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wie die „Karlsr. Ztg.“ melder, morgen den 4. April, Abends die Rückreise von Berlin nach Karlsruhe anzutreten.
Hessen. Darmstadt, 3. Aptil. Die Königin⸗ Mutter von Bayern ist heute Nachmittag zu mehrtägigem Besuch bei der Prinzessin Carl eingetroffen.
Anhalt. Dessau, 4. April. Die „Ges. Slg.“ veröf⸗ fentlicht ein Gesetz, betreffend die anderweite Einschränkung der Kompetenz der Geschwornengerichte und die vorläu⸗ fige Straffestsetzung wegen Uebertretungen durch die Polizei⸗ behörden, vom 28. März 1877. 8
Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 4. April. Der Kaiser ist gestern, den 3. d. Mts., Abends nach Gödöllö abgereist.
Pest, 3. April. Unter den Vorlagen, welche die Regie⸗ rung im Abgeordnetenhause nach den Ferien einzubringen
edenkt, befindet sich, wie die „Presse“ mittheilt, auch ein Ge⸗ etz über das Vorgehen bei Klagen wegen Wahlmißbräu⸗ chen. Durch den Entwurf wird die Judikatur in Bezug auf Abgeordnetenmandate, welche mittels Petitionen angefochten werden, der K. Kurie zugewiesen, welche in Kommissionen, die sie aus ihrer Mitte bestellt, die Gerichtsbarkeit übt. Der Entwurf ist bereits an Allerhöchster Stelle zur vorläufigen Genehmigung unterbreitet. Die Vorlage überdie Vermehrung der Wahlkreise in Pest, welche in diesem Monat vor das Parlament gelangen soll, wird blos die Bestimmung enthalten, daß die Hauptstadt vom nächsten Jahre an statt sieben neun Abgeord⸗ nete zu wählen haben wird; die Feststellung und üveg es lung der Wahlkreise wird mit Vorbehalt der ministeriellen Bestätigung der autonomen Verfügung der hauptstädtischen Munizipalvertretung überlassen. Dieser Gesetzentwurf wird im Reichstage sofort verhandelt werden, damit bei der dies⸗ jährigen Zusammenstellung der ständigen Wählerlisten für das Jahr 1878 hierauf Rücksicht genommen werden könne.
Schweiz. Bern, 29. März. Gestern ist auch das Gesetz, betreffend das politische Stimmrecht von beiden Räthen in der Generalabstimmung mit großer Mehrheit — nur die Ultramontanen stimmten gegen dasselbe — zum Beschluß er⸗
oben worden, worauf dann der Schluß der ordentlichen
intersession erfolgte. Am dritten Montage des Monats Juni werden die Berathungen wieder aufgenommen werden. Aus den Verhandlungen des Ständeraths ist noch zu erwähnen, daß derselbe schließlich dem Nationalrathsbeschluß, bei Volks⸗ abstimmungen über Bundesgesetze und Bundesbeschlüsse dieselben mit keinen erläuternden Botschaften an das Volk zu begleiten, ebenfalls beitrat, während er zuerst, ent⸗ sprechend einem Antrage des Bundesraths, das Gegentheil beschlossen hatte.
Belgien. Brüssel, 25. März. (Allg. Ztg.) Die Kammer hat sich bis auf den 17. April vertagt, nachdem in der Sitzung vom 23. d. M. der Minister Delcour die Interpellation des Barons Kervyn de Lettenhove wegen des durch den am 11., dem sogenannten Halbfasten⸗Sonntag, hier stattgehabten Maskenzug, wie es darin hieß, erregten „Skandals und der dem Kultus, allen gesetzlichen und polizei⸗ lichen Bestimmungen zuwider, angethanen Unbilde“ beantwor⸗ tete. Der Minister begnügte sich, den Bericht der städtischen Behörde vorzulesen, worin dargethan wird, daß sich nichts Ungesetzliches zugetragen habe und die Beschuldigungen des Interpellanten jedes Grundes entbehrten. Letzterer begründete seine Auffassung aufs Neue in langer Rede, war aber nicht im Stande, die Widerlegungen der Herren Anspach und Bara zu entkräften, welche namentlich die geheimen Intentionen aufdeckten, die hinter der Interpellation zu suchen seien, näm⸗ lich das Volk über die wahre Natur der kirchlichen Opposition zu täuschen und ihm die Feinde von Mißbräuchen als Feinde der Religion erscheinen zu lassen. Der fragliche Maskenzug war übrigens mit einer Kollekte zu Gunsten des „Schulpfen⸗ nigs“ verbunden, und diese Kollekte hat 325,000 Stück Kupfer⸗ münzen im Werthe von 30,000 Fr. eingebracht. — Die deutsche Kolonie in Brüssel hat am 22. d. M. das Ge⸗ burtsfest des Kaisers durch ein Festmahl gefeiert, bei welchem der deutsche Gesandte Graf von Brandenburg den Vorsitz führte und die patriotische Gesinnung in mehrfachen Trinksprüchgm zum würdigen Ausdruck kam.
Großbritannien und Irland. London, 3. April. (E. C.) Die Genesung des Prinzen von Wales schreitet fort. Die Prinzessin wird morgen, Mittwoch, abreisen, und zwar geradeswegs nach Brindisi und Athen. Der Prinz will in einer Woche etwa nach Villefranche (bei Nizza) gehen. Dort wird ihn das Schiff „Sultan“ treffen, und er mit dem Herzog von Edinb urcgh eine Mittelmeerfahrt unternehmen. — In Manchester starb gestern der Abgeordnete für Salford, Mr. Cawley. Derselbe gehörte seit 1868 dem Unterhause an. — In Dunstable fand am Oster⸗ montage in Gegenwart vieler Tausende von Zuschauern eine große Truppenschau der Freiwilligen, etwa 11,000
ann stark, statt.
Nova Scotia. (A. A. C.) Aus Halifax wird un⸗ term 26. März gemeldet: Der neuschottländische Queens Bench⸗ Gerichtshof hat in Betreff der jüngst in Folge der Unregel⸗ mäßigkeiten in dem Gebrauche des Großsiegels angeregten Streitfrage entschieden, daß der Gebrauch irgend eines Groß⸗ siegels Gültigkeit habe. Die Angelegenheit wird in letzter Instanz dem höchsten canadischen Gerichtshofe unterbreitet werden. In der gesetzgebenden Versammlung beantragte der Provinzial⸗Sekretär den Erlaß einer Adresse an die Königin, worin Ihre Majestät ersucht wird, alle Zweifel über die Frage auf dem e der Reichsgesetzgebung lösen zu lassen.
—.A. C.) Ein in San Francisco am 27. März
— (A “ Telegramm aus Victoria meldet, daß die Re⸗ gierung von British Columbia in Erwiderung auf Lord
Carnarvons? che über die schwebende Eisenbahnfrage
1— „ die Frage der Geldentschädigung in Erwägung
u ziehen, obgleich sie Willens ist, der Regierung der canadi⸗ chen Union eine weitere Jahresfrist für den Beginn des Baues der Pacific⸗Eifenbahn zu bewilligen.
Indien. Aus Kalkutta wird dem „Reuterschen Bureau“ unterm 27. d. M. telegraphirt: „Der Kohat⸗Paß wurde am Sonnabend formell eröffnet, nachdem die Häupt⸗ linge der Afridies, die ihn besetzt hielten, sich der Kaiser⸗
ichen Regierung unterworfen und die ihnen angebotenen Be⸗ ingungen angenommen haben.“
Frankreich. Paris, 3. April. (Fr. C.) Der Minister⸗ Prasgens Jules Simon kehrt schon am 87 Sonntage von seinem Urlaub zurück. — Ein Erlaß des Polizeipräfekten
Voisin hat das katholische Comité von Paris, welches den Mittelpunkt des eben angekündigten Kongresses bilden sollte, von Amts wegen aufgelöst.
— (Köln. Ztg.) Die Frühjahrssession der Ge⸗ neralräthe, die am 9. Avpril eröffnet wird, ist die letzte ordentliche Session dieser Räthe in ihrer jetzigen Zusam⸗ mensetzung. Die Hauptangelegenheit der bevorstehenden Be⸗ rathungen ist der Bau von Schulgebäuden; je nach den dar⸗ über gefaßten Beschlüssen wird die Unterstützung von Staats wegen ausfallen. — Der katholische Kongreß wird mor⸗ gen eröffnet; nur das katholische Comité hat sich aufgelöst, der Kongreß selbst aber ist nicht verboten. — An die Mitglieder des Senates ist der Text des Gesetz⸗ vorschlages über die Reorganisation des höheren Unterrichts vertheilt worden, welchen Hr. Eymard⸗ Duvernay, Senator des Departements der Isére, dem Senate vorlegen wird. Es wird darin verlangt, daß Frank⸗ reich neun Universitäten mit je sechs Fakultäten habe. Letztere theilen sich in drei philosophisch⸗literarische und drei angewandte Wissenschaften. Hr. Eymard⸗Duvernay schlägt folgende Fakul⸗ täten vor: die Fakultät der Philosophie, die des Rechtes, die der moralischen und politischen Wissenschaften, die der Medizin und der Pharmazie, die der Naturwissenschaften, der Physik und Metaphysik und die der Gewerbe und Manu⸗ fakturen. Der Sitz dieser Universitäten soll in Paris, Cler⸗ mont, Dijon, Douai, Grenoble, Montpellier, Nancy, Poitiers und Toulouse sein. Die Fakultäten der Medizin und Phar⸗ mazie sollen gewissermaßen nur Vorbildungsschulen sein, welche keine Doktoren der Medizin ernennen können. Doktordiplome der Medizin sollen nur die vier großen medizinischen Fakultäten von Paris, Bordeaux, Lille und Lyon ertheilen. Dieser Ge⸗ setzvorschlag, der sich wesentlich von dem des Unterrichts⸗Mi⸗ nisters unterscheidet, wird demnächst an eine dafür besonders zu wählende Kommission verwiesen werden.
Spanien. Madrid, 2. April. (Ag. Hav.) Hr. Layard hat heute von dem Conseils⸗Präsidenten Canovas del Castillo Abschied genommen und reist morgen nach London. Die Eröffnung der Cortes wird nicht vor Ende des Monats stattfinden.
Italien. Rom, 28. März. (H. N.) In der gestrigen Sitzung der Deputirtenkammer wurde die Aufmerksam⸗ keit des Hauses und der zahlreich besuchten Tribünen durch den Vortrag des Minister⸗Präsidenten über die Lage der Finanzen in Anspruch genommen. Am Ende des Jahres 1875, begann Hr. Depretis seine Rede, habe das Defizit 252 Millionen Lire betragen, gleichwohl habe Hr. Minghetti im März 1876 verkündet, die Herstellung des Gleichgewichts im Staatshaushalte bewirkt zu haben, obwohl er voraussehen mußte, daß das Defizit Ende 1876 die Summe von 260 Millionen L. erreichen würde. In Folge der eingeführten sparsamen Verwaltung habe in Wirklich⸗ keit das Rechnungsjahr 1876 nur mit einem Defizit von 235, also mit 25 Millionen Lire weniger, als nach Minghetti's Anschlag abgeschlossen. Die Rechnungsauf⸗ stellung des Letzteren habe sich vielfach als irrig er⸗ wiesen, die Lage des Staatsschatzes aber sich jedenfalls um die Millionen verbessert, welche man weniger für den Ankauf der oberitalienischen Bahnen gezahlt habe, als Minghetti in der Baseler Konvention habe stipuliren lassen. Das Budget des Jahres schließe daher mit einem Plus von 11,925,005, gegen den Voranschlag ab. Dieses Mehr werde man zur Deckung der in dem provisorischen Budget nicht vorgesehenen Ausgaben, zum Ankauf von Waffen, zur Einführung des zwangsweisen Unterrichts, zum Ausbau der Eisenbahnen verwenden können. Die Nation habe aber auch Pflichten der Dankbarkeit gegen den Träger der Krone zu erfüllen, der in schlechter Zeit auf einen Theil der Civilliste verzichtet habe, welche letztere aber der vielen auf ihr ruhenden Lasten wegen nicht mehr ausreiche und daher erhöht werden müsse. Zum Bau neuer Eisenbahnen werde man im nächsten Jahre 50 bis 60 Millionen in das Budget einschreiben lassen können. Die Frage, wem die Verwaltung der ange⸗ kauften Bahnen anvertraut werden solle, sei noch nicht beant⸗ wortet, der Tod des Herzogs von Galliera habe einen zielenden Plan zerstört, doch werde das Ministerium es sich eifrigst angelegen sein lassen, die Sache im Interesse des Landes und der Finanzen zu erledigen. Der Redner sprach die „eg aus, noch vor Beginn der Sommerferien dem Hause darauf bezügliche Vorschläge übergeben zu können und entwickelte dann die Finanzpolitik des gegenwärtigen Mini⸗ steriums, welche den von ihm in Stradella gegebenen Ver⸗ sprechungen gemäß geleitet worden sei, denen man treu bleiben werde, wie schon aus den von ihm eingereichten Gesetz⸗ entwürfen zur Abänderung der Mahlsteuer, der Ver⸗ mögens⸗ und der Grundsteuer erhelle. Hr. Depretis kün⸗ digte endlich auch an, daß man im Jahre 1878 20 Mil⸗ lionen zur allmählichen Beseitigung des Zwangscourses (durch Einziehung und Vernichtung einer gleichen Summe Papier⸗ geldes) verwenden könne. In den Verträgen mit den Gesell⸗ welche die Verwaltung der Staatsbahnen übernehmen, werde man stipuliren, daß sie das bewegliche Material der⸗ selben, das auf 200 Millionen Lire geschätzt wird, und bezahlen müssen, welche Summe gleichfalls zur Beseitigung des Zwangscourses verwandt werden soll, ebenso wie die Summen, die man durch Verkauf der Güter der milden Stiftungen erzielen werde. Mit diesen Maßregeln hoffe das Mi⸗ nisterium binnen Kurzem jenes große Uebel, welches die wirth⸗ chaftliche Lage des Landes, die Industrie, den Handel und
erkehr so sehr niederdrücke, zu beseitigen. Die neuen Han⸗ delsverträge würden derartig abgeschlossen werden, daß sie dem Schatze mehr einbrächten, als die alten. Das Ministerium werde auch der 30 Millionen Lire außergewöhnlichen Kredits, welchen das frühere Kabinet sich habe im Voraus votiren lassen, nicht bedürfen. Hr. Depretis versicherte endlich, daß die Staatseinnahmen im steten Zunehmen begriffen seien und überreichte außer den oben gedachten drei Gesetz⸗ entwürfen die definitive Bilanz für 1877, die Uebersicht der Lage des Staatsschatzes vom 31. Dezember 1876, einen Ent⸗ wurf zur Beseitigung und Amortisation des Papiergeldes, einen Entwurf zur Aenderung des Rechnungsreglements, einen Vor⸗ schlag zur Abänderung der Zolltarife, den Entwurf zur Ein⸗ etzung eines Staatsschatz⸗Ministeriums, ein Projekt zur Reorganisation des Staatsraths und ein gleiches zur Reorga⸗ nisation des Ober⸗Rechnungshofes. Der Minister⸗Präsident wurde mehrfach während seines Vortrags durch lebhafte Beifallsbezeugungen der Majorität unterbrochen, und nicht nur die Linke applaudirte, sondern auch das linke und rechte Centrum. Viele Deputirte verließen ihre Plätze, um dem Minister die Füns zu drücken. Die eude über die Besserung der
inanzen ist im ganzen Lande ein sehr große. Die Deputirten⸗
kammer hat sich darauf bis zum 9. April, des Osterfestes
wegen, vertagt.
—4. April. (W. T. B.) Der König hat heute den General Cialdini empfangen und eine längere Besprechun mit demselben gehabt. — Das Befinden des Papstes i fortdauernd zufriedenstellend; derselbe begab sich heute nach der Galerie Raphael, ohne daß es nöthig war, daß er dorihin getragen wurde, und hielt daselbst einen Empfang ab.
Türkei. Konstantinopel, 4. April. (W. T. B.) Dem Vernehmen nach wird die Pforte das Protokoll nach der Notifikation desselben durch eine Depesche an ihre Vertreter bei den sechs Mächten beantworten.
London, 5. April. (W. T. B.) Der Deputirte Hicks Beach hielt bei einem ihm von seinen Wählern in Gloucester gegebenen Banket eine Rede, in welcher er seine Mißbilli⸗ gung über die Politik einer militärischen Inter⸗ vention in der Türkei aussprach und hervorhob, daß eine solche einen Racen⸗ und Religionskrieg hätte herbeiführen können. Der Redner gab sodann der Hoffnung Ausdruck, daß das Proto⸗ koll, wenn es vollständig erläutert wäre, auch die volle Billigung des Landes finden würde. Das Protokoll sei ein neuer Beweis für das gute Einvernehmen der sechs Mächte in einer Frage, welche hätte gefahrdrohend werden können, wenn die Entschei⸗ dung einer Macht allein überlassen worden wäre. Das Pro⸗ tokoll sei ein Pfand für die Aufrechterhaltung des Friedens. Dieser Friede berechtige zu der Hoffnung, daß die Pforte die von ihr verlangten Se nicht nur an⸗ nehmen, sondern auch ausführen werde. (.äVhuIu „Morning⸗Post“ erfährt über die Absichten der Pforte, dieselbe werde ihre Bereitwil⸗ ligkeit bekunden, die verlangten Reformen auszuführen, indeß unter Hervorhebung der Autorität des Sultans und unter Anwendung derselben auf das gesammte Reich; die Pforte soll ferner bereit sein, einen Gesandten nach St. Petersburg zu ent⸗ senden behufs Vereinbarung eines Modus über gleichzeitige Abrüstung; den Forderungen Montenegros sei die Pforte geneigt, halbwegs entgegenzukommen, werde aber hierbei in Uebereinstimmung mit den ursprünglichen Bedin⸗ ungen Midhats auf der Unverletzlichkeit des Artikels 9 des Parlser Vertrages eseres endlich werde die Pforte die Er⸗ wartung aussprechen, daß, wenn sie sich jetzt der von der Situation gebotenen Nothwendigkeit füge, daraus nicht ge⸗ sclassen werden könne, daß sie irgend welche Einmischung in die Prärogative des Sultans oder in die Konstitution des Landes gestatte.
Paris, 4. April. (W. T. B.) Der neu ernannte Ver⸗ treter Englands bei der Pforte, Layard, ist heute Vor⸗ mittag hier eingetroffen.
— Aus Konstantinopel, 30. März, wird der W. „Presse“ geschrieben: Ungeachtet der günstigeren Londoner Nachrichten über das Schicksal des Protokolls wird hier der Krieg noch immer für unvermeidlich gehalten. Die mi⸗ litärischen Maßnahmen absorbiren die ganze Aufmerksamkeit
der Regierung. Montag, den 26. März, erschienen die monte⸗
negrinischen Delegirten neuerdings bei Safvet Pascha, und theil⸗ ten demselben ein Telegramm des Fürsten Nikola mit, in welchem der Fürst die Erklärungen seiner Delegirten betreffs der Cession von Nicsic und der anderen bedingungslosen Begehren Mon⸗ tenegros billigt. Die Herren Petrovics und Radonics bereiten sich mit Ostentation zur Abreise vor. Die Pforte ist jedenfalls entschlossen, rücksichtlich der Cessionen an Montenegro mit Entschiedenheit auf ihrem Standpunkte zu verharren. — Die Mustehafiz (Reserven des letzten Aufgebots) wurden eiligst unter die Fahnen berufen. Genauen Informationen zu⸗ folge werden sie einen Effektivstand von 217,000 Kombattanten ausmachen und in ihren respektiven Militärbezirken kon⸗ zentrirt werden. In 14 Tagen werden die Mustehafiz zur vollständigen Mobilisirung und zum Ausmarsche nach den ihnen angewiesenen Punkten bereit sein. Sie stehen im Alter von 32 — 40 Jahren. In den Millitärdepots ihrer Bezirke liegt alles Nöthige zu ihrer Ausrüstung bereit. Außerdem trifft die Regierung Vorbereitungen zur Errichtung von Frei⸗ willigen⸗Corps in Anatolien. Die Gouverneure erhielten die Weisung, dieserwegen auf die Scheiks jener Gegenden selbst unter Zuhülfenahme des religiösen Fanatismus einzuwirken. Diese Maßnahmen machen in ihrer Totalität den Eindruck eines Massenaufgebots, indem mit Ausnahme der Kinder X alle Altersklassen zur Dienstleistung herangezogen werden.
— Die Liste der Senatoren ist festgestellt und vom Großherrn genehmigt. Der ursprünglichen Zahl von 27 sind noch 5 neue hinzugetreten, so daß die Gesammtzahl sich nun⸗ mehr auf 32 beläuft. Darunter befinden sich 3 Ulemahs, 7 Mitglieder des Staatsraths, 6 Ex⸗Minister (Mustafa Nuri, Risa, Namik, Sami, Halet und Tewfik Bey), 3 frühere Ge⸗ sandten (Kabuli, Arif, Arifi Pascha), 2 frühere Valis (Der⸗ wisch und Ibrahim Pascha, die Ex⸗General⸗Statthalter von Angora und den Dardanellen) und verschiedene andere Wür⸗ denträger, darunter der Direktor der medizinischen Schule, Marco Pascha, der erste Sekretär des Palastes, Emin Bey, und Dr. Servicen Effendi.
— Wie man dem W. Fremdenbl.“ aus Konstanti⸗
nopel vom 30. v. M. schreibt, hat sich der Präsident des türkischen Abgeordnetenhauses, Achmed Vefik Pascha (derselbe wurde erst in der vorigen Woche zum Range eines Paschas erhoben), entschlossen, die Protokolle seines Hauses auch an mehrere Parlamente Europas zu ver⸗ schicken, und mit denselben so eine Art gegenseitigen Austausch der Protokolle herzustellen. Diese Idee Achmed Vefik Paschas soll auch die Billigung des Präsidenten des türkischen Senates, Server Paschas, erhalten haben. — Aus Konstantinopel vom 3. April wird gemeldet: Rustem Pascha, Kriegs⸗Minister des Bey von Tunis, der eine lange Zeit hier verweilte, kehrt noch im Laufe dieser Woche wieder nach Tunis zurück und überbringt zugleich seinem Gebieter einen Ehrensäbel und ein Schreiben des Sultans, in welchem dieser den Bey für die ihm bisher geleisteten Dienste seinen Kaiserlichen Dank ausspricht.
— Die „Engl. Corr.“ vom 3. d. M. bemerkt: Es wird von den Zeitungen darauf hingewiesen, daß irriger Weise von einem Beisein des türkischen Botschafters bei “ und Unter Anung des Protokolls gemeldet worden. Das Migverfändnis rührt daher, daß Musurus Pascha unmit⸗ telbar vor der . mit Lord Derby eine Unterredung hatte. An den ferneren Verhandlungen nahm er keinen Antheil. 1
Cattaro, 2. April. Der „Pol. Korr.“ wird von hier emeldet: Die Türken in der Herzegowina treffen alle
orbereitungen für den Fall des Wiederausbruches der
5 Montenegro. Um Dubrava, vier Stunden oberhalb Metcovich, sind gegen 20,000 Mann regulärer türkischer Truppen konzentrirt. Der im Bezirke von Trebinje befindliche Insurgentenführer Mussic, von den türkischen Vorbereitungen erschreckt, wendete sich telegraphisch um Rath nach Cettinje und rief, in der Besorgniß, von den Türken angegriffen zu werden, den Insurgentenchef Peko Pavlovic zu Hülfe.
Rumänien. Bukarest, 4. April. E. T. B.) In den beiden Kammern ist heute eine Bot chaft des Für⸗ sten verlesen worden, durch welche die Session der Kammern geschlossen wird. 1 änemark. Kopenhagen, 4. April. (W. T. 28 Der Harchelas ist beute Nachmittag durch ein Königliches skri eschlossen worden. s9- US 28. d. M. starb im Alter von 84 Jahren der Professor der Theologie, H. N. Clausen, namentlich bekannt als Minister des sog. November⸗Ministeriums von 1848. Von der Einführung der Ständeversammlung in den dreißiger Jahren an bis zur Einführung der Verfassung von 1849 war er einer der Hauptträger der politischen Entwickelung
Dänemarks.
Amerika. New⸗York, 30. März. (A. A. C.) Die eutige „New⸗York Times“ meldet die Ernennung von Mr. Uüiar Cormick, früherem Gouverneur von Arizona, zum Hülfs⸗ Sekretär des Schatzamtes an Stelle von Mr. Conant, der zum Agenten des Londoner Syndikats für die Unterbrin⸗ gung der Bonds der Fundirungs⸗Anleihe ernannt worden ist. — General Sherman trifft Vorkehrungen für einen ener⸗ gischen Feldzug gegen die Sioux. Der Abmarsch des Militärs soll mit dem Beginn des Frühlings erfolgen. — Der „New⸗York Times“ zufolge beabsichtigt Mr. Evarts, der Minister der Auswärtigen Angelegenheiten, das amerika⸗ nische Konsulatssystem dem englischen zu assimiliren, in⸗ dem künftighin erfahrene Kaufleute zu Konsuln in Handels⸗ distrikten und Fabrikations⸗Experten zu Konsuln in Fabrik⸗ distrikten ernannt werden sollen. “ 8
Brasilien. Rio, 27. Februar. Der bisherige Minister⸗ Präsident, Herzog von Caxias, hat ein meues Ministe⸗ rium gebildet, mit folgenden Mitgliedern: Inneres: Costa Pinto, Finanzen: Baron Cotegipe, Auswärtiges: Diego Velho, Justiz: Gama Cerqueira. Unverändert bleiben die Portefeuilles des Krieges (Minister⸗Präsident Herzog von Caxias), der Ma⸗ rine (Pereira Franco) und des Handels (Thomas Coelho).
Asien. (A. A. C.) Ein Telegramm aus Singapore vom 28. März meldet die Tags vorher erfolgte Verhaftung des Sultans von Perak.
Afrika. Aus der Capstadt wird dem „Reuterschen Bureau“ unterm 6. März (via Plymouth) gemeldet: 1
Der Transvaalsche Volksraad hat, wie bereits telegraphisch gemeldet, eine Resolution angenommen, in welcher die Kammer es ab⸗ lehnt, irgend eine Initiative zu ergreifen, die zum Aufgeben der Unab⸗ hänaigkeit des Staates führen könnte. Sie verlangt ferner mehr Zeit zur Erwägung des Gegenstandes. — Die neue Verfassung ist be⸗ rathen worden. Der Präsident Burgers erklärte im Laufe der De⸗ batten wiederholt, daß das Land gänzlich verloren sein würde, falls nicht durchgreifende Reformmaßregeln eingeführt würden. Der Volks⸗ raad weigerte sich indessen, das Reformprogramm des Präsidenten so⸗
Feindseligkeiten mit
fort in Erwägung zu ziehen. — Ein aus fünf Mitgliedern bestehender BUAunusschuß ist ernannt worden, um mit dem Präsidenten über die Finanz⸗
lage des Staates zu konferiren, da es scheint, daß die öffentliche Schuld sich auf nahezu eine Viertel Million Pfd. Sterl. beläuft. Der Staats⸗ anwalt hat drei Mitglieder des Volksraades des Hochverraths beschul⸗ digt, weil sie nicht ihre Kriegssteuern gezahlt haben. Es entstanden in Folge dessen Szenen großer Verwirrung. Es verlautet, der Präsi⸗ denk Burgers wolle vorschlagen, er möge mit den Gewalten eines Dik⸗ tators für einen mehrjährigen Zeitraum bekleidet werden. — Das Pro⸗ gramm der Feier zur Eröffnung der südafrikanischen Ausstellung ist eröffentlicht worden. Sir Henry Barkly, der Gouverneur, wird im Ausstellungsgebäude von dem Kolonial⸗Comité empfangen und es wird ihm eine Adresse überreicht werden. Sir Henry Barkly kehrt nach der Ankunft seines Nachfolgers, Sir Bartle Frere, mit dem ersten abgehenden Postdampfer nach England zurück. 1“ 8 — Unterm 13. d. M. wird dem „Reuterschen Bureau (via Madeira) eben daher u. A. Folgendes gemeldet: 3 Das 13. „Regiment ist nach Newaastle in Natal in der Nachbarschaft der Transvaalschen und Zululandgrenze beordert worden. Die Eröffnung der südafrikanischen Ausstellung st bis zum 29. d. M. verschoben worden.
Australien. (A. A. C.) Sir Arthur Kennedy, der neue Gouverneur von Queensland, traf am 28. März in Brisbane ein, um sein Amt anzutreten. — In Süd⸗ australien ist an Stelle der langen Dürre starker wohl⸗ thuender Re gen eingetreten. Der Telegraph von Adelaide nach Westaustralien ist nahezu fertig gestellt. Sir W. Cairns (Bruder des gegenwärtigen Lordkanzlers) kam in Adelaide an und leistete am 24. März den Amtseid als Gouverneur
von Südaustralien. 8 3 — Aus Sydney wird dem „Reuterschen Bureau“ unterm 27. Januar berichtet: “ b er gesetzgebenden Versammlung von Neu⸗Südwales wurde am 4. ds. das Budget der Kolonie vorgelegt. Die Einkünfte in 1876 betrugen 5,037,661 £, die Ausgaben 4,975,011 f. Es ver⸗ blieb sonach ein Ueberschuß von 1,679,608 incl. des Ueberschusses von 1,616,958 £ am Ende des Jahres 1875. Für das laufende Jahr sind die Einkünfte auf 1,908,410 £, die Ausgaben auf 1,181,952 f veranschlagt, und wenn diese Voranschläge sich als richtig erweisen, wird am 31. Dezember ein Ueberschuß von nahezu 2 ½ Millionen f vorhanden sein. Der Verkauf von Ländereien in 1876 lieferte einen Reinertrag von 1,663,562 f£. Die Einkünfte aus den Eisenbahnen beliefen sich auf 350,000 f, oder nahezu 4 ½ % des investitirten Kapitals. Der Ueberschuß der Einkünfte aus den Län⸗ dereien soll zur Förderung der Einwanderung, für öffentliche Bauten und Schulen, sowie zu verschiedenen Steuererlässen verwendet wer⸗ den. Der Schatzmeister der Kolonie, Mr. Stuart, hofft in Kurzem auch Schritte zur Verminderung der Kolonialschuld zu thun.
1“ Reichstags⸗Angelegenheiten. Ddem Reichstage sind vorgelegt worden: Gesetzentwürfe für 1 gls⸗ en ⸗Fench bekreftend den Kleinhandel mit Branntwein oder mit Spiritus und betreffend Abänderung der Gesetzgebung hinsicht⸗ lich des Wasserrechts, ferner der am 1. November v. J. br Tonga⸗ tabu unterzeichnete Freundschaftsvertrag zwischen dem Reiche und Tonga. ““ — Von der „Illustrirten Zeitung“ ist eine Separatausgabe des in der letzten Nummer der genannten Zeitung veröffentlichten Plans des „Sitzungssaales des Deutschen Reichstags“ mit An⸗ gabe der Inhaber der Plätze, sowie einem alphabetischen und einem nach Fraktionen geordneten Verzeichniß der Reichstags⸗ mitglieder veranstaltet worden. Der Plan kann durch alle Buchhandlungen zum Preise von 20 ₰ bezogen werden.
8
Nr. 3 des Ministerial⸗Blatts für die gesammte innere Verwaltung in den Königlich preußischen Staaten“ hat folgen⸗ den Inhalt: Erlaß, Anordnung des Aufgebots Seitens des Standes⸗ beamten und Bescheinigung des Aushangs von dem Bürgermeister betreffend, vom 21. Februar 1877. — Verfügung, die Umwandelung der Bezeichnung der Stadt und des Kreises Chodschesen in „Kolmar in Posen“ betreffend, vom 6. März 1877. — Cirkular, die Gewäh⸗ rung von Erziehungsbeihülfen für Töchter von verstorbenen Beamten bis zum 17., resp. 16. Lebensjahre betreffend, vom 24. Februar 1877. — Verfügung, die Berechnung des neuen Diensteinkommens eines im Staatsdienste beschäftigten pensionirten Gensd'armen, zum Zwecke der Bestimmung über Belassung der Poension betreffend, vom 8. Februar 1877. — Erkenntniß des Gerichtshofes zur Entscheidung der Kompetenzkonflikte vom 13. Januar 1877. — Cirkular, die Behandlung nachgemachter und verfälschter Reichsbank⸗ noten betreffend, vom 13. Februar 1877. — Cirkular, die den Medizinal⸗Kollegien mitzutheilenden Verhandlungen und Gutachten über Leichenuntersuchungen betreffend, vom 15. Februar 1877. — Erkenntniß des Ober⸗Verwaltungsgerichts, die Fortdauer der Ver⸗ pflichtung der Gutsherrschaften in Schlesien zur Entrichtung von Beiträgen zum Lehrergehalt betreffend, vom 29. November 1876. — Cirkular, Arbeitsuchen Seitens deutscher Reichsangehöriger in Belgien betreffend, vom 15. Februar 1877. — Cirkular, die Beseitigung von Ansteckungsstoffen bei Viehbeförderungen auf Eisenbahnen betreffend, vom 24. Fbruar 1877. — Erlaß, die Verlegung des Etats⸗ und Rechnungsjahres für die Han⸗ delskammern auf den 1. April betreffend, vom 3. März 1877. — Cirkular, die Beibringung stempelfreier beglaubigter Abf riften von Kontrakten als Justifikatorien zu den Jahresrechnungen der Militär⸗ behörden betreffend, vom 10. Januar 1877. — Erlaß, die Voraus⸗ sehan en, unter denen Stiftungen von der Erbschaftssteuer befreit ind, betreffend, vom 6. Februar 1877. — Allerhöchste Ordre, die Organisation des Kadetten⸗Corps betreffend, vom 18. Januar 1877. — Auszug aus der Zusammenstellung der, die Instruktion zur Aus⸗ führung der ärztlichen Rapport. und Berichtserstattung abändernden, beziehungsweise ergänzenden Bestimmungen vom 12. Februar 1877.
Statistische Nachrichten.
(C. W.) Im vorigen Jahre wurden in Bayern auf 3556 Tagwerk gebaut 6785 Ctr. Hopfen, gegen 15,028 Ctr, welche 1875 auf 3228 Tagw. gebaut wurden. Im Jahre 1875 treffen auf das Tagwerk ca. 4 ¾ Ctr., 1876 dagegen nur ca. 1 Ctr. 90 Pfd. — Die Zahl der Stangen im ganzen Bezirke ist auf 7,112,000 zu schätzen das Tagwerk durchschnittlich zu 2000 Stangen gerechnet), und kommt sonach auf die Stange nicht ganz 1¼10 Pfd., während 1875 fast ½ Pfd. darauf kam. — Der bedeutende Ausfall von 8243 Ctr. Hopfen gegen das Jahr 1875 wird aber durch den hohen Preis, welchen der Hopfen im Jahr 1876 erreichte, um mehr als das Doppelte gedeckt, indem für die 6785 Ctr. des Jahres 1876 die Summe von 3,053,250 ℳ gelöst wurde, während die 15,028 Ctr. des Jahres 1875 nur 1,157,142 ℳ eintrugen.
— Die Statistik der Selbstmorde ergiebt für London während des Jahres 1876 die Zahl 298, und somit genau dasselbe Verhältniß wie 1875 und in drei früheren Jahren zwischen 1866 und 1875. Auf das erste Vierteljahr kommen 83 Selbstmorde, auf das zweite 69, ebenso viele auf das dritte und 77 auf das letzte, mithin auf die Winterzeit mehr als auf die Sommerzeit. Die Ver⸗ hältnißzahl ist 8 ½ auf je 100,000 Einwohner. Für New⸗York lautet das Verhältniß bedeutend anders. Man zählte im Jahre 1876 150 Selbstmorde oder 141⁄10 auf 100,000, also fast die doppelte Zahl der Londoner Fälle. Von diesen 150 Selbstmördern waren 74 Deutsche, 21 Irländer, 9 Engländer; in der Union Gebürtige nur 28. Auch die Art der Selb stmorde in London war von der in New⸗York verschieden. In London tödteten sich 23 % der Unglücklichen durch Ertränkung, in New⸗York nur 6 %; in London 22 % durch Wunden, 23 % durch Erhängen, in New⸗York resp. 8 und 13. Andererseits starben in London nur 6 % durch Erschießung und 19 durch Gift, in New⸗VYork aber resp. 28 und 35.
— (A. A. C.) Antlichen statistischen Mittheilungen zufolge wurden in England im Jahre 1876 durch Eisenbahn unfälle 1286 Personen getödtet und 6112 verletzt. Von der Gesammtzahl der Getödteten waren 673 Beamte oder Arbeiter der Eisenbahngesell⸗ schaften und 139 Passagiere. Die übrigen fanden ihren Tod durch unvorsichtiges Betreten des Geleises oder Selbstmord auf den Schienen.
Christiania. Einigen vom vormaligen Staatsrath Professor Broch veröffentlichten Tabellen zufolge, in welchen ein statistischer Vergleich zwischen Norwegen im Jahre 1845 und im Jahre 1875 aufgestellt wird sind in den gerannten 30 Jahren die Ein⸗ nahmen des Reichs von 10,821,000 Kronen auf 24,872,000 Kr. heran⸗ gewachsen (davon die Zollintraden von 8,422,000 Kr. auf 17,452,000 Kr.), und die Ausgaben von 10,208,000 Kr. auf 24,777,000 Kr. (davon ordinäre Ausgaben für Heer und für Marine von 3,543,000 Kr. auf 7,458,000 Kr.) Die Volksmenge ist in demselben Zeitraume von 1,328,000 auf 1,817,000 Menschen gestiegen, die Ausfuhr an Klippfisch und getrockneten Fischen von 431,000 auf 1,154,000 Ctr., do. von Thran und Rogen von 68,000 auf 162,000 Tonnen, do. von Häring von 624,000 auf 895,000 Tonnen, do. von Bauholz von 220,000 auf 358,000 Kommerzlasten, die G von 248,000 auf 1,416,000 Tons, die beförderten Briefe von 800,000 auf 10 Millionen Stück, die Anzahl der Sparkassen und Aktienbanken von 59 auf 274 und das unter ihrer Verwaltung stehende Kapital von 15,200,000 Kr. auf 200 Millionen Kronen.
Kunst, Wissenschaft und Literatur.
München, 28. März. Die Königliche Akademie der Wissenschaften feierte heute durch eine öffentliche Sitzung ihren Stiftungstag und verband damit eine Gedächtnißfeier ihres Stifters, des Kurfürsten Maximilian III., dessen hundertjähriger Todestag (er starb am 30. Dezember 1777) in dieses Jahr fällt. Der Vorstand der Akademie, 8 Reichsrath Prof. Dr. v. Döllinger, hielt die Ge⸗ dächtnißrede. Der Redner lieferte ein nach allen Seiten hin hoch⸗ interessantes Lebensbild des Kurfürsten und seiner Zeit. Hr. v. Döl⸗ linger verkündete dann das Preisthema, welches auf Grund der Stiftung des Hrn. Christakis Bitos Zographos in Konstantinopel zur Förderung des Studiums der griechischen Sprache und Literatur von der Akademie aufgestellt wurde; dasselbe lautet: „Eingehende Untersuchung des Umfangs, Inhalts und des wecks an auf Veran⸗ staltung des Kaisers Konstantinos VII. Porphyrogenetos gemachten Sammlungen von Excerpten aus Werken älterer griechischer Schrift⸗ steller.“ er Einsendungstermin der Bearbeitungen, welche in deut⸗ scher, G“ oder griechischer Sprache geschrieben und mit einem Motto versehen sein müssen, ist auf den 31. Dezember 1878, und der Preis für die Lösung der Preisfrage auf 1370 ℳ festgesetzt.
Athen, 25. März. (Nat. Ztg.) Vorgestern ist Hr. Newton, der Konservator des britischen Museums, hier angekommen und hat noch am selben Tage die Mykenischen Alterthümer besucht. Der⸗ seche erklärte: Viele Stücke der Sammlung würde man, eirzeln ge⸗
ehen, für byzantinisch, vielleicht auch für modern halten, wenn man aber alle zusammen betrachtet, so könne man doch nicht zweifeln, daß sie wirklich dem griechischen Alterthume angehören. .
— Im Verlage von Wiegandt, Hempel & Parey hier⸗ selbst ist kürzlich erschienen: Jäger⸗Vademecum, herausgegeben von Alexander Meyer. Dirses Jäger⸗Vademeeum ist nicht ein Jagdbuch wie so viele andere, das eine eingehende naturhistorische Veschreibung sämmtlicher deutscher Wildarten enthält oder die Jagd auf dieselben, die Fangarten u. s. w. in ausführlicher Weise besgsiche sondern es soll dem Jäger ein treuer Begleiter auf seinen Waid⸗
E sein. Das geschmackvoll ausgestan. te Büchlein ist mit ller iebe zur edl ägerei und gestützt auf gründliche Beob⸗ „ 8 1“ “
achtungen und Erfahrungen geschrieben und ist allen Jägern als schätzbares Vademecum zu empfehlen.
— Die Nr. 3 des „Anzeigers für Kunde der deutschen Vorzeit“, Organs des germanischen Museums in Nürn⸗ berg, vom März 1877, enthält, außer der Chronik des germanischen Museums, zwei größere Aufsätze: 1) Ueber die buntglasirten Thon waaren des 15.— 18. Jahrhunderts im germanischen Museum, und 2) Ueber altdeutsche Ortsnamen in Wälsch⸗Lothringen. — Der Bürgermeister Dr. H. A. Mascher giebt in seiner Schrift über „das Viehseuchenwesen des preußischen Staates“, welche zu Eisenach im Verlage von J. Bacmeister vor Kurzem für den Preis von 2 ℳ 25 ₰ erschienen, eine gedrängte und klare Uebersicht über die verschiedenen Seuchen — den Milzbrand, die Maul⸗ und Klauenseuche, die Lungenseuche, den Rotz, die Schaf⸗ pocken, die Beschälseuche, den Bläschenausschlag, die Tollwuth und die Rinderpest — der Hausthiere, die Art, dieselben zu behandeln und die veterinär⸗polizeilichen Verschriften, welche zur Verhütung der Seuchen zu beobachten sind Bei der großen Wichtigkeit des Gegenstandes dürfte das vorstehende Buch den Thierärzten, Land⸗ wirthen, Viehhändlern ꝛc. willkommen sein. .“ 8
Gewerbe und Handel.
Vom Berliner Pfandbrief⸗Institut sind bis Ende März cr. 30,459,000 ℳ 4 ½prozentige und 7,669,200 ℳ 5prozentige, zusammen 38,128,200 ℳ Pfandbriefe überhaupt ausgegeben wor⸗ den, wovon noch 29,920,3800 ℳ 4 prozentige und 7,125,300 ℳ öprozentige, zusammen 37,046,100 ℳ Pfandbriefe verzinslich sind; zugesichert aber noch nicht abgehoben 4,791,300 ℳ; in der Fest⸗ stellung begriffen 7 Darlehnsgesuche auf Grundstücke, zum Feuer⸗ versicherungswerthe von 478,200 ℳ; im Laufe des Monats März cr. angemeldet 11 Grundstücke mit einem Feuer⸗Versicherungswerthe von 953,575 ℳ .
Die Gesammt⸗Emission des vorigen Jahres kbezifferte sich auf 5,965,800 ℳ, der Cours hob sich bei den 4 ½ % Pfandbriefen auf 103 %, bei den 5 % auf 107,10 %. Bis zum Schlusse 1876 sind im Ganzen 825 Grundstücke verpfändet, die mit 28,011,000 ℳ 4 ½ % und 7,007,700 ℳ 5 % Pfandbriefen belastet sind. Nach dem Final⸗ abschluß pro 1876 belief sich der Reservefonds auf 1,249,713 ℳ, der Verwaltungsfonds auf 146,998 ℳ, und der Amortisationsfonds hatte ausgeloost resp. gekündigt 1,640,000 ℳ und zur Ausloosung dispo⸗ nibel baar 107,548 ℳ in Pfandbriefen.
— Aus dem Geschäftsbericht der Frankfurter Lebens⸗ versicherungsgesellschaft ist Folgendes hervorzuheben: Von der Gesellschaft sind im Jahre 1876 mit 1007 Personen Versiche⸗ rungen zum Belaufe von 5,086,065 ℳ Kapital neu abgeschlossen worden und am Schlusse des Jahres 1876 waren überhaupt versichert 10,020 Personen mit 39,263,651 ℳ Kapital und 203,989 ℳ Rente. Von den auf den Todesfall Versicherten starben 194 Personen, auf deren Policen der Betrag von zusammen 664,968 ℳ Kapital zu zahlen war. An Leibrentenkaufgeldern sind im Jahre 1876 102,382 ℳ einbezahlt worden, wofür eine jährliche Rente von 11,591 ℳ zu ent⸗ richten ist. Die Aktionäre erhalten 8ℳ per Aktie, oder 9,33 % ihrer baaren Einzahlungen. Der Gewinnantheil, der Versicherten beträgt 1876: 8 % der von ihnen bezahlten Prämien. Die Garantiemittel der Gesellschaft bestehen außer dem Grundkapital von 5,142,840 ℳ in der Prämien⸗ und Gewinnreserve von 6,248,975 ℳ
— Der Geschäftsbericht der Coburg⸗Gothaischen Credit⸗ gesellschaft für das Jahr 1876 enthält. folgende Mittheilungen: Der vertheilbare Gewinn pro 1876 stellt sich beträchtlich höher, als derjenige pro 1875. Der Bruttogewinn beträgt nach Abzug der De⸗ positenzinsen, sowie der Abschreibungen und Verluste auf Effekten
31,354 ℳ = 5 ¾ % des Aktienkapitals; demselben entspricht ein vertheilbarer Reingewinn von 347,226 ℳ, aus welchen eine Divi⸗ dende von 4 ½ % an die Aktionäre gelangt. — Das Aktienkapital be⸗ trägt wie im Vorjahre 7,500,000 ℳ Die in der ordentlichen Ge⸗ neralversamm lung vom 1. Mai v. J. beschlossene abermalige Re⸗ duktion desse ven auf 6,000,000 ℳ befindet sich in der Ausführung. Der ordentliche Reservefonds beläuft sich auf 289,997 ℳ, der Spe⸗ zialreservefonds auf 228,259 ℳ. Die Debitoren des Centralbureau beziffern sich auf 4,581,457 ℳ, die Creditoren auf 1,396,087 ℳ In der pro 1876 dem Spezial⸗Reservefonds zugewiesenen Summe ist ein Betrag von 15,036 ℳ für eine nothleidend gewordene Forderung enthalten.
Wien 4. April. (W. T. B.) Die Generalversammlung der Aktionäre der österreichischen Kreditanstalt hat in Gemäß⸗ heit des Antrages des Verwaltungsrathes die Vertheilung einer Dividende von 2 Fl. und die Zuweisung des Restgewinnes von 156,406 Fl. nebst dem Reste des allgemeinen Reservefonds von 1,006,037 Fl. an die estegeslerae für die Syndikate der lothrin⸗ gischen und oberschlesischen Kohlengesellschaft, sowie der ungarischen Goldrente beschlossen. — Wie die „Presse“ erfährt, hat der Finanz⸗Minister heute weitere 10 Millionen Fl. auf den im Monat Juni 1876 von der Gruppe Kreditanstalt⸗Boden⸗Kredit⸗ anstalt ertheilten Vorschuß von 25 killionen Fl. zurück⸗ gezahlt. Es sind sonach bis jetzt im Ganzen 15 Millionen Fl. zurück⸗
ezahlt. 28 . 85 T. B.) Die Generalversammlung der Dux⸗Boden⸗ bacher Bahn hat mit 283 gegen 57 Stimmen einen Antrag des Verwaltungsraths angenommen, wonach derselbe ermächtigt wird, ein vorübergehendes Anlehen von 4 ½ Mill. gegen Einver⸗ leibung einer Hypothek von 4 ½ Mill. Mark Gold zu Gunsten der irma Clett in Nürnberg aufzunehmen, sowie die Zahlung sämmt⸗ icher Prioritätszinsen der Amortisationsquoten, soweit nothwendig zu suspendiren und die Betriebsüberschüsse zur Zahlung der Zinsen und zur Konsolidirung des Unternehmens zu verwenden.
— Aus London wird der „Köln. Ztg.“ unter dem 31. März ge⸗ schrteben dah ic, diegagecen Ya dustr üred psens bir üsen, uns keineswegs seither gebessert habe. Vor Allem liege die Eisen⸗ und Kohlenindustrie darnieder, und die Fabriken stellen neue Lohnherab⸗ setzungen in Aussicht. In Durham sei eine solche bereits angesagt. Nur die Erbauer eiserner Schiffe bilden mit ihrer Thätigkeit auf dem Eisenmarkte eine erfreuliche Ausnahme. Etwas besser stehe es in der Textilindustrie, doch feiern auch auf diesem Gebiete manche Fabriken. Im nördlichen Irland haben die Weber ihre Stühle bei Seite gestellt und dafür landwirthschaftliche Geräthe in die Hand genommen. In der Landwirthschaft sei jetzt nach Arbeitern größere Nachfrage. Die Bauhandwerker seien fast die einzigen Arbeiter, welche jetzt wirklich gute Zeit haben.
Paris, 4. April. (W. T. B.) Nach einer dem Journae „Soir“ zugegangenen Mittheilung soll die Sa. de Franc gestern die Reduktion des Wechseldiskonts auf 2 % beschlossen haben.“
Verkehrs⸗Anstalten.
London, 28. März. (E. C.) Die Great Western⸗Eisen⸗ bahn hat gestern dem durch einen Fesemnenst⸗ bei Chippenham beschädigten Rev. Mr. Gardiner in olge des Ausspruches der Ge⸗ schgerenen eine Summe von 5500 . als Entschädigung zahlen müssen.
Southampton, 4. April. Das Postdampfschiff „Mosel“ vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welches am 24. März von New⸗York abgegangen war, ist heute wohlbehalten hier ange⸗ kommen und hat nach Landung der für Southampton bestimmten Passagiere, Post und Ladung die Reise nach Bremen fortgesetzt. Die „Mosel“ überbringt 100 Passagiere und volle Ladung.
New⸗York, 4. April. (W. T. B.) Der Hamburger Postdampfer „Gellert“ ist heute früh 5 Uhr bhier eingetroffen. — Der Bampfer „England“ von der National⸗Dampf⸗ schiffs⸗Compagnie (C. Messingsche Linie) ist heute hier ein⸗ getroffen.