1872 / 145 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 22 Jun 1872 18:00:01 GMT) scan diff

An den Tagen: 6.) 8., 9.7 10., 11., 12., 13.’ 18 24., 25.) 28. und 19. Jaln füd Wyt resp. Solt, dei Benutung des Eisenbahn⸗ zuges 6 Uhr früh von Hamburg, noch an demselben Tage zu erreichen.

Dauer der Ueberfahrt ca. 3 resp. nach Sylt ca. 5 Stunden.

2) Von Flensburg über Dagebüll nach Wyk auf Föhr. Von Flensburg nach Dagebüll Personenpost täglich 11 30 Uhr Abends nach Ankunft des aus Hamburg 510 Uhr Nachmittags abgehenden Eisenbahnzuges; in Dagebüll 728 Uhr früh. 8

Von Dagebüll nach Wyk zweimal täglich mittelst Dampfschiffes, dessen Abgang durch den Eintritt der Fluch bedingt wird. Dauer der Ueberfahrt circa 1 Stunde.

3) Von Tondern über nach Hoyer Personenpost täglich 118 Uhr Nachmittags nach Ankunft

des 6 Uhr früh aus Hamburg abgehenden Eisenbahnzuges.

Von Hoyer nach Sylt täglich per Dampfschiff »Graf Bis⸗ ö Der Abgang des Schiffes ist von dem Eintritt der Fluth abhängig.

büng 8. Tagen vom 7. bis 16, und vom 22. bis 29. Juli gr. ist Sylt bei der Abfahrt von Hamburg mit dem Zuge 6 Uhr früh an einem Tage zu erreichen.

Hoyer nach Sylt. Von Tondern

In Westerland auf Sylt wird für die Dauer der Badesaison eine

ostexpedition und EEuu. eingerichtet. Kiel, den 8. veni aa Fkench Ober⸗Pos⸗Direkt 8 Der Kaiserliche Ober⸗Post⸗Direktor

Bekanntmachung. Während der veichege Badesaison in Helgoland werden

emünde (Bremerhafen) und Helgoland is 13. Juli I. J. folgende Postverbin⸗ dungen unterhalten werden:

A. zwischen va; und Helgoland (per Dampfschiff »Cux⸗ haven«) aus Hamburg jeden Montag und Donnerstag 9 Uhr Vor⸗ mittags, aus Helgoland jeden Dienstag und Freitag Morgens;

B. zwischen Geestemünde (Bremerhafen) und Helgoland (per Dampfschiff »Nordsee) aus Geestemünde in der Zeit vom 25. Juni bis 6. Juli jeden Dienstag und Sonnabend 9 Uhr Vormittags, aus Helgoland jeden Mittwoch und Montag Vormittags. 1

Mit dem Dampfschiffe von Hamburg nach Helgoland erhalten sämmtliche für Helgoland bestimmte Postsendungen Beförderung, welche spätestens am Abend vor dem Abgange desselben über Har⸗ burg und Altona bezw. von Lübeck und am Morgen des Abgangs⸗ tages mit dem Courierzuge aus Berlin, ferner Briefpostsendungen, welche am Morgen des Abgangstages mit dem Schnellzuge von Kiel bzw. über Harburg fahrplanmäßig in Hamburg eintreffen.

Mit dem Dampfschiffe von Geestemünde (Bremerhafen) nach Helgoland werden die spaͤtestens mit dem ersten Eisenbahnzuge aus Hannover am Morgen der Abfahrt in Geestemünde eingehenden Briefpostsendungen und die mit dem letzten Zuge am Abend vorher dort angekommenen Fahrpostsendungen weitergesandt.

Hamburg, den 20. Juni 1872. 8 b

8 Der Kaiserliche Ober⸗Post⸗Direktor,

Geheime Post⸗Rath Schulze.

bvischen Hamburg bezw. Gee in der Zeit vom 17. Juni

Königreich Preußen.

Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht:

Den Rittmeister und Escadrons⸗Chef im 2. Garde⸗Dra⸗ goner⸗Regiment, Carl Gottfried Rudolph John, in den Adelstand zu erheben; und

Dem Stadt⸗Syndikus und Beigeordneten Boedcher zu Landsberg a. W., in Folge der von der Stadtverordneten⸗Ver⸗ sammlung zu Königshuͤütte getroffenen Wahl, als Bürgermeister g- Stadt entgehute für die gesetzliche zwölfjährige Amts⸗

Potsdam, 22. Juni. 8

hre Hoheiten der Herzog und die Herzogin von nhalt sind gestern Nachmittag hier eingetroffen und im Königlichen Stadtschlosse abgestiegen. ö

ummarische Uebersicht über die Zahl der Studirenden auf der Königlichen Universitat Marburg im Sommer⸗ 8 Semester 1872.

Im Winter⸗Semester 1871/72 sind (einschließlich der vier päter noch Hinzugekommenen) immatrikulirt gewesen 407. Da⸗ on sind abgegangen 121. Es sind demnach geblieben 286. Dazu sind in diesem Semester gekommen 89. Die Gesammtzahl der im⸗ t 375. Die evangelisch⸗theologische

matrikulirten Studirenden betrh Fakultät zählt: Preußen 48, Nichtpreußen 4, zusammen 52. Die juristische Fakultät zählt: Preußen 17. Die medizinische Fakultät agle⸗ Preußen 153, Nichtpreußen 26, zusammen 179. Die philo⸗ ophische Fakultät zählt: a) Preußen mit dem Zeugniß der Reife 83, b eußen mit dem e Nichtreife nach §. 35 des Prüfungs⸗ eglements vom 4. Juni 1 —;, c) Preußen ohne Zeugniß. der R fe nach §. 36 des Reglements 38, mithin Preußen 121, d) Nicht⸗ Preußen 6, zusammen 127. Außer diesen immatrikulirten Studi⸗ renden besuchen noch Vorlesungen 6. Es nehmen mithin an den Vorlesungen überhaupt Theil 381.

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Nich 1 amtliches. W Deutsches Neich

Preußen. Berlin, 22. Juni. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen vorgestern früh auf Schloß

Babelsberg den General à la suite Frhrn. von Steinäcker

und arbeiteten alsdann längere Zeit mit dem Kriegs⸗Minister Grafen von Roon und dem Oberst von Albedyll.

Gegen 3 Uhr Nachmittags traf Se. Königliche Hoheit der Prinz Friedrich der Niederlande im Schlosse Babelsberg ein, mit Höchstwelchem Se. Majestät der Kaiser eine Spazierfahrt durch den Babelsberger Park unternahmen.

um Diner hakten Se. Majestät eine Einladung Ihrer Majestät der verwittweten Königin nach Schloß Sans ouci angenommen. Nach Beendigung desselben begleiteten Aller⸗ höchstdieselben Se. Königliche Hoheit den Prinzen Friedrich zur

Abreise nach dem Potsdamer Bahnhofe, und empfingen den

Besuch Ihrer Hoheit der Herzogin von Altenburg nebst der Prinzessin Tochter Marie, begleitet von Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Friedrich Carl. Den Thee nahmen Se. Majestät bei Ihren Königlichen Hoheiten dem Prinzen und der Prinzessin Carl im Casino Ihre Majestät die Kaiserin⸗Königin hat an den Ober⸗Bürgermeister Hobrecht unter dem 12. v. Mts. folgendes Schreiben gerichtet: „»Ich habe Meinen Aufenthalt in England dazu benußt, um die von Lady Burdett Coutts errichteten Arbeiterwohnungen zu besuchen und Mich über die Erfolge der gleichartigen Peabodyschen Stiftung

näher zu unterrichten. Die Mir bei dieser Gelegenheit zugegangenen Schriften und Pläne möchte Ich Ihnen zur Verfügung stellen, da Ich bei Ihnen das regste Interesse für eine Aufgabe voraussetzen darf,

deren Lösung auch für die neue Hauptstadt Deutschlands von großer, stets wachsender Bedeutung ist, und Ich Ihnen zugleich Meine Theil⸗ nahme bei Ankritt Ihres eben so wichtigen wie schwierigen Amtes dadurch bezeigen möchte. 11““ Windsor⸗Castle, den 12. Mai 1872.

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An den Ober⸗Bürgermeister Hobrecht in Berlin.⸗

In der gestern stattgehabten Plenarfitzung des Bun⸗ 8

desraths, in welcher Staats⸗Minister Delbrück den Vorsitz führte, kamen zur Vorlage die Mittheilungen des Präsidenten des Reichstags über die Beschlüsse des Reichstags, betreffend: a) den ntwurf eines Gesetzes über die feangbsische Kriegs⸗ kosten⸗Entschädigung, b) den Entwurf eines Gesetzes über Feststellung eines Nachtrages zum Haushalts⸗Etat für 1872; c) den Entwurf eines Gesetzes über Feststellu

des Reichshaushalts⸗Etats für 1873;, d) den Entwu

eines Gesetzes wegen Uebernahme der Verwaltung ꝛc. der Wil⸗ helm⸗Luxemburg Eisenbahn; c) den Entwurf eines e über den Orden der Gesellschaft Jesu;, f) die Petition des

Dr. Hirth und Genossen wegen der Organisation des statistischen

Amts; g) Petitionen von Telegraphenbeamten wegen Gehalts⸗ verbesserung; h) Petitionen von Telegraphenbeamten in Elsaß⸗ Lothringen wegen nachträglicher Gewährung von Diäten; i¹) eine Petition wegen Aufhebung des Eingangszolles auf Roh⸗, Walz und Brucheisen; k) Petitiönen wegen des Er⸗ satzes von Flurschäden auf Grund des Kriegsleistungs⸗Gesetzes vom 11. Mai 1851; ]) weitere Petitionen für und wider die Jesuiten; m) die Seemannsordnung und den Gesetzentwurf wegen Verpflichtung der Kauffahrteischiffe zur Mitnahme hülfs⸗ bedüͤrftiger Seeleute. Demnächst wurden eine Vorlage des Präsidiums, betreffend den am 19. d. M. unterzeichneten Post⸗ vertrag mit Luxemburg, ein Antrag Oldenburgs, betreffend die Vermehrung des Beamtenpersonals bei dem Haupt⸗Zollamte in Brake, und ein Antrag Bayerns, betreffend Approbation von Medizinalpersonen in Bayern, den betreffenden Ausschüssen überwiesen. Ausschußberichte wurden erstattet über a) Mei⸗ nungsverschiedenheiten über Doppelbesteuerung und zwar: zwischen Preußen und Hessen un zwischen Sachsen⸗ Meiningen und Sachsen⸗Cyburg⸗Gotha; b) die ab⸗ gabenfreie Verabfolgung des Viech⸗ ꝛc. Salzes, c) den vom Reichstage beschlossenen Gesehentwur betreffend die Gebühren und Kosten bei den Konsulaten; Jh die zollfreie Einfuhr erbeuteten französischen Tabaks; e) eine Petition wegen der Bonisikation fuͤr Zucker; ¹) die Fers Mcher erichte der Vereins⸗Bevollmächtigten; g) die Verleihung der Befugniß zur Abfertigung von Rohzucker zum niederen Dollsatze an das Hauptzollamt zu Altkirch; h) die Abänderung einiger Bestim⸗ mungen des Eisenbahn⸗Betriebs⸗Reglements; ¹) den Entwurf eines Gesetzes für Elsaß⸗Lothringen über das Verfahren bei Zuwiderhandlungen gegen die Zollgesetze.

1“

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Versammlung am 25. und 26. d. M.

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chüsse des Bundesraths für ür Rechnungswesen hielten heute

. Das I. und II. (Doppel⸗) Heft des Jahrgangs 1872 der Zestschrift des Königlich preußischen Statisti⸗ chen LSureaus wird in etwa 14 Tagen erscheinen. Wir haben indessen von den bereits gedruckten Bogen desselben Ein⸗ sicht nhmen können, deren Inhalt vom allgemeinsten Inter⸗ se it. Er betrifft die Verluste an gefallenen, durch Wunden, rarkheiten und Unglücksfälle gestorbenen, sowie noch ver⸗ mißtn Offiziere und Mannschaften der deutschen und franzö⸗ schc Heere im letzten Kriege, und zwar sowohl mit Unter⸗ schedung der einzelnen Truppentheile, Corps und Corpsver⸗ bärde, ferner der Schlachten, Gefechte, Belagerungen, Cerni⸗ rungen ꝛc., als auch der einzelnen Tage und Wochen des unzen Feldzugs. Alle diese Zahlen werden durch graphische Harstellungen illustrirt. Dadurch, daß die räumlichen und mit den entsprechenden Effektipstärken n Beziehung gesetzt sind, bereichern die gewonnenen Resultate die Kriegswissenschaft im Allgemeinen und das Grundlagen⸗ material der Lebensversicherung für den Kriegsfall insbeson⸗ dere in ausgedehntester Weise. Wir entnehmen vorläufig dem Aufsatze folgende Daten:

1) Bis einschließlich den 1. September waren bereits 74,000 Deutsche außer Gesecht gesetzt, unter ihnen befanden sich 14,000 Todte. Der Abgang an Offtzieren betrug 2997, von denen 961 theils auf dem Schlachtfeld geblieben, theils an den Wunden verstorben sind. Rech⸗ net man hierzu noch die Verluste während der Cernirung von Metz bis zur Capitulation, so ergiebt sich der Preis, um welchen das deutsche Heer die nahezu vollständige Vernichtung der gesammten französischen Feldarmee errang. Er beträgt 3083 Offiziere, 7111 Unteroffiziere, 66,571 Mann, zusammen 76/765, also erheblich mehr als die Hälfte der während des ganzen siebenmonatlichen Feld⸗ zuges überhaupt erlittenen e

Während der Organisirung der republikanischen Armee im Sep⸗ tember und Oktober büßten die deutschen Armeen am wenigsten ein; die fesoxeepten Verluste berugh mit Ausnahme derer um Metz im September etwa 2600, im Oktober 4800. Durch die Seitens der französischen Armeen ergriffene Offensive erhöhten sie sich im Novem⸗ ber auf 8700, im Dezember durch die Schlachten im Südosten von ferner bei Orleéans⸗Beaugency⸗Venddme auf nahezu 20,000.

ie Entscheidungskämpfe im Norden, Westen und Osten Frankreichs im Januar kostelen den deutschen Armeen 84 14,000 Mann. Die Gefechte im Östen während der ersten Tage des Februar, sowie die

Belagerung von Belfort forderten schließlich noch etwa 600 Mann.

2) Vor den einzelnen belagerten beziehungsweise cernirten Festungen stellt sich der summarische Verlust der Deutschen wie folgt: über⸗ darunter es blieben haupt: Offiziere:

Lichtenberg (genommen den 9.8.) 43 1“ Laon 8 und 7. und bei Besetzung—

desselben 9./9h-²..L..“ua Toul (von Berennung am 16.8

1ö11“““ Straßburg (vom 12.8. bis 2. Soissons (vom 24,9. bis 15,./10. Schlettstadt (am 28./9. u. vom 19

bis 23./10.). Metz (vom 19,8. bis 27/10.) Verdun (von Berennung am 24.8.

u“ Neubreisach (vom 4,/10. bis n Thionville (vom 17./10. bis 24,,11. La Fere (vom 16,/11. bis 24.11.).. Pfalzburg (vom 10,8. 1. Montmedy (vom 16./11. bis 14./12.) Mezieres (vom 15,/11. bis 31./12.). Pöeronne (vom 1.,/12. bis 6./1.) . Longwy (vom 1./12. bis 22./1.) . Paris 19,/9. bis 28/1.) 11,563 Belfort (vom 3./11. bis 13,2.).. 1,500 Bitsch (vom 7. 8. bis 19./1.) 86

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Die Gustav⸗Adolf⸗Vereine der Provinz Bran⸗ denburg halten ihre diesjährige ordentliche Hauptvereins⸗ u Pritzwalk unter den blichen kirchlichen Festlichkeiten ab, zu deren Ordnung ein Fest⸗ omite zu Pritzwalk thätig ist.

Der Chef der Admiralität, General⸗Lieutenant von Stosch, ist in Kiel eingetroffen, wo er von dem 878 der arinestation der Ostsee, Contre⸗ angen

Hannover, 21. Juni. Der General der Infanterie und Commandeur des X. Armee Corps, von Voigts⸗Rhetz, ist gestern Nachmittag nach Berlin abgereist.

Bayern. München, 20. Juni. Prinz Luitpold hat sich mit der Prinzessin Therese heute zum Besuche der ver⸗ wittweten Kaiserin Caroline Auguste nach Salzburg begeben, 1g fet einigen Tagen auch der Prinz Karl von Bayern ver⸗- weilt.

Der am hiesigen Hofe akkreditirte österreichisch⸗unggrische

Gesandte, Freiherr von Bruck, tritt dieser Tage eine längere

Urlaubsreise an und begiebt sich mit seiner Gemahlin nach St. Petersburg; die Leitung der Gesandtschaft ist unterdeß dem neuernannten, dieser Tage hier eingetroffenen Legations⸗Rath Jäger übertragen.

Die Artillerie der hiesigen Garnison marschirt in diesen Tagen nach dem Lechfeld ab, woselbst am 1. Juli die großen Uebungen der Artillerie beginnen.

In der vom Rektor und Senat der Königlichen Lud⸗ wi 8.Karm iag vennfücta erlassenen Einladung zu der am 1. August d. J. stattfindenden Feier des 400jäͤhrigen Jubiläums heißt es u. A.:

»Die Zubelfeier fällt diesmal Gott sei Dank! in eine Zeit, reich an Erfolgen und noch reicher an Ve eißungen, wo das deulsche Volk die Früchte seiner langen geistigen Arbeit auf allen Lebensgebieten zu ernten beginnt, und sich zugleich immer mehr bewußt wird, wie viel es feinen alten Hochschulen und ihren Gründern zu danken hat. Es ist die erste Jubelfeier einer Unwversität, die wir im neuen Deut⸗ scen Reich begehen und schon deshalb wird derselben, wie wir hoffen,

ie allgemeine Theilnahme nicht fehlen. Das Fest wird eugniß geben, wie die Nation zu den Universitäten und die Universitäten zu der Nation stehen. Besonders glauben wir die Theilnahme aller derer erwarten zu können, die durch gleiche oder verwandte geistige Bestre⸗

bungen uns verbunden sind.⸗ 1

Sachsen. Dresden, 21. Juni. Laut eingegangener telegraphischer Nachricht aus Eger haben der Kronprinz und die Kronprinzessin im besten Wohlfein Marienbad ver⸗ lassen und reisen heute nach Possenhofen. 8

Baden. Karlsruhe, 20. Juni. Der Großherzog hat gestern Nachmittag den Ritter Vianna de Lima in beson⸗ derer Audienz empfangen und aus dessen Händen ein Schrei⸗ ben der Prinzessin Regentin Isabella von Brasilien vom 19. Oktober v. J. entgegengenommen, welches denselben als außer⸗ ordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am Großherzoglichen Hofe beglaubigt. Sodann nahm der Groß⸗ herzog gleichfalls in besonderen Audienzen, aus den Händen des Baron Julius Greindl und des Staats⸗Ministers Baron Johann Baptist Nothomb Schreiben des Königs der Belgier vom 5. und 6. d. Mts. entgegen, welche Ersteren als Minister⸗ Residenten von seiner bisherigen Funktion abberufen, Letzteren als außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am Großherzoglichen Hofe beglaubigen. Die Gesandten und Minister⸗Residenten wurden darauf der Großherzogin vorgestellt und zur Großherzoglichen Tafel gezogen.

Das heute erschienene Gesetzes⸗ und Verordnungsblatt Nr. 25 enthält eine Verordnung des Finanz⸗Ministe⸗ riums: die neue Katastrirung der Gebäude im Großherzog⸗ thum betreffend.

Sachsen⸗Coburg⸗Gotha. Coburg, 20. Juni. Der Staats⸗Minister von Seebach hat, nach der »L. Z.“, infolge höchsten Auftrags dem gemeinschaftlichen Se er⸗ klärt, daß, nachdem in Folge des in der Sitzung vom 8. pril 1870 gefaßten Beschlusses, welcher die Einzelberathung der die vollständige Vereinigung der Herzogthümer Coburg und Gotha betreffenden Ministerialvorlagen von einer Reihe von Voraus⸗ setzungen und Bedingungen abhängig gemacht hat, di damit beauftragte Verfassungskommission und die Staats regierung Birhandlungen gepslo en, dieselben aber erfolglos ge blieben seien, er sämmtliche auf vollständige Vereinigung ge richtete Vorlagen zurückziehe. b

Hamburg, 20. Juni. In der gestrigen Sitzung de

Bürgerschaft war ein dringlicher Antrag des Senats ein⸗ egangen wegen Ertheilung der Konzession zu einer Eisen⸗ gehn von Stade nach Cuxhaven, soweit dieselbe auf hamburgischem Gebiete liegt, und Anlage eines Hafens in Cuxhaven an die Cuxhavener Eisenbahn⸗, Dampfschiff⸗ und Hafen⸗Aktiengesellschaft. Derselbe geht im Wesentlichen auf Ertheilung obiger Konzession, auf Bewilligung einer jährlichen Subvention von 60,000 Thalern für zwanzig Jahre, sobald die Eisenbahn⸗ und Hafenanlagen voll⸗ endet sind, welche Zahlung jedoch aufhört, sobald die Gesellschaft den Betrieb des Fafens oder der Eisenbahn ein⸗ stellt; auf unentgeltliche Ueberlassung des für die Anlagen nöthigen Staats⸗Terrains und Befugniß zur Anwendung des hambur ischen Expropriations⸗Gesetzes für die Erwerbung des etwa erforderlichen Privateigenthums und auf Ueberweisung der für die Benutzung des Hafens von den Schiffen zu ent⸗ richtenden Abgaben und Gebühren ausschließlich an die Gesell⸗ schaft. Nach einer lebhaften Debatte wurde der Antrag auf Verweisung an einen Ausschuß angenommen, aber die sofortige Wahl desselben abgelehnt.