1876 / 258 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Wed, 01 Nov 1876 18:00:01 GMT) scan diff

Berlin, 1. November 1876.

Die Kunstausstellung der Königlichen A

1“ 8 der Künste. 1

X. 1 (S. Nr. 257 d. Bl.)

Kulturhistorisches Genre. Mit zweien seiner archäologisch genau studirten und —,5 technischer Meisterschaft behandelten Gemälde hat der

elgier Lawrence Alma⸗Tadema sich an der Ausstellung betheiligt.

einem mit mannigfachem ägyptischen Hausrath, mit buntem Ornament und mit Wandmalereien ausgestatteten Gemache thront. Von dessen hellgetönter Wand sich rund und plastisch abhebend, sitzt er, eine knappe, hagere Jünglingsgestalt mit langen schwarzen, sorglich gedrehten Locken, in ein florartiges, durchscheinendes weißes Gewand gehüllt, mit goldenem Hals⸗ schmuck behangen, in der ausgestreckten Linken ein Scepter aufstützend, auf seinem hochlehnigen Polstersessel, vährend seit⸗ wärts auf dem Boden ein in ein gleiches Gewand gekleideter jugendlicher Schreiber offenbar mit der Rechnungslegung über den Einkauf der Kornfrüchte beschäftigt ist, von denen verschiedene Proben neben ihm aufgeschüttet daliegen. Trotz der allerdings beabsichtigten, immerhin aber wenig interessan⸗ ten starr ceremoniellen Ruhe, in der sich der an sich ziemlich gleichgültige Vorgang und namentlich die Hauptfigur in ihrer unbewegt steifen und förmlichen, fast leblosen Haltung prä⸗ sentirt, ist das Bild in der wahrhaft vornehmen, edlen und feinen Harmonie seines kraftvollen Kolorits und in der wun⸗ derbaren allseitigen Vollendung, die auch nicht durch die leiseste Spur die Mühe der Arbeit ahnen läßt, von seltenstem, das Auge immer wieder unwiderstehlich anziehendem künst⸗ lerischen Reiz.

Eine noch großartigere Wirkung macht das zweite Bild des Malers, das bei leuchtender Kraft der Farbe und bei ent⸗ schiedenem Wechsel der Licht⸗ und Schattenpartien und des warmen goldigen Helldunkels gegenüber dem gleichmäßig Karen Ton jenes anderen, auch durch den Inhalt der Dar⸗ stellung den Beschauer viel leichter zu fesseln im Stande ist. Eine „Audienz bei dem mächtigen Vipsanius Agrippa“ bildet hier den Vorwurf für eine prächtige Schilderung des antiken römischen Lebens, eine hochgelegene, in weißem und grünem Marmor und in reicher Vergoldung schimmernde offene Säulen⸗ e. zu der eine stattliche Treppe emporführt, die in meister⸗ ich perspektivischer Zeichnung aufgebaute glänzende Scenerie 8 den leicht und klar sich entwickelnden Vorgang. Die Schaar er Klienten und der mitihnen zur Audienz Herbeigekommenen hat eben dort oben in dem weiten Atrium des Hauses dem hoch⸗ angesehenen Staatsmann ihren ehrfurchtsvollen Morgengruß dargebracht, und nun schreitet der Gewaltige, in seine Purpurtoga gehüllt, gefolgt von seinen nächsten Verwandten und Freunden, durch die nach beiden Seiten hin zurück⸗ ““ und sich tief vor ihm neigenden Verehrer hin, um

ich zu dem auf dem unteren, mit reichem Mosaikpflaster ge⸗ zierten Absatz der Treppe aufgestellten Sessel zu begeben, wo

in demüthiger Haltung hinter dem mit Papieren bedeckten

Tische bereits zwei Schreiber seiner und der von ihm zu ge⸗

benden Befehle harren. Im Vordergrunde des Bildes aber

werden neben der dort auf ihrem Postamente sich erhebenden

Marmorstatue des Augustus noch andere Figuren sichtbar,

die, hinter der den Eingang abschließenden Marmorschranke

stehend, des Zutritts zu harren scheinen. Wie kein Anderer vor

ihm erweckt Tadema in all diesen Gestalten die längst ver⸗

sunkene römische Welt zu vollem, wahrem und echtem Leben.

Wenn in jenem anderen Bilde die Gebundenheit der ägyp⸗

tischen Kunst, aus deren Studium heraus die Darstellung entstand, noch in einem leisen Rest von regungsloser Kälte sich bemerkbar macht, so herrscht hier in Ausdruck und Be⸗ wegung die vollste, unbeschränkteste Freiheit, und vor Allem in der hageren, in gemessener Würde die Stufen herabschrei⸗ tenden Figur des Agrippa und in den ernsten, energisch ge⸗ schnittenen Zügen seines Kopfes, in dem scharfen, durchbohren⸗ den Blick seines Auges tritt uns die Eigenart des alten Rö⸗ mers so imponirend entgegen, daß kaum ein zeitgenössischer Künstler sie zutreffender hätte schildern können.

„Aus dem Mittelalter entlehnte Max Volkhart, jetzt in Brüssel, das Motiv u einer charakteristisch Uahepi und durch schöne Kraft des Tons und der Farbe ausgezeichneten „Kriegserklärung“, die der von einem Trompeter begleitete gewaffnete Bote irgend eines feindlich gesinnten Fürsten oder Grafen den Rathsherren einer deutschen Stadt überbringt, aus der Zeit der Reformation Gustav Spangenberg in Berlin seine mit inniger Empfindung gemalten „Kloster⸗ schüler“, die auf der schneebedeckten Straße in harter Kälte vor einem Bürgerhause ihr frommes Lied absingen, während die Hausfrau mit ihren Kindern, auf der untersten Treppenstufe stehend, ihnen freundlich theilnehmend lauscht. Ein „Volkstheater im vorigen Jahrhundert“ und das vor der primitiven Bühne auf einem wei⸗ ten Hofraum versammelte, buntgemischte Publikum desselden schilderte Joseph Weiser in München in leider etwas allzu skizzenhaftem Vortrag, wofür indeß die durchweg originelle und geistreiche Erfindung der in ihrer persönlichen Eigenart mit ganz besonderer Schärfe beobachteten und dabei nur selten leicht an die Karrikatur anstreifenden, geschickt gruppirten Figuren reichlich entschädigt.

An eine „Trauung in der Schmiede zu Gretna⸗Green“ von Herman Kretzschmer in Berlin, die den seltsamen Gebrauch in einer dem Beschauer sofort aus sich selber verständ⸗ lichen Darstellung vorzuführen wußte, die aber noch nachhaltiger fesseln würde, wenn die Hauptgruppe, die des jungen Ehepaares, dasselbe Interesse zu erwecken vermöchte, wie die kräftige Figur des graubärtigen Schmiedes und das malerische Interieur der altersgrauen Werkstatt mit der von einem berußten Lehr⸗ buben angefachten Gluth des Feuers, reihen sich endlich noch mehrere Bilder von Wilhelm Stryowski in Danzig, ein „jüdischer Hochzeitszug in Galizien“ und ein ‚Flissen⸗Idyll“ die ganz in der bekannten, wenn auch nicht eben koloristisch wirksamen, so doch durch ihre treffende, lebendige Charakteristik anziehenden Weise des Malers gehalten sind, während einem „Todesritt nach dem Jagdrecht des achtzehnten Jahrhunderts“ diejenigen Qualitäten, die einen derartigen Gegenstand ma⸗ lerisch interessant machen könnten, ziemlich gänzlich fehlen.

Die unter dem Protektorat Sr. Majestät des Kaisers und Königs stehende Berliner gemeinnützige Bau⸗Gesellschaft

hielt am Dienstag Abend unter dem Vorsitze des Oberst⸗Lieutenants

mit

D ijne * to 9 C 2 8 ½ . 2 22,2 8 8 2 heiligt. Das eine von ihnen stellt den „Intendanten des lichen Bemühungen unterstützen, denn die gemeinnützige Baugesellschaft Pharao“, den jugendlichen Joseph dar, der herrscherähnlich in disponirt gegenwärtig schon in Verbindung mit der Alexandrastiftung

Nachmittags 1 Uhr stattfinden.

Cours verbliebenen Aktien 298,200 ℳ, Hypotheken 134,400 ℳ, rück⸗

2— 8

mergerichts⸗Rath Detmann vorgetragene Jahresbericht wies einlei⸗ tend nach, daß sich die Verhältnihe der im Jahre 1848 gegründeten Gesellschaft im vorigen Jahre nicht geändert haben. Die Gesellschaft hat ihre ohnehin schon billigen Miethen noch niedriger gestellt. Von jetzt ab „wird⸗ die Gesellschaft ihr Augenmerk aber hauptsächlich auf die Herstellung von Mittelwohnungen richten, um auch die mit einem Jahreseinkommen von 3000 bedachten Beam⸗ ten in den Stand zu setzen, eine ihrem Einkommen und ihren Fa⸗ milienverhältnissen entsprechende Wohnung zu benutzen. Zu diesem Behufe muß aber eine Statutenänderung vorgenommen und das Groß⸗ kapital herangezogen werden, was gegenwärtig die Hauptaufgabe des Vorstandes bildet. Die bisher erzielten Resultate werden die diesbezüg⸗

über 366 Wohnungen, welche ca. 1600 Personen einen gesunden und billigen Aufenthalt gewähren, während die finanzielle Lage der Ge⸗ sellschaft, auf sicher angelegtem Kapitale basirend, sich stets günstiger gestaltet. Der Kassenbericht weist pro 1875 eine Ein⸗ nahme von 444,545 einschließlich des vorjährigen Bestandes auf; worunter 51,015 Miethen, 2899 Zinsen, 1165 Verwaltungs⸗ kosten ꝛc.; die Ausgabe stellt sich dagegen auf 371,964 ℳ, so daß ein Bestand von 72,581 verbleibt. Die Bilanz pro 1875 stellt sich wie folgt: Aktiva: Kassenbestand 72,581 ℳ, Asservate 9000 ℳ, Grund⸗ stücksbuchwerth, der nach realen Verhältnissen um mindestens das Doppelte höher zu veranschlagen ist, 809,595 ℳ, ausstehenden For⸗ derungen 2480 ℳ, Summa 893,655 Passiva: Rest der in

ständige Forderungen 8524 ℳ, Kautionen 10,500 ℳ, Amortisations⸗ quote 12,776 ℳ, Guthaben der Miethsgenossen 84,632 ℳ, Reserve⸗ fonds 341,624 ℳ, Helenenstiftung 3000 ℳ, Summa 893,655 Daran schloß sich statutenmäßige Generalversammlung der Alexandrastiftung, deren Verhältnisse und Geschäfts⸗ lage sich im Wesentlichen in dem oben Gesagten wiederspiegeln. Die Stiftung besitzt gegenwärtig die Häuser Hollmannstr. 20 und Wilhelmstr. 21 mit 144 Wohnungen und 607 Insassen; das Gesell⸗ schaftsvermögen hat sich im vorigen Jahre auf 301,645 ℳ, der Di⸗ videndenzuschußfond auf 15,877 ℳ, der Reservefonds auf 20,880 vermehrt, und an Dividende wurden 5 % gezahlt. Die Jahresrech⸗ nung weist eine Einnahme von 221,131 und eine Ausgabe von 36,258 auf, so daß ein Kassenbestand von 184,873 verbleibt. Die Bilanz schließt mit 795,506 in Aktiva und Passiva ab.

Der Deutsche Landwirthschaftsrath beschäftigte sich gestern in seiner 2. Sitzung, welcher der Minister für die landwirth⸗ schaftlichen Angelegenheiten, Dr. Friedenthal, beiwohnte, mit der Frage der Zolltarife und und beschloß nach längerer Debatte folgendem Antrage beizustimmen:

I. Den Herrn Reichskanzler, den Bundesrath und den Reichstag zu ersuchen: an der Durchführung der Bestimmungen des Gesetzes vom 7. Juli 1873 festhalten zu wollen.

Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen: II. alle geeigneten Mittel und namentlich die Verhandlungen über den Abschluß neuer Handels⸗ verträge in geeigneter Weise zu benutzen: 1) um die Beseitigung aller, unsere Ausfuhr schädigenden direkten und indirekten Exportprämien anderer Länder in wirksamster Weise sicher zu stellen; 2) um Kon⸗ zessionen für den Export landwirthschaftlicher Produkte, namentlich des Spiritus und des Zuckers zu erlangen.

III. Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen: Den Abschluß von Handelsverträgen unter gegenseitiger Wahrung der Rechte der meist⸗ begünstigten Nation zu geeigneter Zeit bewirken zu wollen.

IV. Den Einfluß der Freihafenstellung einiger deutscher Gebiete auf unsere internationalen Handelsbeziehungen einer Enquete unter⸗ werfen zu wollen.

Außerdem wurde der Vorstand ermächtigt, an zuständiger Stelle dahin vorstellig zu werden, daß die offizielle Statistik über Ausfuhr von deutschem Spiritus zahlenmäßig unterscheide zwischen der Aus⸗ fuhr nach Süddeutschland und jener in das Ausland. 3

Demnächst kam die Eisenbahnfrage auf die Tagesordnung Der Referent Ritterschafts⸗Direktor v. Wedell⸗Malchow, beantragte in längerer Ausführung in Betreff der Tarifreform die Annahme nachstehender Resolution: „I. der deutsche Landwirthschaftsrath erklärt: In Erwägung 1) daß die Beschlüsse der Dresdener Eisenbahn⸗Kon⸗ ferenzen vom 29. und 30. Juli d. J. im Widerspruch mit dem ein⸗ stimmigen Gutachten der Tarif⸗Enquetekommission die allgemeine offene Wagenladungsklasse ausgeschlossen haben; 2) daß hier⸗ durch zugleich die Beibehaltung und Weiterentwickelung des natürlichen Systems unmöglich gemacht wird; 3) daß Aus⸗ nahme⸗ und Differentialtarife der Genehmigung der Auf⸗ sichtsbehörde nicht genügend unterstellt sind und 4) daß die in Dresden angenommenen Marximalsätze einseitig von den Eisenbahnverwaltungen normirt sind und vielfach zu hoch gegriffen erscheinen, erklärt der deutsche Landwirthschaftsrath ein auf Grund der Dresdener Konferenzen aufgestelltes Tarifsystem zur Einführung als allgemeines deutsches Tarifsystem nicht geeignet. Der deutsche Landwirthschaftsrath beschließt ferner II. den Reichskanzler zu er⸗ suchen, sobald das auf Grund der Dresdener Konferenzen entworfene Tarifsystem mit Marimalsätzen und Klassifikation vorliegt, dasselbe von Sachverständigen aus Landwirthschaft, Handel und Industrie begutach⸗ ten zu lassen. III. Das gleiche Ersuchen an sämmtliche Bundesregierungen zu richten.“ In Betreff des Eisenbahngesetzes beantragte der Re⸗ ferent die Annahme einer weiteren Resolution, die dem Reichseisen⸗ bahn⸗Amte den Wunsch ausdrückt, seine Bemühungen für Emanation eines Eisenbahngesetzes kräftig fortzusetzen und den Vorstand ermäch⸗ tigt, an den Reichstag eine Petition um Erlaß eines die allgemeinen Interessen des Verkehrs und die speziellen der Landwirthschaft sichern⸗ den Eisenbahngesetzes einzureichen.

Einer Vorlage des Magistrats, betreffend die Wahl von Bei⸗ sitzern und Stellvertretern zu den Stadtverordnetenwahlen ist zu entnehmen, daß dieselben in diesem Jahre a. für die III. Abthei⸗ lung: am Dienstag, 21. November, von Vormittags 10 bis Nach⸗ mittags 2 Uhr, b. für die II. Abtheilung: am Mittwoch, 22. No⸗ vember, von Vormittags 11 bis Nachmittags 2 Uhr, c. für die I. Ab⸗ theilung: am Donnerstag, 23. November, von Vormittags 11 bis

Metz, 28. Oktober. (Metzer Ztg.) Am nächsten Montag fin⸗ die Ausgrabung der am 18. August 1870 gesallenen Groß⸗ herzoglich hessischen Offiziere statt, welche in Einzelgräbern und auf französischem Boden seiner Zeit beerdigt wurden. Vormit⸗ tags werden die Ueberreste der Offiziere (sämmmtlich vom 1. In⸗ fanteris⸗Regimente) in Särge gelegt werden. Als neuer Beerdigungs⸗ platz wurde der Raum innerhalb der Umzäunung des Denkmals der 25. Division am Rande des Boi de la Cusse, gegenüber von Aman⸗ villers, autersehen. Da die Ausgrabung resp. Wiederbeerdigung ganz auf französischem Boden stattfindet, kann keinerlei militärische Feier⸗ lichkeit die Handlung begleiten. Die Bestattung wird um 5 Uhr Nachmittags vollzogen werden.

Neustadt⸗Eberswalde, 29. Oktober. Die Feier der Grund⸗ steinlegung für das vom Pestalozzi⸗Verein der Provinz Bran⸗ denburg zu stiftende Lehrerwaisenhaus hat hier heute Mittag in würdigster Weise stattgefunden.

In Hamburg brach am 29. v. M., kurz vor Mittag, das Haus Nr. 25 der großen Reichenstraße in Folge Ausweichens der hinteren Fleethvorsetzen plötzlich zusammen und begrub viele seiner Bewohner unter den zum großen Theil ins Fleeth stürzenden Trümmern. Das gedachte Gebäude, welches mit den übrigen die nördliche Häuserreihe der großen Reichenstraße bildenden alten Baulichkeiten staatsseiti erworben und behufs Verbreiterung der Straße zum Abbruch bestimm war, sollte am 1. November von seinen Bewohnern, denen sämmtlich von der Finanzdeputation gekündigt worden war, geräumt werden.

1111“ 5 8 8 1 . 88 Die englische Nordpol⸗Expedition. Ein dem Reuter schen Bureau in London aus Valentia zugegangenes Telegramm meldet folgende Einzelheiten über die Reise der beiden Schiffe der Expedition „Alert“ und „Discovery“: „Die Expedition verlie Port Foulke am 29. Juli 1875 und gelangte in die Eisregion dc der Hoße des Kaps Sabine. Nach mühevollen Anstrengungen er⸗ reichte sie die Nordseite von Lady Franklins Bay, wo die „Disco⸗ very“ zurückblieb, um daselbst den Winter zuzubringen. Der „Alert“ erreichte die Grenze der Schiffahrt am Gestade des Polarmeeres, wo das Eis an Dicke bis zu 150 Fuß variirte. Das Präsidenten⸗ land existirt nicht. Der „Alert“ brachte den Winter im 820 27⸗ nördlicher Breite zu. An diesem Punkte ging die Sonne während eines Zeitraums von 142 Tagen nicht auf und der verspürte geringste Kälte⸗ grad war 23 Grad. Mit dem Reisen waren ungewohnsiche Mühselig⸗ keiten verkaüpft. Eine nordwärts abgesandte Mannschaft war 70 Tage abwesend und erreichte 83° 20“ nördlicher Breite. Eine Expe⸗ dition umfuhr das Kap Colombia, den in 830° 7 nördlicher Breite situirten nördlichen Punkt von American⸗Land, und bereiste dort 220 Meilen westlich auf der Höhe von Grönland. Ihre Forschungs⸗ tour dehnte sich auch weit nach Osten aus. Die Mannschaften der Schlitten litten alle durch Scorbut und fanden kein Wild an. Hans Christian Peterson starb. Ein Seemann vom „Alert“ und zwei Matrosen von der „Discovery“ starben auf der Schlittenreise. Es⸗ kimos wurden nicht angetroffen. Die alten Spuren hörten nördlich vom 80° 52“ nördlicher Breite auf. Eisberge wurden jenseits des Kaps Union nicht gesehen. Die Rückkehr bereitete große Schwierigkeiten. Das Steuerruder des „Alert“ erlitt eine Beschädigung und das Schiff verließ das Eis des Smiths Sund am 9. September. Es signalisirte der „Pandora“, daß Alles wohl an Bord sei. Am 16. Oktober, wäh⸗ rend eines Sturmes im Atlantischen Ozean, trennte es sich von der „Discovery“ und ist jetzt auf der Fahrt nach Qucenstown begriffen. So weit die bis jetzt vorliegenden spärlichen Details. Die Expedi⸗ tion verließ Portsmouth am 29. Mai 1875 und war demnach 1 Jahr und 5 Monate abwesend. Ein ausführlicher telegraphischer Bericht

des „Standard“ aus Valentia enthält noch folgende Details:

Das Eis war so uneben und schroff, daß die Schlitten nur eine Meile täglich vordringen konnten, aber sie erreichten

nach großen Mühseligkeiten den 830 20“ nördlicher Breite, so 8.

sie sich dem Pole bis auf 400 englische Meilen näherten. Währen

das Schiff „Discovery“ im Winterquartier lag, legte dessen Mann⸗ schaft reiche naturhistorische Sammlungen an und machte eine Menge werthvoller wissenschaftlicher Beobachtungen. Auch Kohlen von ausgezeichneter Güte und prachtvolle versteinerte Ueberreste von Korallen wurden im äußersten Norden gefunden. Die

Expedition hatte das kälteste Wetter durchzumachen, das

je verzeichnet worden. Einmal stand das Thermometer 104 ° F.

32 ° R.) unter dem Gefrierpunkt. Petersen, der Dolmetsch,

starb 40 Tage nach der Amputation seiner beiden erfrorenen Füße.

Unter den Kuriositäten, welche die 8 des „Alert“ mitbringen,

befindet sich eine Probe des Weizens, welchen die „Polaris“ zurückließ,

als dieses Schiff in den arktischen Regionen lag. Ein alter Wallfisch⸗ fahrer sagt, der Pol sei von Eis umgeben, dessen Dicke er auf 200 Fuß schätzt. Nach der Meinung aller Theilnehmer der Expedition ist die

Erreichung des Nordpols einfach unthunlich. Nach Norden zu, heißt

es, giebt es kein Land.

Als Mittel gegen die Hundswuth wird vom Professo Gubler in Paris die Pflanze Shnhs 12 Bsn ce 85 „Leipziger Nachrichten“ schreiben darüber: „Wir hatten Gelegenheit, dasselbe in der Johannisapotheke (Reudnitz) zu Gesicht zu bekommen, deren Besitzer uns einige nähere Mittheilungen darüber macht. Die Pflanze soll in Podolien als unfehlbar gegen den Biß toller Hunde und Wölfe betrachtet werden. Ein Dr. Grzymala in Krivoe Ozero schreibt unterm 22. März d. J. an Professor Gubler in Paris u. a., daß er das Mittel wenigstens 100 Mal bei Menschen und Thieren mit Er⸗ folg und nicht ein einziges Mal ohne solchen angewendet habe. In diesem Briefe sind einzelne Namen genannt. Die Pflanze hat ein eigenthümliches distelartiges Ansehen und führt zolllange Stacheln.“

Theater.

Die General⸗Intendantur der Königlichen Schau⸗ spiele hat mit dem ehemaligen Direktor des Friedrich⸗Wilhelm⸗ städtischen Theaters, Emil Neumann, einen Vertrag abgeschlossen, wonach dem Letzteren mit Allerhöchster Genehmigung die Zusammen⸗ setzung einer 1rAnasg Schauspiel⸗Gesellschaft und die Leitung der Vorstellungen übertragen wird, welche jene Gesell⸗ schaft während der Monate Januar, Februar und März 1877 im Konzertsaale des Königlichen Schauspielhauses geben wird.

Das am Sonnabend im Königlichen Schauspielhause zur ersten Darstellung gekommene vaterländische Schauspiel „Deutsche Treue“ von Felix Dahn behandelt einen Vorgang aus der deutschen Geschichte im 10. Jahrhundert: Herzog Arnulfs von Bayern Feindschaft gegen Heinrich I., Herzog von Sachsen und deutschen König, und die durch Heinrichs bedeutende Persönlichkeit und seine edle Gesinnungs⸗ und Handlungsweise herbeigeführte Ver⸗ söhnung mit ihm, zu Schutz und Trutz gegen den Feind des Vaterlandes. Dieser an Beziehungen auf die Gegenwart reiche Stoff ist von dem Dichter unter Gestattung mancher poetischen Frei⸗ heiten bearbeitet und in schwungvolle Verse gebracht worden, die aller⸗ dings durch Schlagworte eine zündende Wirkung erhalten. Indessen tritt die politische Tendenz, gerade wie in „König Roderich“ auf Kosten des poetischen Gehalts, manchmal zu sehr in den Vordergrund. Auch hat die ganze dramatische Anlage des Stückes darunter gelitten, was sich namentlich in den zusammenhangslosen Scenen des ersten Akts deutlich zeigt. Mit besserem Glück ist dagegen der Dichter bestrebt ge⸗ wesen, die einzelnen deutschen Stämme in ihren fürstlichen Reprä⸗ sentanten zu individualisiren, wenn ihnen auch freilich der häufige Gebrauch moderner politischer Ausdrücke den historischen Charakter est gänzlich geraubt hat. Hr. Oberländer suchte als Herzo

urchard von Schwaben bei der ersten Aufführung diesem Ue 8

stande durch dialektische Färbung abzuhelfen und erfreute sich dafür, sowie für sein gemüthlich⸗humorvolles Spiel überhaupt, der verdienten Auszeichnung seitens des Publikums. Den durch per⸗ sönlichen Groll dem Sachsenherzoge entfremdeten, aber inner⸗ lich echt deutsch Herzog Arnulf von Bayern gab Hr. Kahle mit hoher Vollendeng, ebenso Hr. Berndal, in porträt⸗ getreuer Maske den Herzog und König Heinrich. Hr. Klein (Herzog Eberhard von Franken), Hr. Ludwig (Markgraf Konrad von Kärnthen), Fr. Erhartt (Wanda, Gemahlin Herzog Arnulfs), Frl. Meyer (Lindgard, Tochter Arnulfs), Hr. Deetz (Erzbischof Odel⸗ bert von Salzburg), Hr. Hint (Helmbrecht, Bogenspanner Arnulfs) und Hr. Goritz (Graf Robert von Paris, französischer Gesandter), wirkten zum Gelingen der Aufführung mit ihrem besten Können mit. Die Scene der Eröffnung des Deutschen Reichstages zu Seel⸗ heim in Hessen im 1. Akt war vortrefflich arrangirt und wirkte groß⸗ artig und imponirend. Residenz⸗Theater. Wegen plötzlicher Erkrankung der Fr. Claar⸗Delia muß das gegenwärtige Repertoirstück dieser Bühne „Die Fremde“ einige Tage unterbrochen werden. Statt dessen wird das beliebte Lustspiel „Die Neuvermählten“ von Björnson gegeben und dazu neu einstudirt „Die Werbeoffiziere“ von Bauermeister.

Am nächsten Freitag, Nachmittag 3 Uhr, veranstalten Schüler des⸗Herrn Dienel in der Marienkirche ein Orgelkonzert, zu welchem die Damen Frls. Grapp, Rosenow, sowie Herr A. Schulze, Königlicher Domsänger, ihre Mitwirkung zugesagt haben. Das Pro gramm weist eine reiche Auswahl der besten Aocpoftkionen auf.

Redacteur! F. Prehm. Verlag der Expedition (Kessel).

Drei Beilagen

Berlin Druck: W. Elsner.

v. 1“ in einem Saale des Architektenvereinshauses seine dies⸗ jährige ordentliche Generalversammlung ab. Der von dem Kam⸗

3 Personen sind todt, 11 verletzt aus den Trümmern gezogen worden.

(einschließlich Börsen⸗Beilage).

8

Nn,b 258.

4

Berlin „Mittwoch,

8Anzeiger und Königlich Preu

den 1. November

stischen Staats⸗Anzeiger.

1876

—— EEEuu.“]

Staats⸗Anzeiger, das Central⸗Handelsregister und das Postblaͤtt nimmt an: die Königliche Expedition des Bentschen Rrichs⸗-Anzeigers und Königlich Preußischen Staats-Anzeigers:

Berlin, 8. W. Wilhelm⸗Straße Nr. 32.

feZnserate für den Deutschen Reichs⸗ u. Kgl. —2

3

1. Steckbriefe und Untersuchungs-Sachen.

2. Subhastationen, Aufgebote, Vorladungen

u. dergl.

3. Verkäufe, Verpachtungen, Submissionen etc.

4. Verloosung, Amortisation, Zünszahlung u. s. w. von öffentlichen Papieren.

Deffentlicher Anzeiger.

5. Industrielle Etablissements, Fabriken und

6. Verschiedene Bekanntmachungen. 7. Literarische Anzeigen. 8. Theater-Ameigen.

9. Familien-Nachrichten.

M

In der Börsen- beilage.

8 rrate nehmen an: das Central⸗Annoncen⸗ DBureau der

Büttner & Winter, fowie alle übrigen größeren

*

deutschen Zeitungen zu

ohrenstraße Nr. 45, die Annoncen⸗Expeditionen des nvalidendauk“, Nudolf Mosse, Haasenstein Vogler, G. L. Danbe & Co., E. Schlotte,

Annoncen⸗Bureaus.

Grosshandel. . 4

Steckbriefe und Untersuchungs⸗Sachen.

Steckbrief. Gegen den Kaufmann Eugen Egon Pheumuth, dessen richtiger Name wahr⸗ scheinlich Eugen Reimund Vuchwan ist, ist die gerichtliche Haft wegen wiederholten Betruges in den Akten B. 348 de 1876 Komm. II. beschlossen wor⸗ den. Die Verhaftung hat nicht ausgeführt wer⸗ den können. Es wird ersucht, den Angeschul⸗ digten im Betretungsfalle festzunehmen und mit allen bei ihm sich vorfindenden Gegenständen und Geldern an die Königliche Stadtvoigtei⸗Direktion hierselbst abzuliefern. Berlin, den 27. Oktober 1876. Königliches Stadtgericht, Abtheilung für Untersuchungssachen. Kommission II. für Vorunter⸗ suchungen. Beschreibung. Alter: 33 Jahre, am 31. August 1843 geboren; Geburtsort: Herrmanns⸗ berg (7) in Oesterreich; Größe: 5 Fuß 2 —3 Zoll; Haare: schwarz; Augenbrauen: schwarz; Nase: ge⸗ wöhnlich; Gesichtsbildung: rund; Gesichtsfarbe; ge⸗ sund; Zähne: gut; Gestalt: etwas korpulent; Sprache: deutsch, österreichischer Dialekt.

Steckbriefs⸗Erneuerung. Der hinter den Kaufmann Simon Troplowitz wegen Urkunden⸗ fälschung in den Akten T. 11 jetzt 122 rep. de 1871 unter dem 1. März 1871. erlassene und unter dem 15. April 1872 erneuerte Steckbrief wird hierdurch in Erinnerung gebracht. Berlin, den 25. Oktober 1876. Königliches Stadtgericht, Abtheilung für Untersuchungssachen. Kommission II. für Vorunter⸗

suchungen.

Subhastationen, Aufgebote, Vor⸗ ladungen u. dergl.

18893] Subhastations⸗Patent.

Das dem Kaufmann Hermann Exppenstein zu Berlin gehörige, in Steglitz belegene, im Grundbuch von Steglitz Band 20 Bl. Nr. 645 verzeichnete Grundstück nebst Zubehör soll den 13. Dezember 1876, Vormittags 10 Uhr, an hiesiger Gerichtsstelle, Zimmerstraße 25, Zimmer 12, im Wege der nothwendigen Sub⸗ Bemmen, öffentlich an den Meistbietenden versteigert, und demnächst das Urtheil über die Ertheilung des Zuschlags ebenda den 15. Dezember 1876, Vormittags 10 Uhr, verkündet werden. 8 Das zu versteigernde Grundstück, 9 Ar, 44 Qu.⸗ Meter groß, enthält einen Neubau. Auszug aus der Steuerrolle und Abschrift des Grundbuchblattes, ingleichen etwaige Abschätzungen, andere das Grundstück betreffende Nachweisungen und besondere Kaufbedingungen sind in unserm Bureau V. einzusehen.

Die Bietungskaution ist auf 3950 festgesetzt.

Alle Diejenigen, welche Eigenthums⸗ oder ander⸗ weite, zur Wirksamkeit gegen Dritte der Eintragung in das Grundbuch bedürfende, aber nicht eingetragene Realrechte geltend zu machen haben, werden aufge⸗ fordert, dieselben zur Vermeidung der Präklusion spätestens im Versteigerungstermin anzumelden. Berlin, den 15. Oktober 1876.

Königliches Kreisgericht. Der Subhastations⸗Richter.

[8891’I Subhastations⸗Patent. Das dem Kaufmann Hermann Eppenstein zu Berlin ehörige, in Steglitz belegene, im Grundbuch von Steglit Band 20, Bl. Nr. 642 verzeichnete Grund⸗ stücke nebst Zubehör soll den 13. Dezember 1876, Vormittags 11 ½ Uhr, an hiesiger Gerichtsstelle, Zimmerstr. Nr. 25, Zim⸗ mer 12, im Wege der nothwendigen Subhastation öffentlich an den Meistbietenden versteigert und dem⸗ nächst das Urtheil über die Ertheilung des Zu⸗ TAlan ebenda n 15. Dezember 1876, Vormittags 10 Uhr, verkündet werden. . Das zu versteigernde Grundstück, 9 Ar 51. Qu.⸗M. groß, enthält einen Neubau. . Auszug aus der Steuerrolle und Abschrift des Grundbuchblatts, ingleichen etwaige Abschätzungen, andere das Grundstück betreffende Nachweisungen und besondere Kaufbedingungen sind in unserm Bureau V. einzusehen. Die Bietungskaution ist auf 3800 festgesetzt. Alle Diejenigen, welche Eigenthums⸗ oder ander⸗ weite, zur Wirksamkeit gegen Dritte, der Ein⸗ tragung in das Grundbuch bedürfende, aber ni ht eingetragene Realrechte geltend zu machen haben, werden aufgefordert, dieselben zur Vermeidung der Präklusion spätestens im Versteigerungstermin an⸗ zumelden. Berlin, den 15. Oktober 1876. 11A“ Königliches Kreisgericht. Der Subhastations⸗Richter.

.

[8896]

Höpfner rige, im Grundbuch von Deutsch⸗Rirdorf 9 verzeichnete Grundstück nebst Zubehör soll den 14. 1876,

an Gerichtsstelle, Zimmerstr. 25, Zimmer Nr. 23

im Wege der nothwendigen Subhastation öffentlich an den Meistbietenden versteigert, und demnächst

das Urtheil über die Ertheilung des Zuschlags

Subhastations⸗Patent.

Das zur Konkursmasse des Kaufmanns Heinrich zu Rixdorf gehörige, in Ripvorf belegene, Band 9 Nr. 331

Vormittags 11 ½ Uhr,

Das zu versteigernde Grundstück ist zur Grund⸗ steuer, bei einem derselben unterliegenden Gesammt⸗ flächenmaß von Ar 72 Quadr.⸗M., mit einem Reinertrag von 1 50 veranlagt. Auszug aus der Steuerrolle und Abschrift des Grundbuchblattes, ingleichen etwaige Abschätzungen, andere das Grund⸗ stück betreffende Nachweisungen und besondere Kauf⸗ bedingungen sind in unserm Bureau V. einzusehen. Alle Diejenigen, welche Eigenthums⸗ oder ander⸗ weite, zur Wirksamkeit gegen Dritte der Eintragung in das Grundbuch bedürfende, aber nicht einge⸗ tragene Realrechte geltend zu machen haben, werden aufgefordert, dieselben zur Vermeidung der Prä⸗ 588e. spätestens im Versteigerungstermin anzu⸗ melden. Berlin, den 17. Oktober 1876. Königliches Kreisgericht. Der Subhastations⸗Richter.

18895] Subhastations⸗Patent.

Das dem Kaufmann Salomon Bock zu Berlin gehörige, in Steglitz belegene, im Grundbuch von Steglitz Band 20 Nr. 628 verzeichnete Grund⸗ stück nebst Zubehör soll

den 20. Dezember 1876, Vormittags 11 ½ Uhr, an Gerichtsstelle, Zimmerstr. 25, Zimmer 12, im Wege der nothwendigen Subhastation öffentlich an den Meistbietenden versteigert, und demnächst das Urtheil über die Ertheilung des Zuschlags

den 22. Dezember 1876, Vormittags 10 Uhr, ebenda verkündet werden. ““

Das zu versteigernde Grundstück ist zur Grund⸗ steuer, bei einem derselben unterliegenden Gesammt⸗ Flächenmaß von 14 Ar 47 Qu.⸗M. mit einem Reinertrag von 2 4 veranlagt. Auszug aus der Steuerrolle und Abschrift des Grundbuchblatts, ingleichen etwaige Abschätzungen, andere das Grundstück betreffende Nachweisungen und besondere Kaufbedingungen sind in unserm Bureau V. einzusehen.

Alle Diejenigen, welche Eigenthums⸗ oder ander⸗ weite, zur Wirksamkeit gegen Dritte der Eintragung in das Grundbuch bedürfende, aber nicht eingetra⸗ gene Realrechte geltend zu machen haben, werden aufgefordert, dieselben zur Vermeidung der Präklu⸗ sion spätestens im Versteigerungstermin anzumelden. Berlin, den 17. Oktober 1876.

Königliches Kreisgericht. Deer Subhastations⸗Richter.

[8894]

Subhastations⸗Patent. 8

Das dem Comtoirdiener August Grunow zu Steglitz gehörige, in Steglitz belegene, im Grund⸗ buch von Steau Band 19 Bl. Nr. 599 verzeichnete Grundstück nebst Zubehör soll den 18. Dezember 1876, Vormittags 11 ½ Uhr, an Gerichtsstelle, Zimmerstr. 25, Zimmer Nr. 12, im Wege der nothwendigen Subhastation öffentlich an den Meistbietenden versteigert, und demnächst das Urtheil über die Ertheilung des Zuschlags den 19. Dezember 1876, Nachmittags 1 Uhr, ebenda verkündet werden. 11u““ Das zu versteigernde Grundstück ist, bei einem Gesfammt⸗Flächenmaß von 10 Ar 26 Qu.⸗M. zur Gebäudesteuer mit einem jährlichen Nutzungswerth von 3000 veranlagt. Auszug aus der Steuerrolle und Abschrift des Grundbuchblatts, ingleichen etwaige Abschätzungen, andere das Grundstück be⸗ treffende Nachweisungen und besondere Kaufbedin⸗ gungen sind in unserm Bureau V. einzusehen. Alle Diejenigen, welche Eigenthums⸗ oder ander⸗ weite, zur Wirksamkeit gegen Dritte der Eintragung in das Grundbuch bedürfende, aber nicht eingetra⸗ gene Realrechte geltend zu machen haben, werden aufgefordert, dieselben zur Vermeidung der Präklu⸗ sion spätestens im Versteigerungstermin anzumelden. Berlin, den 17. Oktober 1876. Königliches Kreisgericht. Der Subhastations⸗Richter.

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188922 Subhastations⸗Patent.

Die dem Banquier Alexander Matthes zu Berlin bezüglich dessen Konkursmasse gehörigen, auf der Fetsenge⸗ Rosenthal belegenen, im Grundbuch von

osenthal Band III. Bl. Nr. 68 und 69. verzeichneten Grundstücke (Parzellen Nr. 77 und 85 vezüg⸗ lich 80, 81, 88 und 89) nebst Zubehör sollen den 15. Dezember 1876, Vormittags 10 Uhr, an hiesiger Gerichtsstelle, Zimmerstraße 25, Zimmer 23, im Wege der nothwendigen Subhastationoöͤffentlich an den Meistbietenden Hfüte gepe und demnächst das Urtheil über die Ertheilung des Zuschlags

den 19. Dezember 1876, Mittags 12 Uhr, ebendort verkündet werden. 1 1

Die zu versteigernden Grundstücke sind zur Grund⸗ steuer, bei einem derselben unterliegenden Ge⸗ sement Fläͤchenmaß von 26,80 Ar beziehungsweise 52,20 Ar mit einem von 3,78 und beziehungsweise 7,35 veranlagt. 1u

Feehunge aus der Steuerrolle und Abschrift der Grundbuchblätter, ingleichen etwaige Abschätzungen, andere die Grundstücke betreffende Nachweisungen und besondere Kaufbedingungen sind in unserm Bureau V. A. 3 einzusehen.

Alle Diejenigen, welche Eigenthums⸗ oder ander⸗ weite, zur Wirksamkeit gegen Dritte der Eintra⸗ gung in das Grundbuch bedürfende, aber nicht ein⸗

zumelden.

[8897]

bezüglich dessen Konkursmasse gehörigen, au Feldmark Rosenthal belegenen, im Grundbuch von

neten Grundstücke (Parzellen Nr. 92 bezüglich 2—9, 13, 14, 17 und 18) nebst Zubehör, sollen den 15. Dezember 1876, Vormittags 11 ½ Uhr, an Nr. 23, im Wege der nothwendigen Subhasta⸗ tion öffentlich an den Meistbietenden versteigert, und vefengcst das Urtheil über die Ertheilung des Zu⸗ chlags

Berlin, den 24. Oktober 1876. Königliches Kreisgericht. Der Subhastations⸗Richter. k

Subhastations⸗p atent.

Die dem Banquier Alexander Matthes zu e er

Kosenthal Band III. Bl. Nr. 96 und 97 verzeich⸗

Gerichtsstelle, Zimmerstraße 25, Zimmer

den 19. Dezember 1876, Mittags 12 Uhr, ebenda verkündet werden. . Die zu versteigernden Grundstücke sind zur Grund⸗ steuer, bei einem derselben unterliegenden Gesammt⸗ Flächenmaß von 13,40 Ar beziehungsweise 1 Hektar 57,0 Ar mit einem Reinertrag von 1 89 und beziehungsweise 41,81 veranlagt. Auszug aus der Steuerrolle und Abschrift der Grundbuchblätter, ingleichen etwaige Abschätzungen, andere die, Grund⸗ stücke betreffende Nachweisungen und besondere Kauf⸗ ö“ sind in unserem Bureau V. A. 3. einzu⸗ ehen. Alle Diejenigen, welche Eigenthums⸗ oder ander⸗ weite, zur Wirksamkeit gegen Dritte der Eintragung in das Grundbuch bedürfende, aber nicht eingetra⸗ gene Realrechte geltend zu machen haben, werden aufgefordert, dieselben zur Vermeidung der Präklu⸗ sion spätestens im Versteigerungstermin anzumelden. Berlin, den 24. Oktober 1876. 8 Königliches Kreisgericht. Der Subhastations⸗Richter.

181011 Nothwendiger Verkanuf.

Das im Grundbuche der Rittergüter des Kreises Sagan Band III. Seite 49. verzeichnete, auf die Namen der Kaufleute Carl Friedrich Piltz und Otto Planer eingetragene 8

Rittergut Greisitz soll im Wege der nothwendigen Subhastation am 27. November 1876, Nachmittags 3 Uhr, vor dem Subhastations⸗Richter an den Meistbieten⸗ den auf dem Gutshofe zu Greisitz verkauft werden. Zu dem Grundstücke gehören 720 Hektar 91 Ar 10 Qu.⸗Meter der Grundsteuer unterliegende Lände⸗ reien, und ist dasselbe bei der Grundsteuer nach einem Reinertrage von 3559,80 ℳ, bei der Gebäude⸗ steuer nach einem Nutzungswerthe von 921 ver⸗ anlagt. 1 Der Auszug aus der Steuerrolle, beglaubigte Ab⸗ schrift des Grundbuchblattes, etwaige Abschätzungen und andere das Grundstück betreffende Nachweisun⸗ gen können in unserem Bureau IV. a. während der Amtsstunden eingesehen werden. Alle Diejenigen, welche Eigenthums⸗ oder ander⸗ weite zur Wirksamkeit gegen Dritte der Eintragung in das Grundbuch bedürfende, aber nicht eingetra⸗ ene Realrechte geltend zu machen haben, werden ziermit aufgefordert, dieselben zur Vermeidung der

Präklusion spätestens im Versteigerungstermine an⸗

zumelden. Das Urtheil über Ertheilung des Zuschlages wird am 28. November 1876, Mittags 12 Uhr, in unserem Gerichtsgebäude von dem Subhastations⸗ Richter verkündet werden. 1“ Sagan, den 27. September 1876.

1 Königliches Kreisgericht. Der Subhastations⸗Richter.

[8926306 Bekanntmachung. 1 In dem Testamente des Rentiers Ludwig Wilhelm Milinowski und seiner Ehefrau Wil⸗ helmine Amalie, geb. Hackebeck Nr. 3996 ausw. sind b Wilhelm, Rudolf und Gustav Geschwister Milinowski s 1“ zu Miterben berufen worden, was diesen hiermit bekannt gemacht wird. Berlin, den 27. Oktober 1876. Königliches Stadtgericht. II. Abtheilung für Civilsachen.

Oeffentliche Bekanntmachung.

den Antrag der verwittweten Gräfin von Scheel⸗Plessen auf Sierhagen, in Vormundschaft ihres unmündigen Sohnes, des Grafen Otto v. Scheel⸗Plessen, als nach dem erfolgten Ableben seines

11“

Au

Vaters, des weiland Königlich dänischen Geheimen Konferenz⸗Raths, Grafen Wulff v. Scheel⸗Plessen, succedirenden Fideikommißerben des weiland Ge⸗ heimen Konferenz⸗Raths W. H. v. Thienen, werden die nachstehenden, in dem Testament des Fideikommißstifters s. 4. Lübeck, 15. September 1808 enthaltenen fideikommissarischen Dispositionen hier⸗ durch öffentlich bekannt gemacht.

8₰* 84 * 2* 8 8. 8

Nach meinem tödtlichen Hintritt sollen mit einem immerwährenden ee; belegt sein: A. In dem adeligen Gute Sierhagen mit Mühlen⸗

beza hlt worden.

Courant

Präklusion spätestens im Versteigerungstermin an⸗ Erbe und dessen Substitute frei disponiren können,

11u“ zweimal hundert Tausend Reichsthaler S. Speziesmünze als zu 4 Prozent erste und unablös⸗ liche Hypotheke, wozu ich ferner als Familien⸗Fidei⸗

ommiß⸗Kapital lege:

1) Einmal hundert Tausend Reichsthaler, die in den

Gütern Wensien und Travenort (jedoch damit

diese Güter nach Gefallen der Eigenthümer von

einander getrennt werden können, siebenzig Tau⸗

send in dem ersteren und dreißig Tausend in

dem letzteren),

2) Tausend Reichsthaler, die in dem Gute

Müssen,

3) zehn Tausend Reichsthaler, die in dem Gute

Ehlerstorf, und

4) elf Tausend Reichsthaler, die in dem Gute Rosenhof unablöslich belegt stehen. ]

B. In den adeligen Gütern Löhrstorf, Claustorf,

Großenbrode und Godderstorf mit allen dazu ge⸗ hörigen Pertinentien, zu welchem ersteren, nämlich Löhrstorf, auch der Antheil der Güldensteiner Höl⸗ zung, welchen ich mir beim Verkauf von Gülden⸗ stein reservirt, und überdies die Löhrstorf gewesene Hölzung hiedur werden, die Summe von zweimal hundert Tausend Reichsthaler S. H. Courant Speziesmünze zu

Fn vorhin bei

von mir gelegt

Prozent als erste unablösliche Hypotheke, und zwar in Löhrstorf und Großenbrode und deren Perti⸗ nentien Ein hundert und zehn Tausend Reichsthaler in Claustorf mit seinen Iabehörungen fünfzig Tau⸗ send Reichsthaler und in veres. mit dessen Pertinentien vierzig Tausend Reichsthaler.

Das adelige Gut Sierhagen mit dem Zinsengenuß des darin fundirten Fideikommisses von 200,000. Thlr. und den Zinsen der in den Nummern 1, 2, 3 und 4 ferner als Fideikommiß dazu gelegten unablöslichen Kapitalien von 141,000 Thlr. und was ich ferner dazu bestimmen möchte, bekommt mein instituirter Erbe und nach ihm dessen eheliche Nachkommenschaft und in deren Ermangelung auf dieselbe Weise der erste und zweite Substitut und deren eheliche Descendenz nach der weiter unten von mir festge⸗ setzten Vorschrift. 8 1 Die adeligen Güter Löhrstorf, Claustorf, Großen⸗ brode und Godderstorf mit deren Pertinentien und zu Löhrstorf gelegten Hölzungen, zur freien Dis⸗ position über die Substanz dieser Güter und mit dem Zinsengenuß des dabei angeordneten Fideikom⸗ mißkapitals von 200,000 Thlr. legire und vermache ich dem Herrn Kammerherrn und Jäg Seg. Christian Heinrich August v. Hardenberg⸗Reventlow und nach ihm seiner ehelichen Descendenz auf die weiter unten festzusetzende Weise. Sollte indessen dieser mein Legatarius vor seiner jetzigen Frau Ge⸗ vns glin Johanna, geb. Baronesse v. Reitzenstein, versterben, so vermache ich derselben hiermit so lange sie lebt und sich nicht anderweitig wieder verhei⸗ rathet, jährlich 3000 Thlr. aus den Revenüen dieser ihrem errn Gemahl und dessen ehelichen Descen⸗ denz allhier vermachten Gütern. 3 Mein obgedachter Erbe, dessen Substituten und dessen und deren allerseitige zum Genusse der Fidei⸗ kommisse gelangende Successoren, imgleichen dieser mein Legatarius und dessen allerseitige Nachfolger, sind bei Verlust der Erbeinsetzung und dieses Legati schuldig, die fideikommissarische Qualität der resp. in Sierhagen radizirten und dabei gelegten 341,000 Thlr. und der in den Gütern Löhrstor „Claustorf, Großenbrode und Godderstorf fundirten 00,000 Thlr. sowohl gleich nach dem Antritt der Erbschaft und des Legatums, als auch demnächst alljährlich auf ge⸗ meinschaftliche Kosten, jeder zur Hälfte, öffentlich publiziren zu lassen. 8 [8865] Kiel, den 18. Oktober 1876.

Königliches Appellationsgericht.

1“

[890356 Proclama.

Im Grundbuche von Rynarzewo Nr. 50, dem .“ Meyer Lachmann gehörig, steht Abthei⸗ lung III. Nr. 3 für die Johanna Kujawska, ge⸗ boren am 24. Mai 1835, ein Erbtheil von 245 Thlr 23 Sgr. 3 Pf. auf Grund des rbrezesses vom 7 April 1857 und zufolge Verfügung vom 14. Apri 1857 eingetragen. Diese Post ist unverändert au die Folien Rynarzewo Nr. 93, 94 und 95 sowie Feldmark Rynarzewo Nr. 114 und 202 übertrager worden. .

Ein Hypothekendokument ist über diese Post nich gebildet.

Ausweislich der Franz Kujawskischen Vormund schafts⸗Akten K. 1513 Vol. I. ist diese Post noch bei Lebzeiten der Forderungsberechtigten von der heist Eigenthümer des Grundstücks August Hahr

an dieser Post als Eigen Ansprüche zi er⸗ dieselben binnen

Alle Diejenigen, welche 1 thümer, Cessionarien oder sonstige heben haben, werden aufgefordert, 3 Monaten, spätestens aber in dem

am 21. Februar 1877, Vormittags 10 Uhr, vor dem Kreisrichter Dr. Ries an hiesiger Geri ts⸗ stelle, Sitzungssaal Nr. 1 anstehenden Termine gel⸗

tend zu machen. 1 Die Gläubigerin Johanna Kujawska ist 8 sen ihre Geschwister:

ben und hat als Erben hinterlassen . Marianna, verehelichte Radczinska, Valentin, Cäcilie, Michael, Joseph und Josepha, Geschwister Kujawski, deren Aufenthalt nicht hat ermittelt wer⸗ den können. Dieselben werden aufgefordert, ihre Rechte an der vorgedachten Post spätestens bis zu dem am 21. Fe⸗

den 15. Dezember 1876, Vormittags ebenda, Zimmer 12, verkündet werden.

Uhr,

getragene Realrechte geltend zu machen haben, wer⸗ den aufgefordert, dieselben zur Vermeidung der

ber son t

kamp und deren Pertinentien, worüͤ mein

bruar 1877, Vormittags 10 Uhr, anstehenden Ter⸗

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