8 r. J. M. Hildebrandt aus Düsseldorf, ursprünglich wissen⸗ schaftlich gebildeter Gärtner, war schon seit fünf Jahren mit natur⸗ feit eligen Sammlungen in verschiedenen Gegenden Ostafrikas
schäftigt, und hatte vielfache Beweise seiner Energie, seiner Sach⸗ kenntniß und seines außerordentlichen Geschicks im Umgange mit den
gefährlichen Eingebornen jener Länder gegeben. Dieser Aufenthalt war nur durch eine kurze Reise nach Berlin unterbrochen worden, wobei bekanntlich Hr. ein lebendes Nilpferd herbrachte. Hier wurde das Unternehmen geplant, welchem nicht blos das Kuratorium der Humboldt⸗Stiftung durch Gewährung von Geldmitteln, sondern auch das Reichs⸗Kriegs⸗ Ministerium durch Leihen von Waffen, ihre Hülfe zu Theil werden ließen: von Zanzibar aus die noch unerforschten tropischen Schnee⸗ pebirge des Ndur⸗Kenia und Kilima⸗Ndjaro, sowie die nördlich von etzterem liegenden hohen Vulkane naturgeschichtlich zu untersuchen. Schon im vorigen Sommer machte Hr. 8 zu diesem Zwecke den Versuch, von Lamu, einer kleinen Insel an der Mituküste, aus ins Innere zu dringen. Zwischen den Somali⸗ und Galastämmen aus⸗ ebrochene Feindseligkeiten hinderten seinen Fortschritt, und in Mombassa, wohin er sich einstweilen zurückzog, befiel ihn ein hart⸗ näckiges Fußübel, welches ihn zur Rückkehr nach Zanzibar nöthigte. Durch die Vermittelung des Kaiserlich deutschen Konsuls, Hrn. Robert Seers, wurde Hr. Hildebrandt in das im Hafen von Zanzibar stationirte Hospitalschiff der britischen Kriegsmarine „London“, Kapitän Sulivan, aufgenommen und mit größter Zuvor⸗ kommenheit drei Monate lang bis zu völliger Genesung dort gepflegt. Dem Kapitän Sulivan und den Schiffsärzten Sedgwick und Bentham fühlt sich das Kuratorium für diesen Akt inter⸗ nationaler Gastfreundschaft zu lebhaftem Dank verpflichtet. So konnte sich der Reisende erst Mitte Oktober wieder mit der beab⸗ sichtigten Expedition beschäftigen. Gegen Ende November langte er, mit Empfehlungen des Sultans von Zanzibar und des englischen Nesidenten daselbst versehen, wieder in Mombassa an, verständigte sich mit einem Karawanenführer und nahm die nöthigen Diener, so wie 40 schwarze Träger an, um die erforderlichen Tauschwaaren, zum Einlegen der Pflanzen, Instrumente u. d. m. mitführen zu können. Um seine Mannschaft einzuüben, machte er zuerst einen kleinen, aber anstrengenden Streifzug nach Duruma im Wanikalande, wo er die durch v. d. Decken bekannten Antimonfundstätten besuchte und Proben von den dortigen Vorkommnissen für den Sultan von Zan⸗ zibar, sowie für das hiesige Museum sammelte. 1 Nach der letzten Nachricht von Mombassa vom 10. Dezember v. Js. stand der Reisende im Begriff, besser ausgerüstet und unter glücklicheren Auspicien als das erstemal mit seiner Karawane nach dem Lande Kikuyn aufzubrechen, wo der mächtige Gipfel des Ndur⸗Kenia ihn zieht.
Das andere Unternehmen der Humboldt⸗Stiftung führt uns nach dem südamerikanischen Kontinente, welcher einst der 5 der größten wissenschaftlichen Thaten Alexanders von Humboldt selber war, und an dieselbe Stelle, von wo er und Bonpland ausgingen. Unter Humboldts Beobachtungen und Naturschilderungen giebt es kaum eine bekanntere, als die der elektrischen Aale (Gymnoten) und ihres Kampfes mit den Steppenrossen in den Llanos von Venezuela. Humboldt hatte Europa verlassen, als der Streit zwischen Volta und Galvani und ihren Anhängern über die Deutung der von Galvani entdeckten
Thatsachen zu voller Höhe entbrannt war, und er selber hatte sich kurz zuvor in seinem Werk „Ueber die gereizte Muskel⸗ und Nerven⸗ faser“ für das Dasein einer thierischen Elektrizität ausgesprochen.
Der Anblick der gewaltigen Zitteraale, deren Körper scheinbar aus jedem seiner Theile willkürlich einen niederschmetternden Blitz ent⸗ andte, war daher für ihn vom hinreißendsten Interesse. Aber leider hatte er Europa etwas zu früh verlassen, um noch Nachricht von der Entdeckung der Säule durch Volta zu erhalten, welche über dies Gebiet wenigstens den ersten Schimmer von Helligkeit verbreitete, und so kam es, daß die damals von ihm angestellten Versuche, trotz allem darin entfalteten Eifer und Geschick, weder für die Lehre von den
elektromotorischen Organen, noch für die damit nahverwandte von den Nerven und Muskeln ausgiebige Frucht trugen.
Merkwürdigerweise sind seitdem über dreiviertel Jahr⸗ hunderte verflossen, ohne daß in Südamerika eine einzige Beob⸗ achtung am Zitteraal angestellt worden wäre, obschon diese Fische wiederholt nach Europa, besonders nach London gebracht wurden, wo Faraday daran eine berühmte Versuchsreihe ausführte. MNittlerweile hatte der Verkehr mit jenen Gegenden sich so ent⸗ wickelt, und die am Gymnotus zu lösenden wissenschaftlichen Fragen waren so brennend geworden, daß der Gedanke, diese Fragen an Ort und Stelle zum Austrage zu bringen, schon seit längerer Zeit sehr nahe lag. Seiner Verwirklichung stand nichts entgegen als der Mangel an einer geeigneten Persönlichkeit.
Diese hat sich neuerlich in dem Dr. med. Herrn Carl Sachs aus Berlin gefunden, der in histiologischen und physiologischen Un⸗ tersuchungsweisen wohl bewandert, schon durch bedeutende Arbeiten in diesen Gebieten bekannt, sich gern bereit fand, die Gymnoten in ihrer Heimath aufzusuchen, und Humboldts eigentlichste Jugendbestre⸗ bungen in den von ihm so malerisch geschilderten Steppen wieder aufzunehmen.
„Hr. Dr. Sachs hat sich mit einem möglichst vollständigen histio⸗ logischen und elektrophysiologischen Apparat am 26. September v. J. in Hamburg eingeschifft, ist am 21. Oktober in La Guayra gelandet, und hat in Caracas bei dem Kaiserlich deutschen Geschäftsträger und General⸗Konsul, Hrn. Dr. Stamman, den zuvor⸗ kommendsten Empfang gefunden. Nachdem er sich in Caracas mit den nöthigen Empfehlungsbriefen und Ausrüstungsgegenständen ver⸗ sehen, hat er die Cordillere überschritten, und ist am 19. November in Rastro, einem armseligen Dorf in der Stevppe, eingetroffen, welches einst die Stätte von Humboldts eigenen Versuchen war, und wo dem Dr. Sachs ein reicher Grundbesitzer, Don Carlos Palacios, „El Rey de los Llanos“ genannt, ein Haus zur Verfügung gestellt hatte. Hier aber fand sich Dr. Sachs in seinen Erwartungen schlimm getäuscht. Die Sumpfwasser in der Nähe des Dorfes, welche zu Humboldts Zeit von Gymnoten wimmelten, gaben nicht einen her, und hauchten um so gefährlichere Miasmen aus. Die Vorstellung, nach Humboldts Beschreibung Gymnoten zu fangen, indem man, um sie zu erschöpfen, erst 18- oder Maulthiere von ihnen erschlagen läßt, wurde von allen Llane⸗ ros mit Gelächter aufgenommen, kein Wunder, da Dr. Sachs die Mula, die ihn von Caracas in die Steppe trug, mit 270 spanischen Thalern bezahlen mußte.
Besser gestalteten sich die Verhältnisse im benachbarten Ca⸗ labozo, einer ansehnlichen Stadt mit vielen Bequemlichkeiten, wohin sich Dr. Sachs nun begab. Der General Guancho Rodriguez nahm sich freundlich seiner an, und ritt mit ihm drei Stunden weit nach dem Rio Uritucu, einem wilden, von prächtigem Urwald umgebenen Flusse, in dessen Gewässern das Verderben in vielfacher Gestalt kauert: denn er wimmelt von Alligatoren, gefräßigen Ca⸗ ribenfischen, tückischen Stachelrochen, und glücklicher Weise auch von Gymnoten. Gleich bei seiner Ankunft sah Dr. Sachs mit freudiger Erregung einen fast zwei Meter langen „Temblador“ dicht unter der Wasseroberfläche sich bewegen.
Seit jenem Tage bis zum Datum seines letzten Briefes, dem 7. Dezember — fünf Tage lang — ist Dr. Sachs in Calabozo in der rüstigsten Thätigkeit gewesen, welche ihm schon mehrere wichtige Ergebnisse geliefert hat. Alles berechtigt zu der Hoffnung, daß, wenn die Gesundheit unseres jungen Reisenden dem gefähr⸗ lichen Klima widersteht, seine Ausbeute eine höchst werth⸗ volle, und diese am meisten Humboldtsche fast aller denkbaren Unternehmungen der Humboldt⸗Stiftung vom besten Erfolge ge⸗ krönt sein wird.
Das Kapital der Stiftung erhielt im verflossenen Jahre keinen Zuwachs durch Zuwendungen. Die für das laufende Jahr zu Stif⸗ tungszwecken verwendbare Summe beläuft sich ordnungsmäßig abge⸗ rundet auf 20,400 ℳ
Endlich trug Hr. Bruns eine Abhandlung über die
— Nach der Städte⸗Ordnung vom Jahre 1853 fällt die
Pension eines in den Ruhestand versetzten Kom⸗ munal⸗Beamten fort oder ruht insoweit, als der Pensio⸗ nirte durch anderweitige Anstellung im Staats⸗ oder Gemeinde⸗ dienste ein Einkommen oder eine neue Pension erwirbt, welche mit Zurechnung der ersten Pension sein früheres Einkommen übersteigen. In —2 auf diese Bestimmung hat das Ober⸗Tribunal, erster Senat, in einem Erkenntniß vom 4. Dezember 1876 ausgesprochen, daß unter diese allgemeine Bezeichnung einer Anstellung auch die kommissarische, jeder Zeit widerrufliche Uebertragung eines an sich dauernden Amtes gegen monatliche Diäten zu rechnen ist, und dem⸗ gemäß die Pensiontanfsorüche eines Bürgermeisters a. D., der nach seiner Pensionirung in dem Gemeindedienst einer anderen Stadt als Polizeikommissar und Standesbeamter gegen 200 ℳ monatliche Diäten kommissarisch beschäftigt wurde, als unbe⸗ rechtigt zurückgewiesen. „Die kommissarische Dienstleistung“, führt das Erkenntniß des Ober⸗Tribunals aus, „ist nicht schon deshalb, weil sie jeder Zeit widerruflich ist, eine vor⸗ übergehende, und sie erscheint nicht als eine solche, weil sie dauernde Aemter betrifft, und deren Uebertragung nicht an einen bestimmten Zeitraum gebunden ist. Die Dauer bis zum Widerruf kann eine lange Reihe von Jahren umfassen, und trägt nicht das Moment des Vorübergehenden in sich. §. 56 Nr. 6 der Städte⸗Ordnung elt zwar vor, daß die Anstellung der Gemeindebeamten, soweit es sich nicht um vor⸗ übergehende Dienstleistungen handelt, auf Lebenszeit erfolgen sonh allein hieraus ist nicht die Folgerung zu ziehen, daß eine aktisch erfolgte Anstellung auf Widerruf keine Anstellung sei und als solche bei dem Anspruche auf eine aus einem früheren Amte erworbene Pension nicht berücksichtigt werden dürfe, und der §. 56 trägt nichts zu der Bestimmung bei, welcher Art die §. 65, Auß 4 gemeinte anderweitige Anstellung ist.“
Düsseldorf, 27. Januar. (W. T. B.) Se. Königliche Hoheit der Herzog Eugen von Württemberg ist hier nach kurzer Krankheit gestorben. (Derselbe war am 20. August 1846 geboren und seit dem 8. Mai 1874 mit Ihrer Kaiser⸗ lichen Hoheit der Großfürstin Wjera Constantinowna von Rußland vermählt.)
Württemberg. Stuttgart, 27. Januar. Der Prinz Wilhelm von Württemberg ist von Arolsen wieder hier eingetroffen.
Hessen. Darmstadt, 26. Januar. Der Gesetz⸗ gebungs⸗Ausschuß der Zweiten Kammer befürwortet die An⸗ nahme des den Ständen vorgelegten Gesetzentwurfs, betr. den Schutz der in Pflege gegebenen kleinen Kinder, in allen Haupttheilen. Die vorgeschlagenen Aen⸗ derungen sind meist redaktioneller Natur. Nur verdient her⸗ vorgehoben zu werden, daß der Ausschuß die in den Art. 3 und 4 angedrohten Strafen von 20 auf 40 ℳ erhöht wissen will, vorbehaltlich der Befugniß, auf 20 ℳ herunter zu gehen, wenn mildernde Umstände vorhanden sind.
Sachsen⸗Weimar⸗Eisenach. Weimar, 28. Ja⸗ nuar. (W. T. B.) Der Landtag ist heute vom Staats⸗ Ministerium im Namen des Großherzogs eröffnet worden. Als Berathungsgegenstände werden in der landesherr⸗ lichen Propositionsschrift. Vorlagen zur Beförderung des höheren und niederen Schulwesens und zur Unterhaltung der Universität angekündigt, erwähnt werden ferner die Verhand⸗ lungen mit den benachbarten thüringischen Staaten über die neue Gerichtsorganisation; vom Etat heißt es, daß derselbe die Möglichkeit einer Steuererleichterung für die untersten Klassen der Steuerzahler gewähre, endlich wird eine Vorlage wegen Neuregulirung der Domänenrente in Aussicht gestellt.
Lippe. Detmold, 26. Januar. Die heutige Sitzung des Landtags hatte die Spezialdebatte über die Eisen⸗ bahnverträge zum Gegenstande. Der Landtag genehmigte mit einigen Abänderungen eine vom Finanzausschuß vorge⸗ Erklärung an das Kabinets⸗Ministerium, in welcher der Landtag für den unter außerordentlichen, zur Zeit des Abschlusses obwaltenden Verhältnissen ohne Vorbehalt der Genehmigung des Landtags zwischen Fürstlicher Regierung und der Cöln⸗Mindener Eisenbahngesellschaft über den Bau und Betrieb einer Eisenbahn von Herford nach Detmold unter dem 26./29. März 1875 abgeschlossenen Vertrag die jetzt von Fürstlichem Kabinets⸗Ministerium nachgesuchte Indemnitäts⸗ erklärung, jedoch unter einer Modifikation, ausspricht.
8 8 Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 27. Januar. Der Kaiser ist heute Morgens von Pest nach Wien zurück⸗ gekehrt. — Graf Andrassy trifft heute Nachmittags in Wien ein.
— Die Verhandlungen über die Bankfrage sind vor⸗ läufig unterbrochen worden. Im Lause des vorgestrigen Tages hat eine eigentliche Konferenz zwar nicht mehr stattgefunden, wohl aber eine Besprechung, und zwar diesmal bei den öster⸗ reichischen Ministern, denen die ungarischen Minister einen Gegenbesuch abstatteten. Der Kaiser hat vorgestern sowohl den ungarischen Minister⸗Präsidenten als die österreichischen Minister empfangen, worauf letztere gestern früh die Rückreise nach Wien antraten. Die Verhandlungen werden binnen kür⸗ zester Zeit in Wien wieder aufgenommen werden, zu welchem Behufe die ungarischen Minister schon morgen nach Wien reisen wollen. Man glaubt, wie das „Prag. Abbltt.“ meldet, daß dann unter Vorsitz des Monarchen ein gemeinsamer Ministerrath stattfinden werde. 8 Pest, 26. Januar. Zur Bankfrage schreibt „Nemzeti naae „Die Krise ist — wie wir aus der Regierung nahe⸗ ehenden Kreisen erfahren — in der Weise gelöst worden, daß sie in Permanenz erklärt wurde. In der gestern unter Vorsitz Sr. Majestät abgehaltenen PecfebfsgFaeh Minister⸗ konferenz wurde nämlich das fünfjährige Provisorium auf Basis des Status quo beschlossen; in der heute (gestern Vormittags) in der Wohnung des Hrn. Koloman Tisza ab⸗ gehaltenen een aber, an welcher Graf Julius Andrassy, Tisza, Szell, Perczel, Trefort, Fürst Auersperg, Lasser und von Pretis io laabniae ist die Vereinbarung bezüglich der Details des Provisoriums zu Stande gekommen.“”0 — Die telegraphisch bereits avisirte Interpellation des Abg. Helfy an den Minister⸗Präsidenten lautet: „Ist das allgemein verbreitete Gerücht wahr, wonach der auf die Bankfrage bezügliche Theil der zwischen der ungarischen und österreichischen Regierung zu Stande ge⸗ kommenen sogenannten Mai⸗Stipulationen nunmehr gänzlich allen gelassen wurde? Wenn dies wahr ist, frage ich, ist die
Unterschriften in den römischen Rechtsurkunden vor.
egierung entschlossen, unter Ausschluß jeder anderen
Modalität oder jedes anderen Versuches allein an der Errichtung einer digen Nationalbank festzuhalten, und insofern sie Durchführung derselben aus welchem Grunde immer unfähig
lichen 5 wirthschaftlichen Fragen noch und den Interessen des Landes entspr können?“
Schweiz. Bern, 27. Januar. (K. Si.) Der Bischof Lachat hat den von der Seittgesen chen Gemeinde Aarau neugewählten Pfarrer, Direkt
suspendirt und mit der großen Exkommun
ind gelöst werden
anmelde.
Nothstand in den indischen Provinzen theilt ein vom
„In Bombay ist die Situation unverändert; in Madras ist eine kleine Abnahme in der Zahl der an den Nothbauten beschäftigten
Die Cholera
eingetreten.
halb Ahmednayar und Puna, und ein Drittel von Satora, Bel gaum und Dharwar sind ernstlich betroffen.
werden. Die letzte Ernte war im Allgemeinen gut. Eine große
absoluten Mangel. Die Zahl der Personen, die in
— Der „Standard“ vernimmt, daß die Eingeborenen in der
droht haben.
Frankreich. Paris, 26. wird geschrieben: Die Wah mission hat sich zu betta's gestaltet. Gambetta ist Präsident und dem Gesagten vollständig die Mehrheit in der Hand. In seiner heute rede hat er die „
anuar. der
der Kommission gehaltenen
Gemäßigten an die Forderungen der Mehrheit des Ausschusses. Wie aus Gambettistischen Kreisen verlautet, werde der Budget⸗ ausschuß seine Arbeiten so energisch in Angriff nehmen, daß er hoffe, noch vor Ostern seinen Bericht vorlegen und session unnöthig zu machen. Eine Abänderung in den indi⸗ nach den in den Bureaux erfolgten Erklärungen als so gut wie gewiß zu betrachten. Die Kammer wird die Budget⸗ debatte wahrscheinlich sogleich in den ersten Tagen des April beginnen. — Der Sieg Gambetta's im ausschuß machte großes Aufsehen in Versailles. „Moniteur“ schlägt vor, heit in der Kammer gebildet werden, die zwar minder zahlreich, aber gleichmäßiger sein werde, wenn sie die Radi⸗ kalen fallen lasse. — Der Admiral Fourichon, welcher sich gegen⸗ wärtig im Dordogne⸗Departement aufhält, soll, wie es heißt, seinen Urlaub bis Ende Februar verlängern lassen. Wenn nach Verlauf dieser Frist seine Gesundheit vollkommen herge⸗ stellt, so wird er sein Portefeuille wieder übernehmen; im entgegengesetzten Fall wird das Marine⸗Ministerium einen anderen Leiter erhalten. — Die „Corr. Havas“ versichert, der Minister des Innern habe die Absicht, die sogenannten „Cercles d'Ouvriers“ zu maß⸗ regeln und namentlich ihre Verbündung zu verbieten. — Die Personalveränderung in den Unter⸗Präfek⸗ turen wurde bis zum 7. Februar vertagt. — Der oberste Handelsrath nahm heute mit 24 gegen 9 Stimmen die zeitweilige Zulassung der Gespinnste an. — 27. Januar. (Köln. Ztg.) Eine in Genf gedruckte
Flugschrift, die gegen den Minister des Auswärtigen,
erzog Decazes, gerichtet ist, wurde beim Ausgange aus der Schweiz an der französischen Grenze mit Beschlag belegt. — Der „Moniteur“ bezeichnet die jetzige Lage als gefährlich. Die klerikalen, legitimistischen und bonapartistischen Blätter reifen den Konseils⸗Präsidenten Simon wegen seiner gestrigen ertheidigungsrede zu Gunsten des Unter⸗Präfekten in la Reolle heftig an.
Spanien. Madrid, 22. Januar. Nach einer Veröffent⸗ lichung der „Gaceta de Madrid“ vom 21. d. M. betrug die schwebende Schuld Spaniens am 1. Dezember v. J. 80,891,885 Pesetas 32 Cents. Im Laufe des vergangenen Monats erfuhr dieselbe eine Vermehrung von 67,831,856 Pe⸗ setas 84 Cents und eine Verringerung von 20,833,986 Pesetas 71 Cents, so daß sie sich am 1. Januar d. J. auf 127,889,755 Pesetas 45 Cents bezifferte.
Italien. (W. T. B.) Durch über Wien eingegangene Telegramme aus Rom vom 28. d. M. werden die Behaup⸗ tungen über eine Erkrankung des Papstes widerlegt.
Griechenland. Athen, 27. Januar. (W. T. B.) Der Herzog und die Herzogin von Edinburgh sind hier eingetroffen und von dem Könige E“ worden. — Der Marquis von Salisbury hatte eine Be⸗ sprechung mit dem Herzog von Edinburgh und ist dann nach Brindisi weitergereist. — Die Deputirtenkammer hat die Berathung des Budgets fortgesetzt. Zwischen der Regierung und den Oppositionsparteien ist bisher keine Uebereinstimmung erzielt worden.
Türkei. Konstantinopel, 27. Januar. (W. T. B.) Der Sultan hat in Ausführung des Art. 17 der neuen Verfassung, wonach alle Unterthanen ohne Unterschied der Religion gleiche Rechte und gleiche Pflichten dem Lande gegen⸗ über haben, einen Irade erlassen, dem zufolge künftig alle Kinder der nicht⸗muselmännischen Bevölkerung zu den Militär⸗ schulen zugelassen werden sollen. Der Irade ist den Vor⸗ ständen der Gemeindeverwaltungen zur Kenntniß gebracht und gleichzeitig nc die Zeitungen veröffentlicht worden, die be⸗ züglichen Gesuche um Aufnahme in die Militärschulen sollen
an das Kriegs⸗Ministerium gerichtet werden.
den Fall, daß er binnen sechs Tagen nicht seine Unterwerfung
Großbritannien und Irland. (A. A. C.) Ueber den
einzig und ungarischen selbstän⸗ zur
wäre, durch ihren sofortigen Rücktritt zu ermöglichen, daß so⸗ wohl diese als auch die übrigen noch in der Schwebe befinda
rechtzeitig
8 2
1
8
or Fischer in Luzern, ikation bedroht, für
8
Ministerium für Indien veröffentlichter Bericht Folgendes mit:
Personen bemerklich, und in einigen Distrikten ist ein wenig Regen rassirt in mehreren Distrikten von Ma-.— dras, besonders heftig in Bellary, Cuddapah und Nellore. Nach den Berichten von Sir Richard Temple, der die vom Nothstande be⸗ troffenen Provinzen besucht hat, wird in Kandish und Nasik eine ernstliche Hungersnoth nicht erwartet. Ganz Scholapore und Kaladgi,
Der Rest dürfte eine halbe Durchschnittsernte liefern. Der Markt ist mit Getreide wohl versehen und die Lokalvorräthe sind wahrscheinlich beträchtlich, dürften aber vor dem Eintritt von Regen nicht auf den Markt gebracht
Anzahl der an den Nothbauten beschäftigten und von der Privat⸗ wohlthätigkeit unterstützten Personen leidet wahrscheinlich keinen M Die Zah Bombay im Mai unterstützungsbedürftig sein werden, wird auf 870,000 geschätzt.
Nähe von Assinee an der Westküste von Afrika ein gestran⸗ detes Eö geplündert und die Mannschaft be⸗
Der „Köln. Ztg.“ Budget⸗Kom⸗ einem vollständigen Siege Gam⸗ hat nach
in se Antritts⸗ inigkeit der Replubikaner“ vor Allem be⸗ tont; das heißt, sie soll erzielt werden nes. Zugeständnisse der
8 eine Anträge stellen zu können, um die Kammer so in Stand zu setzen, die Herbst⸗
rekten Steuern nach Maßgabe des Ueberschusses von 1877 ist
Budget⸗ 8 1 Der es müsse eine neue Mehr⸗
Ppvrotokolls.
8 — (W. T. B.) General Ignatieff, Baron von Wer⸗ ther, Graf Zichy und der i von Calice sind von hier abgereist.
8 — 28. Januar. (W. T. B.) Dem Vernehmen nach hat
Fürst Milan in Beantwortung der Depesche des Großveziers
vom 24. d. den Wunsch zu erkennen gegeben, Verhandlun⸗ gen zur Herbeiführung eines Einverständnisses einzuleiten. Augsburg, 28. Januar. (W. T. B.) Die „All⸗ gemeine Zeitung“ küͤndigt an, daß sie im Besitze sämmt⸗ licher Protokolle der Konferenz und deren Annexe ist, und beginnt heute mit der Veröffentlichung des ersten
Wien, 29. Januar. (W. T. B.) Wie es heißt, wird die Hohe Pforte einen Unterhändler nach Serbien
scchicken, da man in Konstantinopel es vorziehen soll, die Ver⸗
handlungen in Serbien zu . und nicht wünscht, von der Abordnung eines serbischen Bevollmächtigten nach Konstanti⸗ nopel die Einleitungen von Friedensverhandlungen überhaupt abhängig zu machen. Man will möglichst bald Gewißheit über die Intentionen des Fürsten Milan gewinnen. — Eine rus⸗ sische Cirkulardepesche liegt, trotzdem eine solche von verschiedenen Zeitungen bereits analysirt wird, hier und also wohl auch anderwärts nicht vor. Wö ETaunton, 27. Januar. (W. T. B.) Die hiesige Ver⸗ einigung der Liberalen hat Gladstone heute eine Adresse überreicht. Beim Empfange derselben hielt Gladstone eine Rede, in welcher er betonte, daß der Pariser Vertrag von 1856 Seitens der Türkei vollständig perletzt worden sei, und daß hierdurch alle für England aus diesem Vertrage hervorgehenden Verpflichtungen aufgehoben eien. Sodann sprach sich Gladstone in abfälliger Weise über die neue türkische Verfassung aus und schloß mit der Auf⸗ forderung, daß England die Anstrengungen zur Befreiung der Christen in der Türkei fortsetzen und so die dem eng⸗ lischen Volke auferlegte Pflicht erfüllen möge. Die Rede wurde mit allgemeinem Beifall aufgenommen. 3 St. Petersburg, 28. Januar. (W. T. B.) Der „Golos“ bespricht die Aeußerung des Belgrader Blattes „Istok“, in welcher behauptet wurde, daß die Serben nur auf das Signal Rußlands warten, um den Krieg gegen die Pforte wieder aufzunehmen. Der „Golos“ nennt diese Aeuße⸗ rung ein Mißverständniß und fügt hinzu, die russische Regie⸗ rung habe Serbien niemals ermuntert, den Krieg anzufangen, dasselbe im Gegentheil von demselben abzuhalten versucht. Serbien dürfe nicht die Verantworlichkeit auf Andere wälzen. Es sei zwar mehr als wahrscheinlich, daß auch in der gegen⸗ wärtigen Phase der orientalischen Frage Rußland die Inter⸗ essen Serbiens nicht außer Acht lassen werde, daraus folge aber nicht, daß diese Interessen die russische Regierung haupt⸗ ächlich bei den Maßnahmen leiten sollen, welche wegen des Mißerfolges der Konferenz als nothwendig erscheinen würden.
— Der „Pol. Korr.“ wird aus Konstantinopel, 26. Ja⸗ nuar, von hier berichtet: Derwisch Pascha in Skutari hat vor einigen Tagen von Midhat Pascha die Weisung erhal⸗ ten, nach Cettinje bekannt zu geben, daß die Pforte bereit ist, unter für Montenegro vortheil⸗ haften Bedingungen in Friedensverhand⸗ ungen einzutreten, wenn Fürst Nikolaus hierauf bezügliche Dispositionen bekunden will. Es ist sicher, daß man hier einige territoriale Konzessionen an Montenegro beabsichtigt. Die Pourparlers zwischen Skutari und Cettije dauern in diesem Augenblicke fort, ohne noch zu einem Ergebnisse geführt zu haben. In Pfortenkreisen verlautet, daß die drei insurgirten
rovinzen als militärische General ⸗ Gouvernements reorganisirt werden und neben den General⸗Gouverneuren christliche Civiladministratoren erhalten sollen. Außerdem sollen die Zapties (Polizei) nach dem Muster der österreichi⸗ schen Gensd'armerie militärisch organisirt werden und zur Hälfte aus eingebornen Christen bestehen. Alle diese Maß⸗ nahmen sollen unverzüglich getroffen werden. Wie verlautet, verzögert sich die Abreise der Botschafter Oesterreich⸗Ungarns und Deutschlands wegen der Verzögerung, welche die Abreise des Generals Ignatieff durch das stürmische Wetter im Schwarzen Meere erfahren hat. Es wurde vereinbart, daß die Abreise der Botschafter der drei Nordmächte gleichzeitig oder nur in kurzen Zwischenräumen erfolgen solle.
— Aus Konstantinopel, 23. d. M., wird der „Kölnischen Zeitung“ telegraphisch berichtet: „Am 21. d. M. fand auf der österreichisch⸗ungarischen Botschaft die Unterzeichnung des Schlußprotokolles über die Konferenz⸗ sitzungen statt, welches indessen, auf die rein formelle Seite sich beschränkend, keinerlei neue Forderungen stellt. Da die Vertreter der Pforte wegen einer Ministerrathssitzung nicht erschienen waren, so wurde ihnen das Schriftstück zur Unter⸗ zeichnung zugesendet. Die Pforte bereitet die Ausgabe eines Blaubuches vor, welches sämmtliche auf die Konferenz bezüg⸗ liche Aktenstücke enthalten soll. Vorgestern hat sie ein Send⸗ schreiben an ihre sämmtlichen Vertreter im Auslande ge⸗ richtet. Die Vertreter der Pforte in London, Wien und Rom bleiben nach wie vor auf ihren Posten, auch Sadik Pascha soll in
Paris verbleiben. Der frühere Marine⸗Minister Achmed Kaisserli ist zum ersten Senator ernannt worden. Fürst Ghika, der Vertreter Rumäniens, bleibt in Konstantinopel.
Paris, 27. Januar. Laut Nachrichten aus Belgrad, so wird der „Köln. Ztg.“ von hier geschrieben, hat der Fürst Milan die Friedensanträge Midhat Paschas, welche telegra⸗ phisch mitgetheilt wurden, aufs Günstigste aufgenommen. In Belgrad scheint nicht die geringste Lust vorhanden zu sein,
den Krieg wieder anzufangen. Der „Moniteur“ spricht sich günstig fur den Abschluß des Friedens der Türkei mit Ser⸗ bien und Montenegro aus und bemerkt dazu: „Der rasche Schluß dieser Angelegenheit werde einen glücklichen Einfluß auf die Erhaltung des allgemeinen Friedens ausüben; aber dies ist blos ein Theil der Aufgabe, welche der Pforte obliegt; es bleibt ihr die des Beweises, daß sie sich nicht den Christen gegenüber ihrer Pflichten entledigt erachte. Die Mächte ließen ihr ein Programm der Reformen, welches das Minimum der Zugeständnisse für die Balkanprovinzen enthält. Unserer Ansicht nach lehnte die Pforte mit Unrecht die Vor⸗ schläge der Konferenz ab, damit es nicht scheine, als gebe sie äußerem Drucke nach ; aber das Programm bleibt nichtsdesto⸗ weniger der Ausdruck der Wünsche und unwandelbaren For⸗ derungen der “ das nicht gesonnen ist, dasselbe u vergessen oder aufzugeben.“ e 26. Wüer In einer Abschieds⸗Adresse, welche von Mitgliedern der englischen Kolonie in Konstantinopel und anderen dort Angesiedelten dem englischen Botschafter, Sir H. Elliot, überreicht wurde, heißt es, der „Köln. Ztg.
1
zufolge, u. A.: „In dem Meinungswiderstreite, welchen die üngsten Ereignisse hervorriefen, sind tadelnde Hinblicke auf hren persönlichen Charakter geäußert worden, welche uns schmerzlich berührt haben und welche durch Ew. Excellenz Leben und Charakter, die uns durch eine zehnjährige Er⸗ fahrung bekannt sind, Lügen gestraft und zunichte gemacht werden. Indem wir Ew. Excellenz Gefühle bezüglich der be⸗ sonderen Besorgnisse und Schwierigkeiten der jüngst ver⸗ flossenen Zeit aufs tiefste mitempfinden, ist es unser Wunsch, unsere Ueberzeugung und unsere hohe Würdigung der sorg⸗ fältigen und gewissenhaften Aufrichtigkeit zu beurkunden, welche ein dauerndes Kennzeichen von Ew. Excellenz hiesiger Amtsführung war.“
— Man schreibt der „Pol. Korr.“ 13. Januar:
„Seit Menschengedanken hat hier keine so großartige militärische Bewegung geherrscht, wie seit ungefähr drei Wochen. Man sieht nichts als lange Züge der aus den Provinzen einrückenden Redifs, die nach mehrtägigem Aufenthalte auf den Regierungsdampfern und den Packetbooten nach Konstantinopel eingeschifft werden. Seit Beginn des vorjährigen Krieges mit Serbien hat die Provinz Smyrna über 90,000 Mann gestellt, und noch sind gegen 30,000 Mann bereit, unter die Fahnen zu eilen. Vor einigen Tagen trafen von Konstantinopel und Malta die englischen Avisos „Wye“ und „Cockatrice“ hier ein, um sich mit dem hier ankernden Ge⸗ schwader des Vize⸗Admirals Drummond zu vereinigen. Außer den genannten Avisos besteht die Flottendivision Drummonds aus dem Admiralschiff „Herkules“, der Panzerfregatte „Raleigh“ und dem Sloop „Rapid“. Die Division des Contre⸗Admirals Rize stationirt in der Bai von Vurla, nicht weit von hier, und umfaßt die fünf Panzerfregatten „Triumph“, „Swiftsure“, Sultan“, „Monarch“ und „Pallas“. Außer dem englischen Geschwader ankern noch andere Kriegsschiffe fremder Flagge in unseren Gewässern und tragen dazu bei, durch Entsendung ihrer Mannschaften und Offiziere die Straßen unserer Stadt zu beleben. Trotz der verschiedenen Nationali⸗ täten, welche diese Schiffe ans Land schicken, hat bis jetzt keinerlei Exceß oder Konflikt stattgefunden. Die Regierung hat den Befehl bekom⸗ men, im ganzen Vilajet Pferde für die Artillerie und Kavallerie auf⸗ zukaufen. Eine offizielle Verfügung verbietet die Ausfuhr der Pferde und Maulesel; auch die Ausfuhr von Cerealien wurde verboten. Nur die Kontrakte, welche wegen Lieferung von Cerealien zehn Tage vor Kundmachung des Ausfuhrverbotes nachweislich geschlossen wur⸗ den, dürfen eingehalten werden. Die öffentliche Sicherheit im Innern des Vilajets ist nicht sonderlich befriedigend. Man signalisirt das Erscheinen einer neuen Brigantenbande in Soma im Bezirke von Balukesser.“
Rußland und Polen. St. Petersburg, 27. Januar. Bezüglich des Kaiserlichen Botschafters bei der Pforte, Generals Ignatieff, meldet das „Journal de St. Péters⸗ bourg“ gegenüber der von der „St. P. Wet.“ gebrachten Nach⸗ richt, wonach General Ignatieff sich von Odessa aus nach Kijew begeben würde, um dort bis zu seiner Abreise nach Karlsbad im März Aufenthalt zu nehmen — der Botschafter werde Zweifel alsbald nach St. Petersburg kommen, und die oben erwähnten Mittheilungen seien unbegründet.
(H. N.)
Dänemark. Kopenhagen, 27. Januar. (H. Das Folkething lehnte die nicht vom Ausschuß gebilligten ministeriellen Vorschläge zur Wiederherstellung des Budgets, darunter den das Theater betreffenden, mit 68 gegen 25 Stimmen ab.
Amerika. Dem „Bureau Reuter“ wird unterm 25. ds. aus Washington telegraphirt:
„Nach einer Debatte, welche die ganze Nacht hindurch dauerte, hat der Senat den Gesetzentwurf, welcher den von dem ge⸗ mischten Ausschuß beider Häuser des Kongresses für die Lösung der Präsidentenwahlfrage vorgeschlagenen Plan verwirklicht, heute Morgen um 7 Uhr mit 47 gegen 17 Stimmen angenommen. Einen heftigen Gegner fand die Vorlage in Mr. Blaine. 24 Republikaner und 23 Demokraten stimmten für die Vorlage, 16 Demokraten und ein Republikaner gegen dieselbe. Das Repräsentantenhaus hat nunmehr die Debatte der Vorlage begonnen und wird dieselbe wahrscheinlich morgen beenden. Die Annahme der Maßregel Seitens der Zweiten Kammer wird als sicher erachtet. — Das Repräsentantenhaus hat einen Ausschuß ernannt, der untersuchen soll, ob Präsident Grant in der Verwendung der bewaffneten Macht im Süden während der jüngsten Wahlen seine Gewalten über⸗ schritten habe. Richter Davis vom höchsten Gerichtshof, ein unab⸗ hängiger Demokrat, ist zum Senator für Illinois gewählt worden.
— Unter dem 26. Abends wird demselben Bureau ge⸗ meldet: —
Das Repräsentantenhaus hat heute den von dem gemisch⸗ ten Ausschuß beider Häuser des Kongresses vorgeschlagenen Gesetz⸗ entwurf, wonach einem aus je fünf Mitgliedern des Senats, des Repräsentantenhauses und des obersten Bundesgerichtshofes bestehen⸗ den Tribunal die Entscheidung in der Präsidentenwahlfrage zustehen soll, mit 191 gegen 86 Stimmen angenommen. — Mr. Ben⸗ jamin Hilt ist zum Senator für Georgia gewählt worden.
Afrika. (A. A. C.) Aus der Kapstadt wird vom 2. ds. gemeldet: . 1
Hier eingegangene Nachrichten aus Transvaal theilen mit, daß die transvaalschen Freiwilligen vorgeben, in Magnet Heights einen Sieg errungen zu haben, wobei 50 Feinde getödtet wurden. Ein in Leydenburg ansässiger englischer Geistlicher hat einen Protest gegen die Behandlung der Eingeborenen im der transvaalschen Re⸗ publik erlassen, in welchem er behauptet, daß sämmtliche gefangen ge⸗ nommene Frauen und Kinder nach Pretoria gesandt und auf fünf Jahre an die Pächter vermiethet worden wären. Die Schritte, welche Präsident Brand in England gethan, sind von dem Volksraad im Allgemeinen gutgeheißen worden. Sir John Coode's Inspektion der Häfen der Ostküste wird mit der größten Be⸗ friedigung betrachtet. In Port Elizabeth, Port Alfred und Ost⸗ London hat persönliche Inspektion die Hoffnung auf die Möglichkeit der Ausführung wirksamer Werke gestärkt. Die Vorkehrungen für die Ausstellung nehmen ihren befriedigenden Fortgang. Die Er⸗ öffnung ist indeß bis zum 15. März verschoben worden. Das Vor⸗ gehen der Regierung hat dazu beigetragen, die Einwohner der nord⸗ östlichen Grenze zu beruhigen. Die Nachrichten aus dem Territo⸗ rium Transkei lauten befriedi end. Das Kap⸗Parlament ist aufs Neue bis zum 2. März prorogirt worden.
Australien. Aus Sydney wird dem Reuterschen Bureau unterm 25. ds. telegraphirt: 1
In der deedelsenab⸗ Versammlung von Neu⸗Süd⸗Wales ist das Budget eingebracht worden. Die Einkünfte der Kolonie für 1876 beliefen sich auf 5,000,000 £ und es ist ein Ueberschuß von 1,679,608 9£ vorhanden, der zur Abschaffung gewisser Zölle ver⸗ wendet werden soll. Der Tabakszoll soll indeß erhöht werden.
aus Smyrna,
Aus dem Wolffschen Telegraphen⸗Bureau.
Washington, Montag, 29. Januar. Präsident Grant wird heute die von dem Kongresse ange⸗ nommene Comitsbill, betreffend die Entscheidung in der
eine —— u der Bill ausspricht. Bei einer nterredung des Prästdenten Grant mit dem Korre⸗ spondenten der „New⸗York Tritüne“ soll der Präsident er⸗ klärt haben, daß er eine sofortige Rückkehr zu der Metall⸗ währung für günstig halte. Er glaube, daß das Land voll⸗ kommen auf solche Maßregel vorbereitet sei und werde dem Kongresse demnächst seine Ansichten in dieser Frage mittheilen.
Nr. 6 des „Amtsblatts der Deutschen Reichs⸗Post⸗ und Telegraphenverwaltung“ hat folgenden Inhalt: Ver⸗ fügungen: Vom 20. Januar 1877. Statistische Ermittelungen über Eilsendungen, Postkarten mit bezahlter Antwort, Geschäftspapiere, Rückscheine zu Einschreibsendungen und über Zeitungen. — Vom 22. Januar 1877. Postvorschuß⸗ bez. Postanweisungsverfahren im Verkehr mit Oesterreich⸗Ungarn. — Vom 17. Januar 1877. Ab⸗ änderung der Anlage 36 zu §. 83 der Telegraphen⸗Betriebsordnung.
— Nr. 3 des „Justiz⸗Ministerialblatts“⸗ hat folgenden Inhalt: Allgemeine Verfügung vom 20. Januar 1877, betreffend die Stempelfreiheit der den Beamten zur Führung von Vormundschaften ertheilten Genehmigungen. — Allgemeine Verfügung vom 20. Januar 1877, betreffend die Behandlung der bei den Königlichen Kassen ein⸗ gehenden, nicht mehr nmlaufsfähigen Landesmünzen.
— Das I. Heft, Fünfter Jahrgang, 1877, der Annalen der ydrographie und Maritimen Meteorologie, Organ des ydrographischen Bureaus und der Deutschen Seewarte, heraus⸗ gegeben von der Kaiserlichen Admiralität, hat folgenden Inhalt: Reise des Schiffes „Meteor“, Kapitän Rudolph Dinckelberg, von Newcastle nach Jquique (Chile). — Wie verhält es sich mit der Route Nord um Schottland? Mittheilung von der Deutschen See⸗ warte. — Bemerkungen über die Nord⸗, Nordwest⸗ und Westküste von Australien. — Ueber den Nuevo⸗Golf und den Chupat⸗Fluß an der Ostseite von Patagonien. — Tiefseelothungen J. Br. M. S. „Challenger“ im Stillen Ozean, in der Magellan⸗Straße und in dem Atlandischen Ozean in den Monaten Dezember 1875 bis Mai 1876. — Temperaturverhältnisse des Süd⸗Atlantischen Ozeans, nach den Reihentemperaturmessungen J. Br. M. S. „Challenger“, aus⸗ geführt in den Monaten Februar und März 1876. — Ueber den Orkan am 7. und 8. März 1875 in dem Süd⸗Indischen Ozean. — Ueber Nebelsignale und die zu Bülk errichtete Nebelsignal⸗Station, von Civilingenieur Veitmeyer. — Magnetische Beobachtungen, ange⸗ stellt an Bord der Königlich schwedischen Fregatte „L'eugsnie“ auf ihrer Reise um die Erde in den Jahren 1851 — 1853. Mitteilung von der Deutschen Seewarte. — Kleine hydrographische Notizen: 1) Geographische Lage der Lord Howe's Gruppe und des Riffs oncador. Salomon⸗Inseln. 2) Flaschenpost a. von S. M. S. „Elisabeth“ und b. von S. M. S. „Medusa“. — Meteorologische, magnetische und Gezeiten⸗Beobachtungen, angestellt auf dem Kaiser⸗ lichen Observatorium zu Wilhelmshaven für den Monat Dezember 1876. — Karten: 1) Drei Tafeln zu dem Aufsatz „Ueber Nebel⸗ signale“. 2) Skizze zu dem Aufsatz „Ueber den Orkan in dem Süd⸗
Indischen Ozean“.
MNeichstags⸗Angelegenheiten.
Bei den engeren Wahlen zum Reichstage sind gewählt worden: im 3. Königsberger Wahlkreis: Dickert in Königsberg mit 6659 gegen 3895 Stimmen, welche Stadtkämmerer Hoffmann erhielt; 8 im 3. Danziger Wahlkreise: Rickert, Landesdirektor, mit 6754 gegen 6320 Stimmen, welche Prälat Landmesser erhielt;
im 5. Liegnitzer Wahlkreise: Michaelis, Kreisgerichts⸗ Rath in Bunzlau, mit 7922 gegen 3317 Stimmen, welche Lehnguts⸗ besitzer Renner erhielt; 1.1““
im 2. Schleswig⸗Holsteiner Wahlkreis: Hinschius, Professor in Ptle. mit 6694 gegen 56 Stimmen, welche Krüger⸗ Beftoft erhielt; 8
1 ih Schleswig⸗Holsteiner Wahlkreise; Dr. jur. Friedr. Hammacher in Berlin mit 4433 gegen 4156 Stimmen, welche Landrath Graf von Bernstorff erhielt;
im 8. Casseler Wahlkreise: Weigel, Rechtsanwalt zu Cassel, mit 9975 gegen 9589 Stimmen, welche Literat Frohme erhielt;
im 5. Düsseldorfer Wahlkreise: Stoetzel, Redacteur zu Essen, mit 11,645 gegen 7653 Stimmen, welche Ober⸗Tribunals⸗ Rath von Forcade de Biaix zu Berlin erhielt.
— Bei der am 22. d. M. “ Ketihe k h im weiten Wahlkreis der Herzogthümer Sachsen⸗Coburg 1 nd Gotha, I nach den Wählerlisten im Ganzen 27,811 Wähler zählt, zusammen 20,354 Stimmen abgegeben worden. Von diesen waren 107 ungültig. Von den 20,247 gültigen Stimmen sind 11,312 auf Banksekretär Dr. jur. Hopf in Gotha und 8935 auf Schuh⸗ macher Wilhelm Bock in Gotha gefallen. Nach diesem Wahl⸗ ergebniß ist Banksekretär Dr. jur. Julius Hopf zu Gotha als ge⸗ wählt proklamirt worden.
Landtags⸗Angelegenheiten.
Dem Herrenhause ist der Entwurf eines Gesetzes, be⸗ treffend die Befähigung für den höheren Verwal⸗ tungsdienst zugegangen. Derselbe war dem Abgeordnetenhause chon unterm 15. Januar 1875 zur Beschlußfassung vorgelegt worden. sbondun der Entwurf in der Plenarsitzung vom 23. Februar 1875 einer besonderen Kommission zur Berathung überwiesen war, hat in dieser eine eingehende Erörterung, über welche schriftlicher Bericht erstattet worden ist, stattgefunden, eine weitere Berathung im Plenum des Abgeordnetenhauses ist jedoch nicht erfolgt. Bei dem Beginne der III. Session der 12. Legislaturperiode wurde der bezeichnete Gesetzentwurf von Neuem dem Landtage zur verfassungsmäßigen Beschlußnahme vorgelegt. In jedem der beiden Häuser des Landtags ist derselbe einer eingehenden Erörterung unterzogen worden. Bei den desfallsigen Verhand⸗ lungen ist zwischen beiden Häusern des Landtags und der Königlichen Staatsregierung über alle wesentlichen Bestimmungen des Entwurfs ein Einverständniß erzielt worden; nur bezüglich der im §. 10 enthaltenen Vorschrift über die Qualifikationsbedingungen, welche bei der Berufung zu den Stellen eines Landraths, Kreis⸗ und 8 Amtshauptmanns und Ober⸗Amtmanns in den hohenzollernschen Landen festgehalten werden sollen, hat eine Einigung nicht herbeigeführt wer⸗ den können. — Auch EEE sich, ö üsse des Hauses der Abgeordneten vom 28. Juni und des vom 85 1 1876 über den Inhalt des Abs. 1 des §. 10 eine Einigung stattgefunden hatte, im Wesentlichen auf die von der Staatsregierung bestrittene und von dem Herrenhause abgelehnte Beifügung des in den Berathungen des Abgeordneten⸗ hauses beschlossenen Fusatzes im Abs. 2 des §. 10, welcher lautet: „Alle anderweitig bestehenden Beschränkungen in Bezug auf den Kreis der Personen, welche von einem Kreistage für die Besetzung eines erledigten Landrathsamts in Vorschlag gebracht werden können, sind aufgehoben.“ Eine Erledigung dieses Differenzpunktes ist da⸗ durch unmöglich geworden, daß weitere Verhandlungen durch den am 30. Juni 1876 erfolgte Schluß des Landtags abgeschnitten wurden. Bei der Aufstellung dieses neuen Entwurfs sind im Allgemeinen die⸗ jenigen Bestimmungen des Gesetzentwurfs, über welche in der vorigen Session eine Einigung mit den beiden Häusern des Landtags bereits erzielt worden war, unverändert beibehalten worden. Allerdings sind die Bestimmungen der Regierungsvorlage vom 10. Januar 1876 durch die vorbezeichneten Beschlüsse der beiden Häuser des Land⸗⸗
eine Spezi an den Kongreß richten, in welchem er
Frage ; der Präsidentenwahl unterzeichnen und a 1“ “ y“ 6“ 8 E1“
tags vielfach und in wesentlichen Punkten abgeändert worden. Ab