1848 / 194 p. 2 (Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

„ost ertbeilte der Deputation folgende Antwort: hänglichkeit an Meine Person und der auch in dieser schweren 5 abermals bewährten patriotischen Gesinnungen der ruthenischen Ne 9 n. . 8 392 Adresse enthaltenen Wünsche werde Ich beherzigen und Meinem Ministerium deren schleunige und so viel als möglich den Wünschen entsprechende Erledigung auftragen.

Olmütz, 10. Nov. (Bresl. Ztg.) Der russische Botschafter Graf Medem ist bereits hier angekommen. Die meisten anderen Mitglieder des diplomatischen Corps werden ebenfalls in wartet. Gestern Nachmittag sind die Herren Minister Kraus, Dr. Bach, Dr. Mayer, Dr. Helfert, so wie Fürst Schwarzenberg, mit einem Extra⸗Train nach Wien gereist.

Sachsen. Dresden, 10. Nov. (D. A. Z.) Auf der heu⸗ tigen Tagesordnung der zweiten Kammer befanden sich folgende zwei Interpellationen des Abgeordneten Wehner. Derselbe interpellirt I. das Ministerium des Aeußeren darüber:

1) Hat das Reichs⸗Ministerium in Folge einer vor kurzem von dem Reichstags⸗Abgeordneten Biedermann in der National⸗Versammlung ge⸗ machten Interpellation an die Königl. sächsische Staats⸗Regierung wegen Inhalts des unterm 28. August 1848 an die Stände ergangenen, das deutsche Verfassungswerk betreffenden Dekrets eine Mittheilung ergehen lassen? Und, wenn dies der Fall, 2) welcher ist der Inhalt und welche ist die Form dieser Reichsministerial⸗Mittheilung? 3) Wie hat die Königl. sächs. Regierung sich darauf zurückgeäußert? II. Interpellation der Ministerien des Aeußeren, der Finanzen und des Kriegs darüber: 1) Wie stark ist das Truppencorps, welches die sächs. Staatsregierung auf Ersuchen des Reichsministeriums in die alienburgischen und tlüringischen Lande eingelegt hat? 2) Wie hoch beläuft sich der täg— liche Gesammtaufwand an Offiziersgagen, an Löhnung, an Zulagen, Ver⸗ pflegung ꝛc. bei diesem Truppen⸗Corps ꝛc.? 3) Wer verlegt und wer über⸗ trägt diesen Aufwand? 4) Wann wird die Staatsregierung dieses Truppen⸗ Corps zurückrufen und hat die Staatsregierung wegen dessen Zurückberu⸗ fung bereits Schritte gethan? 5) Wie hoch belaufen sich die Kosten des deutschen Reichskriegs mit Dänemark? 6) Werden diese Kosten von den einzelnen deutschen Bundesstaaten nach der Bundesmatrikel von 1842 oder wie sonst aufgebracht? 7) Wie hoch beläuft sich der Antheil, welchen Sachsen beizutragen hat?

Zur Begründung der ersteren Interpellation sagt der Abgeordnete: Es wäre nicht so übel, wenn Minister einen Sitz in der Kammer hätten, das beweise Frankfurt. Der dasige Reichsminister Mohl gehöre zum Klub des Augsburger Hofes, von dort her habe die Reichsjußtt die An⸗ elegenheit in Sachsen kennen gelernt und der sächsischen Regierung ge⸗ sabes. Auch jene Interpellation in Frankfurt halte er um so bedenk⸗ licher, da der Interpellant im Dresdner Journal gesagt hätte, er habe ein Recht, die säͤchsische Regierung zu warnen, er habe den Anstoß zur Be⸗ wegung in Sachsen gegeben. Wenn er, Abgeordneter Wehner, seine An⸗ sicht über die Stellung der einzelnen Staaten zur National⸗Versammlung ganz geändert habe, so komme das daher, weil sich die Parteirollen über⸗ haupt geändert hätten. Diejenigen, welche früher von der Einheit Deutsch⸗ lands nichts hätten wissen wollen, führten sie jetzt immer im Munde. Er könne aber nicht glauben, daß man es so aufrichtig mit der deutschen Einheit meinte, denn in den großen Staaten hätte man gar nichts dafür gethan, das zeigten wohl das Verbot der Geldausfuhr, die Huldigung der Soldaten, die nene⸗ ren wiener Ereignisse und andere Umstände. Wer sich berufen fühle, für die deutsche Einheit zu wirken, der möge bei Oesterreich und Preußen anfangen. Wie man die

sächsische Politik eine Winkelpolitik genannt, könne man eben so von einer Schn pelpatatn sprechen. Eigentlich könne er seine Interpellation durch die gestrigen Aeußerungen des Ministers von den Pfordten als erledigt betrach⸗ ten, allein es schade nichts, wenn diese auch in dieser Kammer noch ein⸗ mal zur Sprache kommen. Staats⸗Minister v. d. Pfordten entgegnet hier⸗ auf, daß er nur wiederholen könne, was er gestern in derersten Kammer gesagt habe. Vom Neichs⸗Minister der Justiz sei eine Abschrift des Pro⸗ tokolls von der betreffenden Verhandlung der zweiten Kammer verlangt worden, er habe nun darauf, um völlig zu genügen, die stenographischen Mittheilungen über jene Verhandlung hingeschickt und später auch das Protokoll nachgesendet, das sei Alles, was er sagen könne. Hierauf erhält Abgeordn. Tzschirner das Wort: Da er vernommen, daß die stenographi⸗ schen Niederschriften dem Reichs⸗Ministerium mitgetheilt worden seien, so sehe er sich veraulaßt, über seine damaligen Aeußerungen eine Erklärung zu geben. Er hätte zu denen gehört, die früher darauf gedrungen, daß die Beschlüsse der National⸗Versammlung von der Regierung unbedingt anerkannt würden. Er hätte dieses Prinzip aufgestellt, weil ihm die Volks⸗Souverainetät über Alles ginge, diese lasse man aber in Frankfurt selbst nicht mehr rein gelten, sondern die Rechte führe sie nur im Munde zu ihren Zwecken. Mit dieser könne er nicht streiten und möge nicht ihr Gewand umnehmen, denn er würde sehr komisch darin aus⸗ sehen; noch wolle er auf den Bänken sitzen, von denen Unterstaats⸗Seecre⸗ taire geholt würden. Gerade Biedermann hätte dagegen gesprochen, daß die zu einem Staatsamte Beförderten einer neuen Wahl unterworfen wür⸗ den, das sei keine Anerkennung der Volkssouverainetät. Für die Freiheit habe man nichts gethan, es scheine fast, als ob die Centralgewalt, die er bei seiner Partei verantwortlich gewünscht, nur geschaffen worden sei, um eine Polizeigewalt zu haben. Wie würde es denn nun stehen, es wäre dies möglich, wenn auch nach Sachsen Einmarsch fremder Truppen ver⸗ ordnet würde? Das könne er nicht wünschen. Staats⸗Minister v. d. Pfordten: Es sei bisher niemals die Nede davon gewesen, daß ein deutscher Soldat, der nicht Sachse sei, nach Sachsen kommen solle. Er sei überzeugt, daß das nie geschehen werde. Es wäre bei uns nicht nöthig, die Ordnung mit der Spitze der Bajonnette aufrecht zu erhalten. Sollten in Sachsen Bestrebungen gegen das Gesetz vorkommen, so würde diejenige Gewalt, die innerhalb unserer Gränzen stehe, ausreichend sein, um dagegen zu schützen. Hinsichtlich der Centralgewalt habe die Regierung ihre Ansicht ausgesprochen. Die Mafregeln derselben würden entweder vom Standpunkte der Einheit oder Freiheit beurtheilt. Dieser schroffe Gegensatz aber werde sich bald ausgleichen, denn auf die Dauer sei weder wahre Einheit ohne Freiheit, noch wahre Freiheit ohne Einheit möglich. Ein einzelnes, in der Mitte von Deutschland gelegenes Land, wie Sachsen, das müsse nothwendig den politischen Zustand des übri⸗ gen Deutschlands theilen. Uebrigens könne nicht behauptet werden, daß die Centralgewalt die Absicht habe, die Freiheit zu gesährden. Abg. Schenk: Er wäre seiner früheren Ansicht treu gebliehen. Er hätte nicht für die Ein⸗ heit geschwärmt und schwärme auch jetzt nicht dafür, weil er einsehe, daß Schwärme⸗ rei zu nichts führe. Er freue sich aber, daß Abg. Wehner und seine Genossen jetzt seiner Meinung seien. Abg. Metzler spricht sich warm für die Einheit aus und bemerkt, wenn man auch mit manchen Beschlüssen der National⸗ Versammlung nicht recht zufrieden sein könne, so dürfe man doch nicht die deutsche Einheit verwersen. Und ein Schritt vorwärts dazu würde immer die deutsche Verfassung sein, wenn sie auch mangelhaft aussalle. Abgeo die de 1 1 geordn. Tschirner: Die Majorität der Nationalversammlung gehe weniger darauf aus, Deutschland stark nach außen zu machen, sondern mehr, eine Gewalt nach innen zu haben. Abgeordn. Metzler: So sehr schlecht seien die Be⸗

schlüsse nicht, ja, die Grundrechte des deutschen Volkes fönnten sich mit denen aller Länder messen, sie seien sogar besser als die englischen, ameri kanischen und besonders die der französischen Republik. Auch wenn Deutsch⸗ land Republik wäre, würde es nicht bessere haben.

Abgeordn. Wehner meint, die englischen Grundrechte würden doch wohl besser sein als die deutschen, ja selbst die sächsischen seien vorzüglicher, da ihnen eine Beschränkung (Versammlungen unter freiem Himmel können bei dringender Gefahr für die öffentliche Ordnung und Sicherheit ver⸗ boten werden) fehle, die jene enthielten. Es entspinnt sich noch eine kurze Debatte zwischen den Abgeordneten Metzler und Helbig, worauf man zur zweiten Interpellation übergeht. Zunächst auf Punkt 1 giebt Staats⸗ Minister von Buttlar die Zahl jener Truppen auf 5981 Mann an. Punkt 2 wird vom Regierungs⸗Kommissar Siegmann dahin beantwortet, daß die Unterhaltungskosten vor der Hand noch nicht genau ange eben werden könnten, da die Rechnungen noch nicht ö’ seien. Auf Punkt 3 antwortete Staats⸗Minister von Buttlar: ie Kosten würden nach einer Mittheilung des Reichs⸗Ministeriums vom deutschen Reiche getragen wer⸗ den. Auf Punkt 4 Staats⸗Minister von der Pfordten: Die Regie⸗

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rung hätte die Truppen⸗Corps nicht fort befehligt, könnte sie also auch nicht zurück befehligen. Der Befehl zum Ausmarsche hätte in der Kompetenz der Centralgewalt gelegen, und die Truppensendungen wären wohl im Interesse jener Staaten geschehen, diese hätten daher eigentlich nur um ein Zurückzichen derselben einzukommen. Auf Punkt 5—7 antwortet Staats⸗ Minister Georgi: Darüber wäre der Regierung gar nichts bekannt, sie wisse nur so viel, daß im Budget der Central⸗Gewalt auf die Monate Sep⸗ tember bis Dezember die Kosten des schleswigschen Krieges nicht mit dabei berücksichtigt seien. Abgeordneter Wehner: Die letzte Auskanft freue ihn, es wäre vielleicht möglich, daß die sächsische Kasse dabei gar nicht in Anspruch genommen werde. Ueber Punkt 2 hätte er doch geglaubt, daß man eine nähere Auskunft erhalten sollte. Bei Punkt 4 hätte er die Frage ganz allgemein gestellt. Wenn die Truppensendungen im Interesse jener Staaten geschehen, so könnten dieselben auch die Truppen bezahlen. Und die sächsische Regierung könnte doch aufmerksam darauf machen. Durch Gewalt richte man nichts gegen die republikanischen Gesinnungen aus, gegen diese sei das beste Mittel, daß die Regierung sparsam und gut re⸗ giere. Negierungs⸗Kommissar Siegmann entgegnet nochmals über Punkt 2 keine Auskunst geben zu können, bemerkt aber, daß der Aufwand derselbe sein werde, wenn sie im Vaterlande wären. Staatsminister von der Pfordten äußert noch, daß die Regierung der Centralgewalt hätte Folge leisten müssen, ein Grund zum Widerspruch sei nicht da gewesen, und nur der Nationalversamm⸗ lung stände die Kontrolle über die Maßregeln der Centralgewalt zu. Uebrigens seien ja die Motive nicht bekannt, es könnten sehr gute sein. Man möge an den ein⸗ zelnen Schritten nicht zu viel mäkeln, sondern das große Ziel der Einigung im Auge behalten. Die Einigung Deutschlands müsse von Europa anerkannt werden, das würde man verhindern, wenn man immer im Innern die Centralgewalt zu schwächen suchte. Auf die Dauer wäre es gar nicht möglich, die deut⸗ sche Freiheit zu unterdrücken. Durch die Einheit werde die Erreichung der Freiheit erleichtert werden. Abgeordneter Wehner spricht noch den Wunsch aus, daß es der Centralgewalt ans Herz gelegt werde, die Freiheit zu be⸗ wahren. Man hätte wohl Grund zu Mißtrauen, nachdem man 30. Jahre getäuscht worden sei. Abgeordneter Tzschüner spricht sich gegen die Besetzung mit Truppen in jenen Landestheilen aus, wogegen Abgeordneter Metzler die Centralgewalt in Schutz nimmt. Hierauf Schluß der Debatte. So⸗ dann die Berathung eines anderweiten Berichts über die Auswanderungs⸗ frage, wobei die Kammer den Beschlüssen der 1. Kammer beitritt. Ferner hat in der heutigen Sitzung Abgeordneter Tzschirner eine Interpellation über folgende Punkte angekündigt: 1) Was die Regierung in Betreff Robert Blum's in Wien gethan? 2) Ob das neue provisorische Strasverfahren auch den Soldaten zu Gute kommen solle? 3) Ob der Justiz⸗Amtmann in Voigtsberg alle politischen Vergehen im Voigtlande zu untersuchen habe, so daß die Beschuldigten ihrem eigentlichen Richter entzogen werden?

Auslaͤnd.

Oesterreich. Semlin, 4. Nev. (J. d. Oest. Lloyd.) Am 24. Oktober griffen die Magyaren Sirig und Temerin an, wo sie ihre früheren Positionen einzunehmen und sich einzulagern ver⸗ suchten, wurden aber von den Serben zweimal mit bedeutendem Ver⸗ luste zurückgeschlagen. Der Festungs⸗Kommandant, General Jorich, hat in die Festung Essek die Magyaren ungehindert einmarschiren lassen. Der mit seinem Bataillon vor Dalja gelagert gewesene Major Esorich hat seinen Posten verlassen und sich bierher begeben. Graf Elz, Grundherr von Illok, ist wegen Verdächtigung der Aus⸗ spähung ermordet worden. Die Serben strömen in Menge gegen Dalja und Verbasz, in welchem letzteren Orte Kossuth mit einer großen Truppenmacht angekommen ist, um sowohl gegen Dalja, als gegen St. Thomas, mit Energie zu operiren. Allem Anscheine nach werden die Serben Sieger bleiben, um so mehr, da die Kroaten aus den oberen Gegenden ihnen zu Hülfe eilen. Am 25. Oktober ist der Oberst Mayerhoffer nach dem Banat abgegan⸗ gen, um das Rumuno⸗Caransebescher Regiment gegen Werschetz in Bewegung zu setzen, in der sicheren Hoffnung, diese Stadt zu okku⸗ piren, was um so leichter von statten gehen dürfte, als der temes⸗ warer Festungs⸗Kommandant, Feldmarschall⸗Licutenant Nukavina, diese serbisch⸗wallachischen Truppen mit Kriegs⸗Munition unterstützen wird.

Die Cholera greift hier furchtbar um sich, so daß binnen 24 Stunden 15 20 Menschen an dieser Krankheit ihren Tod finden, größtentheils Frauenzimmer, welches im Verhältnisse zu dem hier⸗ ortigen Seelenstande vor großer Bedeutung ist.

Mailand, 1. Novbr. (Wien. Ztg.) Die Gazz. di Mi⸗ lano enthält einen ausführlichen Bericht über Unruhen und Aufwie⸗ gelungen, die von den lombardischen Ausgewanderten und anderen Abenteurern in verschiedenen Srädten der Lombardei angestiftet wur⸗ den. Mazzini stellte sich neuerdings an die Spitze dieser Rebellen, die, wie es scheint, nur auf Zer störung und Plünderung ausgingen, und deswegen allenthalben mit Schrecken empfangen wurden. Die wohlgesinnten Einwohner der Städte und Dörfer ergrigfen die Flucht vor diesen wüthenden Rotten. In Chiavenna wurde sogar die Re⸗ publik proklamirt. Am 28. Oktober versammelten sich zu Colico 10 Compagnieen Kaiserlicher Truppen mit einer halbes Raketen⸗Bat⸗ terie, die am selben Morgen die Rebellen angriffen und in die Flucht schlugen. Bei einbrechender Nacht kampirten die Trup⸗ pen bei Verceja, wo sie einige Hausdurchsuchungen vornah⸗ men und viele Kisten mit Kriegs⸗Munition dort vorfanden. In ei⸗ nem Hause wurde 1 ½ Centner Schießpulver entdeckt, das in dem Kampfe gegen die Rebellen sich entzündete, wodurch auch einige andere Häuser ein Raub der Flammen wurden. Am 29. Oktober rückten die Kaiserlichen Truppen, an deren Spitze sich der Feldmar⸗ schall⸗Lieutenant Baron Haynau befand, nachdem er kurz zuvor in Novate eine Deputation jener Stadt empfangen hatte, die ihr Be⸗ dauern über die vorgefallenen Ereignisse ausdrückte und alle Einwoh⸗ ner seiner Huld und Gnade empfahl, ohne irgend einen Widerstand zu sinden, in Chiavenna ein. Nachdem der F [dmarschall⸗Lieutenant in Chiavenna eingerückt wer, erließ er nachstehende Proclamation:

„Trotz dem, daß Se. Majestät der Kaiser erklärt hatte, auch die ita⸗ lienischen Provinzen, so wie alle anderen der Monarchie, mit einer freisin⸗ nigen Constitution begünstigen zu wollen, trotz dem, daß er in seiner Milde jenen rebellischen Provinzen durch eine allgemeine Amnestie eine gnädige Verzeihung angedeihen ließ, hat die Stadt Chiavenna dennoch zum zwei⸗ jenmale sich erdreistet, innerhalb ihrer Mauern nicht allein die Fahne des Aufruhrs aufzupflanzen, sondern auch durch einen ihrer angesehensten Ein⸗ wohner, Franzesko Dolgino, das Volk in der Umgegend aufgewiegelt und zur Waffenplünderung aufgesordert Meine Truppen haben in offenem Felde die Aufrührer bekämpft und in die Flucht geschlagen und jene, welche sich versteckt hielten, niedergemacht. Es bleibt nun nichts weiter übrig, als die Stadt der wohlverdienten Züchtigung zu unterwerfen; doch da die an mich nach Novate abgesandte Deputation mir ihre Reue und voll⸗ kommene Unterwerfung zu erkennen gegeben hat, so habe ich mich für dieses Mal entschlossen, die Züchtigung nur auf eine Contribution von 20,000 österreichischen Liren zu beschränken, so wie darauf daß auch meinen Soldaten während der ganzen Dauer der Expedition, außer den vorgeschriebenen Bedürfnissen noch 20 Kreuzer pr. Kopf täglich ausgezahlt werden müssen und für die Herren Offiziere, mit Ausnahme meiner eigenen Person, Diätgelder nach Maßgabe ihres Ranges. Auch muß die Stadt in kürzester Frist die Poststraße von hier nach Adda und die Brücke dort wieder berstellen, so wie auch die Militairstraße von jedem

Hindernisse befreien. Nur durch die feste Zusicherung: daß die Kommune diese Bedingungen pünktlich erfüllen und die Stadtordnung nicht wieder gestört werden wird, werde ich mich entschließen, die Truppen, die hierher noch im Anmarsche sind, Halt machen zu lassen. Die Verminderung der gegenwärtigen Garnison wird von den künftigen Lokalitätsumständen ab⸗ hängen. Chiavenna, den 29. Oktober 1848.

Der Kommandant des 3. Armee⸗Corps. Haynau, Feldmarschall⸗Lieutenant.“

Frankreich. National⸗Versammlung. Sitzung vom 10. November. Anfang 1 Uhr. Präsident Marrast. Die Bänke sind so leer, daß Marrast zum Namens⸗Aufruf schreiten läßt. Etwa 200 Deputirte sind weges der bevorstehenden Präsidentenwahl in die Departements geeilt. Nach Verlesung der Namen wird die Ver⸗ sammlung beschlußfähig (554). St. Brieuc und Montauban (zwei Städte) und die Departements Finistere, Seine, Tarn und Garonne erhalten die Genehmigung, sich außerordentlich zu be⸗ steuern, um ihr Proletariat zu beschäftigen. Die Versamm⸗ lung will die Budget⸗Debatte wieder aufnehmen. Lignier, Berichterstatter des Ausschusses für Departements⸗ und Ge⸗ meindeverhältnisse, ersucht die Versammlung, doch erst die dringenden Kreditforderungen für jene Verhältnisse im Betrage von 146 Millio⸗ nen Franken zu erledigen. Diese Kredite seien von den General⸗ Conseils und Stadtbehörden längst geprüft. Die Summe von 146 Millionen wird genehmigt, und die Versammlung kehrt zum Budget zurück. (Kapitel: Ministerium des öffentlichen Unterrichts.) Den Kredit von 353,000 Franks für die Unterhaltungskosten der Univer⸗ sität will der Finanzausschuß um 18,000 Franken vermindern. Payes be⸗ kämpsft einen so bedeutenden Abzug: Das Ersparungssystem des Ausschusses rücksichtlich des Ministerialbudgets für den öffentlichen Unterricht fand lebhaften Widerspruch. So wurde z. B. vorgeschlagen, von den Lehrergehalten der eben ins Leben gerufenen Normalschulen die Summe von 30,000 Fr. abzuziehen. Freslon, Unterrichtsminister, bemerkt mit Bedauern, daß sich die Versammlung in 2 Lager spalte, in ein universitätsfreundliches und in ein universitätsfeindliches. Die⸗ ser Zwiespalt müsse seit dem 24. Februar aufbören. Der Abzug wird verworfen. Die Debatte über neue Anträge auf Gehaltsab⸗ züge der akademischen Lehrergehalte ruft einen Professor ans dem südlichen Frankreich, Gatien Arnaud, auf die Rednerbühne. Der⸗ selbe beginnt die Vorlesung eines voluminösen Manuskripts. Die Versammlung verliert indessen die Geduld und verschiebt die zweite Hälfte dieses Vortrags auf morgen. Die Sitzung wird um ¼ vor 6 Uhr aufgehoben.

Paris, 10. Nov. Ledru Roliin's Manifest ist noch nicht er⸗ schienen. Dagegen liest man in der Reforme: „Es geht aus dem Manifeste der äußersten Linken, das auch von Ledru⸗Rollin unterschrie⸗ ben, hervor, daß diese Volksvertreter die Einheit der Staatsgewalt wollen. Da nun aber Staatsgewalts⸗Einheit mit dem Grundsatze der Präsidentenwahl durch allgemeines Volksvotum unverträglich, so hat man uns die Versicherung ertheilt, daß der Bürger Ledru Rollin die Kandidatur auf die Präsidentschaft nur mit dem Wunsche und der Absicht annimmt, die Raepublik wieder zur Staats⸗ gewalts Einheit zurückzuführen. Diese Versicherung genügt uns. Unter dieser Bedingung werden wir seine Kandida⸗ tur unterstützen.“ Das Journal des Débats sagt über das Manifest der äußersten Linken: „Wir freuen uns, daß die Un⸗ terschriebenen, obgleich sich selbst Montagnards nennend, dennoch darin die Hoffnung aussprechen, daß in Zukunft alle Kämpfe friedliche sein werden. Das wäre ein wahrer Fortschritt; möchte sich derselbe erfüllen. Damit er sich erfülle, muß man aber vor Allem aufhören, das Volk mit jenen lügenhaften Versprechungen zu wiegen, die man nicht halten kann.“ Das Univers äußert sich folgendermaßen: „Die Herren vom Berge wollen Alles durch die Steuer heilen. Darum verordnen sie proportionelle und progressive Steuern auf ein Mal. Das Eigenthum lassen sie zwar der Rechtstheorie nach unangetastet, aber sie erlauben sich über dessen Ertrag die größte Willkür.“ Schließlich bemerkt das Univers, die Form des Manifestes sei zwar sehr geschickt un mild, die Absicht jedoch nicht weniger gefährlch. Es bezeichnet den Abbé de Lame⸗ nais als Verfasser des Manifestes. Die Union: „Es ist dieses Manifest eine breitgetretene Desinition über Freiheit, Gleichheit, Brüderschoft, die gar nichts Neues enthält; sie anerkennt die Familie und das Eigenthum und fordert das Recht auf Arbeit. Dieses Pro⸗

gramm ist schüchtern sozialistisch und nur offenherzig bergparteiisch. „„Erben der alten Bergpartei““, rufen sie im Manifest, „grühmen wir uns dieses Namens.““ Und doch versprechen sie in den Fußstapfen ihrer Vorgänger friedlich fortzuwan⸗ deln. Sonderbarer Widerspruch!“ Proudhon und Pierre Le⸗ rouxr haben das Manifest der Bergpartei nicht unterschrieben. Die in dem Manifest aufgestellten Forderungen sind: „Einheit der Gewalt; Verschiedenheit der Functionen; Freiheit der Gedanken; Freiheit der Vereinigung und der Association; unentgeltliche Erziehung; Revision der Gesetze über den Militairdienst; sofortige Abschaffung der Steuern, welche die dringendsten Lebens⸗Bedürfnisse treffen, wie Sal, Getränke zꝛc.; Reform der Grundsteuer, der Octroi’s und der Patentsteuer; Einführung einer verhältnißmäßigen und fortschreiten⸗ den Steuer auf das reine Einkommen; Ankauf der Eisenbahnen, Ka⸗ naͤle, Grubenwerke ꝛc. durch den Staat; administrative, gerichtliche und strafrechtliche Reform; unentgeltliche Justiz durch Vereinfachung der Formen und Herabsetzung der Kosten; Recht auf Arbeit, Kredit, Association; endlich friedlich und stusenweise alle Folgen der drei gro⸗ ßen Grundsätze der fanzösischen Republik, Freiheit, Gleichheit, Brü⸗ derlichkeit, nämlich die Regierung Aller durch Alle und für Alle: die eine und untheilbare, demokratische und soziaie Republik.“

Am 26sten d. M. werden die sämmtlichen Wähleclisten für die Präsidentenwahl geschlossen und öffentlich angeschlagen.

Der neue Unterrichts⸗ und Kultus⸗Minister Freslon hat an sämmt⸗ liche Bischöfe ein Rundschreiben erlassen, worin er sie ersucht, reli⸗ giöse Feierlichkeiten behufs der Verfassungs⸗Einweihung in ihren Kirchsprengeln zu verordnen. Auf dem Konfkordiaplatze zu Paris naht sich die Kapelle, unter welcher der Erzbischof Sibour die neue Ver⸗ fassung einsegnen und das Tedeum anstimmen wird, bereits ihrer Vollendung. Uebermorgen findet diese Verfassungsweihe statt. Abends wird großer Ball im Stadthause sein. Die Armen werden an die⸗ sem Tage 20 statt 12 Centimen zugetheilt bekommen. Da die Na⸗ tional⸗Versammlung mittelst Gesetzes vom 6. November zur Verthei⸗ lung an die Armen in Paris und den Departements für den Tag des Verfassungsfestes 600,000 Fr. bewilligt hatte, wie es heißt, wird üvermorgen der Moniteur auch eine Amnestie für Verge⸗ hen in der National⸗Garde und für Waldfrevel verkünden. Der Minister des Innern hat auf seine Einladungen an die Natio⸗ nal⸗Garden der Departements zu dem Verfassungsfeste schon zahl⸗ reiche Antworten erhalten. Eine Menge Deputationen, 88 darun⸗ ter aus den entserntesten Theilen des Landes, sind nach Paris un⸗ terweges. 11“”“ 8

der brasilignische Gesandte Aranjo⸗ Ribeiro iiberreichte gestern dem General Cavaignac die Vollmachten, die ihn als Vertreter des Kaisers von Brasilien bei der französischen Republik beglaubigen.

Das Univers meldet, daß auch die französischen Bischöfe, nach dem Beispiele der deutschen in Würzburg, hier in Paris eine Natio⸗

S e abh en wollen.

Bank⸗Bericht ist die Verkehrs⸗-Summe, die in den Portefeuilles am 72. November noch 172,352,528 Fr. 42 Cen⸗ timen betrug, bis zum 9. November Morgens abermals auf 168,037,182 Franken 57 Centimen gefallen, dagegen das baare Geld in den Kel⸗ lern der Baunk um nahe an 2 Millionen in Paris und den Sulkur⸗ salen gestiegen. Der Betrag der rückständigen Papiere ist derselbe

geblieben.

Gestern wurden in der Conciergerie diejenigen, die bei der Fe⸗

bruar⸗Revolution das Königliche Schloß von Neuilly und die dorti⸗ gen Weinkeller geplündert und ein Zimmer in Brand gesteckt hatten, zur Abführung nach dem Bagno eingeschmiedet.

An die seit dem Juni entwaffneten Arrondissements werden seit einigen Tagen wieder Waffen ausgeliefert.

Zweihundert spanische Flüchtlinge sind, dem Mémorial des Pyrénées zufolge, über die französische Gränze gegangen.

Berichtigung. Im gestrigen Blatte ist S. 1041, Sp. 1, Z. 27, statt: „kann“, zu b. 9b une. 3

Großbritanien und Irland. London, 9. Nev. Eine unter Lord Ashley's Patronat gebildete Gesellschaft zur Beförde⸗ rung der Auswanderung nach Port Natal hat beschlossen, zur Förderung ihrer Zwecke ein Actien⸗Kapital von 6000 Pfd. St. zu⸗ sammenzubringen. Es sind bereits 640 Auswanderer angekündigt, die in Zwischenräumen dahin abgeschickt werden sollen. Das Klima eignet sich besonders zum Anbau von Baumwolle.

Es liegt im Plane, den Südsee⸗Wallsischfang wieder zu fördern, und die dafür sich bildende Gesellschaft hat im Plane, von den Auckland⸗ Inseln aus den Wallfischsang zu betreiben. Schon Capitain Roß hatte sich zur Zeit dafür ausgesprochen, daß im ganzen Südmeere sich kein Punkt befinde, der als feste Fischfangstation sich besser eigene, als diese Insel; viele Gründe sprechen dafür. Zunächst verspricht die hohe Südbreitegegend einen sehr reichen Fang. Das Klima ist gesund und nicht zu warm, während Vandiemensland oder Neuseeland zu warm sein würden.

Aus Jamaika erfährt man, daß die dortigen Pflanzer, weil sie einsehen, daß der Anbau rvon Zucker, selbst bei dem vom Parla⸗ ment festgesetzten Unterscheit ungszolle, nur unter den günstigsten Um⸗ tänden die Konkurrenz des von Sklaven gebauten Zuckers aushalten kann, sich großentheils auf Erzeugung anderer in Europa verkäufli⸗ chen Artikel, und zwar insbesondere des Kakao, verlegen wollen. Auch haben sie schon mit Erfolg mehrere Versuche gemacht, den Zucker direkt aus dem Rohrsaft zu raffiniren. b

Der Times wird aus Neapel von einer neuen Note des nea⸗ politanischen Kabinets an Frankreich und England gem ldet, worin es Vorstellungen über das lange Hinziehen der sicilian'schen Frage mache. Die Note gebe übrigens zu verstehen, daß der König nicht Wilens sei, irgend einen Theil seiner Autorität auf Sicilien auf⸗ zugeben, oder irgend eine Aenderung in der Erbfolge⸗Ordnung zu gestatten. Nach Allem scheine aber eine Ausgleichung auf die von Lord Minto gestellten Bedingungen hin zu gewärtigen zu sein.

Herr Guizot und der belgische Gesandte, Herr Vandeweyer, waren mehrere Tage auf Besuch in Cambridge bei dem Direktor des dor⸗ tigen Dreifaltigkeits⸗Kollegiums, Professor Whewel. Herr Guizot soll na einem größeren pelitisch⸗historischen Werke arbeiten.

Gestern fuhr die „Britannia“ mit vielen englischen, irländischen, französischen und deutschen Auswanderern nach Australien ab. Eine ganze Flotille liegt zur Abfahrt nach jener Kolonie bereit.

Belgien. Brüssel, 11. Noo. In dem Budget für 1849 ist das Gehalt der diplomatischen Agenten erster Klasse auf 25,000 Fr. herabgrsetzt, mit Ausnahme des bevollmächtigten Ministers in London, der 40,000 Fr. beziehen soll. Die Legations⸗Seeretaire sollen 5000 Fr. erhalten, nur der zu London 10,000 und der zu Paris 8000 Fr. Bei den Gesandtschaften in Wien und Konstanti⸗ nopel sollen keine Secretaire mehr angestellt werden; die Gesandt⸗ shaften in Griechenland, den Hansestädten, Sardinien und Schweden werden aufgehoben; in den Vereinigten Staaten und in Brasilien soll Belgien nur noch General⸗Konsulate haben. In der Ma⸗ rine sollen eine beträchtliche Anzahl von Offizieren in die Reserve oder in Nicht⸗Aktivität versetzt werden, zum Theil in Folge der Entwaffnung einer Brigg und zweier Kano⸗ nenbböte. Im Kriegs⸗Departement sind 63 Offizier⸗ und Cvil⸗ beamten⸗Stellen und 914 Stellen von Unteroffizieren, Gemeinen und Dienstleuten gestrichen. Im Ministerium des Innern sollen durch Aufhebung von Aemtern in der Central⸗Verwaltung 10,000 Fr., durch Herabsetzung der Zahl der Provinzial⸗Deputationen Mitglieder von 6 auf 4 im Ganzen 51,000 Fr., durch andere Klassifizirung der Bezirks⸗Kommissariate und Verschmelzung einiger derselben 24,751 Fr., durch Aenderungen im Personal und Material der Thierarzneischule 25,000 Fr. erspart werden. Eben so sind in den anderen Ministe⸗ rien durch Vereinfachung der verschiedenen Dienstzweige und Vermin⸗ derung der Stellen verhältnißmäßige Ersparnisse bewerkstelligt.

Schweiz. Bern, 8. Nov. (Frkf. J.) Die zwei bedeutend⸗ sten Männer des Kantons Bern, Ochsenbein und Neuhaus, von denen freilich der Letztere seit dem Sturz der vorigen Regierung vom öffent⸗ lichen Schauplatz ganz zurückgetreten war, bildeten in dem gestrigen National⸗Rath den Gegenstand eines langen Kampses. Es handelte sich um die Wahl des Präsidenten, und vier Wahlgänge mußten ge⸗ macht werden, bis endlich Ochsenbein eine Mehrheit auf sich ver⸗ einigte. Er hatte 50 Stimmen, während Neuhaus nur 42 erhielt. Zum Vice⸗Präsidenten der Versammlung wurde Dr. A. Escher von Zürich auch im 4ten Skrutinium gewählt, trotz seines wiederholt aus⸗ gesprochenen Wunsches, für diese Stelle einen Deputirten aus der französischen Schweiz zu bezeichnen. Im Kanton Uri ist nur ein freisinniger Bezirk, Urseren, der auch an allen Lanesgemeinden eine kräftige Opposition bildet. Von diesem wurde nun gestern eine Gegenpro⸗ testation gegen die Verwahrung der Landsgemeinden eing reich: und darin unter freudiger Beistimmung des National⸗Raths der offene, unumwundene Anschluß an den neuen Bund ausgesprochen. In der ersten Sitzung wurde eine Kommisston niedergesetzt, um Anträge we⸗ gen der angefochtenen Wahlen zu bringen. Ohne nun diese für jetzt zu stellen, beantragte sie gestern, man möchte den betreffenden Mitglie⸗ vern, bis über ihre Sache entschieden sei, Sitz und Stimme in der Versammlung geben, was auch einstimmig genehmigt wurde. Im Ständerath war gestern keine Sitzung.

Bern. (E. Z.) Die Wahlen in den Ständerath sind nun vollständig. Seine Mitglieder sind: Zürich: Bürgermei⸗ ster Furrer und Regierungs⸗Rath Rüttimann. Bern: 1 Nig⸗ geler, Vice-Präsident des Großen Rathes, und Ober⸗Richter Migy Luzern: Großrath Pl. Meyer und Staatsschreiber Nager. 156 J. Muheim und F. Christen. Schwyz: Alt⸗Landammann Schorno und Fürsprech Krieg. Unterwalden o. d. W.: Landammann Imfeld. Unterwalden n. d. W.: Rathsherr Bünter. Zug: Landammann Ad. Keiser und Dr. Ferd. Keiser. Glarus: Präsident Blumer und Appellationsrichter Trümpi. Freiburg: Regierungs⸗Rath Kastella und Appellationsrichter Pache. Solothurn: Landammann Munzinger und Amtsschreiber Burki. Baͤsel Stadt: Rathsherr Stählin. Land: Dr. Gutzwiller. Schaffhausen: Regierungs⸗Räthe Ehrmann und Gysel. Appenzell A. Rh.: Landammann Dr. Oertli. Appenzell J. Rh.: Statthalter Heim. St. Gallen: Landammann Näff und Staatsschreiber Steiger. Graubünden: Landammann Brost und Bundes⸗Präsident Ganzoni. Aargau: Statthalter Siegfried und Seminar⸗Direktor Keller. Thurgau: Ober⸗Richter Streng und Ober⸗ gerichts⸗Schreiber Kappeler. Tessin: Professor Josef Curti und Großrath. B. Gagliardi. Waadt: Staatsrath Briatte und Präsident Wenger. Wallis: Dr. Henry Ducrey und Charles de Bons. Suppleanten:

Neuenburg: Jeanrenaud⸗Besson

Advokat Rion. Genf: James Fazy und Carteret. Der Vorort hat bereits die Note der deutschen Centralgewalt

beantwortet.

Schwyz. (E. Z.) Wahlen in den National⸗Rath. Im ersten Wahlkreise ist Kantons⸗Rath Karl Schuler von Schwyz und im zwei⸗ ten Regierunge⸗Rath Steinegger von

Dr. Grillet und und Petitpierre.

tendorf gewählt.

1 Als neuntes Mitglied in den National⸗ Rath ist Alt⸗Bezirks⸗Amtmann Isler so gut als gewählt; er hat

bereits 18,479 Stimmen.

(N. Z. Z.) Auf die Forderung der eid⸗ genössischen Repräsentanten hat der Staatsrath beschlossen, die an den jüngsten Aufständen an der lombardischen Gränze betheiligten italienischen Flüchtlinge fortzuweisen; dagegen wurde der weiteren Forderung der Repräsentanten, daß alle Füchtlinge aus dem Kanton entfernt werden, noch nicht entsprochen. So viel man hört, haben die Repräsentanten der Regierung einen Termin angesetzt, nach dessen Ablauf sie weitere Truppen in den Kanton Tessin einrücken lassen und der letzten Forderung Vollziehung geben werden. M als das Haupt aller dieser Bewegungen angesehen werden muß, wurde vonfder Regierung weggewiesen. kommandirenden Generals Wohlgemuth ist mit Rücksicht auf die jüng⸗ sten Einfälle der Flüchtlinge ein Schreiben an die Repräsentanten eingetroffen, in welchem die Entfernung der Flüchtlinge verlangt und bedeutet wird, daß man, im Falle nicht entsprochen würde, österreichi⸗ scherseits genöthigt wäre, die früheren Maßregeln wieder eintreten zu

Lugano, 4. Nov.

Von Seiten des an der Gränze

Italien. Neapel, 28. Okt. (N. K.) Die Staatszeitung meldet den gestern stattgehabten Empfang des außerordentlichen Ge⸗ sandten des deutschen Reichsverwesers, Herrn Heckscher, vom

Turin, 29. Okt. as Ministerium hat eine Modification er⸗ An die Stelle des Kriegs⸗Ministers Dabormida ist Ober⸗ General della Marmora getreten; zum Minister der öffentlichen Ar⸗ Herr della Marmora ist der Bruder des ausgezeichneten Artillerie-Obersten, dem das Corps der Bersaglieri seine vortreffliche von der österreichischen Armee rühmend anerfannte jetzige Organisation und eine neu erfundene, sehr zweck⸗ mäßige Scharfschützenflinte verdankt. Beide Wahlen werden von allen Einsichtsvollen durchaus gebilligt. Der Armeechef Bava hat einen Tagesbefehl erlassen, in dem einer in Aussicht stehenden Erneuerung des Krieges keine Erwähnung

beiten wurde Herr Torelli

Herr Torelli ist Lombarde.

Madrid, 5. Nov. Der Heraldo enthält heute Donoso Cortes)

Spanien. Folgendes: „Der Marquis von Valdegamas ( ist zum bevollmächtigten Minister in Berlin und der Herzog von Gor zum Gesandten in Wien ernannt worden. ren Männer, welche an jedwedem Hofe Europa's einen vortheilhaften Begriff von unserer Civilisation und Bildung geben können.“

Hiesige Blätter behaupten, daß der General Zarco del Vallo, der sich nach Petersburg begeben hatte, um als diesseitiger Gesandter am dortigen Hofe aufzutreten, seinen Zweck nicht erreichen konnte, und, ohne empfangen worden zu sein, sich zur Rückreise anschickte. Unsere Regierung hat erfahren, daß unser Gesandter in China,

.Sinibaldo de Mas, in Canton auf Schwierigkeiten stieß, und der dortige kaiserliche Kommissär sich weigerte, ihm den herkömmlichen Wir hoffen, daß unser Befehlshaber der

Beide Herren sind

ersten Besuch zu machen.

den feindlichen Vorposten viele Schüsse gewechselt. Als gegen 6 Uhr Abends das Feuer auf dieser Seite schwieg, begann dasselbe um 7 Uhr heftiger zwischen den Vorposten am Nordbahn⸗ hof und der Barrikade, welche den Eingang vom Prater⸗Stern zur Jägerzeile vertheidigte. Bis 7 ½ Uhr Abends wurde auf dieser Seite stark kanonirt. Einige Artilleristen firlen, von feindlichen Kar⸗ tätschen niedergestreckt. Dadurch kam ein panischer Schrecken unter die bewaffneten Proletarier, und die beiden Barrikaden in der Jäger⸗ zeile wurden in wilder Flucht verlassen. Erst eine Stunde später ge⸗ wahrte man, daß der Feind keinen ernstlichen Angriff beabsichtigt, und daß nur ein blinder Schrecken das Aufgeben einer so wichtigen Position verursacht habe. Es rückten Verstärkungen der National⸗ Garde nach der Leopoldstadt, welche die verlassenen Barrikaden wie⸗ der in Besitz nahmen. Nor⸗ 057 + 2 2 7 2 7 F

27. Oktober verging ziemlich ruhig. Der Kommandant 9 essenhauser hatte endlich den Befehl gegeben, die Munition zu 1eh 8-. des Fhs unnütze Plänkeln an den Vorposten zu unter⸗

ssen. Vom Observatorium des St. Stephansthurmes beobachtete man an diesem Tage Bewegungen des Belagerungsheeres in östlicher Richtung, und obwohl die trübe Atmosphäre eine genaue Fernsicht mittelst der Teleskope nicht gestattete, so glaubten die Beobachter⸗ 9 eine Vermin erung der Truppenmassen, welche die Stadt um⸗ gaben, wahrzunehmen. Man vermuthete bereito die Annäherung der Avantgarde des ungarischen Heeres und glanbte keinesweges, daß ein allgemeiner Angriff auf die Vorstädte so nahe bevorstehe.

Am 28. Oktober um 10 ¾. Uhr Vormittags hörte man von ver⸗ schiedenen Richtungen einzelne Kanonensalven. Eine halbe Stunde später wurde das Feuer der Felebatterieen gegen die Vorstädte allge⸗ mein, und das Heulen der Sturmglocke vom St. Stephansthurme verkündete, daß die entscheidende Stunde wirklich gekommen sei. Ge⸗ gen 11 ½ Uhr sah man von der St. Stephanswarte sämmtliche Li⸗ nien mit einem doppelten Ring vom Pulverdampf umgeben, durch welchen die Blitze aus den Rachen der Geschütze unaufhörlich zuckten. Nur an der Nordostseite der Leopoldstadt, der verwundbarsten Stelle aller Vertheidigungslinien, wurde kein Schuß gehört. Es schien in der Absicht der Stürmenden, die Aufmerksamkeit der Be⸗ lagerten nach anderen Richtungen zu lenken, wo an einen ernstlichen Angriff nicht gedacht wurde. Indessen zeigten sich an den offenen Stellen des Praters zahlreiche Bataillone, welche sich in der Richtung des Augartens bewegten. Am heftigsten war der Kanonendonner gegen die Linien von St. Marx und Mariahilf. Um 12 ⅔½ Uhr wurden bereits Feuersbrünste in der Franzensbrücken⸗ gasse am Ausgang der Jägerzeile, beim Gasometer und in der Nähe des gloggnitzer Bahnhofes signalisirt. Die Brände nahmen von dieser Stunde bis zur einbrechenden Nacht auf eine erschreckende Weise zu.

Die Sturm-Kolonnen bewegten sich um 12 ½⅜ Uhr gegen die Erdberger und St. Marxer Linie vor. Sie fanden weder am Wall, noch am verbarrikadirten Thor ernsten Widerstand und drangen ohne beträchtlichen Verlust in die Vorstadt Landstraße ein. Das Klein⸗ gewehr⸗Feuer verkündete den Anfang des Barrikaden⸗Kampfes. Während ein Theil der stürmenden Bataillone die Barrikaden am Eingang der Hauptstraße in der Fronte angriff, rückten andere Kolonnen über die Erdberger Lnie durch die Anton⸗Gasse und längs dem rechten Ufer des Donau⸗ Kanals gegen die Sopdien⸗Brücke vor. Nirgends stießen sie auf ernstli⸗ chen Widerstand. In der Landstraße war die Nationglgarde von we niger Widerstandslust beseelt, als in den übrigen Vorstädten, und die⸗ sem Umstande wird das Aufgeben der vordersten Barrikade zuge schrieben. Die letzte Barrikade, welche am Eingang der Haltergasse die Hauptstraße sperrte, wurde einige Minuten lang vertheidigt, dann

philippinischen Inseln den Auftrag erhalten werde, die Ehre unserer Nation gegen die niederträchtigen Beleidigungen der hinterlistigen und weibischen Chinesen sicher zu stellen. (Espana.) 3

Der Herzog von Montpenster wird sich mit seiner Gemahlin von Sevilla nach Cadix begeben, nachdem er von hier aus angewie⸗ sen wurde, die beabsichtigte Reise hierher einzustellen.

Es scheint gewiß zu sein, daß die Regierung die Cortes auf den 15. Dezember einberufen, und von ihnen eine Verlängerung der Suspension der persönlichen Garantieen, so wie die Ermächtigung zur Erhebung der Steuern verlangen wird.

Gestern ging von hier abermals eine Anzahl politischer Gefange⸗ ner nach Cadix ab.

Der General Cordova hat am 30. Barcelona Feldzug gegen die Karlisten persönlich zu leiten. die Generale Lersundi und Mata, 43 Stabs lone und eine Kavallerie⸗Eskorte.

verlassen, um den Es begleiteten ihn

Die letzten Oktober⸗Ereignisse in Wien.

Unter dieser Aufschrift theilt die Presse mit nachstehender ein⸗ leitender Bemerkung über die Oktober⸗Ereignisse in Wien folgende genaue Darstellung mit

Ueber die Ereignisse der letzten Tage liegen uns eine Anzahl Da die Hauptmomente derselben aus der offiziellen Veröffentlichung bekannt sind, so wählen wir aus den vorliegenden Schilderungen diejenigen, welche uns geeignet scheinen, ein lebendiges Bild der in den Straßen Wiens vorgefallenen Kämpfe zu liefern, wobei wir bemerken, daß diese Aufsätze theilweise aus einer durch ähnliche berühmten Feder fließen, und daher auch von diesem Stand⸗ punkte ihre selbstständige Würdigung finden mögen.

Die Fortsetzung der Berichte, welche die wiener Blätter über die wiener Tagesbegebenheiten lieferten, wurde seit dem 27. Oktober durch Ereignisse der erschütterndsten Art unterbrochen. glückliche Hauptstadt ward durch eine blutige und fürchterliche Ka⸗ fastrophe heimgesucht, wie ihre Vergangenl Die wahren Urheber derselben, welche über unsere Bevölkerung eine Kalamität, deren traurige Folgen noch lange Zeit fühlbar sein wer⸗ den, mit unglaublichem Leichtsinn heraufbeschworen, mögen sich des⸗ halb vor ihrem Gewissen, vor der Mit⸗ und Nachwelt verant⸗

Berichte von Augenzeugen vor. dem Publikum ohned

Darstellungen

Unsere un⸗

heit keine zweite nachweist.

Wir haben für heute keine andere Aufgabe, als den Faden un⸗ serer Erzählung wieder aufzunehmen, und unterlassen möglichst Ur⸗ theile und Betrachtungen über dic jüngste Vergangenheit, an deren iden wir noch Alle bluten.

Die Frist, welche Fürst Windischgrätz der Stadt zur Uebergabe gestellt, war am 26sten Abends abgelaufen. welches an diesem Tage stattfand, war nicht die Folge eines An⸗ griffs, sondern wurde durch die ungestüme Kampflust der Artilleristen der Stadt an der Linie herbeigeführt. Erst als das Feuer von Seiten der wiener Vorposten begonnen, antworteten die Belagerer. hitzigsten war das Feuer an der Nord⸗ und Ostseite der Vorstadt e. Die Angreifer hatten einen Theil ihrer Feld⸗Artillerie auf der Wiese des unteren Praters, der Sophien⸗Brücke gegenüber, aufgefahren und bestrichen von dort aus die dem rechten Donau⸗AUfer zunächst gelegenen

dem Friedhofe

Das Artillerie⸗Gefecht,

Landstraße.

herab die

Matzleindorfer Batterieen der

aber gleichfalls im Stiche gelassen. Aus einigen Häusern wurde auf die Stürmenden geschossen, was zur Folge hatte, daß die Kroaten, welche auf dieser Seite großentheils zum Angriff verwendet wurden, in die Häuser eindrangen, wobei arge Erzesse vorgefallen sein sollen.

In der Stadt und in den Vorstädten schwiegen seit 11 Uhr die Sturmglocken und Allarmtrommeln keine Minute. In allen Vorstäd⸗ ten sah man die Vertheidiger zu den Barrikaden eilen. Die angrei⸗ fenden Truppen hatten den Vortheil, ihre Streitkräfte an einen be⸗ liebigen Punkt konzentriren zu können, ohne zugleich ernste Ausfälle

der Belagerten fürchten zu dürfen, denn dazu reichten die Streitkräfte der Wiener, welche doppelte Linien von einigen deutschen Meilen im Umfange besetzt halten mußten, nicht aus. Gegen 2 Uhr war bereits der größte Theil der Landstraße von den Truppen genommen.

Um dieselbe Stunde begann der Kampf in der Leopoldstadt. Die sogenannte Sternbarrikade, welche aus einer doppelten steinernen Brüstung bestand, von welchen die vorderste in der Form eines Halb⸗ kreises den Zugang vom Platze des Pratersterns in die Jägerzeil vertheidigte, war um 11 ½ Uhr von den Vertheidigern ohne Kampf geräumt worden. Somit nützte diese wichtige Barrikade nur den Belagerern, welche ihre Geschütze hinter dem Steinwalle vortheilhaft aufpflanzen und ihre Artilleristen decken konnten. Wäre an dieser Stelle keine Barrikade gestanden, so hätten die Truppen ihren Angriff gegen die Jägerzeile vom offenen Platz des Prater⸗ Sterns beginnen müssen und wären dem verderblichen Feuer aus den Häusern der Jägerzeile und der Batterie hinter der großen Barrikade, die nahe an der rothen Sterngasse die ganze Jigerzeile sperrte, schutzsos bloßgestellt gewesen. Das Preisgeben der Sternbarrikade, ohne sie zuvor zu zerstö⸗ ren, halten wir für den größten Fehler, welchen die Vertheidiger an diesem entscheidenden Tage begangen. Erst um 2 ½ Uhr bewegten sich die Bärenmützen der Grenadiere vorwärts und schienen jetzt wit Verwunderung zu bemerken, daß die starke doppelte Steinmauer ver⸗ lassen war. Eine Batterie rückte im Galopp gegen die Barrikade an, die Kanoniere stellten ihre Stücke hinter den Schießlöchern auf und eröffneten ein heftiges Feuer, welches zwei volle Stunden ohne Unterbrechung fortdauerte. Es wurde hier meist mit Granaten und Kartätschen geschossen. Das Feuer war gegen die große Barrikade gerichtet, weiche auf dieser Seite den Angreifern das letzte Hinder⸗ niß entgegenstellte. Die Kugeln bestrichen die Jägerzeile der ganzen Länge nach. Der hartnäckigen Tapferkeit, die hier die Ver⸗ theidiger zeigten, zollen alle Augenzeugen die gerechte Anerkennung. Hinter der Barrikade standen gegen hundert Mann, gemischt aus Ueberläufern, National⸗Gardisten und Proletariern. In den Häu⸗ sern der Jägerzeile war ein großer Theil des Freicorps postirt, welche von Zeit zu Zeit aus den Fenstern schossen. Die Munition wurde hier von den Vertheidigern ziemlich gespart bis zum Augenblick, wo die Stürmenden an der rechten Seite der Straße durch die Biegung der Häuserlinie einigermaßen geschützt vorzurücken versuchten. Alle Versuche, die Barrikade in der Fronte anzugreifen, mißlangen. In den Nebenstraßen wüthete inzwischen der Kampf mit größter Heftig⸗ keit. Die Barrikaden an den Eingängen der Fuhrmanns -—und Stadtgutgasse wurden gleichfalls von der Seite der Allee 28 naten und Kartätschen bestrichen. 8 (Fortsetzung folgte

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