— Wie bereits gemeldet, sind die Delegirten der deut⸗ schen Regierung zu den Verhandlungen über den neuen
dandelsvertrag. zwischen Oesterreich⸗Ungarn und Re
dem Deutschen Reiche gestern hier eingetroffen. Dieselben wurden, wie die „Presse“ meldet, noch im Laufe des gestrigen
Tages vom Handels⸗Minister Ritter von Chlumecky em⸗
pfangen und werden heute die erste Konferenz mit den Dele⸗
girten der beiderseitigen Regierungen abhalten. — Heute be⸗
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hier die Gesammtberathungen des österreichi⸗
chen Episkopats, die, demselben Blatte zufolge, in erster Reihe die Feststellung der Modalitäten betreffen, unter denen die österreichischen Bischöfe an dem fünfzigjährigen Bischofs⸗ jubiläum des Papstes theilnehmen sollen. Außerdem aber dürften noch andere Gegenstände zur Verhandlung kommen,
darunter hauptsächlich die Frage des ferneren Verhaltens der
Bischöfe gegenüber den Schulgesetzen. Ueber die Dauer der
Konferenzen verlautet nichts Bestimmtes.
16. April. Bei den Gemeinderaths⸗ wahlen aus dem ersten Wahlkörper siegte die liberale Par⸗ tei mit großer Majorität. Die klerikalen Kandidaten brachten es nur auf 11 Stimmen.
Prag, 16. April. Dem Pester Lloyd“ wird von hier
telegraphisch angezeigt, daß die Jungczechen als Demon⸗
stration gegen die vom Prager Katholikentag beschlossene
Adresse an den Papst eine Monstre⸗Adresse an das italienische Volk vorbereiten. In derselben werde die klerikale Manifesta⸗
b
tion desavouirt und der liberale Standpunkt der Bevölkerung Böhmens betont werden.
Pest, 16. April. Wie die „Budap. Corr.“ meldet, hat hier gestern abermals eine Ministerrathssitzung stattge⸗ funden, deren Gegenstand die Ausgleichsvorlagen waren. Das genannte Blatt fügt dem hinzu, daß die Gesetzentwürfe sehr umfangreich sind und daß deren Durchberathung noch mehrere Ministerrathssitzungen in Anspruch nehmen werde.
Schweiz. Chur, 15. April. (N. Zürch. Ztg.) Mit 671 gegen 503 Stimmen hat die Einwohnergemeinde Chur die konservative Verfassungsrevision acceptirt; gleichzeitig
wurde ein Verfassungsrath von 21 Mitgliedern gutgeheißen.
Großbritannien und Irland. London, 16. April.
(E. C.) Die Königin empfing in Osborne den Admiral
Sir James Drummond, der bis jetzt das Kommando der Mittelmeer⸗Flotte geführt hatte. — Am Sonnabend ward der
20 jährige Geburtstag der Prinzessin Beatrice festlich
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Tiefe und eine Größe von 3700 Tons.
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begangen. — Bei dem am 14. d. M. stattgehabten Minister⸗ rathe waren sämmtliche Mitglieder des Kabinets anwesend. — Der deutsche Botschafter Graf Münster kam gestern Abend von Berlin zurück. Auch der französische Botschafter Marquis d'Harcourt ist zurückgekehrt. Der ihn vertretende Mr. Gavard ist zur Berathung über den Handelsvertrag vorgestern nach Paris abgereist. — Auf der Schiffswerft der Gebrüder Samuda in Poplar (London) lief am Sonnabend Nachmittag unter zes eie Betheiligung des Publikums die für die japanische Regie⸗ rung gebaute Panzerfregatte „Foo⸗so“ vom Stapel. Das Schiff hat 220 Fuß Länge, 48 Fuß Breite, 31 Fuß Die Panzerplatten sind 7—9 Zoll dick. Das Schiff hat Kruppsche Geschütze und einen mächtigen Widder. Die Geschwindigkeit soll 13 Knoten die Stunde ausmachen. Nach dem Stapellauf fand ein Fest⸗
mahl statt. — Der Commandeur Henry Sewell ist ge⸗ storben.
Frankreich. Paris, 16. April. Die Regierung be⸗ reitet, wie man der „Köln. Ztg.“ schreibt, ein Gesetz vor, um den Staatsrath zu verstärken. Derselbe besteht aus 22 Mitgliedern im ordentlichen und 15 Mitgliedern im außer⸗ ordentlichen Dienst; die letzteren sind hohe Beamte der ver⸗ schiedenen Ministerien. Der Staatsrath umfaßt vier Sektio⸗
nen: 1) für Streitfragen, 2) für das Innere, die Justiz,
die Kulten, den öffentlichen Unterricht und die schönen Künste, 3) für die Finanzen, den Krieg, die Marine und die Kolonien, 4) für die öffentlichen Arbeiten, den Ackerbau, den Handel und die auswärtigen Angelegenheiten. Diese Eintheilung wurde als ungenügend anerkannt; die Regierungsvorlage be⸗ antragt daher, dem Staatsrath sechs neue Mitglieder zu geben, damit man eine fünfte Sektion bilden könne, die Sektion für Gesetzgebung, die sich mit der Vorbereitung der Ge⸗ setze, welche die Regierung den Kammern vorlegt, oder mit der Prüfung der ihr von den Kammern überwiesenen Anträge beschäftigen würde. — Hr. Thiers feiert heute seinen 80. Ge⸗ burtstag.
Spanien. Madrid, 15. April. (Ag. Hav.) Die Ge⸗ rüchte, die über eine vor der Wiedereröffnung der Cortes mögliche Aenderung im Ministerium verbreitet sind, sind ungenau. — Die ehemaligen Carlistenchefs Dorregaray und Parulo sind in Madrid eingetroffen. — Der König und der Erzherzog und die Erzherzogin Rainer werden sich morgen nach dem Escurial begeben.
Portugal. Oporto, 7. April. (Allg. Ztg.) Die bis⸗ herige Seestation der Vereinigten Staaten von Nordamerika in Nizza ist nach Lissabon verlegt worden. Die Republik unterhandelt augenblicklich über den Ankauf der Zollmagazine am Porto Franco, nahe bei der Torre de Belem, um an diesem für den Verkehr im Tajo sehr günstig gelegenen Punkt ihre Depots anzulegen. Die ameri⸗
kanische Korpette „Alliance“ von 6 Geschützen und 157 Mann Besatzung ist, von Norfolk kommend, in den Gewässern des
Tajo eingetroffen; drei weitere Kriegsschiffe werden nächster Dage erwartet.
Italien. Rom, 15. April. (Ag. Hav.) Die Nachricht bezüglich zweier neuer Banden von Internationalisten ist irrig. Weder in Telesa noch sonstwo ist irgend eine Bande erschienen.
Turin, 16. April. Die Herren Layard und Kennedy sind nach Brindisi abgereist, wo sie sich nach Konstantinopel einschiffen werden.
Türkei. Konstantinopel, 17. April. (W. T. B.) Die Situation ist unverändert; täglich finden Mini⸗ sterrathssitzungen statt. — Es ist davon die Rede, daß die russischen Unterthanen im Falle des Ausbruchs des Krieges ausgewiesen werden sollen.
Varna, 17. April. (W. T. B.) Der türkische Ge⸗ neralstab ist heute zu Schiff hier angekommen, und trifft Vorbereitungen zur Weiterreise nach Rustschuk.
Ru sschut, 17. April. (W. T. B. Der hiesige russische Konsul erhielt den Befehl, sich zur Abreise bereit zu halten. — Der Generalissimus Abdul Kerim Pascha ist in Begleitung Achmed Ejub Paschas hier
8 angekommen und reist morgen nach Silistria weit sind 70 Kruppsche Geschütze hier eingetroffen.
St. Petersburg, 17. April. (W. T. B.) Nach bis⸗ heriger Bestimmung wird der Kaiser seine Reise nach Kischeneff morgen Abend antreten; General Ignatieff wird denselben begleiten.
Kischeneff, 17. April. (W. T. B.) Die von Kon⸗ stantinopel abgereisten montenegrinischen Bevollmäch⸗ tigten werden dem Vernehmen nach vom Kaiser Alexan⸗ der in einer Audienz empfangen werden.
London, 17. April. (W. T. B.) Im Unterhause er⸗ klärte der Unter⸗Staatssekretär Bourke auf eine Anfrage Sandfords, die Neutralität Rumäniens sei weder in dem Pariser Vertrage, noch in anderen Verträgen garantirt. Rumänien, das amtlich Fürstenthum Moldau und Walachei genannt werde, werde in seinen amtlichen Beziehungen zu den anderen Mächten als ein Theil des türkischen Reiches angesehen. .
— (W. T. B.) Das „Reutersche Bureau“ meldet aus Teheran, von einer Absicht Persiens, seine Ansprüche auf Bagdad geltend zu machen, wie sie nach Wiener Mel⸗ dungen der Pforte mitgetheilt sein solle, sei dort nichts be⸗ kannt. Persien habe im Gegentheil, um zu keinerlei Miß⸗ verständnissen Anlaß zu geben, das an der Grenze bei Kar⸗ manschah, nordöstlich von Bagdad, gelegene Feldlager auf⸗ gehoben und die Truppen desselben nach dem Innern des Landes dirigirt.
— 18. April. (W. T. B.) Wie die „Morningpost“ bestätigt, ist der Vermittelungsversuch Oesterreichs in der orientalischen Angelegenheit als gescheitert zu betrachten. Dasselbe Blatt erfährt, der russische Votschafter, Graf Schuwaloff werde, sobald die noch schwebenden Unter⸗ handlungen zu Ende gelangt seien, London aufeinige Zeit verlassen. Dieser Schritt, fügt die „Morningpost“ hinzu, involvire jedoch keinerlei Veränderungen in den Beziehungen zwischen England und Rußland; vielmehr dürfte diese Reise zu einer schließlichen Ver⸗ “ führen. — „Daily News“ empfiehlt eine Be⸗ setzung Konstantinopels durch England, falls Ruß⸗ land Absichten auf dessen Besitz offenbaren sollte. Eine solche Besetzung Konstantinopels durch England dürfe indeß nicht mit dessen Rückgabe an die Türkei enden, wenn die Besetzung im Interesse Englands unternommen worden sei.
Wien, 17. April. (W. T. B.) Korrespondenz“ aus Bukarest gemeldet wird, hat sich der rumänische Ministerrath mit der Frage der Mobilisi⸗ rung der ganzen Armee beschäftigt. General Joan Ghika ist gestern Abend in einer Spezialmission nach Kischeneff abgereist. Ein St. Petersburger Telegramm der⸗ selben Korrespondenz meldet, der russische Geschäfts⸗ träger in Konstantinopel, Staatsrath Nelidoff habe die Weisung erhalten, sich für den 19. d. Mts. zur Abreise von Konstantinopel bereit zu halten.
Bukarest, 17. April. (W. T. B.) Einzelne Abtheilun⸗ gen der russischen Südarmee sind von Kischeneff in der Richtung auf Ungheni vorgerückt.
Rom, 17. April. (W. T. B.) In der Deputirten⸗ kammer kündigte Musolino eine Interpellation an über die Absichten der Regierung angesichts der im Orient ein⸗ getretenen Verwickelungen. Cesaro kündigte gleich⸗
alls eine Interpellation an über die Maßnahmen der Regierung zum Schutze der italienischen Unterthanen falls es zum Kriege käme, sowie darüber, ob die italienische Regierung mit den übrigen Mächten ein Einver⸗ ständniß hinsichtlich der Neutralität Rumäniens getroffen habe. Der Minister des Auswärtigen, Melegari, erklärte, daß er beide Interpellationen am nächsten Montag beantworten werde. — Aus den heute in der Kammer zur Ergänzung des Grünbuchs vertheilten weiteren diplomatischen Aktenstücken geht hervor, daß in dem Momente, wo die Unterzeichnung des Londoner Protokolls durch das englische Abrüstungsverlangen beinahe vereitelt wurde, die italienische Regierung bemüht war, die Schwierigkeit dadurch zu ebnen, daß sie eine spontane Dekla⸗ ration Rußlands anregte. Der in dem Procès verbal aufge⸗ nommene Vorbehalt Italiens wird in einer Devpesche des Ministers des Auswärtigen, Melegari, an den Bot⸗ schafter Menabrea vom 31. v. Mts. dahin erläutert, daß Italien für den Fall, daß England erklären werde, das Protokoll habe, so weit es England angehe, seinen Werth verloren, volle Aktionsfreiheit sich vorbehalten wolle. In einer Depesche Melegari's an den italienischen Geschäfts⸗ träger in Konstantinopel heißt es, Melegari habe bei Empfang des türkischen Rundschreibens dem türkischen Gesandten sein lebhaftes Bedauern über die Entschließung der Pforte aus⸗ gesprochen, welche leider sehr ernste und für die sich an die Erhaltung des Friedens knüpfenden Interessen sehr nachtheilige Folgen haben könne.
Tultscha, 17. April. (W. T. B.) Zwei neue tür⸗ kische Monitors sind an der Donaumündung vor Anker gegangen.
— Dem W. „Fremdenbl.“ wird aus Konstantinopel, 15. April, telegraphirt: Das Kriegs⸗Ministerium ließ die Fe⸗ brikanten in Oesterreich und Deusschland, bei denen es Be⸗ stellungen gemacht hat, ermahnen, schleunigst die Waaren hier⸗ herzusenden, da der Eisenbahnverkehr Rustschuk⸗Krakau schon in den nächsten Tagen eingestellt werden dürfte. Man befürchtet daher hier allgemein, daß der Landpostver⸗ kehr zwischen hier und Wien schon im Laufe dieser Woche sistirt werden dürfte.
— Der W. „Presse“ wird aus Konstantinopel, 16. April, gemeldet: Die bei Bujukdere, im oberen Bosporus ankernde Panzerflotte soll für den Fall des Krieges in zwei Geschwader getheilt werden, wovon das eine nach den Donaumündungen abgehen, das andere zwischen Varna und der Mündung des Bosporus kreuzen würde. — Achmed Vefik Pascha theilte über eine diesbezüglich an ihn gerichtete Anfrage mehreren Deputirten mit, daß die Re⸗ gierung erst in den nächsten Tagen einen Entschluß darüber fassen werde, ob die legislatorische Thätigkeit des Parla⸗ 8 e ö den Fall des Krieges unterbrochen werden soll oder nicht.
— „Daily Telegraph“ meldet vom 14. April: Hobart Pas cha ist zum Oberbefehlshaber des Geschwaders des Schwarzen Meeres ernannt worden, welches 15 Panzer⸗ schiffe enthalten wird.
Wien, 16. April. In hiesigen diplomatischen Kreisen äußert man wieder Friedenshoffnungen; so bemerkte gestern, wie die „Presse“ hört, Aleko Pascha gesprächsweise In⸗ dustriellen gegenüber, „es werde nicht zum Kriege kommen“
(il m'y aura de guerre). 8 ö 11““
Wie der „Politischen
Die „Bud. Corr.“ enthält folgende Depesche: Aus Wien wird uns von bestinformirter Seite telegraphirt: „Die mehrseitig, namentlich in deutschen Blättern, auftauchenden
Meldungen über eine bevorstehende Mobilisirung der
österreichisch⸗ungarischen Armee oder eine eventuelle bewaffnete Intervention Seitens der österreichisch⸗ungarischen
Monarchie, entbehren jeder Begründung und basiren blos auf willkürlichen, der Monarchie feindlichen Kombinatio⸗ nen. Von einer Mobilisirung oder einer Engagirung, in welcher Hinsicht immer, ist absolut keine Rede und ist auch gar keine Nothwendigkeit. Der einzige Fall kann ein⸗ treten, daß wir zur Wahrung unserer gefährdeten In⸗ teressen eventuell in Bosnien einrücken. Die Zahl der bosnischen Flüchtlinge auf dem Gebiete der Monarchie betrug,
nach einer Antwort unseres Aeußeren Amtes auf eine Anfrage Lord „Derby's am 1. April d. J. 110,962. Die Erhaltung dieser größtentheils kränklichen und herabgekommenen Indi⸗
viduen kostet uns monatlich über 300,000 Fl. Wenn nun der Fall eintritt, daß in Folge der neu auflodernden Insur⸗ rektion noch 100,000 Seelen zu uns herüberwandern, und diese Eventualität ist nicht ausgeschlossen, so sind wir geradezu gezwungen, die Grenze mit bewaffneter Macht zu überschreiten und unser eigenes Haus dadurch vor Gefahr zu schützen, daß wir selbst den Brand im Nachbarhause lokalisiren, nachdem wir die Erfahrung gemacht, daß die Nachbarn zu schwach hiezu sind. Es ist damit noch keineswegs gesagt, daß dieser ,8. auch wirklich eintreten wird, aber es werden alle Vor⸗ ehrungen getroffen, daß der Divisionär Graf Szapary im äußersten Nothfalle mit den an der Grenze aufgestellten Truppen in Bosnien einrücke.“
Pest, 16. April. „Ellenör“ erfährt aus „authentischer“ Quelle, daß von einer österreichischen Besetzung Bos⸗ niens als Parallel⸗Aktion mit jener Rußlands und ähnlichen “ verbreiteten Ungeheuerlichkeiten ernstlich nicht die
ede sei.
— Die Sanitäts⸗Administration des osmani⸗ schen Reiches veröffentlicht folgende Mittheilung: „Nach⸗ richten aus Bagdad sprechen von weniger befriedigenden Ge⸗ sundgeitenestendens Vom 1. bis 7. April einschließlich belaufen
ch die von der Pest herrührenden Todesfälle auf 90 gegen 131 von anderen Krankheiten herrührenden. Vielleicht dürfte aber auch ein Theil dieser letzteren auf Rechnung der Pest zu setzen sein. Seit dieser Zeit dürfte sich die Zahl der Todesfälle verdoppelt haben. Doch wehte seitdem Nord⸗ und Ostwind, und die Temperatur ging zur Mittagsstunde nicht über 25 Centi⸗ grade. Im Allgemeinen ist, Bagdad ausgenommen, der Ge⸗ sundheitszustand in Mesopotamien und Bassorah ein guter, und es sind energische Maßregeln ergriffen worden, um die Epidemie auf ihren gegenwärtigen Herd einzuschränken und deren Wirkungen abzuschwächen.“
Paris, 15. April. Telegraphisch wird von hier ge⸗ meldet: Die Pforte hat neuestens ihren Vertretern im Aus⸗ lande die Weisung ertheilt, zu erklären, die osmanische Regiefung bleibe unerschütterlich bei ihren Be⸗ schlüssen bezüglich Montenegros und des Protokolls; wollten die Mächte von Neuem in Unterhandlungen eintreten, so könnte die Konferenz nur in Konstantinopel tagen. Die Pforte begreife nicht, wie Europa so lange an Rußlands friedfertige Gefühle glauben könne, während man doch wissen sollte, daß es nur Krieg im Schilde führe.
— Ueber die gegenwärtige Vertheilung der türkischen Armeen bringt der „Russ. Invalide“ in seiner Nummer vom 12. ds. die folgenden, vom „Journal de. St. Petersbourg“ an der Spitze des Blattes mitgetheilten Nachrichten:
In Bosnien stehen 26 Bataillone, 12 Escadronen, 30 Ge⸗ — mit 19,000 Mann; in der Herzegowina 37 Bataillone mit 24 Geschützen und 24,000 Mann; im Sandschak von Novibazar 14 Bataillone mit 18 Geschützen und 9000 Mann. In Nordalbanien gegen Montenegro 23 Bataillone mit 30 Geschützen und 15,000 Man gegen Griechenland, nämlich in Macedonien, 4 Bataillone mit 6 Geschützen und 3000 Mann; in Thessalien 18 Bataillone, 6 Escadronen mit 18 Geschützen und 13,000 Mann. Das Reserve⸗ Corps bei Sofia und Philippopel beträgt 38 Bataillone mit 25,000 Mann. Die Besatzungstruppen von Konstantinopel und Um gebung sind auf 32 Bataillone, 6 Escadronen und 18 Geschütze mit 22,000 Mann normirt; auf den Inseln im Archipelag befinden sich im Ganzen 14 Bataillone mit 24 Geschützen und 9000 Mann. Bei diesen, wie in den nachfolgenden Angaben sind die Positionsgeschütze in den Festungen nicht mitgerechnet. Die Truppenmenge, welche nach dieser Darstellung den eigentlichen Kriegsschauplätzen gegen Rußland entzogen würde, beträgt also 216 Bataillone, 31 Escadronen mit 168 Geschützen und 139,000 Mann. — In Donau⸗Bulgarien sollen die türkischen Streitkräfte folgendermaßen vertheilt sein: Die 82 mals gegen Serbien verwendete und jest zum größten Theile Widdin konzentrirte Armee beträgt 86 Bataillone, 30 Escadronen mit 150 Geschützen und 61,000 Mann. Davon befinden sich einig Bataillone als Besatzungen in Nisch, Lom⸗Palanka und Belgrad⸗ chik, so daß bei Widdin selbst etwa an 50,000 Mann stehen dürften.
m Rayon zwischen Rahovo, Berkovaz, Tirnovo und Sistow, alf in Mittel⸗Bulgarien, befinden sich 10 Bataillone und 5 Esca dronen mit 7000 Mann; im Festungsviereck Rustschuk⸗Schumla
Varna⸗Silistria 51 Bataillone, 18 Escadronen mit 144 Geschützen
und 37,000 Mann. Zur Vertheidigung Bulgariens zwis der Donau und dem Balkan würden demnach der Pforte an Nizams und Rediss erster und zweiter Klasse nicht mehr 109,000
Mann zu Gebote stehen. (Hierzu käme noch, wenn einmal die Orga- nisation und Bewaffnung der Mustehafis mit 27,000 und der Re⸗
difs dritter Klasse mit 75,000 Mann im ganzen Reiche durchgeführt sein wird, eine Verstärkung von 102,000 Mann, welche aber nicht in ihrer Gesammtheit in Bulgarien auftreten könnten, da ihre Gegen⸗ wart auch auf den westlichen und östlichen Kriegsschauplätzen noth⸗ wendig sein wird.) — In der asiatischen Türkei sollen folgende Streitkräfte versammelt sein: An derrussisch⸗kaukasischen Grenze 80 Bataillone, 24 Escadronen mit 162 Geschützen und 57,000 Mann; an der persischen Grenze 26 Bataillone, 12 Escadronen mit 66 Ge⸗ schützen und 19,000 Mann; in Kurdistan 12 Bataillone mit 8000 Mann, in Syrien 27 Bataillone, 28 Escadronen mit 108 Ge⸗ schützen und 22,000 Mann, in Arabien 20 Bataillone mit 36 Ge⸗ schützen und 14,000 Mann. Somit in Europa: 367 Bataillone, 83 Escadronen, 468 Geschütze, zusammen 248,000 Mann; in Asien: 165 Bataillone, 64 Escadronen und 372 Geschütze, zusammen 120,000 Mann; in Summa: 368,000 Mann. Alles in Allem würden demnach die türkischen Armeen auf allen Kriegstheatern nach vollendeter Organisation und Ausrüstung nicht mehr als 443,000 Mann be⸗ tragen. Der „R. J.“ setzt weiter auseinander, daß die Donaulinie, welche eine Länge von über 800 Kilometer hat, nur von 87,000 Mann vertheidigt wird, so daß auf jeden Kilometer etwas über 100 Mann kommen. Die Reservearmee bei Sofia sei von dem eigent⸗ lichen Kriegsschauplatze nicht weniger als 150 Kilometer, also fast acht Tagemärsche entfernt. In Asien kommen auf die Front von etwa Kilometer 37,000 Mann, also 90 Mann auf einen Kilo⸗ meter. 1 8 — Den „Times“ wird aus Belgrad geschrieben: „Ich vernehme aus Bosnien, daß dort Handel und Industrie durch den Zwangscours des Papiergeldes vollständig darnieder⸗ liegen. Die Insurgentenbanden erhalten beständig Verstär
kungen, Truppen und Artillerie werden nach allen Richtungen geschickt und die kriegerischen Vorbereitungen nehmen ihren ungeschwächten Fortgang. Die Einwohner daß sie nicht recht wissen, ob diese militärische Thätigkeit gegen Montenegro oder gegen Oesterreich gerichtet ist. Da die Regierung ohne Geld ist, so begehren die Behörden Geld und Proviant von den Christen. Diese werden in das Heer gesteckt und nach Asfien geschickt, um, wie die Türken sagen, die Rajah⸗Bevölkerung und damit die Zahl brauchbarer Hülfstruppen bei Ausbreitung des Aufstandes zu vermindern. Der Preis der Proviantartikel, sowie der übrigen Lebensbedürfnisse, ist im beständigen Steigen. In der bos⸗ nischen Hauptstadt wüthet der Typhus und viele Türken ster⸗ ben an diesem Uebel. Man sagt, daß die Sterblichkeit unter der christlichen Bevölkerung nicht so groß ist, wie unter den Türken. Der französische Konsul in Serajewo, Hr. Morreau, befindet sich noch in Brod auf österreichischem Gebiet und es ist keine Aussicht zu seiner Rückkehr nach Serajewo vorhanden.“
— Der „Pol. Korr.“ wird gemeldet:
Ragusa, 16. April. Bei Uteß sind alle herzego⸗ winischen Insurgentenschaaren konzentrirt worden. Suleiman Pascha ist gestern in Gaczko eingetroffen. Seine Armee hat sich gegen Presjeka in Bewegung gesetzt.
Aran⸗Ig April. Am 12. d. M. fanden mehrere Kämpfe bei Topola zwischen den Insurgenten unter Babic und den Türken unter Cengic statt. Der beiderseitige Verlust beträgt 210 Mann.
Cettinje, 8. April. Der „Pol. Korr.“ wird geschrieben:
„Heute haben die Montenegriner aus den ferneren Nahien den Marsch an die Grenze angetreten. Der Fürst scheint abermals den Schwerpunkt der Aktion nach der Herzegowina derlegen zu wollen, indem er 15,000 Mann am Eingange zum Dugapasse zu kon⸗ zentriren beabsichtigt. Bei Medun werden unter dem provisorischen Befehl des Kriegs⸗Ministers Plamenaz, welcher bis zur Rückkehr des Senats⸗Präsidenten Boscho Petrovics diesen vertritt, 11,300 Mann zusammengezogen. Auf einen starken Zuzug neuer Insurgenten⸗ schaaren aus der Herzegowina ist mit Sicherheit zu rechnen. Der Wojwode Stephan Papics, ein angesehener herzegowinischer Insur⸗ gentenchef, sagte dies im Namen der Herzegowiner dem Fürsten zu. — In einem am 2. April an den Czar gerichteten Schreiben sagt Fürst Nikolaus, daß Europa einsehen werde, daß die Monte⸗ negriner ohne Brod und Wasser, ohne Land und Luft nicht leben können. Das Meer ist uns versperrt, fruchtbare Felder haben wir nicht, Anhaltspunkte für einen Handel fehlen und die kahlen Berge erdrücken das arme Volk. Der größte Theil von Ceta und die Brdas können die Leute absolut nicht ernähren. Von den 84 Quadratmeilen, welche Montenegro zählt, sind nur 40 halbwegs zu bewohnen; dieser Flächenraum kann aber unmöglich 193,329 Menschen ernähren. Die Pforte hat uns überdies 1862, als Omer Pascha die nicht ge⸗ rüsteten und unschuldigen Montenegriner überfiel, ganz unmögliche Grenzen aufgenöthigt. Ich wage zu hoffen, sagt der Fürst zum Schlusse, „daß Eure Majestät uns nicht Unrecht geben merde, wenn wir erklären, unter solchen Verhältnissen unser Schicksal dem Schwerte anvertrauen zu wollen.“ Die General⸗ Konsuln der Großmächte, welche in Ragusa residiren, haben eine Note vom Fürsten erhalten, in welcher mit anderen Worten dem⸗ selben Gedanken Ausdruck gegeben wird. — Der Fürst ist entschlossen, bis auf das Aeußerste zu kämpfen. Er wird ein Manifest auch an die Bosnier erlassen, welchen er von nun an seinen Schutz in Aussicht stellen wird. Gestern fand ein großer Kriegsrath im Konak statt, der drei volle Stunden währte. Eine Minorität war für eine Defensive, insolange nicht eine Entscheidung auf russischer Seite er⸗ folgt sei. Die Majorität jedoch war für eine sofortige Offensive, zu welcher die eigenen Mittel sowohl, wie auch die Schwäche des Geg⸗ ners einladen. Die Abreise des Fürsten zur herzegowinischen Grenze soll am 13. April erfolgen. Vukotits hat den Befehl erhalten, Niksies mit 1400 Mann enger zu cerniren. Eine fernere Verpro⸗ viantirung dieser Festung wird unter keiner Bedingung zugelassen
werden.“
Numänien. Bukarest, 17. April. (W. T. B). Es ist Befehl ergangen, alle Depeschen anzuhalten, in welchen Truppenbewegungen signalisirt werden. — Zwischen den Regierungen der Garantiemächte und deren hiesigen diplomatischen Vertretern findet über die der rumänischen Regierung angesichts der bevorstehenden Er⸗ eignisse anzurathende Haltung eine lebhafte Korrespon⸗ denz statt; keine der Garantiemächte hat indeß bis jetzt ihrem Agenten bestimmte Instruktionen ertheilt, auch die rumänische Regierung hat ihre Entschließung noch nicht sormulirt.
Schweden und Norwegen. Stockholm, 15. April. (Hamb. Nachr.) Bei dem großen Interesse, welches der wichtigsten Frage der diesjährigen Session von allen Seiten zu Theil wird, ist es nicht zu verwundern, daß sich die gesammte Presse augenblick⸗ lich ausschließlich mit dem nun vorliegenden Gutachten des Separatausschusses für das Vertheidigungs⸗ wesen beschäftigt. Schon das Zustandckommen dieses Gut⸗ achtens läßt darauf schließen, daß sich nicht nur zwischen den beiden Kammern, sondern auch innerhalb der einzelnen Fraktionen höchst divergirende Ansichten geltend machen werden. Ueber die wichtigsten Punkte war nämlich innerhalb der ge⸗ nannten Kommission eine Einigung nicht zu erzielen, und die Be⸗ schlüsse kamen nur mit einer verschwindend kleinen Majorität zu Stande, die Reservanten gegen die Heeresordnungsvorschläge
ehören der herrschenden Majorität der Zweiten Kammer an,
ind sich jedoch nur darin einig, daß sie gegen die Beschlüsse protestiren, unter ihnen selbst herrscht jedoch, wenn auch der⸗ selben Fraktion angehörig, über die Gestaltung der neuen Armeeorganisation der größte Antagonismus, und jeder der⸗ selben wird in der Kammer seine eigene Ansicht mit allen Kräften vertreten, so daß eine Spaltung innerhalb der Bauernpartei unvermeidlich, eine befriedigende Lösung der Frage aber mehr denn je in Frage gestellt ist. Bekannt⸗ lich bezeichnete die Regierung ihren diesjährigen Heeres⸗ ordnungsvorschlag lediglich als einen Uebergangsvorschlag, von welchem der Uebergang zu der Organisation, wie sie die 1875er Vorlage anstrebt, sowie auch zu einem auf Stamm und Bewehrung basirenden System, leicht zu ermöglichen sei. Der Ausschuß verwahrt sich entschieden dagegen und giebt seine Ansicht, daß der Vorschlag nicht als die Einleitung zu einem reinen Wehrpflichtsgesetz betrachtet werden dürfe, klar zu erkennen und sagt ausdrücklich, daß die 1875er Organisation nicht den Intentionen des Reichstages entspreche. Wegen der Dienstlänge für die Bewehrungsmannschaften war eine Einigung nicht schwer zu erzielen, man war sich allgemein be⸗ wußt, daß in dieser Beziehung etwas geschehen müsse, um unser Vertheidigungswesen zu einem mehr befriedigenden zu gestalten.
Dänemark. Ueber die von der Opposition in Aussicht genommene Steuerverweigerung wird den „Hamb. Nachr.“ aus Kopenhagen geschrieben: „Von den etwa 38 Millionen Kronen Steuern, welche der Staat im Laufe eines Jahres erhebt, sind etwa 30 Millionen indirekte Steuern: Zoll, Stempelpapierabgaben, Abgaben für Erb⸗ 2 11
schaften, für Grundstücke, für Gerichtsarbeiten u. s. w., und diese indirekten Steuern können selbstverständlich ganz unmöglich verweigert werden. Der Staat liefert keine zollpflichtigen Waaren aus, bevor der Zoll erlegt ist, und Diejenigen, welche den Zoll bezahlen sollen, die Kaufleute werden sich wohl hüten, die Zahlung zu verweigern; denn dies würde mit der Feälichn Einstellung ihrer Geschäfte gleichbedeutend sein, wozu wohl Niemand veranlaßt fühlen dürfte. In ähnlicher Weise geht es mit den anderen indirekten Abgaben. Während es somit ganz undenkbar ist, daß irgend Jemand das Bezahlen indirekter Steuern verweigern sollte, könnte es dagegen scheinen, als ob sich dies mit den direkten Steuern thun ließe, und diese Steuern hat man wohl auch im Auge gehabt, als man die Steuerverweigerung anrieth. Aber erstens betragen diese Steuern einen so verschwindenden Theil der Gesammteinnahme des Staates, nämlich nur etwa 8 Mill. Kr., daß es den Gang der Staatsmaschine nicht im Mindesten geniren würde, wenn auch ein Theil dieser Steuern nicht einginge; aber außerdem muß man wohl erinnern, daß die Verweigerung dieser Steuern dem Verweigerer nicht min⸗ der schaden würde als die Verweigerung der indirekten Steuern. Sämmtliche direkten Abgaben lasten nämlich auf festem Eigenthum, entweder in Städten oder auf dem Lande, und in allen Prioritätsobligationen ist die Klausel enthalten, daß das Kapital sofort zur Auszahlung verfallen sein soll, wenn dem betreffenden Eigenthum Steuer⸗ oder Abgabenrestan⸗ ten aufgebürdet werden. Derjenige, welcher Steuern verwei⸗ gern will, muß also wohl bedenken, daß in solchem Falle seine Prioritäten zur Auszahlung verfallen. Sollte sich deshalb Jemand von den verführen lassen, dieses Experiment vorzunehmen, so bedenke er wohl, baf⸗ während ein solcher Schritt die Regierung nicht das Mindeste geniren, er selbst den größten Schaden und Verlust dadurch erleiden würde.“
Amerika. Aus Washington wird dem ‚„Reuterschen Bureau“ unterm 15. d. M. telegraphirt: In amtlichen Kreisen verlautet positiv, die Politik des Präsidenten Hayes in Louisiana werde nicht von der in Süd⸗Carolina adoptirten abweichen. Die Abberufung der Bundestruppen aus New⸗ Orleans wird in Kurzem erwartet. Drei weitere Mitglieder der Legislatur Packards haben sich dem Mr. Nicholls anerken⸗ nenden demokratischen Repräsentantenhause angeschlossen. Letz⸗ teres zählt jetzt 57 Mitglieder des Wahl⸗Comités. Der Gouverneur Hampton hat an Mr. Chamberlains Beamten ein Schreiben gerichtet, worin er sie ersucht, ihre Aemter ihren Nachfolgern zu übergeben, vorbehaltlich der Entscheidung des höchsten Ge⸗ richtshofes, wenn dieses Tribunal durch die Wahl eines Ober⸗ richters — die auf den 24. d. M. anberaumt ist — vollständig wird. — Soweit bis jetzt bestimmt ermittelt worden, haben bei dem Brande des Southern⸗Hotels in St. Louis 12 Personen ihr Leben verloren.
Asien. Aus Kalkutta wird der „Times“ unterm 15. d. M. telegraphirt: „Es hieß zum Beginn voriger Woche, der Emir von Kabul hätte einen anderen Gesandten ab⸗ geschickt, um die durch den Tod des früheren Gesandten unter⸗ brochene Konferenz mit Sir Lewis Pelly wieder aufzunehmen. Der „Pionier“ erklärt jetzt, daß die indische Regierung ent⸗ schlossen sei, die Konferenz abzubrechen und daß der Gesandte und sein Personal ersucht worden seien, sofort das britische Territorium zu verlassen. Dasselbe Journal behauptet, daß dieser plötzliche Wechsel der Politik der Thatsache zuzuschreiben sei, daß der Emir versucht habe, in Kandahar einen religiösen Krieg anzustiften mit der Absicht, die britischen Truppen aus Khelat zu vertreiben.“
Afrika. Aegypten. (A. A. C.) In Ismailia fand am 15. d. M. die feierliche Eröffnung des Süßwasser⸗ kanals, der Cairo, Zagazgi und die Hauptdistrikte des Deltas mit dem Suezkanal im Timsi⸗See verbindet, statt. Der Schiffahrt wird der Kanal indessen erst am 15. August übergeben werden, wenn der Nil hoch ist. Er hat eine gleich⸗ mäßige Tiefe von 11 ½ Fuß und eine Breite von 180 Fuß.
Statistische Nachrichten.
UMeber die Handelsbewegungen in Königsberg liegen statistische Nachrichten vor, denen über den Waaren⸗Eingang und Ausgang im Jahre 1876 die folgenden Daten entnommen sind: Es betrrg u. A. der Eingang an roher Baumwolle 4351 Ctr. (1875: 5897 Ctr.), an Baumwollengarn 19,963 Ctr. (15,894 Ctr.); Branntwein, Rum ꝛc. 54,137 Ctr. (27,220 Ctr.); Roheisen und Brucheisen 63,748 Ctr. (81,420 Ctr.), Stabeisen 65,603 Ctr. (67,096 Ctr.), Eisenbahnschienen 338,635 Ctr. (194,442 Ctr.), Eisen⸗ und Stahldraht 43,217 Ctr. (34,120 Ctr.), grobe und ganz grobe Eisen⸗ und Stahlwaaren 121,498 Ctr. (144,669 Ctr.); Getreide und Hülsenfrüchte 11,058 Ctr. (3297 Ctr.); roher Kaffee 38,052 Ctr. (31,541 Ctr.); Kalk 498,249 Ctr. (296,507 Ctr.); Maschinen und Maschinentheile 20,999 Ctr. (23,486 Ctr.); Petroleum 339,032 Ctr. (265,724 rohe Tabacksblätter 8752 Ctr. (5165 Ctr.); fabri⸗ zirter Taba 1822 Ctr. (1481 Ctr.); Thee 141,197 Ctr. (200,700 Ctr.); Wolle und Shoddy 14,419 Ctr. (11,054 Ctr.); Rohzucker 5 Ctr. (1061 Ctr.), raffinirter Zucker 122,256 Ctr. (83,854 Ctr.) Der Waarenausgang belief sich an Branntwein, Rum ꝛc. auf 1115 Ctr. (1875: 2661 Ctr.); Butter 5298 Ctr. (6524 Ctr.); Roheisen und Brucheisen 2198 Ctr. (119 Ctr.), geschmiedetes und gewalztes Eisen in Stäben 12,907 (5155 Ctr.), Eisenbahnschienen 439,722 Ctr. (239,641 Ctr.), ganz grobe und grobe Eisen⸗ und Stahl⸗ waaren 777,787 Ctr. (56,803 Ctr.); Getreide und Hülsenfrüchte 5,952,849 Ctr. (7,929,423 Ctr.), davon Weizen 1,994,863 Ctr. (2,951,349 Ctr.), Roggen 2,110,662 Ctr. (2,481,506 Ctr.), Mehl und Mühlenfabrikate 34,905 Ctr. (53,447 Ctr.); Thee 139,863 Ctr. (210,626 Ctr.); rohe Wolle 8433 Ctr. (21,676 Ctr.), Shoddy 1744 Ctr. (3764 Ctr.); Zucker 4880 Ctr. (1398 Ctr.). — In Königsberg sind 1876 eingegangen 1362 beladene Schiffe, darunter 340 Dampf⸗ schiffe und 218 Ballastschiffe, davon 60 Dampfschiffe; es sind aus⸗ gelaufen 1459 beladene Schiffe, darunter 376 Dampfschiffe und 74
Ballastschiffe, davon 25 Dampfschiffe.
Kunst, Wissenschaft und Literatur.
Die topographischen Arbeiten der im Zusammenhange mit dem Generalstabe der Armee organisirten preußischen Landesauf⸗ nahme werden sich von jetzt an auch auf das Großherzogthum Mecklenburg⸗Schwerin erstrecken und im Monat Mai d. J. in dem nördlichen Theile des Landes ihren Anfang nehmen.
— Von der zum Handgebrauch für Juristen und Geschäftsleute bestimmten, im Verlage von Carl Heymann herausgegebenen „Textausgabe der Fustizgese pe für das Deutsche Reich“ ist in der kurzen Zeit seit der Publikation der betreffenden Gesetze bereits eine zweite Auflage nöthig geworden. Sie enthält das Ge⸗ richtsverfassungsgesetz, die Civilprozeß⸗, Strafprozeß⸗ und Konkurs⸗ Ordnung nebst den entsprechenden Einführungsgesetzen und zeichnet sich durch Korrektheit, handliches Format und guten Druck bei billigem Preise aus. Jedem einzelnen Gesetze ist ein besonderes, vollständiges Sachregister beigegeben.
— Nach Einsetzung der neuen Central⸗Direktion für die Her⸗ ausgabe der Monumenta Germauiae h'storica wurde bekanntlich zur Beförderung jenes großen Unternehmnens das Neue Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde ins Leben gerufen. Von demfelben ist soeben das 3. Heft des 2. Bandes (Hannover, Hahnsche Buchh.,) erschienen. Dasselbe enthält auß verschiedenen kürzeren Mittheilungen (lomgobardische Personennamen, ungedruckte Grabschriften u. s. w.), folgende drei größere Ab handlungen: 1) Georg Heinrich Pertz und die Monumenta Ger- maniae historica, von 5. Waitz, 2) Beiträge zur Ktritik der Karolingischen Annalen, von E. Dünzelmann; 3) Beiträ Kritik deutscher Geschichtsquellen des 11. Jahrhunderts (die Hilde heimer Annalen, Herimann v. Reichenau und die sog. Epit. Sengall., die verlornen schwäb. Reichsannalen, Wipo und die schwäb. Reichs⸗ annalen) von Harry Breßlau. Besonders intressant ist die Ab⸗ handlung des Prof. Waitz über das Verhältnis Pertz's zu den Monum. Germ. und zu seinen Mitarbeitern; sie nimmt die von Karl Kletke fast ganz nach Archivnachrichten verfaßte, und in den „Deutschen Monatsheften (Bd. V., Th. 2) abgedruckte Geschichte der Monumente zu ihrer Grundlage, dient aber zu deren Ergänzung.
— Der „Imparcial“ meldet den am 7. d. M. in Sevilla erfolgten Tod Cecilia Bohls, der unter dem Namen Fernan Ca⸗ ballero bekannten Schriftstellerin.
— Wie der ‚Russische Regierungs⸗Anzeiger“ mittheilt, sollen Ausgrabungen im Kuban⸗Gebiet und vorzugsweise auf der Halbinsel Taman in Zukunft nur mit Einwilligung der resp. Be⸗
sitzer des Bodens, auf dem die Kurgane u. s. w. gelegen sind, aus⸗ geführt und die den Besitzern durch die Ausgrabungen A. .-v⸗
Verluste voll wiedererstattet werden. 1 5
Land⸗ und Forstwirthschafft.
Aus Bayern lauten die Nachrichten über den Stand des Getreides nach der „C. W.“ sehr günstig; schwache Saaten haben sich den Winter über erholt, und der im vorigen Herbste spärlich aufgegangene Klee hat sich gut bestockt und verspricht eine normale Ernte. Der Raps, wo er nicht in nassen Feldern steht, hat nicht gelitten und steht kräftig und üppig. Die Wiesen sehen besonders gut aus, sie konnten den Winter über gut bewässert werden. Der Futtermangel ist gewichen, an einzelnen Orten wird bereits Gras auf den Wiesen gemäht.
London, 16. April. (E. C.) Die Regierung hat in Bezug auf die Rinderpest laut amtlicher Bekanntmachung vom Freitag einen sehr entscheidenden Schritt gethan. Sie hat die gesammte Leitung der Vernichtungsmaßregeln gegen die Seuche den Orts⸗ behörden abgenommen und selbst ergriffen. Dieser Schritt ist auf Royal das Ersuchen zweier sehr kenntniß⸗ und einflußreichen Vereine, der Agricultural Society und der Shorthorn Society unternommen wor⸗
den. Ueberdies befindet sich die thierärztliche Abtheilung des Ge⸗-
heimrathes in den sicheren Händen wohlgeübter Inspektoren mit dem tüchtigen Professor Brown an der Spitze. So ist denn bestimmt worden, daß jeder verdächtige Fall von Rindererkrankung sofort einem Polizeidiener mitgetheilt werde, der Anzeige machen und die Absendung eines Inspektors erwirken wird. Niemand darf die Krankheitsstätte verlassen, ohne in amtlich für genügend erklär⸗ ter Weise seine Kleider desinfizirt zu haben. Ein zufällig anwesen⸗ der Hund ist an Ort und Stelle zu lassen, Gefäße irgend einer Art, die für Milch gebraucht werden, sind zu desinfiziren, desgleichen der Dünger, welcher darauf zu vernichten ist, der Platz ist unter amt⸗ licher Aufsicht zu reinigen und einzig und allein der Besitzer zuzu⸗ lassen; jedes erkrankte Thier ist in einem eigens für diesen Zweck be⸗ stimmten Wagen fortzuführen. Auf Uebertretung dieser Bestimmun⸗ gen steht schwere Strafe. „Aber“, bemerkt die „Morning⸗Post“ zu diesen Regierungsmaßregeln, ihre Erzwingung wird natürlich außer⸗ ordentlich schwer halten und ein tüchtiger Prüfstein amtlicher Orga⸗ nisation sein. Die Rinderpest herrscht in England seit Mitte Januar und in den letzten drei Monaten haben sich etwa 30 Fälle einzelner Ausbrüche gezeigt. Von diesen sind 22 im Ostende Londons gewesen, einer in Grimsby, sechs in Hull, einer in Shepher;“ Bush und einer in Willesden. Glücklicherweise ist die Krankheit weder von Grimsby noch von Hull aus in das Inland gedrungen. Im Ganzen sind seit Anfang des Jahres etwa 1000 Thiere entweder gestorben oder vorsichtshalber geschlachtet worden, und die jüngsten Erscheinungen in Willesden lassen uns fürchten, daß der Austeckungskeim viel weiter gelangt ist, als man für möglich hielt. Ermuthigend jedoch ist es zu hören, daß durch das unverzügliche Handeln der preußischen Re⸗ gierung die Seuche beinahe, wo nicht völlig, in Deutschland ver⸗ schwunden ist und wir vertrauen darauf, daß die hier zu nehmenden Maßregeln in gleicher Weise erfolgreich sein werden.“ Washington, 17. April. (W. T. B.) Nach dem von dem Bureau für Landwirthschaft erstatteten Berichte ist der Stand der Weizensaat in 218 von 868 Distrikten ein ungünstiger. In den anderen 650 Distrikten ist derselbe durchschnittlich ein guter oder wenigstens ein besserer, als ursprünglich angegeben war, der durch Frost zugefügte Schoden ist weniger erheblich, als sonst. In einzelnen Theilen von Kansas, Nebraska, Texas und Indian nd Heuschrecken aufgetreten und drohen die Ernte zu zerstören.
Gewerbe und Handel.
In der gestrigen Generalversammlung der Kommandit⸗ gesellschaft auf Aktien Ludwig Loewe u. Co. wurden Ge⸗ schäftsbericht und Bilanz einschließlich der auf 10 % festgesetzten Dividende genehmigt und Decharge ertheilt.
— Nach dem Geschäftsbericht der Geraer Bank pro 1876 be⸗ trägt der Bruttogewinn 544,471 ℳ und das Reinerträgniß 155,012 ℳ, aus welchem nach Vorschlag der Verwaltungsorgane eine Dividende von 2 % vertheilt werden soll. Dem Reservefonds kann aus den Erträgnissen von 1876 kein Betrag zufließen, der Fonds beträgt unverändert 540,313 ℳ Die von der Geraer Bank zu ver⸗ waltende Landrentenbank für das Fürstenthum Reuß j. L. geht vom 1. Januar 1877 ab auf den Staat über, und das darin investirte Kapital (Ende 1876 794,495 ℳ) ge⸗ langt zur Rückzahlung, wogegen die Bank sich verpflichtet, die verfügbaren Gelder des Staates, sowie der Fürstlichen Sparkasse — letztere bis zur Höhe von 300,000 ℳ — nach wie vor mit 4 % zu verzinsen, dem Fürstlichen Regierungs⸗Kommissar die bisherige Remuneration von 1500 ℳ auch in Zukunft zu gewähren, die Sparkasse, sowie andere Fürstliche Aemter bis 1879 miethefrei in den Räumen des Bankgebäudes zu belassen, sowie endlich der Staats⸗ regierung, anstatt des ihr nach Präkludirung der Banknoten der
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Geraer Bank statutengemäß zu überweisenden Viertheils der nicht zur Einlösung gelangten Summe die Hälfte derselben bis zur Maximalhöhe von 30,000 ℳ, zu milden Stiftungen zu überweisen. Auf der Tagesordnung der bevorstehenden Generalversammlung be⸗ findet sich der Antrag, alle etwa noch vorkommenden Banknoten auch⸗
ferner einzulösen.
Verkehrs⸗Anstalten.
Rom, 11. April. (H. N.) In Folge eines vom Ministerium mit dem Hause Florio & Co. in Palermo abgeschlossenen Vertrages wird alle acht Tage ein Dampfschiff von Brindisi nach der Levante abgehen, welches den direkten Verkehr mit Griechenlar. d und der Türkei vermetteln soll. 8
— (A A. C.) Die Anglo⸗Amerikanische Telegraphen⸗ Gesellschaft vertheilt für das am 31. März abgelaufene Quartal eine Interims⸗Dividende von 10 Schillingen auf die Stamm⸗Aktien und, von 20 Schillingen auf die Prioritäts⸗Aktien. Die Gesellschaft zeigt om, daß vom 1. Mai ab der Tarif von 3 Schillingen pro Wort wieder in Kraft tritt. — Eine ähnliche Anzeige hat die Direct United States EEEEEö erlassen.
— Aus Alexandria wird dem „Standard“ gemelder, daß die Uebertaxre der Suezkanalzölle am 13. April, wie vedungen worden, um einen halben Frank herxabgesetzt worden isst.
Piymouth, 17. Abril. (T. X. B.) Der Hamburger
Postdampfer „Cimbria“ ist von New⸗York hier eingetroffen. 88