1848 / 123 p. 2 (Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

i Nonaten Juni und Juli d. J. bier ehalte⸗- 8. Heencsen, d, dens Veratgungen, von Mitgliedern des Hande Fabrikstandes sowohl in Eingaben an die Königliche in offentlichen Blättern zur Sprache gebracht. Insbesondere bat der Vorstand

9v hiesigen Handels⸗ Vereins durch die unterm 1. Juli d. J. an die 8

dels⸗Innungen und Handels⸗Vorstände in den Städten des 5 erlassene Einladung nicht nur den Wunsch zu einer innigeren Ver indung mit diesen letzteren ausgesprochen, sondern auch zu all emeiner Hünbaeg gh Handels⸗Vereinen schon aufgefordert. Wir zweifeln u cht, daß dieser Schritt die Erreichung des vorgesteckten Ziels wesentlich fördern werde, halten uns jedoch verpflichtet, darauf auch unsererseits nach Kräften hinzuwirken, indem

ir en zc 8 Handelsstande als nothwendig ansehen, um von dessen Zuständen, Bedürfnissen und Wünschen stets vollständige und zuverlässige Kenntniß erlangen zu können, und zu diesem Zwecke die Handels⸗Vereine in weiterer Ausbildung und Gliederung als das geeignetste Organ be⸗ macht 2e sind jedoch von der Ueberzeugung durchdrungen, daß die Handels⸗ Vereine, um lebenskräftig zu werden und ihre wichtige Aufgabe möglichst befriedigend zu lösen, nicht nur aus dem freien Willen der Betheitigten hervorgehen, sondern auch ihre Gestaltung nach eigenem-Ermessen ordnen

2

und bei ihren Verhandlungen, 1 6 1 der Königlichen Regierung, die ungezwungenste Bewegung haben müssen. Wir enthalten uns daher in dieser Hinsicht jeder bestimmenden Einwir⸗ kung und beschränken uns zur Zeit auf Bezeugung des angelegentlichsten Wunsches: 8 „Daß in allen Orten des Königreichs, wo ein genugsam reger Han⸗ dels⸗Verkehr herrscht, von den dabei Betheiligten Handels⸗Vereine gebildet werden mögen, deren Zweck auf gemeinsame Berathung der Zustände, Ver⸗ hältnisse und Bedürfnisse des Handels im Allgemeinen und im Einzelnen, so wie auf gemeinsame Förderung der Interessen desselben, gerichtet ist.) „Wo solche Vereine schon bestehen, werden dieselben, je nach Bedürf⸗ niß, unverändert oder in angemessener Umgestaltung, allein oder neben neu zu bildenden, fortdauern können. . 1 „Wir verbinden hiermit die Aufforderung an alle Handels⸗Vereine, welche entweder bisher schon bestanden, jedoch von ihrem Dasein und ihrer Einrichtung hierher noch keine Nachricht gegeben haben, oder aber sich anders gestalten, oder endlich erst jetzt zusammentreten, ihre Gründung und ihre etwaigen Statuten uns zur Kenntniß zu bringen. Wir überlas⸗ sen uns gern der Hoffnung, daß dieser Aufforderung vielseitig und bald werde entsprochen werden, und behalten uns vor, nachdem dies geschehen, die so⸗ dann erforderlichen Maßregeln, besonders zum Zwecke eines angemessenen Zusammenwirkens der Vereine unter sich und mit der Königl. Regierung, in nähere Erwägung zu ziehen und darüber weitere Eröffnung zu machen.

Hannover, 31. Angust 1848.

Königliches Ministerium der Finanzen und des Handels. Lehzen.“

Braunschweig. Braunschweig, 31. Aug. (Magdb. Ztg.) Durch eine Zuschrift der Landes⸗Regierung ist den Ständen der Eingang eines Schreibens des Kriegs⸗Ministeriums zu Frankfurt an hiesige oberste Militair⸗Verwaltung mitgetheilt, wodurch letztere aufgefordert wird, binnen kurzer Frist die bewaffnete Landesmacht auf den matrikelmäßigen Bestand, zwei Prozent der Gesammt⸗Bevölkerung, zu bringen und förmlich zu organisiren. Zugleich da noch im Herbste dieses Jahres eine Zusammenstellung des Kontingents statt⸗ sinden muß beantragt die Landes⸗Regierung zur Kostenbestreitung die Vermehrung des Militair⸗Etats einstweilen auf 140,000 Rthlr., und zwar durch Eröffnung eines Kredits bei der hiesigen Leihhaus⸗ Anstalt bis zu jener Summe. Obiger Zuschrist war zugleich der Entwurf eines Gesetzes üher die Zusammenstellung und Organisation des Bundes⸗Kontingents zur ständischen Berathung beigefügt, auch die Absicht ausgesprochen, durch Verschmelzung der Bürgerwehr mit den aktiven Truppen⸗Corps die möglichste Ersparung herbeizuführen. Mag letztere auch auf das sorgfältigste durchgeführt werden, so läßt sich doch nach der Meinung der Männer vom Fache nicht erwarten, daß jene Summe genügen werde. Unser Kontingent bestand bisher Daus 2180 Mann, wird jetzt aber auf 5147 Mann erhöht werden müssen. Die Kosten werden um so mehr steigen, als dem Vernehmen nach die Kavallerie, die bisher ein Zehntel des Kontingents bildete, bis auf ein Siebentel desselben vermehrt werden soll.

Hohenzollern⸗Sigmaringen. Sigmaringen. (D. A. Z.) Das hiesige Verordnungs⸗ und Anzeigeblatt enthält eine Bekanntmachung, wonach der Fürst Karl (geb. 1785) die Regierung wegen vorgerückten Alters in die Hände des Erbprinzen niedergelegt. Es folgen sodann zwei Bekanntmachungen des jetzt regierenden Für⸗ sten Karl Anton (geb. 1811), betreffend den Antritt der Regierung. Es werden darin bis auf weitere Verfügung die bestehenden Behör⸗ den und eingesetzten Staatsdiener bestätigt und gesagt: „Treu dem gegebenen fürstlichen Wort und erkennend den Geist der Neuzeit, werde ich mit euch zusammenzuwirken suchen, daß ich mit Eifer und Liebe den Bestand und die Entwickelung der dem Volke gewordenen Freiheit pflegen, dagegen auch nie aus den Augen verlieren werde, daß ich eben darum an das Volk den vollbegründeten Anspruch habe, daß es durch allseitige Bethätigung des Sinnes für Gesetz, Ordnung und Recht mir die Pflege dieser Freiheit ermögliche, wie es endlich meine und meines Volkes Aufgabe sein und bleiben muß, durch Aner⸗ kennung des Willens und Handelns der durch ihre versammelten Ver⸗ treter redenden gesammten deuischen Nation zur Größe, Einheit und zum Glanze Deutschlands, so weit dies in unseren geringen Kräften steht, beizutragen.“

Hamburg. Hamburg, 1. Sept. (Börs. H.) Der hie⸗ sige Königlich preußische Vice⸗Konsul, Herr Stägemann, hat ein Schreiben aus Lübeck, datirt vom 1. September, Mittags 3 Uhr, folgenden Inhalts erhalten: „So eben schreibt mir Herr General von Below Folgendes: Ich beeile mich, hierdurch Ew. Hochwohl⸗ geboren g den anzuzeigen, daß die Auswechselung der Ratificatio⸗ nen der Waffenstillstands⸗Convention, datirt Malmö, den 26. August,

so eben zwischen mir und dem Königlich dänischen Kommissarius,

Heerrn von Reedtz, stattgefunden hat, so daß die Sache als abge macht anzusehen ist und die Dampfschiffe, welche die Ordre zur Auf⸗ hebung der Blokade der Häfen der Nord⸗ und Ostsee überbringen

sollen, morgen früh respektive von Hamburg und von hier abgefer⸗ tigt werden können.“ 1

Die Kommerz⸗Deputation macht Nachstehendes bekannt:

„In Folge heute Morgen von der hiesigen Königlich preußischen Gesandtschaft dem Senat gemachten und von diesem an das Kom⸗ merzium gelangten offiziellen Mittheilungen, wird, auf Verfügung des Königlich preußischen Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten, hierselbst, von heute Abend 6 Uhr an, ein Dampfschiff in Bereitschaft gehalten, um einen Königl. dänischen und einen Königl. preußischen Offizier, welche, nach Auswechselung der Ratificationen des Waffen⸗ stillstandes in Lüheck, hier alsbald eintreffen werden, an Bord zu nehmen und den Befehl zur Aufhebung der Blokaden an die däni⸗ schen Kriegsschiffe in der Nordsee zu überbringen.

Hamburg, den 1. September 1848. Die Kommerz⸗Deputation.“

Frankfurt. Frankfurt a. M., 31. Aug. (O. P. A. Z.) Der Verfassungs⸗Ausschuß hielt heute seine erste Sitzung in dem ewöhnlichen Sitzungssaale der gesetzgebenden Versammlung, und zwar bes offenen Thüren. Herr Fritz Schneider übernahm als Alters⸗ präsitdent den Vorsitz, die Herren Dr. Friedleben und Dr. Schmidt⸗ Holzmann fungirten als Secretaire. Durch Wahl wurde nun Herrn

sowohl in sich und unter einander, als mit—

Geschäftskreis ebenfalls eine fortdauernde und engere Ver-

bräsidium übertragen. Herr N. Hader⸗ mann wurde zum Vicepräsidenten und die Herren Dr. Renner und Dr. Siegmund Müller zu Secretairen ernannt. Den ersten Antrag stellte Herr Dr. Jucho auf Oeffentlichkeit der Sitzungen im Kaiser⸗ Saale, wie auf Zulassung von Stenographen und Zeitungsbericht⸗ Abstattern. Die Stellung eines Antrags in der nächsten Sitzung, wegen Zusammenberufung einer verfassunggehbenden Versammlung, wurde von Herrn Dr. Kugler im voraus angekündigt. Eine Erklä⸗ rung gegen Protokoll⸗Auszüge ꝛc. wurde von Herrn Dr. Reinganum abgegeben. Es wurde beliebt, die Sitzungen ohne vorher streng festgestellte Geschäfts⸗Ordnung zu halten. Die zweite Sitzung wurde schließlich auf Sonnabend den 2. September, Nachmittags um 3 Uhr, anberaumt. Sie wird ebenfalls öffentlich und für Jedermann zugänglich sein.

1“

Ansland. rankreich. National⸗Versammlung. Sitzung vom 31. August. Anfang 2 ¼ Uhr. Präsident Marrast. Die Versamm⸗ lung nimmt ohne alle Diskussion eine Menge von Gesetz⸗Vorschlägen an, welche die Städte Amiens, Chateaurourx, Epinal, Versailles und andere ermächtigen, sich unter gewissen Bedingungen außerordentliche Steuern aufzulegen zur Tilgung von Kapitalien, die sie aufzutreiben sich gezwungen sehen, um ihre brodlosen Arbeiter zu beschäftigen. Hiernächst zieht der Präsident die monatlich vorgeschriebene Erneue⸗ rung der Büreaus durchs Loos. Dann kehrt die Versammlung zur Tagesordnung, nämlich zu der gestern abgebrochenen Debatte über Abschaffung des Dekrets vom 2. März 1848, das die Zahl der Ar⸗ beitsstunden auf 10 täglich festsetzt, zurück. Charles Dupin er- greift zuerst das Wort, um die gestrigen Angriffe Pierre Lerour's gegen Staat, Regierung, Gesellschaft und Privat⸗Industrie zu wi⸗ derlegen. Diese Widerlegung scheint ihm um so nöthiger und nütz⸗ licher, weil die sozialistischen Ideen keine bloße Theorie mehr seien, sondern jetzt in den Köpfen des Armen hausten; sie seien von der Theorie zur Doktrin geworden. Als Beweise hierfür bezieht sich der Redner auf die Arbeiterstürme in Lyon, Li⸗ moges, Rouen, Paris und in jüngster Zeit in Montpellier. Diese Lehren haben Gestalt angenommen; man müsse ihnen daher ins Auge schauen. „Untersuchen wir daher einen Augenblick, ob die Regierung, wie sich Leroux ausdrückt, wirklich blos Gendarmen sind, ob die Ge⸗ sellschaft wirklich eine solche Rabenmutter ist, und ob sie wirklich ihre Kinder, statt sie zu ernähren, langsam und systematisch hinwürgt? Zunächst wird man uns, den Bekämpfern des Sozialismus, zugeste⸗ hen, daß wir den Predigern desselben, z. B. den Herren Pierre Le⸗ roux, Proudhon, Louis Blanc und einigen anderen Aposteln (man lacht), die unumwundenste Redefreiheit zugestanden haben. (Wie gütig!) Alle Welt habe ihnen ruhig Zugehört, und es ist Niemanden eingefallen, den Stein gegen sie zu erheben. Aber sobald diese Lehren vor den Schranken des gesetzgebenden Staatskörpers auftreten, sobald sie das ganze Land in Feuer und Flammen zu versetzen im Stande sind, dann muß man sie ernstlich bekämpfen. Namentlich ist dies unsere Pflicht, die wir uns mit sozialistischen Studien ernstlich beschäftigten.“ Der Redner geht nun in eine ökonomische Beleuchtung der französischen Produc⸗ tions⸗Verhältnisse ein. Von 14 Stunden Arbeitszeit sei die Dauer auf 12 und seit dem Februar auf 10 geschmolzen. Kürzere Arbeits zeit und höherer Lohn sei ein Unding für die heutige Absatzweise. Gambon wundert sich, daß kein Mitglied der provisorischen Regie⸗ rung den Muth habe, das bedrohte Dekret zu retten. Er hofft, Marrast werde von seinem Präsidenten⸗Stuhl herabsteigen, um es zu vertheidigen. Marrast, statt aller Antwort, sagt: Herr Wo⸗ lowski hat das Wort. Wolowski spricht gegen das Dekret. Senard, Minister des Innern: Die obschwebende Frage sei zu wichtig, um nicht auch die Regierung zur Verlautbarung ihrer Ansicht zu nöthigen. Sie erkläre daher hiermit, daß sie das Dekret der pro⸗ visorischen Regierung vom 2. März bekämpfe. Sie bekämpfe aber auch eben so sehr die Erläuterungen der Freihandelsschule, die Herr Wolowski gegen das Dekret geltend gemacht. Die Arbeitsstunden in einer absoluten Weise feststellen zu wollen, sei unsinnig. Die Regie⸗ rung wisse sehr wohl, daß die Konkurrenz manchen Fabrikanten zu unvernünftiger Ausbeutung seiner Arbeiter zwinge. Diesen Mißbräu⸗ chen wolle sie entgegensteuern. Sie schließe sich daher dem Amende⸗ ment Alcan's an, das die Arbeitsdauer auf 12 Stunden feststelle. Wollen F brikanten in Uebereinstimmung mit ihren Arbeitern diese Zahl überschreiten, so haben sie hierfür die Genehmigung der Behörden einzuho⸗ len, sonst verfallen sie in Strafe. Leon Faucher: Ich bewundere, den Herrn Minister auf demselben Felde zu treffen, wie Pierre Leroux. (Lärm.) Leroux beschränkt die menschliche Freiheit, der Minister eben⸗ falls, nur weniger hart. Warum 12 statt 10 Stunden? Wenn Ihr die Stunden regelt, müßt Ihr auch die Lohnhöhe regeln, und dann verfallt Ihr in die gefährliche Charybdis der Arbeits⸗Organisation. Was zu regeln erlaubt, besteht höchstens in der Arbeitsdauer für Kinder. Sonst muß der Prodnction freier Lauf gelassen werden. Brunet stimmt für Annahme des Alcanschen Amendements, das die Regierung zum ihrigen gemacht. Pascal Duprat, Berichterstatter, resumirt die Diskussion. Das März⸗Dekret habe die National⸗Werk⸗ stätten geboren, die jährlich 750 Millionen gekostet haben würden. (Oh! Ohh Es müsse abgeschafft werden. Die Zusätze werden an den Ausschuß gewiesen. Vaulabelle, Unterrichts⸗Minister, legt ein Gesetz rücksichtlich der Verwaltungsschulen vo. u Um 6 Uhr wird die Sitzung geschlossen.

12

v1X““

In den Konferenzsälen der National⸗Ver sammlung versicherte man gestern, der König von Sardinien habe von neuem um bewaffnete Intervention nachgesucht, und die Exekutiv⸗ Gewalt, dieses Mal weniger bedenklich, habe ihm dieselbe zugestanden. Es würden zunächst aber nur einige Regimenter in Piemont einrücken, blos um das wiener Kabinet zur Annahme der Vermittelung zu be⸗ wegen. Andererseits soll sich die hiesige russische Gesandtschaft alle Mühe geben, den Frieden zu erhalten. Im National liest man: „Das Schweigen der österreichischen Regierung, bezüglich des ihr von Frankreich und England gemachten Vermittelungs⸗Antrages, scheint anzuzeigen, daß diese Macht andere Gedanken hege, als blos die Sache durch ein kluges System in die Länge zu ziehen. Das sieg⸗ reiche Oesterreich glaubt sich ohne Zweifel wieder gesetzlich, in den Besitz der Lombardei zurückzutreten, wie in ein altes Recht. Es kann ihm belieben, die Dazwischenkunft jeder fremden Macht als überflüssig und seine Wiederbesitznahme als eine vollbrachte That⸗ sache zu betrachten. Aber wir sagen ihm, daß es sich gewaltig täuscht, wenn es dies glaubt. Die wiener Verträge existiren nirgends mehr, selbst nicht in Wien. Oesterreich hält Ober⸗Italien militai⸗ risch besetzt, aber es besitzt es nicht mehr. Es kann auch nie wieder in die alten Regierungs⸗Bedingungen zurücktreten unter denen es vor der mailänder Revolution daselbst herrschte. Nicht selten geschieht es, daß, wenn in einem völkerrechtlichen Konflikte eine oder mehrere andere Mächtez als Vermittlerinnen auftreten, der unterlegene schwächere Theil selbst noch zu den äußersten Mitteln der Verzweiflung greift. Dieser Fall wiederholt sich in der Lombardei. Venedig hat sich noch nicht ergeben, und bei der topographischen Beschaffenheit des

Paris, 31. Aug.

Gebiets kann es sich noch lange halten. Der Augenblick

Hälfte des Oktober vor die

ist wichtig, die Verhandlungen anzunehmen Eifer fortzuführen. Selbst wenn Venedig fiele, ist Ober⸗Italien noch lange nicht unterworfen, sind seine Widerstandsmittel noch lange nicht zu Ende. Dieser Widerstand hört überhaupt nie auf, er ist permanent. Er tritt mit jedem Augenblicke in hundert Dingen vors Auge, welche die Zeitungen nicht veröffentlichen, die aber den Wider⸗ stand im Ganzen charakterisiren. Italien schaudert vor seiner Lage. Die Paläste in Mailand stehen wüst, die Auswanderung steigt in ungeheurem Maße, und wenn sie so fortdauert, so regiert Oesterreich über eine verwaiste Stadt. Die Landschaft bietet einen nicht weni⸗ ger herzzerreißenden Anblick. Die Pachthöfe stehen leer, alle Welt rettet sich und nimmt das fahr⸗ und tragbare Vermögen mit sich. Die Reisfelder stehen gereift da, kein Mensch denkt an die Aerndte. Der Feldmarschall spricht in seinen Erlassen von Erhebung von Zwangssteuern in den zu Mailand gehörigen Provinzen. Möge er dekretiren, kein Mensch kann zahlen, und nicht ein Zwanziger wird in die Radetzkyschen Kassen wandeln. Mailand hat weder No⸗ tar, noch Exrekutor. Stellen sich die Sendlinge Radetzky's in irgend einem großen Hause ein, so finden sie nichts als leere Wände, zer⸗ brochene Möbel, umherirrende Hausthiere. Es wird dem Sieger nichts Anderes übrig bleiben, als die Reisärndte selbst zu veranstal⸗ ten und sie selbst zu konsumiren. Noch einige Wochen, und die Lage der Oesterreicher wird noch bedenklicher. Sie können der Volksrache nicht entgehen. In Rom, Toskana, den Marken, Bologna und selbst in Piemont gährt es bedeutend; die Lombardei endlich ist nahe dar⸗ an, ihr Haupt wieder zu erheben und einen letzten Kampf auf Leben und Tod zu wagen. Rühme sich also Oesterreich nicht, das nördliche Italien unterworfen zu haben. Italien ist nicht unterworfen, und sein Widerstand erinnert nur, obgleich bisher mit weniger barbari⸗ schem Charakter, an jenen denkwürdigen Widerstand der Russen, der Napoleon 1812 stürzte. Nimmt Oesterreich die ihm von Frank⸗ reich und England dargebotene Vermittelung unter den ge⸗ genwärtigen Umständen an, so erfüllt es nicht blos ein mensch⸗ liches, sondern ein kluges Werk. Eine Weigerung könnte für Oester⸗ reich schlimmerez Folgen nach sich ziehen, als für Frankreich.“ Der Messager meldet: „Man versichert, die Regierung habe einem berühmten Marschall (Bugeaud) die Erlaubniß, den Ober⸗Befehl der sardinischen Armee zu übernehmen, abgeschlagen. Der Chef der voll⸗ ziehenden Gewalt habe Gründe der Staatswohlfahrt zur Rechtferti⸗ gung dieser seiner abschläglichen Antwort angeführt.“

Der neue frenzösische Gesandte für St. Petersburg, General Leflot, hat sich am Sonnabend zu Havre eingeschifft und geht erst auf einige Tage in Privat⸗Angelegenheiten nach England,

Von den Gesellschafts⸗Inseln sind Nachrichten be. em 11. März eingetroffen. Die Königin Pomareh hatte am 1. März die otaheitische gesetzgebende Versammlung mit einer v in welcher sie ihre definitive Unterwerfung unter das 18g tektorat offiziell anzeigte und erklärte, daß sie den Bcn sten Frankreich über ihre Inseln auszudehnen beliebt habe, mit Dankbar⸗ häjt fagheg., Spectateur Republivcain soll Cavaignac der Journalisten⸗Deputation, welche ihm den Protest übergab, sehr ener⸗ gisch seinen Entschluß ausgesprochen haben, keinem Rückschrutts⸗Ein⸗ flusse irgendwie nachzugeben und, trotz Allen und gegen Alle, auch ferner auf Herstellung der Ordnung und der Achtung vor den Ge⸗ setzen und den Behörden hinzuarbeiten. Er soll unter Anderem ge⸗ äußert haben: „Durch das gegen L. Blanc und Caussididre ange⸗ ordnete Verfahren habe ich Bürgschaften meines festen Willens ge⸗

eben, einzig den - 1

Ffcten. varan äaber die Reaction täuschte sich nur nicht, indem sie etwa wähnt, mich je zur Ueberschreitung der Gränzen verleiten zu können, die ich mir gezogen habe. Die Reactionagire mögen daher in ihrer Sprache und in ihrem Treiben vorsichtig sein, denn ich üüberwache sie genau und werde sie streng niederhalten. Ich weiß, daß die Reaction in gewissen Legionen der Nationalgarde ihre Um⸗, triebe hat; aber ich bin mit diesen Manövern bekannt und werde sie bei der ersten Kundgebung vernichten.“ Ferner äußerte nach dem Drapeau National Cavaignac bei demselben Anlasse: „Ihr Gesuch ehrt Sie; es ist Ihre Pflicht, zu protestiren, wie es die meine ist, zu suspendi⸗ ren. Ich werde nicht anders mit dem Constitutionnel thun, wenn er seine Angriffe auf die Republik zu Gunsten der Monarchie fort⸗ setzt. Ich habe auf freundlichem Wege seine Redacteure wissen lassen, daß ich, falls sie ihre Polemif zu Gunsten einer Dynastie fortsetzen, der ich gedient zu haben mich geehrt fühle, mit der ich aber nichts mehr zu thun haben mag, weil Frankreich sie nicht will, den Fong stitutionnel eben so unbedenklich suspendiren werde, als den Lam⸗ pion. Dir Republik ist noch in ihrer Kindheit; sie ist zu schwach, den Journalisten der Opposition zu widerstehen; wenn sie herange⸗ wachsen sein wird, sollen Sie carte blanche haben, sie anzugreifen.

Galignani's Messenger hält das Gerücht, daß Cavaignac aus gewissen Polizei⸗Agenten eine Schutzwache für seine Person bitden wolle, für ganz unbegründet.

Die Journalisten hielten heute wieder eine Zusammenkunft bei Lemardelag. E. von Girardin schlug den Geschäftsführern vor, sich den Redaktoren beizugesellen. Dieser Versuch scheint gescheitert zu sein, denn die Versammlung trennte sich in stürmischer Aufregung, ohne irgend etwas entschieden zu haben.

In Montpellier hat ein legitimistischer Aufruhr stattgefunden. Der Präfekt Riguier und der ihn begleitende Gendarm, die den Tu⸗ mult schlichten wollten, sind lebensgefährlich verletzt worden. Die näheren Details fehlen noch. Eine telegraphische Depesche aus Mont⸗ pellier vom 29sten meldet der Regierung, daß die Ruhe äußerlich hergestellt ist. Die Anführer seien verhaftet, eine Untersuchung im Gange. 8 Die Regierung will die Errichtung von 300 Bataillonen mobiler Nationalgarde eifrig betreiben; die Listen der zum Eintritt geeigneten Mannschaften müssen bis zum 15. September fertig sein. .

Das Finanz⸗Comité hat sich gegen die Berathung des Vorschlags eines Herrn Pougeard zur Auoschreibung einer Zwangs⸗Anleihe von 200 Millonen ausgesprochen. 1

Vorige Nacht war in Paris ein furchtbares Gewitter. Der schlug in achtzehn verschiedene Häuser, ohne jedoch wesentliches

8 li * hn auch in das Ministerium des

Unglück anzurichten, unter anderen Innern. 8 Barbes, Blanqui, Albert und Courtais werden in der letzten Assisen gestellt werden. Wähler be

Von Lamartine ist als v.ee v die Wähler der 10 Departements, die ihn gewählt haben, erschienen⸗ 1 Das neue Blatt: Le Peuple fran gais zchn . ee

der Gazette de france getreten, ha⸗ Zuchtgericht geladen, weil es erschienen, vhne Caution zu leisten⸗ 2 Alton Shee und Benjamin Delessert treten als Kandidaten für

die Septemberwahlen auf. Turpin in Toulon ist gestorben.

Admiral e. 1 b Fer Eoneres dnt das ihm für seine Theilnahme an dem Juni⸗

Kampfe zugedachte Commandeur⸗Kreuz der Ehren⸗Legion nicht an⸗ genommen.

britanien und Irland. London, 30. Aug. Nag nn dne gestrigen Sitzung des Unterhauses die Bill we⸗

Interessen einer rechtlichen und gemäßigten Repu⸗

1““ 8 gen Anknüpfung diplomatischer Verbindung mit dem zum drittenmale verlesen war, wollte das Haus im Comité über die Bill berathen, welche den Schatzkanzler ermächtigen soll, zur Deckung des Defizits für 2 Mill. Pf. St. Schatzscheine auszugeben oder für diesen Betrag Fonds zu kreiren. Hr. Hume indeß wider⸗ setzte sich diesem Vorhaben und schlug, nachdem er seine Einwendun⸗ gen gegen eine solche Vermehrung der Staatsschuld in Friedenszeiten entwickelt hatte, als Amendement die Verwerfung der Bill vor, wo⸗ bei ihn Herr Muntz unterstützte, indem er zugleich die späte Vorle⸗ Png des diesjährigen Budgets bitter tadelte. Nach einer längeren

ebatte wurde das Humesche Amendement mit 66 gegen 45 Stim⸗ men verneint und die Bill im Comité genehmigt. Ein Gleiches geschah mit der auf die westindischen Kolonieen und die Insel Mau⸗ ritius bezüglichen Bill, so wie mit der Bill in Betreff der Sparkas⸗ sen, nachdem die Regierung deren Hinausschiebung bis zur nächsten Session abgelehnt hatte und Lord Bentinck mit einem Antrage auf Verwerfung der Bill durchgefallen war.

In der vorgestrigen Unterhaus⸗Sitzung genehmigte das Haus die zweite Verlesung einer Bill, welche die weitere Einführung des Freihandels⸗Prinzips in die Gesetzgebung Englands zum Zweck hatte. Es war die Bill wegen Aufhebung des Einfuhrzolles von Kupfererz. Lord George Bentinck erhob in gewohnter Weise seine Stimme da⸗ gegen und suchte nachzuweisen, daß der Bergbaubetrieb in Cornwall des bisher genossenen Schutzes nicht entbehren könne; schon in dem laufenden Jahre seien 7000 Tons fremdes Kupfer mehr eingeführt worden, als bisher, und wenn das so fort gehe, werden die 22,000 von dem Kupferminenban lebenden Personen, die mit ihren Familien zusammengerechnet eine Volkszahl von 100,000 ausmachen, völlig zu Grunde gehen. Lord G. Bentinck beantragte daher die Verwerfung der Bill. Sein Amendement wurde von Herrn Wyld unterstützt, der den Verlust, welchen Cornwall durch die Maßregel erleiden würde, auf 140,000 Pfd. St. jährlich berechnete. Nachdem Herr Labou⸗ chere sich kurz auf seine früheren Nachweisungen berufen hatte, aus denen hervorgeht, daß die Kupferschmelzen in England die Konkurrenz mit dem Auslande auf die Dauer nicht aushalten können, wenn man sie länger mit dem biserigen Einfuhrzoll brlaste, während der Berg⸗ baubetrjeb in Cornwall durch die auswärtige Konkurrenz in keiner Weise bedroht werde, zog sich die Debatte noch längere Zeit hin und wurde endlich dadurch geschlossen, daß das Haus die zweite Ver⸗ lesung der Bill mit 77 gegen 21 Stimmen genehmigte. büngs Aus Dublin meldet man, daß Lord John Russell mit seinem Besuche in Irland nur beabsichtige, die dortige Stimmung über die von der Regierung in Aussicht gestellte Besoldung der katholischen Geistlichkeit kennen zu lernen. Der dubliner Korrespondent der Times meint, der Klerus werde sich dieser Maßregel schwerlich wider⸗ setzen, da er recht gut wisse, daß er in letzter Zeit durch seine durch⸗ gängige Nichtbetheiligung an den Plänen der Verbündeten viel von seiner Popularität und seinem früheren Einflusse verloren habe, und da ferner, wenn ein drittes Nothjahr hereinbreche, was fast gewiß sei, die Gemeinden außer Stande sein würden, der Kirche die ge⸗ wöhnlichen Gebühren zu entrichten, wenn sie auch, was zum Theile schwerlich der Fall sei, den guten Willen hätten. Höchstens werde ein kleiner Theil der Geistlichkeit sich der Besoldung aus Staatsmit⸗ teln abgeneigt erklären, die Mehrzahl aber werde jetzt dankbar an⸗ nehmen, was sie noch vor wenigen Monaten zurückgewiesen hätte. Die Aerndte⸗Nachrichten aus Irland lauten im Ganzen jetzt günsti⸗ 8 Das eingetretene gute Wetter läßt für die Aerndte mehr hof⸗ en, als man erwartet hatte, und aus manchen Gegenden, wo man die Kartoffeln ganz vernichtet glaubte, erfährt man jetzt, daß die Aerndte der vorjährigen wenig nachstehen werde. Zu Clonmel hat man dieser Tage 12 festgenommene Genossen S. O'Brien's ins Ge⸗ fängniß gebracht; auch zu Rathkeale longten mehrere verhaftete Auf⸗ ständische unter Eskorte im Grafschafts⸗Gefängnisse an.

Für die Auswanderer, welche durch den Brand des „Ocean Monarch“ ihre ganze Habe eingebüßt haben, ist eine Subscription eröffnet worden, welche schon 1500 Pfd. St. aufgebracht hat. Der brasilianische Gesandte hatte der Mannschaft der Fregatte „Alfonso“ für ihre eifrige Hülfeleistung bei Rettung der Verunglückten 100 Pfo. St. überschickt; sie lehnten jedoch die Gabe mit der Bitte ab, daß das Geld unter die armen Ueberlebenden vertheilt werden möge.

Louis Blanc ist gestern Nachmittag mit dem Dampfboot in Dover und und heute hier angekommen.

Das Comité der spanisch⸗amerikanischen Bonsinhaber hat be⸗ beschlossen, einen thätigen und gewandten Agenten abzuschicken, wel⸗ cher bei der mexikanischen Regierung die so lange mißachteten Forde⸗ rungen ihrer auswärtigen Gläubiger betreiben soll. Man hofft, daß Lord Palmerston die Bemühungen des Agenten auf diplomatischem Wege unterstützen wird.

Der Mobiliar⸗Verkauf des Herzogs von Buckingham zu Stowe hat bisher 18 19,000 Pfd. St. aufgebracht und wird noch 25 Tage dauern. Die werthvollsten Gegenstände, wozu die Gemälde und die Silber⸗ und Goldgeräthe gehören, sind noch unverkauft. Das berühmte Portrait von Shakespeare wird schwerlich unter 4 500 Pfd. St. weggehen. Der wahrscheinliche Gesammt⸗Erlös des in diesem Schlosse aufgestapelten reichen Eigenthums wird auf 110 bis 120,000 Pfd. St. veranschlagt. Eine mit heraldischen Emblemen geschmückte Riesen⸗Laterne am Portal, wofür der Herzog von Buk⸗ kingham über 1000 Guineen bezahlt hatte, wurde für 32 Pfd. St. verkauft.

Die Fonds waren heute etwas flau, weil man noch nicht mit Bestimmtheit weiß, auf welche Weise der Schatzkanzler die 2 Millio⸗ nen Pfd. St. zur Deckung des Desizits aufbringen will. Man hofft übrigens, daß der Minister den Geldmarkt dieser Ungewißheit, die nebst der Spannung bezüglich der italienischen Frage auf die Course nachtheilig einwirken muß, bald entreißen und ankündigen wird, welche Maßregel er zu wählen beabsichtigt.

Nach Parlaments⸗Papieren belief sich der offizielle Werth der Ausfuhr Englands nach Frankreich 1845 auf 5,035,296 Pf. St. (darunter für 4,188,845 Pf. St. englische und irländische Pro⸗ dukte und Fabrikate); 1846 auf 5,127,073 Pfd. St. (darunter für 4,279,114 Pf. St. euglische und irländische Produkte und Fa⸗ brikate); 1847 auf 4,371,253 Pf. St. (darunter für 3,400,576 Pf. St. englische und irländische Produkte und Fabrikate). Der offizielle Werth der Einfuhren aus Frankfeich belief sich 1845 auf 4,097,050 Pf. St.; 1846 auf 4,486,232 Pf. St.; 1847 auf 4,792,663 Pf. St., die für die entsprechenden Jahre an Zoll 1,937,972, 1,745,645 und 1,667,754 Pf. St. eintrugen.

Rußland und Polen. St. Petersburg, 27. Aug. Se. Majestät der Kaiser hat folgendes Schreiben an den österreichi⸗ schen Feldmarschall Grafen Radetzky gerichtet: „Nachdem Wir mit steter Aufmerksamkeit den Bewegungen der Truppen gefolgt waren, welche Ihrem Oberbefehl zur Aufrechthaltung der legitimen Rechte Ihres Monarchen anvertraut sind, und nun Kunde erhalten haben von den glänzenden Siegen, die Sie bei Sommacampagna und Cu⸗ stozza erfochten, haben Wir es für gerecht erachtet, Sie zum Ritter der 1sten Klasse des Ordens des heiligen Großmärtyrers und Sieg⸗ bringers Georg zu ernennen, dessen Insignien Wir Ihnen hierbei übersenden. Indem Wir durch diese höchste militairische Auszeichnung

erkennung Ihres langjährigen und ruhmreichen, durch so glänzende Waffenthaten bezeichneten Dienstes zu bekunden wünschen, verbleiben Wir Ihnen für immer wohlgewogen. (gez.) Nikolaus. Peterhof, den 19. August 1848.“

Zum 24. August waren hier 438 Cholerakranke in Behandlung verblieben; im Verlaufe dieses Tages kamen hinzu 29, genasen 30 und starben 11 (darunter 7 in den Wohnungen). Zum 25. August verblieben demnach 426 Kranke in Behandlung. In Riga war zum 19. der Krankenbestand 5332. Im Ganzen sind dort seit dem Er⸗ scheinen der Epidemie bis zum 18. August 5926 Personen erkrankt, 3480 genesen und 1914 gestorhen; in Dorpat seit dem ersten Auf⸗ treten der Epidemie bis zum 19. August 55 Personen erkrankt, 6 ge⸗

bis zum 19. August 1255 Personen erkrankt, davon genesen 194, gesterben 578, noch in Behandlung 483 Personen.

Belgien. Brüssel, 1. Sept. Die Independance erklärt die von einem belgischen Blatte ausgestreute, in das pariser Journal des Herrn Alphons Karr aufgenommene Nachricht von der Ankunft des Herrn Guizot auf belgischem Boden für falsch.

Es wird von morgen an eine dritte tägliche Abfahrt auf der Eisenbahn von Brüssel nach Paris und umgekehrt stattfinden.

1,761,336 Fr. eingegangen.

Die Independance bringt nun ausführlicher das Resultat des Prozesses wegen der Expedition belgischer und französischer Freischärler, welcher drei Wochen lang den Assisenhof zu Antwerpen beschäftigt bat. Vorgestern Mittag wurden die Debatten geschlossen. Nach fünftebalbstündiger Berathung erklärte die Imy die Angeklagten Spilthoorn, Delestrée, Perrin, Mellinet, Mathieu, Derudder, Ballin und Tedesco des Komplotts schuldig, das Verdikt war jedoch nur mit 7 gegen 5 Stimmen für die Schuld von Delestrée, Mellinet, De⸗ rudder und Ballin ausgefallen. andere Angeklagte der Theilnahme an dem Einfalle von Risquons⸗ Tout als schuldig. Spilthoorn und Mathieu wurden auch hier für mitschuldig erklärt. Der Assisenhof schloß sich in dem Falle von Mellinet der Minorität an, so daß derselbe freigesprochen wurde. In Bezug auf die drei Anderen trat er aber der Majorität bei. In Folge dessen sprach er ein Todesurtheil über die 17 für schuldig Er⸗ klärten aus, die anderen 15 Angeklagten wurden gleich in Freiheit gesetzt.

Gegen die Angriffe, welchen die Regierung von Seiten eines Theils der Presse ausgesetzt ist, weil sie die freie Korn⸗Ausfuhr durchzusetzen gesonnen ist, vertheidigt die Independance dieselbe in folgenden Worten: „Mit welchem Rechte, kraft welcher Grund⸗ sätze verlangt man heute die Kornsperre? Hat denn der Ackerbau gar kein Recht auf Schutz, auf Rücksichten? Verlangt man etwa, daß er blos die schlechten Tage kenne? Die freie Einfuhr ist beibehalten worden, trotz eines allmäligen Sinkens bie zu Preisen, an deren Wiederkehr man nicht glaubt, und bei der ersten steigenden Bewegung fordert man, daß die Regerung gewaltsam intervenire? Wäre das nicht eine schreiende Ungerechtigkeit? Soll die Einfuhr frei bleiben, so muß es auch die Aussuhr. Fürchten wir die Freiheit nicht! In der materiellen wie in der morauschen Ordnung schadet sie blos denen, welche es nicht wagen, sie anzuwenden; aber sie spendet ihre Gaben und ihre Begünstigungen denen, welche sie nicht fürchten und sich auf ihre Höhe zu erheben wissen.“

Schweiz. Vorort. (Nat. Z.) Auf die Weigerung der französischen Gränzbehörden, den italienischen Flüchtlingen den Ein⸗ tritt zu gestatten, sofern sie von Geld und Ausweismitteln entblößt sind, hat sich der Vorort an die französische Staats⸗Regierung mit dem Ansuchen gewendet, „konsequent mit ihren bisherigen Grundsätzen

in Unserem Reiche einen neuen Beweis Unserer ausgezeichneten An

der Eidgenossenschaft in Gewährung einer freien Zufluchtsstätte für die Flüchtlinge aus der Lombardei wie bis anhin die Hand bieten zu wollen.“ Von diesem Gesuche ist auch dem britischen Geschäftsträ⸗ ger, dessen Regierung an der Mediation in der italienischen Frage Antheil nimmt, Kenntniß gegeben worden. Jene Verfügung gegen die ita⸗ lienischen Flüchtlinge gründet sich zwar auf keinen Ministerial⸗Bofehl, wohl aber auf eine Weisung des betreffenden Präfekten, welcher hier⸗ über mit Paris noch in Korrespondenz steht, und von wo er keine günstigeren Verfügungen gewärtigte. Der eidgenössische Vorort sei⸗ nerseits ladet die Stände ein, „nicht abzulassen von den Rücksichten der Humanität, die sie gegenüber den italienischen Flüchtlingen bisher

auf anerkennenswerthe Weise bethätigt haben“, und glaubt, daß die

daherigen Kosten von der Eidgenossenschaft getragen werden sollen. (Eidg. Z.) Nach einer Mittheilung des Herrn General Thi⸗ ard, Gesandten der französischen Republik, an den Prasidenten des

Vororts, wird in Zukunft den lombardischen Flüchtlingen der Eintritt

in Frankreich nicht weiter verweigert.

Nach der Suisse hat der österreichische Gesandte, Herr von Kaisersfeld, dem Vorort am 25. August eine Note überreicht, in der verlangt wird, daß die lombardischen Flüchtlinge so bald als möglich von der Gränze entfernt und ins Innere der Eidgenos⸗ senschaft gewiesen werden sollen.

Bern. (Eidg. Ztg.) man die in beträchtlicher Zahl den Kanton durchziehenden lombar⸗ dischen Flüchtlinge behandeln solle, hat der Regierungsrath an sämmt⸗ liche Regierungs⸗Statthalter des Kantons ein Kreisschreiben erlassen, worin er ihnen die Weisung ertheilt, zunächst die Gastfreundlichkeit und Wohlthätigkeit der Bevölkerung anzusprechen, in der Erwartung, daß auh bei diesem Anlasse das berner Volk seine wahrhaft republi⸗ kanischen Gesinnungen thatsächlich kundgeben werde. Wo aber die Privatwohlthätigkeit nicht hinreichen sollte, werden die Regierungs⸗ Statthalter angewiesen, den von Geld entblößten Flüchtlingen, jedoch unter Beobachtung der strengsten Oekonomie, die nöthige Unterstützung auf Kosten des Staats zu gewähren. In diesem Sinne sollen auch die Regierungs⸗Statthalter den Gemeinden ihres Bezirks Instruc⸗ tion ertheilen.

Waadt. (Eidg. Z.) Nach zweitägigen Verhandlungen hat der Große Rath am 24. August einmüthig beschlossen, den neuem Bundes⸗Entwurf dem Volk in Gemeinde⸗Versammlungen zur An⸗ nahme oder Verwerfung vorzulegen. Der Große Rath selbst hat sich mit 140 gegen 12 Stimmen für Annahme ausgesprochen.

Obwalden. (E. Z.) Der am 23. August versammelte drei⸗ fache Land ath hat den Beschluß des einfachen Landrathes vom 19ten auf Annahme der Bundesverfassung wieder verworfen.

Freiburg. (Eidg. Ztg.) Der Große Rath hat sich am 25. August mit 51 gegen 6 Stimmen für die neue Bundes⸗Verfas⸗ sung erklärt. Der Antrag, dieselbe der Abstimmung des Volkes wie in allen übrigen Kantonen vorzulegen, wurde mit 41 gegen 15 Stim⸗ men verworfen und nach dem Antrage des Staats⸗Raths beschlossen, sie „im Namen des freiburgischen Volkes“ für angenommen zu erklären.

Graubündten. (Eidg. Ztg.) Das Resultat der Abstim⸗ mung über die neue Bundes⸗Verfassung ist noch nicht vollständig; in⸗ dessen scheint an der Annahme kein Zweifel; 34 Gemeinden haben sich bis jetzt für und 6 gegen die neue Bundes⸗Verfassung ausgesprochen.

Tessin. (Eidg. Ztg.) Bei Anwesenheit von 58 Mitgliedern konnte der Große Rath am 22. August eröffnet werden. Advokat

nesen und 27 gestorben; in Mitau seit dem Beginne der Epidemie

Die Zwangs⸗Anleihe von 22,627,056 Fr. ist bereits bis auf

Die Jury erklärte erner noch zehn

Auf die eingelangten Anfragen, wie

Jauch wurde zum Präsidenten, Advokat Pedrazzini zum Vice ⸗Prä⸗

ren eK.s . tst inrtin Annlünse Dahet nÉt X“

sidenten ernannt, dann der Vorschlag des Regierungsrathes auf An⸗ nahme der Bundes⸗Verfassung an eine Kommission gewiesen.

Genf. (Eidg. Ztg.) Der Unterpräfekt von Ger hat dem Staatsrath angezeigt, daß die französische Regierung den italienischen Flächtlingen ein Asyl gewähre, und daß diejenigen, die es wünschten, sich nach Frankreich begeben könnten. Die französische Regierung giebt ihnen während der Reise täglich 75 Centimen und läßt sie bei den Bürgern einqnartieren. Ein erster Transport von 132 Mann ist bereits von Genf nach Frankreich abgegangen.

Spanien. Madrid, 25. Aug. Man schreibt dem Clamor aus Gerong unter dem 20sten: „Die Rebellen vermehren ihre Schaa⸗ ren auf außen rdentliche Weise. Es sind bereits nicht mehr verein⸗ zelte Banden, die im hohen Gebirge umherirren; es sind Kotonnen,

—Qᷓäᷓöoa—

die, mit der entsprechenden Reiterei versehen, wohl uniformirt und ausgerüstet, in Brigaden geordnet, sich schlagen, in ihren Stellungen behaupten und unsere Truppen nicht nur nicht vermeiden, sondern aufsuchen. Die größten Ortschaften sogar entrichten ihnen bedeutende Steuern, und wenn dem Bürgerkriege nicht bald ein Ende gemacht wird, fo steht zu befürchten, daß er uns verzehre.“

Die karlistischen Chefs Forcadell und Arnau sind von Catalo⸗ nien aus mit 500 Mann Infanterie und 50 Reitern in die Provinz Castellon eingedrungen und haben die Stadt Lucena besetzt, die im vorigen Kriege sich so heldenmüthig gegen die Karlisten vertheidigte. (Espana.)

Vorgestern Abend kam Herr Gonzalez Bravo hier an und ge⸗ stern reiste er nach Frankreich ab. (EspaRa.)

Gestern früh wurden 150 Personen, die verdächtig sind, wenn es gleich schwer halten dürfte ihre Schuld zu erweisen, in Fesseln nach Cadix abgeführt, und 45 aus politischen Gründen eingezogene Personen wurden ihnen angeschlossen. (Heraldo.)

Man spricht von einer ministeriellen Modification, in der die Namen des Generals Odonell und der Herren Seijas Lozano, Rios Rosas und Arteta genannt werden. Aus dieser Modification würde, sagt man, ein Amnestiedekret und die Einberufung der Cortes auf den 19. Oktober hervorgehen. (Chamor.) ne, . 9

3proz. 19 ¾ P. 5proc. 10 ¾ P. ““

Von gestern bis heute Mittag sind an der gsiatischen Cholera als erkrankt angemeldet: 55 Personen. e

Berlin, den 3. September 1848.

Königliches Polizei⸗Präsidium.

Konigliche Schauspiele.

Montag, 4. Sept. Im Schauspielhause. 144ste Abonnements⸗ Vorstellung. Zum erstenmale: Der Pfarrherr, Original⸗Schauspiel in 5 Akten, von Ch. Birch⸗Pfeiffer. Anfang halb 7 Uhr.

Dienstag, 5. Sept. Im Opernhause. 96ste Abonnements⸗ Vorstellung: Mary, Max und Michel, komische Oper in 1 Akt, von Karl Blum. Hierauf: Thea, oder: Die Blumenfee, Ballet in 3 Bildern, von P. Taglioni. Musik von Pugny. (Fräul. Marie Taglioni wird als engagirtes Mitglied des Koöniglichen Ballets in der Partie der Thea auftreten.) Anfang halb 7 Uhr. 1

Königsstädtisches Theater.

Montag, 4. Sept. Zum erstenmale wiederholt: Das Pasquill. Schauspitl in 4 Akten, vom Freiherrn von Maliitz.

Dienstag, 5. Sept. Der Talisman. Posse mit Gesang in 3 Akten, von J. Nestroy,

(Dlle. Julie Mohr, vom Stadttheater zu Bremen: Flora. Dlle. Pauline Thiele, vom Hoftheater zu Dresden: Saloma, als Debüt⸗Rollen.)

Mittwoch, 6. Sept. Saison. Erste Vorstellung: von Bellini.

Anfang halb 7 Uhr.

Meteorologische Beobachtungen.

Abends 10 Uhr.

Eröffnung der neuen italienischen Opern⸗ Norma. Oper in 2 Akten. Musik

1848. 2. Sept.

Nach eimnmaliger Beobachtung.

(Nachmittage 2 Ubr.

Morgens 6 Uhr.

Luftdruck 337,31Par. 338,72Par./1339,110 Par Quellwärme 7,9° R. Luftwärme

Tbaupunkt

+ 8,8 ° R. Bodenwäarme 89 Dunstsättigung. 95 pct. 73 pot. 89 pcCt. Ausdünstung

Eet3 I regnig. crüb. Fiederschlag 0,686 Rh. Windd. . W. W. W. Wrrmewechsel + 12,3“ Wolkenzug.... W. 9,6 °

338,380 Par... 4† 10,20 n... + 8,20 h.. 86 pcet. w.

Berliner Börse.

Berlin, 2. Sept. Nachdem die Börse im Laufe dieser Woche ihre flaue Tendenz beibehalten hatte und die Liquidation für die Hausse sehr nachtheilig auszufallen schien, gestaltete sich durch die Nachricht vom Waffenstillstande mit Dänemark die Abwickelung plötz⸗ lich in ganz anderer Weisc, als vorauszusehen war. Die Spekulan⸗ ten à la baisse sahen sich genöthigt, Prämien⸗Verschlüsse zu liefern, worauf sie nicht gerechnet hatten, und dieser Umstand trug dazu bei, daß die Wirkung dieser Nachricht eine so rapide Besserung der Course hervorbrachte, während solche unter anderen Umständen wohl schwer⸗ lich den Effekt machen konnte, da man auf die Lösung dieser Frage längst vorbereitet war. Nach Regulirung des Ultimo's sind die Course meistens wieder gewichen, eine Erscheinung, die nicht selten eintritt, wenn eine Steigerung nur durch die Verhältnisse der Liquidation hervorgerufen worden und, wie diesmal, der Bedarf gedeckt ist; wir vermögen deshalb auch keinen anderen wesentlichen Grund für das Weichen anzugeben, wiewohl von einigen Seiten Besorgnisse rege werden, daß die italienischen Angelegenheiten den politischen Horizont trüben könnten. Wiewohl nun die Notirungen von Wien bedeutend höher kommen, auch die Rente in Paris sich fest behauptete, beide Plätze aber unzweifelhaft bei dieser Frage am meisten betheiligt sind, so ist man doch an unserer Boörse noch nicht geneigt, die Besorgniß vor neuen politischen Verwickelungen autzugeben, und es blieben da⸗ her die genannten auswärtigen Notirungen ohne Einfluß. Uebrigens beschäftigte man sich heute auch viel mit dem Ausfall der Debatte in der National⸗Versammlung über die von den Ministern einge⸗ brachte Productions⸗Steuer auf Runkelrübenzucker; man fürchtete all⸗ gemein, daß nach dem Bericht der Kommission dieser Gesetzes⸗Vor⸗ schlag nicht durchgehen dürfte und das Ministerium eine Kabinets⸗ frage daraus machen wird. Diese Befürchtung ist indeß nach Schluß der Debatte am Nachmittag durch die Annahme des Gesetzes⸗ Entwurfes beseitigt, und so steht denn auch zu erwarten, daß die Börse wieder eine günstigere Tendenz annehmen wird.

Was nun den Handel in Eisenbahn⸗ und Staatspapie⸗

+ 7,6“ n. +† 8,20 R.

Tagesmittel:

———

ren überhaupt anbetrifft, so bilden immer noch die eingehenden Kom.

2. 8

+ 8,3° n. + 11,9° h. + 10,3° k. Fluasswärme 12,80 RA.

missionen einen größeren Verkehr, als die Speculationen; es kommt.

daher auch vor, daß manche Effekten ohne spekulative vercsang. plötzlich im Course beträchtlich vartiren, weil sich nicht ge. ber oder Käufer zeigen. Dies gilt besonders von auslän * 3 Staats⸗Effekten, die ohne alle Börsen⸗Speculation vb en Cours⸗Schwankungen unterworfen waren. Für englische 9% Russen