1877 / 89 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 16 Apr 1877 18:00:01 GMT) scan diff

88

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Sneen

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Snee eeener. dn 888

mit Proben von den Steinen einzureichen. 2

85 Berlin, 16. April 1877. Nachdem am Sonnabend, den 7. April, Se. Majestät der Kaiser von Brasilien das Haupt⸗Telegraphenamt und die Rohrpostanlagen hierselbst in Augenschein genommen, sind am 13. die Rohrposteinrichtungen auch von Sr. Königlichen Hoheit dem Großherzog von Mecklenburg⸗Schwerin in Begleitung Ibrer Köeiglichen Hoheiten der Großherzogin und der Großherzogin Mutter, sowie Ihrer Kaiserlichen Hoheit der Großfürstin Wladimir einer eingehenden Besichtigung unterzogen worden. ö

Witterungsverhältnisse im nördlichen leren Deutschland im Laufe des März 1877. Während die beiden ersten Monate dieses Jahres im Allgemeinen

nur wenig und immer nur auf kurze Zeit den Charakter eines Winter⸗

monats an sich trugen, stellte sich zu Anfang des März, des ersten

Monats im meteorologischen Frühling, ganz entschieden überall strenge

winterliche Witterung ein. Zwar dauerte dieselbe nicht viel über das

erste Monatsdritttheil mit größerer oder geringerer Stärke fort, es trat in der Mitte des Monats eine gemäßigtere Temperatur ein und den Schluß desselben bildeten einige Frühlingstage; dennoch blieb die Gesammtwärme des März in den vestlichen

Gegenden ein wenig, in den östlichen mehr hinter

dem durchschnittlichen Werthe derselben zurück. Die mittlere

Temperatur des März ist an den einzelnen Orten des nördlichen und

mittlern Deutschland ein bis ein und einen halben Grad höher, als

die des Februar, letztere aber pflegt im Durchschnitt einen Grad höher zu sein, als die des Januar. In diesem Jahre waren Januar und Februar überall fast gleich warm und beide an einigen Orten nur ganz unbedeutend kälter, an den meisten aber selbst etwas wärmer, als der März. Schon zu Ende des Februars hatten sich reiche Schnee⸗ fälle und größere Kälte eingestellt und westlich der Elbe war auf den letzten Februar überall das absolute Wärmeminimum für den ganzen

Monat gefellen. Am ersten März hatte das ganze Beobachtungsgebiet

völligen Winter. Der erste Monatstag zeigte überall eine negative

mittlere Temperatur und mit Ausnahme einiger rheinischen

Stationen stieg an diesem Tage selbst im Maximo das Thermometer

nicht über den Gefrierpunkt. An mehreren Stationen der mittleren

Provinzen, wie Berlin, Putbus, Hannover, Münster war der 1. März

der kälteste Tag des Monats, an anderen war es der 2. März. Das

absolute Wärmeminimum des ganzen Monats fiel im Weiten fast ohne Ausnahme auf den 2. März, weiter östlich meist auf den

3. März. Das Barometer stieg überall an den ersten zwei Monats⸗

tagen, und zwar rascher und stärker in den östlichen, als in den

westlichen Provinzen. An allen Stationen westlich der Elbe und an den meisten östlich derselben erreichte es

am 2. März, an einigen der letzteren am 3.

das Monatsmarimum. Im Osten herrschte in

Zeit die polare, im Westen die äquatoriale Strömung

vor. Bald aber ließ der Luftdruck, nachdem er seinen Höhe⸗

punkt erreicht, wieder nach, und das Barometer sank vom 3. März,

an manchen Orten schon vom Abeud des 2. März an, kontinuirlich in den darauf folgenden Tagen. Der Aequatorialstrom erlangte nun das Uebergewicht und die Kälte ließ wieder etwas nach. Eine Aus⸗ nahme hiervon machten die östlich der Oder und die höher gelegenen Stationen. Vor Allen zeichnete sich hierin die Station Claußen bei Lyk aus. Die Pentade vom 2. bis 6. März hatte dort eine mittlere Temperatur von 11,1 Gr. (gegen 1,2 Gr. im mehrjährigen Durchschnitte), während dieselbe in Königsberg 5,30 Gr., in Breslau 3, Gr., in Berlin 0,33 Gr., in Hannover 0,80 Gr., in Münster 1,4

Gr., in Aachen 2,47 Gr. warm war. Am 3. März betrug in Claußen

die mittlere Tageswärme 15,z8 Gr. und am Morgen des 4. März zeigte daselbst das Thermometer im Minimo 24,4 Gr. etwa in derselben Zeit, in welcher es in Königsberg auf 8,4 Gr., in Breslau auf 10,8 Gr., in Berlin auf 2,5 Gr⸗ in Hannover auf 1 Gr., in Münster auf 1,0 Gr., in Aachen auf 2,2 Gr. stand. Niederschläge fielen in den ersten Monatstagen fast überall nur als Schnee, wenn auch nicht gerade in bedeutender Menge. Im Westen stieg die Wärme etwa um 4 bis 6 Grade bis zum 5. März, dann trat Stillstand oder schon wieder ein Rückgang ein; im Osten nahm die Kälte langsamer ab, etwa bis zum 7. März, der 6 bis 8 Grade wärmer war, als der 2. und 3. März. Während der zweiten Pentade vom 7. bis 11. März trat bei langsam steigendem Barometer überall der Polarstrom auf und es stellte sich nun eine neue winterliche geit ein, die in mehreren Gegenden die erste an Strenge übertraf; einige Stationen hatten jetzt erst ihren kältesten Monatstag; in Cöln und Aachen fiel das absolute Wärme⸗ minium auf den 11. März. Niederschläge fielen in dieser kalten Zeit nicht viel; nur die schlesischen Stationen und namentlich die höher gelegenen machten hiervon eine Ausnahme. So hatte Kirche Wang am 8. März einen Schneefall, der eine fast einen Zoll betragende

Wasserhöhe gab. Bald nach dieser zweiten Kälteperiode zu Ende des

ersten und zu Anfang des zweiten Monatsdrittheils trat ein wesent⸗

licher Witterungsumschlag ein. Vom 11. bis 13. März sank überall das Barorometer, an den östlichen und westlichen Stationen um 6

bis 8, an den mittleren um 10 bis 12 Linien, der leichtere Aequa⸗ torialstrom verdrängte die polare Strömung und trat in einigen Gegenden mit ziemlicher Heftigkeit auf. Die Mischung der feuchten äquatorialen Strömung mit dem kalten Polarstrome zog überall reichlichere Niederschläge nach sich; meistens wech⸗ selten Schneefalle mit Regen. Nur im äußersten Osten hielt die Kälte auch jetzt noch an, im Allgemeinen aber war die Temperatur in der Mitte des Monats der normalen gleich; vor⸗ herrschend blieben die südwestlichen Winde, die jedoch ab und zu auf

B“ .“ 8 Ber

kurze Zeit von den nordöstlichen verdrängt wurden. Das Barometer war von dem niederen Stande, den es am 13. März eingenommen, war wieder etwas in die Höhe, bald aber von Neuem und zwar in öherem Grade herabgegangen, als es gestiegen war, so daß es fast überall am 20. oder 21. März seinen niedrigsten Stand einnahm Später erhob es sich wieder, aber nicht mehr über seine mittlere Hob⸗ hinaus, die Schwankungen im Luftdrucke waren zu

inde des Monats überhaupt sehr unbedeutend und betru⸗ gen während eines Tages am Barometer meistens weniger, als eine Linie. Die Wärme nahm im letzten Dritt⸗ theile des März immer mehr und mehr zu. Eine wesentliche Tem⸗ peraturerhöhung begann im Westen mit dem 24. und 25. März und setzte sich bis zum 29. März täglich etwa um einen Grad fort; in den mittleren Provinzen begann sie einen Tag später, erhob sich aber dann mehr sprungweise, so daß zum Beispiel in Breslau der 26. März 5 Gr. wärmer war, als der 25. März; an den östlichsten Stationen war erst der 27. März ein entschieden warmer Tag, denn an ihm ging zum ersten Male in diesem Monate das Thermometer in Claußen und Königsberg nicht mehr unter den Gefrierpunkt herab. Ueberall fiel das absolute Wärmemaximum auf die letzten Tage des Monats; nur im Riesengebirge hatten Kirche Wang und Schreiberhau bereits am 20. März den höchsten Thermometerstand beobachtet. Einige Sationen hatten in den letzten Märztagen Gewitter, fast alle aber häufige Regen, wenn auch nicht von bedeutender Stärke. An den östlichen Stationen nahm an den letzten zwei Tagen des März die Wärme schon wieder ab, während sie an den andern un⸗ verändert blieb. In Claußen und Königsberg stand des Morgens am 31. März das Thermometer ein bis zwei Grade unter dem Ge⸗ frierpunkte.

Die speziellen Angaben über den Barometer⸗ und Thermo⸗ meterstand, sowie über die Niederschläge sind in den folgenden drei Tabellen enthalten:

Barometerstand auf 0 Grad reduzirt in Pariser Linien. Mittlerer Maximum: Minimum:

Barometer⸗ Tag: Stand: Wind: Tag: Stand: Wind:

stand: Königsberg 334.11 341,8 NO. 21 327,56s8 NW. Danzig 334,36 342,04 21 328,77 Bromberg 333,18 340,u NNO. 21 326,81 Breslau 329,47 336,51 Still 21 323,32 Görlitz 326,28 332, SO. 20 320,32 338,588 N. 20 325, 80

Tor 8 au 331,40 Berlin 333,32 340,53 20 327,90 340,00 13 326,73

Putbus 332,80 Hamburg 334,93 342,22 21 329,46 Hannover 331,57 339,06 25 325, 9 Osnabrück 332,41 340, 1b 21 325,95 Emden 335,35 343,00 21 328,90 Münster 332,45 339,98 21 325,22 340,28 21 325,92

Cöln 333,18 1 328,18 335,45 . 21 320,2 SW.

328,59 336, NO. 20 321,79 SW.

Im Allgemeinen war der Barometerstand an den einzelnen Stationen etwa um zwei Linien geringer, als er durchschnittlich im

März zu sein pflegt.

5.000 52988g,

tobototototobetetebero erederede

Mittlere Temperatur des März nebst den absoluten

Erxtremen nach Réaumur. 8 Mittlere Absolutes 28 Monats⸗ F. 8 Temperatur: Tag: Stand: Königsberg 1,22 (—0,) . 10 14, Claußen ẽ— 3,52 (—0,97) 2 24,4 Danzig 0, 8 1,08 10,2 Sa“ 8 5,8 Bromberg 0,“0⸗ 1,03) 8 15,7 Breslau 1, 0 1,79 13,0 11,7 Kirche Wang 1,71 (— 1, 15 9,4 14,8 Vörliz. 77 7 12,0 —12, Landskrone 0,57 10,0 11,0 eep““] 10,4 7,0 Berlin . . 11,6 5,4 Putbus. 0,8 7,6 5 Hamburg 1,,7 10,8 annover 2,60 10,5 lausthal 0,61 7,8 Osnabrück 2,78 8 11,1 2 Emden 2,88) . 10,1 10 Münster. 3,5U) 11,2 2 Cöln. 4,03) 11,8 11 Aachen . 11,3 12 Trier 3,74) 5 12,0 2 Menge der Niederschläge im März in Pariser Linien. Königsberg . . 15,22 (13,83) Ab“ 88859 Claußen . 18,70 (12,00) amburg .26,50 (19,19) Danzig Hannover 20,/79 (15,80) Bromberg 13,05. 8 Tlausthal 24,84 (52,4) Breslau 16,0 882 Osnabrück. . 25,47 (19,94) Kirche Wang 59,55 (33,87 Görlitz . 33,82 (16,7) Münster 24,93 8 Landskrone 24,922 (13,0³) I65— 88 in Trier . 32,85 (18,11

Die in Klammern eingeschlossenen Zahlen bedeuten langjährige Mittelwerthe. A.

Absolutes

SSSeweSEcac-hcooch-ee

—,—,——,—,—, —,—,—

Minimum:

Der Verein für die Geschichte Berlins hielt am Sonnabend im Bürgersaale des Rathhauses seine letzte öffentliche Sitzung für diesen Winter. Nachdem der Vorsitzende, Geh. Hofrath Schneider, die Versammlung mit einem Danke an die 1 für ihr treues Ausharren bei den Vereinsvorträgen eröffnet, hielt Geh. Registrator Dr. Brecht den angekündigten Vor⸗ trag „Alte Bräuche des Berliner Schornsteinfeger⸗ gewerks“ und gab in der Einleitung eine historische Uebersicht über Ursprung und Entwickelung dieses Gewerbes über⸗ haupt. Lange it, länger als man glaubt, hat man dem Rauch gestattet, sich seine Wege selbst zu suchen Wund durch Thüren, Fenster, Ritzen ꝛc. abzuziehen. Erst 1347 wird erwähnt, daß bei einem Erdbeben in Venedig alle Schornsteine eingestürzt seien. Das ist die erste Nachricht über Schornsteine, die demnach italienische Erfindung zu sein scheinen und sich von da über den Erdkreis verbreitet haben, was allerdings nur sehr allmählich geschah, denn eine hiesige Feuerordnung von 1701 setzt fest, daß überall, wo noch keine Schornsteine seien, dergleichen eingerichtet werden sollten. Um diese Zeit, 1703, traten auch die 8 Schornsteigermeister Berlins zur Wahrung ihrer Interessen zu⸗ sammen und erhielten 1717 die Gewerksprivilegien. Bald aber rissen allerlei Mißbräuche bei ihnen ein, abergläabige Ceremonien griffen Platz, und die Folge davon war, daß 1734 Rechte und Pflichten der Mitglieder des Gewerks beschränkt wur⸗ den. Unter Friedrich dem Großen endlich trat wieder eine größere Freiheit ein, und seit dieser Zeit datiren die im Wesent⸗ lichen noch heute üblichen Sitten und Gebräuche des Gewerks bei Aufnahme Fremder, beim Ein⸗ und Ausschreiben ꝛc. Bis zum Jahre 1851 gehörte zu den wesentlichen Funktionen der Schornstein⸗ feger das Feuerlöschwesen. Zwei anwesende Schornsteinfeger⸗ meister übernahmen es nach diesem Vortrage, in dramatischer Weise und mit ihrer großen silbernen Kanne und dem medaillengeschmückten „Willkommen“ die Ceremonien vorzuführen, wie sie noch heute am Quartalstage bei ihnen üblich. Zum Schluß des Abends machte Stud. jur. Böringuier Mittheilung über einen Streit, der zwischen dem Märkischen Museum und dem Grafen Lippe⸗Weißenfels über einen dem ersteren zum Geschenk gemachten Stern des Schwarzen Adler⸗Ordens ausgebrochen ist, der sich auf dem Sterbemantel Friedrichs des Großen befunden haben soll. 1.“

Der zoologische Garten hat durch den Tod des großen kostbaren Seelöwen einen empfindlichen Verlust erlitten. Es scheint, daß abermals die Fütterung, welche das Publikum den Thieren an⸗ gedeihen läßt, diesen Tod eines seltenen Exemplars herbeigeführt hat. Die Aufsichtsbeamten sind an Sonntagen ganz außer Stande, der⸗ artige Fütterungsversuche zu inhibiren, und es wäre Sache des Pu⸗ blikums selbst, die Thiere gegen solche übel angebrachte Wohlthätig⸗ keit zu schützen. Im Uebrigen gedeiht die junge Aufzucht des zoolo⸗ gischen Gartens sehr gut. Das Jaguarjunge, das jetzt 7 Wochen alt ist, befindet sich noch im Innern des Raubthierhauses. Inte⸗ ressant ist auch das Zebukalb im Antilopenhause; das Nilpferd hat

sich sehr entwickelt und hält sich jetzt längere Zeit außerhalb des

Wassers

Eine Theestaude aus China langte mit dem Dampfer „Pekin“, Kapitän Woolcott, via Suezkanal in Southampton an, und ist jetzt im schönen frischen Grün im Schau enster der Theenieder⸗ lage von E. Astel & Co., Breitestraße 5 hierselbst, ausgestellt. Schon im vorigen Frühjahr versuchte diese Firma, einige Theepflanzen zu importiren, jedoch gingen diese schon unterwegs ein.

1 888

Lvondon, 14. April. (A. A. C.). Das Handelsamt hat von dem Staatssekretär für die Auswärtigen Angelegenheiten die Kopie eines Telegramms des britischen Chargé d'Affaires in Konstantinopel erhalten, welches meldet, daß die Pest in Bagdad un sich greift,

und 88 die Quarantaine an denselben Stationen wie im vorigen Jahre hergestellt werden wird.

F.

Theater.

8 Hr. Emmerich Robert ist am Sonnabend hier eingetrof⸗ fen, um den vier letzten Proben zu Greifs Tragödie „Nero⸗ im Residenz⸗Theater beizuwohnen. Die erste Vorstellung findet definitiv am Mittwoch, den 18. d. M., statt. Die Direktion hat be⸗ schlossen, an einzelnen Zwischentagen, an welchen Hr. Robert sich eine Ruhepause gönnen muß, bei halben Preisen alle diejenigen Stücke zu wiederholen, welche während der ver⸗ gangenen Saison den meisten Beifall fanden. Es kommen demnach zur Aufführung: „Die Fremde“, „Hotel Godelot“, Die Neuvermählten“, „Arria und Messalina“, „Simson und Delila“, „Ein Fürst des Schwindels“ (Mercadet), „Der lustige Rath“, „Fer⸗ nande“ u. A. Die Kouponbücher haben bei dieser Vorstellung nicht nur Giltigkeit, sondern es wird der betreffende Prozentsatz noch von den halben Preisen abgerechnet. Die Proben zu „Konflikte“, welche durch Unpäßlichkeit des FrIl. Ramm eine Störung erlitten, werden in diesen Tagen wieder aufgenommen.

Im Thalia⸗Theater findet nunmehr morgen, Dienstag, bestimmt die erste Aufführung der Delibesschen Operette „Kon⸗ fusius IX.“ statt.

R ³. Inserate für den Deutschen Reichs⸗ u. Kgl. Preuß. Staats⸗Anzeiger, das Central⸗Handelsregister und das Postblatt nimmt an: die Königliche Expedition des Deutschen Reichs-Anzeigers und Königlich Preußischen Staats-Anzeigers:

2 Berlin, S. W. Wilhelm⸗Straße Nr. 32. 2*

Oeffentlicher Anz

1. Steckbriefe und Untersuchungs-Sachen. 2. Aufgebote, Vorladungen u. dergl.

Grosshandel.

9. Familien-Nachrichten.

R *& eiger. Inserate nehmen an: das Central⸗Annoncen⸗

5. Industrielle Etablissements, Fabriken und

d 6. Verschiedene Bekanntmachungen. 3. Verkäufe, Verpachtungen, Submissionen ete. 7. Literarische Anzeigen. 4. Verloosung, Amortisation’, Zinszahlung

8. Theater-Anzeigen. In der Börsen- u. s. w. von öffentlichen Papieren.

beilage.

Burean der deutschen Zeitungen zu Berlin, Mohrenstraße Nr. 45, die Annoncen⸗Expeditionen des „Juvalidendank“, Rudolf Mosse, Haasenstein & Vogler, G. L. Daube & Co., E. Schlotte, Büttner & Winter, sowie alle übrigen größeren Annoncen⸗Bureaus.

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——

Submissionen ꝛc.

1 Bekanntmachung. Die Lieferung von:

172 M. Birkenwerder Verblendklinker, sowie die:

Staaker⸗

Schieferdecker⸗

Klempner⸗

Tischler⸗ Arbeiten und Steinsetz⸗

in unserem Geschäftslokale, Michaelskirchplatz 17, einzusehen und versiegelte Offerten bis zum 26. d. Mts, Vorm. 11 Uhr, Berlin, den 13. April 1877. Cto. 116/4.)

Königl. Garnison⸗Verwaltung

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und Mliniken,

ca. 90,452 Kbm. Boden, len bis Rogowken,

bis Lengowen,

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8 25) ca. 71,228 Kbm. Boden, Feldmark Przykop⸗ .

ken und Lyck

kauer Eisenbahn belegenen Loosen: 13) ca. 205,084 Kbm. Boden, Feldmark But⸗ schrift: „Offerten auf Ausführung von Erd⸗

Feldmark Daniel⸗ ca. 67,864 Kbm. Boden, Feldmark Steinau ca. 347,954 Kbm. Boden, Feldmark See⸗ ca. 80,988 Kbm. Boden, ca. 130,0949 Kbm. Boden, Feldmark Kl.⸗ ca. 85,851 Kbm. Boden, Feldmark Babken

V [28411 Dogmänen⸗ de [3317] Königliche Ostbahn. verdungen Fe Submissions⸗Termin am 8 Domanen Verpachtung. Es soll die Kacfäbtaag der Erdarbeiten in den Donnerstag, den 3. Mai 1877, Vorm. 11 Uhr, Das Domänenvorwerk Burguffeln im Kreise auf der Strecke Goldap Lyck der Insterburg⸗Pros⸗ in unserem technischen Bureau, Victoriastraße Nr. 4

Hofgeismar bei der Station Grebenstein der Ber⸗ gisch⸗Märkischen Eisenbahn gelegen, mit einem Areal

von 313,7es Hektaren soll von Johannis 1877 ee b 8 1 3 8s 188.9 veeevlet 10s ehen I 14) ca. 186,768 Kbm. Boden, Feldmark Wit⸗ Die Bedingungen liegen bei unserem Bureau⸗Vor⸗

10% unr. d gühen Bisennanme venxem de 15) ca. 100,279 Kbm. Boden, Feldmark Wit⸗ straße 4, und in den Bau⸗Bureaus zu Goldap, gierungs⸗Rath Petersen anberaumt. Die Bewerber 8 g Tischle 1 aben spätestens in diesem Termine sich über den 16) ca. 144,433 Kbm. Boden, Schlosser⸗ Besitz eines disponibeln Vermögens von 120,000 über ihre persönliche Qualifikation durch glaub⸗ 6 afte Zeugnisse auszuweisen. Das Pachtgelder⸗Mi⸗ iu dem Neubau des Exerzierhauses, der Offizier⸗ hafte 3 8 auf 25000 12 e Sr. Speiseanstalt, Offizier⸗Pferdestall u. s. w. der Ka⸗ bedingungen liegen in unserem Domänen⸗Sekretariat, serne für das Elisabeth⸗Regiment in der Köpnicker⸗ bei dem jetzigen Pächter Herrn Borheck zu Burguffeln straße, sollen im Wege der Submission verdungen und beim Domänen⸗Rentmeister Horchler hierselbst werden. Die Bedingungen und Kostenanschläge find zur Einsicht offen. .“ Cassel, den 28. März 1877. 8 Königliche Regierung. Abtheilung für direkte Steuern,

hierselbst, bis zu welchem Offerten mit der Auf⸗ arbeiten Insterburg Proskau“ einzureichen sind. steher, Eisenbahn⸗Sekretär Pasdowsky, Victoria⸗

Oletzkow und Lyck aus, werden auch von diesen

Feldmark Gurnen gegen Franko⸗Einsendung von 1 pro Loos ab⸗

gegeben. Bromberg, den 12. April 1877. Königliche Direktion der Ostbahn. Bau⸗Abth. I. Cto. 121/4)

Feldmark Ku⸗ Redacteur: F. Prehm.

Valag der Expedition (Kessel⸗). Druck: W. Elsner. Drei Beilagen (einschließlich Börsen⸗Beilage).

Deutschen Reichs⸗A

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Erste Beilage

nzeiger und Königlich Preußischen Staa

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Berlin, Montag, den 16. April

3 Nichtamtliches. Deutsches Reich.

Berlin, 16. April. Im weiteren Verlaufe der Sitzung des Reichstages am 14. d. M. wurden bei den ordent⸗ lichen Ausgaben des Marine⸗Etats (Kap. 60, Tit. 15, zum Bau einer Korvette zum Ersatz für die Korvette „Hertha“ erste Rate) auf Antrag der Budgetkommission, Namens wel⸗ cher der Abg. Rickert referirte, von 725,000 600,000 abgesetzt.

Es folgte die Berathung der einmaligen Ausgaben. Zu Titel 1 (Herstellung einer Wasserleitung von Feldhausen nach Wilhelmshaven, einschließlich Terrainerwerb 2. Rate 500,000 ℳ) fragte der Abg. Jacobs an, weshalb der Bau dieser Wasserleitung, die ein dringendes Bedürfniß sei, so langsam betrieben werde.

Der Bevollmächtigte zum Bundesrath, Staats⸗Minister und Chef der Kaiserlichen Admiralität von Stosch entgegnete:

Mit der Bewilligung der ersten Rate für die Wasserleitung im vorigen Jahre wurde die Marineverwaltung berechtigt, das ganze Werk anzufangen und in die Vorbereitung überzugehen. Es stellte sich dabei heraus, daß die Legung der Wasserleitung nur möglich sei, wenn von der Führung in Wegen oder gar in der Bahn abgesehen würde, und die Wasserleitung möglichst is gerader Linie durch die Ackerfelder ginge. Diese leutere Art der Legung war aber nur mög⸗ lich, nachdem ein Expropriationsgesetz von oldenburgischer Seite er⸗ lassen war. Dieses ist erst vor circa 4 Wochen erfolgt, und von jetzt an ist es erst möglich, die positiven Einleitungen zum Bau zu treffen. Die Zeit ist aber nicht ungenützt vorübergegangen, indem die sämmt⸗ lichen Vorbereitungen, Zeichnungen, Bauveranlagungen, Material⸗ ankäufe gemacht, sogar guch schon die Akkerde für die Bauten ein⸗ geleitet sind, so daß erwartet wird, daß, sowie nur die Expropriation, womit der Beamte bereits betraut, durchgeführt ist, auch der Bau beginnt, und nach 5 Monaten, also, wie ich rechne, bis zum Oktober, November ist die ganze Anlage vollendet.

Bei Titel 8—18 beantragte die Budgetkommission die ersten Raten für eine Panzerkorvette, 1 Panzerkanonenboot und 1 Aviso im Betrage von 1,731,000 zu streichen, und außerdem für die schon im Bau begriffenen Schiffe 2,226,000 weniger, im Ganzen also 3,957,000 weniger zu bewilligen. Das Haus nahm den Antrag an. Die Summe von 1,000,000. (Tit. 19) für einen Transportdampfer zu oceanischen Reisen wurde mit 124 gegen 102 Stimmen abgelehnt. Der Chef der Kaiserlichen Admiralität Staats⸗Minister von Stosch hatte sich über diese Position wie folgt geäußert:

Ich möchte den Antrag, wie er von dem Hrn. Jacobs erneuert ist, im Interesse der Marine nur mit ein paar Worten unterstützen. Vom militärischen Standpunkte aus ist es von der größten Wichtig⸗ keit, daß die Schiffe, die auf den Stationen sind, unausgesetzt den⸗ jenigen Aufgaben genügen können, welche die dortigen Verhältnisse an sie stellen. So lange, wie die Schiffe da sind, und je länger die Zeit dauert, daß permanent dort Schiffe sind, das heißt mit jedem neuen Jahr, wo wir da unsere Kriegsschiffe stationirt haben, mehren sich die Ansprüche, die deutschen Interessen mehren sich, sie werden lauter, und in Folge dessen mehren sich die Aufgaben unausgesetzt. Wenn nun die Schiffe stets zurücberufen werden mussen, stets in der Richtung nach Hause sind, um ja nicht den Tag zu versäumen, wo sie fortgehen, damit die Entlassung zu Hause rechtzeitig stattfindet, so hat das zur Folge, daß die Aufgaben, die dort gestellt werden, nicht so voll und nicht so rein gelöst werden, wie es im Interesse der deutschen Interessen wünschens⸗ werth ist. Es ist also, wenn ich die Ablösung der Mannschaft ganz unabhängig machen kann von den Fahrten der Schiffe, auf ihren Stat onen eine Förderung der eigentlichen Aufgaben durchaus die Folge.

Wa nun der finanzielle Effekt ist, so ist es ja selbstredend, daß die Fahrt von Schiffen, die nichts bezwecken als den Transport von Leuten, billiger ist und rascher vor sich geht, als die Fahrt von Kriegs⸗ schiffen, die ausgestattet sind mit einer Menge militärischer Apparate, Geschütze, Munition, einer viel größeren Takelage, kurz die die Auf⸗ gabe haben, zu kämpfen und nicht zu fahren. Ein solches Schiff, was die Leute transportirt, kann den drei⸗ und vierfachen Transport eines Kriegsschiffes leisten. Darin liegt das billigere.

Was die Verproviantirung betrifft, so erwidere ich dem Herrn Vorredner, daß wir heute billiger verproviantiren, indem wir von hier aus Proviant und Kleider durch Privatschiffe dorthin schicken, als wenn wir dortige Kaufleute in Anspruch nehmen.

Ich möͤchte alsa bitten, dem Vorschlag nicht so ganz entgegenzutreten. Ist es erwünscht, daß die Sache besser motivirt wird und nach allen Seiten mit Zahlen klargelegt wird, so erlaube ich mir, anheimzu⸗ stellen, die Sache nochmals an die Budgetkommission zurückzuweisen. Ich will eine Zusammenstellung der Zahlen und aller Verhältnisse machen, die es darthun, daß es eine positiv ökonomische Maßregel ist, die Ibhnen vorgeschlagen wird. Die Frage ist aufgeworfen, ob schon ein bestimmtes Schiff ausgewählt ist. Das ist nicht so der Fall, daß ich sagen kann, daß, wenn heute das Geld bewilligt ist, morgen das und das Schiff gekauft wird. Wir haben uns mit den betreffenden Gesellschaften in Verbindung gesetzt und haben mehrere Schiffe im Auge, von denen, je nach den Preisverhältnissen und nach der bewilligten Summe, das eine oder das andere ausgewählt wird Die Seeee kann, wenn das Geld bewilligt wird, fofort ins Leben

eten.

Angenommen wurde zu Tit. 24 ein Antrag des Abg. Mosle, nach welchem die Regierung freie Hand hat, den pro⸗ jektirten Nebelsignalapparat entweder auf die Insel Wangeroog oder auf das Außenleuchtschifnf der Weser zu legen. Bei Tit. 31. (zur Herstellung und Erwerbung von Unterbeamten⸗ und Arbeiterwohnungen in Wilhelmshaven 1,000,000 ℳ) wurden auf Antrag der Budgetkommission ohne Debatte 36,000 und ebenso bei Tit. 46 (für bauliche Anlagen zur Umgestaltung der Werft zu Danzig in ein Definitivum 4. Rate 680,000 ℳ) 45,000 abgesetzt. Alle übrigen Positionen des Extraordinariums im Marine⸗Etat wurden unverändert be⸗ willigt, und die durch die Aenderungen nöthig gewordene Balanzirung in Einnahme und Ausgabe hergestellt.

Ohne Debatte passirten die Etats des Reichstages, des Allgemeinen Pensionsfonds, der Eisenbahnver⸗ waltung und des Bankwesens. Zum Etat des Reichs⸗ kanzler⸗Amts (Kapitel 8 „Reichs⸗Gesundheits⸗Amt“) be⸗ antragte der Abg. Dr. Mendel, die Reichsregierung zu er⸗ suchen, dem Reichstage in der nächsten Session in einer Denk⸗ schrift die Aufgaben und Ziele, die das Reichs⸗Gesundheits⸗Amt sich gestellt, und die Wege, auf denen sie jene zu erreichen

hofft, darzulegen.

Außerdem beantragte der Abg. Dr. Hirsch: den Reichskanzler zu ersuchen: dahin zu wirken, daß die durch

§. 27 des Gesetzes über die eingeschriebenen Hülfskassen vom 7. April 1876 den Hülfskassen vorgeschriebenen Uebersichten über die Mit⸗ glieder, über die Krankheits⸗ und Sterbefälle und über die verrech⸗

neten Beitrags⸗ und Unterstützungstage a. unter Berücksichtigung der Berufsarten, der Krankheitsbenennungen und Todesursachen jährlich eingefordert und b. von den höheren Verwaltungsbehörden an das Reich⸗Gesundheits⸗Amt, behufs Herstellung zuverlässiger Morbilitäts⸗ und Mortalitätstafeln, eingesandt werden.

Der Bevollmächtigte zum Bundesrath, Präsident des Reichskanzler⸗Amts Staats⸗Minister Hofmann, äußerte sich hierüber wie folgt:

Meine Herren! Dem Antrage der Budgetkommission, den Etat dahin zu ändern, daß nicht speziell für ein „Laboratorium“, sondern für „chemische Untersuchungen“ die hier geforderte Summe bewilligt wird, steht von Seiten der Roichsverwaltung ein Bedenken nicht entgegen. 8

Was den Antrag des Hrn. Abg. Hirsch betrifft, so möchte ich bitten, diesen Antrag nicht anzunehmen. Es ist ja nicht zu verken⸗ nen, daß es im Interesse der Medizinalstatistik wünschenswerth wäre, auch die von dem Hrn. Abg. Hirsch bezeichneten Punkte, näm⸗ lich die Berufsarten, die Krantheitsbenennungen und Todesursachen in die Uebersichten aufzunehmen, welche von den Hülfs⸗ kassen aufzustellen sind. Diese Frage ist reiflich von Seiten des Reichskanzler⸗ Amtes in Verbindung mit dem preußischen Handels⸗Ministerium und später in den Bundesraths⸗ Ausschüssen erwogen worden. Man ist zu der Ueberzeugung gelangt, daß die Aufnahme dieser Daten in die Statistik, welche den Hülfs⸗ kassen zugemuthet wird, die letzteren überlasten würde; daß man Ge⸗ fahr laufen würde, ganz unbrauchbare Uebersichten zu bekommen, wenn auch die angegebenen Kategorien aufgenommen würden. Es ist dies nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick erscheint. Die ver⸗ schiedenen Berufsarten in den Tabellen mit aufzunehmen, macht schon einige Schwierigkeiten, weil die Unterscheidung der einzelnen Berufsarten, sobald sie in die Details eingeht, zu sehr vielen Unterabtheilungen in dem Schema der Uebersichten führen würde. Es kommt aber hierzu, daß die Krank⸗ heitsbenennungen und die Todesursachen schwer zu treffen und zu ermitteln und ebenfalls unendlich vielfach sind, so daß man auch da den noch jungen Hülfskassen etwas zumuthen würde, was wahrscheinlich über ihre Kräfte geht. Wenn man solche statistischen Ermittelungen mit Erfolg veranstalten will, muß man zunächst be⸗ scheiden sein, um ein Resultat zu bekommen, das jedenfalls brauch⸗ bar ist, während, wenn man von vornherein zu viel verlangt, Etwas zum Norschein kommt, was späterhin doch nicht brauchbar ist.

Ich will übrigens dabei noch erwähnen, daß das Reichskanzler⸗ Amt Vorsorge dahin getroffen hat, daß die Uebersichten, welche von den Hülfskassen nach Maßgabe des bereits entworfenen Schemas aus⸗ zufüllen sind, dem Reichskanzler⸗Amt zusänglich werden, um dann so⸗ wohl von dem Kaiserlich statistischen Amt, als auch von dem Reichs⸗ Gesundheits⸗Amt weiter verarbeitet zu werden. In dieser Beziehung ist also, was die jetzt bestehenden Einrichtungen betrifft, dem zweiten Theile des Antrages Hirsch schon entsprochen oder wird ihm binnen Kurzem entsprochen werden.

Wende ich mich nun zu dem Antrage des Hrn. Dr. Mendel, so steht an und für sich ja nichts im Wege, daß, wenn das hohe Haus Werth darauf legt, eine Denkschrift über die Aufgaben und Ziele des Reichs⸗Gesundheits⸗Amts und über die Wege, auf denen diese Ziele erreicht werden sollen, zu erhalten, einem solchen Wunsche entsprochen werde. Indessen möchte ich doch darauf hinweisen, daß die Ziele und Aufgaben, welche die Thätigkeit des Reichs⸗Gesundheits⸗Amts zu ver⸗ folgen hat, durch die Reichsverfassung und durch die Denkschrift, welche seinerzeit dem Reichstage vorgelegt wurde, als es sich um die Begründung des Reichs⸗Gesundheits⸗Amts handelte, bereits, wenigstens in großen Umrissen, bezeichnet sind. Das Reichs⸗ Gesundheits⸗Amt ist begründet, um mit seinem tech⸗ nischen Beirathe der Reichsverwaltung zur Seite zu stehen bei den der Reichsgewalt übertragenen Aufgaben, welche daraus er⸗ wachsen, daß verfassungsmäßig die Maßregeln der Medizinal⸗ und Veterinärpolizei der Gesetzgebung und Aufsicht des Reichs unterliegen. Es ist das ein außerordentlich weiter Rahmen, in den sich ein Bild der Thätigkeit des Reichs⸗Gesundheits⸗Amts erst nach und nach hinein⸗ tragen läßt.

Die Aufgabe, die das Reichs⸗Gesundheits⸗Amt zunächst über⸗ nommen hat, mußte naturgemäß die sein, sich Material für seine Arbeiten und gewissermaßen das Handwerkszeug zu verschaffen, mit dem es arbeiten wollte. Es kam vor allen Dingen darauf an, genaueren Aufschluß zu erhalten über die Medizinalgesebgebung nicht blos der einzelnen deutschen Staaten, sondern auch der außerdeutschen Ländern; es kam darauf an, sich die fortlaufende Kenntniß von dieser Gesetz⸗ gebung zu Es lagen ferner eine Reihe von Anträgen bei dem Reichskanzler⸗Amt vor, welche die öffentliche Gesundheite pflege be⸗ trafen und die das Reichs⸗Gesundheits⸗Amt zu begutachten hatte. Unter Anderem trat an das Gesundheits⸗Amt die Aufgabe der Unter⸗ suchung gewisser Nahrungsmittel heran. Daß diese Untersuchung die Thaͤtigkeit des Reichs⸗Gesundheits⸗Amts nicht vollständig absorbiren darf, daß dieselbe nur einen kleinen Theil der Gesammtaufgabe des Gesundheits⸗Amts bildet, das wird bereitwillig anerkannt; aber ich möchte doch den Vorwurf zurückweisen, daß, weil in dieser einen Richtung mit chemischen Untersuchungen vorgegangen wurde, das ganze Verfahren des Reichs⸗Gesundheits⸗Amts ein planloses ge⸗ wesen sei.

Die meisten Arbeiten des Reichs⸗Gesundheits⸗Amts waren nicht geeignet und bestimmt, vor die Oeffentlichkeit zu treten, und es ist davon bis jetzt in diesem hohen Hause noch wenig die Rede gewesen, aber sie waren deshalb nicht weniger verdienstlich und ich kann nach den Erfahrungen, die wir bis jetzt mit dem Reichs⸗Gesundheits⸗Amt gemacht haben, nur das bestätigen, daß mit einem eisernen Fleiß ge⸗ arbeitet wurde und daß das, was das Reichs⸗Gesundheits⸗Amt während der kurzen Zeit seines Bestehens überhaupt leisten konnte, von ihm geleistet worden ist. bCC“ 1

Der Antrag des Abg. Dr. Mendel fand schließlich die Zustim⸗ mung des Hauses, derjenige des Abg. Dr. Hirsch wurde abgelehnt.

An den Debatten betheiligten sich außer den bereits Genannten der Kommissar des Bundesraths Geheimer Admiralitäts⸗Rath Richter und die Abgg. Dr. Wehren⸗ pfennig, Stumm, Dr. Fänel, Schmidt (Stettin), Jacobs, Mosle, von Benda, Dr. Lucius (Erfurt), Kapell, Frhr. Schenk von Stauffenberg, von Kardorff, Richter (Hagen), Dr. Mendel, Dr. Reichensperger (Crefeld) und Dr. Hirsch. Um 5 Uhr ver⸗ tagte sich das Haus.

In der Sitzung des Reichstags am 14. d. M. nahm in der Berathung über den Etat der Post⸗ und Telegraphen⸗ verwaltung der Bevollmächtigte zum Bundesrath, General⸗ Postmeister Dr. Stephan nach dem Abg. Dr. Lingens, welcher mehrere Briefe von Postbeamten verlesen hatte, wie folgt das Wort:

Meine Herren! Ich glaube wohl zunächst beginnen zu dürfen mit der Bemerkung, daß das Meiste von dem, was der geehrte Herr Vorredner hier vorgetragen hat, zu diesem Titel gar nicht geyört und mit demselben auch nicht im entferntesten Zusammenhang steht.

Was seine letzte Bemerkung betrifft, daß bei den Gerichts⸗ verhandlungen in den letzten Jahren ziemlich viel Beamte der hier in Rede stehenden Verwaltungszweige auf der Anklagebank erschienen seien, so ist dies eben so wie Manches, was er früher angeführt hat,

nicht richtig. Wir lassen eine sehr genaue Statistik über alle Fälle aufstellen, bei welchen Vergehen vorkommen, die dem Strafrichter anheimfallen, und diese Statistik, die alle Jahre an die Central⸗ behörde eingeschickt wird, beweist, daß die Zunahme der Verbrechen und Vergehen keineswegs mit der Zunahme der Beamten im Ver⸗ hältniß steht, sondern daß eine Abnahme in den strafbaren Hand⸗ lungen sich bemerklich gemacht hat.

Wenn der Herr Abgeordnete demnächst gemeint hat, er wolle zur Klarstellung der Verhältnisse beitragen in Beziehung auf den Fonds unter Titel 22, so muß ich doch sagen, daß ich ungeachtet der gespannten Aufmerksamkeit, die ich seinem Vortrage pflichtschuldigst gewidmet habe, nur zu dem Resultate habe kommen können, daß er weit eher zur Unklarstellung der Sache beigetragen hat, wie das denn auch ganz den trüben Quellen entspricht, die er hier als angeb⸗ liche Beweise für seine Behauptung angeführt hat; denn diese Quellen waren offenbar Briefe, die ihm von unzufriedenen Beamten zugegangen sind, und die Uebertreibungen, die in diesen Briefen ent⸗ halten sind, der Ton, in dem sie abgefaßt sind, charakterisiren wohl hinlänglich die Denkungsart der Verfasser. Was die ganze Maßregel des Erholungsurlaubs anbetrifft, so habe ich darauf nur eine Antwort zu geben, sie wird kurz sein, aber ich hoffe entscheidend. Wenn den Beamten diese nicht aus falscher Humanität in dieser Be⸗ ziehung protestire ich gegen den Ausdruck „Vorspiegelung von Hu⸗ manität“ sondern aus wirklicher Besorgniß für ihr Wohl von der Postverwaltung mit großer Mühe und vielen Sorgen ausgeführte Maßregel des allgemeinen Erholungsurlaubs nicht gefällt, dann bin ich sofort bereit, sie zurückzuziehen. Ich glaube aber, daß wenn man eine allgemeine Befragung der Beamten eintreten lassen könnte und wollte, die Stimme der großen Mehrheit ganz anders lauten würde, als der Brief, den der Hr. Abgeordnete soeben vorgelesen hat.

Ich möchte bei dieser Gelegenheit mir doch erlauben zu bemerken, meine Herren, daß, wenn bereits gestern erwähnt worden ist, daß einzelnen der Herren Mitglieder dieses hohen Hauses eine größere Anzahl von Briefen von Beamten aus der Provinz zugegangen sind, doch das, was in diesen Briefen aufgeführt steht, nicht als Be⸗ weis für die Behauptungen anzusehen ist, die in diesen Briefen aufgestellt sind und für die Bemerkungen, die hier gemacht werden. Was will denn das sagen, wenn verschiedenen Mitgliedern des hohen Hauses einige Dutzende von Briefen zugehen selbst wenn es viele

underte wären was will denn das sagen bei einem Personal von mehr als 60,000 Köpfen? Es ist mir sehr wohl bekannt, daß von Seiten anderer Beamten gerade auf die Postbeamten dahin einge⸗ wirkt wird, daß sie vermöge ihrer großen Masse nur immer den Vortrab bilden mögen und Bresche legen in die Etatfestsetzungen zu ihrem Vortheil, weil dann angenommen wird, wenn die Postbeamten etwas erreicht haben, so werden die anderen Beamten ebenfalls etwas bekommen. Hierin liegt vielleicht einer der Erklärungsgründe, weshalb Seitens der Beamten der Post⸗ und Telegraphenverwaltung vorzugsweise der⸗ gleichen Beschwerden vorkommen, während man von anderen Verwal⸗ tungsbeamten dergleichen Klagen weniger hört. Ich sage das nicht deshalb, um einen Schatten auf die Ehre des ganzen Beamtenstandes der Post und Telegraphie fallen zu lassen; dieser Beamtenstand ist gewiß ein sehr ehrenwerther, der mit dem Gebahren Einzeluner nichts gemein hat. Der Brief eines Postbeamten, den der Abg. Richter in der Rede erwähnte, die er gestern unter großem Beifall des Hauses hielt und in welcher er die Haltung der Sozialdemokratie in dieser Beamten⸗ angelegenheit einer sehr gründlichen Abfertigung unterzog, enthielt von A bis Z Unwahrheiten in Betreff des Gratifikationsfonds, soviel Worte er enthielt, soviel Unwahrheiten. Meine Herren! Ich glaube, Sie thun diesen Schreibereien eine unverdiente Ehre an in doppelter Beziehung, einmal, daß Sie sie überhaupt lesen, und dann, daß Sie sie in diesem Hause zur Sprache bringen. Ich habe mit großer Aufmerksamkeit die parlamentarischen Verhandlungen in anderen Ländern verfolgt, aber ich habe nicht gefunden, daß dies in England und Frankreich auch die Praxis wäre; in Italien sind allerdings einige solche Fälle vorgekommen, und es scheint dies mit der Jugend des parlamentarischen Lebens dort zusammenzuhängen. Gerade der Brief, den der Hr. Akg. Dr. Lingens vorlas, bekundet, wie eine Klasse von Beamten immer gegen die andere hetzt, hier die Schalterbeamten gegen die Beamten der Ober⸗Postkasse und alle zusammen natürlich gegen ihren Vorsteher. Wohin soll ein solches Treiben eigentlich führen! Wir haben eine ganz ähnliche Erscheinung gehabt im Jahre 1871, und ich appellire an das Er⸗ innerungsvermögen derjenigen Herren, die damals Mitglieder der Kommission waren, welcher die Reorganisationsvorschläge in Bezug auf das Postpersonal vorlagen. Da hörten die Briefe und Schreibe⸗ reien aus den Provinzen an die Herren Abgeordneten auch gar nicht auf. Die unzufriedenen Mitglieder der einen Klasse zogen immer über die andere her und wollten auf⸗Kosten der anderen Vortheile er⸗ reichen. Es paßt also hierbei vollkommen das Wort des Dichters: Jeder dieser Ehrenmänner wird vom andern abgethan. 1

Wer sagt Ihnen denn aber außerdem, meine Herren, daß diese Briefe wirklich von Beamten herrühren, die die Ehre haben, dem Post⸗ und Telegraphen⸗Beamtenstande noch anzugehören, es können ja entlassene Beamte sein. In einer Verwaltung von einem so zahl⸗ reichen Personal kommt es gewiß alle Tage vor, daß wenigstens ein Beamter entlassen wird, es giebt das allein 365 im Jahre. Alle diese entlassenen Beamten sind natürlich gewöhnlich Feinde der Ver⸗ waltung, sie gehen in die schlechte Presse, schreiben Artikel für die Zeitungen, die, wie der Herr Abg. Richter gestern sagte, sehr albern redigirt sind und einen Ton anschlagen, der wie eine kleine Reichs⸗ postglocke klingt. Es giebt leider eine ganze Anzahl solcher Feder⸗ banditen unter den entlassenen Beamten. Ich habe unter Anderm neulich von einem derselben eine Postkarte bekommen, worauf die Mahnung fland: „Wenn Sie mich nicht binnen 3 Tagen anstellen, so greife ich Sie in der Presse an“, und dieses olympische Donner⸗ wort schickt er mir, damit ich es auch ja recht rasch bekomme, mit der Berliner Rohrpost, die ich selber eingerichtet habe. Nicht allein mit diesen Elementen hat man zu thun den Namen von Gegnern verdienen sie gar nicht sondern und das ist das Schlimmere auch mit solchen, welche Gesuche vorbringen, die man nicht erfüllen kann. Es werden täglich derartige Wünsche ausgesprochen, die an sich unerfüllbar sind, deren Erfüllung vielleicht ganz wünschenswerth wäre, die aber mit Rücksicht auf andere dringendere Bedürfnisse nicht aus⸗

eführt werden können. In der heutigen Zeit, wo die Autorität im Panzen so vielfach angegriffen wird und so vielfache unterwühlende Elemente vorhanden sind, ist es begreiflich, daß jede Ablehnung eines Gesuchs eine gewisse Mißstimmung und einen Groll erzeugt. Es er⸗ innert mich das lebhaft an das Wort Friedrichs des Großen, der da sagte: „Wenn ich von Hundert Einen befördere, so mache ich mir neunundneunzig Feinde und einen Undankbaren.’ Solche Briefe, wie Sie sie hier erwähnen, habe ich kaum vier Wochen nach meinem Amtsantritt vor sieben Jahren in Masse bekommen, die die schwersten Verunglimpfungen und Verdächtigungen gegen höhere Postbeamte in den Provinzen und in Berlin enthielten, so wie nicht minder gegen mich selbst. Damals las ich sie noch. Es waren Angriffe und Verunglimpfungen meiner Bestrebungen, meiner Ehre, meines guten Namens, Bedrohungen meiner Gesundheit und meines Lebens. Jetzt bin ich so weit, daß ich anonyme Briefe über⸗ haupt nicht mehr lese. Ich habe mich daran gewöhnt, alle eingehen⸗ den Sachen zunächst auf ihre Unterschrift zu prüfen, und wenn eine Unterschrift nicht vorhanden ist, oder es steht vielleicht „Unns pro multis“ darunter, oder, was auch vorgekommen ist, „Unis pro wultus“, in Fällen, wo das Latein ausgegangen war, aber nicht die Schmähsucht, dann wandern diese Briefe un⸗