1 der Staaten bin,
men, daß der erste Schritt, den man zweckmäßig thun muf, der sein wird, die Unbegrenztheit der Kreirung von Mark Bankos zu beseiti⸗ gen. Ich bitte Sie also, den Antrag, wie er gestellt ist, ablehnen zu
wollen. Nach dem Abg. Schön bemerkte der Staats⸗Minister
Delbrück: Meine Herren! Ich habe vielleicht irrthümlich den Ausdruck
»Bankverwaltung« gebraucht. Es ist dies möglich. Bekannt ist mir gewesen, daß in dem Sinne, wie man sonst von Bankverwaltung spricht, von der Hamburger Bank nicht gesprochen werden kann. Ich glaube aber, daß die Verhältnisse, wie sie der Herr Abgeordnete von Hamburg eben richtig dargestellt hat, nur das Argument verstärken, das ich gebraucht habe. Denn man hat es eben nicht mit der Spe⸗ kulation einer einzelnen Verwaltung, sondern des gesammten Han⸗ delsstandes zu thun. “
— Zu §. 8 äußerte der Staats⸗Minister Delbrück über das Mosle'sche Amendement:
Meine Herren! Nach meiner Ansicht ist der vom Hrn. Abgeord⸗ neten für Bremen vorgeschlagene Paragraph überflüssig, und weil er überflüssig ist, ist er auch, glaube ich, nicht rathsam. Wenn ein Ge⸗ setz, wie das vorliegende, damit beginnt, daß es sagt, es wird eine Reichsgoldmünze ausgeprägt von der und der Beschaffenheit, der zehnte Theil der Goldmünze wird Mark genannt und in 100 Pfenninge getheilt, wenn ferner ein bestimmtes Reduktionsverhältniß dieser Münze zu den bestehenden Landesmünzen festgestellt wird, so versteht es sich meiner Ansicht nach ganz von selbst, daß Verträge, die auf die neue Münze und deren Theilstücke lauten, geschlossen werden koͤnnen und klagbar sind. Ich balte aus diesem Grunde das erste Alinea des Vorschlags der Herren Abgeordneten für Bremen für überflüssig. Was das zweite Alinea anlangt, welches sich bezieht auf die Führung kaufmännischer Bücher, so ist dieses Alinco, soweit meine Kenntniß reicht, ebenfalls überflüssig. Das Handelsgesetzbuch enthält nichts, keine Bestimmung, welche irgendwie so gedeutet werden könnte, als ob die Führung kaufmännischer Bücher in Mark unzulässig wäre. Ich kann im Augenblicke nicht übersehen, ob in einem der zahlreichen Einfüh⸗ rungsgesetze zum Handelsgesetzbuche, welche in den einzelnen Bundes⸗
aaten ergangen sind, sich etwa eine Bestimmung vorfindet, welche iese Rechnungsführung ausschlösse.
Wenn also der Herr Abgeordnete für Bremen in dieser Be⸗ ziehung seinen Antrag näher begründen würde, so würde ich mir allerdings eventuell eine andere Aeußerung vocbehalten; begründet er ihn aber blos aus der Vorschrift des Handelsgesetzbuches, so halte ich auch diesen Theil des Antrags nicht für noͤthig und bitte deshalb, den Antrag abzulehnen. 8
Auf die erneuerte Anfrage des Abg. Mosle, ob künftig die Mark als Rechnungseinheit werde festgehalten werden, erwiderte
der Staats⸗Minister Delbrück:
Meine Herren! Ich kann mich nicht für berufen halten, eine authentische Interpretation über Beschlüsse zu geben, die die verbün⸗ deten Regierungen gemeinschaftlich mit dem Hause fassen werden. Daß eine Aenderung des jetzt vorliegen den Gesetzes nicht ohne ein Gesetz erfolgen kann, versteht sich von selbst, und was aus dem jetzt vorliegenden Gesetze folgt, das, glaube ich, ergiebt dessen Inhalt.
— Zu §. 9 nahm der Staats⸗Minister Camphausen nach dem Abg. Dr. Bamberger das Wort:
Meine Herren! Durch die letzte Aeußerung des Herrn Vorredners könnte ich mich dessen vielleicht für überhoben erachten, über Anträge
nooch zu sprechen, die zurückgezogen sind. Ich will das auch vermeiden,
aber ich will eins noch thun, daß ich ein anscheinendes Mißverständniß des Herrn Vorredners zu heben suche. Es ist ein alter Satz, daß Rom nicht an Einem Tage erbaut sei, und als wir diese Gesetzes⸗ vorlage in einer wahrlich nicht ausgiebig bemessenen Zeit zu berathen hatten, da haben wir uns die Aufgabe gestellt, keinen Schritt zu thun, der dem definitiven System hindernd in den Weg treten könnte, und viele Schritte vorläufig zu unterlassen, die eine spätere Zukunft noch zu joͤsen haben wird. Wenn man den Debatten in diesem Hause beiwohnt, dann möchte man beinahe versucht sein zu glauben, wenn heute dekretirt wird, morgen werde eine Goldmünze geschaffen, dann sei sie übermorgen da. Es wird aber ein ziemlicher Zeitraum nöͤthig sein, um so viel Goldmünzen ausprägen zu können, um auch nur die Anfänge der Sättigung des deutschen Marktes mit Goldmünzen herbeizuführen. Es ist ja an die Spitze sämmtlicher Verhandlungen gestellt worden, daß dem provisorischen Gesetze ein definitives folgen würde. Wie wollen Sie nun von uns verlangen, daß wir in diesem provisorischen Gesetze schon alle die Haupifragen entscheiden sollen, die das definitive Gesetz lösen wird? Wenn der geehrte Herr Vorredner sich des Ausdruckes bediente, ich sei mit mir noch nicht einig, was da zu thun so scheint er wieder mich zum Reichs⸗Finanz⸗Minister zu haben, während ich nur Bevollmächtigter eines die im Reiche vertreten sind, und ich ab⸗ solut nicht berechtigt bin, hier im Namen der verbündeten Regierungen eine Meinung auszusprechen, während die verbündeten Regierungen bis heute einen Beschluß über diese Sache noch nicht ge⸗ faßt haben. Wenn aber aus diesem Ausspruche nun gefolgert wird in feierlicher Weise, nun ist das alles verworfen, dann, meine Herren, Tht dieser Schluß, wie mir scheint, über sein Ziel hinaus. Ich bitte ie, das Gesetz als das nehmen zu wollen, als was es sich giebt, als ein provisorisches Gesetz, dem das definitive Gesetz folgen muß.
Nachdem der Abg. Lasker erklärt, daß er den Bamberger⸗
schen Antrag wieder aufnehme, fuhr der Staats⸗Minister
Camphausen fort:
Unter diesen Umständen muß ich mir erlauben, auf den Antrag, der unter Nr. 7 gestellt und von dem ich unterstelle, daß er gegen⸗
wärtig allein zur Diskussion kommt, noch mit einigen Worten zurück⸗
zukommen. Da muß ich nun allerdings anführen, daß der Passus, um den es sich handelt, ebenfalls ein Gegenstand des Kompromisses war. Damit ist nicht ausgesprochen, daß nun jede Erörterung des Passus untersagt sei, sondern es wird vielmehr nur konstatirt, daß, indem de verbündeten Regierungen sich dazu entschlossen, die Landeshoheit in der Münzsache in dem Umfange, wie es vor⸗ geschlagen, anzuerkennen, sie sich zu der Ansicht bekannten, daß das, was im ursprünglichen Entwurfe lediglich und allein dem Reiche zugewiesen war, nunmehr auch dem Territorialstaate, für dessen Rechnung die Ausprägung erfolgt, dessen Münzen das Bild des ve⸗ treffenden Landes herrn tragen, die Kosten für die Einziehung der nicht mehr das Passirgewicht erreichenden Münzen zur Last zu legen seien. Es schien uns das wesentlich mit dafür zu bürgen, daß bei allen Münzstätten in den verschiedenen Territorien stets mit der größten Sorgfalt verfahren werde; es schien uns ein wichtiges Korrektivmittel dafür zu sein, daß vom Toleranzgewichte, was bei allen Ausmünzun⸗ gen zugelassen werden muß, was nicht zu vermeiden ist, nicht etwa einmal bei einer Münzstätte ein Mißbrauch damit getrieben werde, daß man sich bemühe, Münzen zu prägen, die gerade das Toleranz⸗ gewicht haben und nicht das Vollgewicht, wie es der Gesetzentwurf vorsieht. Ich kann nur dringend bitten, den Antrag, wie ihn Nr. 7 stellt, abzulehnen.
Nach dem Abg. Lasker fügte der Staats⸗Minister Camp⸗ hausen noch hinzu:
Ich bedaure, daß ich der Auffassung des geehrten Herrn Vorred⸗ ners entgegentreten muß. Zunächst will ich hervorheben, daß es ein vollständiges Mißverständniß ist, wenn die Meinung bestehen kann, daß es sich nicht mehr um eine Reichsmünze handeln, und daß es denkbar sein sollte, daß in irgend einem deutschen Staate die Münzen an den Kassen nicht angenommen werden dürften. Ich will aner⸗ kennen, daß die Fassung des § 9 in dem Punkte, der schon in der General⸗Diskussion seitens der Herren Abgg. Braun⸗Gera und Prince⸗ Smith angeregt worden ist, allerdings einer Verbesserung bedarf, und ich nehme nicht Anstand, mich mit dem Antrage unter 7b. einver⸗ standen zu erklären, wenn hinter den Worten »bei allen Kassen des Reiche« — »und« eingeschoben wird, so daß es heißt: »bei allen Kassen des Reichs und der Bundesstaaten«. Insoweit kann ich also dem geehrten Herrn Abgeordneten entgegenkommen und die irrige Auf⸗ fassung, die sich an seine Worte knüpfte, beseitigen.
Was dagegen den ersten Theil des Antrages a betrifft, so muß ich bei der früheren Bemerkung stehen bleiben, daß es dem in §. 5. angenommenen System entspricht, dig Bestimmungen zu treffen, die Ihnen die verbündeten Regierungen in Vorschlag gebracht haben. Wenn der grehrte Herr Redner daran erinnert, daß wir hier nicht das Verhältniß hätten wie am Bundestage, so acceptire ich das vell⸗ kommenz; ich habe ja vorhin, obschon es mir eigentlich überflüssig erschien, mich dagegen zu verwahren, ausgesprochen, daß ich dem Ausdruck: Kompromiß meinerseits durchaus nicht die Bedeutung beilege, daß der Reichstag irgendwie behindert sei, etwas anderes zu beschließen, daß ich mit dem Ausdruck nichts gethan habe, als zu konstatiren, daß nach vorheriger Berathung des in §. 5 angenommenen Systems man eben übereingekommen war, auch die gedachte Bestimmung zu treffen, die im § 9 enthalten ist.
Nach dem Abg. Dr. Braun nahm der Staats⸗Minister Camphausen noch einmal das Wort:
Der praktische Unterschied ist nicht ganz gering; ich habe die Gründe dafür schon vorher angegeben, ich will sie jetzt nicht wieder⸗ holen. Ich ergreife nur noch das Wort, um mich gegen den Herrn Abg. Braun (Gera) zu verwahren. Ich habe gegen den zweiten Ab⸗ satz des §. 7 nicht Anfangs Widerspruch erhoben und denselben nach⸗ her zurückgenommen; ich habe blos bei meiner Aeußerung übersehen, ausdrücklich hervorzuheben, daß sie nur auf §. 7 sub a Bezug haben sollte, und daß ich noch zu dem §. 7b hätte sprechen sollen, — meine Ansicht selbst ist völlig unverändert geblieben.
— Zu §. 10 Äußerte sich der Staats⸗Minister Delbrück
über das Grumbrechtsche Amendement: Meine Herren, es ist nicht meine Absicht, gegen den Ihnen vor⸗ F. neuen Paragraphen mich auszusprechen, es ist nur meine bsicht, Ihnen die Annahme des von dem Abgeordneten für Harburg gestellten Amendements zu empfehlen und zwar rein aus praktischen Gründen. Die Herren können beschließen, es sollen überhaupt keine Silbermünzen, auch keine Scheidemünzen mehr geprägt werden, wir werden vielleicht auch das Gesetz so annehmen; aber wir werden Ihnen dann in der nächsten Reichstagssession eine Novelle bringen, bringen müssen und auf das Vollständigste motiviren können, wonach es ganz unabweislich ist, diese Beschränkung wieder aufzuheben. Es handelt sich hier um die Scheidemünzen, um die Münzen, die der kleinste Verkehr braucht, die nicht ersetzt werden können durch irgend welche in den Verkehr kommende Goldmünze, um Münzen, die für den kleinen Verkehr gerade so nothwendig sind wie das tägliche Brod. Die preufische iee welche bekanntlich sehr furgcggetens mit der Ausprägung der Scheidemünzen von jeher gewesen ist, ist wiederholt und jedes Jahr in der Lage, den dringen⸗ den Anträgen der Provinzialbehörden, die aus der Wahrnehmung des kleinen Verkehrs hergenommen worden sind, zu entsprechen und Scheidemünzen prägen zu lassen und in die Landestheile zu senden, wo der Bedarf obwaltet. Das ist Etwas, was sich Jahr für Jahr wiederholt und was, Sie mͤgen hier bestimmen, was Sie wollen, ch wiederholen und Geltung verschaffen wird. Aus diesem Grunde, m Interesse einer rationellen Gesetzgebung, die nicht heute Etwas beschließen will, was sie nach einem halben Jahre wieder ändern muß, muß ich Sie bitten, das Amendement des Herrn Abgeordneten für Harburg anzunehmen
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—— Zu §. II erklärte der Staats⸗Minister Delbrück auf eine des Abg. Dr. Bamberger:
Meine Herren! Eine solche kategorische Erklärung zu geben bin ich nicht in der Lage. Es kann nicht meine Aufgabe sein, hier etwa persönliche Ansichten auszusprechen. Ueber das Amendement selbst und über die dazu einzunehmende Stellung ist der Bundesrath einen Beschluß zu fassen noch nicht in der Lage gewesen. Es wird die dritte Lesung Gelegenheit geben, Stellung zu nehmen.
— In Betreff der Bambergerschen Resolution bemerkte der Staats⸗Minister Delbrück:
Meine Herren! Ich würde zum vorliegenden Antrage das Wort nicht nehmen, wenn er nicht in seinem Eingange die Worte enthielte: in der näͤchsten Session«. Es ist das ja die Formel, mit der her⸗ gebrachter Weise eine solche Resolution anfängt, und sie hat ihre volle Berechtigung, wenn man sich in einer regulären Sessionsperiode befindet, wenn also zwischen einer Session und der nächsten eine, für die Ausarbeitung eines großen und wichtigen Gesetzes genügende Zeit liegt. Wann der Reichstag wieder zusammentreten wird, vermag ich allerdings nicht zu bestimmen, indessen ist es mir recht wahrscheinlich, daß es im Anfange des nächsten Frühjahres sein wird, also in weni⸗ gen Monaten. Ob es in diesen wenigen Monaten möglich sein wird, der Resolution zu entsprechen, dafür kann ich keine Gewähr über⸗ nehmen.
Kunst und Wissenschaft.
Berlin, 20. November. Am Sonnabend gelangte im König⸗ lichen Schauspielhause zur ersten Aufführung »Aus der römischen Geschichte⸗, Proverbe in einem Aufzug, in Scene gesetzt vom Di⸗ rektor Hein. Hierauf, neu einstudirt: »Der Winkelschreiber«, Lustspiel in 4 Aufzügen, nach einer Idee des Terenz von A. von Winterfeld, in Scene gesetzt vom Direktor Hein.
Die kleine Novität ist eine harmlose Plauderei nach französischem Muster, deren Inhalt sich schwer wiedergeben läßt, weil dabei eben die Form mehr gilt als der Inhalt. Fräulein Keßler (eine russische Dame) und Herr Berndal (ein kurländischer Baron) brachten den geistvollen Dialog trefflich zur Geltung, und wenn das Publikum zum Theil am Schlusse eine kühle Haltung beobachtete, so entsprang dieselbe wohl vorwiegend aus der Enttäuschung, daß der Baron nicht sich selbst mit der Dame verlobte, sondern für seinen hinter der Cou⸗ lisse bleibenden Freund plaidirte. — Das folgende ältere, neu einstudirte Lustspiel: »Der Winkelschreiber«, vermochte die Theilnahme des Publikums nicht in dem Grade zu gewinnen, trotz des trefflichen Spiels der Frau Frieb⸗Blumauer (Amalie), der Herren Doͤring (Kanzlei⸗ Rath), Oberländer (Knifflich), Kahle (Helfreich), Hilt! (Adam). — Auf dem Wiener Hofburg⸗Theater und überhaupt im Oesterreichischen gehört »der Winkelschrei er« zu den oft und gern geschenen Stücken, und Heinrich Laube in seinem »Burgtheater« spricht sich auch darüber anerkennend aus; auch das nach ebenso streng künstlerischen Prinzipien ge⸗ leitete Hoftheater zu Oldenburg hat den. »Winkelschreiber« neuerdings mit Erfolg seinem Repertoir wieder einverleibt. Deshalb dürfte dem Fenace das Stück wieder zu beleben, auch hier der Erfolg nicht ehlen. — Gestern fand im Konzert⸗Saale des Königlichen Schau⸗ spielhauses der dritte und letzte Vortrag des Dr. Ludwig Nohl aus München über das deutsche Musikdrama statt. Derselbe hatte Richard Wagner zum Gegenstande und besprach den Bildungsgang dieses Komponisten und seine Hauptwerke nach folgenden Gesichtspunkten: Wagners erste künstlerische Produk⸗ tionen. Berührung mit Weber und Beethoven. Die Feen. Die neuere italienische und französische Oper. Das Liebesverbot oder die Novize von Palermo. Reise von Riga nach Paris. Das nationale und politische Eklement in der Pariser Oper. Chzerubini, Spontini, Auber, Rossini, Meyerbeer. Rienzi, der letzte der Tribunen. Der fliegende Holländer. Rückkehr in die Heimath. Die deutsche Sagen⸗ welt. Tannhäuser. Lohengrin. Die Meistersinger von Nürnberg. Siegfried. Revolution in Leben und Kunst. Wiland der Schmied. Tristan und Isolde. Das deutsche Nationalfestsplel: Der Ring der
Nibelungen. WW“ 1 — Aus alten Tagen der Stadt Burg und militärische Tra⸗
ditionen der Garnison Burg, ein militärisch⸗bürgerliches Lebensbild aus dem vorigen Jahrhundert von Arnold Helmuth, ist im Ver⸗ lage von August Hopfer daselbst erschienen. Das Buch verdankt seine Entstehung einigen Vorträgen, welche der Verfasser, Hauptmann und Compagnie⸗Chef im 2. Magdeburgischen Infanterie⸗Regiment Nr. 27, zuerst im Kreise des Offiziercorps in Burg, später in der militärischen Gesellschaft zu Magdeburg gehalten, und in denen der⸗ selbe eine kurze Skizze der geschichtlichen Entwicklung der Stadt Burg als Einleitung gegeben und schließlich Nachforschungen über die mili⸗ tärischen Verhältnisse Burgs in früherer Zeit zusammengestellt hat. — Von Frau Marie Simon in Dresden, bekannt durch ihre ver⸗ dienstvolle Thätigkeit während des Krieges, werden die Briefe und Tagebuchblätter der Oeffentlichkeit übergeben, welche sie auf dem Kriegsschauplatze in Frankreich niederschrieb. Das Buch erscheint noch vor Weihnachten im Verlage von F. A. Brockhaus in Leipzig. Wir behalten uns vor, auf dasselbe nach dem Erscheinen zurück⸗ zukommen. — Der Peninsular⸗ und Oriental⸗Dampfer »Mirzapoere«, mit der englischen Expedition zur Beobachtung der Sonnen⸗ finsterniß, unter Führung des Herrn Lockyer an Bord, war nach einer der »Daily News« zugegangenen Mittheilung am 10. ds. nach einer gluͤcklichen Passage des Suezkanals in Suez angekommen. Seit der Abfahrt von Malta am 4. d. begünstiagte das Wetter den Versuch mit den astronomischen Instrumenten und die Vorkehrungen für die vorzunehmenden Beobachtungen. Dier Expeditton gedenkt, am 25. Ceylon zu erreichen. .
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— Mehrere englische Schriftsteller, darunter Carlyle, Disraeli, Tom Taylor und der Herzog von Argyll, senden Exemplare ihrer Werke nach Chicago als Ersatz für den durch die Vernichtung der Bibliothek erlittenen Verlust. Mr. Forster, der Chef des Unterrichts⸗ wesens, sendet je ein Exemplar der Werke seines verstorbenen Schwieger⸗ vaters Dr. Arnold.
Landwirthschaft.
„Berlin. In der Sitzung vom 15. November hat der stän⸗ dige Ausschuß des Landes⸗Oekonomie⸗Kollegiums sich zu⸗ nächst mit dem Antrage des General⸗Sekretärs, Geheimen Regie⸗ rungs-Raths v. Salvtatt, beschäftigt:
»Der Ausschuß wolle dem Plenum vorschlagen: den Herrn Minister für die landwirthschaftlichen Angelegenheiten zu bitten, dem Herrn Vorsitzenden des Kollegiums zu beauftragen, den wesentlichen Inhalt der auf die Anträge des Kollegiums eingehenden Bescheide, sowie alle sonst geeignet scheinenden Mittheilungen thunlichst vor Er⸗ 8 der Sitzungen gedruckt zur Kenntnißnahme der Mitglieder zu
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Nachdem dieser Antrag angenommen war, wendete sich der Aus⸗ schuß nachstehendem Antrage des Herrn v. Wedemeyer u. Genossen zu:
»„In Erwägung, daß das Landes⸗Oekonomie⸗Kollegium, wenn es seine Aufgabe, eine lebendige Vertretung der landwirtbschaftlichen In⸗ teressen darzustellen, erfͤllen will, sich nicht darauf beschränken darf, eine abwartende Stellung einzunehmen, sondern auf die brennendsten Fragen aus eigener Initiative hinzuweisen verpflichtet ist, wolle das Landes⸗Oekonomie⸗Kollegium beschließen, den Herrn Minister zu ersuchen, bereits in der nächsten Session mehrere der dringendsten Fragen für die Verhandlungen des Landes⸗Oekonomie⸗Kollegiums vorzubereiten, und bezeichnet als solche: die Vorlage der neuen Sub⸗ hastations⸗Ordnung, die Vorlage der neuen Hypotheken⸗Ordnung, die Frage: Welche Modifikationen des Zolltarifs sind im Interesse der Landwirthschaft erforderlich; die Frage: Welchen nachtheiligen Ein⸗ fluß uͤbt die Schlacht⸗ und Mahlsteuer auf die Landwirthschaft aus? die Frage: Welchen nachtheiligen Einfluß auf die Landwirthschaft und somit auf den Nationalwohlstand übt unsere Erbgesetzgebung aus? die Frage: Welche Maßregeln sind zur Hebung der Landespferdezucht zu ergreifen, und wie sind insonderheit die Bestimmungen über die Bildung der Zuchtvereine zu modifiziren, wenn sie dem Zwecke: durch die aufgewandten Staatsmittel die Landespferdezucht nach Möglichkeit zu heben, in vollem Maße entsprechen sollen?
In der General⸗Debatte machte sich allgemein die Ansicht geltend, daß es unmöglich sein werde, auf die Materie der gestellten Anträge im Ausschuß einzugehen, da es an jeder Vorbereitung fehle, anderer⸗ selts einzelne Fragen bereits erledigt oder in der Erledigung begriffen eien — Subhastations⸗Ordnung, Hypotheken⸗Ordnung, Förderung der Pferdezucht. Auch war man nicht überall mit der Form der gestellten Anträge einverstanden. — Es wurde nachstehender Antrag des Herrn von Schorlemer angenommen: »Den Herrn Minister zu bitten, die Gesetzentwürfe, betreffend Aenderung der Subhastations⸗ Ordnung und eine neue Hypotheken⸗Ordnung, bevor sie im Staats⸗ Ministerium berathen werden, dem Landes⸗Oekonomie⸗Kollegium vorzulegen.“; — Bei der Berathung über den Antrag des Herrn von Wedemeyer, betreffend zu erstrebende Modifikation des Zoll⸗ Tarifs, wurde vorzugsweise die Frage der Ermäßigung resp. Beseitigung der Eisenzölle, welche der Landwirthschaft besonders nachtheilig seien, erörtert. — Im Laufe der Debatte wurden neben dem Prinzipal⸗Antrage des Herrn von Wedemeyer noch nachstehende Anträge gestellt: von Herrn v. Nathusius⸗Königsborn: »Kollegium möge baldmöglichst in Prüfung derjenigen Grundsätze eingehen, welche die Interessen der Landwirthschaft bei der Tarifirung der Zölle erfordern;⸗ von Herrn v. Schorlemer: »dem Plenum vor⸗ zuschlagen, den Herrn Minister für die landwirthschaftlichen Angele⸗ genheiten zu bitten, beim Staats⸗Ministerium dahin zu wirken, daß der Zoll auf Roheisen, Stabeisen und landwirthschaftliche Maschinen schleunigst aufgehoben werde.⸗«
Durch Annahme des Antrages des Herrn v. Nathusius⸗Königs⸗ born wurden die übrigen Anträge erledigt, d. h. abgelehnt. — Der Antrag des Herrn v. Wedemeyer, betreffend die Mahl⸗ und Schlacht⸗ steuer, wurde in die Berathung des Antrags des Herrn Sombart: »Reform der Steuergesetzgebung« als dahin gehoͤrig verwiesen. — Eine längere Debatte rief der Antrag des Herrn v. Wedemeyer, be⸗ treffend die Erbgesetzgebung, hervor. Zur Beschlußfassung wurden folgende Anträge gestellt: der Prinzipal⸗Antrag des Herrn v. Wede⸗ meyer; der Antrag des Herrn v. Schorlemer: Kollegium moööge die Frage einer Prüfung unterziehen: Welchen nachtheiligen Einfluß unsere Gesetzgebung bezüglich des Besitzwechsels, der Zerstückelung wie der Verschuldung des Grundbesitzes, somit auch auf die Landwirthschaft und den National⸗Wohlstand hat?« der Antrag des Herrn Spangenberg: »Kollegium möge die Frage erörtern: Erwachsen der Landwirthschaft aus dem Grundsatz der unbedingten Dispositions⸗ befugniß hinsichtlich des Grundbesitzes Nachtheile?«
Der erste und dritte Antrag wurde abgelehnt, der zweite dagege angenommen. 8
(Gewerbe und Handel.
tuttgart, 12. November. Nachdem gestern die Aufnahme⸗ prüfung statigefunden, wurde, wie bereits gemeldet, heute Vormittag in den neu hergerichteten Lokalitäten des früheren Hallberger'schen Druckereigebäudes die höhere Handelsschule croͤffnet. Ein zahl⸗ reiches Publikum hatte sich eingefunden, unter demselben viele hochge⸗
stellte Persönlichkeiten. Die eine der Klassen war festlich mit der Büste des Koͤnigs und den Landesfarben geschmückt. Der stellvertre⸗ tende Vorstand des Gründungskomites schilderte in seiner Rede die Entstehung der Anstalt, und der Direkter derselben, früher in der
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