1848 / 4 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

zende Protestation gegen die Bemühungen, w ten unternommen wurden, um die Leidenschaften des Volkes aufzu⸗ wecken und anzuregen. Der Erwählte des Volkes hat, als er sich den Vertretern des Volkes wieder gegenüber befand, die Verbindung erneuert, welche man vergeblich versucht hatte, zu stören. Der Kö⸗ nig, die Charte, diese beiden großen nicht von einander zu trennenden Worte, haben sich von neuem in den Gedanken und in dem Munde Aller vereinigt. Wir hoffen, die Opposition wird sich nicht beklagen, daß die Regierung den Verhandlungen auszuweichen suche. Alle Fragen, welche bei den Festmahlen der Reform verhandelt worden sind, kön⸗ nen jetzt auf der Rednerbühne verhandelt werden. Bis jetzt hatte die Beredtsamkeit der Reformer, der Republikaner, der Sozialisten und der Kommunisten freies Feld; wir werden sehen, ob dieselbe, entfernt von dem Duft der Festmahle und von dem Feuer des Weines, eben so siegreich ist. Es ist eine Prüfung, welcher wir mit Ver⸗ trauen entgegensehen.’“ Die beiden anderen ministeriellen Blätter, der Monite ur parisien und der Conservateur, sprechen si in ähnlicher Weise aus. Ersteres bemerkt in Betreff der auf fer Schweiz bezüglichen Stelle, daß die Worte der Thronrede in 865 wichtigen Frage die wahren Grundsätze der Politik aussprächen und 1498 erhielten, dieselben Grundsätze, zu welchen die Juli⸗Regierungsich 1 kannt habe, und daß Frankreich der Eidgenossenschaft nicht blos im In isse der Aufrechthaltung der Verträge, sondern auch zur Ordnung und Freiheit in der Schweiz, seine freundliche; fan angeboten. Die Presse dagegen, welche sich zwar I. 8 se ein Drgan der Konservativen ausgiebt, aber mit Emil von Girardin jetzt zur Opposition der linken Seste übergegangen ist, der Consti⸗ tutionnel, das Blatt des linken Centrums, das Sidele, das Organ Odilon Barrot's und der seeraanten dynastischen Linken, und der National, das Blatt der äußersten Linken, so wie die übrigen Oppositionsblätter, unter ihnen auch die Union Monarchique, das Blatt der rechten Seite, enthalten bei dieser Gelegenheit wieder die heftigsten Declamationen gegen die Regierung und insbesondere gegen Herrn Guizot. Die Presse nennt die Thron⸗Rede ein Meisterstück im ausweichenden Genre, das mit einer Masse von Worten nichts sage, was die Minister irgendwie binden könnte. Der Constitutionnel ist besonders ereifert über die Worte, mit welchen in der Thronrede auf die Wahlreform⸗ Bankette hingedeutet wird. Dann rügt er die abgebrochene Art und Weise, wie von der Ver⸗ ständigung mit den Mächten über die Schweiz gesprochen werde, und woraus hervorzugehen scheine, daß Herr Guizot sich mit den anderen Kabinetten verständigt habe, sich aber jetzt nicht mehr mit ihnen ver⸗ stehe. Die angekündigten Reformen und den Finanz⸗Zustand betref⸗ fend, sagt das Organ des Herrn Thiers: „Von den anderen Para⸗ graphen der Thronrede erregten besonders zwei die Aufmerksamkeit; der eine nämlich, wo man als kleine Münze der Reformen, die man verweigert, eine Reihe von Gesetz⸗Entwürfen auszugeben versucht, ähnlich denen, die alle Jahre vorgelegt und der Mehrzahl nach be⸗ stimmt sind, in den Kammern verloren zu gehen, und deren Bedeutung man durch sprachliche Uebertreibung zu heben ‚versucht. Unter diesen Gesetz⸗Entwürfen fehlt der dringlichste vielleicht, der am meisten erwartete, ein Gesetz⸗Entwurf nämlich über die Colonisation von Algerien. Von dem versprochenen Gleichgewicht im ordentlichen Bud⸗ get für 1848 sagen wir nichts. Wir werden ja bald das Meister⸗ stück unseres Finanz⸗Ministers sehen. Gewiß ist vorläufig, daß die Course an der Börse nach dieser Rede gefallen sind. Im vorigen Jahre schon beobachtete man dies ungewohnte Ereigniß. Am 11. Januar, dem Tage der Eröffnung der letzten Session, „fiel die Rente von 79, 75 auf 79, 45. Diesmal wich sie von 75, 75 auf 75, 40. Die Lage ist schlimm, und die Regierung hat sie so eben noch verschlimmert; das ist das allgemeine Gefühl.“ Ein anderes Oppositsonsblatt sieht in dem Paragraphen über die Schweiz eine Niederlage des Herrn Guizot, indem jener Paragraph gegen dessen Wünsche und auf An⸗ dringen des Grafen Duchatel diese Fassung erhalten hätte. Herr Guizot habe sich entschieden gegen die in der Schweiz vollbrachten Thatsachen aussprechen wollen.

Es wird jetzt entschieden in Abrede gestellt, was mehrere Jour⸗ nale behauptet hatten, daß nämlich das Ministerium an den Gesetzen über Branntweine und andere starke Getränke Aenderungen vorneh⸗ men und dieselben im Laufe der Session vorlegen wolle.

Im Journal des Débats wird es als ein Irrthum bezeich⸗ net, wenn ein Journal berichtet habe, es sei im Palast der Pairs⸗ Kammer zur Eröffnung der Session eine feierliche „Heiligegeist“⸗Messe vom Erzbischof von Paris gehalten worden. Erst gestern habe der⸗ selbe dort, wie in den letzten Jahren, eine gewöhnliche Messe

elesen. G segac der Botschafter am Hofe von St. James, Herzog von Broglie, ist hier angelangt, um an den Arbeiten der Pairs⸗Kammer, deren Mitglied er ist, Theil zu nehmen.

Der Tontre⸗Admiral Bruat, ehemaliger Gouverneur von Ota⸗

eiti, ist zum Groß⸗Offizier der Ehren⸗Legion ernannt.

Viee⸗Admiral Baudin ist zum Mitglied des Admiralitäts⸗Ra⸗ hes ernannt, und Vice⸗Admiral Casy tritt an seiner Stelle in die gemischte Kommission für öffentliche Arbeiten.

Eine furchtbare Feuersbrunst hat fast ein ganzes Stadtviertel von Kolmar im Elsaß zerstört. Das Feuer war in der Nacht zwi⸗ schen 1 und 2 Uhr in einem Getraidespeicher ausgebrochen und in einer Gegend der Stadt, wo die Gebäude sehr dicht zusammenstehen und die Zugänge schwierig sind. Daher griff das verzehrende Ele⸗ ment sehr schnell um sich und war, da noch Wassermangel hinzukam, erst gegen 9 Uhr Morgens ganz zu bewältigen. Der Schaden wird auf mehr als 300,000 Fr. geschätzt.

Das Inkasso der französischen Bank im Januar 1846 belief sich auf 179 Millionen, in den Comtoiren auf 29 Millionen, was eine Gesammt⸗Summe von 208 Millionen macht. Im Dezember dessel⸗ ben Jahres betrug das Inkasso zu Paris nur 63 Millionen und in den Comtoiren 21 Millionen, zusammen also 84 Millionen. Bis jetzt hat sich diese Summe bis auf 160 Millionen vermehrt, jedenfalls ist sie aber noch bedeutend geringer als zu Anfang des vorigen Jahres.

Während 1846 wurden allein in Paris täglich durchschnittlich 394,600 Zeitungsnummern gedruckt, wovon 202,956 die Departe⸗ ments und das Ausland, 191,644 dagegen allein die Pariser bezogen. Auf kaum fünf pariser Einwohner kam also eine Zeitungsnummer. Im Jahre 1847 war die Zahl der Auflage noch stärker.

Die Subseription in Frankreich zu Gunsten der Kantone des Sonderbundes belief sich nach der letzten Zusammenstellung auf un⸗ gefähr 80,000 Fr. 11“

Der Moniteur bringt eine Königliche Verordnung, welche den Aussuhrzoll von Schiefer auf 1 Cent. pro Mille und von Hasen⸗ und Kaninchenfellen auf 25 Cent. pro 100 Kilogramm ermäßigt.

Vorgestern sind die Säle für das Publikum geöffnet worden, welche die in Chorsabad, in dessen Nähe man das alte Ninive vermuthet, gefundenen assyrischen Monumente, so wie die aus Algerien hierher geschickten Antiquitäten, enthalten. Die ägyptische Gallerie wird erst

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im Laufe des nächsten Jahres geöffnet werden können. IIII111“

*x Paris, 30. Dez. Das Ministerium hat bei der Präsiden⸗ tenwahl die erste Frucht der Festigkeit geärndtet, die es bei Beginn der Session gezeigt. Mit 227 Stimmen unter 363 wurde Herr Sauzet wi wählt. Die Opposition der Linken, des linken

welche seit sechs Mona⸗

rums, mit einigen Ausnahmen, und der änßersten Linken, nebst einigen Deputirten der Rechten, stimmten für Odilon Barrot, welcher es dessenungeachtet nur auf 105 Stimmen zu bringen vermochte. Llso 122 weniger hatte, als der siegreiche mintsterielle Kandidat. Die übrigen 31 Stimmen zerschlugen sich; aber man hat die Gemwißheit, daß keine Konservativen darunter waren. Diese 31 —— stoꝛnm⸗ ten von einer Anzahl . des linken Ceutrums ( ufaure, Monnier de la Sizeranne, Malgaigne, Lactosse, Gouin und anderen Gegnern der Resorm⸗Bankette), dann von Herru Ledru Rollin und einigen wenigen politischen Meinungsgenossen dieses ultrademokratischen Deputirten, welche Herrn Odilon Barrot als einem Anhänger der Dynastie ihre Stimmen zu geben sich weigerten; ferner von einer Anzahl gemäßigter Legitimisten, die mit der Linken noch weniger harmoniren mögen als mit dem Ministerium und der konservativen Parteiz endlich von Herrn Emil von Gi⸗ rardin, der seine Stimme Herrn Debelleyme gab. Sie zer⸗ fielen in folgender Weise: 13 erhielt Herr Dupin, 9 Herr Dufaure, 1 der General Oudinot, 1 Herr Ferdinand Barrot, 1 Herr Sau⸗ mac und 1 (die des Herrn Emil von Girardin) Herr Debelleyme. Fünf Stimmzettel waren ohne Bezeichnung eines Namens abgegeben. Die Namen der Herren Dupin und Dufaure, von deren Kandida⸗ tur so viel die Rede war, spielen jetzt in dieser Sache eine beinahe lächerliche Rolle, allerdings ohne Schuld und Zuthun dieser Männer selbst. Man muß die Oppositions⸗Deputirten im Konferenzsaale der Kammer beobachten, um ihren Ingrimm über die Entschlossenheit zu⸗ sehen, mit welcher das Ministerium und dessen Majorität ihnen in der Thronrede begegnet sind. Die Hindeutung auf die Wahl⸗ reform ⸗Bankette hat sie schwer getroffen, und Herr Guizot darf sich darauf gefaßt machen, einem Sturm von Angriffen und Schmähungen bei der Diskussion der Adresse ausgesetzt zu sein. Er erwartet es, ohne sich dadurch irre machen zu lassen. Er hat seinen Freunden die bestimmtesten Zusicherungen desfalls ge⸗ geben, und das Bündniß zwischen diesen und ihm ist in diesem Augenblicke in der That fester als je. Die konservativen Deputirten zeigen sich fast durchaus nicht im geringsten beunruhigt über die Agitation der Bankette und ihre bisherigen Resultate, ohne jedoch in Abrede zu stellen, daß ernstlichere Folgen daraus erwachsen könnten, wenn es gelänge, wirklich die Massen aufzuregen, die bis jetzt, aller Aufhetzungen ungeachtet, fast ganz theilnahmlos geblieben sind. Ob⸗ gleich nun seit einem halben Jahre wohl über funfzig dergleichen Zweckessen gehalten worden sind, zu denen man an allen Enden und Ecken zusammengetrommelt hat, so hat doch die Zahl sämmtlicher Theilnehmer an diesen Demonstrationen, bei denen ein großer Auf⸗ wand von Champagner und ein noch weit größerer an Declamationen gemacht wurde, noch so hoch angeschlagen, 25,000 nicht überstiegen. Wenn nun aber, in Uebereinstimmung mit den Konservativen, das Ministerium über diese Bankette eine so bestimmte Sprache in der Thron⸗Rede geführt hat, so geschah dies nur um Wahrung des Prin⸗ zips willen, um entschieden vor dem Lande zu zeigen, daß die großen Staatsgewalten es nicht als eine gleichgültige Sache betrachten kön⸗ nen, wenn man in einem monarchischen Staate in feierlichen politi⸗ schen Demonstrationen sich über die dem Königthum gebührende Ehr⸗ erbietung ungestraft hinwegsetzen und eine offen erklärte revolutionaire Rolle spielen zu können glaubt. Die Opposition gedenkt nun durch Heftigkeit zu ersetzen, was ihr an innerem Halt abgeht, und die äußerste Linke auf der einen, die legitimistische Partei auf der anderen Seite suchen aus der Aufgeregtheit, in welche die soge⸗ nannte dynastische Linke und besonders ihr Oberhaupt, Odilon Bar⸗ rot, durch die unverdeckte offizielle Rüge ihres Verhaltens versetzt worden sind, im eigenen Interesse auszubeuten. Schmeicheleien und

Warnungen,Alles wird von jenen beiden Parteien versucht, um Odi⸗

lon Barrot von der dynastischen Seite ab⸗ und ganz zu sich herüber⸗ zuziehen. So viel ist gewiß, daß die beginnende Session in mehr⸗ facher Beziehung eine höhere Bedeutung haben wird, als ihre Vor⸗ gängerinnen. 1G

Die Deputirten⸗Kammer versammelte sich heute um 1 Uhr wie⸗ der zu öffentlicher Sitzung, um die Wahlen ihrer Vice⸗Präsidenten und Secretaire vorzunehmen. Auch dabei handelte es sich um eine Kabinetsfrage, da das Ministerium aus der Nichtwiedererwählung des Herrn Leon von Malleville zum Vice⸗Präsidenten eine solche ge⸗ macht hatte. Die Opposition, in der sicheren Voraussicht, keinen Mann ihrer eigenen Farbe durchsetzen zu können, hatte zu der Taktik ihre Zuflucht nehmen zu können geglaubt, drei Kandidaten aus der konservativen Majorität selbst, nämlich die Herren Lacave⸗Laplagne, Debelleyme und Lanyer, denen, die das Ministerium ernannt wünschte, ent⸗ gegenzusetzen und, wenn dies gelänge, es auch mit Herrn Leon von Malle⸗ ville als vierten immerhin noch einmal zu versuchen. Jene drei kon⸗ servative Kandidaten der Opposition sind natürlich wider ihren Willen dazu ansersehen worden. Aber immerhin wurde durch diese Taktik der Opposition die Spannung auf das wirkliche Resultat nur erhöht, und von beiden sich bekämpfenden Seiten wurden daher wie gestern alle verfügbaren Kräfte und Mittel aufgeboten, um zum Ziele, das jede anstrebte, zu gelangen. Als der Alters⸗Präsident die Sitzung eröffnet hatte, wurde sogleich zur Abstimmung geschritten. Das Resultat des ersten Skrutiniums war folgendes: Zahl der Abstimmenden 355, absolute Majorität 178. Herr Bignon erhielt 217 Stimmen, Herr Lepelletier d'Aul⸗ nay 210, Marschall Bugeaud 206, Herr Franz Delessert 185, Herr Leon von Malleville 112, Herr Billault 110, Herr Georges von Lafayette 86. Da die vier Ersten die absolute Majorität erhal⸗ ten hatten, so verkündete der Präsident ihre Erwählung zu Vice⸗Präsidenten der Kammer. Somit war auch in dieser Beziehung die Niederlage der Opposition entschieden. Die Sitzung dauert noch fort, und man ist mit der Abstimmung über die Secretaire beschäftigt. Die Installa⸗ tion der Kammer⸗Beamten wird wahrscheinlich morgen statthaben, und am 3. Januar werden dann die Büreaus zu Ernennung der Mitglieder der Kommission sich versammeln, welche die Entwerfung der Antworts⸗Adresse auf die Thronrede zu übernehmen hat.

Großbritanen und Irland.

London, 29. Dez. Der französische Botschafter am hiesigen Hose, Herzog von Brogüie, welcher von seinem Posten wieder abge⸗ rufen ist, hatte gestern eine Einladung zur Königlichen Tafel nach Windsor erhalten. Es wird bemerkt, daß dies die erste Einladung sei, welche der Herzog seit seiner Anwesenheit in London von der Königin erhalten habe. 1

Gestern ging die vielfach bestrittene Bischofswahl des Dr. Hampden in Hereford vor sich. Es hatten sich in üblicher Weise unter dem Vorsitz des Dekans, Dr. Merewether, die Mitglieder des Kapitels in dem Kapitelhause der Kathedrale eingefunden und bildeten ein Kollegium von sechzehn Personen, nämlich vier kanonisirte Geistliche der Kathedrale, der Dekan und eilf Präbenda⸗ rien. Um die Zahl der Mitglieder des ganzen Kapitels vollständig zu machen, fehlten noch 22 Präbendarien, welche sich zu dieser Wahl nicht eingefunden hatten. Nachdem das Congé d'elire der Königin zugleich mit dem königlichen Schreiben vorgelesen waren, wodurch das Knpitel die Erlaubniß erhält, an die Stelle seines bisherigen zum Erzbischof von York ernannten Bischofs Dr. Musgrave einen anderen zu wählen, und worin demselben der Dr. Hampden als sol⸗

cher empfohlen wird, sprachen ein Kanonikus von Hereford, und der

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Dekan Dr. Merewether allein sich gegen den von der Königin empfohlenen Kandidaten aus, indem sie die Zustimmung zu dieser Wahl aus Gewissensgründen verweigern zu müssen glaubten, und zuerst die Rechtgläubigkeit des Dr. Hampden durch ein kompetentes Tribunal

festgestellt wissen wollten. Alle übrigen stimmten für Dr. Hampden, so daß

derselbe mit vierzehn gegen zwei Stimmen als unter den üblichen kaeeengens erwählter Bischof ausgerufen wurde. Es bleibt jetzt noch die

facher Weise, durch die Krone, durch den Erzbischof von Canterbury

und den gewählten Bischof selbst, in drei Certifikaten ausgefertigt

wird. Ob der Streit noch weiter geführt werden wird, wird von der

Bestätigung der Wahl durch den Erzbischof von Canterbury abhän⸗ gen. Daß übrigens der neue Bischof nicht so viel Gegner hat, als

einige Prälaten meinten, oder daß er wenigstens neben seinen Geg⸗

nern auch sehr viel Anhänger zählt, beweist eine am Tage vor seiner

Wahl ihm überreichte Adresse, die von 6 bis 700 Geistlichen und Laien unterzeichnet ist. In dieser Adresse heißt es unter Anderem: „Die öffentliche Darlegung Ihrer religiösen Ansichten, welche Sie beim Eintritt in Ihr Amt gaben, und die Predig⸗

ten, welche Sie als Regius Professor vor der Universität gehalten und nachher veröffentlicht haben, so wie Ihre übrigen

mtshandlungen, haben die Richtigkeit Ihrer theologischen Ansichten und Ihre hohen Ansprüche auf den Lehrstuhl einer Universität in unseren Augen vollkommen dargethan. Wir haben das vollste Ver trauen, daß Sie unter der schwereren Verantwortung des bischöfliche Amtes die echten Grundsätze der Kirche von England aufrecht erhal⸗ ten und alle Ihre Kraft anwenden werden, um die biblische Lehre in diesem Königreiche zu fördern.“ Dr. Hampden erwiederte unter An⸗ derem: „Ich bin weit entfernt, diese Adresse als eine blos persön⸗ liche Angelegenheit zu betrachten. Die Sache, an der Sie sich be⸗ theiligt haben, ist höher, als irgend etwas Persönliches. Ich muß vielmehr Ihnen Glück wünschen, Mylords und Gentlemen, daß Sie unsere echte protestantische Kirche deren Lehren und Grundsätze, wie sie uns durch unsere Reformatoren treu überliefert sind und von unseren musterhaften Gottesgelehrten erhalten werden, ich in meiner Stellung als Diener und Lehrer der Kirche mit allem Ernst fortzu⸗ pflaͤnzen und einzuprägen bemüht war so kräftig unterstützen.“

Mehrere Blätter, namentlich Times und Globe bringen die

Nachricht, die ihnen theils aus Wien, theils aus Paris gemeldet wird die österreichische Regierung habe zwei wesentlich gleichlautende Noten an die Höfe von Paris und London gerichtet, um sie zu beuachrichti gen, daß der Kaiser in Falge der Gährungen in den benachbarten Staaten beschlossen habe, seine Truppenmacht im lombardisch⸗venetiani schen Königreich (um 40,000 Mann) zu vermehrev.

Dom Miguel, der sich eine Zeit lang auf dem Lande aufgehal⸗ ten hat, um sich daselbst von einem heftigen Grippe⸗Anfall zu erho len, ist im vollkommenem Wohlsein wieder nach London zueückgekehrt.

Der Liverpool Albion will wissen, daß die Minister eine Verstärkung des stehenden Heeres um 800 Mann beantragen werden.

New⸗Yorker Berichte vom 4ten d. M., welche das Paket⸗ schiff „Mary Ann“ überbracht hat, fügen den letzten Nachrichten aus Mexiko hinzu, daß der Kongreß am 2. November Don J. M. Go⸗ doy zu seinem Präsidenten und Don J. M. Hernandez zu seinem Vice⸗Präsidenten ernannt habe. Die Uebersiedelung des Kongresses von Queretaro nach Morella wird durch diese Nachricht bestätigt.

Das Paketschiff „Crane“ ist mit Berichten aus Rio Janeir vom 13. November angekommen. Die am 8. November in Ri Janeiro eingetroffene Nachricht von der Handels⸗Krisis in England hatte eine momentane Geschäfts⸗Stockung zu Wege gebracht. Rivera war auf einer französischen Kriegs⸗Brigg in Rio Janeiro an⸗ gekommen. 8

Das Haus Job Wright u. Comp. in London hat am 28sten seine Zahlungen eingestellt. Es befitzt eine bedeutende Twist⸗Fabri in Rußland und ein Haus in St. Petersburg, das, sich aber, wie es heißt, halten wird. Der Betrag der Passiva ist nicht bekannt.

Das westindische Post⸗Dampfschiff „Trent“, welches St. Tho mas am 4. Dezember verlassen hat und gestern Morgen in Sou⸗ thampton angekommen ist, bringt keine Nachricht von politischem In-⸗ teresse. Die westindische Bank in Barbadoes hatte am 1. Dezember ihre Zahlungen eingestellt, man glaubte indeß, daß sie bald im Stand ein werde, sie wieder aufzunehmen.

Niederlande.

Amsterdam, 30. Dez. Durch Königlichen Beschluß vom 17ten d. ist der Handel und die Schifffahrt nach der Kolonie Suri⸗ nam für alle Nationen freigegeben, zu welchen die Niederlande in freundschaftlicher Beziehung stehen. Dieser Beschluß wird mit dem 1. Mai 1848 in Kraft treten. Nach den später zu veröffentlichen⸗ den Tarifen werden fremde Schiffe doppelt so viel an Aus⸗ und Ein⸗ gangs⸗Zöllen zu zahlen haben als die niederländischen.

Brüssel, 31. Dez. Auch noch die ganze vorgestrige Sitzung der Repräsentanten⸗Kammer wurde, gleich den beiden vorhergegange nen, mit der der allgemeinen Erörterung des Kriegs⸗Budgets hinge bracht. Zehn Redner nahmen das Wort, unter Anderen Herr Lejeune um die Aufmerksamkeit des Kriegs⸗Ministers auf die Vortheile zu lenken, welche dem Staate aus der Verwendung des Heeres für öffentliche Arbeiten erwachsen würden. Der Kriegs Mi⸗ nister erwiederte, diese Frage sei in allen Ländern noch ein Streitpunkt; er werde denselben sorgfältig prüfen. Die Erörterung aber, welche über diesen Gegenstand in der französischen Kammer bald statt⸗ finden werde, dürfte über dieselbe vielseitig Licht verbreiten. Gester endlich hat die Kammer dann das Kriegs⸗Budget mit 61 gegen. 10 Stimmen angenommen. In derselben Sitzung votirte sie noch einen Entwurf, wonach der 4te Artikel des Gesetzes über die Rechnungs legung prorogirt werden soll, und bewilligte einige provisorische Kre⸗ dite für die e i aggas 8 dha- äsüca- aüa2äa und der Justiz worauf sie sich bis zum 18. Januar vertagte.

88 8 hat in seiner vorgestrigen Sitzung das Budget des Innern einstimmig angenommen und gestern sich mit der allgemeiner Diskussion des Gesetz⸗Entwurfs über den Transit und des Budget der Mittel und Wege beschäftigt, die Erörterung der einzelnen Arti kel beider Gegenstände aber auf heute ausgesetzt. 1

Der Minister⸗Resident Toscana's bei den Höfen Frankreichs und Belgiens, Chevalier Peruzzi, 9 nach einer Abschieds⸗Audienz

im Könige wieder nach Paris zurückgereist. Fh den Pre eu ie heichwert sich über die Zoll⸗Verwaltung, welche plötzlich die Hanfstricke der schwarzwalder Uhren nicht transiti⸗ ren lassen will, indem sie behaupte, dieselben dürften nur in Partieen von 1000 Kilogramm durch Belgien passiren. s

Nach einem so eben vom Könige unterzeichneten Beschluß sollen die Sitzungen der Königlichen medizinischen Akademie auf deren Wunsch

infort öffentlich stattsinden. . . bünseg ag. deer Hibseien⸗ hat sich die Einnahme der belgischen

Staats⸗Eisenbahnen während des verflossenen Monats November auf

1,156,187 Fr. gegen 1,093,520 Fr. im entsprechenden Monate des vorigen Jahres belaufen. Die Gesamnit⸗Einnahme während der elf verflossenen Monate dieses Jahres belief sich auf 13,691,863 Fr. ge⸗ gen 12,654,376 Fr. im Jahre 1846. E8

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estätigung des neuen Bischofs übrig, welche in drei-

hat er sich deshalb sofort an den Papst gewendet. aber soll entschlossen sein, sich dadurch nicht aufhalten zu lassen, ja

Wie gemeldet, hat die antwerpener Rederykkamer „De Olyftak“ (Oelzweig) in ihrer öffentlichen Sitzung vom 4. Dezember drei ihrer Mitglieder, H. Conscience, J. A. Delaet und L. Vleeschhouwer, feier⸗ lich aus ihrer Mitte gestoßen, und zwar nach ee. Beschlusse. Da, so lange diese Gesellschaft, eine der ältesten zur örderung und Belebung niederdeutscher Sprache und Literatur, besteht, eine solche Ausschließung noch nicht stattgefunden hatte, so machte dieser Vorfall in ganz Flandern das größte Aufsehen und Ker zu den mannigfaltig⸗ sten Deutungen Anlaß. Der Vorstand der⸗ ederykkamer hat jetzt im Namen der Gesellschaft die Erklärung erlassen, man habe sich zu die⸗ sem einhelligen Schritte genöthigt gesehen, weil die ausgestoßenen Mitglieder das in Antwerpen. erscheinende Wochenblatt De Roskam herausgäben, das man in den gewöhnlichsten Kreisen des Bollee zu verbreiten suche, und in welchem alle als liberal bekannten Personen verdächtigt und verleumdet würden. 3

Cng Bakunin, welcher wegen seiner bei der Jahresfeier der pol⸗ nischen Revolution gehaltenen Rede aus Paris verwiesen worden, hält sich gegenwärtig in Brüssel auf, er hat sich in einer Petition an die französische Kammer gewandt, um durch deren Vermittelung seine

ückkehr nach Paris, wo er sich seit mehreren Jahren aufgehalten, n68 ,gs Städten des Landes gehen der Kammer Petitio⸗ nen zu, welche auf Verminderung der Staats⸗Ausgaben gerich⸗

tet sind. ; 11 b bene. van Heeke wird den 1. Januar mit seinem Luftballon eine

neue Fahrt versuchen. .* era8; -a72 z

Kanton Bern. General Dufour hat eine fernere Redustion

der noch im Felde stehenden eidgenössischen Truppen angeordnet; zu⸗

folge dieser werden Freitag den 31. Dezember, das 3te und 6te Ba⸗

taillon (Fueter und Hirsbrunner) nach ihrer Heimat entlassen werden.

Kanton Luzern. Der Regierungsrath Zünd, der nun (wie gestern gemeldet) nach Luzern zurückgekehrt ist, war Finanz⸗Präsident

und oberster Kriegs⸗Commissair des Sonderbundes. Seine jetzige Woh⸗ nung ist eine Zelle im ehemaligen Jesuitenkloster. Man glaubte ihn jenseits der Berge auf österreichischem Boden, während er in dem etwa zwei Stunden von Luzern entfernten Herrgottswald, einem bekannten Kurorte, verweilte. Er ist von Altstetten, im Kanton St. Gallen, gebürtig, kam als Knabe nach Luzern, wurde in einem Geschäftsbüreau zum Agenten herangebildet und war durch seine Sparsamkeit in den Verwaltungsgeschästen bekannt. Als in Folge eines Beschlusses des siebenörtigen Kriegsraths die eidgenössische Kasse für Bezahlung der Truppen angewiesen wurde, ging die Ex⸗ tradition der Gelder unter allen üblichen Formen vor sich, und man glaubt daher, Herr Zünd werde über jeden Kreuzer Rechenschaft ab⸗ legen können.

In der Gegend von Hochdorf, in der Gemeinde, wo Leu lebte, ist, der Nat. Ztg. zufolge, eine Ergebenheits⸗Adresse an den Kaäiser von Oesterreich unter den Bauern zur Unterschrift in Umlauf.

Die Schweizerische Kirchen⸗Zeitung hat zu erscheinen aufgehört.

Kanton Uri. Die Baseler Zeitung sagt: „Mit wel⸗ cher Unwissenheit französische Blätter oft von Schweizerdingen spre⸗ chen, ist bekannt. Mit denselben wetteifern manchmal auch die Blät⸗ ter der französischen Schweiz. So läßt sich die Gazette de Lau⸗ anne aus Uri schreiben, dieser Kanton sei bisher durch die Mitglie⸗ der von sieben Faämilien ausgebeutet worden, welche man „Sieben⸗ geschlechter“ nenne, und welche allein das Recht gehabt, die Verhand⸗ lungs⸗Gegenstände an der Landsgemeinde festzusetzen. Die Bestim⸗ mung des Landbuchs, welche der Korrespondent auf so lächerliche Art mißversteht, lautet so: „„Um einen Gegenstand von der Lands⸗ oder Bezirksgemeinde in Berathung zu nehmen, muß er vom Landrath an⸗ getragen oder aber von sieben oder mehr ehrlichen Männern aus so

iel verschiedenen Geschlechtern des Landes begehrt werden.““ Aus

dieser demokratischen Vorsorge gegen Ueberraschung durch Landleute 88 vu.“ Familien macht der Korrespondent ein oligarchisches Windei.

Am 28. Dezember ist in Altorf das Bataillou Ginsberg einge⸗ rückt. Dafür marschirte das Bataillon Vivis ab.

In der am 26. Dezember in Ursern abgehaltenen Bezirks⸗ Gemeinde wurden die nun für den Kanton Uri geltenden neuen Ver⸗ fassungs⸗Grundsätze auch für den Bezirk Ursern angenommen und sowohl in die Bezirks⸗ als Kantons⸗Behörden liberale Wahlen ge⸗ troffen; die Herren Franz Nager, Sebastian Müller und Karl Franz Nager wurden als Thalammann, Statthalter und Seckelmeister ein⸗ hellig bestätigt, Herr Müller auch als Landrath. Von den früheren Mitgliedern sind dreizehn nicht wieder gewählt. Im Bezirk Uri sollen dagegen die Wahlen in den Landrath im Ganzen konservativ ausgefallen sein.

Kanton Freiburg. Man versichert, die eidgenössische Re⸗ präsentanten dürften diesen Kanton bald verlassen.

Das Dorf Uebersdorf ist militairisch besetzt worden. Thätlich⸗ keiten, die im dortigen Wirthshaus und auf öffentlicher Straße gegen Berner verübt worden sein sollen, haben diese Maßregel veranlaßt und es ist eine Untersuchung eingeleitet.

(Basel. Z.) Ein Konflikt zwischen dem Bischof Marilley und der provisorischen Regierung sell im Anzuge sein. Dieser Mann, früher bekannt durch seinen Widerstand gegen die Regierung von Genf, welche ihn nicht als Stadtpfarrer anerkennen wollte und ihn aus ihrem Lande wies, schien bei Erledigung des bischöflichen Stuhls beiden Parteien, der jesuitischen und der gemäßigten, genehm zu sein, letztere erwartete von ihm mehr Nachgiebigkeit, als von dem anderen Kandidaten, Dekan Aeby. Je mehr sich die Verhältnisse entwickelten desto mehr schloß er sich jedoch der Regierungspartei an, und zuletzt predigte er bekanntlich ganz offen den Religionskrieg. Die revolutionaire Regierung ist nun gegen eine Anzahl Geistliche, angeblich wegen anhalten⸗ der Hetzereien und Wühlereien, eingeschritten, mit Entfernung von ihren Pfründen, Suspension und Verweisung Landesfremder. Dage⸗

gen opponirt der Bischof und verweigert die Bestätigung der getrof⸗

enen Maßnahmen, so wie die Bezeichnung von Pfarreiverwesern. Auch Die Regierung

die radikale Berner Zeitung spricht davon, „der Arm der Gerech⸗ tigkeit“ dürfte selbst an den Stuhl des Bischofs reichen. Von den Wahlen in Romont giebt der Constitutionne

Neuchatelois folgende Schilderungen: „Als die Glocke die stimm⸗

fähigen Bürger zu den Wahlen zusammenrief, begann man damit,

die hauptsächlichsten Konservativen zu Lerhaften, damit sie keinen An⸗

heil an den Wahlen nehmen könnten. Die Wahl sollte sodann durch offene Handmehrheit erfolgen; über 2000 Bürger waren an⸗ wesend. Für den ersten Kandidaten sprach sich eine ziemlich große Mehrheit aus, er wurde also als gesetzlich gewählt erklärt. Nicht so bei den folgenden „Wahlen. Für den zweiten und dritten erhoben sch kaum hundert Hände, dennoch wurden sie als gewählt ansgeru⸗ en. Ein starkes Murren ließ sich nun hören; ein Herr Menoud

erhob sich und e-n nach Vorschrift des eben verlesenen Regle⸗

ments Zählung der Stimmenden. Dies wurde verweigert, weil das

Mehr nicht zweifelhaft sei; Herr Menoud protestirte und wollte sich mit starkem Gefolge entfernen; da wurde er durch funfzig Bewaff⸗ nete ergriffen und abgeführt. Viele Wähler entfernten sich alsogleich, gegen die Ungesetzlichkeit der Wahl protestirend. Dieses beschleunigte nur die Operation; sieben andere Kandidaten wurden durch die Min⸗ derheit von 100 Stimmen gewählt.“ In den übrigen Bezirken soll es nicht anders hergegangen sein. Der Berichterstatter beruft sich auf das Zeugniß des waadtländischen Militairs selbst, welches dar⸗ über entrüstet gewesen.

Auch der Courrier Suisse, dem man vorher geschrieben hatte, die Wahlen seien in aller Ordnung vor sich gegangen, wider⸗ ruft dies jetzt selber.

(Frkf. Bl.) Der reformirte Gottesdienst wird nun in der Michaeliskirche der Jesuiten gehalten. Bisher fand er im Freien auf dem Frauenplatze statt; allein die Kälte nöthigte endlich zu dem Ansuchen, der Bischof möchte für den reformirten Militair⸗Gottes⸗ dienst eine geräumige Kirche öffnen, worauf die Jesuitenkirche einge⸗ räumt wurde. 8

Kanton Schaffhausen. In der Großraths⸗Sitzung am 21. Dezember wurde der Justiz⸗Bericht berathen. Die begutachtende Kommission hält dafür, daß die Bestrofung des Ehebruchs nicht mehr blos von der Klage des gekränkten Ehegatten abhängig gemacht, son⸗ dern von Staats wegen als ein gegen ein staatliches Institut gerich⸗ tetes Vergehen bestraft werden sollte. Da gerade ein neues Matri⸗ monialgesetz in Berathung liegt, so werden die Bemerkungen der

dasselbe berathenden Behörde überwiesen. In der Sitzung vom 22sten

kam eine Petition der israelitischen Bürger aus mehreren angränzen⸗ den badischen Gemeinden zur Berathung, welche auf Aufhebung oder Modification der Beschränkungen des Gesetzes über den Han⸗ dels ⸗Verkehr mit den Juden gerichtet war. Zu Gun⸗ sten derselben sprachen Verhörrichter von Ziegler, Fiskal Ammann und Regierungs⸗Rath Wintz, für Ueberweisung der Peti⸗ tion an den Kleinen Rath Appellations⸗Rath Russenberger, ganz da⸗ gegen aber Regierungs⸗Rath Gysel, Archivar Nofsmann Stadtraths⸗ Präsident Hurter und Kantons⸗Rath Müller von Gennersbrunn. Letzterer wollte nur dann von der Aufhebung des Judengesetzes et⸗ was wissen, „wenn die Juden den Beweis geleistet haben würden, daß sie sich seit Erlaß desselben gebessert hätten.’’ Der Große Rath schritt mit entschiedener Mehrheit über die Petition zur Tagesord⸗ nung. Eine Petition einzelner Schuhmacher, welche um Schutz ge⸗ gen Konkurrenz von außen her nachsucht, wurde vorzüglich deshalb, weil Maßregeln zur Abhülfe des auf dem ganzen Gewerbestande haf⸗ tenden Druckes nicht wohl vereinzelt v. werden können, über⸗ dies noch die Resultate der bereits gebildeten Zoll⸗Konferenz zu ge⸗ wärtigen stehen, durch Tagesordnung beseitigt.

Kanton St. Gallen. Den am 27. Dezember versammel⸗ ten Großen Rath eröffnete Präsident Hoffmann. Gleich nach Eröff⸗ nung der Sitzung wurden die Petitions⸗Kommission und die Budget⸗ Kommission bestellt und Regierungsrath Näff für die nächste halb⸗ jährige Amtsdauer zum Landammann erwählt.

Kanton Wallis. (Frkf. Bl.) Die bisher bekannten neuen Wahlen des Zehnten Siders sind folgendermaßen ausgefallen: In Siders, wo Herr Adrian von Courten das erstemal gewählt wurde, wurde dieser im Wahlkreis Gradetsch wieder von einem Bürger vor⸗ geschlagen, aber die Versammlung protestirte, und auf die Frage des Repräsentanten, ob der Vorschlag unterstützt werde, herrschte Schwei⸗ gen. In den beiden Kreisen wurden gewählt: Alt⸗Staatsrath Bri⸗ guet, Advokat Rey, Mitglied der provisorischen Regierung, Hauptmann Guilloz und Hauptmann Theitaz, sämmtlich Liberale, und Herr Elias von Courten, zweifelhaft. Die beiden Vertreter von Anniviez sind noch nicht bekannt. Der neue Große Rath zählt jetzt 18 bis 20 Konserva⸗ tive, 15 bis 20 Liberale und 35 bis 40 Radikale. Zu seinem Prä⸗ 1 hat er am 27. Dezember den Advokaten Peter Torrent ge⸗ wählt.

Die provisorische Regierung hat neuerdings folgende Beschlüsse gefaßt: 1) Beschluß in Bezug auf den Central⸗Gerichtshof, der da⸗ hin lautet: „Art. 1. Die Akte des Central⸗Gerichtshofes sind null und nichtig erklärt. Art. 2. Die Bürger, die gerichtliche Functionen als Mitglieder und Suppleanten dieses Gerichtshofes oder als öffentliche Anwälte bekleideten, sind verpflichtet, der Staatskasse den Werth dessen zurückzuerstatten, was sie unter dem Titel von Diäten, Emolumenten oder Entschädigungen empfangen haben, mit Vorbehalt des Rück⸗ griffs gegen diejenigen, die von Rechts wegen dafür haften.“ 2) Beschluß, der das Offizier⸗Corps der beiden eidgenössischen Kon⸗ tingente auflöst, „um dasselbe auf einem besseren Fuß wiederher⸗ zustellen.“ 3) Beschluß, der den flüchtigen Mönchen vom St. Bernhardt anbefiehlt, sofort ins Kloster zurückzukehren und innerhalb acht Tagen Alles wieder an Ort und Stelle zu brin⸗ gen, „was zum Nachtheil des Hospizes und des Staates fort⸗ geführt worden, und 4) Dekret, das den Mitgliedern der Welt⸗ geistlichkeit, „deren Benehmen zu dem Widerstand gegen die Beschlüsse der Tagsatzung beigetragen“, eine Steuer von 50,000 Fr. anferlegt. Die provisorische Regierung hat sich auch mit der Organisation des Unterrichts beschäftigt. Die Herren Abbé Claörts und Staatsschrei⸗ ber de Bons sind zu dem Behufe mit Vorlegung eines Entwurfes beauftragt.

Adrian von Courten ist wieder auf freiem Fuß.

Die eidgenössischen Repräsentanten des Kanton Wallis beantra⸗ gen beim Vorort Reduction der etwa 4500 Mann zählenden Occu⸗ pations⸗Truppen.

1 Italien.

NRom, 20. Dez. (A. Z.) Dem neuen Kriegspräsidenten Mons. Rusconi ist eine von 200 Linien⸗Offizieren unterschriebene Pe⸗ tition übergeben worden, worin derselbe gebeten wird, eine lange Reihe von Uebelständen, unter denen das hiesige Militair zu leiden hat, in reifliche Ueberlegung zu nehmen. Der genannte Prälat hat verspro⸗ chen, sich um die Verbesserung der päpstlichen Miliz in jeder ihm möglichen Weise zu bemühen.

Der Contemporaneo führt unter den wöchentlich verzeichne⸗ ten Ereignissen auf, daß der Pater Ventura vergangenen Donnerstag sich zu Sr. Heiligkeit zur Audienz verfügt habe. So groß ist die Wichtigkeit, die man hier jeder Berührung dieses angesehenen und gefeierten Geistlichen mit Pius IX. beilegt. Er ist offenbar der⸗ jenige Volksführer, auf welchen alle Augen gerichtet sind. Man be⸗ mißt ängstlich von Woche zu Woche den Grad des Vertrauens, des⸗ sen er beim Papst genießt. Obwohl dasselbe schon seit einiger Zeit als in Abnahme befindlich angegeben wurde, so scheint der geistvolle und beredte Priester doch allzeit eine Frage frei zu haben an das Schicksal. Er hatte mgesagt gehabt, in St. Peter zu predigen, spä⸗ ter aber soll er es wieder aufgegeben haben. Ueberzroßer Geschäfts⸗ drang kann wohl allein die Ursache davon sein. Er beschäftigt sich alles Ernstes mit politischen Verhältnissen und scheint namentlich über die Stellung der Geistlichkeit zur Fortihrittsbemevung sich selbst recht klar machen zu wollen. In dieser Beziehung auch bildet er den streng⸗ sten Gegensatz zu Pater Roothan, der da standhaft behauptet, mit Politik habe sich kein Jesuit befaßt.

Endlich taucht auch wieder einmal ein Gerücht über den „großen

Prozeß“ auf. Derselbe soll nun wirklich einer baldigen Entscheidung nahe sein. Im Volke hatte man sich zwar seit langer Zeit darin gefunden, daß man nie wieder davon hören werde. Die Arbeiten sind indessen unausgesetzt fortbetrieben worden, und es wird immer⸗

hin von Wichtigkeit sein, zu erfahren, auf welche Weise und um wel⸗ chen Kern herum sich diese Verdachtlawine gebildet hat. 5

RMom, 23. Dez. (A. Z.) Die päpstliche Allocution

17ten ist gestern im Druck erschienen und beschäftigt sich zuerst mit den spanischen Verhältnissen, deren glückliche Regulirung mit Hülfe des bei dieser Gelegenheit glänzend belobten apostolischen Nuntius dem Papst gelungen ist. Ferner geht sie auf Rußland über, ohne es jedoch beim Namen zu nennen, wobei indeß bemerkt wird, daß bis

jetzt durchaus kein Resultat auf dem Wege der gepflogenen Unter⸗

handlungen erzielt worden sei. Die Journale (quidam ephemeri- dum scriptores) hätten zwar das Gegentheil berichtet, er, der Papst, könne indeß bis dahin durchaus nichts melden, als daß er von der festen Hoffnung getragen werde, daß der liebe Gott gnädig auf die Kinder der Kirche herabschauen möge. Gegen einen französtschen Bi⸗ schof, welcher an Pius IX. das Ansinnen gestellt hatte, er möge die Freiheiten der gallikanischen Kirche approbiren, wird sich aufs entschie⸗ denste verwahrt. Dann folgt eine fulminante Stelle gegen die Ver⸗ künder falscher Toleranz (indifferentia), denen man auch Pius IX. habe beizählen wollen. Diejenigen, welche aus der Amnestie so et⸗

was hätten folgern wollen, seien in starrem Irrthum befangen. Wwer selig werden wolle, möge zur Säule und Grundfeste der Wahrheit, Endlich folgen laute Klagen über die Demon⸗-⸗

der Kirche, kommen. stration zu Gunsten der Einnahme Luzerns vom 3. Dezember. Der

Bürgerkrieg sei fürchterlich und werde von dem Papst aus tiefstem 8

Herzen beklagt, schon darum, weil er dem Katholizismus Schaden

gebracht habe und ihn mit noch größerem bedrohe, und wegen der

mancherlei Entheiligungen, die zu erwähnen die Seele sich sträube.

Zu Dank verflichte dagegen der glückliche Gang der Missionen. Zum Schluß werden alle Patriarchen, Erzbischöfe und Bischöfe zur Ein⸗ 8

tracht ermahnt.“ Aus Ferrara vom 23. Dezember schreibt die Gazzetta di

Bologna: „Diesen Morgen um 8 Uhr haben die Oesterreicher den

päpstlichen Truppen die Wachtposten der Stadt übergeben. Der Corriere Livornese versichert, wie es scheint mit Recht, die ge⸗ schlossene Uebereinkunft wahre Oesterreich das Recht, die Stadt, so

wie es die Umstände erheischten, abermals in ihrem ganzen Umfang

zu besetzen, wie es das Wort place mit sich bringe. Die Rückkehr des Kardinals Ciacchi war in Ferrara mit einer Beleuchtung der 8 Stadt gefeiert worden. .

Seuhien

Krisis überstanden. 9

Der Finanz⸗Minister Orlando, ein zwar höchst unwissender, aber dem General Narvaez blindlings ergebener Mann, hat den Anforde⸗ rungen der Königin Christine, der es daran liegt, den Einfluß des Minister⸗Präsidenten immer mehr zu schwächen, nachgeben und unter dem Vorwande erschütterter Gesundheit seine Entlassung einreichen müssen. Der bisherige Marine⸗Minister, Herr Bertran de Lis, ein

Mann, der nie im Finanzfache angestellt war, ist zum Nachfolger des

Herrn Orlando bestimmt, und an die Stelle des Herrn Bertran de Lis wird der Deputirte Roca de Togores, der unter dem Ministerium

Sotomayor an der Spitze des Unterrichtswesens, der Staatsbanten

u. s. w. stand und zu den kräftigsten Stützen der moderirten Partei gehört, als Marine⸗Minister treten.

Diese Umgestaltung des Ministeriums genügt indessen den Wün⸗ schen der ultra⸗moderirten Partei noch keinesweges. Es handelt sich vielmehr darum, auch den alten General Figueras, der im Jahre 1843 Sevilla gegen Espartero vertheidigte, als Kriegs⸗Minister in das Kabinet einzuschieben und dem Herzoge von Valencia den leeren Präsidenten⸗Titel ohne Portefeuille auf so lange zu lassen, bis der Zeitpunkt seiner völligen Verdrängung durch die Herren Mon, Pidal und Baron Meer erschienen sein wird.

Der Heraldo, das Organ des Ministeriums, enthält heute folgende, meine früheren Angaben bestätigende Mittheilung: „Am 19ten ging der General⸗Capitain von Granada (Serrano) nach Ma laga ab, begleitet von einer Schwadron Kavallerie, dem Chef der Ingenieure und dem Generalstabe. Wie es scheint, werden in Ma⸗ laga die Truppen zu ihm stoßen, die zu einer Expedition organisirt und in zwei in der Bucht von Malaga bereit liegenden Dampfschiffen nach Melilla geführt werden sollen. Der Zweck dieser Expedition ist die Besetzung und Befestigung der Chafarinas⸗Inseln, die der Kaiser von Marokko, die uns 88. sie zustehenden Rechte verkennend oder ver⸗ gessend, an Frankreich abgetreten hat. Einige Personen setzen sogar voraus, sie würden bereits im Besitze der Franzosen sein, wenn unsere Expedition dort eintrifft.“

Herr Lopez de Cordova, der in den letzten 18 Jahren spanischer Geschäftsträger und bevollmächtigter Minister bei der hohen Pforte war, ist von Konstantinopel hier eingetroffen.

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SESriechenland.I

Athen, 19. Dez. (A. Z.) Die griechische 1e drungen von der Ueberzeugung, daß sie sich für den unter den bekann⸗ ten Maßregeln der Pforte leidenden Theil ihrer Unterthanen zu einem Opfer entschließen dürfe und müsse, hat endlich mit dem unterm 14ten d. nach Syra abgegangenen Dampfboote dem Diwan sich bereit er⸗ klärt, die in der früheren Notification desselben verlangte Erklärung zu geben, im Fall auch die Pforte von den bereits in Ausführung gebrachten und angedrohten Maßregeln abstehen wolle. Es kann die⸗ ser Schritt der griechischen Regierung nur zur Ehre gereichen, da sie nicht länger zanderte, in Besorgniß für das Wohl der Ihrigen, der Uebermacht gegenüber, die Hand zur Versöhnung zu bieten, auch auf die Gefahr hin, der Opposition im Lande und den äußeren erklärten, oder noch im Dunkeln schaffenden Feinden neuen Stoff zu Angriffen zu bieten.

Triest, 26. Dez. (A. Z.) Das heute eingetroffene Dampf⸗ boot brachte Briefe aus Patras bis zum 2lsten d. M. Die Ruhe ist dort völlig hergestellt und wurde seit den letzten Briefen nicht unterbrochen. 8 1

Zürhei. S“

Konstantinopel, 15. Dez. (A. Z.) Am 13ten d. brach⸗ ten die Großwürdenträger dem Sultan wegen des am gten d. ein⸗ getretenen türkischen Neujahrs (1264) ihre Huldigungen und Glück⸗ wünsche in seiner kürzlich bezogenen Winter⸗Residenz, Tschiragan Serai, dar.

Die jüngst geborene Tochter des Sultans, Prinzessin Nasimeh, ist dieser Tage mit Tode abgegangen.

Die Thätigkeit der türkischen Polizei ist aufs äußerste in An⸗ spruch genommen, durch die Nachforschungen, die ein am 10ten d. M. an den Nebengebäuden der Moschee Scheh⸗Sadeh aufgefundener Leichnahm eines Muselmanns veranlaßt, der, in Stücke zerschnitten

in einen Sack eingenäht, von den bis jetzt noch unentdeckten Thätern

dort ausgesetzt worden.

. 2 7 7 ie 2 4 Madrid, 24. Dez. Abermals haben wir eine ministerielle

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