der Ereignisse, auf die Fortschritte der Sittigung, auf das Uebergewicht eines Landes in Bezug auf die Verhältnisse nach außen, auf die Stätigkeit der Staats⸗ Einrichtungen. Die organisirten und traditionellen Kräfte, durch welche die Gesellschaften bisher bestanden hatten, sind größtentheils zerstört. Heute wird es nöthig, in der Erziehung, in den Richtungen, welche sie der Ju⸗ — einprägt, in den Kräften, mit welchen sie den einflußreichen Theil der esellschaft waffnet, die Hauptbedingungen geregelter Freiheit, innerer Ord⸗ nung und äußerer Macht zu suchen. Die Erfahrung der letzten drei Jahr⸗ een hat uns erkennen lassen, mit welcher Schwere im Gleichgewicht der elt die Arbeiten des Geistes wiegen, und ihre Erfolge, die Früchte starker Studien. Eine andere, auch schon lange Erfahrung belehrt uns ferner, wie schwierig es ist, der Ordnung, den Gesetzen, allen sozialen Interessen, eine feste Grundlage zu geben, wenn man versäumt, dieses Fundament zu suchen in Gesinnungen und Prinzipien, geschöpft an den Quellen aller Ge⸗ selligkeit, so wie Aller Moralität, unter den Menschen. Welches ist nun die Einrichtung des Unterrichts, die sich am günstigsten bewähren mag für den freien Aufschwung der Geister, und die am meisten geeignet sein dürfte, das intellektuelle Gleichmaß in Frankreich zu erhöhen oder doch zu erhalten, sei es durch Gemeinsamkeit, sei es durch Zusammenwirken aller Bestrebun⸗ gen? Wie soll man die Lehr⸗Anstalten einrichten, um den vorgefaßten Mei⸗ nungen, welche von allen Seiten her in Beziehung auf den moralischen ustand der Gesellschaft laut werden, zureichende Bürgschaften zu sichern? Za⸗ nun erheben sich die großen Fragen von den Rechten des Staats, der . Niemand wird wagen wollen, die der letzteren auszu⸗ schließen: wollte man es dennoch thun, es würde sich ein Abgrund öffnen. Nehmen wir aber an, diese Rechte würden vorherrschend und bald alleinherr⸗ schend, was würde dann aus den Rechten oder vielmehr aus den Pflichten der Staats⸗Regierung in Bezug auf die allgemeine Leitung des Unterrichts, die Ueberwachung der Studien, die Zucht in den Schulen? Was würde auch aus unseren bürgerlichen Freiheiten werden, aus der Freiheit der Ge⸗ wissen, forthin die erste aller Freiheiten, aus der Gleichheit der Konfessionen, die mit allen anderen Gleichheiten Schritt halten muß? die Rechte der Fa⸗ milienväter würden sofort auch in die Debatte treten, bei welcher sie in die⸗ sen letzten Zeiten eine so große Rolle gespielt haben; sie würden von einer anderen Seite des Horizonts her eindringen. Alle diese Fragen sind in Wahrheit sroß und neu. Sie sind neu, wie unser sozialer Zustand, unsere konfessionelle Freiheit, unsere politische Ordnung. Um etwas zu finden, was ihnen gleicht war man genöthigt, bis zu Gesellschaften und zu Zeiten zurückzugehen, ie uns kein Vorbild zu geben haben. In der modernen Gesells⸗ haft hat während langer Jahrhunderte das christliche Prinzip für Alles gesorgt, zu Allem hingereicht. Privat⸗Stiftungen, Kommunal Fundationen, Anstalten, ausgehend vom Staat oder von der Kirche, Universitäten, religiöse Insti⸗ tute, Lehr⸗Corporationen, hatten die Heerde des Unterrichts vermehrt, ohne dabei die Familie und den Staat, das Episkopat und die bürgerliche Au⸗ torität, einander entgegen zu setzen, weil alle diese Institutionen mit dem Staat zusammenhingen durch ihre Privilegien oder mit der Kirche durch ihre Regeln, dabei aber unabhängig und rivalisirend neben einander bestan⸗ den und gerade dadurch der Oberherrlichkeit der öffentlichen Gewalt und den Freiheiten der Familie Vertrauen einflößten. Gemeinsam war ihnen nur der religiöse Gedanke, der ihnen die Entstehung gegeben hatte, die religiöse Form, die sie dem Unterricht aufprägten, die religiöse Leitung, welche die Gesellschaft von ihnen empfing.“
Es folgt nun die nähere Begründung des Entwurfs, von ge⸗ schichtlichen Rückblicken ausgehend. Das Journal des Débats hat sich bis jetzt noch nicht mit dieser Maßregel beschäftigt; die Op⸗ positions⸗Blätter aber fahren fort, sie nach verschiedenen Richtungen und Beziehungen zu bekämpfen.
Bei der monatlichen Reuwahl der Vorsitzenden und Secretaire
Familie, der Kirche.
x. Paris, 17. April. In der heutigen Sitzung der Depu⸗ tirten⸗Kammer wurden Berichte über Petitionen erstattet. Darun⸗ ter 715 88 eine des Herrn Mancin, Redacteurs des National de l'Quest zu Nantes, welche verlangt, daß als ein Recht aner⸗ kannt werde, daß die gerichtlichen Ankündigungen, welche nicht Ver⸗ käufe von Gütern auf gerichtlichem Wege betreffen, namentlich die in Betreff von zu löschenden Hypotheken, auch in die von den Kö⸗ niglichen Gerichtshöfen nicht ausdrücklich dazu bezeichneten Blätter eingerückt werden können. Die Kommission hatte die Tagesordnung vorgeschlagen. 1—
Herr Odilon Barrot: Wenn es sich blos um ein Geld⸗Interesse der Journale handelte, würde er keinen Einwand gegen die Tagesordnung erheben; allein vom Gesichtspunkt der Freiheit der Presse aus seien viele Bemerkungen zulässig. Herr Larabit: Es gebe viele Mittel, die Preß⸗ freiheit zu hemmen. So wolle er nur eine Thatsache anführen. Ein Blatt von Aurerre habe keinen Drucker finden können in dieser Stadt und müsse sich daher zu Troves drucken lassen. Herr Garnier⸗Pages: Im De⸗ partement de l'Eure sei es gerade so. Die konservativen Blätter fänden Drucker, die Oppositionsblaͤtter nicht. Der Minister des Innern: Wenn es den Oppositions⸗Blättern schwer halte, Drucker zu finden so komme dies daher, daß diese die gerichtlichen Verfolgungen fürchteten, denen sie durch solche Blätter ausgesetzt seien. Sie machten dabei von einem Rechte Ge⸗ brauch, gegen welches Niemand etwas vermöge. Inzwischen bemerke man nicht, daß die Oppositionsblätter Mangel an Druckern hätten. Sie seien zahlreich und erschienen in voller Freiheit. Herr Odilon Barrot: Die Presse sei nur noch ein Werkzeug in den Händen der Regierung. Man ons das Monopol und steuere mit vollen Segeln darauf zu. Herr Glais Bizoin fügt einige Worte in gleichem Sinne hinzu. Ruf zur Abstim⸗ mung. Die Kammer beschließt die Tagesordnung.
„Eine Petition verlangt für die Familie Napoleon's die Erlaubniß zur Rückkehr nach Frankreich, Wiederherstellung des Bildnisses des Kaisers auf dem Kreuz der Ehren⸗Legion und Zurückgabe des Namens Napoleon's an den Hauptort des Departements der Vendee. Die Kommission hatte die Tagesordnung auch über diese Petition vorgeschlagen. Herr Larabit be⸗ kämpft sie, der Berichterstatter, Herr von Lecoutaulr, vertheidigt aber den Kommissions⸗Antrag aus sozialen Rücksichten, obgleich auch er seine Sympathie für die unglückliche Familie gesteht. Herr Odilon Barrot findet die Furcht vor den verlangten Maßregeln erbärmlich. Es sprechen noch der Großsiegelbewahrer, Herr Lherbette und Herr Boulay de la Meurthe. Letztere Beide unterstützen die Petition. Der Groß⸗ siegelbewahrer erklärt, die Regierung ehre das Andenken Napoleon's, habe zahlreiche Beweise davon gegeben, aber weiter könne sie nicht gehen. (Postschluß.)
Großbritanien und Irland.
London, 16. April. Im Unterhause wurde gestern ein Antrag des Herrn Hindley auf Niedersetzung einer Kommission zur Untersuchung der Beschwerden über Betreibung von gewerblichem Verkehr an den Sonntagen mit 51 gegen 19 Stimmen angenommen.
Die heutigen englischen Blätter enthalten die Thron⸗Rede Sr. Majestät des Königs von Preußen und berichten über die Feierlich⸗ keiten bei Eröffnung des Vereinigten Landtages. Die Times, welche schon früher eine richtigere Würdigung dieses Ereignisses ge⸗ zeigt, als andere englische Zeitungen, begrüßt auch jetzt dasselbe mit Worten freudiger Bewunderung. „Es ist“, sagt sie, „das erstemal in der Geschichte der Menschheit, daß der unumschränkte Beherrscher
der Büreaus der Deputirten⸗Kammer wurden mi — 1=8 t A Iten nur konservative Deputirte gewählt. Im Lten — Len lon⸗Barrot Vorsitzender und Graf de Falloux Secretair. 8s Die Seine ist so angeschwollen, daß die Schifffahrt unterbrochen ist, alle Ausladeplätze in Paris fast gänzlich unter Wasser sind und man in Rouen besorgte, der Strom möchte die Quais überfluthen, auf und an denen gerade eine Menge von Gütern aufgestapelt ist. In Cherbourg wird emsig an der Ausrüstung der Dampfschiffe „Darien“ und „Ulua“ gearbeitet, welche vom Staate der Gesellschaft Hérout und de Handel zu der neuen Dampfpaketboot⸗Verbindung zwischen Havre und New⸗York geliehen worden; das erste derselben soll am 1. Mai abgehen. Beide haben Maschinen von 72 Pferde⸗ kraft, deren jede 650 Tonnen wiegt. Diese Maschienen sind franzö⸗ sisches Fabrikat und haben 800,000 Fr. jede gekostet, während die Maschine des „Gomer“ von derselben Kraft in England gemacht ist nur 45 Tonnen wiegt und blos 450,000 Fr. gekostet hat. I Aus Toulon wird vom 9. April die Ankunft des schwedischen Geschäftsträgers aus Paris und des schwedischen General⸗Konsuls 8 1 g;-es FFranee weche den Prinzen Oskar begrüßen wollen er mit einem kleinen schwedischen Geschwader in diesen T 1 “ hwedisch schwader in diesen Tagen dort Dem Schatze fließt fortwährend viel Geld für Schatzbons zu. 11 veerseer zegrexhes. suchen, wie es heißt aufs 1b n Unterhandlungen mit dem Mini möffentlichen Arbei angse eg g ister der öffentlichen Arbeiten Herr Hamon, Unter⸗Chef des Kabinets d rr i i „ Herr Hamon, Un h . es Herrn Guizot, i * dringenden Depeschen für den französischen Gereral⸗Konsun 1. vhengen, geschsa 178 - begiebt sich über Madrid, wohin er bepeschen bringt, nach Cadix, wo er si — rein soie 2n; sch gt, nach Cadix, wo er sich nach Tanger ein⸗ n Frayssac, dem Geburtsorte des Marsch Bessièr des 2 halls Bessières, Her⸗ söge⸗ en. Iern, “ am 5. April die ihm dort de shame Bild⸗ b-. Ferefe eahi . Ueber 20,000 Menschen sollen dazu versam⸗ or den Assisen der Seine stand vor i d in voesaes d en der an vorgestern ein Mädchen, das g ktober in einem Anfalle von Eifersucht einem Mamne,
mit dem sie seit vi 1 v,Sen walte 88— Jahren lebte und der jetzt eine Andere hei⸗
hinusgeßürze hnen 8889 versetzt und dann sich selbst zum Fenster da außer dem Verwund 2 e schwer verwundet, wurden geheilt, und erklärte, daß er sich nicht mele der derer Zeuge auftrat, dieser aber von der Angeklagten Süg 85 umstände erinnere, und wenn er in einem Anfalle von Wahnsinn ges 6. müsse das von ihr ear ves und sie wurde vnesee 1“
1 urnal des Débats macht in ein!n, R⸗g. 2- vz darauf aufmerksam, daß es decg inteinem Artike gegen die des Sonntags sei, an einem Pferderennen Antheit eine Entweihung
Auf dem hiesigen Getraidemarkt sind die Fuxia ehrene.
um 3 bis 4 Fr. für den Sack gestiegen. uchtpreise abermals
einer großen Nation dem Grundsatz verfassungsmäßiger Regierung eine vollkommen freie und uneigennützige Huldigung gezollt hat, unter keinem Zwang und keinem Antrieb, als dem seiner eigenen hochherigen Gesinnung, seines Vertrauens zu der Mäßigung “ 8 und seiner erleuchteten Achtung vor jener öffentlichen Fge. ggg ie sich durch alle Schranken der alleinherrschenden Ge⸗ 19 ür erstehlich fühlbar gemacht. Niemand kann auch nur einen ugenblick zweifeln, daß die Beweggründe, welche den König geleitet seinem Thron zur Ehre gereichen, und wir vertrauen, daß die Folgen dieser Maßregeln einen dauernden Ruhm um seine Regierung verbreiten werden.“ Das genannte Blatt läßt eben so dem „herrlichen Geist“, welchen das preußische Volk und ganz Deutsch⸗ land seit dem Erscheinen des Patents vom 3. Februar gezeigt Ge⸗ rechtigkeit widerfahren. „Keine Ungeduld“, sagt es, „keine Aufre⸗ gung, kein Mißtrauen hat den Eindruck getrübt, den das Königliche Versprechen zu machen geeignet war; vielmehr zeigte sich die Bereit willigkeit, den Thron und den wahren Fortschritt des Staats mit allen Kräften zu unterstützen.“
In einer Versammlung der Bank⸗Actionaire wurden gestern Herr W. R. Robinson zum Gouverneur der Bank von England und Herr James Morris zum Vice⸗Gouverneur für das nächste Jahr ernannt.
Berichten aus L“ vom 6ten d., aus Porto vom Sten d. zufolge, erweist sich die Nachricht, daß Sa da Bandeira mit se ner Erpedition zu Peniche gelandet sei, als ungegründet; er ist vielmehr mit seinen 1200 Mann, theils Füselieren, theils Freiwilli⸗ gen und Rekruten, nebst zwei Kanonen, am 31. März vor Lagos in erschienen und daselbst ungehindert ans Land gegangen. Von da ging es gleich weiter nach Evora, wo sich noch 2000 Insur⸗ genten hielten. Nach stattgehabter Vereinigung mit diesen wollte Sa da Bandeira die 1500 Mann an sich ziehen, die unter dem Visconde de. Mello zu Portalegre standen, um Schwalbach's Division in den Rücken zu fallen, die sich bei Zeiten zurückziehen mußte, um nicht aufgehoben zu werden. Die Dampfschiffe wurden zum Theil von englischen Offizieren befehligt; eines derselben ist nach Porto zurück⸗ gekehrt, ein anderes nach Gibraltar gegangen, wo es Waffen und Munition abholen sollte, woran es den Insurgenten bisher sehr fehlte. Große Bestürzung herrschte in Lissabon; man hatte 1000 Mann, die auf die erste Nachricht nach Pe⸗ niche geschickt waren, zurückberufen, wobei unterweges 63 desertirten. Am Tage darauf ging diese kleine Abtheilung über den Tajo nach Setubal, hier wurde eine Garnison gelassen, und der Rest marschirte nach Alcacer. Zu Porto war trotz eines Blokade⸗Geschwaders von fünf Kriegsschiffen ein englisches Schiff, der „Black Cat“, mit Waffen und Munition eingelaufen. Das Fort von Viana, wo Casal eine Garnison von 300 Mann gelassen, war von den Insur⸗ genten eng eingeschlossen und wurde mit sechs Kanonen beschossen. Ein zum Entsatz abgesandtes Detaschement von 300 Mann wurde unterweges von den Insurgenten gänzlich zersprengt; 100 Mann
Das in Hapre eingelaufene Schiff „Narval⸗ Kalifornien am 1. Oktober verlassen Uhe beftan das Monterey in
sische Konsul daselbst auf Befehl des kkanischet Caß der franzö⸗ düe, wage ' 1“ Commodore ver⸗ Der Herzog von Devonshire ist am 12t S bacst.. angekommen. 9 E“ Herr Wheaton, früherer Gesandter der Vereinigten S Berlin, hat sich mit seiner Familie nach New⸗ Jorkceingefcaaten 86 Das Journal des Déöbats besteht darauf, wie nothwendig es sei, für die Eisenbahn⸗Unternehmungen etwas zu thun. Zunächst sei zu prüfen, welche Bahnen am raschesten vollendet werden müßten und dann, ob die verlangten Modificationen der Bedingungen zur Ausführung nothwendig seien. Die wichtigste Linie sei wohl die welche das Mittelmeer mit dem Kanal verbinde; diese Bahn müsse, es koste was es wolle, vollendet werden, und jeder Tag Verzug sei e. . - 82 * Paris nach Lyon nicht ausgeführt, von nach Avignon auf unbesti it hinaus⸗ seschaben kleiben g f unbestimmte Zeit hinaus
8
anien in
2
kamen meist im Minho um, 34 wur f 34 wurden gefangen genommen. — Der spemüsche Oberst Buenaga war von der Junta gut aufgenommen 8 hld ahg Hauptquartier zurückgekehrt; die Innta iss ehm 1S. Anhänglichkeit an der herrschenden Dynastie und vor, so wie Miguel's mit Anerbietungen einer Constitution immer eine ähen sbe ablehnenden Antwort. Man hoffte noch Durch älli .
burger h deflige Mütheilung von Passagieren, schreibt die Ham⸗ korgens in Averpovt 88 veh mit dem am 15. April um 11 Uhr . . ie meld b Cöeer 1 22. und 23. Februs daß zwischen Santana und Taylor am
statt ruar bei Buena Vista ei sage gefunden hat, in weicher der Eistere eine venehe aae ge erlitt. Die Mexikaner w 717 rstere eine völlige Nieder⸗ Mann stark; j aren 17,000, die Amerikaner 5000 Mann verlorer vef Einigen 4000, diese nur 700 das 795 1 em e New⸗Jork f 30. März 3 eruz als an Juan Amerikanern ohne Schwertstreich ergeben.
—
Dagegen wird aus Veracruz vom 20. Februar gemeldet, daß daselbst ein amerikanischer Parlamentair, Namens Atocha (Spa⸗
nier und früherer Freund von Santana, der auch seiner Zeit mit ihm verbannt ward) angekommen und mit seinen Depeschen nach der Hauptstadt befördert war; man war gespannt, wie solche von der
Regierung aufgenommen würden, und glaubte, daß Santana's Gut⸗
achten darüber eingeholt werden würde. In dem Fall, daß die Re⸗ gierung abermals nicht darauf eingehen sollte, erwartete man dem⸗ nächst einen Angriff auf Veracruz und war darauf vorbereitet. Vom Kriegsschauplatz keine neueren Nachrichten.
Zu Leeds hielten am Sonnabend die als eifrigste Gegner des Erziehungsplanes der Regierung bekannten Wähler, etwa 80 an der Zahl und sämmtlich Dissenters, eine Zusammenkunft mit ihrem Ver⸗ treter im Unterhause, Herrn Aldam, worin er ersucht ward, sich dem
von der Regierung angekündigten Erziehungsplane durch seinen Einfluß und sein Votum im Parlament nach Kräften zu widersetzen. Mehrere
Redner kündigten Herrn Aldam deutlich an, daß sie ihm, falls er die in der Denkschrift entwickelten Grundsätze nicht vertrete, bei der nächsten Wahl ihre Stimmen entziehen würden. Herr Aldam erklärte, daß er mit manchen Punkten der Denkschrift einverstanden sei, sich aber keinesweges zu allen darin aufgestellten Grundsätzen bekenne und dieselben daher auch nicht vertreten könne. Erwägung nehmen. — In der Stadthalle zu Birmingham wurde am
nämlichen Tage unter dem Vorsitze des Mayor eine sehr zahlreiche
Versammlung, welcher Männer aller religiösen Bekenntnisse, vornehm⸗ lich aber viele Dissenters beiwohnten, abgehalten. Die Berathung des Erziehungs⸗Planes der Regierung war Gegenstand der Bespre⸗ chung, und der Independenten⸗Geistliche James schlug folgenden Be⸗
schluß vor: Die Versammlung erachtet nach Erwägung des Erziehungs⸗
Planes der Regierung denselben für verfassungswidrig in der Weise seiner Einbringung und in dem Mangel direkter Verantwortlichkeit gegen das Volk für die Verwendung der enormen Summen, die er erfordern wird; sie ist ferner der Ansicht, daß dieser Plan das Patronat der Regierung im furchtbasten Grade ausdehnen würde und seine Tendenz dahin geht, aller freiwilligen Bemühungen zu Gunsten freier Erziehung zu vernichten, so wie die Fortschritte bür⸗ gerlicher und religiöser Freiheit zu hemmen. Herr Taylor äußerte, daß er die Ansicht, die Regierung solle sich nicht in die Volkgserzie hung einmischen, keinesweges theile, sondern vielmehr glaube, daß sie für den moralischen und religiösen Unterricht der Unterthanen sorgen müsse. Er schlug ein Amendement in diesem Sinne vor; dasselbe wurde jedoch mit starker Mehrheit verworfen und der Beschluß des Herrn James unter lautem Jubel der Dissenters genehmigt.
Die Soyerschen Suppen, über die in mehreren Journalen lo⸗ bende Stimmen sich vernehmen ließen, erfahren in anderen Journa⸗ len, in Broschüren und öffentlichen Vorträgen auch sehr heftige und, wie es scheint, wohlbegründete Angriffe. Unter anderen ist ein aus⸗ gezeichneter Chemiker, Dr. Aldridge, gegen die allgemeine Anwendung dieser Suppen als Gegner aufgestanden. Er zeigte in seinem Vor trage, den er in der Königl. dubliner Gesellschaft über diesen Gegen⸗ stand hielt, daß die in Kirchspiel⸗-Küchen bisher bereiteten Suppen besser und, wenn auch nicht dem Namen, so doch der That nach, wohl⸗ feiler seien, als jene von Soyer zubereiteten. Denn die letzteren enthalten in derselben Quantität weit weniger Nahrungsstoff. Noch mehr aber, als Dr. Aldridge, wirkt die so eben von dem berühmten Chemiker, Sir Henry Marsch, gegen die Soyerschen Suppen ver⸗ öffentlichte Broschüre, worin er nachweist, daß die Bevölkerung schnell der Brechruhr anheim⸗ und zum Opfer fallen müßte, falls diese Suppen irgend in bedeutendem Umfange und auf längere Zeit als Diät für die Nothleidenden benutzt werden sollten.
Herr Brooks, als unternehmender Reisender und einer der be⸗ deutendsten Kolonisten im indischen Archipelagus bekannt, ist von der Regierung zum General⸗Konsul und Commissair bei dem Sultan und den unabhängigen Häuptlingen von Borneo ernannt worden; er wird zu Sawarrak residiren. Auf Labuan ist noch keine förmliche Regie⸗ rung eingesetzt worden, es sollen aber unverzüglich Schritte geschehen, um sowohl auf Labuan ein Entrepot für den britischen Handel zu be⸗ gründen, als um die dortigen britischen Interessen kräftig zu schützen. — Wegen des zunehmenden britischen Verkehrs mit Rio Grande hat die Regierung Herrn Fraser, der eine Zeitlang der Gesandtschaft in Brasilien beigegeben war, zum dortigen General⸗Konsul ernannt.
Helgien.
Brüssel, 17. April. Der Minister der auswärtigen Angele⸗ genheiten hat ein Amendement zu dem Gesetz über die Ausfuhr⸗Ge⸗ sellschaft gestellt, wodurch die Regierung ermächtigt werden soll, Pri⸗ vat⸗Handels⸗Comtoirs im Atlantischen Meere zu unterstützen; diese Subsidien sollen jährlich nicht 100,000 Fr. übersteigen und nicht über fünf Jahre bewilligt werden dürfen. 5 1
Vom 1. Mai an werden Verbesserungen auf der Nordbahn ins Leben treten; die Entfernung bis Paris wird in 10 Stunden am Tage und in 11 ½ Stunden des Nachts zurückgelegt werden. Man hofft, daß die Zoll⸗Durchsuchung nur zu Paris und Brüssel stattfin— den werde. 1
Die Akademie hat eine Preisschrift des Capitain Guillaume ge⸗ krönt, „Geschichte der Militair-Organisation in Belgien unter den Fürsten des Hauses Burgund“, eine Arbeit, die auf einen wenig ge⸗ kannten Theil der Geschichte Belgiens ein neues Licht wirft.
Die Indépendance schreibt, daß der zwischen dem Jesuiten⸗ Orden und der Universität zu Löwen herrschende Zwist über den phi⸗ losophischen Unterricht zu Löwen vom Papste zu Gunsten dieser Uni⸗ versität entschieden worden sei. In den belgischen Jesuiten⸗Kollegien soll danach kein philosophischer Unterricht mehr ertheilt werden dür⸗ fen, sondern derselbe der katholischen Universität ausschließlich vorbe⸗ halten bleiben. . 1
Dänemark.
Kopenhagen, 17. April. Aus den vorläufig veröffentlichten Tabellen ersieht man, daß die Korn⸗Ausfuhr aus dem Königreich und den Herzogthümern im vergangenen Jahre außerordentlich groß war. Sie betrug 2,817,549 Tonnen im ungemahlenen Zustande, welche sich indessen auf 2,741,710 Tonnen reduziren, insofern es den eigentlichen Ueberschuß der Production des Landes betrifft, da 75,839. Tonnen vom Auslande zugeführt wurden. In obiges Ausfuhr⸗ Quantum ist aber nicht die Ausfuhr von Kornwaaren im verarbeite⸗ ten Zustande, als Mehl, Grütze und Brod, begriffen, welche zu 100,000 Tonnen wenigstens anzunehmen ist, und eben so wenig die auf 150 bis 175,000 Tonnen zu veranschlagende Ausfuhr von Rapps, woraus hervorgeht, daß die Gesammt⸗Ausfuhr für 1846 wenigstens zu etwa 3 Millionen Tonnen anzunehmen ist, wovon etwa ¼ oder 2,400,000 Tonnen auf das Königreich und 8 oder 600,000 auf die Herzogthümer kommen dürften. Die Ausfuhr aus dem Königreiche nach den Herzogthümern ist durchschnittlich zu etwa 200,000 Tonnen jährlich anzunehmen. Der Werth der Ausfuhr aus dem Königreiche nach dem Auslande und den Herzogthümern ist nach einem Durch⸗ schnittspreise zu etwa 14 Millionen Rbthlr. anzunehmen. Eine Ge⸗ traideart, wovon sich die Ausfuhr vornehmlich stark gehoben hat, ist der Buchweizen; in den Jahren von 1841—43 betrug sie durch⸗ schnittlich nicht mehr als 3000 Tonnen jährlich, im Jahr 1844 nur 100 Tonnen, im Jahr 1845: 23,200 Tonnen und in 1846 gar
— 1 8 1“ “
im Kanton Zürich eine landwirthschaftliche Schule errichtet, die zu⸗
Er wolle übrigens die Denkschrift in sorgfältigste
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80,500 Tonnen, wovon 67,200 Tonnen nach den Herzogthümern. Auch die Aussfuhr von Roggen hat in den letzten Jahren bedeutend zugenommen. Sie betrug in den 12 Jahren von 1832 bis 1843 nur 200,000 Tonnen, von 1844 bis 1846 dagegen 360,000 Tonnen jährlich im Durchschnitt.
Schweiz. Kanton Zürich. Durch Beschluß des Großen Raths wird
gleich mit einem Prämien⸗Institut verbunden ist. gleich 8
Spanien. 1t —
Madrid, 11. April. Das Eco del Comercio enthält ein seltsames Schreiben des Herrn Misley, der wegen Verdachts, daß er dem Infanten Don Enrique gerathen, sich mit der Schwester des Grafen Castella zu vermählen, saus Spanien verbannt worden sein soll, an den König Don Francisco de Asis, worin er diesen auffordert, den Intriguen ein Ende zu machen, die auf Erregung von Zwietracht unter den Mitgliedern der Königlichen Familie ab⸗ zweckten, und ihm den Rath ertheilt, als einziges Mittel gegen diese Intriguen, seinem Bruder und seinem Vater zu vertrauen.
*x. Paris, 16. April. Nach den letzten Nachrichten war das Wet⸗ ter auch in Catalonien und zumal im Hochgebirge wieder sehr schlimm mm geworden. Einige Tage war es schön gewesen, und man hatte daher bereits begonnen, sich mit der Sommersaat zu beschäftigen; allein der Wiedereintritt von Schneefall und Regen zwang zur Unter⸗ brechung der Feld⸗Arbeiten. Zu Berga stand das Thermometer am 9ten nur einen Grad über dem Nullpunkt.
Zu Castello de Ampurias, das nur einige Stunden von Roses entfernt liegt, ist es zu einem Zusammentreffen zwischen einer kleinen Karlistenbande und einer Truppen⸗Abtheilung gekommen. Die Kolonne, welche mit Aufrechthaltung der Ordnung und Ruhe im Distrikte von Villafranca beauftragt ist, hat einen Theil der Bande Vida's erreicht und ihr einige Leute verwundet. Dieses Diebs⸗ und Raubgesindel benutzt die herrschende Anarchie, um unter karlistischer Firma sein Unwesen zu treiben. Kein Wunder also, daß man von zahlreichen Mordanfällen und Raubthaten hört.
Die Karlisten fangen wieder an, sich des von den pävpstlichen Bullen herschreibenden Geldes zu bemächtigen, wie sie auch immer in den letzten Kriegen gethan hatten. Dieses Geld oder vielmehr diese in Spanien noch bestehende Abgabe war ehemals vom römi schen Hofe zu Auslösung gefangener Christen in den Barbaresken⸗ Staaten bestimmt; es scheint nun, daß die Karlisten der Meinung sind, dieses Geld für ihre Sache verwenden zu können.
Konzert,
gegeben von Amalie und Wilhelmine Neruda im Saale der Sing⸗Akademie. (Den 19. April.)
Obgleich wir im Allgemeinen dem Kinder⸗Virtuosenthume nicht das Wort reden, indem die Erfahrung gelehrt hat, daß es bei seinen einseitigen Bestrebungen selten wahre Künstler erzieht, stehen wir doch keinen Au genblick an, in ausnahmsweisen Fällen, wo wirkliches Talent unzweideutig hervorleuchtet, durch Anerkennung das Unsrige, zur Förderung desselben bei⸗ zutragen. Ein solcher Fall tritt jetzt ein. Die Ijährige (Wilhelmine) Neruda, die jüngere des künstlerischen Geschwisterpaares dieses Namens, ist unleugbar eine Erscheinung, welche die hoöchste Beachtung verdient, ein frühzeitig gereiftes, bewunderungswürdiges Talent. 824¶10 stungen auf der Violine gewähren nicht nur in Betreff des Alters und Geschlechts der kleinen Virtuosin, sondern absolut betrachtet, einen überra⸗ schenden Eindruck. Sie beherrscht ihr schwieriges Instrument vollkommen. Mit erstaunlicher Sicherheit und Leichtigkeit überwindet sie die größten Schwierigkeiten. Ihre Intonation ist goldrein und läßt selbst in den kom⸗ plizirtesten Doppelgriffen der höchsten Applikatur nichts zu wünschen. Stak kato und Triller sind ebenfalls ausgebildet. Dabei ist ihr Ton, zieht man die Dimensionen des Instrumentes, dessen sich die Kleine zu bedienen ge⸗ zwungen ist, in Betracht, sogar kräftig zu nennen und füllt einen großen Saal vollkommen. Mit diesen Eigenschaften, die sie befähigen, im Allegro zu glänzen, verbindet sie eine so ökonomi⸗ sche Bogenführung, daß sie selbst im Adagio und in getrage⸗ nen Stellen Vorzügliches zu leisten im Stande ist und hier in der That ihrem Instrumente die schönsten und gleichmäßigsten Klänge zu entlocken weiß. Noch mehr: ihr Vortrag zeugt von Geschmack und steter Einsicht des Vorzutragenden und wirkt wahrhaft überraschend durch den Ausdruck, der uns überall aus demselben entgegentritt. So trug die kleine Virtuosin das erste Konzert von Beriot nicht nur im
Fassagenwerk durchaus zu Dank vor, sondern entfaltete auch in den Ge⸗ ha asthen eine Innigkeit und Wärme des Gefühls, so wie in gewissen risoluten Passagen eine Keckheit des Bogenstriches, ein Feuer des Vortrags, daß man wirklich nicht ein Kind, sondern eine gereifte Künstlerin zu hören vermeinte. Die ganze Zuhörerschaft wurde durch ihr Spiel unwill⸗ kürlich zu lauter stürmischer Anerkennung hingerissen. Nicht minderen En⸗ thusiasmus erregte die kleine Violinistin durch den gefühlvollen Vortrag der Elegie von Ernst und die brillante Ausführung eines Duo für Violine und Piano von Jansa, das sie mit ihrer älteren Schwester, Amalie, zu sammen spielte. Letztere (12 Jahre alt) zeigte ebenfalls bedeutende Fertig keit und Sicherheit, ärndtete auch durch ihre Productionen allseitigen Bei fall, doch war, unseres Erachtens, die Auswahl ihrer Vorträge (bestehend in einer Fuge von Bach und in einer Piece von Prudent) nicht glücklich getroffen worden. Wenigstens haben wir die junge Pianistin in der neulich von den Geschwistern veranstalteten und in diesen Blättern besprochenen Privat⸗ Matinee (wo sie eine Etüde von Mendelssohn vortrug) in weit vor⸗ theilhafterem Lichte gesehen und wünschen daher, in ihrem eigenen Interesse, für das nächste Konzert passendere Compositionen zur Darlegung ihrer Fä⸗ higkeiten.
Herr Gährich, als Pianist geschätzt, versuchte sich zum erstenmale öffentlich als Sänger. Er sang zwei Baß⸗Arien, rein und sicher, nicht ohne Beifall. Jedoch scheint uns seine Stimme, nach Umfang und Cha⸗ rakter zu urtheilen, eigentlich ein Baryton. — Der Saal war gefüllt.
*
Einladung und Programm
für die am 14. und 15. Mai d. J. in Berlin stattfindende
vierte General⸗Versammlung des landwirthschaftlichen
Provinzial⸗Vereins der Mark Brandenburg und Niederlausitz.
Die vierte General⸗Versammlung des landwirthschaftlichen Provinzial⸗ Vereins der Mark Brandenburg und Niederlausitz (womit statutenmäßig auch die General⸗Versammlung des Seidenbau⸗Vereins, als einer beson⸗ deren, jedoch selbstständigen Abtheilung des landwirthschaftlichen Provinzial⸗ Vereins verbunden ist) wird in diesem Jahre .
am 14ten und 15. Mai in Berlin im Lokale der Sing⸗Akademie, am Festungsgraben Nr. 2., stattsinden, wozu alle geehrten Vereins⸗Mitglieder, so wie die geehrten Mit lieder der Vereine anderer Provinzen und alle Förderer und Freunde der kandwirthschaft, hierdurch ergebenst eingeladen werden. . l. Allgemeine Anordnungen. K 1) Die Sitzungen der General⸗Versammlung des landwirthschaftlichen Provinzial⸗Vereins beginnen an jedem Versammlungs⸗Tage ganz präzise um 11 Uhr Vormittags, dauern bis 3 Uhr und sind zu Vorträgen und zur Diskussion der in diesem Programme unter Nr. II. enthaltenen Fragen bestimmt. —
8 111114514“*“ 2) Vor dem Eintritt in den Saal wollen die Anwesenden in dem
Vorzimmer Namen, Stand, Wohnort und Logis, so wie den Verein, wel⸗
chem sie angehören, in die ausgelegten Anmeldebücher gefälligst eintragen
lassen und die Einlaß⸗Karte in Empfang nehmen.
3) Diejenigen Mitglieder und Gäste, welche an dem gemeinschaftlichen
Mittagsmahl von 3 ½ bis 5 Uhr an den Tagen der Versammlung Theil zu
nehmen wünschen (Couvert 1 Rthlr.), wollen ihren Namen in die beson⸗
dere Liste sogleich selbst eintragen.
4) Jedem Mitgliede der zu den verbundenen frankfurter und pots⸗
damer Central⸗Vereinen gehörenden Kreis⸗ und Lokal⸗Vereine der Provinz
Brandenburg und Niederlausitz steht es frei, Gäste mit zur Versammlung
zu bringen, welche einem der Direktoren des Vereins oder einem der Ord⸗
ner vorzustellen sind.
5) Sollten außer den nachstehenden Fragen noch andere Gegenstände
von besonderem Interesse dem Direktorium mitgetheilt werden, so sollen die⸗
selben nach dem Befinden desselben und dem Wunsche der Versammlung ebenfalls zur Verhandlung gestellt werden.
6) Die Reihefolge der Vorträge und der zu diskutirenden Fragen be⸗
hält das Direktorium seiner Bestimmung vor und erlaubt sich, in Bezug
auf die Ordnung bei den Verhandlungen nur die Vorschläge zu erneuern:
a) daß alle Anwesenden auf den gewählten Plätzen sitzen und nur diejenigen, welche das Wort verlangen, dies dem Direktorium durch Aufstehen mit Nennung ihres Namens und Wohnortes zu erkennen geben; das Direktorium ertheilt das Wort nach der Reihenfolge die⸗
sser Meldung;
b) daß nur kürzere Bemerkungen stehend vom Platze aus, dagegen irgend ausführlichere Bemerkungen und Entgegnungen, so wie alle längeren Vorträge, von der Rednerbühne aus gemacht und gehalten werden dürfen.
7) Es werden wiederum in diesem Jahre Abtheilungs⸗Sitzungen statt⸗ finden und zwar
1) für komparative Versuche 8
den 14. Mai Morgens 7 bis 10 ½¾ Uhr,
2) für Schafzucht
den 15. Mai Morgens 7 bis 10 ½¼ Uhr,
3) für Pferdezucht
den 14. Mai Abends 7 Uhr, 4) für Seidenbau
den 14. Mai Abends 6 Uhr, welchen alle anwesenden Mitglieder und Gäste beiwohnen können. Die zu diesen Sections⸗Sitzungen bestimmten Zimmer werden durch Anschlagezettel näher bezeichnet sein.
8) Diejenigen Mitglieder, welche in den verflossenen Jahren die von
unserer wissenschaftlichen Deputation gestellten Aufgaben durch komparative
Versuche gelöst haben, werden gebeten, die Resultate in der Sections⸗
Sitzung für komparative Versuche zum Vortrag zu bringen und dieselben in
einer schriftlichen Zusammenstellung dem General⸗Secretair des Vereins,
Oekonomie⸗Kommissarius von Schlicht, zu übergeben.
9) Zu Vorsitzenden und resp. Beisitzern in den verschiedenen Abthei⸗
lungen sind ernannt worden:
1) für komparative Versuche:
1) der Präsident Lette, Vorsitzender, Amtsrath Zier, als Stellvertreter, 3) Dr. Luedersdorf, 4) Administrator Fleck, ZI 5) Oekonom.⸗Kommiss.⸗Rath von S tosch,⸗ 6) Administrator Jungk, 2) für Schafzucht:
1) Landes⸗Oekonomie⸗Rath Thaer, Vorsitzender 2) Gutsbesitzer Gysae, ““ 3) Amtsrath Gansang ,, sals Stellvertreter; 3) für Pferdezucht: “““ 1) Ritterschafts⸗Rath von Hertefeld, als Vorsitzender, 2) Baron von Senfft⸗Pilsach, als Stellvertreter; 4) für Seidenbau: 1 .“ Der permanente Vorstand. — Zu Ordnern des Festes sind ernannt: Gutsbesitzer Behrend auf Klein⸗Beeren, Hof⸗Kammerrath Schmidt zu Berlin, Wirkliche Geheime Kriegsrath Mentzel.
0) Zufolge des Statuts des Vereins zur Beförderung des Seiden⸗ baues in der Mark Brandenburg und Niederlausitz wird die General⸗Ver⸗ sammlung dieses Vereins, welcher sich als eine besondere, jedoch selbststän⸗ dige Abtheilnng des landwirthschaftlichen Provinzial⸗Vereins ansieht,
am 14. Mai, Abends 6 Uhr, in demselben Lokale zur Erstattung des Jahres⸗Berichts, zu verschiedenen Vorträgen und Berathungen über die Zwecke des Vereins, Anmeldungen und Annahme neuer Mitglieder, stattfinden, wozu hierdurch auch alle Mit⸗ glieder des Seidenbau⸗Vereins und Alle, welche diesem Veeeine beitreten wollen und geneigt sind, eingeladen werden.
II. Fragen und Gegenstände, welche am 14. und 15. Mai d. J. in der Plenar⸗Versammlung des land⸗ wirthschaftlichen Provinzial⸗Vereins jedesmal von 11 bis 3 Uhr zur
Erörterung kommen werden.
1) Auf welche wohlfeilste und zweckmäßigste Weise wird die Kultur der Mohrrüben bewirkt? 1
Welcher Ertrag pro Morgen oder Ruthe wird durchschnittlich und welche Höhe wurde in diesem Jahre erzielt?
Wie verhält sich der Futterwerth derselben im Vergleich zu den Kar⸗ toffeln und anderen Rüben⸗Arten?
2) Allgemein wird angenommen, daß die ungewöhnliche Nässe des Monats Mai v. J. und die darauf gefolgte Dürre die Ursache des auf schwerem und selbst auch nur einigermaßen konsistentem Boden stattgefun⸗ denen Mißwachses zu betrachten sei, namentlich deshalb, weil das Winter⸗ Getraide in der nassen Zeit rostig wurde, und da sein krankhafter Zustand während der darauf folgenden langen Dürre sich nicht besserte, größtentheils taub blühte, deshalb auch wenig und schlechte Körner herausgab. Diese Ur⸗ sachen können aber bei der Vegetation des Sommergetraides und der Kartoffeln nur von untergeordnetem Einfluß gewesen sein, da der größere Theil erst nach der nassen Zeit im Mai bestellt wurde. Wollte man nun hier die später eingetretene Dürre als größtes Hinderniß bezeichnen, so hätte auf den leichten Boden⸗ arten die Aerndte des Sommer⸗Getraides und der Kartoffeln am schlechte sten gerathen müssen. Dies ist aber erfahrungsmäßig nicht der Fall gewe⸗ sen, sondern diese Aerndte ist gegen voriges Jahr immer noch leidlich, etwa mit einem Rückschlag von ½ oder 1 ausgefallen. Es entsteht daher nach diesem Resultat die Frage, ob noch andere Ursachen beobachtet worden sind, die diesen großen und weitverbreiteten Mißwachs erklären?
3) Unter welchen Verhältnissen ist es vortheilhaft, probsteier, kampiener oder gewöhnlichen Landroggen zu bauen, und was für Erfahrungen liegen in Bezug auf den Körner⸗Ertrag einer jeden Roggenart vor, wenn diesel⸗ ben in trockenen Herbsttagen ohne Frost oder im Winter bei gefrorenem Boden mit Schafen behütet werden?
4) Was für Rübenarten sind auf Haferboden geeignet, die Kartoffel als Viehfutter zu ersetzen, und in welcher Fruchtfolge und Bestellungsart müssen dieselben erbaut werden?
5) In welchem Verhältniß soll der Rübenbau zum Kartoffelbau auf den verschiedenen Bodenarten und bei verschiedenen Wirthschafts⸗Tendenzen stehen?
6) Wie stellt sich die Nahrungsfähigkeit der Kartoffeln gegen die von Runkelrüben und von Kartoffelschlempe?
7) Ist ein ausgedehnter Rappsbau im Allgemeinen geeignet, den Stroh⸗ und Düngerbedarf eines Gutes zu erhöhen, und welche Erfahrun⸗ gen liegen über die Erschöpfung des Rappsbaues im Verhältniß zu den Ce⸗ realien vor?
8) Wie entstehen die der Wintersaat so gefährlichen Maden, und wie sind dieselben zu vertilgen oder deren Vermehrung zu verhindern?
9) In welcher Ausdehnung ist der Kartoffelbau auf Gütern mit gu⸗ tem Boden, wo Rapps⸗ und Weizenbau betrieben wird und nicht Brennereibetrieb stattfindet, vortheilhaft zurw Gewinnung von Viehfutter geeignet?
10) Der rothe Klee soll nach unseren bisherigen Berechnungen und Erfahrungen in jedem Jahre seines Standes den Acker gleich einer Fuhre Dünger pr. Morgen bereichern. In neuerer Zeit wird der rothe Klee stets
Getraide eine große Verwandtschaft, und soll also eine ün. . in der Regel Roggen — nach zwei⸗ und vehe ihnger aee Feeafewit nicht so gut gedeihen, als nach reinem Klee, oder die Vereicherun —2 Ackers durch dieses Kleegemisch soll nicht so groß sein, als man — 2 nem Klee angenommen hat. Sind nun komparative Beobachtungen und Erfahrungen hierüber gemacht worden, und in welchem Verhältnishe würde künftig die Bereicherung des Ackers durch gemischten Klee gegen die frühere Annahme anzusprechen sein? Kann man überhaupt für jedes Jahr bei zwei⸗ oder dreijährigem Kleeschlage die Bereicherung gleich hoch an⸗ nehmen?
11) Welche Erfolge hat die Aufbeingung von Sand auf Torfbrüchern und Wiesen gegen Anwendung von animalisch⸗vegetabilischem Dünger unter gleichen Umständen hier in der Mark gehabt, und zwar im ersteren Falle zur Meliorirung der Torsbrücher, im letzteren Falle zur Verbesserung der Wiesen? 1 812) Ist eine wilde Ueberstauung von torfhaltigen, aber entwässerten Wiesen durch unfruchtbares mooriges Wasser während des Zeitraums vom 1. Dezember bis 15. Mai vortheilhaft? 8 13) Sind neuere Erfahrungen über die Wirkungen des Mergels gemacht? 14) Welche Erfolge hat das Brennen von Neuland und welches ist die zweckmäßigste Methode dabei? Ist es also besser, das Brennen vorzu⸗ nehmen oder das Neuland in der bisherigen Weise zu behandeln?
15) Bei welcher Viehgattung verwerthen sich die Kartoffeln zum Ver⸗ füttern im unveredelten Zustande am S 1 1
16) Wie viel Salz ist durchschnittlich für die verschiedenen landwirth⸗ schaftlichen Thiergattungen und in deren verschiedenen Lebensstufen nöthig, und zwar unter Berücksichtigung verschiedener Futterverhältnisse und Futter⸗ mittel, sowohl nach deren Qualität als nach Quantität? Zu welcher Zeit und auf welche Art muß das Salz am vortheilhaftesten verabreicht werden, und welchen Erfolg hat das Salz auf Milch, Fleisch, Woll⸗ und Kraft⸗ Erzeugung? Ist ein Unterschied in der Wirkung des Viehsalzes, reinen Kochsalzes, Stein⸗ und Seesalzes? 3 b
17) Welche anderweitige Erfahrungen sind über die Sommer⸗Stallfüt⸗ terung der Schafe gemacht? Vortheile und Nachtheile? . 18) Mit welchen geringsten Kosten ist es möglich, in kürzester Zeit Rinder, Schafe und Schweine fett zu machen? 8 G 19) Ist es bei der drohenden Konkurrenz der australischen und russi⸗ schen Wollen für den deutschen Landwirth vortheilhafter, bei der Züchtung mehr die Feinheit als Menge der Wolle, oder umgekehrt, zu berücksich⸗ tigen? “
6 20) Das Verkalben der Kühe ereignet sich weit häufiger in ein elnen Ställen und in einzelnen Wirthschaften, als in ganzen Gegenden. Würde nun dies Unglück durch die Witterung oder durch das gewonnene Futter veranlaßt, so müßte es doch eigentlich mehr ganze Gegenden, als ein elne Wirthschaften betreffen. Wie ist das zu erklären, und welche Veranlassun⸗ gen zum Verkalben der Kühe liegen erfahrungsmäßig vor, und welches Mit⸗ tel oder welche Haltung der Kühe ist die geeignetste, um diesen in der Re⸗ gel sehr großen Verlust zu verhüten? 8
21) Welche landwirthschaftliche Ursachen walten ob, daß die Fettwaa⸗ ren, namentlich Butter, in diesem Jahre gar nicht gestiegen sind, da doch alle Konsumtibilien, so wie alles Futter, mit Ausnahme des Heues und Strohes, sehr hoch im Preise stehen? 8 6 22) Welches von den landwirthschaftlichen technischen Gewerben läßt sich mit Vortheil auch auf bäuerlichen Besitzungen betreiben, und wie ist dasselbe am zweckmäßigsten daselbst einzurichten?
23) Sind in den Stuben der Tagelöhner auf dem Lande schon Oefen eingerichtet, die im Winter zum Kochen, Heizen und zur Luftreinigung des Zimmers dienen und somit den Kamin, der viel Feuerung verzehrt, ohne der Stube in demselben Verhältniß viel Wärme mitzutheilen, entbehrlich machen? 24) Haben die Kartoffel⸗Brennereien auf Gütern, wo sie schon seit Jahren im Betriebe sind, wirklich im Allgemeinen dazu beigetragen, die Bodenkultur so bedeutend zu erhöhen, wie jetzt von vielen Landwirthen an- genommen wird?
25) Welche Ursachen liegen vor, Feuerung zu ersparen? 1
26) Welche Ursachen liegen vor, daß im Bezirk des Provinzial⸗Vereins Runkelrüben⸗Zuckerfabriken nicht mehr entstehen?
27) Welches ist die beste Art, Kiehnen zu kultiviren?
a) im Flugsande? bb) im festen Boden? c) durch Saamen? d) durch Pflanzen? ““
28) Welchen Nutzen gewährt die Weide als Alleebaum?
29) Ist die große und für unser Vaterland so ersprießliche Erporta⸗ tion des Spiritus nach dem Westen und Süden seit 2 Jahren, und be⸗ sonders in dem jetzigen Brennjahre, wo Bestellungen auf unseren Sprit nicht nur aus den Rheingegenden, Frankreich, Italien, selbst aus Spanien in Berlin eingehen, eine Folge, daß die Brauchbarkeit und Reinheit unserer Waare zum Verschneiden des Weines und der billigere Preis desselben, im Verhältniß zu dem früher gebrauchten Weinsprit, erst jetzt dort bekannt ge⸗ worden ist, oder weil die Brennereien in Württemberg, Baden und Bavern dieses Bedürfniß befriedigten, die jetzt wegen Mangel an Material nicht betrieben werden. Man wird versucht, das Erstere zu vermuthen, da im vorigen Jahre, wo weder im südlichen Deutschland noch hier das Ma⸗ terial zur Spiritus⸗Fabrication mangelte, demnach die Nachfrage für Spi⸗ ritus nach dem Auslande so bedeutend war, daß die Preise de elben unter den vorhandenen Umständen eine unerwartete Höhe erreichten und behaup⸗
teten.
30) In welchem Umfange findet das Viehhüten durch Kinder statt, welchen Einfluß übt dasselbe auf die Kinder und welche Maßregeln sind deshalb zu treffen?
31) Findet in der ländlichen Bevölkerung Erwerbs⸗Mangel, Massen⸗ Verarmung, Massen⸗Verderbniß wirklich schon jetzt statt, oder ist doch von der Zukunft dergleichen auf dem Lande zu befürchten?
32) Wenn die Besitzlosigkeit das Proletariat erzeugt, welche Mittel sind die geeignetsten, um der besitzlosen Klasse von Arbeitern einen Besitz zu verschaffen, und welche Größe des Besitzstandes ist für eine Familie als Minimum zu ihrer Ernährung erforderlich?
33) Giebt es Gründe für die Aufrechthaltung des Schmiedezwanges oder der Entrichtung des sogenannten Schärfekorns ꝛc. an einen Echmeed, welcher dadurch gleichsam das Privilegium erlangt hat, die Einführung bes⸗ serer Acker⸗Werkzeuge nur für den Fall zu gestatten, daß ihm Vortheil dar⸗ aus erwachse?
Wie ist auf eine einfache Weise die Ablösung zu bewirken, da bald auf der einen, bald auf der anderen Seite eine Entschädigung nöthig wer⸗ den dürfte? Berlin, den 12. April 1847. Das Haupt⸗Direktorium des landwirthschaftlichen Provinzial⸗Vereins für die Mark Brandenburg und Nieder⸗Lausitz. 8 v. Meding. Lette. v. Schlicht. 3
um beim Brennen der Ziegelsteine
4
früher
Inländische Fonds: Pfandbrief=-, Kommunal- Papiere vndh weld- Course.
2t. Brief.] Geld.
80.801ℳ14 8.56. 91 93 92 t ac. ene mne 37, 984 Seeh. Präm. Secb. eer 95 8 4 3 ½ — K. u. Nm. Schuldv. 91 111.“
Berl. Stadt-Obl. 93 ½ 92 ½ ntgcefihat Westpr. Pfandbr. 3 ½ 93 ½ — riec w-x or. Grossh. Posen do. — 101 ½ August or.
do. 2 91 % 91⁵2 Gold al marce.
do. 1 1 Ostpr. Pfandbr. 8 95 8½ — Disconto. 3
Pomm. do. 93 ½ —
Die Abtheilungs⸗Sitzungen finden Morgens und Abends statt.
11“
in starkem Gemisch mit verschiedenen Gräsern ausgesäet, diese haben zum