1848 / 111 p. 2 (Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

C „Ausschuß zu diesem Zwecke in einer —— . 1 der deutschen National⸗ B utmachung vom 28. ¹. Js. nich 1 8 ilung 8. fernere Anerkennung versagt, sondern auch zur Aufleh E— Beschlüsse dieser Versammlung und zur eigenmächtigen E Liner neuen Vertretung aufgefordert hat. Der Feassernätheni9e Charakter dieser Vereine ist bierdurch nach den in dem Königreiche pebe⸗ 2— Strafgesetzen zur Genüge bezeichnet. So wenig Wir gemeint sind, 84. 8 Vereinigungen zu

erlaubten Zwecken entgegenzutreten, so dringend fühlen Wir Uns durch

Unsere beschworenen Regentenpflichten aufgefordert, der Herrschaft der Gesetze gegen solche verbrecherische, die *† fassungsmäßige Staats-Ordnung offen bedrohende Verbindungen . vollste Geltung zu verschaffen. Unseren Kreis⸗Regierungen, Innern, ertheilen Wir demgemãß den Auftrag, der Bildung und Aus rei⸗ tung jener demokratischen Vereine, so wie allen auf gleiche gesetzwidrige Zwecke gerichteten Verbindungen in Bapern, vorbeugend zu begegnen, damit die Staats⸗Angehörigen vor den schweren Folgen unbedachter Mectsahme an solchen Verbindungen bewahrt werden. Sollte dennoch wider Erwarten die Bildung solcher Vereine bewirkt werden, so sind dieselben ungesäumt aufzulösen, und es ist gegen die Theilnehmer die Einschreitung der Gerichte hervorzurufen. Bei allen diesen Anordnungen und Einschreitungen haben Unsere Stellen und Behörden ihr Verfahren streng nach den Bestimmungen der Verfassung und der einschlagenden Gesetze zu bemessen und jede Ueber⸗ schreitung ihrer gesetzlichen Amtsbefugnisse sorgfältigst zu vermeiden. Rei⸗ chenhall, den 12. August 1848. Marx. von Thon⸗-Dittmer. Heintz. Ler⸗ chenfeld. Weishaupt. Graf von Brap. von Strauß, Staatsrath.“

Baden. Karlsruhe, 19. Aug. (Karlsr. Ztg.) Heute früh um 6 Uhr hat das dritte Bataillon des hier in Garnison lie⸗ genden Leib⸗Infanterie⸗Regiments den Marsch nach Schleswig-Hol⸗ stein angetreten. Se. Großh. Hoh. der Prinz Wilhelm, der Stadt⸗ Kommandant, der Ober⸗Befehlshaber der Bürgerwehr mit seinem Stab und eine große Anzahl Bürgerwehrmänner und sonstige Ein⸗ wohner Karlsruhe's gaben den ausziehenden Truppen das Geleit. In den Straßen, durch welche der Marsch ging, wehten die deutschen Fahnen, und das Stadtthor war festlich mit Kränzen, Gewinden und Emblemen geschmückt. Offiziere und Soldaten trugen auf den Czakots Blumensträuße, welche kurz vor dem Abmarsche von hiesigen Einwohnern zum Abschiedsgruße in den Reihen vertheilt worden waren. Auch an anderen Zeichen der öffentlichen Sympathieen fehlte es nicht; die Mannschaft war reichlich mit Proviant versehen, und zur Füllung der Feldflaschen hatte ein hiesiger Bürger einige Ohm Wein her⸗ gegeben. An der Spitze zog die Musik des Leib⸗Infanterie⸗Regiments, welche die Melodie: „Schleswig⸗Holstein meerumschlungen“ spielte. Im Großherzoglichen Parke wurde Halt gemacht. Der Stadt⸗Kom⸗ mandant, General Schwartz, hielt eine kurze Abschieds⸗Rede und schloß mit einem Hoch auf Se. Königl. Hoheit den Großherzog, in welches die Truppen und Geleitgeber mit Begeisterung einstimmten. Sodann fiel die Musik mit den Klängen des Liedes: „Was ist dis Deutschen Vaterland“ ein, und unter herzlichen Abschiedsrufen zog die Kolonne an den geleitenden Freunden vorüber. Das kräftige Aussehen und die kriegerische Haltung der Truppen boten einen wahrhaft malerischen Anblick. In den Reihen der Truppen befanden sich viele neu zugegangene Freiwillige aus dem Civilstande; was die Armee selbst betrifft, so hatten ganze Compagnieen, die sich noch weiter zum Ausmarsche meldeten, abgewiesen werden müssen.

Mannheim, 18. Aug. (Karlsr. Ztg.) In der Frühe des heutigen Morgens ist die erste Truppensendung des nach Schles⸗ wig⸗Holstein bestimmten badischen Kontingents, nämlich ein Ba⸗ taillon des 2. Infasterie⸗Regiments (seither in Freiburg) von hier nach Köln eingeschifft worden. Eine Batterie von 8 Stück Geschützen begleitet dasselbe; die Einschiffung der dazu gehörigen Pferde wurde im Verlauf des gestrigen Tages mit Hülfe der Krahnen und der kleinen Stallwagen der Dampfböte eben so schnell als bequem be⸗ werkstelligt. Se. Königl. Hoheit der Großherzog war dabei gegen⸗ wärtig. Die kleine Rheinflotille, bestehend aus zwei Dampfböten der kölner Gesellschaft, einem Schlepper der mannheimer Dampf⸗ schleppschifffahrts⸗Gesellschaft und 4 Segelschiffen, fuhr gegen halb 6 Uhr aus hiesigem Hafen ab. Unter dreimaligem Hurrah der Mannschaft fuhren die Schiffe an Sr. Königl. Hoheit vorüber, wäh⸗ rend die Regimentsmusik die Melodie „Schleswig⸗Holstein meerum⸗ schlungen“ spielte.

Hessen und bei Mhein. Darmstadt, 20. Aug. (Darmst. Ztg.) Auf Befehl Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs setzt sich die nach Schleswig bestimmte Truppen⸗Abtheilung vom 2lsten d. an in vier Kolonnen von hier nach Altona in Marsch. Die erste Ko⸗ lonne, bestehend aus einer halben Batterie, bricht morgen, die zweite, bestehend aus dem 1sten Bataillon des 4ten Infanterie⸗Regiments nebst dem Regiments⸗Stab, bricht am 22sten, die dritte, wieder eine halbe Batterie, am 23sten, die vierte, das 2te Bataillon des 4ten Infanterie⸗Regiments, am 24sten auf. Die Station des ersten Marschtages ist für jede Kolonne Gernsheim, die des zweiten zu Dampfschiff Köln⸗Deutz, die des dritten zu Eisenbahn Minden, die des vierten zu Eisenbahn Altona. Die erste und dritte Kolonne hal⸗ ten in Deutz Rasttag und treffen daher zugleich je mit der zweiten und vierten am 25sten und am 27sten in Altona ein.

Nach einer neuen Bestimmung wird unsere nach Schleswig⸗Hol⸗ stein dirigirte Truppen⸗Abtheilung nicht, wie es früher festgesetzt war, mit dem badenschen, sondern mit dem württembergischen Kontingent Eine Brigade bilden und unter dem Kommando des württembergischen General⸗Majors Grafen Wilhelm von Württemberg stehen.

Als Ersatz und Ergänzung der darmstädter Garnison rückt am 22sten das erste Bataillon des zweiten Infanterie⸗Regiments von Pfungstadt und am 24sten das zweite Bataillon des dritten Infan⸗ terie⸗Regiments von Worms und Bingen hier ein.

DSachsen⸗Altenburg. Altenburg, 20. Aug. (D. A. Z.) In der 21sten Sitzung der Landschaft wurde der Bericht der juridischen Deputation über den Gesetz⸗Entwurf, das landschaftliche Recht der Initiative bei der Gesetzgebung betreffend, erstattet. Dieser Entwurf lautet folgendermaßen:

1) Das Recht, ein Gesetz in Vorschlag zu bringen, gebührt sowohl de Landesherrn als der Landschaft; 2) segiolalive Bee.egtcztt swoßh d8 können nur mit einer Stimmenmehrheit von ³ sämmtlicher Mitglieder gefaßt werden; 3) sie sind dem Landesherrn zur Sanction vorzulegen und werden durch Ertheilung dieser Sanction zum Gesetz erhoben; 4) wird die Sanc⸗ tion eines derartigen landschaftlichen Beschlusses vom Herzoge verweigert,

so darf derselbe dem Herzog erst dann zur Genehmigung wieder vorgelegt werden, wenn der betreffende Gesetzesvorschlag auf dem nächstfolgenden Land⸗ tage mit einer Stimmenmehrheit von ³ der gesammten Landschaft nochmals unverändertangenommen worden ist; 5) es steht in dem Ermessen des Landesherrn einem auf diese Weise zum zweitenmale vorgelegten Beschlusse die Sanction zu ver⸗ sagen. In diesem Falle muß vor Eroͤffnung des nächstfolgenden Landtags eine neue Wahl sämmtlicher landständischen Abgeordneten stattfinden. Wird nun aber derselbe Beschluß auf dem nächstfolgenden Landtage mit einer Stimmen⸗ Mehrheit von abermals unverändert angenommen und dem Landesherrn zur Genehmigung vorgelegt, so wird der Beschluß mit dem Tage, wo die Landschaft sich trennt, zum Gesetz, sollte auch die Sanction des Landesherrn nicht erfolgt sein; 0) alle Gesetze werden vom Herzoge und in dessen Na⸗ men veröffentlicht; 7) Gesetze, welche auf gänzliche oder theilweise Abände⸗ rung des Grundgesetzes abzwecken, unterfallen den vorstehenden Bestimmun⸗ en nicht; derartige Abänderungen können vielmehr nur auf dem grundge⸗ seblich vorgezeichneten Wege erfolgen. Die Majorität und Minoritaͤt der juridischen Kommission, erstere in dem Streben, den Grundsatz der Volks⸗Souverainetät zur Wahrheit zu

machen, letztere in der Ueberzeugung, daß auch in einem constitutionellen Staate der hauptsächlich bestimmende Einsluß auf die Gesetzgebung dem Volke zustehen müsse, ist von dieser Vorlage nicht befriedigt worden, und deshalb erklärte Minister von Planitz, daß der Herzog beschlossen habe, den Entwurf zurückzuziehen und einen anderen der Landschaft vorzulegen, wobei das Ministerium so weit möglich den Kommissions⸗Anträgen nachzugeben geneigt sei. Uebrigens stelle das Ministerium die weitere Berathung über den Entwurf der Landschaft anheim und wolle keinesweges die Debatte abschneiden, worauf die Landschaft beschloß, die Berathung darüber vorzu⸗ nehmen. Der Antrag der Deputation zu §. 1, daß von einem Landesherrn wie frü⸗ her, wo noch der Grundsatz gegolten: L'état c'est moi, nicht mehr die Rede sein könne, jetzt, wo die Volks⸗Souverainetät anerkannt sei, dürfe man nur noch von einem Herzog, d. h. von einem ersten Beamten sprechen, wurde von der Landschaft angenommen, eben so mit dem Antrage, daß §. 2 des Gesetz⸗Entwurfs gänzlich in Wegfall zu kommen habe. §. 3 wurde in der Fassung ange⸗ nommen: „Die von der Landschaft ausgehenden legislativen Beschlusse sind dem Herzoge zur Sanction ꝛc.“ Eine lange Debatte riefen die beiden Pa⸗ ragraphen hervor, welche die Kommission eingeschaltet hatte, und die folgen⸗ dermaßen lautens: „Der Herzog hat sich binnen sechs Wochen über die Bestä⸗ tigung oder Nichtbestätigung des ihm vorgelegten Gefetz⸗Entwurfes zu er⸗ klaären. Läuft diese Frist erst nach Schluß der Diät zu Ende, so hat er seine Entschließung dem Landschafts⸗Präsidenten und den übrigen landschaft⸗ lichen Beisitzern des Finanz⸗Kollegiums zu eröffnen.“ Hiermit erklärte sich die Landschaft einverstanden, während dagegen der Passus: „Daß, wenn in dieser Frist eine Erklärung von Seiten des Herzogs nicht erfolgt, die Ge⸗ setzes⸗Vorlage als verworfen zu betrachten ist“, mit 17 gegen 11 Stimmen verworfen wurde. Die Fortsetzung der Berathung über diesen Gegenstand erfolgt in der nächsten Sitzung.

Frankfurt. Frankfurt a. M., 20. Aug. (O. P. A. Z.) Herr von Andrian, seitheriger zweiter Vice⸗Präsident der verfassung⸗ gebenden Reichsversammlung, hat am 13ten d. M. Abends Frank⸗ furt verlassen, um sich als Gesandter Deutschlands nach Paris und von da nach London zu begeben. 3

Ausland.

Oesterreich. Pesth, 15. Aug. Der Közlöny bringt folgende Mittheilung des Kriegs⸗Ministers: „Mitbürger! Unsere tapferen Krieger haben drei Siege erkämpft: Bei Neusina unter dem Kommando des Ober⸗ sten Ernst Kiß, zwischen Verbaß und St. Thomas, unter dem Kom⸗ mando des General Wallenhofer (an diesem Gefechte nahm das Li⸗ nien⸗Militair und die National⸗Garde rühmlichen Antheil); bei Ja⸗ rek, unter dem Kommando des Grafen Castillioni. Den ausführli⸗ cheren Bericht werde ich morgen mittheilen. Pesth, 15. August 1848. Lazar Meßaros, Kriegs⸗Minister.“

Venedig, 12. Aug. (Oest. Ztg.) Am 11. August Mor⸗ gens traf von Mestre ein Parlamentair in Venedig ein, mit einem vom Feldmarschall⸗Lieutenant Welden an die außerordentlichen sardi⸗ nischen Commissaire gerichteten Schreiben folgenden Inhaltes:

„Der General en chef des zweiten Reserve⸗Corps. An die Herren außerordentlichen Commissaire Sr. Majestät des Königs von Sardinien in Venedig. Padua, 11. August.

Ich habe die Ehre, Sie von inliegendem offiziellen Akte in Kenntniß

u setzen: Ueberzeugt, daß die von Sr. Majestät dem Könige von Sardinien mit der Ausführung der Conventions⸗Artikel beauftragten Offiziere rechtzeitig ein⸗ treffen werden, überlasse ich es Ihnen, meine Herren Commissaire, die Feind⸗ seligkeiten einzustellen oder fortzusetzen.

Genehmigen Sie den Ausdruck meiner Hochachtung.

Der General en chef des zweiten Reserve⸗Corps Welden.“ (Folgt der Abschluß des Wafeenstillstandes.)

Der Gegenstand dieses Schreibens wurde an demselben Tage im Palaste des Marchese Colli berathen; die Commissaire meinten, dergleichen Zuschristen kein Vertrauen schenken zu können, Colli, Cibrario und Castelli erklärten sich, für den Fall, daß die Sache richtig sei, aufs neue für die Republik, die eigentlich noch gar nicht aufgehört habe zu bestehen. Die Commissaire, hiermit einverstanden, schlugen nun vor, sofort alle Vertheidigungs⸗Mittel zu vermehren und 1) alle Ausgänge der Lagunen zu sperren, 2) auf den Wunsch des Volkes durch die Deputirten⸗Kammer ein Vertheidigungs⸗Comité zu errichten. Der Vorschlag hatte den einstimmigen Beifall der Consulta.

Verona, 14. Aug. (Oest. Lloyd.) Die Festung Peschiera ist wieder von den österreichischen Truppen besetzt; die piemontesische Besatzung hat heute, zufolge des am 9. August zwischen dem Kai⸗ serlichen Ober⸗Kommandanten der Armee in Italien, Feldmarschall Radetzky und dem König von Sardinien abgeschlossenen Vertrages, obengenannte Festung geräumt. Obgleich die Nachricht von der Ab⸗ schließung desselben bereits am 10ten Nachmittags hier angelangt war, so eröffnete dennoch jene Besatzung am Abend des 9ten und am Morgen des 10ten gegen unsere Seite her ein furchtbares Bom⸗ bardement, welches Vielen das Leben kostete und in der Festung selbst viel Verheerung anrichtete. Ueber dieses Bombardement und dee Vorbereitungen zu demselben sind wir im Stande, folgende Details zu geben: Um Peschiera mit Nachdruck von allen Seiten anzugrei⸗ fen, wurden am rechten und linken Mincio⸗Ufer 4 Batterieen errichtet, welche im Ganzen 52 Stücke Geschütze von schwe⸗ rem Kaliber, darunter acht 60pfünder Mörser zählten. Um die Er⸗ richtung dieser Batterieen dem Feinde so viel als möglich zu verber⸗ gen, geschah der größere Theil der Arbeit während der Nacht. Am 9ten Mittags waren die Batterieen fertig und die Artillerie an ihren Posten aufgestellt, um nach vorausgegangener, aber leider erfolgloser Aufforderung zur Uebergabe sofort das Feuer zu eröffnen. Um 7 Uhr fingen alle Batterieen zu spielen an, und nach Verlauf von 1 ½ Stunden war die Festung durch Kugeln, Granaten und Bomben im wahren Sinne des Worts erstürmt. Nach der Aussage der Piemon⸗ tesen selber war die Verwirrung unter der Besatzung gränzenlos und um so größer, als man keine Ahnung hatte von der großen Anzahl von Batterieen und Kanonen, welche von allen Seiten die Fe⸗ stung Feeinschlossen. Am 10ten bei Anbruch des Tages ward das Feuer mehrere Stunden hindurch fortgesetzt, bis zuletzt die Kunde vom Waffenstillstande allen Feindseligkeiten ein Ende machte. Uusere junge Artillerie⸗Mannschaft fand bei diesem Bombar⸗ dement Gelegenheit, sich auszuzeichnen, so daß schon nach den ersten Schüssen das feindliche Feuer zum Schweigen gebracht war. Allein die furchtbarste Wirkung machte eine Bombe, welche ins feindliche La⸗ boratorium siel und die darin aufbewahrten gefüllten Granaten zün⸗ dete. Drei Mann fielen als Opfer dieser Explosion, von deren Leich⸗ namen man aber nicht die geringste Spur vorfand; 7 starben vor Schrecken eines plötzlichen Todes. In derselben Kaserne, die sehr 9. Fösent ver das einzige Asyl⸗ der Besatzung, sprengte eine Bombe Man Z veichte in Aller Gemüther Schrecken und Verwirrung. die Fortsetzun Sgagsen annehmen, daß die piemontesische Besatzung halten kün 8 des Bombardements schwerlich noch hätte länger aus⸗ ha onnen, und daß ihr der Abschluß des Waffenstillstandes sehr willkommen kam, kraft dessen sie mit Ehren abzog.

Frankreich. National⸗Versammlun Si 5 g. itzung vom 19. August. Anfang 1 ¾ Uhr. Vice⸗Präsident Lacrosse führt

den Vorsitz. An der Tagesordnung ist die neue Präsidentenwahl. Die Saalwärter stellen die Urnen zurecht. Der Präsident zieht durchs Loos die Stimmzettelsonderer, und eine Stunde später verkündigt Lacrosse folgendes Resultat: Zahl der Stimmenden 708. Absolute Mehrheit 335. Marrast erhielt 611, Bac (Präsident des Berges) 54, Lacrosse (Kandidat der Rue de Poitiers) 26, Dufaure 3, Ledru⸗ Rollin 6 und Lamartine 2 Stimmen. Marrast wird demnach zum Präsidenten proklamirt. Louis Blanc bittet ums Wort über einen außerhalb der Tagesordnung liegenden Gegenstand. „Das Blatt La Patrie“, sagt er, „veröffentlichte gestern Abend bereits Auszüge aus den Bauchardschen Aktenstücken, welche kaum um 2 Uhr an uns Repräsentanten vertheilt worden waren. Diese Auszüge behandeln namentlich die Zusammenkunft, die am 14. Mai in meiner Wohnung am Café Tortoni gehalten wurde, und worin angeblich der Zug des 15. Mai zum Entschluß gebracht worden sein soll. Ich habe mich schon über die Grundlosigkeit jener Zusammenkunft gerechtfertigt; aber das genannte Blatt hütet sich wohl, die Rechtfertigung beizu⸗ fügen. Es läßt dieselbe absichtlich weg, und ich bitte im Sinne des Artikel 60 des Reglements, die Dringlichkeit auszusprechen.“ Des⸗ longrais behauptet, nicht Art. 60, sondern 49 und 50 träten in Anwendung. Vice⸗Präsident Lacrosse: Sie irren sich! Baune: Auch ich protestire gegen gewisse Stellen der Aktenstücke im voraus. Nament⸗ lich erkläre ich die Aussagen des Repräsentanten Türck für Verleumdung. Türck springt auf die Rednerbühne und sagt: „Ich behalte mir fuͤr den Tag der Diskussion vor, auf diese Vorwürfe zu antworten.“ Die Versammlung, sehend, daß der Skandal schon heute loszubrechen drohe, erstickte rasch die Stimme der Redner und kehrte zur Tages⸗ ordnung, nämlich zu den gütlichen Vergleichen, zurück. Dupin der Aeltere möchte die allgemeine Diskussion noch einmal einfädeln und die dem Entwurfe des Gesetzgebungs⸗Ausschusses zunächst liegende Proposition Rondeau's zur Berathung gebracht sehen. Er wünscht daher, die Versammlung möge sich zwischen der Rondeauschen Pro⸗ position und dem Entwurfe des Handels⸗Ausschusses sofort entschei⸗ den. Favre verlangt die unmittelbare Berathung des Handels⸗Aus⸗ schuß⸗Entwurfs. Crespel unterstützt dieselbe. Die Versammlung beginnt den Entwurfdes Handels⸗Ausschusses. Art. 1 lautet: „Jeder Handelsmann, der seit dem 24. Febr. seine Zahlungen oder sein Geschäft eingestellt, kann auf einen Monat lang von seinen Gläubigern Stundung erhal⸗ ten, wenn er seine Gründe dem Handelsgerichte vorlegt und aus seinen Büchern nachweist, daß seine Geschäfte bis zum 24. Februar gut standen. Das Haändelsgericht prüft diese Eingaben und ernennt aus der Zahl der Gläubiger einen oder mehrere Kommissarien, welche zu einer freiwilligen Inventarisirung schreiten. Auszug aus diesem Urtel mit genauer Bezeichnung der Vor⸗ und Zunamen ꝛc. der Li⸗ quidations⸗Kommissarien ist in drei pariser Blättern zu veröffentli⸗ chen oder, wenn der Antragsteller in der Provinz wohnt, in zwei Jour⸗ nalen seines Departements.“ Nach langer Diskussion und mancherlei vergebens versuchten Zusätzen geht dieser Artikel durch. Art. 2 lau⸗ tet: „Unter Aufsicht von Kommissarien setzt der Schuldner seine Ge⸗ schäfte fort. Diese Kommissarien haben über Verwendungen von Ein⸗ nahmen und Ausgaben zu bestimmen.“ Auch dieser Artikel wird an⸗ genommen. Art. 3 lautet: „Die Kommissarien haben sich die Bücher, Korrespondenzen, Papiere, Gelder und Waaren vorzeigen zu lassen und hiernach die Aktiva und Passiva zu bestätigen.“ Wird ebenfalls angenommen. In diesem Augenblick (kurz vor 5 Uhr) zieht eine be⸗ deutende Menge Truppen in die Nähe des Sitzungssaales; ein Ka⸗ vallerie⸗Regiment sperrt die Konkordienbrücke, und die Quais werden mit Schildwachen besetzt. Das Gerücht geht, an der Porte St. Denis hätten sich mehrere Tausend Franen und Kinder der Insurgenten zusammengerottet, um über die Bouvelards dem Revolutionsplatze zuzuziehen und der Na⸗ tional⸗Versammlung eine Bittschrift zu Gunsten ihrer eingesperrten und respektive depöortirten Männer und Väter. zu überreichen. Die Versammlung setzt indessen ruhig ihre Berathung fort. Art. 4 han⸗ delt von der Zusammenrufung der Gläubiger in den Zeitungen, von der Verification der Aktiva und Passiva und dem Gutachten, ob freiwilliges Uebereinkommen bewilligt wird oder nicht. Wird nach langem Zaudern verworfen und hierdurch der ganze Entwurf fast in Frage gestellt. Es herrscht großes Erstaunen im Saale. Die Siz⸗ zung wird um 6 Uhr geschlossen.

Paris, 19. Aug. Heute Vormittag hat der Marquis von Normanby dem General Cavaignar sein Beglaubigungsschreiben als mit einer besonderen Mission bei der französischen Republik beauftrag⸗ ter außerordentlicher Botschafter und Bevollmächtigter Englands überreicht.

Auf den Straßen nach Italien eilen Couriere hin und her. Gestern Abend meldeten die Blätter, Karl Albert habe zu Gunsten seines sechsundzwanzigjährigen Sohnes, des Herzogs von Savoyen, abgedankt, weil kein Minister den Waffenstillstand habe gegenzeichnen wollen. Karl Albert habe vergebens sich bemüht, ein neues Ministe⸗ rium zu bilden. Es sei ihm aber überall abschlägige Antwort er⸗ theilt worden, und in dieser Verlegenheit habe er abgedankt.

Im heutigen Messager liest man: „Es ist angezeigt worden, daß der Kaiser von Oesterreich die Vermittelung Englands und Frank⸗ reichs in den italienischen Angelegenheiten angenommen habe. Der Morning Herald vom 17. d. sagt: Das gemeinschaftliche Vermit⸗ telungs⸗Anerbieten sei dem Kaiser zu Innsbruck gemacht worden, seine Antwort habe jedoch gelautet, daß er sich mit seinen Ministern in Wien berathen und einen Bericht des Marschalls Radetzky abwarten wolle. Wir wissen indeß sicher, daß die Annahme von Seiten des Kaisers entschieden ist, unter der einzigen Bedingung, daß er bei der Unterhandlung repräsentirt werde. Rom soll als Ort der Konferen⸗ zen vorgeschlagen worden sein, man hofft aber, daß sie in Grenoble stattfinden werden.“ Die Presse sagt: „Der sardinische Botschafter, Herr von Brignoles Sale, soll Herrn Bastide erklärt haben, das sar⸗ dinische Ministerium habe gegen den Waffenstillstand, dessen Text ver⸗ öffentlicht worden, protestirt. Wenn diese Nachricht sich bestätigt, so ist sie sehr ernst, besonders in Verbindung mit den Vorgängen in Genua, wo die Regierung täglich einen entschiedeneren Oppositions⸗Charakter gegen alle Umgebungen des Königs annimmt. Ohne Zweifel ist es diese neue Verwickelung, welche zu den umlaufenden Gerüchten von der Abdankung Karl Albert's zu Gunsten seines Sohnes, des Her⸗ zogs von Savoyen, Anlaß gegeben hat. Aber so beklagenswerth die Lage Karl Albert's sein mag, und wie groß die politischen und per⸗ fönlichen Schwierigkeiten sein mögen, die ihn umgeben, so glauben wir doch nicht, daß er den ihm zugeschriebenen Gedanken auch nur einen Augenblick gehegt hat. Der Herzog von Savoyen ist sehr populair in der Armee. Karl Albert dagegen hat, mehr durch die Schuld seiner Generale als durch seine eigene, in vier Tagen die Popularität eingebüßt, welche ihm die seinem Volke gemachten Zu⸗ geständnisse und sein Einrücken in Fermbarde⸗ erworben hatten. Es ist also nicht unmöglich, daß f erlegenheiten und neue Un⸗ glücksfälle das zur Wirklichkeit Rvg bagaa. was jetzt nur noch ein unbegründetes Gerücht ist. Der Constitutionnel ver⸗ sichert gauz bestimmt, daß der sardinische Botschafter gegen den Waffenstillstand protestirt habe. „Wir hören“, sagt dies Blatt, „daß in einer Berathung italienischer Rechtsgelehrten erklärt worden, General Salasco habe in der Unterzeichnung des Waffenstillstandes seine Vollmachten überschritten, indem er befestigte Plätze aufgegeben und die Regierung kompromittirt habe.“ Der Courrier fran⸗

gais berichtet: „Man wird sich erinnern, daß wir vor einiger Zeit erwähnten, ein österreichischer Abgesandter sei auf seinem Wege nach London durch Paris gekommen, und zwar derselbe, der früher im Hauptquartier Karl Albert's gewesen. Wir sind unn im Stande, einiges Nühere über die gepflogenen Unterhandlungen mitzutheilen. Es scheint gewiß, daß Oesterreich, ungeachtet seiner Siege, die Lom⸗ bardei aufgeben und nur das venetianische Gebiet behalten will, aber unter zwei Bedingungen: erstens, daß die Lombardei nicht mit den sar⸗ dinischen Staaten vereinigt werde, und zweitens, daß es für die lombardische Schuld nicht aufzukommen habe. Außer diesen persönlichen Anord⸗ nungen verlangt Oesterreich, in Betracht der Neutralität, welche der König von Neapel mit so viel Gefahr beobachtet hat, zu Gunsten des zweiten Sohnes desselben das Königreich Sicilien, dessen Unab⸗ hängigkreit anerkannt werden soll. Dies sind, wie man uns versichert, die Grundlagen der jetzt schwebenden Unterhandlungen, und dieselben sind auch von Herrn von Gagern, als Repräsentanten der frank⸗ furter National⸗Versammlung, angenommen worden. Was Venedig betrifft, so wird es nicht nur einen Theil der österreichischen Mo⸗ narchie bilden, sondern auch dem deutschen Bunde einverleibt werden; es wird Abgeordnete in das Parlament zu Wien und in die Ver⸗ sammlung zu Frankfurt senden. Auf der Citadelle von Venedig wird die deutsche Fahne neben der österreichischen wehen.“

Der Polizei⸗Präfekt hat gestern wieder ein Bülletin über den Zustand der Hauptstadt publizirt, welches sagt, daß die Aufregung, die in den letzten Tagen abermals die Gemüther eingenommen habe, sich wieder lege, und daß kein ernstlicher Anlaß vorhanden sei, eine neue Störung der wieder Platz greifenden Sicherheit zu besorgen; fast auf allen Punkten des Landes zeige sich schon eine merkliche Bes⸗ serung in den Geschäften und im Handelsverkehr, und die Leichtig⸗ keit, womit die letzte Staats⸗Anleihe zu Stande gekommen, beweise, daß auch das Geld sich dem öffentlichen Vertrauen nicht entziehe.

Der Generalstab der pariser Nationalgarde ist aufgelöst. Bis⸗ her geschah die Bildung des Generalstabs durch Wahl; auf Spezial⸗ befehl Cavaignac's vom 15. August ist derselbe unmittelbar von ihm selbst ernannt worden. In Folge obiger Generalstabs⸗Reform erläßt heute Changarnier, Generalissimus der hiesigen Nationalgarde, einen Tagesbefehl, der allen Posten⸗Chefs vorschreibt, sich nach dem Na⸗ men und dem Grade desjenigen Generals vorher zu erkundigen, von dem ein solcher Befehl ausgeht. Dieser Tagesbefehl beginnt mit den Worten: „Wenn gegen unsere Wünsche die Nationalgarde noch ein⸗ mal berufen sein sollte, einen Kampf zu beginnen, dann wird der un⸗ terzeichnete Ober⸗Befehlshaber nur eine geringe Zahl von Befehlen ertheilen, die in folgender Weise ihre Ausführung zu erhalten.“ (Folgen nun die Details.)

Der erste Band der Aktenstücke des politischen Untersuchungs⸗ Berichts der Herren Senard und Bauchart ist nun erschienen. Die Journale füllen sich bereits mit wörtlichen Abdrücken und Auszügen, die aber nichts von wesentlicher Bedeutung enthalten, was nicht schon aus dem der National⸗Versammlung vorgelesenen Kommissionsbericht bekannt wäre. Es ist eine Zusammenstellung aller Verhör⸗Protokolle. Heute Abend wird der zweite Band dieser Aktenstücke erwartet.

Der Moniteur bringt heute das Reglement, das dem Beschluß der National⸗Versammlung vom 15. Juli rücksichtlich der Einführung von Arbeiter⸗Associationen bei Uebernahme von öffentlichen Arbeiten als Vervollständigung dient. Die Arbeiten, welche der Minister an dergleichen Arbeiter⸗Vereine direkt zuschlagen darf, sind folgende: 1) Erdarbeiten, 2) Steinbrüche, 3) Brunnen und Gewölbe, 4) Fluß⸗ vertiefungen, 5) Steinsprengen für Straßenbau, 6) Anfertigung oder Bearbeitung des sogenannten trockenen Steinmaterials (Backsteinen), besonders häufig angewandt bei Anlage von Grundmauern, 7) Häu⸗ ser⸗ und Monumental⸗Skulptur, 8) Maurerei, Zimmerei, Tischlerei, Schlosserei, Dachdeckerei, Straßenpflasterei u. s. w., wenn zur Aus⸗ führung dieser Arbeiten vom Vereine keine Materialien zu liefern sind. Alle diese Arbeiten darf der Minister solchen Arbeiter⸗Associa⸗ tionen in öffentlichen Bietungs⸗Terminen direkt zuschlagen, vorausge⸗ setzt jedoch, daß der Kostenanschlag nicht über 20,000 Franken läuft. Auch spricht sich das Reglement noch über die Bedingungen aus, welche jener Beschluß der National⸗Versammlung an dergleichen Zuschlag von Arbeiten knüpft.

In der Nacht vom 17ten zum 18ten sind abermals, zu zwei und drei an einander gefesselt, 495 Insurgenten aus den Forts nach Havre gebracht worden. Der Moniteur bringt heuter ihre Namen. Es befinden sich darunter auch ein paar Deutsche.

In den Mairie⸗Aemtern werden seit gestern wieder bedeutende Massen von scharfen Patronen an die Nationalgarde vertheilt.

Großbritanien und Irland. London, 18. Aug. Heute fand im auswärtigen Amte wieder ein Kabinets⸗Rath statt. Ihre Majestät die Königin ist gestern wieder nach Osbornehouse, Insel Wight, abgegangen. 8

Graf Ludolf, neapolitanischer Gesandter in Rom, befindet sich, mit einer Spezial⸗Mission seines Hofes betraut, seit einigen Tagen hier und wurde gestern durch den Fürsten von Castelcicala, den Ge⸗ sandten Neapels, Lord Palmerston vorgestellt.

Den Schluß der gestrigen Unterhaus⸗Sitzung bildete eine Debatte über die zweite Lesung der Bill zur Anknüpfung diplomati⸗ scher Verbindungen mit dem päpstlichen Stuhle. Lord Palmerston beantragte dieselbe und führte zur Motivirung hauptsächlich kommer⸗ zielle Gründe an, welche es für England wünschenswerth machen, in Beziehung zu dem römischen Hofe zu treten. Die constitutionellen Einsprüche von Seiten der hochkirchlichen Partei berührte der Minister nur obenhin, weil sie nicht haltbar wären und England nach ihnen eben so gut mit einer muhamedanischen Macht nicht in Verbindung treten dürfe aus Furcht, sein Souverain könne muhamedanisch werden. Herr Anstey beantragte die Verwerfung der Bill, und Herr Ur⸗ quhart unterstützte den Antrag, doch wurde derselbe nach längerer Diskussion mit 125 gegen 40 Stimmen verworfen und die Bill zum zweitenmal verlesen.

In Birmingham sind zahlreiche Verhaftungen unter den dortigen Chartisten vorgenommen worden.

Mit dem „Jupiter“ sind Nachrichten aus Lissabon vom 9ten d. M. eingegangen. Sie melden, daß die Finanzanträge der Regierung wegen Beschaffung der Mittel und Wege für das Finanz⸗ jahr bis zum 30. Juni 1849 und Deckung des Defizits von der De⸗ putirtenkammer angenommen und an die Pairskammer verwie⸗ sen seien.

Das Dampfschiff „Hibernia“ hat gestern neuere Nachrichten aus New⸗York bis zum 2. August nach Liverpool überbracht. Der Senat in Washington hatte eine Bill angenommen, deren eigent⸗ licher Zweck war, die Einführung der Sklaverei in Neu⸗Mexiko und Californien zu gestatten. Allein das Haus der Repräsentanten wei⸗ gerte sich, über diese Bill auch nur zu berathschlagen. Die Sklave⸗ rei geht auch in den Vereinigten Staaten offenbar ihrem Ende ent⸗ gegen. In Merxiko, aus dessen Hauptstadt die Berichte bis zum 14. Juli reichen, haben Bustamente, an der Spitze der Regierungs⸗ truppen, und Paredes, der mit Jarnata die Aufständischen befehligt, sich eine Schlacht geliefert; beide Parteien schreiben sich den Sieg zu. In der Hauptstadt Mexiko wartete das diplomatische Corps, nämlich die Vertreter der Vereinigten Staaten, Preußens, Englands, Frankreichs und Spaniens, dem General Herrera auf, um ihm zum

von St. Maria zugekommen waren,

6 593 Antritte seines Amtes als Präsident ihren Glückwunsch darzubringen. In Nukatan hat der europäische Stamm endlich die Oberhand be⸗ kommen; die Indianer sind in mehreren Treffen geschlagen. Von den 30,000 Dellars, welche die merkanische Regierung den Einwohnern von Nukatan zugesagt hat, sind 10,000 in Campeche angekommen.

Niederlande. Aus dem Haag, 17. Aug. Die zweite Kammer der General⸗Staaten hat gestern die Diskussion über die Revision des Grundgesetzes begonnen, welche heute fortgeführt wurde. Heute sind seitens des Gouvernements neue Modificationen zu der⸗

selben vorgelegt worden.

Schweiz. Zug. Der Große Rath hat am 14. August mit 37 gegen 24 Stimmen beschtossen, dem Volke den Entwurf der Bun⸗

desverfassung mittelst einer Proclamation zur Annahme zu empfehlen. Abstimmung: Sonntag den 20. August.

Graubündten. Nach Berichten, die der Bündner Zeitung hatte das Veltlin sich als Re⸗ publik erklärt, und war man entschlossen, auf dem Stelvio den Kampf fortzusetzen. Nach diesen Berichten hatten auch dort mehrere Gefechte stattgefunden, wobei die Italiener die Oberhand behielten. Spätere Nachrichten melden dagegen, daß bedeutende Haufen italienischer Flücht⸗ linge von dieser Seite her in Graubündten anlangen, so daß der Kleine Rath sich bewogen fand, den betreffenden Gerichtsbehörden besondere Verhaltungsmaßregeln vorzuschreiben. Sodann ist eine Jä⸗ ger⸗Compagnie an die Gränze abgeordnet worden.

Tessin. Die Regierung von Tessin schickt täglich Depeschen an den Vorort, um über die Lage der Dinge zu berichten. Es zeigt sich aus denselben, daß neben vielen bürgerlichen Flüchtlingen auch Sol⸗ daten in die Schweiz kommen, die meisten zwar einzeln und unbewaff⸗ net, doch auch etliche Compagnieen mit Waffen, Sack und Pack, ja sogar mit 3 Haubitzen. Die Waffen sind ins Innere des Kantons gebracht worden.

Basel⸗Stadt, 17. Aug. (O. P. A. Z.) Heute wurde über die neue Bundes⸗Verfassung hier abgestimmt. Sie wurde mit einer Mehrheit von 1364 gegen 186 Stimmen angenommen, ein Verhält⸗ niß, wie es sich zu Gunsten des Entwurfes noch nirgends in der Schweiz herausgestellt hat. Noch größer würde die Zahl der An⸗ wesenden geworden sein, wenn, wie es im neuen Bunde vorgeschrieben ist, bereits schon jeder hier wohnende Schweizer hätte mitstimmen dürfen. Aus diesem Ergebniß darf man jedoch nicht schließen, als sei es die Folge des inneren Werthes des Entwurfs, der im Gegen⸗ theil die bisherigen abgeschlossenen inneren Verhältnisse Basels we⸗ sentlich umgestaltet und in materieller Beziehung diesem Kantone nicht unbeträchtliche Nachtheile zufügt; seine Annahme geht vielmehr aus dem Wunsche hervor, endlich einmal aus dem prekären Zustande der Schweiz herauszukommen und sich in Erwartung des Besseren mit etwes minder Gutem zu begnügen.

Basel⸗Land. (E. Z.) Im hiesigen Kanton ist nun Folgen⸗ des das Resultat der gesammten Abstimmung über die neue schweize⸗ rische Bundes⸗Verfassung: Annehmende 3066, Verwerfende 430. Es betheiligte sich nahe die Hälfte der Stimmberechtigten.

Waadt. Die Großraths⸗Kommission, die den Bundes⸗Ent⸗ wurf zu prüfen hatte, hat sich mit Ausnahme eines Mitgliedes ein⸗ stimmig für Annahme der Bundez⸗Verfassung erklärt. Der Große Rath ist auf den 22. August einberufen. Der Nouv. V. glaubt, die Volks⸗Abstimmung werde am 2. oder 3. September stattfinden.

Italien. Turin, 11. Aug. (D. A. Z.) Die von Karl Albert unterm 10. August aus Vigevano an die Völker des Reichs erlassene Proclamation lautet vollständig:

Die Unabhängigkeit Italiens trieb mich zum Krieg gegen unseren Feind. Von der Tapferkeit meiner Armee unterstützt, lächelte anfangs der Sieg unseren Waffen. Weder ich noch meine Söhne sind vor der Gefahr ge⸗ wichen. Die Heiligkeit der Sache verdoppelte unseren Muth. Das Lächeln des Sieges war von kurzer Dauer. Der Feind war angewachsen, und mein Heer stand fast allein im Kampfe. Der Mangel an Lebensmitteln zwang uns, Stellungen, die wir früher erobert, Landestheile, welche die ita⸗ lienischen Waffen befreit hatten, zu verlassen. Mit dem Heere hatte ich mich zur Vertheidigung Mailands zurückgezogen; erschöpft aber von den langen Anstrengungen, konnte dieses nicht eine neue Feldschlacht wagen, denn auch die Kraft des tapferen Soldaten hat ihre Gränzen. Die innere Vertheidigung der Stadt konnte nicht durchgeführt werden. Es fehlte an Geld, es fehlte an genügenden Munitionen und Lebensmitteln. Die Brust der Bürger hätte vielleicht einige Tage widerstehen können, nur aber um uns unter den Ruinen zu begraben, nicht um unseren. Feind zu besiegen. Eine Convention wurde von mir eingeleitet; von den Mailändern selbst wurde sie weiter betrieben und unterzeichnet. Ich kenne die Beschuldigun⸗ gen, mit welchen Einige meinen Namen beflecken möchten. Gott aber und mein Gewissen sind Zeugen von der Redlichkeit meiner Handlungen. Der unparteiischen Geschichte überlasse ich das Urtheil. Jetzt aber ist ein Waf⸗ fenstillstand von sechs Wochen mit dem Feinde abgeschlossen worden. In dieser Zeit werden wir ehrenwerthe Friedens⸗Bedingungen erhalten oder wir werden wieder zum Kampfe schreiten. Mein Herz schlug immer für die italienische Unabhängigkeit, aber Italien hat der Welt noch nicht zu erken⸗ nen gegeben, daß es allein hierzu zu gelangen vermag. Völker des Reichs, zeigt euch stark bei einem ersten Unglück! Bringt die freien Institutionen, die neu unter euch entstehen, in Anschlag. So wie ich, nachdem ich die Bedürfnisse der Völker erkannt, sie euch zuerst gewährt, so werde ich sie zu jeder Zeit gewissenhaft zu beobachten wissen. Ich gedenke der Lebehochs, mit welchen ihr meinen Namen begrüßt habt; sie klangen noch in meinen Ohren mitten im Getöse der Schlacet. Vertraut ruhig auf euren König. Die Sache der italienischen Unabhängigkeit ist noch nicht verloren.“

Genua, 9. Aug. Eine Kommission ist so eben an den König abgeschickt worden, um ihm den wahrhaften Sachzustand zu erkennen zu geben. Die Stadt ist in Aufregung; man transportirt Pulver, Kanonen. (7 Uhr Abends.) Das Volk ist in Gährung. Am denk⸗ würdigen Stein von 1746 hat man so eben den Schwur des Hasses und der Vertilgung gegen die fremden Unterdrücker ernenert. Zwei Männer, welche sich bestrebten, die Volksbegeisterung aufzuhalteu und Zwietracht auszustreuen, sind ergriffen und gemißhandelt worden; die Bürgerwehr hat sie nur mit Mühe halbtodt der Wuth des Volkes zu entreißen vermocht. Die Ordnung und Ruhe haben sich so eben wiederhergestellt; aber man muß gegen neue Ausbrüche auf der Hut sein.

Florenz, 9. Aug. (D. A. Z.) Seit meinem letzten Briefe hat sich die Lage der Dinge hier bedeutend geändert. Der Gonfaloniere (Ober⸗Bürgermeister) von Florenz, Baron Bettino Ricasoli, der den Auftrag erhalten hatte, ein neues Ministerium zu bilden, ist theils an der all⸗ gemeinen Unlust, in diesen kritischen Zeiten ein Portefeuille anzunehmen, theils auch wohl an dem Widerwillen gegen seine eigene Persönlichkeit gescheitert. Die Präsidenten der beiden Kammern, die der Groß⸗ herzog hatte zu sich kommen lassen, um ihren Rath über eine neue Combination zu hören, haben einen solchen mit ihrer Stellung un⸗ vereinbar erklärt. Da indessen die Ereignisse immer mehr drängten, die Oesterreicher sich von der modenesischen und römischen Gränze aus drohend näherten, so hat sich das abgetretene Ministerium bereit erklärt, seine Functionen vorläufig weiter auszuüben unter der Be⸗

dingung eines Vertrauensvotums von Seiten beider Kammern. Das⸗ selbe ist ihm denn auch (in der Deputirten⸗Kammer oder, wie sie hier heißt, dem Consiglio generale, gegen eine Minderheit von 7 Stimmen) gewährt worden, zugleich mit der Ermächtigung, während der nächsten 8 Tage sowohl gegen Einzelne als gegen die Presse, die politischen Vereine und Versammlungen mit discretionairer Gewalt einzuschrei⸗ ten, also eine Art Suespension der constitutionellen Garantieen. Im Allgemeinen billigt die öffentliche Meinung diesen Beschluß der Kammern, da sich bedenkliche revolutionaire Gelüste unter der Masse des Volks und hier und da Insubordination bei dem Militair zu zei⸗ gen begannen. Nur die radikale Presse ist natürlich sehr aufgebracht, eines ihrer Organe, der Inflessibile, hat sein Erscheinen auf acht Tage suspendirt, zugleich eine energische Protestation gegen jene Maßregel beifügend, der sich ein anderes Blatt, der Popolano, angeschlossen hat.

Letzterer fährt jedoch, nur mit Weglassung der polemisirenden Artikel, fort, zu erscheinen. Der englische Gesandte hat seine Vermittelung bei

den österreichischen Generalen angeboten, und es dahin gebracht, daß

Welden erklärt hat, die toscanischen Gränzen respektiren zu wollen,

unter der Bedingung, daß in Toscana die Ordnung aufrecht erhalten

werde, daß keinerlei Angriff gegen österreichische Corps und kein Auf⸗

gebot in Masse stattfinde. Der englische Gesandte hat diese Bedin⸗

gungen garantirt, und die toscanische Regierung ist darauf eingegan⸗

gen. Die toscanischen Truppen sind vorläufig in Parma stationirt,

werden sich aber wohl bald auf die toscanische Gränze nach Pontremoli

zurückziehen. Im Allgemeinen herrscht hier eine große Entmuthi⸗

gung, das „L'llalia farà da sè“* ist verschwunden; man hofft nur

noch auf eine französische bewaffnete oder eine englische unbewaffnete

Intervention. Selbst die Journale stimmen ihren hohen Ton

sehr herab.

Modena, 12. Aug. Der Herzog Franz V. ist am 10. August wieder in seine Residenz eingezogen, nachdem er unterm 8. August von Mantua aus eine Proclamation erlassen hatte, in welcher er anzeigte, daß er nach der Stimme seines Herzens und der Pflicht sich wieder seinen geliebten Unterthanen nähere; obschon un⸗ gern, müsse er erinnern, wie eine trubulente Minderheit den ehrgeizigen Absichten einer benachbarten Regierung gedient und an der Zerstörung eines unabhängigen Staats Theil genom⸗ men; er hoffe, daß die große getreu geoliebene Mehrheit nach Kräf⸗ ten zur Herstellung ihres Souverains und der öffentlichen Ordnung beitragen werde. Besonders erwarte er das von den Truppen, welche wider Willen durch die Verhältnisse gezwungen wur⸗ den, für eine Sache zu fechten, die nicht die ihrige war. Er er⸗ mahnt zu guter Aufnahme der österreichischen Truppen, die als Freunde und Befreier kommen. Unverzüglich wolle er sich übrigens mit den Zugeständissen beschäftigen, die er zu machen geneigt war, damit das Land der Institutionen sich erfreuen möge, welche die Zeit erfordert, und welche mit denen der Nachbarstaaten übereinstimmen.

Rom, 7. Aug. (D. A. Z.) Seit gestern trifft hier ein rei⸗ jender Eilbote nach dem anderen aus Bologna mit Nachrichten vom Vorrücken österreichischer Corps auf päpstlichem Ge⸗ biete ein. In Rom herrscht darüber schon seit gestern die größte Bestürzung. In dieser Verwirrung, wo alle höhe⸗ ren Staats⸗Beamten den Kopf verloren zu haben scheinen, wollte die Revolutionspartei der Bürgergarde bei einbrechen⸗ der Dunkelheit einen Handstreich auf die Wohnungen der Kar⸗ dinäle und den päpstlichen Palast des Quirinals ausführen und die Engelsburg überrumpeln, deren Kanonen die Stadt beherrschen. Da wurden in aller Eile die Guardie nobili, Gendarmen, die regulaire Miliz nebst der schweizer Leibwache des Papstes (letztere trägt sonst nur Hellebarden) mit Musketen bewaffnet; jeder Mann erhielt 60 scharfe Patronen, um damit auf das gefürchtete Attentat der Civica zu ant⸗ worten. Solche außerordentliche Vorkehrungen erhielten die Ruhe.

Dabei aber wuchs mit jedem Augenblicke die leidenschaftliche Unruhe der Gemüther bei jeder neuen Kunde aus der Romagng. Ohne wei⸗ ter auf das hier geltende strenge, jede Handarbeit am Sonntag ver⸗ bietende Kirchengesetz Rücksicht zu nehmen, ließ der Kriegs⸗Minister Graf Campello alle Pressen der Kammerdruckerei noch gestern Abend in Bewegung setzen, um folgenden Aufruf zu veröffentlichen, in wel⸗ chem die augenblickkiche Stimmung des ministeriellen Roms mit allen ihren Tönen und Klängen laut wiederhallt. 40,000 Exemplare des Dokuments wurden abgezogen und heute in alle Gegenden des Kir⸗ chenstaates verschickt. „Soldaten und Bürger! In diesem ernsten Augenblicke, wo die Vorse⸗ hung die Errettung Italiens auf eine fürchterliche Probe stellt, steht der Feind auf dem Punkt, in die Legationen vorzurücken, oder vielmehr, er ist schon eingerückt. Welches Schicksal harrt der Provinzen und des ganzen Staates, wenn uns nicht ein verzweifelter Muth mit jener Stärke waffnet, deren ein Volk, das will, stets fähig ist? Das Vaterland wendet sich des⸗ halb an euch, tapfere. Soldaten und Bürger⸗Freischaaren, an euch, die ihr euch bei den letzten Kriegsgelegenheiten seiner so würdig zeigtetz an euch, denen kein Anderer es zuvorthut an Sinn für die Unabhängigkeit Italiens, wendet sich das Vaterland mit der Bitte, zu neuem Streite für dasselbe das Schwert umzugürten, zur Vertheidigung des gesegneten Landes hinzufliegen, das uns das Leben gab. Fern von mir ist der Gedanke, daß anderer Sinn als Edelsinn euch beherrscht. Wäre aber auch dies der Fall, so rühre euch die Erinnerung an unsere verbrannten und zerstörten Städte, an die ent⸗ ehrten Gattinnen und Töchter, an die getödteten waffenlosen Greise und Kinder. Zu den Waffen, zu den Waffen im Namen des Gottes, der der vandalischen Rache eines grausamen Feindes ein seine Rechte und seinen Heerd vertheidigendes Volk nicht überlassen kann. Damit indessen Alles unter den gegenwärtigen traurigen Umstäaäͤnden in der Ordnung und mit der Einigkeit betrieben werde, welche ein militairisches Aufgebot und eine mi⸗ litairische Bewegung allein fördern kann, so verordnen wir nach dem Willen Sr. Heiligkeit des Papstes Folgendes: Die Bürgerlegionen und Freischaa⸗ ren⸗Corps, die aus dem Venetianischen jüngst zurückkamen, sollen in ihren Reihen Alle aufnehmen, welche in dieselben einzutreten wünschen. In allen Ortschaften des Kirchenstaates sollen mobile Kolonnen in Compagnieen (jede zu 150 Mann) errichtet werden. Jedes Corps soll unter Führer seines völligen Vertrauens gestellt werden, welche im Vereine mit einem Admini⸗ strationsrath Uniformen und Kriegsmaterial selbst herbeischaffen. Jedem Corps wird ein Kriegsrath mit der weitesten Vollmacht beigegeben, der zur Aufrechthaltung der Disziplin, so wie zur Bestrafung jedwedes Verbrechens, autorisirt ist. Zur Bestreitung der Unterhaltungskosten dieser Corps, seien sie persönliche oder dingliche, wird das Kriegs⸗Ministerium die nöthigen Fonds hergeben und macht die Administrationsräthe für die Verwendung verantwortlich. Sobald diese Schaaren geordnet sind, sollen sie sich flugs nach Cattolica (in der Legation Rimini) und nach Ancona hin auf den Weg machen. Diesen Bedingungen haben sich die Krieger zu unterwerfen, welche von Vaterlandsliebe und Eifer den Staat zu retten beseelt an der durch die Macht der Umstände gebotenen schnellen und nothwendigen Ver⸗ theidigung Theil zu nehmen bereit sind. Rom, 6. August 1848. Der Mi⸗ nister Campello.“

Spanien. Madrid, 14. Aug. Seijas Lozano soll an Sartorius' Stelle Minister des Innern werden und Pidal an Arra⸗ zola's Stelle das Justiz⸗Portefeuille übernehmen. Auch im Kriegs⸗ Departement steht ein Wechsel bevor. Die Cortes sollen früher als gewöhnlich zusammenberufen werden.