskontirt worden.
Die Regierung soll nun desinitiv die Zurückberufung des Konsuls von Mauritius, Barbet de Jouy, beschlossen haben, weil sich derselbe gegen den englischen Admiral ungeziemend benommen.
Der Courrier frangçais berichtet, der österreichische Ge⸗ sandte, Graf Lützow, habe in Rom gleich nach seiner Rückkehr eine lange Konferenz mit Herrn Rossi gehabt, und es heiße, daß beide Höfe, der österreichische und französische, sortan in den römischen An⸗ gelegenheiten eine gleiche Bahn einhalten würden.
Das Journal des Döbats will jeßt wissen, daß die Bank nicht nöthig habe, zu außerordentlichen Maßregeln zu schreiten. Es sei kein Mangel an Geld, und man fürchte durchaus nicht Verlegen⸗ heiten gegen Ende des Jahres, indem man darauf vorbereitet sei. Die Einzahlungen für die Lyon⸗Bahn geschähen leicht, was für die übrigen Bahnen auf ein Gleiches schließen lasse. Das Getraide sei freilich noch nicht gefallen, trotz der großen Getraide⸗Einsuhr.
Aus den Departements vernimmt man, daß die Präfekten Ver⸗ stärkungen der Besatzungen verlangt haben, indem man noch höhere Getraidepreise und in dessen Folge Unruhe erwartet.
Großbritanien und Irland.
London, 14. Dez. *). Die Rückkehr des Hofes von der In⸗ sel Wight nach Windsor ist auf den 18ten festgesetzt. Die jüngeren Mitglieder der Königlichen Familie sollen künftig eigene Hofhaltungen erhalten, und es ist besonders im Plane, Frogmore Lodge, den jetzi⸗ gen Wohnsitz der Herzogin von Kent, in eine gesonderte Residenz 81 den Prinzen von Wales umzuwandeln. Die Herzogin soll bereits wegen des Landsitzes St. Leonard im nördlichen Bezirke des Windsor⸗ forstes in Unterhandlung stehen, um dort künftig ihre Wohnung auf⸗ zuschlagen.
Aus Dublin wird gemeldet, daß O'Connell's Vorschlag zu einer Wiederaussöhnung der getrennten Repeal⸗Mitglieder nicht mehr von
*) Da die hamburger Posten heute ausgeblieben, so sind uns auch die englischen Zeitungen vom 15ien nicht zugelommen. heee;
wallonischen Provinzen .
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den Letzteren zurückgewiesen wird. Die Führer des „jungen In hielten vorgestern eine Versammlung, in welcher mehrere Antn welche die Vutheißung der von O'Connell gemachten Vorschläge Zweck hatten, einstimmig angenommen wurden. ve
Niederlande.
Aus dem Haag, 12. Dez. Gestern Abend wurde hit neu erbaute Königliche Reitschule durch ein großartiges militain Fest eingeweiht. Das kolossale Gebäude war in ein Amphitg umgewandelt, in welchem sich Tausende von Zuschauern, Herr Damen, versammelt hatten. Das Innere des Gebäudes wan schmackvoll dekorirt, und über dem Königlichen Balkon prange Waffenpyramide mit den Nationalflaggen; der Namenszug des ge strahlte in Gas. Gegen 7 Uhr erschienen der König, der Prm Oranien und der Prinz Friedrich in Mitte der Versammlung. dem das Volkslied gesungen war, begannen die militairischen lig gen, zuerst Fechten, dann Turnen und zuletzt Reiter⸗Uebungen,] Soldaten, welche sich in irgend einer Uebung auszeichneten, erie
Preise.
Amsterdam, 14. Dez. Die Regierung hat ein Anletgg, 1 Mill. Fl., die vierte Serie des Abschlusses von 8 Mill. s. Bestreitung der Kosten der Trockenlegung des Haarlemer Nn ausgeschrieben. Die Zinsen sollen 4 ½ pCt. jährlich betragen 8 Lieferung soll in zwei Terminen geschehen, 50 pCt. vor oder n n 1. Februar und 50 pCt. vor oder an dem 15. Juli 1847. 1
Dem Vernehmen nach, ist die Einwechselung der alten un den- und halben Gulden-Stücke auf den 21. bis 24. und Nen 29. Dezember d. J. bei der niederländischen Bank und den bag⸗ des Schatzes festgesetzt worden. 1 1p
Belgien. Brüssel, 16. Dez. Der König und die Königin sind ze früh von hier nach Paris abgereist.
In der fortgesetzten Diskussion des Gesetz⸗Entwurss, „ cher dem Departement des Innern Kredite für die he mittel, für die Aufmunterung der Leinen-Industrie und seß Bewässerungen der Campine eröffnet, schilderte Herr Liedts dasst liche Elend der beiden Flandern. Er machte verschiedene Bem gen über die Anwendung der Mittel, welche man wählen mißt diese hungernde Bevölkerung zu unterstützen, welche der Paupen zu seiner Beute gemacht habe; allein er vertagte seine Bemelto über die Frage des Pauperismus bis zur Diskussion des Gesetzb wurfs über die Bettler⸗Depots. keit der sogenannten Linnen⸗Kommissionen, deren Resultate die sche daß die Lage der arbeitenden Bevölkerung von Flandern, statt gebese nur verschlimmert worden. Denn indem jene Comités nur den kleimn Theil der Bevölkerung in Beschaffung des Rohstoffes und in Aüs ihrer Fabrikate unterstützten, wäre gerade die Folge davon, daß große Mehrheit der Arbeiter im Gegensatz zu den wenigen begünstz ten Arbeitern in Nachtheil käme und darunter leiden müßte. Seig Ansicht nach, würden die verlangten 300,000 Fr., die auf sole Weise verwandt würden, nur ein verdecktes Almosen sein undet Begünstigung für eine kleine Zahl bilden, die im Ganzen schu rückwirken müsse. Der Minister des Innern bekämpft diese sicht, indem er die Versicherung gab, daß diese 300,000 Fr. wie nunmehr zu ernstlicher Ermunterung der Industrie verg werden würden. Eine längere Debatte entspann welcher die meisten Redner sich insbesondere über das Elend derf drischen Prooinzen verbreiteten. Zwei Amendements wurden ing dessen niedergelegt; das erste, durch Herrn Rodenbach und p, Mitglieder unterzeichnet, bezweckt, den von der Central-Sech der Regierung für die Lebensmittel vorgeschlagenen Kredu! 1,500,000 Fr. um 500,000 Fr. zu erhöhen; das zweite, durch 9 Dehaerne unterzeichnet, hat den Zweck, den für die Ermunten der Linnen⸗Industrie bestimmten Kredit von 3000,000 Fr. auf 600 Fr. zu erhöhen. Die Kammer beschloß, die Diskussion dieser Ammm ments an die der Artikel des Gesetz⸗Entwurfs, worauf sie sich be hen, zu knüpfen, und setzte die allgemeine Diskussion fort. Die Hem Villegas, de Bryne und van Cu stem bestanden vorzüglich auff Nothwendigkeit, die öffentlichen Arbeiten thätig zu betreiben. Minister der öffentlichen Arbeiten antwortete, daß in we gen Wochen, ungeachtrt des Winters, wichtige Arbeiten unternemg werden könnten. Alle den heiden Flandern angehörenden Redner— ben die Nothwendigkeit hervor, die Unterstützungen mit liersche dung, mit Gerechtigkeit und vorzüglich zur schicklichen Zeit aw⸗ theilen. Der Minister des Innern antwortete, die Regzenueg werde kein Mittel vernach!ässigen, sich über die Bedürfnisse de Gc meinden aufzuklären und ihnen alle Unterstützungen zu betilgge welche sie zu erwarten berechtigt seien. Er bemerkte indessen, djmj die flandrischen Arbeiter ermuntern müsse, Arbeit in den Provinzen; suchen, welche Arbeiter verlangten, und er führte als Muster deutschen Arbeiter an, welche in die wallonischen Provinzen fin um hier Arbeit und Brod zu finden. Herr Delehaye beschwar⸗ Regierung, an dem Fortschritte der neuen Linnen⸗Industrie zu ad ten und sich zu bemühen, die Spinner in Weber zu verwandeln.! Redner sah in den letzten durch Deutschland genommenen Zel⸗I⸗ regeln eine wichtige Ursache der Verdoppelung der Krisis und feng die Regierung auf, aus allen Kräften die Wirkungen zu verhindg welche die Fortdauer dieser Maßregeln hervorbringen könnte. Sigart gab das flandrische Elend dem Klerus schuld und beric auf Italien, Spanien und Portugal, deren Gesunkenheit er aut cher Quelle herleitete. Das flandrische Elend fließe zumeist aus derl⸗ senheit des Landvolkes. Herr de Theux wies diese Beschugh energisch zurück. Wenn die wallonischen Provinzen besser daran sn liege dies an den mannigfaltigen Produkten dieser Gegenden, die zul nicht so bevölkert seien als Flandern. Es sei zu bedauern, da- sich zu Ausfällen gegen den Klerus veranlaßt sehe, der jetzt se⸗ ermeßliches thue, um das Clend zu mildern; es sei eine bösm⸗ Ersindung, daß die flandrische Bevölkerung durch den Klerus vn⸗ und geknechtet wäre. Uebrigens sprach sich der Minister schlit auch dafür aus, daß man die alte Linnen⸗Industrie nicht aufge⸗ dürfe, sondern ihr wirksam aufhelfen müsse. Herr Deh aernen. theidigte die Wirksamkeit der Linnen⸗Comités und meinte, dn mit guten Webstühlen und guten Rohstossen treffliche Dienste 9 würden. Uebrigens fei er der Ansicht, daß man die Handwene nicht aufzugeben brauche, indem sie selbst in England noch bein werde. 1 un”
In dem Organ des Flandres liest man Folgendes: „ schlimmen Nachrichten, die wir in der letzten Zeit gaben, „ größtentheils die Lage der Landleute, eine Lage, die in Folge strengen Jahreszeit immer unerträglicher wird. Heute müssen 2 Bezug auf Gent melden, daß die zahlreiche Arbeiterklasse dieser de von einer Arbeits⸗Unterbrechung bedroht ist. Bei der jetzige⸗ der Dinge steht höchlich zu befürchten, daß unsere Fabriken faß nöthigt sehen werden, zu feiern und ihre Arbeiter zu en Einige haben bereits zu diesem äußersten Mittel greifen müssen. Andere werden bald zu demselben Schritte veranlaßt sein. 1 Zustand erstreckt sich weiter und gilt auch für die Fabriken me die Hüttenwerke von drei ihrer größten
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Er tadelte übrigens die Wiss 1
sich, üdlich der Große Rath eröffnet werden. Zum Präsidenten desselben kurde Herr Advokat Joh. Jauch gewählt, der sich in seiner Antritts⸗
ustriellen sind in diesem Augenblicke schon außer Thätigkeit gesetzt; ies ist eine der traurigsten Krisen, die im schlimmsten Moment des ahres, mitten im Winter, ausbricht.“ hag Die Independance weist auf die Nothwendigkeit hin, bei em großen Elend der arbeitenden Bevölkerung in Flandern möglichst dere Arbeiten beginnen zu lassen, welche den Leuten Beschäftigung nd Brod gäben. Es sei unerklärlich, daß die Regierung die Ent⸗ beidung über die direkte Eisenbahn von Brüssel nach Gent über Alost ät möglichst beschleunige. Außerdem gebe es noch mehrere andere Sahnpläne, die auf sich warten ließen. Und nur durch ihren schleu⸗ iaten Beginn könnten Hülfsquellen zur Beschäftigung des Landvol⸗ gewonnen werden. 1
Die bekannte politische Gesellschaft, „L'Alliance“, hielt vorgestern bend eine Sitzung, in der sie zuerst ihre Statuten mit den Be⸗ blüssen des liberalen Kongresses vom Sommer in vollständigen Ein⸗ ung brachte und dann einstimmig auf den März k. J. den liberalen ongreß selbst wieder einberief, wozu ihr bekanntlich durch dessen Be⸗ hluß die Initiative zusteht. Alle gegen den Zusammentritt desselben tbeitenden erklärte die Versammlung nicht mehr für Liberale aner⸗ ennen zu können. Die „Alliance“ hat auch die von den aus ihrem jchooße ausgetretenen parlamentarischen oder alten Liberalen gebil⸗ ten Trutz⸗Allianz, „L'Association liberale“, aufgefordert, eine der nzahl ihrer Mitglieder entsprechende Deputation zum liberalen Kon⸗ eß zu wählen. Diese letztere Gesellschaft hat sich auch nun desini⸗ b fonstituirt und zählt 324 Mitglieder.
Der Senater Baron Vanderlinden d'Hoogvorst, im Jahre 1830 Nitgued des Kongresses und seit 1831 des Senats, ist vorgestern pher gestorben. G L“
Die Verfasser der Schmäh⸗Artikel im Mephistopheles und Praus, so wie deren Herausgeber und Drucker, sind vor die Assisen herwiesen worden; eben so die Herausgeber und Drucker, welche ge⸗ isse Bilder und Karikaturen, die eine öffentliche Beleidigung gegen ie Person des Königs in sich schließen, veröffentlicht und verkauft
ben. Der General⸗Prokurator Bavay wird das Wort in der ache nehmen.
Ein am 12ten d. im Ministerium der auswärtigen Angelegen⸗ jten in Betreff der definitiven Bildung der Gesellschaft für die
zfuhr der Erzeugnisse der Linnen⸗Industrie stattgehabte Konferenz t beinahe die Beendigung der Unterhandlungen in Betreff der ganisation des Personals dieses wichtigen Instituts herbeigeführt.
gis ist anerkannt worden, daß zu Gent ein Direktor der industriellen
2Id zu Antwerpen ein Direktor der kommerziellen Angelegenheiten
In müsse. Am 17ten d. wird eine neue Konferenz statthaben, welche, e man hofft, definitiv sein wird.
Bei der Wahl zu Tournay, welches bisher entschieden katholische andidaten gewählt hatte, trug diesmal der liberale Kandidat Baron Espierres zwei Drittheile der Stimmen davon. Die Liberalen be⸗ zupten, daß nur durch die Convention von Tournay die Wähler jeser Stadt auf ihre Seite getreten wären.
Baron Sullivan de Graß de Servond, belgischer Gesandter am iner Hofe, ist in den Grafenstand erhoben worden.
Von Lüttich und der Umgegend aus petitionirt man beständig † Rectification des Maasbettes, indem man dies als höchst nöthig ildert, sollten nicht die Fluß-Anwohner den Folgen der Ueber⸗ wemmungen fernerhin ausgesetzt bleiben.
Schweiz. Kanton Tessin. (Frankf. Journ.) Am 5. Dezember konnte
e mit Bezug auf das Konkordat mit der erzbischöflichen Kurie ge⸗ die Regierung aussprach, „deren Pflicht die genaue Vollziehung Hesetze sei.“ Zu einem Vice⸗Präsidenten wählte die Versamm⸗ Herrn Peter Romerio. Das Kreisschreiben der erzbischöflichen iie, wegen dessen Herr de Marchi die Regierung interpellirte, erwähnt ht ausdrücklich des Sonderbundes, dagegen ist stets von den katholischen üntonen und zwar auf eine Weise die Rede, daß kein Zweifel rüber walten kann, daß unter den Gefahren, deren das Schreiben oft gedenkt, nur die gemeint sind, welche dem Sonderbunde dro⸗ n. Zwar wird in dem Schreiben betheuert, man wolle sich auf ne Weise in Politik einmischen; doch wird stets auf die Gefahren newiesen, welche das gegenwärtige politische Treiben mit sich bringe. sesis poutische Treiben wird als religionsgefährlich geschildert, und aon einer anderen Religion, als der katholischen, ist nie die Rede. ezeichnend ist es ebenfalls, daß den katholischen Kantonen großes
b gespendet wird, so daß die den Katholizismus bedrohenden Ge⸗
hren nicht aus ihnen selbst kommen können. Italien.
ö1“ Rom, 5. Dez. rigen Beilage der Allg. Pr. Ztg. abgebrochenen) päpstlichen ndschreibens: „Da es aber nichts giebt, was Andere zur Andacht und zum Dienste tes kräftiger ermuntert, als das Leben und Beispiel derer, die sich dem llichen Dienste geweiht haben ¹); und da wie die Priester, so auch das t meistentheils beschaffen zu sein pflegt, so sehet Ihr, vermöge Eurer zuüglichen Weisheit, wohl ein, Ehrwürdige Brüder, daß Ihr mit der hten Sorgfalt und Bemühung dahin arbeiten müsset, daß beim Klerus sicher Anstand, unbescholtener Lebenswandel, Heiligkeit und Gelehrsamkeit vorleuchten, und daß die kirchliche Zucht nach Vorschrift der heiligen ones ganz genau gehalten, wo sie aber in Verfall gerathen sein te, in ihren früheren Glanz wiederhergestellt werde. Deshalb müßt n auch, wie Ihr sehr wohl wisset, Euch sorgfältig hüten, daß nicht, wie der Apostel vorschreibt, irgend Jemanden voreilig die Hände süget sondern nur denen die heiligen Weihen ertheilet und sie zur Ver⸗ btn der heiligen Geheimnisse zulasset, welche genau und sorgsam er⸗ ec anahl durch den Schmuck aller Tugenden, als durch den Ruf der hectt ausgezeichnet, Euren Diözesen zum Nutzen und zur Zierde — G onnen, und die, indem sie sich von allen den Dingen enthalten, henmert Geistlichen untersagt sind, auf Lesen, Ermahnung und Lehre in mnde richtend, für die Glaͤubigen ein Vorbiid sind, im Worte, im rfarch⸗ in der Liebe, im Glauben, in der Keuschheitv) und bei Allen anbinden vecken und das Volk zum Unteriichte der christlichen Religion raan 8 ermuntern und aneifern; denn gewiß ist es besser, wie unser Senedtht XIV., unsterblichen Andenkens, sehr weise ermahnt, 9 5 zu haben, aber tüchtige, fähige und brauchbare, als viele, ve n Erbauung des Leibes Christi, das ist der Kirche, durchaus nichts * 1g; h. Es ist Euch aber auch nicht unbekannt, daß Ihr die die Kenntnisse derer, welchen Ihr die Sorge und die Leitung afs getr anvertraut, noch mit größerer Genauigkeit prüfen sollet, damit Fr Ausspender der vielfachen Gnade Gottes sich besleißen, durch durch 8 der Sakramente, durch Verkündigung des göttlichen Wortes veiden as Beispiel guter Werke das ihnen anvertraute Volk beständig * 8* unterstützen, selbes in allen Vorschriften und Lehren der Re⸗ 8 Iir wnterweisen und auf den Weg des Heiles zu führen. Denn das b Hnochtashl ein, daß, wenn die Pfarrer ihre Pflicht entweder nicht kennen oder flice Zuctgen,sogleich auch die Sitten der Völker in Verfall gerathen, daß die uns t erschlafft, die Uebung der Religion sich auflöst und zu nichte alle Laster und Verderbtheiten sich leicht in die Kirche einschlei⸗
1 8 Cons. Trid. Sess. XXII, Cap. 1 de Reformat. 51 d Timoth. 4, 12.
ened. XIV. In dem Rundschreiben an alle Bischöfe,
M Vonten beginnt:
„Ubi primum“*.
Nachstehendes ist der Schluß des (in der
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chen. Damit aber Gottes Wort, das lebendig und kräftig und durchdring⸗ licher ist, als ein scharfschneidendes Schwert ¹) zum Heile der Seelen diene und nicht durch die Schuld der Prediger unfruchtbar werde, so höret nicht auf, Ehrwürdige Brüder, den Verkündigern des göttlichen Wortes einzuprä⸗ gen und aufzutragen, daß sie das so hochwichtige Amt ihres Berufes sich zu Gemüthe führen und den Dienst des Evangeliums mit aller Gewissen⸗ haftigkeit versehen, nicht mit überredenden Worten menschlicher Weieheit, nicht mit einem weltlichen Aufwand eitler, gesallsüchtiger Beredtsamkeit und Schmeichelei, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, damit sie das Wort der Wahrheit recht behandeln, nicht sich selbst, sondern Christum den Gekreuzigten predigen und die Glaubenslehren und Gebote unserer heiligsten Religion nach der Lehre der katholischen Kirche und der Väter in einer würdevollen und einleuchtenden Art von Rede dem Volke klar und offen erklären und Alle von Sünden abschrecken, zur Andacht entflam⸗ men, damit die Gläubigen, durch das Wort Gottes heilsam belehrt und erquickt, alle Laster vermeiden, den Tugenden nachstreben und so den ewi⸗ gen Strafen entgehen und die Herrlichkeit des Himmels erlangen mögen. Ermahnet, ermuntert beständig alle Geistliche, gemäß Eurer oberhirtlichen Sorgfalt und Klugheit, damit sie ernstlich des Dienstes, den sie von dem
Herrn erhalten haben, gedenken, die ihrem Amte eigenthümlichen Pflichten
in allen Theilen aufs emsigste erfüllen, sich die Zierde des Hauses Gottes sehr zu Herzen nehmen, mit dem innigsten Gefühl der Andacht ohne Unter⸗ laß den Bitten und Gebeten obliegen und die kanonischen Tagzeiten nach Vorschrift der Kirche beten, damit sie dadurch für sich den göttlichen Bei⸗ stand zu den höchst wichtigen Verrichtungen ihres Amtes erflehen und für das christliche Volk die Gnade und Barmherzigkeit Gottes erlangen mögen.
„Da es aber, Ehrwürdige Brüder, Eurer Weisheit nicht entgehet, daß nur aus ganz gut gebildeten Klerikern brauchbare Diener der Kirche hervorgehen können, und daß deren zweckmäßige Erziehung auf die übrige Lebenszeit einen großen Einfluß hat, so fahret denn fort, den ganzen Nach⸗ druck Eures bischöflichen Eifers darauf zu richten, daß die jungen Kleriker schon von ihrer zartesten Jugend an sowohl zur Andacht und gründlichen Tugend angeleitet, als auch in den Wissenschaften und ernsteren Studien, besonders in den kirchlichen, gehörig unterrichtet werden. Darum soll Euch nichts dringender und wichtiger sein, als mit aller Mühe, Einsicht und Be⸗ triebsamkeit, nach der Vorschrift des Kirchenraths von Trient, Klerifkal⸗Se⸗ minarien zu errichten, wo sie noch nicht bestehen, wo sie aber schon bestehen, sie, wenn es nöthig ist, zu erweitern, mit den besten Vorstehern und Lehrern zu versehen und mit der angestrengtesten Aufmerksamkeit zu wachen, daß in denselben die jungen Kleriker in der Furcht Gottes und kirchlichen Zucht heilig und religiös erzogen, vorzüglich aber in den heiligen Wissenschaften nach der katholischen Lehre und fern von aller Gefahr irgend eines Irr⸗ thums, so wie auch in den kirchlichen Ueberlieferungen, in den Schriften der heiligen Väter, in den heiligen Ceremonien und Gebräuchen fleitßig und vollständig unterrichtet werden, damit Ihr emsige und geschickte Arbeiter be⸗ kommt, die, vom kirchlichen Geiste beseelt und in den Siudien gut bewan⸗ dert, dereinst die Heerde des Herrn getreulich zu weiden und muthig den Kampf des Herrn zu bestehen vermögen. Da es Euch ferner bekannt ist, daß der fromme Gebrauch geistlicher Exerzitien zur Erhaltung und Bewah⸗ rung der Würde und Heiligkeit des geistlichen Standes sehr viel beitrage so höret nicht auf, gemäß Eurem bischöflichen Eifer, ein so heiliges Werk zu betreiben und Alle, die zum Dienste des Herrn berufen sind, zu ermah— nen und aufzumuntern, daß sie sich oftmals, um jenen Ererzitien obzulie⸗ gen, an einen passenden Ort zurückziehen, damit sie, fern von allen äuße⸗ ren Sorgen, mit desto mehr Anstrengung sich auf die Betrachtung der ewigen und göttlichen Dinge verlegen und den Schmutz, den sie durch den Staub der Welt sich zugezogen haben, abwischen und den lirchlichen Geist erneuern können und sie solchergestalt den alten Menschen mit seinen Werken ablegen und den neuen anziehen, der erschaffen ist in Gerechtigkeit und Heiligkeit. Lasset es Euch nicht verdrießen, daß Wir bei der Bildung und Erziehung des Klerus Uns etwas länger aufgehalten ha⸗ ben. Denn es ist Euch keinesweges unbekannt, daß Viele, der Verschieden⸗ heit der Irrthümer, ihrer Unstatthaftigkeit und Wandelbarkeit überdrüßig und die Nothwendigkeit fühlend, unsere heiligste Religion zu bekennen, um desto leichter mit der Hülfe Gottes dahin werden gebracht werden, die Lehre dieser Religion anzunehmen und die von ihr vorgeschriebenen Anordnungen zu befolgen, je mehr sie sehen, daß die Geistlichkeit durch den Ruf der Frömmigkeit, der Unverdorbenheit und Weisheit und durch das Beispiel und den Glanz aller Tugenden den Uebrigen vorleuchtet.
„Uebrigens, geliebteste Brüder, zweiseln Wir nicht, daß Ihr Alle, von feuriger Liebe gegen Gott und die Menschen entflammt und fast mit eng⸗ lischen Tugenden begabt und mit bischöflicher Kraft und Klugheit ausge⸗ rüstet, beseelt von einem und demselben Verlangen heiligen Willens, den Fußstapfen der Apostel folgend und das Muster aller Hirten Christum Je⸗ sum, an dessen Statt Ihr gesandt seid, wie es sich für Bischöfe geziemt, nach⸗ ahmend, mit den einhelligsten Bemühungen von Herzen ein Vorbild der Heerde geworden, durch den Glanz Enrer Heiligkeit die Geistlichkeit und das gläubige Volk erleuchten und herzliches Mitleiden und Erbarmen tra⸗ gen werdet mit denen, die in Unwissenheit und Irrthum sich befinden, und daß Ibr die irrenden und dem Untergang entgegen gehenden Schase, nach dem Beispiele des Hirten im Evangelium, liebevoll aufsuchen, ihnen nachgehen und sie mit väterlicher Zuneigung auf Eure Schultern nehmen, und überhaupt keine Sorge, kein Nachdenken, keine Mühe jemals sparen werdet, um alle Pflich⸗ ten Eures oberhirtlichen Amtes auf das gewissenhasteste zu erfüllen, damit Ihr alle Uns so theuren Schafe, die durch das kostbarste Blut Christi er⸗ löst und Eurer Obhut anvertraut sind, vor der Wuth, dem Angriff und den Nachstellungen reißender Wölfe zu schützen, dieselben vor giftigen Wei⸗ den zu hüten, auf gesunde aber zu führen und sie sowohl durch Thaten als durch Worte und Veispiele in den Hafen des ewigen Heiles zu führen vermöget. — So handelt denn männlich, Ehrwürdige Brüder, um die größere Ehre Gottes und der Kirche zu befördern, und arbeitet mit aller Bereitwilligkeit, Sorgfalt und Wachsamkeit auch zugleich dahin, daß alle Irrthümer gänzlich abgelegt und alle Laster mit der Wurzel ausgerottet werden, der Glaube aber und die Religion, die Frömmigkeit und die Tu⸗ gend mit jedem Tage größe en Zuwachs erholten, und daß alle Gläubigen die Werke der Finsterniß ablegen und wie Kinder des Lichtes würdig vor Gott wandeln, in Allem ihm wohlgefällig sein und in allen guten Werken Frucht bringen mögen. Mitten aber in den größten Aengsten, Beschwer⸗ den und Gefahren, welche besonders in diesen Zeiten Eurem höchst wichti⸗ gen bischöflichen Amte nicht fehlen können, sollet Ihr nie erschrek⸗ ken, sondern vielmehr stark sein im Herrn und in der mächtigen Kraft desjenigen, der uns, wenn wir im Kampfe für seinen Na⸗ men begriffen sind, vom Himmel herab anschaut, uns belobt, wenn wir Muth zeigen, der im Streite uns beisteht, und wenn wir siegen, uns krönt 2). Und da uns nichts angenechmer, erfreulicher und erwünschter ist, als Euch Allen, die Wir mit der Zärtlichkeit Jesu Christi lieben, mit aller Zuneigung, mit Rath und That beizustehen und in Gemeinschaft mit Euch der Vertheidigung und Verbreitung der Ehre Gottes und des katholischen Glaubens von ganzem Herzen obzuliegen und die Seelen zu retten, für welche Wir, wenn es nöthig wäre, bereit sind, das Leben hinzugeben, so kommet, Brüder, Wir bitten und beschwören Euch, kommet mit großem Muthe, mit großem Vertrauen zu diesem Stuhl des heiligen Apostelfürsten, dem Mittelpunkt der Einheit, dem Gipfel des Episkopats, von welchem die⸗ ses Episkovat und das ganze Ansehen dieses Namens ausgegangen ist: kommet zu Uns, so oft Ihr fühlet, daß Ihr der Hülfe, des Beistandes und des Schutzes Unserer Autorität und der Autorität dieses Stuhles be⸗ dürfet.
„Uebrigens hegen Wir die Zuversicht, daß Unsere geliebten Söhne in Christo, die Fürsten, vermöge ihrer Frömmigkeit und Gottesfurcht eingedenk, daß die Königliche Gewalt ihnen nicht blos zur weltlichen Regierung, son⸗- dern vorzüglich zum Schirm der Kirche verliehen worden ³), und daß Wir sowohl die Sache der Kirche als auch die ihres Reiches vertreten, damit sie in ihren Provinzen eines ruhigen Rechtsstandes sich erfreuen ³), Unsere Wünsche, Nathschläge und Bemühungen durch ihre Beihülfe und ihr An⸗ sehen begünstigen und die Freiheit und den unverletzten Zustand der Kirche in Schut nehmen werden, damit auch ihre Regierung durch die Christi beschützt werde)). G 1 .“
82, 53s 4 v55.“ 2²) S. Cyprian. Ep. 77 ad Nemesianum et ceteros martyres. 3) S. Leo Epist. 156 al. 125 ad Leon. Augustum. 3 ¹) Idem. Epist. 43 al. 34 ad Theodosiumu.
*) Idem. ibid. 8
„Und damit dies Alles glücklich und nach Wunsch von statten gehe, so lasset Uns mit Vertrauen zu dem Throne der Gnade hinzutreten und mit einhelliger Gesinnung in Demuth Unseres Herzens den Vater der Er⸗ barmungen und den Gott alles Trostes mit dringenden Bitten ohne Unter⸗ laß anflehen, damit er durch die Verdienste seines eingeborenen Sohnes Un⸗ sere Schwachheit mit der Fülle aller himmlischen Gaben überhäufen wolle, und daß er Alle, die Uns anfeinden, durch seine allmächtige Kraft bezwinge und allenthalben den Glauben, die Andacht, die Frömmigkeit und den Frie⸗ den vermehre, damit solchergestalt alle Widerwärtigkeiten und Irrthuͤmer verschwinden und seine heilige Kirche der so ersehnten Ruhe genieße und ein Schafstall und ein Hirt werde. Auf daß aber der gütigste Herr leichter sein Ohr zu Unseren Gebeten neige und Unsere Wünsche gewähre, so lasset Uns die heiligste Gottesgebärerin, die unbefleckte Jungfrau Mariag, immer als Fürbitterin bei ihm gebrauchen, die da ist Unsere allersüßeste Mutter, Unsere Mittlerin, Unsere Fürsprecherin, Unsere sicherste Hoffnung, Un⸗ sere größte Zuversicht, so zwar, daß nichts wirksamer, nichts er⸗ wünschlicher ist, als ihr Schutz. Rufen wir auch den Apostelfürsten an, dem Christus selbst die Schlüssel des Himmelreichs übergehben, und den er zum Felsen seiner Kirche bestellt hat, gegen welche die Pforten der Hölle niemals etwas vermögen werden. Flehen wir auch zu seinem Mitapostel Paulus und zu allen Heiligen des Himmels, die bereits gekrönt sind und die Palme besitzen, damit sie dem gesammten christlichen Volke das erwünschte Ueber⸗ maß der göttlichen Erbarmung erlangen.
„Endlich, als eine glückliche Vorbedeutung aller himmlischen Gaben und zum Zeugniß Unserer vorzüglichsten Liebe zu Euch, empfanget Unseren apostolischen Segen, den Wir aus innerster Seele Euch selbst, Ehrwürdige Brüder, und allen Gläubigen, geistlichen und weltlichen Standes, die Eurer
Sorge anvertraut sind, auf das liebreichste ertheilen.
„Gegeben zu Rom bei S. Maria Maggiore, am 9. November des Jahres 1846 und des ersten Unseres Pontifikats.
Portugal.
London, 14. Dez. Die Times hat Nachrichten aus Lissa⸗ bon vom 4ten d. M., wonach dort seit mehreren Tagen ein so heftiges Regenwetter herrschte, daß die Operationen der beiden krieg⸗ führenden Parteien eingestellt werden mußten. Saldanha hatte noch immer nichts unternommen, aber General Schwalbach hatte die Ver⸗ einigung mit ihm glücklich zu Stande gebracht und den Haupt⸗ trupp um 2500 Mann vermehrt. Doch hielt man es auch für wahrscheinlich, daß Bomfim von Alemtejo nach Santarem mit seinen 2000 Mann regulairen Truppen gekommen wäre und die Insurgentenmacht unter das Antas verstärkt hätte. Die Insurrec⸗ tion im Norden ist nach dem letzten Siege der Regierung, den Ba⸗ ron Casal erfochten hat, ziemlich beseitigt, obschon eine neue migue⸗ listische Guerillas⸗Bande unter M'Donald in Braga Dom Miguel ausgerufen hat. Man erwartete die Unterdrückung dieser Unruhen durch Baron Casal.
vereinigte Staaten von Nord-Amerika.
London, 14. Dez. Das Dampfschiff „Great Western“ hat Nachrichten aus New⸗York vom 26. November überbracht, die sich indeß, abgesehen von den Handels⸗Berichten, nur auf einige Mit⸗ theilungen vom Kriegsschauplatze an der mexikanischen Gränze be⸗ schränken. Das amerikanische Geschwader, aus 7 Fahrzeugen beste⸗ hend, hatte einige Vortheile gewonnen und die Stadt Tabasko bom⸗ bardirt, war aber nach Zerstörung derselben wieder auf seinen frü⸗ heren Standpunkt bei Anton Lizardo zurückgekehrt. Es verließ diesen Hafen am 16. Oktober, langte bei Frontera am 23sten an, nahm hier zwei mexikanische Dampfschiffe und mehrere kleine Schoner weg und ging am 24sten und 25sten stromaufwärts bis Tabasko vor. Der Gouverneur mit der Besatzung wollte die Stadt nicht übergeben; die Einwohner baten indeß um Schonung, und als nach zweitägigem Parlamentiren die Besatzung auf einige gelandete Truppen einen An⸗ griff machte, begann am 26. Oktober ein ernstliches Bombardement, das die Stadt nach drei Viertel Stunden zum großen Theil zerstörte. Die Häuser der fremden Konsuln und die Hospitäler wurden ver⸗ schont. Neun Fahrzenge, darunter eine Brigg, drei Schooner und eine Slobp, wurden nebst vielen kleineren Böten weggenommen. Da⸗ gegen ging auch eine amerikanische Brigg bei Alvarado verloren. Auf der Landseite ist in der Stellung der beiden kriegführenden Par⸗ teien noch keine Aenderung eingetreten. Santana stand noch in San Luis Potosi, und Ampudia, der bekanntlich Monterey geräumt hat, war am 21. Oktober mit 6000 Mann zu ihm gestoßen. Wenn die Garnisonen von Tampiko und Saltillo sich gleichfalls mit ihm vereinigt haben werden, sollen die Feindseligkeiten gegen General Taylor ihren Anfang nehmen. Dieser befand sich mit einer nicht über 5000 Mann starken Streitmacht noch in Monterey, während auf der ganzen Verbindungslinie von der Mündung des Rio Grande bis Monterey 13,000 Mann standen. Die nothwendige Besetzung der bis jetzt eroberten Städte erfordert nun aber allein schon 5000 Mann und General Taylor erklärt selbst, Monterey nicht verlassen zu können, wenn er nicht wenigstens 15,000 Mann disponibel habe. Aus den letzten Depeschen geht hervor, daß man zunächst auf Lina⸗ res, in der Richtung nach Tampiko zu, losgehen und dort einen schweren Kampf zu bestehen haben werde. Eine Abtheilung des amerikanischen Heeres unter General Wool, die noch sechs Tagemärsche von Monclovia und 125 Miles von Monterey stand und auf 14 Tage Proviant hatte, rückte in Eilmärschen herbei, um mit General Taylor in Monterey sich zu verbinden. Aus Allem geht hervor, daß die amerikanische Armee mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, und daß die ganze Expedition sehr leicht wegen Mangel an Lebensmitteln fehlschlagen kann.
Eisenbahnen.
Ein im Amtsblatte der freien Stadt Frankfurt unterm 17. Dezember publizirtes Gesetz verordnet, auf verfassungsmäßigen Be⸗ schluß der gesetzgebenden Versammlung vom 4. Februar d. J. Nachstehen⸗ des: „Da die gezwungene Abtretung von unbeweglichem Privat⸗Eigenthum für die Anlage einer Eisenbahn von hier nach Kassel (M ain⸗Weser bahn) nöthig wird, so findet, kraft gegenwärtigen Gesetzes, die Anwendung des Expropriations⸗Gesetzes vom 10. Januar 1837 auf alle bei dieser Unternehmung vorkommende Entäußerung statt. Be⸗ schlossen in Unserer großen Raths⸗Versammlung den 15. Dezem⸗ ber 1846.“
Handels- und Börsen-Nachrichten.
Berlin, 19. Dez. Unsere Actien⸗Börse hat auch in dieser Woche wieder ein gutes Ansehen behauptet, und die Course blieben, einige unbe⸗ deutende Schwankungen ausgenommen, in steigender Tendenz. Die unre⸗ gelmäßige Ankunft der auswärtigen Posten, so wie der bevorstehende Ab⸗ rechnungstag, welcher zu den bedeutendsten in diesem Jahre gehört, hemm⸗ ten das Geschäft dergestalt, daß seit gestern eine merkliche Stille eingetreten ist und heute nur geringe Umsätze in einigen Actien⸗Gattungen stattfanden. Auf ein besonderes lebhaftes Geschäft dürfte in diesem Jahre nicht mehr zu rechnen sein, nichtsdestoweniger ist eine größere Regsamkeit in dem neuen Jahre zu erwarten, daher auch die günstige Meinung vorherr⸗ schend bleibt und die Kauflust auf spätere Termine zugenommen hat. Wir notiren heute: Köln⸗Mindener 92 % bezahlt und Geld, Berlin⸗Anhalter 112 ¼ G., Berlin⸗Stettiner 110 Br., 109 ¾ % G., Niederschl. 91 bez. u. Br., Berlin⸗Magdeb. 88 % bez., Berlin⸗Hamburger 97 ¾ 9% bez., Halle⸗Thüringer 95 % bez., Oberschl. Litt. A. 105 Br., Litt. B. 96 ½ Br., Magdeb.⸗Halberst. 107 Geld, Düsseldorf⸗Elberf. 106 7 Br. 106 Geld, Rheinische 84⁄ bez. Von Quittungsbogen ging Einiges in Aachen⸗Mastricht von 87 a 87 ½ a ½¼ % um, Krakan⸗Oberschl 76 a 77 % bez. u. Br., Berlin⸗Anh. Litt. B. 97 % bez., Steele⸗Vohwinkel