1847 / 76 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

sumenten glaubten, die große Nachfrage noch steigen müsse.

bats sagt in einem Artikel über die Theurung: gien noch mehr; in England ist

Steigerung in einer Zeit des Ja 1 vne.- Schwierigkeiten hat, überrascht damit bekannte Personen nicht,

und so lange nicht größere

der Lebensmittel in weiten Kreisen zu Einschränkungen in anderen Ver⸗

wendigsten wird.

Gemeinden aufgefordert, ihr darin beizustehen, und diese haben sie

nicht im Stich gelassen. 1 wandes getragen und der Staat das Uebrige dargeliehen; man wird

verlangen. Für die Zukunft aber wird man sich durch die gemachten Erfahrungenwar⸗ nen lassen, und in mehr als einer Beziehung. daraus der Beweis, ime man die Nationen von einander zu isoliren sucht, nicht blos ein Irr⸗

Theorie von der chinesischen Mauer, nach welcher man den nationa⸗ uns das Getraide Amerika's, der Ostsee⸗Häfen, des Schwarzen Mee⸗

war allem an dessen Stelle Gesetzten vorzuziehen. Die wechselnden Ge⸗ traidezölle haben die Probe nicht bestanden.“ Das Journal des

möge, ohne der Regierung Vollmacht zur Verlängerung der freien

zu verabfolgen.

terstützen.

as Steigen der Getraidepreise rühre nicht sowohl von unzul nglichen Vorräthen her, als von den allgemeinen Befürchtungen, da die Kon⸗ es würde später an Getraide fehlen und daher lles wegkauften, so daß die Getraidehändler auf dem Lande immer höhere Preise forderten, indem sie erwarteten, daß das Getraide durch Nichtsdestoweniger müßten die Preise durch die nächstens zu erwartenden Zufuhren heruntergehen,

S soranisse übertri seien. Das Journal des Dé⸗ da jene Besorgnisse übertrieben seien „In zwei Dritteln

b i jetzt der Hektoliter Weizen 40 Fr. und in Bel⸗ 9. e. Preis ungefähr derselbe. Diese hres, wo das Anlangen fremder Zu⸗

Vorräthe in den Lagerhäusern vorhanden ein werden, muß man sogar ein weiteres Höhergehen erwarten. Das des bringt das so mit sich. Leider nöthigt die Kostbarkeit

brauchs⸗Gegenständen und mindert damit zugleich die Nachfrage nach Arbeit in einer Zeit, wo diese Hülfsquelle der Bevölkerung am noth⸗ Die öffentliche Gewalt hat daher die Pflicht, für Ersatz zu sorgen, und das thut die Regierung und wird darin fort⸗ fahren, auch wenn es viel Geld kosten sollte. Sie hat zugleich die

Bisher haben dieselben drei Viertel des Auf⸗

edoch nicht streng darauf bestehen dürfen, wo es die Umstände anders In Ermangelung von Arbeit wird nur Almosengeben übrig leiben, und damit ganze Bevölkerungen erhalten, kostet ungeheure Opfer.

Zuvörderst erhellt daß jenes kommerzielle System, nach welchem

hum und thöricht, sondern auch höchst gefährlich ist. Diese ernente

en Markt der nationalen Arbeit vorbehalten will, ist fortan un⸗ bänderlich verurtheilt. Wie würde es mit uns aussehen, wenn

res nicht unterstützte? Der alte Brauch der freien Getraide⸗Ein⸗ fuhr, an dem England bis 1804 und Frankreich bis 1822 festhielt,

Débats empsiehlt zugleich die Vermehrung des Mais⸗Anbaues in den südlichen Departements, da man auf die Kartoffel sich nicht mehr verlassen dürfe, und wünscht, daß die Kammer nicht entlassen werden

Getraide⸗Einfuhr für ein Jahr zu geben, damit im schlimmsten Falle der Handel frühzeitig seine Operationen einleiten könne, da es unklug sein würde, zu leugnen, daß eine Verlängerung der schwierigen Lage zu besorgen sei.

Das Journal des Débats dringt darauf, daß zur Beschäf⸗ tigung der brodlosen Arbeiter der Eisenbahnbau gesördert und ange⸗ regt werde. Zu dem Zwecke müsse die Regierung Alles aufbieten, um die Auflösung mehrerer Gesellschaften zu verhindern, denen zu harte Bedingungen gestellt worden seien. Die Bahn⸗Gesellschasten von Bordeaux nach Cette, von Lyon nach Avignon, von Dieppe nach Fecamp verlangten Garantie des Zins⸗Minimums, Verlängerung der Konzessionszeit oder Verschiebung der Ausführung kostspieliger Zweig⸗ bahnen, und diese Forderungen müsse das Land bis zu einem gewissen Maße gewähren, wolle man nicht diese Unternehmungen untergehen

lassen. s Zu St. Quentin beschloß dieser Tage eine zahlreiche Versamm⸗ lung der achtbarsten Bürger, einen Fonds von 300,000, Fr. zusam⸗ menzubringen, der zum Ankaufe von Getraide verwendet werden soll. Das aus diesem Korn gebackene Brod will man den Unbemittelten und Arbeitern zu ermäßigten Preisen verabreichen. In Tulle haben sich die wohlhabendsten Einwohner vereinigt, um armen Familien bis zur nächsten Aerndte wöchentlich 1 oder 2 Kilogramme Fleisch gratis Das beste Brod kostet dort 50 und das Fleisch 50 bis 60 Centimes das Kilogramm; da nun das letztere weit nahrhaf⸗ ter ist, so will man die Armen lieber mit Fleisch als mit Brod un⸗ In anderen Städten will man ebenfalls Fleischspenden vertheilen. Der Courrier frangais sagt, wie es heiße, würden bei der projektirten Reorganisation des Heeres in Afrika, die in den nächsten

Monaten bewerkstelligt werden solle, die aus Eingeborenen gebildeten

Corps aufgelöst werden. Dasselbe Blatt glaubt, daß England schon seit lange große

Rüstungen beabsichtige, indem es bereits vor drei Monaten in Schwe⸗

den und Norwegen bedeutende Holzkäufe habe machen lassen.

Der Constitutionnel spricht sich günstig für das Zellen⸗System aus, jedoch mit gewissen Modificationen; die Trennung der Ver⸗ brecher sei für die Sache der moralischen Reform wesentlich, und eben so zur Verhütung moralischen Verderbens. Indessen dürfe dieses System nicht bis zur Unmenschlichkeit gehen, da solche Behandlung nicht zur Besserung, sondern blos zur Verhärtung der Verbrecher füh⸗ ren müsse.

Die irdische Hülle des General Bertrand ist im Invaliden⸗Hotel angelangt, wo sie am 17ten d. M. beigesetzt werden soll.

Aus dem in der Jahres⸗Versammlung der Actionaire der Paris⸗ Orleans⸗Eisenbahn⸗Gesellschaft erstatteten Berichte geht hervor, daß die Bahn im ersten Jahre 7 ⅛⅜, im zweiten 9 ½ und im dritten Jahre des Betriebes, welches am 31. Dezember 1846 abgelaufen ist, 12 pCt. des Actien⸗Kapitals als Netto⸗Ertrag für die Artionaire abgeworfen hat.

Paris, 12. März. In der gestrigen Sitzung der Pairs⸗ Kammer legte der Minister des Innern den von der Deputirten⸗ Kammer bereits angenommenen Gesetz⸗Entwurf vor, der die Eröff⸗ nung eines Kredits von 4 Millionen für Kommunal⸗Arbeiten öffent⸗ lichen Nutzens, welche der arbeitenden Klasse Beschäftigung geben sollen, betrifft. Auf den Vorschlag des Herrn Fulchiron und in Uebereinstim⸗ mung mit Artikel 14 der Geschäftsordnung entschied die Kammer, daß dieser Gesetz⸗Entwurf nicht erst vor eine Kommission verwiesen, sondern nur in ihren Büreaus einer vorläufigen Besprechung unter⸗ zogen werden solle. Demzufolge zog sich die Kammer in ihre Bü⸗ reaus zurück, und nachdem sie die öffentliche Sitzung wieder aufge⸗ nommen hatte, schritt sie sogleich zur Diskussion der Artikel, welche nach dem Austausch einiger Bemerkungen zwischen den Herren Charles Dupin, von Boissy und dem Mmister des Innern angenommen wur⸗ den. Zuletzt wurde auch das ganze Gesetz mit 122 gegen 2 Stim⸗ men votirt. Schon am Anfang der Sitzung hatte der Minister einige Gesetz⸗Entwürfe von rein lokalem Interesse in seinem eigenen Namen und in dem des Finanz⸗Ministers vorgelegt. Desgleichen wurden einige solche Gesetz⸗Entwürfe angenommen. Auf eine Bemerkung des Grafen von Montalembert entschied die Kammer, daß zugleich mit dem Gesetz⸗Entwurf in Betreff der Organisation des Kapitels von St. Denis die darauf bezügliche Bulle des verstorbenen Papstes Gregor's X VI. gedruckt und vertheilt werden solle.

In der heutigen Sitzung der Deputirten⸗Kammer verlas Herr de la Haye Jousselin seinen Antrag wegen Eröffnung ei⸗

nes Kredits von 3 Millionen für Prämien an Ackerbauer, die in den drei nächsten Jahren Strecken Landes kultivirt haben werden. Die Kammer bestimmt den 16. März zur weiteren Entwickelung des An⸗ trages. Der Finanz⸗Minister legt einen Gesetz⸗ Entwurf über die desinitive Regelung der Rechnungen für 1845 vor. Herr Hal⸗ ley Claparede entwickelt seinen Antrag in Betreff der militairi⸗ schen Servituten. Derselbe ist in zwei Artikeln gefaßt. Nach Art. 1 sollen die Arbeiten für Unterhaltung und Verbesserung der Straßen und Wege jeder Art in der Gränzzone nur dann dem Dazwischen⸗ treten der Militairbehörde unterworfen sein, wenn diese Arbeiten eine Erweiterung oder eine Veränderung der Richtung betreffen. Nach Art. 2 sollen Vicinalwege künftig überall in der Gränzzone angelegt werden können, wenn ihre Breite 4 Meter nicht übersteigt. Eine Königliche Verordnung soll die für Vernichtung oder Vertheidigung dieser Wege zu befolgenden Regeln für den Kriegsfall bestimmen. Im Jahre 1836 schon, bemerkt der Antragsteller, hatte General Paixhans die Initiative in dieser Sache ergriffen, der damals vollständiger war, aber wegen eingetretener Auflösung der Kammer nicht zum Ziele gelangte. Der Antragsteller will, indem er nur ei⸗ nen Theil jenes Antrages wieder vorbringt, die Diskus⸗ sion desselben erleichtern und schnell ein Votum erhalten, das auch dazu beitragen könnte, zahlreichen Händen Beschäftigung zu verschaffen. Der Präsident verliest unter tiefer Stille einen Brief des Marschall Soult, welcher der Kammer den heute früh um 2 Uhr erfolgten Tod des Großsiegelbewahrers Martin du Nord mittheilt. Darauf wird die Diekussion wieder aufgenommen. Der Kriegs⸗Minister erklärt, nichts dagegen einzuwenden, daß der Antrag in Betracht gezogen werde, und die Kammer geht darauf ein. Die Tagesordnung führt dann zur Verhandlung des Gesetz⸗ Entwurfs, wodurch ein Kredit verlangt wird, um 3 Dampsschiffe 6 Monate lang im ausgerüsteten Zustande zu erhalten; diese Schiffe sind dazu bestimmt, die mit Getraide beladenen Handelsschiffe ins Schlepptau zu nehmen, um sie in die französischen Häfen zu führen. Graf d'Angeville erkennt den Entwurf als gut und nützlich an, aber er benutzt den Anlaß zu einer Frage an den Marine⸗Minister über den Verlust einer der schönsten Dampffregatten, des „Caraibe“. Mit Schmerz werde die oftmalige Wiederkehr solcher Verleste be⸗ merkt. Seit zwei Jahren seien mehrere dergleichen vorgekommen. Man sollte die Ursache davon erforschen, um zu erfahren, ob von Seiten der Kommandanten der Schiffe alle Vorbeugungs⸗Maßregeln genommen seien. Der Marine ⸗Minister: Noch sei ihm nichts Näheres über das fragliche Ereigniß zugekommen. Er bitte daher die Kammer, bis zum Eintreffen der Berichte ihr Ur⸗ theil aufzuschieben. Ein Contre⸗Admiral von hohem Verdienst befeh⸗ ligte selbst auf dem „Caraibe“, und Alles schien anzudeuten, daß dem Unglück vorgebeugt worden sein würde, wenn dies möglich gewesen wäre. An einer Küste, wie die von Afrika, seien dergleichen Unglücks⸗ fälle leicht zu erklären. Der Admiral habe sicher alle Vorsichtsmaß⸗ regeln getroffen gehabt. Herr Fould will dies nicht gelten lassen, glaubt aber den Augenblick noch nicht gekommen, um über den Fall zu urtheilen. Er will später darauf zurückkommen. Für den vorge⸗ legten Gesetz⸗Entwurf will er stimmen, obgleich er die Maßregel nicht für nothwendig und fast nicht für möglich hält. Der Marine⸗Mini⸗ ster erhalte so einen neuen Kredit von 1 ½ Millionen, obgleich das Marine⸗Departement schon sehr gut dotirt sei. Herr Mauguin verlangt Vorlegung eines Verzeichnisses der seit zwei Jahren verlo⸗ renen Schiffe. Herr d' Aubersaert: Diese Frage habe nichts mit dem Gesetz⸗Entwurfe zu thun. Die Artikel des Gesetz⸗Entwurfs

werden dann nach einander und zuletzt auch der ganze Entwurf fast einstimmig angenommen. Hiermit schloß die Sitzung. Der Streit, der sich aus Anlaß eines in der Mündung der Bidassoa gestrandeten französischen Schiffes zwischen den französi⸗ schen und spanischen Gränz⸗Behörden erhoben hat, soll nun auf diplomatischem Wege zwischen den Kabinetten der beiden Länder seine Erledigung finden. Es handelt sich um die Gränzlinie zwischen den beiden Ländern auf der Bidassoa. Der Streit ist nicht neu, er besteht schon seit vielen Jahrhunderten, ruhte manchmal lange Zeit, um aber immer wieder von neuem aufzutauchen. Sehr alte Dokumente, welche, wie man sagt, in den Archiven der spanischen Gränz⸗Provinz Guipuzcoa vorhanden sind, sagen, der Fluß Bidassoa habe in alten Zeiten ganz zu Spanien gehört. Eines dieser Dokumente, welches vom Jahre 1027 datirt ist, ist ein Patent⸗Brief Sancho's III., mit dem Beina⸗ men des Großen, Königs von Navarra, in welchem dieser König die Gränzen des Bisthums Pampelona genau bestimmt. In weniger entfernten Zeiten finden die Biescayer neue Rechtstitel, welche ihre Ansprüche auf den ganzen Lauf des Flusses zu begründen scheinen. Allein diese Titel werden von französischer Seite bestritten, und von dieser Seite behauptet man, daß die Gränze zwischen Frankreich und Spanien mitten durch die Fasanen⸗Insel laufe, welche in der Bidassoa liegt. Im Jahre 1462 war nämlich ein Krieg ausgebrochen zwischen Johann, König von Aragonien und Heinrich IV., mit dem Beinamen des Ohnmächtigen, König von Castilien. Durch Uebereinkommen bei⸗ der kriegführenden Theile wurde Ludwig XI., König von Frankreich, zur Entscheidung des Streites gewählt. Er sprach das Urtheil zu Bayonne am 23. April 1463, worauf er sich selbst nach der Bidassoa be⸗ gab, um mit Heinrich IV. von Castilien eine persönliche Konferenz zu halten. Von dieser berichtet nun Garibay in einer Chronik die folgende Episode: Als Heinrich IV. am Ufer auf der französischen Seite an⸗ kam und mit dem einen Fuße noch in dim Fahrzeuge stand, welches ihn übergeführt hatte, mit dem anderen schon das Ufer berührt, sagte er, er befinde sich noch in seinem Königreiche, worauf der ihn empfan⸗ gende König Ludwig XI. entgegnete, das sei wahr. Nun sind aber die Geschichtschreiber nicht einig über die Stelle, wo dieses Zusammen⸗ treffen stattgefunden haben soll. Die Einen geben eine kleine Insel an, welche man damals Konferenz⸗Insel, später Fasanen⸗Insel nannte. Allein die sogenannte Neue Chronik von Bayonne nennt als den Ort der Zusammenkunft das Schloß von Urtubia. In diesem Falle wäre es unmöglich, daß die vorerwähnten Worte gesprochen worden. In⸗ zwischen dauerten nach wie vor die Streithändel über den Besitz des Flusses fort und mehrten sich sogar so, daß endlich die beiderseitigen Regierungen zu der Ueberzeugung von der Nothwendigkeit kamen, ein für allemal durch eine feste Uebereinkunft denselben ein Ziel zu setzen. Zu diesem Zwecke wurden von beiden Seiten bevollmächtigte Schieds⸗ richter ernannt. Ihr Ausspruch erklärte: Der Hafen und der Fluß Bidassoa mit den Theilen des französischen Ufers, welche von den Gewässern desselben bespült werden, gehörten zu Fontarabia. So meldet wenigstens Garibay. Hingegen versichert Zurita in seinen Ge⸗ schichtsbüchern, in diesem schiedsrichterlichen Ausspruch wäre der Fluß in seiner Mitte zwischen den beiden Königreichen getheilt worden, und dafür scheinen allerdings auch die späteren Thatsachen zu sprechen. Im Jahre 1659 fand der Kongreß zwischen Mazarin und Luis de Haro statt, bei welchem die beiden Minister von Frankreich und Spanien die Grundlage für den Pyrenäenfrieden feststellten, welcher am 7. November desselben Jahres nach 25 Konferenzen, die alle auf der Konferenz⸗ oder Fasanen⸗Insel stattfanden, unterzeichnet wurde. Man hatte auf dieser Insel ein kleines Schloß mit zwei gleichen Flügeln, einem französischen und einem spanischen, aufgeführt, die, gerade in der Mitte eines Salons, zusammenstießen. In diesem hatte man zwei Lehnsessel neben einander aufgestellt, aber so, daß der eine

auf französischem, der andere auf spanischem Boden sich befand.

Die Kosten der Erbauung dieses kleinen Schlosses wurden zu gleichen Theilen von Frankreich und Spanien bestritten, so daß der Mittel⸗ punkt als Gränze der beiden Reiche anerkannt war. Im folgenden Jahre, 1660, am 6. Juni fand an demselben Orte die Zusammenkunft zwischen Ludwig XIV. und Philipp IV. statt, als dieser die Hand seiner Tochter dem König von Frankreich auf dessen Bewerbung ge⸗ währte. Die beiden Könige setzten sich neben einander nieder, aber jeder auf seinem eigenen Gebiete. Von jenem Tage an wurden auf beiden Ufern der Bidassoa Fähren errichtet, eine spanische und eine französische, und bestandenzauch wirklich fort bis zur Zeit, wo die Bidassoa⸗ brücke erbaut und die Mitte derselben als Gränze für die beiden Staaten festgesetzt wurde. Die spanischen Uferbewohner wollen ihre Ansprüche auch noch auf einen srhr alten Gebrauch begründen. Es wird nämlich in der Bidassoa der Salmfang stark betrieben, da sich dieser Fisch in großer Menge und von vortrefflicher Qualität im Flusse vorfindet. Die Fischer fahren zu diesem Fange bis etwa eine halbe Lieue über die Fasanen⸗Insel den Fluß hinauf. Die spanischen Fischer sagen, sie hätten das Recht, die Anker ihrer Netze an dem französi⸗ schen Ufer auszuwerfen. Dies ist eines der Haupt⸗Argumente der Stadt Fontarabia für ihr Eigenthumsrecht auf die Bidassoa, von dem Punkte an, wo sie das Gebiet der Provinz Guipuzcoa berührt. Freilich ist noch eine Frage, ob aus dem erwähnten Gebrauche, wie alt er auch sein möge, ein Rechtstitel sich ableiten läßt. Der jetzt wieder erhobene Streit könnte am Ende zu Abschaffung dieses Ge⸗ brauchs führen. Im Jahre 1000 mag allerdings die ganze Bidassoa in den Umfang des Bisthums Pampelona inbegriffen gewesen sein; aber seit 1062 ist die Mitte des Flusses als Gränze festgesetzt, was sogar spanische Schriftsteller authentisch nachweisen, unter ihnen Don Manuel Abella und Gonzalez Arnao, welche Beide an einem beeisch. geographischen Wörterbuch Spaniens gearbeitet haben. Es ist 9 nicht nöthig, französische Schriftsteller zu Hülfe zu rufen, die in demsel⸗ ben Sinne sich ausgesprochen haben. 88

Sroßbritanien und Irland.

London, 11. März. Der allgemeine Bet⸗ und Fasttag aus Anlaß der Hungersnoth in Irland ist in der vorgestrigen Geheimen⸗ raths⸗Sitzung auf den 2esten d. M. festgesetzt worden. 8

Die gestrige Parlaments⸗Verhandlung bot nichts von Interesse. Eine große Anzahl Privat⸗Bills wurde im Unterhause erledigt und ein Antrag des Sir H. W. Barron auf zweite Lesung der Bill wegen Gleichstellung der Schuldgesetze in Irland mit denen in Eng⸗ land, nach welchen bei Schuldforderungen unter 20 Pfd. kein Schuld⸗ arrest verfügt werden kann, wieder zurückgenommen, so daß die ganze Bill zu Boden fiel. Comité⸗Berathungen über die Trockenlegungs⸗ Bill und die Bill für Unterstützung der Grundbesitzer in Irland nah⸗ men den übrigen Theil der Sitzung in Anspruch. Im Oberhause fand wie gewöhnlich am Mittwoch keine Sitzung statt.

Die direkte portugiesische Post ist gestern mit Nachrichten aus Lissabon vom Zten d. M. hier eingetroffen. Dieselben fügen indeß den bereits mitgetheilten nichts Neues hinzu. Man fürchtet eine spa⸗ nische Intervention, und Graf Mensdorff, Oberst Wylde und Sir H. Seymour, die drei englischen Abgeordneten, boten Alles auf, die Königin von Portugal zur Annahme der Vermittelung Englands zu bewegen. Doch glaubte man, daß die gemachten Vorschläge, welche unter Anderem auch die einstweilige Verbannung der Insurgentenfüh⸗ rer in sich schließen, wohl nicht eher angenommen werden würden, sls bis die portugiesische Regierung zur Einsicht gekommen wuͤre, daß die Unterdrückung des Aufstandes über ihre Kräfte gehe. u“

Die Morning Chronicle sagt über eine Aeußerung des Herrn Guizot in Betreff eines Krieges Frankreichs mit England: Herr Guizot hat kein Bedenken getragen, in der Pairs⸗Kammer zu erklären, daß Frankreich keinen Krieg zu fürchten brauche, weil Eng⸗ land zu viele Interessen auf dem Spiele stehen habe, um an den Krieg zu denken, und weil es überdies recht gut wisse, daß es klug sei, ein fait accompli zu achten. Die Organe des Herrn Guizot erörtern dieses Thema alle Tage, und es giebt nur gar zu viele Leute in Frankreich, die geneigt sind, ihnen Recht zu geben. Die praktische Durchführung jener Doktrin aber ist gefährlich. Der Tag kann kom⸗ men (und zwar in einer nicht fernen Zeit), wo Eingriffe von der Art, wie sie uns durch die letzten zwei Jahre vertraut geworden sind, einen Bruch herbeiführen könnten, und schwerlich giebt es einen schlimmeren Irrthum, als den Wahn, daß England trotz alles seines Widerwillens gegen den Krieg nicht doch am Ende dazu gezwungen sein könnte.

Zwei Agenten der ostindischen Compagnie sollen Anfangs Februar nach Lissabon abgereist sein, um mit der dortigen Regierung wegen Abtretung eines großen Theiles der portugiesischen Besitzungen in Indien an England gegen Bezahlung einer ansehnlichen Geldsumme zu unterhandln. Es heißt aber, daß diese Unterhandlungen noch zu keinem Ergebnisse geführt hätten, indem Portugal sich weigere, Goͤa und mehrere audere Gebietstheile abzugeben, welche nach dem Wunsche der Compagnie in die Abtretung eingeschlossen werden sollen.

Die Blätter von Liverpool melden, daß sich seit einigen Tagen die Durchschnittszahl der täglich aus Irland dort eintreffenden Armen auf 1600 bis 1700 beläuft. Dieses Zuströmen von Leuten, die sämmtlich der Stadt zur Last fallen und die öffentliche Sicherheit be⸗ drohen, erregt ernste Besorgnisse, und die Behörden von Liverpool haben abermals das Parlament dringend ersucht, durch Gegenmaß⸗ regeln diesem so bedenklichen Zustande der Dinge abzuhelfen.

Der Liverpool Albion meint, daß man nach Vollendung der beabsichtigten Eisenbahn von Genua nach Chambery und von dort nach dem Bodensee die Route über Genua in Bezug auf die Be⸗ förderung der Ueberlandpost wahrscheinlich sowohl dem Wege über Marseille als über Triest vorziehen werde. 1

Herr E. Schwarzer, Redacteur des Journal des Oesterreichi⸗ schen Lloyd, hat an die Daily News ein kurzes Schreiben ge⸗ richtet, worin er durch eine tabellarische Uebersicht nachweist, daß in den sechs Probefahrten Triest 78 Stunden vor Marseille gewonnen habe, indem die drei Fahrten, welche für Triest aussielen, demselben einen Vorsprung von 114 Stunden (38 bei der ersten, 26 bei der vierten und 50 bei der fünften) gaben, während die drei Fahrten, in

denen Marseille siegte, diesem nur 36 St der zweiten, 2 1e b dritten und 10 bei der sechsten) verschafften.

Dieser Umstand sei also entscheidend für die triester Route, die oben-⸗ drein alle Schwierigkeiten einer neuen Einrichtung zu überwinden ge⸗

habt habe und auch zweimal das Schnelldampfschiff „Ariel“ als

Gegner gefunden. 8 Aus den amtlichen Berichten des Handels⸗Amtes theilt der

Globe folgende Zahlen mit.

der Ausfuhr statt für die folgenden Artikel: Zunahme um Pfd. St. 910,482 256,095 672,663 71,172 44,543 1,954,965

Bei einem deklarirten Werth von Pfd. S 7,873,72 8

Baumwollengarn ... Maschinen

Eisen und Stahl Seiden⸗Fabrikate Häringe zusammen eine

4,174,55909

14,247,143.

0 0

Stunden Vorsprung (24 bei

Die Ausfuhr englischer Manufakte hat gegen 1845 im Ganzen abgenommen. Zwar fand eine Zunahme

8 837,577 und 200,225, also

Dagegen trat bei den folgenden Artikeln eine Abnahme der Ausfuhr

ein; verglichen mit 1845: Abnahme von be Pfd. St. Baumwoll⸗Fabrikate (außer Garn). 1,424,130 WanöööFöFöe- 4. 45,204 Glas 8N... 8 b 1,.... 94,656 Kurze Waaren und Messer. 3,943 Leder und Lederwaaren 19,051 Leinangarre.n. OZE1u““ 185,010 Leinen⸗Fabrikate anderer Art 197,986 Pöhfer b Plehmh.. . 1899,18

12,852 111“ 44,282 Raffinirter Zucker 78,801 W 213,492 Wollengarn 159,032 Wollen⸗Fabrikate anderer Art 1,358,819 zusammen eine 3,969,577

i einem deklarirten

Werth von Pft. St.

17,726,966 793,978 262,865

2,180,057 332,426 875,556

2,838,384

1,555,000 205,450 149,186 394,146 342,848 907,893

6,334,298, also

34,899,055; und

bei Abrechnung obiger Zunahme eine Abnahme von 2,014,612 Pfd. St. bei einem deklarirten Werth von 49,146,198 Pfd. St. Dage⸗ gen hat die Einfuhr an fremden und Kolonial⸗Produkten, außer für

Reis in Hülsen, zugenommen wie folgende Tabelle Eiinfuhr von 845. Vieh aller Art, Stück ..... 17695 Fleisch und dergl., Centner 8,855 Wazen, Dnartiumn.. 135,066 Andere Frucht, Quarters 1,288,000 Reis, Centner 297,426 Reis in Hülsen, Quarters 44,575 Mehl, Ceutner 632,017 Kokvo, Pfund 2,589,98 Kaffee, Pfund 34,318,095 Thee, Pfund.... 44,195,32 Zucker, Centner ;879,

4,879,780 Taback, Pfund

hce 1“ 26,076,311

IETTTAö

zeigt:

Einfuhr von

1846. 261,522 1,995,852 2,309,000 446,961 33,885 3,536,971

36,781,391

40 5,227,848

29,737,201

8 eeg. 13. März. Gestern hat die Repräsentanten⸗Kammer 2 Gesetz⸗Entwurf über die Vermehrung und neue Vertheilung der henatoren⸗ und Repräsentanten⸗Zahl, nach Verwerfung aller noch

dazu beantragten Zusätze und Amendementes, vollstän Der Disziplinar⸗Rath des Barreaus von Lüt

des mit dem Appelhofe ausgebrochenen Konflikts d

katenstand auf eine Berathung zusammenberufen.

oI1

dig angenommen. tich hat in Folge en ganzen Advo⸗

1—

Kanton Genf. Der Große Rath hat am 6. März den

durch Petitionen mit zahlreichen Unterschriften unt der Herren Pons und Fazy⸗Pasteur, die Organisati

erstützten Antrag on der protestan⸗

tischen Kirche einer besonders zu erwählenden Synode zu übertragen,

mit großer Mehrheit verworfen.

Kanton Waadt. Am 7. März fand in der Stadt Lausanne

die Wahl eines Mitgliedes des Großen Rathes statt.

Die Konser⸗

vativen siegten; mit 1453 gegen 1208 Stimmen wurde Herr Dapples

gewählt.

Nach der Wahl kam es auf dem Platze Palud zu Raufe⸗ reien, die bald einen gefährlichen Charakter annahmen.

Ueber die

erste Veranlassung streiten sich die Parteien; jede beschuldigt die andere,

angefangen zu haben. Die „Patrivten“ griffen zu d

en Waffen, Tam⸗

boure zogen durch die Straßen und schlugen den Generalmarsch. 7

1 hlug , rsch. Zahl⸗ reiche Schaaren von bewaffneten Patrioten schickten sich an, das Gesell⸗ schaftshaus, wo sich der konservative Verein „Espérance“ versammelt,

unter dem Ruf: „Nieder mit Luzern!“ anzugreifen; Da trat der Staatsrath zusammen und beschloß, den Befehl zukommen zu lassen, auf den Schloßplatz wurden sie eingetheilt und organisirt, worauf das

es sielen Schüsse. den Bewaffneten zu ziehen. Hier erwähnte Gesell⸗

schaftshaus auf Befehl der Regierung besetzt und durchsucht wurde Hier fand man Knittel, Heugabeln u. s. w. vor, welche der Staats- rath als Waffen erklärte und darauf hin den Beschluß faßte, den konservativen Verein „Espérance“, als einen Heerd von Umtrieben,

aufzulösen.

Ausgemachte Thatsachen sind der Tumult und dieser

Beschluß; über den ganzen Hergang lauten die Berichte noch sehr

unbestimmt.

Die Ober⸗Post⸗Amts⸗Zeitung enthält folgendes

Schreiben aus der Schweiz vom 9. März:

„Der Große Rath

des Kantons Bern ist auf den 22ͤten d. M. zusammenberufen, um

die verschiedenen Gesetz⸗Entwürfe noch alle zu berathen.

Auffallend

aber ist es, daß diese Gesetz⸗Entwürfe dem Publikum, so wie den Großräthen, erst vor Eröffnung des Großen Rathes zur Kenntniß

gelangen und somit eine nähere Prüfung nicht stattfi

nden kann. S

mag es mit diesen in das Volksleben so tief eingreifenden Gesetzen

wie mit der Verfassung gehen, man wird sie blind ohne gehörig geprüft zu haben. Aus dem Jura

lings annehmen, vernimmt man,

daß die dortige Bevölkerung in gespannter Erwartung über die Fol⸗

gen sei, welche das neue Finanz⸗System für sie ha dürften sich daher neue Verlegenheiten in diesem zösischen Theil des Jura vorbereiten. Man hört, nungsfrage neuerdings und zwar ernsthafter b darum sollte die Regierung mit mehr Umsicht

keit zu Werke gehen, Was den geheimen

Leitern und Triebfedern b

ben könnte. Es ehemals fran⸗ daß die Tren⸗ esprochen wird, und Behutsam⸗

wenn sie den Sturm beschwichtigen will.

esonderen Vor⸗

schub leistet, ist, daß die Regierung viel zu getrennt vom Volke steht, mit dessen Kern sie durch ihre Organe in keine Berührung kommt.

Daher die Beamten in ihren Berichtgaben über die keinesweges zuverlässig sind und es demnach der R

Landesstimmung egierung ergehen

wird, wie es derjenigen des Kantons Aargau im Jahre 1831 erging, welcher ihre Ober⸗Amtleute und Statthalter die Versicherung von

treuer Ergebung des Volks gaben, während nachh der Prüfung das Gegentheil sich erwies. Nicht nur

er im Augenblick beunruhigt Je⸗

dermann, der klar zu sehen vermag, die herrsch Finanzkrisis, s

1 g, hende Finanzkrisis, son⸗ dern auch die Verhandlungen des letzten Großen Raths haben keines⸗ weges befriedigt. Die Parteien sind allerdings sehr getheilt, da die

Interessen der verschiedenen Landestheile auch

2 2 5 8 ) sehr Indessen g. die allgemeine Unzufriedenheit bald um eine Gährung herbeizuführen und das unzufriede wegung zu setzen. Der Wahlspruch von Vielen ist:

Vereinigungs⸗Urkunde oder die Trennung.“

8 Italien.

Florenz, 6. März. Das Befinden er Ke Prinzessin Luitpold ist fortwährend 86 kurzem eine vollkommene Wiederherstellung erwarten.

verschieden sind. Alle vereinigen, ne Volk in Be⸗ „Entweder die

iserl. Hoheit der und läßt binnen

Vor einiger Zeit war im Ateli Wi 6 hi 2 Fr, er des Bildhauers Dupré hier eine für den Kaiser von Rußland in Marmor ausgeführte Statue

343

des Kain ausgestellt. Der Künstler hat den Augenblick gewählt, wo derselbe nach vollbrachtem Brudermord, das Fürchterliche der That erkennend, von Verzweiflung ergriffen wird. Die Statue des sterben⸗ den Abel, welche vor einigen Jahren hier so viel Aufsehen machte und den Ruf des genannten Künstlers hauptsächlich mit begünstigen half, wurde damals von demselben im Auftrage der Großfürstin Maria, Herzogin von Leuchtenberg, welche ihrem Kaiserlichen Vater ein Geschenk damit machte, ausgeführt.

Der Winter will uns immer noch nicht verlassen; kalte Winde wehen anhaltend von den beschneiten Apenninen herab und erzeugen mannigfache Krankheiten. Auch ist die Vegetation beinahe überall im Vergleich zu anderen Jahren auffallend zurück.

Spanien. 8

3 Madrid, 6. März. Die Progressisten sind sehr rasch von der Begeisterung zurückgekommen, welche die Rede des Herrn Donoso Cortes vorgestern in ihnen erregte. Das Eco del Comercio neunt diese Rede geradezu eine Harlekinade. Der Clamor publico warnt seine politischen Freunde, nicht in die ihnen von den Moderir⸗ ten gelegten Fallstricke zu gehen. „Da England verlangt, daß die Infantin auf ihre Rechte an die spanische Krone Verzicht leiste“, sagt heute dieses Blatt, „und in Betracht der feindlichen Haltung, welche die Parteigänger Montemolin's anzunehmen beginnen, so möch⸗ ten die Moderirten gern den Progressisten eine feierliche Erklärung entlocken, die in ganz Europa als der einstimmige Ausdruck des Na⸗ tionalwillens in Bezug auf die französische Heirath und deren recht⸗ mäßigen Folgen gelten dürfte. Zum Glück kennen wir sie zu gut, um in diese Schlinge zu fallen, und Jedermann weiß, daß die Mo⸗ derirten bei diesen Berufungen an echt spanische Gesinnungen nur von französischem Einflusse geleitet werden. Je mehr unsere Gegner bei dieser Gelegenheit als echte Spanier erscheinen möchten, um so mehr dienen sie den Absichten der Familie Orleans. Die Moderirten wollen mit einem Worte, daß wir uns als offene Feinde gegen die Karlisten aussprechen und die Montpensiersche Ehe genehmigen sollen. Weder das Eine noch das Andere wird die progressistische Partei thun, wenn sie sich selbst achtet.“ 1

Im Senat erklärte gestern der Justiz⸗Minister, daß alle An⸗ strengungen der Karlisten erfolglos sein und von keiner fremden Macht die geringste Unterstützung erhalten würden. 1 Die englische Regierung hat die an sie gerichteten gemeinschaft⸗ lichen Anträge der Höfe von Paris, Madrid und Lissabon auf eine zu Gunsten der Königin von Portugal kraft des Vertrages der Quadrupel⸗Allianz vorzunehmende bewaffnete Intervention zurückge⸗ wiesen, ihrem hiesigen Gesandten jedoch so eben die Ermächtigung ertheilt, für den Fall, daß Dom Miguel in Portugal landen sollte, mit der diesseitigen Regierung eine Uebereinkunft über die Bedingun⸗ gen abzuschließen, unter denen ein spanisches Truppen⸗Corps der be⸗ nachbarten Königin Hülfe leisten dürfte. Man hofft jedoch, daß der vorausgesehene Fall nicht eintreten werde. Der Heraldo macht hierüber folgende Betrachtung: „Diese Haltung Englands in der portugiesischen Frage vereitelt alle goldenen Träume und alle thörich⸗ ten Hoffnungen der spanischen Karlisten. Nein, kein Minister, wäre er auch noch so unbesonnen, würde heutzutage die englische Nation verleiten können, die Rolle einer Beschützerin des Absolutismus in Europa zu übernehmen. Dies ist vermuthlich der Grund, weshalb Lord Palmerston sich dem hier herrschenden Regierungs⸗System so abgeneigt zeigt.“

Der General-Capitain von Galicien ist mit einem Truppen⸗ Corps bis an den Minho vorgerückt.

Das amtliche Blatt des Ministeriums berührt den gestern von mir erwähnten Vorfall an der Mündung der Bidassoa nur obenhin, bezeichnet aber das Benehmen des dortigen General-Capitains als würdig und klug. Letzterer traf nämlich erst mehrere Stunden, nach⸗ dem die Franzosen die Fischerbarke weggeführt hatten, an Ort und Stelle ein.

Es scheint, daß die Abreise des französischen Botschafters und der Königin Christine auch deren vertrauteste Freunde mit Reiselust erfüllt. Herr Isturiz wird zugleich mit der Königin Christine seine Reise antreten und als Vermittler der spanischen Heirathen gewiß eine glänzende Rolle in London spielen. Herr Mon, der während seiner Finanz⸗Verwaltung ein Vermögen, das man auf eine halbe Million Piaster berechnet, erworben und fünf der größten Häuser Madrids angekauft hat, ist nun mit dem Wunsch aufgetreten, zum Botschafter in Paris ernannt zu werden. Diesen Wunsch soll jedoch der Graf Bresson aus dem Grunde gemißbilligt haben, weil er be⸗ fürchtet, der Nimbus, mit welchem er bieoeher die Person des Herrn Mon zu umgeben für gut fand, möchte sich bei deren wirklicher Er⸗ scheinung am pariser Hofe und in den Zirkeln der französischen Haupt⸗ stadt in ein leeres Phantom auflösen. Die brutalen Formen, welche der Er⸗Finanz⸗Minister zur Schau zu tragen liebt, führten erst gestern wieder im Koegresse zu gewaltsamen Auftritten. Ohne irgend eine

* v

Hriechenland. 81 88 u111 82

1

Athen, 28. Febr. (Oest. Beob.) Der General Vaßo Feld⸗Adjutant des Königs, ist zur Inspizirung der östlichen Provinzen des Königreichs beordert worden und hat am 22sten d. M. die Reise dahin angetreten. Seine Mission geht dahin, über die Erhaltung der Ordnung und der Ruhe an der Gränze zu wachen.

Das Staats⸗Dampfschiff „Otto“ fährt morgen nach Messina ab, um Se. Königl. Hoheit den Kronprinzen von Bayern, dessen An⸗ kunft seit einigen Tagen angemeldet ist, nach Athen überzuführen.

Die Nachrichten aus dem Innern schildern den Zustand der Provinzen einstimmig als vollkommen ruhig. Laut den letzten Be⸗ richten aus dem Peloponnes, aus Rumelien und aus den Inseln, ist das Benehmen der Regierung gegen den türkischen Gesandten allge⸗ mein gebilligt worden. Man hofft allenthalben, daß die zwischen dem Kabinet von Athen und zwischen dem Diwan entstandene Differenz zur Befriedigung beider Höfe endigen wirdd.

Konstantinopel, 24. Febr. (A. Z.) Im hiesigen Mini⸗ sterium hat eine Veränderung stattgefunden. Der Finanz⸗Minister, Nasfiz Pascha, wurde seines Amtes enthoben und an seiner Statt Sarim Efendi, bisher Mustaschar (Rath) des Großwesirs, zum Fi⸗ nanz⸗Minister ernannt. Zum Rath des Großwesirs wurde Ethem Bty befördert, seither Mustaschar des Seriaskers; die Stelle dieses Letzteren erhielt Mumtas Efendi, seither Unter⸗Staats⸗Secretair, und zum Unter⸗Staats⸗Secretair hinwieder wurde der bisherige Pforten⸗ Dolmetsch, Fuad Efendi, ernannt. Fast alle diese Namen gehören, so zu sagen, der „jungen Türkei“ an, d. h. Leuten, die längere oder kürzere Zeit Europa gesehen und, wie somit anznehmen, mehr oder minder europäische Bildung sich angeeignet haben. Der abgesetzte Fiananz⸗Minister dagegen war noch ganz ein Mann der alten re⸗ formfeindlichen Partei. Daß es Reschid Pascha gelungen ist, diesen bedeutenden Gegner aus dem Ministerium zu entfernen und seinen Mustaschar auf dessen Platz zu setzen, so wie mehrere andere Freunde und Günstlinge zu höheren Stellen zu befördern, ist wohl ein Zeichen, daß der Großwesir, was Viele schon zu bezweifeln anfingen, in der Großherrlichen Gunst noch feststeht. Es ist nun die Frage, ob Re⸗ schid Pascha, nachdem er auf diese Weise seine Stellung mehr be⸗ befestigt hat, jetzt endlich vielleicht auch mit rascheren und kühneren Schritten, als bisher, zur Ausführung einiger der von ihm erwarteten Reformen schreiten werde.

Die griechisch⸗türkische Differenz ist noch in der Schwebe. Die Pforte beschloß, nach langen Berathungen, dem König Otto ein Antwortsschreiben des Großherrn zu übersenden. Der Großherr er⸗

wiederte in diesem Schreiben die Freundschafts⸗Versicherungen des Königs Otto, erklärt aber zugleich, daß er auf die früher gestellten Forderungen, also die Herrn Mussurus zu leistende milde Art von Abbitte, unbedingt bestehen müsse. Mit dieser Depesche wurde vor vier Tagen ein Dampfboot von hier nach Athen abgesandt.

Auch gegen den Bey von Tunis hatte die Pforte ernstliche De⸗- monstrationen im Sinn. Herr Wellesley soll aber kürzlich von Lon⸗- don die Weisung erhalten haben, der Pforte von dergleichen Schrit⸗ ten abzurathen.

Die neulich über den Ausbruch der Cholera in Damaskus hier über Aleppo erhaltenen Nachrichten scheinen nach neueren Berichten aus Damaskus selbst unrichtig gewesen zu sein. Diesen letzteren Nach- richten zufolge, ist die Cholera noch nicht bis Damaskus vorgedrungen. Die Pilger⸗Karawane von Mekka war zwar dort angekommen, aber die Cholera soll schon 15 Tagereisen vorher in der Karawane aufge⸗ hört haben. (S. Allg. Preuß. Ztg. Nr. 70.) So scheint dieser Theil Syriens vor der Hand also noch von der Seuche frei zu sein, obwohl die Tagereisen einer Karawane nicht eben besonders lang sind. Der hiesige Quarantaine⸗Rath hatte beschlossen, die Pilger⸗Karawane in Hama am Orontes, in der Mitte zwischen Damaskus und Aleppo, Quarantaine halten zu lassen. Bis Aleppo bleibt die Karawane im⸗ mer beisammen, dort aber geht sie nach drei verschiedenen Richtungen aus einander, ein Theil über Orfa, ein and über Aintab, der dritt über Adana. 1

Eisenbahnen.

Wien, 9. März. Das nunmehr in seinem ganzen Umfange bekannt gemachte ausschließer de Privilegium, welches der Wien⸗Glogg⸗ nitzer Eisenbahn⸗Gesellschaft mit den Resolutionen vom 23. Mai 1815 und 18. Juli 1846 verliehen wurde, enthält in 17 Punkten sämmtliche zwischen dem Staate und der genannten Gesellschaft fest⸗ gesetzte Bedingungen, so wie das weitere Uebereinkommen, daß von Seiten der Staats⸗Verwaltung auf das in der dem Freiherrn von

Veranlassung zog Herr Mon die Revolution von la Granja hervor, nannte die anwesenden Progressisten Mörder des Generals Quesada und ließ sich in eine bisher unerhörte lange Diskussion, nicht mit den Deputirten, sondern mit dem auf der öffentlichen Gallerie befindlichen Volk ein. Die Sitzung glich in der That einer griechischen Tragödie, in welcher das anwesende Volk als Chorus auftrat.

Gestern Abend stattete der Herzog von Rianzares dem englischen Gesandten einen Besuch ab. Der Gesandte, der gerade von Frem⸗ den umgeben war, zog sich mit ihm in ein Kabinet zurück und ent⸗ ließ ihn nach einer Stunde.

Die mit dem jungen Herzoge von Sessa vermählte Tochter des Infanten Don Francisco gefällt sich darin, einen ihrer neuen Lage keinesweges entsprechenden Hochmuth an den Tag zu legen. Sie weigert sich, die glänzenden Equipagen, welche ihr Schwiegervater von Paris kommen ließ, zu benutzen, und fährt nie anders als in einem sehr schlechten, aber mit dem Königlichen Wappen geschmückten Wagen ihres Vaters. Weder ihrem Schwiegervater, noch den Ge⸗ schwistern ihres Gemahls gestattet sie, bei ihr einzutreten, falls nicht einige Stunden zuvor die Erlaubniß ausgewirkt wird. Die Besuche der übrigen Verwandten ihres Gemahls, die meistens zu den ersten Familien des Landes gehören, hat sie geradezu zurückgewiesen.

Am Zten machten mehrere progressistische Deputirte im Kon⸗ gresse den Antrag, die Regierung solle das Testament Karl's IV., das Ferdinand's VII., die dazu gehörenden Kodizille, die bei seinem Absterben aufgenommenen Inventarien und die Ehepakten seiner Töchter, der Königin Isabella II. und der Herzogin von Montpensier, vorlegen. Dieser Umstand soll die Königin Christine bewogen haben, ihre Abreise zu beschleunigen.

Der Handels⸗Minister hat so eben die Errichtung einer Kom⸗ mission verfügt, welche den Zustand der spanischen Baumwollenwaaren⸗ Industrie und des Kornhandels mit Zuziehung von Deputirten der verschiedenen Handels⸗Kammern und landwirthschaftlichen Gesellschaften untersuchen und über diese beiden Fragen an die Regierung zum Be⸗

hufe der definitiven Abfassung des Zolltarif⸗Entwurfes berichten soll. Die Arbeiten müssen vor dem 1. Juni geschlossen er09.

en 8

Sina ertheilten Konzession enthaltene Recht, von der Bahn⸗Gesellschaft die Abtretung der Wien⸗Gloggnitzer Bahn noch vor dem Erlöschen des Privilegiums fordern zu können, unter gewissen, jedoch sehr billi⸗ gen Bedingungen Verzicht geleistet worden ist. Die Dauer des Pri⸗

vilegiums ist auf 50 Jahre festgesetzt, und die Bestimmungen der zu

beobachtenden Preis⸗Tarife lauten im Allgemeinen günstig für die

Bahn⸗Gesellschaft.

qöö

Handels- und Börsen-Nachrichten.

Berlin, 16. März. Auswärtige niedrige Course wirkten auf unseren Actienmarkt heute sehr nachtheilig, doch schloß die Börse zuletzt fest.

Marktpreise vom Getraide. Berlin, den 15. März 1847. 1 Z u Lande: Weizen (weißer) 3 Rthlr. 20 Sgr. 5 Pf., auch 3 Rthlr. 15 Sgr. 6 Pf. und 3 Rthlr. 11 Sgr. 11 Pf.; Roggen 3 Rthlr. 7 Sgr. 10 Pf., auch 3 Rthlr.; Hafer 1 Rihlr. 23 Sgr. 8 Pf., auch 1 Rihlr. 18 Sgr. 7 Pf. Eingegangen sind 68 Wispel 12 Scheffel. Zu Wasser: Weizen (weißer) 3 Rthlr. 20 Sgr. 5 Pf., auch 3 Rthlr. 14 Sgr. 5 Pf. und 3 Rthlr. 12 Sgr.; Roggen 3 Rthlr. 3, Sgr. 7 Pf.; große (erste 2 Rthlr. 12 Sgr., auch 2 Rthlr. 9 Sgr. 7 Pf.; Hafer 1 Rthlr. 15 Sgr., auch 1 Rthlr. 13 Sgr. 10 Pf. Sonnabend, den 13. März. .“ Das Schoc Stroh 6 Rihlr. 20 Sgr., auch 5 Rthlr. 20 Sgr. Der Centner Heu 1 Rthlr., auch 20 Sgr.

Auswärtige Börsen.

Amsterdam, 12. März. Miederl. wirkl. Sch. 57 ½. 5 % Span. 18 ½. 3 % do. —. Pass. 5 %. Ausg. —. Zinsl. —. Poln. —. Preuss. Pr. Sch. —. 4 % Russ. Hope 88 ½.

8 Antw 8- pe n II. März. Zinsl. —. Neue Anl. 17 19.

Frankfurt a. M., 13. März. 5 ½ Met. 108. 1078. Bank-Actien p. ult. 1892. 90 Bayr. Bank-Aetien 669 6. 729⸗ 87 Br. Stiegl. 87 Br. Int. 57 †2. h. Poln. 300 Fl. 96 Br. 40. 500 FI. 80. 8 9 ⅞.

London, 10. März. Cons. 3 0 88. 8. Belg. bun Neue Anl. 22 5½. 5. Passive 5. 4 ½. Ausg. Sch. 17. 16. 2 ½ % Holl. 57 ½⅞. 57 . 4 % do. 92. 91¼. Port. 33. 32. FEngl. Russ. —. Bras. 88.86. chh —. Mas. 21 . 21 ¼. Peru 40. 39. v“

*