1847 / 25 p. 3 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

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In den Büreaus der Deputirten⸗Kammer fing man heute an, das Budget auch zu erörtern. Mehrere Mitglieder sind gegen die Diskonto⸗Erhöhung. 8

Zu der (gestern mitgetheilten) Depesche des Fürsten Metternich an den Grafen Appony, vom 4. Januar, bemerkt das Portefeuille: „Es ergiebt sich aus diesem Aktenstück, daß zwischen der Auslegung, welche die nordischen Mächte den Stipulationen über Krakau geben, und der von Frankreich und England, eine so vollständige Verschie⸗ denheit besteht, daß die drei Höfe der Annahme einer längeren * kussion auf diesem Gebiete sich enthalten wollen. Bei dieser Lage der Dinge blieb dem Kabinet der Tuilerieen kein anderer Weg übrig, als unter steter Bezugnahme auf seine frühere Protestation .“ pesche des Fürsten von Metternich unbeantwortet zu lassen. nse kann also die diplomatische Debatte über diesen Punkt als gesch ossen betrachten.“ Das Portefeuille bleitt schließlich der Meinung, daß auf dem Punkte, wo die europäischen Verhältnisse überhaupt ständen, dieselben nicht ohne einen Kongreß regulirt werden könnten.

Nach der Patrie würde Herr Martin du Nord sein Portefeuille definitiv niederlegen und dasselbe schon in einer der nächsten Wochen dem General⸗Prokurator Herrn Hebert übertragen werden. Der Nationl dagegen sagt: „Der Großsiegelbewahrer wird nicht nach Italien reisen. Im Augenblick des Antritts seiner Reise hat ihm der Muth gefehlt. Er hat sich ohne Zweifel gfsage⸗ daß er, wenn er sich so weit entferne, bei seiner Rückkehr sein ortefeuille nicht wieder⸗ finden würde; und ungeachtet des Rathes seiner Aerzte, welche erklär⸗

ten, daß die Luft von Pisa oder Neapel zu seiner Wiederherstellung nöthig wäre, hat er sich zu dieser langen Reise nicht entschließen wol⸗ len. Er hat sich blos darein ergeben, während einiger Zeit ein we⸗ nig Ruhe bei einem Freunde auf dem Lande in den Umgebungen von Tournay zu genießen. Von dort aus wird Herr Martin die Ereig⸗ nisse beobachten können, und bei der ersten Gefahr für sein Portefeuille wird ihn die Eisenbahn nach Paris zurückbringen.“ Um dem übeln Eindruck zu begegnen, den die Vorlegung des Budgets für 1848 im Publikum hervorbringen könnte, sucht das Journal des Débats zu beweisen, daß es mit den Finanzen gar nicht so schlecht stehe. Das Regierungsblatt thut dies etwa in fol⸗ gender Weise: „Wir versuchen keinesweges, uns die harten Prüfun⸗ gen zu verbergen, welchen in diesem Augenblicke das materielle Wohl Frankreichs unterworfen ist, und wir brauchen uns nicht zu rechtfertigen, gleichgültig dabei geblieben zu sein. Wenige Jahre werden so schwere Heimsuchungen wie 1846 mit sich gebracht haben. Ueberschwemmungen, Mangel an Lebensmitteln, politische Verlegenheiten, Alles hat darauf gelastet, und doch ist es bei allen diesen Verwickelungen tröstlich, zu sehen, in welchem Grade fruchtbar die Hülfsquellen sind, welche das Land in sich selbst zu finden weiß. Und sollte man uns auch diesmal wie⸗ der Optimisten nennen, wir werden nicht anstehen, zu sagen, daß die Hrundlagen seines Gedeihens nicht in der Art angegriffen worden sind, daß tiefe und dauernde Spuren davon bleiben sollten, da man den Geschäftsgang, die Lebendigkeit des Verkehrs, die Stärke des allgemeinen Verbrauchs, anstatt schwächer zu werden, so wie die Zu⸗ nahme, welche im öffentlichen Einkommen der früheren Perioden stattfand, in dem letztverflossenen Jahre noch hat steigen sehen. Die Uebersicht davon, welche der Moniteur dieser Tage gege⸗ ben, beweist dies. Denn die indirekten Abgaben und Einkünfte haben MH823,291,000 Fr., also 19,389,000 Fr. mehr als 1845 abgeworfen, und das letzte Quartal hat allein fast über 6 Millionen zu diesem Mehrertrag geliesert. Der Mehrertrag bei der Einregistrirung, den Hypotheken, Stempel⸗Abgaben ꝛc. war 3 Millionen; der an den 106 Millionen Zoll⸗Einnahmen ist um 6 Millionen höher als 1845; die Einkünfte vom Postwesen sind von 48 ½ auf 50½ Millionen gestiegen. Kurz, von 18 Einnahmezweigen haben nur drei, die vom Kolonial⸗ Zucker, vom Salz und von den Malleposten, 1846 geringe Abnahme, alle anderen entschiedene Steigerung erfahren, und die Lage ist be⸗ friedigender, als man zu erwarten Ursache hatte. Das ist ein gerech⸗ ter Grund der Hoffnung und des Vertrauens für 1847.“ b Die Bank von Rouen hat nach dem Beispiel der Bank von Frankreich ihren Diskonto auf 5pCt. erhöht. Eben so hat die Bank .“ Orleans den Beschluß gefaßt, den Diskonto der Papiere auf Paris auf 5 pCt. und auf Orleans auf 5 ½ pCt. zu erhöhen. Beim Finanz⸗Ministerium ist ein statistisches Büreau organi⸗ irt worden, dessen obere Leitung dem Herrn Lemaitre übertragen wurde. Der französische Konsular⸗Agent zu Gondar soll von dem Kö⸗ nige von Tigre, Ubie, Geschenke und ein Schreiben für den König der Franzosen erhalten haben. Ubie sei nämlich, sagt der Cour⸗ rier frangais, dankbar für die Dienste, welche der französische Konsul zu Dschedda und die französischen Agenten zu Gondar, Mes⸗ soah, Mokka und Joakim den Karawanen geleistet, die aus den Staa⸗ ten Ubie's kämen. Laut Nachrichten aus Makao hofft man, daß die in Tibet ge⸗ fangen gehaltenen französischen Missionaire durch Vermittelung des chinesischen Vice⸗Königs zu Kanton würden freigegeben werden. Man at sie bereits von der Hauptstadt Lassa nach der chinesischen Gränz⸗ stadt Tozedo geführt, wo sie sich jetzt befinden. 1 Das Gesetz über die Colonisation Algeriens, das die Thronrede verspricht, soll in dem Vorschlage bestehen, tausend Soldaten⸗Fami⸗ ien daselbst anzusiedeln. Auf diese Weise will man, wie verlautet, ög. Versuch mit dem Colonisations⸗System des Herzogs von Jsly machen.

Die Dampffregatte „Labrador“, welche den Bey von Tunis in seine Residenz zurückgebracht, ist am 11. Januar wieder zu Tou⸗ lon angekommen. Alle Offiziere dieses Schiffes haben den Nischan⸗

Orden erhalten, und unter die Mannschaft ist eine Gratification von „Dante“ sind die Kanonen, die Maschinen und viele andere Geräth⸗ schaften geborgen worden.

8 Am vorigen Dienstage fanden die ersten Versuche auf der nun⸗ mehr vollendeten atmosphärischen Eisenbahn von Saint Germain statt. Sechs Bahnzüge zu je 5 Wagen machten die Fahrt, von Stunde zu Stunde, mit einer Schnelligkeit von etwa 40 bis 48 Kilometer oder 8 in der Stunde. Diese Versuche sind sehr glücklich ausge⸗ allen.

Im Palaste von Versailles werden in diesem Augenblicke Vor⸗ bereitungen zu einem großen Feste getroffen, welches der König wäh⸗ rend des Karnevals zu geben beabsichtigt. Doch ist dieses Fest noch von dem Gesundheitszustand der Königin abhängig, welche von ihrem letzten Unwohlsein noch nicht ganz wieder hergestellt ist.

Dem Vernehmen nach, wird Graf Appony nach Beendigung der Adreß⸗Debatte in der Deputirten⸗Kammer sich auf einen dreimonat⸗ lichen Urlaub nach Wien begeben. Oesterreich wird in dieser Zeit blos durch einen Geschäftsträger in Paris repräsentirt sein.

Das Kilogramm (2 Pfund) Brod kostet jetzt schon 47 Centimen (gegen 4 Sgr.), und man besorgt, daß es zu Ende Januars auf 56 Cent. steigen wird. 8 n

4 . E“ Großbritanien und IJrland. London, 18. Jan. An heutiger Börse hieß es, daß Lord

John Russell die Absicht habe, die Schifffahrts⸗Gesetze zu suspendi⸗ ren, indem bisher nur Getraide mit englischen Schiffen oder mit Schif⸗

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ser Nachricht hat das Steigen des Getraides plötzlich innegehalten. Bei dem hohen Diskonto stand auf dem Kontinent befürchtet man, daß die Bank sich genöthigt sehen dürfte, den Diskonto noch weiter zu erhöhen. In Folge der Getraide⸗Theurung sind die Fonds heute wieder gefallen.

Ueber die jüngste Diskonto⸗Erhöhung der Bank schreibt die Börsen⸗Halle: Was schon seit mehreren Wochen erwartet wurde, ist nun eingetreten. Die Bank von England hat den Diskonto für approbirte Wechsel, nicht über 95 Tage dato, von 3 pCt. auf 3 ½ pCt. erhöht. Es war am 27. August 1846, als dieser letztere Satz auf 3 pCt. erniedrigt wurde. Die jetzige ist nur eine Vorsichts⸗ Maßregel, nicht eine durch Mißtrauen oder Geldmangel bedingte. Auch jetzt noch besitzt die Bank von England einen Vorrath von nahe an funfzehn Millionen Pfd. St. in Bullion und hat nicht volle 21 Millionen Pfd. Banknoten im ganzen Reiche in Circulation. Geld ist in allen Bank⸗Instituten hier und in den Provinzen reichlich vor⸗ handen, und keine Verlegenheiten und Verwickelungen irgend einer Art drücken die Haupt⸗Branchen des Handels und der In⸗ dustrie. Davon nehmen wir selbst den Bau von zahlreichen Eisen⸗ bahnen nicht aus, für welche enorme Summen in Münzen und Bank⸗ noten wöchentlich in die Provinzen gehen, aber sich in unglaublich kurzer Zeit wieder in den Geld⸗Instituten der größeren Städte kon⸗ zentriren und auf diese Weise disponible Geldmassen immer aufs neue anschwellen. Der niedrigste Geldwerth ist nun für die besten Sekuritäten auf 3 ½ pCt. pro Anno anzunehmen. Schon seit einigen Wochen gehen mäßige Summen in Bullion nach Amerika und Frank⸗ reich. In letzterem Lande ist die Position der Bank von Frankreich so drohend, daß größere Geldsendungen von hier und sehr hoher Geldwerth in Frankreich höchst wahrscheinlich werden. Getraide steigt fast wöchentlich hier, in unseren Provinzen und in Frankreich, und es ist kein Zweifel, daß Alles, was der Osten von Europa, so wie Ame⸗ rika, davon werden liefern können, im Laufe der 6 Monate herbeige⸗ führt werden wird.

1a ien

Brüssel, 20. Jan. Nach der im vergangenen Oktober vor⸗ genommenen Volkszählung belief sich die Bevölkerung Belgiens da⸗ mals auf 4,337,719 Seelen. In Folge dieses Ergebnisses soll, nach dem der Legislatur vom Minister des Innern vorgelegten Gesetz, die Zahl der Repräsentanten um 13 und die der Senatoren um 7 ver⸗ mehrt werden. Von einer sonstigen Aenderung am Wahlgesetze ist keine Rede. Die Vermehrung betrifft zunächst die Provinz Brabant, besonders wegen des großen Anwachses der Bevölkerung der Haupt⸗ stadt, die künftig zwei Repräsentanten und einen Senator mehr haben wird. Nach der Provinz Brabant hat die Provinz Hennegau den meisten Zuwachs. Im Allgemeinen ist diese Vermehrung der Mit⸗ glieder beider Kammern so über alle Provinzen vertheilt, daß keine der beiden Parteien einen entschiedenen Vortheil dabei gewinnt und die beiderseitige Stärke ungefähr dieselbe bleiben wird. Das Gesetz wird schnell vorgenommen werden müssen, damit im Juni schon die

fen der Productionsländer eingeführt werden durfte. In Folge die⸗ 8 8 1—

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Wahlen danach von Statten gehen können. Eine Auflösung der Kammer wird, nach des Ministers Erklärung, hierzu nicht nöthig sein.

Zu St. Nicolas ist der ministerielle Kandidat, Herr E. de T'Serelaes, gewählt worden. Er erhielt 625 Stimmen, während der Kandidat der Opposition, Herr van Landeghem, nur 340 Stim⸗ men hatte.

Die Handelskammer von Berviers hat in einer Petition an die Kammer auf die Nothwendigkeit hingewiesen, daß die Ausfuhr⸗Ge⸗ sellschaft auch berechtigt werde, andere Erzeugnisse der Landes⸗In⸗ dustrie als Linnen auszuführen; dies müsse sie um so mehr für die Wollenfabrikate in Anspruch nehmen, als man die Convention mit Frankreich auf Unkosten der Industrie von Verviers abgeschlossen habe, während die Linnen⸗Industrie von jenem Vertrag gar keinen Vortheil ziehe. Die Ausfuhr⸗Gesellschaft müsse, um nützlich zu sein, alle Lan⸗ des⸗Erzeugnisse ins Auge fassen und auszuführen suchen.

Der General-Archivar Gachard hat vom Kaiser von Rußland den St. Stanislaus⸗Orden zweiter Klasse erhalten.

Es ist so eben ein öffentlicher Aufruf erschienen zu Unterzeich⸗ nungen für die Unterhaltung öffentlicher geheizter Lokale für die är⸗ meren Klassen; dieselben sollen unverweilt ins Leben gerufen werden. In Folge der ungewöhnlich strengen Kälte wurden in den letzten Nächten mehrere Personen auf öffentlicher Straße erfroren gefunden.

DänemarV h.

Kopenhagen, 19. Jan. In einem Artikel der zwar nicht eigentlich halboffiziellen, aber doch allgemein für ein Organ der Re⸗ gierungs⸗Ansichten geltenden Berlingschen Zeitung wird das ganze Volk aufgefordert, dem Könige in der ihm von der Sorglosig⸗ keit früherer Jahrhunderte auf seine Schultern gelegten, aber trotz seiner seltenen Welterfahrung, Einsicht und Bildung seine Kräfte und seinen Willen übersteigenden Aufgabe, die Integrität des Reiches zu bewahren, zur Seite zu stehen. Es wird den Meisten, welche ihr Beruf am meisten aufgesordert hätte, den kräftigen Willen des Kö⸗ nigs in den schleswig⸗holsteinischen Wirren zu unterstützen, Mangel an Pflichttreue vorgeworfen. Manche, die bisher noch nicht offen auf⸗ zutreten gewagt, hätten jetzt die Maske abgewerfen, und Eigenzweck und Trotz gegen die Absichten des Königs würden so weit getrieben, daß „man mehr und mehr anerkennen müsse, alle fernere Nachsicht sei eine schädliche und übelangebrachte Langmuth.“ Das dänische Volk das bezeugten auch die Aeußerungen der Stände hoffe, daß der König noch zu rechter Zeit Maßregeln beschließen und durch⸗ führen werde, welche den immer weiter um sich greifenden Bestrebun⸗ gen der Staatsfeinde ein Ziel setzten. e

Ztalien. 11“

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MNom, 7. Jan. (A. Z.) Am Lten d. ist der neue hier be⸗ glaubigte Gesandte des Königs von Sardinien, der Marquis Do⸗ menico Pareto, von Sr. Heiligkeit dem Papst empfangen worden, dem er die Ehre hatte, seine Kreditive als außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister beim heiligen Stuhl zu überreichen.

Die spanisch kirchlichen Angelegenheiten scheinen in letzter Zeit die ganze Aufmerksamkeit sowohl in Madrid als hier in Anspruch zu neh⸗ men, und wie man vernimmt, sind die Bemühungen des Don Castillo y Ayensa nicht fruchtlos gewesen, die Anerkennung mehrerer Bischöfe hier zu erwirken. Man sagt, der Mons. Brunelli, Secretair der Pro⸗ paganda side, werde in einer außerordentlichen Mission nach Madrid gehen. Dieser Prälat war bereits vor mehreren Jahren von Gre⸗ gor XVI. zu diesem ehrenvollen Auftrage ausersehen, aber die da⸗ maligen Veränderungen im spanischen Kabinet machten seine Abreise nach Madrid unmöglich.

Wegen Lissabon scheint man hier noch immer ohne festen Ent⸗ schluß, welchen Prälaten man dorthin als Nuncius oder Internuncius schicken will. Die Verhandlungen mit Rußland werden von dem Grafen Bludoff mit dem Kardinal Lambruschini eifrig betrieben, ohne daß man jedoch etwas Bestimmtes darüber mittheilen könnte.

Das Cirkular wegen Einsetzung des Gerichtshofes für Kriminal⸗ Prozesse wird hier noch immer besprochen und findet allgemeinen Anklang. Nun 32 der Rota auch eine Reform bevor, nach welcher die Richter einen festen Gehalt erhalten, dagegen sollen viele Spor⸗

kular an alle Verwaltungs⸗Behörden des Staats verpflichtet diese

Dienstjahre, der einzuschicken. 8

Arbeitszeit und des Gehalts, dem Staats⸗Secretair

Handels- und Börsen-Nachrichten. Berlin, 23. Jan. 3

fentlichen Fonds in letzter Zeit sortdauernd stark im Weichen blieben Nachdem aber zuversichtlich kein politischer Grund vorlag, so gab man hie wenig auf den Stanv der auswärtigen Notirungen, auch am wenigsten maßgebend für uns sein, nisse im Auslande, durch bedeutende Geldsendungen nach Deutschland,

bessert haben. Mit dem Ueberfluß an Geld und den Erleichterun⸗ gen, welche dem Actien⸗Verkehr im Allgemeinen mehrte Beleihungs⸗Kapital seitens der preußischen Bank gewährt wor den, hat sich auch der Coursstand für Actien gebessert und befestigt. Nichtsdestoweniger bleibt es der Natur des Börsengeschäfts eigen, sich nach den finanziellen Bewegungen des Auslandes zu richten, und solche konnte denn auch im Laufe dieser Woche ihre nachtheiligen Wirkungen nicht ver fehlen, sondern veranlaßten ansehnliche Reactionen. Ohne Zweifel ren solche noch bedeutender gewesen, wenn nicht inzwischen durch neue

Ueberdem müssen wir noch als bemerkens⸗ werth hervorheben, daß unsere Börse nur wenig für die inklinirt, desto stärker aber bei der Hausse engagirt ist und Gelegenheit ergreift, um ein Steigen der Course zu motiviren, wozu es jetz eben so wenig an Machinationen fehlt, als dies früher bei der starken Baisse der Fall war. Die Aufregung einzelner Börsentage ist daher seh bedeutend, und eben so natürlich entstehen dadurch häufige und ansehnlich Schwankungen, wie dies namentlich gestern und heute vorkam, ohne den Geschäft eine allgemeinere Ausdehnung zu geben. selbe hauptsächlich nur auf große Umsätze in Köln⸗Minden, während di wenigsten anderen Actien⸗Gattungen im Verkehr waren.

Im Allgemeinen stellten sich sämmtliche Course unserer und der frem⸗

à la hausse entwickelt hätten.

heutige Börse konnte nicht die steigende Tendenz behaupten, Stimmung mehr fest als ungünstig blieb.

Köln⸗Minden schließen 93 ¾ % bez. und Brf. Niederschlesische 90 ¾ % Brf. Halle⸗Thüringer 97 % Geld. Pesther 100 % Brf. und bez. Star⸗ gard⸗Posen 87 ½ % bez. und Brf. Friedrich Wilhelms Nordbahn 75 ¾ % bez. u. Brf. Aachen⸗Mastricht 88 ½ %. Bergisch⸗Märkische 88 ¾ Brf., 88 Geld, Kiel⸗Altona 110 % Brf. Berlin⸗Hamburger 99 % bez. In allen übrigen Actien ist bei ziemlich unveränderten Coursen wenig gemacht.

Unsere preußischen Staatsschuldscheine, fortwährend begehrt, bleiben 94 bez., Prämienscheine 93 ½ Geld.

In fremden Fonds war das Geschäft bei unveränderten Coursen höchst unbedeutend.

Prioritäts-Actien wurden, namentlich von Potsdam⸗Magdeburger 5proz., in großen Posten gekauft; dem Vernehmen nach, sind 5proz. Nie⸗

theurer bezahlen muß, sich steigert.

Von Wechseln blieb London und Wien flau; erstere Devise stellte sich um circa ¼ Sgr. niedriger; steigend. Paris fest und Amsterdam ebenfalls gut zu lassen.

* Frankfurt a. M., 21. Jan. einigen Tagen in einer flauen Stimmung, und namentlich gingen heute die Course, vornehmlich die der Eisenbahn⸗Actien, auf die niedrigere pariser Noti⸗ rung vom 18ten fühlbar zurück. Die Taunus⸗Eisenbahn⸗Actien fielen 3 Fl. pr. Stück, auf 373 ½ Fl., und die Spekulanten hegen einige Besr. niß wegen der politischen Constellation, aber gewiß ohne Grund. Das baare Geld ist fortdauernd abundant, der Diskonto steht 3 ¾ %.

Auswärtige Börsen.

Amsterdam, 20. Jan. Niederl. wirkl. Sch. 58 ⅛. 5 % Span. 19 ½¼. 3 % do. 36. Pass. —. Zinsl. —. Preuss. Pr. Sch. —. 4 % Russ. Hope 87 ½.

Antwerpen, 19. Jaun. Zinsl. —. Neue Anl. 19 ¼.

Frankfurt a. M., 21. Jan. 5 % Met. 107 ½. ½. Bank-Actien p. ult. 1898.1896 Bayr. Bank-Actien 653 Br. Hope 87 Br. Stiegl. 86 Br. Int. 58 ½. P. Poln. 300 Fl. 99 ¾ G. do. 500 Fl. 79 ¼½. ½.

Hamburg, 22. Jan. Bank-Actien 1570 Br.

Ausg. —. Poln. —.

Bngl. Russ. 105 ½ Br.

teln wegfallen und so di 8 i gfocen gat so die Prot⸗ ßen verringert werd Ein Ci

Londo n., 19. Jan. Cons. 3 % 92 ½. 92. Belg. —. Passive 5 ½. ½. Ausg. Sch. 17 ½. 16 ½. 2 ½ % Holl. 58 ¼. 58. Port. 35. 34. Eugl. Russ. —. Bras. 87. 85. Chili —. Peru 40. 38.

Wien, 20. Jan. 5 % Met. 108 ⅛. 4 % do. 99. 3 % do. 72. Bank- Actien 1570. 68. Anl. de 1834 157 ½. de 1839 119 ¼. Nordb. 176. Gloggn. 133 ½. Mail. III4¼. Livorn. 96. Pest. 100 ½. Budw. —.

Neue Anl. 25. 24 ¼. 4 % do. 93. 92. Mex. 22 ½. 22 ½.

Meteorologische Beobachtungen.

1847. 23. Jan.

Abends 10 Uhr.

Nachmittags 2 Uhr.

Nach einmaliger Beobachtung«,

Morgens 6 Uhr.

Luftdruck. 337,030) Par. /337,00% Par. 336,930 Par. Quellwärme 7,70 R. 4,9⁰° R. 3,7°9 R. 5,5 ° K. Flusswärme 0,0°R. 6,0° R. 6,3 °) h. 6,7⁰° R. Bodenwärme 3,4 R. Dunstsättigung. 88 pet. 79 pCt. 89 pct. Ausdünstung 0,003 Rh, Wetter halbheiter. halbbeiter-. halbheiter. Niederschlag 0. Winnd.... 0. 0. 0. Wärmewechsel 3,50 Wolkenzug 0. 6,6° Tagesmittel: 336,99Par. 4,709 R. 6,3⁰°9 R. 85 pCt. 080.

Luftwärme ... Thaupunkt....

Königliche Schauspiele.

Montag, 25. Jan. Im Schauspielhause. 15te Abonnements⸗ Vorstellung. Zum erstenmale: König René's Tochter, lyrisches Drama in 1 Akt, nach dem Dänischen von H. Hertz. Hierauf: Das Liebes⸗Protokoll, Lustspiel in 3 Abth., von Bauernfeld.

Dienstag, 20. Jan. Im Opernhause. 11te Vorstellung: Die Hugenotten, Oper in 5 Abth., nach Scribe, übersetzt von Castellt. Musik von G. Meyerbeer. Ballets von Hoguet. (Mad. Viardot⸗Garcia: Valentine.) Anfang 6 Uhr. Zu dieser Vorstellung werden Billets zu den hohen Opernhaus⸗ Preisen verkauft, und bleiben die dazu bereits gekauften, mit Sonn⸗ tag bezeichneten Opernhaus⸗Billets zum Dienstag gültig; auch werden die zu dieser Oper noch zu verkaufenden Billets mit Sonntag be⸗ zeichnet sein. 88

Im Schauspielhause. 26ste französische Abonnements⸗Vorstellung. Un Duel sous le Cardinal de Richelieu, drame en 3 actes, de Mr. Lockroy; Gabrielle, ou: les aides-de-camp, comédie-vande- ville en 2 actes, de Mr. Ancelot. Le spectale annoncé pour la rentrée de Mr. Saint-Aubin n'a pas lieu pour cause d'indis- position de Mlle. Roland.

Mittwoch, 27. Jan. Im Schauspielhause. 16te Abonnements⸗

Vorstellung: Donna Diana, Lustspiel in 4 Abth., nach dem Spani⸗ schen des Don Augustin Moreto, von West.

Verantwortlicher Redacteur Dr. J. W. Zinkeisen. 1

ten Im Selbstverlage der Erxpedition.

ckt in der Deckerschen Geheimen Ober⸗Hofbuchdruckerei.

Abonnements⸗

I1“

ein genaues Verzeichniß des Beamten⸗Personals, mit Angabe der

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1

.2. Die Aufmerksamkeit unserer Spekulanten war meistens auf die Börsen von London und Paris gerichtet, woselbst die öf⸗

und durften solche als gerade die Geldverhält-

mißlich geworden sind, während die unsrigen dagegen sich bedeutend ver⸗

durch das ver⸗-

Operationen an der wiener Börse die Course der dortigen Bahnen ansehn- lich gestiegen wären und die günstigen Berichte von daher neue Thätigkeit

Baisse jede

Es beschränkte sich das⸗

den Actien um ca. 1 ½ % niedriger, als bei Beginn dieser Woche, und die wiewohl die

derschlesische bereits sämmtlich begeben, daher man solche aus zweiter Hand und wodurch der Begehr nach Potsdam⸗Magdeb.

dagegen bleibt Hamburg in beiden Sichten

Unsere Börse befindet sich seit

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d HSZa 27† 87 1106881985408 n

No 25.

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E 8 8 Beilage zur Allgemeinen

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Preußischen

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Zeitung. Montag den 25⸗en Januar.

Inhalt.

Frankreich. Paris. Die Frage über das Verfahren der Kabinette von Paris und London in Bezug auf die spanischenl Heirathen.

Salon⸗Gerüchte über die spanischen Angelegenheiten. Interventions⸗

Fruaage in Betreff Spaniens. Die Bank⸗Maßregeln. Schreiben aus

5 Paris. (Die Diskonto⸗Erhöhung der französischen und der englischen

Blank, ihre Ursachen und Folgen.)

Schweiz. Kanton Luzern. Zeitungs⸗Censur. Kanton Genf. Großraths⸗Beschluß. Kanton Waadt. Bericht über das Verhalten des Staatsraths gegen Genf und Freiburg.

Griechenland. Athen. Verhältniß Griechenlands zu den fremden Mächten.

Türkei. Konstantinopel. Halttischerif des Sultans. Straßen⸗Be⸗ leuchtung. Stamatiades.

fr h H gai th.

Paris, 19. Jan. Es sind hauptsächlich zwei Punkte in den Depeschen Lord Palmerston's, auf welche Herr Guizot sich stützt, um der französischen Regierung das Recht zuzusprechen, sich ihrer frühe⸗ ren Verpflichtungen in Bezug auf die spanischen Heirathsfragen für los und ledig zu betrachten: die Aufstellung des Prinzen Leopold von Sachsen⸗Koburg unter den Heiraths⸗Kandidaten, in der Depesche vom 19. Juli, und die Erklärung in der vom 22. August, daß unter den spanischen Prinzen Don Enrique der Einzige sei, der sich durch seine persönlichen Eigenschaften zum Gemahl der Königin von Spa⸗ nien eigne. Obgleich in der ersteren nichts enthalten ist, was dem britischen Gesandten in Madrid angedeutet hätte, daß er den kobur⸗ gischen Prinzen vorzugsweise empfehlen und unterstützen solle, und obgleich Lord Palmerston selbst gegen eine solche Auslegung seiner Depesche in einer späteren, vom 22. September, entschieden protestirt, glaubt Herr Guizot doch schon aus der bloßen offiziellen Erwähnung und Voranstellung dieses Prinzen, so wie aus der Bezeichnung Don Enrique's als des einzigen möglichen Kandidaten unter den spanischen Prinzen, während Lord Palmerston doch sehr wohl gewußt habe, daß gerade dieser, wegen seines früheren Verhaltens und seiner politischen Verbindungen, von der Königin Isabella gewiß nicht werde gewählt

erden, folgern zu müssen, daß es die Absicht des englischen Mi⸗ nisters gewesen, die Verbindung mit dem Prinzen von Koburg her⸗ beizuführen. Herr Guizot beruft sich nun, um nach diesen Schluß⸗ Folgerungen das Verfahren der französischen Regierung zu rechtferti⸗ gen, auf die dem Grafen Aberdeen unterm 4. März mitgetheilte Denkschrift vom 27. Februar, in welcher erklärt war, daß Frankreich, falls ein nicht bourbonischer Prinz als Heiraths⸗Kandidat erscheinen soute, sich an sein Wort nicht weiter gebunden halten würde. Von dieser Denkschrift aber will Lord Palmerston nichts wissen, er hat im auswärtigen Amte keine Spur davon vorgesunden, er nennt dies einen angeblichen „Handel“ (marché), zu welchem in dem Verhältniß zwischen der Verwandtschaft des Prinzen von Koburg mit der engli⸗ schen Königsfamilie und der des Herzogs von Montpensier mit der französischen kein hinreichender Grund gelegen hätte. Dieser Aus⸗ druck, so wie der Vorwurf, daß von Seiten Frankreichs ein „mora⸗ lischer Zwang“ ausgeübt worden, um die Königin Isabella zur Wahl des Herzogs von Cadix, ihres nunmehrigen Gemahls, zu nöthigen, wird von Herrn Guizot mit besonderer Entrüstung zurückgewiesen. Erwähnt ist schon der eben so energischen Protestation des französi⸗ schen Ministers dagegen, daß Lord Palmerston die Person des Kö⸗ nias mit in die Debatte zieht, dessen Einwendungen (les objections üvimées par le Roi des Français) gegen den Prinzen Leopold on Koburg er an einer Stelle seiner Depeschen „unvernünftig, un⸗ ’cht und staatsrechtlich unhaltbar“ nennt. Was nun jenes Me⸗ morandum betrifft, so giebt Herr Guizot zu, daß der Inhalt dessel⸗ ben dem Grafen Aberdeen nur mündlich mitgetheilt worden. „,S könnte fragen“, entgegnet er dann aber, „ob sich im auswärtigen Amt eine Spur von den in Schloß Eu (von Seiten Frankreichs) einge⸗ gangenen Verpflichtungen vorfindet? Ich will dies jedoch nicht thun. Ich will diese Verpflichtungen darum nicht beseitigen, weil Lord Palmerston sie nicht im auswärtigen Amte einregistrirt gefunden. Zwischen Regierungen, die zu einander gegenseitig Vertrauen und Achtung hegen, werden die Verhandlungen oft ohne offizielle Aktenstücke geführt. Es giebt sogar Umstände, wo dies für sie eine hohe Schicklichkeit und folglich eine Pflicht ist. Von dieser Art war die Frage hinsichtlich der spanischen Heirathen. Es war dies eine Frage wesentlich innerer Art für Spanien, und bei der es sich um seine Unabhängigkeit und Würde handelte. Lord Aberdeen und ich, u wir gemeinschaftlich unser Verhalten hiernach richten wollten, zlaubten daher nicht, daß diese Frage zwischen uns für gewöhnlich

r Gegenstand einer offiziellen Korrespondenz sein dürfe; wir dachten swicklicher für Spanien und für uns selbst zu handeln, wenn wir uns in vertrauliche Mittheilungen einschlössen, die unser gegenseitiges Ver⸗ raue, natürlich und leicht machte.“ Ueberhaupt sucht Herr Guizot beständig das gute Verhältniß, in welchem Frankreich und England zu einander gestanden, als Lord Aberdeen Minister war, dem Beneh⸗ men Lord Palmerston's entgegenzuhalten. Welches Gewicht der Erstere (Lord Aberdeen) auf die in dem französischen Memorandum enthaltenen Erklärungen gelegt, ist aus den bis jetzt veröffentlichten Altenstücken nicht zu ersehen und wird sich vielleicht erst 1 b englschen Parlaments⸗Debatten ergeben; so viel aber . au dem nachträglich den Kammern vorgelegten Schreiben desse 8 8* den spanischen Gesandten in London hervor, daß er Frankreich das Recht der Ausschließung irgend eines nicht bourbonischen Kandidaten, wenn ein solcher die eigene Wahl der spanischen Regierung gewesen wäre, reinesweges zugestehen wollte, sondern im Gegentheil den bloßen Gedanken daran von Seiten Frankreichs für eine Unmöglichkeit er⸗ klärte. Dagegen findet sich andererseits in dem, was aus Lord Aber⸗ deen's diplomatischen Verhandlungen bekannt geworden, allerdings weder eine Hindeutung auf den Prinzen von Koburg, als eventuellen Fandidaten, noch auch eine so ausschließliche Erklärung für Don En⸗ ngue unter den „spanischen“ Heiraths⸗Kandidaten, wie in den De⸗

en Lord Palmerston's. 1 beschea zren⸗ * Fabinette ist es, welche jetzt besonders hervorgeho⸗ ben zu werden und wogegen die staatsrechtliche, aus den Verträgen von Utrecht abgeleitete Frage mehr zurückzutreten scheint.

Ein leitender Artikel des Commerce hält es für mehr als wahrscheinlich, daß Lord Palmerston in seiner Ansicht von der Hei⸗ rathsfrage die lebhafteste Unterstützung im Parlament finden werde. Daraus wird gefolgert, daß Guizot's Rücktritt vom Staatsruder un⸗ vermeidlich sei, wenn Frankreich mit England in Frieden bleiben wolle. Aber auch selbst, wenn es zum Kriege kommen sollte, wird hinzuge⸗ fügt, sei Guizot nicht der Mann dazu, das Ruder zu führen. Der ganze Zweck dieser Folgerungen ist jedoch nur, Herrn Thiers zuletzt als den Unvermeidlichen zu bezeichnen, denn Graf Molé werde durch seine Vorliebe für die Allianz mit Rußland ausgeschlossen, von der in diesem Augenblick unmöglich die Rede sein könne, und die Politik der Halbheit und des Hinhaltens, welche die Herren Dufaure und Bil⸗ lault befolgen zu wollen schienen, sei auch nicht zu brauchen; so bleibe denn Niemand als Herr Thiers, der die englische Allianz, den Kon⸗ servatismus und den Frieden wolle, aber unter würdige

Diese Streitfrage über das beiderseitige

gen, Herr Thiers, der echte Sohn der Juli⸗Revolution, der seinen Ursprung nie verleugne. Bedeutungsvoller ist ein Artikel des Por⸗ tefeuille, als eines der Regierung ergebenen Blattes, welcher zuerst von der Spaltung in der Opposition spricht und bemerkt, daß der neue Tiers⸗parti der Herren Dufaure und Billault, der in einer An⸗ zahl von etwa 40 Deputirten den Herren Thiers und Barrot gegen⸗ übertrete, nicht als Bundesgenosse des Kabinets gelten könne, da er mehr als ein Gegner, nämlich ein nach dem Staatosruder strebender Nebenbuhler desselben sei. Dann aber gesteht das Blatt ein, daß auch unter der konservativen Partei bedeutende Differenzen eien.

viin. ser glauebn“, fährt es fort, „daß diese Differenzen nur vor⸗ übergehend sind, und daß dieselbe sich nach der Krisis in ihrer imposanten Stärke und in ihrer Gleicharligkeit wiederherstellen wird. Ueber eine an⸗ sehnliche Majorität gebietend, hat sie die Macht in Händen, und wenn sie einwilligt, diese Macht zu theilen, so geschieht es, weil jener Geist der Ver⸗ sohnung sie bescelt, der das Attribut wahrer Kraft ist. In Tagen der An⸗ strengung und Mühe hat die konservative Majorität, die oft auf die zu ihrer Existenz streng nothwendige Zahl reduzirt wae, durch den sie auszeich⸗ nenden bewundernswerthen Geist der Disziplin sich am Ruder erhalten, denn sie hat sich mit den Bedingungen der Gewalt vertraut gemacht, und die Regierung scheint für sie geschaffen, weil sie deren Bedürfnisse kennt und ihre Wissenschaft besitzt. Diese Macht wird sie zu bewahren wissen. Aber vermoöge eines wunderbaren Instinkts für die politischen Nothwendigkeiten glaubt eine nicht geringe Anzahl ihrer Mitglieder, daß es ihre Pflicht sei, die Verwickelungen einer mißlichen Lage zu entwirren und zum Besten des Landes ehrenvolle Neigungen und jene in Zeiten der Prüfung geknüpften Bande, die aber in Regierungs⸗Angelegenheiten niemals unlösbar sind, zum Opfer zu bringen. Sie würden mit Hingebung an jene Politik der Ordnung und Erhaltung, die ihre lebhaftesten und waͤrmsten Sym⸗ pathieen für sich hat, so handeln, und mit der Absicht, gleich nach Lösung der Schwierigkeiten wieder in die Regierungsreihen zurückzukehren. So viel ist gewiß, daß ein Manöver, welches etwa 25 oder 30 Stimmen in die Opposition hinüberführen möchte, keine Gefahr haben würde, denn nicht nur würden diese Stimmen durch diejenigen ersetzt werden, die der Politik der Regierung beitreten würden, sondern es ist auch die Majorität so stark, daß ein neuer Abfall sie nicht merklich schwächen und daß sie einer zweiten Coalition wohl trotzbieten könnte. Die Linke, mit den Unzufriedenen ver⸗ bündet, würde nicht im Stande sein, dem Gange der Regierung Hindernisse in den Weg zu legen und die Bestrebungen der Masorität zu lähmen. Die Regierung des Königs kann daher, wenn jener Fall eintritt, in der Aus⸗ übung ihrer Prärogative nicht gestört werden. Ist es ihr zuträglich, sich andere Organe zu geben, so wird sie die größtmoögliche Freiheit haben, dies zu thun, denn der treffliche Geist der Masorität und die Macht, über welche dieselbe gebietet, wird ihr die Aufgabe vollbringen helfen, welche der Weisbeit der Krone durch die Umstände auferlegt werden möchte.’”“

In den politischen Salons hat sich, dem Esprit public zu⸗ folge, das Gerücht verbreitet, daß die nordischen Höfe sich mit Eng⸗ land über die spanische Frage geeinigt und zusammen beschlossen hät⸗ ten, das Kabinet der Tuilerieen zur Verzichtleistung auf die Thron⸗ folge für den Herzog und die Herzogin von Montpensier in Spanien aufzufordern. Die Anwesenheit des Grafen Montemolin in London hätte die Anträge Englands sehr begünstigt, und die Mächte wären nun geneigt, die eventuellen Rechte dieses Prinzen nicht nur anzuer⸗ kennen, sondern auch zu proklamiren, indem sie denselben als den recht⸗ mäßigen Erben der Königin Isabella betrachten würden. Wenn sich dies bestätige, fügt das genannte Blatt hinzu, so würde es das wichtigste Ereigniß nach der Juli⸗Revolution sein.

Das Journal des Débats bemerkt über die letzten Maß⸗ regeln der französischen Bank: Außer der Zinserhöhung habe die⸗ selbe 20 Millionen Fr. von englischen Häusern auf 3 Monat gelie⸗ hen, wobei die englische Bank mitgewirkt, indem sie auf die Unter⸗ schrift der englischen Häuser für 20 Millionen Silberbarren hergege⸗ ben habe, und zwar auf billige Bedingungen hin. Von der Erhö⸗ hung des Diskonto⸗Satzes erwartet die Bauk, daß die Diskontirungen vermindert und daß mithin weniger Banknoten ausgegeben würden. Zu diesen Maßregeln habe sich die Bank durch die Verminderung ihres Baarvorraths gedrungen gesehen, die sich zu Paris auf 72 Millionen Fr. und, die Filialbanken eingerechnet, nur auf 90 Millio⸗ nen belaufenz mit dem zu London Erhaltenen habe man kaum die Hälfte des sonstigen Reserve⸗Satzes, und habe die Bank früher zu viel baares Geld vorräthig gehabt; ein Baarvorrath von 100 Mil⸗ lionen, bei einer Noten⸗Circulation von 270 Millonen, sei vollkom⸗ men genügend. Ungewißheit und Besorgniß herrsche aber deshalb, weil man nicht genau wissen könne, wie groß die Bedürfnisse des Handels in den nächsten Zeiten sein würden; die großen Getraide⸗ Bedürfnisse bedingten eine bedeutende Ausfuhr noch an baarem Gelde, die gar nicht durch Waaren gedeckt werden könne. Der Geldvorrath der englischen Bank müsse auch bedeutend abnehmen, und ein Glei⸗ ches würde sich hier dann fühlbar machen. Man könne nicht wissen, ob Frankreich Getraide genug bis zur nächsten Aerndte habe; der Weizen sei es nicht allein, der mißrathen, sondern auch andere Ge⸗ traide⸗Arten, so daß man schwer angeben könne, wie viel fremdes Getraide noch einzuführen sei. Zum Glück sei Weizen genug im Auslande zu haben, dafür müsse man aber baares Geld zahlen; dies würde neue Verlegenheiten der Bank erzeugen, die durch Vorsicht und mit Hülse der Regierung zu überwinden sein dürften. Man müsse sich auf solche Fälle gefaßt machen. Nichtsdestoweniger sei in Frankreich mehr baares Geld als anderswo und nach glaubwürdiger Abschätzung dreimal so viel als in Großbritanien in Umlauf. Es sei einmal in Frankreich Sitte, daß jeder zu eigenem Gebrauche eine ge⸗ wisse Baarsumme zurücktege, daß man Geld aufspeichere, und so komme es denn, daß bei Ueberfluß an Baarmitteln es scheine, als häͤtte man Mangel. Das letzte Sparkassengesetz habe auch die Ein⸗ lagen nicht fördern können und die Folge gehabt, daß kleine Einle⸗ ger seltener geworden, so daß dies Geld in Privathänden bliebe und somit nicht in die Hände der Banken komme. Nach alledem sei die Finanzlage des Landes nicht als gefährdet zu betrachten, wohl aber ungewoöhnliche Wachsamkeit erheischend; die Bank müsse gegen alle Falle auf ihrer Hut sein. Der National spricht sich stark gegen die D Erhöhung der Bank aus, welche nach ihm nur zum Vorthei Kapv talsten beschlossen worden, die dazu hinge⸗ rde dadurch gewonnen, nur Handel und Ge⸗ 1 und die Bank würde dadurch nicht mehr Geld erh der Staat sein Geld großentheils aus den Haͤnden der Bank zurüseezogen, könne auf die Lage der Bank keinen Einfluß haden, da ite Kepital sich nicht vermindert, ihre Bank⸗ noten sich nicht vermehnt dätter. Gerade ihre Maßregel müsse eine Handels⸗Kriste erzeuger, seert emer Krisis vorzubeugen. Wolle sie dem vorbeugen, so möge fe rosch den Diskonto wieder auf 4 pCt. herabsetzen, da sie nar emn Drittel der Noten in Baarem vorräthig zu haben brauche, um sicher zu sein. Der Commerce sagt dage⸗ gen, man habe den Zinsfuß erhoöht, weil man davon erwarte, daß die Kapitalien dadurch wieder auf den Markt zurückkehren würden und auf diese Weise wieder Ueberfluß an Geld vorhanden sein werde.

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Cskonto⸗ der g drängt dätten; nich werde müßten

I Paris, 19. Jan. Nach langem Zaudern, nach vielen und lan- 8 Erörterungen ist die Bank von Frankreich erst zu dem definitiven Be⸗

erhöhen. Noch ist aber die Frage, ob sie nicht vielleicht eben durch ihr Zau⸗

dern das Uebel, dem sie vorbeugen wollte, nur verschlimmert hat.

Die Bank fürchtete den Handel und die Industrie zu stören, wenn

sie einen solchen Beschluß faßte. Aber die Ungewißheit über die

Entscheidung, die sie treffen würde, wirkte ebenfalls lähmend ein,

und der Aufschub hatte auch seine direkten Nachtheile. Die Noth⸗

wendigkeit des Schrittes war endlich von der Bank⸗Verwaltung an⸗

erkannt worden; aber da erhob sich eine neue Kontroverse. In

welchem Maße sollte man den Zinsfuß erhöhen? Nur um ein halbes

Prozent, meinten die Einen, um ein ganzes Prozent meinten die

Anderen, und diese ließen selbst die Ansicht durchblicken, daß vielleicht

später, wenn die kritischen Umstände nicht beseitigt werden 2 noch eine weitere Maßregel nöthig werden könnte. Lebhaft wurde die eine Meinung wie die andere vertheidigt, endlich erlangten aber doch die Wortführer für die Erhöhung sogleich um ein ganzes Pro⸗ zent die Oberhand, und die Maßregel trat ins Leben. Allerdings läßt sich nicht verkennen, daß sie so mehr Aussicht auf Erfolg 5 sich hat, als wenn man auf halbem Wege stehen geblieben enn ein Zinsfuß von 4 ½ pCt. hätte den Ländern, wo man⸗ 6 pCt. für das Geld zahlen muß, immer noch eine hinreichende Ersparniß ge⸗ boten, als daß sie nicht nach wie vor aus der Bank von Frankreich Geld zu erhalten gesucht hätten. Das Uebel für die Bank wãre also durchaus nicht beseitigt gewesen, während andererseits dem in⸗ ländischen Handel und der Industrie die nichts weniger als erfreuliche Aussicht sich bot, die Bank bald um noch ein volles Prozent ihren Zinsfuß erhöhen zu sehen. An der Börse scheint man sich keine

recht klare Idee von dem Belang und der Bedeutung der nun be⸗ schlossenen Maßregel haben machen zu können. Sie fand viele Gegner,

weil man darin ein Hemmniß für den kommerziellen und industriellen

Verkehr erblickte. Daher trat, als die Ankündigung von dem bevor⸗

stehenden Beschlusse erfolgte, der starke Fall von 50 Fr. im Stande

der Bank⸗Actien ein; am folgenden Tage, als der Beschluß wirklich

gefaßt war, schien man von den Besorgnissen Zzurückgekommen, und die, Folge war, daß die Bank⸗Actien die 50 Fr., welche sie Tages zuvor verloren hatten, wieder gewannen. Man schien erkannt zu haben, daß es für den Handelsmann vorzuziehen sei, seine Billette zu 5 pCt. unterzubringen, als die Diskontirung der⸗

selben von der Bank gänzlich verweigert zu sehen, sobald die Verfallzeit den Zeitraum von sechzig Tagen überstieg. Man schien ferner zu erkennen, daß der Abfluß des baaren Geldes nach dem Auslande offenbar abnehmen müsse in Folge der getroffenen Maßregel, daß also auch in gleichem Maße der Mangel an baarem Gelde im Inlande sich vermindern und der Umlauf desselben erleichtert werden muüͤsse. Aber am darauf folgenden Tage schon (am Freitag) hatten die Besorgnisse für die Zukunft wieder die Oberhand gewon⸗ nen, und aufs neue siel die Rente beträchtlich und zog alle anderen Papiere nach sich, bis endlich am Sonnabend auf die Nachrichten von dem Falle der Course an der londoner Börse, in Folge der Erhöhung auch des Zinsfußes der englischen Bank, ein allgemeiner panischer Schrecken eintrat, dessen Wirkungen in dem enormen Falle aller Staats⸗ und Eisenbahn⸗Papiere sich kundgaben. Die Maßregel der englischen Bank kam unerwartet schnell, kann aber Niemand befrem⸗ den. Vor Allem ist es eine bekannte Thatsache, daß die Verhältnisse in England überhaupt anderer Natur sind, als in Frankreich, daß die englische Bank stets den Grundsatz befolgte und übte, ihren Zinsfuß je nach den gerade obwaltenden Umständen zu regeln, höher oder niedriger zu stellen, im Gegensatze zu der Bank von Frankreich, welche bisher an Aufrechthaltung eines gleichförmigen Zinsfußes in guter wie in schlimmer Zeit festgehalten hatte. Wenn die englische Bank aber jetzt den Augenblick zu einer Erhöhung ihres Zinsfußes gekom⸗ men glaubte, so beweist dies nur von ihrem richtigen scharfen Blick in Würdigung der Lage der Dinge in Gegenwart und Zukunft und von ihrer weisen Vorsorge, welche es vorzieht, dem Uebel, wenn sie es drohend glaubt, vorzubeugen, als erst dem wirklich eingebrochenen abzuhelfen. Sie faßte ihren Beschluß unmittelbar, nachdem die Nach⸗ richt von Erhöhung des Zinsfußes der Bank von Frankreich ihr zu⸗ gekommen war, denn es konnte ihr nicht entgehen, welche Rückwir⸗ kung der Beschluß der französtschen Bank auf England haben mußte. Wenn die Handels⸗ und Geldplätze der Nachbarstaaten Frankreichs bei der französischen Bank nicht mehr mit der bisherigen Leichtigkeit sich Geld verschaffen können, so ist es natürlich, daß sie sich nach einer anderen Quelle umsehen werden, aus der sie schöpfen können. Eine solche Quelle böte ihnen aber nur England dar, wo bis jetzt, trotz vielfacher schwierigen Verhältnisse, der Vorrath an baarem Gelde noch nicht in einem den Umlauf störenden Grade abgenommen hat. Das Verlangen nach baarem Gelde würde also bei der englischen Bank in dem⸗ selben Maße zugenommen haben, als es bei der Bank von Frankreich abnehmen wird, und das in dem Augenblick, wo auch von England bereits so enorme Summen für Getraide ins Ausland geflossen sind, wo die unbeschreibliche Hungersnoth in Irland noch gar nicht den Belang der noch weiter anzukaufenden Quantitäten Getraide, also auch nicht der dafür zu machenden Ausgaben, bemessen läßt, die Bank also nicht voraussehen kann, wie weit ihre eigenen Baar⸗Vorräthe für die Anforderungen hinreichen werden. Auch der Umstand, daß schon die Bank von Frankreich ihrer Beihülfe bedurfte und wahr⸗ scheinlich noch ferner bedürfen wird, mußte auf ihre Entschlüsse maß⸗ gebend einwirken, und man darf sich darauf gefaßt machen, die eng⸗ lische Bank in vielleicht nicht ferner Zeit schon eine noch weitere Er⸗ höhung ihres Zinsfußes vornehmen zu sehen, wenn die Umstände eine solche erfordern. Sehr bemerkenswerth ist die Festigkeit, welche bis⸗ her die Eisenbahn⸗Papiere dem Fallen der Rente gegenüber auf dem Platze behauptet hatten: sie wurden davon berührt, das konnte nicht fehlen, aber nur in sehr geringem Maße, bis im Augenblicke des panischen Schreckens auch sie endlich dem allgemeinen Drange nicht mehr zu widerstehen vermochten.

SNi1

Kanton Luzern. Die fremden Zeitungen dürfen nicht eher von der Post ausgegeben werden, als bis die Polizei⸗Direction sie durchgelesen hat.

Kanton Genf. Die provisorische Regicgung dos vesagnus,

liedern des abgetretenen Staats⸗Rathes den Gro 4 gonah sie den Schaden der Oktobertage zu ersetzen des zecfeeans sen. Elf Staatsräthe haben sich geweigert, diesem g

1 28 ; gelegt wurde, be⸗ zu leisten. Der Große Rath, dem die 889⸗ Seeaeeah. Ne⸗

loß, eine Einladung an die abgetreten E“ zu richten, 8. ge descase, anunenesg. Sollte dies nicht geschehen, so solle der Staats⸗ G 1 Rathe einen Dekrets⸗Entwurf Eee vn —— äuft si 2,000 Fr. Die 1 Summe beläuft sich auf 42, vSe.⸗ welche ee vor schlechten Rath⸗

; erlassen, du

en abwarten. Hvee Waadt. Am 15. Januar wurde dem Großen

Bedingun⸗

schlusse gelangt, den Zinsfuß für ihre Diskontirungen von 4 auf 5 pCt. zu

nach ae Benah des Staats⸗Rathes über die letzten Vorgänge in