Deuts⸗ er einzelnen deutschen Staaten ausschließ ich aus. Ver salegas at vrn⸗ Gesandte und Konsuln an. Sie führt den diplomatischen Verkehr, schließt die 1165*“ mit . Auolande, namentlich auch die Handels und ieben so wie die Auslieferungs⸗Verträge, ab. Sie erdnet alle völ errechtli en Maßregeln.“ §. 8: „Die einzelnen deuschen Regicrungen haben n cht das Recht, standige Gesandte zu empfangen oder solche zu halten. v Bie einzelnen deutschen Regierungen sind befugt, Verträge F.ieanderen deutschen Regierungen adzuschließzen.. Ihre Besugniß zu Verträgen mit nichtdeutschen Regierungen beschränkt sich auf stände des Privatrechts, des nachbarlichen Verkehrs und der Pol zei. .10: „Alle nicht rein privatrechtlichen Verträge, welche eine deut⸗ sche Regierung mit einer anderen deutschen oder nichtdeutschen ab⸗ schließt, sind der Reichsgewalt zur Kenntnißnahme, und insofern das Reichs⸗Interesse dabei betheiligt, zur Bestätigung vorzulegen. Auf morgen Vormittag
8
ist eine große Revue sämmtlicher hier und in der Umgegend stehenden deutschen Reichstrnppen vor dem Erz⸗ 1 herzog⸗Reichsverweser anberaumt. Frankfurt a. M., 31. Okt. Die O. P. A. Z. enthält in ihrem heutigen Blatte Folgendes: „Wir können die wahrscheinlich jetzt durch alle Zeitungen laufende Nachricht, als sei, durch Mei⸗ nungsverschiedenheit über die österreichische Frage veranlaßt, im
Reiche⸗Min’sterium eine Spaltung entstanden, für völlig unbegründet erklären. Das Reichs⸗Ministerium ist auch in dieser Frage vollkom⸗ men einig, und daß es „das deutsche Interesse in Oesterreich nicht ohne Unterstützung von Seiten des Reiches lassen“ well, geht aus den heute in der National⸗Versammlung veröffentlichen Depeschen an die Reichs⸗Kommissäre wohl zur Genüge hervor.“
Preußen. Berlin, 1. Nov. In der die Frage der Mi⸗ litair⸗Requisition betreffenden Bekanntmachung des hiesigen Magi⸗ strates vom 28. Oktober (Nr. 179 des Staate⸗A nzeigers) war von einer Eingabe des Sicherheits⸗Ausschusses die Rede. Wir sind jetzt in den Stand gesetzt, diese Eingabe, die von dem Staats Ministerium darauf an den Magistrat erlassene Verfügung vom 31. Oktober und zugleich einen Erlaß des Ministers des Innern an den Commandeur der Bürgerwehr, so wie eine Bekanntmachung desselben Ministers vom heutigen Tage, nachstehend vollständig mitzutheilen:
Hohes Staats⸗Ministerium!
Die Ereignisse am 16ten d. M. haben gelehrt, wie große Vor⸗ sicht seitens des städtischen Sicherheits⸗Ausschusses und des Bürger⸗ wehr⸗Kommando's bei der Requisition des Militairs aufgeboten wer⸗ den muß, um das Vertrauen zu den Anordnungen der Behörden in dem großen Kreise des Volkslebens nicht zu schmälern, sondern, was Aufgabe der Zeit ist, dasselbe zu steigern. Wir danken es dem Ein⸗ verständnisse der Militan⸗Behörden mit dem Sicherheite⸗Aueschusse der Stadt und dem Bürgerweyr⸗Kommando, die auf unsere bedingte Requisition: “ ¹nur 2 Bataillone Militair als letzte Reserven zur Disposition des
Bürgerwehr⸗Commandeurs in das Königliche Schloß zu konsig⸗ niren und dieselben für den Fall des Einschreitens von der ferne⸗ ren Requisttion des Bürgerwehr⸗Kommando’s abhängig zu machen, nicht nur bereitwillis eingingen, sondern auch diese Maßregel sofort wie⸗ der insistirten, als die Umstände sich dahin verändert hatten, durch eine Gegen⸗Requisition die Einmischung des Militairs einstweilen wieder zurückzuneyhmen.
Es hat dies unbezweifelt auf die Stimmung der Bevölkerunz einen günstigen Eindruck hinterlassen und die irrthümliche Auffassung theilweise bestegt, als ob die Militair⸗Behörden, einmal gerufen, die eingenommene Stellung nicht wieder aufgeben würden.
Ein Königliches hohes Staats⸗Ministerium bitten wir daher,
durch eine bestimmte, zu veröffentlichende Erklärung dahen, daß die
Einmischung des Militairs in die inneren Unruhen in der Start lediglich von unserer und der Requisition des Bürgerwehr⸗Kom⸗
mando's abhängig bleiben, und daß auch jede Rücknahme einer sol⸗
chen Requisition von Seiten des bereits requirirten Militairs respektirt werden würde; 8 dafür mitzuwirken, daß dies unseres Erachtens gewonnene günstige Resultat in der öffentlschen Meinung noch Verstärkang gewinne.
Wir dürfen der Gewährung dieser Bitte um so zuversichtlicher entgegensehen, als der frühere Minister⸗Präsident Herr von Auers⸗ wald sich in diesem Sinne bereits gegen uns erklärt hatten.
Berlin, den 25. Oktober 1848.
Der Sicherheite⸗Auesschuß der Stadt⸗Behörden. (gez.) Hedemann.
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u
An Ein Königliches hohes Staats⸗Ministerium. Durch die in Abschrift beiliegende Eingabe de Sicherheits⸗Aus⸗ schusses der hiesigen Stadtbehörden findet das Staatsministerium sich veranlaßt, dem Wohllöblichen Magistrate Folgendes zu eröffnen: Es ist ein vom Staateministerium wiederholentlich anerkannter Grundsatz, daß die Wirderherstellung der gestörten Ruhe und gesetzlichen Ore⸗ nung zunächst der Bürgerwehr obliegt, und daß in solcden Fallen das Militair nur, wenn die Wirksamkeit der Bürgerwehr für den an⸗ geführten Zweck unzureichend
und auch dann nicht anders, als auf Requisition der zur Aufrechthaltung der öffentlichen Sicherheit berufenen Cvilbehörden einschreiten darf. Dieser Grundsatz wird auch bei Störungen der gesetzlichen Ordnung in Berlin aufrecht er⸗ halten werden. Es erscheint dabei unbedenklich, daß, wenn eine (icilbehörde ihre Requisition um militairische Hülfe, wie es am 16ten d. Mts. geschah, vor dem wirklich erfolgten Einschreiten des Militairs zurücknimmt, solche Zurücknahme von Seiten des Mi⸗ litair⸗Befehlshabers berücksichtigt werden muß. — Tritt dagegen das zur Unterstützung der Bürgerwehr requirirte Militair wirklich in Thätigkeit, so bestimmt sich das Verhältniß desselben zur Bürgerwehr nach der Vorschrift im §. 78 des Bürgerwehrgesetzes vom Er. d. M.. wonach in solchen Fällen die Bürgerwehr die Reserve des Militairs bilden soll.
Das Staats⸗Ministerium stellt dem Wohllöblichen Magistrat a heim, hiernach dem Sicherheits⸗Ausschusse die erforderliche Mit⸗ theilung zu machen. 8 1“
Berlin, den 31. Oktober 1848. “
Das Staats⸗Ministerium.
(gez.) von Pfuel. Eichmann. von Bonin. 8 8 Grf. Dönhoff. Für den Minister der geistlichen ꝛc. Angelegenheiten. von Ladenberg. 1
Kisker.
8 An den Wohllöblichen Magistrat hiesiger Residenz. Die gestrigen Vorfälle setzen mich nothwendigen Folgen der ungenügenden aufmerksam machen zu müssen.
in die Lage Ew., ꝛc. auf die
Es kann keinem Zweisel unterliegen, daß Sturm⸗Petitionen meh⸗ rerer Tausend aufgeregter Menschen, welche das Versammlungs⸗Lokal der Volksvertretung umgeben und gewissermaßen in Belagerungszu⸗ versehen, die heftig⸗ endlich in das Sitzungsgebäude selbst ein⸗
theilweise mit Henkerstricken
stand versetzen und, the⸗ sten Drohungen auestoßen, in do bst ei dringen u. s. w., gegen die gesetzliche Ordnung sind, welche die Bür⸗
Wirksamkeit der Bürgerwehr
“]
gerwehr zu schützen hat.
ꝗ 978 Dennoch hat sich dies Alles gestern hier zugetragen, und es ist erst so spät dagegen eingeschritten worden, daß es leicht zu noch größeren Erzessen hätte kommen können.
Dem Kommando der Bürgerwehr war es bekannt, daß sich be⸗ reits um Mittag ein großer Zug auf dem Alexander⸗Platze gesam⸗ melt hatte und demnächst auf dem Gendarmen⸗Markte eine Menge von mehreren Tausend Personen zusammengekommen war, welche sich nach einiger Zeit mit dem ausgesprochenen Vorsatze zurücksog, um 5 Uhr Nachmittags wieder einzutreffen und die Antwort der National⸗ Versammlung auf eine Petition zu Gunsten des wiener Volkes ab⸗ zuwarten. Von dieser zweiten Versammlung waren die ernstlichsten Störungen der gesetzlichen Ordnung zu fürchten. Um die letztere zu schützen, war die Aufstellung ansehnlicher Abtheilungen der Bürger⸗ wehr auf dem Gendarmen ⸗ Markte erforderlich, mit wel chen man entweder den Zudrang der Massen zu verhindern oder doch den Platz zu säubern vermochte. Es scheint nun zwar an bewaffneter Macht nicht gefehlt zu haben, denn das Schauspielhaus ist mit 2 Bataillonen besetzt gewesen und außerdem sind 3 oder 4 Bataillone zusammengezogen worden; aber man hat die Menge, welche anfänglich aus etwa tausend Personen bestand und sich an den Eingängen der Abgeordneten zusammendrängte, Fackeln anzündete und sich dann, allmälig zunehmend, auf dem Platze hin und ber bewegte, die National⸗Versammlung durch Drohungen einzuschüchtern suchte, mehrere Stunden vindurch ungehindert gewähren lassen. In⸗ zwischen war die Hatung der Volkshaufen, die von mehreren Rednern angefeuert wurde, nicht zu weichen, bis ihren Forderungen genügt sei, im mer bedroblicher geworden. Schaaren mit rothen Fah⸗ nen, Fackeln und Stricken versehen, hatten die sämmtlichen Thüren des Schauspielhauses besetzt und ließen Niemand hinaus. Endlich erschienen die schon lange zusammengezogenen drei oder veer Batail⸗ lone vor dem Hause und machten die Eingänge frei. Dies hielt je⸗ doch, wiewohl außerdem noch drei andere Bataillone allarmirt, also im Ganzen acht oder neun Bataillone Bürgerwehr auf den Bei⸗ nen waren, nicht lange an. Die Abgeordneten, welche um 10 Uhr Abends die Sitzung verließen, mußten sich durch die Menge hindurch⸗ drängen; mehrere derselben sind dem Vernehmen nach doebei insultirt und sogar körperlich mißhandelt worden.
Erst als sich hierauf schon ein großer Tbeil des Volkes verlau⸗ fen hatte, schritt die Bürgerwehr mit mehr Energie ein und stellte, nach einem Zusammenstoß mit Maschinenarbeitern, welche dazwischen⸗ treten wollten, in später Nacht die Ruhe her.
Die Verhinderung oder sofortige Unterdrückung solcher tumultua⸗
rischen Auftritte ist nirgend dringender und ügerläßlicher, als in der Hauptstadt, zumal, wenn sie den Charakter des Terroriemus gegen die Volksvertretnng annehmen. Leider sind hier schon mehrere Vor⸗ fäͤlle ähnlicher Art vorgekommen, welche dazu führen müssen, das An⸗ sehen der Regierung und die Achtung vor der bewaffseten Macht, welche die gesetzliche Freiheit und Ordnung schützen soll, zu unter⸗ graben. 8 Unter diesen Umständen kann die Regierung ihre Verpflichtung, für die Sächerhreit der Personen, für die Un nbhängigkeit der Volks⸗ vertretung uond für die öffentliche Ordnung zu sorgen, nicht anders erfüllen, als vadurch, daß bei Ruhestörungen in hiesiger Stadt, so⸗ bald die zur Aufrechthaltung der gesetzlicen Ordnung zunächst veru⸗ fene Bürgerwehr dieser ihrer Aufgabe nicht rechtzeitig und vollstän⸗ dg genügt, sofort militairische Hülfe requirirt und nach §. 87 des Bürgerwehr⸗Gesetzes in Thätigkeit gesetzt wird.
Indem ich wünsche, daß der Fall einer solchen stets bedauerlichen Nothwenrigkeit nicht eintreten möge, habe ich den Magistrat und das Polizei⸗Prasidium von diesem Erlasse gesetzt.
Berlin, den 1. November 1848. b
8 Der Minister des Innern. (gez.) Eichmann.
zur Nachachtung ia Kenntniß
den Commandeur der Bürgerwehr, Herrn Rimpler Hochwohlgeboren, Bekanntmachung.
Die Vorgänge des gest igen Tages während der beiden Sitzun⸗ gen der National-Versammlung legen der Regierung die unabweis⸗ bare Pflicht auf, zur Aufrechthaltung der gesetzlichen Ordnung und zur Verbütung und Unterdrückung ähnlicher Exzesse alle ihr zu Ge⸗ bote st henden Mittel in Anwendung zu bringen.
Es sind demgemäß die betreffenden Bebörden angewiesen worden, in allen derartigen Fällen, sobalo die zunächst zur Au rechthalung der gesetzlicen Ordnung berufene Bürgerwehr dieser ihrer Aufgabe nicht rechtzeitig und vollständig genügt, sofont die bewaffnete Militair⸗ macht zu requiriren und nach §. 78. des Bürgerwehr⸗Gesebes vom 17ten v. M. in Thätigkeit treten zu lassen. — Es wird dies hier⸗ durch zur öffentlichen Kenntniß geb acht.
Berlin, den 1. November 1848.
Der Minister des Innern. Eichmann. Hesterreich. Wien, 28 Okt. (Schl. u. Br. Z.) Morgens
8 Uhr. Das Ober⸗Kommando der Rationalgarden sendet in diesem Au⸗ genblick starke Kolonnen Mobilgarden in die Leopoldstadt, wo die größte Bewegung und Aufregung auf den Straßen und öffentlichen Plätzen wahrzunehmen ist, indem allgemein das Gerücht geht, daß im Prater und in der Gegend des Nordbahnhofes eine starke Truppenmacht konzentrirt sei und dieselbe sich zum Kampfe aufstelle. Eine neuer⸗ dinge ins Lager an den Fürsten Windischgrätz abgesandte Deputation war vnverrichteter Sache zurückgekehrt, indem der Fürst auf der un⸗ bedingten Erfüllung der von ihm gestellten Forderungen beharrte und nur bezüglich des dritten Pe— ktes insofern eine Modification hatte eintreten lassen, als er der Deputation diejenigen Persouen, derer nähere Bezeichnung behufs ihrer Auslirferung er sich noch vorbehal⸗ ten, genannt hat. Diese Personen sind: Dr. Schütte, der ungarische Uater⸗Staats⸗Secretair Pulßky, der sich hier aufhalten soll, und der ehemalige polnische General Bem. 8
11 Uhr Vormittags. Der heftige Kanonendonner, der so eben von allen Seiten der Stadt herübertönt, läßt vermuthen, daß der wirkliche Angriff nunmehr erfolgt ist.
11 ½ Uhr. Berittene Ordonnanzen rufen im Vorbeisprengen der aufgestellten Posten zu, daß der Kampf begonnen habe, und zwar von allen Seiten. Der Kanonendonner wird immer heftiger, beson⸗ ders in der Leopoldstadt, indem die Truppen nicht allein vom Prater her auf die Jägerzeil zu angreifen, sondern auch vom Augarten her auf die Taborstraße zu. 1 1
1 Uhr Nachmittage. Das Geschützfeuer kracht fürchterlich, und man hört auch bereits einiges Kleingewehrfeuer, ein Beweis, daß das Militair Fortschritte macht.
2 Uhr Nachmittags. Die Kugeln aller Sorten fallen schon auf dem freien Plaͤtze vor dem Gasthofe zum goldenen Lamm, wo ich wohne, nieder und fliegen auch einzelne in die Sruben. An mehre⸗ ren Stellen der Vorstadt erheben sich starke Rauchsäulen von in Brand geschossenen Gebäuden.
3 Uhr Nachmittags. Die Truppen
Hg. 1 müssen schon einen großen Theil der Vorstadt inne haben; denn man
sicht berrits einzelne fluͤch⸗
tige Nationalgarden, die in die Stadt eilen. Das Militair muß je⸗ denfalls schweres Geschütz anwenden, denn bei jedem Schusse erbeben die Häuser; man bört dann und wann maßenhaftes Zischen und Pfeifen in der Luft, was auf Feuern mit Shrapnels von Sei⸗ ten des Militairs schließen läßt. In anderen Stadtthe len erheben sich ebenfalls Rauchsäulen. 8
5 Uor Nachm. Die Vorstadt ist gefallen, die Garden retiriren in aller Eile über die Ferdinandsbrücke in die Stadt; eben so fährt das Geschütz im Galopp vorbei, um sich ebenfalls in die Stadt zu retten.
5½ Uhr. Die Vorposten des Militairs — Jäger und Grena⸗ diere — stehen schon nahe am Gasthofe zum goldenen Lamm, ver⸗ meiden jedoch, auf den freien Platz vor demselben zu kommen, da dieser von den Schützen auf der Bastei bestrichen wird; man hört nur noch von den entsernten Vorstädten her schießen.
6 Uͤr Abends. Im Gasthofe zum goldenen Lamm befinden sich bereits Grenadiere, die unter dem Schutze der Dunkelheit sich über den Platz geschlichen haben, um von der andern Seite her ins Haus zu gelangen. Eben so sind auch einige Offiziere engekehrt, die uns versichern, daß nicht nur die Leopolrstant, sondern auch die Vor⸗ städte Weißgärtner und Landstraße, vollständig vom Milltair besetzt seien, und in den anderen Vorstädten die Truppen bedeutende Fort⸗ schritte gemacht hätten, so daß morgen unfehlbar der Sturm auf die Stadt erfolgen würde. 1
Nach der Mittheilung derselben Offiziere muß der Kampf ein fürchterlicher gewesen sein; sie räumen unumwunden ein, daß ihre Geguer einen heldenmüthigen und verzweifelten Widerstand geleistet haben, und erst gewichen seien, als ein fernerer Widerstand unmöglich gewesen wäre.
Die Sappeur⸗Compagnicen haben die ganze Jäger⸗ zeile hinauf von Haus zu Haus die Brandmauern durchschlagen müs⸗ sen, um die Infanterie⸗Manunschaften durchzulassen, welche dann die Nationalgarden aus den Häusern vertrieben und selbst aus den Fen⸗ stern berab auf die Kämpfer hinter den Barrikaden schossen. Wie planmäßig übrigens der Kampf seitens der Gaͤrden vorbereitet und eingele tet war, geht daraus hervor, daß die Soldaten, sobald sie in die Häuser eindrangen, die Brandmauern auf den Böden schon durch⸗ brochen fanden. — Die Waffen scheinen jer t auf allen Seiten zu ruhen, wenigstens ist es in der Leopoldstadt der, Fall. Das Corps, welches diesen Stadttheil besetzt halt, hat, wie ein Capitain erzählte, den Befehl gehabt, denselben heute um jeden Preis zu nehmen, dann
aber die militairischen Operatienen bis auf weitere Ordre zu sistiren.
Die Opfer, die hier gefallen sind, müssen bedeutend sein, wenn man bedenkt, daß der Kampf von 11 Uhr Vormittags bis 5 Uhr Nach⸗ mittags, also volle 6 Stunden, ununterbrochen gewütset. 1
9 Uhr Abends. Die Vorstadt gleicht einem vollständigen Kriegs- lager: Truppen aller Waffenguttungen, selbst Kroaten, lagern in große Anzahl auf den Straßen. “
Wien, 29. Okt. 6 Uhr Morgens. Das Militair schickt sich an, den Kampf wieder zu beginnen: denn die in der Leopoldstadt b Donau zunächst gelegenen Häuser werden im 2ten, Zten und 4 en Stock mit Mintair besetzt, um aus den Fenstern ein wohlgezieltes Kiemmngewehrseuer auf dier Nationalgarden, welche die gegenüberliegende Bastei (die Rothe⸗B astei) besetzt halten, zu richten. In dem Gast hofe, in vem ich wohne, sind die Fenster auch besetzt. Nach den Mit⸗ theilungen eines Offiziers ist eine Waffen uhe eingekreten, auf so lange, bis eine Deputation des Gemeinderathes, Hauptquartier abg gangen ist, um einen Frieden zu vermitteln, wieder zurückgekehrt ist. Nach den abgegangenen Nachrichten sogen auch in den übrigen Vorstädten die Truppen die Oberhand gewonnen haben; in vielen jedoch noch nicht ganz bis zur eigentlichen Stadt vorge⸗ drungen sei. 8
11 Uhr. Unter dem Schutze einer Sauve⸗Garde war ich vo 9 Uhr ab bis jetzt auf dem Schauplotze des gestrigen wüthenden Kampfes. Dort bot sich mir ein Bild des Schreckens dar. Auf der Straße überall große Blutflecken und hier und da die Lrichen er⸗ schossener Soldaten und Protetarier mit den fürchterlichsten Verstüm⸗ melungen. Bei dem Leichnam eines Proletariers fehlte der ganze Hinterkopf, der Korporal, der mich als Sauve⸗Garde begleitete, er⸗ zählte mir, daß er es selbst aue der Ferne wahrgenommen, wie die⸗ sem Unglücklichen eine Kanonenkugel den Hinterkopf weggerissen habe. Die beiden Häuserreihen vom Ausgange der Jägerzeile bis zum Karls⸗ theater sind mitunter so zugerichtet, daß mehrere derselben ganz nie⸗ dergerissen werden müssen. Drei Häuser, Eckhäuser nach dem Prater zu, sind gänzlich nievergebrannt. Mittags 1 Uhr. Bis jetzt hat noch kein neuer Kampf begon⸗ — Den Zugang zur Stadt von der Leopoldstadt aus bildet
nur noch die Ferdinandebrücke. Die übrigen
Brücken sind von der Garde zerstört worden; um den Sturm auf die Bastei zu erschweren, hat man auf der nördlich von derselben belege⸗ nen Holzablage die dort vorräthigen Bauhölzer angezündet. Alle diese Vorsichtsmaßregeln werden indeß nichts nützen. Ergeben sich die Wiener jetzt nicht, so wird allerdings noch ein furchtbarer Kampf entbrennen, welcher jedoch mit der Niederlage und dem theilweisen Ruin der Stadt endigen wird. Wie mir ein Offizier mittheilte, be⸗ steht die Operations⸗Armee unter Windischgrätz diesen Augenblick aus 66 Bataillonen Infanterie a Bataillon 1200 Mann, 5 Regimentern Kavallerie und 220 Kanonen. 1 nachdem die⸗
nen. in diesem Augenblick
Angesichts dieser Macht, selbe solche Fortschritte gemacht hat, ist jeder fernere Widerstand ein tollkühnes Unternehmen. Den Bewohnern der Lvopoldstadt ist es heute gestattet, die Linie zu passiren. Das Militair hat gestern außerordentlich gekämpft, denn sonst hätte es solche Fortschritte bei einem derartigen Widerstande nicht machen können. Die wiener Be⸗ wegung hatte übrigens in den letzten vierz hn Tagen hier solche Richtung genommen, daß Windischgrätz jetzt hier dieselben Elemenfe zu bekämpfen hat, wie Cavaignac im Juni in Paris. b Florisvdorf, 30. Okt. Heute Mittag 12 Uhr hat Feldmar⸗ schall Fürst Windischgrätz nachfolgende telegraphische Depesche nach Olmütz an Minister Wessenberg abgehen lassen: „Wien ergiebt sich noch unbedingt heute, meine Soldaten werden noch heute in Wien einrücken.“ Mittags nach 12 Uhr langte auch die brünner Deputa⸗ tion an, welche von da an den Kaiser gesandt und um günstige Be⸗ dingungen für Wien gebeten hatte. Der Kaiser wies sie an Win⸗ dischgrätz und gab ihr ein Handbillet mit, in welchem er den Fürsten ersuchte, auf ibre Anträge möglichst einzugehen. Inmitten eines Ba⸗ taillons Grenadiere hielten die Deputirten ihren Vortrag, und es schien, als wolle Windischgrätz auf ihr Ersuchen eingehen. b Wie⸗ ner indeß, welche diese Zusammenkunft von der Stadt her sahen 1n. den Zwechderselben nicht kannten, feuerten auf die Grenadiere, worauf (obschon die Waffenruhe bis 2 Uhr dauern sollte) ein lebhaftes Feter gege n die Stadt wireder eröffnet wurde. — Hinsichtlich der WE des Kasserlichen Milnairs bemerke ich, daß dasselbe in der Leopoldstadt linke bs zum Nadastyschen Hause, rechts b 8 zum St. “ Palais “ gen ist. Dort befindet sich die zuletzt 8— Säcken mit Reis errichtete Barrikade. Die nächste b findet sich bei dem Stier⸗ beckschen Kaffeehause. Sie ist aus Billards zusammengeseb“, hinter welchen die Wollsäcke des Hauses Arnstein uct Fehales aufge⸗ stapelt sind. Nachdem Windischgrätz das geuer bis 28 Uhr fortsetzen ließ, hörte dieses plötz ich auf, ne chdem Signale vom Stephansthurme die Antunft der Ugarn signalisirt hatten. Diese, in einer Stärke von 18,000 Mann, versuchten zwischen Jellachich un Windischgrätz
7
die heute früh ins
unterstützte
diesem Kampfe noch nicht stattgefunden.
durchzubrechen, indem sie den rechten Flügel des Ersteren und den linken des Letzteren angriffen. Der Ober⸗Kommandant Messenhauser den Angriff durch einen Ausfall aus einer Seiten⸗ piorte in der Nähe des rothen Thurmes. — Das Bombarde⸗ ment, welches um 3 Uhr aufgehört hatte, begann später wieder. Das Resultat dieses Kampfes wird ganz verschieden erzählt. Nach einigen Mittheilungen soll Jellachich in die Donau gejagt worden sein. Nach anderen Berichten (und zwar aus dem Munde hoher Kaiserl. Offi⸗ ziere) soll dieses Schicksal die Ungarn betroffen haben, welche total aufgerieben worden wären. — — Hierauf hörte man den ganzen Abend hindurch eine Kanonade gegen die Stadt, wie sie bisher in
Sie schwieg um 7 Uhr. — Was dann geschehen, und ob die Stadt, die bereits gestern durch Aushängen weißer Fabnen angezeigt hatte, daß sie kapituliren wolle, heute die begonnene Capitulation weiter fortgesetzt habe, vermag ich nicht zu berichten. Die Stadt brannte nach 7 Uhr an mehreren Stellen. Zu bemerken ist noch, daß bald bei Beginn des Angriffs der Uagarn ein großer Theil des ungarischen Regiments Lichtenstein, wie es heißt, zu den Kaiserl. Truppen übergegangen ist.
1 Als nicht zu verbürgen theilt die Deutsche Reform in einem Extrablatt den nachstehenden Inhalt eines Briefes aus Bres⸗
lau vom 1. November mit:
„Wir befinden uns ohne jede direkte Nachricht aus Wien. Doch
ist von dem. Fahr⸗Personal der Wilhelmsbahn dem diesseitigen die
Mittheilueg gemacht, daß von Wien aus eine telegraphische Depesche abgesandt worden, nach welcher Windischgrätz am 31. dem Stephansplatze gestanden habe. Es ist wohl möglich, daß diese Nachricht durch Courier in Ratibor eingetroffen sein kann.“
Berlin, 2. Nov. Ueber Breslau geht uns folgende Nachricht über die neuesten Vorsälle bei Wien zu: Ddie Ungarn sind am 30sten geschlagen worden. Sie hatten 21 Kanonen, 5 Bataillone regulaire Truppen und im Ganzen 18 — 20,000 Mann. Die ihnen entgegengesandte Armee soll 16 — 18,000 Mann, mit 60 Stück Geschütz und 42 Schwa⸗ dronen Kavallerie betragen hbaben. Den Ober⸗Befehl über die ganze Operations⸗Armee führte der Banus. Das Hauptge⸗ fecht scheint nur ein Artilleriegefecht gewesen zu sein. Die Kuserliche Kavallerie, welche die Ungarn umgehen und ihnen den Rückzug abschneiden sollte, ist zu spät gekommen. Sie wurden am Zlsten durch den Fürsten Lichtellstein mit 4000 Mann versolgt. Auch Infanterie soll gestern mit der Eisenbahn nach wienerisch Neu⸗ stadt abgegangen sein, um enen neuen Einfall der Ungarn abzuhalten, welche waͤhrscheinlich wieder über die Leitha zurück sind.
Während die Schlacht mit den Ungarn gesch agen wuüͤrde, griffen die Wiener, welche größtentheils schon die Waffen niedergelegt hat⸗ ten, wieder zu denselben, schickten die Geißeln, die sie versprochen hatten, nicht, lieferten die Kanonen nicht ab, sondeen feuerten aus allen Kräften auf die Kaiserlichen Truppen. In Folge dessen haben die Letzteren die Nacht hindurch die Vorstädte Mariahilf und Lerchen⸗ feld beschossen, mehr als 100, wie man glaubte, kleine und nicht zündende Bomben hineingeworfen, wäyrend vom Stephansthurme Signale über Signale gegeben wurden, um die Ungarn wieder berbei⸗ zurufen. Bem soll inzwischen wieder bei den Kämpfern erschienen sein und sie durch heftige Reden augefeuert haben. Als man aber die Niederlage der Ungarn in der Stadt ersuhr, kam wieder eine Deputation des Gemeinde⸗Raths in der Nacht zum Feldmarschall, um ihm die Unterwersung der Stadt auf Gnade und Ungnade an⸗ zuzeigen. Die bewaffneten Corps haben sich indessen auch da nicht ergeben wollen, und um 12 Uhr Mittags hatte das Bombardement der Vorstädte wieder begonnen. Gestern Abend hat der Fürst die nach olgende Kundmachung erlassen:
Kundmachung.
Ein Corps der ungarischen Insurgenten hat es gewagt, öster⸗
reichischen Boden zu betreten und heute früh bis gegen Schwechat
vorzudringen.
Ich habe solches mit einem Theile meiner Truppen, vereint mit jenen des Banus, angegriffen und zurückgeworfen, wobei sie beträcht⸗ lichen Verlust erlitten.
Einige Abtheilungen sind in Verfolgung derselben begriffen.
Dieses zur berxuhigenden Kenntniß für alle Gutgesiunten, die vjellcicht aus dem Erscheinen dieses Corps Besorgnisse schöpfen könn⸗ ten; aber eben auch zur Warnung für jene Uebelgesianten, die hierin allenfalls neue Hoffnung für ihre Pläne zu finden glaubten und in der That sich nicht scheuten, die bereits eingegangene Unterwersung auf das schmählichste hinterlistig zu brechen.
Hanptquartier Hrtzendorf, am 30. Oktober 1848. Fürst zu Windischgrätz, Feldmarschall.
31. Okt. Die heutige Prager Zeitung enthält in Theil folgende drei Kund nachungen:
1) Nach eiger schriftlichen Mittheilung des Herr Ministers, Baron Wessenberg, d. d. Olmütz, am 28. Oltober, ist der ganze Prater, so wie der Bahnhof der Nordbahn, von den Kaiserlichen Truppen besetzt. Z vischen der Schmelz und Nußdorf wurde am 26sten durch mehrere Stunden geplänkelt. Der Feldmarschall hatte einen neuen Termin von 24 Stunden gegeben, und somit war bis gestern von Seiten der Truppen noch kein Augriff erfolgt. Ueber eine wie⸗ derholte Anfrage ist mir so eben (10 Uhr Morgens) folgende tele⸗ graphische Depesche des Herrn Ministers Wessenberg von Olmütz zugekommen, aus welcher hervorzugehen scheint, daß nach fruchtloser Verstreichung der oben erwähnten Frist der Kampf in der Vorstadt Leopoletstadt begonnen habe: Die Jägerzeil ist bis zum Karlostheater, die Taborstraße bis zur Einmündung der Augartengasse nach hefti⸗ gem Kampfe der Truppen genommen. Prag, den 29. Oktober 1848. Vom K. K. böhm schen Landes⸗Präsidium. Mecséry, K. K. Gu⸗ bernial Vice⸗Präsident.
2) Nach einer heute von Florisdorf um 4 Uhr Nachmittags erpedirten, an Sr. Excellenz den Herrn Feldmarschall⸗Lieutenant Gra⸗ fen Khevenhüller gerichteten telegraphischen Depesche Sr. Durchlaucht des Feldmarschalle Fürsten Windischgrätz, hat gestern ein allgemeiner Angriff auf Wien stattgefunden. Die Truppen sind nach einem neun⸗ stündigen Barrikadenkampfe der Disposition gemäß in die Vorstädte: Landstraße, Rennweg, Leopoldstadt und Jaͤgerzeil eingedrungen und haben dieselben bis an die Wälle der Stadt besetzt. Es wurden be⸗ reits Unterhandlungs⸗Anträge gemacht. Prag, am 29. Okt. 1848. Vom K. K. böhmischen Landespräsidium. Meecséry, K. K. Gub.⸗ Vice⸗Präsident.
3) So eben (4 Uhr Nachmittage) ist mir solgende telegraphisch Depesche des mährischen Gubernial⸗Vece⸗Präsirdenten von Olmütz aus zugekommen: Ween hat sich unbedingt unterworfen. Heute be⸗ setzen die Truppen die Start. Prag, am 30. Oktober 1848. Vom K. K. böhmischen Landes⸗Präsidium. Meecséry, K. K. Guber⸗ nial⸗Vice⸗Präsident.
Dieselbe Zeitung bringt folgende Adresse, welche eine von Prag abgehende Deputation Sr. Majestät zu überreichen hat:
Ew. Majestät! „Es ist Mein sehnlichster Wunsch, daß zur Herstellung der Ruhe vnd Sicherheit Wiens der möglichst geringe Aufwand von Kräf⸗ ten und Meine väterlichen Ermahnungen hinreichen möchten!“ Dieses waren
8
ihrem offiziellen
SsE. e6us 0 a13
Oktober auf
979
die Worte, mit welchen Ew. Majestät am 17. Oktober d. J. die an Höchst⸗ selbe vom prager Stadtverordneten⸗ Kollegium abgesandie Deputation der um das Schicksal ihrer Schwesterstadt Wien besongten Hauptstadt Prag zu entlassen geruhten. Auch das allerhöchste Manifest vom 19. Ottober d. J. enthält bezüglich der wiener Zustände die Kaiserlichen Worte: „Doch wollen Wir, daß in der Anwendung dieses uns abge⸗ drungenen äußersten Mittels nur so weit gegangen werde, als es zur Her⸗ stellung der Ruhe und Sicherheit und zum Schutze unserer getreuen Staats⸗ bürger, so wie zur Aufrechthaltung der Würde unseres constitutionellen Thrones, nöthig wird.“ Vertrauensvoll entnehmen wir dieselben milden Ge⸗ sinnungen aus anderen allerhöchsten Manifesten. Allgemeine Bestürzung, ja Entrüstung bemächtigte sich jedoch aller Gemüther ohne Unterschied der Na⸗ tionalität bei der Bekanntwerdung der Proclamation des Kaiserl. Feldmar⸗ schalls Fürsten zu Windischgrätz, d. d. Hetzendorf 23. Oktober 1848 weil darin Jedermann den auffallendsten Widerspruch mit den manifestirten Ge⸗ sinnungen Ew. Majestät unseres constitutionellen Kaisers und Königs erkennt. Mit voller Ueberzeugung sprechen wir es aus, daß auf diesem Wege der rücksichtslosen Strenge nur das Verderben der Haupt⸗ und Residenzstadt Wien, nimmermehr aber die Paeification derselben erreicht werden kann. Soll eine Bevölkerung von 4090,000 Menschen einem na⸗ menlosen Elende preisgegeben werden? Nein, das kann Ferdinand der Gü⸗ tige nicht wollen! An ihn wenden wir uns, mit der vollen Zuversicht, daß die äußersten, zur Verzweislung führenden Maßregeln nicht in Anwendung gebracht werden, bevor nicht alle Mittel erschöpft sind, die zu einer fried⸗ lichen Lösung füͤhren können. Wir bitten daher als Auesdruck der allge⸗ meinen Stimmung um die allerhöchste Verfügung: Es mögen von Ew. Majestät bevollmächtigte Männer des allseitigen Vertrauens dieses hochwich⸗ tige Friedenswerk ungesäumt beginnen und auf constitutionellem Wege zum Wohle des Gesammtstaates vollenden. Prag, 29. Oktober 1815. 8
Die Deputaton mit dieser Adresse ging gestern Abend um 6 Uhr von Prag nach Olmütz ab; sie besteht aus Mitgliedern der Na⸗ tional⸗Garde, der Studenten⸗Legion, des Stadtverordneten⸗Kollegiums, des deutschen Vereins und der Slowaneka Lipa, den Bürgermeister an der Spitze. 3
Prao, 26. Okt. (Schles. Zto.) Die Slowanska Lipa über⸗ sandte dem Banus Jellachich nachsolgendes Dankschreiben: Hoher Banus! Ew. Erzellenz! Nie hat unser Verein der Slowanska Lipa an der treuen und aufrichtigen Gestanung Ew. Excellenz als eines Slaven gezweifelt, stets waren ihre Blicke zu den südslavischen Brü⸗ dern gewendet, sie suchten und sahen blos in Ew. Cxcellenz das Heil der österreichischen Slaven, und vertrauungsvoll ewarten sie daher den Sonnenaufgang der slavischen Freiheit. Nichttesdestoweniger müssen wir eingestehen, daß wir keinesweges uns der Furcht bemei⸗ stern konnten, einerseits, daß Ew. Excellenz und slavischen Helden nicht ein Unglück zwischen den Hauptstädten der Feinde des Sla⸗ venthums treffe, andererseits wieder, daß durch ihre auf verbor⸗ aenen Pfaden sich windenden hinterlistigen Absichten und Pläne Ew. Excellenz und unsere Hoffnungen nicht vernichtet werden. Desto mehr wurde unser Herz freudig, ergriffen und zu desto größerem Danke fühlen wir uns Ew. Excellen; dafür verpflichtet, daß Sie nicht säumten, uns über die Ursachen der Bewegungen Ihres helden⸗ müthigen Heeres aufzuklären, und daß Sie uns gütiast erörterten, was vielleicht unsere Blicke nicht hell genug durchschaut haben wür⸗ den. Ja, wir verstehen nun völlig die Handlungsweise Ew. Excel⸗ lenz, und so viel die Kräfte unseres Vereines hinreichen, werden wir selbe vertheidigen und unterstüͤtzen mit Wort und That. Eben so sind wir vollkommen mit der Erklärung Ew. Excel⸗ lenz einverstauden, daß, so wie das Slaventhum die größte Stütze Orsterreichs sei, auch nur in dem Gesammtverband der öster⸗ reichischen Staaten die slavische Freihe t erblühen fann. Aus dieser Ursache auch können wir nicht umhin, unseren aufrichtigen Dank für jene Hülfe auszusprechen, mit welchem Ew. Exc. die unterdrückten Slo⸗ vaken zu bedenken geruhte, und bitten dringend, daß Ew Exc. diesem gedrücktesten slavischen Stamm Ihre mächtige Hülfe in dieser Zeit der größten Noth angedeihen lasse. Geruhen Ew. Exc., den Aus⸗ druck unserer unbegränzten Ehrfurcht entgegen zu nehmen. Prag, den 25. Oktober 1848. Die Slowanska Lipa.“
Troppau, 28. Okt. (Schles. Ztg.) Hier ist nachstehendes Plakat verbreitet worden:
„Der Ban Hellachich an die Wiener! Volk von Wien! So eben er⸗ fahre ich, daß ihr in der größten Sorge lebt wegen der ungarischen Ange⸗ legenheilen, wo die Ruhe durch meine Schuld so betrübend gestört wird. Ihr saget von mir, daß ich zuerst Ungarn besiegen, dann vereint mit Win⸗ dischgrätz über euch herfallen, euch unterjochen und unter das alte Metter⸗ nichsche System bringen will. Ihr meint, daß ich ein Feind des Deutsch⸗ thums und gesonnen sei, aus dem schönen, deutschen Oesterreich ein großes Slavenreich zu machen. Lieben Bürger! glaubet ja nicht, daß ich je solche Gedanken in mir hatte oder haben werde. Ich vertheidige blos die kroa⸗ tischen Rechte, um sie von der anmaßenden magyarischen Zwingherrschaft zu befreien, denn der Kroat war von jeher von dem Ungar unteljocht, welches er bis jetzt geduldig ertrug. Aber jetzt, da die Sonne der Freiheit fur alle Menschen scheint, wurde auch der gedrückte Kroat von ihren Strah⸗ len erleuchtet und ist nun auch, wie der Ungar, zu seinem Selbstbewußtsein gekommen. Die Kroaten haben sich aber nie aufgeworfen, die Ungarn zu beherrschen. Als diese in den Märztagen von Wien zurückgekehrt waren, kamen sie mit einem ungeheuren Siolz und waren wohl in der Meinung, daß nur Sie eine Freiheit errungen haben, darum wollten sie die Kroaten zu einem Joche zwingen, das sich mit Freiheit keineswegs verträgt. Sie wollten ihre ungarischen Schulen einrichten, sie zwangen sie, ihre Bitten und Gesuche in ungarischer Sprache einzubringen, sie rissen sich von Oe⸗ sterreich los, um eigenmächtig und gewaltthätig handeln zu können, und es muß, wenn man alle ihre Gesinnungen durchschauet, einen jeden Gutgesinnten tief empören. — Ich wollte nicht als Feind, sondern nur als Vermittler das Ungarland betreten, damit es zu keinem traurigen Konflikte, zu keiner Ruhestörung und Blutvergießung komme; warum haben mir die Ungarn kein Gehor gegeben, warum sagten sie, daß im Ungarlande nur sie die Herren seien, und sich keine Vermittelungsvorschläge von einer anderen Nation werden vorschreiben lassen, der Magyar lenne nur Sieg oder Tod, und der Kroat müsse nur das thun, was der Ungar wolle? Betrachtet nur diesen Unsinn, diesen Stolz und diese Anmaßung und urtheilt ganz unpar⸗ teiisch und unbefangen, wer denn der beleidigte Theil sri, der Ungar oder der Kroat! Bürger Wiens! Ihr habt in eurem Freiheits⸗Jubel die Sklavenketten der ganzen Monarchie gebrochen und zertrümmert, und die Ungarn wollten im Rausch der Freiheit die schmachvollen Fesseln den Kroaten wieder anlegen. Se wollen aber keine Stlaven mehr, sie wollen, so wie ihr, freie Bürger sein. Wie be⸗ dauere ich, daß ihr sie und mich, daß ihr unsere Absicht gänzlich verkennt! Ich bin ein freiheitsbegeisteter Mann, und ihr haltet mich für einen feigen Söoͤldling der Knechtschaft; ich lämpfe nur für die Freiheit und ihr haltet mich fuͤr einen Verräther und Unterdrücker derselben! Ist es nicht von je⸗ her bekannt, daß ich wegen freier Worte von Metternich entfernt wurde, und jert soll plötzlich ein Vernichter der Freiheit aus mir geworden sein? Nein, bei Gott, das ist Jellachich nicht! Ich würde nie als Feind vor den Mauern Wiens erscheinen, und wenn das unser Kaiser wollte, so würde ich lieber meine Stelle in seine Hände nie⸗ derlegen. — Es ist aber weder von Seite unseres guten Kaisers, noch von meiner Seite die mindeste Ahnung zu selch einem Schritte vorhanden, und ihr ängstiget euch umsonst mit dem fortwährenden Gedanken von der Be⸗ lagerung eurer schönen und ruhmvollen Stadt. — Seid wachsam, seid auf eurer Hut, aber nicht meinetwegen, sondern eurer wahren Feinde wegen, die euch in Spannung erhalten und zuletzt dahin bringen wollen, daß ihr Ver⸗ räther an dem Kaiser und an der guten Sache werdet.“ — Trriest, 24. Okt. (A. Z.)“ Hier ist vorzüglich seit vorgestern eine sehr aufgeregte Stimmung bemerkbar, und es fanden gestern Abend eine Menge Schlägereien und Verwundungen, darunter eine sehr gefährliche, statt, alle in Folge von politischen Debatten. Heute Morgen wurden eine Menge Brandschriften vertheilt, die in Venedig gedruͤckt und man weiß nicht we hierher gebracht wurden. Zugleich erhalten die Glieder des Sicherheitsausschusses und mehrere andere
ungeordnet.
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8 3 “ einslußreiche Personen anonyme Drohbriefe. Die Brandschriften
in Form eines Aufrufs der Venetianer an die Triestiner zur Bil⸗ dung der Republik, zur Lostrennung von Oesterreich, zur Bewälti⸗ gung der österreichischen Flotte ꝛc. geschrieben, und endigen ganz naiv mit der Bemerkung, daß sich auch Triest vann der Vortheile erfreuen werde, die Venedig jetzt genieße.
Gestern Abend hatten wir eine kieine Ruhestörung, doch kann man ihr keine ernste Bedeutung beilegen. Schon seit einigen Tagen fanden kleine Krawalle in Folge der Ausstellung von dreifarbigen (italienischen) Tüchern in einigen Läden am Corso statt, die das Volk nicht sehen wollte. Sie endigten meistens mit Fenstereinschlagen oder damft, daß man die Tücher auf Verlangen des Volks wieder weg⸗ nahm. Gestern fand das Nämliche statt, als einige (18 — 20) be⸗ zabite Leute hinzukamen, die zwar nicht die Wiederausstellung der Tücher verlangten, wohl aber Rufe, wie: Morte ai gamberi (ge⸗ wöhnliche Bezeichnung der Reactionaire, die, wie die radikalen Stroßen⸗Zeitungen behaupten, auch hier in Menge sein sollen) Abasso il Diavoletto (ebenfalls eine Straßen⸗ Zeitung, die jedoch streng konstitutionell ist und mit beißendem Humor die radikalen Kol⸗ legen züchtigt). So lange blos solche Rufe ertönten, ließ man sie gewähren; als man aber anfing, einige Fenster einzuwerfen, nahm man mehrere Verhaftungen vor, worauf sich die Leute vor die Nationalgarde⸗Hauptwache begaben, wo sie die Frei lassung der Gefangenen verlangten, zuͤgleich sich aber zurückzogen, um nicht selbst gefangen zu werden. Bald war der Börsenplatz voll von Leuten, und um frei wirken zu können, ließ die Nationalgarde Platz machen, während starke Patrouillen den Platz und die Straßen in der Nähe durchstreiften. Bald gelang es den im Dienste befindlichen zwei Compagnicen Nationalgarde, die Ordnung herzustellen, ohne der Hülfe des bereits in der Nähe befindlichen Militairs zu bedürfen. Die ganze Bewegung, welche im Anfang anarchisch zu werden schien, da ein paarmal sogar: Viva la repubblica, viva i Viennesi! ge- schrieren wurde, endete im entgegengesetzten Sinne mit dem Rufen, wie: Viva Ferdinando, viva l'Austria, abbasso i tre colori, morte ai Veneziani, morte ai repubblicani! ete. Heute ist Alles ruhig.
Frankfurt. Frankfurt a. M., 31. Okt. (D. Z.) Hem⸗ von Bruck ist nach Olmütz abgereist. Er ist nicht von der Reichsge⸗ walt gesandt, sondern berufen vom österreichischen Ministerium, das deißt, von Herrn von Wessenberg. Herr von Bruck, Direktor am Lloyd in Triest, ist ein sehr gewandter Mann, der sein Vermögen und Stellung lediglich seiner eigenen Geschicklichkrit verdankt. Er ist ohne Z weifel zum Minister bestimmt. Man vernimmt, daß die De⸗ putation angekommen ist, welche der Gemeinderath an den Erzherzog Johann abgeordnet hat. Sie schildert den Zustand in Wien als sehr
—
ABusland.
Fraukreich. National⸗Versammlung. Sitzung vom 30. Oktober. Anfang 1 Uhr. Pagnerre präsidirt. An der Tages⸗ ordnung befindet sich zunächst die Wahl einer Aufsichts⸗Kommission für die Armort ssements⸗, Depositen⸗ und Consignations⸗ Kasse, der Goudchaux noch in seinen letz en minist riellen Tagen die Gratiesver⸗ waltung der aus Failliten entspringenden Baarbestände übertrug, was den Wirkungskreis derselben bedeutend weitert. Es stimmten im Ganzen 642; also absolute Mehrheit 322; davon erhielten Goud⸗ haux 484, Duclerc 335, Berrver 316 und Dupont (aus Bussac) 197 Stimmen. Goundchaux und Duclerc werden als Mitglieder jenes Aufsichtsraths proklamirt, wegen des dritten Mitgliedes muß morgen das Skrutmium erneuert werden, da weder Berryer nach Dupont die erforderliche Majorität erreichten. Vice⸗Präsident Pagnerre liest 20 bis 25 Briefe vor, die um Urlaub ersuchen. Viele Stimmen ru⸗ fen: Man gebe Allen oder Keinem mehr Urlaub! Buchez schlägt einen Ausschuß zur Prüfung dieser Urlaubsgesuche vor. Nach einigem Tumult werden alle Urlaube bewilligt. Sarrans legt ein Gut⸗ achten nieder, das einen Kredit von 670,000 Franken für das auswär⸗ tige Ministerium billigt. Bastide verlangt schleunige Erlebigung. Sie soll am Donnerstag erfolgen. Freslon, der neue Unterrichts⸗Mi⸗ nister, bittet ebenfalls um schleunige Erledigung eines Kredits von 12,500 Franken für Einrichtung der Louvrebibliothek. Ohne Wider⸗ spruch bewilligt. Die Versammlung geht nun zum Gegenstande ihrer eigentlichen Tages⸗Ordnung, zu dem rektifizirten Budget für das heillose Jahr 1818, über. Trouvé⸗Chauvel, der neue Finanz⸗ Minister, hält seine erste Rede. Er bittet die Versammlung, ihm so⸗ wohl in Gegenwart oder Zukunft Nachsicht zu schenken. Plötzlich berufen, ein so wichtiges Amt zu erfüllen, habe er sich aufgeopfert und sich den Männern beigesellt, die er schon seit lange kenne. (Bei⸗ fall zur Rechten, Lächeln auf einigen Bänken der äußersten Linken.) Im Verlause seiner Rede erklärt der Minister, daß den Inhabern der Schatzscheine und der ehemaligen Sparkassenbüchelchen eine angemessene Entschädigung nachgezahlt werden solle. (Starker Beifall zur Rech⸗ ten.) Nach dieser Erklärung geht er in eine Beleuchtung der sinan⸗ ziellen Lage Frankreichs vor und nach dem 24. Februar ein und schließt mit der Versicherung, daß keine Gefahr vorhanden, wenn das Vertrauen und mit ihm die Arbeit wirderkehre. Hierauf verliest er sogleich den Text der beiden Gesetzentwürfe zum Besten der Schatzscheine und Sparkassenbüchelchen. Die allgemeine Diskussion wird für eröffnet erklärt. Saugaire Barthelemy erhält zuerst daos Wort. Er dringt auf ökonomische Resormen vom antisozialisti⸗ schen Standpunkte aus. Billault, Mitglied der alten Deputirten⸗ kammer, spricht über dasselbe Kapitel. Ihm zufolge sind die Ver⸗ sprechungen Gondchaux's rücksichtlich eines Gleichgewichts im Budget nichts als Seifenblasen. Seit 50 Jahren hätten alle Minister mit solchen hohlen Versprechungen debütirt. Er glaubt nicht daran und sieht eine düstere Zukunft hereinbrechen. Als einziges Mittel schlägt er Verringerung der Abgaben vor. Die Steuer, dieser Staats⸗Ther⸗ mometer, müsse verringert werden. Um diese Verringerung zu be⸗ werkstelligen, schlägt er Ersparnisse vor, namentlich im Heere und im Kriegs⸗Departement. Julien Lacroix betrachtet die Lage der Dinge nicht als so schlimm und bekämpft die Ersparnisse im Heere so wie die sonstigen Konklusionen des vorigen Redners. Portalis theilt nicht nur die Befürchtungen Billault's, sondern glaubt die Ge⸗ fahr noch näher. Er schlägt ein neues Steuersystem, z. B. eine so⸗ genannte Liebes⸗ oder freiwillige Steuer, Einkommensteuern, Erb⸗ schaftssteuern, Consumtionssteuern und eine Menge andere Dinge vor, welche der Versammlung viel zu lachen geben. Die von ihm vorge⸗ schlagene Liebessteuer soll unter Anderem den Taback und die Ehelo⸗ sigkeit treffen. Den Schluß seiner Rede machten Klagen über die Büreaukratie. Er wollte die Zahl der Minister auf 5 herabgesetzt und die Gesandtenstellen ganz abgeschafft sehen. Die Versammlung wurde ungedulrig, und der Reduer verließ die Tribüne. Nachdem dann noch Goudchaux darzuthun gesucht hatte, daß nach seinem Plan das künftige Budget sich auf nur 1500. Millionen stellen n. und nachdem die Eikommensteuer durch A. Foulo bekämpft wor war, vertagte sich dn Versammluag um 6 Uhr. entbölt ouf seinen
Paris, 30. Okt. Der heutige Man 6 Ebrenmünzen an ersten drei Seiten eine Liste über Verthetung, der letztverflossenen Bürger aller Departements, die sich g. ehrenvolle That ausge⸗ drei Monate durch irgend eine muthige verzeichniß meistens Bauern,
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