1847 / 347 p. 3 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

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88l 2. FFetbar zerüczazieher e eimigung der radi⸗ 8 Die Niederlage einer einzigen Kolonne 5 d Mrarsch der ganzen Armee wenigstens aufgehalten, denn der * 2. & Freiburg einzuschließen, wäre dadurch vereitelt wor

—₰ unter welchen Umständen Herr von Maillardoz bnh. gab. In dem Augenblick, in gv Feind die die Stadt dominirenden Anhöhen angriff, zog sich der C mit seinem Stabe zurücF. Was hätte Herr von Maillardoz mehr thun können, wenn er versprochen gehabt hätte, die Stadt zu übergeben?

Kanton Basel⸗Stadt. Unter den Vorlagen, die dem Großen Rath, welcher sich am 6. Dezember versammelte, gemacht wurden, war auch der Antrag: ndaß der Große Rath die Ertheilung des Bürgerrechtes, resp. Freisassenrechtes (für Katholiken) in Berg⸗ thung ziehen möge zu Gunsten solcher schweizer Bürger, welche, sei es bei der Artillerie, sei es bei dem Jäger⸗Bataillon, den eidgenöͤs⸗ sischen Dienst als Einwohner von Basel⸗Stadt mitgemacht haben.“ Derselbe wurde aber nebst mehreren anderen Gegenständen vertagt.

Kanton Basel⸗Land. Landschreiber Spitteler ist am 4. Dezember an die Tagsatzung abgereist, um Dr. Matt abzulösen. Dr. Hug hat von hiesiger Regierung den Auftrag erhalten, nach Luzern zu gehen, um bei der provisorischen Regierung die Heraus⸗ gabe der den Freischaaren abgenommenen basellandschaftlichen Ge⸗ schütze, Fuhrwerke und Militair⸗Ausrüstungs⸗Gegenstände zu erwirken.

Kanton Aargau. Die Permanenz des Kleinen Raths ist

aufgehoben. Die den Freischaaren 1845 abgenommene Beute an

Waffen u. s. w., so wie das für dieselben bezahlte Lösegeld, wird Luzern zurückgefordert.

Kanton Tessin. Laut dem Republicano hat Oberst Frei, Kommandant der berner Occupations⸗Truppen, die tessiner Regierung eingeladen, Abgeordnete nach Uri zu schicken, um die Kriegsbeute in Empfang zu nehmen, welche Uri laut Capitulation zurückerstatten soll.

Kanton Wallis. Nach dem Nouv. Vaud. hat die pro⸗ visorische Regierung von Wallis um Repräsentanten für jeden Zehn⸗ ten ernannt und nach jedem Kloster einen Verwalter abgeordnet. Die idgenössischen Truppen fahren mit der Entwaffnung der Gemeinden fort. Am 4. Dezember waren dieselben bis Leuk vorgedrungen und nirgends auf Widerstand gestoßen. Laut einem Gerücht, das am 4ten in Sitten verbreitet war, ging man in Brieg damit um, eine Volks⸗ versammlung von Oberwallisern zu veranstalten, welche der im Unter⸗ wallis abgehaltenen entgegentreten sollte. Die provisorische Regierung eabsichtigt, Abgeordnete aus allen Gemeinden des Kantons zu ver⸗ sammeln, um die Kostenfrage zu besprechen. Es werde sich fragen, ob das Volk zur Bestreitung der Executionskosten eine Steuer fest⸗ setzen oder ob es dieselben den „Urhebern des Krieges“ auferlegen wolle.

Kanton Genf. In einer Korrespondenz der O. P. A. Z. aus Genf vom 7. Dezember wird zugestanden, daß, wenn auch nich allgemeine Unzufriedenheit über den von der gegenwärtigen genfer Regierung seit ihrem Bestehen verfolgten Gang herrsche, doch der größte Theil der Bevölkerung, sowohl in der Stadt als in dem Ueberreste des Kantons, mit der gegenwärtigen Regierung nicht zu⸗ frieden sei, und daß, seit James Fazy an der Spitze der vollstrecken⸗ den Macht sich befinde, die meisten in ihren Gesinnungen zur gemä⸗ ßigten Partei Gehörigen sich von den Staatsgeschäften zurückgezo⸗ gen, weil sie mit dem gegenwärtigen Treiben, das ihnen zu rück⸗ ssichtslos und radikal erscheine, nichts zu thun haben wollten. Doch, wird hinzugefügt, hätten andererseits allerdings eine Menge früher wenig erkannter Talente den neuen Gewalthabern sich angeschlossen, und suchten nun aus Kräften darauf hinzuwirken, dem jetzigen Regi⸗ mente eine längere Dauer zu sichern, als es voraussichtlich hätte ha ben können.

O Bern, 7. Dez. Der gegenwärtige Zustand der Schweiz ist die natürliche Entwickelung der französischen Revolution; es sind dieselben Dogmen, dieselben Leidenschaften, welche hier ungehindert gedeihen, weil in der Schweiz das Volk, d. h. die Menge, nicht nur die Quelle aller Macht, sondern die Macht selbst ist. Die politische Drganisation und die republikanischen Sitten haben nichts, wodurch

sie den Volks⸗Leidenschaften einen Zügel anlegen könnten.

Sie haben aus der Eröffnungsrede des Präsidenten der Tag⸗— satzung im Juli d. J. ersehen, daß die Schweiz sich an die Spitze der Empörung der Völker gegen die Regierungen zu stellen weiß; diese Geständnisse sind unter verschiedenen Formen wiederholt worden und unter Anderem auf eine merkwürdige Weise in nachstehender Stelle, worin sich die innige Verbindung der schweizerischen radikalen Partei mit den französischen Republikanern herausstellt: „Es hatte etwas Drückendes“, sagt die Revue de Gensve bei Gelegenheit der Thronrede der Königin von England, „unserem sichersten und zu⸗ verlässigsten Bundesgenossen, dem französischen Volke, gegenüber, als Bundesgenosse Englands zu erscheinen, das Interesse zu sehen, wel⸗ sches die englische Diplomatie uns zu beweisen schien; man hätte Mittrauen in uns setzen können bei der allgemeinen Frage über die demokratische Entwickelung der Völker, die allein uns Aus⸗ sichten auf Erfolg gegen die ungerechten Angriffe der großen Mächte bietet.“ ö

Mnter den obwaltenden Verhältnissen ist nur eine Sprache mög⸗ lich, nämlich die des Königs von Preußen in seiner Erklärung über die Neutralität Neuenburgs. Dies hat auch der Verlauf der Ereig⸗ nisse bewiesen. Wäre das Fürsteuthum Neuenburg sich selbst über⸗ lassen gewesen, so würde die Ankunft der eidgenössischen Truppen nicht vierundzwanzig Stunden haben auf sich warten lassen.

Veiielleicht geht die Tagsatzung zu einem Extrem über; sie ist auf eine Bahn gerathen, wo es ihr fast unmöglich ist, Halt zu machen; es ist nicht weniger wahr, daß eine so lange Zögerung nach so hef⸗ tigen Reden eine Thatsache ist, die den Beweis giebt, daß der Bür⸗ gerkrieg vielleicht zu vermeiden gewesen wäre.

Die radikale Partei, welche schon sehr eraltirt ist durch ihren Erfolg und namentlich darüber, daß sie in nur dreizehn Kantonen und

in weniger als drei Wochen eine Armee von 103,000 Mann mit 240 Kanuonen hat gufbringen können, diese Partei wird jetzt, unter⸗ stützt durch die Aufregung, welche die neueste französische Note her⸗ vorgerufen hat, schwerlich mehr etwas schonen.

Die so häufig von den Radikalen angerufene Souverainetät des Volkes ist niemals gewissenhafter geachtet worden, als durch die Re⸗ gierungen des Sonderbundes: sie haben die Frage über Krieg und Frieden dem Volke zur Abstimmung vorgelegt, und das Volk hat in den Landsgemeinden, welche aus Tansenden von Bürgern bestanden, fast einstimmig die Aufrechthaltung des Bundes verlangt, welches auch die Folgen sein möchten. Wenn jemals die Verantwortlichkeit der Regierungen durch den Willen des Volkes gedeckt worden ist, so geschah es bei dieser Gelegenheit. Das verhindert indeß die neuen radikalen Regierungen in Freiburg, in Luzern, in Wallis nicht, die⸗ jenigen, welche bestegt worden, für des Hochverrathes schuldig zu er⸗ Hlären und sie mit ihren Personen und ihrem Besitzthum für die Fol⸗ gen der Niederlage verantwortlich zu machen!

2378

Dies ist das neue Prinzip, welches die radikalen Sieger in das constitutionelle Recht einführen wollen. Im vorigen Jahre wurden in Genf die Magistratspersonen, welche bei der Ausübung ihrer Rechte und Pflichten dem Gesetze die Macht erhalten wollten, von den siegenden Aufrührern zur Bezahlung des durch den Aufstand ver⸗ ursachten Schadens verurtheilt.

Italien.

Genua, 4. Dez. Se. Majestät der König hat in Beglei⸗ tung Sr. Königl. Hoheit des Herzogs von Genua gestern Abend die Rückreise nach Turin angetreten.

Handels- und Börsen-Nachrichten. Berlin, den 14. Dezember 1847.

Hmechsel-Course.

Kurz 2 Mt. Kurz 152 ¼ 2 Mt. 151¼¾ 3 Mt. 6 27 2 Mt. 812 2 Mt. 102 ½⅔ 2 Mt. 102 ¼1

Amptooünmmmm & c vhb1u616* 250 PFl. do. ““ LWnm.

Hamburg 300 Mk. L“ bbF858 300 Mk.

London 1 Lst.

11XA“; 300 Fr. Wien in 20 Xr 150 Pl. Augsbuuueg . 150 Fl. 2

2 Mt. 99 ½

Breslau 100 Thlr. 8 Leipzig in Courant im 14 Thlr. Fuss.. 100 Thlr. 1 8 Mt. ¹ 5

Frankfurt a. M. sücdd. WW. 100 Pl. 2 Mt. 56 28 56 24 Petersburg u1u1u““ 100 Sbl. 3 Wochen 2 108 108 ¼

Ausländische Fonds- Pfandhbrief=, Kommunal-Papiere und Geld- Course.

Geld. Gem. Zf. Brief. Geld. Gem.

St. Schuld-Sch. 2 92 ½ 92 Kur- u. Nm. Pfdbr. 3 ½ 94 Sech. Präm. Sch. 90 ½ 90 Schlesische do. [3 ½⅔ 96 K. u. Nm. Schuldv. 3 ½ 87 1 do. Lt. B. gar. do. 3 ½ 92 ½

Berl. Stadt-Obl. 3 9¹½⅔ Pr. Bk-Anth.-Sch 106

Westpr. Pfandbr. 3 l 90 ¼

Grossb. Posen do. 4 100 G Fneedrichsd'or. 13 ¼2 do. do. 2 ½ And. Goldm. à 5th. 1 12¹ ⁄2½

Ostpr. Pfandbr. 9⁴ Disconto. 3 4 ½⅔

Pomm. do. 92 ½1

Brief.

Ausländische Fonds.

Poln. neue Pfdbr. do. Part. 500 Fl. do. do. 300 Fl. Hamb Feuer-Cas. do. Staats-Pr. Anls⸗ Holl. 2 ½ % Int.

Kurh. Pr. O. 40 th. Sardin. do. 36 Fr. N. Bad. do. 35 Fl.

Russ. Hamb. Cert. do. bei Hope 3.4. S. 1. Anl. do. Stiegl. 2. 4. A.

do. do. 5 A. do. v. Rthsch. Lst. do. Poln. Schatz 0. do. do. Cert. L. A. do. do. L. B. 200 Fl. Pol. a. Pfdhbr. a. C.

do. do.

AnöSnbnnen

1

Fisenbahn- Actien.

Volleing. zt. 2r. Amst. Rott. 4 96 ½ n. lblo. schl. I.z. 4 100 G. Arnh. Utr. 4 ½ G“ Pts. Mgäb. 4 93 ½ bz. u. G. Berl. Anh. A. 4 120 ¼ B. 119 ¾ 6G. do. Pr. B. 4 91 ¼ B.

do. Prior. 4 do. do. 5 100 ½ bz Berl. Hamb. 4 102 ½ B. 101 ¼1 6. Rhein. Stm. 4 83 B.

do. Prior. 99 ¾ . do. Prior. 4 Berl. Stett. 8 do. v. St. gar. 3 ½ 1.“ Bonn-Cöln. Sächs. Bayr. 4 89 ½ C. Bresl. Freib. 4 47 6.

do. Prior. Chem. Risa. 98 c. Cöln. Mind. 70 B.

d0. Prior. 99 ½ B 99 G. Cöth. Bernb. 87 B. 86 ½ G. Cr. 0b. Sch. 70 G.

Dresd. Görl. 102 G.

Düss. Elberf. 67 ½ B. 67 do. Prior. Gloggnitz. IImb. Bergd. Kiel-Alt. Lpz. Dresd. Löb. Zittau. Magd. Halb. Magd. Leipz.

Sag.-Glog.

do. Prior.

do. do. St.-Vohw.

do. Prior.

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Thüringer.

Whb. (C. 0.) do. Prior.

Zarsk Selo.

[nn

Quit. Bog. à 4 %

Aach. Mastr. se 1 B.

Berg. Mrk. 80 bz.

Berl. Anh. B. 109 ¼ B. 108 ¼1 6.

Bexb. Ludw.

Brieg-Neiss. 55

Thür. V. 20

Magd. Witt. 50 75 a 74 ½

Mecklenb. 90

Nrdb. F. W. 75 60 ½ a 60

107 B. Rh. St. Pr. 80 Starg. Pos. 70

(Schluss der Börse 3 Uhr.)

do. Prior. N. Schl. Mk. do. Prior. do. Prior. do. III. Ser. Nrdb. K. Fd. 0. Schl. Lt. A do. Prior.

88 ¾½ üB. 92 G.

101¼ 6 100 ¼ a2

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sortdauernd gut behaupten, sind wieder bedeutend gewichen und

Actien heute

Während sich volle zämmtliche Quittungsbogen schlossen flau.

Getraide-Bericht. Am heutigen Markt waren die Preise wie folgt: Weizen 66—74 Rthlr. 4 Roggen loco neuer 46—48 ABthlr. 84 AprilMai k. J. 48 Rthlr. bez. Hafer 48./52 pfd. 27 29 Rthlr. - 48pfd. pr. Frühjahr 28 ½ R hlr., 50 pfd Gerste 42 43 Rthlr. 8 Rapps 79 Rthlr. etwas bez. Rübsen 75 76 Rthlr. Rüböl loco 11 ½ *1⁄., Rthlr. G pr. Dez. Jan. do. Jan. ebr. do. Febr. März do. 1“ Spiritus loco 24 ½ ½ Rthlr. Brennzeit 25 25 5 Rihlr. Frühjahr 26 ½ ¼ Rthlr. bez. . Marktpreise vom Getraide. Berlin, den 13. Dezember. 1n Zu Lande: Weizen 2 Rthlr. 29 Sgr. 5 Pf⸗, auch 2 Athlr. 28 Syr. 9 Pf.; Roggen 2 Rthlr. 2 Sgr. 6 Pf., auch 1 Rthlr. 27 Pgre Pf.; kleine Gerste 1 Rthlr. 22 Sgr. 6 Pf., auch 1. Rthlr. 20 Cügk.; Hafer 3 Rthlr. 10 Sgr., auch 1 Rthlr. 6 Sgr. 3 Pf. Eingegangen sind 40 Wispel. Zu Wasser: Weizen (weißer) 3 Rthlr. 2 Sgr. 6 Pf., auch 2

Rthlr. 27 Sgr. 6 Pf. und 2 Rthlr. 22 Sgr. 6 Pf.; Roggen 2 Rthlr. 2 6 Pf. PFhin; große Gerste 1 Rthlr. 25 Sgr.; Hafer 1 Rthlr. 7 Sgr. 6 Pf., auch 1 Rthlr. 5 Sgr.; Erbsen 2 Rthlr. 10 Sgr, auch 2 Rthlr. 5 Sgr. (schlechte Sorte.) Eingegangen sind 945 Wispel 14

Scheffel. Sonnabend, den 11. Dezember.

Koönigsberg, 11. Dez. Marktbericht.

Zufuhr gering. Weizen 61 75 Sgr. pro Schffl.; Roggen 40 45 Sgr. pro Schffl.; große Gerste 40 45 Sgr. pro Schffl.; kleine Gerste 36— 41 Sgr. pro Schffl.; Hafer 24 26 Sgr. pro Schffl.; graue Erbsen 65— 72 Sgr. pro Schffl.; weiße Erbsen 50 62 Sgr. pro Schffl.; Kartoffeln 25 32 Sgr. pro Schffl.; Heu 12 14 Sgr. pro Ctr.; Stroh 90 100 Sgr. pro Schock; Spiritus 25 Rthlr. 20 Sgr. pro Ohm.

Danzig, 10. Dez. An der Bahn wurde gezahlt: Weizen 70—85 Sgr. Roggen 47—58 Sgr.; Erbsen 45—55 Sgr.; Schweine⸗Bohnen 50 —55 Sgr.; Wicken 40— 42 Sgr.; Gerste 45—54 Sgr.; Hafer 25—29 Sgr. pro Scheffel.

Spiritus 25 255 Rthlr. pro 120 Quart 80 % Tr.

SDStettin, 13. Dez. Getraide. Weizen giebt successiv nach im preise. 129/131pfd. pomm., auf 66 a 67 Rthlr. gehalten, ist zu 65 a 65 ½ Rthlr. gekauft. 128/130 pfd. uckerm. und märk. wird zu 61 a 66 Rthlr. erlassen. Roggen, der im Laufe der vorigen Woche eine entschieden weichende Tendenz hatte, gewann gegen Ende derselben wieder etwas mehr Festigkeit. In loco wird neuer von 85 Pfd. pr. Schfl. und etwas darüber auf 44 Rthlr. gehalten, was aber nicht zu machen ist, ged. russ. auf 39 Rthlr. Mehr Kauflust dagegen zeigt sich für Frühjahrs⸗Lieferung, welche in 86 Pfd. pr. Schfl. (86pfd. mit 1 Pfd. Maß⸗Ersatz) 40 ¾ Rthlr. bedang, was auch noch zu machen sein dürfte. Sommer⸗Getraide ist in den letzten Tagen ohne Umgang geblieben. Gerste, Oderbruch nicht angetragen, pomm. nach Qualität auf 37 a 39 Rthlr. gehalten. Hafer in loco pomm. zu 28 Rthlr., schwimmender schles. von 51 Pfd. pr. Schfl. 27 ½ Rthlr. erlassen, auf Früh⸗ jahrs⸗Lieferung für pomm. 30 Rthlr. gefordert. Erbsen wie letztgemeldet. Saamen. Für Winter⸗Rübsen wird 78 Rthlr., Rapps 82 Rthlr. gefordert. Säe⸗Leinsaamen, rigaer 8 ½ Rthlr., pernauer 9 3. Rthlr., memeler 7 ½ Rthlr. 8 Spiritus seit Freitag ebenfalls wieder fester; aus erster Hand zur Stelle 15 ½ a %, aus zweiter Hand 15 ¾ %, auf Frühjahrs⸗Lieferung 14 ½ % zuletzt bezahlt. 8

Rüböl wieder stiller; in loco zu 11 Rthlr. erlassen, 10 % Rthlr. ge⸗ kauft.

Köln, 11. Dez. Getraidepreise. (2 ¾⅞ Schffl.) Weizen direkt 8 Rthlr., dito pr. März 1848 8 Rthlr. 5 Sgr. Gerste 4 Rthlr. 10 Sgr., Hafer 3 Rthlr. 7 ½ Sgr., Rappsaamen 10 Rthlr. 10 Sgr., Roggen direkt 5 Rthlr. 22 ¾ Sgr., dito p. März 1848 5 Rthlr. 25 Sgr., Rübol compt. 30 ½ Rthlr., dito p. Mai 1848 31 Rthlr., dito p. Okt. 31 ¼ Rthlr. Preß⸗ kuchen, 1030 Stück 37 Rthlr.

Rostock, 9. Dez. Im Laufe der letztverflossenen 8 Tage haben wir eine ziemliche Getraide⸗Zufuhr gehabt. Unsere Preise haben sich ein⸗ zig von Roggen behauptet. Weizen, Gerste und Erbsen haben mindestens 8 2 Sch. nachgelassen im Verhältniß zu den Notirungen von heute vor 8 Tagen; Hafer ist 1 Sch. billiger geworden. Von Weizen ist viel in ord. und mitt. Waare vorgekommen und hierauf der Preisrückgang am merk⸗ lichsten geworden. Die Gedrücktheit des Geschäfts scheint überhaupt eine weitere Flauheit möglich werden zu lassen. Wir haben bezahlt: für Wei⸗ zen 122 pfd. 1 Rthlr. 20 Sch., 125 pfd. 1 Rthlr. 24 Sch., 128pfd. 1 Rthlr. 28 Sch., 130pfd. 1 Rthlr. 30 Sch., 133 pfd. 1 Rthlr. 32 Sch., Roggen 44 Sch. bis 1 Rthlr., Gerste 2zeilige 34 bis 38 Sch., 4zeilige 34 bis 37 Sch., Erbsen 1 Rthlr. 4 bis 10 Sch., Hafer 30 bis 33 Sch., Leinsaamen 1 Rthlr. 16 bis 24 Sch., Buchweizen 40 bis 42 Sch.

Auswärtige Börsen.

Amsterdam, II. De⸗ Niederl. wirkl. Sch. 54 ⅛. Antwerp en, 10. Dez. Zinsl. —. Neue Aul. 14 %. 8 eip zi g, 13. Dez. Leipz. Drezdn. Act. 115 ½ Br. Sächs. Bayer. 89 ¾˖ Br, Süchs. Schles. 99 ¾ Br. Chem. Ries. 51 ¼. 50 ¾. Löb. Zitt. 47 ½ Br Mgd. Leipz 231 G. Berl. Anh Lt. A. 120 ½, 120. Lt. B. 109 ½. 109. De⸗s. Kank-Act. 101 ½. 101 ½¼. London , 8. Nov. Cons. 30% 85 ½. 85 ½. Belg. —. Ard. 18. 17 5. Passive 3 ½. 3 ⅞. Ausg. Sch. —. 2 ½ % Holl. 55 ½. 55 ½. 4 % do. 85. 84 ½. Port. 23. 22. Bras. 80. 78. chili —. Mex. 17 ¼. 17 ¼. Peru 3 1. 29. Paris, 10. Dez. 5 % Rente fia cour. I116. 50. 3 % fin cour. do. 75. 35. Neue 3 % Anl. 76. 50. W ien, 12 Dez.

5 % Span.

Engl. Russ. —.

Gloggn. 113 Nordb. 157 8

Meteorologische Beobachtungen.

Nach einmaliger Beobachtung.

Abends

10 Uhr.

Nachmittags 2 Uhr.

1847. 13 Dez.

Luftdruck 340,82“Par. 310,53“ Par. 0,20 nu. + 3,6 n. Thaupunkkt 1,1 + 0,2˙ . Dunstsättigung. 87 pCt. 74 pCt. Wetter.. heiter. heiter.

Morgens 6 Uhr.

340,60 Par. qvellwörme 7715 R. + 0,5°R. Flusswärme 2,5°0 R. 2,20 R. Bodenwärme 80 pCt. Ausdünstung

beitor Niederschlag 8

W. 4 4,0°

1,0“* 1,20 H. 80 pct. W

Luftwärme..

Wind... W. w. Wolkezung. .. Ses 340,65"Par ..

+ 1,30 R...

Tagesmittel:

Königliche Schauspiele.

Mittwoch, 15. Dez. Im Schauspielhause. 208 te Abonne⸗ ments⸗Vorstellung: Der Vetter. Hierauf: Der Weg durch's Fenster, Lustspiel in 1 Akt, nach Scribe, von W. Friedrich.

Donnerstag, 160. Dez. Im Schauspielhause. ments⸗Vorstellung: Nathan der Weise.

Freitag, 17. Dez. Im Opernhause. lübste Abonnements⸗ Vorstellung: Die Hugenotten, Oper in 5 Abth., nach dem Französi⸗ schen des Scribe, übersetzt von Castelli. Musik von Meyerbeer. (Mad. Köster: Valentine.) Anfang 6 Uhr.

Zu dieser werden Billets zu folgenden mittleren

enhaus⸗Preisen verkauft: Fheen Bähre 8 den des Prosceniums 1 Rthlr. 10 Sgr., in den Logen des ersten Ranges und ersten Balkons, so wie zur Tribüne, 1 Rthlr. 10 Sgr., im Parquet und in den Logen des zwei⸗ ten Ranges 1 Rthlr., in den Logen und im Balkon des dritten Ran⸗ ges, so wie im Parterre, 20 Sgr., im Amphitheater 10 Sgr., in den Fremden⸗Logen 2 Rthlr.

Im Schauspielhause. 23ste französische Abonnements⸗Vorstellung Auf Höchstes Begehren: La première représentation de la re- prise de: Michel Perrin, ou: L'espion sans le savoir, comé die-vaudeville en 2 actes, par M. Mélesville. La mère de famille, comédie-vaudeville en 1 acte, par M. Dennery.

.“ Königsstädtisches Theater. Mittwoch, 15. Dez. (Italienische Opern⸗ Vorstellung.) erstenmale in dieser Saison: Linda di Chamouni. von G. Rossini. Musik von Donizetti. 1“ Preise der Plätze: Ein Platz in den Logen und im Balkon ersten Ranges 1 Rthlr. u. s. w. N H Den Donnerstag, 16. Dez. msan P in 5 Akten 1 nebst einem Vorspiele. (Zwölf Tableaur.) Französischen des Felix Pyat, von Heinrich Smidt.

209te Abonne⸗

8

..*“

Verantwortlicher Redacteur Dr. J. W. Zinkeisen.

Gedruckt in

der Deckerschen Geheimen Ober⸗Hofbuchdruͤckerei.

Das Schock Stroh 9 Rthlr. 10 Sgr., auch 8 Rthlr. 7 Sgr. 6 Pf.;

der Centner Heu 1 Rthlr. 10 Sgr., auch 1 E“ 1g8

N¹o9 347

. 1u“ Zum Oper in 3 Akten,

des

Der Lumpensammler von Paris, Drama Nach dem

y.. Bieilage zur Allgemeinen P

Inhalt.

Deutsche Bundesstaaten. Königreich Sachsen. Gymnasial⸗ Verein. Frequenz der Universität Leipzig. Königreich Würt⸗ temberg. Rettungs⸗Verein bei Feuersgefahr. Großherzogthum Sachsen⸗Weimar. Gustav⸗Adolph⸗Verein. Landesbaumschule in Marienhöhe. Freie Stadt Frankfurt. Einweihung der Ni⸗ kolai⸗Kirche.

Frankreich. Unterwerfung.)

Italien. Rom. Vermischtes. Neapel. Neapel. 8 alermo. Freudenbezeugungen.

Spanien. 3 Schreiben aus Madrid. (Die Kömigin; Kongreß⸗Verhand⸗ lungen; die auswärtigen Staatsgläubiger; Vermisch

Schreiben aus Paris. (Unzuverlässigkeit der Kabylen⸗

Zustand der Dinge in

Zur schweizer Resorm⸗Frage. Die Basilika in München. Eisenbahnen und Dampfschifffahrt.

Bau. Brüssel. Vermischtes. Handels⸗ und Börsen⸗Nachrichten.

L11“

Stuttgart. Eisenbahn⸗

Deutsche Bundesstaaten.

Königreich Sachsen. (Leipz. Ztg.) Der am 2. No⸗ vember vorigen Jahres in Dresden gestiftete Gymnasial⸗Verein hat, wie der so eben erschienene erste Jahresbericht erweist, eine ungemein große Thätigkeit entfaltet, und fast alle einzelnen Disziplinen des Gymnasial⸗Unterrichts haben in diesem Zeitraume einer dreifachen Besprechung unterlegen und zu einem Abschlusse gebracht werden kön⸗ nen, während außerdem noch in einer Reihe von Versammlungen Vorträge allgemein belehrenden Inhalts gehalten worden sind. Die Wirksamkeit des Vereins theilt sich in drei Zweige: in die Sections⸗ Sitzungen, deren wenigstens 23 waren, in den wissenschaftlichen Aus⸗ schuß, der sich 39 mal versammelte, und die Haupt⸗Versammlungen, deren 29 stattfanden. Waren diese Versammlungen zuerst nur dazu bestimmt, einer allgemeinen Besprechung über das Gymnasialwesen

eien Spielraum zu lassen, so beschäftigten sie sich von der sechsten ab mit der Berathung und Beschlußfassung über diejenigen Berichte, welche von nun an von dem wissenschaftlichen Ausschusse an sie gelangten, und hier fanden die Berichte und Verhandlungen statt, welche in den von Dr. Köchly herausgegebenen Vermischten Blättern zur Gymnasial⸗Reform abgedruckt sind. Neben dieser speziellen Thä⸗ tigkeit des Vereins fanden aber noch 10 Versammlungen statt, welche allein Vorträgen allgemein belehrenden Inhalts gewidmet waren und woran viele Gäste theilnahmen. Der Vereins⸗Rath selbst hielt zwei Sitzungen, und ein wesentliches Ergebniß derselben war der Beschluß, die Berathungen des Vereins an das kürzlich erschienene Regulativ für das sächsische Gelehrten⸗Schulwesen anzuknüpfen. Von 100 Mit⸗ gliedern, welche der Verein beim Beginn zählte, hat sich deren Zahl jetzt bereits bis zu 154 vermehrt, und es wurden 372 Rthlr. 10 Ngr. eingenommen, 371 Rthlr. 9 Pf. aber ausgegeben. 1

Nach dem amtlichen Verzeichnisse zählt die Universität Leipzig im ge⸗ genwärtigen Semester 906 Studirende, nämlich 618 Inländer und 288 Ausländer, also 5 weniger als im vorigen Halbjahre (und zwar 7 Inländer weniger und 2 Ausländer mehr 1). Es ergiebt sich eine namhafte Verminde⸗ rung bei den Theologen (227 im vorigen Semester 253), dage⸗ gen eine Vermehrung, wenngleich von geringerem Betrachte, bei den Juristen (393 früher 379), den Medizinern (141 früher 133) und den Philologen (20 früher 14).

Königreich Württemberg. (Schwäb. Merk.) Nach dem Beispiele anderer Vereine haben auch aus der Mitte des Turn⸗ Vereins in Ludwigsburg sich 30 Mitglieder vereinigt, um bei vorkom⸗ menden Brandfällen dort und in der Umgegend Menschenleben und be⸗ wegliches Eigenthum zu retten. Diese Rettungsrotte ist nun gehörig organisirt und hat auch schon mehrere nöthige Uebungen durchgemacht.

Großherzogthum Sachsen⸗Weimar. (Weim. Ztg). Am 8. Dezember hielt der Gustav⸗Adolph⸗Verein in Weimar eine außer⸗ ordentliche Haupt⸗Versammlung. Der wichtigste Gegenstand der Mitthei⸗ lungen betraf den Bericht, welchen der nach Darmstadt gesendete Abgeord nete des Landes⸗Haupt⸗Vereins, Staats⸗Fiskal Stäps, über die dortigen Verhandlungen und über die Erfüllung seines Auftrags abgestattet hatte. Nach Vernehmung dieses anziehenden Berichts sprach die Ver⸗ sammlung ihren Dank dafür aus.

In der Großherzoglichen Landes⸗Baumschule Marienhöhe bei Weimar sind auch in diesem Jahre wieder mehrere junge Bursche als Lehrlinge beschäftigt und mit den bei der Obstbaum⸗ und Wild⸗ holz⸗Zucht, so wie bei dem gewöhnlichen Gartenbau vorkommenden Arbeiten vertraut geworden; Lesen guter Schriften dieses Fachs hat die mündliche Unterweisung unterstützt. Im Sommerhalbjahre hat der Vorsteher dieser Anstalt überdies, wie seit zehn Jahren, Zöglinge des Landschullehrer-Seminars, diesmal 24, theoretisch und praktisch in der Obstbaum⸗ und Wildholz⸗Zucht, in der landwirthschaftlichen Boden⸗ und Pflanzenkunde mit Erläuterung des Linnéschen Systems, in der Landwirthschaft überhaupt und im Gartenbau unterrichtet.

Freie Stadt Frankfurt. (Elberf. Ztg.) Am 6. De⸗ zember wurde hier die Nikolai⸗Kirche eingeweiht; eine kleine, von Rudolph I. erbaute, änßerst originell gedachte Kirche, gothischen Sty⸗ les, welche im verwichenen Jahrhundert außer Gebrauch kam, dann lange als Magazin diente, in diesen Tagen des wieder⸗ erwachten National⸗Geschmackes aber wieder hergestellt wurde. Die Einweihung fand unter Leitung des sämmtlichen Klerus und in Segenwart der Bürgermeister statt. Alfred Rethel, der bekannte gachener Maler, hatte den Altar durch ein schönes Altarblatt ge⸗

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schmückt, die Auferstehung des Heilandes darstellend.

rin n rxei ch.

*αParis, 9. Dez. Wie wenig verläßlich noch immer die Unterwürfigkeit der Kabylen in Afrika unter die französische Herrschaft ist, hat neuerlich ein für eine beträchtliche Anzahl von Franzosen trauriger Vorfall gezeigt. das Gerücht, zwei europäische Schiffe hätten an der Mündung des Wed⸗Sassaff zwischen Delly's und Bugia während der fürchterlichen Stürme, die eine Reihe von Tagen hindurch an den dortigen Küsten herrschten, Schiffbruch gelitten. Man fügte hinzu, die Kabylen hät⸗ ten sich sogleich auf die Wracks gestürzt, die an den Strand gewor⸗

fen waren, dieselben geplündert und die ganze Mannschaft gefangen ins Innere des Landes fortgeschleppt. schaft gefangen

. 5 fo Man war um so mehr um das Schicksal der unglücklichen Gefangenen besorgt, als gerade jener Theil von Kabylien sich stets am hartnäckigsten gegen die französische Oberherrlichkeit aufgelehnt hatte. 1

troffen, um die Herausgabe der Schiffbrüchigen an die franzö⸗

Am 1. Dezember verbreitete sich zu Algier

zu leisten. b Der Herzog von Aumale hatte auf die erste Kunde von diesen Vorgängen sogleich alle Maßregeln ge⸗

sischen Behörden zu erlangen. Außerordentliche Couriere wurden auf der Stelle nach Dellys, Bugia, Aumale und Setif mit den In⸗ structionen des General⸗Gouverneurs abgesendet. Der Prinz schrieb unter Anderem an Bel Kassem, als demjenigen Häuptling, welcher am meisten Einfluß im Lande genießt, damit derselbe die Freigebun der Gefangenen bewirke, indem ihm zu verstehen gegeben wurde, bas Mißhandlungen, denen die ausgesetzt würden, die furcht⸗ barsten Repressalien gegen seine Brüder, die Kabylen, hervorrufen würden. Noch kannte man bei Abgang der letzten Nachrichten von Algier den Ausgang der Sache natürlich nicht. Zu Grunde gegan⸗ gen war übrigens Niemand von der Mannschaft. Die Kabylen ver⸗ langten 5000 Fr. als Lösegeld für die Freilassung der Leute. Man glaubte zu Algier, der Befehl zur Bezahlung dieser Summe sei be⸗ reits abgegangen, jedoch nicht in amtlicher Form, noch auf amtlichem Wege, da die Autoritäten natürlich nicht den Schein haben wollen, als ließen sie sich mit Rebellen in Unterhandlungen ein. Die beiden Stämme der Uled Aruy und der Aiebs, welche sich empört hatten, sind durch eine aus Setif gegen sie geschickte Kolonne aufs neue zur Unterwerfung genöthigt worden, und die Kolonne war bereits wieder in Setif eingerückt. Der Sheriff Muley⸗u⸗Ahmed hat sich im Lande der Uled⸗Salah behauptet, und der Sheriff Muley⸗ Mohammed befindet sich noch immer zu Tijes bei den Beni⸗Yala. Die rebellische Abtheilung dieses letzteren Stammes sollte von den treu gebliebenen Abtheilungen zu Ben⸗Dscheddu angegrissen werden. Dic Blokade wird streng aufrecht erhalten, und die treuen Ben⸗Yala werden allein die Erlaubniß erhalten, Ackerbau zu treiben in der Ebene. General Bedeau war mit fünf Bataillonen westlich von der Straße von Konstantine nach Philippeville vorgerückt, um im Lande der Beni⸗Salah eine Redoute zu errichten und eine Verbindung zwi⸗ schen diesem Lande und dem Thale von Smeadu zu eröffnen. Bis Mitte Dezember hoffte man mit dieser Arbeit fertig zu sein, und diese Redoute wird im Falle von Unruhen als Stützpunkt dienen für die provisorische Besetzung des Landes, außerdem aber zugleich der Colonisation im Sassaf⸗Thale größere Sicherheit gewähren. Ihr F ist, die Kabylen der umliegenden Berge in Respekt zu I1I1II 8 1

1““

Mom, 30. Nov. (N. K.) Die Finanz⸗Section der Staats⸗ Konsulta hat einen Antrag gestellt auf Vorlage eines allgemeinen Gesetzes über die Staats⸗Beamten, welches feststehende Normen über die Erfordernisse zur Beförderung, die Pensionen, die Kumulirung mehrerer Aemter ꝛc. enthalten soll. Die Administrativ⸗Section hat bereits das Reglement über die innere Verwaltung vorgelegt, und die Erörterung desselben in allgemeiner Sitzung wird demnächst be⸗ ginnen.

Mom, 2. Dez. (N. K.) Der Kardinal Marini ist heute Morgen von hier nach Forli abgereist, um seinen neuen Posten als Legat anzutreten, der ihm auf sechs Jahre übertragen ist. Pro⸗ fessor Orioli hat die Redaction der Bilancia in Folge der vielfälti⸗ gen Angriffe, die er wegen seiner darin ausgesprochenen Ansichten er⸗ fahren mußte, aufgegeben. Er geht indeß mit der Gründung eines neuen Journals um.

Der Papst hat die von dem Fürsten Karl Torlonia (Bruder des wegen der Salz⸗ und Tabackpacht im Contemporaneo angegrif⸗ fenen Fürsten Torlonia) eingereichte Abdankung als Oberst⸗Lieutenant der Bürgergarde nicht angenommen.

Der französische Gesandte, Graf Rossi, hat am 30. November zu Ehren des Lord Minto ein großes Fest gegeben.

Neapel, 2. Dez. (A. Z.) Die Ruhe ist in den letzten Ta⸗ gen auf keine Weise gestört worden. Man erwartete freilich vor drei Tagen im Theater San Carlo bei der Aufführung der Oper Merope von Pacini einen neuen Ausbruch, die Polizei kam diesem jedoch da⸗ durch zuvor, daß sie wenige Augenblicke vor Eröffnung des Theaters die Oper absagen und das Geld zurückzahlen ließ. Es sollen fünf⸗ bis sechsfache Preise für Plätze gezahlt worden sein. Die Unruhe⸗ stifter vom 25. November, welche eingesteckt wurden, sind Alle wie⸗ der in Freiheit gesetzt; es hat sich herausgestellt, daß mehrere Lom⸗ barden, Römer und Florentiner darunter gewesen, wie denn über⸗ haupt Verzweigungen des ganzen Getreibes, namentlich zwischen Pa⸗ lermo, Messina und Neapel, nicht zu leugnen sind. Man besahl den unruhigen Fremden, binnen acht Tagen die Hauptstadt zu verlassen. Militair und Polizei scheinen strenge Befehle erhalten zu haben, nichts Auffallendes zu unternehmen und die Gahrung nicht auf solche Weise zu fördern. Am 25. November Abends soll der Prinz von Salerno sogar die höheren Offiziere, welche im Schloß das Militair befehligten, haben ersuchen lassen, die Kavallerie aus den Schloßhöfen zurückzuzie⸗ hen, um das Volk durch militairische Vorbereitungen nicht zu reizen. Der König selbst will auf alle Weise beschwichtigend einzuwirken su⸗ chen, sowohl hier als in Palermo. Gestern war Staats⸗ und Mi⸗ nisterrath. Die Versammlung dauerte sehr lange, wie denn überhaupt der König, seitdem auch Parisi aus Messini eingetroffen, sehr viel arbeitet und den wohlgemeinten Rathschlägen der neuerwählten Eh⸗ renmänner gern sein Ohr leiht. Einen sehr guten Eindruck machte die Nachricht vom Fall des Beichtvaters Mons. Cocle, den die Mi⸗ nister für einen gefährlichen Intriguanten halten; ferner, daß der König den Francesco⸗Orden, mit welchem der verhaßte Polizei⸗Commissair Campobasso geschmückt worden war, zurückgezogen und ihm dafür Geld geschenkt u. dgl. In Bezug auf die Evviva's für Pius IX. ist man hier gar nicht so intolerant, wie man in Rom glaubt, ja die Schildpatt⸗Händler auf dem Largo di Castello verkaufen öffentlich Ringe mit goldeingelegten Evviva's für den Papst. Außer einigen die Sila⸗Wald⸗Kommission betreffenden Anordnungen haben wir keine neuen königlichen Dekrete erhalten.

Palermo, 28. Nov. (A. Z.) Die Nachricht von den Auf⸗ tritten in Neapel am 23. und 24. November Abends hatte sich hier schnell nach Ankunft des Dampfschiffes am Freitag Morgen verbrei⸗ tet, so wie auch, daß dieser Ausdruck der Freude des Volkes über die vorgenommenen Neuerungen im Ministerium durch den König nicht ungünstig aufgenommen worden seien. Der Königliche Minister St. Angelo, als Gelehrter zwar berühmt, ist diesseits nicht weniger als in Neapel verhaßt, und von den drei Männern, die nun ins Kabinet treten, hat man nichts als Gutes vernommen, daher erregte diese Nachricht, so wie die (voreilige) von der allgemeinen Amnestie für politische Verbrechen, hier nicht geringe Frende. Es wurde be⸗ schlossen, dieselbe laut und öffentlich zu bezeigen. Aber von der Po⸗ lizei kam gestern Morgens die freundschaftliche Weisung an diejeni⸗ gen Männer, welche sich bereits als Leiter bekannt gemacht hatten, doch zu Hause zu bleiben. Sie weigerten sich, diesem Rathe Folge Des Abends im Theater Carolino brach nach Vollendung des ersten Akts der Sturm los. Es wurden Reden gehalten zu Ehren des reformirenden Königs, stürmischer Applaus Evviva il Re, evviva Pio nono, evviva il Re riformatore und anderes Aehnliches

reußischen Zeitung.

Mittwoch den 15 ¶Dezember.

Evviva la Sicilia, P'Italia unita, la lega italiana u. s. w. Die Damen in

den Logen stimmten mit ein, die Tücher wurden geschwungen eine Guirlande von Shawls und anderen Tüchern in tausend Farben um den ganzen Halbcirkel und in allen Logen improvisirt. Unter den Damen zeichnete sich die Prinzipessa Wittwe de Partarina, Duchessa de Floridia am meisten aus durch lautes Beifallrufen und Klatschen. Eine einzige Loge war still, darin saß der Ex⸗Minister Franco, welchem bekanntlich der Sicilianer Alles, über das er sich beklagt, zuschreibt. Es bekam ihm übel. Einer der lebhaftesten junge Leute warf ihm vom Parterre aus ein Bankkissen an den Kopf, eine Roh⸗ heit, welche jedoch sogleich laut und allgemein getadelt wurde. Der Erx⸗Minister wollte sich entfernen, es wurde ihm jedoch gerathen, zu bleiben, weil man ihm nicht dafür stehen könne, wie es ihm etwa draußen ergehen möchte. So blieb er und fand endlich für gut, miteinzustimmen und das weiße Sacktuch auch zu schwingen. Einige trugen darauf an, vereint und Musik voran durch die Stadt zu ziehen. Die Leiter riethen es ab es möchten Erzesse entstehen, welche wohl die Polizei veranlassen dürften, sie Alle dafür verant⸗ wortlich zu machen; im Gegentheil wurde jedem empfohlen, sich in der Stille und guter Ordnung nach seiner Wohnung zu begeben was denn auch geschah.

Heute war bei dem herrlichsten Wetter um Mittag große Ver⸗ sammlung in dem öffentlichen Garten, unter dem Namen Horto Giulia bekannt. Gleiches begeistertes Rufen zu Ehren des Königs, des Papstes, Italiens und Siciliens. Es wurden kurze Reden gehalten zu Ehren des geliebten Monarchen, man drückte darin nicht undeutlich den Wunsch aus, daß doch die hier schon seit so langer Zeit —4 teten Männer, gegen die keine Anklage erhoben werden könne, endlich freigegeben werden möchten. Man sprach von Unterzeichnung einer Bittschrift zu diesem Ende, so wie für Bildung der Nationalgarde, um das Eigenthum des Bürgers und des Staates gegen Einbruch zu schützen. Schon mischten sich Leute in die Menge, welche mehr als Worte zu wünschen schienen. Das sicilianische Blut ist hitzig; gar leicht springt man hier von dem einen zum anderen Ex⸗ trem hinüber. Als solche Anzeichen sich blicken ließen und wieder darauf angetragen wurde, aus dem Garten weg und unter lautem Zuruf durch die Stadt zu ziehen, wo, in der Hanptstraße (Cassaro) wenigstens, bereits die Balkons festlich geschmückt und noch schöner besetzt waren, in Erwartung des Aufzugs, da warfen sich wieder die einflußreichsten der Leiter ins Mittel und bemerkten, wie so leicht durch und bei dem Heraus⸗ und Herumziehen Exzesse verübt werden dürften durch Leute, deren Begierden und Gelüste man ja wohl kenne; besser sei es, in Friede und Stille zu scheiden und sich nach Hause zu begeben, was denn auch geschah. Einiger der Stürmische⸗ ren von der niederen oder niedrigsten Klasse bemächtigte man sich und beschied dieselben dahin, daß es ihnen übel gehen würde, sollten sie sich nur im geringsten vergessen. Am einzigen offen stehenden Aus⸗ gange des Gartens stellten sich diese Männer auf man darf sie ja nennen, denn sie verdienen es man sah dort unter Anderen Cavaliere Emerigo Amari de' Conti Amari, Professor der Kriminal⸗ Gesetzgebung an der hiesigen Hochschule und als Direktor der Irren⸗ Anstalt würdiger Nachfolger Pisani’'s, und Francesco Ferrara, als Schriftsteller in den Staatswissenschaften bereits bekannt, nunmehr über die Staatsökonomie öffentlich lesend. Man sah sie die stür⸗ mische Jugend zur Ordnung und Stille verweisend und Andere derb anfahrend über ihr ungebührliches Betragen. So stob Alles friedlich aus einander. 8

Palermo, 29. Nov. Gestern Abend im Theater neues N- fen zu Ehren des Monarchen und des Papstes, neuer Enthustasmus der Damen, gleicher Anstand, gleiche Ruhe und Ordnung, gleich be⸗ sonnenes Verhalten der dienstthuenden Truppen. Weder der Königl. Statthalter, noch General Vial waren gegenwärtig. Heute früh Alles still. Eine stille sinstere Gewitternacht folgte dem schönen hei⸗ teren gestrigen Tage, und heute ist es trübe und dunkel, von Blit und Donner unterbrochen. Der Herbst ist sonst gut. Feuchtes Wetter bedarf man jetzt zur Saat; übrigens giebt es hier jetzt schon große Artischocken und kleine Erbsen. 1

Spanion. 80 Madrid, 3. Dez. Das englische Blatt, die Times,

behauptet mit großer Bestimmtheit, die Königin Isabella befände sich

in gesegneten Leibesumständen und die französische Regierung wäre amtlich davon unterrichtet worden. Hier, in Madrid, verlautet nicht das Geringste über eine solche Aenderung im Befinden der jungen Königin. Sie reitet fast täglich aus, und zwar in gestrecktem Ga⸗- lopp. Auch hat sie endlich, wiewohl gegen das Anrathen ihrer Mut⸗ ter, den Homöopathen Nusiez, den man ihr als Leib⸗Arzt aufgedrun- gen hatte, aus ihren Diensten entlassen und die Fürsorge für ihre Gesundheit aufs neue dem Dr. Castellö übertragen.

Die Debatten des Kongresses über den Adreß⸗Entwurf wurden gestern auf ziemlich stürmische Weise geschlossen. Zuerst forderte der Deputirte Bermudez de Castro, Bruder des spanischen Gesandten in Mexico, Herrn Olozaga, auf, zu erklären, ob die vorgestern von ihm gemachten Anspielungen auf elende Intriguanten, die sich für große Staatsmänner hielten, auf jenen, den Gesandten, zu beziehen wären. Herr Olozaga weigerte sich, in Betracht der unschicklichen Sprache des Herrn Bermudez de Castro, eine desfallsige Erklärung abzugeben, und Herr Pidal nahm endlich das Wort, um den Adreß⸗Entwurf zu unterstützen, vorzüglich aber, um seine Galle über die abgetretenen Minister und die Gegenpartei auszuschütten. Nachdem er die Pfeile seines Witzes gegen Herrn Olozaga gerichtet hatte, behauptete er, die Summe von hunderttausend Piastern, welche der spanische Ge⸗ sandte in Mexico für geheime Ausgaben bezog, wäre zu unbedeu⸗ tend, um von dem Kongreß in Betracht gezogen werden zu können, und die Nordamerikaner würden die Insel Cuba nicht anzugreifen wagen. Die Mißhelligkeit mit der englischen Regierung wegen der Heirath der Infantin wäre bereits ausgeglichen, und die gegen⸗ seitigen Beziehungen nähmen ihren natürlichen Fortgang. Dann ent⸗ wickelte Herr Pidal sein System über die innere Politik, welche die spanische Regierung zu befolgen hätte. In einer früheren Sitzung erklärte er den beständigen Kampf der Parteien für die Grund⸗-Be⸗ dingung der Repräsentativ⸗Regierung. Gestern sagte er: „Jede Re-⸗ gierung muß nothwendigerweise eine Politik des Widerstandes (de resistencia) befolgen, möge diese oder jene Partei im Besitze der Gewalt sein. Dieser Widerstand richtet sich nach der Beschaffenheit des Angriffs. Erfolgt dieser auf der Straße, so widersetzt man sich ihm auf der Straße. Bereitet der Angriff sich in der Verhüllung von Verschwörungen vor, so arbeitet die Regierung ihm auf polizei⸗ lichem Wege entgegen. Ueberschreiten die Angreifenden die 5 sung, so steht der Regierung dasselbe Recht zu. Ich selbst. habe 8 Minister diese Politik des Widerstandes ausgeübt, und ich rühme lches dessen.“ Endlich ääußerte Herr Pidal, das Stillschnegon, Jahren Herr Olozaga in Betreff der Katastrophe, die ihn vor Set; Ses von der politischen Bühne entfernte, sich auflege, zeuge 1