Frrhem die Annahme der Kaiserlich österreichischen Speciesthaler,
den dürfen; desgleichen betreffend die Porto⸗Freiheit für die in
hbenen preußischen Militairs.
8 „Es versteht sich von selbst, daß die Aufrechthaltung der
zu helfen und zu diesem Zwecke im Fall der Noth die Hülfsleistung des Militairs zu erfordern.
es erfordern, unaufgefordert jedesmal, wenn die Bürgerwehr wegen
gehen.
Beschränkung der Bestimmung, nach welcher unterweges sich meldende Personen von den Posten aufgenommen werden dürfen; desgleichen
8 und Zwanzigkreuzerstücke in den diesseitigen Kassen; desglei⸗ 19 Heeise, welche für Postdruckmaterialien gezahlt wer⸗
Schleswig⸗Holstein auf Kommando oder in Lazarethen zurückgeblie⸗
Berlin, 29. Okt. Der Magistrat und die Stadtverordneten lassen uns so eben nachstehende Bekanntmachung, betreffend den städti⸗ schen Sicherheits⸗Ausschuß, zugehen: 1“ 3 8
„Das Publikandum vom 29. März 1848, im Auftrage des Kö⸗ niglichen Staats⸗Ministerium erlassen, enthält die Bestimmung:
öffentlichen Ordnung lediglich der Bürgerwehr überlassen bleibt und die mögliche Hülfsleistung des Militairs nur für den äußersten Nothfall und auch dann nur auf ausdrück⸗ liche Anforderung des Commandeurs der Bürgerwehr oder der städtischen Behörden erfolgen wird.“
Diese Bestimmung rief den Sicherheits⸗Ausschuß der Stadt Berlin in das Leben, indem die Unmöglichkeit, die Stadt⸗Behörden für jeden Fall unruhiger Auftritte in der Stadt in der Vollzahl zu versammeln, dazu führte, daß der Magistrat und die Stadtverordneten⸗ Versammlung aus ihrer Mitte Deputirte mit der Geueral⸗Vollmacht entsendeten, vorkommenden Falls für die Sicherheit der Stadt sorgen
Der Sicherheits⸗Ausschuß tritt zusammen, sobald die Umstände
unruhiger Auftritte in der Stadt in den Bezirken allarmirt wird, in welchem Falle derselbe sich mit dem Bürgerwehr⸗Kommando in einem und demselben Lokale vereinigt, um mit demselben Hand in Hand zu
Da die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten lediglich der
gerwehr überlassen ist, das Militair nur für den äußersten Noth⸗ fall mitwirken soll und wird, so hatte der Sicherheits⸗Ausschuß sich mit dem Bürgerwehr⸗Kommando dahin geeinigt, daß letzteres auf seine Verantwortlichkeit zur rechten Zeit und unter Mittheilung der Gründe denselben zur Requisition des Militairs auffordere, da in der Regel der Sicherheits⸗Ausschuß nur durch das Kommando der Bürgerwehr davon zuverlässig unterrichtet werden kann, wenn die Bürgerwehr überhaupt oder an einzelnen Punkten nicht mehr im Stande ist, die Sicherheit der Stadt zu schirmen.
Mit dem städtischen Sicherheits⸗Ausschusse nicht zu verwechseln ist eine hier zusammengetretene Kommission der Königlichen und städ⸗ tischen Behörden, zu welcher das Ministerium des Innern, das Po⸗ lizei-⸗Präsidium, der Magistrat und die Stadtverordneten⸗Versamm⸗ lung Deputirte schicken, welche der Kommandant von Berlin, so wie der Bürgerwehr⸗Commandeur und eine Anzahl von Bürgerwehrmän⸗ nern aller Grade, beiwohnen. Zweck dieser Kommission ist, zur Ver⸗ meidung von Schreibereien auf dem kurzen Wege der Besprechung die Mittel zu berathen und für die Bestimmung der gesetzlichen Behörden⸗Instanz vorzubereiten, wodurch die öffentliche Ruhe nach allen Seiten hin zu schützen und zu erhalten sei, und die dabei mit⸗ wirkenden Behörden im Einklange des Verfahrens zu erhalten. Durch die unruhigen Auftritte am 16. d. M. und die Wendung,
welche die Angelegenheiten nach den anderweiten, durch stenographische Berichte über die National⸗Versammlung bekannt gewordenen Ereig⸗ nissen, später um 8 Uhr Abends genommen, ist der Sicherheits⸗Aus⸗ schuß, im Einvernehmen mit dem Commandeur der Bürgerwehr, in die Lage gebracht worden, zwei Bataillone Militair, jedoch lediglich zur Aufstellung im Königlichen Schlosse, zu requiriren, welche dem Bür⸗ gerwehr⸗Kommando zur Verfügung gestellt werden sollten. Die Maßre⸗ gel wurde durch ungünstige Rapporte aus den verschiedenen Theilen der Stadt herbeigeführt, um das Kommando der Bürgerwehr in den Stand zu setzen, Hülfe nach den bedrohten Punkten der Stadt aus der Bürgerwehr⸗Besetzung des Schlosses zu entsenden. Das Militair hatte daher nur die Bestimmung, im Schloßhofe aufgestellt, durch obige Maßregel etwa nothwendig werdender Requisition des Bürgerwehr⸗ Commandeurs gewärtig zu sein. Der Sicherheits⸗Ausschuß durfte kein Bedenken kragen, einer solchen Maßregel zu genügen, wie er eben so wenig Bedenken trug, dieselbe auf Erfordern des Bürger⸗ wehr⸗Kommandos, als unmittelbar darauf die Umstände sich günstiger gestaltet hatten, rückgängig zu machen. Um für ähnliche Fälle jede Besorgniß wegen der Stellung des Militairs zu der Bürgerwehr zu begegnen, hat der Sicherheits⸗Ausschuß von dem Königlichen Staats⸗ Ministerium die Erklärung und resp. amtliche Zusage erbeten, daß das vom Sicherheits⸗Ausschusse und dem Bürgerwehr⸗Kommando requi⸗ rirte Militair auf Verlangen derselben jeder Zeit wieder zurückgezogen werden müsse.
Wir haben es für nothwendig erachtet, dies zur öffentlichen Kenntniß der Bewohner Berlins zu bringen, um durch eine vollstän⸗ dige Darlegung der Anordnung das Vertrauen zu derselben zu kräf⸗ tigen, da die Stadtbehörden bei allen ihren Beschlüssen nur ein. In⸗ teresse leiten kann, das Interesse des Vaterlandes mit dem der Stadt durch Aufrechthaltung der Ruhe, Ordnung und Sicherheit gegen jedwede widergesetzliche Ueberschreitung auf das engste zu verbinden und dadurch es möglich zu machen, daß die Bewegungen, welche die Entwickslung des Völkerlebens überall hervorgerufen haben, für unser Vaterland sich im freien Wege der geistigen Revolution auf dauernde Weise beruhigen und zur Wohlfahrt Aller sich verwahrheiten.
Berlin, den 28. Oktober 1848.
Der Magistrat und die Stadtverordneten⸗
Versammlung.“
Oesterreich. Reichstags⸗Verhandlungen. Sitzung vom 24. Oktober. (Allg. Oest. Z.) Vorsitzender Smolka. Auf der Ministerbank Niemand. Anfang der Sitzung 12 ½ Uhr. Zahl der anwesenden Mitglieder zur Eröffnung genügend. Smolka be⸗ richtet: „In Florisdorf werden drei Abgeordnete zurückgehalten. Der Reichstags⸗Vorstand hat in einer Zuschrift an den Fürsten Win⸗ dischgrätz gegen ein solches eigenmächtiges Verfahren Verwahrung eingelegt. Minister Kraus ist mit dieser Maßregel einverstanden und hat von Seiten des Ministeriums eine ähnliche Erklärnng an den Fürsten Windischgrätz gelangen lassen. Smolka berichtet ferner, daß vor einer Stunde ein Courier vom Fürsten Windischgrätz r⸗ Depesche angekommen ist, deren Inhalt vom permanenten Ausschusse zum Behufe der Berichterstattung im Reichstage berathen wird Der permanente Ausschuß ersucht zu diesem Behufe um Unterbrechung der Sitzung bis 5 Uhr Nachmittags. Diesem Ansuchen wird willfahrt Schluß der Sitzung 1 Uhr.
Abendsitzung vom 24. Oktober. Vorsitzender Smolka. Auf der Ministerbank Niemand. Anfang 5 ½ Uhr. Zahl der anwesenden Mitglieder: zur Eröffnung der Sitzung genügend. Schuselka be⸗ richtet im Namen des permanenten Ausschusses, daß von verschiede⸗ nen Seiten Beiträge für mittellose Garden u. s. w. eingelangt sind. Sodann wird eine Loyalitäts⸗Adresse an den Reichstag aus Braunau am Inn verlesen. Durch das Ministerium ist dem permanenten Aus⸗ schusse die Antwort mitgetheilt worden, welche der Minister von Win⸗
Wira HeHunsn;
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dischgrätz auf seine Zuschrift, mit welcher das Kaiserliche Manifest vom 19. Oktober demselben zugeschickt wurde, erhalten hat. Dieselbe ist dem Ueberbringer des bezeichneten Manifestes nicht schriftlich, son⸗ dern mündlich, mit dem Auftrage, dieselbe persönlich zu hinterbringen, ertheilt worden. Sie lautet dahin, daß der Herr Feldmarschall keine andere exekutive Behörde in Wien kenne, als den Gemein⸗ derath. Von diesem verlangt er unbedingte Uebergabe der Stadt. Als Frist zur Unterwersung werden 24 Stunden be⸗ zeichnet. (Zischen.) Hierauf verliest Schuselka eine an den Gemeinde⸗ rath, ohne ein Einbegleitungsschreiben gelangte Proclamation des Fürsten Windischgrätz, datirt aus Hetzendorf am 23. Oktober 1848, welche als ein merkwürdiges historisches Dokument wörtlich mitge⸗ theilt wird. Nach Vorlesung dieser Proclamation unter ununterbro⸗ chenen Aeußerungen der höchsten Entrüstung bemerkt der Berichterstat⸗ ter, daß die Geschichte der civilisirten Welt darüber das Urtheil fällen werde. Von dieser Proclamation sind sofort Abdrücke nach Olmütz gesendet worden, mit der Frage, ob der dort sich befindliche Minister, mit dessen Kontrasignatur das Manifest vom 16. Oktober versehen ist, die in der Proclamation des Fürsten Win⸗ dischgrätz enthaltenen Maßregeln für constitutionell halte. Zugleich hält es der permanente Ausschuß für seine Pflicht, alle dem Reichs⸗ tage zu Gebote stehenden moralischen Maßregeln, insbesondere Er⸗ klärung der Ungesetzlichkeit der Proclamation, in Antrag zu bringen. Der Berichterstatter weist darauf hin, daß die Proclamation im Widerspruche stehe mit dem Kaiserlichen Versprechen, die Errungen⸗ schaften nicht in Frage stellen und den Reichstag frei tagen lassen zu wollen. Ferner wird darauf hingewiesen, daß die in der Pro⸗ clamation enthaltenen Punkte nicht nur constitutionswidrig, son⸗ dern geradezu inhuman und barbarisch seien. Auf Grundlage dieser Umstände stellt die Majorität des permanenten Ausschusses den An⸗ trag, die hohe Kammer wolle in Berücksichtigung des Umstandes, daß das Manifest des Fürsten Windischgrätz vom 23. Oktober mit dem Kaiserlichen Worte im Widerspruche stehe, beschließen, daß dieselbe nicht nur ungesetzlich, sondern eben so feindlich sei gegen die Rechte des Volkes, wie gegen die des constitutionellen Thrones. Neben die⸗ sem Antrage der Majorität wird auch der Antrag der Minorität mitgetheilt, welcher dahin geht, diesen Gegenstand durch Hinweisung auf den gestrigen Reichstags⸗Beschluß, worin die Erklärung Wiens in Belagerungs⸗Zustand as ungesetzlich erklärt wird, zu erle⸗ digen. Borrosch glaubt die Proclamation mit Hinblick auf die barbarische, dem menschlichen Gesühle hohnsprechende, unter civilisirten Personen unausführbare Forderung der Auslieferung be⸗ liebig zu bezeichnender Personen als eine bloße Schreck⸗Rakete be⸗ trachten zu müssen. Nach einer längeren Debatte, an welcher sich außer Borrosch, Goldmark, Sierakowski und Andere betheiligten, wurde der bezeichnete Antrag der Majorität des permanenten Aus⸗ schusses in Anwesenheit von 194 Mitgliedern zur Abstimmung ge⸗ bracht und angenommen. Podleski stellt den Antrag, den Be⸗ schluß der Kammer durch Plakate und durch die Wiener Zeitung zu veröffentlichen. Wird angenommen. Zum Schlusse der Sitzung wird das Protokoll der letzten Sitzung verlesen und genehmigt. Schluß der Sitzung 7 ½ Uhr. Die nächste Sitzung beginnt morgen um 12 Uhr.
Wien, 25. Okt. (Allg. Oest. Ztg.) Sitzung des Gemeinde⸗ rathes der Stadt Wien am 22. Oktober. Fleischer stellt den An⸗ trag, daß der Gemeinderath gegen Windischgrätz und Wessenberg ebenfalls Protest einlege. Nach längerer Debatte zieht er wieder seinen Antrag zurück. Auf die offizielle Nachricht von dem Proteste des Reichstages beschließt der Gemeinderath, diesen Beschluß des Reichstags zu veröffentlichen, so wie die ablehnende Antwort an Win⸗ dischgrätz auf dessen Zumuthung, daß der Gemeinderath unter seiner Verantwortlichkeit die Plakate des Fürsten veröffentliche, der Gemeinde bekannt zu geben. Sylvester's Antrag, dem Reichstag den Dank der Stadt Wien für seine Wirksamkeit auszusprechen, wird ohne Debatte angenommen. Zuletzt erscheint die Deputa⸗ tion der Bezirks⸗Chef noch einmal. Sie erklärt, drei aus ihrer Mitte an Windischgrätz senden zu wollen, um zu erfahren, was er eigentlich wolle. Die Versammlung debattirt, ob sie sich dieser Sendung anschließen oder bei ihrem Beschluß, an Windischgrätz schrift⸗ lich zu antworten, verbleiben solle. Bei der Abstimmung, die auf Freund's Antrag namentlich vorgenommen wurde, bleibt der Antrag, sich der Nationalgarde anzuschließen, in der Minorität.
Sitzung des Gemeinderaths am 23. Oktober Abends 5 Uhr. Eine Note des Ober⸗Kommando's ist eingelaufen, des In⸗ halts: Herr Evelt hat die Anzeige gemacht, daß die österrei⸗ chischen Truppen die Zufuhr von ungelöschtem Kalk durchaus nicht gestatten. Wenn dies einige Tage dauert, so könnte die Stadt nicht beleuchtet werden. Der Gemeinde⸗Rath möge daher die ge⸗ eigneten Schritte treffen, daß diesem Uebel abgeholfen werde. Bern⸗ brunn meint, deshalb sogleich an die Reichstags⸗Permanenz zu sen⸗ den. Freund glaubt, an das Ministerium die Sendung richten zu sollen. Bernbrunn zieht seinen Antrag zurück. Freund's Antrag wird angenommen. Das Ministerium des Innern ersucht den Gemeinde— Rath um sein Gutachten über folgenden Gegenstand: Alle Arbeits⸗ plätze sollen aufgelöst, die bewaffnete Mannschaft ausgeschieden und der Arbeitslohn für Weiber auf 12 Kr., für Männer auf 18 Kr. ermäßigt werden. Es wird eine Kommission ernannt. Das Nationalgarde ⸗Ober⸗Kommando wird hiervon verständigt. Braun stellt den Antrag: Da die mittellosen Garden nur an den Dienst⸗Tagen Sold und etwas Provision genießen, in den anderen Tagen aber alles Verdienstes entbehren, so soll allen mittellosen Gar⸗ den täglich 20 Kr. C. M. und Brod und Wein gespendet werden. Freund trägt an, den Gegenstand einer Kommission zuzuweisen. Die Kommission wird ernannt. Wesselgy stellt den Antrag, einen Aufruf an die Wehrmänner Wiens zu erlassen, daß sie sich, da die Centralgewalt die friedliche Lösung der Dinge in Wien in die Hände ge⸗ nommen, aller Feindlichkeiten enthalten. Ohne Debatte ange⸗ nommen. Ein fernerer Antrag Wessely's lautet auf Verlängerung der Aufkündigungs⸗ und Ausziehzeit. Die Verlängerungsfrist wird auf vierzehn Tage bestimmt.
Wien, 24. Okt. In Bezug auf den Zustand der Haupt⸗ stadt bemerkt das Journ. d. Oestl. Lloyd: „Die Lage Wiens in Bezug auf die Verpflegung gestaltet sich immer schwieriger. Milch gehört bereits zu den gesuchtesten Artikeln. Es hält schwer, ein schlechtes Glas Milch gegen theure Bezahlung zu erhaschen, und nur Protection vermag sie zu verschaffen. Wir glaubten, die Zeit der Protection sei vorüber, nun herrscht sie bei den Milchständen. Nicht lange, und es dürfte mit dem Fleische nicht anders ergehen. Mit Mehl und Brod ist es noch leidlich. Die Schmalz⸗ und Eier⸗ preise haben schon bedeutend aufgeschlagen. Die ängstliche Sorge um Person und Eigenthum steigert sich von Tag zu Tag, und man sieht Bewohner mit Kindern und mit ihrer besten Habe angstvoll von Ort zu Ort irren, um solche in Sicherheit zu bringen. In den Vorstädten, welche mit ihrem Wasserbedarf auf die städtische Wasserlestung angewiesen sind, macht sich die Besorgniß einer Wassernoth geltend, da durch die gestrigen Konflikte zwischen der mobilen Garde und dem Kaiserl. Militair nächst der nußdorfer
ö;e.]
Fmie die Waslerleitungs⸗Maschas in Nußdoef Heschädigungen elit⸗
1“
ten haben soll. Wie man erzählt, hätte sich eine Abtheilung der mobilen Garde in das dortige Wasserleitungsgebäude geworfen und von da aus mit dem Militair Schüsse gewechselt. Was hieran Wah⸗ res sei, werden wohl die offiziellen Berichte des Nationalgarde⸗Ober⸗ Kommando's melden. Die von Tag zu Tag eintretenden Ereignisse machen das Bedürfniß einer friedlichen Lösung des jetzigen unerträg⸗ lichen Zustandes immer wünschenswerther und dringlicher.“
Herr Eisele, Mitglied der Gasbeleuchtungs⸗Gesellschaft, hat dem Gemeinde⸗Rathe angezeigt, daß jetzt auch die Zufuhr von ungelösch⸗ tem Kalk (zur Gasbereitung) abgeschnitten sei.
Wien, 24. Okt. Nachmittags 5 Uhr. (Allg. Oest. Ztg.) Unsere Bevölkerung bewahrt trotz der bereits bekannt gewordenen har⸗ ten, widerrechtlichen und ungesetzlichen Bedingungen, welche durch Windischgrätz der Stadt Wien zur Unterwerfung vorgeschrieben wur⸗ den, ihre alte besonnene und würdige Haltung. Ist der friedliche Weg der Ausgleichung aber noch möglich, so soll man ihn trotz der zu jeder Anstrengung aufrüttelnden Bedingungen noch einmal in Be⸗ tracht der Tausenden von Mitbürgern einschlagen, welchen von beiden Seiten ein gewisses Grab bereitet wird. Von unserer Seite wird in allen Vorstädten an den Vertheidigungsmaßregeln mit riesenhafter An⸗ strengung und Ausdauer gearbeitet. Alles, was Hände hat, Weiber, Kin⸗ der, Greise sind emsig, um der liebgewonnenen Freiheit einen, wenn auch noch anscheinend geringfügigen, Dienst zu leisten. Während die⸗ ses in der Stadt geschieht, ist aber auch unser Feind nicht müßig. Geschütz und Pulverwagen werden bei Nußdorf über die Donau ge⸗ schifft. Das Militair scheint sich vor der nußdorfer, währinger, mazleinsdorfer und Favoriten⸗Linie konzentriren zu wollen, um nach Ablauf von den 48 Stunden auf mehreren Punkten zugleich die Stadt angreifen zu kölnen. Bei der kleinen nußdorfer Linie nächst der Spittlau wurde vom Militair um 2 Uhr abermals ein Haus in Brand gesetzt. Um 1 Uhr fielen bei dieser Linie von feindlicher Seite gegen 35 Kanonenschüsse. Das Militair ist in Besitz der Ferdinands⸗Wasserleitung und hat der Stadt das Trinkwasser abge⸗ schnitten.
Am 24. Oktober fehlten in Wien die Posten aus Mähren, Schlesien, Galizien, Polen, Rußland, Moldau und Preußen seit 5 Tagent; aus Prag, dem nördlichen Böhmen und Sachsen seit 4 Ta⸗
en; aus Ungarn, Siebenbürgen und Wallachei seit 6 Tagen; aus
riest und Kärnthen seit 2 Tagen; aus Italien seit 2 Tagen; lin⸗
zer, Reichs⸗, klentscher, iglauer, kremser und zwettler Posten waren am genannten Tage ausgeblieben.
Wien, 24. Okt., Morgens. (Allg. Oest. Z.) Die Schiff⸗ brücke über die schwarze Lacken ist vollendet. Sogleich nach ihrem Fertigwerden wurde Geschütz, viel Militair und eine Anzahl Bagagewagen auf derselben übergesetzt, um über die Donau an das nußdorfer Ufer weiter geschifft zu werden. Es war dieses gestern um vier Uhr Nachmittags. Dieses und Weitertransportiren gab Veranlassung zu der nachmittägigen Kanonade. Von den Unfrigen wurde aus währinger Friedhofe und aus der nußdorser Linie das Feuern d Militairs tapfer erwiedert. Um eine Stunde früher kam auf der Nordbahn ein Train mit Militair, mit Pock⸗ und Pulverwagen an. Wahrscheinlich geschah dieser Transport ohne Willen der Eisenbahn⸗ Direction. In Florisdorf wurde Alles abgeladen. Auch wurde ge⸗ stern Nachmittags vom jenseitigen Donau⸗Ufer auf die Un⸗ srigen im Prater mit Kartätschen, gefeuert, wobei es mehrere schwere Verwundungen und einen Todten von unserer Seite gab. Aus den Vorbereitungen, welche Windischgrätz trifft, ersieht man, daß er gesonnen ist, seinem ungesetzlich erklär⸗ ten Vorhaben den nöthigen Nachdruck zu verschafeen. Wird er ein⸗ mal die Angriffspunkte der Stadt bestimmt haben und hinreichend gerüstet sein, dann wird er Ernst machen und losschlagen. Dadurch gräbt er sich aber selbst sein Grab. Es bleibt nur noch die Hoff⸗ nnng, daß die beiden Reichskommissäre so viel Einfluß bei Hofe ge⸗ winnen, um diesem unheilschwangeren Plane noch durch friedliche Mittel zuvorzukommen. In der Stellung der zwei anderen Lager hat sich bis zur Stunde nur das geändert, daß sich Auersperg um Inzersdorf mehr konzentrirt, und daß in den Ortschaften um Wien, woraus er seine Truppen gezogen hat, Militair von Windischgrätz schon wieder angesagt ist.
Berlin, 29. Okt. Nachrichten, welche aus der Umgegend Wiens über Breslau hierhergelangt sind, stellen fest, daß bis zum 27sten Mittags noch kein Nngriff auf die Stadt stattgefunden hatte. Dagegen waren von der Stadt aus mehrfache Angriffe auf die Kai⸗ serlichen Truppen gemacht worden; so war am Breiten⸗See und in der Vorstadt Lerchenfeld bedeutend gekämpft worden. Durch die wiederholten Angriffe hatte sich ein Theil des mährischen Armee⸗ Corps zum Vorrücken genöthigt gesehen und war bei dem schmelzer Kirchhof auf ein starkes Kartätschfeuer der Städtischen gestoßen, wo⸗ gegen eine Batterie herbeigeholt und der Kirchhof von den Füsilieren genommen, später aber, wegen zu sehr exponirter Lage, wieder ver⸗ lassen wurde. Auf der nußdorfer Seite waren die Städtischen voll⸗ ständig in die Linie zurückgedrängt und alle Punkte der Umgegend besetzt, so auch Fünf⸗ und Sechshausen. Der Fürst Windischgrätz hatte Befehl gegeben, das Feuer überall einzustellen, wo dasselbe nicht durch Angriffe von der Stadt aus unvermeidlich sei; auch waren keine Bomben in die Stadt geworfen. Der Banus hatte das Lust⸗ haus im Prater und die Pulverthürme besetzt und lehnte sich an die Donau unterhalb der Stadt. Die Wasser⸗ und Gasleitungen waren der Stadt abgeschnitten; erstere waren auf der nußdorfer Seite von den Städtern mit großer Tapferkeit durch einen energischen Angriff geuommen, aber bald darauf an die Kaiserlichen Truppen wieder verloren.
Es wurde erzählt, daß sechs Dampfböte mit Ungarn die Donau herabgekommen, aber wieder umgekehrt seien, als das erste davon heftig beschossen worden. 8
A’s der Stadt kamen fortwährend Deputationen an den Fürsten Windischgrätz; in Folge einer derselben, an deren Spitze ein Ab⸗ geordneter Pillersdorf gestanden haben soll, hatte der Fürst Windisch⸗
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grätz die unten folgende Proclamation „an die Bewohner Wiens“ erlassen. Vom Reichstage hatte sich eine Deputation von 3 Mitgliedern, an deren Spitze der Minister Kraus (welcher schon früher vom Kai⸗ ser nach Olmütz berufen war), ans Hoflager begeben, um gegen die Verlegung des Reichstags nach Kremsir zu remonstriren.
Es wurde behauptet, der Fürst habe dem Gemeinderath die Per⸗ sonen namhaft gemacht, auf deren Auslicferung er bestehen werde.
In der Nacht vom 26sten zum 27sten hörte man von mehreren Seiten den Donner des groben Geschützes, auch am Morgen des 27sten hier und da vereinzeltes Feuern; am Mittag herrschte aber voll⸗ kommene Stille, und es hieß, daß sich wieder eine Deputation bei · Preh gedag und der Prater bis nahe an die Leopold⸗ Stadt waren bei Abgang der letzten Reisenden vom Banus besetzt; man wollte 50 sac Gefangene aus der Stadt haben ins Haupt⸗
ier abführen sehen. Fuartaa cen Nachrichten schlugen die Städtischen sich mit Tapfer⸗ keit; man wollte an ihrem guten Schießen besonders die Polen er⸗
kennen. Dagegen soll die Erbittferung der Truppen durch die fort⸗ während auf sie gemachten Angriffe, welche sie noch nicht erwiedern
durften, aufs höchste gestiegen sein.
An die Bewohner Wiens.
Es ist mir der Antrag gestellt worden, eine friedliche Vermitte⸗ lung mit der Stadt einzugehen und mit meinen Truppen nach Wien einzurücken, um die von mir vorgeschriebenen Bedingungen selbst in
Ausführung zu bringen.
Ich appellire an den Rechtlichkeitssinn eines gewiß großen Theils der Bewohner Wiens und frage sie, ob es möglich ist, daß ich nach allem Vorgefallenen, nachdem auf meine Truppen ohne allen Anlaß gleich bei ihrem Erscheinen gefeuert wurde, mit denselben nach Wien einziehen könne, in die Stadt, die nach Aussage Aller von bewaffneten Uebelgesinnten wimmelt, ehe diese Menge entwassnet ist, ohne einen mörderischen Straßenkampf herbeizuführen. Ich frage. ob diejenigen, welche mir Frieden anbieten, welche mich auffordern, unge⸗ scheut nach Wien einzuziehen, auch wenn sie es gut mit mir meinten, im Stande wären, denen Ruhe und Mäßigung zu gebieten, die nun schon seit Wochen mit Waffen in der Hand die Stadt ter⸗ rorisiren.
Es ist meine Pflicht, den guten Theil der Bewohner Wiens von dem in Kenntniß zu setzen, was seit der kurzen Zeit meines Erschei⸗ nens und vor derselben geschehen ist, da diese Vorfälle gewiß auf das höchste entstellt werden. Seit mehreren Tagen finden stete An⸗ griffe auf meine Truppen statt, die den Befehl haben, nur im drin⸗ gendsten Falle dieselben zu erwiedern, was denn auch bereits au mehreren Orten geschehen ist. Die Partei, welche für die Urheber jener unerhörten Schandthat, die an den Kriegs⸗Minister Grafen Latour und selbst noch an seiner Leiche begangen wurde, von Sr. Majestät Amnestie begehrt, welche die Entfernung der Truppen, die so schändlich angegriffen wurden, verlangt, einen Antrag auf Ver⸗ bannung mehrerer Glieder des Kaiserlichen Hauses stellte, noch vor kurzem gegen die mir von Sr. Majestät dem Kaiser verliehene Voll⸗ macht protestirte und meine ganze Sendung als ungesetzlich er⸗ klärte, — diese Partei schickt Friedensboten zu mir, um mich mit meinen Truppen ohne alle Garantie in die Stadt zu ziehen!
Fern ist von mir der Gedanke unnöthiger Gewalt⸗Maßregeln; es erfüllt mich mit Schmerz, gegen die Hauptstadt und Monarchie feindlich auftreten zu müssen; doch ich frage nochmals die rechtlich gesinnten Bewohner derselben: ist Vermittelung in der mir angetra⸗ genen Form unter solchen Voraussetzungen möglich?
Hauptquartier Hetzdorff, den 25. Oktober 1848.
(gez.) Fürst zu Windischgrätz. Brünn, 24. Okt. (Prag. Ztg.) In der Landtags⸗Sitzung vom. 23sten wurde die Gemeinde⸗Orduung für Mähren zum ersten
Mal gelesen. Der Referent, Bürgermeister Koller von M. Neustadt, hat das Prinzip der Autonomie der Gemeinde, der Trennung der verschiedenen Gewalten, schon in dieser ersten staatlichen Einheit durchgeführt. Die Debatten über die mährische Gemeinde⸗Ordnung werden lange dauern, da dieselbe 100 Paragraphen umfaßt. Die Landtags⸗Deputation, welche mit einer Adresse am Sonn⸗ tag zum Raiser fuhr, ist noch nicht zurück.
Prag, 26. Otkt. (Prag. Ztg.) Das böhmische Landes⸗Präsi⸗ dium veröffentlicht nachstehenden Erlaß des Kaisers in Bezug auf die (bereits erwähnte) Verlegung des Reichstages nach Kremsier:
„ Wir Ferdinand der Erste, constitutioneller Kaiser von Oesterreich König von Ungarn ꝛc.
„Die Unserem Herzen so schmerzlichen Ereignisse in der Hauptstadt der Monarchie und die Fortdauer des anarchischen Zustandes daselbst haben Uns zur Wahrung des Thrones und des Glückes Unserer Völker in die traurige Nothwendigkeit versetzt, die offene Empörung durch die Gewalt der Waffen zu unterdrücken, wie Wir dieses in Unseren Manifesten vom 16. und 19. Oklober I. J. Unseren Völkern verkündigt haben.
„Bei dem gestörten Zustande der gesetzlichen Ordnung in der Haupt⸗
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stadt, und bei dem bevorstehenden Eintritte militairischer Maßregeln ist für
den Rerchstag unmöglich geworden, daselbst seine Berathungen fortzusetzen. Wir finden Uns daher bewogen, anzuordnen, daß der Reichstag seine Siz⸗ zungen in Wien alsobald unterbreche, und Wir berufen denselben auf den 15. November l. J. nach der Stadt Kremsier, wo er in der Lage sein wird, sich ungestört und ununterbrochen seiner großen Aufgabe, der Ausarbeitung einer den Interessen Unserer Staaten entsprechenden Verfassung, ausschließlich widmen zu können.
„Es werden demnach alle zum konstituirenden Reichstage erwählten Volksvertreter aufgefordert, sich bis zum 15. November in der Stadt Krem⸗ sier zuverlässig einzufinden, um daselbst die unterbrochenen Berathungen in Beziehung auf die Verfassung fortzusetzen und solche mit Beseitigung aller Nebenrücksichten in Bälde einem gedeihlichen Ende zuzuführen.
„Wir versehen uns, daß alle zum konstituirenden Reichstage gewählten Vertreter des Volkes, ihrer Pflichten gegen das Vaterland eingedenk, sich an⸗ gelegen sein lassen werden, pünktlich zur oben bestimmten Zeit an dem be⸗ zeichneten zeitweiligen Sitze des Reichstages zu erscheinen, um sich daselbst ungesäumt mit der baldigen Lösung der ihm gewordenen großen Aufgabe ernstlich zu beschäftigen.
Olmütz, den 22. Oktober 1848.
Ferdinand. Wessenberg.“
Dieses allerhöchste, mir am heutigen Tage von dem Herrn Minister⸗ präsidenten Wessenberg zugekommene Manifest wird hiermit zur allgemeinen Kenntniß gebracht.
Vom K. K. böhm. Landespräsidium. Prag, am 26. Oktober 1848. Mec s ery. K. K. Gubernial⸗Vicepräsident.
Badbden. Karlerihe, . 16f gestrige Sitzung der ersten Kammer wurde durch den Präsidenten, Se. Großh. Hoheit den Markgrafen Wilhelm, mit solgender Anrede eröffnet:
„Nach einer Unterbrechung von mehreren Monaten freue ich mich, Sie, durchlauchtigste, hochgeehrteste Herren, heute wieder in diesem Saale be⸗ grüßen zu können, wo uns neue Arbeiten erwarten.
„Aber mit schmerzlichem Gefühle zeige ich Ihnen den Verlust zweier von uns Allen so hoch geschätzten Mitglieder dieses Hauses an, die in einer Reihe von Jahren mit unermüdlichem Eifer sich ihrem Berufe gewid⸗ met hatten, und deren Plaͤtze wir nun erledigt sehen.
„Wenn an sich schon die Trennung von Personen sehr betrübend ist die unsere Hochachtung in so hohem Maße in Anspruch nehmen, wie dies bei den beiden uns zu früh dahin Geschiedenen der Fall war so müͤssen wir deren Verlust jetzt doppelt bellagen, wo ihrer Thätigkeit ein noch so weites Feld offen gestanden wäre, und ihre Kräfte dem Va⸗ terlande, und besonders diesem Hause die ersprießlichsten Dienste hätten leisten können. Darum werden Sie mit mir die Empfindungen theilen, von denen mein Herz durch den Tod des Freiherrn von Laroche, so wie des Geh. Raths Vogel bewegt ist, und werden mit mir ihren Verlust schmerz⸗ lich bedauern. Friede ihrer Asche!“ 8ü M erfolgte hierauf von Seiten der sechs ältesten Mitglieder der Kammer die Prüfung des Protokolls über die Wahl eines Abgeord⸗ neten für die Umversität Heidelberg (Staatsrath von Stengel). Die Wahl wird als unbeanstandet erklärt und die Beeidigung des zum Eintriet in die hohe Kammer Aufgeforderten vorgenommen.
1 Verlesung mehrerer neuen Eingaben, insbesondere einer Mittheilung der zweiten Kammer, den Gesetzentwurf über die Ge⸗ schworenengerichte betreffend, so wie einiger Petitionen, wird die Sitzung geschlossen, und eine Vorberathung anberaumt.
Frankfurt. Frankfurt a. M., 27. Okt. Gestern früh machte das gesammte Offiziercorps der hiesigen Reichstruppen Sr.
Königl. Hoheit dem Prinzen Adalbert von Preußen seine Aufwar⸗ tung, nachdem dasselbe vorher beim Reichsverweser sich vorgestellt hatte.
Hamburg. Hamburg, 27. Okt. (H. C.) Se Königliche Hoheit der Kronprinz und Ihre Kaiserliche Hoheit die Kronprinzes⸗ sin von Württemberg sind unter dem Inkognito eines Grafen und einer Gräfin von Hohenberg gestern hier eingetroffen und im Hotel del'Eu⸗ rope abgestiegen. Zugleich befanden sich hier J. KK. HH. der Großherzog und dieverwittwete Großherzogin, so wie Se. Hoheit der Herzog Wilhelm von Mecklenburg⸗Schwerin. Die Gesandten Rußlands und Württem⸗ bergs am Königl. preußischen Hofe hatten sich hierher begeben, um
das fürstliche Paar zu begrüßen. Sämmtliche hohe Herrschaften sind
E11“““ SHesterreich. Mantua, 20. Okt. (A. Z.) Die Offiziere der hier befindlichen ungarischen Regimenter haben nachstehende Erklärung ver⸗ öffentlicht: „Die vom Agitator Ludwig Kossuth an die ungarischen Krieger geschleuderten verrätherischen Aufforderungen werden hier mit voller Indignation und mit dem Beifügen zurückgewiesen, daß wir, obwohl mit Leib und Seele Ungarn, für unser Vaterland den ge⸗ sammten und mächtigen österreichischen Staat halten, und daß wir als Soldaten unserem Eide stets treu verbleiben und niemals eine die pragmatische Sanction verletzende wahnsinnige und nur zum Sturze der Einheit hinarbeitende Partei unterstützen werden. Das Offizier⸗-Corps der ungarischen Regimenter in Mantua. Den 20. Oktober 1818.“
Frankreich. National⸗ Versammlung. Sitzung vom 25. Oktober. In der heutigen Sitzung der National⸗Versammlung brachte Herr Grandin das neuliche Bankett an der Barriere du Roule zur Sprache, wo Herr Bac den zu Vincennes eingekerkerten Angeklagten unter Lobpreisungen einen Toast ausgebracht. Er hob die gefährlichen Tendenzen dieser Bankette hervor und sagte zum Schlusse: „Verschwörungen sind im Gauge, geheime Gesellschaften werden gehalten und bereiten eine Ergreifung der Waffen vor. Ich frage daher den Minister, welche Maßregeln er ergriffen hat, um wenigstens die Wiederkehr der Juni⸗Skandale zu verhindern. Herr Bac meinte, daß ihm eigentlich die Beantwortung der an den Mi⸗ nister gerichteten Frage zustehe; es handele sich übrigens hier nur um eine in den Institutionen begründete Freiheit, wegen deren Aus⸗ übung ihn zu befragen Niemand berechtigt sei. Dem fraglichen Bar⸗ kett hätten 2000 Arbeiter beigewehnt, wozu sie unleugbar be⸗ fugt gewesen seien. Da man die Klubs geschlossen habe, so flüchte die Freiheit zu den Banketten, bei denen übrigens die Ordnung nicht im mindesten gestört worden sei. Gerade weil es Bankette gebe, und weil man sie in voller Freiheit halten dürfe, habe der Bürger nicht nöthig, zur Flinte zu greifen. Die Gegner möchten ebenfalls Bankette veranstalten (er werde nie daran denken, sie zu fragen, was sie dort gethan oder gesprochen hätten. Allerdings habe er den Ar⸗ beitern von Rouen und Elbneuf einen Toast ausgebracht und die un⸗ glücklichen Eingekerkerten in denselben eingeschlossen. (Herr Grand in: Das Verbrechen ist kein Unglück!) Man könne unschuldig angeklagt sein, und bei jedem Angeklagten sei die Voraussetzung der Unschuld zulässig. Ob etwa eine Versammlung, der ein früherer politischer Verurtheilter präsidire, die Lehre aufstellen wolle, daß ein politischer Angeklagter keine Freunde haben, keine Sympathieen einflößen dürse? Es gebe keine Verschwörungen für die Republik, sondern blos für einen Einzelnen, für die Tyrannei. Seine Partei konspirire offen bei den Banketten und in den Journalen. Er vertrete für sich, für Alle das Recht der Vereinigung bei Banketten; er verlange, daß man dies Recht in seiner Partei achte, wie sie es bei Anderen thue. Herr Corbon bemerkte, daß er bei einem Bankett der demokratischen Republik einen Toast ausgebracht, sich aber geweigert habe, das Wort „sozial“ beizufügen, weil es ein Pleonasmus sei. Er habe stets wahrhafte soziale Reformen verfochten; er wolle die Sache, aber nicht die Formel, weil sie so traurige Erinnerungen erwecke. Herr Dufaure: „Wie groß auch die Freiheit der Bankette sein mag, so ist doch jeder Repräsentant berechtigt, die Regierung über stattgehabte Bankette zu befragen. Die Angriffe auf die Republik können zweierlei sein; sie können von ihren Feinden, aber auch von
jenen ausgrhen, welche ihre vermeinte Hingebung für die Republik zum Uebermaß treiben und daher ungefährlichen Kundgebungen zu große Wichtigkeit beilegen. Wir wollen, daß die Republik eine Regierung der Ord⸗ nung sei, und daß alle Rechte geschützt werden; aber wir wollen nicht die Begründung der Ordnung auf Kosten von Freiheiten, deren Aus⸗ übung die Gesetze gestatten und gestatten müssen. Die bestehenden Gesetze erlauben die Bankette. Sollte einst die Regirrung wahr⸗ nehmen, daß die Klubs oder die Bankette gesährlich seien, so wird sie die geeigneten Schritte thun, da das Wohl des Landes den Klubs um Banketten vorgehen muß. Gewisse Klubs sind geschlossen wor⸗ den, weil das Gesetz es befahl; außerdem wäre es nicht geschehen. Bezüglich der Bankette hat die Regierung ihren Agenten Weisungen gegeben, die veröffentlicht wurden. Sie meint, daß es nicht gut sei, Behörden an öffentlichen Banketten Theil nehmen zu lassen, weil allerhand Unvorhergesehenes dort vorfallen kann und Niemand für die Absichten künftiger Bankette einzustehen vermag. Sie meint ferner, daß jedenfalls die Ruhe der Straßen gesichert und die Behörde berechtigt sein muß, bei etwaigen durch ein Bankett oder eine öffentliche Versammlang herbeigeführten Ruhestörungen einzu⸗ schreiten und für diese Einschreitung Vorkehrungen zu treffen. So fassen wir die Bankette auf. Wir haben untersucht, ob bei dem Bankett der Barriere du Roule gegen eine der eben erwähnten Be⸗ dingungen verstoßen wurde, aber wir haben nichts der Art ermittelt. Ein ehemaliger Pair präsidirte dabei und forderte alle Gäste auf, in Erwägung der Aufhebung des Belagerungszustandes die vollkom⸗ menste Ordnung zu bewahren, wofür ich ihm danke. Herr Proudhon griff in einer Rede den Berg an, den zu vertheidigen die Regierung nicht berufen ist. (Allgemeine Heiterkeit.) Noch ist der Toast des Herrn Bac übrig. Vom Gesichtspunkte des Herrn Grandin aus kann derselbe freilich angeschuldigt werden; vom Gesichtspunkte der Regierung aus scheint er mir jedoch keine Strafanwendung zu erhei⸗ schen. Wir glauben nicht, daß die Bankette gefährlich geworden sind; aber dies ist kein Grund für uns, in unserer Ueberwachung nachzulassen. Herr Granden fragt uns, was wir von den geheimen Gesellschaften dächten; ich thrile nicht die volle Sicherheit des Herrn Bac, aber ich beschränke mich auf die Erklärung, daß die Regierung das Ihrige zu thun wissen wird, sobald die kommerziellen Gesellschaften sich in geheime Gesellschaften umwandeln. Ich komme auf einen anderen Punkt. Herr L. Napolcon hat vorgestern an mehrere Journale ein allbekann⸗ tes Schreiben gerichtet. Es ist wahr, daß er mir die darin erwähnte Mittheilung machte; aber ich konnte ihn beruhigen. Es gab keine Verschwörung zu seinem Vortheile; Niemand in Paris dachte daran, für ihn zu konspiriren. Ich bedaure, daß er es, als er sein Schreiben drucken ließ, nicht für angemessen befand, zur Beruhigung der öffent⸗ lichen Meinung die ihm von mir ertheilten sehr bestimmten Aufschlüsse mitzutheilen. Es leuchtet aus diesem Schreiben einige Besorgniß hervor, für welche in der Wirklichkeit gar kein Grund vorhanden
war.“ Herr Jerome Bonaparte wollte antworten, viele Stim⸗ men aber riefen: „Nicht Sie haben zu antworten; Herr L. Napo⸗ leon fehlt stets, wenn er da sein sollte.“ Herr Jerome Bona⸗- parte: „Ich bin nicht der Einzige, welcher an die Gerüchte glaubte, von welchen ich an Cavaignac Mittheilung machte; ein General hatte darüber die nämlichen Anzeigen empfangen. (Bara⸗ gugy d'Hilliers: „Das bin ich.“) Der Minister des Innern be⸗ streitet heute, daß eine Emeute zu Gunsten meines Vetters im Werke seiz weshalb bezeichneten ihn denn die vollziehende Kommission und die provisorische Regierung als ein Ziel der Emeute und Verschwörung?“ Herr Clem. Thomas: „Nicht an Herrn Jerome, sondern an Herrn Lous Bonaparte war es, zu antworten; aber dieser fehlt stets, wenn es eine irgend wichtige Frage gilt; er handelt stets nur 1 durch Enthaltung. Ich muß mich wundern, daß Leute sich dem Lande zur Erfüllung eines der wichtigsten Berufe darbieten und die -⸗ sen dann nicht erfülen. (Jerome Bonaparte: Das kümmert Sie nicht.) Da Herr Jerome Bonaparte hier im Namen seines Vetters antwortet (Jerome Bonaparte: Hier und überall), so frage ich ihn, ob sein Vetter nicht gegenwärtig in allen Departe⸗ ments Wahl⸗Agenten umherreisen läßt, und unter welchem Titel er auftritt? Ich weiß wohl, daß jeder Bürger als Kandidat für die Präsidentschaft auftreten darf; aber diese Kandidatur muß sich we⸗ nigstens auf wirkliche Ansprüche stützen.“ Der Präsident erin⸗- nerte daran, daß es sich um die Bankettsrage handle, und Herr Jer. 8 Bonaparte verlangte, daß Herr Thomas zur Ordnung gerufen werde, weil derselbe nicht berechtigt sei, hier irgend eine Kan⸗ didatur zu denunziren. Herr C. Thomas äußerte, er habe die Kandidatur von L. Napoleon nicht angegriffen; derselbe trete jetzt als Kandidat für die Präsidentschaft auf, um später als Kandidat für das Kaiserthum aufzutreten (Lärm; Tumult). Hr. Flocon begehrte, daß man auf die Bankett⸗Frage zurückgehe und über Dufaure's Worte einen Beschluß fasse. Herr Grandin erklärte sich durch Dufaure's Erläuterungen für befriedigt; er wünsche nur, daß sie im Lande bekannt werden und Früchte tra⸗ gen möchten. Der Kriegs⸗Minister verlas hierauf die Motive eines Dekret⸗Entwurfs, nach welchem die zur Transportation verur⸗ theilten Individuen nach Algerien gebracht werden sollen. Sie wer den dort 10 Jahre lang gemeinsamer Arbeit und militairischer Dis⸗ ziplin unterworfen und ihre Niederlassungen von den für freie Kolo⸗ nisten vorbehaltenen völlig gesondert sein. Nach Verlauf der 10 Jahre sollen die Wirkungen der Transportation rechtskräftig aufhören; aber schon nach 3 Jahren können die Transportirten, welche sich gut be tragen, der gemeinsamen Arbeit enthoben werden und Wohnung wie Beschäftigung, für sich erhalten; nach 6 Jahren aber können sie Eigen thümer und von der militairischen Disziplin entbunden werden. Den Wei⸗ bern und Kindern der Transportirten soll die Begleitung derselben freistehen. Herr Leroux, welcher Fragen an den Kriegsminister an⸗ gekündigt hatte, nahm dieselben zurück und verlangte blos für die Berathung des Dekret⸗Entwurfes die Dringlichkeit, welche auch aus⸗ gesprochen ward. Herr Lagrange eiferte gegen die Transportation, fand aber keinen Anklang. Nachdem die Versammlung noch den Gesetz⸗Entwurf genehmigt hatte, welcher die Liquidirung der Schul⸗ den und die Verwaltung des Eigenthums der ehemaligen Civilliste betrifft, wäre die Erörterung über den berichtigten Budget⸗Entwurf für 1848 an der Tagesordnung gewesen, der neue Finanz⸗Minister aber, Herr Trouvé Chauvel, beantragte die Vertagung bis zum Montage. Sein Antrag ward genehmigt und die Sitzung aufge⸗ hoben.
Sitzung vom 26. Oktober. Anfang 1 Uhr. Präsident Marrast. Die Bänke überfüllt. Lacrosse wünscht den Gesetz Ent⸗ wurf rücksichtlich der Arbeiter in den Seehäfen bald auf die Tages⸗ orduung gesetzt zu sehen. Dahirel: Ich höre eben, daß der an der heutigen Tagesordnung befindliche Gesetz⸗Entwurf rücksichtlich der Arbeiter⸗Associations⸗Verträge zurückgezogen werden soll; ich prote⸗ stire dagegen. St. Gaudens: Vor allen Dingen müsse die neue Verfassung promulgirt werden. Darum müßten die obigen Entwürfe noch warten. (Ja, ja; nein, nein) Louis Bonaparte, der ge⸗ stern nicht anwesend war, verlangt das Wort. „Bürger Repräsen⸗ tanten“, beginnt er, schüchtern und mit schwacher Stimme vom Pa⸗ pier lesend, wie gewöhnlich, „der bedauerliche Fall, der sich gestern in meiner Abwesenheit zutrug, ruft mich auf die Rednerbühne. Ich beklage es tief, so oft von mir sprechen zu müssen; Nemand mehr als ich sucht den persönlichen Fragen auszuweichen. Ich habe Ihnen meine Gefühle, meine Wuͤnsche, meine Ansichten mitgetheilt. Niemand kann mich eines Wortbruchs zeihen, und doch muß ich mein parlamentarisches Benehmen gerügt und meine Gesinnungen entstellt sehen. Für jetzt kann ich Keinem das Recht zugestehen, mich über mein Verhalten und meine Meinung zu interpelliren. Ich bin nur meinen Wählern Rechenschaft schuldig. Wessen klagt man mich an? Man klagt mich an, den Gedanken zu hegen, eine Kandidatur anzu⸗ nehmen, die man mir anbietet. Wohlan, ja, ich nehme sie an. Frankreich betrachtet meinen Namen als dazu geeignet, die Gesell⸗ schaft zu befestigen. (Hier erhebt die gesammte Linke einen heftigen Lärm; doch hört man rufen: Sprechen Sie weiter!). Diejenigen, die mich des Ehrgeizes anklagen, kennen mich schlecht. Aber wenn mein Name die guten Bürger zu einigen im Stande ist, wenn die Sympathieen meiner Mitrürger glauben, daß ich in die Reihe der Kandi⸗ daten zu stellen, warum sollte ich es nicht? Ich hätte längst das Exil ver⸗ schmerzt, wenn ich der Galle nachgegeben, mit der mich Einige zu kränken suchen.“ Clement Thomas: Ich verlange das Wort. Flocon: Auch ich verlange das Wort. Louis Bona⸗ parte, verwirrt weiter lesend: „Es ist nur wenigen Per⸗ sonen gegeben, auf der Tribüne beredt zu sein. Doch giebt es nur dieses Mittel, um seinem Lande zu dienen? In diesen Augen⸗ blicken sind vielmehr gerechte und weise Ideen nöthig, welche die antisozialen Ideen ins Nichts versetzen können. Ich weiß, daß man meiner Laufbahn allerlei Fallstricke legen möchte. Ich werde nicht hineinfallen. Ich werde die größte Umsicht zu behaupten wissen. Ich werde nur die größte Achtung der Versammlung zu verdienen trachten, so wie jenes Volks, das man gestern hier so leichtfertig be⸗ handelte. Ich erkläre also denen, die ein Verfolgungs⸗ System gegen mich schmieden wollten, daß ich ihnen zu widerstehen wissen werde.“ Hierauf rafft der Reder seine Papiere zusammen und steigt von der Tribüne herunter. Mehrere Stimmen rufen: Zur Tages⸗ ordnung! zur Tagesordnung! Clement Thomas sucht sich Gehör zu verschaffen und wiederholt gestern schon vorgebrachte Angaben über Emissäre in den Departements behufs bonapartistischer Propa⸗ ganda. Der Lärm wird indeß immer stärker und die Tagesordnung aufgenommen. An der Tagesordnung ist vas Dekret des Verfassungs⸗ Ausschusses über die Präsidentenwahl am 10. Dezember. P asn⸗ rägt darauf an, daß man den Präsidenten erst nach Botrungloen organischen Gesetze wähle. Rabaud Laribére. sprich 3 Sinne. Mun solle die Verfassung nicht Lve en; 88 Verfas- Dupin der Aeltere bekämpft bride Redger unter fief⸗ sungs⸗Ausschusses. Mole nimmt das Se daß sie erst die stem Stillschweigen, der Versammlung aus ennen Präͤsidenten neben
ischen Gesete votiren solle, ehe ste em Redner auf der organisih 1 C nac folgt dem 2 e⸗ oder über erhebe. avaig in sehr bedrohlicher Weise an, Tribüne und deutet der Versammlung