Deutsches
Prenußen. Berlin, 13. November. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen gestern Se. Königliche Hoheit den Prinzen Albrecht bei Höchfdesfen Rückkehr aus der Schorf⸗ haide, so wie den Prinzen Bentheim, den General⸗Lieutenant von Podbielski, den Obersten und Flügel⸗Adjutanten von Albe⸗ dyll, und machten darauf Ihrer Kaiserlichen Hoheit der Groß⸗ fürstin Helene einen Besuch. Um 4 Uhr fand im Königlichen Palais Familiendiner statt. Den Abend brachten Se. Majestät im Schauspielhause zu. W1“ Heute früh 9 Uhr empfingen Se. Majestät den Oberpräsi⸗ denten v. Möller, hörten dann den Vortrag des Ober⸗Haus⸗ und Hofmarschalls Grafen Pückler und arbeiteten von 9¾⅜ bis 12 Uhr mit den Geheimen Räthen Wehrmann und von Wil⸗ mowski. Um 11 Uhr fanden militärische Meldungen statt. Se. Majestät statteten um 1 Uhr Ihrer Kaiserlichen Hoheit der Frau Großfürstin Helene von Rußland einen Besuch ab und begaben Sich um 3 Uhr per Extrazug über Rathenow und Stendal nach Gardelegen, von wo Allerhöchstdieselben die Reise nach Letzlingen zu Wagen fortsetzen werd G
— Der Bundesrath, sowie der Ausschuß desselben für
Handel und Verkehr hielten gestern, der Ausschuß für Zoll⸗ und Steuerwesen heute Sitzungen aub. 1u“ . 1u““
— Das GüeMiintsterium irat vorgettern zu einer Sitzung zusammen.
— Im weiteren Verlauf der Reichstags⸗Sitzung am 11. d. M. antwortete der Bundesbevollmächtigte Staats⸗Minister Camphausen auf die von dem Abg. Dr. Bamberger geäußerten Bedenken (s. Reichstags⸗Angelegenheiten). Dann bekämpfte der Abg. Gerstner die Vorlage als irrationell, weil sie nicht durch⸗ greifend reformire und in der Hauptsache den Thalerfuß kon⸗ servire. Dagegen empfahl der Abg. Dr. Tellkampf warm den Entwurf. Der Abg. Graf Münster erklärte, daß ihn §. 5 des sonst empfehlenswerthen Entwurfs an der Zustimmung hin⸗ dere. Derselbe berechtige die Landesherren, ihr Bildniß, und die Freien Städte, ihr Hoheitszeichen auf der einen Seite der neuen Münzen ausprägen zu lassen. Nach seiner Meinung müsse aber eine gemeinsame Kaiser⸗Münze ge⸗ schaffen werden, welche das Bild des Deutschen Kaisers in jedes Haus und jede Hütte des Reiches trage. Der Bun⸗ desbevollmächtigte (bayerische) Staats⸗Minister v. Pfretzschner widersprach im Namen seiner — und wie er glaube, auch der übrigen Bundesregierungen — dem Vorredner, dessen Ver⸗ langen eine Verfassungsänderung involvire, da das Münz⸗ regal zu den unbestrittenen Attributen der Souverainetät gehöre und von den deutschen Regierungen in den Bündnißverträgen des vergangenen Jahres keineswegs aufgegeben sei. (S. Reichs⸗ tags⸗Angelegenheiten.) Nachdem noch der Abg. Wilmanns für und der Abg. Dr. Mohl gegen den Entwurf gesprochen hatten, vertagte das Haus um 5 Uhr die Fortsetzung der Debatte auf Montag 11 Uhr.
— Die 20. Sitzung des Reichstages wurde heute um 11 Uhr durch den ersten Vize⸗Präsidenten Fürsten Hohenlohe⸗ Schillingsfürst in Gegenwart der Staats⸗Minister Delbrück, Camphausen, von Pfretzschner, von Bülow und mehrerer an⸗ derer Bevollmächtigten des Bundesrathes eröffnet.
Nach einer Erörterung und Beschwerde des Abg. Bebel über Aenderungen, die der Abg. Lasker in den stenographischen Berichten vorgenommen hat, worauf dieser erwiderte, wurde die erste Berathung über den Gesetzentwurf, betreffend die Ausprägung von Reichs⸗Goldmünzen, fortgesetzt. Die Abgg. Prince⸗Smith, Sombart und Dr. Braun (Gera) erklärten sich mit der Vorlage im Wesentlichen einverstanden, kündigten je⸗ doch verschiedene Abänderungen für die zweite Berathung an. Namentlich verlangte der letzte Redner die Aufnahme des Ver⸗ bots fernerer Silberprägung Seitens der Einzelstaaten in das Gesetz, da dieses Gesetz, wie jedes Reichsgesetz, dazu bestimmt sei, die einzelnen Staaten zu vinculiren und die Ausführung der Reichsregierung zu überlassen. Die Centralisation der Münzprägung schädige kein wahres Hoheitsrecht der souveränen Staaten, so wenig als die Central⸗Aichungs⸗Kommission, die dem Maß⸗ und Gewichtssystem der Nation gegenüber genau dieselbe Bedeutung habe, wie die Prägung gegenüber dem Be⸗ dürfniß an Cirkulationsmitteln. Bei Schluß des Blattes hatte der Abg. Seelig das Wort. F““
— In den öffentlichen Blättern wird neuerdings wiederum lebhafte Klage über den Mangel an Kohlen in den industriellen Bezirken geführt. Seitens mehrerer Hüttenwerke und größeren
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gewerblichen Etablissements wird dieser Kohlenmang geradezu als ein Nothstand qualifizirt, der zu ernsten Befürchtungen “ des Hüttenbetriebes und der Beschäftigung der Arbei⸗ ter Veranlassung gebe.
Obwohl der nächste Grund dieser allerdings nicht un⸗ bedenklichen Zustände in dem Umfange des gegenwärti. gen Verkehrs und den hierdurch bedingten steigenden Kohlenpreisen zu suchen ist, 8 wird doch mit be⸗ sonderer Vorliebe dem an dieser Stelle wiederholt besprochenen Wagenmangel in erster Reihe die Schuld gegeben. Wir wollen auf unsere früheren Darlegungen nicht weiter zurückkommen und beschränken uns darauf, hervorzuheben, daß dieselben Gründe, welche in den Herbst⸗ und Wintermonaten die regel⸗ mäßig wiederkehrenden Klagen der Eisenbahnen erklären, es zugleich begreiflich erscheinen lassen, in welchem Maße diese
Klagen bei einem Verkehr von so außergewöhnlichen Dimensio⸗
nen, wie der u6G6““ zunehmen müssen. Selbst die massenhaften Beschaffungen an Wagen und sonstigem Betriebs⸗ material für die Eisenbahnen und die Dringlichkeit der auf⸗ gegebenen Bestellungen wirken auf den steigenden Kohlenbedarf in 85 Eisenwerken und Etablissements in erheblichem Maße zurück.
In den Beschwerden und Vorstellungen bedeutender Kohlen⸗ konsumenten aus den Industriebezirken von Rheinland und Westfalen ist bereits in richtiger Würdigung der Verhält⸗ nisse darauf hingewiesen, daß für die ungenügende Befrie⸗ digung der Konsumenten zunächst die Gruben selbst und nur insoweit die Eisenbahnverwaltungen verantwortlich zu machen sind, als die letzteren unzweifelhaft die geförderten Kohlenmassen nicht an die Konsumtionsstellen zu bringen im Stande sind. Da uns die Dispositionen der Grubenverwal⸗ tungen bei Befriedigung ihrer Bezugstellen nicht im Einzelnen bekannt sind, so sind wir weit entfernt, Beschuldigung gegen dieselben erheben zu wollen. Wir dürfen jedoch auf die Mög⸗ lichkeit hinweisen, daß diese Dispositionen vielleicht nicht immer und nicht vollständig durch das Interesse der Konsumenten bestimmt und geleitet werden.
Unverkennbar ist die Disposition den Eisenbahnverwaltun⸗ gen zur gleichmäßigen Befriedigung der Bedarfsstellen bei den gegenwärtigen Zuständen aufs Aeußerste erschwert.
Damit jedoch in dieser Hinsicht nichts versäumt werde, um die schnellste Cirkulation der Betriebsmittel, die prompteste Ex⸗ pedition der Transporte und eine der gleichmäßigen Befriedi⸗ gung des Bedürfnisses entsprechende Wagendisposition Seitens der Verwaltungen zu ermöglichen, hat der Handels⸗ Minister, wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, neuer⸗ dings einen Kommissar des Ministeriums mit dem Auftrage, die Verhältnisse einer eingehenden Prüfung zu unterziehen und nach Benehmen mit den betreffenden Verwal⸗ tungen die etwa erforderlichen Anordnungen sofort in die Wege zu leiten, nach dem rheinisch⸗westfälischen Industriebezirke ab⸗ geordnet. Wir beschränken uns auf diese vorläufige Mitthei⸗ lung, indem wir vertrauen, daß es gelingt, den beregten Uebel⸗ ständen, soweit es möglich ist, baldige Abhülfe zu schaffen. 8
— S. M. S. 2 Nymphe« ist am 14. Oktober c. zu Rio de Janeiro angekommen/; das Schiffskommando beabsichtigte, am 19. ejd. m. nach der Kapstadt in See zu gehen. — S. M. S. »Gazelle« ist am 24. Oktober c. auf der Rhede von Bar⸗ bados eingetroffen und wird nach Einnahme von Wasser und frischem Proviant die Reise nach La Guayra fortsetzen. An Bord beider Schiffe Alles wohl. — S. M. Kanonenboot ⸗»Cyclop⸗ ist am 11. d. M. in Danzig außer Dienst gestellt.
Bayern. München, 11. November. Der König hat zur Durchführung der Vorschriften des Art. 59 der Verfassung des Deutschen Reichs vom 16. April 1871 bestimmt, daß bei den Aushebungen der Wehrpflichtigen in den Jahren 1872 und 1873 je eine und eine halbe Altersklasse heranzuziehen sei, und demnach bei Aushebung der Altersklasse 1851 diejenigen Wehr⸗ pflichtigen als laufender Jahrgang zu behandeln seien, welche in 88 Zeit vom 1. Januar 1851 bis 30. Juni 1852 geboren wurden.
Augsburg, 7. November. In der heutigen Sitzung des Landraths für Schwaben und Neuburg kam der Zu⸗ stand der hiesigen Kreis⸗ und Stadtbibliothek zur Verhandlung.
Speyer, 10. November. Der pfälzische Landrath hat in seiner Sitzung vom 8. einen Antrag auf Wiedervereinigung des nach Konfessionen getrennten Geschichtsunterrichtes in den höheren Lehranstalten mit allen (darunter einer geistlichen) gegen 2 (geistliche) Stimmen angenommen. 8
Württemberg. Stuttgart, 11. November. Die württembergischen Bevollmächtigten des Bundesrathes, Justiz⸗Minister von Mittnacht und Minister des Innern von Scheurlen, sind behufs Vorbereitung der Vorlagen für den
Landtag hierher zurückgekehrt. Der Landtag wird spätest Anfangs Dezember eröffnet werden. g spätestens
Sachsen⸗Weimar⸗Eisenach. Weimar, 11. November. Die Großherzogin ist mit den Prinzessinnen von ihren Besitzungen in Schlesien, über Prag und Dresden, gestern Abend hierher zurückgekehrt.
Sachsen⸗Altenburg. Altenburg, 11. November. Der Herzog hat sich vorgestern nach Eisenberg zur Abhaltung einiger Jagden begeben. — Die Prinzessin Moritz ist gestern nach Karlsbad abgereist, wo der Prinz Moritz zum Gebrauch der Kur sich aufhält. — Die Landschaft des Herzogthums ist für den 22. d. M. einberufen.
Waldeck. Arolsen, 11. November. Nachdem der durch Ausschreiben des Landes⸗Direktors von Flottwell zum 31. Oktober einberufene Landtag der Fürstenthümer an diesem Tage im Regierungssaale durch den Landes⸗Direktor eröffnet war, versammelte sich derselbe am 1. November im Ständesaal zu seiner ersten öffentlichen Sitzung.
Unter dem Vorsitz des Alterspräsidenten Abg. Windel wurde zunächst mit der Prüfung der Wahlen der neu eingetretenen Mitglieder verfahren, welche sämmtlich als legal vollzogen be⸗ funden wurden.
Bei der hierauf vorgenommenen Präsidentenwahl wurde der Abg. Rhode mit 11 Stimmen gegen eine zum Präsidenten, der Abg. Waldeck ebenfalls mit 11 Stimmen gegen eine zum Vize⸗Präsidenten gewählt; sodann zur Vereidigung des Vor⸗ sitzenden durch den inzwischen erschienenen Landes⸗Direktor von Flottwell, der neu eingetretenen Abgeordneten durch den Vor⸗
tzenden, zur Wahl eines Schriftführers und endlich zur Zu⸗ sammensetzung der Ausschüsse geschritten.
Der Vorsitzende zeigte hiernächst als eingegangen an: 1) Schreiben des Landes⸗Direktors, die landständische Registra⸗ tur betreffend; 2) desgleichen, die Staatskassenrechnung vom Jahre 1869 betreffend; 3) Entwurf zu einem Abkommen zwischen Land und Dominium auf Grund der gepflogenen Abrechnung; 4) Uebereinkunft zwischen Land und Dominium, betreffend die Auseinandersetzung bezüglich der gegenseitigen An⸗ sprüche wegen der Dienst⸗Inventarienstücke der früheren gemein⸗ schaftlichen Behörden und der bis zum 1. Juni 1849 beschafften In⸗ ventarienstücke des früheren Ober⸗Justizamtes, Ober⸗Rentamts und des Steueramts zu Pyrmontr', sowie der Strafanstalt zu Schloß Waldeck, ferner wigen der in den Jahren 1849 bis 1867 zu den Bauten auf Schloß Waldeck verwendeten Hölzer, 5) Gesetz⸗ entwurf, die Befreiung der Fuhren mit Brenn⸗ und Bau⸗ materialien von Entrichtung des Chausseegeldes betreffend; 6) des⸗ gleichen, die Aufhebung der besonderen bei Intercessionen der Frauen geltenden Vorschriften betreffend; 7) desgleichen, die Abänderung des Gesetzes vom 24. September 1851 und des Gesetzes vom 20. Juli 1853 über die Erhebung der durch das definitive Kataster ermittelten Grundsteuer und die Erhaltung des definitiven Katasters, sowie die Berechnung und Umschrei⸗ bung der auf den Grundstücken ruhenden Lasten betreffend 8) desgleichen, die Zehrungskosten der gerichtlichen Boten und Exekutoren bei Besorgung von Dienstgeschäften in Parteisachen außerhalb des Gerichtsorts betreffend. Demnächst wurde die Sitzung geschlossen.
Elsaß⸗Lothringen, Straßburg, 9. November. Die Entschädigungen für die vom Bombardement heimgesuchten Einwohner dauern fort. Für den Wiederaufbau der neuen Kirche sind 800,000 Fr., für die Präfektur 650,000 Fr., die
Bibliothek 600,000 Fr., die Bildergallerie 600,000 Fr. und das
Theater 1,100,000 Fr. bewilligt.
Oesterreich Ungarn. Wien, 11. November. 8 Der Kaiser machte dem Grafen Beust beute einen halbstündigen
Besuch. — Der Gemeinderath der Stadt Teplitz verlieh dem Grafen Beust das Ehrenbürgerrecht. — Die Wiener Universität hat eine Abschiedsdeputation an den Grafen gesandt.
— 13. November. Hofrath Baron de Pont, bisheriger Referent in Ministerium des Aeußern über die orientalischen Angelegenheiten, soll, der »Presse« zufolge, zum Direktor des Kaiserlichen Kabinets designirt sein.
Pesth, 11. November. Einer Meldung des »Pesti Naplo⸗ zufolge hat Graf Andrassy im gestrigen Ministerrathe die Mit⸗ theilung gemacht, daß er das auswärtige Ministerium über⸗ nommen habe. — Bei der Erörterung über die Nachfolge in dem Präsidium des ungarischen Ministeriums sprachen sich sämmtliche Minister sowohl nach eigener Ansicht, als nach der herrschenden Parteistimmung für die Ministerpräsidentschaft Lonyay's aus. Andrassy erklärte, daß er sich dem Kaiser gegenüber in gleichem Sinne geäußert habe und daß seine An⸗ sicht der vollen Billigung des Monarchen begegnet sei. Diese
Erklärung des Ministerraths wurde sofort Lonyay telegraphi mitgetheilt und soll derselbe bereits heute hier eintreffen. — — In der gestrigen Sitzung des Unterhauses wurde das Jagdgesetz zu Ende berathen. — Heut war der Reichstag stark besucht, weil das Er⸗ scheinen Andrassy's erwartet wurde. Dieser kam jedoch nicht. Chorin (von der Linken) interpellirte den Justiz⸗Minister, ob es wahr sei, daß die radikale Umgestaltung der Civil⸗Pro⸗ zeßordnung abermals mit provisorischem Charakter beabsichtigt ist und ob hierdurch das Inslebentreten einer auf Oeffentlichkeit und Mündlichkeit basirten Civil⸗Prozeß⸗Ordnung verzögert wird. Der Justiz⸗Minister Bitto antwortete sofort, er habe die Kom mission beauftragt, die brennendsten Uebelstände der Civil⸗Pro⸗ zeßordnung zu bezeichnen; die Einführung der Mündlich⸗ keit und Oeffentlichkeit könne er zur Zeit noch nicht wagen. Dies werde erst die Krönung der Rechtspflege sein. Das Haus nahm diese Antwort einfach zur Kennt⸗ niß; Ernst Simonyi brachte zur Sprache, daß nach allge⸗ meiner Meldung der Minister⸗Präsident seine Stelle verlassen und das auswärtige Amt übernommen habe. Nach den Grund⸗ sätzen des Parlamentarismus müsse daher das ganze Ministe⸗ rium demissioniren, und wenn kein Ministerium vorhanden, auch das Haus sich vertagen, bis ein neues Ministerium sich gebildet hat. Er bittet daher um Aufklärung, da das Haus sonst nicht beisammenbleiben könne. — Der Minister Szlavy antwortete: Ich kann den Herren Abgeordneten mit Bestimmt⸗ heit mittheilen, daß Graf Andrassy scharf betont, daß er heute nicht Minister des Aeußern ist. — Der Zwischenfall ist damit
erledigt. Der Präses sprach als Beschluß des Hauses aus, daß nach Erledigung des Kontraktualisten⸗Gesetzes der Gewerbegesetz⸗ Entwurf auf die Tagesordnung kommt. Das Religionsgesetz ward den Sektionen zugewiesen. Hierauf wurde die Verhand⸗ lung des Kontraktualisten⸗Gesetz⸗Entwurfes begonnen.
Schweiz. Bern, 11. November. Der National⸗ rath hat die Anträge der Kommission, betreffend die Centra⸗ lisation des schweizerischen Militärwesens, mit großer Majorität angenommen. 8
Großbritannien und Irland. London, 13. Novem⸗ ber. Nach Berichten von Balmoral hat sich die Königin zur Stärkung ihrer Gesundheit wieder auf zwei Tage nach dem Glassalt⸗See begeben. Die Genesung Ihrer Majestät nimmt, dem »British Medical Journal« zufolge, ihren ununter⸗ brochenen Verlauf. — Der Prinz von Wales vollendete gestern sein 30. Lebensjahr. Der Geburtstag des Thronfolgers wurde in Windsor, wie in London mit den üblichen Loyalitäts- kundgebungen festlich begangen. Die Klubs und die Läden der Hoflieferanten im Westende waren am Abend prächtig illn- minirt. — Auf Schloß Sandringham, Norfolk, fand ein großer Ball statt, bei welchem außer dem Prinzen und der Prin⸗ zessin Ludwig von Hessen, dem Herzog von Edin⸗ burgh, dem Herzog von Cambridge, über 900 Personen, darunter sehr viele Mitglieder der hohen Aristokratie, die Gäste des Prinzlichen Paares waren.
— Der französische Botschafter am hiesigen Hofe, Herzog von Broglie, wird täglich hier behufs Wiederantritts seines Postens erwartet.
— Der haytische Gesandte in London stellt in Abrede, daß vermöge eines Vertrages zwischen Frankreich, England, Spanien und Hagyti, die Union der Antillen von einem diplo⸗ matischen Gesichtspunkte aus ein fait accompli geworden sei.
— Die amtliche »London Gazette« publizirt die Ernennung des Sir John Coleridge zum General⸗Prokurator (Attor⸗ nay⸗General) und des Herrn Jessel zum General⸗Fiskal (Solicitor⸗General).
— Die Offiziere des Genie⸗Corps in Chatham beab⸗ sichtigen, dem verstorbenen Feldmarschall Sir John Burgoyne, ihrem ehemaligen Chef, eine Statue zu errichten, die einen Platz in der militärischen Ingenieurschule in Chatham er⸗ halten soll.
Frankreich. Paris, 10. November. Ein Rundschreiben des Kriegs⸗Ministers legt allen Offizieren des Genie⸗Corps eine Reihe von 40 Fragen vor, welche die Reorganisation ihrer Waffe betreffen. Es handelt sich namentlich darum, sich darüber klar zu werden, ob die Eintheilung des Genie⸗Corps in Regimenter oder in Bataillone mit Compagnieformation vorzuziehen sei.
Die Artillerie⸗Offiziere ihrerseits haben Auskunft zu geben über
das Artillerie⸗Material, welches während des Feldzugs zur Ver⸗ wendung gekommen ist. — Der »Nappel« erfährt Folgendes über die Arbeiten der aus 42 Deputirten bestehenden Kom⸗ ission für die Armee⸗Reorganisation. Die bereits bekannten General⸗Dispositionen dieser Gesetzesvorlage, welche die allgemeine Wehrpflicht einführen, sind in nachstehender
Weise von der Kommission ergänzt worden: Alljähr⸗