Schritt zur Besserung ihrer Lage gethan. Nirgendwo sind die Angreifer, auegenommen an der Grenze bei Zajcar — wenu es noch wahr ist. Ich gestehe, daß mir die serbischen Aussichten sehr düster erscheinen. Wo der Sieg in Anspruch ge⸗ nommen wird, wie von Uzun Mirkowitz und Alimpits, da besteht er blos in der Zurückweisung eines Angriffs — mit anderen Worten: in dem Vermeiden einer Niederlage. Sie nehmen übrigens nicht einen Fußbreit türkischen Bodens und nichts als das rürre Ergebniß der Behauptung ihres eigenen Territoriums für sich in Anspruch. Alimpits vermochte den Türken nicht bis Bjelina hinein zu folgen. Ducic konnte nicht die Höhen von Nova Varos hinter den Verschanzungen, aus welchen er die Türken verjagt haben will, gewinnen. 8 5 Heute kehrten die montenegrinischen Abgeordneten hierher zurück. Ueber das, was sie gesehen, erfuhr man nichts. Am Sonntag be⸗ giebt sich Fürst Milan zu einer Inspizirung der T zuerst nach Zajear und dann wahrscheinlich nach Aleksinac. Das Wetter ist sehr regnerisch. General Tschernajeff wird heute hier zu einer persönlichen Besprechung mit dem Fürsten erwartet.
Rumänien. Bukarest, 21. Juli. (Allg. Ztg.) Gestern überreichte der Ausschuß des Senats, geführt von dem Vize⸗Präsidenten Joan Ghika, dem Fürsten Karl im Thron⸗ saale des Palais mit der hergebrachten Feierlichkeit die Thron⸗ adresse, auf welche Se. Hoheit antwortete: b
„Hr. Vize⸗Präsident! Meine Herren Senatoren! Wir find sehr empfänglich für die Gefühle der Ergebenheit, welche Sie mir auch heut ausdrücken. Die Versicherungen, welche Sie mir im Namen des Senats geben, sind um so werthvoller, als unter den gegenwärti⸗ gen Umständen nur durch das genaueste Einverständniß zwischen den gesetzgebenden Körpern und der Regierung, nur durch Vaterlandsliebe und den Geist der Mäßigung der Mandatare der Nation, wir, im Angesicht der Ereignisse, welche sich an unseren Grenzen abspielen, die als nothwendig erkannte Neutralität aufrecht erhalten können, um die auswätigen Gefahren zu umgehen, und um im Innern die mora⸗ lischen und materiellen Interessen unseres theueren Vaterlandes zu entwickeln. Wir danken Ihnen nochmals, meine Herren Senatoren, für Ihre Ergebenheit. Die Fürstin schließt sich diesem Dank an.“
Vorstehende Antwort des Fürsten wurde gestern bei Eröff⸗ nung der Senatssitzung vorgelesen. Alsdann machte der Finanz⸗Minister eine Vorlage zur Prägung von Gold⸗ münzen mit dem Bildniß des Landesfürsten. Bekanntlich wurden schon im Jahre 1867 Zwanzig⸗Lei⸗Stücke aus Gold mit dem Portrait des Fürsten Karl geprägt und in Verkehr gesetzt, mußten jedoch in Folge des Einspruches der Türkei wieder ein⸗ gezogen werden. Der Senator Deschliu machte alsdann den Vorschlag: die Regierung möge, um sich Geld zu verschaffen, die im Depot der Depositenkasse befindlichen Effekten bei den Bankiers versetzen; aber der Finanz⸗Minister bekämpfte diesen Vorschlag, der Senat lehnte ihn ab und zog sich zu einer geheimen Sitzung zurück, um die Rechtfertigung des früheren Kriegs⸗Ministers Floresco darüber anzuhören, daß er fünf Jahre lang seinen Ausgaben⸗Etat überschritten, um eine kriegsbereite Armee von 60,000 Mann zu schaffen. Sobald die Sitzung wieder zu einer öffentlichen geworden war, bewilligte der Senat dem gegenwärtigen Kriegs⸗Minister Slaniceano das Verlangen, die Reserven unter die Waffen berufen zu dürfen, sobald es nothwendig sein würde; jedoch beschränkte der Senat diese Bewilligung nur auf Reserven der 2. Territorial⸗Division.
— 27. Juli. (W. T. B.) Die Deputirtenkammer hat die Handels⸗ und Schiffahrtskonvention mit Ruß⸗ land definitiv angenommen.
Rußland und Polen. St. Petersburg, 26. Juli. Die Blätter begrüßen die Anwesenheit der italienischen Kronprinzlichen Herrschaften. So sagt der „Golos“:
„Der Besuch des Prinzen Humbert und der Prinzesfin Marga⸗ retha an unserem Hofe dient als klarer Beweis für die freundschaft⸗ lichen Beziehungen zwischen zwei Staaten, welche zwar geographisch von einander weit entfernt, aber verbunden sind sowohl durch das Gefühl der Solidarität vieler Interessen, als durch die Macht des nationalen Bewußtseins, welches Italien erstehen ließ, und welches, so oft auch Rußland dazu gedient hat, Angriffe abzuwehren und die Ränke offener und geheimer Feinde zu zerstören. Die That der Re⸗ generation Italiens hat bei der russischen Gesellschaft stets Sympathie gefunden. Unsere Sympathie für Italien war vollkommen uneigen⸗ nnutzig, aber auch, wiederholen wir es, natürlich. Wir Russen balten die Macht des Nationalgefühls so hoch, schätzen die Selbstaufopfe⸗
des Patriotismus, welcher in schweren Minuten des Lebens das Volk mit seiner Regierung in ein untheilbares Ganzes sich zu⸗ sammenfügen läßt, so sehr, unsere eigene Geschichte ist so reich an derartigen auf diesem Wege gewonnenen Resultaten, daß wir nicht anders als mit der wärmsten Sympathie Ereignissen folgen konnten, welche nach und nach eine neue Großmacht in Europa geschaffen haben. Die Thatsachen haben es bewiesen, daß diese Gefühle nicht umsonst gewesen sind. In den Ereignissen der letzten Zeit hat Italien und seine Regierung eine Stellung eingenommen, welche deut⸗ sich den Beweis liefert, daß dem Kabinet im Quirinal die Vor⸗ urtheile einer vergangenen Zeit fremd sind und daß dasselbe nicht von veralteten Theorien, sondern von dem lebendigen Verständniß eines neuen internationalen Rechts geleitet wird, auf welchem Boden auch unsere auswärtige Politik steht, eines Rechts, das auf Gerechtigkeit und Siltlichkeit, nicht aber auf engherzigen, egoistischen Berech⸗ nungen gegründet ist. In den, durch die Ereignisse im Orient her⸗ vorgerufenen Unterhandlungen hat Italien sich mit mannhafter Ent⸗ schlossenheit zu Gunsten der Unterdrückten gegen die Unterdrücker aus⸗ gesprochen und kein Bedenken getragen, sich den Bemühnngen Ruß⸗ lands zur Wiederherstellung der niedersetretenen Rechte der türkischen Christen anzuschließen. Das offene und aufrichtige Verhalten der italienischen Regierung zur Orientfrage ist für uns werthvoll gewesen und hat als Beweis gedient, daß wir uns nicht geirrt hatten, als wir die große That der italienischen Einheit uns so sehr zu Herzen nahmen. —“*
Amerira. Die Vereinigten Staaten haben gegen die aufständischen Indianer 3 Generale mit 6000 Mann ins Feld ge⸗ sandt; die Schwierigkeiten des Truppentransports sind aber so groß, daß die Kosten jedes getödteten Indianers von den ameri⸗ kanischen Blättern auf 30,000 Dollars berechnetzwerden.
Asien. Die „Times“ erhält folgendes Telegramm vom 25. d. M. aus Taschkend: „Zwischen Khojend und Khokand ist eine Postverbindung eröffnet worden. Nach den neuesten Nach⸗ richten aus Manas in Turkestan ist jener Ort belagert von 2000 Chinesen unter dem Befehle von Ambau Kunikjans. Ein Heer rückt vor von Kutschun auf Umritsi unter dem Befehl von Msun Dshu zum Zwecke der Bestrafung der Dsungar Horden, die im letzten Juni Einfälle in Bulonkhotai und Tschugutchak machten.“
Afrika. Aegypten. Bekanntlich hat vor einigen Tagen der Vize⸗König sich geweigert, ein zu seinen Ungunsten ausgefallenes civilrechlliches Urtheil des auf seinen be⸗ sonderen Wunsch im vorigen Jahre in Alexandrien eingesetzten internationalen Gerichtshofes vollstrecken zu lassen. Wie den „Times“ telegraphisch gemeldet wird, haben Deutschland und Oesterreich dem Khedive sofort mittheilen lassen, daß sie seine gegen die Kompetenz des Gerichtshofes erhobene Ein⸗ wendung nicht gelten lassen können. Das Deutsche Reich ist be⸗ kanntlich bei diesem Gerichtshofe durch drei Mitglieder vertreten und zwar durch den Grafen L. Marogna als Mitglied des Appellhofes zu Alexandrien, durch Herrn T. von Wilmowski, als Substitut des Generalprokurators desselben Appellhofes und durch Herrn F. Haplus als Mitglied des Tribu⸗ nals erster Instanz in Alndexarien. Der Sachverhalt ist nun folgender. Ein Besitzer von Wechseln 1 Bons, Herr Carpi, die der Vize⸗König zu bezahlen verpflichtet war, welche aber am Verfallstage nicht ein⸗ gelöst worden waren, strengte die Klage hbei dem genann⸗ ten Gerichtshofe an, welcher am. 28 Jundk 1875 zur Entscher⸗ dung von Prozessen zwischen Einheimischen und Fremden eingesetzt wurde. Artikel 10 des vom Vizekönig mit den europäischen Mächten dier. z aboesschlasseuen Ver⸗ trages sagt nun wörtlich: „Die zhgꝛerung, die Verwaltung, die Dairas (Privatbesitz) Seiner Hoheit des Khedive und seiner Familienmitglieder sollen der Juris⸗ diktion dieses Gerichtshofes in legalen Streitigkeiten mit Fremden unterworfen sein.“ Gleichwohl hat der Gerichtshof erster Instanz, bestehend aus folgenden Mitgliedern: Ahmed Ebeid Effendi, Aly Bey Ibrahim, Chimy Bey, Os⸗ man Orsi Effendi, Said Haffnui Effendi, E. Anthoniadis, (Griechenland), A. Bargehr (Oesterreich⸗Ungarn) Baron v. Arm⸗ felt (Schweden), J. A. Haakman (Niederlande), C. Jaussen, (Belgien), J. Moviendo (Italien), Fürst A. Murusi (Rußland) den Kläger abgewiesen, indem es sich für inkompetent ertlärte,
und
Laustro⸗aegyptischen Bank hat beschlossen,
da die Vertagung der Zahlung dem Vizekönig durch ein Staats⸗ gesetz erlaubt worden sei, der Gerichtshof aber verpflichtet sei, seinen Urtheilen die thatsächlichen Staatsgesetze zu Grunde zu legen. Der Kläger appellirte hiergegen und der Fall „Carpi versus Daira sonia khedivia“ kam vor den Appelhof in Alexandrien, der sich nach Anhörung beider Parteien in einer unter Vorsitz des Hrn. Alois von Lapenna, des öster⸗ reichisch⸗ungarischen Mitgliedes dieses Gerichtshofes, abgehaltenen Sitzung für kompetent erklärte und den Vizekönig zur Zah⸗ lung verurtheilte, da ein Staatsgesetz private Schuldverpflich⸗ tungen nicht aufheben könne. Wie erwähnt, haben sich nun die ägyptischen Behörden der Vollstreckung dieses Urtheils widersetzt. In Folge dessen befahl der Präsident des Gerichtshofes, Hr. Haerkmann, die vorläufige Einstellung der richterlichen Thãͤ⸗ tigkeit, scheint hiermit jedoch seine Befugniß uüberschritten zu haben. Er hat sein Amt niedergelegt und ist an seine Stelle das von Griechenland delegirte Mitglied Antoniadis gewählt worden. Wie die „Times“ andeuten, scheint die ägyptische Re⸗ gierung die ganze Angelegenheit der Beurtheilung der bei dem Gerichtshofe vertretenen Mächte anheim geben und sich deren Entscheidung unterwerfen zu wollen.
Statistische Nachrichten.
Nach Mittheilung des statistischen Bureaus der Stadt Berlin sind bei den hiesigen Standesämtern in der Woche vom 16. Juli bis incl. 22. Juli cr. zur Anmeldung gekommen: 205 Eheschließungen, 857 Lebendgeborene, 40 Todtgeborene, 854 Sterbefälle.
Kunst, Wissenschaft und Literatr.
Die „Straßv. Ztg.“ meldet unter dem 24. Juli: „Die hiesige Universitäts⸗ und Landesbibliothek, welche bekanntlich in der Zeit ihrer Gründung von allen Seiten her mit so großartigen Schenkungen bedacht worden ist, darf auch heute noch mit Fug auf die zahlreichen Sympathien hinweisen, die sich ihr in eifriger Be⸗ thätigung zuwenden. Haben doch selbst die fernsten Länder, wie Chili, Indien und Australien, ihre warme Theilnahme an dem neuen elsässischen Institut bewährt. In Europa selbst hat sich namentlich auch das russische Reich in dieser Beziehung ausgezeichnet. Den vielen von dorther erfolgten Sendungen reihte sich nun dieser Tage eine aͤußerst werthvolle aus Finnland an, welche wir zunächst der gütigen Verwendung des Herrn O. Donner, Professor des Sanskrit und der Sprachvergleichung an der Universität von Helsingfortz, ver⸗ danken. Die soeben übermittelten 164 Bände, großentheils Geschenke der finnischen Gesellschaft der Wissenschaften und der finnischen Literaturgesellschaft, bieten vor Allem ein rühmliches Zeugniß von der geistigen 1 . Handels⸗ und Gelehrtenstadt. Hochschätzbar für uns sind namentlich die zahlreichen Werke über finnische Sprache und Literatur, unter welchen wir hier zunächst nur die verschiedenen Auflagen und Be⸗ arbeitungen des prachtvollen finnischen Epos Kalevala hervorheben wollen. Einen wichtigen Beitrag bildet vornehmlich auch das ver⸗ gleichende Wörterbuch der finnisch⸗ugrischen Sprachen von Professor Donner selbst, welcher gleich seinem Kollegen, dem aus⸗ gezeichneten Phystologen und Pathologen O. E. Hjelt, die Freundlich⸗ keit hatte, seine eigenen Schriften beizulegen.“
— In der gestrigen der „Köln. Ztg.“ entnommenen Mittheilung über die Vertheilung der großen Medaille seitens der Pariser geographischen Gesellschaft ist anstatt Lindau und Stumm zu lesen: „Lindau und Stuht“.
Gewerbe und Handel.
Wien, 27. Juli. (W. T. B.) Die Generalversammlung der
Regsamkeit jener in jüngster Zeit so herrlich aufstrebenden;
zur Beschlußfassung über die Liquidation der Gesellschaft nach 3 Monaten eine außer⸗ ordentliche Generalversammlung einzuberufen. 1“ Verkehrs⸗Anstalten. e“ New⸗York, 26. Juli. (W. T. B.) Der Dampfer „Greece“ von der National⸗Dampfschiffs⸗Compagnie (C. Messingsche Linie) ist hier eingetroffen.
Aus dem Wolffschen Telegraphen⸗Bureau.
London, Freitag, 28. Juli, Vormittags. Wie den „Daily News“ aus Madina vom gestrigen Tage gemeldet wird, sind die Häfen von Dahomey am 1. d. M. in Blokadezustand erklärt worden. Den Schiffen, welche sich bereits vor dieser Zeit in den Häfen befanden, wurde eine Frist von 30 Tagen bewilligt, um ihre Ladung einzunehmen und abzufahren.
Berlin, den 28. Juli 1876.
Zur preußischen Geschichte aus der Zeit Friedrichs des Großen und Friedrich Wilhelms III. hat der frühere Direktor der preußischen Staatsarchive, Max Duncker, sechs Abhandlun⸗ gen veröffentlicht, welche in Leipzig bei Duncker und Humblot erschienen sind. Drei von den in dieser Sammlung vereinig⸗ ten Abhandlungen beschäftigen sich mit der Zeit König Frriedrich des Großen; die drei andern behandeln Gegenstände aus der Zeit von 1807 bis 1813. Die erste Abhandlung befaßt sich mit einer Schrift des Kronprinzen Friedrich, den Considérations sur l'Stat présent du corps politique de l'Europe. Die zweite Abhandlung ist militärgeschichtlich. Sie führt den Nachweis, daß
die konventionelle Darstellung der Umstände, welche den Verlust der Schlacht bei Kollin veranlaßt haben, in wesentlichen Punkten unrich⸗ tig ist. Die dritte der auf die Zeit König Friedrich des Großen bezüglichen Abhandlungen giebt eine Darstellung der Wege, die zur eres Theilung Polens und zur Besitzergreifung Westpreußens durch
Friedrich II. geführt haben. Von den drei die zweite Gruppe bilden⸗ den Abhandlungen ist die erste „Preußen während der Okkupation
in den Jahren 1807 — 1813. Die folgende Abhandlung führt
an der Hand der amtlichen Rechnungen den Beweis, daß Frankreich für den Krieg 1806 — 7 von Preußen 1,020,299,494 Francs 11 Cen⸗ times an Kriegsentschädigung empfangen hat. Den Schluß der
Sammlung bildet eine Untersuchung über die Mission des Obersten
Knesebeck nach St. Petersburg im Jahre 1812.
München, 25. Juli. Gestern ist München durch ein neues 11.““ bereichert worden. Es gilt dem Andenken an dem im Jahre 1874 zu Berlin, seiner Vaterstadt, in hohem Alter gestorbenen Königlichen Universitätsprofessor Dr. Hans Ferdinand Maßmann. Als solcher wirkte er hierselbst
literarisch und als Lehrer thätig, von 1826 — 1842. Dem berühmten Germanisten und Historiker gebührt das Verdienst der Gründung der ersten Königlichen öffentlichen Turnanstalt hier, der er bis zu seinem Weggang, 1842, als treuer Leiter vorstand. Auf deren weitem schat⸗ tigen Wiesenplan in Oberwiesenfeld fand das Denkmal seinen Auf⸗ stellungsplatz. Das Monument ist ein etwa 12 — 14 Fuß hoher, pyra⸗ midenförmig zugespitzter Tuff⸗ oder Tropfstein aus der Te⸗ ernseer Gegend. Ganz oben trägt er eine schräg angebrachte Tafel von weißem Marmor mit Inschriftswidmung.
Braunschweig, 25. Juli. In den Tagen vom 27.—30, Juli⸗ wird die achte deutsche Turnlehrerversammlung hier statt finden. Am Empfangstage findet eine vorberathende Sitzung des Ausschusses statt, welcher am folgenden Tage (28.) die erste ordentliche Versammlung folgen wird. Die für die Tages⸗ ordnung angemeldeten Vorträͤge sind bis jetzt folgende: 1) Ein Antrag des Berliner Turnlehrervereins, die Aufstellung einer Geschäftsordnung für die deutschen Turnlehrertage be⸗ treffend, Berichterstatter Dr. Hermann, Berlin; 2) ein Vortrag von Prof. Dr. Euler, Berlin, über ein Lebensbild von Jahn und dem Stande des Turnens zu seiner Zeit (1816) in Berlin, nach ungedruckten Quellen;
3) Thefen von Gymnasiallehrer A. Hermann, Braunschweig: a. unser deutsches Turnen, so wie es sich bis jetzt gestaltet hat, genügt nicht, um die Leibesübungen zur Volkssitte zu erheben, b. es ist vielmehr zur Er⸗ reichung dieses Zweckes nothwendig, erstens die Volkswettübungen mehr zu betreiben, und zweitens das Spiel als eine nothwendige Ergänzung des Turnens mehr auszubilden und mit der Jugend zu pflegen; 4) ein Vortrag des Dr. Fedde, Breslau, über das griechische Pen⸗ tathlon; 5) Turnlehrer Kümmel, Wien, stellt Turngeräthe und Mo⸗ delle Wiener Einrichtung aus. Schauturnen der hiesigen Turner⸗ schaften, Schulturnen einer Klasse der Wolfenbüttler höheren Mädchen⸗ schule sowie Spiele einer Abtheilung Schüter des Gymnasiums wer⸗ den ebenfalls stattsinden.
Straßburg, 25. Juli. Die Feier der Erösfnung der Bahnstrecke Straßburg⸗Lauterburg⸗Germersheim ist gestern programmgemäß verlaufen. Von Straßburg und Ludwigs⸗ hafen her waren die Festtheilnehmer aus der Pfalz und aus dem Elsaß (unter den letzteren der Ober⸗Hräsident, die Spitzen der Be⸗ hörden und mehrere Notable aus der Bürgerschaft) zusammengetroffen und machten dann gemeinsam die Fahrt nach Straßburg. War schon auf den pfälzischen Stationen der Empfang ein herzlicher und fest⸗ licher, so war er es auf den elsässischen nicht minder. Die deutschen Fahnen auf den Kirchthürmen, das Willkommen mit Musik, An⸗ sprache und Bewirthung auch auf den kleinen Stationen, die leb⸗ hafte Betheiligung bekundeten die Stimmung der Bevölkerung. In Straßburg brachte bei dem offiziellen Diner der Ober⸗Präsident ein Hoch auf Se. Majestät den Kaiser, der Gouverneur auf auf Se. Majestät den König von -K en aus. Von den sonstigen Reden ist die des Präsidenten der Se urger Handelskammer hervor⸗ zuheben. Eine Beleuchtung des Münsterthurmes schloß das Fest. Auf die neue Strecke werden die Nachts⸗Schnellzüge von Basel nach Mainz geleitet und damit eine bedeutende Erleichterung des Verkehrs, sowie eine Abkürzung der bisherigen Fahrzeit auf diese Entfernung erzielt werden.
Weimar, 24. Juli. (Nat. Z.) In Brüssel findet im Laufe des September ein Kongreß statt, der sich mit der Frage, wie die Völker Afrikas am besten und leichtesten der Civilisation ge⸗ wonnen werden können, beschäftigen wird. Seitens des Königs Nopold sind die hervorragenden Afrikareisenden Europas geladen, um unter seinem persönlichen Vorsitz über diese Frage zu berathen. Die Versammlung tritt am 11. September zusammen. Von hier aus wird Dr. Rohlfs dem Kongresse beiwohnen.
Der „Daily Telegraph“ hat von seinem Korrespondenten und Afrikaforscher Stanley nach langem beängstigenden Schweigen (seit Juni 1875) endlich wieder Nachricht erhalten, und zwar mehrere Briefe, davon erster vom 29. Juli 1875 vom Victoria⸗Nyanzasee, der letzte vom 24. April 1876 aus dem fhaam datirt. Er beabsichtigte nach Ujijt zu gehen. — Der erste Theil der Nachrich⸗ ten wird am nächsten Montag veröffentlicht werden. 8
Einer längeren Korrespondenz des „Dailvy Telegraph“ aus Therapia entnehmen wir folgende Schilderung türkischer Re⸗ kruten: „Kreuz und Halbmond auf demselben karmoisinrothen Banner, Seite an Seite, die Sinnbilder zweier Religionen als Schmuck derselben Flagge — diese sonderbare Erscheinung ist kein Irrthum. Nach Pfeifern und Trommlern folgte ein Bannerträtzer; in seinen Händen war die Flagge mit dem Halbmond und dem Kreuze. Dann kommt ein sonderbares Gefolge. Da sind Softas, Armenier, Alt. und Jungtürken, Griechen und römische Katholiken, einige mit dem Fez und andere mit Turban, einige mit Stroh⸗ hüten, andere mit bloßem Kopfe. . Dem Aufrufe von Freiwilligen folgten etwa bis jetzt 4—-5000. Etwa die Hälfte derselben waren Softas, junge fanatische Muhamedaner, deren Fernsein von Konstan⸗ tinopel wohl ebenso gern gesehen wird, wie ihre Nähe, ausgezeichneet junge Leute in mancher Beziehung, aber wohl fähig, jeder Zeit den Frieden zu stören. 500 der Rekruten sind Griechen oder fonstige
Christen. Die Angelegenheit wird vom Volke geleitet“ Dem ganzen Auftreten und Aussehen der türkischen und ägyptischen Soldaten er⸗ theilt derselbe Korrespondent großes Lob. 2 In Paris soll in der Woche vom 2. bis 10. September d. J. ein Arbeiterkongreß stattfinden, der zunächst in Form von 2 vatversammlungen und, wenn es angeht, auch in öffentlichen Ver⸗ sammlungen abgehalten werden soll. Zugelassen werden zu dem Kongreß nur bevollmächtigte Delegirte der Arbeitergenossenschaften aller fran⸗ ösischen Städte. Auf das Programm sind folgende Fragen gestellt: 1) die Arbeit der Frauen, 2) die Syndikatskammern, 3) die Gewerkvorstände (Conseils de Prud'hommes), 4) die Frage der Lehrzeit und des Ge⸗ werbeunterrichts, 5) die direkte Vertretung des Proletariats im Par⸗ lament, 6) die Genossenschaften für Erzeugung, Konsum und Kredit, 7) die Versorgungs⸗, Versicherungs⸗ und Invalidenkassen, 8) die land⸗ wirthschaftliche Genossenschaft und die Nützlichkeit eines näheren Ver⸗ kehrs zwischen gewerblichen und ländlichen Arbeitern. 1.
EE1“ 1u1“ T h e at er. LL11“
Die Direktion des Nationaltheaters, unermüdlich i ihrem Bestreben, dem Publikum Neues und Dankenswerthes zu bieten⸗ bringt am Freitag, den 28., „Kabale und Liebe“ und desgleiche Sonnabend, den 29. d. Mts., den „Verschwender“ zu den kleine bei Schulvorstellungen üblichen Preisen zur Aufführung, un Sonntag, den 30. d. M., geht Raimunds „Bauer als Millionär“ i glaͤnzender Ausstattung zum ersten Male in Szene.
Redacteur: F. Prehm. Verlag der Expedition (Ke ssel). Drei Beilagen
Berlin:
(einschließlich Boͤrsen⸗Beilage)
Drnc: W. 1n
Anzeiger und Königlich Preußischen Staats⸗Anzeiger.
8 1
Erste Beilage
Berlin, Freitag, den 28. Juli
1 1876.
Zur Statistik Serbiens.
In Nr. 171 „R⸗ u. St⸗A.“ baben wir einen Artikel über Serbien in militär geograpbischer Hinsicht veröffentlicht. In An⸗ knuͤpfung hieran theilen wir heut die neueften Daten über die statisti⸗ schen Verhältnssse Serbiens mit. 1
Nach der Verfassung Serbiens ist vom Jahre 1869 die gesetz⸗ gebende Gewalt dem Fürsten und der Volksvertretung, Skupsch⸗ tina, übergeben; dieselbe bildet nur eine Versammlung, die aber aus zwei verschiedenen Bestandtheilen zusammengesetzt ist: Zwei Drittel werden vom Volke erwählt und ein Drittel von der Regie⸗ rung deputirt. Wähler ist jeder Serbe, welcher Steuern zahlt und 21 Jahre alt ist, wählbar jeder, welcher jährlich 8 Thlr. Steuern zahlt und 30 Jahre alt und darüber ist. Die Beamten und Advo⸗ katen sind von der Wählbarkeit ausgeschlossen, können aber vom Für⸗ sten delegirt werden. — Eine Eigenthümlichkeit Serbiens, besonders für die Bezirksverwaltung und die Steuerveranlagung von Wichtis⸗ keit, ist, wie in der österreichischen Militärgrenze, das Institut der Sadruga oder Hausgemeinschaft. Die zu gemeinsamem Erwerbe oder Genusse vereinigten Personen leben in Einem Hause in einer Art von Gütergemeinschaft und besitzen insgesammt die Rechte eines Einzelnen. Die Leitung der Angelegenheiten steht dem frei⸗ gewählten Hausvater oder Stareschina zu, der das Haus in der Ge⸗ meinde repräsentirt. Das Haus ist Besitzer, zahlt Steuern und stellt jährlich ceinen Rekruten. Der Stareschina (der Aelteste, nicht wört⸗ lich, sondern zur Bezeichnung des Ehrenamtes) regiert gewöbnlich zeitlebens, kann aber auch abgesetzt werden. Das Grundeigenthum 8 der Gesammtfamilie oder Kolonie — denn sie ist mehr als Unsere natürliche Familie, aber kleiner als die römische Gens oder der schottische Clan, wird gemeinsam bewirthschaftet und verwaltet; Son⸗ dereigenthum der Einzelfamilie und des Individuums ist nur in sehr beschränktem Maße und nur an fahrender Habe gestattet, und nur da⸗ für giebt es persönliches Erbrecht. Testamente sind unbekannt.
Die Hauptbeschäftigung des ganzen Volkes ist die Landwirth⸗ schaft Die Daten und Zahlen aber, welche wir hier und späterhin geben, sind nicht alle demselben Jahr entnommen, weil nicht alljähr⸗ lich Zählungen dort stattfinden und die Berichte darüber aus ver⸗ schiedenen Jahrgängen stammen.
Zur Hebung des Landbaues besteht in Serbien eine landwirth⸗ schaftliche Gesellschaft, der die Regierung eine jahrliche Unterstützung von 12,000 Fr. gewährt. Ferner besteht seit 1872 in Pozarevatz eine landwirthschaftliche Schule, die vortrefflich eingerichtet ißs.
Am meisten wird Mais gebaut, dann Weizen, Gerste, Hafer und Roggen. Das Ackerland wird nach Tagwerken (dan oranja), das Wieseyland nach Sensen (Kosa) und die Weingärten nach Hacken (Motika) gemessen
Im Jahre 1867 wurde eine offizielle Aufnahme der bebauten Oberfläche vorgenommen und ergab für: Mais 33.,20 %, Weizen 18,54, Gerste 4,37, Hafer 3,77, Roggen 2,27, Spelz 1,77, Haidekorn 0,15, Hirse 0,05, Kartoffeln 0,95, Handelsgewächse 1,74, Weingärten 4,86, Wiesenland 28,83.
„Sehr bedeutend ist der serbische Viehstand. 1866 wurde eine Zählung vorgenommen; diese ergab 122,985 Stück Pferde, 609 Stück Hornvieh, 2,677,310 Stück Schafe, 1,291,164 Stück Schweine und 451,249 Stück Ziegen.
„Die Ausfuhr betrug im Jahre 1874: 33,794,902 Kilo Ge⸗ treide, 34,104 Stück Rindvieh, 271,219 Stuüͤck Schweine und 1,142,571 Stück Schaf⸗ und Ziegenfelle.
Eihe sehr wohlthätige Einrichtung sind die Gemeindemaga⸗ zine (Obstinskikos). Jedes Jahr wird von jeder steuerpflichtigen Person für den Fall einer Hungersnoth ein bestimmtes Quantum Getreide eingebracht; das alte Getreide, soweit es noch nicht an Arme verschenkt oder verliehen ist, wird verkauft, der Erlös in die Gemeindekasse gethan. Ende 1873 waren so in allen Gemeinde⸗ magazinen zusammen über 5 Millionen Kilo Getreide aufgespeichert, über 40 Millionen verliehen, über 614,000 Franks baar vorhanden.
Serbien besitzt große Pflaumenwaldungen, und ist die Ausfuhr dieses gedöerten Obstes sehr bedeutend (1873 über 5,650,000 Kilo); ebenso wird der daraus bereitete Branntwein (Sliwowitz) stark expor⸗ tirt, besonders nach Bosnien (1873 über 2,930,000 Kilo).
Stark war ferner die Ausfuhr von Faßdauben. Ferner wur⸗ den ausgeführt: 312,703 Kilo Schafwolle, 123,434 Kilo Talg, 67,542 Kilo Honig, 10,847 Kilo Wachs.
Auch die Industrie hebt sich; für den Bergbau wird viel gethar; die Gewinnung von Blei wird stark getrieben und ist ratio⸗ nell geworden, seitdem die Regierung große Bleischmelzöfen errichtet; das an eine englische Gesellschaft abgetretene große Kupferwerk zu Majdaupek ergab in den Jahren 1871— 73 365,730 Kilo Kupfer (im Werthe von 744,259 Fr.), welches nach Wien und London ging.
„Im Bergwerk zu Kucajna, das auch einer englischen Gesellschaft gehört und wo gold⸗ und filberhaltige Blei⸗ und Kupfererze gewonnen werden, arbeiteten 300 Arbeiter.
Ein drittes Bergwek, gleichfalls Engländern gehörig, enthält in Wragocanitza Kupfererzlager und in Struganik vortreffliche Litho⸗ graphiesteine.
Ferner hat Serhien reiche Steinkohlenlager; das eine zu Lenje enthält nach wissenschaftlicher Abschätzung ein Lager von 27 Milliarden metrischer Centner. Nach Salz wird geforscht.
Für die Erleichterung des Verkehrs wird viel gethan; es sind 51 Post⸗ und 37 Telegraphen⸗Stationen vorhanden.
„Nur Eines fehlt dem Lande noch: Eisenbahnen, welche die zwischen den ungarischen und türkischen Linien noch vorhandene Lücke ausfüllen würden.
Was die Finanzverhältnisse, die Einnahmen und Aus⸗ aben Serbiens betrifft, so besteht daselbst zuerst für die seßhafte evölkerung eine kommunale Matrikularumlage. Jede Ge⸗
meinde muß jäͤhrlich so vielmal 28 Fr. 50 Ct. aufbringen, als sie erwachsene männliche Mitglieder zählt; die Vertheilung der Steuer in der Gemeinde ist Sache der Gemeindevorsteher und Familien⸗ häupter (Stareschina). Diese Steuer ergab im Jahre 1874/,75
18,860,000 Steuer⸗Piaster (100 Steuer⸗Piaster = 31,60 ℳ).
Die zweite Kategorie der Steuerzahlenden ist die dienende Klasse, welche ohne Vermögen und verheirathet ist; die Steuer wird jährlich entrichtet in 4 Klassen, von 9 Fr. 60 Cts. bis 2 Fr. 40 Cts. Die dritte Kategorie bilden die nicht ansässigen Zigeuner, welche in der ersten Stufe 11,60, in der zweiten 5,80, in der dritten 4 Fr. zahlen. Diese Steuer nimmt ab, da die Zigeuner immer mehr seß⸗ haft gemacht werden.
Unter den indirekten Steuern (7,275,000) nehmen die Zölle den ersten Platz ein, da Serbien einen lebhaften Handel betreibt. Den größten Antheil an den Zolleinnahmen haben die Einfuhrzölle; diese dürfen 3 % vom Werthe der eingeführten Waare nicht über⸗ steigen. Sie betragen durchschnittlich 2 Millionen Fr. jährlich. (1874/75 5,300,000 &t P.)
Im Jahre 1869 wurde in Serbien eine Art Verz ehrungssteuer eingeführt, und zwar von Kaffee, Zucker, feinen Getränken, Spiritus, Rum, Spielkarten, Cigarrettenpapieren und Parfumerieseifen. Diese Steuer erbrachte 1874/75 1,100,000 St. P. Ferner gehören in diese Kategorie die Regalsteuern auf die Einfuhr des Salzes und des Tabaks. Serbien hat keine Salzlager und muß deshalb das ganze Quantum des zu verbrauchenden Salzes vom Ausland beziehen, aus Oesterreich, Ungarn, der Walachei. Diese Cinfuhr betrug von 1866—1870 durch⸗ schnittlich 20,171,650 Kilog. Salz; davon wird nur etwa der 8. Theil wieder ausgeführt. Die Salzeinfuhrsteuer betrug 1874/,75
Die Regalsteuer auf Tabak ergab in demselben Jahre 250,000 St. P., ausgeführt wurden jährlich, da sich der Tabakbau nach Ein⸗
600,000 St. P.
EEEENEN——2—2 1]
As;
—
— ——
führung der Steuer sehr gehoben, für ca. 146,600 Fr., die Einfuhr ist indessen immer noch stärker als die Ausfuhr.
Die Regalbesteuerung auf Bergbau brachte, weil derselbe sehr gering ist“, 1874/75 nur 25,000 St. P.
„Einen erheblschen Beitrag zu den Staatseinnahmen liefern die ge⸗
richtlichen Taxen, 1874/75 2,150,000 St. P. Bei den Subhasta⸗ tionen und exekutiven Verkäufen wird ein Prozentsatz der Verkaufs⸗ summe unter dem Namen „Trommelgebühr“ erhoben und betrug 1874 2,100,000 St. P. Für das Recht der Wälderbenutzung wurden 50,000 St. P. eingenommen.
Aus den Einnahmen’ der Uprarva Fondova, einer Art Boden⸗ kreditanstalt, flossin 1874 500,000 St. P. in die Staͤatskasse. Aus den Staatsgütern betrugen die Einkünfte in demselben Jahre 2,740,000 St. P., aus der Staatsdruckerei 400,000 St. P., aus einer Musterökonomie und den Staatsgestüten 50,000 St. P. Die Einnahmen aus den Posten und Telegraphen steigen alljährlich und betrugen aus den Posten 300,000 St. P., aus den Telegraphen 400,000 St. P. Ersparnisse verschiedener Behörden waren 650,000 St. P. Die Strafen betrugen 250,000 St. P.
Die nicht spezifizirten außerordentlichen Einnahmen aus Eihihaften, Schulfonds und Unvorhergesehenem ergaben 3,110,000
as die Ausgaben betrifft, so hat Serbien keine Staatsschulden
zu verzinsen, es hat vielmehr einen Reservefonds, der sich 1873 auf
8,619,850 Frcs. belief. Die Ausgaben vertheilen sich folgendermaßen:
JSe 64888 H.
Eivilliste 1,200,000
Tribut an die Pforte ... 1,176,255 Dem Patriarchen in Konst.. 5,040 E “ 160,000 Staatsrath 427,160 1,086,433
Pensionen. 8 1,200,000
Kredit für außerordentl. Ausgaben 2) Kriegs⸗Ministerium .... 3) Ministerium des Innern. 4) Unterrichts Ministerium 5) Justiz⸗Ministerium 6) Finanz⸗Ministerium.. 7) Ministerium für öffentliche 8) Ministerium des Aeußeren
6,724,708 4,172,818 3,594,010 2,175,541 1,718,230 3 1,044,892 „ Zusammen . 35,031,983 St. P. Da die Staatseinnahmen in demselben Jahre 35,035,000 St. P. ergeben hatten, so stellte sich demnach ein Ueberschuß von 3017 Steuer⸗ Piastern heraus.
Bauten
“ 8 10,346,896 St. P.
Die Fabrikindustrie des Regierungsbezirks Düsseldorf vom Standpunkte S Gesundheitspflege. 8
(Vgl. Nr. 175 d. Bl.) 8 Eine besondere Fürsorge für invalide Fabrikarbeiter, d. h. solche, welche in Folge von Alter oder Krankheit arbeitsunfähig ge⸗ worden, findet sich bis jetzt nur auf einzelnen großen Etablissements. Ein vollständiger Penstonsverein für Arbeiter⸗Invaliden besteht auf der Kruppschen Gußstahlfabrik zu Essen. In beschränkterem Um⸗ fange sind auch auf einigen anderen großen Werken der metallurgischen Industrie die Grundlagen zu Pensionsvereinen durch Stiftung von be⸗ sonderen Fonds Secitens der Arbeitgeber gelegt worden. In einzelnen In⸗ dustriestädten findet eine nicht unbedeutende Betheiligung der Arbeiter an Lebensversicherungen, theils mit, theils ohne Unterstützung der Arbeit⸗ geber statt, und in neuester Zeit beginnen die Invaliditäts⸗ und Un⸗ fallversicherungen Eingang zu gewinnen. Auf der Gußstahlfabrik zu Essen besteht seit dem Jahre 1867 ein Lebensversicherungsverein im Anschluß an die Lebensversicherungsgesellschaft „Germania“, welcher gegenwärtig 851 Versicherungen mit einem Kapital von 719,700 ℳ abgeschlossen hat; 571 Versicherungen beruhen auf Gegenseitigkeit beider Ehegatten, so daß die Zahl der Versicherten inklusive der Ehe⸗ frauen 1322 beträgt. Während des achtjährigen Bestehens sind be⸗ reits an 125 Familien Kapitalien im Betrage von je 300 — 3000 ℳ ausgezahlt. Betreffs der Fürsorge resp. Schadloshaltung der Arbeiter bei Unfall, soweit die Arbeitgeber durch das Haft⸗ pflichtgesetz dazu verpflichtet sind, findet das System der Versicherung bei den Unfallversicherungen mehr und mehr Eingang. Nach den amtlichen Ermittelungen betrug zwar die Zahl der im Bezirke befindlichen gewerblichen Anlagen, welche ihre Arbeiter gegen die Haftpflicht versichert hatten, nur 343 mit insgesammt 32,536 Arbeiter. Auf Grund authentischer Quellen, sagt Dr. Beyer, dürfe aber wohl ergänzend bemerkt werden, daß allein die Leipziger Unfall⸗Versicherung zu Anfang des Jahres 1875 bereits in 793 gewerblichen Anlagen 39,564 Arbeiter im hiesigen Bezirke ver⸗ sichert hatte, während außerdem noch sechs andere Unfall Versicherungen im Bezirke, wenngleich in geringerem Umfange thätig sind.
Mit der stark wachsenden Bevölkerung in den Industriebezirken bat die Nermehrung der Wohnungen im Allgemeinen gleichen Schritt gehalter, und während im Jahre 1865 im ganzen Bezirk auf ein Wohngebäude durchschnittlich 8,55 Bewohner gezählt wurden, ent⸗ fielen im Jahre 1872 trotz des schnellen und starken Wachsthums der Bevölkerung in den Industriebezirken doch nur 8,82 Bewohner auf ein Wohngebäude. Bei dem in dem größten Theil des Regie⸗ rungsbezirkes üblichen Massivbau und dem guten Baumaterial können die Wohnungen auch der arbeitenden Klassen als gute und gesunde bezeichnet werden. Von wesentlichem Einfluß hierauf duͤrften sich die von der Königlichen Regierung gegebenen Anordnungen, owie die für die kleineren Städte und das platte Land erlassenen baupolizeichen Vorschriften, in welchen der ge⸗ sundheitlichen Ruͤcksichten besondere Fürsorge zu Theil geworden, er⸗ weisen. Die große Masse der Arbeiter wohnt in gemietheten Woh⸗ nungen; in den ländlichen Gegenden jedoch nur namentlich da, wo die Hüttenindustrie vorherrscht, findet man in bemerkenswerther Zahl auch Arbeiter, welche eigene Wohnungen besitzen. Ein eigentlicher Woh⸗ nungsmangel für die Arbeiter besteht im Allgemeinen nicht, und so findet man auch Seitens der Arbeitgeber verhältnißmäßig wenig für die Errichtung von Arbeiterwohnungen gethan. Alle von den Eta⸗ blissements errichteten Wohnungen sind stets nur Miethswohnungen, weiche der Arbeiter nur, während er in Diensten des Etablissements steht, zu benutzen vermag, und in welchen er somit eine dauernde Heimath für sich und die Seinigen zu gründen nicht im Stande ist. An und für sich hat deshalb die Errichtung von Arbeiterwohnungen Seitens der einzelnen Etablissements noch keineswegs die Bedeutung von Wohlfahrtseinrichtungen. Den Charakter einer Wohl⸗ fahrtseinrichtung verdient die Errichtung nur da, wo nicht blos dem Zweck genügt wird, sondern wo darüber hinaus mit wirklicher Fürsorge der Wohnlichkeit, Grsundheit u. dgl. Rechnung getragen ist. In letzterer Beziehung hat der Bezirk manche treffliche Beispiele aufzuweisen und die in erster Reihe ste⸗ henden Arbeiterkolonien der Gußstahlfabrik von Fr. Krupp zu Essen dürften sowohl hinsichtlich der Großartigkeit, wie hinsicht⸗ lich der im Einzelnen bethätigten Fürsorge schwerlich ihres Gleichen haben. Die Gußstahlfabrik besitzt in fünf Kolonien gegenwärtig 3277 Familienwohnungen mit einer Bevölkerung von 16,200 Seelen und hat außerdem für die Unterkunft von 2 — 3000 unvperhei⸗ ratheten Arbeitern Sorge getragen. 728 Familienwohnungen besitzen ein größeres oder kleineres Gärtchen. — Eine der neuesten Zeit an⸗ gehörige, etwa 2 — 300 Wohnungen umfassende, mit besonderer Für⸗
sorge errichtete Arbeiterkolonie besitzt die Lokomotivfabrik Hohenzollern am Grafenberg bei Düsseldorf, während außerdem noch mehrere andere größere Fabeiken, namentlich in den Kreisen Essen und Düsseldorf, Arbeiterkosonien besitzen, welche sich darch Zweck⸗ mäßigkeit und besonders fürsorgliche Einrichtungen auszeichnen. Alle besseren Kolonien haben das Prinzip der getrennten Wohnungen streng durchgeführt und da, wo die lokalen Verhältnisse es gestatten, wird stets den Wohnungen etwas Garten oder Acker beigegeben. Uebrigens lehrt die Erfahrung, daß die Arbeit⸗ nehmer keineswegs überall gern derartige geschlossene Kolonien be⸗ wohnen und vielfach andere Miethwohnungen, auch wenn dieselben die Vortheile der Kolonien nicht bieten, vorziehen. Eine bedeutsame Erscheinung für die Wohnungsfrage der arbeitenden Klassen bilden die im Bezirke bestehenden gemeinnützigen Baugesellschaften, deren sich bis jetzt zehn in acht Industriestädten gebildet und welche trotz ver⸗ hältnißmäßig kurzer Wirksamkeit bereits beachtenswerthe Resultate zu verzeichnen haben. —
„Unter den im Bezirke vorhandenen Einrichtungen, welche die Beschaffung preiswürdiger, gesunder und unverfälsch⸗ ter Lebensbedürfn 1 für Arbeiter vermitteln, steht an Großartigkeit, wie an Trefflichkeit der Organisation die Kon⸗ sum⸗Anstalt der Kruppschen Gußstahlfabrik in Essen obenan. Dieselbe bietet in einem großen Bazar und zahlreichen kleinen Verkaufsstellen den sämmtlichen Angehörigen des Etablissements in reicher Auswahl die verschiedenartigen Nahrungsmittel und Lebens⸗ bedürfnisse zum Selbstkostenpreise gegen Baarzahlung. Mit dieser Konsumanstalt ist eine große, nach Wichhorstschem System einge⸗ richtete Bäckerei verbunden, welcher seit etwa Jahresfrist eine Vereins⸗ schlächterei angeschlossen ist, in welcher alles Vieh vor und nach dem Schlachten dus seinen Gesundheitszustand genau untersucht wird. Der jährliche Umschlag der Konsumanstalt bez ffert sich über 3,000,000 ℳ deiger der Gußstahlfabrik besitzt noch eine nicht erhebliche Zahl größerer Fabriken ähnlich organisirte Konsumanstalten.
Land⸗ und Forstwirthschaft.
Aus Coblenz schreibt man vom 2. Juli: In unserer Nachbarschaft hat man allenthalben mit dem Schnitte des Roggens begonnen; nach dem Urtheile der Landleute ist eine ziemlich gute Ernte zu erwarten. Auch der Weizen, welcher seiner Reife entgegengeht, verspricht einen befriedigenden Ertrag. Gerste steht schön und Hafer, welcher in Folge der Trockenheit zuruͤckgeblieben war, hat sich durch den befruchtenden Regen sichtlich erholt, so daß auch diese Frucht nichts zu wünschen übrig läßt. Futtergewächse stehen allenthalben gut. Frühkartoffeln liefern einen ziemlich guten Ertrag, und berechtigen die späten zu den schönsten Hoffnungen. Der Segen der Obstbäume aller Art wird ein reichlicher werden. Ein gleich günstiges Resultat können wir von unseren Weinbergen melden; die Beeren entwickeln sich rasch und haben bereits die Dicke einer Erbse erreicht. Tritt kein störendes Ereigniß ein, so haben wir sowohl in quantitativer als qualitativer Hinsicht einen vollen Herbst zu erwarten.
— Nach einem längeren Artikel der „K. Z.“, auf den zurückzu⸗ kommen wir uns vorbehalten, sind die Ernteaussichten für die ganze Rheinprovinz als recht günstig zu bezeichnen. Für die meisten Kultur⸗ pflanzen gestalten sich die Aussichten befriedigender als in den letzten
drei Jahren.
— Der „Rh. Cour.“ enthält folgenden Getreide⸗ bericht von aus wärtigen Handelsplätzen: In deun Berichten von auswärts steigern sich die Lobeserhebungen über die Ernte⸗Aussichten mit jeder Woche mehr, und namentlich rechnet man allgemein auf eine recht gute Qualität. Obgleich diese Nachrichten sehr erfreulich sind, so scheinen ste mitunter doch etwas überschwärg⸗ lich gehalten zu sein und sind deshalb vorerft noch mit Vorsicht auf⸗ zunehmen. Im Getreidegeschäft hat sich im großen Ganzen wenig verändert; der Verkehr blieb meistens sehr beschränkt, und nur an einzelnen Plätzen stellte sich eine lebhaftere Bedarfsfrage ein, welche dann auch die Haltung vorübergehend etwas befestigte. Nachdem die eigenen Erzeugnisse der vorjährigen Ernte in den meisten Ländern Europas aufgezehrt sind, so wäre man eigentlich genöthist, die neue Ernte sofort in Angriff zu nehmen, wodurch ein erheblicher Rückganz der Preise nicht stattfinden würde, da aber die fremden Zufuhren selbst bei billigen Preisen anzuhalten scheinen, wird wohl ein särkerer Druck auf dieselben nicht ausbleiben können. In England waren die Ankäufe von fremdem Getreide in voriger Woche wieder sehr bedeu⸗ tend, und dieselben konnten nur bei großer Nachagiebigkeit von Seiten der Verkäufer angebracht werden. Auch an den französischen Märkten herrschte bei weichenden Coursen eine matte Tendenz.
Gewerbe und Handel.
Nürnbersz, 26. Juli. Das Kultus⸗Ministerium hat dem „Bayerischen Gewerbe⸗Museum“ eine Subvention von 1780 ℳ zu dem von dessen Kustos, Hrn. Dr. Stockbauer, in Ge⸗ meinschaft mit Hrn. Professor Otto in München beaarbeiteten Werke: „Die antiken Thongefäße in ihrer Bedeutung für die moderne Gefäßindustrie“ gewährt. Das Ministerium wird eine Anzahl Exemplare des Werks an die technischen Schulen Bayerns vertheilen.
— Die „New Yorker Handelszeitung“ cröffnet ihren vom 14. Juli datirten Wochenbericht mit der Bemerkung, daß das Geschäft noch immer darniederliegt und fügt, um diese Bemerkung als that⸗ sächlich zu kennzeichnen, folgende Daten hinzu. Es betrug in New⸗ York wäͤhrend des am 30. Juni beendeten Fiskaljahres der Import (exkl. Kontanten) 298,000,000 Doll. Gold gegen 356,000,000 Doll. in 1875 und 378,000,000 Doll. in 1874; der Export (gleich⸗ falls exkl. Kontanten) betrug 258,000,000 Doll. Currency gegen 262,000,000 Doll. in 1875 und 304,000,000 Doll. in 1874, so daß die Handelsbewegung New⸗Yorks in diesen beiden Bran⸗ chen allein um ca. 62,000,000 Doll. gegen das Vorjahr abgenommea hat. Andere Branchen haben nicht minder gelitten; der Werth von Grundeigenthum ist noch immer im Fallen begriffen. — Im Geld⸗ stand ist während dieser Berichtswoche keine Veränderung einge⸗ treten; das Angebot flüssiger Fonds plieb nach wie vor abundant. Durchschnittsraten für call loaus gegen Depot gemischter Sekuritäten stellten sich auf 2 — 3 %, gegen Hinterlegung von Bundesobligationen auf 1 ½ — 2 %l. — Der Goldmarkt schlug in dieser Berichts⸗ woche abermals eine weichende Richtung ein; der Eröffnungs cours am vergangenen Sonnabend, 12, war zugleich der höchste der Woche, indem das Agio graduell bis I1 ⅛ wich, um heute zu 11 ½ zu schließen. Für gekündigte Bonds zahlte das Schatzamt 198,000 Doll. aus, für fällige Zinsen 2,211,000 Doll. Im Loan⸗Markt stellten fich die Durchschnitisraten für den Versatz von Gold gegen das Aequivalent in Papiergeld von flat bis 1 %. — Während am Waaren⸗ und Produktenmarkt das Exportge⸗ schäft im Allgemeinen einen lebhaften Charaker trug, war unter dem Einfluß der anhaltend intensiven Hitze in den meisten Importartikeln das Geschäft ein sehr stilles — Der Waaren⸗ und Produkten⸗ Import während der am 8. Juli beendeten Woche repräsentirt einen Gesammtwerth von 2,538,262 Doll. gegen 3,486,548 Doll. in der Vor⸗ woche, eine Abnahme von 948,286 Doll. ergebend. Fremde Webstoffe partizipiren am Gesammtwerth des letztwöchentlichen Imports mit
(595,934 Doll. resp. mit 206,180 Doll. e als in der Vorwoche,
während der Import diverser Produkte und Waaren um 742,106 Doll. geringer war. — Am Waaren⸗ und Produkten⸗Export wäh⸗ rend der am 11. Juli beendeten Woche, dessen Gesammtwerth eine Zunahme von 3,186,871 Doll. gegen die Vorwoche aufweist, partizi⸗ pirt Baumwolle mit 11,501 Ballen. “
₰