1 Schließli ies uns noch verstattet, unserem Wunsche Worte zu 282812 8 Männer, deren unerschütterlicher Muth Preußen vom Untergange gerettet hat, noch recht lange im Rathe der Krone verbleiben möogen. —— Hirschberg, am 7. Dezember 1848. 8 Die zu einem landschaftlichen Kreistage versammelten Gutsbesitzer.
Hohes Staats⸗Ministerium! b
Das Vertrauen, welches wir mit vielen treugesinnten Staats⸗ bürgern dem hohen Ministerium ehrfurchtsvoll widmeten, wurde auf eine glänzende Weise gerechtfertigt. Unsere Wünsche und Hoffnungen sind erfüllt. Die National⸗Versammlung, deren größerer Theil seine änzliche Unfähigkeit zu parlamentarischen Verhandlungen und zu der rfüllung seines wichtigen Berufes in beklagenswerther Art zu erkennen gab, sogar verbrecherischer Handlungen sich schuldig machte und das Va⸗ terland in die höchste Gefahr stürzte, ist aufgelöst, dem anarchischen Treiben ist entgegengewirkt durch die Verkündung der von Sr. Ma⸗ jestät dem Könige Allergnädigst gegebenen Verfassung, welche den früheren Verheißungen gemäß, auf die freisinnigsten Grundsätze ge⸗ stützt ist und des Volkes künftige Wohlfahrt .
Wir fühlen uns verpflichtet, dem hohen Ministerium für dessen
kräftiges und segenereiches Wirken den innigsten Dank zu sagen und die Versicherung der größten Hochachtung und Ehrfurcht beizufügen, mit welcher wir verharren des hohen Staats⸗Ministeriums
gehorsamster 8 constitutioneller Verein. Gorkau bei Zobten, den 7. Dezember 1848.
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(Fortsetzung folgt.)
Die Wiener Zeitung bringt in der Beilage zu ihrem Abend⸗ blatt vom 30. November einen Artikel über die Stellung Oesterreichs zu Deutschland, welchen der Inhalt einer Broschüre des österreichi⸗ schen Abgeordneten von Czörnig wiedergiebt. Bei dem großen In⸗ teresse, welches diese Frage in ganz Deutschland erwecken muß, glau⸗ ben wir unseren Lesern einen Dienst zu erweisen, wenn wir diesen Artikel abdrucken, der in besonnener und eingehender Weise die deut⸗ schen eben sowohl als die österreichischen Interessen zur Basis nimmt.
Zur Orientirung in der (deutsch⸗) österreichischen Frage.
Als die §§. 2 und 3 des Entwurfes des Reichsgrundgesetzes am
19ten v. M. in der National⸗Versammlung zu Frankfurt zur Ver⸗
handlung gelangten, wurde die unter obigem Titel von einem öster⸗ reichischen Abgeordneten (dem vom friedländer Wahlbezirke in Böh⸗ men gewählten Kaiserlichen Hofrathe Czörnig) verfaßte Flugschrift unter die Abgeordneten vertheilt. Diese Flugschrift weist auf das bündigste die in der Debatte selbst von dem Abgeordneten von Mühl⸗ feld und Anderen hervorgehobenen Nachtheile, ja die Unmöglichkeit der mit den erwähnten Paragraphen beantragten Zerreißung der österreichischen Monarchie nach. Bekanntlich wurden diese Bestim⸗ mungen bei der ersten Berathung derselben angenommen, obgleich sich der Präsident der deutschen National⸗Versammlung, der edle Hein⸗ rich von Gagern, in einem ähnlichen, von den genannten österreichi⸗ schen Abgeordneten durch Schrift und Rede vertheidigten Sinne aus⸗ gesprochen hatte. Die bedeutendsten französischen Journale beschäf⸗ tigten sich mehrfach mit jener Flugschrift, aus welcher sie die bezeich⸗ nenden Stellen übersetzten. Es dürfte daher auch unseren Lesern, denen der Gegenstand der Frage um so viel näher liegt, und deren heiligste Interessen er berührt, willkommen sein, den deengang der erwähnten, wenige Seiten umfassenden, aber inhaltschweren Flugschrift
zu verfolgen, weshalb wir sie hier ihrem ganzen Inhalte nach wie⸗
dergeben. berg Cz. Die Ausführung der §§. 2 und 3 des Reichsgrundgesetzes, nach welchen irgend ein Theil des deutschen Reiches mit nichtdeut⸗ schen Ländern zu einem Staate nicht vereinigt, sondern blos mittelst Personal⸗Union verbunden sein darf, würde auf Oesterreich eine we⸗ sentlich verschiedene Wirkung äußern, als auf die anderen deutschen, in ähnlichen Verhältnissen befindlichen Staaten. Es würde dadurch ein ansehnliches Ländergebiet von dem nichtdeutschen, nach Umfang und Bevölkerung überwiegenden Antheile der österreichischen Gesammt⸗ Monarchie staatlich getrennt und zu einem abgesonderten Staate er⸗ hoben werden. Diese Trennung würde aber nicht blos die Sonde⸗ rung der Monarchie in zwei große Theile nach sich ziehen, sondern die Auflösung derselben in mehrere Gebiete, d. i. ihren Zerfall, nach sich ziehen, da die großen Länderkomplexe, wie Ungarn, Galizien und Lombardei⸗Venedig, zunächst nur durch die Vermittelung der deutschen Provinzen und der dort befindlichen Centralleitung mit einander in Verbindung stehen, nach dem Wegfallen desselben jedoch des Bandes gegenseitiger Einigung verlustig und zur selbstständigen Konstituirung hingedrängt würden. Nebstbei würden andere kleinere Theile des Staatsgebietes bestimmungslos zwischen diesen Einzelstaaten in der Schwebe gehalten, bis sie einen ihren Interessen vielleicht nicht zu⸗ sagenden Schwerpunkt der Bewegung gefunden hätten.
Vergegenwärtigen wir uns die Folgen dieser Trennung, so wie der dadurch weiter bedingten Losreißungen, und wir müssen zugeste⸗ hen, daß hierdurch die Rechte, die Gewohnheiten und die Interessen der Bewohner der deutschen Provinzen sowohl, als der Völker in dem übrigen Staatsgebiete Oesterreichs, auf das fühlbarste verletzt werden, während andererseits Deutschland hierdurch nicht nur nicht gekräftigt, sondern in seiner Macht und Stärke, daher auch in seiner politischen Geltung als neu erstehende Großmacht, den übrigen Mäch⸗ ten Enropa's gegenüber entschieden geschwächt und in seinen wesentli⸗ chen Interessen benachtheiligt wird.
Der Umstand, daß die deutschen Provinzen ein unbestreitbares Recht auf die Erhaltung der untrennbaren Verbindung mit den übri⸗ gen Ländern der Gesammt⸗Monarchie besitzen, und zwar in Folge der Vereinigungs⸗Verträge, durch welche diese Provinzen und jene Län⸗ der in den Gesammt⸗Verband aufgenommen wurden, so wie durch die mit den Landständen der verschiedenen Gebietstheile vereinbarte prag⸗ matische Sanction, wird, als zur rechtshistorischen Begründung gehö⸗ rig, in vorliegenden, von dem Standpunkte der Gegenwart ausge⸗ henden Zeilen keiner näheren Erörterung unterzogen. Diese recht⸗ liche und vertragsmäßige Verbindung stand dem losen Zusammen⸗ hange der Glieder des alten deutschen Reiches, so wie der Einrichtung des deutschen Bundes, nicht entgegen und muß bei der neuen Ge⸗ staltung Deutschlands eben so geachtet und aufrecht erhalten werden, wie die untrennbare Verhbindung zwischen Schleswig und Holstein, für deren Behauptung Deutschland das Schwert gezückt hat. Die hun⸗ dertjährige Dauer des Beisammenlebens, die in Folge dessen eng in einander verwachsenen Interessen, die schweren Opfer an Gut und Blut, welche die Völker Oesterreichs dafür gebracht, die zahl⸗ losen Schlachten, in denen sie mit angestammter Treue und todesverachtendem Muthe für die Aufrechthaltung des Thrones und der Monarchie gekämpft, haben diese Verbindung noch fester gekittet und zu einem unauflöslichen Bande geknüpft. Aber nicht allein die in voller Gültigkeit bestehenden Verträge, nicht blos die geschichtliche Erinnerung an die Vergangenheit, während welcher die Volker Oester⸗
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reichs sfest bei einander ausgeharrt, Leid und Freuden mit einander getheilt haben, auch die neue Gestaltung der Gegenwart fordert die ungeschmälerte Erhaltung dieses Verbandes für die Zukunft. Die Bölker Oesterreichs, nachdem sie das Joch des Absolutismus abge⸗ worfen, haben, im vollen Besitze ihrer Freiheit, durch ihre Abgeordne⸗ ten den konstituirenden Reichstag gebildet, welcher auf gleichberechtig⸗ ter Grundlage, wie die deutsche verfassunggebende National⸗Ver⸗ sammlung, auf der freien Volkswahl beruht und den ausgesprochenen Willen der darin repräsentirten Völker zur fortdauernden untrennba⸗ ren Vereinigung beurkundet. Der gleiche Wille der Aufrechterhaltung der Gesammt⸗Monarchie wird auch außerhalb jenes Ländergebietes bei den Südslaven, den Wallachen und den siebenbürger Deutschen laut, während selbst die Magyaren mitten in den beklagenswerthen Wirrnissen zur Festhaltung an der pragmatischen Sanction, der Grundquelle jener unlöslichen Vereinigung, sich gedrungen fühlen.
Wie tief bis in das innerste Familienleben die Interessen der Bewohner der deutschen Provinzen durch die staatliche Trennung von den anderen Gebietstheilen der Monarchie verletzt würden, liegt am Tage. Man wende nicht ein, daß ja durch die Person des Regen⸗ ten immerhin die Verbindung erhalten werde, und daß durch Ver⸗ träge für die Wahrung der materiellen Interessen gesorgt werden könne. Die neuerlich versuchte faktische Lostrennung von Ungarn zeigt uns, wie lose und unwirksam die Bande einer Personal⸗Union für die von einander staatlich getrennten Theile der Gesammtmonarchie sein würden. Mit der Auflösung des staatlichen Verbandes fällt der Schwerpunkt der Centralleitung weg, nach welchem alle einzelnen Theile des Staates hin gravitiren; es bilden sich in den getrennten Landestheilen neue Mittelpunkte, die sich bald von einander abstoßen; die Stammesunterschiede treten schärfer hervor, Sonderinteressen, aller Vermittlung ledig, stellen sich in feindlichen Gegensatz, und es ge⸗ staltet sich, wo nicht offener Kampf, doch ein innerer nicht weniger verderblicher Verwaltungskrieg, der mit dem Verderben und dem staat⸗ lichen wie dem volkswirthschaftlichen Ruin aller einzelnen abgetrenn⸗ ten Landestheile endigt. Der eben in Wien versammelte konstitui⸗ rende Reichstag, von welchem die Provinzen auf der Grundlage der gewährleisteten Freiheit die Wahrung und engste Verschmelzung ihrer gegenseitigen Interessen erwarten, müßte in seinem Verfassungswerke gestört und aufgelöst werden, wobei die Frage entsteht, wer ihn auf⸗ zulösen befugt ist?
Nirgends verkörpert sich die Idee der Untrennbarkeit der Länder Oesterreichs anschaulicher, als in seiner tapferen Armee, welche Oester⸗ reich schon so oft vom Untergange, der ihm von Außen drohte, ge⸗ rettet hat. Als zu den Zeiten der Völkerkriege diese Armee, deren gelichtete Reihen stets wieder durch die unverwüstliche Volkskraft er⸗ gänzt wurden, auf den Schlachtfeldern für die Ehre, die Unabhängig⸗ keit und Freiheit Deutschlands blutete, da wurde nicht unterschieden zwischen Deutschen und Slaven, zwischen Ungarn und Wallachen; und als noch vor wenigen Wochen dieselbe Armee auf den Gefilden Ita⸗ liens für die Integrität der Monarchie, so wie für die Interessen Deutschlands, kampfte, da errang die treue Verbrüderung aller in dem Heere vertretenen Nationalitäten den schwer bestrittenen Sieg, wäh⸗ rend daheim die Hyder der aufgeregten Zwietracht ihr drohend Haupt erhob. Zerreißet diesen beschworenen Bund, und ihr vernichtet die organische Gliederung einer mächtigen Wehrkraft, das Bollwerk des europäischen Friedens, ihr löset sie auf in einzelne Streithaufen, die in dem neugeschaffenen Gegensatz ihrer Interessen sich feindlich gegen⸗ überstehen und das wehrlose Land zur Beute des Feindes werden lassen.
sG Die erschöpfenden Anstrengungen während der Völkerkriege und die daraus hervorgegangene finanzielle Zerrüttung ließen eine beträcht⸗ liche Staatsschuld zurück, deren drückendes Gewicht nur dann von den Ländern Oesterreichs zu ertragen ist, wenn alle Theile seines Gebietes gleichmäßigen Antheil daran nehmen. Bei einer Lostren⸗ nung der deutschen Provinzen würde der übermäßige Theil der Staats⸗ schuld auf denselben lasten bleiben — Ungarn nahm Anstand, auch nur einen verhältnißmäßig billigen Theil davon zu übernehmen — und entweder diese Provinzen ihrem gänzlichen finanziellen Ruine zu⸗ führen oder bei dem Mangel eines schwerlich zu erwartenden Ver⸗ gleiches zwischen den verpflichteten Provinzen die Rechte der österrei⸗ chischen Staatsgläubiger auf das höchste gefährden, den Kredit des Staates selbst vernichten.
Die materiellen Interessen erscheinen in unserem Zeitalter als die vorwaltenden; sie sind es auch, welche, nebst der Anhänglichkeit an die Dynastie, die einzelnen Länder Oesterreichs in fester Verbin⸗ dung erhielten, als äußere Unfälle und innere Zerrüttung dem Staate mit der Auflösung drohten. Die deutschen Provinzen Oesterreichs, insbesondere Böhmen, Mähren und Nieder⸗Oesterreich, versehen, als die gewerbthätigsten der Monarchie, alle übrigen Gebiststheile mit ihren Industrie⸗Erzeugnissen und finden ihren größten Absatz in den außerdeutschen Ländern; von diesen staatlich getrennt, würden sie bald die wichtigste Quelle ihres Verkehrs verstopft, ihre Arbeiter des Er⸗ werbes beraubt, zum Hunger verurtheilt sehen. Und gerade jetzt fordern sie nach einer anhaltenden Handelskrise, nach den Stockungen, welche die große Bewegung Eunropa's im Verkehr zurückgelassen, gerade jetzt erwarten sie, die Segnungen der errungenen Freiheit zu genießen, welche die Aufhebung der feudalen Bodenlasten und die Entfesselung des Grundbesitzes in ihrer Rückwirkung auf die erhöhte Gewerbthätigkeit verheißt. Es ist bekannt, daß die deutschen Bezirke Böhmene neuerlich die administrative Sonderung von den czechischen und die unmittelbare Unterordnung unter das wiener Ministerium nachgesucht haben. Der Grund dieses Verlangens beruht nicht so⸗ wohl in dem Streben nach nationaler Trennung, als vielmehr darin, daß jene Bezirke, der Sitz des rührigsten Gewerbfleißes, bei mehr hervortretender Autonomie der Provinzen besorgten, in ihren engge⸗ knüpften Handelsverbindungen mit Wien und durch Wien mit den außer⸗ deutschen Ländern der Monarchie gehemmt zu werden. Als unmittelbar nach der glorreichen März⸗Revolution in Wien die italienischen Provinzen abfielen, als die Erschütterungen durch jene Ereignisse die öffentlichen Hülfsquellen versiegen machten, da waren es abermals die durch je⸗ nen Abfall tief verletzten Interessen der deutschen Provinzen, welche durch die Stimme der öffentlichen Meinung die Regierung ermuthig⸗ ten und ihr die Mietel zur Fortsetzung des Kampfes verschafften, dessen stegreiche Brendigung der Tapferkeit des österreichischen Heeres zu danken ist. Dieselben Interessen unterstützten die Regierung in der Behauptung des mit so großen Opfern, mit dem Blute der treuen Söhne des Vaterlandes errungenen Besitzes. — Der Schwer⸗ punkt des gesammten österreichischen Handels beruht in den Kredit⸗ Anstalten der Residenzstadt, namentlich in der Nationalbanf; die Un⸗ terstützung, welche diese dem Verkehr darbietet, ist aber bedingt durch die Ausdehnung ihrer Wirksamkeit über alle Länder der Monarchie. Diese Wirksamkeit müßte im Falle einer staatlichen Trennung der deutschen Provinzen bedeutend beschränkt, das Privilegium der Bank nach den übrigen Provinzen hin gebrochen werden, wodurch nicht nur die gesammte volkswirthschaftliche Thätigkeit im Handel und in der Industrie der deutschen Provinzen, sondern auch die sinanzielle Lage des mit dem Bestande der Bank eng verknüpften Staatshaushaltes, dem unaufhaltsamen Verderben entgegengeführt würden. Endlich ist noch des von Triest aus betriebenen Seehandels zu erwähnen, welcher
ehen so, wie der Hafen von Triest selbst, seinem Verfalle zucilen und für Deutschland verloren gehen würde, wenn jener Punkt an der
adriatischen See isolirt für sich bestände und nicht mehr mit den Küsten an beiden Seiten des Meeres zu einem Staate vereinigt wäre.
Fassen wir diese Umstände, vieler anderer, wie der einer even⸗ tuell höheren Besteuerung, nicht zu gedenken, zusammen, so müssen wir gestehen, daß die Folgen einer gewaltsamen Trennung der deut⸗ schen Provinzen von dem übrigen Länder⸗Verbande der österreichischen
onarchie, vorausgesetzt, daß dieselbe durchgeführt werden könnte, die wesentlichsten Interessen ihrer Bewohner gefährden, eine hohe Gefahr für die Ruhe und den Wohlstand derselben herbeiführen wür⸗ den. Fern sei die Behauptung, daß deshalb die gedachten Provin⸗ zen ihre bisherigen Beziehungen, ihre rechtliche Stellung zu dem deutschen Vaterlande aufzugeben hätten. Es soll im Gegentheile durch die neue Verfassung eine engere, alle Verhältnisse mehr durch⸗ dringende Verbindung, als bisher stattgefunden, erzielt werden, nur soll dafür eine andere Form, als jene, welche die staatliche Absonde⸗ rung der deutschen Provinzen von der Gesammtmonarchie bedingt, gefunden werden.
Ich berühre nur kurz die aus der besprochenen Trennung für die außerdeutschen Länder Oesterreichs hervorgehenden Nachtheile, weil auch diese von der Gesammtmonarchie den Schutz gegen auswärtigen Angriff, die Wahrung ihrer volkswirthschaftlichen Interessen, den un⸗ gehinderten Absatz ihrer Robstoffe und industriellen Erzeugnisse, die Vortheile des Handels mit einem großen Staatsgebiete, die Benutzung der dafür bestehenden Kredits⸗ und anderen Hülfs⸗Institute, kurz sämmtliche Vortheile des Verbandes zu einem großen Staatskörper in Anspruch nehmen, und weil sie den Verlust dieser Vortheile schmerz⸗ lich empfinden würden. Die ernsteste Erwägung verdient aber der Bestand und die Aufrechthaltung der österreichischen Gesammtmonarchie, welche mit der Theilung derselben in zwei oder mehrere, wenngleich durch Personal⸗Union verbundene Staaten zu bestehen aufgehört hätte. Es ist oft behauptet worden, wenn sich diese Monarchie im geschichtlichen Laufe der Zeit nicht von selbst gebildet hätte, so hätte man sie im Interesse des europäischen Gleichgewichts, im Interesse der friedlichen Entwickelung der Geschicke und, ich füge hinzu, im Interesse der Freiheit unseres Welttheiles, schaffen müssen. Lange genug hat es gewährt, ehe die Morgenröthe der Freiheit in Oester⸗ reichs Gauen angebrochen; es steht aber eben deshalb zu hoffen, daß die Erschütterungen, durch welche die Freiheit sich den Weg bahnt, desto schneller vorübergehen. Noch immer stehen der Westen und der Osten Europa's in ihren inneren Einrich⸗ tungen und äußeren Bestrebungen so schroff einander gegenüber, daß es zwischen beiden einer Vermittelung bedarf, welche stark genug ist, durch ihren Hinzutritt die Wagschale der Entscheidung sinken zu machen. Diese Vermittelung ist die Aufgabe von Deutschland und von Oester⸗ reich im engen Verbande mit einander, als dem Kerne eines künftigen Staatenbundes von Mittel⸗Europa; verschwindet Oesterreich aus der Reihe der Großmächte, dann ist das Gleichgewicht auf der empfind⸗ lichsten Seite gestört, und es werden sich die Folgen dieser Störung, indem sie Oesterreich in das Verderben stürzen, bald auch über dessen Gränzen hinaus fühlbar machen. Darum liegt es im Interesse der europäischen Staatengemeinschaft, daß Oesterreich, welches mit einer merkwürdigen, wenngleich nicht Jedermanns Augen zugänglichen Zähigkeit seines inneren Zusammenhaltes allen Stürmen des letzten Jahrhunderts, von der Thronbesteigung Maria Theresiens bis zu die⸗ sem Augenblicke, siegreich widerstanden hat, fortan als europäische Großmacht seine Mission deo Friedens und der Freiheit erfülle.
Deutschland hat ein tausendjähriges Recht auf seine Verbindung mit den deutschen Provinzen Oesterreichs, und eine Neugestaltung, welche die Anerkennung dieses Rechtes in Frage stellte, müßte von jedem Deutschen, wohne er in Oesterreich oder außerhalb desselben, entschieden bekämpft werden. Wodurch wird dieses Recht wirksam? Durch den Schutz gegen äußeren und inneren Angriff, durch die Förderung der materiellen Wohlfahrt, durch die Gründung freier In⸗ stitutionen und durch die Wahrung der deutschen Nationalität unter Anerkennung der Gleichberechtigung anderer Nationalitäten. Wenn sich diese Zwecke, für deren Verwirklichung Deutschland im Inneren die engere Vereinigung zu einem Bundesstaate wählt, in Beziehung auf Oesterreich und dessen eigenthümliche Verhältnisse durch ein an⸗ derweitig gestaltetes Bündniß erreichen lassen, und wenn diese Form der Vereinigung zugleich wesentliche Nachtheile beseitigt und un⸗ leugbare Vortheile darbietet, so liegt ein solches Bündniß auch im wohlverstandenen Interesse Deutschlands. Daß der kräftige gegenseitige Schutz selbst mit der eventuellen einheitlichen Leitung des Heeres durch die Reichs⸗Centralgewalt mittelst dieses Bündnisses erzielt werden könne, bedarf keines Beweises. Die materielle Wohl⸗ fahrt erfordert die Vereinigung der gesammten Ländergebiete Deutsch⸗ lands zu einem Zoll⸗ und Handelsverbande, übereinstimmende gesetz⸗ liche Regelung der Schifffahrt, des Münz⸗ und Postwesens, der Maße und Gewichte und der verwandten Beziehungen, welche eben so sehr dem Interesse Oesterreichs, als den Anforderungengdes übri⸗ gen Deutschlands entsprechen. Die Verfassung, welche der österrei⸗ chische Reichstag zu entwerfen im Begriffe steht, wird, wie mit Be⸗ stimmtheit zu erwarten, in Wahrung der Volkorechte und in Erschaf⸗ fung einer fest begründeten Freiheit mit den Absichten der National⸗ Versammlung im Einklange stehen. Die deutsche Nationalität in den deutschen Provinzen Oesterreichs trägt ihre sicherste Gewäͤhrleistung in der kompakten und willenskräftigen deutschen Bevölkerung, in der deutschen Dynastie, den deutschen Institutionen der Verfassung und Verwaltung, in der deutschen Bildung in sich; nichts hindert den Hinzutritt positiver Bestimmungen in der Vereinbarung zur noch kräftigeren Stütze dieser Grundlagen deutscher Sitte und deutschen Lebens.
Die Nachtheile, welche eine Trennung, d. i. eine Zerstückelung, der österreichischen Monarchie für Deutschland nach sich zöge, liegen vor Aller Augen. So wie Oesterreich zu seinem gedeihlichen Bestand und friedlicher Entwickelung eines kräftigen Deutschlands als Bollwerkes gegen Westen bedarf, eben so braucht Deutschland ein mächtiges und startes Oester- reich, bei dessen Zerfalle seine Gränzen nach Süden und nach Osteu offen, des abwehrenden Schutzwalles beraubt, seine innere Wehrkraft gelähmt, seine Stellung in der europäischen Staatengemeinschaft ge⸗ schwächt, wo nicht gebrochen ist. Die Beweise dafür liefert die Ge⸗ schichte. Unter den Vortheilen dagegen, welche der innige Anschluß der österreichischen Gesammtmonarchie an Deutschland gewährt, wird es hinreichen, drei wesentliche hervorzuheben. Beide Ländergebiete vereint, umfassen mehr als den vierten Theil der europäischen Be⸗ völkerung, 70 Millionen Menschen, mit einem streitfähigen Heere, welches keine äußere Macht der Welt zu üüberwältigen vermag. Wer könnte bezweifeln, daß die Lösung aller großen Fragen, welche Eu⸗ ropa in Bewegung setzen, von der Entscheit ung dieser gewaltigen, die Mitte unseres Welttheiles einnehmenden Macht abhänge ? Das Gebiet dieses Vereines würde den größten europärschen Markt für die einheimische, durch den unerschöpflichen Reichthum der eigenen Rohstoffe genährte Industrie darbieten, sein durch großartige innere Verkehrsmittel gehobener Handel und seine Schifffahrt würden die nordischen Meere, so wie die abriatische See, mit neuem Leben er⸗ füllen und, im Besitze der natürlichen Wasserstraßen nach dem Oriente, den Verkehr darin, das Erbe uralter Verbindungen, wieder Deutsch⸗ land zuwenden. Und welcher reichere Gewinn könnte Deutschland von irgend einer Seite her geboten werden, als jener, den es aus dem freien Verkehr mit den an Fülle der Rohstoffe strotzenden, der
Stettin, 5. Dez. (Ostsee⸗Ztg.) Nachdem der Wallfischfang eine
eigenen Fabriksthätigkeit ermangelnden Ländern von Galizien, Ungarn und Italien ziehen wird?
Deutschland hat im Interesse der Humanität eine hohe Auf⸗ gabe zu erfüllen: die Gessttung, die Geisteskultur und im Gefolge derselben die Freiheit nach den Ländern des Ostens zu verbreiten. Der überwiegende Antheil an dieser edlen Mission fällt Oesterreich zu, welches, seit Jahrhunderten in vielverzweigter Verbindung mit den östlichen Völkern stehend, die Träger deutscher Sitten und deut⸗ schen Lebens tief zwischen dieselben hinein vorgeschoben hat und nun auch der Freiheit den Weg dahin zu bahnen berufen ist. Diese Eroberung soll eine friedliche sein und mit dem Grundsatze der Gleichberechtigung aller Nationalitäten im Einklange stehen; ihre Waffen sind die höhere Ausbildung, der wissenschaftliche Fortschritt und die Vortheile für das öffentliche Leben, so wie für den Han⸗ delsverkehr, ihr Panier ist der Wissensdrang und die Ueberzeugung. Weit über die Gränzen des deutschen Bundes reicht das deutsche Leben und die deutsche Kultur über die westlichen, nördlichen und südlichen Komitate, so wie über die Städte und Handelsplätze Un⸗ garns, über die Militairgränze, deren Verwaltungs⸗ und Umgangs⸗ sprache bisher die deutsche war, über Galizien und Siebenbürgen, aus dessen Sachsenland die größtentheils deutschen Gewerbs⸗ und Handelsleute in der Wallachei und in der Moldau stammen. Diese deutschen Elemente widerstanden bisher allen widerwärtigen und zum Theil bedrückenden Einwirkungen, weil sie ihren Rückhalt und ihre Nahrung in den deutschen Provinzen Oesterreichs finden; trenne man diese von dem Körper der eeammatannan he, und man wird bald den Untergang des deutschen Wesens jenseits der neuen Gränze zu beklagen haben.
Vielfach ist die Ansicht rege geworden, Oesterreich stehe in Ge⸗ fahr, ein Slavenreich zu werden, man müsse demnach die deutschen Theile, um sie vor dieser Gefahr zu bewahren, von dem Gesammt⸗ körper der Monarchie absondern und sie ausschließlich mit Deut chland in Verbindung erhalten. Dieser Ansicht liegt eine unbestreitbare That⸗ sache zum Grunde, welche man erkennen muß, weil sie eben nicht wegzuleugnen ist. Oesterreich zählt unter 38 Millionen Einwohnern 18 Millionen Slaven. Es ist aber dabei wohl zu erwägen, daß die Gefahr, welche diese Thatsache mit sich führen kann, gerade erst durch die beabsichtigte Trennung der deutschen von den nichtdeutschen Pro⸗ vinzen heraufbeschworen würde. So lange die Gesammtmonarchie vereinigt bleibt, bilden die deutsche Dynastie, der Reichstag und die Centralleitung, welche sich in einer deutschen Provinz befinden und in deutscher Sprache verhandeln, ein Gegengewicht. Ferner tritt die Vermischung der deutschen, der magyarischen und romanischen Bevöl⸗ kerung mit der slavischen, die nach Sprache und Kultur⸗Entwickelung bedeutende Verschiedenheit der slavischen Stämme, so wie ihre räum⸗ liche Vertheilung, einer solchen gefahrdrohenden Verbindung in den Weg, und selbst der durchgeführte Grundsatz der Gleichberechtigung der Nationalitäten wird je nach dem Grade des sozialen Fortschrittes auf jeden Stamm eigenthümlich wirken. Anders würden sich die Verhältnisse bei der bewerkstelligten Absonderung der zu Deutsch⸗ land gehörigen Provinzen stellen. Dann möͤchte das slavische Element, aus seinen gegenwärtigen Beziehungen zu dem deutschen Mtttelpunkte der Monarchie zurückgedrängt, sich zu einer neuen Ge⸗ staltung vereinigen, welche früher oder päter durch die Gewalt der Umstände in einen feindlichen Gegensatz zu den deutschen Nachbar⸗ Provinzen treten würde, und es ließe sich besorgen, daß die sechs Millsonen Slaven, welche die deutschen Provinzen Oesterreichs be⸗ wohnen, den Schwerpunkt ihres nationalen Lebens eher in jener neuen Gestaltung, als in Deutschland finden würden. Dann wäre es nicht mehr Deutschland, dessen Eafnf in dem östlichen Theile der bisheri⸗ gen österreichischen Monarchie geböte, und es würde in gleicher Weise geschwächt, ob nun im Namen Rußlands in den slavischen oder im Namen Frankreichs in den magyarischen Landestheilen das Protekto⸗ rat ausgeübt würde. 3 8
Es bedarf wahrlich keines prophetischen Blickes, um die ernsten Ereignisse vorherzusehen, mit denen Europa heimgesucht zu werden besorgen muß. Wie immer sie sich gestalten mögen, ein enges An⸗ einanderschließen Deutschlands und des österreichischen Gesammistaates ist die sicherste Schutzwehr gegen die hereinbrechenden Wogen des politischen und sozialen Sturmes; beide vereint, vermögen den An⸗ drang der hohen, allen Gütern des Lebens drohenden Gefahr abzu⸗ wenden; sind aber ihre Bande getrennt oder gelockert, dann verfällt jedes vereinzelt dem Verhängnisse!
—
Südseesischerei⸗Betrieb pommerscher Häfen.
lange Reihe von Jahren auf deutschen, dänischen, schwedischen, niederlän⸗ dischen, britischen und in der letzten Zeit besonders auf nordamerikanischen Schiffen sowohl von größeren Gesellschaften, wie von einzelnen Rhedern und Kaufleuten betrieben war, erwachte auch in Stettin und in Wolg st die Lust, sich an der Südseefischerei zu betheiligen. An beiden Orten tra⸗ ten Gesellschaften zusammen, von denen die stettiner nach der Erfahrung, daß der schlechte oder ungünstige Fang eines Schiffes durch andere Fahr⸗ zeuge übertragen werden müsse, 3 Schiffe zum Wallfischfangen auszurüsten beschloß; 1,2och blieb es bei der Ausrüstung eines Schiffes.
Das Einschuß⸗Kapital der stettiner Südseesischerei⸗Compagnie bestand ursprünglich in 63,000 Rthlr., jede Actie zu 250 Rthlr. Von dieser Summe wurden 32,000 Rthlr. zum Ankaufe des Schiffes „Borussia“, von 282 Lasten, verwandt; durch Havarie in Kopenhagen, erneuerte Verproviantirung des Schiffes nach Verlauf der ersten 2 ½ Jahre, durch Vorschüsse an die oft erneuerte Besatzung und an den ersten Capitain (einen Bremer), so wie durch mehrfache Assekuranz⸗Prämien, stieg die Ausgabe auf circa 105,000 Rthlr.
Die „Borussia“ kehrte um Pfingsten 1847 nach Stettin zurück, und von der Ladung wurden realisirt “
4387 Cr. Thran zu 423,900 Rthlr. inkl. Spermacetibl,
197 „ Fischbein zu...
durch den Verkauf des Schif⸗ 9
b fes, der Utensilien und g
1 des Inventariums 19,000 „ abzüglich der Unkosten, so daß jeder Actionair von der Aectie zu 250 Rthlr. nur 72 Rthlr. 4 Sgr. bei Auflösung der Compagnie erhielt, also pro Actie ein Verlust von 172 Rthlr. 26 Sgr. sich ergab.
„Die S2een der „Borussia“ bestand aus 36 Mann, deren erster Führer wegen schlechter Führung des Schiffes (Havarie in Kopenhagen) noch auf der Hinreise durch einen anderen Capitain, Hartwig aus Wolgast, ersetzt werden mußte. Ein Theil der Mannschaft desertirte jedesmal, wenn das Schiff Land machte, was nach Beendigung jeder Fisch⸗Saison geschah, so daß nicht weniger als 96 Mann in 3 ½ Jahren an Bord des Schiffes ewesen sind. Da gegen diese Desertionen Jein Schutz und keine Unter⸗ gatung beim Nichtvorhandensein von preußischen Konsuln zu erlangen war, so mußte wiederholt eine Sre enh dg. Besatzung vorgenommen werden.
Als besondere Gründe des Mißlingens des stettiner Unternehmens sind unter anderen folgende zu bezeichnen: Das Schiff „Borussia“ erlitt bereits in der Ostsee auf der Hinreise Havarie und verlor deshalb in Ko⸗ n. eine kostbare Kii. Darauf segelte es New⸗Bedford in Nord⸗ Amerika an und später Rio Janeiro, wegen eines wahnsinnig gewordenen deutschen Steuermannes. Diese beiden nsegelungen kosteten aufs neue Zeit und Geld. Als der Fischfang selbst beginnen sollte, war ein Theil der Mannschaft durch die Trunksucht des ersten Capitains und des ersten Steuermannes verwildert und zeigte nicht die gehörige Ausdauer beim Fange,
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vertheilt wird. Zugleich war auch Mißverständniß und Uneinigkeit zwischen den Offizieren entstanden, und bei der Untauglichkeit und dem bösen Wil⸗ len zweier Fisch⸗Capitains wurde nur weni gefangen, obwohl Fische in hinreichender Anzahl zu Gesicht kamen. on letzteren tödtete man 42. Da der Gewinn von einem einzigen großen Wallfische bisweilen 5000 und mehr Thaler beträgt, so ergiebt sich von selbst, daß die meisten ge⸗ tödteten Fische nur sehr kleine waren. Der Zwiespalt der Offiz ere (einer derselben wurde eines Vergiftungsversuches angeklagt, um angeblich nach Beseitigung des Capitains die Führung des Schiffes zu übernehmen) lockerte die Bande der Disziplin auf der „Borussia“ um so mehr, da unter den auf derselben vertretenen 6— 7 Natonglitäten schon von vornherein Mißverständnisse vorkamen. Obwohl das Schiff ein preußisches war, so wurden doch alle Befehle in englischer Sprache während der Fangzeit gege⸗ ben. Für die desertirten Matrosen mußten nothgedrungen schlechte Sub⸗ jekte an Bord genommen werden, die mit Schulden aufs Schiff kamen und sich später nicht freifuhren. Zu diesen Kalamitäten kam noch stürmi⸗ sches ungünstiges Wetter im Anfange des zweiten und dritten Jahres, so daß das Resultat des ganzen stettiner Unternehmens ein sehr entmuthigen⸗ des war und sich die Compagnie hier auflöst.
Das wolgaster Unternehmen, eingeleitet und ausgeführt durch den dort bestehenden Verein zur Südseesischerei, wurde auf dem neu gebauten Schiffe „Rica“, Capitain C. A. Darmer, ins Werk gesetzt, welches am 31. Mai 1845 von Wolgast ausging und nach Beendigung der dänischen Blokade, welche die „Rica“ eine Zuflucht von mehreren Monaten in einem englischen Hafen zu suchen zwang, in Wolgast glücklich am 25. September c⸗ einlief.
Von der Ladung des Schiffes sind für den in öffentlicher Auction ver⸗ kauften Thran 2543 Ctr. 37 Pfd. Netto⸗Gewicht gelöst. Rthlr. Sgr. Pf.
23,339 vöö und für 90 Ctr. 22 ½ Pfd. Wallfischbarten 3,698 11 6 Die gewonnenen 366 Ctr. Spermacetiöl sind bis jetzt nicht verkauft und berechnet zum Werthe von... Die vom Staate zu erwartende zweite Hälfte der Prämie Aus dem Verkaufe mehrerer für den Wallfischfang und zum Tauschhandel bestimmt gewesenen Gegenstände und des verbliebenen Schiffs⸗Proviants, für die zu er⸗ wartende Vergütigung auf die Assekuranz⸗Prämie, seit der Zeit des Eintreffens des Schiffes „Rica“ in Cowes den 31. Mai d. J. und bis zu dessen Ankunft in Wolgast den 25. September und für die höhere Ver⸗ werthung des Spermacetiöls als berechnet worden, dürften noch aufkommen
5,500 — —
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Summa Die Ausgaben für das Schiff „Rica“ seit dessen Ab⸗ gang von Wolgast am 31. Mai 1845 mit Einschluß der Assekuranzprämie von 13,600 Rthlr. betragen circa und es kommen mithin auf 6000 Actien zur Ver⸗ theilung 6,557 18 3
In der General⸗Versammlung der Actionaire des wolgaster Vereins zur Südseefischerei am 1. November c. wurde zwar die Frage verneint, daß der Verein sich auflösen solle, jedoch vereinigte man sich dahin, zur Zeit nicht die Südseefischerei mit dem zweiten Schiffe fortzusetzen, sondern die „Rica“ bis zur weiteren Beschlußnahme als Kauffahrteifahrer zu benutzen. beehesea⸗ Führer des Schiffes übertrug man auch die fernere Leitung desselben.
Auch vom wolgaster Schiffe desertirte der größte Theil der von An⸗ fang an Bord befindlichen Mannschaft, so daß nur drei Mann von der ursprünglichen Besatzung (ein Schiffsjunge siel über Bord) zurückkehrten. Die Inseln der Südsee verführten manchen Matrosen zur Desertion, zumal beim fortdauernden Anlaufen von anderen Wallfischfängern, auf welchen man einen besseren Gewinn erwartete, sich die Gelegenheit bot, das aben⸗ teuerliche Leben fortzusetzen. Die reizenden Gestade von Pexu veranlaßten unter Anderem auch den Arzt des Schiffes, Namens Siegerest, aus Greifs⸗ wald, sich eine neue Heimat zu schassen.
Diese beiden Expeditionen auf den Wallsischfang sind bisher die einzigen aus preußischen Häfen, und ihr unbefriedigendes Resultat, wenn dies den Maßstab für die Rentabilität solcher Unternehmungen überhaupt abgeben sollte, möchte nicht zur Ausrüstung neuer Schiffe ermuthigen. Die ameri⸗
35,000 1
kanischen Rhder und Kaufleute, welche auch ohne vom Staate bezahlte Prämien einen reichen Gewinn durch die Südseefischerei erzielen, finden frei⸗ lich außer der Beschaffung der erforderlichen Geldmittel durch Unterstützun
von Banken ꝛc. dadurch einen sichereren Boden für ihre Unternehmung, daß die Ausrüstung der Schiffe selber in Folge vieljähriger Erfahrung, die Be⸗ schaffung der zum Fischfange besonders tauglichen und befähigten Mann⸗ schaft dort weit glücklicher von Statten geht, und durch die Verwendung einer Anzahl von Schiffen zum genannten Zwecke die Verluste eines einzi⸗
gen übertragen werden.
Die beiden pommerschen Wallfischfänger haben ein theures Lehrgeld gekostet, aber auch an Erfahrungen bereichert, und es wäre zu bedauern, wenn man, durch den ersten Verlust entmuthigt und nicht bedegkend, daß derselbe gerade dem Mangel jener Erfahrungen zuzuschreiben sich von weiteren Unternehmungen abschrecken ließe.
wissenschaft und Kunst. Konzert⸗Revue.
Geistliches Konzert in der Garnisonkirche. Konzert von Sgra. Garcia de Torres und Fr. Demunck. Dritte Trio⸗Soiree.
Das geistliche Konzert, welches alljäͤhrlich in der Garnisonkirche zur Feier des Geburtsfestes Ihrer Majestät der Königin am 13. November veranstaltet zu werden pflegt, war diesmal (des Tages zuvor eingetretenen Belagerungszustandes wegen) ausgesetzt worden und fand erst am verflos⸗ senen Sonnabend (den 9ten) statt. Da die Kirche ziemlich gefüllt war, dürfte der Hauptzweck der Veranstaltung, der bekanntlich ein wohlthätiger ist, als erreicht zu betrachten sein. Deoch auch in künstlerischer Beziehung lieferte das Konzert nicht unerfreuliche Resultate. Zu Gehör kam eine Auswahl von älteren und neueren Vokal⸗ und Instrumental⸗Compo⸗ sitionen von Naumann, Romberg, Fesca, Klein, Geyer u. A. Die Gesänge wurden von Mitgliedern der Sing⸗Akade⸗ mie unter Rungenhagen'’s Leitung abwechselnd a Capella und mit Orgel⸗ oder Instrumental⸗Begleitung ausgeführt. Das Orchester, mit Ausnahme von Contrabässen und Celli's, nur aus Blech⸗Instrumenten bestehend, befand sich unter Wieprecht's Direction und zeichnete sich, außer beim Accompagnement, auch durch selbstständige Leistungen rühmlichst aus. Ein brillanter Orgel⸗Satz von Thiele, von Herrn Haupt meister⸗ haft vorgetragen, eröffnete das Konzert. Die Composition, aus dem Nach⸗ lasse des unlängst hier der Cholera zum Opfer verfallenen ausgezeichneten Organisten Thiele herrührend, erwies, daß der Verewigte als schaffen⸗ der Künstler nicht minder Schätzenswerthes wie als Spieler zu leisten ver⸗ mochte, und nur einer übergroßen Bescheidenheit, die ihn der Oeffentlichkeit fast gänzlich vorenthielt, dürfte es zuzuschreiben sein, wenn sein Ruf in beiden Eigenschaften nicht ein weit verbreiteter war. Abgerundete Form und einheitsvoller, dennoch gedanken⸗ und schwungreicher Inhalt, charakterisiren das bezeichnete Orgelstück, das sich außerdem durch die glän⸗ zendste Entfaltung der reichen Tonmittel des großartigen Instrumentes von außerordentlicher Wirkung gestaltet und sichtlich einen tief fesselnden Eindruck auf die anwesenden Hörer ausübte. Herr Haupt, der durch Wahl und Vortrag dieser hinterlassenen Composition seinem verewigten Freunde und Kunstgenossen ein eben so sinniges als würdiges Denkmal der Erinnerung setzte, deansprucht in Folze vesstn besondere Anerkennung. Dieser Orgel⸗ Introduction folgte ein „Magnisicat“ von Bernhard Klein, für Solo⸗ und Chorstimmen, ö H von Blechinstrumenten. Was die Composition angeht, so zählt das Werk, unseres Bedünkens, nicht zu den gelungendsten des Verfassers, obgleich Klein, der sich im Gebiete der Kirchenmusik übrigens mit Recht einen geachteten Namen erworben hat, auch in diesem „Magnisicat“ ein im Styl würdig abgefaßtes, echt kirchliches Tonstück hinstellte. Wie jedoch hei Klein’s ausgeführteren Werken, der Mangel an ausreichender, schöpfe⸗
obwohl bekanntlich vom Beginn des letzteren die Ausbeute der getödteten Fische nach bestimmten Prozenten als Heuer unter die Mannschaft mit
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rischer Kraft immer fühlbar wird, so tritt er auch a
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entgegen, dessen Inhalt nur selten geistigen Aufschwung nimmt und einen wirklich erwärmenden Eindruck eigenklich nur in bem hbendigen Schluß⸗ Chore hinterläßt. Die heutige Ausführung der Composttion mit Blech⸗ Uüstrunenten betreffend, so will uns die alleinige usammenstellung der
etzteren mit Singstimmen insofern nicht zusagen, als sich diese beiden Ele⸗ mente ohne die vermittelnden Saiten⸗ und Holz⸗Blase⸗Instrumente nicht
recht zu einer Gesammtwirkung verschmelzen können, besonders wenn einer⸗ seits der Chor, wie es diesmal der Fall war, im Verhältniß nur schwach besetzt ist, und andererseits die Composition selbst durch überwiegend figurir⸗ ten Inhalt eine von Blech⸗Instrumenten im günstigsten Falle immerhin nur unvollkommen zu lösende Aufgabe stellt. Aber auch hinsichtlich der Präzision ließ die Ausführung dieses Musikstückes zu wünschen, so daß der Total⸗Eindruck desselben jedenfalls kein außerordentlicher war. Desto größere Wirkungen rief die Anwendung der Blechinstrumeule in denjenigen Nufitnummern her- vor, in welchen sie, entweder ganz allein oder mit der Orgel konzertirend, auftraten. So bewirkte aüae ftich die Tokkata von Flod. Geyer, die zu 8 Anfang des zweiten Theils ausgeführt wurde, durch die Vereinigung der Tongewalt des vollen Orgelwerks mit dem Blech, einen um so großartigeren Eindruck, als die Composition selbst eine mit wahrhaft grandiosen Zügen reich ausgestattete und überhaupt eine solche ist, deren charakteristischer In- halt mit den aufgebotenen Mitteln in vollem Einklange steht. Ohne auf alle Vorträge des Konzertes hier speziell einzugehen, sei nur noch des Chorals:
8 „Nun danket alle Gott“ erwähnt, der, vom ganzen Chor, der vollen Orgel und dem Orchester aus⸗ geführt, die musikalische Vorstellung in würdiger Weise abschloß. In diesen einfachen, gezogenen Klängen vermählten sich Menschenstimmen, Or elklang und Blechinstrumente in dem weiten Raume der Kirche zu einer wixllich er⸗ greifenden Ensemblewirkung, so eine wahrhaft erbauliche Stimmung in den Hörern zurücklassend.
Am nämlichen Abende, zur gewöhnlichen Konzertzeit — die geist⸗ liche Musik fand nämlich von 5 — 7 statt — gaben die Sängerin Sgra. Garcia de Torres und der Cellist Fr. Demunck ein Konzert im Hotel de Russie. Auch hier fanden wir ein zahlreiches Auditorium versammelt, das den Leistungen des Konzertgeberpaars mit Interesse folgte. Ueber Letz⸗ teren können wir übrigens diesmal nur wiederholen, was wir bereits nach seinem ersten hiesigen Auftreten im verflossenen Sommer in diesen Blättern ausgesprochen haben. Sgra. Garcia de Torres, mit einer mehr kräftigen und umfangreichen, als frischen und schönen Stimme begabt, im Besitze einer mehr glänzend, als fein ausgebildeten Technik singt Koloraturen mit mehr Volubilität, als Geschmack. Sie trug zwei ita⸗ lienische Arien und Lieder mit Beifall vor. Herr Demuuck dagegen ist ein Meister in jeder Bedeutung des Wortes. Seine vollendete Technik, die er im Dienste des Geistes und der Seele verwendet, stempeln ihn dazu. Jedenfalls ist er eine bedeutende Kunst⸗Erscheinung und würdig, neben den ersten Violoncellisten der Gegenwart genannt zu werden. Hinsichtlich der Kraft und Fülle seines Tones, namentlich in der Tiefe (auf der C- und G-Saite), steht er sogar einzig da, obgleich wir nicht verkennen wollen, daß das ausgezeichnete Instrument, dessen sich der Spieler bedient, die⸗ sen eigenthümlichen Vorzug seines Spiels in ein vorzugsweise vortheilhaftes Licht zu stellen wohl geeignet ist. Dieser gerühmte Vorzug außerordentlicher Kraft ist aber um so schätzenswerther, als er sich gleichzeitig mit höchster Sauberkeit und Innigkeit des Vortrages verbindet. Kurz, Herr
emunck entwickelt ein Spiel, das, Männlichkeit mit Leichtigkeit, Rapidität mit schönstem Gesange paarend, durch Mannigfaltigkrit der Nüancirung ein wahrhaft charakteristisches Gepräge trägt und echt künstlerisches Inter⸗ esse einzuflößen nicht umhin kann. Was die Vorträge betrifft, so offenbarte Herr Demunck die glänzenden Eigenschaften seiner Virtuosität vor zugsweise in zwei Fantasieen von Servais, während er sich als Künstler im höheren Sinne des Wortes in dem Vortrage der roßen A-dur -Sonate (mit Piano) von Beethoven zu bethätigen Veranlassung nahm. So weit es der Vortrag seines Mitspielers (Herrn Steifensand) gestattete, kam das letztgenannte Meisterwerk seinerseits in einer den Intentionen desselben durchaus entsprechenden, verständnißreichen Weise zu Gehör. Die lebhafteste Theilnahme für die Leistungen des aus⸗ gezeichneten Künstlers sprach sich im Publikum durch einstimmigen Beifall deutlich aus. — Außer dem Konzertgeber⸗Paar hatte sich Herr Kraus durch einige Liedervorträge an dem Konzerte betheiligt. Diedritte Trio⸗Sotree der Herxen Löschhorn und Gehr. Stahl⸗
us diesem „Magnificat“
knecht (am Montag d. 11.) erfreute ihre Hörer durch den Vortrag eines Trio von Flod. Geper in A-moll, der A-dur-Sonate für Piano und Cello von Beethoven und eines Trio von Hummel in E-dur,
Das Trio von Gever, eine Arbeit, die Gediegenheit mit Originali⸗ tät paart, erregte das Interesse der anwesenden Musiker und Musikfreunde in hohem Grade. Echt künstlerische Beherrschung der musikalischen Form, geschickte Durchführung der Hauptgedanken charakterisiren das Werk außer⸗ dem, in welchem sich der Komponist überhaupt als einen Musiker von ge⸗ reifter Kunstbildung und echtem Kunststreben bethätigt. Als solcher ver⸗ schmäht er jedwede moderne Effekthascherei und bringt statt krankhafter Sen⸗ timentalität gesunde fernpaß⸗ Gedanken von charakteristischer Ausprä ung die, nach den Vorbildern klassischer Meister musterhast verarbeitet, ein fun⸗ reich gewebtes Ganzes formiren. Dabei tritt jedes Instrument, alle unnützen, orchesterartigen Verdoppelungen vermeidend, stets seiner Natur nach selbstständig auf, so daß die Arbeit auch nach dieser Seite hin den Kunstforderungen vollkommen entspricht und von einer Klarheit der Wirkung ist, die bei ih⸗ rem oft lkünstlichen Bau um so liefer in die kritische Wagschale fällt. Gleich der erste Satz zeichnet sich nicht minder durch formelle Abrundung (obwohl ihm der herkömmliche Mittelsatz fehlt) als durch eigenthümlichen Inhalt aus, während Adagio und Scherzo (letzteres namentlich im Trio) auch in melodischer Hinsicht nicht arm an interessanten Zügen sind und in⸗ sofern als die gelungensten (jedenfalls ansprechendsten) Sätze des Trio’s gelten dürfen. Nichtsdestoweniger verdient auch das Finale Anerkennung, das einen wahrhaft klassischen Geist athmet und z. B. in der Schluß⸗ Kadenz unwillkürlich an des Altmeisters Seb. Bach eigenthümliche Weise, das Klavier zu behandeln, erinnert. Durch eine vortreffliche Ausführung noch gehoben, fand das Trio, der obigen Andeutung zufolge, ehrende Auf⸗ nahme, indem es nach den drei letzten Sätzen sogar jedesmal durch lauten Beifall ausgezeichnet wurde.
Nicht minder schön kam die zuvor erwähnte Beethovensche A-dur-Sonate zu Gehör, deren Ausführung, was treffliches Zusammenspiel, feine Nüancirung, überhaupt richtiges Eingehen in den Geist der Composition betrifft, fast nichts zu wünschen ließ. Besonders gewann der Cellist, Herr Jul. Stahl⸗ knecht, hier Gelegenheit, sein Spiel, voll schönen, zarten Gesanges, aufs vortheilhafteste zur Entfaltung zu bringen. Er bekundete durch seinen Vor⸗ trag aufs neue, welchen Schatz die Königliche Kapelle in ihm besitzt. Der Pianist dagegen konnte sich im glänzendsten Lichte in dem zuletzt ausge⸗ ührten großen E-dur-Trio von Hummel zeigen, dessen Pianoforte⸗Partie, in dem bekannten eleganten Bravour⸗Styl dieses Meisters gehalten, Herr Löschhorn eben so fertig als sauber und geschmackvoll vortrug. Doch auch Violine und Cello, hier mehr begleitend als obligat eingreifend, wur⸗ den von seinen Mitspielern mit Discretion gehandhabt. Fesfelte übrigens das letztere Tonstück die Hörer mehr durch die Execution, als durch die Composition selbst, so war es dennoch interessant, einmal wieder ein Werk dieses Meisters zu hören, der auf die Entwickelung des modernen Klavierspieles jedensalls einen nicht unbedeutenden Einfluß ausgeübt zu haben den Ruhm genießt.
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Dreiundzwanzigster Jahr⸗ gang. Verlag der Deckerschen Geheimen Ober⸗Hofbuch⸗ druckerei in Berlin.
Wir Deutsche haben es bisher nicht verstanden, unsere wissenschafa⸗ chen Studien für das Leben fruchttragend zu machen. Wir gewannen golb- haltige Erze; aber weil wir sie nicht läuterten, so erlangten sie unter d Menge keinen Cours und benhen zur allgemeinen Bereicherung 7q ci. Es war, als gelte uns jede wi 87es Arbeit für ein Ganzes, bei 5 sich das Resultat von dem gelehrten Apparat nicht trennen schis., „ dis Stamm, Aeste, Zweige, Blätter, Knospen, Bluüthen und Früͦ⸗ ee kennten wir nicht den Grundsatz, „man bringt nicht den 8Schal M auf den Tisch, der Künstler muß goldene Aepfel in silbernen alen sei
Gästen reichen.“