1848 / 23 p. 7 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

vepaen zu empfangen vergönnt ist: den Bund der Ordnung und der Freiheit.“

Wie man sieht, hat sich die Deputirten⸗Kommission die Adresse

er Pairs⸗Kammer zum Vorbild genommen. Nichts von alle dem, was die dissidirenden Mitglieder vorgeschlagen hatten, ist in dem Ent⸗ wurf aufgenommen worden. Nachdem derselbe vorgelesen war, ergriff Odilon Barrot das Wort. Er ersuchte das Ministerium, es möge einen Tag bestimmen, an welchem es ihm beliebe, Aufklärungen zu geben über die vorgegangenen Unterschleifen durch Verkauf und Kauf von öffentlichen Aemtern und Plätzen. Er sprach dabei die Hoffnung aus, daß diese Aufklärungen bestimmter und vollständiger sein würden, als die, welche das Ministerium in der Pairs⸗Kammer gegeben. Herr Guizot antwortete, er sei jeden Augenblick zu den Befehlen der Kammer, worauf die Kammer beschloß, daß diese Interpellationen in der Sitzung am nächsten Donnerstag stattfinden sollten. Es ist daher wahrscheinlich, daß die allgemeine Diskussion der Adresse nicht vor Freitag wird beginnen können. b

Ein Verlangen um Ermächtigung zu einer gerichtlichen Verfol⸗ gung gegen Herrn von Larochejacquelin ist an die Deputirten⸗Kam⸗ mer gerichtet worden. Es betrifft eine Sache, die bereits vor dem Zuchtpolizeigerichte von Paris verhandelt worden ist. Herr von La⸗ rochejacquelin hat selbst dringend die Kammer ersucht, sie möge die⸗ sem Gesuche willfahren. Demzafolge wurde dieses Verlangen an die Büreaus zur Prüfung verwiesen. Eben so verlangt Herr Richond des Brus selbst die Prüfung seiner Wahl, welche angefochten wor⸗ den. Die Diskussion darüber wurde auf den Donnerstag angesetzt.

Sieben Büreaus der Kammer haben heute ihre Commissaire zur Prüfung des Budgets für 1849 ernannt. Nur zwei der vorge⸗ nommenen Wahlen gehören der Opposition an. Im zweiten Büreau beantragte Herr Benoit die Reduction der Sprozentigen Rente. Er erblickt darin das einzige Mittel, das Budget zu vermindern und dem gefährlichen Mißbrauch vorzubeugen, immer aus den Reserven der Schuldentilgungs⸗Kasse zu schöpfen.

In der nächsten öffentlichen Sitzung der Deputirten⸗Kammer wird Herr von Liadieres, Berichterstatter über das Gesetz, den Se⸗ kundär⸗Unterricht betreffend, die Wiederaufnahme dieses Gesetzes ver⸗ langen.

Die Pairs⸗Kammer begann heute die Verhandlung des F1.““ ihrer Adresse, welcher die Verhältnisse am La Plata betrifft.

Graf Pelet (de la Lozere): Schon seit 10 Jahren spreche man in der Thronrede immer vom La Plata, und immer stehe man im Grunde auf demselben Punkt. Frankreich unterhalte dort viele Seeleute, gebe große Summen aus, um nichts zu erlangen; 1840 fühlte man die Nothwendig⸗ keit, einmal zu einem Ende zu kommen. Admiral Mackau wurde dahin ge⸗ schickt und schloß einen Vertrag, der noch besteht, der aber dem Streithandel auch kein Ziel setzte. Nach diesem Vertrage sollte eine Schad⸗ loshaltung an Frankreich gezahlt, dasselbe gleich den begünstigtsten Nationen behandelt werden. Wie es komme, daß man, nachdem man damals aus einer unentwirrbar scheinenden Lage herausgekommen, 1845 im Einklang mit England abermals in dieselbe gerathen sei? Durch den Bürgerkrieg sei der Vertrag nicht verletzt worden. Was wolle man mit der neuen Blo⸗ kade? Man wolle keine Intervention, und doch sei eine neue Verwickelung eingetreten. Die englische Regierung habe die Blokade aufgehoben, die sranzösische halte sie aufrecht. Wo die Gerechtigkeit in diesem Kriege sei? Was verlange man, und wann werde der Krieg sein Ende nehmen? Er wünsche Aufflärungen, die dem Paragraphen einen Sinn gäben. Herr Guizot wünschte eben so sehr, als der Redner vor ihm, daß dieser Para⸗ graph einmal aus der Adresse verschwinde; wenn aber die beiden Mächte wieder zu gemeinschaftlichem Handeln sich verständigt, sei dazu kein geeigne⸗ ter Zeit punkt. Uebrigens hoffe er baldige Lösung der Frage. Marquis von Boissy findet, was Graf Pelet gesagt, sehr beachtenswerth, noch mehr aber die Antwort des Ministers, die keine sei. Nicht so dürfen die Ge⸗ schäfte geführt werden. Man sage, das gemeinschaftliche Handeln sei her⸗ gestellt, aber auf wessen Kosten? Habe die Würde des einen Theils dar⸗

unter nicht zu leiden? Der Redner fürchtet, Frankreich möchte im Gefolge Englands zurückweichen. Herr Guizot: Er werde, da der Augenblick dazu nicht geeignet sei, dem Herrn von Boissy so wenig antworten, als dem Grafen Pelet. Hierauf wird §. 8 angenommen. Den §. 9 tadelt Marquis von Boisso wegen der Zustimmung und der Rathschläge, die derselbe gebe. Er habe sich schon gegen die Ernennung eines rinzen von Geblüt zum General⸗Gouverneur in Afrika ausgesprochen. ie Frage sei zarter Natur, und nur mit Widerstreben spreche er sich darüber aus. Er beklagt, daß wichtige Kommandos den Prinzen anvertraut würden, weil sie durch ihre Handlungen der Kritik ausgesetzt seien. Was er früher gesagt, werde jetzt zur Thatsache. Oft errege er hier Murren, aber sechs Monate nachher rechtfertigten ihn stets die Ereignisse. Es sei ein großer Uebelstand, eine Autorität in nicht verantwortliche Hände zu legen. Der Redner spielt hier auch auf die Gefahr an, die es habe, daß die Regentschaft künftig einem Prinzen, statt einer Prinzessin überlassen werden solle, denn es sei zu fürch⸗ ten, die Armee, einem guten Motiv weichend, könnte sich gegen die legitime Autorität fortreißen lassen. General Fabvier: „Lassen Sie die Armee aus des Spiel.“ General Gourgaud: „Der König allein kann Befehle geben.“ Marquis von Boissy: Die vorgekommenen Thatsachen zeigen die Ge⸗ fahr, die damit verbunden, wenn man die Gewalt allzu mächtigen und nicht ver⸗ antwortlichen Männern anvertraue. Der General⸗Gouverneur von Algerien, Her⸗ zog von Aumale, habe in einem Tagesbefehl schon im voraus darüber abgeurtheilt. was die Regierung (in Betreff Abd el Kader's) thun müsse. Ob diese ein unkluges Versprechen ratifiziren wolle? Die Ratification wäre eine Verletzung der Landes⸗Interessen, durch welche man sich einem neuen unseligen Kriege aus⸗ setzen wurde. Ratifizire man aber nicht, so verletze man das vom Sohne des Königs gegebene Wort. Die Regierung habe also den Fehler began⸗ gen, einen Sohn des Königs dahin zu schicken, wo so viele Andere geschei⸗ kert seien. Der Conseils⸗Präsident erklärt, der Herzog von Aumale sei so gut verantwortlich als irgendwer. Die Regierung behalte ihre volle Freiheit demselben gegenüber. Sie werde die Mittel finden, die gegebenen Versprechungen mit Wahrung der Interessen Frankreichs zu erfüllen. Der §. 9 wurde schließlich angenommen. 2

Großbritanien und Irland. 8—

Die eingegangenen Berichte der überlebenden Mannschaft des untergegangenen „Avenger“ enthalten Näheres über den Hergang des Schiffbruchs. Das Schiff stieß, Allen unerwartet, am 20. Des⸗ zember 10 Uhr Abends auf das Sorelli⸗Riff. Der Schornstein und Fockmast brachen sogleich ab und stürzten in die See, Capitain Napier und der Master, die auf den Räderkasten gesprungen waren, wurden in die See geschleudert und ertranken; 8 alle Böte waren durch den Stoß zertrümmert, die Mannschaft schien von dem Unfall ganz betäubt und beinahe hülflos zu sein, und als Lieutenant Rooke, der mit sieben Gefährten in den Kutter gesprungen und durch die Wellen von dem Schiffe abgetrieben worden war, nach Verlauf einer Stunde sich nach dem Schiffe umsah, konnte er in der völlig mondhellen Nacht keine Spur mehr desselben entdecken, so daß anzunehmen ist, das Schiff sei so schwer beschädigt worden, daß es alsbald versinken mußte. Die See ist in der Nähe des Riffes 80 Faden tief, und es erklärt sich daraus der Umstand, daß man so wenig Spuren des Wrackes hat entdecken können.

In Liverpool soll (nach einem von dem Globe mitgetheilten Gerüchte) ein bedeutendes Haus im Kolonial⸗Geschäfte seine Zahlun⸗ gen eingestellt haben.

Die „Hibernia“ ist noch nicht angekommen. Man macht jedoch bemerklich, daß sie, von New⸗York kommend, Halifax anzulaufen hat und daher wohl ein paar Tage länger unterweges sein dürfte.

Die „Montrose“ bringt Nachrichten aus Lissabon vom 9. Ja⸗ nuar. Die Cortes waren noch nicht in beschlußfähiger Mitglieder⸗ zahl versammelt, und die Geschäfte hatten daher noch nicht begonnen.

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Die Regierung soll die Absicht haben, eine Zwangsanleihe zu bean⸗ tragen. Costa Cabral war zum Gesandten in Paris, der Herzog von Terceira zum Gesandten in Wien und der Graf von Villa Real

(an die Stelle des Baron von Moncorvo) zum Gesandten in London ernannt worden.

Schweiz.

Keanton Bern. Die bereits auf dem Heimmarsche aus dem Kanton Luzern begriffenen berner Bataillone haben plötzlich Gegen⸗ befehl erhalten und sollen bis auf Weiteres noch dort bleiben. Man traue dem dortigen Zustande nicht, heißt es, und es seien Anzeichen vorhanden, welche auf eine reactionaire Bewegung deuteten, deren Ausbruch nur auf die Entfernung der eidgenössischen Truppen aus dem Kanton warte. Man bringt hiermit die unerwartete Anwesen⸗ heit eines der eidgenössischen Repräsentanten in Luzern, Herrn Bollier, in Verbindung, nach dessen Ankunst in Bern der Vorort und später die Tagsatzungs⸗Kommission Sitzung hielt, worauf der Ober⸗General Dufour jene Contre⸗Ordre ertheilte.

Der Große Rath von Bern hat das Gesetz über die Reorgani⸗ sation der Hochschule am 15. Januar beendigt und die Nichtlebens⸗ länglichkeit der Anstellung der Professoren beschlossen. „Viele ge⸗ wichtige Stimmen“, sagt ein Bericht der O. P. A. Ztg., „lassen sich gegen diese Maßregel hören, welche darin einen Todesstoß für die Universität sehen wollen, wogegen die Befugniß, welche man der Regierung einräumt, Anstellung tüchtiger Männer von sich aus bis zu 15 Jahren und mit Einwilligung des Großen Rathes auf längere Dauer zu beschließen, kein genügender Ersatz sei.“ Der Grundsatz der Pensionirung ist ausgesprochen.

(Eidg. Ztg.) In dem Entwurf über Reorganisation der Hochschule (Referent Erziehungs⸗Direktor Schneider) wird eine Stu⸗ dien⸗Kommission aufgestellt, die zwischen die Erziehungs⸗Direktoren und den Senat zu stehen kömmt; dem Senat wird größere Einwir⸗ kung auf die ganze Hochschule eingeräumt; die Oeffentlichkeit der Se⸗ natssitzung wird ausgesprochen; an die Stelle der bisherigen vier Fakultäten tritt noch eine fünfte, die polytechnische; der Unterschied zwischen ordentlichen und außerordentlichen Professoren wird aufgeho⸗ ben. Bei den Verhandlungen darüber im Großen Rath wurde §. 8, wonach der Staat für die Ausstattung der Hochschule zu sorgen hat, auf den Antrag Stämpfli's (bekämpft von Tillier und von Erlach) an den Regierungsrath zur Untersuchung der Frage, ob nicht auch der Ort (Stadt Bern), wo die Hochschule sei, etwas zu leisten habe, zurückgewiesen. §. 24, der zu den vier gewöhnlichen Fakultäten noch eine polytechnische aufstellt, um ein Zeitbedürfniß zu befriedigen, ver⸗ anlaßte eine längere Diskussion und wurde besonders vom Regie⸗ rungsrath Stockmar, der Schulen für das Leben und statt der alten Sprachen auch die neuen anerkannt wissen will, vertheidigt und end⸗ lich angenommen. Bei §. 30, der lebenslängliche Anstellung der Pro⸗ fessoren beibehält, wurde, um keine Ausnahme gegen die Verfassung zu haben, periodische Wiederwahl, und zwar in folgender Weise er⸗ kannt: es solle eine sechsjährige Bestätigung stattfinden, jedoch dem Regierungsrathe überlassen sein, in gegebenen Fällen bei Anstellung diese Frist zu verlängern.

Die Berner Zeitung vom 14. Januar berichtet: „Herr Alt⸗

Schultheiß von Tavel giebt heute Abend einigen Tagsatzungsgesand⸗ ten und anderen Hochgestellten ein Souper, dessen Preis, wie man sagt, die schweizerische Geschäftsträgerstelle in Paris sein soll.“

Appenzell J. Rh. hat nach der Anzeige des Vororts an seine Buße von 15,000 Fr. für den Invalidenfonds eine Schuldschrift von 4000 Gulden als Abbezahlung abgetreten.

Die Reclamation eines Savoyarden gegen die Plünderung der Effekten seines Sohnes, eines Zöglings des Jesuitenpensionats, soll lithographirt den Gesandtschaften mitgetheilt werden, um sie in einer späteren Sitzung der Tagsatzung zu behandeln, so wie auch ein Antrag des Kriegsrathes, die Kantone Graubündten, Tessin und Appenzell J. Rh. zu besserer Instandstellung ihres Kontingents auf⸗ zufordern.

Kanton Luzern. (O. P. A. Z.) Der Große Rath ist seit dem 10. Januar versammelt. Sein Hauptgeschäft ist die Revi⸗ sion der Staatsverfassung. Bis heute (16. Jan.) ist die Berathung zu §. 56 vorgeschritten. Ein Antrag des Herrn Schultheiß J. Kopp, den §. 35 der alten Verfassung, welcher dem Volke das Recht des Veto gegen Gesetze, Bündnisse, Verträge oder Konkordate, so wie gegen Einführung neuer Corporationen, zugesteht, in die neue Ver⸗ fassung aufzunehmen, wurde (wie schon erwähnt) verworfen. Dagegen wurde aber auch der Vorschlag der Kommission wegen Einführung von zehn indirekten Wahlen in den Großen Rath beseitigt. Ueber⸗ haupt scheint der Vorschlag der Kommission kein gelungenes Werk zu sein; keine Partei ist recht damit zufrieden, und es ist sehr zu be⸗ zweifeln, ob es der Große Rath in einer artikelweisen Berathung dahin bringen wird, dem Entwurf eine „Form“ zu geben, in der er vor das Volk treten darf. Man sieht es den Rathsherren an, daß sie selbst nicht an die Annahme der neuen Verfassung glauben. Am

Ende wird wohl nach der alten Verfassung regiert werden müssen.

Nebst den Verfassungs⸗Arbeiten wurde der Regierung ein Kredit von einer Million Franken eröffnet. Da sich eine solche Baarschaft in Luzern nicht vorfindet, so bezieht sich diese Kredit⸗Ertheilung auf Kon⸗ trahirung eines Anlehens. Die Regierung hat aber binnen 6 Wo⸗ chen Bericht über den Finanzzustand des Kantons und Anträge be⸗ züglich Deckung des Defizits zu bringen. Interessanten Stoff zu Berathungen liefern die Anträge und Eingaben an den Großen Rath, welche die Unterdrückung und Verfolgung der politischen Gegner ver⸗ langen. Wollte der Große Rath diesen Forderungen Gehör schen⸗ ken, so müßten von den 25,000 stimmfähigen Bürgern des Kantons wenigstens 23,000 im Aktiv⸗Bürgerrecht eingestellt und selbst Vielen der Kopf abgeschlagen werden. Eine Zuschrift von etwa 20 Bür⸗ gern von Oberkirch (eine in der Mehrheit konservative Gemeinde) verlangt nicht weniger, als daß die Urheber, Anstifter, Begünstiger ꝛc. des Sonderbundes lebenslänglich im Aktiv⸗Bürgerrecht eingestellt und die Unterzeichner der seiner Zeit eingegebenen Ergebenheits⸗Adresse wenigstens so lange zur Uebernahme von Beamtungen unfähig erklärt würden, bis der Schaden, der dem Kanton durch den Sonderbund zugefügt worden, ersetzt sein werde. Dieses Verlangen wurde dem Rezierungs⸗Rath zur Begutachtung überwiesen. Es wäre ein Leich⸗ tes, zu beweisen, daß in Folge einer solchen vorgeschlagenen Maßregel der Kanton in die unerhörte Lage gebracht würde, daß für die Be⸗ setzung aller Beamtungen das nöthige Personal nicht mehr vorhan⸗ den wäre. Die Gemeinde Wäggis hat neuerdings wieder Executions⸗ Truppen erhalten. Man sagt, die konservativen Wahlen in dem Be⸗ zirksgericht sollen kassirt werden. Es ist unbegreiflich, wie eine Wahl, welche unter militairischer Ueberwachung ruhig vor sich gegangen, be⸗ stritten werden kann. Der als liberal bekannte Pfarrer Tschopp hat sich von Wäggis vor den Soldaten flüchten müssen. Auf Befehl der kidßenössischen Repräsentanten erhielt das aargauische Bataillon At⸗ tenhofen Befehl, den Gerichtsbezirk Hochdorf militairisch zu besetzen, strenge Polizei zu halten und keine Rationen zu fassen, sondern sich gut verpflegen zu lassen. Trotzdem dürfte schwerlich das Volk dieses Bezirkes damit bis zur nächsten Richterwahl so müde gemacht wer⸗ den, daß es am Wahltag zu Hause bliebe, vielmehr möchte wohl die

Rückwirkung dabei nur noch mehr Boden gewinnen. Die Neue

Luzerner Zeitr ug verspricht den durch die Einquartierung ge⸗ drückten Bürgern von Hochdorf und Wäggis sofortige Unterstützung.

Kanton Schwyz. Am 15. Januar ist die neue Verfassung zu Ende berathen worden. Schwyz bleibt Hauptort.

Kanton Zug. Der Verfassungs⸗Entwurf für Zug wurde am 16. Januar durch die Volksabstimmung mit 1206 gegen 663 Stimmmen angenommen. Es kommen hierbei nach Art. 3 der Uebergangs⸗Bestimmungen nur die wirklich stimmgebenden Bürger in Zählung. Dagegen wurde von Menzingen und Ober⸗Aegeri gestimmt. Alt⸗Landammann Hegglin soll besonders gegen die Annahme zu wirken gesucht haben.

Kanton Genf. Deputirter an der Tagsatzung ist zur Zeit Herr Carteret. Rilliet soll sich am 12. Januar dahin begeben. Wenn die Tagsatzung sich mit der Bundesreform beschäftigen wird, so wird nach der Uebereinkunft, welche die drei Deputirten getroffen, J. Fazy den Fauteuil einnehmen. 1

E

8 Genua, 12. Jan. (A. Z.) Ein hier neu erschienenes Blatt,

La lega doganale (der Zoll⸗Verein), welches sich indeß mehr mit der Tagespolitik im liberalen Sinne, als mit den italienischen Han⸗ dels⸗Interessen beschäftigt, enthält einen langen Artikel über die neue⸗ sten Vorgänge in Genua, dem wir Folgendes entnehmen:

Man hatte in den piemontesischen Staaten für den 1. Januar eine Reihe neuer Reform⸗Dekrete erwartet, obgleich man für die große Zahl de bereits in wenigen Wochen verliehenen Fortschritts⸗Maßregeln kaum Zei gefunden hat, sie ins Leben einzuführen. Mit dem ersten Tag des neuen Jahres so verkündigten alle Blätter der Zollvereins⸗Staaten (eine neue für die italienischen Staaten gefundene Abtheilung: Staaten in und au⸗ ßerhalb der Union) sollten berathende Stände nach der Art der römi⸗ schen eine allgemeine Bürgergarde, Herabsetzung des Salzpreises ꝛc. gewährt werden. Der ersehnte Tag erschien, und die Gazzetta Piemontese brachte nur ein paar Verfügungen von untergeordne⸗ tem Interesse, die überdies vielfache Unzufriedenheit erweckten. Als auch die nächsten Tage ohne die erwarteten Königlichen Ge⸗ schenke vorübergingen, hieß es bei dem in Italien vorherr⸗ schenden Mißtrauen, das jeden Augenblick mit dem Enthusiasmus den Platz wechselt die Rückschrittsmänner hätten im turiner Kabinet wieder die Oberhand erlangt, es sei nichts mehr zu erwarten, die Sachen würden auf den alten Stand zurückgeführt, die Schreier mit Gewalt zur Ruhe gebracht, die Genuesen durch erhöhte Zölle für ihren liberalen Geist gestraft. Am 4. Januar, als sich die beunruhigenden Gerüchte noch vermehrten, bildeten sich auf dem Theaterplatz in Genua immer zahlreichere Gruppen, die zuletzt zu den dichtesten Massen sich anhäuften. Als die Nacht einbrach, ward eine Bittschrift an den König entworfen, welche zwei Wünsche enthielt: Ausweisung der Jesuiten und Errichtung einer Bürgergarde. Alles sei, so versichert die Lega Doganale, friedlich hergegangen, ohne Tu⸗ mult, ohne Drohung. Die erwähnte Bittschrift habe in Zeit von vierundzwanzig Stunden funfzehntausend Unterschriften erlangt, zum Beweis, daß sie nicht die

Gesinnungen dern der ganzen Bevölkerung Deputation von

Der König aber

ausdrücke. Eine neun Genuesen brachte die Bittschrift nach Turin.

verweigerte die Annahme, da sie auf ungesetzlichem Wege entstanden und er

entschlossen sei, der Gesetzlichkeit strenge Achtung durch seine Regierung wie durch alle seine Unterthanen zu verschaffken. Am 9. Januar erfolgte dann eine Verkündigung des Gouverneurs von Genua, worin die Zusammenläufe vom 3ten und Aten mit den stärksten Worten getadelt und erklärt ward, daß solche Scenen mit allen Mitteln der Gewalt würden niedergeschlagen wer⸗ den. Die Bevoölkerung, sagt das genannte Blatt, habe das mit stillem Gleichmuth gelesen; am folgenden Tage aber hätten die Stadt⸗Behörden von Genua mit 30 gegen 3 Stimmen eine Bittschrift an den König be⸗ schlossen, daß ihnen gestattet werde, aus dem Jesuiten⸗Kollegium die darin auf Kosten der Gemeinde unterhaltenen Zöglinge zurückzuziehen und diesel ben vorläufig anderen, mit dem öffentlichen Unterricht sich beschäftigenden religiösen Orden zu übergeben.

Der Corriere mercantile sagt in seinem heutigen Blatte: „Die Jesuiten haben sich aus der Stadt entfernt, man weiß nicht, ob freiwillig oder auf wessen Geheiß oder Anlaß. Nur einige we⸗ nige noch befinden sich in dem Kollegium, aus dem zwei Drittel sei ner Zöglinge geschieden sind. In der Stadt herrscht die vollko menste Ruhe.“ .

Parma, 11. Jan. (Oest. Beob.) Die bei der Ueber⸗ nahme des Gebietes von Pontremoli und bei der Abtretung des Her⸗ zogthums Guastalla von Sr. Kaiserl Hoheit dem Herzoge erlassenen (und gestern bereits erwähnten) Proeclamationen lauten folgender⸗ maßen:

„Wir Karl Ludwig von Bourbon, Infant von Spanien, von Gottes Gnaden Herzog von Parma, Piacenza ꝛc. ꝛc. ꝛc. Nachdem kraft des zwi⸗ schen Uns, Sr. Kaiserl. Hoheit dem Großherzog von Toscana und Sr. Königl. Hoheit dem Erzherzog, Herzog von Modena, unter Zustimmung und Mitwirkung Sr. Kaiserl. apostolischen Majestät und Sr. Majestät des Königs von Sardinien, am 28. November 1844 abgeschlossenen Traktats, die Souverainetät über die Gebiete von Pontremoli, Bagnone, Filattiera, Groppoli und Lusuolo, die bisher unter der Regierung Unseres vielgelieb⸗ ten Vetters, des Großherzogs von Toscana, gestanden haben, an Uns über⸗ tragen worden, und der in obgedachtem Traktat in Aussicht gestellte Zeit⸗ punkt des Heimfalls dieser Gebiete an Uns eingetreten ist, so haben Wir die Besitzergreifung und förmliche Uebergabe dieser Gebiete, die zwischen Un⸗ serem Herzoglichen Commissair, Grafen Eduard Dall' Asta, und dem Com⸗ missair Sr. Kaiserlichen Hoheit des Großherzogs von Toscana, voll⸗ zogen werden sollen, angeordnet, und demzufolge sind sie mit Unseren Erbstaaten für immer vereinigt. Bewohner von Pontremoli, Bagnone, Filattiera, Groppoli und Lusuolo, die ihr nunmehr einen Theil des Unse⸗ rer Herrschaft unterworfenen Staates ausmacht! Wir wenden Uns an euch, von dem lebhaftesten Wunsch für euer Wohl beseelt, und Unsere Sorgfalt wird unablässig nach diesem Ziele, wie ein Vater für seine K in der sorgt, gerichtet sein. Und Wir wollen euch ein Unterpfand Unseres Wohlwollens dadurch geben, daß Wir, bis auf weitere Anordnungen, die Gesetze und Verordnungen, die bei euch in Kraft sind, beshesetn 6 statten, daß die gegenwärtigen Gerichts⸗ und Verwaltungs⸗Behörden 89 visorisch die Ausübung ihrer respektiven Aemter viisolang, eteeben bis von Uns neue Beamte ernannt oder die gegenwärtigen definitiv bestätigt 9 . nter eine andere Herrschaft durch verden, damit ihr bei eurem Uebergange unter eine Hebeilige Ets einen augenblicklichen Wechsel keine Verzögerungen und 8 1 Aätes gen in der öffentlichen Administration und Justiz zurerler 485 h6 66 Es ist jedoch Unser Wille, daß Unsere vn ö““ Militeir⸗ 5 idi übernehmen und ausschließend, 6 8 hein 18 8gr Aufrechthaltung der öffentlichen Orduung beaustragt seien, und jede andere Miliz, unter was immer 9 Namen sie bei euch eingeführt sein mag, erklären Wir von diesem Augenblick an für aufge⸗ löst. So ist es auch Unser Wille, daß ihr von nun an hinsichtlich der Censurgesetze denjenigen Gesetzen unterworfen seig font. welche bei Uns in Kraft sind, und schaffen jedes andere Geseß, we ches gegenwärtig bei euch in Krast ist, ab. Unsere neuen Unterthanen! Wir vertrauen auf eure Fügsamkeit und auf euren Gehorsam. Die Anhänglichkeit, die ihr füreuren ehemalige n Landes⸗ fürsten bewahret, wird für Uns ein sicheres Unterpfand von eurer Seite sein, daß lhr di selb 8 w Uns gleichfalls schenken werdet, wenn euch Unsere Zunei⸗ für 8 bekannt sein wird, indem Wir nichts Anderes, als euer Wohl Se Glückseligkeit wünschen. Ja, Wir hegen das feste Vertrauen, daß Wir Uns der Treue und der Liebe Unserer neuen Unterthanen der Luni⸗ giana zu erfreuen, haben, und werden Alles aiftieten, um euch zufrieden, ruhig und glücklich zu machen. So möge Gott Unsere Wünsche erhören nud seine Segnungen über euch ausgießen.

Gegeben zu Parma, den 5. Januar 1848.

einer Partei, son⸗

a““ Wir Karl Ludwig von Bourbon, Infant von Spanien, von Gottes Gnaden Herzog von Parma und Piacenza ꝛc. ꝛc. ꝛc. Nachdem kraft des zwischen Uns und Sr. Königl. Hoheit dem Erzherzog Franz IV. von Oester⸗ reich⸗Este, Herzog von Modena, glorreichen Gedächtnisses, und Sr. Kaiserl.

Hoheit dem Großherzog von Toscana, unter Zustimmung und Mitwirkung

Sr. Kaiserl. apostol. Majestät und Sr. Majestät des Königs von Sardi⸗

nien am 28. November 1844 abgeschlossenen Traktats die Souverainetät

und die Herrschaft über die Distrikte von Villafranca, Treschietto, Castevoli und Mulazzo, die bis auf den heutigen Tag Sr. Königl. Hoheit dem Erz⸗ herzog Franz V., Herzog von Modena, Unserem vielgeltebten Vetter und Neffen, gehörten, an Uns übertragen worden und der in obgedachtem Trak⸗ tat in Aussicht gestellte Zeitpunkt des Heimfalls eingetreten ist, so haben Wir die regelmaßige Besitzergreifung und förmliche Uebergabe dieser Di⸗ strikte, die zwischen Unserem Herzoglichen Commissair, Herrn Paolo Busso⸗ lati, General⸗Inspektor beim Departement des Innern, und dem Commissair Sr. Königl. Hoheit des Erzherzogs Herzogs von Modena, Herrn Dr. Carlo Galeotti, vollzogen werden sollen, angeordnet. Bewohner von Villafranca, Treschietto, Castevoli und Mulazzo! Wir nehmen euch mit väterlicher Zuneigung unter Unsere Herrschaft auf. Ihr seid eurem alten Landesfürsten stets treu gewesen; bewahret ihm stets Andenken, Liebe und Dankbarkeit. Wenn diese Gefühle für ihn in euch leben, so werden sie für Uns ein sicheres Unterpfand des Gehorsams und der Treue sein, die ihr auch Uns schenken werdet, wenn ihr Unser Herz und den lebhaften Wunsch erkennen werdet, den Wir für euer Bestes und für eure Wohlfahrt hegen. Seid fest überzeugt, daß Unsere unablässige Sorgfalt auf dieses Ziel ge richtet sein werden. Damit euer Uebergang und die bleibende Vereini⸗ gung eurer Länder mit Unseren Erbstaaten minder fühlbar werde Wund die Berwaltung der Justiz und der Staats⸗ Angelegenhei⸗ ten keinen nachtheiligen Aufschub erleiden, so bestätigen Wir euch, bis auf Unsere weiteren Anordnungen, die Gesetze und Verordnungen, die bisher bei euch in Kraft waren, und in gleicher Weise bestätigen Wir auch die dort in Ausübung befindlichen, sowohl administrativen, als Gerichts⸗ Behörden, wie auch die freiwilligen Milizen, die sich in euren ehemals estensischen Gebieten befinden, und durch ihre standhafte Anhänglichkeit an den Landesfürsten, an die gute Sache und an die öffentliche Ordnung be⸗ kannt sind. Unsere neuen Unterthanen! Wir werden ohne Unterlaß für euer Wohl wachen und ihr in Erwiederung liebet Uns, seid eurem Vater unterwürfig, und so werden Unsere väterliche Zuneigung und eure kindliche Liebe und Gehorsam die Quelle Unserer gemeinsamen Glückseligkeit sein, die Wir Uns und euch Allen sehnlich wünschen und von Gott inbrünstig erflehen.

Parma, den 5. Januar 1818.

j Karl Ludwig.“

„Wir Karl Ludwig von Bourbon, Infant von Spanien, von Gottes Gnaden Herzog von Parma, Piacenza ꝛc. ꝛc. ꝛc. Nachdem der in den Artikeln 99 und 102 der Schluß⸗Akte des wiener Kongresses und in dem Artikel 3 des pariser Traktats vom 10. Juni 1817 in Aussicht gestellte Heimfall eingetreten ist, muß der in Florenz am 28. November 1844 zwischen Uns und Sr. Königl. Hoheit dem verstorbenen Erzherzog Herzog von Modena, Franz 1V., und Sr. Kaiserl. Hoheit dem Großherzog von Toscana, unter Zustimmung und Mitwirkung Sr. Kaiserl. apostolischen Majestät und Sr. Majestät des Königs von Sanrdinien abgeschlossene Traktat vollzogen werden, kraft dessen das Gebiet des Herzogthums Guastalla und der am rechten Ufer der Enza gelegenen Landstriche, die fruͤher zu diesen Herzog⸗ thümern gehörten, unmittelbar an Se. Königl. Hoheit den gegenwärtig re⸗ gierenden Herzog von Modena, Franz V., übergeht. Das Opfer, welches Wir durch Ausgebung der Souverainetät über dieses Herzogthum und jene Landstriche gebracht haben, gewährt Uns nichtsdestoweniger ei⸗ nen Trost, nämlich den, daß sich durch Aufhebung der issolirten Lage, in der sich namentlich das Herzogthum Guastalla durch die Entfernung und Trennung von den übrigen Theilen des Staates, dem es bisher angehörte, befunden hat, und durch die unmittelbare Berührung, in die dasselbe, nebst den Landstrichen jenseits der Enza, mit den Ländern des neuen Fürsten, denen sie einverleibt werden sollen, getreten ist, denselben eine reichliche Quelle der Wohlfahrt und eine glückliche Zukunft eröffnet. Bewohner des Herzogthums Guastalla und der Landstriche jenseits der Enza! Wir haben euch bereits eurem erlauchten neuen Landesfürsten aufs eindring⸗ lichste empfohlen und nun bleibt Uns nichts mehr übrig, als euch von jedem Bande der Unterthanenschaft gegen Uns frei zu erklären, wie Wir dies hiermit thun, und euch zu ermahnen, eurem Landesfürsten treu und gehorsam zu sein, wie ihr es Unseren Vorfahren waret, um seine landesfürstliche Huld zu verdienen. Wir erklären zu gleicher Zeit, daß die Obrigkeiten und öffentlichen Beamten im Solde der Regierung, welche auf den Posten, die sie gegenwärtig be⸗ kleiden, nicht belassen werden sollten, ihre gegenwärtigen Gehalte oder Emo⸗ lumente, bis zu ihrer neuen Bestimmung, aus Unserem Staatsschatze fort⸗ zubeziehen haben.

Gegeben zu Parma, den 5. Januar 1848,.

Karl Ludwig.“ bEö

538 Madrid, 11. Jan. Seit vorgestern fühlt sich die Neu⸗ gierde der Müßiggänger an dem Anblicke der Wohnung des Sieges⸗ Herzoges gesättigt, und die Inhaber der eleganten Läden der Straße Montera (der Rue Vivienne Madrids) sind des Blokade⸗Zustandes, in welche die Furcht vor gewaltsamen Ausbrüchen jener Neugierde und dadurch herbeizuführenden unsanften Demonstrationen der Gen⸗ darmerie sie versetzt hatten, euthoben worden. Obgleich die Volks⸗ massen sich jeder lauten Aeußerungen enthielten, fanden sich doch am Sonnabend Abend die Gendarmen veranlaßt, sie ohne vorhergehende Aufforderung in raschem Trabe aus einander zu sprengen, worauf denn das Zusammenrottiren unterblieb. Aus dem Tone der pro⸗ gressistischen Blätter läßt sich indessen auf die Umwälzung der Dinge schließen, welche uns bevorsteht, sobald dem Er⸗Regenten und seiner Partei die Leitung der Regierung übertragen werden wird. Die Ausdrücke sklavischer Ergebenheit, mit denen diese Blät⸗ ter ihren Helden wie einen Halbgott begrüßen, sind so überspannter Natur, daß sie mehr an das Lächerliche als an das Erhabene strei⸗ fen. Der Siglo schmückte seine Nummer mit den Bildnissen der Königin und Espartero’s und stellte das des Letzteren in gleiche Li⸗ nie mit dem Ersteren. Das Eco nennt Espartero den Mann, „ber verfassungsmäßig den Thron inne gehabt hatte“, und die Namen der Schlachtfelder, auf denen er das Blut seiner Landsleute vergoß, werden aufs neue als Denkmäler unvergänglichen Ruhms auf⸗ geführt.

Die Angabe, daß der Minister des Innern dem Siegesherzoge entgegengefahren wäre, weist sich jetzt als unbegründet aus. Der Heraldo erklärt vielmehr, die Regierung wäre sich ihrer Würde zu wohl bewußt, um einen solchen Schritt zu thun, und es käme dem General Espartero als Unterthanen zu, dem Minister⸗Präsidenten den ersten Besuch zu machen, ohne daß dieser verpflichtet wäre, ihn zu erwiedern. Nur der General Don Mannel de la Concha, auf dessen Kopf Espartero als Regent einen Preis setzen ließ, vergaß die Ver⸗ gangenheit, eilte zum Siegesherzoge und drückte ihm die Hand.

Ein progressistisches Blatt versichert, die Königin habe sich lange mit Espartero unterhalten und ihn aufgefordert, sie recht häufig zu besuchen. Die ministeriellen Blätter versichern dagegen, die Audienz hätte kaum fünf Minuten gewährt.

Durch eine der Fügungen der Vorsehung ward der Mann, wel⸗ cher für die Seele Espartero's gelten konnte, der unheilvolle Rath⸗ geber, der ihn verleitete, die Rolle des Bürgers mit der eines revo⸗ lutionairen Usurpators zu vertauschen und sich zum Werkzeuge der einseitigen Politik einer fremden Macht zu entwürdigen, gerade jetzt plötzlich von seiner Seite gerissen. Gestern starb hier der General Linage. Vor einigen Tagen erkrankt, verließ er seine Wohnung, um Espar⸗ tero zu begrüßen, und zog sich eine Lungen⸗Entzündung zu, an der er gestern verschied. In diesem Augenblicke findet sein feierlichesLeichenbegängniß statt.

Die Sectionen des Kongresses ernannten gestern die Kommission,

den wird.

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welche ein Gutachten über den auf die Versetzung Salamanca's in Anklagestand gerichteten Antrag abzugeben hat. Diese Kommission besteht aus sieben Mitgliedern; fünf derselben gehören zu den Perso⸗ nen, welche dafür gestimmt hatten, daß der Antrag auf Anklage nicht in Betracht gezogen werden sollte. Schon aus diesem Ergebniß erhellt, daß eine bedeutende Umgestaltung der Ansichten unter den Deputirten stattgefunden hat, und daß dem Gange der Angelegenheit vermuthlich eine neue Wendung bevorsteht. Es ist übrigens durch die Aussagen der Direktoren der Staatsschulden ⸗Tilgungskasse unumstößlich erwiesen, daß die von ihr an das Königliche Haus verabfolgten 50 Millionen nie in Herrn Salamanca's Hände kamen und er folglich sie nicht in seine Tasche stecken konnte. Wegen der letzteren Beschuldiguüng hat er Herrn Pidal zum Zweikampf fordern lassen, jedoch eine auswei⸗ chende Antwort erhalten. Zweikämpfe sind sonst hier an der Tages⸗ ordnung. 1

Die junge Königin reitet jetzt täglich, trotz der heftigen Kälte, nach Sonnenuntergang im Prado spazieren. Einer ihrer Leibärzte, Herr Sanchez, hat nach dem neulich stattgefundenen Ereignisse eine Wohnung im Palaste selbst bezogen, um in einem ähnlichen Falle der Königin sogleich Hülfe leisten zu können.

Die Herzogin von Sessa (Tochter des Infanten Don Francisco) hat das Kind, von dem sie vor einem Monat entbunden wurde, noch immer nicht taufen lassen, weil die Regierung ihr untersagt hat, ihm auch ihren Familiennamen Bourbon beilegen zu lassen. Vergeblich beruft die Herzogin sich darauf, daß sämmtliche Kinder, welche der Herzog von Rianzares mit der Königin Christine erzeugte, den Namen „Munoz y Borbon“ erhielten. Man wendet dagegen ein, sie, die Herzogin von Sessa, könne sich nicht mit einer Königin vergleichen.

Am 3ten gingen von Malaga die beiden Kriegs⸗Dampfschiffe „Piles“ und „Volcano“ mit einer Abtheilung Infanterie und Ar⸗ tillerie nach den Chafarinas⸗Inseln ab. Am Bord des ersteren be⸗ fand sich auch der General Serrano, der jedoch am folgenden Tage zurückerwartet wurde. Zwei Kriegsschiffe und vier Fahrzeuge mit Lebensmitteln, Geschützen, Zelten, Mundvorrath und einer bedeuten⸗ den Anzahl von Arbeitern, die für die Befestigungswerke der Inseln bestimmt sind, sollten sogleich folgen. b

Der General Narvaez ertheilte bekanntlich dem Kongresse die Zusicherung, der Aufstand in Catalonien würde mit dem Ablaufe des vorigen Jahres beendigt sein. Allerdings hat ein Theil der karlisti⸗ schen Parteigänger die Waffen niedergelegt, während ein anderer durch Fortsetzung des Kampfes das Leben der Seinigen theuer zu verkau⸗ fen sucht. Der General Pavia läßt alle Gefangenen jetzt erschießen. Binnen acht Tagen hat dieses Schicksal mehr als Hundert betroffen, ohne daß eine einzige Stimme, sei es eine moderirte, sei es eine progressistische, sich gegen dieses in Europa unerhörte Blutvergießen erhebt. Die Namen der Spanier, welche die geordnete rechtmäßige Regierung Ferdinand's VII., der sie gehuldigt hatten, mit den Waf⸗ fen in der Hand umzustürzen suchten und in diesem Kampfe unterla⸗ gen, prangen in goldener Fassung im Saale der Cortes. Diejenigen Spanier, welche ihr Leben einsetzen für eine durch die Revolution geächtete Dynastie, gelten den Machthabern des Tages nicht für Spa⸗ nier, nicht für Menschen.

Italien. Italiens Zukunft von Fr. Kölle. Stuttgart und Tübin⸗

gen 1848. Erster Artikel.

Ein Buch, das just zur rechten Zeit kommt und gewiß viele Leser fin⸗ In der That verdient es in weiten Kreisen bekannt zu werden, da es reich an wahren Urtheilen und richtigen Betrachtungen über ein Land und ein Volk ist, deren moderne Zustände, so viel sie besprochen sind, doch selten sine ira et studio gewürdigt sind, weshalb die Fluth deutscher Bü⸗ cher über Italien wohl eher die Ansichten und Meinungen unserer Lands⸗ leute über die gegenwärtige Lage des Landes verwirrt als aufgeklärt hat. Sympathie und Antipathie hat hier in gleicher Weise geschadet, das durch⸗ aus eigenthümliche, individuelle Gepräge, was Alles im italienischen Leben bezeichnet, bleibt dabei unbegriffen und räthselhaft. Was der Eine zum Himmel erhebt, tritt der Andere in den Koth und der unbefangene Le⸗ ser, der nicht mit vorgefaßter Meinung zu dem Buche greift, wird bei so widersprechenden Darstellungen völlig irre, es fällt ihm unmöglich, einen sicheren Maßstab für die Dinge selbst zu gewinnen.

Wenn man früher begierig Alles las, was über Italien geschrieben wurde, so geschah es zunachst im ästhetischen Interesse, man hatte sich ge⸗ wöhnt, Italien als Heimat der Kunst und als den glücklichen Winkel der Erde anzusehen, wo die Prototypen alles Schönen und Anmuthigen dem Menschen noch in Natur und Leben begegnen. Ließ der Autor nur dieser Ansicht ihr Recht, so gewährte man ihm gern andererseits für seine subjek⸗ tive Betrachtung, so wunderlich und abgeschmackt sie auch sein mochte, den freiesten Spielraum, ja man konnte Gefallen daran finden, im buntesten Wechsel die Dinge bald so, bald so beleuchtet zu finden; es gab ja noch mehr Farben und Glanzlichter, und darauf fam es vornehmlich an. Aber ein anderes Interesse zieht seit den letzten Jahren die Blicke nach Italien hinüber, die politischen Zustände des Landes, bei denen Alles in Frage steht und die Zukunft im tiefen Schleier liegt, fesseln die Aufmerksamkeit, man fühlt es, nicht gleichgültig kann man sich gegen Bewegungen verhal⸗ ten, die bei der allgemeinen Verschlingung der europäischen Interessen, bei der nahen Betheiligung Oesterreichs, bei der universellen Bedeutung Roms für alle katholischen Laͤnder weit über die Halbinsel der Apenninen hinaus höchst folgenreich werden können, und man verlangt daher von dem, der jetzt über Italien berichtet, zunächst Aufschluß über den staatlichen, kirchlichen und gesellschaftlichen Zustand. Man will darüber die ganze volle Wahrheit wissen, der Autor soll seinem Leser Richtschnur und Norm an die Hand ge⸗ ben, wonach die Ereignisse des Tages zu messen sind. Und eben hierin täuschen die meisten Bücher, in denen sich nur die zufälligen Zu⸗ und Ab⸗ neigungen ihrer Verfasser, nicht die Gestalt der Dinge abspiegelt. Wir ge⸗ denken hierbei auch der bekannten Schrift von Mittermaier, die es sich recht eigentlich zur Aufgabe machte, die italienischen Zustände für deutsche Leser in ein helleres Licht zu setzen und mit einem imponirenden Detail statisti⸗ scher Nachrichten auftritt. Dies Werk hat unstreitig seine Verdienste und hat gewiß manches Vorurtheil vernichtet, daß es aber auch in den Haupt⸗ punkten nur das Richtige träfe, müssen wir in Abrede stellen, der politische wie der moralische Zustand des Landes wird in ein viel zu günstiges Licht gestellt, und besonders das reichliche Lob italienischer Sittlichkeit war es, was dem Buche jenseits der Alpen noch bessere Aufnahme verschaffte, als diesseits, denn lange und vielleicht nie hatte man aus deutschem Munde eine solche Sprache vernommen, und nichts hört der Italiener lieber, als Lob aus fremdem Munde. Tadel verträgt er nicht, vom Ausländer wird er ihn niemals gerecht finden, aber auch von seinem Landsmann läßt er ihn sich schwerlich gefallen, und käme er aus dem patriotischsten Gemüth. Dies scheint vornehmlich der Grund, weshalb der Name von Cesare Balbo jetzt weniger hervortritt, während Gioberti und Azeglio von einem Ende Ita⸗ liens zum anderen gefeiert werden, und doch war es Balbo, der in seinem Buche delle speranze d'ltalia schon im Jahre 1844 am deutlichsten den Gang der neuesten Ereignisse vorhergesagt und vorgezeichnet hat, aber frei⸗ lich sagte er dabei seinen Landsleuten auch sehr herbe Wahrheiten über ihre sittliche Erschlaffung. Sein Zeugniß muß man entgegenstellen allen denen, die in Italien vor lauter Licht den Schatten nicht finden können. Balbo's eben erwähnte Schrift blieb trotz aller chimgirischen Hypothesen und wunderlichen Eventualitäten, auf denen hier die Hoffnungen Italiens gegründet werden, doch noch bisher die beste Richtschnur, um sich in den Stimmungen, Strö⸗ mungen und Zielen der italienischen Bewegung zu orientiren und über Kraft und Nachhaltigkeit derselben ein Urtheil zu bilden.

Wir möchten dem Buche von Balbo zunächst die Köllesche Schrift an die Seite stellen, die im Wesentlichen dasselbe Ziel verfolgt. Auch sie ar⸗

umentirt aus der Gegenwart heraus über die Zukunft und hat dadurch sen einen bedeutenden Vorsprung, daß sie nicht vor dem Ausbruche der

Bewegungen, sondern bereits im Anfange derselben geschrieben ist und dem nach sich da an Fakta halten kann, wo Balbo noch auf Möglichkeiten an⸗ ewiesen war. Wir stehen so von vornherein auf festerem Boden an einem Ausgangspunkte. Aber man könnte nicht sagen, daß Kölle deshalb sicherer zum Ziele gelangt sei, zuletzt werden doch auch nur Möglichkeiten, Wahr⸗ scheinlichkeiten erwogen, und man gewinnt den Eindruck, daß eine völlig klare, bestimmte Ansicht über das Wesen der Bewegung dem Verfasser ab⸗ geht und ihn gewissermaßen um Rath verlegen macht. „Wie schwer zu rathen sei“, sagt er einmal etwas wunderlich, „beweisen nicht nur Selbstmord und Wahnsinn bei französischen Botschaftern“ u. s. w. u. s. w. Wir möch⸗ ten statt dieses und anderer sehr problematischer Argumente, die er anführt, eher das eine gelten lassen, daß der erfahrene Verfasser selbst, der siebzehn Jahre als Diplomat in Rom lebte, doch ziemlich schwankend und ungewiß nicht allein über das spricht, was da kommen kann (denn wer möchte das mit Sicherheit berechnen), sondern auch über das, was demnächst zu thun ist. Glück genug, wenn der Mensch wirklich zum Ziele trifft, das er sich gesteckt hat, aber ein Ziel muß er sich stecken. Darum soll Niemand rath⸗ los der Zukunft entgegengehen und vornehmlich ein Autor nie rathlos seine Leser entlassen.

Wenn hierin ein Mangel des Buchs zu liegen scheint, so trägt viel⸗ leicht einen Theil der Schuld die Darstellungsweise des Verfassers. Sie ist durchweg geistreich, in scharfen Zügen charakterisirend, Licht und Schatten ist in ihr mit großer Kunst, die bisweilen an Künstlichkeit gränzt, vertheilt; so unterhält sie nicht minder, als sie belehrt. Ausführungen verschmäht der Verfasser, und wir haben nichts dagegen, daß er die Breite so meidet; aber bisweilen, scheint es uns, hätte er noch mehr in die Tiefe gehen kön⸗ nen. Leichtigkeit und Gründlichkeit paaren sich schwer, eine eilende, über den Gegenstand sprungsweis hinhüpfende, ihn bald hier, bald dort im Fluge berührende Behandlung sesselt für den Augenblick, läßt aber selten einen bleibenden, tiefen Eindruck zurück; so gern man dem vorwärtsstrebenden Verfasser folgt, kann man ihn doch nicht recht zum Stehen bringen, daß er dies oder jenes Räthsel seiner Rede löse und eine bestimmte, unumwundene Antwort gebe. So ist es uns wirklich ab und zu bei diesem Buche ergan⸗ gen. Bald betont der Verfasser die prädestinirte Zersplitterung und Verein⸗ zelung der italienischen Landschaften als ein nothwendiges Moment des Staats⸗ lebens, bald sieht er alles Heil in der Einheit und Centralisation des Landes. So geschieht es, daß er die Zeit der Franzosenherrschaft als eine glückliche, viel verheißende in seinem achten Kapitel hinstellt und dann doch S. 305 zu der ganz richtigen Bemerkung gelangt: „Der italienische Volkscharakter und die Gestalt des Landes werfen eine der französischen ähnliche Centrali⸗ sation ab.“ Bald scheint er voll guter Hoffnungen für eine Wiedergeburt Italiens, bald dagegen völlig verzweifelt, indem er nicht nur hier, sondern in allen romanischen Nationen die deutlichen Spuren der Verlebtheit wahr⸗ nimmt. Das letzte positive Resultat des Verfassers wird dem Leser nicht recht klar, gewiß zum Theil deshalb, weil er es verschmäht, das Facit sei⸗ ner Betrachtungen ihm deutlich vor Augen zu rücken, zum Theil aber doch auch, weil der Verfasser damit für sich selbst nicht ganz im Rei⸗ nen war. 3 B 8

Wir legten dem Buche vorhin 5 glauben, wir wollten das eigene Urtheil nun so weit limitiren, daß dön- slin Gegentheil verkehrt würde. Gewiß nicht. Unsere ““ betrafen zunächst die letzten Abschnitte, die in specie von 68S Za liens handeln, und in diesen finden wir eben nicht die Stärke de K hes. Den Werth desselben aber sehen wir daran, daß es reich ist an richtigen Urtheilen und wahren Bemerkungen über den gegenwärtigen Zustand des Landes oder besser über den Stand der Dinge bis zum Jahre 1833, wo der Verfasser Rom verließ. Gerade zehn Jahre später kam Referent nach Italien und hat bis zum Jahre 1845 die Entwickelung der dortigen Zu⸗ stände mit dem gespanntesten Interesse verfolgt. Manches war damals schon anders geworden, als Kölle es sah. Die politische Erregung, die nun her⸗ vorgetreten, arbeitete schon gewaltig in vielen Gemüthern, es war die Zeit, wo Gioberti und Balbo in ihren Büchern, Ventura von der Kanzel die Seelen erwärmten und bewegten; mehr noch hat sich gewiß seitdem, beson⸗ ders in Rom, verändert, aber im Ganzen und Großen waren doch die Zu⸗ stände von 1845 denen von 1833 noch sehr ähnlich, und die Schilderung des Verfassers wird selbst noch heute im Grunde ihr Recht behalten, wenn auf der Oberfläche auch Manches sich anders darstellen sollte, denn die hei⸗ ligende Kraft des Herkommens und der Gewohnheit tritt nirgends mehr als in Italien hervor, und die vis inertiae, die bei dem leicht aufflackern⸗ den Südländer erst recht sich geltend macht, erhält hier Jahrhunderte, was anderer Orten ein Jahrzehend hinwegspült. Darin also sehen wir vor⸗ nehmlich die Bedeutung des Buches, daß es die politischen und geselligen Zustände des modernen Italiens mit großer Wahrheit schildert, und eben darum haben wir es auch Balbo's Schrift über die Hoffnungen Italiens an die Seite gestellt, jja man könnte unserem Autor hier und da den Vor⸗ zug einräumen, da ein unbefangener Fremder oft Schäden wie Vorzüge leicht bemerkt, die das gewöhnte Auge des Einheimischen übersieht.

Der Verfasser liebt das Land und das Volk, das er schildert, und

ohne dies wird einer solchen Aufgabe Niemand gerecht werden. Er liebt das Volk, meint er, wohl deshalb, weil er es genauer habe kennen lernen, als Andere, und gewiß auch hierin täuscht er sich nicht, es beruht seine Vorliebe auf diesem Grunde. Es ist eine viel erprobte Erfahrung, daß, je näher sich der Deutsche und der Italiener persönlich treten, je mehr schwin⸗ den die ererbten Vorurtheile, und an die Stelle nationaler Abneigung tritt oft eine herzliche Zuneigung. Aber freilich muß dabei von beiden Seiten erst manche störende Eigenheit abgelegt werden, von dem Deutschen zunächst zurückhaltender Ernst und mürrische Ungefügigkeit, die der Italiener so leicht für Geringschätzung nimmt; nichts erträgt er weniger als diese und weiß sich dagegen alsbald durch List zu rächen. Genug, dem Verfasser ist es ge⸗ lungen, sich in die eigenthümlichen Verhältnisse des Volkes einzuleben, er ist in gewissem Sinne dem Volle selbst zugeworben worden, denn er un⸗ terläßt es nicht, wiederholentlich den Leser darauf aufmerksam zu machen, daß er im Jahre 1824 in das goldene Buch der Republik von S. Ma⸗ rino eingetragen sei. Aber das Patriciat von S. Marino hat ihm nicht seinen Blick getrübt, klar und ruhig, als ein ecrfahrener Diplomat, betrachtet er alle Verhältnisse des italienischen Lebens und entwirft davon als ein geistreicher, höchst gewandter Schriftsteller mit leichter Feder ein Bild, das eben so anziehend als wahr ist. Wer Italien durch längeren Aufenthalt daselbst kennt, wird mit innerer Freude einer solchen Darstellung seinen Beifall und seine Zustimmung geben, nachdem er durch falsche oder halb⸗ wahre Berichte über das Land unaufhörlich geärgert ist.

Die Abschnitte X— XV. über die Städte, über Handel und Schiff⸗ fahrt, über den Adel, das Landvolk, die Kriegsführung scheinen uns ganz besonders gelungen. Der Abschnitt über die Kirche ist nicht ohne Animo⸗ sität gegen den Katholizismus geschrieben, dem der Verfasser überhaupt sehr viel A hden geneigt ist. Auch das folgende Kapitel über die geistlichen Orden stellt die Verdienste mehrerer derselben wohl nicht in das rechte Licht. Referent hat Monate lang in italienischen Klöstern gewohnt und muß es durchaus bestätigen, was S. 145 gesagt wird: „Wohlleben, Ver⸗ schwendung und offene Sittenlosigkeit findet man jetzt selten oder nie da⸗ selbst.“ Ob es seinen Grund darin hat, daß die Zeiten zu schlimm sinc⸗ wie der Verfasser meint, oder in einer tieferen, wahren Auffassung des Mönchslebens lassen wir dahin gestellt. Aber gewiß unerwiesene c digungen gegen die Benediktiner, wonach sie nenerdings wiederholentlich 89 am Mord hoher Geistlicher betheiligt hätten, hätte der Gee. ni 1. vach schreiben sollen, wie dies S. 133 geschehen ist. Billiger, cals man es hätte erwarten sollen, urtheilt der Verfasser im achtzehnten Abschnitt üͤber die Jesuiten. Gewiß mit Recht behauptet er: „Man fann von den Jesuiten se daß sie darum gelobt und darum getadelt, darum verfolgt, darum 9 85 h d ZZsie darum verachtet worden sind. Sie werden stets geheßt⸗ bleib n, d6— 1 auch nur als Rahmen zu einer durch die Zeit⸗ Faseeid feien ützli rachteten Ausfüllung sein. Zu einer Höhe, läufe möglich und nützlich erach 1— G 1 wie die unter Lainez und Aquiviva erklimmte war, werden sie sich aller menschlichen Voraussicht nach nicht mehr erheben. Aber wichtig werden sie schon deshalb bleiben, weil ein genialer General über so viele Untergebene mit einer Unumschränktheit herrscht, welche überall nicht mehr gefunden wird und gerade dadurch an Bedeutung gewinnt.“ Wodurch freilich die Genia⸗ lität der Jesuiten⸗Generale für alle Zeit hin verbürgt sei, vermögen wir nicht abzusehen, auch macht selbst der jetzige General weit eher den Ein⸗ druck einer verständig berechnenden, behutsamen, als genialen Natur.

Was dagegen im einundzwanzigsten Abschnitt über das geistige Leben und wissenschaftliche Treiben, über Schuleu, Universitäten, Akademieen, lite⸗ rarische Erscheinungen u. s. w. gesagt ist, bedarf jetzt doch schon mancher Berichtigung, in dieser Beziehung ist Italien im letzten Jahrzehend doch vor⸗