1847 / 114 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

gend.

durch zur öffentlichen Keuntniß bringe, bemerke ich, daß die nöthigen Anordnungen getroffen worden sind, um die Zollfreiheit für Reis so⸗ fort eintreten zu lassen. Berlin, den 19. April 1847. er Ober⸗Präsident der Provinz Brandenburg. von Meding.“

„In Berücksichtigung der obwaltenden Theurungs⸗Verhältnisse haben Se. Majestät 8 König zu befehlen geruht, daß die Uebung der Landwehr⸗Kavallerie in diesem Jahre ganz ausfalle, die Uebung der Lanwehr⸗Infanterie aber bis nach der Aerndte ebenfalls ausge⸗ setzt werde, wo alsdann, je nach dem Ausfalle der letzteren, Se. Majestät sich die weitere Bestimmung Allerhöchst vorbehalten wollen.

Dieser Allerhöchste Befehl wird hierdurch zur öffentlichen Kennt⸗

niß gebracht. Berlin, den 20. April 1847. Der Ober⸗Präsident der

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Provinz Brandenburg.

von Meding.“ 2*

Berlin, 24. April. Die Augsb. Allg. Ztg. Nr. 109, vom 19ten d. M., läßt sich von ihrem berliner & Korrespondenten unter Berlin, den 16ten d. M., über die an diesem Tage gehaltene Sitzung des Vereinigten Landtags Mittheilungen machen.

Daß diese weder einer preußischen Zeitung noch den authenti⸗ schen Veröffentlichungen des Landtags selbst entnommenen Mittheilun⸗ gen gegen die bundesgesetzliche Bestimmung von der Redaction auf⸗ genommen worden sind, darüber mag sich die letztere mit ihrem Cen⸗ sor und dieser mit seiner Pflicht absinden. Nicht deshalb gedenken

wir hier jenes Artikels. Dieser enthält aber unter Anderem die An⸗ gabe, „der frühere Minister des Innern, Graf von Arnim, habe im Sinne des Adreß⸗Entwurfs gesprochen und dabei erklärt, daß er sich nicht für berechtigt halte, bei der Wahl der ständischen Ausschüsse, so wie bei der der Deputation zur Beaufsichtigung des Staatsschulden⸗ wesens, mitzuwirken.’“ Wenn die Augsb. Allg. Ztg. sich auch über die Bundesgesetze hinwegsetzen will, so sollte sie sich doch nicht an Korrespondenten wenden, welche sie verleiten, ihren Lesern grobe Unwahrheiten aufzubinden und sich bei ihrer hervortretenden Stellung unter den Blättern die Schmach ersparen, sich bei späterer treuer Aufnahme der authentischen Landtags⸗Verhandlungen dieser Unwahrheiten selbst zu zeihen. Wir wollen abwarten, ob sie die Reden des Grafen Arnim über eine Adresse aus den Verhandlungen vollständig aufnehmen wird, um zu ihrer Beschämung ihren Lesern zu zeigen, welchen Grad von Gewissenhaftigkeit sie anwendet, sich über hiesige Zustände zu unterrichten, oder ob sie ruhig fortfahren wird, unter dem Zeichen des Triangels ihr Licht leuchten zu lassen.

Provinz Preußen. Der Ztg. f. Litth. u. Mas. wird aus Königsberg vom 19. April gemeldet: „Erst heute Mittags wird die der Handelswelt höchst e Mittheilung verbreitet: die Eisdecke hat sich in Bewegung gesetzt und ist verschwunden, ein gün⸗ stiger Wind hat es nach der See zu getrieben, das Haff ist frei, die

Freitag dem Commandeur des Jäger⸗Regiments des General⸗Adjutanten Fürsten v. dem Obersten Baron Meller⸗Sakomelski, die Feinde auf dem am uße der schwarzen Berge, bei den Quellen des Goita lie⸗ genden Gehöfte des Naib Duba, heimzusuchen. In der Nacht vom 17ten —2 18. März verließ Oberst Meller⸗Sakomelski mit drei Bataillonen In⸗ anterie, zwei Sotnias Kosaken vom 26sten donschen Regimente und vier Geschützen die Festung Wosdwischenskaja. Als er sich dem Gehöfte bis auf zwei Werst genähert, stürmte er mit zwei Compagnieen Jäger und sämmtlichen Kosaken im Eilmarsche gegen den Aul, den übrigen den Be⸗ fehl hinterlassend, ihm zu folgen. Die Kosaken umritten den Aul und be⸗ setzten alle in den Wald führenden Wege; Oberst Meller⸗Sakomelski er⸗ schien unvermerkt vor den Wohnungen. Als die Tschetschenzen wahr⸗ nahmen, daß ihnen alle Wege zum Entrinnen abgeschnitten seien, ent⸗ schlossen sie sich, zu kämpfen und zu sterben; im Aul erhob sich ein fürchter⸗ licher Kampf. Am heftigsten war das Zusammentreffen in der Woh⸗ nung des Naibs; Duba selbst entkam ohne Waffen in den Wald, die Mü⸗ riden aber vertheidigten mit Selbstaufopferung seine Familie. Mit Aus⸗ nahme von 15 Individuen, darunter ein unmündiger Sohn Duba'’s, die gefangen genommen wurden, kamen sämmtliche im Aul befindliche Tsche⸗ tschenzen um. Die ganze Habe an Pferden, Rindvieh, Waffen siel unseren Tapferen als Beute zu. Nachdem die vorhandenen Vorräthe an Getraide und Heu zerstört und der Aul den Flammen übergeben waren, kehrte Oberst Meller Sakomelski nach Wosdwischenskaja zurück und zerstreute auf dem Wege durch die Waldungen noch einige feindliche Haufen, die bestürzt von allen Seiten sich zusammengeschaart hatten und vergeblich ihm zu schaden versuchten. In diesem Kampfe blieben auf unserer Seite 15 Gemeine; verwundet wurden: der Lieutenant vom Jäger⸗Regimente des General⸗Ad⸗ jutanten Fürsten Woronzoff, Schidlowski, der Unter⸗Licutenant Drobüschew und 60 Gemeine. Diese Waffenthat hat den Tschetschenzen von neuem den Beweis geliefert, daß ihre Ueberfälle nicht ungestraft bleiben, und daß selbst die schwarzen Berge ihnen keine sichere Zuflucht vor unseren tapferen Sol⸗ daten gewähren können.“ Das Departement des auswärtigen Handels macht bekannt, daß in die Bedingungen über die Getränkpacht für die Jahre 1847 bis 1851 folgende Bestimmungen enthalten sind: „Die Einfuhr von ausländischem Arak, Rum und Franzbranntwein ist vom Jahre 1817 an in den Häfen von St. Petersburg, Archangel, Riga, Reval, Libau, Odessa, Taganrog, Theodosia, Kertsch und Ismail erlaubt. Außerdem ist die Einfuhr des Rums und Araks zu Lande von Oesterreich und Preußen nach den Zoll⸗Aemtern von Radzi⸗ wilow und Georgenburg gestattet. Der Handel mit diesen aus⸗ ländischen Getränken verbleibt, abgesehen von der Pacht, auf jetziger Grundlage.“

Warschau, 20. April. Gestern Nachmittag ist Se. Kaiserl. Hoheit der Großfürst Michael von St. Petersburg hier angekommen.

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Deputirten⸗Kammer. Sitzung vom 19. April. Herr von Remusat begründete seinen Antrag in Betreff der Inkompa⸗ tibilitäten, der mit Ausnahme der Bestimmung, daß auch die Civil⸗ und Militair⸗Beamten der Königlichen Hofhaltung von der Depu⸗

Schifffahrt für dieses Jahr hat wiederum ihren Anfar 2 Das danziger Dampfboot „Danzig“, S seit 1enn , . Pillau liegt, ist bereits hier eingetroffen, fünf Segelschisse folgen un⸗ mittelbar nach, noch über hundert fremde Fahrzeuge aller Länder sind interweges. Der eine Meile lange Holsteindamm von hier bis zur Mündung des Pregelflusses in das Haff ist mit Equipagen bedeckt. Alle Welt eilt hinaus ins Freie, um den lange entbehrten Aublick der mit vollen Segeln einlaufenden Handelsflotte zu schauen.“

* Trier, 12. April. Die Saaten stehen im Allgemeinen gut und haben sich in Folge der nunmehr eingetretenen belebenden milden Frühjahrs⸗ Witterung völlig erholt, so daß man sich überall zu der Hoffnung auf eine gesegnete Aerndte berechtigt glaubt. Mit dem Eintritte der milden Witterung hat nun aber auch die Einsaat der Sommerfrüchte und die Gartenbestellung begonnen. Namentlich ist die Hafersaat in vollem Gange und in einzelnen Kreisen bald beendigt. Ueberall rühmt man den vorzüglichen Zustand des Bodens und die Leichtig⸗ keit der Bearbeitung desselben, weshalb auch hinsichtlich der Som⸗

merfrüchte eine gute Aerndte erwartet wird. Den Landwirthen, Feld⸗ und Garten⸗Besitzern ist, zu einiger Abhülfe des Mangels an Nahrungsmitteln, dringend empfohlen worden, in diesem Frühjahre, außer dem zeitigen Auslegen von Frühkartoffeln, wo solche beschafft werden können, eine vermehrte Aussaat von früh reifenden Gewäch⸗ sen vorzunehmen, und die Landräthe, Bürgermeister und Ortsgeist⸗ lichen sind veranlaßt, zur Erreichung des Zweckes durch Rath und Belehrung thätig einzuwirken. G

An verschiedenen Orten haben sich Privat⸗Wohlthätigkeits⸗Ver⸗ eine gebildet. Der Verein, welcher sich in der Pfarrei Uexheim, im Kreise Daun, gebildet hat, hat von Köln eine Quantität Korn kom⸗ men lassen, welches von ihm zu den möglichst billigen Preisen abge⸗ geben wird. In Saarlouis ist eine Subscription zu milden Bei⸗ trägen eingeleitet worden, welche einen Ertrag von ungefähr 1000 Rthlr. gewährt hat. Mittelst dieser Summe ist eine Koch⸗Anstalt errichtet worden, in welcher jetzt täglich 232 Portionen verabreicht werden. Auch in Saarbrücken ist mit Hülfe gesammelter Beiträge welche eine ziemlich bedeutende Summe ergeben haben, eine Sup⸗ pen⸗Anstalt errichtet worden. In dem Orte Lebach, im Kreise Saar⸗ h die Anordnung getroffen, daß jeder

hlhabende Einwohner ein Kind v nbedürftigen Arme in ganze Kost nimmt. vE1ö“ Frmen

Deutsche Bund esstaaten. ii .

Königreich Sachsen. Se. Kaiserl. Hoheit der Großfü Konstantin von Rußland ist am 20. April in Vrszban ö

Königreich Haunover. Die allgemeine Stände⸗Ver⸗ sammlung des Königreichs ist am 21. April durch ein Königliches Schreiben nach Erledigung ihrer Geschäfte vertagt worden.

Großherzogtgum Baden. Am 15. April fand in Don 8 1 4 0 D0. Hvonau⸗ geae die ve, Fr. vn. des Prinzen Hugo 2 ohenlohe⸗Oehringen mit Ihrer Durchlaucht der Prinzessin Pauli von Fürstenburg staitt. G 88 Rußland und Polen.

Et. Petersburg, 17. April. Aus Tiflis vom 29. März sind folgende Nachrichten vom Kaukasus, und zwar von der linken Flanke der kaukasischen Linie, über eine Waffenthat des Jäger⸗Regi⸗ ments des General⸗Abdjutanten, Fürsten Woronzoff, hier einge⸗ gangen: 1 .

„Dieses Regiment steht in der Festung Wosdwischenskaja

sich während des Herbstes und Winters damit vüeaischen F- ung Hate eines Stabs⸗Quartiers für das Regiment Holz zu fällen und zuzurichten Der Naib Duba, einer der unternehmendsten Inhönge Schamil's, beun⸗ rvhigte die Soldaten bei ihren Gängen in die Waldungen fortwährend Er hatte einen bedentenden Hinterhalt gelegt, aus welchem er am 141. März plötzlich den linken Flügel der an diesem Tage ausgerückten Kolonne überfiel. Die Reserve Lab alsbald Feuer und warf mit dem Bajonette in wenig Augenblicken die Tschetschenzen zurück, ihnen bedeutenden Verlust zufü⸗ Diese Verwegenheit zu bestrafen, befahl General⸗Lieutenant

tirten⸗ Kammer ausgeschlossen werden sollten, eben so wie im vorigen Jahre abgefaßt ist, auch durch dieselben Argumente wie damals.

Der Antragsteller erinnerte unter Anderem daran, daß in England nach

der Revolution von 1088 Fen; worden sei, auch die Minister aus dem Unterhause auszuschließen. Dies habe jedoch als zu viel verlangt man habe einen Mittelweg eingeschlagen, nämlich die Bedingung daß Parlaments⸗ Mitglieder, wenn sie ein Amt annähmen, sich einer neuen Wahl unterwersen müßten, auch einige Beamte für ganz unwählbar erklärt Die jetzige Lage des englischen Unterhauses mit Hinsicht auf Staatsbeamte sei die, daß unter 658 Mitgliedern sich 105 Beamte befänden, wovon 34 dem Civil und 71 der Armee und Marine angehörten. Was die Letzteren betreffe, so müsse bemerkt werden, daß dieselben weit unabhängiger gestellt seien, als in Frankreich; es sei daher hier viel nöthiger, sich gegen Miß⸗ bräuche jeder Art zu wahren.é Man habe gesagt, die in die Kammer ge⸗ wählten Staatsbeamten brächten parlamentarische Ueberlieferungen und po⸗ litische Ideen mit, die man der Versammlung erhalten müsse. Dies möge hinsichtlich der politischen Functionen richtig sein, aber was andere Functionen anbelange, für die ein Jeder so viel Urtheil habe, als er überhaupt urtheilsfähig sei, so sehe er keinen Grund, einen Zu⸗ stand der Dinge bestehen zu lassen, bei dem nur Privat⸗Interessen ins Spiel zu kommen schienen. Das Abhülfemittel der neuen Wahl hielt er nicht für zureichend, wenn man unter 459 Mitgliedern 200 Staats⸗Beam⸗ ten erblicke. Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten habe selbst zu⸗ gegeben, daß das jetzige System zum Mißbrauch des Einflusses führen könne; Zweck der vorliegenden Maßregel sei, solchem ungebührlichen Ein⸗ fluß einen Damm entgegenzusetzen und die Rechte der nur zu oft befleckten parlamentarischen Ehre wiederherzustellen. Es gebe viele sehr ehren⸗ werthe Mitglieder unter der Majorität, die in allgemeinen Fragen auf die Regierung vertrauten, in einzelnen Angelegenheiten aber anderer Meinung seien. Wenn diese einen sgges⸗ Mißbrauch bestehen ließen, weil man seine Beseitigung für ungelegen hielte, so würden sie die Freiheit und Un⸗ abhängigkeit ihrer Stimme koͤmpromittiren.

Der Minister des Innern, Graf Duchatel, erklärte, er wolle dem ehrenwerthen Deputirten nicht in alle Details seines Vorschlages folgen sondern nur die Folgen bezeichnen, welche es haben müßte, wenn die Kam⸗ mer beschlösse, dessen Antrag in Berathung zu ziehen. Derselbe gebe die Zahl der in der Kammer sitzenden Staats⸗Beamten viel zu hoch an, denn er habe Deputirte mitgezählt, die nicht als Staats⸗Beamte betrachtet wer⸗ den könnten. Auch könne er dessen Ansichten über die Gefahren, welche derselbe befürchte, nicht theilen. Zwischen Frankreich und England lasse sich gar keine Parallele ziehen. In Frankreich gebe es viele Körperschaften die in England gar nicht beständen, und die dazu gehörenden Mitglieder von der Kammer ausschließen zu wollen, würde die Hälfte der Kammer unterdrücken heißen. Insoweit ein Vergleich sich machen lasse, zähle das englische Unterhaus weit mehr Staatsbeamte als die französische Deputir⸗ ten⸗Kammer. Unter dem jetzigen Ministerium seien nur 14 Deputirte zu Staatsämtern ernannt worden, die Kammer werde also wohl einsehen, daß das Uebel nicht so groß sei, als man es darstelle. Staatsbeamte in der Kammer zu haben, sei durchaus nothwendig, da ihre Ansichten und Gut⸗ achten oft von großem Werth und Nutzen seien, und da der ehrenwerthe Deputirte sie auch nicht alle ausgeschlossen wissen wolle, so handle es sich nur um die Zahl. Er (der Minister) gebe zu, daß die gegenwärtige Zahl nicht zu vergrößern sei, aber er könne nicht umhin, zu semeren, daß die Opposition bei den letzten Wahlen nicht unterlaseen habe, für öffentliche Beamte zu stimmen, so oft sie geglaubt, der Regierung damit etwas Miß⸗ liebiges zu thun. Nichts könnte übrigens für die Kammer selbst nachthei⸗ liger sein, als die Berücksichtigung des vorliegenden Antrages, denn wenn derselbe durchginge, würde sie sogleich aufgelas werden müssen. Der Mi⸗ nister bekämpfte dann noch besonders denjenigen Theil des Vorschlages, der sich auf die Beamten des Königlichen Haushalts bezieht. Zu Frankreich, welches die Krone achte, welches seine monarchischen Prinzipien aufrecht erhalten habe, indem es dieselben mit seinen neuen constitutionellen Formen verbunden, zu Frankreich jetzt sagen zu wollen, daß man, wenn man der

Person des Königs und der Prinzen attachirt sei, nicht mehr das Ver⸗ frauen des Volkes verdien . . (HOdilon Barrot ruft: Geben Sie dem Gedanfen nicht einen anderen Sinn!) Daß die Wähler ihre Repräsentanten vergebens unter den tapferen Militairs suchen würden, mit denen der König seine Person umgeben, eben um die von ihnen dem Lande geleisteten Dienste anzuerkennen; daß dies eine Gefahr, daß dies Corruption wäre, daß dadurch das Ansehen des Parlaments geschwächt würde; daß man jede Art von Bezjehunß⸗ zwischen dem, was die Krone und was die Wahl berühre, aufloösen müsse; zwischen der Krone und der Wahl eine nicht zu überschreitende Klust eröff⸗ nen zu wollen, glaube man, daß man damit das Ansehen der Krone fördern, daß man dadurch im 887 die erhe 228 der .

- ierun ördern 7 enn man dies wesentliche Bedingung der Regierung, e

sobald ein solcher Vorschlag durchgegangen wäre, alle Welt belehren, was die wahre Bedeutung des Antrages sei. Die Fortsetzung der Debatte wurde hierauf vertagt. 5

Paris, 20. April. Prinz Friedrich von Dänemark ist hier

eröffnet worden. Die Königin Marie Christine und die Herzogin von Montpensier, waren bei der ersten Aufführung zugegen. 2 Die Königin Christine sieht, dem Vernehmen nach,

mit dem Herzoge von Rianzares sind bereits fünf Kinder entsprossen. „Die Union monarchique meldet, daß ein sonderbares Ereig⸗ niß, welches die doppelte Frage der Politik und der Schicklichkeit aufwerfe, alle Salons der hohen Gesellschaft von Paris in die größte Aufregung versetze. Seit dem bekannten Balle des Marquis von Normanby, der den Anlaß zu der Differenz mit Herrn Guizot gab, war der Normanbysche Salon von der französischen höheren Gesell

schaft so ziemlich gemieden worden. Allein nach und nach milderten sich die ersten Eindrücke, 14ten d. Einladungen zu einer großen Soiree ergehen ließ, fand sich die ganze französische hohe Gesellschaft in seinen Salons ein.

servirt, und alle Damen wurden eingeladen, Platz zu nehmen. Kaum hatten sie sich alle gesetzt, als am Ende der Gallerie Vor⸗ hänge auseinanderrauschten und in einer glänzend dekorirten Nische eine kleine Tafel von 20 Couverts erschien. Marquis von Normanby rief nun mit lauter Stimme eine Anzahl nicht französischer Damen 1 sich an die kleine reservirte Tafel

stin von Lichtenstein, die Gräfin von Dietrichstein, die Fürstin von Ligne, die Ladys Holland, Granville, Aylesbury, Wilson u. s. w., aber keine französische Dame. Anfangs war eine allgemeine Bestür⸗

zu bleiben und mit anzusehen, was an dieser Tafel vorgehen würde. Alle Blicke waren also auf diese gerichtet, und die Damen an derselben fühlten sich bald so bedeutend genirt, nach und nach die reservirte Tafel verließen und sich unter die übrige Gesellschaft mischten. Es herrscht nun eine neue Mißstimmung zwi⸗ schen dem englischen und dem französischen Lager in der höheren Ge

sellschaft, und man ist auf die Folgen des Vorfalls begierig. Da die legitimistische Union monarchique allein diesen Vorfall erzählt, so glaubt man, daß diese Demonstration des Marquis von Normanby

empfindlich berührt worden sei.

auswärtigen Angelegenheiten dem Grafen Bresson befohlen habe, auf seinen Posten zurückzukehren.

An die Stelle des verstorbenen Herrn Martiin du Nord ist der konservative Kandidat, Herr Guilbert, fast einstimmig zum Deputir ten für das Nord⸗Departement gewählt worden.

Der im Moniteur publizirte Finanz⸗Bericht über das letzt

Quartal veranlaßt das Sidele zu folgenden Bemerkungen: gleichen wir unsere Finanzlage mit denen benachbarter Nationen, so ist sie höchst beunruhigend. In allen anderen Ländern bemühen sich die Regierungen, die Zunahme der Ausgaben zu hemmen. allein verzehrt, wie ein verschwenderischer Sohn, das Kalb, ehe es geboren ist, und erfindet täglich ein neues Mittel, den Schatz, dem es so oft bis auf den Grund gekommen, wieder zu füllen. Ueberall in anderen Ländern werden Versuche gemacht, die Hülfsquellen der Staats⸗Einnahme durch Modifizirung der Besteuerung auszudehnen. Preußen steht im Begriff, dem Beispiel Englands zu folgen und eine Einkommensteuer einzuführen. Das Briefporto ist in Belgien, Preu⸗ ßen, Oesterreich und Sardinien ermäßigt worden. Nur in unferem glücklichen Frankreich bleibt die Herrschaft der Routine unbesiegbar

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aube, so täusche man sich gewaltig. Jandne,, die der Julj⸗ bgerung sern Heil wünschten, den Tag darauf,

und die vernünftigsten Veränderungs⸗Vorschläge werden ewig verwor⸗ fen.“ Das genannte Blatt kämpft dann zunächst vorzüglich für Verminde⸗ rung der Getränksteuer und des Briefporto's. Die Revenüen von Getränken haben im ersten Quartal dieses Jahres um 482,000 Fr. oder 2 ½ Ct abgenommen, während sie in England um ungefähr dasselbe gestieg en sind. Die Einnahme vom Briefporto siel in demselben Suerta in Frankreich um 220,000 Fr. oder 2 pCt. bei einem durchschnittlichen Porto von 45 Cent. Das Sidele will das Porto daher auf 20 Cent. herabgesetzt sehen, wodurch die Einnahme ohne Zweifel steigen würde. In Brest wurde am 14. April eine Fregatte von 50 Kanonen, die „Nemesis“, vom Stapel gelassen; Tages darauf sollte dasselbe mit Linienschiffe von 100 Kanonen, „le Tage“, geschehen. Am 1. Januar dieses Jahres bestand die französische bewaffnete Segelflotte aus 2 Drei⸗ deckern und Linienschiffen, 15 Fregatten, 25 Korvetten, 31 Briggs 37 lech⸗ ten Schiffen und 22 Transportfahrzeugen, welche im Ganzen 2544 Kanonen an Bord hatten. Mit dem 1. Januar 1846 verglichen hat sich der Effektivstand der Flotte um 4 Linienschiff, 1 Korvette. 1 Brigg 3 leichte Schiffe und 1 Transportschiff vermindert. e8 Der Courrier français will wissen, daß die von zwei engli⸗ schen Agenten zu Lissabon über die Abtretung Goa's an Großbritan⸗ nien gepflogenen Unterhandlungen zu einem Resultat geführt Diese Abtretung würde, dadurch verschleiert, daß man England diese Be⸗ sitzung blos zum Pfand für eine Anleihe von 7 Millionen hergebe und da man wohl nie im Siande sein werde, diese 2 zuerstatten, so würde England im Besitze der Insel bleiben. 3 1 Graf Montalembert hat im Namen der Wahl Comités zur Verfechtung der religiösen Freiheit ein Rundschreiben erlassen, worin erklärt wird, daß die in dem neuen Unterrichts⸗Gesetzentwurf gemach⸗ ten Zugeständnisse illusorisch seien, und daß man dahin zu wirken habe, das zu erlangen, worauf man ein Recht zu haben glaube. „In der Normandie hat man, wie neulich schon erwähnt angeb⸗ lich Entdeckungen gemacht, die auf die Gewißheit der Eristenz eines weitverzweigten Komplottes mit legitimistischer Tendenz geführt und in deren Folge mehrere Verhaftungen und Haussuchungen stattgefun⸗ den haben. Das Komplott soll den Zweck haben, das durch die Theurung unter der Bevölkerung erzeugte Mißvergnügen zu Mani⸗ festationen gegen die Regierung zu benutzen und überall Markt⸗Emeu⸗ ten hervorzurufen, die sich dann in politische verwandeln sollten. Die bisher gemachten Entdeckungen scheinen auf neue Spuren geführt zu en. Fe- n v dem I. zufolge, in dieser gelegenheit au tungen Hauss⸗ 1 esai beaeerbeth ch Verhaftungen und Haussuchungen in Versailles Die Gazette des Tribunaur meldet, daß die Hinrichtung der drei Verurtheilten von Buzangais, die mehreremale als schon voll⸗ streckt angekündigt wurde, erst am 16ten d. Morgens stattgefunden habe. Am 15ten Abends war der Befehl gegeben worden, die drei Verur⸗ theilten mit ihren Beichtvätern in einem von Gendarmen und Chasseurs eskortirten Wagen von Chateauroux nach Buzangais zu bringen. Das⸗ selbe Blat enthält einen langen, wie man glaubt, aus dem Instiz⸗ Ministerium kommenden Artikel, in welchem, den Reclamationen des

bezeigen würden, dürfte

angekommen. 8 Am Sonnabend ist das spanische Theater im Saale Veutadour

9. e A 6 8 1 1 in einigen Monaten ihrer Niederkunft entgegen. Aus ihrer morganatischen Ehe

und als Marquis von Normanby für den 8

Mitternacht wurde in der großen Gallerie ein kostbares Souper

zu setzen; unter diesen die Für-⸗

zung vorherrschend, und man wollte schon aufbrechen, doch die ruhige Ueberlegung kehrte bald zurück, und man fand es für das Ziemlichste,

daß sie

gegen die Legitimisten des Faubourg St. Denis gerichtet gewesen, durch deren in den öffentlichen Blättern bei Gelegenheit seines Balles vom 19. Februar abgegebene Erklärungen der britische Botschafter

Das Sidcle will wissen, daß der Herzog von Glücksberg nicht definitiv als Gesandter zu Madrid bleiben werde, sondern daß auf dringende Vorstellungen des Herzogs von Broglie, der Minister der

„Ber⸗

Frankreich

Natio nal und der Reforme gegenüber, die Gerechtigkeit des Ur⸗ theils nachgewiesen, die von den drei Verurtheilten begangenen oder versuchten Mord und Raubthaten aufgezählt und so nicht nur der Ausspruch der Jury, sondern auch die Unmöglichkeit einer Begnadi⸗ gung motivirt wird.

Der Dienst der atmosphärischen Eisenbahn von Paris nach St. Germain hat vorgestern begonnen. Die Resultate sind sehr befriedigend. Diese nur 2400 Metres lange Eiseubahn löst das Problem, eine mit Kurven verbundene Steigung von 1 auf 35 zu überwinden und die Fortschaffung des Zugs nach einander durch ein Seil⸗System, durch seine eigene Schwere, durch das atmosphärische System und durch gewöhnliche Lokomotiven mit möglichst geringem Zeit⸗Verlust zu bewirken. Das Hinüberschaffen der Waggons von einem Gleise aufs andere wird nicht durch die gewöhnlichen Drehscheiben, sondern durch hydraulische Wagen bewirkt, und die Signale zu den verschiedenen schnell wechselnden Operationen werden mittelst eines elektro⸗magneti⸗ schen Telegraphen gegeben. 8

Die Presse 55 es scheine, daß Spekulanten die Provinzen Frankreichs in allen Richtungen durchzögen und die zukünftige Aerndte schon auf dem Felde ankauften. Bei dem Geldmangel, der allgemein auf dem Lande herrsche, hätten sie mit den Bauern leichtes Spiel.

Es scheint wieder ungewiß zu werden, ob der Herzog von Broglie als Botschafter nach London gehen wird; der Moniteur hat die Ernennung noch nicht angezeigt.

O'Connell weilt noch zu Lyon; er befindet sich unwohl und dürfte vielleicht die Reise nach Italien gar nicht fortsetzen.

Es heißt, Herr Pasquier werde demnächst in der Präsidentschaft der Pairs⸗Kammer durch den Grafen Molé ersetzt werden. Auch sagt man, Herr Gabriel Delessert werde an Stelle des Herrn von Rambuteau Präfekt des Seine⸗Departements werden.

Aus Aegypten sollen ernste Nachrichten eingetroffen sein und einen nahen Krieg zwischen Mehmed Ali und einem der mächtigsten Fürsten Aby'siniens in Aussicht stellen.

Das Journal des Débats hätte zwar gewünscht, daß man

auch Banknoten von 100 Fr. zugelassen hätte, meint aber, daß die Ermächtigung, 200 Fr.⸗Noten auszugeben, auch schon dem Handel und Verkehr graßen Nutzen leisten werde. Uebrigens sei die Frage der 100 Fr.⸗Noten nicht damit entschieden, und wenn sie auch heute nicht durchginge, werde sie mit der Zeit schon wieder vorkommen und endlich durchdringen. Der Courrier fraugais berichtet, daß Bugeaud die Algieri⸗ schen Kolonisten aufgefordert hätte, Petitionen zu Gunsten der Acker baulager zu unterzeichnen, daß dieselben statt dessen aber einen Pro⸗ test gegen sein Projekt an die Kammer zu richten beschlossen, worin sie „Instutionen und Gesetze für. Algerien, somit Vereinigung mit Frankreich“ beantragen und ihre Ueberzeugung dahin aussprechen, daß die Gründung einer Militair⸗Colonisation, unter dem Namen von Ackerbau⸗Lagern, die Dauer der erzeptionellen Zustände, welche die Entwickelung des Landes hindern und Frankreich immer neue Opfer auferlegen, nur verlängern und verewigen würde.

Die Seine, Loire und Rhone sind bereits wieder im Fallen be⸗ griffen; sie waren so hoch gestiegen gewesen, daß das Wasser überall die Brückenbögen ausfüllte und somit die Schifffahrt ganz gehemmt war, was nicht ohne Einfluß auf das abermalige Steigen der Ge⸗ traide-Preise in Paris und an anderen Orten geblieben ist.

Nach einem Entscheide des Kriegsministers soll in diesem Jahre ein Uebungs⸗Lager in dem Aronde⸗Thal bei Compiegne errichtet wer⸗ den. Die Herzöge von Nemour und Aumale werden den Oberbefehl führen.

Die Direction der Königlichen Akademie der Musik bereitet seit einiger Zeit ein neues Ballet unter dem Titel „la Taütienne“ vor. Es heißt, die Theater⸗Censur habe diesen Titel, als auf die Politik bezüglich, gestrichen.

Dieser Tage erklärte sich das hiesige Civil⸗Tribunal in einer Klagesache des früher im Dienste des Pascha's von Aegypten ange⸗ stellten Professors Solon gegen den Vice⸗König auf Odilon Barrot's Antrag für inkompetent und verurtheilte den Kläger in die Kosten. Es handelte sich um eine Schadloshaltung von 102,000 Fr., welche Herr Solon, weil er vertragswidrig seiner auf neun Jahre ihm über⸗ tragenen Stelle vom Pascha entsetzt worden sei, von diesem fordern zu können behauptet. Ein anderer Gerichtshof hatte früher ein Ur⸗ theil zu Gunsten Solon’'s gefällt und dieser darauf das von Meh⸗ med Ali nach Marseille verkaufte Getraide mit Beschlag belegen

lassen.

* Paris, 20. April. In der heutigen Sitzung der Depu⸗ tirten⸗Kammer wurde die gestern abgebrochene Debatte über den Antrag des Herrn von R émusat, die sogenannten Inkompatibili⸗ täten betreffend, fortgesetzt.

Zuerst aber erstattete Herr von Lafarelle Bericht über die Wahl des Herrn Jobelin zu Quimperle. Zwei Protestationen sind gegen diese Wahl eingelaufen. Der Berichterstatter behauptet das Recht des Präsiden⸗ ten des Wahl⸗Kollegiums, die eingetroffene telegraphische Depesche, welche das Urtheil des Cassationshofes ankündigte, wonach Herr Drouillard, Herr Jobelin's Mitbewerber, als der bürgerlichen Rechte verlustig erklärt wird, zur öffentlichen Kenntniß zu bringen im Augenblicke der Wahl. Die Wahl⸗ Operationen hätten dadurch nicht ungültig werden können. Das Büreau beantragt daher Gültig⸗Erklärung der Wahl des Herrn Jobelin. Herr Odilon Barrot will sich zwar gegen diesen Antrag der Kommission nicht erheben, kann aber nicht allen für Gültig⸗Erklärung der Wahl vorgebrach⸗ ten Beweggründen seine Zustimmung geben. Er geht nun in eine Erör⸗ terung derselben ein, verwirft mehrere und appellirt endlich an die Souve⸗ rainetät der Kammer in Wahlsachen. Der Präsident stellt nun die An⸗ frage, ob die Kammer die Wahl des Herrn Jobelin als gültig anerkenne, und die Antwort fällt bejahend aus. Auf Antrag des Herrn L avieille wird auch die Wahl des Herrn Delangle zu Cosne als gültig erklärt. Mehrere Petitionen werden vorgelegt; eine davon will, daß die Post für den Verlust von Werthen, die in den ihr übergebenen, aber verloren gegan⸗ genen Briefen enthalten sind, verantwortlich gemacht werde.

Nun ergreift Herr St. Marc Girardin das Wort über die In⸗ kompatibilitäten. Der Antrag des Herrn von Remusat habe zwei Ziele; es solle dadurch verhindert werden, daß eine zu große Anzahl von Beam⸗ ten in die Kammer komme, und zweitens die plöͤtzliche und schnelle Beru⸗ fung von Deputirten zu öffentlichen Aemtern. Er seinerseits werde, wenn der Antrag in Betracht gezogen, eine Kommission zu dessen Prüfung er⸗ nannt werde, mehrere der beantragten Inkompatibilitäten bekämpfen. Was aber die allzu häufige Aufnahme von Deputirten zu öffentlichen Aemtern angehe, so betrachte er dieselbe als einen Mißbrauch und in diesem Punkte unterstütze er den Antrag. Der Redner schildert nun die mißliche Stellung der Deputirten, die zugleich Beamte sind. Dieselben seien in ganz falscher Stellung, die nicht verträglich sei mit der Verwaltungs⸗Hierarchie, die durchaus nothwendig, an die man allerseits gewohnt sei, und eben so wenig mit der Unabhängigkeit, welche die Stellung eines De⸗ Sih in Anspruch nehme. Der Redner unterstützt daher die

erfügung des Antrags, wodurch den Deputirten die Annahme bezahlter Aemter untersagt wird, wenn dieselben nicht schon am Tage ihrer regven waren. Dagegen bekämpft er die Bestimmung, wodurch es den zu Deputirten erwählten Beamten untersagt sein soll, Beförderung anzunehmen. Die Annahme des Deputirten⸗Mandats dürfe nicht den f i⸗ higen Beamten zum Schaden gerei evürf, die Ar

1 aden gereichen, aber eben so wenig dürfe die An⸗ nahme des Mandats gewissermaßen die administrative Fähigkeit verleih Mit diesem Vorbehalte stimmt der Redner dafür, daß ber Antra g9 Be. tracht gezogen werde. Herr Desgmonsseaux de Gioré gvv r den Antrag, Er dankt zuerst den Antragstellern, daß sie nach langer Muße der

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Reformfragen, und zumal die jetzt vorliegende, hätten durchaus nichts Neues. Wie der , Minister des Innern schon gefagt habe, alle Argumente für und gegen seien vollkommen bekannt. Aber neu sei die Ruhe, mit welcher diese Verhandlung stattfinde, die Sprache habe viel von ihrer Herbe verlo⸗ ren, man sage sich beinahe Komplimente gegenseitig inmitten des Kampfes. (Neues Geläͤchter.) Doch wolle er etwas onstatiren. Voriges Jahr habe die Majorität des Kabinets bedurft, um zu bestehen, jetzt bedürfe das Ka⸗ binet der Majorität, um zu leben. (Der Redner sprach noch, als dieser Bericht des Postschlusses wegen abgebrochen werden mußte.)

Das Gesetz über die Rückgabe der von den Eisenbahn⸗Gesell⸗ schaften geleisteten Cautionen ist in der Deputirten⸗Kammer mit der starken Majorität von 215 gegen 27 Stimmen durchgegangen. In der Verhandlung wurden die Eisenbahn⸗Gesellschaften von einigen Oppositions⸗Deputirten heftig angegriffen, weil sie jetzt die Beihülfe des Staates in Anspruch nehmen. Man braucht eben kein Anhänger der Erbauung der Eisenbahnen durch Gesellschaften überhaupt zu sein, um diese Angriffe ungerecht zu finden. Die Eisenbahn⸗Gesell⸗ schaften sind nicht schuld, daß in Folge eines Mißwachses eine finanzielle Krise eingetreten ist, und daß die Ingenieure des Brücken⸗ und Straßenbauwesens in den von ihnen entworfenen Kostenanschlä⸗ gen so große Verstöße machten, daß die Gesellschaften nun die Bedingun⸗ gen, unter welchen sie die Ausführung der verschiedenen Bahnen übernah⸗ men, so bedeutend erschwert sehen. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat sich geweigert, zu versprechen, daß er nichts weiter für die Ge⸗ sellschaften verlangen werde. Wäre die Finanz⸗Krise nicht eingetre⸗ ten, die gegenwärtig herrscht, so wären die Gesellschaften schwerlich in den Fall gekommen,⸗ überhaupt Beistand in Anspruch zu nehmen, wenigstens wäre die Sache nicht dringend geworden. Denn die im Laufe des Jahres 1847 von den Aetionairen der verschiedenen Ge⸗ sellschaften einzuzahlenden Summen übersteigen durchschnittlich nicht 10 Millionen für den Monat. In gewöhnlichen Zeiten könnte eine solche Summe auf einem Platze wie Paris nicht den geringsten An⸗ laß zu Verlegenheiten geben. Aber hbei dem gegenwärtigen Zustande der Entmuthigung, welcher sich der Gemüther bemächtigt hat, liegt dringende Nothwendigkeit vor, den darum nachsuchenden Gesellschaf ten wenigstens eine moralische Stütze zu bieten, wenn nicht die be⸗ deutendsten Interessen des Staates wie zahlreicher Privaten auf be⸗ unruhigende Weise bedroht und der Bau der Eisenbahnen von neuem auf die lange Bank hinausgeschoben werden soll. Die Zugeständnisse, welche geeignet sind, Abhülfe zu bringen, und welche von den Ge⸗ sellschaften verlangt werden, sind: Gewährleistung eines Minimums von Zinsen für die Actionaire, Befreiung der Gesellschaften von der Verbindlichkeit zu Erbauung lästiger Zweigbahnen, Erleichterungen in Annahme der Pläne und Erlaubniß zu Einführung eines Theils der zu den Eisenbahnen nöthigen Schienen gegen einen ermäßigten Zoll. Die Verlängerung der ertheilten Konzessionen wäre für den Staat jedenfalls lästig, ohne für die Gesellschaften von beträchtlicher Wir⸗ kung zu sein. Eine solche Maßregel wäre höchstens für die Gesell⸗ schaften der Eisenbahnen von Bordeaux nach Cette und von Creil nach St. Quentin von Bedeutung, aber gerade diesen Unternehmun⸗ gen ist eine Beihülfe nicht gerade unentbehrlich.

Was den Stand der Getraide⸗Frage betrifft, so ist der Markt hier und in Havre wieder ziemlich ruhig, die Zufuhr an Mehl und Getraide ist stärker als die Nachfrage. In Havre hat man Nach richt von bevorstehender Ankunft bedeutender Massen aus den Verei⸗ nigten Staaten. In der letzten Woche schon trafen zu Havre sehr bekrächtliche Quantitäten aus allen Häfen des Nordens, Englands und den Vereinigten Staaten ein, 70,000 Hektoliter an Getraide und 22,000 Tonnen Mehl; außerdem aus England und den Vereinigten Staaten beträchtliche Quantitäten anderer Lebensmittel, als Reis, Kartoffeln, Bohnen u. s. w. Alles das läßt hoffen, daß das Stei⸗ gen der Getraidepreise, welches bereits neue Besorgniß erregt hatte, nicht von Dauer sein werde. ms

Großbritanien und Irland.

London, 19. April. Die Times bringt heute einen zweiten Artikel über den Vereinigten Landtag in Preußen, worin sie zu er⸗ kennen giebt, daß sie von dem wahren Verhältniß der preußischen Stände zur Krone doch keinen rechten Begriff hat, indem sie vom modern constitutionellen Standpunkt die Abwesenheit der Minister⸗ Verantwortlichkeit in der Versammlung des preußischen Landtags als einen Mangel hervorhebt. Im Uebrigen jedoch spricht sich die Times, wie in ihrem ersten Artikel, so auch hier über die neue Einrichtung höchst anerkennend aus und faßt ihre Ansicht nach eini⸗ gen flüchtigen und darum ungenauen Andeutungen über die histo⸗ rischen Rechte der preußischen Stände in den folgenden Schlußworten zusammen: „Die preußische Regierung hat keine Zeit verloren, dem in der Thron⸗Rede aufgestellten Prinzip zu entsprechen, daß nämlich dieser Landtag nicht zusammenberufen sei zu bloßer Erörterung politischer Rechte, sondern zur Erledigung von öffentlichen Geschäften. (Die Vorschläge zur Abschaffung der Mahl⸗ und Schlachtsteuer, zur Erhebung einen Einkommensteuer, zur Einrichtung von Landrenten⸗ Banken und Provinzial⸗Hülfskassen zur Kontrahirung einer Anleihe für die preußische Eisenbahn ꝛc. werden erwähnt.) InHinsicht dieser finanziellen Verlangen hat die preußische Regierung nichts zu fürch⸗ ten. Der König hat das Recht, mit Stolz auf die Resultate einer Verwaltung sich zu berufen, die so unbestechlich, so erleuchtet und so gerecht dasteht, wie die irgend eines constitutionellen Staates, denn wenn seine Macht unbeschränkt gewesen ist, so war auch die Integri⸗ tät seiner Regierung unbestreitbar. Dieser Landtag wird deshalb wohl thun, sich daran zu erinnern, daß er nicht zusammenberufen ist, wie die Reichsstände Frankreichs, mit welchen man ihn bisweilen sehr unbedacht verglichen hat, und welche die Mißbräuche von Jahrhun⸗ derten abschaffen, die Befugnisse einer unter Anhäufung von Lastern und Irrthümern dahinsinkenden absoluten Regierung überwachen oder den Staat von unüberwindlichen Finanz⸗Verlegenheiten befreien sollten. Keine dieser Obliegenheiten ist in Preußen zu erfüllen, kei ner dieser Uebelstände, kann man behaupten, existirt dort, und selbst diejenigen, welche dem System absoluter Regierung am feindseligsten sind, haben anerkanut, daß in Preußen jenes System Früchte von ungewöhnlicher Auszeichnung getragen hat. Es liegt gegenwärtig den liberalen Mitgliedern des preußischen Landtages ob, sich zu ten, daß nicht die Freiheit selbst irgend einen Eintrag durch die Kon⸗ trastirung mit einer Regierungsweise erleide, deren Erfolge mit ihrem Prinzip versöhnen und sich zu erinnern, daß, wenn die ihrer Ver⸗ sammlung beigelegten Befugnisse unvorsichtig und unangemessen aus⸗ geübt werden, sie leicht ihre künftige Heilsamkeit zerstören, das nigreich in große innere Schwierigkeiten verwickeln und jenen Fein⸗ den verfassungsmäßiger Regierung einen großen Dienst erweisen wür⸗ den, welche über das Fehlschlagen dieses großen Experiments froh⸗ locken möchten. Die Dauer des gegenwärtigen Landtages ist auf acht Wochen festgesetzt, und in dieser Feit kann vielleicht das Schick⸗ sal Preußens und Deutschlands für den übrigen Theil dieses Jahr⸗ hunderts entschieden werden.“

Die Nachrichten von Lissabon in Betreff der Annahme der eng⸗ lischen Vermittelung von Seiten der portugiesischen Regierung veran⸗ lassen die Times, ihre frühere Erklärung, daß England in Portugal nicht interveniren werde, zu wiederholen. „Wir haben“, schreibt die Times, „ungeschwächten Grund zu der Annahme, daß Sir Hamil⸗ ton Seymour und Admiral Parker eingewilligt haben, die britischen

Kammer wieder einige Unterhaltung verschafft haben. (Gelächter.) Die

Marinesoldaten von den im Tajo befindlichen englischen Kriegsschiffen

zu landen, nachdem Graf Tojal erklärt hat, die persönli scher⸗ heit der Königin sei in Gefahr, und das Hirnsst dan büche „96. Ruhe der Hauptstadt nicht einstehen, wir haben aber auch Grund zu Ee daß die Intervention dieser Truppen sich streng duf ne

eschützung der Person Ihrer Majestät, des à Eigenthums und der britischen Unterthanen in Lissabon beschränken werde.“

Ueber die am Freitag beendete Diskussion und Annahme der irländischen Armenbill schreibt der Globe: „Man scheint ziemlich allgemein überzeugt zu sein, daß irgend eine Maßregel viese Art bei der verzweifelten Lage Irlands nothwendig ist, und daß die jetzige Bill, wenn sie 89 nicht allem ben Elend abhelfen kann, doch wenigstens als Versuch die Probe der Erfahrung verdient. Wenn man auf die so lange andauernden und vielfachen Uebelstände in Irland, auf die dortige Verarmung und Noth, Bettelei und Land⸗ streicherei, auf das System der dort verübten Gewaltthätigkeiten ge⸗ gen Personen und Eigenthum, auf die zahlreichen Pachteraus⸗ treibungen und auf das Zuströmen irländischer Armen und Bett⸗ ler in Liverpool und anderen englischen Hafenstädten hinblickt, so muß man nothwendig zu der Ueberzeugung gelangen, daß et⸗ was geschehen muß, um für den Unterhalt der irländischen Ar⸗ men im eigenen Lande Sorge zu tragen. England kann nicht immerfort Millionen aufbringen, um der vaandisge Noth beizu⸗ springen, und es wäre unrecht, wenn man iverpool oder die Städte von Süd⸗Wales für immer der Plage aussetzen wollte, von Horden elender Auswanderer heimgesucht zu werden, welche unter ihren Einwohnern Verarmung und ansteckende Krankheiten verbreiten. Bevor Irland um Hülfe zu England kömmt, muß es billigerweise erst versuchen, ob es sich nicht seibst durchbringen kann, und zu die⸗ sem Werke müssen die natürlichen Vormünder und Beschützer des Volkes, die Gutsbesitzer, mit Ernst alle ihre Kräfte aufbieten, um, so viel an ihnen liegt, die Hülfsquellen ihres Landes zu entwickeln und zweckmäßig zu verwenden. Dazu soll die jetzige Bill sie kräftig antreiben, und deshalb geben wir ihr unsere Zustimmung.

Gestern wurde dahier zu Gunsten des Erziehungs⸗Planes der Regierung eine zahlreiche öffentliche Versammlung von Banquiers, Kaufleuten und Gewerbetreibenden der londoner City unter dem Vor⸗ sitze des Lord⸗Mayors abgehalten, welcher auch die Bischöse von Lon⸗ don und von Llandaff, so wie der Staats⸗Secretair für Irland, bei⸗ wohnten. Der Bischof von London beantragte einen Beschluß, wel⸗ cher die arge Unzulänglichkeit der jetzigen Unterrichts⸗Mittel unter Berufung auf amtliche Ermittelungen als erwiesen annimmt und be⸗ hauptet, daß wenig Hoffnung für eine rasche und wirksame Verbesse⸗ rung des geistigen Zustandes der unnnterrichteten Volks⸗Massen vorhan⸗ den sei, wenn der Elementar⸗Unterricht nicht durch eine große öffentliche Anstrengung bedeutend verbessert und erweitert werde. Der Bischof ging in statistische Details über das Volks⸗Schul wesen ein und sagte zum Schlusse, daß der Erziehungs⸗Plan der Regierung deshalb ein Anrecht auf das öffentliche Vertrauen habe, weil er das jetzige Erziehungs⸗System weit wirksamer machen, die Armen aus ihrer jetzigen Gesunkenheit emporheben und am Ende alle Klassen in eine Stellung bringen werde, welche sie zu allgemeiner Achtung berechtigen müsse. Mehrere Red⸗ ner unterstützten den Beschluß, der, gleich zwei folgenden Be⸗ schlüssen, welche der Regierung für ihren Plan die Unterstützung der Versammlung versprechen, einmüthig angenommen wurde. Am nämlichen Tage hielten auch die hiesigen Dissenters, von aus⸗ wärtigen Sekten⸗Genossen unterstützt, eine gegen den Regierungs⸗ Plan gerichtete Versammlung, in welcher zur Förderung der Oppo⸗ sition gegen die Regierungs⸗Maßregeln und zur Unterstützung solcher Schulen, für welche die Geldhülfe aus Staatsmitteln abgelehnt wird, die Aufbringung eines Fonds beschlossen wurde. Zu Manchester hat gestern der Stadtrath sich mit großer Mehrheit für den Erzie⸗ hungs⸗Plan der Regierung ausgesprochen und Petitionen an beide Parlamentshäuser genehmigt, worin sie um Gutheißung der Regie⸗ rungs⸗Maßregeln ersucht werden.

Nach dem Wochen⸗Berichte der Bank von England hat ihr Noten-Umlauf um 548,485 Pfd. St. zugenommen, während ihre Reserve sich um 599,565 Pfd. St. verminderte. Die Staats⸗De⸗ positen haben sich um 1,017,572 Pfd. St. verringert, die Privat⸗ Depositen um 1,755,653 zugenommen.

Belgien. 8

Brüssel, 21. April. Der 18 hat am Dienstag die In⸗ fantin von Spanien, Louise Therese von Bourbon, und ihren Gemahl, den Herzog von Cossa, der unter dem Namen eines Grafen von Tastamara reist, in einer Privat⸗Audienz empfangen.

Herr Ingersoll, außerordentlicher Gesandter und bevollmächtig⸗ ter Minister der Vereinigten Staaten von Nord⸗Amerika beim Kai⸗ ser von Rußland, ist hier angekommen.

Die Einnahmen der Staats⸗Eisenbahnen während des verflossenen Monats März haben sich auf 1,085,000 Fr. belaufen; in fasscben Monate des Jahres 1846 hatten dieselben blos 926,000 Fr. betra⸗ gen, mithin fand eine Zunahme von 159,000 Fr. oder 17 pCt. statt. „Dieses glänzende Resultat“, äußert die Independance, „welches hauptsächlich von der Zunahme des Güter⸗Transports herrührt, ist trotz der Herabsetzungen der Preise und des Gratis⸗Transports von beträchtlichen Massen Getraide erzielt worden, und zwar während die Zoll⸗Einnahme auf den Kanälen und Flüssen gleichfalls stieg. Man kann danach beurtheilen, welcher Zukunft diese große Unterneh⸗ mung noch ferner entgegensteht, wenn sie mit den Forsschritten der Wissenschaft und der Entwickelung der Volksbedürfnisse Schritt hält, wenn die Männer, welche an ihrer Spitze stehen, die durch die inter⸗ nationalen Eisenbahnen Frankreichs und Englands hervorgerufenen Beziehungen benutzen können, um noch besser und mehr, als man es 8 früher gethan, die Güter und die Reisenden nach den belgischen Ei⸗ senbahnen hinzulocken. Man verhehle sich aber nicht, baß in dieser Beziehung noch viel zu thun übrig bleibt; denn die belgischen Ei⸗ senbahnen lassen sich bereits in manchen Punkten von den auswärti⸗ gen überflügeln.“

Die Handels⸗Kammer von Antwerpen hat aus ihrer Mitte eine Kommission ernannt, die über ein transatlantisches Dampfschiffprojekt zwischen Antwerpen und New⸗York Bericht zu erstatten hat.

Ein Beamter des Provinzial⸗Gouvernements von Antwerpen, Direktor einer früheren, jetzt aufgelösten Gesellschaft für die Beför⸗ derung der Auswanderer, ist eben verhaftet worden; es heißt, daß seine Perzaftung mit den Auswanderungs⸗Angelegenheiten in Be⸗ zug stehe.

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12. April. (N. K.), Ueber die (bereits erwähnten) 8 im Staats⸗Sekretariat erfährt en nunmehr folgen⸗ des Nähere: Der Bischof zu F. im Kirchenstaate fand sich veranlaßt, einen in seiner Dibzese angestellten Pfarrer wegen seiner zelotischen, im Interesse der gestürzten Partei gehaltenen Reden und anderer c en die neue Ordnung der Dinge gerichteten Umtriebe von seinem Posten zu entfernen und demselben vorläusig in einem Kloster seinen Ausenthalt anzuweisen. Zugleich berichtete er den ganzen Vorsall an die Staats⸗Sekretarie in Rom und bat um fern Verhaltungs⸗ Befehle. Es vergingen mehrere Wochen, ohne daß er Antwort erhieit. Er referirte daher die ganze Lage der Sache, so wie seinen vergeb⸗