welche man sieht, Folgen der Genehmigung des fraglichen Ver⸗ sein, 9 wenn sie bestehen könnten, so sei es doch klar, daß sie nicht aus der Genehmigung des Vertrages von Seiten Chili’s hervorgingen, sondern auch ohne dieselbe entstehen wür⸗ den, ja, sie schwebten bereits über der Republik; denn in dem Augenblicke, in welchem er spreche, sei der Waffenstillstands⸗Ver⸗
trag ohne Zweifel bereits von den übrigen Republiken und
Spanien ratifizirt: der chilenische Minister zu Washington habe angezeigt, daß bereits alle übrigen Minister, welche den Ver⸗ trag unterzeichnet hätten, ermächtigt seien, ihn zu ratifiziren, und da der zweite Termin für diese Handlung am 11. des gegenwärtigen Monats ablaufe und der außerordentliche Termin, welcher ihm folge, nur für Diejenigen gestellt sei, welche wegen Hindernisse, die von ihrem Willen unabhängig seien, nicht früher hätten ratifiziren können, so sei anzunehmen, daß der Vertrag vor dem 11. des gegenwärtigen Monats von Allen, mit Ausnahme Chili’s, ratifizirt worden sei. Vielleicht seien bereits zu dieser Stunde die Handelsbeziehungen zwischen einem der Verbündeten und Spanien wiederhergestellt. Könne Chili verhindern, daß dies geschehen sei, indem es dem Vertrage seine Zustimmung verweigere?
58 n Argumente, fuhr Herr Altamirano fort, könnten aug aus anderen Gründen nicht angenommen wer⸗ der: nach Unterzeichnung und Ratifikation des Vertrages müsse man annehmen, daß er werde erfüllet werden; die Heiligkeit des verpfändeten Wortes verpflichte die Nationen wie die Einzelnen. Man wende gegen den Vertrag ein, er enthalte keine Gewähr für seine getreue Erfüllung von Seiten Spaniens, daß, wenn der Minister der Vereinigten Staaten ihn gefördert, er sorgfältig darauf aufmerksam gemacht habe, daß er für keinen der Vertragenden Bürge sei. Jedoch, trotz solchen Vor⸗ behaltes sei es nicht weniger unzweifelhaft, daß die Zwischen⸗ kunft der Vereinigten Staaten eine achtbare Gewähr bedeute; selbst wenn er von letzterer absehe, frage er doch, ob trotz eine vor der ganzen Welt feierlich unterzeichneten Vertrages, trotz der moralischen Gewähr der Vereinigten Staaten die Gefahr eines verrätherischen Angriffes bestehe; und werde Chilt dieser Gefahr entgehen, wenn es den Vertrag verwerfe? Stehe es nicht Spanien frei, es mhrgen oder in jedem von ihm gewähl⸗
ten Augenblicke anzugreifen? — “ Gegen die Bene h „daß die Notifikation der Kündigung durch die Vermittelung der Vereinigten Staaten geschehe, er⸗
hebe man den Einwand, daß se, her? ⸗llerditas entsage es zu machen, aber die
der Befugniß, Krieg während drei Jahre selbe Entsagung werde Spanien auferlegt; die Einwilligung arin sei gegenseitig und mit freiem Willen angenommen; wenn man nach der Weise der betreffenden Berichterstatter argumentire, so beeinträchtige jeder Vertrag die Souveränität.
Die dritte Bestimmung des Vertrages stelle fest, daß
Chili wärend des Waffenstillstandes die Befugniß habe, frei mit den Neutralen in allen Artikeln Handel zu treiben, welche während des Friedens Gegenstand des erlaubten Handels seien: es sei gegenwärtig entwaffnet einem Feinde gegenüber, welcher Herr einer mächtigen Kriegsmarine sei; es liege eben so sehr in seinem Interesse, daß diese Lage sich ändere, als in demjeni⸗ gen Spaniens, daß sie unverändert fortbestehe; ohne den Ver⸗ trag stoße es auf ernste Schwierigkeiten, sich zu bewaffnen, mit dem Vertrage seien alle Märkte ihm offen; es sei nicht Spanien, welches Kriegsschiffe zu kaufen brauche, es sei Chili.
Herr Altamirano erinnerte am Schlusse seiner Rede daran, daß die Kammer den Vertrag genehmigen müsse, nicht allein weil er Chili's Interesse entspreche und seine Ehre sicherstelle, sondern auch weil die im Protokolle von Lima eingegangene Uebereinkunft es dazu verpflichte; sie sei von der Regierung der Republik genehmigt worden, die den Bericht erstatten⸗ den Abgeordneten erkennten an, daß die Diplomaten von Washington die in der Konferenz von Lima gezogene Grenze nicht überschritten hätten; seit vier Jahren wisse der Kongreß und das Land, daß die Regierung verhandele, um zu einem Vertrage zu gelangen, welcher auf der Basis des gegenwärtigen bestehe; warum erscheine das, was im Jahre 1869 annehmbar und angemessen war, jetzt so anders, als ob es der Ehre und der äußeren Sicherheit der Nation entgegenstehe; die Kammer möge wohl bedenken, daß indem Chilt heute nicht genehmige, was es gestern angenommen habe, es sich in eine Lage voll Verlegenheiten versetze.
Nachdem das Mitglied der Kommission, Arteaga Alemyarte die in dem Berichte der ultraliberalen Fraktion der letzteren gegen den Vertrag vorgebrachten Argumente wieder⸗ holt und der Präsident der Kammer, Amunategui, sie von neuem als unzutreffend zurückgewiesen hatte, ward die Sitzung aufgehoben, und die Berathung des Vertrages ist bis jetzt nicht wieder erneuert worden. 1
1 8
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kommt es mir keineswegs allein an.
ist vor allen Dingen, dahin zu wirken, sucht wird, daß nicht durch allen Umständen auch Umständen. scheidenden Momente
9 Neichstags⸗Angelegenheiten. 8
Berlin, 1. Dezember. In der gestrigen 35. Sitzung dg Reichstages nahm in der zweiten Berathung des Gesetzentwurst betreffend die Friedenspräsenzstärke des deutsche Heeres, zu dem Amendement der Abgg. Miquél, Dr. Bam berger und v. Unruh nach dem Abg. Dr. Bamberger der Staats⸗Minister Delbrück das Wort:
Meine Herren! Ich würde dem Rath des Herrn Abgeordneten für Mainz bei der vorliegenden Frage, doch ja die Polttik aus dem Spiele zu lassen, für meine Person sehr gern folgen. Ich kann v nicht, weil in der That die hier vorliegende Frage von politischen Erwägungen vollkommen nicht zu trennen ist. Ich muß meinerseitz so ungern ich es thue, auf diese politischen Erwägungen ei gehen Ungern thue ich es deshalb, weil ich mir sehr wohl bewußt bin, daß das, was von dieser Seite zu sagen ist, sehr viel besser und schr piel wirkungsvoller gesagt werden würde, wenn der Herr Reicht⸗ kanzler durch sein Unwohlsein nicht verhindert wäre, hier zu erscheinm Ich werde versuchen, die Gedanken, die er hier ausgesprochen haben würde, so gut ich kann, wiederzugeben.
Für die verbündeten Regierungen liegt der politische Werth da Vorlage, welche sie jetzt gemacht haben, darin, daß die ganze Welt durch die Annahme dieser Vorlage weiß, daß Deutschland im Jahre 1874 ganz ebenso, unter allen eFen ebenso geruͤstet dastehen werde, wie es heutte
asteht.
Die verbündeten Regierungen gehen keineswess von der Ansicht aus, daß jetzt unmittelbar eine imminente Kriegsgefahr por⸗ handen wäre. Sie können aber ebensowenig der Meinung stin, welche gestern der Herr Abgeordnete für Meiningen aussprach, daß nun, nach dem glücklich geführten Kriege und dem vortheilhaft geschlossenen Frieden der Friede für längere Zeit garantirt sei. Sie können es deshalb nicht, weil der Friede zwar geschlossen, indessen in einem sehr wesentlichen Theile, wie männiglich bekannt, nicht aus⸗
geführt ist — noch nicht ausgeführt ist. Er braucht ja erst ausgefuhrt
zu werden in dieser Beziehung im März 1874.
Meine Herren! Ich glaube, jeder von Ihnen wird aus der Lel⸗ türe der Zeitungen und aus mündlichen Mittheilungen wissen, daß im franzosischen Volk eine starke Strömung vorhanden ist, welche zu dem hintreibt, was man »Revanche« nennt, dazu hintreibt mit einem ganz bestimmten Termin, nämlich vor eder mit dem Tage der Zahlung der letzten 3 Milliarden. Später hätte sie ja weniger Bedeutung. Dst gegenwaͤrtige franzöͤsische Regierung ist dieser Strͤmung vollständig fremd. ir haben von jeher das beste Vertrauen zu ihr gehabt daß sie die von ihr eingegangenen Vexträae loval und vonlständig Ffaͤc n will. znd Sichts in binetre 1n dieses Vertrauen in die gegen⸗ ro 8 franzoͤffsche Regierung zu erschüttern.
Indessen, meine Herren, kennen Sie alle die Lage unseres Nac⸗ barlan des genug, mit einem von Natur lebhaften und von einem berechtigten Nationalstolz erfüllten Volk, welches nach schweren Er⸗ schütterungen seinen Schwerpunkt zu finden sucht. Ob es diesen Schwerpunkt jetzt schon gefunden hat und welche Wechselfälle vi⸗ laufen werden, bis es ihn gefunden haben wird, das weiß von unz niemand und niemand kann dafür eine Gewähr geben.
Unsere Aufgabe ist es, das Unsrige zu thun, daß der richtige Schwerpunkt bald und ohne welterschütternde Wechselfaͤlle gefunden
werde. Ich theile durchaus die Ansicht, die der Herr Ab eordnete fu Crefeld ausgesprochen hat, daß der 3 1 licher sein würde,
Versuch einer Revanche nicht glic⸗ als der Versuch, der im vorigen Jahre gegen dit deutsche Unabhängigkeit gemacht wurde. Aber, meine Herren, darauf Die Aufgabe, die wir haben,
daß die Revanche nicht ver⸗ 1 diesen Versuch Elend über Elend unte über uns komme, auch unter den günstigsten Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, bis zum em⸗
wie ich es zu Anfang meiner Bemerkungen
sehr wohl, daß in dieser Versammlung, und Wechselfällen nicht ausgesetzt sein wird, meine Herren, das was ich weiß und das reicht vielleicht nicht weit über Wir sind ja durch die Viel⸗ daß wir — es liegt das einmal in
Aber,
im Ganzen vielleicht die Befähigtsten,
Anderwaͤrts ist es anders Andere Nationen sind vermöge
Angelegenheiten weniger in der Lage, sich in Verhältnisse und Situationen hineinzudenken. Sie übertrage as, was sie bei sich gewöhnt sind, auf andere Zustände und die bevor⸗ ehende erste Feststellung eines deutschen Militär⸗Etats wird von solchen
Standpunkten aus vollkommen anders aufgefaßt werden, als sie nach
jeiner Ueberzeugung hier im Hause verlaufen wird. Man wird das icht vergessen duüͤrfen. Ich glaube, der Herr Abgeordnete für Meinin⸗
gen selbst würde schwerlich genrigt sein, das Bild von seiner Stellung zur
Militärfrage für ein korrektes anzuerkennen, was sich vor dem Fernroht
bildet, mit dem die französische Presse die Verbondlungen dieses Hauses en⸗
I So lange es bevorsteht, daß hier ein definitiver Militär⸗Ekat, wome⸗ er
0 Begriff verbunden ist einer N. , zur Verat
— den Frieden zu erhalten. Nun, meine Herrm, glauben wir, daß zur Erreichung dieses Zieles nichts wirksamer sein wird, als eben aussprach, die Ueberzeugung, daß bis zum Jahre 1874 einschließlich der gegenwärtige Bestand des deutschen Heeres Wechselfällen nicht aut⸗ gesetzt ist. Ich weiß darin gebe ich dem Herrn Abgeordneten für Meiningen Recht, der Bestand des deutschen Heeres das erkenne ich an. was Sie hier Alle fühlen werden, die Grenzen von Deutschland hinaus. seitigkeit unserer Presse, dadurch, der deutschen Art — uns mit nicht großen Schwierigkeiten in fremde Verhaͤltnisse hineindenken köͤnnen, die Zustände fremder Länder objektiv zu beurtheilen, und wir werden dcge dennoc⸗ einräumen müssen, daß dieses Urtheil häͤufig genug un⸗ richtig ihrer ganzen Eigenthümlichkeit, vermöge der vorzugsweisen Beschäftigung 1eS mit inneren remde
thuns kommt, also auch die Chance vorhanden ist, daß diese Gestal⸗ tung des Heeres eine wesentliche Veränderung erleide — daß dies durch die Verfassung ausgeschlossen ist, ist uns bekannt, Anderen aber nicht — so lange das der Fall ist, werden sich an diese Chance Hoff⸗ nungen antnuͤpsen, nothwendigerweise, welche zu dem Ziele hintreiben werden, daß wir nicht nur in unserem eigenen Interesse, sondern auch im Interesse der ganzen Welt fernhalten müssen. Wenn die verbündeten Regie⸗ rungen in diesen Erwägungen die große politische Bedeutung der Vorlage sehen, so liegt die Frage sehr nahe, und der Herr Abgeordnete für Kreuznach hat sie gestern schon aufgeworfen, warum man nicht eher mit dieser Vorlage gekommen sei. Meine Herren, als unmittelbar nach Schluß Ihrer letzten Session die Frage in Berathung genommen wurde und genommen werden mußte, welche Vorlagen dem gegen⸗ wärtig versammelten Reichstage zu machen seien, da ist allerdings die Frage, ob wieder ein Pauschquantum begehrt werden solle, zur Er⸗ wägung gekommen. Die Gründe, die ich so eben Ihnen zu entwickeln die Ehre hatte, lagen damals vielleicht nicht mit der Bestimmtheit vor, wie jetzt, sie lagen indessen nicht fern, und wenn dessenungeachtet die Ent⸗ schließung dahin ging, von der Forderung eines Pauschquantums abzusechen und einen Militäretat vorzulegen, so waren dafür verschiedene Ge⸗ sichtspunkte enrscheidend; einmal der Wunsch, verfassungsmäßig voll⸗ kommen korrekt zu handeln, mit Ablauf der Periode des Uebergangs⸗ zustandes, wie ihn die Verfassung nennt, auch in den regulären Zu⸗ sand einzutrettn und sodann die Erwägung — sie ist ja wiederholt schon hier entwickelt und lebhaft und gluͤcklich dargestellt worden vom Herrn Abgeordneten für Wollmirstedt — die Erwäaägung, daß der gegenwärtige Moment ein für die Militärverwaltung ungemein günstiger sei, um einen definitiven Militaͤretat zu verein⸗ baren, ungemein günstig im Hinblick auf den eben beendigten Krieg und ungemein günstig gegenüber einer Versammluüng, die man kennt. Es war damals die ernste Absicht, einen vollständigen Militär⸗Etat fuͤr 1872 schon jetzt vorzulegen. Man hat dabei die Kräfte überschätzt und die Sprödigkeit des Sioffes unterschätzt. Es war eben faktisch nicht möglich, zu einem vollständig ausgearbeiteten Etat zu kommen, und so entschloß man sich im letzten Augenblicke, dennn es mußte ein Entschluß gefaßt werden, Ihnen die Vorlage zu machen, die Sie mit dem Haushaltsctat bekommen haben.
Nun, meine Herren; habe ich mich von den eben bezeich⸗ neten Gesichtspunkten aus auszusprechen über das Amende⸗ ment, das, vom Herrn Abg. für Mainz unterzeichnet, soeben begründet worden ist, und da muß ich nach sorgfäitiger Erwägung — sie ist wirklich eine sorgfältige gewesen, denn ich habe das Amen⸗ dement nicht erst jetzt kennen gelernt — erklären, daß von allen Lö⸗ sungen der vorliegenden Frage diese die unannehmbarste ist. Sie verbindet für den Standpunkt der Bundesregierungen alle Nachtheile, die mit dem einen Wege oder den anderen verbunden sind. Zunaäͤchst von dem eben von mir erörterten politischen Gesichtspunkte aus müssen wir es ganz unbedingt vorziehen, in der nächsten Session einen Militäretat zu erörtern, statt in der Session von 1873. Die Eroͤrterung dieses Militäretats in der Session von 1873, ohne daß im Jahre 1872 eine Feststellung vorausgegangen wäre, würde polirische ein entschiedener Fehler sein. Im Jahre 1873 stehen wir vor dem Jahre 1874, und eine Diskussion des Militär⸗Etats in einem solchen Momente würde gleichbedeutend sein mit der Aussicht auf politische Erörterungen, welche grade dann nur nnsch gelig wirken kännen. Auf der andern Seite würde eine Diskussion des Etats im Jahre 1873 den Nachtheil haben, oder vielmehr die Feststellung eines Pauschquantums für zwei Febr⸗ daß die Militärverwaltung alle die Vortheile verliert, welche für sie aus einem dreijährigen Pausch⸗ quantum erwachsen. Meine Herren! In Bezug auf das Pausch⸗ quantum hat der Herr Abgeordnete für Meiningen ganz mit Recht bemerkt, daß, soweit die einzelnen Titel nicht etatsmäßig übertragbar sind von einem Jahre auf das andere, sie von einem Jahre auf das andere nicht übertragen werden koͤnnen; es ist das vollkommen richtig. Das schließt aber keineswegs die große Bedeutung auk, die eine län⸗ gere Periode vor einer kürzeren für die Militärverwaltung hat, und zwar aus dem Grunde, weil eine längere Periode die Möglichkeit gewährt, die Ausgaben planmäßig zu vertheilen, zu echelloniren; und die Moͤglichkeit einer solchen Vertheilung ist, wenn man einmal von einem Pauschquantum redet, für keine Verwaltung ein so absolut dringendes Bedürfniß, wie für die Militärverwaltung. Ich will Ihnen nur ein Beispiel anführen, welches aus den allerersten Monaten des Pausch⸗ quantums datirt und welches für mich damals das ganze Arrangement des Pauschquantums zu einem hoͤchst ängstlichen machte. Das Pausch⸗ quantum war, wie Ihnen bekannt ist, berechnet auf den Grundlagen des alten preußischen Militäretats, und es waren aus dem alten preußischen Militäretat nach den angenommenen Grundsätzen einge⸗ stellt, bei den Verpflegungstiteln, die, ich weiß nicht, acht⸗ oder zehn⸗ jährigen oder wievieljährigen Durchschnittspreise, die die verschiedenen Getreidearten gehabt haben. Es war dies schon ein sehr großer Unterschied gegen den alten preußischen Etat, indem der alte preußische Etat bei dem Getreide die Naturalien ein⸗ Fellte und ausdrücklich sagte: wenn die Preise höher steigen, so hat das Kriegs⸗Ministerium eben die höheren Preise zu bezahlen, ohne daß dieses eine formell zu genehmigende Etatsüberschreitung ist. Davon konnte bei dem Pauschquantum natürlich nicht die Rede sein. Was geschah nun? In dem zweiten Semester des Jahres 1867 — mit dem 1. Juli fing das Pauschquantum an — in dem zweiten Semester 1867 stiegen — wie den Herren Landwirthen vielleicht hier in der Versammlung erinnerlich ist — die Preife für Roggen, Heu und Hafer sehr erheblich, und die Folge war die, daß gegen die berech⸗ neten Etatspreise, die dem Pauschquantum zu Grunde lagen, für die eben genannten drei Getreidegattungen in dem einen Semester mehr zu verausgaben war: 1,087,000 Thlr. Nun ist ein Betrag von einer Million auch bei einer Summe von der Höhe derjenigen des Etats der Kriegsverwaltung ein sehr erheblicher. äre ein Pauschquantum nicht
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gewesen, so war das einfach als Etatsüberschreitung zu verrechnen und konnte von keiner Seite angefochten werden; denn die Pferde müssen Hafer und Heu haben und die Menschen müssen Brod haben, man kann sie nicht auf schwächere Nationen setzen, und wenn die Preise steigen, muß man mehr bezahlen. Solche große Uebelstände, die für die Verwaltung mit dem Pauschquantum verbunden sind, sind eben nur zu übernehmen, wenn man dieses Pauschquantums auf einige Jahrre sicher is; denn nur dadurch wird die Möglichkeit gegeben, das was bei einem solchen Titel in einem Jahre mehr aus⸗ gegeben ist, an einem andern Titel abzusparen, und zwar abzusparen nur deshalb, weil man in dem nächsten Jahre für diesen Titel etwas mehr verausgaben kann. Ein Pauschquantum für zwei Jahre würde auch aus dieser Rücksicht für die Militärverwaltung ebenso wenig annehmbar sein, wie es aus den politischen Rücksichten annehmbar ist für die verbündeten Regierungen. Das in der ursprünglichen Vorlage der verbündeten Regierungen Ihnen vorgeschlagene Pausch⸗ quantum ist allerdings noch kürzer; allein das eine Jahr sicht un⸗ mittelbar bevor, man rechnet mit viel bekannteren Größen, als wenn ein zweites Jahr hinzutritt.
Es ist nun hervorgehoben worden, daß für die Regierungen selbst die kitzliche und stachliche Aufgabe der Feststellung des MilitäretatsS, wie sie der Herr Abgeordnete für Mainz genannt hat, ja viel zusagender sei zur Erledigung mit diesem ihnen bekannten Hause, als mit einem künftigen, ihnen vollkommen unbekann- ten. Die Echeblichkeit dieses Einwandes stelle ich gar nicht in Ahbrede; die verbündeten Regierungen selbst haben in ihrer ursprüng⸗ lichen Vorlage ja diesen Gedanken anerkannt; aber dieser an sich richtige Gedanke schwächt in Nichts ab die politischen und militärischen Verwaltungs-Erwägungen, die die Annahme einer zweijaͤhrigen Periode unzulässig machen. Ich kann nur wiederholt, meine Herren, Sie bitten, der Vorlage der verbündeten Regierungen, die von Ihnen eine Ver⸗ längerung des Pauschquantums auf 3 Jahre verlangt, zuzustimmen und sich davon nicht abhalten zu lassen, durch die von dem Herrn Abg. für Mainz in beredter Weise heraufgerufenen Reminiszenzen an den konstituirenden Reichstag vom Jahre 1867. Soweit diese Remi⸗ niszenzen direkt an die Adresse des Herrn Abg. für Wolmirstedt ge⸗ richtet waren, wird er sie vermuthlich beantworten, es ist nicht meine Aufgabe; aber ich möͤchte im Allgemeinen daran erinnern, daß, wenn
nan im Jahre 1867, in der damaligen Zeit, für den damaligen Nord⸗ deutschen Bund eine Periode von 4 Jahren für vollkommen genügend hielt, um die Organisation des Heeres so weit festzustellen, daß man ohne Gefahr, mit Ruhe und mit Sachkenntniß an die Feststellung eines definitiven Militäretats gehen könne, von den Voraussetzungen, die damals leitend waren, meines Erachtens heute kaum eine vor⸗
handen ist, und daß es, wie ich glaube, politisch doch nicht richtig i weil man vor 4 Jahren unter vesenec “ 8; Se e-.
Bestimmtes für richtig gehalten hatte, und aus voller Ueberzeu⸗ gung für richtig gehalten hatte, daß man nun unbedingt an diesen einmal das prochenen Worten und an dieser einmal festgestell⸗ ten Ueberzeugung festhalten soll, wenn sich die Verhältnisse vollständig geändert haben. Und die Verhältnisse haben sich vollständig geändert.
Es ist bereits darauf hingewiesen worden, daß in der Militär⸗ konvention zwischen dem Norddeutschen Bunde und Württemberg für das Königreich Württemberg zur Organisation seines Armee⸗ Corps eine 3jährige Periode festgestellt worden ist. Für die Königlich bayerische Armee ist eine Periode nicht festgestellt worden. Ich maße mir kein Urtheil darüber an, wie weit die auch in Bayern nothwen⸗ dige Reorganisation in 2 Jahren vorgeschritten sein wird; ich glaube aber, das als unzweifeihaft ansehen zu können, daß ihre Vollendung, also auch die Herstellung eines völlig normalen Zustandes in Bayern unter allen Umständen in 3 Jahren sehr viel sicherer zu erwarten ist, als in 2 Jahren. Es folgt daraus, wie mir scheint, daß in Betracht der beiden wichtigsten Verstärkungen, welche das deutsche Heer durch die neuere Entwickelung der Ereignisse gefunden hat, die gewichtigsten Gründe dafür sprechen, jetzt unter veränderten Verhältnissen und in einem beschränkteren Zeitumfange dasselbe zu thun, was man im Jahre 1867 gethan hat.
— Im weiteren Verlaufe der Diskussion entgegnete der Staats⸗Minister Graf v. Roon den Abgg. Dr. Reichensperger und v. Bonin:
Meine Herren! Ich will Sie mit einem längeren Vortrage nicht belästigen. Ich habe mich heute auch nicht mit Gegnern, sondern mit Freunden meiner Vorschläge auseinander zu setzen.
Der erste derselben, der Herr Abg. von Geldern, hat sich in dieser Beziehung wohl für die erste Vorlage der Regierung erklärt, aber doch mit so bedenklichen Modifikationen, daß ich von dieser Unter⸗ stützung, ungeachtet der freundlichen Worte, mit denen sie dargebracht wurde, ganz und gar Abstand nehmen muß. Der Herr Abgeordnete war so gütig, zu sagen, sein Vertrauen zur Militärverwaltung sei ein so großes und eminentes, daß er gar nicht daran zweifle, die Militär⸗ verwaltung würde auch bei der ihr eigenen Elastizität wohl wissen, mit einigen Millionen weniger auszukemmen. Das Ver⸗ trauen des Herrn Abgeordneten gereicht mir zur großen Ehre, ich möchte aber doch bitten, daß er mich mit demselben in diesem Maße verschonen moͤchte.
Der zweite Redner, dem ich einige Worte zu sagen habe, ist der Herr Abg. v. Bonin. Wenn ich der Meinung gewesen wäre, daß sein Antrag hier im Hause die Majorität gefunden hätte, so würde ich, wie ich bereits gestern bemerkte, schon der Geschäftsabkürzung wegen, jeden andern Weg gern permieden haben; allein dieses Resul- tat war mir sehr zweifelhaft. Um deswillen habe ich mich dem an⸗ dern Vorschlage nicht verschlossen, und zwar, wie Ihnen aus beredte⸗ rem Munde auseinander gesetzt worden ist, wegen der politischen Vortheile, die damit verknüpft sind, wegen der Nachtheile, die mi jedem andern Arrangement verbunden sind. Ich muß also ganz be