1875 / 113 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Tue, 18 May 1875 18:00:01 GMT) scan diff

Ausgleichung gelingen werde, event. durch landesherrliche Ent⸗ scheidung in den dazu geeigneten Fällen.

Die Vorschriften der Kriminal⸗Ordnung, in Betreff der Verpflichtung, sich als Zeuge eidlich vernehmen zu lassen, haben, nach einem Beschluß des Ober⸗Tribunals vom 22. April cr., auch für die Vernehmung von Sachverständigen, welche das Gericht im öffentlichen Interesse nothwendig erachtet, Geltung. Dasselbe gilt für die Vernehmung von Aerzten. Aus

er Bestimmung des §. 7 des Gesetzes vom 9. März 1872, nach welcher in Ermangelung anderweiter Verabredung den nichtbeamteten Aerzten dieselben Gebühren zugesprochen werden, wie sie den beamteten Aerzten zustehen, folgt nichts für die Auf⸗ hebung der gedachten gesetzlichen Vorschriften.

Die zur Leitung von Eisenbahnfahrten und zur Aufsicht über die Bahn und den Beförderungsbetrieb ange⸗ gtellten Personen sind, nach einem Erkenntniß des Ober⸗Tri⸗ bunals vom 1. April d. J. bei einer Vernachlässigung der ihnen obliegenden Pflichten nur dann strafrechtlich zu verfolgen, wenn die Pflichtvernachlässigung die Gefährdung eines Eisen⸗ bahntransports herbeigeführt hat. Ist jedoch zwischen einer thatsächlich eingetretenen Gefährdung des Transports und der ihm vorausgegangenen Pflichtvernachlässigung kein ursächlicher Zusammenhang vorhanden, so ist auch die im §. 316, 2 des Str. G. B. angedrohte Strafe nicht zur Anwendung zu bringen.

Der General⸗Feldmarschall und Chef des Generalstabes der Armee Graf von Moltke hat sich während der Sommer⸗ monate mit Urlaub zunächst nach seiner Besitzung Creisau, der General der Kavallerie von Podbielski, General⸗Inspecteur der Artillerie, mit mehrwöchentlichem Urlaub nach Marienbad und der General⸗Major Galster à la suite der Armee und Dezernent in der Kaiserlichen Admiralität, in dienstlichen An⸗ gelegenheiten nach Wilhelmshaven und Kiel begeben.

Der General⸗Lieutenant Wolff von Linger, Inspec⸗ teur der Gewehrfabriken, ist von seiner Dienstreise nach dem Elsaß und Thüringen hierher zurückgekehrt.

Der General⸗Intendant der Königlichen Schauspiele, von Hülsen, ist nach Altona abgereist.

Der General⸗Adjutant Sr. Majestät des Kaisers von Rußland, Fürst Boris Galitzin, traf vorgestern hier ein, übernachtete im Hotel Royal und reiste gestern Mittag nach Paris weiter.

Posen, 15. Mai. (W. T. B.) Die auf Requisition der Staatsanwaltschaft in Gnesen wegen verweigerten Zeugnisses in der Angelegenheit des päpstlichen geheimen Delegaten in Wongrowitsch, Mielzyn und Marzenin und hier in Haft genommenen katho⸗ lischen Geistlichen, unter denen sich auch der päpstliche Hausprälat Kozmian befindet, sind aus der Haft mit dem Be⸗ merken entlassen worden, daß der Staatsanwalt bei der ver⸗ änderten Sachlage in der Angelegenheit des päpstlichen geheimen Delegaten auf ihrem Zeugnisse nicht mehr bestehe.

Bayern. München, 13. Mai. In der Hofkirche zu St. Cajetan wurde heute Vormittags das feierliche Requiem für die verstorbene Prinzessin Alexandra abgehalten, wel⸗ chem die Prinzen und Prinzessinnen des Königlichen Hauses, die Mitglieder des diplomatischen Corps, die Höchsten und

Hohen Königlichen Hof⸗ und Staatsbeamten, die Offizier⸗Corps ꝛc. der Todesfeier beiwohnten. Prinz Carl ist heute früh von Starnberg hier angekommen und Mittags dahin zurückgekehrt. Herzog Carl Theodor traf mit seiner Gemahlin heute

Morgens von Possenhofen hier ein und begab sich Abends 6 Uhr dorthin zurück. Die verwittwete Königin Josephine von Schweden war heute Abends vom Prinzen Luitpold zum Thee geladen. Morgen Mittags reist die Hohe Frau mittelst Extrazuges nach Starnberg, von wo sie sich mit dem Prinzen Carl nach Possenhofen begiebt, um einer von der Frau Herzogin Max veranstalteten Familien⸗ tafel beizuwohnen. General v. d. Tann ist gestern Abends nach Ingolstadt zur Besichtigung der neuen Geschütze abgereist und wird am künftigen Sonntag wieder hier eintreffen. Der Königlich preußische Gesandte am hiesigen Königlichen Hofe, Frhr. v. Werthern, ist heute Morgens mit seiner Familie nach Thüringen abgereist.

Ein Erlaß des Königlichen Kultus⸗Ministe⸗ riums vom 8. d. M. bezeichnet es als ein Hauptgebrechen, an dem das Volksschulwesen leidet, daß der Fortbildung des Leh⸗ rerpersonals nach dem Austritt aus dem Schullehrerseminar nicht allenthalben im Königreiche jene Aufmerksamkeit und Sorg⸗ falt zugewendet wird, welche die Wichtigkeit des Gegenstandes erfordert und nach Normativ über die Bildung der Schullehrer vom 29. September 1866 als nothwendig erachtet. Eine bessere Organisation des Fortbildungswesens des Schullehrer⸗ personals und ein energischer Vollzug dieser Organisation sei ein dringendes Zeitbedürfniß. Zu diesem Behuf hat sich das genannte Ministerium, nach Vernehmung sämmtlicher Kreisregierungen, veranlaßt gesehen, in weiterer Ausführung der betreffenden Bestimmungen des alle⸗ girten Lehrerbildungs⸗Normativs zu bestimmen: daß zur Be⸗ festigung und Erweiterung der im Seminar gewonnenen Kennt⸗ nisse und zum möglichsten Ausbau der theoretischen und prak⸗ tischen Bildung, sowie zur Weckung und Pflege des Berufs⸗ ernstes und der Berufsliebe des Lehrerpersonales an den Volsschulen in jedem Kreis eine entsprechende Anzahl von Fort⸗ bildungskursen eingerichtet werde, und zwar soll in der Regel für den Sprengel jedes Bezirksamtes und jeder größeren Stadt ein solcher Fortbildungskurs bestehen. Der ministerielle Erlaß enthält in vierundzwanzig Paragraphen die näheren Bestimmun⸗ gen über diese neue Einrichtung.

Württemberg. Stuttgart, 14. Mai. Gestern hiel⸗ ten beide Kammern Sitzung, die Kammer der Standesher⸗ ren ihre erste in diesem Landtagsabschnitt. Die Berathung des Hauptfinanz⸗Etats hat eine Unterbrechung erfahren, wofür die Berathung des Gesetzentwurfs über die Bewirthschaftung der Körperschaftswaldungen eingeschaltet worden ist. Auch liegen noch nicht alle Kommissionsberichte vor, namentlich die über die Deckungsmittel nicht, welche wohl, so lange an dem oben⸗ genannten Gesetz berathen wird, auch fertig werden dürften. Was die Verhandlungen der Ersten Kammer betrifft, so hat dieselbe gestern sämmtlichen in ihr zum Vortrag gelangten bis⸗ herigen Beschlüssen des andern Hauses zugestimmt. Heute fährt sie in der Etatsberathung fort.

Baden. Karlsruhe, 15. Mai. Die hiesigen Alt⸗ katholiken haben zur Synode zwei Delegirte nach Bonn gewäht, die HH9. Alt⸗Ober⸗Bürgermeister Malsch und Verwaltungshof⸗Direktor Schwarzmann. Ueber die altkatholische Bewegung in Baden wird dem „Ur.

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J.“ berichtet, daß in Sauldorf bei Meßkirch der Pfarrver⸗ weser Schöpf, nachdem er von dem Prinzen Wilhelm von Baden, als dem Patron der den Altkatholiken überwiesenen Pfründe präsentirt worden, am 1. Mai vom Bischof Reinkens bestätigt worden ist, und daß die definitive Verleihung mehrerer anderer Pfründen voraussichtlich in der nächsten Zeit erfolgen wird. In Mundelfingen bei Donau⸗Eschingen ist den Altkatho⸗ liken auf ihren Rekurs vom Ministerium die Pfarrkirche anstatt der Kapelle überwiesen worden. In St. Blasien ist die Bil⸗ dung einer altkatholischen Gemeinde auf Wunsch beinahe sämmt⸗ licher stimmberechtigten Bürger der Stadt und der Filtalorte in Angriff genommen. Am 31. Mai und 1. Juni findet hier eine Versammlung des Landesausschusses des badischen Frauen⸗ vereins statt, wozu auch die Vertreter der Männer⸗Hülfsvereine erscheinen werden.

Sachsen⸗Weimar⸗Eisenach. Weimar, 14. Mai. Am 25. Juni Abends wird Se. Majestät der Kaiser von Ruß⸗ land am hiesigen Hofe erwartet. Am Abend des 26. wird Se. Majestät die Reise nach St. Petersburg fortsetzen. Ihre Königliche Hoheit die Erbgroßherzogin begiebt sich nach den bis jetzt getroffenen Bestimmungen demnächst nach Marienbad zum Kurgebrauch. Die früher erwähnte, in den Ausfüh⸗ rungsverordnungen zum Schulgesetz enthaltene Bestim⸗ mung, daß den Schülern der Volksschule und Fortbildungs⸗

schule die Theilnahme an Vereinen und Versunmlungen zu. pa⸗

litischen Zwecken nicht gestattet sein solle, ist jetzt vom Departe⸗ ment des Innern als ein Nachtrag zur Ministerialverordnung über politische Versammlungen publizirt worden, und zwar wird die Uebertretung dieses Verbotes mit Geld bis zu 60 oder Haft bis zu 14 Tagen bestraft. Die Beachtung der Bestim⸗ mung wird den Polizeibehörden eingeschärft und den mit Be⸗ wachung der Versammlung beauftragten Polizeibeamten die Be⸗ fugniß ertheilt, dieselbe aufzulösen, falls ihrer Aufforderung zu⸗ wider derartige Schüler nicht entfernt werden. Uebrigens ist diese Verordnung weiter gefaßt und erstreckt sich überhaupt auf Personen, welche noch in dem für den Besuch der Fortbildungs⸗ schule vorgeschriebenen Alter stehen, also auch Gymnasiasten, Realschüler, Lehrlinge u. s. w.

Sachsen⸗Altenburg. Altenburg, 15. Mai. Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin Mutter von Mecklen⸗ burg⸗Schwerin ist vorgestern Abend hier eingetroffen und im Herzoglichen Residenzschloß abgestiegen. Gestern hat dieselbe ihre Weiterreise nach Marienbad fortgesetzt. Ihre Hoheiten der Herzog und die Herzogin sind heute früh ebenfalls zum Kur⸗ gebrauch nach Marienbad abgereist.

Sachsen⸗Coburg⸗Gotha. Gotha, 15. Mai. Die Ge⸗ meinsch. G. S. für die H. Coburg und Gotha enthält das Gesetz, die in dem Landesstrafrecht vor Einführung des Reichs⸗ Strafgesetzbuchs angedrohten Gefängniß⸗ und Geldstrafen be⸗ treffend. Vom 4. Mai 1875.

Lippe. Detmold, 13. Mai. Das amtliche Blatt bringt in fetter Schrift folgende Mittheilung: „Wir sind in der Lage, mittheilen zu können, daß außer von Sr. Maäjestät dem Kaiser, auch von Sr. Durchlaucht dem Fürsten Bismarck die bestimmte Zusage eingegangen ist, der feierlichen Uebergabe des Hermannsdenkmals an das deutsche Volk beiwohnen zu wollen.“

Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 15. Mai, Mittags. Der Kaiser ist heute Vormittag 11 Uhr wieder hier eingetroffen und von der Kaiserin, dem Kronprinzen, sämmtlichen Erzherzö⸗ gen, den Ministern, dem Kardinal Rauscher, dem Bürger meister und Gemeinderath, der Handelskammer und einer großen An⸗ zahl anderer Notabilitäten am Bahnhofe begrüßt worden. Eine Ansprache des Bürgermeisters beantwortete der Kaiser mit der Versicherung, daß er sehr befriedigt von seiner Reise zurück⸗ gekehrt sei und mit dem Ausdruck des Dankes für die ihm hier zu Theil gewordene Bewillkommnung. Auf der Fahrt durch die festlich geschmückten Straßen nach der Burg, wobei die Ve⸗ teranen und die Feuerwehr Spalier bildeten, wurde der Kaiser von der Bevölkerung mit lebhaften Hochrufen begrüßt.

Die Landtage zu Wien, Prag, Czernowitz, Insbruck und Triest sind gestern geschlossen worden.

Der Minister⸗Präsident Fürst Adolf Auersperg ist gestern nach Wien zurückgekehrt.

17. Mai. (W. T. B.) Die „Montagsrevue“ vernimmt, daß die Vertreter der ungarischen Regierung nach dem Schlusse der ungarischen Reichstagssession nach Wien kommen würden, um die die Bankfrage betreffenden Verhandlungen mit dem österreichischen Ministerium zu beginnen.

(W. T. B.) Der hier tagende Kongreß des allge⸗ meinen österreichischen Arbeitervereins, bestehend aus 400 Delegirten aus den Provinzen Oesterreichs, hat eine Reso⸗ lution angenommen, welche die Aufhebung des bestehenden öͤsterreichisch⸗ungarischen Zoll⸗ und Handelsbündnisses empfiehlt. Ferner wünscht dieselbe eine rechtzeitige Kündigung der Han⸗ delsverträge mit dem Auslande, eine Revision derselben zu Gunsten des Schutzzolles, endlich die Herbeiführung guter Han⸗ delsbeziehungen zum Orient und die Ersetzung der Vorschuß⸗ kassen durch die Errichtung von Staatsbanken.

Budapest, 15. Mai. Der Minister des Innern beantwor⸗ tete im Abgeordnetenhause heute die Interpellation Majoro's wegen angeblich ungerechtfertigten Vorgehens eines Stuhlrichters im Torontaler Komitate. Die Antwort des Ministers wurde beinahe vom ganzen Hause (selbst ein großer Theil der äußer⸗ sten Linken stimmte dafür) zur Kenntniß genommen. Es wur⸗ den hierauf Petitionen verhandelt und ohne jede Bemerkung er⸗ ledigt. Schließlich wurde die gestern unterbrochene Debatte über den Bericht der Schlußrechnungskommission, betreffend die Pen⸗ sionen, fortgesetzt und wurden nach kurzer Debatte die Ausschuß⸗ anträge angenommen.

Belgien. Gent, 18. Mai. (W. T. B.) Gestern Nach⸗ mittag haben hier, wie die „Flandre liberale“ meldet, bei Ge⸗ legenheit einer nach einem benachbarten Wallfahrtsorte veran⸗ stalteten Prozession Ruhestörungen stattgefunden. Dieselben begannen bereits beim Aufbruch der Wallfahrer, die mit Knitteln angegriffen wurden. Die Ordnung wurde indessen bald durch die Polizei wiederhergestellt. Bei der Rückkehr der Wall⸗ fahrer nach Gent um 5 Uhr wiederholten sich die Unruhen in einem noch größeren Umfange. Die Wallfahrer wurden von Neuem angegriffen und die Fahnen und Embleme, welche sie mit sich führten, ihnen weggenommen und zerbrochen. Da die Wallfahrer sich zur Wehre setzten, kam es zu einem heftigen Handgemenge, dem erst durch energisches Einschreiten der Polizei ein Ende gemacht wurde.

Großbritannien und Irland. London, 15. Mai.

(W. T. B.) Die Reise des Unterhaus⸗Mitgliedes Pope⸗Hen⸗

nesey nach Rom hat sicherem Vernehmen

nach den Zweck, dem Papst eine Petition der irischen Bischöfe zu überbringen des Inhalts, der Papst möge Italien freundlich behandeln und der Versöhnung mit Italien jedes zulässige Opfer bringen, weil in dieser Versöhnung das einzige Mittel liege, Deutschland zu isoliren.

Monatsübersicht für April. Die Königin, welche sich am 4. nach Osborne begeben hatte, kehrte von dort, in Be⸗ gleitung der Prinzessin Beatrice, des Prinzen und der Prinzessin Ludwig von Hessen und deren Kindern, welche um die Mitte des Monats in England eingetroffen waren, am 23. nach Windsor zurück, wo dieselbe bis zur Abreise nach Balmoral verweilen wird. Prinz Leopold hat sich von Windsor Anfang Mai nach Oxpford begeben, um seine Studien daselbst fortzusetzen. Am 28. er⸗ folgte in London die feierliche Installation des Prinzen von Wales als Großmeister sämmtlicher englischen Freimaurerlogen. Sämmt⸗ liche englische und ein großer Theil der schottischen und irischen Logen waren bei der Feierlichkeit vertreten, zu welcher auch die schwedischen Freimaurer Vertreter gesandt hatten.

Die Kinder des Kronprinzen des Deutschen Reichs und von Preußen, mit Ausnahme der beiden ältesten Söhne, trafen am 14. zu einem mehrwöchentlichen Aufenthalte in Hastings ein.

Die britische Regierung hat, in Gemeinschaft mit der französischen, eine Kommission ernannt, welche das Projekt des Kanaltunnels einer näheren Prüfung unterwerfen wird, —und u— Mitgliedern Nrselben“ Hrn. vom Auswärtigen Amte, Kapitän Tyler vom Handels⸗ amte und Hrn. Horace Watson, den Anwalt des Forst⸗ und Domänenamtes, ernannt. Die französischen Mitglieder der Kom⸗ mission sind: der französische Geschäftsträger in London, Hr. Gavart, der General⸗Inspektor der Brücken und Chausseen, Hr. Kleitz und der Ingenieur Hr. Lapparon. Es wurde ferner eine Königliche Kommission zur Untersuchung der geeigneten Mittel zur Verhütung der Selbstentzündung von Kohlen auf Schiffen ernannt, an deren Spitze der frühere Ma⸗ rine-Minister Childers steht. Die zur Untersuchung

der Wirksamkeit der im vergangenen Jahre erlassenen Fabrik⸗

gesetze hat ihre Thätigkeit begonnen und zunächst m einer Be⸗ kanntmachung alle Diejenigen zur Mittheilung ihrer Ansichten eingeladen, welche die Wirkung der betreffenden Gesetze aus Er⸗ fahrung kennen, oder sich durch dieselben benachtheiligt glauben, oder eine Veränderung der bestehenden Bestimmungen wünschen. Die Kommission wird ihre Untersuchungen, außer in London, auch so weit es wünschenswerth erscheinen mag, in den größeren Handels⸗ und Industriestädten fortsetzen.

Das Oberhaus nahm die des Osterfestes wegen vertagten Sitzungen am 8. April wieder auf. Das Unterhaus trat bereits am 5. wieder zusammen.

Dem Unterhause wurde am 16. das Budget für das laufende Finanzjahr von dem Finanz⸗Minister vorgelegt. Das⸗ selbe stellt sich folgendermaßen:

Angenommene Ausgaben: Angenommene Einnahmen: Zinsen der Staats⸗ Sülle. .. 189 0000 schuuld 27,215,000 Accise. . . 27,800,000 Konsolidirte Schuld 1,590,000 Stempelmarken. . . 10,600,000 Armee 14,678,000 Grund⸗ und Häuser⸗ b Spezielle Armeeaus⸗ steuer .. 2,450,000 ausgaben —. .638,000 Einkommensteuer . . 3,900,000 10,785,000 Post . 5,750,000 Civildienst .. . . . 12,656,000 Telegraphen 8 1,240,000 Kosten der Steuer⸗ Kronländereien . . . 385,000 erhebung 3,636,000 Verschiedene 4,100,000 Telegraphen .. .. 1,098,000 Postdampfschiffe 878,000 ö“ Gesammtausgabe 75,266,000 Gesammteinnahme 75,685,000, so daß sich ein Ueberschuß von 417,000 Pfd. Sterl. für das Finanzjahr 1875/76 ergeben würde. Da nur ein so geringer Ueberschuß zu erwarten ist, erklärte der Finanz⸗Minister, daß die Regierung auf eine Herabsetzung der Steuern nicht eingehen könne. Zu gleicher Zeit machte derselbe dem Hause den Vor⸗ schlag, dadurch eine Art von Amortisationsfonds für die Staats⸗ schuld zu schaffen, daß in Zukunft die für die Zinsen der Schuld angesetzte Summe in jedem Jahre auf 28,000,000 Millionen fixvirt werden, und diese Bestimmung in zwei Jahren in Kraft treten solle. Auf diese Weise könnten 1885 bereits 6,800,000 Pfd. Sterl. von der Staatsschuld getilgt sein, und in dreißig Jahren werde die Abminderung 162,000,000 Pfd. Sterl. betragen. In Betreff des abgelaufenen Finanzjahres erklärte der Finanz⸗Minister, daß die Gesammt⸗ einnahmen die Anschläge um 921,870 Pfd. Sterl., die Gesammt⸗ ausgaben dieselben um 370,000 Pfd. Sterl. überschritten hätten, so daß sich in der That ein Ueberschuß von 593,870 Pfd. Sterl. ergeben hätte. Im Parlamente gaben am 19., im Oberhause Lord Derby, im Hause der Gemeinen Hr. Disraeli in Folge der an sie gerich⸗ teten Interpellationen die beruhigendsten Zusicherungen über den Inhalt und die Bedeutung des deutsch⸗belgischen Notenwechsels ab, und erklärten, daß weder die Unabhängigkeit Belgiens noch der Friede Europas gefährdet sei. Am 26. wurde dem Parla⸗ mente der zwischen Deutschland und Großbritannien abgeschlossene Vertrag vorgelegt, wonach die in §. 6 des Handelsvertrages mit Preußen enthaltenen Bestimmungen auf ganz Dentschland ausgedehnt werden. Von den dem Parlamente vorliegenden Bills gelangten im Oberhause die Vorlagen betreffend die Patent⸗ gesetzgebung und die Qualifikation für Friedensrichter, sowie die Meutereigesetze zur dritten, die Vorlage über den Erwerb von Grund⸗ besitz zur zweiten Lesung, ebenso das Gerichtsreformgesetz, nachdem der Lord⸗Kanzler bereits vorher sich über die Politik der Regie⸗

rung hinsichtlich des Ausbaues der Gerichtsreform durch Be⸗

gründung ines höchsten Appellhofes geäußert hatte. Danach sollen die Bestimmungen des Gesetzes vom Jahre 1873 im Großen und Ganzen am 1. November in Kraft treten, nur die Bestimmungen, welche die Appellationsjurisdiktion des Ober⸗ hauses beseitigen sollten, bleiben einstweilen unbeachtet, und soll diese Frage im nächsten Jahre einer erneuten Berathung unter⸗ zogen werden. Für diese Zwischenzeit wird ein Appellhof ein⸗ gerichtet werden, der zwischen der ersten Instanz und dem Ober⸗ hause steht, aber nur einen provisorischen Charakter hat. Im Unterhause wurde die Arbeiterwohnungsbill in dritter Lesung angenommen, ebenso wurden das Armee⸗ und Marine⸗ Budget ohne wesentliche Veränderungen erledigt. Ein Antrag Ballie⸗Cochranes, daß die Konferenz in St. Petersburg Groß⸗ britannien eine günstige Gelegenheit zum förmlichen Rücktritt von der Pariser Deklaration von 1856, in welcher der Grundsat aufgestellt wurde, daß die neutrale Flagge feindliches Gut decke und daß neutrales Gut selbst unter feindlicher Flagge unantast⸗ bar sei, gewähren würde, wurde, nachdem sich der Unter⸗Staats⸗ sekretär Burke entschieden gegen denselben ausgesprochen, mit 261 gegen 36 Stimmen verworfen. Ein Antrag Fawcetts, un⸗ verheiratheten Frauen bei den Parlamentswahlen das Stimmrecht

Kennedy

diese Auswanderung von

u. s. w., befördert.

liche Lösung derselben noch nicht aufgegeben, b der König von Birmah in einer Anfangs Mai erlassenen Pro⸗

zu ertheilen, wurde gleichfalls nach langen und lebhaften Debatten mit 187 gegen 152 Stimmen abgelehnt. Der Premier⸗Minister Disraeli stimmte mit der Minorität. Ein Antrag Chaplins auf Beschränkung bez. Behinderung der Pferdeausfuhr aus dem Vereinigten Königreiche wurde, nachdem sich der Premier⸗Mini⸗ ster dagegen ausgesprochen, fallen gelassen. Eine Petition, welche die Amtsentsetzung der Richter, die in dem Tichborne⸗ Prozesse fungirten, sowie die des Sprechers des Unterhauses verlangte, welche sämmtlich der Parteilichkeit und Korruption beschuldigt wurden, wurde auf den Antrag Disraeli's ver⸗ worfen.

Bei den im Laufe des Monats vorgenommenen Nachwah⸗ len zum Parlamente wurde in Bedfordshire für den durch

Herrn Bassetts Rücktritt erledigten Sitz einstimmig der der libera⸗ len Partei angehörende Marquis of Tavistock gewählt. Von

konservativer Seite war ein Kandidat nicht aufgestellt worden.

In Kirkealdy⸗Burghs fiel die Wahl gleichfalls zu Gunsten des liberalen Kandidaten Sir George Campbell,

Lam ehemaligen Gou⸗ verneur von Bengalen, aus, der mit einer Majorität von 640

Stimmen über den unabhängigen Kandidaten Harker siegte. In der Grafschaft Meath, Irland, trug der Kandidat der Home⸗Rule⸗

Partei,

Parnell, den Sieg davon. 2921

Stimmen 1771,

1 Derselbe während auf den nur 912 fielen;

erhielt von konservativen Naper dagegen haben Home⸗Ruler in „Kilkennn. wo für den durch den Tod des bisherigen Abgeordneten Sir John Gray erledigten Sitz der liberale Kandidat Whitworth gewählt wurde, eine un⸗ rwartete Niederlage erlitten. Von den beiden Kandidaten der Home⸗Rule⸗Partei erhielt E. Dyer Gray 120, Mulhallam Marum 112 Stimmen, während auf Whitworth 290 Stimmen fielen. Aus den amtlichen Handelsausweisen für März ergiebt sich, daß sich der Gesammtwerth der Ausfuhren in dem genannten Monat auf 18,606,223 Pfd. Sterl. belief, 1,494,591 Pfd. Sterl. oder mehr als 7 pCt. weniger als im März 1874, und 3,137,990 oder mehr als 14 pCt. weniger als im März 1873. In dem rsten Quartal des laufenden Jahres erreichte der Gesammtwerth er Ausfuhr die Höhe von 53,060,239 Pfd. Sterl., 4,741,845 fd. Sterl. oder mehr als 8 pCt. weniger als in dem ent⸗ sprechenden Zeitraume 1874, und 9,316,127 oder nahezu 15 pCt. weniger als in derselben Periode von 1873. Der Ge⸗ sammtwerth der Einfuhr im März betrug 30,920,747 Pfd. St., was gegen denselben Monat des vergangenen Jahres eine Zu⸗ nahme von 1,171,903 Pfd. Sterl. oder etwa 3 pCt., gegen März 1873 eine solche von 97,899 oder mehr als 6 pCt. er⸗ giebt. Im ersten Quartale 1875 betrug der Gesammtwerth der Einfuhr 89,321,490 Pfd. Sterl., 3,151,464 Pfd. Sterl. oder 3 pCt. weniger als in der entsprechenden Periode von 1874 und 4,365,102 Pfd. Sterl., oder über 4 pCt. mehr als in derselben Periode von 1873. Am deutlichsten tritt das Darniederliegen des Handels bei Kohlen und Eisen hervor, wenn man die statistischen Angaben des lanfenden Jahres mit denen der beiden vorher⸗ gehenden vergleicht. In dem am 31. März beendeten Quartale stellte sich die Ausfuhr von Kohlen, Koke u. s. w. folgender⸗ maßen: 1873 wurden 2,566,377 Tonnen zum Werthe von 2,740,744 Pfd. Sterl. ausgeführt; 1874 2,896,585 Tonnen zum Werthe von 2,899,417 Pfd. Sterl.; 1875 aber nur 2,446,443 Tonnen zum Werthe von 1,791,634 Pfd. Sterl. Obgleich die Quantität der Ausfuhr in den ersten drei Monaten des laufen⸗ den Jahres nur unbedeutend geringer war, als in der ent⸗ sprechenden Periode von 1873, so hat dieselbe gegen das Vor⸗ jahr doch um 450,800 Tonnen oder 15 ½ pCt. abgenommen. Dem Werthe nach ist der Unterschied noch bedeutender und beträgt der Minderwerth im laufenden Jahre gegen 1874 1,104,000 Pfd. Sterl. oder 34 pCt. An Eisen und Stahl wurden ausgeführt: Im ersten Quartale 1873 669,563 Tonnen im Werthe von 8,375,951 Pfd. Sterl., in demselben Zeitraum in 1874 493,583 Tonnen im Werthe von 7,021,345 Pfd. Sterl., im laufenden Jahre 473,569 Tonnen im Werthe von 5,698,265 Pfd. Sterl. Der Quantität nach hat demnach die Ausfuhr von Stahl und Eisen während der angegebenen Periode im laufen⸗ den Jahre nur wenig gegen die in der entsprechenden Periode des Vorjahres, dagegen sehr bedeutend gegen 1873 abgenommen, indem sich gegen das letztere Jahr eine Abnahme von 196,000 Tonnen oder 32 †Ct. herausstellt. Dem Werthe nach hat die Ausfuhr im laufenden Jahre für die angegebene Periode um 1,323,000 Pfd. Sterl. egen 1874 und um 2,678,000 Pfd. Sterl. gegen 1873, also ez. um 19 und 32 pCt. abgenommen. Für den Monat März allein betrug der Werth der Ausfuhr an Stahl und Eisen im Jahre 1873 3,154,000 Pfd. Sterl.; 1874 2,645,000 Pfd. Sterl. und 1875 1,990,000 Pfd. Sterl. In unmittelbarem Zusammen⸗ hange mit den Stockungen des Handels in den Hauptexport⸗ artiteln Großbritanniens stehen die Herabsetzung der Arbe ts⸗ löhne und die dadurch hervorgerufenen Arbeitseinstellungen, bez. Arbeitersperren. Außer in Süd⸗Wales, wo die Arbeit in den Kohlengruben und Eisenwerken bereits seit mehreren Monaten eingestellt war, ist den Kohlen⸗ und Eisenarbeitern auch in Nord⸗Wales, Nord⸗Staffordshire und Lanarkshire, Schottland, eine Lohnherabsetzung von 10 bis 15 pCt. angekündigt worden, und haben in Folge dessen in Lanarkshire allein 16,000 Eisenarbeiter die Arbeit eingestellt. Auch in Nord⸗Wales haben die Arbeiter sich den gestellten Be⸗ dingungen nicht gefügt, in Süd⸗Wales dagegen hat ein Theil der Arbeiter, nachdem die allgemeine Arbeitersperre daselbst auf⸗ gehoben war, auf die von den Arbeitgebern gestellten Bedin gungen, eine Lohnherabsetzung von 15 pCt. bei eintägiger Kün⸗ digung, die Arbeit wieder aufgenommen. Als eine Folge der im Allgemeinen verminderten Erwerbsfähigkeit ist auch die ver⸗

mehrte Auswanderung zu betrachten, welche namentlich in den länd⸗

lichen Distrikten Englands auffallend zugenommen hat. Zu derselben stellt die Union der Feldarbeiter unzweifelhaft in Folge der im vergan⸗ genen Jahre von den Pächtern und Grundbesitzern durchgeführten Herabsetzung der Arbeitslöhne, das größte Kontingent, und wird den Regierungen Kanadas und Australiens, in denen es in hohem Grade an Arbeitskräften

fehlt, in jeder Weise, durch freie Ueberfahrt, Verschaffung von

Arbeit unmittelbar nach der Ankunft, Anweisung von Ländereien

Die Abfahrt der Nordpol⸗Expedition wurde auf Anfang Juni verschoben, da des Eises wegen ein Vordringen durch den Smith⸗Sund vor August nicht zu bewerkstelligen ist.

Die zwischen der britischen Regierung und dem Könige von Birmah entstandenen Differenzen sind noch nicht beigelegt worden, doch hat die Regierung die Hoffnung auf eine fried⸗ um so mihr, da

klamation alle beabsichtigten Feindseligkeiten in Abrede ge⸗

stellt hat.

In einer am 23. April veröffentlichten Proklamation hat

der Vize⸗König von Indien die Absetzung des Guikowar Mulhar

Rao als Souverän des Staates Baroda ausgesprochen und ihn und seine Nachkommen von allen Rechten, Ehren und Pri⸗ vilegien dieser Stellung ausgeschlossen. Diese Entscheidung des Vize⸗Königs beruht, wie in der Proklamation hervorgehoben wird, nicht auf dem Berichte der Kommission, welche, wie bereits mitgetheilt, eine Einigung nicht zu erzielen ver⸗ mochte, sondern auf der Mißregierung des Guikowar und seiner Unfähigkeit zur Ausführung nothwendiger Reformen. Die einheimische Regierung wird in Baroda indessen wieder hergestellt werden, da die Wittwe des Vorgängers Mulhar Raos die Erlaubniß erhalten hat, ein Mitglied aus der Familie des Guikowar, welches die indische Regierung zur Souveränetät bestimmt, zu adoptiren. Mulhar Rao selbst wurde unter mili⸗ tärischer Bedeckung nach Bombay abgeführt, sein fernerer Auf⸗ enthalt war noch nicht bestimmt. Ein durch die Gattin des Guikowar, Luxinebai, angestifteter Aufstand wurde ohne Mühe unterdrückt und Luxinebai selbst nach Madras gebracht.

Frankreich. Versailles, 15. Mai. (W. T. B.) In der heutigen Sitzung der Nationalversammlu Ig interpellirte der Deputirte Lafon (Linke) den Marine⸗Minister über die Akte gewalt⸗ samer widerrechtlicher Unterdrückung in einem Dorfe der Kolo⸗ nien am Senegal. Der Minister erklärte, über die Thatsachen nichts zu wissen, bemerkte aber, wenn es dort Schuldige gäbe, so würde der Gouverneur sie jedenfalls bestraft haben. Die Versammlung vertagte sich hierauf bis zum nächsten Dienstag.

Spanien. Madrid, 17. Mai. (W. T. B.) Nach dem „Correo militare“ sind die Carlisten vor Pampelona erschienen und haben etwa 24 Kugeln aus ihrem“Geschütz auf edie Stadt verfeuert. Es⸗wurde von den Schüssen Niemand ge⸗ troffen und die Carlisten wurden durch die Geschütze des Forts sofort wieder verjagt. 3

San Sebastian, 16. Mai. (W. T. B.) Die Carlisten haben ihre gegen Guetaria aufgestellte Artillerie zurückgezogen und, wie es scheint, die Belagerung des Platzes aufgegeben. Dagegen scheint ein neuer Angriff gegen Reuteria im Werke.

Italien. Rom, 15. Mai. (W. T. B.) In der heutigen Sitzung der deputirtenkammer sprach der Minister⸗ Präsident Minghetti den Wunsch aus, daß die Berichte über die Gesetzentwürfe, betreffend die Konvention mit den Eisenbahn⸗ gesellschaften und die im Interesse der öffentlichen Sicherheit zu treffenden Maßregeln, baldigst vorgelegt werden möchten, damit diese Gesetzentwürfe noch in der gegenwärtigen Session erledigt werden könnten. Gleichzeitig wünschte der Minister⸗Präsident auch die Vorlage des Berichtes über die Reform der Verbrauchssteuer und machte die Mittheilung, daß er jedenfalls von den Voll⸗ machten der Regierung Gebrauch machen und im Interesse der Finanzen des Staates mit den Munizipalitäten wegen der be⸗ treffenden Abänderung der Verträge verhandeln werde.

(W. T. B.) Die heutige Nummer der „Voce della V erità“ ist wegen Veröffentlichung einer Adresse der Gesellschaft für die katholischen Interessen an die deutschen Pilger und eines auf dieselbe bezüglichen Artikels mit Beschlag belegt worden.

18. Mai (W. T. B.) Der Minister⸗Präsident Min⸗ ghetti. ist nach Ven dig abgereist, um den Kronprinzen und die Kronprinzessin des Deutschen Reichs zu begrüßen. Der Ge⸗ setzentwurf, betreffend die Konventionen mit den Eisen⸗ bahngesellschaften wird in der Deputirtenkammer in den

ersten Tagen des Juni zur Verhandlung kommen.

Türkei. Konstantinopel, 18. Mai. (W. T. B.) Nach Meldung aus Scutari sind die in der Podgorizza⸗Affaire gefällten 2 Todesurtheile vorgestern vollzogen worden; 6 Ange⸗ klagte, welche zur Zwangsarbeit verurtheilt worden waren, sind hierher gebracht worden.

Numänien. Bukarest, 16. Mai. (W. T. B.) Bei den Wahlen des vierten und letzten Wahlkollegiums, welche gestern beendigt sind, sind nur konservative Deputirte gewählt worden. Die ministerielle Majorität in der Deputirtenkammer ist dadurch vollständig sichergestellt

18. Mai. (W. T. B.) Der auch mit der Würde eines Präsidenten des Senats bekleidete Metropolit und Primas von Rumänien, Niphon, ist gestern Nachmittag gestorben.

Amerika. Rio de Janeiro, 15. Mai. (W. T. B.) Die Nationalbank hat ihre Zahlungen einstweilen suspensirt, ein Moratorium verlangt und versprochen, nach A. lauf desselben sämmt⸗ liche Zahlungen mit den Zinsen voll zu leisteu. Die Brasilianische Bank ist ihr mit namhaften Vorschüssen zu Hülfe gekommen. Auch die Regierung hat einen Gesetzentwurf behufs Emittirung von 25,000 Contobillets zur Unterstützung der Nationalbank im Par⸗ lamente eingebracht. Die Krisis soll durch große Arbeiten in den Provinzen, welche beträchtliche Kapitalien absorbirten, her⸗ vorgerufen sein. Man sieht dieselbe nunmehr als beseitigt an.

Asien. Peshawer (Pundjab), 17. Mai. (W. T. B.) Durch ein über 60 Stunden anhaltendes Feuer ist der fünfte Theil der ganzen Stadt in Asche gelegt worden, gegen 15,000 Menschen befinden sich ohne Obdach.

Nr. 10 des Centralblatts der Abgaben⸗, Gewerbe⸗ und Handels⸗Gesetzgebung und Verwaltung in den König⸗ lich preußischen Staaten hat folgenden Inhalt: Cirkularverfügung des Königtichen Finanz⸗Ministeriums, das Reitzeug der reitenden Zoll⸗ und Steuerbeamten betreffend, vom 17. März 1875. Cirkularver⸗ fügung des Königlichen Finanz⸗Ministeriums, Steuerrückvergütung für ausgeführten Tabak betreffend, vom 24. Februar 1875. Crkular⸗ verfügurg des Koniglichen Finanz⸗Ministeriums, die Entrichtung der Braustener im Wege der Vermahlungssteuer betreffend, vom 18. März 1875.

Ein Verzeichniß der wichtigeren Verkehrsorte mit besonderer Berücksichtigung der außer der Ortsbezeichnung in der Landessprache erfahrungsmäßig öfter vorkommenden Benennungen in anderen Sprachen bearbeitet nach amtlichen Materialien, ist unter dem Titel Post⸗ Lexikon soeben im Verlage der Königlichen Geheimen Ober⸗Hof⸗ buchdruckerei (R. v. Decker) erschienen

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

In Halle starb am 14. d. Mts. der Geheime Regierungs⸗ Rath Professor Dr. Gottfried Bernhardy. Zwischen dem 9. und 14. August d. Js. findet in M ünchen eine Generalversammlung der deutschen anthropologischen und geologischen Gesellschaft statt und es haben für beide bereits zahlreiche Gelehrte von Ruf ihr Erscheinen zugesagt. Die Gemeinde München wird für die Gäste beider Kongresse ein gemeinsames Keller⸗ fest veranstalten.

Se. Majestät der König von Bayern hat der Blg Ztg.“ zufolge auf Grund der gutachtlichen Vorschläge einer Sach⸗

verständigen⸗Kommission aus dem Fonds für Pflege und Förderung!

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der Kunst verschiedene Summen zur Ausführung monumen⸗ taler Werke der Skulptur wie der Malerei bewilligt, und zwar: 10,000 Fl. Zuschuß zur Herstellung eines Siegesdenkmals auf dem Fronhof in Augsburg durch den Bildhauer Zumbusch, wofür die Stadtgemeinde 30,000 Fl. votirt hatte; ferner 10,000 Fl. für die Ausführung eines großen Oelgemäldes durch den Historienmaler Franz Adam zur Erinnerung an die Waffenthaten der bayerischen Armee im letzten französisch⸗deutschen Kriege; 2400 Fl. für die Vollendung der Fnßl s chen Ausschmückung der katholischen Kirche in Graben⸗ stadt am Chiemsee, 6000 Fl. Zuschuß für die Herstellung eines Denk⸗ mals in der protestantischen Stiftskirche in Kaiserslautern, zur Erinne⸗ rung an die Vereinigung der Lutheraner und Reformirten der Pfalz; 6000 Fl. für die Herstellung von Glasgemälden in der katholischen Stiftskirche zu Herr ieden, und 4000 Fl. zu gleichen Zwecken in der protestantischen Hauptkirche zu Nördlingen, endlich einen Zuschuß von 18,000 Fl. für die Herstellung eines monumentalen Brunnens auf dem Maximilians⸗Platz in Bamberg.

Die Nr. 21 der Zeitschrift „Die Natur“, Zeitung zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntniß und für Leser aller Stände (Organ des Deutschen Humboldt⸗Vereins), herausgegeben von Dr. Otto Ule und Dr. Karl Müller von Halle. Halle, G. Schwetschkescher Verlag, (Preis 3 pro Quartal) hat folgenden Inhalt: Die horizontale und vertikale Ver⸗ breitung der Fische. Von Carl Dambeck. (Fortsetzung.) Aus dem Reiche des Kleinen. Von Hermann Meier. Mit Abbildungen. Lite⸗ raturbericht: Professor Dr. Johannes Fr. X. Gistel, genannt G.⸗Tilesius, Carolus Linnaeus. (Fortsetzung“ Zoologische Mitthei⸗ lungen aus dem Chaco Central. Botanische Mittheilungen: 1) die Heimath der Aldrovandia und die Begleitpflanzen der Reisfelder. 2) Wirkung der Blumen von Colchicum autumnale auf die Haut. Technisches aus unserer Zeit: Photographisches Papier.

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Vom meteorologischen Observatorium zu Konstantinopel wird an die Wiener Kaiserlich⸗Königliche Centralanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus am 12. d. telegraphirt: „Gestern Morgen 5 Uhr fand in Kleinasien an der Küste des ägäischen Meeres ein ziemlich heftiges Erd beben statt; besonders intensiv wurde dasselbe zu Smyrna und Rhodus an den meteorologischen Beobachtungsstationen wahrgenommen. Zur Zeit der Naturerscheinung war der Luftdruck 759 Mm, die Temperatur +† 170 Gr. Celsius, es herrschte mäßiger Nordostwi bei ziemlich stark bewegter See und halb bewölktem

Land⸗ und Forstwirthschaft.

Das Aprilheft (18. Jahrg.) der „Monatsschrift des Vereines zur Beförderung des Gartenbaues in den Kö⸗ niglich preußischen Staaten für Gärtnerei und Pflan⸗ zenkunde“ (Eigenthum des Vereins. Redacteur Dr. L. Wittmack, stellvertretender Gencral⸗Sekretär des Vereines. Berlin. In Kommission bei Wiegandt, Hempel & Parey) hat folgenden Inhalt: 573 Versammlung des Vereins zur Beförderung des Garten⸗ baues. 572. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. Dr. Lender, Vortrag über Ozon. Anleitung zur Weintreiberei von E. Hinrichs in Steglitz. Einfluß des heißen Sommers 1874 auf die Treiberei im Winker 1874/75. Wenzig, Die Familie der Pomariae. Internationale Gartenbau⸗Aus⸗ stellung in Cöln. Vulkanische Erde.

Bremen, 14. Mai. Der Präsident des Vereins gegen das Moorbrennen, Senator Dr. Pfeiffer, hat den geschäftsfüh⸗ renden Ausschuß auf den 23. Mai hierher berufen, um Ort, Zeit und Tagesordnung der diesjährigen allgemeinen Vereinsversammlung festzustellen und anderweitige Anorenungen für die weitere Agitation zu treffen. Diese wird alsdann zunächst besonders in Westfalen und am Niederrhein wieder aufgenommen werden. Einstweilen veröffentlicht der Verein eine neue, der rationellen Moorkultur förderliche Schrift: „Urbar⸗

machung und Landbau in den Moorkolonien der Provinz Groningen von T. Borgesius, übersetzt von W. Peters“, worin die Landwirth⸗ schaft auf kanalisirtem Hochmoor nach einer mehr als zweihundert⸗ jährigen stetigen Entwickelung hoöͤchst anschaulich geschildert wird. Der erfahrene hollän ische Agronom spricht am Schlusse dem Unternehmen der preußischen Staatsregierung, die großen Moore links der Ems durch einen planmäßigen und energisch betriebenen Kanalbau aufzu schließen, seine vollste Anerkennung aus. Da mit dem Fortschreite

der Ems⸗Kanäle aber die Kolonisation dort in großem Maßstabe erst möglich wird, so kommt die Uebesetzung der Borgesiusschen Schrif gerade zur rechten Zeit.

Gewerbe und Handel.

Die Lage des österreichisch⸗ungarischen Eisen- und Stahlmarktes hat sich, wie die „Magdeb. Ztg.“ berichtet, in den letzten Wochen ungünstig gestaltet. Die Notirungen, ab den betref⸗ fenden Werkstationen per Zollzentuer franko Waggon gelegt, sind fol⸗ gende: Steierisch⸗Kärntnerisches weißes Holzkohlen⸗Roheisen 2.50—- 2.75 Fl, steierischkärntnerisches graues Holzkohlen⸗Roheisen 3.15 3.25 Fl, bessemer Roheisen 2.80 2.90 Fl., Spiegeleisen 3.15 3 25 Fl., böhmisches Roheisen 2.15 2.25 Fl., oberungarisches va v. Roh⸗ eisen 2— 2 15 Fl, oberungarisches graues Roheisen 2.30 50 Fl.. Die Grundpreise von Stabeisen sind: Steierisch kärntnerisches 6.50 —- 7, Fl., mährisch⸗schlesisches 6,50 6,80 Fl., böhmisches 6 6.40 Fl., oberungarisches 6 6.30 Fl., ungarisches Winkeleisen 9.25 7.25 Fl. Die Grundpreise von Blechen sind: Steierisch kärntnerische 7.50 8.50 Fl., mährischeschlesische 7.40 8.,50 Fl. Eisenbahnschienen ohne Um⸗ satz. Grubenschienen von Eisen 6 50 Fl., Grubenschienen aus Stahl

7,25 5.50 Fl., Eisenschienen mit fünfjähriger Garantie 6.15 6 25

Fl. bessemer Stahlschienen mit zehnjähriger Garantie 7 —– 7.25 Fl., bessemer Stahlradkräänze ohne Schweißung 8 10.50 Fl., je nach Be⸗ stimmung.

Verkehrs⸗Anstalten.

Die „Pall Mall Gazette“ giebt eine sehr interessante Be⸗ schreibung von „Lokomotiven ohne Feuer“, die auf einer Ver⸗ bindungsbahn zwischen New⸗Orleans und den Vorstädten im Ge⸗ brauch sind. Die Bahn hat eine Länge von ungefähr 6 englischen Meilen. Bis zur eigentlichen Stadtbegrenzung werden die Wagen von Maulthieren gezogen, die dann abgespannt und durch die Loko⸗ motive ersetzt werden, eine Operation, die nicht mehr Zeit in An⸗ spruch nimmt, als das Umspannen der Maulthiere erfordern würde. Der Zug schießt jetzt wie ein Pfeil dahin, indem der Conducteur auf der Platform stehen bleibt, um die Maschine zu reguliren. Der Waggon läßt sich viel rascher zum Stehen bringen und wieder in Be⸗ wegung setzen, als wenn er von Maulthieren gezogen würde. Die Bahn ist doppaspurig und liegt mitten auf einer breiten Straße, einige Centimeter höher als das Niveau derselben, so daß sie von Wagen nur da, wo Straßen sich kreuzen, überschritten werden kann; da sie sonach gewissermaßen isolirt ist, kann man mit einer betraͤchtlichen Ge⸗ schwindigkeit fahren. Die Lokomotive besteht aus einem einfachen Cylinder aus Eisenblech, wie die Dampfkessel, der bei einer Länge von zehn Fuß kaum drei Fuß im Durchmesser hat; er liegt auf einem vierrädrigen Gestell und ist zum Theil mit Wasser angefüllt. Die vertikale Doppelmaschine steht mit dem Cylinder in Verbindung seitwärts vom Waggon und an der Thüre des Conducteurs. Der Cylinder wird bis zu der erforderlichen Spannung mit Dampf ge⸗ füllt, der einem stehenden Dampfkessel auf der Station zu Carrolton entnommen wird, und dieser Dampf genügt, um den Waggon bis zur Stadt und kostenfrei E“ Weder Feuerungsapparat noch Pumpen find erforderlich. Die Kosten dieser Beförderungsart stellen sich niedriger, als wenn man Maulthiere verwendete. Der Preis einer derartigen Lokomotive beträgt 1250 Dollars, einschließlich der Prämie für den Erfinder. Die Direktion dieser Eisenbahn ist dem General Beauregard anvertraut.

St. Petersburg, 17. Mai. (W. T. B.) Heute sind die ersten Dampfer aus dem Auslande hier eingetroffen und ist die Schiffahrt damit als wiedereröffnet zu betrachten. Auch um

Kronstadt herum befindet sich nur noch wenig schwaches Eis