1847 / 86 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

und inkl. der Garnison, die sämmtlichen Einwohner in 38,052 Per⸗ sonen; exkl. der Garnison befinden sich darunter 12,908 Mäuner und 14,811 Frauen über 14 Jahren und 4886 männliche und 2678 weib⸗ liche Kinder, welche jenes Alter noch nicht erreicht haben. Die An⸗ zahl der Familien beträgt 7491. Im Jahre 1836 belief sich Braun⸗ schweigs Bevölkerung auf 25,821 Seelen.

Oesterreichische Monarchie. 1 Ktrakau, 22. März. Da das Tabackemonopol Ee seiner ganzen Ausdehnung eingeführt wird, so ist mit 8 machung des Kaiserlichen Hof⸗Commissairs, . Nwees G bens

estrigen Datum, der Tabacksbau in Krakau und sei I“

von nun an verboten. Uebertretungen dieses ne

den Bestimmungen des Gefälls⸗Strafgesetzes behande ..“ rankreich.

5 2 K die Königin, Madame Adelaide „i8. 22 irz. Der König, die Königin, dame aid und 48828 K-.e S. und Prinzessinnen der Königlichen Fa⸗ milie sind heute früh nach dem Schloß von Fontainebleau abgereist, von wo sie übermorgen wieder zurückerwartet werden.

Der Prinz von Joinville gab am 17ten d. zu Toulon an Bord

des Linienschiffes „Souverain“ ein großes Diner, welchem auch der spanische Infant Don Enrique beiwohnte.

Herr Delangle, Deputirter des Nievre⸗Departements, ist durch Königliche Verordnung vom gestrigen Datum an die Stelle des Herrn Hebert zum General⸗Prokurator am Königlichen Gerichtshofe von Paris ernannt.

Während die Union Monarchique bei der Behauptung bleibt, der erste Vorschlag zu dem Geschäft der französischen Bank mit Ruß⸗ land sei von Paris ausgegangen, sagt die Presse: „Wir wollen uns

mit der Antwort begnügen, daß der Beweis des Gegentheils sich aus

dem Inhalt eines Briefes des Grafen Nesselrode ergeben wird, den Herr Guizot wohl in der Kammer vorlesen sollte, wenn es wahr ist, daß man ihn über die Sache interpelliren will.“

Das Journal des Débats giebt die beruhigende Versiche⸗ rung, daß gegenwärtig 150,000 bis 160,000 Sack Mehl in der Hauptstadt vorräthig sind, was also bei dem tägliche Bedarf von 2000 Sack auf 80 Tage hinreiche und das Doppelte von dem sei, was polizeilich deshalb vorgeschrieben ist. Durch Herrn von Roth⸗ schild's Anerbieten (s. das Schreiben aus Paris in unserem gestri⸗

gen Blatte) werde auf 20 bis 30 Tage von neuem gesorgt, und außerdem könne Jedermann am Ausladeplatze St.⸗Nicolas unterhalb des Louvre tagtäglich Mehl und Getraide eintreffen sehen, so daß also nicht die geringste Besorgniß gerechtfertigt sein würde. Die öffentlichen Blätter in den Departements melden, daß auf einer ziemlich großen Anzahl Märkte ein allmäliges Sinken des Preises des Getraides stattfinde. Der panische Schrecken hat aufgehört, und die Spekulan⸗ ten sind dahin gebracht, bei der Ankunft einiger wichtiger Zufuhren und in Erwartung der zahlreichen für den nächsten Monat bereits angekündigten Schiffe ihre Ansprüche zu mäßigen. An einigen Orten des Königreichs fallen jedoch noch immer polizeiliche Unordnungen we⸗ gen Theurung des Getraides vor.

Dlle. Mars, die berühmte Schauspielerin, so viele Jahre lang die Zierde der feineren Komödie des Theatre frangais, ist vorgestern ge⸗ staorben. Sie hatte schon vor sieben Jahren die Bühne verlassen. Jules Janin bemerkt, daß der Kastanienbaum des 20. März, als ob er mit traure über den Tod der großen Künstlerin, in diesem Jahre nicht schon die gewohnten Blüthen gehabt habe, die das französische

Volk als eine Erinnerung an die ephemere Rückkehr Napoleon's nach Paris, im Jahre 1815, zu betrachten pflegte. Dlle. Mars betrat die Bühne zum erstenmal am 1. Januar 1793 in einer kleinen Oper m Thedtre Montanster.

Capitain Lepredour, der das Kommando über das französische Geschwader im La Plata übernimmt, hat Toulon am 16ten d. auf dem Dampfschiff „Cassini“ verlassen. Auch Herr Walewski befindet sich an Bord dieses Fahrzeuges, welches, dem Vernehmen nach, bei

den Kanarischen Inseln sich dem englischen Dampfschiff anschließen soll, welches den Lord Howden ebenfalls nach dem La Plata bringt.

Die Eisenbahn von Rouen nach Havre ist vorgestern eröffnet

worden. Die Bewohner von Paris, welche an dieser Eröffnung Antheil nahmen, verließen Paris um 6 ¾ Uhr Morgens, trafen um

1 Uhr in Havre ein, nahmen daselbst an einem Mittagsmahle Theil und waren um 10 ½ Uhr Abends wieder in Paris zurück.

8 *x Paris, 22. März. In der Pairs⸗Kammer, welche heute öffentliche Sitzung hielt, wurden zuerst Berichte über verschiedene Petitionen erstattet, worauf sich die Kammer in ihre Büreaus zurück⸗ zog, zu vorläufiger Besprechung der Gesetz⸗Entwürfe über das Ka⸗ pital von St. Denis und über den Unterricht der Rechtswissenschaft und um die betreffenden Kommissionen zu ernennen. Damit schloß die Sitzung.

In der Deputirten⸗Kammer wurde zuerst zu der in Folge der Ernennung des Herrn Hebert zum Großsiegelbewahrer nothwen⸗ dig gewordenen Ernennung eines neuen Vice⸗Präsidenten geschritten. Das Resultat der Wahl war Folgendes: Die Zahl der Abstimmen⸗ den betrug 321, die absolute Majorität also 152. Herr von Du⸗ pret erhielt 122 Stimmen, Herr von Malleville 101, Herr Debelleyme 43, Herr von Vetry 16, Herr Vitet 7, Herr Lasnyer 4, Herr Du⸗ faure 2, Herr von Lamartine 1. Da keiner der Kandidaten die absolute Majorität erlangt hatte, so mußte zu einem zweiten Skru⸗ iinium geschritten werden, worin Herr von Dupret 166, Herr von Malleville 136, Herr Debelleyme 34, Herr Vitet 1 erhielt, da dies⸗ mal die Zahl der Abstimmenden 346, die absolute Majorität aber 174 betragen hatte, so hatte abermals keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit, und ein drittes Skrutinium durch Ballotage zwi⸗ chen Herrn von Dupret und Herrn von Malleville wurde nöthig, durch welches der Erstere endlich zum Vice⸗Präsidenten der Kammer erwählt und sonach proklamirt wurde. Die Tagesordnung führte zur Entwickelung des Antrags des Herrn Duvergier de Hau⸗ ranne in Betreff der Wahlreform. Der Inhalt dieses Antrags, der zuerst vorgelesen wurde, ist bereits bekannt. Der Antragsteller begründet denseiben von der Tribüne aus. Sein Antrag, sagte er, sei einer der wichtigsten, womit eine gesetzgebende Versammlung sich befassen könne. Wenn man einen solchen Antrag stelle, sei man ver⸗ bunden, zwei Dinge zu beweisen: 1) daß das bestehende Gesetz solche Unvollkommenheiten und Mängel an sich trage, daß es nicht ohne Nachtheil aufrecht erhalten werden könne; 2) daß die Bestimmungen, welche man an dessen Stelle setzen wolle, auch geeignet seien, dieser Gefahr wenigstens in einem gewissen Maße vorzubeugen. Sonst weire es weder vernünftig, noch klug, Hand zu legen an die bestehende Ge⸗ seheebang. blos um eines übermäßigen Wunsches willen nach Neuerungen, und der chtung Eintrag zu thun, welche zu allen Zeiten alten Institutionen prralh werde. Es frage sich, ob das Wahlgesetz von 1831 geeignet 18828 Lande eine wirkliche, vollständige Repräsentation seiner e *⁷ Ideen, seiner allgemeinen Interessen zu sichern? Im liche Wehneßten Falle, ob es möglich sei, dieses Gesetz auf eine nuͤtz⸗ in ber p vüitäch modisiziren, ohne es ganz und gar umzustürzen, ohne vnasen d⸗ zan und sozialen Ordnung einen jener Umstürze hervor⸗ gg welchen -S⸗ die Rettung der Nationen seien (Murren), ie Weisheit der Regierungen stets zu begegnen sich

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u“ also, auf welchen Boden er sich stelle, und in welche Gränzen er sich

einschränke. Er wolle nicht bis auf den Ursprung des Wahlrechts zurückgehen und untersuchen, welches die Natur, die Ausdehnung und der wahre Charakter dieser Rechte sein möge. Er nehme ohne Dis⸗ kussion die Prinzipien an, auf welchen das gegenwärtige Wahlgesetz beruhe, und gebe zu, daß die Idee desselben gut sei. Aber die po⸗ litischen Rechte seien beschränkt, und je mehr dies der Fall sei, desto wichtiger sei es, daß diejenigen, welchen das Gesetz sie versage, die Ueberzeugung erlangen, daß sie von den Berechtigten im Interesse Aller ausgeübt würden. (Die Sitzung dauert noch fort.)

Herr Leon Faucher hat heute den Kommissions⸗Bericht über den Gesetz⸗Entwurf, die Banknoten betreffend, vorgelegt. Die durch den Art. 14 des Gesetzes vom 24. Germinal des Jahres XI. auf 500 Fr. festgesetzte kleinste Fraction der Bank⸗Billette soll nach dem Kommis⸗ sions⸗Antrage auf 100 Fr. herabgesetzt werden. Die Bank soll auch Banknoten von 200 Fr. ausgeben können.

Großbritanien und Irland.

London, 20. März. Der Erlaß des Schatzamts, welcher das Arbeitsamt zu Dublin ermächtigt, demnächst ein Fünftel der bei den öffentlichen Arbeiten beschäftigten Leute zu entlassen, erweckt in Irland ernste Besorgniß vor Ruhestörungen, und die große Jury der Grafschaft Cork hat in einer Versammlung am 16ten eine Reihe von Beschlüssen, worin sie ihre Befürchtungen ausspricht, genehmigt und deren sofortige Einsendung an die Regierung beschlossen. In eben dieser Versammlung wurde mitgetheilt, daß in der einzigen Baronie Duhallow wöchentlich etwa 500 Personen vor Mangel umkommen. Nicht besser lauten die Berichte aus anderen Gegenden, obgleich fort⸗ während sehr starke Lebensmittel⸗Zufuhren in Irland eintreffen, haben sie doch bisher dem raschen Umsichgreifen des Verhungerns noch kei⸗ nen Einhalt gethan.

Die Kosten des Arbeitshauses der londoner City haben im vo⸗ rigen Jahre für die 1188 Insassen desselben beinahe 18,000 und für die 4665 Armen, welche wegen Mangels an Raum zur Unter⸗ bringung auswärts unterstützt wurden, 42,633 Pfd. St. betragen. g geht jetzt mit dem Plane um, ein zweites Arbeitshaus zu auen.

Der Globe sagt in seinem Börsen⸗Artikel über die Wirkung der Anleihe der Bank von Frankreich: „Schon gestern besserte sich der Geldmarkt, weil man erfuhr, daß die Bank von England ihren Dis⸗ konto nicht erhöhen werde, und heute ist dieser Aufschwung wesentlich durch die Nachricht von der Uebereinkunft zwischen der russischen Regie⸗ rung und der Bank von Frankreich gefördert worden, die man mit Recht dahier als die auffallendste Geld⸗Operation betrachtet, welche je stattge⸗ funden hat. Es giebt natürlich immer Leute, welche solche Vorgänge an⸗ deren Beweggründen, als den oberflächlich vorliegenden zuschreiben, und diese behaupten jetzt, daß die Verstärkung seines politischen Ein⸗ flusses der Hauptzweck des Kaisers Nikolaus sei. Es heißt auch, daß eine hebräische Firma die Uebereinkunft zu Stande gebracht habe. Man ist jetzt gespannt darauf, ob die Bank von England ihre Stocks- verkäufe fortsetzen wird, da eine Erleichterung des französischen Geld⸗ örhe in Folge des Uebereinkommens mit Rußland sehr wahrschein⸗ ich ist.“

In Edingburg wurde vorgestern Graf Gray, statt des ver⸗ storbenen Lord Rollo, einmüthig von den berechtigten Pairs zum Re⸗ präsentativ⸗Pair für Schottland gewählt.

Die neueste ostindische Ueberlandpost über Marseille überbringt Nachrichten aus Bombay bis zum 16. Februar. Sie melden Weniges von Bedeutung. Mit Ausnahme einiger Unruhen, welche in Grumsur ausgebrochen und noch nicht unterdrückt waren, herrschte in ganz Indien Ruhe, so daß die Reduction der Armee nach dem Beschlusse des General⸗Gouverneurs, um das Gleichgewicht in den Einnahmen und Ausgaben wiederherzustellen, bereits vorgenommen wurde. Der abgesetzte Wesir von Lahore, Lall Singh, war in Agra angekommen, wo er streng bewacht wird und nicht einmal mit seiner Familie, die ihm dorthin gefolgt war, Verbindungen unterhalten konnte. In Birman hat eine Revolution stattgefunden. Der Sohn Tharawaddi's, welcher nach der Entthronung seines Vaters sich zum Regenten und später zum Kaiser hatte ernennen lassen, ist von einem Großen seines Hofes, mit Namen Mounghiva, ermordet worden. Die Einzelheiten dieser Umwälzung sind indeß noch nicht bekannt.

Nlggim.

Brüssel, 23. März. Der Senat hat gestern den Gesetz⸗ Entwurf über die Urbarmachungen mit 22 gegen 7 Stimmen ange⸗ nommen. In der Repräsentanten⸗Kammer wurde das Gesetz über die Befreiung der mit Lebensmitteln zur Einfuhr in Belgien befrachteten Schiffe vom Tonnengeld, so wie der Senat es amendirt hat, ge⸗ nehmigt.

Aus den verschiedensten Gegenden des Landes hört man Günsti ges über die Aussichten auf die nächste Aerndte; der letzte Frost hat nur dem Rübsaamen großen Schaden gethan, so daß man von diesem auf hoch gelegenem Boden kaum die Hälfte des Ertrags erwartet. In Namur ist ein schreckliches Unglück vorgefallen, das die ganze Stadt in Trauer versetzt. Der junge Graf Liedekerke, der seit lange an Wahnsinn leidet, welcher zuweilen in Tobsucht ausartet, eilte Sonnabend Abends, als seine zwei Schwestern in einer in der Nähe des Schlosses Geronsart liegenden Kapelle beteten, mit geladenem Gewehr dorthin und schoß sie Beide todt. Landleute brachten die Leichen nach dem Schlosse, und der Wahnsinnige entfernte sich ruhig, indem er sagte, er werde noch andere Mitglieder seiner Familie tödten. Man weiß nicht, wohin der Wüthende sich begeben; sein Hund kam allein nach dem Schloß zurück. Die beiden Opfer werden von den Armen der Stadt und Umgegend beweint, denn ihre Groß⸗ muth und Mildthätigkeit kannte keine Gränzen.

Schweiz. Kanton Bern. Die Regierung hat eine Proclamation an das bernische Volk reformirter Konfession erlassen. Sie ist in fester, ruhiger Sprache abgefaßt und schließt mit den Worten: „Euer Zu⸗ trauen ist unsere Stärke, und unsere Einigkeit ist die Bedingung ei⸗ bens See diichen, glücklichen Zukunft unseres schweizerischen Vater⸗ W“ 8

““

1 sSpanien.

8 Madrid, 16. März. In meinem letzten Briefe erwähnte ich des Gerüchts, daß der General Serrano, in Verbindung mit den Herren Pacheco, Luzuriaga und Salamanca, Aussicht hätte, ein neues Ministeriumszu bilden. Im Laufe des 12ten schien dieses Gerücht sich fester zu begründen. Nach Einbruch der Nacht legten aber die Minister der Königin ein Dekret, in welchem der General Serrano zum General⸗Capitain von Navarra ernannt wurde, zur Unterzeich⸗ nung vor. Die Königin behielt das Dekret zurück, indem sie erklärte, 8— in Ueberlegung ziehen zu müssen, bevor sie einen Entschluß fassen

önne.

Am 13ten Morgens ließ indessen der Minister⸗Präsident, Herzog von Sotomayor, den General Serrano zu sich rufen und trug ihm die so eben genannte Würde förmlich an. Der General lehnte sie aus dem Grunde ab, weil er das politische System der Minister miß⸗

bemsihen müsse. Das wolle er nun untersuchen. Die Kammer sehe

billige und überzeugt sei, für jetzt auf seinem Sitz im Senate dem

Lande größere Dienste leisten zu können, als in einer entlegenen Provinz. Als darauf am Abend die Minister diese Angelegenheit der Königin aufs neue vortrugen, erklärte Letztere sich bereit, die Ernennung Ser⸗ rano's zum General⸗Capitain von Navarra zu unterzeichnen, falls er sich zuvor zur Annahme entschlösse.

gesetzt. Da sie aber

den General Serrano um jeden Preis aus

gedachten Ernennung ab, Unterzeichnung nicht bedürfende Versügung aus, kraft deren, neben drei anderen nach Aragonien, Andalusien und Galicien bestimmten Generalen, der General Serrano sich nach Navarra begeben sollte, um die dortigen Truppen zu inspiziren. Diese Verfügung ward ihm

weitere Instructionen vorfinden würde, zugeschickt. nirgends anzutreffen. Dagegen richtete er durch das Kriegs⸗Ministerium eine Vorstellung an die Königin, in welcher er aufs neue den Wunsche die ihm übertragene Sendung ablehnen und auf seinem Posten im Se⸗ nate bleiben zu dürfen, darlegte. last, um von der Königin eine Audienz zu erbitten. Diese vermochte er nicht zu erlangen, da die Königin ausgeritten war. Gegen Abend wurde ihm abermals der Befehl zugeschickt, unverweilt abzureisen.

Da er aber schriftlich bei seiner Weigerung beharrte und die Enta.

scheidung der Frage dem Senat überwiesen zu sehen wünschte, so ließ der hiesige General⸗Capitain ihn während der Nacht, wiewohl vergeb⸗ lich, durch verschiedene Adjutanten aufsuchen und seine Wohnung, so wie einige andere, mit Truppen und Polizei⸗Agenten umstellen.

Unterdessen ließ die Königin Abends den Kriegs⸗Minister, Gene⸗ ral Oraa, zu sich rufen und stellte ihn zur Rede, weil er, ohne ihre Erlaubniß einzuholen, den General Serrano mit einer Sendung nach Navarra beauftragt habe. Da die Königin sich erzürnt zeigte und einige Drohungen fallen ließ, sein 40jähriges Dienstalter und das Blut, das er für sie vergossen hätte. Er soll mit den Worten geschlossen haben: Die Königin möge über sein greises Haupt verfügen.

Darauf wurde um Mitternacht Herr Pacheco im Namen der Königin eingeladen, sich in den Palast zu verfügen. Als die Königin ihm den Antrag machte, ein neues Ministerium zu bilden, fragte er, ob das Kabinet seine Entlassung eingereicht hätte oder entsetzt wor⸗ den wäre. Auf die verneinende Antwort erwiederte Herr Pacheco, daß er den Antrag nicht annehmen könne, so lange das dermalige Ministerium bestände.

Als die Minister gestern früh die Ereignisse der Nacht erfuhren, sollen sie anfangs entschlossen gewesen sein, ihre Entlassung einzu⸗ reichen. Auch richteten sie an den Oheim des Generals Serrano ei⸗ nige Zeilen, um anzudeuten, daß Letzterer nach seinem Gutdünken verfahren könnte. Allein auf Zureden der Herren Mon, Pidal und Donoso Cortes kamen sie von ihrem ersten Entschlusse zurück und ver⸗ sammelten sich gestern Mittag in der Staats⸗Kanzlei zu einer Berath⸗ schlagung, zu welcher sie die Präsidenten des Senats und des Kongresses, den Präsidenten des Staats⸗Raths (Perez de Castro), den General Narvaez, den Marquis von Miraflores, die Generale Mazarredo und Ezpeleta, die Herren Gonzalez Bravo, Mon, Pidal, Martinez de la Rosa, Garely, Donoso Cortes und Andere zuzogen. Herr Pacheco, der ebenfalls eingeladen war, glaubte in Folge einer Unterredung, die er mit dem Minister⸗Präsidenten hatte, nicht theilnehmen zu dürfen.

In dieser Versammlung wurde beschlossen, das Ministerium müsse, so lange die Königin nicht das Gegentheil verfüge, auf seinem Posten bleiben und vom Senate die Ermächtigung verlangen, gegen den General Serrano gerichtlich vorschreiten zu dürfen.

Um drei Uhr Nachmittags stellten alle Minister, mit Ausnahme des Generals Oraa, sich in der Sitzung des Senats ein. Die Galle⸗ rieen waren mit Deputirten und anderen Neugierigen zum Erdrücken angefüllt. Zuerst wurde eine Eingabe des Generals Serrano verlesen, in welcher er seine Gründe, die ihm übertragene Sendung abzulehnen, aus⸗ einandersetzte und den Senat aufforderte, über die Aufrechthaltung der einem seiner Mitglieder schuldigen Achtung zu wachen. Herr Luzuriaga (Busenfreund Olozaga's) suchte das Verlangen Serra⸗ no's zu unterstützen; allein der Senat entschied, daß die Eingabe an die Bittschriften-Kommission zu verweisen sei. Darauf verlas man eine Mittheilung des Minister⸗Präsidenten, in welcher der Senat auf⸗ gefordert wurde, der Regierung, welche beschlossen hätte, gegen den General Serrano wegen seines Ungehorsams im Militairdienste ge⸗ richtlich vorzuschreiten, die von der Constitution vorgeschriebene Er⸗ mächtigung aufs schleunigste zu ertheilen. Nachdem der Minister⸗ Präsident erzählt hatte, was zwischen ihm und dem General Ser⸗ rano vorgefallen war, forderte Herr Luzuriaga den Senat aber⸗ mals auf, keinen übereilten Beschluß zu fassen. Der Justiz⸗Mi⸗ nister suchte diese Einwendungen zu widerlegen und darzuthun, daß die Regierung sich Gehorsam verschaffen und einen widerspenstigen General den Gesetzen gemäß bestrafen müsse.

Der Senat ernannte auf der Stelle die Generale Narvaez und Meer und die Herren Gareli, Armendariz und Barrio Ayuso zu Mit⸗ gliedern der Kommission, welche ein Gutachten über die von den Ministern verlangte Ermächtigung, gegen den General Serrano ein⸗ zuschreiten, ertheilen sollte. Nach einer halben Stunde erfolgte die⸗ ses auf Ertheilung der Ermächtigung gerichtete Gutachten.

Herr Luzurijaga äußerte nun die Meinung, daß der Senat zuvor die Vertheidigung Serrano's anhören müsse, und berief sich auf die Constitution, welche (Art. 19) vorschreibt, daß die Senatoren in den durch die Gesetze zu bestimmenden Fällen von dem Senate selbst gerichtet werden sollten. Dagegen erhob sich der General Narvaez mit der Behauptung, ein General, der sich weigere, den von der Regie⸗ rung ihm angewiesenen Posten einzunehmen, müsse streng bestraft wer⸗ den, wenn der Staat sich nicht auflösen solle. Der ältere General Concha suchte im Gegentheil Serrano's Benehmen zu entschuldigen und ihn durch seine Stellung im Senate zu rechtfertigen, weil sonst die Minister jeden ihnen mißfälligen General oder Beamten unter dem Vorwande eines Auftrages aus dem Senate entfernen könnten. Nachdem noch der Minister des Innern die Nothwendigkeit und Ge setzmäßigkeit der Bestrafung Serrano's darzuthun sich bemüht hatte. wurde das auf Ertheilung der Ermächtigung gestellte Gutachten de Kommission vom Senate durch 88 Stimmen gegen eine (Luzuriaga angenommen. Der General Concha verließ vor der Abstimmung den Saal.

Diese Angelegenheit hat hier das größte Aufsehen erregt. Es handelt sich bei ihr nicht blos um die Aufrechthaltung der Manns⸗ zucht unter den Generalen der Armee. Wenige von ihnen sind emporgestiegen, ohne diese Pflicht verletzt zu haben, und gerade in diesem Augenblicke weigert der jüngere General Concha sich, den ihm angewiesenen Posten in Valencia einzunehmen. Die Minister beru⸗ fen sich darauf, daß man nur einen General von ganz besonderer Zuverlässigkeit nach Navarra schicken dürfe, und doch wählen sie Serrano dazu, der ihnen im Senate die Opposition macht und kein Vertrauen einflößen kann. Es handelt sich um die wichtigste aller Fragen, um die, ob der Wille der Minister gegen den der Kö⸗ nigin zu entscheiden habe, mit anderen Worten, ob der Königin auch nur der Schatten eines eigenen Willens zu lassen oder den Ministern die Besugniß, in Verbindung mit den Cortes als Souveraine zu regieren, einzuräumen sei.

Die Minister sahen sich durch diese Antwort in Verlegenheit

Madrid zu entfernen wünschten, so standen sie zwar von der ihm zu- fertigten aber am 14ten eine der Königl.

mit dem Befehl, ohne Verweilen nach Pampelona abzureisen, wo er

Allein er war

Dann verfügte er sich in den Pa-

so berief der Kriegs⸗Minister sich auf

8 Tritt das Ministerium vor dem Willen der Königin in dem vor⸗ liegenden Falle zurück, so erhält die Insubordination eines Generals⸗ die Königliche Genehmigung, und es fragt sich, welche Männer sich berufen fühlen werden, der Krone, auf die Gefahr einer ähnlichen Verwickelung hin, als verantwortliche Rathgeber zu dienen. Beharrt aber die Königin auf ihrem Widerstand gegen die Minister und diese auf die Ausführung ihres Entschlusses, so fragt sich, wohin eine solche Ueberschreitung der ihnen gesetzmäßig zustehenden Gewalt führen wird.

Es leuchtet ein, daß die Minister die Ueberzeugung hegen, Ser⸗ rano müsse um jeden Preis von Madrid entfernt werden. Warum? Diese Frage weiß Jedermann hier zu beantworten; dem öffentlichen Bericht⸗Erstatter aber liegt Stillschweigen ob. Auf der einen Seite stehen die Personen der Königin und Serrano's, auf der anderen der König und alle diejenigen, welche den Ausweg aus einer inhaltschwe⸗ ren Verwickelung suchen, ohne den Muth zu haben, das allein rettende Mittel auffinden zu wollen.

Die Königin ist der einzige Stützpunkt Serrano's. Mit den Moderados hat er längst völlig gebrochen, und die Progressisten has⸗ sen ihn, seitdem er die Losung zur Vertreibung Espartero's gab. Mit dem englischen Gesandten, der sich seit dem 12ten in Aranjuez be⸗ findet, steht er in freundschaftlichen Verhältnissen. 1

Die Frage, ob durch die Entfernung der Königin Christine den Ministern das Geschäft der Regierung erleichtert worden ist, dürfte nun auch auf eine andere als die vorausgesetzte Weise beantwortet werden und nur die Vermuthungen derjenigen Personen sich bestäti⸗ gen, welche in der Wahl des Gatten, den eine verblendete Politik der jungen Königin bestimmte, eine Quelle unabsehbaren Unheils er⸗ blickten.

Die Regierung hat unter dem 14ten die Ausfuhr von Weizen, Mais, Gerste, Roggen, Mehl, Reis und Kartoffeln zu Lande und zur See von der Halbinsel und den Balearen verboten und die Einfuhr fremden Getraides für den Fall, daß der Preis des Weizens auf 70 Realen die Fanega steigen sollte, freigegeben. Ich werde auf diese Maßregel zurückkommen.

Nachschrift. Beim Abgange der Post sagt man mir, die Kö⸗ nigin hätte erklärt, die dermaligen Minister beibehalten zu wollen, und in die Entfernung Serrano's eingewilligt.

x. Paris, 22. März. Wir haben Briefe von der ca⸗ talonischen Gränze vom 16. März. Dieselben melden aus Barcelona, daß der General Breton seine Anstalten traf, um nach der Rioja (das Land um Logrofio, welche Stadt der Hauptort jenes Distriktes ist) abzureisen, wo er Güter besitzt. Um der Armee in Catalonien auch nicht einen Mann zu entziehen in einem Augenblicke, wo sie von allen Seiten durch die immer zahlreicher auftretenden Karlistenbanden vollauf in Anspruch genommen ist, wollte er vermeiden, daß ihm Mi⸗ litair⸗Abtheilungen für die Reise auf der jetzt höchst unsicheren Strecke von Barcelona bis Saragossa als Bedeckung mitgegeben würden, und deshalb entschloß er sich, den Weg über Frankreich einzuschlagen. Er wollte sich daher auf einem der Dampfböte des Mittelländischen Meeres zu Barcelona nach Portvendres einschiffen, von wo er dann nach Bayonne sich begiebt, um durch die baskischen Provinzen nach der Rioja zu gelan⸗ gen. Er hatte zu gleicher Zeit die Nachricht von seiner Ersetzung durch den General Pavia im Ober⸗Kommando von Catalonien und seine

Ernennung zum Marquis von Mayal, Vicomte von Breton, erhalten.

Ueber die Bewegungen Tristany's erfahren wir folgende weitere Nachrichten. Dieser Bandenführer hatte am 7ten mit ungefähr 300 Mann in einem einzeln gelegenen Bauerhofe in geringer Entfernung

von Manresa, wo der General Enna sein Hauptquartier hatte, über⸗ nachtet. Von dort hatte er sich nach San Pador gewendet, wo noch einige Ueberreste einer alten Ringmauer vorhanden sind. Aber der Oberst Baixeras befand sich mit einem Bataillon des Regiments Cor⸗ dova in der Nähe. Die Einwohner von San Pador selbst hatten ihm Anzeige gemacht von der Ankunft Tristany's und bewaffnet zu werden verlangt. Der Oberst rückte daher unverzüglich gegen die Karlisten an, die aber, ohne seine Ankunft abzuwarten, sogleich den Ort verließen und die Richtung nach Suria einschlugen, woraus sich klar ihre Absicht ergiebt, das Innere von Hochcatalonien wieder zu gewinnen. Ihre Taktik bleibt immer die nämliche, nur Zövwischenfälle bringen zuweilen einen Wechsel hinein. Auf ihrem Rückzuge wechsel⸗ ten die Karlisten diesmal einige Flintenschüsse mit den sie verfolgen⸗ den Truppen der Königin, welchen wirklich mehrere Leute verwundet wurden, ohne daß die Karlisten irgend einen Verlust erlitten. Die Armee in Catalonien bedarf dringend Verstärkungen, denn in ihrem jetzigen Stande ist sie durchaus unzureichend. Die Karlisten ziehen nach Belieben herum, ermatten die Truppen durch nutzlose Märsche und halten das Feld, indem sie dem Gange der Dinge jede beliebige Wendung geben. Sie nehmen den Kampf an oder verweigern ihn, je nachdem es ihnen zuträglich erscheint.

Was man vom Erscheinen einer karlistischen Bande auf dem Gränzbezirke zwischen den baskischen Provinzen Alava und Guipuzcoa zwischen Vitoria und Tolosa gesagt hatte, entbehrt alles Grundes, wie durch heute eingetroffene Briefe aus San Sebastian bestätigt wird. Dieselben melden, daß General Barrenechea, der General⸗ Kommandant von Guipuzcoa, der mit 200 Mann Infanterie, eini⸗ ger Reiterei und einigen Feldgeschützen von San Sebastian ausgerückt

ar, um das Land zu durchstreifen, wo die Karlisten angeblich er⸗ chienen sein sollten, am 16ten Abends wieder in Sebastian eingerückt war, nachdem er seinen Zug bis Tolosa ausgedehnt hatte. Nirgends hatte er einen Feind getroffen, und die Einwohner versicherten ihm auch, keine Spur eines Karlisten gesehen zu haben. Eben so hatten vierzig Carabiniers und eine halbe Compagnie der Besatzung von Irun auch von dieser Stadt aus einen Streifzug gemacht, waren ber eben so wenig auf einen Feind gestoßen; überall hatten sie das Land ruhig gefunden. Der Oberst Fausto Elio, der seit dem Jahre 1843 in Disponibilität sich befunden hatte, ist zum Kommandirenden

zen und Getraide aller Arten vorhanden sind.

der zur Besetzung der Gränzlinie zwischen Navarra und Frankreich bestimmten Truppen ernannt worden. G G

In den madrider Oppositions⸗Blättern ist fast täglich von Ge⸗ traidemangel und Hungersnoth, welche das Land bedrohen, die Rede, und zur Unterstützung dieser Behauptungen führen diese Blätter an⸗ gebliche Korrespondenzen an, die aber nur Parteimanöver zu sein scheinen. Denn vollkommen glaubwürdige Briefe, die man hier hat, versichern, daß in ganz Castilien sehr beträchtliche Vorräthe an Wei⸗ Ein Brief aus Bur⸗ gos klagt über den Mangel an Absatzwegen für die in jener Gegend verfügbaren enormen Quantitäten Getraide. „Die Preise stehen sehr niedrig“, sagt dieser Brief, „und wenn wir nicht verkaufen können, so ist zu fürchten, daß es unseren Landleuten gar nicht möglich sein wird, ihre Steuern zu bezahlen. Die Declamationen der madrider Journale sind unserem Verkehr äußerst nachtheilig, und wir fürchten, die Regierung, durch dieses Geschrei getäuscht und um demselben ein Ende zu machen, könnte am Ende die Ausfuhr verbieten, was ein wahres Unglück für das Land sein würde.“

Der neue General⸗Capitain von Catalonien hat nach Briefen aus Barcelona vom 16ten bereits seine Wirksamkeit begonnen, durch Organisirung von fünf fliegenden Kolonnen, die unablässig in sich gegenseitig durchkreuzenden Richtungen Hochcatalonien durchstreifen sollen. Desgleichen soll die nächste Umgebung von Barcelona gleich⸗ falls durch ein Truppen⸗Corps durchzogen werden; dadurch soll die Wiederkehr solcher Vorkommnisse verhütet werden, wie jenes von Gracia war, wo bekanntlich die Karlisten, trotz ihrer verhältnißmäßig geringen Anzahl, einzudringen und so vor den Thoren der Stadt Barcelona eine ganze Nacht über sich zu behaupten gewußt hatten. Die madrider Blätter lassen Tristany am 11ten in Vich eingerückt sein; unsere Berichte aber sagen, er sei am 11ten in Calaf eingedrungen, habe aber diesen Ort unverzüglich wieder räumen müssen, da der Oberst Baixeras mit seinem Bataillon vom Regiment Cordova ihm unmittelbar auf den Fersen war. Daß Banden von einigen hundert Mann Karlisten so kühn sind, selbst in volkreichere Städte einzudrin⸗ gen, war selbst im Jahre 1837 nicht vorgekommen, als die karlisti⸗ sche Sache noch sehr günstig stand. Damals bestand noch die Na⸗ tional⸗Miliz und konnte die Vertheidigung führen, wie sie es zu Saͤ⸗ ragossa am 5. März selbst gegen mehrere Tausend Mann unter Ca⸗ banero that. Damals scheint aber andererseits auch nicht jene tiefe Verstimmung unter der Bevölkerung gegen die Regierung geherrscht zu haben, wie jetzt. Man sprach zu Barcelona davon, daß die Re⸗ gierung dem General Prim ein Kommando in Catalonien übertra⸗ gen wolle.

Moldau und Wallachei.

Bucharest, 26. Febr. In der letzten Sitzung der Stände⸗ Versammlung am 23. Februar wurde von der Regierung der Gesetz⸗ vorschlag über die Freilassung der leibeigenen Zigeuner der Metro⸗ polie, der Bisthümer, Klöster und aller dem Staate gehörigen Güter in der Wallachei eingebracht und verlesen. Es sollen diesem Vor⸗ schlage gemäß die Zigeuner auch befähigt sein, freie Wallachinnen zu heirathen, und von ihrem Erwerb eine jährliche Abgabe (etwa von ei⸗ nem Dukaten) an die Staatskasse zahlen, welche dieses Geld dazu verwenden wird, andere Zigeuner damit loszukaufen, so daß man bei steigender Progression in 35 Jahren dahin gelangen wird, daß kein Sklave mehr in diesem Lande athmet und nur freie Leute es bewoh⸗ nen, angenommen, daß im Durchschnittspreise jeder Zigeuner auf 10 Dukaten geschätzt und jetzt 8000 Familien in Freiheit gesetzt werden. Zu diesen Contribuenten kommen noch 1000 Zigeuner⸗Familien, welche früher schon die Freiheit erlangt haben. Es wurde dieses Projekt ohne Abstimmung mit lautem einhelligen Zuruf angenommen.

Eien

23. März. Gestern fand die erste Probefahrt auf

der Strecke der Thüringischen Eisenbahn von Weimar nach Erfurt statt. Der Zug, geführt von der Lokomotive „Thüringen“, war aus einigen Personenwagen der verschiedenen Klassen und mehreren mit Kohlen beladenen Wagen gebildet. Die Abfahrt von Weimar er⸗ folgte kurz vor X auf 1 Uhr, und nach Verlauf von noch nicht einer vollen Stunde kam der imposante Zug, begrüßt von zwei Musik⸗ Chören und dem lauten Jubel der zahlreich versammelten Volksmenge, auf dem hiesigen Bahnhof an. Nachdem die Prüfung der Bahn durch Großherzoglich weimarische Regierungs⸗Kommissarien von Wei⸗ mar bis zur Landesgränze bereits geschehen und dasselbe auch auf diesseitigem Gebiet demnächst zu erwarten ist, soll, dem Vernehmen nach, der regelmäßige Betrieb von hier aus mit täglich vier Fahrten in etwa acht Tagen beginnen.

Handels- und Börsen-achrichten.

„Berlin, 26. März. Im Aectien⸗Geschäft war es heute sehr still und die Tendenz weichend. Besonders erfuhren Berlin⸗Hamburger eine Reac⸗ tion von circa 2 pCt. seit gestern.

Weizen 92 96 Rthlr., Roggen 1oco 79 —83 Rlhlr., Frühjahr 73 Rthlr. bez., Mai/Juni 72 a 71 ½ gem., Juni/Juli 70 Rthlr. bez. u. Brf. 8 loco und April/Mai 10 ½ a Rthlr., Sept/Okt. 11 ½ a 5⁄ Rthlr. ezahlt

Marktpreise vom Getraide.

. Berlin, den 25. März 1847.

Zu Lande: Weizen 3 Rthlr. 27 Sgr. 7 Pf., auch 3 Rthlr. 21 Sgr. 7 Pf.; Roggen 3 Rthlr. 9 Szr. 7 Pf., auch 3 Rthlr. 3 Sgr. 7 Pf.; große Gerste 2 Rthlr. 14 Sgr. 5 Pf., auch 1 Rthlr. 13 Sgr. 10 Pf.; Hafer 2 Rthlr., auch 1 Rthlr. 20 Sgr. 5 Pf.; Linsen 5 Rthlr. 3 Sgr. 7 Pf. Eingegangen sind 70 Wispel. Zu Wasser: Weizen 3 Rthlr. 27 Sgr. 7 Pf., auch 3 Rthlr. 25 Sgr. 2 Pf.; Roggen 3 Rthlr. 9 Sgr. 7 Pf., auch 3 Rthlr. 7 Sgr.

Bekanntmachungen. Am 20. Dezember 1845 ist allhier der pensionirte Major George Jakob von Diezelslo mit Hinterlassung eines Vermögens von etwa 3000 Thlrn. verstorben. Den eingezogenen Erkundigungen nach soll der Vater desselben, zu Ende des vorigen Jahrhunderts aus Po⸗ len kommend, als Knecht in Felstow gedient und dort ein Fräulein von Felstow, die Mutter des Erblassers, geheirathet haben, späterhin aber nach Tempschk in Pommern verzogen sein. Der Erblasser soll im Kadetten⸗ eeea1s, eeh.z erzogen 1. von hier in den Mili⸗ ven sein. Da nun die Erben des Nach⸗ lasses des Majors von Diezelsky völlig 8. 89 blieben, so werden auf den Antra des dem Nachlasse bestellten Kurators, Justiz⸗Kommisjarius Valentin all⸗ hier, alle diejenigen, welche an die gedachte Verlassen⸗ schaft aus irgend einem Grunde ein Erbrecht zu haben vermeinen, mithin der unbekannte Erbe und dessen Er⸗

ben oder nächste Verwandte, vorgeladen, sich in dem

schlag gebracht.

2

Allgemeiner An

auf den 21. Juli 1847, Vormittags 11 Uhr, vor dem Kammergerichts⸗Assessor Bergenroth im König⸗ 8 lichen Kammergerichte anberaumten Termine einzufinden Ueber das Vermögen der Kaufleute Carl August Wut⸗ und ihr Erbrecht gehörig nachzuweisen, unter der Ver⸗ warnung, daß sie sonst mit ihren Erb⸗Ansprüchen prä⸗ kludirt und der Nachlaß dem Fiskus als herrenloses Gut zugesprochen werden soll.

Zugleich werden die Gläubiger der Erbmasse aufge⸗ fordert, in dem bestimmten Termine ihre Forderungen anzumelden und nicht ferner an den Nachlaß⸗Kurator' halten können, sondern ihre Befriedigung von demjenige: sen, welchem eventualiter der Nachlaß zugesprochen und ausgeantwortet werden wird.

Den auswärtigen Interessenten werden die hiesigen Justiz⸗Kommissarien, Justizrath Hülsen und Ober⸗Lan⸗ desgerichts⸗Nath Martins I. als Sachwalter in Vor⸗

Berlin, den 10. September 1846. Königliches Preußisches Kammergericht.

eexntaninamn.

[250]

tig und Ernst Paul Wuttig, Wuttig & Sohn hierselbst,

Arrest verhängt worden.

nachzuweisen, widrigenfalls sie sich

en müs⸗ gerichte davon fördersamst treulich

2 Pf.; große Gerste 2 Rihlr. 15 Sgr. 7 Pf.; Hafer 1 Rählr. 18 S

6 Pf., auch 1 Rthlr. 16 Sgr. 3 Pf. Eingegangen sind gr

8 s vhines en 24.Rarg. sind 214 Wispel.

Das Schock Stroh 6 Rihlr. 22 Sgr. 6 Pf., auch 5 Rthlr. 25

Der Centner Heu 1 Rthlr., auch 20 & Pf., auch hlr. 25 Sgr.

Kartoffel⸗Preise.

Der Scheffel 1 Rthlr. 10 Sgr., auch 1 Rthlr.; metzenweis à 2 Sgr.

6 Pf., auch 2 Sgr. ö1“

Branntwein⸗Preise.

Die Preise von Kartoffel⸗Spiritus waren am

19. März 1847 33 ½¼ Rthlr.

20. 33 ¼ 33

22. 33 ½

„„ 34

B.—z ½40 34½ - 34½ Koorn⸗Spiritus: ohne Geschäft. Berlin, den 25. März 1847. . 1

e. Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin.

(frei ins Haus geliefert) pr. 200 Quart à 54 % oder 10,800 nach Tralles.

4

1.“ Berliner Börse.

Den 26. März 1847.

MPr. Cour. Brief.] Geld.

Pr. Cour.

Actien. [ 8.Briek. Seld. Gem

s

St. Schuld-Sch. 3 ½ 3 ½ 92 [Lel. Potsd. Magdb. 4 9¹½ do. Prior. Oblig. 4 92 ½ 91 ¾

do. do. do. 5 101½⅔ B.-St. E. Lt. A.u.B. 107 ½

Bonn-Kölner Esb. 5 Br.-Schw.-Frb. E. 4 do. do. Prior. Obl. 4 Cöln-Minden. v. e. 4 Düss. Elb. Eisenb. do. do. Präor. Obl. 4 Magd.-MHalbst. Eb. 4 Mgd. Lpz. Eisenb. do. do. Prior. Obl. 4 Niedersch.-Märk. 4 do. v. Staat ga- do. Priorität 4 rantirt. Lt. B. 3 ½ do. Priorität 5 Nied.-Mrk. Zwgb. 4 do. Priorität 491 13 ¼1 20Ob.-Schles. E. L. A 4 11 do. Prior. 4 5 do. Lt. B.

Rhein. Eisenb.

do. Stamm-Prior. V Aectien. (voll eingezahlt) 4 b Brl. Anh. Lit. A. —- 111 110 do. do. Prior. Obl. 4

do. do. Prior. 0bl. 4 Hdo.v. Staat garant. 3 i 10 s8

Berlin-IHIamb. 4

Prämien-Scheine d. Seeh. à 50 T. 8 Kur- u. Neumärk. Schuldverschr. 3 8

Berliner Stadt-

Obligationen 2 Westpr. Pfandbr. 3 Grossh. Pos. do. 4 do. do. 3 ½ Ostpr. Pfandbr. 3 ½ Pomm. do. 3 ½ Kur- u. Neum. do. 3 x½⅔ Schlesische do. 3 ½

Gold al marco. Friedrichsd'or. And. Gldm. à 5 Th. Disconto.

A8Sl

α 0 15 ,— *

18S1

Thüvinger 4

do. Priorität 1 ½ 96 ¾ 96 ½ Wilh.-B. (C.-O.) 4

Auswärtige Börsen.

Amsterdam, 22. März. Niederl. wirkl. Sch. 58 ½. 5 % Span. 17 ⅛. 3 % do. —. Pass. 5 ¼. Ausg. —. Poln. —. Preuss. Pr. Sch. —. 4 % Russ. Hope 88 ℳ%.

Frankfurt a. M., 23. März. 5 % Met. 108 ½. †. 1906. 1904. Bayr. Bank-Actien 669 Br. Hope 87 ½ G. Stiegl. 87 ½ G. Poln. 300 Fl. 96 Br. do. 500 Fl. 80 ½. 79 ⅓.

Hamburg, 24. März. Bank-Actien 1570 Br. Engl. Russ. 106. 105 ⅞.

London, 20. März. Cons. 3 % 89. Belg. —. Neue Aunl. 23 ¾. 23. Ausg. Sch. 17. 16. Passive 5 ⅛. 5. 2 ½ % Holl. 58 3. ½. 4 % do. 92 ½. 92. Port. 3 4. 33. Engl. Russ. —. Bras. 87. 86. Chili —. Mex. 21 ⅞.

N aris, 22. März. 5 % Rente fin cour. 116. 80. 3 % do. En cour. 78. 80.

Pass. —.

Neapl. —. 3 % Span. —.

Wien, 23. März. 5 % Met. 108 ½. 4 % do. 99 ½. 3 % do. 71. Bank- Actien 1593. Aunl. de 1834 153 ½. de 1839 119 ¼. Nordb. 174 ⅞. Gloggn. 120 ½. Budw. —.

Mail. 109 ½. Livorn. 93 ½. Pest. 98.4½.

Zinsl. —.

Bank-Actien p. ult. Int. 58 ½. ½

Königliche Schauspiele.

Sonnabend, 27. März. Im Schauspielhause. 48ste Abonnements⸗ Vorstellung. Zum erstenmale: Der Stellvertreter, Original⸗Lustspiel in 2 Abtheil., von F. von Holbein. Hierauf, zum erstenmale: Ein Beschützer, Schauspiel in 2 Abtheilungen, nach dem Französischen des Scribe, von H. Börnstein.

Sonntag, 28. März. Im Opernhause. 39ste Abonnements⸗ Vorstellung: Robert der Teufel, Oper in 5 Abth., nach dem Fran⸗ zösischen von Scribe und Delavigne, übertragen von Th. Hell. Musik von dem Königl. General⸗Musik⸗Direktor und Hof⸗Kapellmei⸗ ster Meyerbeer. Ballets von Ph. Taglioni. (Mad. Viardot⸗Garcig: Alice. Herr Tichatschek: Robert, als vorletzte Gastrolle.) Anfang 6 Uhr.

Zu dieser Vorstellung werden Billets zu folgenden hohen Opern⸗ haus⸗Preisen verkauft:

Ein Billet in den Logen des Prosceniums, des ersten Ranges, im ersten Balkon und zur Tribüne 2 Rthlr. Ein Billet im Parquet 1 Rthlr. 15 Sgr. Ein Billet in den Logen des zweiten Ranges 1 Rthlr. 10 Sgr. Ein Billet in den Logen des dritten Ranges, im Balkon daselbst und im Parterre 20 Sgr. Ein Billet im A phitheater 10 Sgr. Ein Billet in den Fremdenlogen 3 Rthlr.

Schauspielhause. 49ste Abonnements⸗Vorstellung.

erantwortlicher Redackeur Dr. J. W. Zinkeisen. Im Selbstverlage der Expedition.

Gedruckt in der Deckerschen Geheimen Ober⸗Hofbuchdruckerei

14““ 1“ 8

zeiger. Offener Arrest.

Inhaber der Handlung ist durch die Versügung vom heutigen Tage der Konkurs eröffnet und der offene

Es wird Allen und Jeden, welche von den Gemein⸗ schuldnern etwas an Gelde, Sachen, Briefschaften hinter sich haben, anbefohlen, den genann⸗ ten Gemeinschuldnern nicht das Mindeste davon zu ver⸗ abfolgen, vielmehr dem unterzeichneten Land⸗ und Stadt⸗ 1 Anzeige zu machen und die Gelder oder Sachen, jedoch mit Vorbehalt ih⸗ rer daran habenden Rechte, in das gerichtliche De⸗ positum abzuliefern, unter der Warnung, daß, wenn dennoch den Gemeinschuldnern etwas bezahlt oder aus⸗ geantwortet würde, dieses für nicht geschehen geachtet und zum Besten der Masse anderweit beigetrieben; wenn aber der Inhaber solcher Gelder oder Sachen dieselben verschweigen sollte, er noch außerdem alles seines daran

habenden Unterpfand⸗ und anderen Rechtes für verlusti

erklärt werden wird. Frankfurt a. O., den 15. März 1847, Königl. Land⸗ und Stadtgericht.

11““

1015 Nothwendiger Verkauf. Sladtgerige zu Berlin, den 2. November 1846. Das in der Dorotheenstraße sub Nr. 37, nach der jetzigen polizeilichen Straßenbezeichnung unter Nr. 70 belegene, den 5 Geschwistern Krüger gehörige, im stadt⸗ gerichtlichen Hopothekenbuche von der Dorotheenstadt Vol. 4. No. 7 Grundstück, taxirt zu 2,083 lr. 5 r., so 8 12008 Th. n1 647, Vormittags 11 Uhr, an der Gerichtsstelle subhastirt werden. Taxe und Hy pothekenschein sind in der Registratur einzusehen.

Effekten oder

[1016] Nothwendiger Verkauf. 8 Stadtgericht zu Berlin, den 7. November 1846. as in der Kanonierstraße Nr. 17 belegene, im

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