Legitimation hierfür dient ein den Kongreßmitgliedskarten ange⸗
fügter besonderer Coupon.
— Nachdem der durch Urtel und Recht seines Amtes ent⸗ setzte frühere Erzbischof von Gnesen und Posen, Graf von Ledochowski im März d. J. durch eine aus Rom datirte Ansprache den Geistlichen der vereinigten Erzdiözesen mitgetheilt hatte, „daß er die thätige Ausübung der bischöflichen Gewalt in seinen beiden Erzdiözesen wieder übernommen habe“, hat derselbe unter Veretzung der bestehenden Staatsgesetze diesen Worten auch die That folgen lassen. Derselbe hat unterm 8. Juli c. an den Pfarrer Brenk in Piaski das nächstehende Schreiben gerichtet: h Dilecte Fili!
Tristis ad nos pervenit nuntius, nefarias politico- ecclesiasticas leges a gubernio Borussico ultimis hisce annis ad subvertendam Ec- clesiam Christi Domini editas a te magno cum fidelium scandalo publice agnitas fuisse, quamvis ignotum tibi esse non potuerat, ejusmodi leges tum passim a Nobis et omnibus in Borussia sacrorum Anstistitibus, tum ab ipso sanctissimo Patre, Romano Pontifice, die 5. mensis februarii a. 1875 condemnatas faisse. Ne igitur silentio Nostro quod a te male gestum est probare videamur, praesentibus litteris prima vice te monemus, haecque canonica monitio una sit pro trina, ut intra nonaginta dies, a2 dato praesentium com-
utandos, scandalum a te datum repares, agnitionem memoratarum egum, quam ultro Professus es, scripto rerocando coram Decano tuo duobusque testibus, quod scriptum Nobis a te transmittendum erit, et omnino abhinc ita te geras, sicuti catholicum parochum et Christi ministrum decet, alias praefato spatio nonaginta dierum inutiliter praeter lapso te ipso facto et sive ulteriore declaratione ab officio suspensum esse scias usque ad resipiscentiam et condignam satis- factionem, quod si non resipiscas, nec ad cor, prout te in Domino adhortamur atque humili prece a Deo flagitamus, redeas, ad gra- viores poenas procedere contra te cogemur.
Datum Romae die 8. Julii 1876. 1
† Miecislaus Cardinalis Ledochenskk. Archiepps. Gnesnen. & Posnanien. Rvyndo. D. Jul. Brenk Parocho in Piaski Archidioecesis Gnesnensis.
Das Schreiben lautet in deutscher Uebersetzung: Geliebter Sohn! 9
Es ist die betrübende Kunde zu Uns gelangt,
der preußischen Regierung in den letztvergangenen Jahren zur Ver⸗ nichtung der Kirche des Herrn Christus erlassenen ruchlosen kirchen⸗ politischen Gesetze zum großen Aergerniß der Gläubigen öffentlich an⸗ erkannt, obwohl es Dir nicht konnte unbekannt geblieben sein, daß derartige Gesetze nicht nur von Zeit zu Zeit von Uns und allen Ober⸗ hirten der Kirche in Preußen, sondern auch vom heiligen Vater in Rom, dem Papste selber am 5. Februar 1875 verdammt worden sind. Auf daß es nun nicht scheine, als billigten wir durch Stillschweigen Unsererseits Deine schlechte That, so er⸗ mahnen wir Dich durch gegenwärtiges Schreiben erstmalig — und diese eine kanonische Ermahnung gelte als dreifache: binnen neunzig Tagen, vom Datum dieses Schreibens an gerechnet, mache das von Dir gegebene Aergerniß dadurch wieder gut, daß Du die freiwillig von Dir geleistete Anerkennung der erwähnten Gesetze in Gegenwart Deines Dekans und zweier Zeugen in einer schrift⸗ lichen Erklärung widerrufest. Dies Schriftstück wirst Du mir zu übersenden haben und sollst Dich überhaupt von nun an so betragen, wie es einem katholischen Pfarrer und Diener Christi geziemt. Anderenfalls, wenn der obenbestimmte Zeit⸗ raum von 90 Tagen erfolglos verstrichen, so wisse, daß Du durch diese Thatsache selber und ohne weitere Erklärung von Deinem Amte uspendirt bist, bis Du zur reuigen Erkenntniß kommst und ent⸗ prechende Genugthuunns leistest. Bereuest Du jedoch nicht und gehst Dich, wie wir Dich im Herrn ermahnen und in demüthigem
Du habest die von
nicht in
Gebete von Gott erflehen, so werden wir mit schwereren Strafen gegen
Dich vorzugehen genöthigt sein. Gegeben zu Rom, den 8. Juli 1876. † Miecislaus Cardinal Ledochowsky, Erzbischof von Gnesen und Posen. 1 den ehrwürdigen D. Jul. Brenk, Pfarrer in Piaski. Erzdiözese Posen. Süb
Seitens des Pfarrers Brenk ist hierauf an den Grafen von Ledochoweki in lateinischer Sprache ein Antwortschreiben gerichtet, welches nach der von dem Pfarrer Brenk der Staats⸗ regierung gemachten Anzeige in deutscher Uebersetzung wörtlich lautet:
„Eminenz! Ihr Admonitionsschreiben habe ich am 8. Juli cr. in Piaski erhalten und habe dieses zur weiteren Veranlaffung, wie dies billig und recht war, der hohen Königlichen Regierung über⸗
geben.“ D. J. Brenk.
— Nachdem die dem Minister für die landwirthschaftlichen Angelegenheiten eingegangenen Berichte der landwirthschaftlichen Centralvereine über die Prämiirung ganzer Wirthschaften dargethan haben, daß zwar die Mehrzahl der Vereine sich günstig über diese Maßregel ausspricht, vielfach aber noch Divergenzen über den zweckmäßigsten Modus solcher Prämiirungen im Ganzen und in den Einzelheiten bestehen, hat der Minister be⸗ schlossen, zunächst einige solche Prämiirungen probeweise vor⸗ nehmen zu lassen, um nach den hierbei zu machenden Erfah⸗ rungen zu beurtheilen, ob und wie dies Verfahren allge⸗ meiner einzuführen ist. Der Minister hat deshalb der ostpreußi⸗ schen landwirthschaftlichen Centralstelle, der Königlichen Land⸗ wirthschafts⸗Gesellschaft in Celle und dem Rheinpreußischen landwirthschaftlichen Centralverein je 1000 ℳ und eine goldene und eine filberne Medaille, sowie der Centralstelle des land⸗ wirthschaftlichen Vereins für Hohenzollern 400 ℳ und eine fil⸗ berne Medaille zur Verfügung um eine Konkurrenz nach den im Folgenden ausgeführten Gesichtspunkten zu eröffnen.
Ess soll nicht die Hauptabsicht dieser Prämirungen sein, den einzelnen Landwirth durch die Hoffnung auf eine Prämie zu großen Anstrengungen in seiner Wirthschaft, besonderen Meliora⸗ tionen ꝛc. zu veranlassen, sondern es soll die Konkur⸗ renz wesentlich dazu dienen, auf möglichst unparteiische Weise solche Wirthschaften zu ermitteln, welche als für die gegebenen Verhältnisse mustergültig zu betrachten sind. Die Publikation genauer Beschreibungen solcher Wirts⸗ schaften, und dies ist der Hauptzweck des ganzen Systems, soll dann allen in ähnlichen Verhältnissen wirthschaftenden Land⸗ wirthen zur Lehre und Beispiel dienen. Gleichzeitig werden diese Beschreibungen mit der Zeit ein werthvolles historisch⸗ statistisches Material bilden, um die Veränderungen und Fort⸗ schritte in unserem landwirthschaftlichen Betrieb danach bemessen zu können. Die Prämie selbst soll für den Prämürten weniger eine Belohnung für sein Streben, dies muß sich ja im wirth⸗ schaftlichen Resultate bezahlt machen, als eine Entschädigung für die Mühwaltung sein, welche mit der Beschreibung seiner g und der Offenlegung seiner Verhältnisse verbun⸗ en i
ierdurch ist nicht ausgeschlossen, daß der zur Konkurrenz sich Melde de hierin eine Beranlassung findet, einzelnen noch bestehenden Uebelßänden in seiner Wirthschaft abzuhelfen und besonders zum Zwecke einer rechnungsmäßigen Darlegung seiner Wirthschaftsresultate eine geordnete Buchführung einzurichten.
Die Konkurrenz um Geldpreise sindet nur für bäuer⸗ liche Besitzer und Kleinwirthe statt. Größere Gutsbesitzer konkurriren nur um Ehrenpreise. Die Konkurrenten melden sich unter Einreschung einer Wirthschaftsbeschreibung, welche nach einem einfachen, von den Vereinen aufzustellenden Schema entworfen sein muß und aus welcher alle zur Beurthei⸗ lung der Wirthschaft nothwendigen Daten zu entnehmen find. Der Verein wählt eine Kommission von mindestens drei Mit⸗ gliedern, welche die angemeldeten Wirthschaften zu mindestens zwei verschiedenen Zeiten im Jahre besucht und beurtheilt. Die Dauer der Konkurrenz muß mindestens ein Jahr betragen, um Gelegenheit zu geben, die Wirthschaft in den verschiedensten Perioden zu prüfen. Die Angaben der Wirthschaftsbeschreibung sind hierbei zu prüfen resp. zu berichtigen. Die auf diese Weise beglaubigten Wirthschaftsbeschreibungen der prämiirten Wirth⸗ schaften werden nebst dem Gutachten der Kommission in dem Vereinsblatt oder in sonst passender Weise veröffentlicht.
Schließlich bemerkt der Minister, daß es sehr erwünscht wäre, wenn auch in den übrigen landwirthschaftlichen Central⸗ vereinen ähnliche Konkurrenzen aus eigenen Mitteln der Vereine zur Gewinnung umfassenderer Erfahrungen gleichzeitig angestellt würden.
—2 —— Nach einem Erkenntniß des Ober⸗Tribunals vom 20. April 1876 kann neben der Defraudationsstrafe auf eine Ordnungsstrafe erkannt werden, wenn die zur Bierbereit ung verwendete Biercouleur an einem der Steuerbehörde nicht angemeldeten Orte aufbewahrt war.
— Der hiesige Königlich italienische Botschafter, Graf de Launay, ist von seiner Urlaubsreise zurückgekehrt und hat die Geschäfte wieder übernommen.
— Der General⸗Arzt der Marine Dr. Wenzel ist zum internationalen Kongreß nebst Ausstellung in Brüssel komm an⸗ dirt worden und dorthin abgereist.
— Der Kaiserliche Vize⸗Konsul J.’Pitkin in Gallipoli (Italien) ist gestorben.
— Der Kaiserlich russische General⸗Adjutant, Baron von Wrangell, traf vorgestern Abend aus Wiesbaden hier ein und reiste heute früh nach St. Petersburg weiter.
— S. M. S. „Vineta“ beabsichtigte am 25. Juli cr. von Honkong nach Chefoo zu gehen.
S. M. S. „Victoria“ hat am 17. Juli cr. St. Thomas verlassen, traf am 20. desselben Monats in Barbadoes ein, ging am 23. wieder in See und ankerte am 12. August cr. auf der Rhede von Bahia. — An Bord Alles wohl.
S. M. Schiffe „Friedrich Carl“ und „Kronprinz“ sind, telegraphischer Rachricht zufolge, am 9. d. Mts. Mittags in Smyrna angekommen. — S. M. Kanonenboot „Pomme⸗ rania“ wird daselbst am 10. erwartet. 7.
S. M. S. „Medusa“ ist am 7. September cr. auf der Rhede von Plymouth zu Anker gegangen. köe 4 . Imen
Kiel, 9 September. Der Großfürst Wladimir und Gemahlin trafen gestern, von Doberan kommend, hier ein und setzten heute auf der Kaiserlich russischen Dampfyacht „Der⸗ jawa“ die Reise fort. .
Cöln, 10. September. Die Prinzessin Alice von Hessen traf auf der Reise nach England gestern Abend hier ein. ☚4. —ü2 — 5
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Bayern. München, 8. September. Nach der „A. A. Z.“ mußte die für gestern bestimmte Reise des Königs von Berg nach Hohenschwangau, um dort das Namensfest der Königin⸗ Mutter zu feiern, unterbleiben, da Se. Majestät in Folge einer leichten Erkältung unwohl war.
— Die größeren Uebungen der bei Alt⸗Eglofsheim kon⸗ zentrirten Kavallerie⸗Division — die aus 24 Escadrons mit zwei reitenden Batterien ꝛc. bestand — sind gestern zum Abschlusse gelangt. Der heutige Rasttag wird zu einem von den Offizieren veranstalteten Rennen, zu welchem auch der König, sowie die Prinzen Leopold und Arnulf mehrere Ehrenpreise gewidmet haben, benutzt, und morgen werden die Regimenter den Rück⸗ marsch in ihre Garnisonen antreten.
Sachsen. Leipzig, 8. September. Ihre Majestät die Königin hat heute Mittag dem hiesigen Kunstgewerbe⸗Mu⸗ seum, welches gestern von Sr. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit dem Kronprinzen mit einem Besuche ausgezeichnet worden war, gleichfalls die Ehre Ihres Besuchs zu Theil werden lassen. Se. Kaiserliche Hoheit der Kronprinz hat am gestrigen Nachmittag nach Besichtigung der Sammlungen des hiesigen Kunstgewerbe-Museums auch dem städtischen Museum die Ehre seines Besuches zu Theil werden lassen. Höchstderselbe wurde von den Mitgliedern des Direktoriums des Kunstvereins ehrfurchtsvoll begrüßt und durch die Räume des Museums geleitet.
Württemberg. Stuttgart, 8. September. Heute früh starb auf seinem Gut Leinfelderhof der Staats⸗Minister a. D. Frhr. v. Neurath.
— 9. September. (W. T. B.) Die allgemein verbreitete (aus dem „W. T. B.“ auch in den „Reichs⸗Anzeiger“ über⸗ gegangene) Nachricht vom Tode des Konfistorial⸗Präsidenten von Golther hat sich nach an authentischer Stelle eingezogener Erkundigung nicht bestätigt. Im Gegentheil ist heute im Be⸗ finden des Kranken einige Besserung eingetreten.
Baden. Karlsruhe, 9. September. Der Großherzog feiert heute sein 50jähriges Geburtsfest. — Das Gesetzes⸗ und Verordnungsblatt enthält: Gesetz, die Einrichtung und Befugnisse der Ober⸗Rechnungskammer betreffend, sowie das neue Ge⸗ setz über die Erwerbsteuer. Das Gesetz tritt mit dem Anfang des Steuerjahres 1878 in Wirksamkeit. Im Gesetz kommt die Ver⸗ einigung der bisherigen Erwerb⸗ und Klassensteuer zum Aus⸗ druck. Die Ermittelung des steuerbaren Ertrags erfolgt vor⸗ behaltlich der durch das Gesetz bestimmten Ausnahmen, auf Grund der von dem Pflichtigen zu machenden Angaben und bezw. Erhebungen bei dem jährlichen Ab⸗ und Zuschreiben.
.Hessen. Harmstadt, 8. September. Der vierte Aus⸗ schuß der Zweiten Kammer ist auf Donnerstag, den 14. d. M., einberufen. Gegenstände seiner Berathung werden zu⸗ nächst sein: Der Antrag des Abg. Dumont, die Entschädigung bei Einquartierung von Truppen in Friedenszeiten betreffend, und der Antrag des Abg. Frhrn. von Nordeck zur Rabenau, die Durchführung des Titels VII. der Reichsverfas⸗ sung in Bezug auf das Eisenbahnwesen betreffend. — Na⸗ mens des Finanzausschusses der Ersten Kammer hat Hr. Wernher (Nierstein) Bericht erstattet über die Vorlage des
Ministeriums der Finanzen, den Gesetzentwurf, die Besteuerung des Weines betreffend. 1 sämmtlichen Beschlüssen der Zweiten Kammer. 1““
Weiter hat 8 des zweiten Ausschusses der Ersten Kammer Hr. von Willich Bericht erstattet über die Vorlage des Ministeriums des Innern, den Gesetzentwurf, die Sterbequartale der Volksschullehrer betreffend. Wenn der Ausschuß auch in der vorliegenden Frage eine willkommene Gleichheit der Verhält⸗ nisse der Civilbeamten mit denen der Volksschullehrer nicht an⸗ zuerkennen vermag, so glaubt er doch, aus Gründen der Billig⸗
Zweiten Kammer beantragen zu sollen.
Sachsen⸗Weimar⸗Eisenach. Weimar, 9. September. Die Oberlande gestern nach Wilhelmsthal zurückgekehrt.
7. September. Die im Landtage von dem Abg. Drechsler
Verhandlungen über die vom vorigen Landtage beschlossene und
Fürstlichen Staatsregierung dahin beantwortet, daß der betref⸗
gesetzes vom 7. April 1876 über die eingeschriebenen Hülfskassen,
die Fischerei, die zwei letzten mit einigen Abänderungen ange⸗ nommen. Der Präfident theilte mit, daß die sämmtlichen Vor⸗ lagen, welche dem Landtage zugegangen seien, erledigt wären. Der Staats⸗Minister v. Keyser dankte Namens der Staats⸗
ledigung aller Arbeiten und erklärte den Landtag kraft Aller⸗ höchster Vollmacht für vertagt. R= Bn u
EFlfaß⸗Lothringen. Mez, 6
hauses zu Saargemünd (die Geisteskranken unseres Bezirks wur⸗ den seither in der franz sischen Irrenanstalt zu Nancy unter⸗ gebracht) ist die Summe von 592,497 ℳ festgesetzt.
Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 9. September. ser ist heute Morgens nach Hermannstadt abgereist und wird
eintreffen. Am 11. wird Se. Majestät eine Truppenrevue auf dem dortigen großen Exerzierplatze abhalten, und am 12. und
Manöver beiwohnen. Abends 9 Uhr findet die Abreise des Kaisers statt. — Wie aus Athen vom 8. gemeldet wird, ist die Kaiserin im strengsten Inkognito aus Corfu an demselben Tage dort eingetroffen. — Der Kronprinz Rudolf hat sich heute Morgen von Hetzendorf aus nach Miramare begeben.
strengsten Inkognito aus Korfu eingetroffen sei.
abgelegt.
Pest, 9. September. Wie der „K. Fr. Pr.“ von hier gemeldet wird, wird der Ministerrath sofort nach Tiszas Rück⸗ kehr die Berathungsordnung für den Reichstag fest⸗ stellen. Im Ministerium wird eine ganze Reihe von Gesetzent⸗ würfen vorbereitet, welche neben den wirthschaftlichen Fragen verhandelt werden sollen. Der Finanz⸗Minister hat angeordnet, daß in den vom Frost heimgesuchten Gegenden die Steuerein⸗ treibung im Exekutionswege unterlassen oder doch möglichst milde betrieben werden soll. Wegen Unterstützung dieser be⸗ schädigten Grundbesitzer im Wege von Anleihen wird von der Regierung eine Reichstagsvorlage vorbereitet.
Agram, 9. September. Eine Deputation bosnischer Flüchtlinge begab sich, wie die „N. Fr. Presse“ berichtet, vorgestern zum General Mollinary und überreichte ein Gesuch, die Regierung möge sie vor Hungersnoth schützen, da sie nichts verdienen könnten.
Niederlande. Haag, 6. September. (Leipz. Ztg.) Die Minister der Auswärtigen Angelegenheiten und der Finanzen haben dem Gemeinderathe von Mastricht in Er⸗ widerung auf eine Eingabe desselben Mittheilung gemacht, daß für die Regierung keine Beweggründe bestehen, um der in An⸗ regung gebrachten Idee des Abschlusses eines Zollvereins mit Belgien Folge zu geben. 2 Schweiz. Bern, 8. September. Der bisherige Mi⸗ nisterresident der Vereinigten Staaten bei der schwei⸗ zerischen Eidgenossenschaft, Horace Rublee, hat dem Bundes⸗ Präsidenten seine Abberufung von dieser Stelle angezeigt und
träger überreicht.
— (Köln. Ztg) Depretis nebst Begleitung wurde bei seiner Ankunft in Locarno von dem schweizerischen Gesandten in Rom, Pioda, und dem Gotthardbahn⸗Inspektor Koller empfangen. Der Bundes⸗Prä⸗ sident Welti und Bundesrath Anderwert sind am 7. von der Besichtigung der Gotthardbaha⸗Bauten nach Bern zurückgekehrt.
tigten Minister der Republik San Salvador bei der schweize ischen Eidgenossenschaft ernannte Carlos Gutierez ist in Bern eingetroffen. Außer dem Abschluß eines Handels⸗ vertrages mit der Schweiz hat derselbe noch das Stu⸗ dium des schweizerischen Föderatiosystems zur Aufgabe, welches den fünf central⸗amerikanischen Republiken als Vorbild für die von ihnen beabsichtigte Konföderation dienen soll.
Großbritannien und Irland. London, tember. (W. T. B.) In dem heute Nachmittag 3 ½ in Blackheath abgehaltenen Meeting, welches trotz wiederholten Platzregens von etwa 12,000 Personen be⸗ sucht war, hielt Gladstone eine Rede, in welcher er etwa Folgendes sagte: England habe in dem Krimkriege eine Reihe feierlicher Verpflichtungen übernommen; er sei hierher gekommen, um an deren Erfüllung zu mahnen. Nie habe er eine Bewegung gesehen, welche mit solcher Schnellig⸗ keit so bedeutende Dimensionen angenommen und in eine wahrhaft nationale Bewegung umgewandelt habe. Die Frage, um welche es sich hierbei handle, stehe über jeder
9. Sep⸗
Der Ausschuß beantragt Beitritt zu
Partei, über jeder Nationalität und selbst über dem Christen⸗
thum, weil es eine Frage der allgemeinen Menschlichkeit sei. D
regierung dem Landtag für die rasche und sorgfältige Er⸗
keit und Zweckmäßigkeit, den Beitritt zu den Beschlüssen der
Großherzogin ist von ihrer Reise nach dem Eisenacher
begründete Interpellation, betreffend den derzeitigen Stand der
von der Staatsregierung zugesagte Reform der Pensionsanstalt für Hinterbliebene von Staatsdienern ꝛc. wurde Seitens der
fende Gesetzentwurf bereits der Vollendung nahe sei und dem Land⸗ tage bei seinem voraussichtlich gegen das Ende dieses Jahres erfol⸗ genden Wiederzusammentritt vorgelegt werden solle. Hierauf wurden drei Gesetzentwürfe: 1) betreffend die Ausführung des Reichs⸗
2) betreffend die Neubegründung von Reallasten, 3) betreffend 8
. September. (Karlsr. Ztg.) Das vom Bezirkstag berathene Budget von Lothringen für das Jahr 1877 schließt in Einnahmen und Ausgaben mit je 2,240,183 ℳ Unter Anderm sind für Armenwesen 76,504 ℳ, für Förderung von Künsten und Wissenschaften 6100 ℳ, für landwirthschaft⸗ liche Zwecke 15,700 ℳ ausgeworfen. Zur Vollendung des Irren⸗
Der Kai⸗ nach einer Meldung der „Hermannst. Z.“ daselbst morgen früh
1
88
13. September dem zwischen Hermannstadt⸗Großau stattfindenden
* 8
— Die „Politische Correspondenz“ meldet aus Athen vom gestrigen Tage, daß die Kaiserin von Oesterreich daselbst im
— Der Reichs⸗Finanz⸗Minister Freiherr v. Hof⸗ mann hat gestern als solcher den Eid in die Hand des Kaisers
Der italienische Minister Präsident
8
— Der zum außerordentlichen und bevollmäch⸗
Uhr
8
Schwarzburg⸗Sondershausen. Sonders hausen, 8 8
ihm ein neues Beglaubigungsschreiben als Geschäfts⸗
8 Türkei, weit derem entfernt, die gegen sie erhobenen Anklagen
zurückzuweisen, habe dieselben nur verschlimmert durch Ableug⸗ nungen, welche eher eine Glorifikation der Uebelthäter gewesen sei. Sie habe diejenigen bestraft, welche es versucht hätten, die Gräuelthaten bekannt den zu lassen und habe einige der schlimmsten Verbrecher mit Auszeichnungen belohnt. Man wolle Serbien wie ein zweites Bulgarien behandeln. Diejenigen, welche, obgleich sie im Besitze der dazu erforderlichen Macht seien, diesen Gräuelthaten kein Ende gebieten, würden die Verantwortlichkeit für dieselben zu tragen haben. Gladstone sprach hierauf zu Gunsten einer Kooperation Englands und Rußlands; obgleich Rußland, wie jede andere Nation, von Ehrgeiz nicht frei sei, so werde es doch von Im⸗ pulsen der Humanität geleitet. Man müsse alle Verdächtigungen zurückhalten und sich nicht auf alte und individuelle Erinnerungen stützen. Er habe niemals eine große Frage gekannt, in welcher die Maͤchte und Völker Europas eine solche Uebereinstimmung gezeigt hätten. Unter den sechs Großmächten sei keine, von der England etwas anderes als herzliche Zustimmung erwarten dürfe. Oest rreich sei im Genusse seiner jugendlichen konstitutionellen Freiheit nicht mehr eifersüchtig, wie das am Ende des Krimkrieges der Fall gewesen sei; er zweifele nicht, daß es fortfahren werde, mit den anderen Mächten zur Erreichung des gemeinsamen Ziels zusammenzuwirken. Deutschland an der Spitze der teutonischen Race, werde sicherlich nicht die gewonnenen Ehren beflecken, noch seine moralische Macht in Europa dadurch gefährden wollen, daß es versuche, die edlen Gesfinnungen, welche die ganze Christenheit durchdringen, von ihrem Ziele abzulenken. Ebensowenig sei dies von der großen französischen Ration zu erwarten, welche so viel für die Civilisation gethan habe und nun nach langdauernden Erregungen den Weg zu einer befestigten Freiheit gefunden zu haben scheine. Für Italiens Haltung endlich würde er selbst Bürgschaft über⸗ nehmen, zumal dieses Land seit dem Beginn der Schwierigkeiten im Orient den Unterdrückten siets seine Sympathien gezeigt habe. „Isolirt, so schloß Gladstone, können wir unser Ziel nicht er⸗ reichen, wohl aber vereinigt.“
11. September. (W. T. B.) Die heutige „Times“ widmet der Rede Gladstone's in Blackheath einen längeren Ar⸗ tikel und erklärt, England sei nicht allein verpflichtet, eine Ver⸗ ständigung mit Rußland zu erzielen, sondern nöthigenfalls auch die ersten Schritte hierzu zu thun. Der gegenwärtige Augenblick sei äußerst günstig, um die Irrthümer zu berichtigen, von welchen die Ablehnung des Berliner Memorandums begleitet gewesen sei.
Frankreich. Paris, 9. September. Das ,Journ. off.“ vom Sonnabend bringt das Dekret des Präsidenten der Repu⸗ blik, welches das General⸗Reglement für die Ausstel⸗ lung von 1878 genehmigt, sowie das Reglement selbst. Da⸗ nach zerfallen die auszustellerden Gegenstände in 9 Gruppen oder 90 Klassen.
— Ferner wird dem „Journ. off.“ aus Calais gemeldet, daß die Sondirungen des unter dem Kanal projektirten Tunnels im Laufe dieses Monats beendet sein werden und daß bis jetzt die Resultate im höchsten Grade befriedigen.
— Aus Neu⸗Caledonien ist die Meldung gekommen, daß der Marine⸗Infanterie⸗Kapitän Mairet von den Eingeborenen gefangen, getödtet und verspeist worden ist.
Lyon, 9. September. (W. T. B.) Der Marschall Mac Mahon traf heute Nachmittag hier ein. Die Begrüßung des Präsidenten des Munizipalrathes beantwortete der Marschall⸗ Präsident mit einer längeren Rede, in welcher er hervorhob, daß er, so lange er an der Spitze der Regierung stehe, stets bestrebt sein werde, die Ruhe des Landes aufrecht zu erhalten.
— Der Empfang der Behörden Seitens des Marschall⸗Präsidenten fand um 5 ½ Uhr Nach⸗ mittags statt. Der Generalrath erschien um 5 ¾ Uhr, zog sich aber, da der Empfang bereits begonnen hatte, unter Protest zurück. Einige Generalräthe riefen, als sie die auf der Straße versammelte Menge durchschritten: „Es lebe die Republik, es lebe die Amnestie!“ Die Menge blieb indeß ruhig. Der Empfang verlief ohne weiteren Zwischenfall.
— 10. September. (W. T. B.) Auf die Empfangsanrede des Präsidenten der hiesigen Handelskammer erwiderte der Mar⸗ schall⸗Präsident mit einer längeren Rede, in der er der Hoffnung und dem Wunsche Ausdruck gab, daß recht bald ein Zeitabschnitt eintrete, wo die militärischen Rücksichten in den Hin⸗ tergrund träten und wo man sich ausschließlich friedlichen Be⸗ schaͤftigungen hingeben könne. Was die Handelsverträge mit anderen Nationen und deren Erneuerung betreffe, so sei die Re⸗ gierung mit dieser Frage beschäftigt. Dieselbe halte es aber für vortheilhafter, zunächst alle Handelsverträge ablaufen zu lassen, um dieselben dann gleichzeitig gemeinsam zu erneuern. Wenn auf diese Weise alle Rationen durch einen gemeinsamen Vertrag mit einander verbunden wären, würden dieselben durch das ge⸗ meinsame Interesse in einer gleichsam solidarischen Weise an Erhaltung des Friedens betheiligt sein.
Spanien. Madrid, 9. September. (W. T. B.) Dem mini⸗ steriellen Journal „Chronista“ zufolge, haben die protestantischen Geistlichen sich an die englische Gesandtschaft gewandt und bei der⸗ selben wegen der Maßnahme der Regierung, welche den An⸗ schlag von Bekanntmachungen verbietet, die sich auf den pro⸗ testantischen Kultus und die protestantischen Schulen beziehen, Reklamation erhoben. Die Geistlichen würden sich am Abend über ihr weiteres Verhalten berathen.
— 10. September. (W. T. B.) Wegen des Verfah⸗ rens des Unterpräfekten von Port Mahon (auf Minorca) ist eine Untersuchung angeordnet und soll derselbe, wenn sich ergiebt, daß er wider die Verfassungsartikel in Betreff der reli⸗ giösen Toleranz verstoßen hat, zur gerichtlichen Verantwortung gezogen werden.
Italien. Rom, 4. September. In den Räumen des hiesigen Apollo⸗Theaters hatten sich gestern 3 — 4000 meist den besseren Klassen angehörige Personen zu einem Meeting ver⸗ sammelt, um gegen die von den Türken in Bulgarien ver⸗ übten Grausamkeiten zu protestiren. Die Bedeutung dieser Kundgebung als Ausdruck der öffentlichen Meinung des Landes wurde noch durch zahlreiche Beitrittserklärungen politischer Vereine aus den Provinzen, sowie durch beistimmende Zu⸗ schriften von Senatoren, Deputirten und sonstigen Autoritäten aller Parteien erhöht.
Das Ergebniß der Verhandlungen, bei welchen einzelne Redner die notorische Türkenfreundlichkeit des Vatikans sowohl als die anfängliche Zurückhaltung der italienischen Regierung gegenüber den aus Bulgarien an die Oeffentlichkeit gedrungenen Schreckensnachrichten aufs Schärfste angriffen, wurde in einer öI Stimmenmehrheit votirten Resolution zusammen⸗ gefa
lung und Stärke des Feindes
Aus dem Inhalt derselben ist hervorzuheben, daß die Ver⸗ sammlung laut die Grausamkeiten verdammt, welche weit über die Nothwendigkeit der Kriegsführung hinaus gegen ein um seine Unabhängigkeit kämpfendes Volk begangen seien. Is knüpft sich daran die Aufforderung an die italienische Regierung, ihre Aktion zu Gunsten der Slaven auszudehnen, damit dem Elend ein Ziel gesetzt und den Bewohnern jener Länder eine bessere Zukunft gesichert werde. Endlich wird die Gefälligkeit gegen die mit den Waffen streitenden Jünger des Korans ge⸗ brandmarkt, deren sich sogenannte Anhänger des Evangeliums schuldig machten.
Ein von der Versammlung gewähltes Comité ist mit Aus⸗ führung der gefaßten Beschlüsse und der Einleitung einer Sub⸗ skription zur Linderung des Nothzustandes beauftragt.
Auch zu Mailand hat am nämlichen Tage ein ähnliches Meeting stattgefunden.
— 8. September. (Ital. Nachr.) Die Marokkanische Gesandtschaft hat sich gestern in Genua auf dem ihr von der Regierung zur Verfügung gestellten Dampfer „Conta di Cavour“ nach Tanger eingeschifft.
— (Köln. Ztg.) Der Justiz⸗ und Kultus⸗Minister Mancini hat einen Erlaß an die Präfekten gerichtet, welcher der überhand nehmenden Wiederauflebung der Nonnenklöster steuern soll. Darin heißt es: „Es ist der Regierung bekannt, daß in den aufgehobenen Klöstern, welche den unterdrückten Non⸗ nen zu zeitweiliger Benutzung belassen wurden, häufig neue Einkleidungen von Nonnen vorkommen, und zu diesem Zwecke Novizinnen auf genommen werden.“ Die Regierung sei gewillt, solchen Mißbrauch fortan nicht mehr zu dulden. Das Gesetz * die Nonnen der aufgehobenen Klöster auf ihren Wunsch in
en bisherigen Räumen belassen, aber nur sie allein. „So wird denn die Existenz von neuen Professen oder Novizinnen in einem Kloster die Regierung veranlassen, diese augenblicklich zu ver⸗ treiben und die Nonnen, welche dieselben gegen das Gesetz auf⸗ genommen haben, in ein anderes Kloster zu verweisen.“ Die Präfekten werden dann weiter angewiesen, dieses allen Kloster⸗ Vorsteherinnen kund zu thun, auch der Regierung zu melden, in welche Klöster Novizinnen oder neue Nonnen aufgenommen wurden, sowie diejenigen Häuser zu beaufsichtigen, welche in privater Form Frauengemeinschaften geistlicher Natur beherbergen.
— 9. September. (W. T. B.) Der serbische Minister⸗ Präsident Risties hat an den Präsidenten des hier am ver⸗ gangenen Sonntag zu Gunsten der Slaven abgehaltenen Mee⸗ tings und an den konstitutionellen Verein in Perugia Depeschen gerichtet, in welchen er für die Kundgebung des lebhaften Interesses an der von Serbien vertheidigten Sache, im Namen des Fürsten seinen Dank ausspricht.
Türkei. Konstantinopel, 5. September. Die „Pol. Corr.“ meldet: Der von den sechs Garantiemächten in der letzten Ver⸗ sammlung bei dem englischen Botschafter beschlossene Schritt ist gestern erfolgt. Jeder der betreffenden Vertreter brachte den Wunsch nach unverweilter Einstellung der Feindseligkeiten zwar einzeln, jedoch in identischen Ausdrücken zur Sprache. Die Antwort der Pforte lautete, wie folgt: Die Türkei wünsche die Wiederherstellung des Friedens sehnlicher als irgend Jemand, sie könne aber zu einem Waffen⸗ stillstande ihre Ein⸗illigung nicht geben. Die Gründe, welche die Pforte für ihre Weigerung anführt, sind folgende: Die täg⸗ lichen Ausgaben für die Armee erreichen eine ungeheure, für das Land höchst drückende Ziffer und es kann nicht angehen, 200,000 Mann, Gewehr in Arm, unthätig stehen zu lassen. Die Irre⸗ gulären, welche vom Kriege leben, müßten während des Waffen⸗ stillstandes Sold erhalten und auf Staatskosten ernährt werden. Die Unterhandlungen könnten sich bis zum Eintritte der schlech⸗ ten Jahreszeit in die Länge ziehen und der Waffenstillstand könnte nur den Serben nützlich werden, welche die Ruhe be⸗ nützen würden, um ihre durch die Niederlage erschütterten Armeen zu reorganisiren.
— 7. September. (Auf indirektem Wege.) (W. T. B.) Wie die „Agence Havas⸗Reuter“ erfährt, sollen die von der Pforte aufgestellten Friedensbestimmungen unter Anderem For⸗ derungen enthalten, nach welchen die Befestigungswerke von Bel⸗ grad und Semendria geschleift werden und die serbische Armee eine Stärke von 20,000 Mann in keinem Fall überschreiten soll.
— Den heut angekommenen Nummern der „Turquie“ vom 2.— 5. September entnehmen wir folgende Mittheilungen:
Das Blatt hatte kürzlich einige Notiz über den Rücktritt und die Pension Aristarchi⸗Beys gebracht; jetzt erklärt es diese Angaben für ungenau und sagt: „Nach besseren Informationen handelt es sich weder um Rücktritt noch Pension. Die kaiserliche Regierung hat kürzlich die Entlassung Aristarchi⸗Beys als Mit⸗ glied des Staatsraths angenommen und ihm ein Disponibilitäts⸗ gehalt bewilligt.
In dieser Woche wird die Ceremonie der Sendung des „Surei⸗Humayum’“ (der Kaiserlichen, für Mekka bestimmten Geschenke) stattfinden. Die Prozession wird von Mabein abgehen, um sich nach Tophane zu begeben; dort wird sie auf einem Spezialschiff nach Skutari unter Kanonenschüssen gebracht. Ein Staatsschiff nimmt dann die Geschenke und die Pilger aus Kon⸗ stantinopel auf, um sie nach Beyruth zu bringen. Von dort gehen sie nach Damaskus, von wo die Karawane, nun vollstän⸗ dig zusammen, den Weg durch die Wüste nach den heiligen Orten einschlagen wird.
Wien, 10. September. (W. T. B.) Dem ‚Telegraphen⸗ Korrespondenz⸗Bureau“ wird aus Athen vom gestrigen Tage gemeldet, daß daselbst aus Kreta die Nachricht eingegangen sei, der dortige Gouverneur habe den Deputirten der kretensischen Nationalversammlung Mizotakes verhaftet und auf ein Schiff bringen lassen. Das Volk habe die Freilassung desselben ver⸗ langt. Die Aufregung sei sehr groß, man befürchte weitere Verhaftungen.
— Vom türkisch⸗serbischen Kriegsschauplatze liegen heute folgende Mittheilungen vor:
Die gestrige „Wien. Presse“ schildert die gegenwärtige Situa⸗ tion auf dem Kriegsschauplatze wie folgt:
„Vor einigen Tagen bereits haben wir darauf hingewiesen, daß Krusewatz der ßefährlichste Punkt der serbischen Aufstellung im Morawathale sei. Falls die Friedensverhandlungen dem Kriege kein Ende machen, werden sich die Türken, so sagten wir, weit weniger mit der Erstürmung von Deligrad und Alexinatz vorläufig befassen, als viel⸗ mehr das Thal der serbischen Morawa, besonders Krusewatz, zu okku⸗ piren trachten.
Einzelne Privatnachrichten, welche bis zum 6. September reichen, bestätigen unsere Anschauung und die seit Anfang dieses Monats ge⸗ lieferten Scharmützel weisen darauf hin, daß Abdul Kerim Pascha die Widerstandsfähigkeit des rechten serbischen Flügels untersuche. Der Erfolg solcher Rekognoszirungsgefechte liegt selbstverständlich nicht darin, wer angegriffen oder zurückgedrängt worden sei; solche Gefechte haben nur den Zweck, den Rekegnoszenten über die Stel⸗ zu unterrichten.
Die Serben werden selbstverständlich nicht Krusewatz, Deligrad und Alexinatz allein besetzt halten; sie werden auch die nördlichsten, in den Winkel zwischen der serbischen und bulgarischen Morawa sich vorschiebenden Ausläufer der Jastrebazgebirge besetzen müssen. Da⸗ bei ist speziell die Thalfurche des nach dem Dorfe Djumis benannten Baches von besonderer Wichtigkeit, da sie in ihrem unteren Laufe die von Krusewatz nach Deligrad führende Straße begleitet.
Die verschiedenen Berichterstatter sind natürlich mit einem augen⸗ scheinlich so bescheidenen Ziele, wie die Eroberung des untersten Laufes der serbischen Morawa von Krusewatz bis Stolatsch, nicht zufrieden. Die Einen behaupten, die Türken denken dermalen weder an Deligrad noch an Alexinatz, sondern schon an Kragujewatz das Arsenal der serbischen Armee. Andere versichern wieder, daß Horvatovics den Türken ihre Rückzugslinie nach Nisch verlegt und die böse Absicht habe, die Armee⸗ Corps Abdul Kerims im Rücken anzugreifen. Vorläufig sind derlei Kombinationen nur als fromme Wünsche oder als müßige Kombi⸗ nationen anzusehen. Wollen die Türken wirklich den Krieg mit einem großen, entscheidenden Siege beendigen, dann müssen sie, wenn auch nicht Deligrad, so doch Alexinatz einzunehmen trachten und durch eine glückliche Diversion gegen Krusewatz eine weitere Okkupation serbischen Gebiets anstreben. Die Dinge stehen heute politisch wie militärisch nicht danach, als ob Kragujewatz oder gar Belgrad einen türkischen Angriff zu befürchten hätten.“
— Das „Wiener Fremdenbl.“ schreibt: In Serbien ist in der Kriegführung eine jener Pausen eingetreten, wie sie er⸗ fahrungsmäßig in diesem Kriege jeder größern Aktion folgen. Der türkische Oberbefehlshaber motivirt den Stillstand seiner Thätigkeit mit humanitären Rücksichten. Es soll den Serben Zeit gelassen werden, Hab und Gut in Sicherheit zu bringen. Wahrscheinlicher dürften es Verpflegungsschwierigkeiten sein, welche den Türken vorläufig Gewehr bei Fuß diktiren. Von serbischer Seite ist vollends an ein offensives Vorgehen schwer zu denken, so sehr auch gestern die Belgrader Luft mit derlei chimärischen Gerüchten gefüllt war. Offenbar benutzt General Tschernajeff seine Muße, um die serbischen Milizen von der Manie der Selbstverstümmlung zu heilen, welche neuerer Zeit wieder in be⸗ denklichem Grade auftritt.
— In einem Telegramm vom 4. d. M. aus Deligrad meldet der Berichterstatter der „Daily News“ u. A. Folgendes:
„Alexinatz befindet sich heute ebenso wenig als vor vierzehn Tagen in den Händen der Türken. Es wird durch eine serbische Besatzung von 15,000 Mann mit zehn Batterien Artillerie gehalten und die Serben haben heute einige der nächsten im Tbale vor dem Brücken⸗ kopfe belegenen Doͤrfer wieder besetzt. Die Zahl der am 1. Sep⸗ tember auf Seiten der Serben Verwundeten war unter 500 Mann. In Wirklichkeit waren und sind noch jetzt verhältnißmäßig wenig Türken in dem Morawa⸗Thal. Die türkische Hauptarmee ist in zwei Abtheilungen getheilt, deren eine mit Horvatowics zu schaffen hat, der auf türkischem Gebiete vor dem Gramada⸗Passe sich befindet und das türkische Lager bei Nisch bedroht. Die andere Abtheilung ist in einer weitausgreifenden Schwenkung durch den Jankowa⸗Paß und über Krusewatz begriffen, welche den Zweck hat, unterhalb Deligrad in das Morawathal hinabzusteigen. Die serbische Stellung kann nicht schlechter genannt werden, als sie vor einer Woche war; aber gewiß ist sie sehr unsicher. Wenn die Türken Mannschaften zu einem ernstlichen Angriffe erübrigen können, so kann Alexinatz mit seiner verringerten Besatzung und seiner verhältnißmäßig isolirten Lage schwerlich dem Schicksal entgehen, in ihre Hände zu fallen, und dann würde ein gleichzeitiger Angriff auf Deligrad und die Stellungen von Jankowa⸗ Klissura und Krusewatz die serbischen Vertheidigungshülfsmittel in schrecklicher Weise in Anspruch nehmen. Erst müssen die Türken jedoch sich Horvatovies vom Halse schaffen, der fortfährt, ihnen tapfer die Spitze zu bieten.“
Derselbe Berichterstatter sendet vom 7. d. M. ein Telegramm aus Belgrad, dessen wichtigere Stellen lauten:
„In Folge des neuesten Vorrückens der Türken hat Tschernajeff den Befehl gegeben, die schweren Geschütze aus den Linien von Alexi⸗ natz nach der Stellung von Deligrad zu bringen. Es ist dies blos eine durch die Vorsicht gehotene Maßregel in Anbetracht der Schwie⸗ rigkeit, die schweren Geschütze rasch hinwegzubringen in dem Falle, Alexinatz sollte geräumt werden. Die zur Vertheidigung der Linie
on Alexinatz bestimmten serbischen Feldbatterien verbleiben in Stel⸗ lung. Aus amtlichen Quellen erfahre ich, daß die gegen die Stel⸗ lung von Alexinatz vom 1. bis 3. September wirkenden türkischen Streitkräfte sechszig Geschütze, theils Sechs, theils Zwolfpfünder, zählten. Am 3. umzingen die Türken Schitkovatz, bei welcher Operation sie schwere Valluste erlitten. Dem Vorrücken der Türken that ein rus⸗ sischer Offizier Einhalt mit 9 Bataillonen Infanterie und 26 Geschützen. Die Gesammtzahl der bei Alexinatz vom 1. bis 3. September in Anspruch genommenen serbischen Streitkräfte beläuft sich auf 20 Ba⸗ taillone Infanterie, 6 Schwadronen Kavallerie und 102 Geschütze der verschiedensten Kaliber. Der Verlust der Serben wird auf 300 Todte und 1500 Verwundete, der Verlust der Türken auf 6000 Todte und Verwundete angegeben. Am 4. griffen die Türken, nachdem ihnen die Einnahme von Alexinatz mißgluckt war, Prtschilowitz an und versuchten den rechten Flügel der Serben zu umgehen, um rückwärts von Deligrad in das Morawa⸗Thal einzudringen. Diese Bewegung wurde von Tscher⸗ najeff vereitelt, und die Türken erlitten angeblich einen Verlust von 2000 Mann. Es wird berichtet, die Türken seien gegen Krusewatz zurückge⸗ trieben worden und Tscherrajeff bedränge sie im Rücken auf der Straße nach dieser Stadt, während Horvatowics dem rechten Morawaufer entlang gegen Nisch vorgerückt sei und die kürkischen Verbindungslinien bedrohe. Ein Theil der türkischen Infanterie nebst Kavallerie und Artillerie rückte auf Krusewatz zu, als der Rest gegen Alexinatz vorging. Diese türkische Abtheilung hat Krusewatz noch nicht genommen, aber die genaue Lage der Dinge in der Nähe dieser Stadt ist schwer zu verstehen, da zuverlässige Mittheilungen fehlen. Die Armee Tschernajeffs ist, wie jetzt berichtet wird, vor⸗ theilhaft in einer Linie aufgestellt, von der man annimmt, daß sie das Morawathal völlig absperre und außerdem die Verbindungen mit Krusewatz sichere.
— Die Nachrichten vom türkisch⸗montenegrinischen Kriegsschauplatze lauten:
Ragusa, 8. September. Einem Telegramm der „N. Fr. Pr.“ zufolge waren alle bisher an der montenegrinisch⸗albanesischen Grenze stattgehabten Zusammenstöße zwischen Türken und Monte⸗ negrinern die Folge von Rekognoszirungen. Ein größeres Ge⸗ fecht habe bisher nicht stattgefunden und seien demnach auch die
aus flavischer Quelle kommenden Tages⸗Bulletins unwahr.
— 10. September. (W. T. B.) Nach hier eingegan⸗ genen Nachrichten haben die türkischen Truppen am 8. von dem befestigten Lager bei Podgorizza aus einen Ausfall gegen Dukla unternommen. Von Trebinje aus sind türkische Truppen in Banjani eingefallen und haben daselbst zwei Klöster zerstört. An demselben Tage sind 10 ägyptische Bataillone in Trebinje eingerückt.
Zara, 10. September. (W. T. B.) In Folge der 83 vasion der türkischen Truppen in Montenegro flüchten fortg⸗fe t die bei Grahovo weilenden Flüchtlinge aus der Herzegowtna und viele Montenegriner auf österreichisches Gebiet.
Rumänien. Bukarest, 10. September. (W. T. B.) Aus Veranlassung der Anwesenheit des Kaisers von Oester⸗ reich in Siebenbürgen wird sich der Minister⸗Präsident Bra⸗ tiano, begleitet von dem Mügel⸗Adjutanten des Fürsten von “ nach Hermannstadt zur Begrüßung des Kaisers be⸗ geben.
Dänemark. Kopenhagen, 9. September. Die Abreise der Königlichen Familie (außer dem dänischer, auch das ““ ““ “
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