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1 Man kann wohl sagen, die Kolonisation des Weichsel⸗ deltas ist der größte Erfolg, welchen die Landeskultur Preu⸗ ßens der Thätigkeit des deutschen Ritterordens zu verdanken hat. Die dreißig Quadratmeilen Landes, welche die Niede⸗ rung umfaßt, gehören seit der Mitte des 14. Jahrhunderts zu den fruchtbarsten Gegenden, die der preußische Grundbesitzer bebaut. Erst durch die Regulirung der Weichsel wurde ferner das Binnenland von Ost⸗ und Westpreußen mit dem Meere in unmittelbare Verbindung gebracht und dadurch dem Welt⸗ verkehr eröffnet. Die merkantilen Verhältnisse, die sich hieraus ergaben, haben den Wohlstand des Bürgerthums in den Städten des Deltas erzeugt: die große Rolle, die Danzig in der Handelsgeschichte der Ostsee gespielt hat, beruht vornehm⸗ lich darauf, daß es durch die Schiffbarmachung der Weichsel ermöglicht wurde, die Handelserzeugnisse des slavischen Ostens, aus Polen und felbst aus Rußland, hierherzuschaffen, wo sie dann in dem Hafen des nordischen Venedigs den Schiffen der Hanseaten zum überseeischen Vertriebe nach allen Himmels⸗ gegenden überlassen wurden.
Allein so folgewichtig und kulturhistorisch bedeutsam das Unternehmen auch war, so zählt der Anbau der Niederungen doch in die Neche derjenigen Schöpfungen kolonisatorischer Arbeit, die keinem der nachlebenden Geschlechter den rauhen und sorgenvollen Kampf mit den schwer besiegbaren Mächten der Natur erspart haben. Wenn je, so findet das Wort des Dichters: „Denn die Elemente hassen das Gebild der Men⸗ schenhand“ — seine Anwendung auf die Marschen an der Weichsel, wo oft an einem unheilschweren Tage, in einer stür⸗ mischen Nacht die Wogen der Hochfluth oder der Uebersturz der Eismassen die Früchte jahrelanger mühevoller Arbeit un⸗ rettbarer Zerstörung 5 Opfer bringen.
Ein Blick auf die Karte zeigt, daß die Weichsel, nach⸗ dem sie ungetheilten Laufes an die Niederungen heran⸗ getreten ist, etwa zehn Meilen von der See, an einer Landzunge, die den Namen der Montauer Spitze führt, sich in zwei Arme spaltet, von denen der östliche an Marien⸗ burg und Elbing vorüber in das Frische Haff fließt: die Nogat; während der andere, der Hauptstrom, der die Bezeichnung der Weichsel beibehält, die westliche Richtung einschlägt und sich etwa vier Meilen von der Meeresküste noch einmal theilt, so daß der rechte Nebenarm, die Elbinger Weichsel, sich ebenfalls in das Frische Haff ergießt, der linke dagegen, die Danziger Weichsel, mit zwei Nugflüfen bei Neufähr und Neufahrwasser in die Ostsee mündet.
Diese Theilung der Wasserstraßen ist nun aber keines⸗ wegs zu allen Zeiten die gleiche gewesen. Die Mündung der Danziger Weichsel bei Neufähr z. B. ist erst vor noch nicht vierzig Jahren entstanden, als in der Nacht zum 1. Februar 1840 das Meer die Dünen durchbrach und da⸗ durch dem Flusse plötzlich diesen Ausgang zum Meere öffnete. Auch das Verhältniß zwischen Weichsel und Nogat hat im Laufe der Jahrhunderte große Umgestaltungen erfahren. Noch heute erkennt man das Flußbett der alten Rogat, die in ganz anderer Richtung floß als jetzt, und verschiedene Umstände scheinen dafür zu sprechen, daß die heutige Nogat bis tief in das Mittelalter hinein entweder überhaupt nicht mit der Weichsel in direkter Verbindung gestanden hat, oder jedenfalls nur un⸗ bedeutende Zuflüsse von derselben empfing. Noch um die Mitte des 15. Jahrhunderts war die Wcsermasse der Nogat so gering, daß die Anlage eines Kanals nothwendig wurde, durch den ein Theil des Weichselwassers hierher abgeleitet werden sollte, weil die Bürger von Elbing und Marienburg 2 85 Stande waren, ihre Schiffe den Fluß herunter zu
gen.
Die Elbinger, die das Aufblühen des Danziger Handels mit Neid sahen, begannen schon im Jahre 1483 durch künstliche Bauten am Theilungspunkte der Weichsel, der Montauer Spitze, die Strömung des Flusses mehr nach der Seite der Nogat hinüberzuleiten. Die Danziger rächten sich, indem sie durch eine Durchstechung der Landzunge dem Strome wieder die entgegengesetzte Richtung zu geben suchten. Langer Streit zwischen den beiden Städten war die Folge davon: am polnischen Hofe wurde die Sache zu Gunsten Elbings entschieden; im Jahre 1554 erließ König Sigismund den Befehl, daß die Erdwerke, durch welche Danzig das Flußbett der Nogat an der Einmündung in die Weichsel verengt hatte, wieder beseitigt würden.
So unbedeutend diese Vorgänge an sich auch sein mögen, so hat die historische Forschung in ihnen doch
den ersten Anlaß für die unnatürliche Verzweigung des Flußnetzes, die mit der Zeit in dem Weichsel⸗
delta um sich griff, zu erblicken. Wenige Jahrzehnte genügten
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um die Theilung der Gewässer thatsächlich so zu verändern, daß die größere Masse des Wasserstromes aus der unge⸗ theilten Weichsel sich in die Nogat ergoß. Zahlreiche Ueber⸗ schwemmungen waren die Folge davon. Der polnische Reichs⸗ tag traf endlich im Jahre 1613 eine Bestimmung, nach welcher die Theilung des Stromes fortan so geregelt werden sollte, daß zwei Drittel des Wassers durch die Weichsel, ein Drittel durch die Nogat dem Meere zugeführt würden. Allein die Deformation der Natur war durch solche Beschlüsse nicht wieder aufzuheben; das Einzige, was hier hätte helfen können, wäre eine gründliche Regulirung des Flusses gewesen. Die Zustände blieben jedoch wie sie waren, bis Westpreußen im Jahre 1772 mit der Monarchie Friedrichs des Großen ver⸗ einigt wurde.
Man besitzt noch den Bericht des ersten Beamten, den der große König bald nach der Besitzergreifung Westpreußens in die Niederungen entsandte, um sich ein Bild von der Lage derselben zu verschaffen. Er ist erstaunt über den Zustand der Verwahrlosung, der sich seinen Blicken dar⸗ bot. In dem ganzen Nogatthal hatten sich die Ufer durch häufige Ueberschwemmungen gesenkt; das Flußbett war über das Doppelte seines natürlichen Profils ausge⸗ treten; das angrenzende Land war von den Bewohnern preisgegeben worden; an vielen Stellen waren die Dämme überhaupt verschwunden, seit vierzig Jahren und länger nicht mehr erneuert; zwei Drittel von der Gesammtmasse des Weichselstromes wurde an der Montauer Spitze in die weit⸗ geöffneten Mündungen der Nogat getrieben, während die Weichsel kaum mehr mit Schiffen befahren werden konnte und dem Versanden nahe war. „Diese Unordnung“, sagt der Berichterstatter, „auf einmal zu verbessern, ist eine gänz⸗ liche Unmöglichkeit, denn die Unordnung, welche die Natur in ihrer Freiheit verursacht, kann auch durch vernünftige An⸗ stalten erst in einer Reihe von Jahren verbessert werden.“
In Bezug auf die Eindeichung des Landes wurden schon bis zum Jahre 1786 mancherlei Verbesserungen vorgenommen. Eine ganz neue Epoche aber begann, als Danzig im Jahre 1793 ein Glied des preußischen Staates wurde. Wenn man einmal die Aufgabe lösen würde, mit Hülfe der reichlich vor⸗ handenen Materialien die ununterbrochene Folge der großen Bauten im Stromgebiet der Weichsel von König Friedrich Wilhelm II. an bis auf unsere Tage in einer geschichtlichen Darstellung zusammenzufassen, so würde Jedermann zu der Einsicht gelangen, daß diese Arbeiten eines der glänzendsten, aber auch eines der schwierigsten Kapitel in der Geschichte der preußischen Landeskultur bezeichnen.
König Friedrich Wilhelm II. erwarb sich das große
Berdienst, zunächst die Grundzüge für die Regulirung des ganzen Stromnetzes feststellen zu lassen.
Niemand aber hat den Unternehmungen an der Weichsel ein lebhafteres Interesse zugewendet, als König Friedrich Wilhelm III. In der tiefblickenden Gründlichkeit, die ihm eigen war, dem strengen Sinn für die Realität der Dinge, erkannte der König, daß die Interessen der Niederungen nur durch die gänzliche Abkehr von den bisherigen Zuständen sicher gestellt werden könnten. In ihren anziehenden Denkwürdigkeiten erzählt die Gräfin Voß, die Freundin der Königin Luise, die treue Schaffnerin des König⸗ lichen Hauses, daß König Friedrich Wilhelm mit seiner Gemahlin auf der Reise zur Huldigung nach Königsberg im Juni 1798 Danzig und die Nogatgegenden besucht habe. Große Projekte sind schon damals entworfen worden. Es liegt ein Immediat⸗ bericht des Ministers von Schrötter vor, worin die damalige Lage der Niederungen, mit allen Uebelständen, die sich bemerk lich machten, beleuchtet und die Probleme der großartigen Auf⸗ gaben, deren Ausführung die nächsten Jahrzehnte in Anspruch genommen hat, aus den beherrschenden Gesichtspunkten gründlichster Fachkenntniß entwickelt werden.
Vornehmlich waren es immer zwei Gesichtspunkte, auf welche die Staatsregierung ihr Augenmerk gerichtet hielt. Der eine, die Erweiterung des Strombettes der Weichsel, die Wieder⸗ herstellung der Flußfahrt nach Danzig; der andere, die Aus⸗ führung großer Wasserbauten zum Schutze der Nogatufer. Wenn der erste dieser Zwecke nur durch die Ueberwindung der größten technischen Schwierigkeiten zu erreichen war, — es braucht nur an die Durchstechung der Montauer Spitze bei Pickel erinnert zu werden, — so traten bei den Anlagen an der Nogat außer diesem Moment noch die elementaren Hindernisse hinzu, die in der Natur des Weichselstromes ihren Grund haben.
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Seit König Friedrich Wilhelm III. war die preußische Regierung bestrebt, diesem Uebelstande durch Sicherheitsbauten Abhülfe zu schaffen. Es ist zu diesem Zwecke auf dem linken Ufer der Nogat, Elbing gegenüber, eine Bucht im Lande aus⸗ getieft worden, die sogenannte Einlage, welche die Bestimmung hat, bei hohem Wasserstande im Frühjahr einen Theil der Fluth in sich aufzunehmen. Tritt das Hochwasser ein, so wird diese Bucht, die zum Schutz des Landes mit hohen Dünen um geben ist, an gewissen Punkten, die man Ueberfälle nennt, geöffnet: Eis und Wasser finden hier ihren Abfluß. Schon in den Jahren 1801 bis 1806 ist an diesen Erdwerken gearbeitet worden, dann seit 1815 bis in die zwanziger Jahre und später, und mit vollem Recht hat man dieselben als eine der zweckmäßigsten Veranstaltungen zum Schutze der Niederung ansehen dürfen, denn so lange diese Gebiete unter preußischer Herrschaft stehen, also ein volles Jarhundert hindurch, bis zum Jahre 1876, ist hier niemals ein Durch⸗
bruch der Dämme erfolgt.
Bis zum Jahre 1876! Denn da wollte es das Geschick, aß grade diese Stelle der Nogat von einer schweren Kata⸗
strophe heimgesucht werden sollte. Nur in großen Zügen soll
an den Verlauf des unglücklichen Ereignisses erinnert werden. Bei den abnormen Witterungsverhältnissen dieses Winters rat der Eisgang auf der Weichsel und Nogat, den sonst erst das Frühjahr zu bringen pflegt, bereits im Dezember ein. Im November hatten sich die Flüsse mit Eis bedeckt; plötzliches Thauwetter löste die Eisdecke auf der oberen ungetheilten Weichsel, das herabkommende Hochwasser warf die Eismassen haupt⸗ sächlich in die Nogat, hier aber fanden sie keinen Ausweg, weil das Haff noch sest gefroren war und auch die Ueber fälle der Einlage durch Stopfungen des Eises, das sich davor gelagert hatte, versperrt wurden. Am 14. Dezember Mittags erfolgte der erste Durchbruch bei dem Dorfe Zeyer; die ent fesselte Fluth überschwemmte das Dorf, riß einige Gebäude nit sich fort, zum Glück ohne daß Menschenleben davon be⸗ roffen worden wären. Die Deichgenossen waren sogleich an ie nun zumeist gefährdete Stelle des rechten Nogat Ufers, die Deiche bei dem Dorfe Fischerskampe, geeilt um diesen Punkt mit äußerster Anstrengung zu vertheidit gen. In der Morgenfrühe des 17. Dezembers jedoch wurden die Erdwerke vom Wasser unterwühlt und der Damm brach zusammen. Die Niederung zwischen der Nogat, dem Elbing⸗ fluß und der Fahrstraße nach Marienburg war damit unrett⸗ bar der Ueberfluthung anheim gefallen. Der höchste Moment der Gefahr trat ein, als auch die Marienburg⸗Elbinger Straße, die so angelegt ist, daß sie zugleich als Schutzdeich für die Niederung und für den dahinter gelegenen Bahnkörper der Ostbahn dient, an einer Stelle sich unter dem Anprall des Wassers senkte. Wäre die Fluth weiter vorgedrungen, so vwürde die Zerstörung des Eisenbahndammes kaum zu verhin dern gewesen sein. Zum Glück aber gelang es den vereinten Bemühungen der Staatsbehörden und der Deichverbände, dem verheerenden Element hier siegreichen Widerstand entgegenzu setzen. In der Verhandlung, die am 24. Januar 1877 im Ab geordnetenhause stattfand, hat die Königliche Staatsregierung ngezeigt, daß umfassende Arbeiten zum Schutze der Nie⸗ derungen in der Vorbereitung begriffen sinrd.
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Keine der alten Städte unsers Vaterlandes ist vielleicht in den letzten Jahren in Bild und Wort mehr genannt und der wanderlustigen Menschheit mehr als Reiseziel empfohlen worden, als Rothenburg ob der Tauber. Jahrhunderte lang an dieser ehrwürdigen Stadt begangenes Unrecht wird ge⸗ sühnt; wie aus langer Vergessenheit holt man diese Perle⸗ deutscher Städte hervor und findet erstaunten Auges, daß ihr wenige gleichen an Glanz und Schöne; Künstler und viele derer, die das zwar selbst nicht sind, aber ein Herz haben für des Vaterlandes Geschichte und Erinnerungen, einen hellen Blick für landschaftliche Schönheit und Lieblichkeit — kommen mit jedem Jahr in zahlreicheren Schaaren zum Ufer der Tau⸗ ber, um in der es krönenden, mauerumgürteten, thurmreichen Stadt jenes Beides in schöner Einigung zu finden. So dür⸗ fen wir auch nicht zögern, sie in die Reihe deutscher Kultur⸗ und Städtebilder aufzunehmen, diese Stadt, die ein so erfahrener Kenner in diesen Dingen, wie Riehl, „die alterthümlichste“ nennt unter denen, „die er kenne“, der einst der poeta laureatus, der unglückliche Kaspar Bruchius, der, gleich dem griechischen Dichter Ibykus von Korinth, in Angesicht des Gegenstands seiner Huldigung, unter Mörder⸗ händen fiel, ein begeistertes Loblied sang, und von der schon der alte Sebastian Münster, dieser treffliche Vermittler von Bildern entschwundener Zeiten, geschrieben hat, daß sie „gar lustig und hübsch sei“, und „umb sich ein fruchtbaren Boden der Wein und Korn genug trage, habe.“
Keine der ehemaligen freien deutschen Reichsstädte, selbst Nürn⸗ verg und Augsburg nicht ausgenommen, stand einst so macht⸗ gebietend, reich und ansehnlich da, wie Rothenburg, keine aber auch hat von den neuen Verhältnissen, in die beim Zusam⸗ menbruch des alten Reichs alle einst unmittelbaren Munizipien sich fügen mußten, so wenig —r gezogen, im Gegentheil so viel Schädigung erlitten, als Rothenburg. Dank dem in seinen Bürgern aus den alten Zeiten immer noch vorhan⸗ denen rührigen und thätigen Gemeinsinn ist es ihm jedoch gelungen, immer mehr den Bann jener ungünstigen Verhält⸗ nisse zu brechen und sich zu immer größerem, von Jahr zu Jahr merkbaren Erblühen und Gedeihen aufzuschwingen. Ist
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„ 8 „ 7 was bald zu hoffen ist, die jetzt schon Rothenburg mit der München⸗Würzburger Schienenstraße verbindende Vizinaleisen⸗ bahn einmal weiter gebaut, so kann es ihm an weiterer Ent⸗ wickelung nicht fehlen. Wir haben Rothenburg als mittel⸗ alterliche Stadt, als eine Prachtausgabe altdeutscher Baukunst ins Auge zu fassen.
Wer mit der Eisenbahn zu ihm kommt, gewahrt zuerst wenig von dergleichen; wie es modernen Verkehrswegen ge⸗ bührt, treten ja uns an der Rothenburger Stadtmarkung auch zuerst moderne Bauten entgegen; selbst die Gegend, durch die der Zug fährt, läßt vorab nichts von dem romantischen Reize merken, der das Tauberthal bekleiden soll, denn wir nahen auf der Ebene und ahnen hier noch nichts von der Tiese, in welche auf der andern Seite der steinerne Gürtel der alten Reichsstadt abfällt. Aber bald treten die Zeugen und ehr⸗ würdigen Gebilde der früheren Jahrhunderte heran: das Röderthor oder der „weiße Thurm“ mit seinem prächtigen Erker können uns den Zugang zu ihnen vermitteln, und stehen wir nun auf dem Markte, im Angesicht des wunderherrlichen Rathhauses, mit seinem schlanken, schwindelnd aufsteigenden, phantasievollen Thurm und den es umgebenden Bauten, so hat uns der ganze Zauber umfangen, der es Einem in Rothen⸗ burg anthut. Fast Haus für Haus ist hier unserer Aufmerk⸗ samkeit würdig. Gleich hinter dem schönen großen Röhren⸗ brunnen, aus dem die Statue des h. Georg sich heraushebt
*
8 8 — . 2 dem sog. Herterichsbrunnen, um welchen einst am Bartholomäus⸗
tage jeden Jahres die aus ganz Franken festlich zusammen⸗ gekommenen Schäfer den Reigen führten, sieht man ein hohes altersgraues Haus, unbewohnt, im Innern halb zerstört. Auf dem Grund des „ültesten Rathshauses“ erbaut, war es das spätere „Fleischhaus, wo allein die Metzger ihre Waare ver⸗ kaufen durften“, während seine oberen Gelasse dazu dienten, für „Freud und Hochzeiten“ zu Tanz und Spiel sich zu öff⸗ nen. Auch das „Brodhaus“ steht nicht weit ab, der ehrsamen Bäckergilde Kaufhall. Hier finden sich die „Herren⸗Trinkstube“ der alten Rathsherren, nachbarlich dieser gesellt das Gasthaus zum Lamm, in welchem die schon erwähnten Schäfer an ihrem Jahrestag fröhliches Gelage hielten, und das zum „Greifen“ das lang schon diesen Schild führt, einst aber des hochan ehn⸗ lichen, unglücklichen Bürgermeisters Heinrich Toppler Eigen
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