1847 / 157 p. 4 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

ug vor, so könne die Kammer sich aufs gemeine Recht beschränken und 8 ache der Justiz berlasfenn Hieꝛ * sei die Kammer nicht verletzt, das Ministerium sei angegriffen. as sei so gut begriffen worden, daß Herr von Boissy einen der Herren Minister in dieser Beziehung interpellirt habe. Ob der Minister gut gethan, darauf zu schweigen, sei eine andere Frasse. Aber jedenfalls handle es sich rein um eine Sache des Ministeriums. Eine Anklage liege vor, und der Geschäftsführer des Zour⸗ nals könnte sich in der Stellung eines Zeugen besinden. Marquis von Pontecoulant: Wenn es sich um eine bloße Frage der Juris⸗ Lrndenz handelte, würde er gern dem gelehrten Magistrat nach⸗ eben, der eben gesprochen; es handle sich aber um eine Frage der

hre, und in solcher glaube er sich eben so tüchtig, zu entscheiden, als irgend ein Gelehrter. Habe er übrigens den Antrag recht verstanden, so sei es nicht auf Bestrafung des Redacteuts der Presse abgesehen. Der⸗ selbe solle nur vor die Schranken der Kammer 16 gen werden, um Auf⸗ schlüse zu geben. Erkenne derselbe an, daß er sich geirrt habe, so stehe der Kammer frei, danach sich zu bemessen. Beharre er aber bei seiner Angabe, so werde sie sehen, was sie zu thun habe. Der Präsident: Er könne nur über den Antrag abstimmen lassen, der gestellt worden sei. Es sei eine Anschuldigung, die auf dem Redackeur der Presse laste. (Beifall.) Nach⸗ dem noch Baron Charles Dupin, Graf Alton Shee, Herr Barthe, Gras Montalembert und der Marquis von Boissy gesprochen, wird über den Antrag abgestimmt und derselbe angenommen.

Am vorigen Freitag Abends kam das Staats⸗Dampfschiff „Phare“ von Algier im Hafen von Marseille an. Es überbrachte blos De⸗ peschen für die Regierung. Am folgenden Tage verbreitete sich zu Marseille das Gerüͤcht, diese Depeschen hätten Bezug auf ein vom Marschall Bugeaud der Regierung eingereichtes Entlassungsgesuch. Der Marschall soll über die Aufnahme, welche der Gesetz⸗Entwurf in Betreff der außerordentlichen und Ergänzungs⸗Kredite für Algerien in der Kammer gefunden hat, so wie über die Aeußerungen, welche darin über seinen Feldzug nach Kabylien gemacht worden sind, sehr mißvergnügt sein. Es hieß, daß schon an demselben Tage aus Pa⸗ ris auf telegraphischem Wege die Antwort eingegangen sei. That⸗ sache ist, daß das Dampfschiff „Phare“ am folgenden Abend schon die Rückkehr nach Algier angetreten hat.

Großbritanien und Irlannd.

London, 2. Juni. Der Hof ist vorgestern nach Windsor abgegangen. Gestern besuchte die Königin, in Begleitung des Groß⸗ fürsten Konstantin von Rußland, des Erbgroßherzogs und der Erb⸗ roßherzogin von Sachsen⸗Weimar und mehrerer anderer hoher

remden, zum erstenmal das Ascott⸗Rennen.

Das Unterhaus beschäftigte sich gestern in einer ziemlich aus⸗ gedehnten Sitzung mit einem Antrage Lord Lincoln's, eine Adresse an die Königin zu richten, worin dieselbe gebeten werden soll, in Betracht zu ziehen, wie die Colonisation sich mit den anderen Hülfs⸗ maßregeln zur Besserung der gesellschaftlichen Zustände Irlands in Verbindung bringen lassen, und wie dadurch, unter gebührender Be⸗ rücksichtigung der Interessen der Kolonieen selbst, zugleich der Wohl⸗ —5 der Auswanderer wesentlich gefördert werden könne. Lord

incoln's Antrag hatte die Ernennung einer Kommission zum Zweck,

welche die Anwendung eines großen Auswanderungs⸗ und Coloni⸗ sations⸗Projekts nach drei Seiten hin untersuchen sollte, nämlich erstens, ob die Colonisation überhaupt ein Mittel wäre, um denen zu helfen, welche in Irland blieben; zweitens, ob dieses Mittel denen zum Heile gereichen würde, welche aus Irland auswanderten, und drittens, ob es so angewandt werden könnte, daß die Interessen der Kolonieen nicht darunter leiden. Der Redner beleuchtete nochmals die ganze gegenwärtige Lage Irlands und die angewandten Mittel der Regierung, dieselbe zu bessern⸗ und kam zu dem Schlusse, daß eine Auswanderung in großem Maßstabe, und zwar nach den britischen Besitzungen in Nordamerika, die bestehenden Uebel wesentlich und für die Dauer mildern würde. Herr Hawes, der Unter⸗Seecretair im Kolonial⸗Amte, erklärte sich mit den Grundsätzen des vorgetragenen Planes einverstanden, konnte aber die Zweckmäßigkeit der Forgsschla⸗ genen Kommission nicht erkennen, und obschon er kein Amendement stellte, so glaubte er doch, Lord Lincoln zur Zurücknahme seines An⸗ trages veranlassen zu können. Es folgte hierauf eine längere Dis⸗ kussion, an welcher auch Sir R. Peel und Lord John Russell Theil nahmen, welche Beide sich gegen den materiellen Inhalt des Antrages erklärten. Doch bemerkte der Letztere, daß, obschon er sich nicht zu Bestellung einer Kommission verstehen könne, er doch die nöthigen Untersuchungen durch die Regierung veranlassen werde. Namentlich sollten die Gouverneure der nordamerikanischen Besitzungen zu Einreichung von Einwanderungsplänen aufgefordert werden, und die Regierung werde dann in der nächsten Session diese Pläne mit ihren Gutachten darüber dem Hause vorlegen. Nach diesen Bemerkungen wurde der allgemein gestellte Antrag Lord Lin⸗ coln's angenommen.

Im Oberhause erhielt die Fabrikbill die dritte Lesung.

Von der Literary Gazette war die Nachricht einer unter Dr. Richardson's Leitung bevorstehenden Nordpol⸗Expedition aufgenom⸗ men worden, bestimmt, die unter Sir John Franklin und Capi⸗ tain Crozier unterweges befindliche aufzusuchen und ihr Prooiant und andere Unterstützung zuzuführen. Jenes Blatt berichtigt jetzt, diese Angabe dahin, daß Dr. Richardson sich allerdings zu einer sol⸗ -. Expedition erboten, die Admiralität jedoch nach Berathung mit

achkundigen zunächst durch die Hudsonsbai⸗Gesellschaft die Absen⸗ duvng von Lebensmitteln auf den Mackenzie⸗ und Coppermine⸗Rivers angeordnet und die Absendung Dr. Richardson's zum nächsten . jahre beschlossen habe, wenn bis dahin keine Kunde von der Expe⸗ dition einlaufen sollte. Dieselbe war bis zum Herbste 1848 reichlich verproviantirt und würde also, wenn elementarische Ursachen ihren Gang verzögerten und sie nöthigten, zu verminderten Rationen zu greifen, bis Ende 1848 auskommen können. Zur Zeit seshes daher noch keine Besorgnisse über das Schickfal der kühnen Reisenden ge⸗ rechtfertigt sein. 6

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DänemarkQ.

Kopenhagen, 1. Juni. In Betracht der hohen Lebens⸗ mittel⸗ und Futterpreise werden, nach einem gestrigen Parole⸗Befehl Sr. Majestät des Königs, sämmtliche Truppen⸗Abtheilungen dieses Jahr während der Exerzierzeit nicht zu Mabver zusammengezogen, sondern in ihren Standquartieren exerzieren.

Schweiz.

* ürich. (Eidgenöss. Ztg.) Die neuerdings, wie es scheint, systematisch von der Schweiz aus ins Werk gesetzte Berbreitung revolutionairer, atheistischer und kommunistischer Flugschrif⸗ ten nach Deutschland scheint endlich doch auch der radikalen Presse in deren Interesse es im gegenwärtigen Moment in der That nicht liegt, dem Ausland neue, nur allzu gegründete Beschwerden in die Hand zu geben zu viel geworden zu sein. Mehrere radikale Blätter können sich bei Gelegenheit der Jenni'schen Broschüre dies⸗ mal nicht stark Pans gegen das nur zu lange geduldete und viel⸗ fach sogar gehätschelte Unwesen —r So lesen wir im St. Galler Erzähler: „Die Freihest der Presse ist eines der ersten Heilzgthümer eines freien Volkes. Die Schweiz wird sse sich nicht

nach monarchischem, absolutistischem Zuschnitte beschränken lassen. Ni isdestoweniger erfüllt uns das Uredag⸗ Treiben Anh schweizerischen Pressen, welche sich dazu hergeben, revolutio⸗

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Kanton

111616414“ ““ naire Flugschriften für Deutschland zu drucken und nach Deutsch⸗ land zu verbreiten, mit eben so viel Ekel und Abscheu als das Treiben dieser und anderer Pressen, welche abscheuliches, atheistisches, kommunistisches und nihilistisches beutsches Zeug drucken und verhreiten. Diese schmutzigen Buchdrucker schaden der Schweiz, die sis verurtheilt, sie schaden der guten liberalen Sache im Inlande und Auslande viel mehr als sie glauben. Mögen Andere sich mit eben dem Abscheu, wie wir, von diesem schmutzigen Gewerbe wegwenden, und die Regierungen, wie es in Zürich, Bern, Basel und Appenzell geschehen ist, solches Handwerk unerschrocken legen. Sie verdienen den Dank aller biederen, wohlgesinnten Bürger und Schwei⸗ zer. Wir unsererseits werden, wenn die berührten Pressen ihr schamloses Gewerbe nicht aufgeben, sie nächstens dem liberalen Pu⸗ blikum vorzeigen, auf daß es ihnen verdienterweise seinen Zuspruch entziehe. Die Schweiz ist nicht das Land aller politischen deutschen Freibeuter und aller verrückten nihilistischen deutschen Himmelsstür mer, die dem lieben Gott und dem Eigenthum und der guten Sitte ihre jämmerlichen Fäuste weisen und allem Heiligen und Ehrwürdigen Dintenkleckse anhängen möchten.“ Und in der Glarner Zeitung: „Es ist eine schöne Sache um das Asylrecht, aber unverantwortlich ist es, wenn es mißbraucht wird. Und nichts als argen Mißbrauch nennen wir es, was namentlich in neuerer Zeit wieder einige Deutsch⸗ michel in der Schweiz treiben. Eine Brandschrift um die andere wird gegenwärtig in der Schweiz von Deutschen fabrizirt und wandert auf dem Wege der Propaganda nach Deutschlaud. Kaum hat die züricherische Regierung an Heinzen, der in Zürich geduldet war und von dort aus Fürstenmord und Revolution predigte, ein Exem⸗ pel statuirt, indem sie ihn des Kantons verwies, so folgen noch grassere Erbärmlichkeiten nach. Die deutsche Presse, und zwar nicht blos die Allg. Zeitung, beschwert sich erneuert über Pamphlete, die theils von Walser auf dem Birsfeld, theils aus der welschen Schweiz nach Deutschland eingeschwärzt werden, und gerade diese Woche sah sich die radikale berner Regierung genöthigt, eine gotteslästerliche Schrift Feuerbach's, deren Bestimmung Deutschland war, durch Con⸗ fiscation zu unterdrücken. (D. h. sie kam zu spät, indem sie zuwar⸗ tete, bis sie durch die Volkszeitung darauf aufmerksam gemacht wurde, so daß nur noch wenige Exemplare sich vorgefunden haben sollen. Anm. der Eidg. Ztg.) Die Schweiz kann bei solchen Erscheinungen nicht gleichgültig sein. Glaube man es nur, literarische Fabrikate dieser Art heben die liberale Sache diesseits und jenseits des Rheins nicht und sind nur geeignet, die Freisinnigen, die noch auf ein Bischen Vernunft Anspruch machen, in Verlegenheit zu bringen, indem die absolutistische Presse sie so gern für solch' rappelköpfiges Zeug haftbar machen möchte. Das Ausland hat ohnehin einen Zahn auf unser Vaterland; unsere Institutionen sind ihm ohnehin ein Dorn im Auge; durch solchen hirnlosen Mißbrauch derselben wird aber dieser böse Sinn genährt und die Schweiz noch mehr allerlei Plackereien, unter denen am Ende nur der brave Bürger zu leiden hat, aus⸗ gesetzt. Und wer sind denn am Ende diese Leute, die unser Vater⸗ land zum Nest ihrer Wühlereien machen möchten? Unzufriedene Köpfe, die, nachdem sie ihr Schlaraffenthum ausgerast haben, dem nämlichen Lande, das ihnen das Asyl gewährt, den Rücken kehren, die servilsten Diener der Monarchen, die ihnen vielleicht ein Stück Brod in den Mund geworfen, abgeben, und keine eifrigere Aufgabe haben, als zu Denunzianten der Schweiz zu werden und ihre Freiheit mit Undank und Verleumdung zu lohnen. Beispiele solchen Verraths gehören

nicht zu den Seltenheiten. Wir halten es namentlich für die Sache der liberalen Blätter, sich entschieden gegen das Unwesen auszu⸗ sprechen. Der gesunde Sinn des Volkes verwirft solche Absurditäten, und die Regierungen thun gut daran, nicht durch die Finger zu schauen, sondern den Tollköpfen das Handwerk kräftig zu legen.“ Nachdem so lange und, wie uns dünkt, so unverantwortlich durch die Finger gesehen worden ist, wollen wir hoffen, daß nunmehr ar. Druckereien ihr unverantwortliches Handwerk gelegt werde, aber in Wahrheit, nicht blos zum Schein. Wenn die Regierungen wollen, so wird es ihnen in der That nicht schwer fallen, da die Pressen, aus denen jene Machwerke hervorgehen, in Zürich, Bern, Appenzell, Baselland, Waadt und Genf zur Genüge bekannt sind.

] Italien.

MNom, 27. Mai. Heute früh gegen 3 Uhr hat Se. Heiligkeit die Reise nach Subiaco angetreten. Der Platz auf Monte Cavallo war, ungeachtet der frühen Tageszeit, schon mit Tausenden besetzt, die ihm ihre heißen Segenswünsche nachriefen.

Se. Königl. Hoheit der Kronprinz von Bayern ist vorge⸗

stern Abends nach 10 Uhr in erwünschtem Wohlsein hier angelangt und hat bereits gestern Sr. Heiligkeit einen Besuch abgestattet. Die Zeit seiner Abreise ist noch nicht bekannt. Am 24. Mai ist der Kardinal Micara, Bischof von Ostia und Velletri, nach einer langen und schmerzhaften Krankheit gestorben. Er wurde von Leo XII. im Jahre 1826 als Kardinal proklamirt und erreichte ein Alter von 72 Jahren.

bereits angedrohten Zwangsmaßregeln zu schreiten.

Türhkei.

Konstantinopel, 19. Mai. (A. Z.) Seit drei oder vier Tagen ist hier von Athen die Nachricht eingegangen, daß die griechische

Regierung zur Beilegung der griechisch⸗türkischen Differenz die Ver⸗ mittelung Oesterreichs angerufen hat. die Pforte davon unterrichtet worden, nicht offiziell und sörmlich, auch nicht durch eine unmittelbare Mittheilung von Seiten der griechischen

Erst vorgesern, den 17ten, ist

Regierung, sondern ein fremder Repräsentant, dem eben der respektive

Gesandte zu Athen eine Meldung darüber gemacht, setzte die Pforte von dieser neuen Phase, in welche dadurch die Sache treten sollte, in Kenntniß. Die Pforte fühlt sich, oder sie giebt vor, sich durch diese Außerachtlassung höchlich verletzt zu fühlen. Griechenland, behaupten die Türken, habe sich im ganzen Verlauf der Sache ganz besonders

ngelegen sein lassen, eine Geringschätzung für die Pforte zur Schau zu stellen, die schlecht zu den wechselseitigen Verhältnissen passe, und ie nicht ermangeln könne, die unangenehmen Maßregeln, welche die Pforte so lange vertagt habe, hervorzurufen. Die Anrufung der er⸗ wähnten Vermittelung soll von dem Reis⸗Efendi als ein neues Mittel angesehen werden, welches die Griechen ergreifen, um Zeit zu ge⸗ winnen und die Sache in die Länge zu ziehen. Dies zeige sich klär⸗ lich daraus, daß Herr Kolettis in einer Angelegenheit, die doch ein größeres Gewicht für die Pforte haben müsse, als für die hiesigen fremden Repräsentanten, jede Communication mit der Pforte ver meide, wahrscheinlich aus dem einfachen Grunde, daß eine solche Communication nicht leicht hätte geschehen können ohne Annahme je⸗ ner Vergleichs⸗Anträge, welche die zur Vermittelung angerufene Macht vorgeschlagen, die aber anzuerkennen Herr Kolettis so lange als mög⸗ lich verschieben zu wollen scheine. Dieses tadelhafte und höchst dop⸗ pelsinnige Benehmen gebe der Pforte das Recht, keine andere Grund⸗ lage der Ausgleichung mehr anzunehmen, als das von ihr gestellte Ultimatum selbst. Der Diwan habe bereits einen den Umständen an⸗ gemessenen Beschluß gefaßt; dieser Beschluß soll aber dahin gehen: nur noch die Rückkunft des russischen Dampfboots, das die neuen In⸗ structionen für Herrn Perstani nach Athen überbrachte, abzuwarten, und wenn mit diesem Schiff leine annehmbaren Anträge von Seiten Griechenlands an die Pforte eingehen sollten, zur Vollstreckung der

Die erste dieser!

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Maßregeln lautete bekanntlich: Die Sendung der Päss Argyropulos und die natürlich damit verbundene Eniziehung des „Exequatur“ für alle in den verschiedenen türkischen Hafenplätzen re⸗ sidirenden griechischen Konsuln. Das erste fällt jetzt weg, mit dem zweiten soll unmittelbar eine Bekanntmachung in Verbindung gebracht werden, daß den griechischen Schiffen die Küstenfahrt und der Küsten⸗ handel in den türkischen Staaten fortan verboten sein soll. Erst wenn

dies ohne die gewünschte Wirkung bleibe, soll man Willens sein, der

griechischen Marine die Durchfahrt durch die beiden Meerengen zu versagen und die strenge Geltendmachung der Verordnungen, welche

die Griechen von der Ausübung gewisser Gewerbe ausschließen, zu

bewirken. 1 1ö“

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Alexandrien, 21. Mai. (A. Z.) Die indische Post ist an⸗ gelangt, und das englische Dampfboot geht noch diesen Abend ab.

So eben läuft das französische Postdampfschiff von Marseille ein, es hat die Leiche des in Paris verstorbenen Hussein Bey, Sohns

des Vicekönigs, an Bord; dieselbe wird mit großen Ceremonien hier im Familiengrabmal beigesetzt werden. De

mehreren Tagen nach dem Innern abgereist und wird erst nach Be⸗ erdigung seines Sohnes zurückkehren. Vereinigte Staaten von Nord-Amerihka.

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London, 1. Juni. Die mit dem Dampfschiff „Caledonia“ vorgestern eingegangenen Nachrichten aus New⸗York bis zum 15. Mai enthalten die Einzelnheiten der schon erwähnten Schlacht bei Cerro Gordo zwischen den Amerikanern und Mexikanern, in welcher bekanntlich Santana am 17. April mit seinem 15,000 Mann starken Heere gänzlich geschlagen wurde. Es heißt, daß 6000 Mexi⸗ kaner, worunter General la Veza, fünf andere Generale und eine große Anzahl Obersten und Subaltern⸗Offiziere zu Gefangenen ge⸗ macht worden sind. Nur der Mangel an Kavallerie von Seiten der Amerikaner soll verhindert haben, daß Santana nicht selbst in Ge⸗ fangenschaft gerathen ist. Sein Reisewagen mit allen seinen Papieren und werthvollen Sachen, selbst sein hölzernes Bein, sollen den Ame⸗ rikanern in die Hände gefallen sein. Von beiden Seiten soll der Ver⸗ lust an Todten und Verwundeten bedeutend sein, amerikanischerseits wohl noch bedeutender gewesen, wenn Santana nicht, ehe die Schlacht halb verloren war, geflohen wäre. Wie es heißt, war die Armee von Santana der des Generals Scott an Mannzahl bei weitem überlegen. Der New⸗York Courier and Enquirer giebt über die Folgen der Schlacht folgenden summari⸗ schen Bericht: „Unser Bericht für dieses Paket⸗Boot beginnt, so wie der mit dem letzten, mit Hymnen für neue Siege. Die am 17ten und 18ten v. M. bei Cerro Gordo gelieferte Schlacht scheint eben so entscheidend in ihren Folgen gewesen zu sein, als der Plan zu derselben glänzend angelegt war und gut ausgeführt wurde. Santana, auf der Flucht mit den geschlagenen Ueberbleibseln seines Heeres, scheint Jalapa und die Landstraße nach Mexiko vermieden und die niedriger belegene Landstraße zwischen Veracruz und der Hauptstadt eingeschlagen zu haben, und befand sich nach den letzten Berichten am Fuße des süd⸗ lich von Jalapa belegenen Berges Orizaba, mit etwa 1000 oder, nach anderen Berichten, mit 6000 Mann. Dieser ruhmredige An⸗ führer, der, als er Mexiko verließ, um dem amerikanischen Heere Trotz zu bieten, zu schwören sich vermaß, daß er lieber auf dem Schlachtfelde fallen, als ein Zeuge des Triumphes der Feinde sein wolle, gab keine Beweise von Muth oder Conduite bei Cero Gordo, und er scheint jetzt buchstäblich vor dem Angesicht seiner eigenen Lands⸗ leute zu fliehen, um sich ihrer Entrüstung zu entziehen. Die Uebergabe von Jalapa und die Räumung des befestigten Eng⸗ passes von Perote, welche letztere selbst ohne auch nur den geringsten Schein von Vertheidigung vor sich ging, scheinen anzudeuten, daß der Weg nach der Hauptstadt dem General Scott geöffnet ist, und allem Anschein nach dürfte er selbst mit dem ver⸗ hältnißmäßig kleinen Heere von nicht mehr als 10,000 Mann, wel⸗ ches er anflihrt, vorrücken und sie in Besitz nehmen. Mittlerweile schickte General Taylor sich an, auf San Luis di Potosi zu marschi⸗

ren, welches ihm nicht widerstehen kann, und das Resultat wird wahr⸗

scheinlich sein, daß wir innerhalb eines Jahres, vom Beginn der Feindseligkeiten zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten an ge⸗ rechnet, die Hauptstadt und die übrigen vornehmsten Städte der Mexikaner, so wie alle ihre Haupthäfen im Golf und im Stillen Meere, besetzt haben werden. Wir haben einen großen Theil des mexikanischen Staates unterjocht, ohne dem Frieden näher zu sein, als beim Anfang der Feindseligkeiten. Es giebt in Mexiko keine Re⸗ gierung, mit welcher ein Friede abgeschlossen werden kann, doch wird gerüchtsweise von Washington gemeldet, daß unsere Regierung neue Unterhandlungs⸗Versuche zu machen im Begriff stehe. Die Nachricht von dem Vorrücken der amerikanischen Armee gegen die Hauptstadt hatte, Nachrichten vom 24. April zufolge, beim Kongreß zu Anträgen Veranlassung gegeben, welche bezweckten, den Regierungssitz nach Queretaro zu verlegen und die vollziehende Ge⸗ walt mit Diktatorial⸗Vollmacht zur Fortsetzung des Krieges zu ver⸗ sehen. Diese Anträge waren angenommen und zugleich alle und jede Friedensunterhandlungen mit den Amerikanern oder Gebietsabtretung an dieselben für Verrath an der Nation erklärt worden. Santana's Einfluß hatte bewirkt, daß das Amt des Vice⸗Präsidenten abgeschafft und auf diese Weise Gomez Farias, der politische Gegner Santana's, beseitigt worden war. Dagegen hatte man einen Substitut⸗Präsi⸗ denten in der Person Dom Pedro's de Anaya ernannt, der jetzt mit der vollziehenden Gewalt in Mexiko bekleidet ist. In Jalapa war am 28. April das Gerücht verbreitet, der britische Minister in Me⸗ riko, Herr Bankhead, habe dem Kongreß seine Vermittelung angebo⸗ ten, die Wahrheit dieses Gerüchts ward indessen bezweifelt. Die Expe⸗ dition zur See gegen Tuspan war vollkommen gelungen, dieser Platz war am 18ten eingenommen, die Befestigungen demolirt und derselbe dann wieder von den Truppen verlassen worden. Man hatte die Bewachung desselben zwei Kriegsschiffen überlassen. Vom Stillen Meere wird gemeldet, daß es dem Obersten Doniphar, der Chihuahua besetzt hatte, gelungen war, mit dem bei Saltillo postirten General Taylor Verbindungen zu unterhalten. Saltino ist 480 englische Mei⸗ len von Chihuahua entfernt. Der Oberst hatte den merikanischen Behörden in Chihuahug vorgeschlagen, daß er diesen Platz räumen wolle, wenn sie die Sicherheit der dort anwesenden Amerikaner und ihres Eigenthumes und die Neutralität des Platzes während der Dauer des Krieges garantiren wollten. Würde dieser Vorschlag an⸗ genommen, so gedachte Oberst Doniphar sofort zum General Taylor u stoßen. nioge Handels⸗Nachrichten aus New⸗York sind günstig. Das Geld ist dort reichlich, und die Staatapapiere, so wie die Wechsel⸗ course, sind im Steigen begriffen. . 16 vein g 88 1 hir chin anggt. 8erl Lees ünh m, hrzazN anrem icein vnsthaa N. Sa8 , h eI

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und derselbe wäre

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Seene Wissenschaftliche und Kunst⸗-Nachrichten.

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nr nh Königliches Opernhaus. Fidelio. Mabd. Luise Köster, geb. Schlegel: Fidelio. (Den 4. Juni.)

Auch Beethovens „Fidelio“ gehört leider zu jener Zahl klassischer Opern, deren Aufführung auf unserer Hofbühne nicht die Sorgfalt gewid⸗ met wird, welche derartige, der deutschen Kunst zum ewigen Ruhm gerei⸗ chende Meisterwerke veaiesn Da jedoch die Mängel der jetzigen Be⸗ setzung erst vor kurzem in diesen Blättern nachgewiesen wurden, so erscheinen wiederholte Andeutungen um so überflüssiger, als unsere Stimme doch wie⸗ der, gleich der eines Predigers in der Wuͤste, ungehört verschallen dürfte, obgleich eine Kritik, die lediglich im Interesse der Kunst auftritt, stets Be⸗ achtung finden sollte. Schreiten wir daher sogleich zur Würdigung unseres Gastes und seiner heutigen Leistung in der oben angeführten Partie!

Mad. Köster, von 9 früheren hiesigen Anwesenheit her noch in gutem Andenken, gewann sich auch diesmal bei ihrem Wiedererscheinen durch die in vielem Betracht sehr anerkennungswerthe Durchführung des „Fidelio“ die volle Gunst des Publikums. Die Sängerin ist eine sehr liebliche und höchst angenehme Erscheinung und ruft nicht nur durch ihre ansprechende Persönlichkeit, sondern auch durch ihre künstlerischen Gaben einen gewinnen⸗ den Eindruck hervor. Obgleich die Stimme des Gastes nicht großartig von Charakter ist und nicht mehr die frühere Intensität besitzt, klingt sie dennoch, namentlich in der Höhe und Tiefe, voll und wohllautend. Erscheint dage⸗ gen die mittlere Region im vn, weniger 2n. so wohnt dafür dem Organe im Allgemeinen ein weicher, wohlthuender Schmelz inne, der einen eigenthümlichen Reiz ausübt und den Hörer unwillkürlich für sich gewinnt. Gedenken wir zunächst der trefflichen Gesangs⸗Bildung der Sänge⸗ rin, die sich in reiner Intonation, in schönem Portamente, überhaupt in einem verständigen Beherrschen und in richtiger Anwendung der Stimmmittel zu erkennen giebt, ferner ihres gewandten Spiels, so glau⸗ ben wir, ihre Vorzüge richtig gewürdigt zu haben. So weit diese von uns so eben charakterisirten Stimm⸗ und Gesangsmittel zur Ausprägung eines musikalisch⸗dramatischen Charakters im Allgemeinen und des „Fidelio“ im Besonderen ausreichen, entsprach die Leistung des Gastes den Kunst⸗Anfor⸗ derungen sehr wohl. Am wenigsten befriedigte musikalischerseits die Durch⸗ führung der Partie in dem vierstimmigen Canon und in dem folgenden Terzett, insofern die Simme der Sängerin hier, wo ‚Fidelio“ (freilich in einer vom Komponisten wohl berechneten Weise) nur eine untergeordnete Rolle spielt und meist in tieferen Lagen zu singen hat, nicht genugsam her⸗ vorzutreten vermochte und oftmals ungehört verklang. Dagegen gelang die für die Stimme günstig gelegene große Seene und Arie trefflich und kam besonders in vielen einzelnen Momenten zur vollen Wirkung. Nicht minder Gutes bot der zweite Akt. Die Sängerin löste hier ihre Aufgabe überall mit künstlerischem Verständniß und glücklichem Erfolge. Auch die Haupt⸗Klippe der Partie umschiffte sie in dem Ausruf:

1 „Tödt' erst sein Weib!“ siegreich, so daß ihrer Leistung die allgemeine Anerkennung des Publikums

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und am Schluß der Hervorruf mit Recht zu Theil ward.

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Archäologische Gesellschaft. v“

In der Versammlung der archäologischen Gesellschaft vom 3. Juni d. J. trug Herr Kramer einen aus Neapel eingelaufenen Bericht des Herrn Panofka vor, in welchem derselbe die archäologischen Anschauun⸗ gen seiner dermaligen Reise, namentlich der Sammlungen zu München, Florenz und Rom, näher bezeichnet. Aus anderen römischen Mitthei⸗ lungen erwähnte Herr Gerhard zwei inschriftliche Entdeckungen, welche man den neuesten großartigen Ausgrabungen des Herrn Campana ver⸗ dankt: die römischen Inschriften eines zwischen Porta Latina und Porta S. Sebastiano ausgebeuteten Grabmals darunter besonders die In⸗ schrift eines Vereins altrömischer Festmusikanten: Colleginm symphoniaco- rum qui sacris publicis praestu (so!) sunt und die etruskischen von Cäre, der vermuthlichen Nutterstadt Roms, die aus einem einzigen Grab⸗ mal 35 Namen der im übrigen Etrurien bisher fast unbezeugten Familie der Tarquinier (etruskisch Tarchnas) gaben. Auf das steigende Interesse der dalmatischen Ausgrabungen von Salona ward gleichzeitig hin⸗ gewiesen; desgleichen ward durch Herrn von Quast der überraschenden Funde gedacht, welche bei fortgesetzter Aufräumung der Basilikenreste zu Trier für Giebel und Thüren, wie auch in Nischen, mit Mosaikverzierung sich ergeben haben.

Herr Zahn legte aus seinen reichen Sammlungen in farbiger Abbil⸗ dung vor: 1) Architektonische Rosetten, aus Marmor und Glaspasten zu⸗ sammengesetzt, angeblich aus Herkulanum, jedenfalls aus römischer Zeit. 2) Gladiatoren⸗Bild, aus dem Amphitheater zu Pompeji, längst verschwun⸗ den, drei Kämpfer darstellend, welche sich rüsten, dazu den vierten, der eine krumme Tuba bläst, und den Ordner des Kampfes; eine vergoldete Sieges⸗ göttin begränzt hermenförmig beide Enden des Bildes. 3) Landschaft mit Gebäuden, in sigurenreicher Staffage die Pflege eines Kindes, angeblich Bacchus, darstellend. 4) Aehnliches Bild, nebenher Fischfang. Aus ande⸗ ren Gebäuden tritt ein kleiner Tempel hervor, aus dem eine Priesterin her⸗ vortritt, und zeigt an seinem Eingang angelehnt das derb ländliche hölzerne Bild eines Gränzgottes.

Ueber eine noch unerklärte Vase des Königlichen Museums (Nr 1025 aus den Erwerbungen des Grafen von Ingenheim) äußerte Herr C. von Paucker sich dahin, daß die aus Pausanias III. 19, 11 bekannte Sage des krotoniatischen Leonymos darin gemeint sein könne, der, vom Helden⸗ schatten des lokrischen Aias tödtlich getroffen, Heilung seiner Todeswunde bei Achill auf der Seligen⸗Insel Leuke erhält. Obwohl eine Andeutung dieser Wunde im Bild vermißt wird, so stimmt doch dasselbe im Uebrigen mit jener merkwürdigen Sage wohl zusammen, deren Kunstdarstellung nicht nur wegen ihres geisterhaften Inhalts, sondern auch wegen der Seltenheit unteritalienischer Sagen und Sagenbilder Beachtung verdient.

Von literarischen Neuigkeiten lagen vor und wurden besprochen: 1) Des Herzogs von Luynes Supplément à l'essai sur la numismatique des satrapies etc., enthaltend die Kupferplatten dieses an ungekannten Münzdenkmälern und an geschichtlichen Bestimmungen für phönizische Städte und Herrscher gleich wichtigen Werkes. 2) Ronlez Mélanges de philo- logie, d'histoire et d'antiquités aus dem Bulletin de Bruxelles Tom. XI— XIII (besonders abgedruckt) Fascicule V. 3) Verhandlungen der neunten Versammlung deutscher Philologen zu Jena. Hierin ist S. 62 ff. über die Bildung des Thersites gehandelt worden; zwei spätrömische Köpfe des hiesigen Museums (Nr. 343, 344 und 190, 180), welche Herr Tieck so benannt hat, stimmen mit Döderlein's Ansicht wohl zusammen, daß Thersites kein Kahlkopf, sondern struppigen Haares gewesen sei. 4) Zweiter Bericht des historischen Vereins der Pfalz (Speyer 1847), mit dankenswerthen Notizen römischer Funde und Erläuterungen von R. Jäger. 5) Preller’s aus der Allg. Eneyklopädie ausgezogener Artikel „Phei⸗ dias“. Hofrath Schöll's Ansicht, als habe Phidias einen Sphinx, wie auf dem Helm seiner Pallas, so auch unter ihrer Lanzenspitze angebracht, wird durch die S. 185 gegebene Restauration dieses antiquarischen Phäno⸗ mens nicht wahrscheinlicher. 6) Haakh: Verschiedenes über römische Alterthümer, aus Pauly's Encyklopädie. 7) Steinmann: Antiquita- tis Graecae loca quaedam e Rossorum moribus illustrata. Petropoli 1847. Der Verf. dieser russisch⸗hellenistischen Untersuchungen hat es sich zur Aufgabe gestellt, pantomimische und Tanzbewegungen griechischer Vasenbil⸗ der theils aus griechischem Sprachschatz, theils aber auch aus ähnlichen Gebräuchen heukigen Slaventhums zu erläutern.

goologischer Garten.

Am 1. Juni Nachmittags fand di tutenmäßi 1n lung der Aeijonaire im zoosl 1 ie statutenmäßige General⸗Versamm⸗ faben dag —9 zoologischen Garten statt. Es hatten sich 27 der⸗ Nachdem der vorsitzende Königliche Kommi 1 geleitet und geordnet hatte, wurde 8 Bemansan, de, Sehenblan 2₰ Fr 1-rnn- zerwaltungs-⸗Jahres und über die Wirksamkeit des Vorstandes 8 82s Zeitraume von dem General⸗Seeretair erstattet. Hierauf trug die

Statuten angeordnete Kommission die Revisions⸗Verhandlung über u“

die Rechnung pro 1846 vor. Nachdem die darin enthaltenen Monita theils

von dem gesammten Vorstande, iheils von dem Schatzmeister des Vereins beantwortet und erledigt waren, erfolgte die Decharge der Rechnung.

An die Stelle des verstorhenen Herrn Justizrath Kunowski wurde Herr Kammergerichts⸗Assessor Böhm zum Mitglied des Vorstandes und Syndikus des Actien⸗Vereins ernannt.

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nae Eisenbahnen.

München, 31. Mai. Die neueste Nummer des Regzierungs⸗ blattes enthält nachstehende Königliche Verordnung, die Vereinigung der Post⸗ und Eisenbahnverwaltung betreffend: 1) Die Ver⸗ waltung der Eisenbahnen wird mit jener der Posten vereinigt. 2) Als Verwaltungsstelle wird eine dem Ministerium des Königl. Hauses und des Aeußern unmittelbar untergeordnete „Generalverwaltung der Königl. Posten und Eisenbahnen“ mit dem Sitze in München gebil⸗ det. 3) Diese vereinigte Central⸗Verwaltungostelle hat zu bestehen: a) aus einem Vorstand, welcher den Titel: „General⸗Verwalter der Königl. Posten und Eisenbahnen“ führt, b) aus dem bereits vor⸗ handenen statusmäßigen Personale der bisherigen General⸗Admini⸗ stration der Posten und der bisherigen General⸗Verwaltung der Eisenbahnen. Etwaige Formations⸗Aenderungen im Personalstatut, welche zufolge der Vereinigung und der dadurch erzielten Geschäfts⸗ Vereinfachung zweckmäßig erscheinen sollten, bleiben der Allerhöchsten Erwägung vorbehalten. 4) Ju Bezug auf den Wirkungskreis und den Geschäftsgang bleiben die bisherigen Formationsbestimmungen für die Postverwaltungs⸗Behörden, so wie die Verordnung vom 7. April 1845, die Verwaltung und den Betrieb der Eisenbahnen betreffend, auch ferner in Kraft. 5) Eben so sind die in letztgedachter Verord⸗ nung für die untergeordneten Eisenbahnbetriebs⸗Behörden ertheilten Normen auf so lange maßgebend, als nicht Anderes wird verfügt werden. 6) Wie schon im §. 13 der Verordnung vom 7. April 1845 ausgesprochen ist, hat nun sobald als thunlich die Vereinigung der Lokalpostbehörden mit den äußeren Eisenbahnbetriebs⸗Behörden überall stattzufinden. 7) Diese Vervrdnung tritt mit dem 1. Juni l. J. Wirkung.

Aus dem Haag, 1. Juni. Gestern ist die letzte Stecke der Holländischen Eisenbahn, deren Vollendung man seit langer Zeit mit Ungeduld entgegensah, eröffnet worden. Um 11 Uhr Vormittags fuhr aus dem Haag der Ehrenzug nach Rotterdam ab, unter dem Zulaufe von Tausenden, welche sich die ganze Bahn entlang aufstell⸗ ten, um den vorbeieilenden Zug mit lauten Vivat⸗Rufen zu begrüßen. Die Stationsgebäude in Delft und in Schiedam waren prachtvoll ausgeschmückt; den schönsten Anblick aber bot der Bahnhof in Rotter⸗ dam selbst, wo man Alles aufgeboten hatte, um das Fest zu verherr⸗ lichen. Häuser, Dächer, Mühlen, Fluren waren mit Zuschauern wie besäet. Ein großes Bankett fand in den Doelen statt, dem auch Prinz Heinrich beiwohnte, und als um halb 7 Uhr Abends das Zei⸗ chen zum Aufbruche durch den Prinzen gegeben wurde, kehrten die Gäste des Festes bald darauf in zwei Zügen nach dem Haag zurück.

Die inländischen Blätter enthalten zahlreiche Berichte über das Fallen der Frucht⸗ und Getraidepreise auf den meisten Märkten des Königreichs. 8 1H

Niederschlesisch -Märkische Eisenbahn.

Die Frequenz auf der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn betrug in der Woche vom 23, bis 29. Mai 1847 18,427 Personen und 27,883 Rihlr. 3 Sgr. 7 Pf. Gesammt-Einnahme für Personen-, Güter- und Vich-Transport etc., vorbehaltlich späterer Festsetzung durch die Kon- trolle. 2

Handels- und Börsen-Nachrichten.

Berlin, den 7. Juni 1847. Inländische Fonds: Pfandbriefe=, Kommunal- Papiere und Geld- Course.

1“

Brief-] Geld. Gem. 2t. Geld. St. Schuld-Sch. 93 ½ 92 ½ Kur- 2.Nm. Pfdbr. 3 Seeh. Präm. Sch. 95 ⅔1 95 ½ Schlesische do. 3 ½ K. u. Nm. Schuldv. 90 do. Et. B. gar. do. 3 ½ Berl. Stadt-Obl. 93 Westpr. Pfandbr. 93 ½ Grossh. Posen do. 102 ½ do. do. 92² ⅔a Ostpr. Pfandbr. 9⁵ ½ Pomm. do. 8 94

dusländisohe Fonds.

93 Friedrichsd'or. Augustd'or. Gold al marcee. Disconto.

Russ. Hamb. Cert. 7 Poln. neue Pfdbr.42 do. beilIope 3.4. S. 5 do. Part. 500 Fl. s

do. do. 1. Anl. s 93 ½ do. do. 300 Fl.

Course niedriger ale Sonnabend; Sümmung flau und Geshöäft unbelebt. 3 v“ Getraide-Bericht.

Am heutigen Markt waren die Preise wie folgt: Weizen nach Qualitüt von 104 —112 Rethlr. 3 Roggen 96 Rthlr. zu kaufen, 92 G.

Lieferung pr. Juni 87 Rthlr. Bf. brh

. pr. Juni./ Juli 77 Rthlr. BI. 8 pr. Juli.s August 74 Rthlr. Bf., 73 G. Gerste loco 60 Rthlr. Hafer loco nach Qualität 40 Rthlr. Rüböl loco 10 ¾⅞ Rthlr.

- Herbst 11 Rthlr.

Kanal-Listen: Den Finow-Kanal passirten am 4./5. Juni: 204 Wspl. Weizen, 218 Wspl. Roggen, 30 Wspl. Erbsen, 116 Ctr. Rüböl.

Im Banraids- Eeschstt sehr still; Roggen-Preise etwas billiger; Weizen etwas fester.

Auswärtige Börsen. Amsterdam, 3. Juni. Mioderl. wirkl. Sch. 589. 5 % Spes. 18 ⁄.½. 3 % do. 36 ¾. Pass. —. Ausg. —. Zinal. —. Polu. —. Preuas. Pr. Sch. —. 4 % Russ. Hope 89.

Antwerpen, 2. Juni. Zinal. —. Neue Anl. 18 Q⁄.

Frankfurt a. M., 4. Juni. 5 % Met. 107 ⅓. 107. HBank-Actzen p. ult. 1947. 1945 Bayr. Bank-Actien 659 G. Hope 88 G. Stiegl. 87 G. Int. 58.-. 57 ⁄1. Poln. 300 Fl. 96 ¼. 96. do. 500 Pl. 80 ½. 2. ltamburg, 5. Juni. Bank-Action 1590 Br. Kugl. Ruaa. 106 ½. 106. Paris, 3. Juni. 5 % Rente dn cour. 117.10. 3 % 4o. ün cour. 78.95. Neapl. —. 3 % Span. 35.

W ien, 5. Juni. 5 % Met. 107. 4 % do. 97 ½. 3 % do. 69. Bank- Actien 1628. Aul. de 1834 154 ½. de 18329 120. Nordb. 165 ⅞. Gioggn. 123 ½. 11“

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(Teleg. Depesche aus Köln, vom 6. Juni.) 1I1““ 11““ Amsterdam, 4. Juni. Int. 57 ⁰⅓.

Amsterdam, 4. Juni. Kornmarkt etwas höher, Weizen 128 pfün⸗ gs bunter polnischer 540 und Roggen 118pfündiger preußischer 355 ulden.

Berrlin, 5. Juni. Die Landzufuhren von Getraide im Laufe dieser Woche vermehrten sich, indem eingingen; 21 Wspl. Weizen, 92 Wspl. Roggen, 45 Wspl. Gerste, 86 Wspl. Hafer, und waren heutige Preise da⸗ für: 107 112 Rthlr. für Weizen, 94 103 Rthlr. für Roggen, 58 76 Rihlr. für Gerste, 44 48 Rihlr. für Hafer. Den Friedrich⸗Wilhelms⸗ Kanal passirten keine Getraideladungen; den Friedrichs⸗Kanal 606 Wspl. Weizen, 1281 Wspl. Roggen, 257 Wspl. Gerste, 629 Wspl. Hafer, 160 Wspl. Erbsen, ca. 2300 Ctr. Mehl. Die Abfuhr wasserwärts belief sich auf 567 Wspl. Weizen, meist nach Hamburg, 900 Wspl. Roggen, 140 Wspl. Gerste, 99 Wspl. Hafer, letztere Sorte nach Magdeburg u. s. w.

Die Stimmung für Getraide aller Art war bis über Mitte der Woche für einzelne Sorten auch noch sehr flau, und die Preise dafür gingen wesentlich zu⸗ rück. Die Veranlassung hierfür lag wohl in den Berichten von auswärts, die gleiche Tendenzen enthielten, und die inden guten Aussichten für die nächste Aerndte Unterstützung fanden. Seit einigen Tagen aber machte aller Orten eine ent⸗ schieden bessere Meinung fur Roggen sich geltend, aus dem Bedenken, daß bei den in Rußland sich erhaltenden hohen Preisen für Getraide die Abkunft von daher hinter den Erwartungen zurückbleiben, die bevorstehende Aerndte, bevor ge⸗ macht, doch vielen Gefahren ausgesetzt, die Hoffnungen noch vielfach täuschen könnte! Hierdurch gewann auch Weizen mehr Beachtung, der bis dahin zu täglich erniedrigten Forderungen vergeblich ausgeboten und in bunt. 84/85 pfd. poln. zu 106 à 104 Rthlr. begeben wurde, neuerdings bezahlte man für weiß. bunt. 87/87 ½ pfd. poln. im Verbande 110 ½ Rthlr., und wir notiren demnach weiß. 86/88 pfd. poln. 110/114 Rthlr., bunt. 84/85 pfd. poln. 104 a 106 Rthlr., gelb. 84/86pfd. märk. 106 a 110 Rthlr.

Die Frage nach Roggen am Platze war nur schwach, indeß wurde auch nicht dringend offerirt, weil ansehnlich pro Mai zur Weiterverladun per Eisenbahn empfangen worden und nicht viel disponibel blieb; deshalb folgten auch die Preise hierfür nicht verhältnißmäßig denen für Termine. Der niedrigste Stand der Preise war am Mittwoch, loco 92 a 90 Rthlr., Juni 81 a 80 Rthlr., Juni / Juli 73 a 72 Rthlr., Juli/ August 70 a 68 Rthlr., seitdem stiegen dieselben mit momentanen Unterbrechungen und schlos⸗ sen heute: 82/84 pfd. loco 96 a 98 Rthlr., schwimmd. im Kanal 92 a 90 Rthlr., Juni 88 Rthlr. Br., Juni / Juli 77 Rthlr. mit Käufern und Ver⸗ käufern; Juli bis August 74 bez. 75 Rthlr. Br.

Gerste 66/55 Rthlr. nominell. Der Absatz davon stockte gänzlich, und wurden mehrere Ladungen auf Stettin wieder zurück dirigirt. Hafer war zu herabgesetzten Preisen schwer und fast nur bei einzeln verkäuslich; einige schwimmd. Ladungen 48/51 pfd. gingen zu 38 und 40 Rthlr. um, wonach 48/54 pfd. 40 u. 44 Rthlr. zu notiren.

Von Erbsen hatten wir mit Hinsicht auf den schwachen Verbrauch in jetziger Jahreszeit sehr beträchtliche Anfuhren, wofür wegen Mangel an Kauf⸗ lust kein Gebot zu erlangen war, und dürften deshalb Lagerungen unvermeidlich sein. Kleesaaten ohne Geschäft; Preise nominell 8 und 10 Rthlr. für roth und weiß. Oelsaaten blieben in Frage; für Rapps loco oder auf Lieferung vor⸗ oder diesjährige Aerndte wäre 80 Rthlr. zu bedingen gewesen, allein Offerten fehlten.

Rübsen wurde zu 80 Rthlr. vergeblich erlassen, dafür mangelte wie⸗ der Kauflust. In Schlesien, Sachsen und Thüringen, wie an der Saale und am Rhein, spricht man von ½ a ½ Ertrag einer gewöhnlich guten Aerndte, weil das Gewächs schlecht angesetzt und die Schooten, theils auch

de. Stieglitz 2.4 A 92 ½ Hamb. Feuer-Cas.] do. v. Rothsch. Lst. 1 10 ½ do. Staats-Pr. Anl. do. Polu. Schatz0. Holländ. 2 ½ 7 Int. 2 ½ do. do. Cert. L. A.; 2 91 Kurh. Pr. O. 40 Th.

do. do. L. B. 200 Fl. 32 Sardin. do. 36 Fr. Pol. a. Pfdbr. u. C. 4 95 ¼ 948 Neue Had. do35 Fl.

Eisenbahm - Achen.

Zf. Rhein. Stm. 4 do. Prior. 4 109 ½ B. do. v. St. gar. 3

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Volleing. Amst. Rott. Arnh. Utr.

Berl. Anh. A.

93 ½¼ G.

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do. Prior. Berl. Hamb. do. Prior. Berl. Stett. Bonn-Cöln. Bresl. Freib. do. Prior. Cöth. Bernb. Cr. Ob. Sch. Düss. Elberf. do. Prior.

888 Sächs. Bayr. 44 108 ¾ bz. Sag.-Glog. 4 97 ¾ G. do. Prior. 4 ½ 108 ½ G. St.-Vohw. 4

Thüringer. 100 6. 1 WIhb. (C. 0.)

11.“ Zarsk. Selo.

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77 ½ B. 105 verk.

Quitt.- Bogen.

24 %

Aaech. Mastr.] Derg. Mrk. Berl. Anh. B. Bexb. Ludw. 7 Brieg-Neiss. 5 Chem. Risa. Cöln-Mind. do. Thür. V. . Dresd. Görl. Löb. Zittan. 7 1043 co. Magd. Wite. Meoklenb. 8 5 99 n 1“ Nordb. F. W. 92 ½ B. Rb. St. Pr. 91 ¾⅞ b=. Starg. Pos. 101 ¼ B. G. (Schlufss der Börse 3 Uhr.

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Gloggnitz. Hmb. Bergd. Kiel-Alt. Lpz. Dresd. Magd. Halb. Magd. Leipz. do. Prior. M. Schl. Mk. do. Prior. do. Prior. Nrdb. K. Fd. 0. Schl. Lt. A do. Prior. do. ELt. B. Pts. Mgdb. do. Pr. A. B. do. do.

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das Mark und der Stempel durch Maden zerstört werden; aus Polen, Preußen, Pommern, Mecklenburg und den Marken hört man davon nichts, hofft vielmehr auf eine gute Aerndte. Diese Ungewißheiten schreckten Ver⸗ käufer für Rüböl zurück; heute loco und Juni./ Juli 11 Rthlr. Br., 10¾ Rthlr. Gld.; Juli./ August 11 ¼ Rthlr. Br., 11 ½ Rthlr. zu bedingen, 11 Rthlr. Gld.; Aug. /Sept. 11 5⁄2% Rthlr. Br., 11 ¾ Rthlr. Gld.; Sep⸗ temb. /Oktob. auf 11 ¾ Rthlr. gehalten, über 11 Rthlr. nicht Gebot; eben so Oktob./ Novemb. und Novemb./ Dezemb.

Leinöl loco 11 ¼ Rthlr., Lief. pr. Juni / Juli 11 Rthlr.

Der Umfang des Geschäfts in Spiritus war sehr beschränkt, unge⸗ achtet Preise um c. 8 Rthlr. gewichen, für den nöthigsten Bedarf 37 Rthlr., Fastage zurück, bezahlt; Juni/ Juli 37 Rthlr. erlassen, 36 ½ Rthlr. Gld.;

1 August 39 Rthlr. Br., 38 Rthlr. Gld.

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Triest, 29. Mai. (A. Z.) Die Getraideverkäufe während der ver⸗ flossenen Woche beschränkten sich auf 19,600 Staja und erfolgten größten⸗ theils zu niedrigeren Preisen. Bei der günstigen Aussicht, welche dir Saaten allenthalben darbieten, und in dem Verhältisse, als wir uns der Aerndte nähern, werden die Preise noch mehr weichen, wenn auch ein bedeutender Rückgang vielleicht so schnell nicht zu erwarten steht. Wie bei uns, ist auch auf anderen Märkten ein Preisrückgang erfolgt, der besonders merklich in Livorno war. In unserer Nähe stehen die Saaten vortrefflich die Obstbäume sind mit Früchten, die Weinstöcke mit Trauben ... 3 hier genießen wir bereits seit einigen Tagen reifes und schönes Früho st.

Meteorologische Geobachtungen.

Nach einmahger Beobachtung.

Abend⸗-

heeen 10 Uhr.

6 Uhr. 8⸗

7„ P r. 335,12“ Pnr. 335,40“„Par. Qwellwürne 7,62 eeHe⸗ 8 119,02 132, n. + 9,92, n. InngSn,ng 13,5˙ n. —x 8 . + 62* n. + 6,40 R. 4 . 14,0, n. 44 pC† 73 ror.

Wetter 8. negzaig⸗

4 wnw. wnw. 22 2bbböe.

334 99“Par... +† 112˙°*

Nachmittage 2 Ubr.

1847. 6. Juni.

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Tagesmittel:

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