Ein Einziger,
genden Bemerkungen: „In allen zwölf Stadt⸗Bezirken haben die Wähler unserer Meinung ihre Pflicht gethan; die größte Zahl der ausscheidenden Maires und Adjunkte wurde auf der Kandidaten⸗Liste wieder obenan gestellt; die Anderen behaupteten auch einen ehren⸗ vollen Platz auf derselben. In keinem Bezirk vermochte die Oppo⸗ sition mehr als zwei oder drei von den auf ihren Listen stehenden Namen durchzubringen. Dieses Resultat befriedigt uns vollkom⸗ men; es ist so, wie wir es gewünscht. Wird die Opposition eben so zufrieden sein? Es wäre nicht unmöglich, denn wenn es sich um einen Erfolg handelt, ist die Opposition bekanntlich an große Genüg⸗ samkeit gewöhnt. Wir erwarten daher auch, daß sie die Sache so zu drehen wissen wird, um ihre Niederlage nicht nur zu bemänteln, sondern sogar einen Sieg daraus zu machen. Aber diese triumphi⸗ renden Mienen werden Niemanden täuschen. die Opposition auf die städtischen Wahlen spekulirt und nichts versäumt hatte, um sich den Erfolg zu verschaffen. Sie hatte Comités einge⸗ richtet, vorbereitende Versammlungen veranstaltet und Kandidaten⸗ listen verbreitet; sie hatte fast alle ausscheidende Maires und Adjunkte davon verbannt; Alles war aufgeboten worden, um die Leidenschaften gegen sie aufzuregen und sie in den Augen der Wähler verächtlich zu machen. Sie hatte sich geschmeichelt, sie ganz von der Liste der zwölf Kandidaten zu tilgen oder sie wenigstens auf den letzten Platz zurückzudrängen. Diese schönen Pläne aber sind überall fehl⸗ geschlagen. Im zweiten Bezirk glaubte die Opposition sich des Erfolges sicher. Sie hatte alle ihre Batterieen spielen lassen und ihr ganzes Feuer gegen Herrn Halphen gerich⸗ tet. Noch vor zwei Tagen bezeichnete ein radikales Journal ihn der Gerechtigkeit der Wähler als den Kandidaten des Herrn von Rothschild. Das Beste, was Herrn Halphen nach der Meinung des National begegnen konnte, war, daß er einen Platz am Ende der Liste erhielte. Man weiß, wie diese Prophezeiung sich bewährt hat. Allerdings ist es der Opposition gelungen, Herrn Berger den Vorrang zu verschaffen, bekanntlich aber hat Herr Berger sich dieser Ehre schon seit mehreren Jahren stets erfreut. Es ist dies also kein eigentlicher Erfolg der Opposition; sie hat seit den letzten Wahlen nicht an Boden gewonnen. Vergessen wir nicht, daß Herr Froger⸗Deschesnes, ausscheidender Adjunkt, als der Zweite auf der Liste steht und nur drei Stimmen weniger als Herr Berger erhalten hat. Was Herrn Halphen betrifft, so hat die Opposition ihn nicht nur nicht, wie sie sich geschmeichelt hatte, von der Liste zu entfernen, sondern es nicht einmal zu hindern vermocht, daß er den dritten Platz auf derselben erhalten hat. Im zehnten Bezirk nahm die Opposition zu einer anderen Taktik ihre Zuflucht, indem sie dem ausscheidenden Maire, Herrn Thierriet, den ausschei⸗ denden Adjunkten, Herrn Roger, gegenüberstellte. Diese Taktik war geschickt, aber sie schlug fehl. Herr Roger erhielt die Stimmen der Konservativen und der Opposition und wurde sonach der Erste auf der Liste, aber Herr Thierriet nimmt den zweiten Platz ein. Dies Ergebniß kann der Regierung nicht zuwider sein, denn sie hatte ja die Kandidatur des Herrn Roger nicht bekämpft.“
Das Journal des Débats bringt auch wieder einmal einen Artikel über die krakauer Angelegenheit. Das ministerielle Blatt sucht es darin zu bestreiten, daß die Aufhebung des Freistaats Krakau ein Akt der Nothwendigkeit gewesen. Die Presse beschäftigt sich schon seit einigen Tagen ebenfalls wieder mit dieser Angelegenheit, ohne jedoch, eben so wie das ministerielle Blatt, irgend etwas vor⸗ zubringen, was beide nicht schon gesagt hätten. Heute be⸗ hauptet sie wieder, Frankreich habe nicht ohne innere Befriedi⸗ gung die Vernichtung der Verträge von 1815 gesehen, weil es sich nun fortan frei von denselben fühle. In den offiziellen Noten des Tuilerieen⸗Kabinets ist dagegen, wie das Portefeuille wie⸗ derholt auf das bestimmteste versichert hat, eine solche Freiheit für Frankreich nicht ausgesprochen; es heißt vielmehr darin, wie schon wiederholentlich erwähnt worden, daß Frankreich sich noch eben so wie bisher an die Verträge von 1815 gebunden halte.
Nach einem Schreiben aus Saint⸗Denis auf der Insel Bourbon vom 16. August, fährt die Königin der Hovas fort, den Franzosen die Häfen und die Küste von Madagaskar zu verschließen. Unter arabischer und amerikanischer Flagge hatten die Franzosen mehrfach zu landen gesucht, jedoch stets vergebens; die Königin hat unter Todesstrafe jeden Handel mit den Weißen verboten, und die Häupt⸗ linge an der Küste kennen zu gut die schonungslose Regie⸗ rung derselben, um zu wagen, dieses Gesetz zu üibertreten. 2 der Hova⸗Kommandant von Teneriffa, ist auf Befehl des Ranavalo enthauptet worden, weil er einige Säcke Reis übergeben hatte. „Man kann sich“, heißt es in dem Schreiben, „zu Paris schwer eine richtige Idee von der Lage der Franzosen machen, wenn sich die freundschaftlichen Beziehungen zu Madagaskar nicht wiederherstellen. Im Verein mit Madagaskar haben sie Ueberfluß an Lebensmitteln, ohne Madagaskar steht Hungersnoth in Aussicht, ohne die Handelsverluste zu rechnen.“ ¹Die von mehreren Blättern mitgetheilte Nachricht, in Lyon wä⸗ ren die Gerber und die Gesellen der Kunsttischler dem Beispiele der Färbergesellen gefolgt und hätten die Arbeit eingestellt, bis ihnen gewisse Bedingungen bewilligt sein würden, wird vom 13. Dezember aus Lyon als gänzlich unwahr berichtigt. Die Seidenfärber feierten immer noch.
Zur Verlängerung der Telegraphen⸗Linie von Paris über Ba⸗ vonne zur spanischen Gränze sind drei Stations⸗Thürme im Bau be⸗ griffen, die im kommenden Monat zur Aufstellung der Telegraphen bereit sein werden.
Unter der Ueberschrift „Geschichte des französischen Tarifs“ hat das Journal des Débats in zwei auf einander folgenden Num⸗ mern die wichtigsten Veränderungen zusammengestellt, welche von und seit Colbert mit dem französischen Tarif vorgenommen worden. Es hält eine solche Zusammenstellung für eines der besten und sichersten Mittel, um genau beurtheilen zu können, ob man sich für Aufrecht⸗ haltung oder Veränderung der gegenwärtigen Zölle zu entscheiden habe, und was in dem jetzigen Tarif als enorm übertrieben und was als maßhaltend anzusehen:
„Vor Colbert“, sagt das Journal des Débats, „hatten die Zölle nur den Zweck, dem Staatsschatze Geld zu verschaffen; sie trafen die fran⸗ zosischen ins Ausland gehenden, wie die fremden nach Frankreich kommen⸗ den Waaren ohne Unterschied. Colbert legte 1664 dem Tarif ein ganz anderes Prinzip zu Grunde, das des Schutzes; auch nahm er sich vor, Einheit für das ganze Land hineinzubringen und den Waarenverkehr im Innern des Königreichs zu erleichtern. Dieser von ihm 1667 mit man⸗ chen Veränderungen und Erhöhungen für mehrere Artikel verse⸗ hene Tarif ist Ursache, weshalb die Ultra⸗Schutzzöllner den gro⸗ ßen Namen Colbert's unaufhörlich als ihre Autorität anrufen. 8 Sie ver⸗ schwiegen dabei nur, daß der Colbertsche Tarif für die Gegenstände, deren Fabrication in Frankreich am meisten durch ihn begünstigt werden sollte, einen Zoll von nicht mehr als 5 bis 10 pCt. vom Werth sestsetzte. Colbert verminderte die Abgaben auf die Rohstoffe in ganz bedeutendem Maße; eben so die Ausgangezölle für französische Waaren. Sein höchster Zoll auf fremde Produkte betrug 10 pCt., und was man den Prohibitionisten nicht oft genug ins Gedächtniß rufen kann, er verbot die Einfuhr keiner Waare.“ Es werden nun mehrere Beispiele aus dem Colbertschen Tarif angeführt: 1 Ochse oder Steer bezahlte 5 Fr. 52 Cent. Eingangszoll; Roheisen in Gänsen 66 Cent.; Stabeisen 1 Fr. 13 Cent. für je 100 Kilogramm. Seit 1667 und bis zum Jahre 1797 wurde der Tarif zwar häufig genug ab⸗ geändert, blieb aber stet demselben Geiste getreu, und wenn sich zuweilen
Jedermann weiß, daß
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Verbote einschlichen, so war das zufällig und betraf Artikel von keiner Be⸗ deutung. Das Journal des Débats läßt hier eine Uebersicht derjeni⸗ gen Veränderungen solgen, die in Bezug auf Schlacht⸗ und Zugvieh und in Betreff des Eisens stattfanden. Es ergiebt sich daraus, daß die Zölle für diese beiden Artikel bis 1791 stets niedrig, oft so gut wie Null waren: „Im Allgemeinen war der Tarif um ¼ und bei vielen Gegenständen um * niedriger, als der jetzige; die Prohibitio⸗ nen, welche heute so viele und fast immer die wichtigsten Artikel teffen, cxistirten gar nicht. Colbert hatte indeß, so mächtig er auch war, den Hauptzweck seiner Verordnung von 1664, die kommerzielle Einheit Frank⸗ reichs, nicht durchzusetzen vermocht. Der seinem Ende nahe Geist des Feudalismus war noch stärker als Colbert. Sein Tarif wurde nur in einer gewissen Zahl von Provinzen ein⸗ und durchgeführt. Eine Menge von Zoll⸗Barrieren im Innern stemmten sich wider die beabsichtigte kommerzielle Einheit. Der Geldmangel des Staatsschatzes, die Habsucht der Seig⸗ neurs oder die siskalische Begehrlichkeit der Provinzen und Städte hatten eine unendliche Anzahl von örtlichen Zöllen erfunden. Die konstituirende Versammlung schaffte alle Douanen im Innern ab und arbeitete einen gleichmäßigen Tarif aus, der am 15. März 1791 Staatsgesetz wurde. Man war einstimmig für Begünstigung der einheimischen Arbeit, man verstand aber dieses Wort anders, als die heutigen Prohibitionisten; alle Rohstoffe und Lebensmittel durften frei ins Land kommen. In der Ueberzeugung, daß der Handel die Nationen mit einander verbindet, und in dem Gefühle, daß bei einem aufgeklärten und betriebsamen Volke kein irgend bedeutender Fabricationszweig zu seinem Gedeihen eines sehr hoben Schutzzolles bedarf, gestattete man nur mäßige Zölle. Die stärlsten Abgaben fielen auf Luxusgegenstände, die 25 pCt. be⸗ zahlten. Schlechtvieh, wie alle Nahrungsstoffe, gingen zollfrei ein, eben so Eisen in Gänsen; Stabeisen entrichtete insgesammt 4 Fr. 8 Cent. Ein⸗ gangs⸗Steuern für 100 Kilogramm; Eisenblech 8 Fr. 16 Cent.; Stahl 6 Fr. 16 Cent. Sonderbarer Weise zahlten 100 Kilo⸗ gramm Steinkohlen, wenn sie zur See eingeführt wurden, 60 Cent. bis 1 Fr.; aber die Steinkohle besaß damals auch fast noch gar keinen industriellen Werth; zu Lande eingeführt, entrichtete sie übrigens we⸗ niger als 20 C. ꝛc. Unter dem Konvent blieb der Tarif von 1791 anfäng⸗ lich unangetastet. Da aber die Zeiten schwieriger wurden und Frankreich gewisse Stoffe außergewöhnlich nöthig hatte, so wurde eine Menge der unentbehrlichsten Artikel durch das Gesetz vom 12. Pluviose des Jahres III. theils um die Hälfte, theils um *, theils sogar um 1 hinsichtlich des Zol⸗ les ermäßigt. Bald aber drang ein neues Element in den Tarif ein und änderte dessen Charakter vollständig. Wir waren damals mit der ganzen Welt im Kriege, und unser Tarif sollte den Stempel der wüthenden Leidenschaften aufgedrückt erhalten. Ein Dekret vom 1. März 1793 hatte alle Handelsverträge aufgehoben und die Ein⸗ fuhr einer Menge von gewebten, Eisen⸗ und Steingut⸗Waaren unbedingt untersagt, weil zu befürchten stand, daß diese Gegenstände, unter welcher Flagge oder über welche Gränze sie auch hereingebracht würden, doch im⸗ mer englische Fabrikate sein würden. Das Gesetz vom 10. Brumaire des Jahres V. trieb die Einfuhrverbote noch weiter, in der Hoffnung, Pitt und Koburg einen tödtlichen Streich zu versetzen. Bei der gegenwärtigen Dis⸗ kussion ist es nöthig, zu wissen, wie die Prohibitivzölle in unseren Ta⸗ rif gekommen sind. Der Krieg hat ihnen das Thor geöffnet. So nachtheilig dies für den Konsumenten war, so haetten doch der Konvent und das Direktorium wenigstens alle ersten Lebens⸗Be⸗ dürfnisse mit Steuern verschont. Selbst die Kolonialwaaren entrichteten einen mäßigen Zoll: Rohzucker etwas weniger als 18 Fr., Kaffee 60 Fr., Kakao 50 Fr. fur je 100 Kilogramm, blos daß noch im Jahre VII. ein Kriegs⸗Decime hinzukam. Am 17. Pluviose des Jahres XIII. richtete Na⸗ poleon, der Kaiser geworden war und ohne Zweifel die Gemüther auf die Kontinentalsperre vorbereiten wollte, einen neuen Tarif ein. Von dem Augenblick werden die Zölle auf Zucker, Kaffee, Kakao und Thee ums Drei⸗ und Vierfache gegen die von 1791 erhöht, mehrere Zölle auf Luxus⸗Artikel verfünf⸗ und verzehn⸗ facht; für Stabeisen ward der Zoll auf 4 Fr. 40 C., Eisenblech 11 Fr.; Stahl 9 Fr. 90 C. (à 100 Kil.) festgesetzt. Das gedachte Dekret sollte vom 30. April 1806 an Gesetzeskraft erlangen. Doch vor diesem Termine noch verbot Napoleon durch ein anderes Dekret vom 22. Februar die Ein⸗ fuhr aller Waaren, bei denen Baumwolle ins Spiel kommt, und am Ende des nämlichen Jahres dekretirte er die Kontinental⸗Sperre. Später, im Jahr 1810, als der gegenseitige Haß zwischen Napoleon und England den höchsten Grad er⸗ reicht hatte, erhöhte der Kaiser den Eingangszoll auf die Kolonialwaaren und die rohe Baumwolle dergestalt, daß sich Europa dieser kostspieligen Artikel ent⸗ wöhnen sollte. Den bisherigen Zoll auf rohe Baumwolle steigerte er von 66 Fr. auf 880 Fr., den Zoll für Rohzucker auf 330 Fr., Thee 990 Fr., Kaffee 440 Fr., Kakao 1100 Fr., Cochenille 2200 Fr., Vanille 6600 Fr., Brasilienholz 132 Fr. für je 100 Kilogramm. Mit einem solchen Tarif gelangte man nur dahin, eine ungeheure Schmuggelei zu organisiren. Nach dem Sturze Napoleon's im Jahre 1814 wurde eine oberslächliche Re⸗ vision des Tarifs vorgenommen; mehrere Zölle, z. B. die auf Kolonialwaaren, rohe Baumwolle ꝛc., wurden ermäßigt. Aber der Hauptsache nach blieben die Prohibitivzölle aufrechterhalten und dauern seitdem, einige Kleinigkeiten ab⸗ gerechnet, bis auf den heutigen Tag fort. Ja, einige Zölle wurden sogar noch erhöht; für Eisen in dicken Stangen 16 Fr. 50 Cent.; Eisenblech 44 Fr.; Eisendraht 66 Fr.; Stahl 49 Fr. 50 Cent. für 100 Kilogramm. Das Fleisch jedoch blieb noch, wie unter der Kaiserherrschast, steuerfrei. Die zweite Restauration ließ 1816 einen neuen Tarif ins Leben treten. Bei der Erschöpfung der Finanzen des Staats schien jedes Hülfsmittel kostbar. Daher mehrere Zölle blos in siskalischer Absicht auferlegt. Die Baumwolle traf eine Abgabe von 22 Fr. für 100 Kilogramm. Das Vieh wurde besteuert, doch blos erst 3 Fr. für das Stück. Viele Eingangs⸗Steuern wurden erhöht, die Prohibi⸗ tionen und Prohibitivzölle beibehalten; aber wenigstens konnte man hoffen, daß nun der Schutz als genügend würde angesehen wer⸗ den; dem war nicht so. Das Schlummerkissen der Prohibition ist zu bequem; man wollte sich die letztere in immer weiterem Umfange sichern. Der Produzent, welcher um Einfuhrverbote nachsucht, ist eifrig und uner⸗ müdlich; der einzelne Konsument bietet nur schlaffen Widerstand. Die Re⸗ gierung gab nach der Seite hin nach, von wo man sie am meisten be⸗ stürmte. Und dann führten die Anhänger der Prohibition damals noch eine so bescheidene Sprache. Sie verlangten die Beibehaltung der Prohibition oder die Erhöhung von Zöllen nur für eine ganz kleine Zahl von Jahren, dann wollten sie, so lauteten ihre Betheuerungen, mit der fremden Industrie schon überall und ordentlich rivalisiren. Auf diese Weise ist man während des langen Friedens in der Ausschließung der fremden Industrie zum Nachtheil der Konsumen⸗ ten und derjenigen Industriezweige, welche außerdem für ihre Produkte Märkte gefunden hätten, unablässig fortgefahren. Die in den Jahren 1817, 1818, 1820, 1822, 1826 vetirten Douanengesetze sind eine fast ununter⸗ brochene Reihe von Verschärfungen. Jede Industrie baut ihre chinesische Mauer um sich her. So verbarrikadiren sich nach einander: das Eisen, das Zug⸗ und Schlachtvieh, die Oelfrüchte, Linnen⸗ und Hanf⸗Fa⸗ brikate. Auf Eisen in dicken Stangen wird der Zoll bis auf 27 Fr. 50 Cent. erhöht; für 1 Stück Rind auf 55 Fr.; auf Stahlwaaren 154 Fr. für 100 Kilogramm im Jahre 1826. Diese Verschärfung des Ta⸗ rifs ist nach 1830 forigesetzt worden. Somit ist das allgemeine Streben unserer Handels⸗Gesetzgebung seit 1791 stets auf immer stärkere Prohibition gerichtet gewesen, und zwar inmitten der laut eingestandenen Fortschritte, trotzdem, daß unsere Industrie stets neue Kräfte gewinnt und sogar mit den Engländern auf dem Markte von London konkurrirt. Ist nicht endlich der Augenblick gekommen, diesem Streben Einhalt zu thun und mittelst einer gemäßigten Freiheit diejenigen Verbesserungen zu erwarten, welche die Prohibition nicht länger gewähren kann!“
Die Zeitungen sprachen dieser Tage von einem Schatze, der in einem zum Schloß in Lepault gehörenden Gebäude gefunden worden sein sollte, welches dem Herzoge von Montpenster gehöre. Das Journal des Débats berichtigt jetzt, daß es viemehr eine Do⸗ maine von Madame Adelaide sei, und daß man allerdings dort 7000 Fr. gefunden, diese aber sofort den früheren Eigenthümern zugestellt habe, welche sich das ausschließliche Eigenthum an dem, was dort gefunden werden würde, speziell im Kauß ausbedungen hätten.
Der National spricht sich in Hinsicht der Differenz des fran⸗ zösischen Konsuls auf Mauritius mit dem englischen Admiral Dacres
aufs neue eifrig gegen jede Nachgiebigkeit in Betreff der angesn hat im Verfolg derselben Mission auch hier seine von England verlangten Abberufung jenes Konsuls aus. -i kkeit entwickelt, um für Triest die Beförderung der ostindischen In der Notredame⸗Kirche wurden in der Nacht des 21. Nor ätig ewinnen. Diese Angelegenheit, wobei Deutschland bedeu⸗
ber alle Opferstöcke erbrochen und geplündert. Seitdem leert gi betheiligt ist, da die Route über Triest ja eben so viel heißt, dieselben fast täglich, und es bleiben nur sehr kleine Beträge aüal ,ine über Deutschland und entlang den Rhein, wurde zuerst in zurück. Vermuthlich wußten das die Diebe nicht; in einer der 2 g gebracht durch den unermüdlichen Lieutenant Waghorn, der ten Nächte haben sie ihre Operation wiederholt, diesmal aber ellich diese Ueberlandpost gründete durch seine Thätigkeit für den muthlich in allen 15 Opferstöcken keine 40 Fr. erbeutet. ntaber Aegypten, wovon das ganze Unternehmen abhängt. Als Der Pater Lacordaire arbeitet, wie es heißt, an einer Gesc un aber, nicht ganz zufrieden mit dem Weg über Marseille und
der Mönchsorden. ankreich, seine Aufmerksamkeit auf Triest wendete, so kamen ihm hier sserreichische Lloyd, so wie die Regierung selbst, offen entgegen, und, den ganzen Weg von Triest bis Ostende betrifft, so steht es daß Leitung und Ausführung hier durchaus von jener tüchtigen rühmlichen Gesellschaft ausgehen. Die Sache hat dadurch um nehr an Bedeutung gewonnen, als sich nun die britische Regie⸗ a'derselben offen annimmt. Bekanntlich hat dieselbe sechs Probe⸗ nen, die im Monat September begonnen und im nächsten Februar endet sein werden, angeordnet, um so thatsächlich zu erproben, ob Weg über Marseille oder der über Triest der schnellste sei. Ihr definitiver schluß kann aber kaum zweifelhaft erscheinen, da es durch die bereits endeten drei Fahrten festgestelltworden, daß die auf beiden Routen erfor⸗ iche Zeit wenigstens gleich ist, und sogar um 2 bis 3 Stun⸗ zu Gunsten des Weges über Triest, ein Vorsprung, der durch endung mehrerer projektirten und begonnenen Eisenbahnen und chaupt durch bessere Einrichtung des Dienstes auf der ganzen aus Paris abwarten wolle. Der Globe erklärt übrigens anit üe noch bedeutend vergrößert werden kann. Schon jetzt also lich, daß dem Bey eine Einladung von Seiten des britischaps, der österreichische Lloyd die englische Regierung und das Ost⸗ steriums nicht zugegangen sei (was die pariser Presse baͤna zen⸗Haus durchaus für sich, so daß seiner preiswürdigen Thä⸗ habe), sondern daß man demselben nur auf seine Anfrage an den Ama mazeit ein gewisser Erfolg bereits im gegenwärtigen Augenblick von Normanby habe erklären lassen, er werde die freundlichste i üpprochen werden kann. Herr von Schwarzer, wie verlautet, nahme in England zu erwarten haben, wenn er nicht den Außa aber auch bei der hiesigen österreichischen Gesandtschaft die cherung thätiger Unterstützung erhalten haben. Verflossenen
erhebe, als unabhängiger Fürst behandelt zu werden, denn dies ig die zwischen England und der Pforte bestehenden Beziehw, untag verließ er England wieder, um für die nämliche Ange⸗ nnheit die Mitwirkung des belgischen und holländischen Kabinets
nicht zu. Die letzten Berichte aus New-York bis zum 26. November h sprechen. Die englischen Blätter schweigen bis jetzt noch, indessen Herr von Schwarzer auch hier bedeutende Verbiudungen ange⸗
ten, was den Handel anbetrifft, für England beruhigend. Es l.
ten dort gewaltige Massen von Brodstoffen, und die Preise wamz pft haben, deren Folgen sich bald zeigen müssen. Das liegt klar
Weichen begriffen. Die letzten, aus Europa angelangten Nachnes daß Oesterreich, das südliche und westliche Deutschland, so wie aien unv Holland, das letztere wegen seiner ostindischen Besitzun⸗
hatten die Hoffnungen der Spekulanten gelähmt, und allerz Mehl und Korn für die Ausfuhr aufzukaufen, war verschmen. böchst bedeutende Vortheile durch feste Einrichtung dieser Com⸗ pications⸗Linie für den Welthandel erhalten werden.
Der Kornmarkt hatte daher ein minder thätiges, aber mehr gug⸗ tes und solideres Ansehen gewonnen. Die Korn⸗Zufuhren aus ma 8 —
Westen waren fortwährend sehr beträchtlich, und die innere Siß elgien. 1 sahrt war noch nicht unterbrochen. Wenn sie später im Frühjahlen.Brüssel, 17. Dez. (Rh. B.) Vorgestern ist die Deputation eröffnet wird, werden höchst wahrscheinlich auch die Zufuhren sich erneun preußischen Offizier⸗Corps, welche zur Inauguration des Offizier⸗ Das Haupt⸗Hinderniß, die in New⸗York lagernden Kornvorräthe mghes des régiment d'élite, der nach dem Vorbilde der preußischen Europa zu bringen, liegt im Mangel an Schiffen. Die Frachtsätze eirichtungen ins Leben gerufen worden, hier angekommen. Die De⸗ bereits höher, als je seit 10 Jahren, und sie übersteigen selbst die misation besteht aus 8 Offizieren, unter denen der Commandeur der gewöhnlich hohen Frachten des vorigen Jahres um 20 bis 30 Prfßen Infanterie⸗Brigade, Oberst von Trütschler, der Commandeur zent. Schiffe aus Nachbarhäfen, aus New⸗Orleans und selbst Fahss 28sten Infanterie⸗Regiments, Oberst von Niesewand, der Com⸗ zeuge des Küstenhandels strömen daher nach New⸗York, um die Nacpdeur des 25sten Infanterie⸗Regiments, Oberst von Wit⸗ frage zu befriedigen. Sogar den britischen Bauholzhandel auf densß, so wie der Commandeur des 7ten Ulanen⸗ Regiments, St. Lorenzstrome geben manche Schiffe auf und eilen nach Nrs, Bonn, insbesondere bemerkbar woren. Eine Deputation York, um den Gewinn hoher Frachten zu theilen. Es ist daher Offizier ⸗Corps des régiment d'élite war beauftragt, zweifelhaft, daß im Laufe weniger Wochen der gesammte jetzt hyn während ihres hiesigen Aufenthalts die Honneurs zu machen. New⸗York angehäufte Korn⸗ und Mehlvorrath eingeschifft und Abend hatte der Oberst Vanderlinden ihnen zu Ehren ein Ban⸗ Europa unterweges sein wird. Bis jetzt sind in New⸗York schon veranstaltet, dem viele höhere Offiziere beiwohnten. Gestern be⸗ Millionen Scheffel Mais angelangt, während voriges Jahr, da zten sie um 11 Uhr die Kaserne Ste. Elisabeth, nachdem sie dem gar kein Begehr nach dieser Kornart war, nur 32,000 Scheffel erlichen Gottesdienste, der in der Gudulakirche zu Ehren des Ge⸗ anlangten. Dazu kommt, daß fast alle seitherige Maiszufuhren rtotages Sr. Majestät stattfand, beigewohnt hatten. Die neue vorletzten Aerndte angehören, da der Mais der letzten Aerndt, ichtung, wonach bei jedem Regiment eine Schulcompagnie zur
zu frisch ist, um mit Sicherheit in Fässer gepackt und versendzehzung der Unteroffiziere und Korporale besteht, fand ibre besondere Zu⸗ werden. Der Ertrag der letzten Aerndte, welcher sehr bedeutend lhmnheit. Um 5 Uhr fand darauf das Inaugurationsfest in einem sehr wird also großentheils erst später zur Ausfuhr an die Reihe kommhüzumigen und schön geschmückten Lokale auf dem äußeren Boule⸗ Die Quantität Weizen und Weizenmehl, welche in der jetzt dem Schl Botanique statt. Mehrere Stabs⸗Offiziere, General Deys, nahen Saison blos auf den Kanälen aus den Landseen zu New⸗Alleist Claisse, der General⸗Intendant der Armee, Servaes, und An⸗ anlangte, überstieg die im vorigen Jahre auf diesem Wege angeles beehrten das Fest mit ihrer Gegenwart, während der Kriegs⸗ ister unglücklicherweise an der Theilnahme verhindert war. Das
ten Vorräthe um 830,000 Fässer. In letzter Zeit waren àl 300,000 Scheffel Gerste zu New⸗York eingetroffen. Nimmt ixjer⸗Corps der an Belgien gränzenden französischen Garnisonen e die Einladung nicht angenommen.
Weizen, Mais, Gerste und Mehl zusammen, so ergiebt sich, daß
aus den westlichen Staaten von Amerika nach New⸗York gebrach Vrüssel, 18. Dez. Die Repräsentanten⸗Kammer hat ohn tussion und einstimmig den Gesetz⸗Entwurf votirt, der bis zum
und dort zur Verfügung liegenden Zufuhren die vorjährigen um en Dezember 1847 das Gesetz vom 18. Juni 1842 verlängert, wel⸗
Betrag übersteigen, der 700,000 Quarters Weizen völlig gleichten Wenn man aus diesen günstigen Berichten über die in Amenst .
oie Regierung ermächtigt, das Einfuhr⸗System in Bezug auf direkten Transit und die Entrepots zu modifiziren.
gernden großen Korn⸗Vorräthe zwar nicht entschieden folgen sam Brüssel, 17. Dez. Die Repräsentanten⸗Kammer hat ein⸗
daß in England sich bis zur nächsten Aerndte kein Mangeseüe
machen werde, oder daß die Preise der Haupt⸗Lebensmittel sche ven mig die vom Ministerium vorgeschlagene Maßregel angenommen, durch 1 ½ Millionen Fr. für Subsistenzmittel verwendet werden sol⸗
8 Großbritanien und Irland.
London, 16. Dez. *) Die Gazette meldet die Ernem des bisherigen Gesandten in Portugal, Lord Howard de Walg⸗ zum Gesandten am brüsseler Hofe und des bisherigen Gesandte Belgien, Sir George Hamilton Seymour, zum Gesandten, lissaboner Hofe.
Eine „Einsendung“ im Standard berichtet über große „. kehrungen, welche die Regierung in Erwartung eines Besuchee Bey von Tunis in England in dem bekannten hiesigen Gasthofe vart's Hotel zu seiner Aufnahme habe treffen lassen, setzt aber tn daß vom Büreau der auswärtigen Angelegenheiten jetzt der Pm⸗ gegeben sei, die Arbeiten einzustellen, da es zweifelhaft gewona; der Bey nach England komme und man jedenfalls nähere Nati
Flinton Hall, der Landsitz des Sir Shafto Adair in eff
— (B. H.) Herr von Schwarzer, dessen Anwesenheit a
gen zu hegen und darf vielmehr fest darauf rechnen, daß sowoh mh von dort eintreffen werden. de Sinken der Hand⸗Leinwandfabrication fast alle Erwerbsmittel wandeln. Die entlassenen Soldaten sollen dann zu ähnlichen Functiensezr der Leinwand eine größere Ausdehnung verschaffen soll. Um auch in Jersey Anstalten zur Einrichtung eines Kriegshafens gemfeXznmen zur Kanalisirung der bekannten, die Provinz Antwerpen Schanzarbeiter. b Die Größe dieser zur Erleichterung der Armennoth von Wellg genommen werden; man will sie auf einem besonders dazu erne hälse denken, und es dürfte wohl wenig Länder geben, die sich mungen sehr getrennt über die Ursache des Uebels und die Art ist am Sonntage abgebrannt. nderen den Grund des Uebels allein in der Hartnäckigkeit sehen, Vorbereitungen zur Einrichtung eines unter der See durchzufühne logne beschäftigt; bekanntlich hat sich der unterseeische Telegrapb, Deputirten gingen so weit, der flandrischen Geistlichkeit die haupt⸗ Die Times enthält eine Mittheilung von der Mosquito⸗Kireerdrücke und auch insgemein für die armen Leinweber ein schlech⸗ Blunfields, der Hauptstadt des Landes, bei Gelegenheit der Emagsgarren bei der Handweberei den hauptsächlichsten Grund der Ver⸗ wand entscheiden, so ist es dennoch eine unverkennbare Thatsache, m Nh riken haben sich in der neueren Zeit erhoben, und ihre Ge⸗ im Interesse des österreichischen Lloyd von Triest in deutsche „je wieder zu einer größeren Blüthe kommen und die Regie⸗
die höchsten Preise, welche bis zur Aerndte zu gewärtigen sird, n⸗ reicht hätten, so braucht man doch auch schwerlich ernste Befürhmm⸗ vor dem Schlusse der Binnenschifffahrt in Amerika, als nach Nh um der höchst bedrängten Lage eines Theiles der flandrischen Wiedereröffnung derselben im Frühjahr, sehr beträchtliche Zufehm augpölkerung zu Hülfe zu kommen, welche durch das immer zuneh⸗ Nach der Times soll die Regierung wirklich die Absicht hün ügoren hat. Außer dieser Summe sind 300,000 Fr. als Anlage die lebenslängliche Dienstzeit im Heere in eine zehnjährige zu unmittelbar zu bildenden Gesellschaft ausgesetzt, welche der Aus⸗ wie die noch dienstfähigen Chelsea⸗Invaliden, verwandt werden. ich der flandrischen Uebervölkerung im Lande selbst eine Ablei⸗ Die Jersey Chronique berichtet, daß, so wie in Guenm ag zu geben, ist, nachdem in den vorigen Jahren schon bedeutende werden, wozu die St. Katherine's⸗Bucht ausersehen sei. Die 0ah Holland trennenden Campine verwandt worden, abermals nison soll verstärkt werden, und man erwartete 1500 Sträf linge ü halbe Million zur Urbarmachung derselben ausgesetzt wor⸗ Die vielbesprochene Riesen⸗Statue des Herzogs ve — immten Summen beweist den Umfang des Uebels, giebt soll nun doch von dem Triumphbogen am Hyde⸗Park wieder hams⸗ auch Zeugniß, wie ernstlich Regierung und Stände auf Fußgestell auf einem freien Platze westlich von dem Gebäne 4 e solchen Fürsorge rühmen könnten. Waren aber in der Kammer Horse⸗Guarde aufstellen. üder die Nothwendigkeit der Hülfe einig, so waren dagegen die Der Schaden wird auf 40— 60 vf Abhül —. Während die Einen das Sinken der alten Linnen⸗In⸗ Pfd. St. angegeben. 91 grie den Zoll⸗Maßregeln der anderen Länder zuschrieben, wollten Die Direktoren der südöstlichen Eisenbahn sind jetzt mit! 1 . ve⸗ er man eine Industrie aufrecht erhalten wolle, die nun einmal den elektro-magnetischen Telegraphen zwischen Folkestone und N. die Maschinenweberei verdrängt zu werden bestimmt sei, ja, ei⸗ zum Versuche bei Portsmouth eingerichtet worden ist, vollkomm 6 Schuld beizumessen, indem sie in dem Volke alles Streben bewährt. ervollkommnung, wie im Geistigen, so auch in der Industrie, über dort stattgefundene Feierlichkeiten, welche der von den Engso⸗ natzgeber geworden sei. Wir haben keine Belege für diese dern eingesetzte König Georg von Mosquito am 10. September uaisache, müssen aber doch der Meinung beipflichten, welche in dem nung eines Staatsraths beging. Der sogenannte König hielt 8,8g bcerblict; denn, mag man sich auch in dem Streite zwischen Form vor seinem Hof und dem englischen Agenten eine Thron⸗a, eiden Industrieen, was die innere Güte betrifft, für die Hand⸗ und ernannte 6 Engländer zu Staatsräthen, die nach gehöriger lta die leistung sich in die verschiedenen Verwaltungs⸗Departements thei wand achfrage, wie sie bei dieser abnimmt, bei der Manufaktur⸗ eFabr⸗ der größeren Wohlfeilheit wegen, immer größer wird; ⸗ b „ n Bü 8 a9 wenn auch nicht giänzend, doch immer ersprießlich ge⸗ ig. ;. Die alte Linnen⸗Industrie wird, hier so wenig wie ander⸗ aͤher wohl thun, so viel sie es vermag, die allmälige Ueber⸗
t *) Die fällige londoner Post vom 18ten d. M. über Hamburg heute hier nicht angekommen.
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leitung der alten in die neue Industrie zu bewerkstelligen und die Uebervölkerung der beiden Flandern in die Campine ab⸗ zuleiten. Uebrigens hat die letzte Zählung ergeben, daß, während in allen übrigen Provinzen die Bevölkerung zugenommen (sie beträgt im Durchschnitt jährlich 40,000 für das etwas über 4 Millionen Einwohner zählende Land), dieselbe besonders in West⸗ Flandern abgenommen hat.
Die liberalen Oppositionsblätter legen dem Ministerium ein Pro⸗ jekt bei, welches ein wahrer Staatsstreich sein würde, um der katho⸗ lischen Meinung noch für längere Zeit die Majorität zu sichern, das aber zu reactionair ist, als daß ein besonnener Minister dasselbe fassen sollte. Da die Zahl der Repräsentanten im Verhältniß mit der Be⸗ völkerung festgesetzt ist (1 Repräsentant auf 40,000 Einwohner) und
diese trotz der Abtrennung eines Theils von Luxemburg und Limburg
sich seit 15 Jahren vermehrt hat, so werden nach einem von dem Ministerium versprochenen Entwurfe mehrere Provinzen, und na⸗ mentlich diejenigen, in denen der Liberalismus vorherrschend ist, eine größere Anzahl von Repräsentanten erhalten. Durch diese allei⸗
nige Aenderung könnte aber schon in den nächsten Wahlen die katho⸗
lische Majorität, die außerdem nur erkünstelt ist, gestürzt werden. Um diesem Sturze vorzubeugen, heißt es, wolle der Minister bei den Wahlen die Scheidung der Landdistrikte von den Stadtdistrikten be⸗ antragen und von der jetzigen katholischen Majorität votiren lassen, eine Maßregel, wodurch die schon im Wahlcensus bestehende Unge⸗ rechtigkeit auf die höchste Spitze getrieben würde. Bekanntlich ist hier der Wahlcensus für das flache Land, die Flecken und Dörfer sehr gering angesetzt, um hier, wo der Einfluß der Geistlichkeit am größ⸗ ten ist, die meisten Wähler zu haben, während in der Stadt der Wahlcensus so gros ist, daß ein Theil der mittleren Bürgerschaft ausgeschlossen bleibt. Eine kleine Compensation für diese unbillige, im Interesse der katholischen Meinung wohl kalkulirte Diffe⸗ renz bestand darin, daß bei den Revpräsentanten⸗Wahlen die kleinen umliegenden Flecken und Ortschaften mit den Städten zusammen wählten, und daß auf diese Weise die Wahlen in den großen Städten dennoch liberal ausfielen. Jetzt, heißt es, will das Kabinet eine Trennung vorschlagen, und die Folge davon würde eine Entstehung von wahren bourg-pourris sein, wo bei gleicher Bevöl⸗ kerung die Flecken und Dörfer dreimal so viel Repräsentanten wähl⸗ ten als die Städte. Ein Kabinet, das diesen Antrag stellte, würde aber Alles aufs Spiel setzen; nicht nur würden alle Differenzen und Zerwürfnisse, die zwischen den Fractionen der liberalen Meinung ein⸗ getreten, verschwinden, sondern es würde auch eine Aufregung im Lande entstehen, die ernstliche Unruhen befürchten lassen könnte. In kurzem wird es sich kundgeben, ob die Anklage der Oppositionsblätter, der freilich bis jetzt von den ministeriellen nicht widersprochen ist, ge⸗ gründet ist.
Das Projekt über den mittleren Unterricht wird in einigen Ta⸗ gen mit allen darauf sich beziehenden Dokumenten veröffentlicht und dann alsbald Gegenstand der Diskussion in der Kammer werden.
Schweiz.
Kanton Bern. Nach einem Beschlusse des Regierungs⸗ Rathes vom 14ten d. wird derselbe einen Antrag auf Erhebung einer Vermögenssteuer im Betrage von 475,000 Fr. für das Jahr 1847
d ßen Rath bringen.
Italien.
Rom, 8. Dez. (A. Z.) Gestern fuhr der belgische Gesandte, Fürst Chimay, im großen Galla⸗Aufzug nach dem Quirinal. An demselben Tage hatte der österreichische Botschafter, Graf Lützow, die Ehre, von dem heiligen Vater empfangen zu werden. Der auf seinen hiesigen Posten zurückgekehrte brasilianische Gesandte, Mou⸗ tinho de Lima Alvares e Silva, hatte mehrere Tage zuvor in einer seierlichen Audienz dem heiligen Vater seine neuen Kreditive über⸗ eben.
3 Die bevorstehende Ernennung mehrerer Prälaten, so wie die an⸗ gebliche Versetzung anderer, beschäftigt jetzt wieder die ganze Stadt; auch geht die Rede von Abberufung mehrerer Kardinäle, die in den Provinzen als Legaten fungiren. Der päpstliche Nuncius in Paris, Mons. Fornari, Erzbischof von Nicäa, soll zurückberufen werden, um hier ein Staatsamt zu bekleiden.
Die Vorarbeiten zu den Eisenbahnen von hier bis zur Gränze von Neapel und von hier bis Civitavecchia haben begonnen; die In⸗ genieure sind seit einigen Tagen auf beiden Linien mit Nivelliren des Bodens beschäftigt. Die reichen und wohlhabenden Einwohner von Civitavecchia sehen die Ausführung des Schienenweges bis nach Rom als Lebensfrage an und scheuen kein Opfer, dieses Unterneh⸗ men, für das sich hier jetzt viele Stimmen entscheiden, durch⸗ zuführen.
Das Jubiläum hat hier am 6ten d. angefangen und wird mit dem 27sten d. enden. Die Kirchen, wo gepredigt wird, sind stark besucht. Als der Papst gestern nach der St. Apostelkirche zur Pre⸗ digt fuhr, hatten sich trotz eines starken Gewitterregens alle Studen⸗ ten der Universität bei dieser Kirche aufgestellt, um dem heiligen Vater für die bei der Universität wieder eröffneten Lehrkurse der Philosophie und Mathematik, die unter Gregor XVI. suspendirt worden, zu danken. Mitten im Regen, entblößten Hauptes jubelte die junge Welt ihr Viva Pio nono, während aus den Fenstern, Fss festlich geschmückt waren, Blumen auf den Wagen des Papstes ogen.
Rom, 10. Dez. (N. C.) Durch mehrtägige heftige Regen⸗ güsse und ein am Montag Nachmittag und die darauf folgende Nacht in den furchtbarsten Strömen sich entladendes Gewitter ist der Tiber⸗ strom bis heute auf eine so außerordentliche Weise angeschwollen und übergetreten, daß nicht allein das Ghetto, die Rotonda und die längs des Ufers hin tiefer liegenden Straßen, sondern selbst zwei Drittel des Corso, der Platz S. Lorenzo in Lucina, ein Theil der Babuina, die ganze Piazza del Popolo, die Straße von der Porta del Popolo bis zur Ponte molle (die den Eingang von Norden nach Rom bildet), fast ganz Trastevere u. s. w. dermaßen unter Wasser stehen, daß man diese Straßen nur mit Kähnen befahren kann. Die sämmtlichen Kaufläden im Corso und den übrigen Straßen sind zum Theil mehr als zwei Ellen hoch mit Wasser an⸗ gefüllt. Von diesem Morgen 7 Uhr an bis Mittag 12 Uhr ist der Wasserspiegel durch die von den Gebirgen zusammenlaufenden Fluthen, ungeachtet des guten Wetters, um mehr als 4 Palmen ge⸗ stiegen. Die gewöhnlichen Geschäfte stocken. Barken bringen den ärmeren Bewohnern unter polizeilicher Aufsicht auf Kosten der Re⸗ gierung Brod; andere Lebensmittel, wie Fleisch ꝛc., werden ebenfalls auf diese Weise hingeführt. Da die Hausflure zum Theil bis zur Hälfte mit Wasser gefüllt sind, so gehen Leitern nach den Fenstern der Häuser und Paläste hinauf, um den nöthigen Lebensbedarf hin⸗ schaffen zu können. Die Posten aus Deutschland sind bereits seit vorgestern im Rückstand.
Se. Heiligkeit hat in diesen Tagen die sämmtlichen Gebühren, die bisher für die Doktor⸗Promotionen bezahlt werden mußten und die Summe von 60 Skudi überstiegen, aufgehoben, und es muß
“
künftighin der Doktortitel nach vorgängigem glücklich bestandenen Examen unentgeltlich ertheilt werden.
Genua, 10. Dez. (A. Z.) Die vielen Rückfälle in dem Kränklichkeitszustande der hier weilenden Prinzessin Luise von Preu⸗ ßen Königl. Hoheit — die ärztlichen Celebritäten Italiens, auch Buffalini von Florenz, ertheilten bereits alle ihren Rath — haben das Erscheinen eines preußischen Leibarztes veranlaßt, und man hofft von dessen Ankunft alles mögliche Gute. Die Erfahrung lehrte in⸗ dessen, daß Genua für nervöse reizbare Constitutionen kein passender Aufenthalt ist. Kaltes, feuchtes, sehr veränderliches Wetter suchte auch die schönen nördlichen Küsten des Mittelmeeres heim. Der Bocchetta⸗Paß war vor einigen Tagen eingeschneit, und aus den 18 Stunden, welche der Courier von hier bis Mailand auf dem Napier gebraucht, werden jetzt regelmäßig 24 bis 28 Stun⸗ den. Alle Posten treffen verspätet ein; dasselbe ist in Turin der Fall. Auf dem Mont Cenis und auf dem Gotthardt sind Reisende 24 bis 30 Stunden lang eingeschneit gewesen. Die Gazzetta Piemontese meldet, daß französische Posten zwei Tage lang in Turin ausgeblieben.
Die Zahl der Dampfschiffe auf dem Mittelmeer, besonders nach Neapel, Malta, Frankreich und England, vermehrt sich fortwährend. Vier schöne neue englische Schiffe bilden eine Konkurrenz mit den schon vorhandenen sardinischen, toskanischen, französischen und neapo⸗ litanischen Compagnieen — von päbstlichen Dampfschiffen war noch nicht die Rede — und die gegenseitigen Intriguen der Konkurrenten erleichtern hin und wieder den Reisenden durch einen Rabatt die Ueberfahrt.
Handels- und Börsen⸗-Nachrichten.
—* Frankfurt a. M., 19. Dez. Von der Börse ist in dieser Woche wenig zu melden. Die Stimmung war zwar eine ziemlich feste, und die Course hielten sich auch, lleine Fluctuationen abgerechnet, meistens auf ihrer in der verflossenen Woche gewonnenen Höhe, der Umsatz war aber sehr still. Der Geldstand ist nach Umständen befriedigend, und der Dis⸗ konto hält sich auf 4 õ„Ct. — Baron Salomon von Rotßhschild weilt seit acht Tagen hier, wird aber morgen bereits nach Wien abreisen. — Im Waarenbandel ist es sehr still, und die Einkäufe für die Weihnachten sind sehr gering, so daß alle Detaillisten klagen.
Auswärtige Börsen.
5 % Span. 21⅛. Poln. —.
Niederl. wirkl. Sch. 59 ¾. Zinsl. —. Preuss. Pr. Sch. —.
18. Dez.
Ausg. —.
Amsterdam, 3 % do. —. Pass. —. 4 % Russ. Hope 89 ½.
Antw erpen, 17. Dez. Zinsl. —. Nene Aunl. 20 ¾.
Frankfurt a. M., 19. Dez. 5 % Met. 108 G. 1998 1906. Bayr. Bank-Actien 656 Br. Hope 87 ⅔ G. Stiegl. 86 1 G. Poln. 300 Fl. 97 ¾ 6. do. 500 Fl. 79 ½. 79.
Bank-Actien p. ult.
1
Hambu rg, 21. Dez. Bank-Actien 1570 Br. Engl. Russ. 105 ½¼. 2.
London, 15. Dez. Cons. 3 % 93 ½. ½⁄. Belg. —. Ausg. Sch. 17 ½. 17. 2 ½ % Holl. 60 ½. 60. Engl. Bras. 87. 85. Cchili —.
Neue Anl. 26 ½. 26. 4 % do. 92 ¾. ¼. Mex. 23 ½. ¼.
11“ Passive 5 ⁄. 4¼.
Port. 38. 36. Peru 37. 35.
Wien, Aectien 1592. Mail. 109 .
Russ. —.
Gloggn. 129 ¾.
19. Dez. Anl. de 1834 157 ¼. de 1839 119 ½¼. Nordb. 175 ½⅓. Livorn. 94 ¼. Pest. 95. Budw. —.
Meteorologische Beobachtungen.
1846.
22‧. Dez.
Nachmittags 2 Uhr.
Abends 10 Uhr.
Morgens
6 Uhr.
Nach einmahger Beobachtung.
325,8707Par. 325,21“% Par. 324,96% Par. Auellwärme 7,7⁰0 R.
+ 3,92 kR. + 2,80° R. P 2,60 R. Flusswärme 0,0° R. Thaupunkt PX 1,90 R. + 1,7° R. + 1,4° R. Bodenwärme — 0,8 °R. Dunstsättigung. 89 pCt. 88 pCt. 88 pCt. Ausdünstung 0,004 Rh. Wetter trüb. Regen. Regen. Niederschlag 0,191“"Rh. sw. SW. sW. würmewechsel + 3,00 Wolkenzug... — SW. — + 0,1⁰
Tagesmittel: 325 ,34 Par. + 2,90 R. + 1,6˙ K. 88 pct. sw.
Königliche Schauspiele.
Donnerstag, 24. Dez. Kein Schauspiel.
— Freitag, 25. Dez. Im Opernhause. Vorstellung: (Neu einstudirt): Die Zauberflöten, Musik von Mozart. Anfang halb 7 Uhr.
Zu dieser Vorstellung werden Billets zu den erhöhten Opern⸗ hauspreisen verkauft. 1b
Im Schauspielhause. Mit aufgehobenem Abonnement: Eine Familie, Original⸗Schauspiel in 5 Abth. und einem Nachspiele, von Ch. Birch⸗Pfeiffer.
Sonnabend, 26. Dez. Im Opernhause. 148ste Abonnements⸗ Vorstellung: Das Portrait der Geliebten, Lustspiel in 3 Abthl., von Feldmann. Hierauf: Robert und Bertrand, pantomimisch⸗komisches Ballet in 2 Abth., vom Königl. Balletmeister Hoguet. Musik von Schmidt. Anfang halb 7 Uhr.
Zu dieser Vorstellung werden Billets zu den erhöhten Opern-
haus⸗Preisen verkauft.
Im Schauspielhause. Mit aufgehobenem Abonnement: Michel Bremond, Schauspiel in 5 Abth., aus dem Französischen, von Börnstein.
Sonntag, 27. Vorstellung: F. Förster. halb 7 Uhr.
Zu dieser Vorstellung werden Billets zu den erhöhten Opernhaus⸗ Preisen verkauft.
Im Schauspielhause. Mit aufgehobenem Abonnement: Gottsched und Gellert, Charakter⸗Lustspiel in 5 Abth., von Laube.
147ͤte Abonnement Oper in 2 Abth.
27. Dez. Im Opernhause. 149ste Abonnements⸗ Wilhelm von Oranien, große Oper in 3 Abth., von Musik von C. Eckert. Ballets von Hoguet. Anfang
Die Abonnements⸗Karten für den Monat Januar 1847, sowohl für das Opern⸗ wie Schauspielhaus, können gegen Vorzeigung der Quittungen über den bezahlten Betrag im Billet⸗Verkaufs⸗Büreau vom 28. Dezember an in Empfang genommen werden. ö6ö
Verantwortlicher Redacteur Dr. J. W. Zinkeisen
Im Selbstverlage der Erpedition
eckerschen Geheimen O