8 —
mit, daß die Universität ihren gesetzlichen Wirkungskreis über⸗ schritten habe.
zehn Tage suspendirte.
ung schloß und die weiteren Verhandlungen auf vier⸗ izung schloß Motivirt wird die Suspendirung da⸗
Schweiz. Bern, 19. September. Die Regierung hat, nachdem der Große Rath, wie gemeldet, und zwar mit
129 gegen 27 Stimmen (der Ultramontanen) die von ihr ver⸗
langte Demission verweigert, sich zur Weiterführung der
Geschäfte bereit erklärt. r ungsrevision unter Namensaufruf mit 96
gegen 81 Stimmen für dringlich erklärt und an eine Fünf⸗
1
(E. C) Die Königin und die Prinzessin
Der Große Rath hat den Antrag
zehnerkommission gewiesen, die in der nächsten Session Bericht erstatten soll.
f i und Irland. London 19. September. Großbritannien und J Vatee börie estern von Loch Maree nach Schloß Balmoral zurück. — . Staatssekretär des Innern, Mr. Croß, hat sich als
dienstthuender Minister an das Königliche Hoflager begeben.
Das Panzerschiff „Téméraire“ hat seine Maschinen⸗ proben 8 fehs 81 nens ee ae “ mittlere eschwindigkeit stellte sich auf 14 ⅞ Knoten⸗ . mses 29 (W. T. B.) Der russische Bot⸗ schafter, Graf Schuwaloff, ist zu Lord Derby nach Knowsley gereist. e. 1 . 31. August. (Reuters Bureau.) In een Kattyawar, Kandeish, Berar, Bellary und anderen Orten, wo die Dürre sehr groß gewesen, ist Regen gefallen, und hegt man Hoffnungen auf einen ziemlichen Ernteertrag. Der Bau mwollexport von Bombay hat gänzlich aufgehört, da die Eisenbahn ausschließlich für den Transport von Lebensmitteln verwendet wird. Der tür⸗ kische Gesandte, der in Folge eines Ruhranfalles in Pindi aufgehalten wurde, ist in Peschawur angekommen. Der Emir von Afghanistan hat 100 Mann unter Ali Mussid abgesandt, welche ihm als Eskorte nach Cabul dienen sollen. Afrika. (A. A. C.) Die neueste westafrikanische Post bringt aus Cape Coast Castle die Nachricht von der Ver⸗ ftung des Königs und der Königin D'Jabin Seitens der britischen Behörden. Das Herrscherpaar hatte sich bemüht, seine eigenen Unterthanen, sowie mehrere Nachbarstämme zu einem Kriege gegen die Aschantis unter dem Vorgeben auf⸗ zuwiegeln, daß es von der englischen Regierung unterstützt würde. 8 Australien. Melbourne, 7. August. (A. A. C.) Die von Sir W. F. Jervais für die Vertheidigung von Hobson Bai vorgeschlagenen Maßregeln betreffen die Be⸗ estigung der Kanäle mit einer Linie durch Batterien geschützter orpedos, sowie die Bildung einer kleinen aber tüchtigen Landmacht. Die Kosten sind, einschließlich des Baues einer Eisenbahn von Geelong nach Queenscliffe, auf 300,000 Pfd. Sterl. mit einer jährlichen Ausgabe von 73,000 Pfd. Sterl. veranschlagt. Die Telegraphenverbindung mit West⸗ Australien und King Georges Sund ist bis zur Eucla⸗Grenz⸗ ansiedelung hergestellt. rankreich. Paris, 21. September. (W. T. B.) Der Na schall 1.. Panhon ist gestern Abend nach seinem Schlosse La Foret abgereist. — Gestern fanden Berathun⸗ en der hier anwesenden Vertreter der vereinigten Linken statt. Eine Einigung über eine Antwort auf das Manifest des Marschalls Mac Mahon wurde noch nicht erzielt, da es große Schwierigkeiten bietet, dieses Dothreene
1 e „Néepublique so abzufgenge tlicht eine Art Manifest an das fran⸗
bösische Volk, welches nach der Mittheilung des genannten
Blattes das Werk einer Anzahl ehemaliger Deputirter von Paris und aus den Departements, von den verschiedenen Gruppen der republikanischen Partei, ist. Der Form nach ist das Aktenstück ein genaues Gegenstück zu dem Manifeste Mac Mahons und beantwortet dasselbe Punkt für Punkt.
Türkei. Konstantinopel, 20. September. (W. T. B.) Der österreichische Botschafter, Graf Zichy, ; heute von dem Sultan in Privataudienz empfangen.
— (W. T. B.) Aus Belgrad wird dem „N. W. Tagebl.“ vom 21. gemeldet: Die Milizen sind in ihre Heimath entlassen, an der Grenze sind nur 8 Bataillone zurückgeblieben. — Aus Semlin wird demselben Blatte ge⸗
meldet: Die Partei von Karageorgewitsch hat Tausende
von Proklamationen verbreitet, die gegen den Fürsten Milan gerichtet sind. 8 8
Rumänien. Bukarest, 20. September. (W. T. B. Die Grenadiere und Dragoner der russischen Garde 190 heute hier durchpassirt. — Heute fand in der Hauptkirche in Anwesenheit der Fürstin, des Reichskanzlers Fürsten Gortscha⸗ voff, aes Gö See 8 des russischen General⸗ onsuls, Baron Stuart, ein Trauergottesdienst fü die Gefallenen statt. 8 1“
Rußland und Polen. Warschau, 16. September. Die Rinderpest, deren Ausbruch unlängst gemeldet wurde*), verbreitet sich in hiesiger Stadt. Vier daran erkrankte Thiere sind nebst zehn verdächtigen neuerdings getödtet worden.
Schweden und Norwegen. Stockholm, 19. Sep⸗ tember. (H. N.) e Peregens Sesreier Akerman 68 zum schwedisch⸗ norwegischen Minister⸗Residenten in Madrid ernannt worden. — Die neuen Festungsanlagen bei „Oxedybet“ sollen, einer Generalordre vom 11. d. M.
zufolge, „Oscar Frederiks Borg“ genannt werden. — Ueber
den General⸗Major Rosensvärd schreibt der „Stockholm. Korresp.“, daß er als einer der tüchtigsten Offiziere der Armee anerkannt und Mitglied einer früheren Armee⸗Kommission und derjenigen Kommission gewesen ist, welche den Heeres⸗ ordnungsvorschlag von 1875 prüfte, sowie ferner, daß er in
den beiden letzten Reichstagsversammlungen als Vize⸗Präsi in der Ersten Kammer fungirt hat. 8 b
Dänemark. Kopenhagen, 15. September. Der zum 1. Oktober einberufene Reichstag soll nicht nur den Entwurf des Staatsbudgets pro 1878/79 berathen und ge⸗ nehmigen, sondern nachträglich auch noch das von der Regie⸗ rung einseitig, ohne Zustimmung des Reichstages erlassene provisorische Finanzgesetz (Staatsbudget) pro 1877/78 sank⸗ tioniren. Die allgemeine Ansicht geht, wie man dem „Hamb. Corr.“ schreibt, dahin, d aß der Reichstag, oder richtiger die oppositionelle Majorität des Folkethings in die Berathung des
udgetentwurfs pro 1878/79 garnicht eintreten wird, so lange
.“) conf. Nr. 215 des Reichs⸗Anzeigers.
das provisorische Budget des lau enden Finanzjahres nicht die im Eeres. — 1.1 Sanktion des Reichstages er⸗ halten hat. Diese wird von der entscheidenden Opposition aber nachträglich so wenig wie vorher ertheilt werden. Die bevorfteh Session wird somit nicht von langer Dauer sein, da der Regierung unter solchen Umständen kaum etwas an⸗ deres übrig bleibt, als den Reichsta mit oder ohne Auflösung des widerspenstigen Folkethings zu chließen.
Amerika. Washington, 18. September. (Reuters Bureau.) Der Präsident Hayes hat vor einer großen Versammlung in Louisville eine Rede gehalten, in welcher er die Nothwendigkeit der Eintracht, der Versöhnlichkeit und des Gehorsams gegen die Verfassung betonte. Die Rede wurde mit stürmischem Beifall aufgenommen. Der Präsident stellte Mr. Wade Hampton der Versammlung vor, worauf eine Scene ungewöhnlicher Begeisterung entstand. Mr. Hamp⸗ ton beglückwünschte die Einwohner von Louisville zu der Groß⸗ artigkeit des dem Präsidenten bereiteten Empfanges, welcher eige, daß sie einen Mann anerkennen, der, obwohl er von ihnen in politischen Dingen abweiche, über Parteigefühle er⸗ haben, seine Pflicht dem Lande gegenüber thue. Der Redner fügte hinzu, daß er als Südländer komme, um den Präsi⸗ denten Hayes auf südlichem Boden zu bewillkommnen und ihm zu danken für seine Akte der Güte und Versöhnlichkeit, für die Suüd⸗Carolina erwiesene Gerechtigkeit, sowie für den Frie⸗ den und die Wohlfahrt, die er dem ganzen Lande gegeben. Er versprach dem Präsidenten einen gleich warmen Empfang in Süd⸗Carolina. Der Rede Mr. Hamptons folgte anhalten⸗ der Beifall. Auch von den Senatoren Schurz, Mr. Cravy, Thompson und Key wurden Reden gehalten und gut aufge⸗ nommen. Mr. Emarts erklärte, daß der Präsident die letzten Merkmale der Spaltung, welche der Bürgerkrieg zurückgelassen, hinweggewischt habe. Am Abend hielt der Präsident Hayes einen glänzenden Empfang, der von Vertretern aller Parteien besucht wurde. — Die Bundestruppen unter dem General Sturgis hatten am 14. d. M. ein Gefecht mit den Nez Perces⸗Indianern am Yellowstone⸗Flusse. Viele Indianer blieben todt auf dem Platze, und 1000 ihrer Pferde wurden erbeutet. Der Verlust der Truppen ist geringfügig. Mexiko. (A. A. C.) Aus Mexiko meldet der ameri⸗ kanische Konsul zu Guaymas (in Sonora) unter dem 31. August, daß die Legislatur von Sonorag am 2. Juli den seitherigen militärischen Kommandanten des Staates, Vincent Mariscal, zum Gouverneur eingesetzt hat. Am 15. Juli er⸗ schien der General Huerta in Begleitung des früheren Gouver⸗ neurs von Sonora, Generals Pasquiera, mit 200 Mann Bundestruppen zu Guaymas, um die letzte Staatswahl zu untersuchen. Er ist ermächtigt, dieselbe zu annulliren, wenn die Lage der Dinge es erfordern sollte. Weitere 600 Mann Bundestruppen sind auf dem Wege nach Guaymas. — Der in Havana am 5. September von Vera Cruz eingetroffene englische Postdampfer hat dier folgenden, bis zum 31. August reichenden Nachrichten aus der Stadt Mexiko über⸗ bracht: Die Autorität des Präsidenten Diaz wird, wie es scheint, im ganzen Lande respektirt. Sämmtliche sexikaner, Diejenigen ausgenommen, welche Aemter suchen und von der Revolution leben, erkennen die Festigkeit des Präsidenten an. Gomez Palacio, ein Mitglied des Iglesiasschen Kabinets, ist unbelästigt nach Durango zu⸗ rückgekehrt und wird die Diazsche Regierung unterstützen. Man erwarteteHalesi. as. Asngt'ewekbenn. — Der General äanuel Gonzales wurde nach Tepic geschickt, um die dor⸗ tigen Unruhen zu unterdrücken. Nach einer Depesche aus San Diego ist der Grenzdistrikt von Unterkalifornien in revolutionärem Zustande. 50 bewaffnete Männer erschienen in La Frontera, um sich der von der Bundesregierung ver⸗ fügten Wiedereinsetzung der vertriebenen obersten Beamten des Municipal⸗Distrikts zu widersetzen. Mehrere Anhänger 88 döbreren haben aus Furcht, ermordet zu werden, die Flucht rgriffen.
Der russisch⸗türkische Krieg.
Europäischer Kriegsschauplatz. Konstantinopel, 20. September. (W. T. B.) Nach hier eingegangenen Na richten aus Schumla vom heutigen Tage rückt die Armee Mehemed Ali Paschas langsam auf dem rechten Ufer des Banika⸗Lom gegen Kopriva vor; das 12. russische Corps hat das Gebiet von Domaglie und Beclime bis nach Monastir hin besetzt; eine Division des 13. Corps befindet sich in Balanbanlar, die übrigen Divisionen stehen westlich von Kopriva und Cairkoi, das 11. Corps bei Osman⸗ bazar. Außerdem haben die Russen Buzotsa und Cervitza besetzt. Cerkowna soll von dem Prinzen Hassan besetzt worden sein. Konstantinopel, 20. September. (W. T. B.) Nach ier eingegangenen Nachrichten dauern die Kämpfe vor lewna und im Schipkapaß fort. Türkische Journale wollen von einem Erfolge wissen, den Osman Pascha jüngst bei Plewna errungen haben soll. Ebenso wird von Zeitungen berichtet, daß Chesket Pascha von Orhanie nach Lowtscha vor⸗ gerückt sei, und daß das Corps Mehemed Ali Paschas in geringer Entfernung von Biela stehe. Offizielle Nachrichten liegen hierüber nicht vor.
Wien, 20. September. (W. T. B.) Die „Polit. Korr.“ meldet aus Bukarest von heute: Die Aktionen 1a Plewna beschränken sich keineswegs auf ein kontinuirliches Bombarde⸗ ment auf die türkischen Positionen, welches die Türken schwach erwidern, vielmehr haben seit dem 17. d. mehrere anderweitige Artilleriekämpfe stattgefunden. Namentlich wurden in der Nacht vom 17. zum 18. d. von größeren türkischen Kolonnen mehrere Ausfälle gegen die Redoute von Grivica gemacht, welche unter bedeutenden Verlusten für die Türken zurück⸗ geschlagen wurden. Dagegen mißglückte ein am Nachmittag des 18. d. von den Rumänen gemachter Versuch, die größte türkische Redoute vor Plewna zu überrumpeln, die Rumänen wurden mit einem Verlust von etwa 300 Mann in die Re⸗ doute von Grivica zurückgeworfen.
Wien, 20. September. (W. T. B.) Telegramm des N. W. Tageblatt“ aus Gornji Studen vom 18. d. M.: Plewna wird von den Russen und Rumänen fortwäh⸗ rend bombardirt und ist derart cernirt, daß die Iimag. von Lebensmitteln und Munition abgeschnitten ist. Die Türken lassen das Bombardement wegen Mangel an Mu⸗ nition unerwidert. — Der Kampf, in welchem die Russen
den Nikolaiberg im Schipkapasse wiedernahmen, dauerte 9 Stunden. Von den Türken wurden 2000 Todte auf dem
latze gelassen. — Der bei den russischen Truppen vor lewna befindliche österreichische
kreuz erhalten.
Wien, 21. September. (W. T. B.) Telegramm der 8
„Presse“ aus Bu karest: Am 18. d. fanden einige unbedeu⸗ Pressce agt. statt. — Die Vortruppen Suleiman Paschas
aben im Schipkapaß einen erfolglosen Vorstoß gemacht. — 8 gb russisches Kavallerie⸗Streifcorps hat ein Detachement
Osman Paschas am Iskerflusse Aurnckgeschlagen London, 21. September. ( espo
der „Times“ im russischen Hauptquartier von Gornji Studen meldet über die Situation von Plewna unter dem 19. d. auf Grund einer von ihm persönlich vorgenommenen Besichti⸗ gung der russischen Positionen: Die russisch⸗rumänische Armee nimmt eine Linie ein, die sich von Grivica rechts bis nach Tatschenitza links hinüberzieht. Bei Grivica sind die Ru⸗ mänen mittelst Sappen bis auf 250 ards zu einer zweiten Redoute vorgedrungen, welche wahrscheinlich in einigen Tagen fallen wird. Weiter links von Grivica steht das 9. Corps des Generals Krüdener, das seit der Schlacht vom 11. d. zu⸗ nächst durch das 4. Corps des Generals Zotoff verstärkt ist. Numerisch stark reduzirt steht auf der äußersten Linken das Corps des Fürsten Imeretinsky. be⸗ stehend aus der 2. Division und der 4. Schützenbrigade,
sowie den Trümmern des Skobeleffschen Corps. Der
Verlust desselben am 11. und 12. d. M. betrug 60 Prozent. Die Russen beschießen unausgesetzt mit 320 Geschützen die türkischen Werke, von denen das Feuer kaum erwidert wird. Es heißt, bei den Türken sei die Munition. sehr knapp. Die Russen haben sich längs ihrer ganzen Linie stark ver⸗ schanzt und dicht oberhalb Radischowo eine starke Feld⸗ redoute aufgeworfen. Die russische Armee zählt einschließlich der Verstärkungen 50,000 Mann, die türkische Armee wird auf 60,000 bis 80,000 Mann mit 140 Geschützen geschätzt.
— Aus Bukarest, 18. September, meldet die „Pol. Korr.“: Seit heute passiren die russischen Garde⸗Kaval⸗ lerieregimenter nebst den Batterien der Garde-Artillerie durch Bukarest, woselbst sie von General Gurko besichtigt werden und unverzüglich weiter nach Bulgarien rücken. Auch General Skobeleff weilt momentan in Bukarest, wo er seine Ernennung zum General⸗Lieutenant und Kommandanten der 13. vor Plewna stehenden Infanterie⸗Division erhalten hat. In diesem Augenblick ist die Redoute von Grivica ausschließlich von rumänischen Infanterie⸗Divisionen und Ar⸗ tillerie besetzt. 1
— Aus Adrianopel, 5. September, meldet dasselbe Blatt: Wie gewaltig die Kämpfe im Schipkapasse ge⸗ wesen sind, davon giebt die überaus große Zahl von Ver⸗ wundeten Zeugniß, welche täglich von Philippopel. hier ein⸗ treffen. Bis jete konnte man koͤnstatiren, daß seit vier Tagen beiläufig 6000 Verwundete hier anlangten, von welchen der größte Theil nach mehrtägigem Aufenthalte nach Konstan⸗ tinopel geschickt wird, um anderen nachkommenden Platz zu machen. Es ist aber auch Thatsache, daß sich in Philippopel noch etwa 4⸗ bis 5000 Verwundete befinden. Rechnet man noch die in Kasanlik ohne jede Pflege liegenden 5000 Verwun⸗ deten hinzu, so erhält man die Summe von 16,000 Mann, welche die Armee Suleiman Paschas an Verwundeten eingebüßt
at. Die Zahl der Gefallenen wird hier mindestens auf 5000. Fchrn⸗
— Wiener „Presse“ rumänischer Seite geschrieben:
„Gestatten Sie, eine Behauptung zu berichtigen, die sich ohne Zweifel aus Irrthum sowohl in die ersten russischen Berichte, als auch in viele Zeitungen eingeschlichen hat. Man sagte nämlich, daß sechs russische und ein einziges rumänisches Bataillon an der Er⸗ oberung der Griwitza⸗Redoute theilgenommen hätte. Diese Angaben sind unrichtig. Das Corps, welches sich dieser wichtigen Position bemächtigte, bestand aus zwei russischen Regimentern, acht Bataillonen, und aus zwölf rumänischen Bataillonen. So lautet auch der Bericht des rumänischen Generalstabes, der in dem „Monitorul“ publizirt wurde. Auch beweist die Zahl unserer Verluste, daß an dem Griwitz⸗Kampfe mehr als ein rumänisches Bataillon theil⸗ genommen hat.“
— In einem Artikel über die Kriegsereignisse in Bulgarien spenden die „Times“ zunächst Osman Pascha großes Lohb dafür, daß er eine offene Stadt wie Plewna so rasch in eine surchtbare Festung zu verwandeln wußte und dann so kraftvoll vertheidigte.
„Dennoch — fährt das Blatt fort — wäre es eine voreilige, wenn nicht ganz und gar irrthümliche Annahme, zu meinen, daß das Mißlingen des russischen Angriffes auf Plewna ein sicheres Vorzeichen für das Aufgeben der Offensive von Seiten der Russen, wenn auch nur im jetzigen Feldzuge, sei. Jetzt ihre schließliche Nieder⸗ lage vorauszusagen, wäre ein eben so vorschnelles Ur⸗ theil, als es die Vorausverkündigung des unzweifelhaften Sieges nach dem glücklichen Donau⸗Uebergange gewesen. Im Kriege giebt es manche Zufälle und es ist noch kein Wunder nöthig, um den Sieg wieder an die russischen Fahnen zu knüpfen, denn die Russen haben eine Mittelstellung zwischen den getrennten Armeen ihrer Gegner inne und dieser Vortheil berechtigt sie noch zu Hoffnungen. Wenn Osman Pascha nicht stark genug ist, um aus seinen Linien heraus zum Arngriffe gegen die Russen vorzugehen, so kommt es jetzt darauf an, ob Mehemed Ali, welcher in den letzten Tagen wieder weiter vorgedrun⸗ gen ist, den Großfürsten⸗Thronfolger vor der Ankunft der Garde und des Armee⸗Corps von Wilna überwältigen kann. Gelingt ihm das, dann wird die Stellung der russischen Armeen in Bulgarien eine sehr kritische; daß sie nicht jetzt schon kritischer ist, als es wirklich der Fall, verdankt man dem verkehrten Eigensinne Suleiman Paschas. Hätte dieser, statt tausende von tapferen Soldaten in Angriffen im Schipka⸗ passe zu opfern, sich rechts gewendet und Mehemed Ali angeschlossen, so hätte dieser mit aller Kraft von Rasgrad aus auf den linken Flü⸗ seh der Armee des Thronfolgers an der Donau drücken und die russi⸗ chen Verbindungen an ihrem verwundbarsten Punkte bedrohen kön⸗ nen. So aber wurde dem Thronfolger e gelassen, die Stellung bei Biela einzunehmen und herzurichten; kann er dieselbe halten, bis die Verstärkungen über die Donau sind, dann mag die Zeit zum Schlagen wiederkehren, und wir dürften dann wieder vom Deit znm
der russischen Armeen hören.“ — Von der Armee des Großfürsten Thron⸗
folgers berichtet ein Korrespondent der „Daily News“ aus Biela, 12. Se denbee, u. A.:
8b ahr ist es, daß die russischen Truppen, weit entfernt, durch den mit aller Sorgfalt, ohne Ueberstürzung “ Rückzug entmuthigt zu sein, voll Vertrauens sind und ihre gute Laune nicht verloren haben. Wer si an des Kaisers Krönungstage, am 11., gesehen hätte, würde keinen weiteren Beweis für die Spannkraft ihrer Stimmung gefordert haben. Es war gleich der Feier eines großen Sieges, und unmöglich konnte man es für einen Tag des Rückzuges halten. Die Vortheile der neuen Stellung der Truppen des Zarewitsch, sowohl für Offensive wie Defensive sind einleuchtend. In 2 Stunden kann sie jetzt abgeritten werden. Die ganze Linie ist verkürzt auf die Strecke von Biela nach Trstenik. Auf der
wird von „maßgebender“
Linken ist Pyrgos aufgegeben und die dortige Fähre abgebrochen. Die
*
Militär⸗Attache, Hauptmann Bolla, hat vom Kaiser von Rußland das Geoorgs⸗
T. B.) Der Korrespondent
2
Russen halten Mecka am Strome inne. Das Hauptquartier des 12. Corp ist in Jaly⸗Ablanova, 10 englische Meilen westlich von Trstenik und bei dem Dorfe Balin an der Donau, wo eine neue Fähre nach Petroschani eingerichtet worden. Die Vorposten von
rstenik erstrecken sich bis nach Cernica und Buzooka und decken so die ganze Straße zwischen Trstenik und Biela. Der Zarewitsch ist in dem kleinen Dorfe Monastir an der Straße, 5 englische Meilen nörd⸗ lich von Biela. Verstärkungen treffen täglich ein, Kosakenregimenter frisch vom Ufer des Don, in ausgezeichneter Verfassung. Die Straßewird auf alle Fälle gehalten werden. Der Stellung der Truppen und den zahlreichen Erdwerken nach zu urtheilen, ist das Heer nun in der Lage, jedem fernern Vormarsche der Türken zu widerstehen und wird selbst wahrscheinlich eine Vorwärtsbewegung nur bis zum Eintreffen aller Verstärkungen hinausschieben.“
— Der bei Suleimans Corps befindliche Korrespon⸗ dent der „Times“ meldet in einem von Syra aus am 16. d. beförderten Telegramm u. A.:
„Unter den Offizieren in dem Corps Suleiman Paschas herrscht übrigens die größte Verwirrung und Unzufriedenheit. Sonn⸗ abend war ich anwesend bei dem heftigen Geschützkampf zwischen den türkischen und russischen Befestigungen. Die Stellung der Russen erscheint von dieser Seite aus uneinnehmbar. Suleiman sitzt den ganzen Tag in seinem Zelt und schickt ohne erkennbaren Plan oder Methode seine Truppen vor, damit sie zerschmettert und zerrissen werden. Es ist fürchterlich zu sehen, wie diese braven Leute zu Tau⸗ senden von den Shrapnels vernichtet werden. Schon lange ist Fieber im Lager ausgebrochen und jedes Haus in Kasanlik ist ein Spital. Der ganze Ort ist mit Fieberdunst erfüllt. Ich sah 4000 Ver⸗ wundete daselbst an mir vorübertransportiren. Durch die ganze Gegend vom Schipkapaß bis Jeni⸗Sagra kann man nur mit Kampher im Munde reiten Leichname liegen längs der Straßen, in den Feldern und Gärten. In Jeni Sagra befanden sich in einer Entfernung von einigen hundert Fuß von unserm Zelt vier⸗ bis sechshundert unbeerdigte Leichen seit der Schlacht, die vor einigen Wochen daselbst stattgefunden. Ich fragte fast alle Türken, mit denen ich zusammenkam — Männer, Frauen und Kinder — nach dem Verhalten der Russen, und mit einer einzigen Ausnahme erklärten alle diese Leute, von denen viele in russischer Gefangen⸗ schaft gewesen waren, daß die Russen keine Grausamkeiten begangen haben. Drei Kosaken waren wohl bei der Schlächterei in einem Dorfe anwesend, aber Niemand war im Stande, zu sagen, daß sie daran theilgenommen. Von einem Kollegen erfuhr ich folgenden Fall: Ein Weib wurde verwundet nach Schumla gebracht und diesem Korrespondenten gezeigt; sie bekannte ihm, daß sie von Bulgaren und nicht von Kosaken überfallen, jedoch angewiesen worden sei, zu sagen, es seien Kosaken gewesen. .. ☚
2☛ — *
— (W. T. B.) Aus Kattaro wird der „Polit. Korresp.“ gemeldet, seit dem 18. d. M. seien auch die tür⸗ kischen Blockhäuser in und am Dugapasse in die Hände der Montenegriner gefallen, nachdem den kapitulirenden Be⸗ satzungen derselben freier Abzug nach Stolatz bewilligt worden sei. Ebenso sei den türkischen Familien in Bilek freies Ge⸗ leite nach Stolatz gewährt worden. Die Montenegriner be⸗ absichtigten, ihre Operationen zunächst gegen Korjenic und dann gegen Trebinje zu richten.
— (W. T. B.) Aus Cettinje wird dem „N. W. Tageblatt“ vom 21. telegraphirt: Bei dem zunehmenden Mangel an Lebensmitteln, der schon in vier Nahien Opfer an Menschenleben gekostet hat, sind die Slavencomités in Rußland um Zusendung von Getreide und Geld ersucht worden. 240 Aufständische aus Bosnien haben sich dem Kaimakam von Banjaluka unterworfen, aus Serbien sind ebenfalls 120 ge⸗ flohene Familien zurückgekehrt. . 11“
Asiatischer Kriegsschauplatz.
Konstantinopel, 20. September. (W. T. B.) Ein Telegramm Ismail Paschas meldet, daß eine türkische Ko⸗ onne sich der Höhen bei dem russischen Dorfe Halefgi, in der
E“ des russischen Lagers von Igdyr, bemächtigt
. In dem Kampfe um dieselben hätten die Russen nam⸗
hafte Verluste erlitten.
Nr. 56 de's „Amtsblatts der Deutschen Reichs⸗Post⸗ und Telegraphenverwaltung“ hat folgenden Inhalt: Ver⸗ fügungen: Vom 19. September 1877: Verbot der Einführung von Trauben ꝛc. nach der Schweiz. — Vom 17. September: Bezug des Bestellgeldes für Zeitungen, welche im Wechselverkehr mit Bayern und Württemberg überwiesen werden. — Vom 19. September: Packet⸗ Leitzettel. — Vom 18. September: Schluß der Post⸗Dampfschiff⸗ fahrten auf der Linie Frederikshavn⸗Christianssand. — Vom 15. Sep⸗ tember: Aenderung in der Aufstellung der statistischen Nachweisung über den Postauftragsverkehr und über die Porto⸗Einnahme.
1.
Statistische Nachrichten.
Nach Mittheilung des statischen Bureaus der Stadt Berlin sind bei den hiesigen Standes⸗Aemtern in der Woche vom 9. September bis inkl. 15. September cr. zur Anmeldung gekommen: b Feelhesenen. 857 Lebendgeborene, 31 Todtgeborene, 565 Sterbefälle.
— Die polytechnische Schule zu Hannover ist in dem Studien⸗Jahre 1876/77 — vom Beginn des Winter⸗Semesters bis zum Schluß des Sommer⸗Semesters — von 837 Studirenden be⸗ sucht worden. Darunter befanden sich 572 Studirende aus dem Kö⸗ nigreich Preußen, und zwar: aus der Provinz Hannover 289, aus Hessen⸗Nassau 31, aus der Rheinprovinz 25, aus Provinz Westfalen 50, aus Schleswig⸗Holstein 51, aus Pommern 6, aus Sachsen 52, aus Brandenburg 18, aus Schlesien 23, aus Posen 13, aus Preußen 14. Aus den übrigen Ländern Deutschlands hatten sich im Ganzen 175 Studirende eingefunden, darunter aus Mecklenburg 35, aus Hamburg 31, aus Oldenburg 29, aus Sachsen⸗Weimar⸗Eisenach 11, aus Sachsen 7, aus Braunschweig 15, aus Bremen 12, aus Lübeck 5. — Interessant ist die Zahl der Besucher aus den außerdeutschen Ländern; dieselbe betrug 90 und vertheilt sich auf die einzelnen Län⸗ der wie folgt: Belgien 1, Niederlande 16, Dänemark 3, England 7, Norwegen 15, Oesterreich 3, Rußland 12, Schweiz 3, Spanien 2, Portugal (Agoren) 1, Türkei 3, Nordamerika 14, Argentinische Re⸗ publik 1, Brasilien 3, Neu⸗Granada 1, Peru 2, Uruguay 1, Java (Asien) 1, Japan 1.
Straßburg, 16. September. (A. Z.) Die Eisenbahnen in Elsaß⸗Lothringen und Luxemburg haben im Jahre 1876: 9,011,424 Personen und 5,543,985 Tonnen Güter befördert. Es wurden zugleich 31,745 Achsen Vieh transportirt. Die Einnahmen beliefen sich auf 35,908,087 ℳ In 1875 wurden befördert: Per⸗ sonen 8,886,775, Güter 5,731,649 Tonnen und 26,775 Achsen Vieh. Die Einnahmen beliefen sich auf 35,125,008 ℳ, was also für das Jahr 1876 ein Mehr von 783,072 ℳ ergiebt. Für den Personen⸗ verkehr wurden 9,129,171 ℳ gegen 9,082,599 ℳ, und für den Güter⸗ verkehr einschließlich des Viehtransports 24,252,360 ℳ gegen 23,891,173 ℳ in 1875 vereinnahmt. Die Ausgaben wurden verhält⸗ nißmäßig sehr bedeutend verringert, so daß jetzt die Jahresrente, die anfänglich kaum 1 % betrug, auf 3 ½ % gestiegen ist und ein weiterer Fortschritt zu gewärtigen steht.
Kunst, Wissenschaft und Literatur.
Am 5. d. Mts. starb in Helsingfors der Professor der Theologie A. V. Ingman, welcher sich als Bibelübersetzer und „Erklärer einen Namen erworben hat.
— Florentiner Blätter melden, daß der Bildhauer Professor Enrico Pazzi eine den Fürsten von Serbien, Michael Obrenowitsch, darstellende zwölf Meter hohe Reiterstatue vollendet und öffent⸗ lich ausgestellt hat, und daß dieselbe allgemeine Anerkennung findet.
—.,„Vom Indischen Ozean bis zum Goldlande⸗ ist der Titel eines uns vorliegenden, bei Theob. Grieben hierselbst erschienenen Werkes, in welchem der Professor an der Königlichen Gewerbe⸗Akademie hierselbst, Dr. H. W. Vogel seine in vier Welttheilen gesam⸗ melten Beobachtungen und Erlebnisse schildert. Die G legenheit dazu haben ihm vi r große Reisen geboten, zu denen er als Autorität auf dem Gebiete der hotographie eingeladen wurde, nämlich die wissen⸗ schaftliche Expedition der astronomischen Gesellschaft zur Beobachtung der großen Sonnenfinsterniß vom 18. August 1868 in Aden, die Reise zu dem photographischen Kongreß in Cleveland in Nordamerika im Sommer 1870, die englische wissenschaftliche Expedition nach den Nicobaren zur Beobachtung der Sonnenfinsterniß vom 16. April 1874 und die Reise zur Weltausstellung in Philadelphia 1876. Die wissenschaftlichen Resultate dieser seiner Reisen hat der Verfasser bereits früher in verschiedenen bbe veröffentlicht, dieselben werden deshalb hier nur kurz, aber anschaulich, zum Theil mit Hülfe von Illustrationen, skizzirt, dagegen die allgemeinen Reiseeindrücke um so ausführlicher geschildert. Um ein Bild von der Fülle des Unterhaltenden und Belehrenden zu geben, das hier geboten wird, genügen die Kapitelüberschriften, die wir hier folgen lassen: 1) Reise nach Aden in Süd⸗Arabien und Egypten. Nach Alexandrien. 36 Stunden in Egypten. Die Fahrt durch das Rothe Meer. 3 Wochen in des Teufels Punschkessel. Rückreise nach Suez und Besuch des Suezkanals. Cairo und die Pyramiden. Nach Sakarah. Von Sakarah bis Denderah. heben und die Rückreise. 2) Die erste Reise nach Amerika: Die Seereise und der Aufenthalt in New⸗York. Nach Philadelphia und Cleveland. Chicago. Cin⸗ cinnati und St. Louis. Der Niagarafall und der Lorenzstrom. Die weißen Berge, Saratoga und Boston. Reisen im amerikanischen Osten and Heimkehr. 3) Reise nach den Nicobaren im Indischen Ozean: Ueber Venedig nach Suez und Aden. Aden, der Indische Ozean und Ceylon. Nach den Nicobaren. Auf der Insel Camorta. Die Sonnenfinsterniß und die Abreise. Calcutta. Zehn Stunden in Madras. Die Rückreise. 4) Die zweite Reise nach Amerika: Nach Philadelphia. Aus dem Leben und Treiben in Philadelphia. Die Union⸗Pacificbahn. Bei den Mormonen. Die Central⸗Paecific⸗ bahn. San Francisco. San José und die Quecksilberminen. Die Riesenbäume. Das Yosamitethal. — Am Schlusse gelangt der Ver⸗ fasser übrigens, trotz seiner von liebevollem und eingehendem Interesse
8
11“
zeugenden Schilderungen, zu dem bemerkenswerthen Geständniß, 5 jede seiner Reisen dazu beigetragen habe, sein Vaterland nur noch höher zu schätzen.
Land⸗ und Forstwirthschaft.
Im Verlage von Julius Springer hierselbst erschien vor Kurzem der erste Theil von dem Forst⸗ und Jagd⸗Kalender für das Deutsche Reich auf das Jahr 1878, sechster Jahr⸗ sang, früher herausgegeben von F. W. Schneider, mit Unter⸗ tützung von praktischen Forstmännern fortgeführt von H. Behm. Dieser bis jetzt erschienene erste Theil des Kalenders enthält ein vollständiges Kalendarium, einen Wirthschafts⸗, Jagd⸗ und Fischerei⸗ Kalender, geschäftliche Formulare und Hülfstabellen, welche dem praktischen Forst⸗ und Jagdmanne für seinen Beruf und seine Thätigkeit von Werth sind. Wie der Herausgeber im Vorworte be⸗ merkt, haben die Hülfstafeln durch den Beistand von Fachmännern wesentlich vermehrt, bezw. erweitert und verbessert werden können. Der sorgfältig ausgestattete, handliche Kalender wird somit auch in diesem neuen Fahrgang den Forst⸗ und Waidmännern willkommen sein. Der zweite Theil soll Ende November ausgegeben werden.
Stockholm, 18. September. In ganz Mittelschweden hat in der Nacht vom Montag zu Dienstag starker Frost den noch im Felde stehenden Saaten erheblich geschadet.
Gewerbe und Handel. 8 1
Dresden, 15. September. Der Dresdner Kunstgewerbe⸗ verein hatte seiner Zeit eine allgemeine Konkurrenz für einen Stuhl, ein Tapetenmuster und einen Leuchter ausgeschrieben. Es sind nun 115 Konkurrenzarbeiten ausgestellt. Von denselben wurden, der „Allg. Ztg.“ zufolge, prämiirt: Für den Stubhl: I. Preis Herren Ihne und Stegmüller, Architekten, Berlin. II. Preis Herren Girard und Reh⸗ länder, Architekten, Wien. III. Preis Hr. Otto Fritsche, München. Ferner 5 Anerkennungsdiplome. Für das Tapetenmuster: I. Preis gr. Otto Malke, Masterzeichner, Dresden. II. Preis Frl. Helen
uttig, Zeichenlehrerin, Stettin. Ferner 2 Diplome. Für den Leuchter: I. Preis Hr. Paul Stotz, Stuttgart. II. Preis Hr. Otto Fröhlich, Hanau. Ferner 3 Diplome. Der Besuch der Ausstellung dieser Arbeiten im Parterre der Königlich sächsischen Kunstgewerbe⸗- schule ist ein sehr zahlreicher.
Bremen, 19. September. (Wes. Ztg.) Die Bremische Handelsflotte ist dieser Tage wieder durch mehrere große Segel schiffe vermehrt worden. Vor einigen Tagen ist das für die Fiem Fritze und Gerdes bei der Aktiengesellschaft „Weser“ erbaute Schiff „Kaiser Wilhelm“ vom Stapel gelassen, in Liverpool kürzlich das Schiff „Marie Siedenburg“ von der Firma Siedenburg, Wendt und Co. angekauft worden, und gestern hat das der Firma D. H. Wätjen und Co. gehörende neue Vollschiff „Kaiser“ seine erste Reise via England nach Hong⸗ kong angetreten. Der „Kaiser“ ist auf der Werfte des Schiffsbaumeisters H. F. Ulrichs in Bremerhaven gebaut und hat eine Ladefähigkeit von 1800 Tons; das Schiff ist daher unter der bedeutenden Anzahl von Segelschiffen, welche die Firma D. H. Wätjen besitzt, das größte (gleichzeitig auch das größte, welches bis jetzt auf jener bekannten Werft gebaut ist); es zeichnet sich sowohl durch schöne Formen, als durch solide Bauart aus. Am 1. Januar d. J. bestand die Wätjensche Segelschiffsflotte, wohl die bedeutendste in Deutschland, aus 39 Fahrzeugen, 5 Vollschiffen und 34 Barken, von zusammen 34,367 Tons. Von diesen Schiffen ist die Bark „Galveston“ von 619 Registertons in dem Sturme am 30. Januar durch Strandung auf Terschelling und das Voll⸗ schiff „E. F. Gabain“ von 1383 Registertoens am 9. Mai bei dem Erdbeben an der Westküste Südamerikas bei Pabellon de Pica ver⸗ loren gegangen. Dagegen ist die Flotte durch das Vollschiff „Kaiser“ von 1241 Registertons vermehrt worden, während sich in Glasgow noch zwei Barken im Bau befinden, die unter dem Namen „Visurgis“ und „Lesmona“ fahren und voraussichtlich noch im Laufe dieses Jahres vollendet sein werden. Nach Fertigstellung dieser beiden Schiffe wird die Wätiensche Flotte also aus 40 Fahrzeugen, und snrar aus 28 hölzernen, 10 eisernen und 2 Kompositionsschiffen be⸗
ehen.
— Nach aus Odessa eingegangenen Nachrichten ist daselbst die Rinderpest ausgebrochen.
— Wie man der „Leipz. Ztg.“ schreibt, sind in der niederlän⸗ dischen Provinz Limburg wiederum Steinkohlenlager entdeckt worden, und zwar bei Craubeek, wo jetzt die Bohrungen eifrig fortgesetzt werden.
London, 20. September. (W. T. B.) Wollauktion war Capwolle etwas williger.
Verkehrs⸗Anstalten.
London, 19. September. (A. A. C.) Ungefähr 2000 irische Bremser und Heizer der Great Southern & Western of Irland⸗Eisenbahn haben gestern die Arbeit eingestellt. Der Verkehr auf der Bahn leidet sehr unter dem Strike. 8
Triest, 20. September. (W. T. B.) Der Lloyddampfer „Ceres“ ist heute früh 8 ½ Uhr mit der ostindisch⸗chinesischen Ueberlandpost aus Alexandrien hier eingetroffen.
Bei der gestrigen
Berlin, 21. September 1877. Mit Bezug auf den Vertrag, betreffend die Uebernahme fis⸗
8 kalisch er Straßen und Plätze, vom 31. Dezember 1875, durch welchen
haauch die Rechte gegen P
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— rivate auf die Stadt Berlin übergegangen sind, schlug der Ausschuß der Stadtverordnetenversammlung dieser vor, über die Anschlagsäulen einen neuen Vertrag mit Hrn. Litfaß abzuschließen, mit bedeutend erhöhter Pacht (zahlbar vom 1. Januar 1876) und unter der Bedingung, daß Pächter sich ver⸗ pflichtet baldigst 100 neue Säulen zu errichten, die, wie die schon bestehenden, in das Eigenthum der Stadt überzugehen haben, ferner unter der Voraussetzung, daß die von den städtischen Behörden aus⸗ gehenden öffentlichen Anschläge gratis angeschlagen werden, auch, daß eine Erhöhung des Tarifs ohne Zustimmung der städtischen Behörden nicht stattfinden dürfe. Die Versammlung nahm in ihrer gestrigen Sitzung diesen Antrag mit der Maßgabe an, daß der neue Vertrag innerhalb 3 Monate vorzulegen sei. Nachdem die städtischen Behörden das Anerbieten des Kultus⸗ Ministers, der Stadt ein Bauterrain im kleinen Thiergarten bei Moabit unentgeltlich zu überlassen, falls sie sich verpflichte, auf dem⸗
selben ein neues Gymnasium zu errichten, als ungenügend abgelehnt
hat, ist durch Reskript des Ministers vom 13. v. M. dem Magistrat ein neues Anerbieten gemacht worden, nach welchem der Minister sich bereit
erklärt, in Moabit eine höhere Lehranstalt, sei es Gymnasium
oder Realschule, auf Staatskosten zu errichten, wenn die Stadt die
EFrrichtung einer neuen Realschule in der Schöneberger (Potsdamer) Vorstadt übernimmt. Bei dem unzweifelhaften auch von den Kommunalbehörden bereits mehrfach anerkannten Be⸗ dürfniß der Errichtung höherer Lehranstalten sowohl für die Gegend vor dem Potsdamer Thore als für Moabit, erklärte sich der Magistrat bereit, auf dieses Anerbieten einzugehen und beantragte folgenden Beschluß: Die Versammlung ertheilt ihre Zustimmung zur Annahme des von dem Herrn Minister der geistlichen ꝛc. Angelegen⸗ heiten gemachten Anerbietens, in Moabit auf Staatskosten eine höhere Lehranstalt zu errichten, wenn die Stadt die Errichtung einer neuen Realschule in der Schöneberger Vorstadt übernimmt. Der Stadtverordnete Dr. Kürten beantragte das Einverständniß mit dem Magistratsantrage, jedoch unter der Bedingung, daß mit der Er⸗ richtung der städtischen höheren Lehranstalt nicht eher vorgegangen werde, als bis die Kosten für Errichtung einer höheren Lehranstalt in Moabit von der Staatsregierung bereit gestellt sein werden. — Dieser Antrag wurde von der Versammlung angenommen.
Am Sonnabend, den 22. September, Abends 7 Uhr, findet im Re⸗ staurant del'Europe, Charlottenstraße 37, hierselbst, eine Versammlung
der Juristischen Gesellschaft statt. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag des Justiz⸗Raths Primker über die Privilegien der Aktiengesellschaft.
München, 21. September. (W. T. B.) Das von der Stadt München der Versammlung deutscher Naturforscher ge⸗ gebene Kellerfest nahm einen durchaus glänzenden Verlauf. Den ersten Toast brachte der Bürgermeister Kirchenpauer (Hamburg) auf Se. Majestät den König Ludwig aus. Professor Zittel (München) feierte in einer begeisterten Rede Se. Majestät den Kaiser als milden Friedensfürsten und kühnen Kriegshelden. In das von den Rednern ausgebrachte Hoch stimmte die Versammlung enthusiastisch ein.
Am letzten Sonntag sind in Genf die Sitzungen des inter⸗ nationalen Kongresses eröffnet worden, welcher sich mit der öffentlichen Moral in ihren Beziehungen zu der Ge⸗ setzgebung befaßt. Denselben wohnt eine große Zahl Delegirter aus Deutschland, Frankreich und England bei. Der Kongreß ist in vier Sektionen getheilt, welche die Frage, unabhängig von einander, vom Standpunkte der Gesundheitslehre, der Moral und der Wohlthätig⸗ keit, der Volkswirthschaft und der Geseßgebgeg berathen. Die Ge⸗ neralversammlungen finden in dem großen Reformationssaale statt.
London, 19. September. Im Pentland Firth bei der Insel Swona, halbwegs zwischen Schottland und Orkney, ist ein großer Schooner von noch unbekannter Herkunft gestrandet. Es wird be⸗ fürchtet, daß die gesammte Bemannung ertrunken ist. Auf einigen Stücken des Wracks, die an das Land getrieben wurden, befand sich der Name Hakon.
Paris, 19. September. Heute Mittag um 2 Uhr wurde die neue Avenue de I'Opera, welche die große Oper in gerader Linie mit dem Theatre frangais und dem Palais Royal verbindet und eine der wichtigsten und elegantesten Verkehrsadern der Haupt⸗ stadt zu werden verspricht, dem Verkehre übergeben. Der Marschall Mac Mahon mar der erste, welcher in Begleitung seines Adjutanten, des Generals Broye und des Obersten de la Maurelle in offener Kalesche die noch von vielen Baugerüsten besetzte, aber schon jetzt eine imposante Perspektive bietende Straße von einem Ende zum an⸗ deren durchfuhr.
Paris, 19. September. Aus Lyon wird gemeldet, daß auf mehreren Punkten des Forez, besonders im Kanton Noire⸗ ble, ein Erdbebe verspürt wurde. Die Heerden wur⸗ öC1“ “ 2 “ 1“
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den wild, und die Einwohner stürzten entsetzt aus den Häusern. In den Sables wurde eine wellenförmige Bewegung mit dumpfem Rollen und mehreren Tönen, wie Kanonenschüsse, beobachtet; in Saint Romain d'Orfe wurden Fensterscheiben zerbrochen, das Wasser in den Bächen schien zu kochen u. s. w. Das Erdbeben wurde über die Berge der Auvergne hinaus bis Clermont⸗Ferrand verspürt⸗
Ueber einen interessanten unterseeischen Fund gehen dem „Golos“ folgende Mittheilungen zu: Auf der Insel Hitteren, an der Küste von Norwegen bei Drontheim kursirte seit langen Zeiten unter dem Volke das Gerücht von einem dort gestrandeten russischen Kriegsschiff. dieses Gerüchtes stellte die norwe⸗ gische Tauchergesellschaft Untersuchungen an, welche denn auch von Erfolg gekrönt waren, und sind schon gegenwärtig 96 Kanonen, 12 Anker und mehr als 200 Pud Blei zu Tage gefördert. Die Ka⸗ nonen haben lateinische Aufschriften, und zwar die einen: „Woronez 1716“, die anderen: Olonez 1715“*. b
Auf Grund dieser Daten unterliegt es wohl keinem Zweifel, daß die gefundenen Schiffsüberreste dem „Jedinorog“, welcher im November 1760 unterging, angehörten. Es war das ein nicht sehr großes dreimastiges Schiff, mit 22 Kanonen ausgerüstet, und ging von Kronstadt nach Archangelsk. Während eines Sturmes warf dasselbe bei der Insel Hitteren Anker und wurde drei Tage später ans Land geworfen, wobei die ganze Mannschaft, mit Ausnahme von 10 Personen, welche früher ans Ufer ge⸗ schickt waren, verunglückte. Aus der großen Anzahl der aufgefundenen Kanonen geht hervor, daß der „Jedinorog“ die-⸗ selben nach Archangelsk für dort im Bau begriffene Schiffe bringen sollte. Commandeur des Schiffes war der Schiffssekretär (ein Marinerang, niedriger als der eines Lieutenants) Wassilij Bulgakow, welcher während des Schiffsbruches umkam. Als die geretteten Matrosen bemerkten, daß die Bewohner Blei und Eisen von dem an das Land geworfenen Schiffe raubten, suchten sie dieselben daran zu hindern und wiesen dar⸗ auf hin, daß das Material der Krone gehöre. Bei dieser Ver⸗ theidigung wären sie jedoch fast erschlagen worden und wurden nur, Dank den Bemühungen des Wirthes, bei dem sie ein Unterkommen gefunden hatten, gerettet.
Wie verlautet, hat die norwegische Tauchergesellschaft der russi⸗ schen Regierung den Votschlag gemacht, einige dieser auf dem Meeres⸗ grunde gefundenen Gegenstände von historischem Interesse anzukaufen
Amerikanische Zeitungen melden den Tod des amerikanischen Tragöden E. L. Davenport.