1877 / 261 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 05 Nov 1877 18:00:01 GMT) scan diff

Wurmbrand und dem Ober⸗Lieutenant Baron Unter⸗ richter, eine Deputation des ostpreußischen Kürassier⸗Regi⸗ ments Nr. 3 Graf Wrangel, unter dem Oberst und Commandeur dieses Regiments von Bernhardi, sowie eine Deputation des brandenburgischen Füsilier⸗Regiments Nr. 35 unter dem Oberst Fischer, Commandeur dieses Regiments; ferner: der General der Infanterie z. D. Freiherr von Wrangel, zuletzt Gouverneur von Posen, der General⸗Major von Verdy du Vernois, Commandeur der 62. Infanterie⸗ Brigade, der General⸗Major von Guretzky⸗Cornitz, Commandeur der 17. Kavallerie⸗Brigade, der General⸗ Major von Müller, General à la suite Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs von Mecklenburg⸗Schwerin, im Auf⸗ trage Sr. Königlichen Hoheit, und der Oberst von Knobloch von der Armee, kommandirt zur Vertretung des beurlaubten Commandeurs der 12. Kavallerie⸗Brigade.

Zuverlässigen Nachrichten zufolge hat die Pforte der „Illustrirten Leipziger Zeitung“ und dem in Paris erscheinenden „Monde Illustré“ den Eingang in das türkische Gebiet verboten.

Der Kaiserlich russische Botschafter von Oubril ist von Baden⸗Baden zurückgekehrt und hat die Leitung der Bot⸗ schaft wieder übernommen.

Der Bundesraths⸗Bevollmächtigte Königlich bayerische Ober⸗Regieruugs⸗Rath von Raesfeldt ist hier eingetroffen.

Der General⸗Lieutenant von Voigts⸗Rhetz, à la suite des Königs⸗Grenadier⸗Regiments (2. Westpreußisches) Nr. 7 und Commandeur der 20. Division, wieder abgereist, ebenso der General⸗Lieutenant von der Armee von Ziemietzki.

München, 2. November. Neuerdings ist, der „Allg. Ztg.“ zufolge, auch der Abg. Dr. Diendorfer, Lyceal⸗Professor in Passau, aus dem patriotischen Klub ausgetreten, der jeßt statt der früheren 79 nunmehr „nominell“ nur noch 75 Mitgli

Bayern.

ieder zählt.

Hessen. Darmstadt, 2. November. (Frkf. J.) Die Regierung hat den Ständen einen Gesetzentwurf zugehen lassen, wonach die veraltete Verordnung vom 29. Juli 1791 über die Abtretung von Grundeigenthnm zu Bau⸗ plätzen aufgehoben wird. Es handelt sich hierbei um die Beseitigung von den bis dahin zulässigen, nach dem Ermessen der Verwaltungsbehörde zu Gunsten von Privaten zu gewäh⸗ renden Expropriationen von Ländereien zu Bauplätzen.

Sachsen⸗Coburg⸗Gotha. Gotha, 31. Oktober. (Leipz. Ztg.) Dem gestern hier wieder zusammengetretenen Spezial⸗Landtage ist eine Reihe von Vorlagen zuge⸗ gangen, welche eine Verwilligung für Dispositionäre und Pensionäre, eine fernere zur Unterstützung von Pfarrer⸗ und Schullehrerwittwen und eine dritte zur Aufbesserung resp. Ausgleichung der Lehrergehalte beantragen. Eine an⸗ dere Vorlage betrifft die von Feuerversicherungsanstalten für gemeinnützige Zwecke im Interesse der Feuersicherheit zu zah⸗ enden Abgaben.

Reuß j. L. Gera, 2. (H. N.)

November. Der

Landtag hat heute die Wahl des Sozialdemokraten Brätter formalen Gründen für ungültig erklärt.

Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 3. November. Die „Wr. Ztg.“ veröffentlicht ein Kaiserliches Handschreiben aus Gödöllö vom 2. November an den Minister des Innern, Freiherrn von Lasser, denselben beauftragend, der Bevölkerung Schlesiens für den festlichen und herzlichen Empfang des Kronprinzen Erzherzog Rudolph den Dank des Kaisers aus⸗ zusprechen.

Nachdem nunmehr die Staatsvoranschläge für 1878 in beiden Reichshälften vorliegen, in denen auch die Beitrags⸗ leistung für die gemeinsamen Angelegenheiten nach dem von den Ministerien vereinbarten Präliminare eingestellt erscheint, ist auch die Gesammtsumme des gemeinsam zu bedecken⸗ den Erfordernisses, welche von den Delegationen gefor⸗ dert werden wird, bekannt. Die österreichische Quote ist bekanntlich im österreichischen Budget mit 76,753,146 Fl. ein⸗ gestellt. In dem Präliminare, welches dem ungarischen Reichs⸗ tage vorgelegt wurde, erscheint die ungarische Quote mit 29,063,464 Fl. eingestellt. Das gesammte gemeinsame Er⸗ forderniß beträgt somit 105,816,610 Fl. Für das laufende Jahr war dasselbe mit 111,311,659 Fl. veranschlagt; die Herabminderung beträgt daher 5,495,049 Fl.

(W. T. B.) Die „Montagsrevue“ tritt der Anschauung entgegen, daß der den Parlamenten vorzulegende Zoll⸗ arif schutzzöllnerischer Natur sein werde und theilt weiter mit, daß im Gegentheil die österreichischen Minister die gänz⸗ iche Zollfreiheit für Getreide und Mehl an der ganzen öster⸗ reichischen Grenze als Resultat der Verhandlungen aus Pest nitbringen würden. Das genannte Blatt giebt sodann ein Resumé über den Gang der Zollverhandlun⸗ gen mit Deutschland. Demselben zufolge hätten die deutschen Delegirten zuerst einen Vertrag auf der Basis der meist begünstigten Nationen gefordert, jedoch die von den öster⸗ reichisch⸗ungarischen Delegirten erhobenen Gegenbedingungen ab⸗ gelehnt. Obwohl der von der deutschen Regierung gemachte Porschlag, den gegenwärtigen Vertrag auf ein Jahr zu ver⸗ längern, abgelehnt worden sei, hätte sich dennoch die öster⸗ eichisch⸗ungarische Regierung vorbehalten, die Verhandlungen über einen Vertrag auf der Basis der meistbegünstigten Na⸗ tionen zu gelegener Zeit wieder aufzunehmen. Die Verhand⸗ lungen würden auf dem gewöhnlichen diplomatischen Wege

geführt werden. 8 8 4. November. (W. T. B.) In der gestern Abend

stattgehabten Sitzung des Ausgleichs ausschusses machte der Handels⸗Minister von Chlumecky Mittheilung in Be⸗ treff des Abbruchs der Zollverhandlungen mit Deutsch⸗ land. Die Erklärung des Ministers stimmte im Wesentlichen mit der obigen Auszührung der „Montagsrevue“ überein. Schließlich fügte dr Minister noch hinzu, daß eine Verständi⸗ gung me der ungarischen Regierung in allen Punkten er⸗ reicht sei. Pest, 3. November. (W. T. 8 In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses beantwortete der Mi⸗ isterpräsident Tisza die Interpellation Apponyi’'s über den Abbruch der Zollverhandlungen mit Deutschland, indem er zunächst konstatirte, daß die Unter⸗ handlungen mit Deutschland wegen eines Tarifvertrages zur

zum Abschluß eines Vertrages auf der Basis der meistbegün⸗

einträte, welchem kein Vertrag zu Grunde liege. Es seien die Mehigen Schritte gethan, um die deutsche Regierung

bis zu dem Zeitpunkte, wo Tarifpertrag abzuschließen.

stigten Nation zu vermögen es möglich sein werde, einen Andererseits halte die Regierung die Vorlegung eines Zo tarifs für nothwendig und dürfte dieselbe gegen das Ende der nächsten Woche erfolgen. Die Nothwendigkeit der Vor⸗ lage eines Tarifs rechtfertigte der Minister damit, daß kein Staat eine Lage acceptiren könne, bei welcher er in Bezug auf Beschlüsse in inneren Fragen von dem guten Willen eines anderen Staates abhänge und weil, wenn auch ein Vertrag auf der Basis der meist begünstigten Nation abge⸗ schlossen werde, dennoch mit dem Deutschen Reiche ein besonderer Tarif festgestellt werden müsse. Noch nothwendiger sei aber die Vorlage eines Zolltarifs für den Fall, daß der Abschluß eines Vertrages mit Deutschland nicht gelingen sollte, weil alsdann der allge⸗ meine Zolltarif von 1853 wieder ins Leben treten würde, dessen vollständig schutzzöllnerische Natur die un⸗ garischen Handelsinteressen wesentlich schädigen würde. Auf die Antwort des Minister⸗Präsidenten Tisza erwiderte Graf Apponyi, er behalte sich vor, die Frage wegen der Ursache des Abbruchs der Zollverhandlungen mit Deutschland seiner Zeit zu wiederholen. Die Vorlegung eines allgemeinen Zolltarifs erachte er nicht für dringend. Die Antwort des Minister⸗Präsidenten Tisza wurde von dem Hause zur Kennt⸗ niß genommen.

Schweiz. Bern, 3. November. Dem „W. Landb.“ wird gemeldet: Die Militärsektion der nationalräthlichen Kom⸗ mission für Herstellung des finanziellen Gleichgewichtes schlägt für 1,900,000 Fr. Ersparnisse in der Militärverwaltung vor, will jedoch die neue Organisation nicht abändern, sondern durch ein zu erlassendes Gesetz einzelne Bestimmungen der⸗ selben suspendiren oder successive ausführen. Der bernische Große Rath wird am Montag, den 19. d. M., zusammen⸗ treten. Unter seinen Traktanden befindet sich u. A. die Frage der Verfassungsrevision. Die Zollein⸗ nahmen betrugen, der „N. Zürch. Ztg.“ zufolge, im Monat Oktober 1,573,639 Fr. oder 74,561 Fr. weniger als 1876; in den ersten neun Monaten dieses Jahres belaufen sich die Zolleinnahmen auf 12,603,135 Fr., 1,576,249 Fr. weniger als im Vorjahre.

Großbritannien und Irland. London, 2. November. (E. C.) Ein Comité, bestehend aus dem Historiker Mr. Freeman, Canon Liddon, Dr. Humphrey Sandwith, Mr. Auberon, Herbert und Mr. C. Maurice, läßt einen Aufruf zu Gunsten der freien Schiffahrt in den Dardanellen und dem Bosporus umlaufen. Unter den Personen, die sich bisher der Kundgebung angeschlossen haben, befinden sich die beiden Historiker Carlyle und Froude, sowie Mr. Robert Browning und Mr. John Morley.

2. November. (Cöln. Ztg.) Die Admiralität hat den Bau von elf neuen Torpedobooten angeordnet. Die Gesammtkosten betragen über 60,000 Pfd. Sterl. Mehrere Minister sind wegen des auf Montag anberaumten Kabinetsraths bereits hier eingetroffen. Gladstone nahm für den 7. d. M. eine Einladung des Dubliner Stadtraths an. Die Regierung wird eine Aenderung der Geschäftsordnung des zur Ver⸗ hütung fernerer „Obstruktionen“ beantragen. Der Verkehr auf der Eisenbahn von Suez ist wieder hergestellt. Die Konvention, die Uebertragung der englischen Post⸗ ämter Egyptens an die egyptische Regierung betreffend, ist abgeschlossen worden.

3. November. (C. Ztg.) Die Regierung hat die schleunige Absendung einer Batterie von eigens für das Kafferland gebauten Siebenpfündern nach dem Kap angeordnet. Der heutige Drahtbericht über die indische Nothlage lautet wieder günstiger. Aus Madras ist dem abgehenden Lord⸗ mayor von London ein Danktelegramm zugegangen.

Frankreich. Paris, 2. November. (Fr. C.) Marschall Mac Mahon gab gestern im Elysée zu Ehren des Generals Grant ein Diner, zu welchem sämmtliche Mi⸗ nister mit ihren Damen und das Personal der amerikanischen Botschaft geladen waren.

4. November. (W. T. B.) Wie die „Agence Havas“ erfährt, dürfte am nächsten Dienstag die offizielle Veröffent⸗ lichung, betreffend die Bildung des neuen Geschäfts⸗ Ministeriums erfolgen. In demselben würde Pouyer⸗ Quertier das Präsidium übernehmen. Der „Moniteur“ giebt dem Marschall Mac Mahon den Rath, Gambetta mit der Bildung eines Ministeriums zu betrauen, um zu prüfen, ob die republikanische Majorität eine Regierungsmajorität werden könne. In der gestern Abend stattgehabten Versammlung der Linken des Senats hielt Calmon eine längere Rede, in welcher er alle Akte der Regierung einer einschneidenden Kritik unterzog und jede Transaktion für unmöglich erklärte. Zum Schluß betonte Calmon die Hoffnung, daß aus der gegenwärtigen Lage eine lang dauernde Periode des Friedens, der Ruhe und des Wohlstandes für Frankreich hervorgehen möge. 5. November. (W. T. B.) Der Herzog von Broglie und Pouyer Quertier wurden heute Abend aus dem Eure⸗ Departement, in welchem sie als Generalräthe kandidirten, und wobei der erstere seinem Gegenkandidaten gegenüber unterlag, zurückerwartet. Morgen früh soll der voraussichtlich letzte Ministerrath des jetzigen Kabinets stattfinden. Der Präfekt des Norddepartements, Welche, ist hier eingetroffen.

Von den gestern vorgenommenen Generalraths⸗ wahlen sind bis jetzt nur sehr wenige bekannt. Der Herzog von Broglie ist Fouquet gegenüber und der Ad⸗ miral La Ronciere Le Noury dem republikanischen Kandi⸗ daten gegenüber unterlegen.

Eine weitere Depesche meldet:

Die bis jetzt aus den Devpartements vorliegenden Resultate der gestrigen Generalrathswahlen betreffen hauptsächlich die städtischen Wahlbezirke. Nach denselben haben die Republikaner bisher einige Sitze gewonnen.

Italien. Rom, 28. Oktober. Am 23. d. Mts. sprach der Abg. Fambri in Portagruaro zu seinen Wählern. In Bezug auf den Zustand der öffentlichen Sicherheit, namentlich auf der Insel Sicilien, theilte er seinen Zu⸗ hörern Aufschlüsse über Quantität und Qualität der dort po⸗ lizeilich Verwarnten mit. Unter den 181 unter polizeilichen Aufsicht stehenden Individuen der Provinz Palermo befinder sich 37 Millionäre und 29 Gutsbesitzer, und unter den 50. der

Der

Suez gemeldet,

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Männer. Man könne daher nicht behaupten, erklärte der Redner, daß Herr Nicotera die höher gestellten Personen schonen ließe. Hierauf folgte eine Schilderung der Orga⸗ nisation der Maffia auf der Insel; der Redner empfahl als einziges wirksames Mittal dagegen die strengste und rücksichtsloseste Anwendung der Gesetze. Der Minister des Innern und seine Beamten hätten in dieser Hinsicht ihre Schuldigkeit gethan, und es sei nur zu wünschen, daß die Justizverwaltung ihrerseits dasselde thue. Schließlich verbreitete sich der Redner über den moralischen Druck, den man in Wort und That, in der Presse und auf dem öffent⸗ lichen Platze von Seiten der Maffia und Camorra ausübe, und empfahl, die Magistratspersonen besser zu besolden. Wenn aber die Regierung von dem Volke und seinen Ver⸗ tretern nicht energisch unterstützt werde, so könne sie gegen die wohlorganisirten Massen der Maffia und Camorra nichts ausrichten. Die in Florenz erscheinende klerikale Zeitung „Armonia“ veröffentlicht eine Erklärung des Pater Curci, in welcher dieser ausdrücklich sagt, daß er auf höheren Befehl aufgehört habe, Mitglied der Gesellschaft Jesu zu sein.

3. November. (W. T. B.) Das amtliche Blatt meldet die Einberufung der Kammer zum 22. d. M. Midhat Pascha ist hier angekommen.

Türkei. Belgrad, 2. November. Das,Amtsblatt“ veröffent⸗ licht ein Fürstliches Dekret, mit welchem die provisorische Handelskonvention zwischen Serbien und Rumä⸗ nien, gültig bis 12. Januar 1878, sanktionirt wird.

Amerika. New⸗York, 3. November. (W. T. B.) Nach den den hiesigen Blättern aus San Francisco zugegangenen Nachrichten, stellt sich die Meldung von einem Ausscheiden des Staates Sonora aus der mexikanischen Republik als unbegründet heraus.

Asien. Japan. Nokohama, 17. September. In verschiedenen Stadttheilen hierselbst ist nach amtlicher Fest⸗ stellung die Cholera ausgebrochen. Bis gestern sind 16 Er⸗ krankungen, und zwar nur unter Japanern, vorgekommen, von denen 6 einen tödtlichen Ausgang nahmen.

Die japanischen Behörden scheinen Alles aufbieten zu wollen, um durch geeignete Maßregeln einer weiteren Aus⸗ breitung der Krankheit möglichst vorzubeugen.

Afrika. Brieflich wird unterm 17. September aus daß in der Nähe der Schwarzen Berge eine 30 Stunden dauernde Schlacht zwischen dem König Johann von Abyssinien und den Insurgenten unter dem Prinzen Menelek stattgefunden habe. Die letzteren seien vollständig geschlagen worden und hätten 23,000 Mann an Todten und Verwundeten und 10,000 Mann an Gefangenen verloren, während der Verlust des Königs, der seine Truppen selbst anführte und leicht verwundet wurde, sich auf nur 9000 Mann beziffern soll. Von einer Seite wird be⸗ hauptet, daß Menelek selbst auch gefallen, von anderer, daß mit 7000 Mann in das Gebirge geflohen sei.

Der russisch⸗türkische Krieg. Europäischer Kriegsschauplatz.

St. Petersburg, 3. November. (W. T. B.) Offi⸗ zielles Telegramm aus Bogot vom 2. d.: General Karzeff meldet, daß der Ort Tetewen, wo die Türken 7 größere und 30 kleinere Befestigungen errichtet hatten, von unseren Truppen mit Kampf genommen worden ist. Die Türken ließen über 100 Todte zurück. Unser Verlust war nur unbedeutend. Unsere Truppen erbeuteten große Vor⸗ räthe an Proviant, Schanzinstrumenten und Patronen, sowie viel Vieh. Gestern besichtigte Großfürst Nikolaus die von unseren Truppen besetzten Positionen bei Gornji Dubniak, von wo sich die Türken in der Nacht bei der Annäherun unserer Truppen am 31. d. Abends nach Plewna zurück⸗ gezogen hatten. Auf diese Weise ging der genannte wichtige Punkt ohne Kampf in unsere Hände über. An demselben Tage rückten wir noch 2 Werst näher auf Plewna von Gornji Dubniak aus vor und befestigten uns auch in den neuen Po⸗ sitionen in der Richtung auf Orkhanie. Unsere Infanterie besetzte Lukawitza, während die Kavallerie noch weiter vor⸗ 8. Chefket Pascha zog sich ohne Kampf gegen Orkhanie zurück. 9 St. Petersburg, 5. November. (W. T. B.) Offi⸗ zielles Telegramm aus Medowan vom 3. November: Am 2. November griffen 3000 bis 4000 Türken mit Gebirgs⸗ artillerie das Siewski'sche Infanterie⸗Regiment in der Position von Marian oberhalb Helena an, wurde aber nach drei⸗ stündigem Kampfe mit großem Verluste zurückgeschlagen. Die Türken hatten viele Verwundete und Todte und ließen gegen 100 Todte auf dem Platz. Unser Verlust ist unbedeutend. An demselben Tage erreichte eine Escadron des Leibgarde⸗ Dragoner⸗Regiments, die über Komarewo vorrückte, Dschuralowo an den Quellen des Skitflusses und bestand ein Gefecht mit Tscherkessen. Die Escadron erbeutete 100 Wagen und eine große Menge Vieh und hatte nur 2 Ver⸗ wundete. General Tscherewin hat mit der kaukasischen Kosakenbrigade das Dorf Peschterna, links von der Straße nach Sofia, besetzt und ist mit der Infanterie des Generals Karzeff in Verbindung getreten, welche Tursky Ivor besetzt 8 Eine Streifwache des Generals Tscherewin, die die ürken verfolgte hat den Engpaß von Jablonitza passirt.

Konstantinopel, 3. November. (W. T. B.) Nach hier eingegangenen Nachrichten hat Suleiman Pascha die Positionen bei Eski⸗Djuma inspizirt. Hobart Pascha hat sich nach dem schwarzen Meere begeben.

Ueber die Erfolge der Russen im Rücken von Plewna, sagt der „Golos“: „Die Blokirung Plewnas von der Süd⸗ seite aus ist ein sehr gelungener Schritt in strategischer Hin⸗ sicht, und so groß die Verluste sind, die er gekostet hat, sie sind nicht umsonst dargebracht, wenn dem ersten Schritte noch ein zweiter folgt. Und dieser letztere muß in einer weiteren Blokirung Plewnas von Nordwesten her bestehen, wo, wie es scheint, bis jetzt nur Kavallerieabtheilungen stehen. selbstverständlich, daß die gen des ersten Schrittes zu der zweite geschehen ist; man hat anzunehmen, daß die besetzten Positionen

vernichten, bevor

vollständig gesichert sind.“ Auch das

Zeit allerdings abgebrochen seien. Die Regierung hege aber den Wunsch, daß nicht ein Verhältniß zu Deutschland

Provinz Girgenti 5 Millionäre und 35 andere wohlhabende

1

Paschas in Plewna zu verbergen.

Es ist Türken versuchen werden, die Fol⸗ noch indeß Grund sowohl durch ihre Befestigung als durch die Aufstellung der Reserven s ournal des Debats“ sagt: „Es ist schwer, sich die Gefahren der Stellung Osman Der General Gurko hat

sich definitiv auf der Straße nach 1 Sosia festgesetzt und die

Russen haben mit Geschicklichkeit manövrirt.“ Ein Kor⸗ respondent der „Times“ im russischen Lager vor Plewna be⸗ richtet, daß am 24., 25. und 26. Oktober eine heftige Be⸗ schießung der türkischen Befestigungen stattfand. Die Türken antworteten Anfangs nicht und man glaubte schon, daß sie die vorgeschobensten Schanzen verlassen hätten, aber sie zeigten ihre Anwesenheit durch ein furchtbares Gewehrfeuer, so oft die Russen und Rumänen sich zum Vorrücken anschickten. Später antworteten die Türken auch mit ihren Kanonen und der Korrespondent bemerkt zuletzt: „Nach dem entsetzlichen Geschütz⸗ donner müssen die Türken den Russen Schuß auf Schuß zu⸗ rückgeben. Es ist übrigens der Anfang vom Ende da; die russischen Batterien erhalten stündlich ungeheure Zufuhren von Munition.“

Ueber die Kämpfe bei der Straße von Plewna nach Sofia am 24. Oktober berichtet derselbe Korrespondent der „Times“ aus dem russischen Lager zu Poradim: „Die russischen Truppen, welche thätig in den Kampf eingriffen, waren 12 14,000 Mann stark und gehörten zumeist der Garde an. Sie brachen in der Nacht vom 23. zum 24. aus dem Lager auf und stießen nach einem langen und ermüdenden Marsche bei bitterer Kälte auf den hinter Erdwerken vor drei Dörfern verschanzten Feind. Die Jäger kamen zuerst ins Treffen und hatten auch die größten Verluste: 2 Oberste, 23 andere Offiziere und 1333 Mann an Todten, Verwundeten und Vermwißten. Die Türken fochten vortrefflich, sie schlugen zwei Stürme ab und unterlagen erst dem dritten, welcher den Russen unter fürchter⸗ lichen Verlusten durch einen Flankenangriff gelang.“

In einer Korrespondenz der „Pol. Korr.“ aus Sim⸗ nitza, 30. Oktober, heißt es in Betreff des Gefechtes bei Gornji⸗Dubnik Der strategische Erfolg ist nicht zu theuer erkauft, da in dieser Beziehung dieses Gefecht eine unverkenn⸗ bare Bedeutung hat. Es bestätigt vollständig die angezeigten Bewegungen der russischen Abtheilungen, welche hinter Plewna operirten, und macht aus der noch vor 10 Tagen problema⸗ tisch sich zeigenden Cernirung der Armee Osman Paschas eine unläugbare Thatsache. Der Fall Plewnas wird dadurch eine Frage der Zeit.

Ueber die Lage am Schipkapasse bemerkt derselbe Korrespondent:

„Am Schipka⸗Passe hat sich die Lage insofern für die Russen gebessert, als die türkischen Streitkräfte, welche am Ausgange des Passes lagerten, sich bedeutend vermindert haben. Ein namhafter Theil der besten Truppen des türkischen Schipka⸗Corps ist nach Orkhanie detachirt worden, so daß jetzt im türkischen Lager beim Dorfe Schipka nicht mehr als 12,000 Mann stehen. Von einem ernstlichen Angriffe auf die russischen Stellungen scheint nicht mehr die Rede zu sein. Ein solcher würde jetzt auch schwieriger sein als früher, da die Russen den mehrtägigen dichten Nebel benützt haben, um neue vorgeschobene Schanzen auf⸗ zuwerfen, welche sie mit Kanonen größeren Kalibers armirt haben, welche die türkische Stellung erreichen. Die türkischen Abtheilungen, welche in der Flanke der russischen Linie Posto gefaßt haben und die Straße nach Gabrowo unsicher machten, sind zwar noch immer in den beim ersten Angriffe Sulcimans eroberten Stellungen, aber die Gefahr, welche für die Russen aus dieser Flankenstellung des Feindes erwuchs, reduzirt sich jetzt nur auf eine zwar läftige, aber bedeutungs⸗ lose Störung der Kommunikationen mit Gabrowo und auf eine fortwährende, die Truppen sehr ermüdende Beunrubigung. Trotz Allem ist man russischerseits noch immer auf einen Ueberfall gefaßt.“

Auf der Eisenbahn passiren Simnica wieder täglich wenigstens 2000 Mann verschiedener Corps. Auf der Chaussee über Fokschani⸗Buzeu sind in den letzten Tagen zwei Brigaden Grenadiere durchmarschirt. In Bessarabien stehen das 10. Corps und das 1. Corps zum Abmarsche bereit; es ist aber der „Polit. Korr.“ zufolge wahrscheinlich, daß diese Truppenkörper die Eröffnung der Bender⸗Galatzer Bahn abwarten werden welche am 13. November erfolgen soll.

Ueber die militärische Lage auf dem bulgarischen 1 egsschauplatze sagt die St. Petersburger „Neue

Gornji⸗Dubnik an

.

„Das Erscheinen des Detachements des Generals Gurko im Rücken Plewnas und die gelungene Besitzergreifung von dem Schlüssel zu allen Rückzugswegen Osman Paschas thut aufs deut⸗ lichste dar, daß die Anschauung Geltung errungen habe: im nest⸗ lichen Rayon der Kriegsoperationen in Bulgarien hänge der End⸗ erfolg nicht von der Einnahme Plewnas, sondern von der Ver⸗ nichtung der dort befindlichen türkischen Armee ab. Rustschuk, Schumla, Silistria, Varna, Widdin haben in allen Kriegen auf der Balkanhalbinsel eine wichtige Bedeutung gehabt und wer⸗ den sie auch in Zukunft behalten. Von wo aus wir auch in die Türkei einbrechen, das bulgarische Festungs⸗ viereck und Widdin müssen stets ernsteste Beachtung finden. Ob wir sie regelrecht belagern oder durch Beobachtungscorps mas⸗ kiren diese strategischen Punkte werden in jedem Falle ihrem Zwecke entsprechen, bedeutende feindliche Kräfte von ihrem Endziele, von der Residenz, fern zu halten. Plewna dagegen hat nur zu⸗ fällig die Bedeutung eines strategischen Punktes ersten Ranges er⸗ halten; Plewna ist nicht mehr als ein „psace de moment“, hat nur eine zeitweilige, auf eine Campagne beschränkte Bedeutung. Wenn unsere Hauptoperationslinie nicht zwischen der Jantra und Osma über Sistowa, Tirnowa und Schipka liefe, dann hätte Plewna gar keine Bedeutung. Darum würde auch die Einnahme von Plewna, wenn sie nicht zugleich zur Vernichtung der Armee Osman Paschas führte, gar keinen entscheidenden Einfluß haben. Frontangriffe, wie wir sie bis⸗ her gemacht haben, können überhaupt gar keine wiächtigen Resultate haben. Gesetzt den Fall, unser Sturm vom 30. Juli oder 11. Sep⸗ tember hätte zur Einnahme Plewnas geführt, so hätte Osman Pascha, „Lobald er sich von dem unwiderstehlichen Andrange der Russen überzeugt, rechtzeitig die Position geräumt, um etwas weiter in derselben Richtung eine zweite, nachddem diese durch Frontangriff genommen, eine dritte zu besetzen u. s. w. Gezwungen, Donau⸗ Bulgarien „ganz zu räumen, wäre er über den Balkan gegangen, hätte sich in Sofia festgesetzt und, nachdem er alle dahin führenden Bergpässe besetzt, unsere rechte Flanke bedroht, sobald wir unsere Offensive im Tundscha⸗ und Marica⸗ Thale wieder aufnehmen. Aus alledem ergiebt sich, daß unser Hanpt⸗ nicht die Eroberung Plewnas, sondern die Vernichtung der vmne. Paschas ist, ein Ziel, das, wie gesagt, unmöglich urch Front⸗Attaquen erreicht werden kann, sondern nur durch einen kombinirten Angriff vom Rücken und von der Front aus. Diese Angriffsart ist es, die jetzt gewählt worden. Während auf der Front emsige Belagerungsarbeiten rasch den Zwischenraum zwischen An⸗ greifern und Vertheidigern verringern, ist General Gurko über den Wid gegangen und hat eine wichtige Position im Rücken Osman Daschas Se Wenn wir bei dieser rationellen Methode bleiben, haben wir alle Chancen auf den Sieg und Osman Pascha wird sich schließlich ergeben oder mit den Waffen in der Hand fallen müssen. Was die Durchbruchsversuche der Türken betrifft, so tönnen

sie nur dann gelingen, wenn wir unser gewaltiges Uebergewicht an

Kavallerie nicht ausnützen und unsere Kräfte so plaziren, daß wir de n rechtzeitig auf dem Rückzugswege des Feindes aufstellen Die „Russ. Welt“ erhält ihrerseits von der Armee des ßfürsten⸗Thronfolgers eine Korrespondenz, welche die dem t Corps gegenüberstehende feindliche Heeres⸗

macht auf 132 Bataillone und 162 Kanonen berechnet, und kräfte auf 126,000 Mann mit 284 Geschützen:

„Wir haben eine fast eben so große Macht, besonders wenn wir auf eine energischere Aktion des Zimmermannschen Corps in Ver⸗ bindung mit den Truppen des Thronfolgers rechnen können. Bei der beträchtlichen Streitkraft des im Festungsvierecke operirenden wird es der Armee des Thronfolgers allerdings schwerlich möglich sein, zur Offensive überzugehen. Wenn diese Armee sich auf erfolgreiche Beschützung unserer linken Flanke be⸗ schränkt, wenn sie bei Vertheidigung ihrer Positionen dem Feinde be⸗ trächtlichen Schaden zufügt, so ist das einstweilen vollständig hin⸗ reichend. Ebenso zeigt sich für die Truppen Zimmermanns noch keine Aktionssphäre und ist dieses Corps durch den Gang der Campagne zu zeitweiliger Unthätigkeit verurtheilt. Gegenwärtig kann es nur beträchtliche Kavallerie⸗Kolonnen aussenden, um die Eisenbahnkommu⸗ nikation zwischen Varna, Rustschuk und Rasgrad zu gefährden. Da⸗ mit hat General Zimmermann bekanntlich auch begonnen, besonders seitdem er eine Kavallerie⸗Division als Verstärkung erhalten hat. Seine Patrouillen streifen weit, fast bis an die Festungslinie. Nach dem Falle von Plewna und der Offensive unserer rechten Flanke über Sofia nach Adrianopel zu ändert sich freilich das Ziel und der Gang der Operationen sowohl für die Armee des Thronfolgers als für das Zimmermannsche Corps vollständig. Dann wird die Pforte gezwungen sein, ihre Hauptmacht jenseits des Balkan zu konzentriren, indem sie den Zugang nach Adrianopel versperrt. In dem berühmten Festungs⸗ vierecke werden dann nur die Garnisonen und ein geringes Detache⸗ ment zurückbleiben. Von dieser Zeit an müssen unserer Ansicht nach auch entscheidend⸗ Aktionen des Rustschukschen und Dobru scha⸗Corps beginnen. Die Blokade Rustschuks und Schumlas, die Unterbrechung der Verbindung mit Varna und dem Schwarzen Meere werden wohl den Anfang bilden. Davon kann aber erst nach der Einnahme Plewnas und der Vernichtung der Armee Osman Paschas die Rede sein. Darum ist die Schlacht bei Gornji⸗Dubnik von großer Bedeu⸗ tung; der schwere Verlust wird durch den wichtigen strategischen Er⸗ solg, der den baldigen Fall Plewnas und die Saäͤuberung der Gegend vor unserer rechten Flanke vorhersehen läßt, aufgewogen.“

Asiatischer Kriegsschauplatz. St. Petersburg, 3. November. (W. T. B.) Offi⸗ zielles Telegramm aus Wisinkoi von gestern: Nach der am Abend des 28. Oktober fast ohne Kampf erfolgten Besetzung von Koprikoi durch die Vortruppen des General Heimann, wobei die die Nachhut Moukhtar Paschas und Ismail Paschas bildenden Truppen sich eilig nach Hassan⸗ Kaleh zurückzogen, wurde die Verfolgung des Feindes von unserer Kavallerie fortgesetzt und Nachts 2 Uhr ein feindliches Bivouak angegriffen. Nach kurzem Geplänkel drangen 2 Sotnien Kosaken mit einem Raketen⸗Kommando und 2 Escadrons mit einem Peloton reitender Artillerie in das Bivouak ein, machten über 100 Mann nieder und zwangen die übrigen zur vollständigen Flucht. Die Verfolgung wurde 6 Werst weit fortgesetzt, und nur wegen der äußersten Ermüdung der Mannschaften und Pferde eingestellt. Hassan⸗Kaleh wurde Morgens 5 Uhr durch unsere Artillerie besetzt. Inzwischen gelangte unsere Kavallerie bis zu dem 18 Werst von Erzerum entfernten Kurudjuk. Da unsere Truppen ohne allen Aufenthalt 55 Werst zurück⸗ gelegt hatten, stellten sie zeitweilig den Vormarsch ein. Der Feind lagerte in der Position von Devebogun, bei welcher die Truppenabtheilungen der Generale Heimann und Tergu⸗ kassoff sich gegenwärtig konzentriren. Die Besetzung von Hassan⸗Kaleh und die von unseren Truppen hinter dem Sagan⸗ lugh nach Erzerum hin ausgeführte Bewegung sind über alles Lob erhaben. Unsere Verluste sind ganz unbedeutend, leider sind ein Major und ein Kapitän tödtlich und der Adjutant des Oberbefehlshabers, Oberst Tolstoi, leicht verwundet.

Landtags⸗Angelegenheiten.

Die Staatsanleihe von 126,745,000 ℳ, rücksichtlich welcher dem Hause der Abgeordneten ein Gesetzentwurf vorliegt, ist dazu be⸗ stimmt, die Befriedigung der anerkannten baulichen Bedürfnisse so schleunig herbeizuführen wie dies mit den der Verwaltung zur Ver⸗ fügung stehenden Kräften in wirthschaftlich zweckmäßiger Weise ge⸗ schehen kann. 8

„Einem derartigen, der Wohlfahrt des Landes förderlichen Vor⸗ gehen, lauten die Motive, stehen gerade in dem jetzigen Zeitpunkte besonders erhebliche Gründe zur Seite. Es handelt sich allgemein um die Ausführung von Staatsbauten, deren Herstellung in den nächsten Jahren mit geringeren Kosten sich wird bewerkstelligen lassen, als wenn abgewartet werden muß, bis die fortlaufenden Einnahmen des Staats die hierfür erforderlichen Mittel bieten. Dieser Erfolg darf zunächst wegen der zur Zeit verhältnißmäßig niedrigen Preise vieler Materialien und des gesunkenen Arbeitslohnes erwartet werden. Bei Bereitstellung der gesammten für die Vollendung der Bauten ausreichenden Fonds wird die Verwaltung überdies in der Lage sein, die günstigen Konjunkturen für den Abschluß von Lieferungsverträgen auch für eine über das nächste Jahr hinausgehende Zeit zu benutzen.

Dieselbe wird ferner allgemein an den in jedem Augen⸗ blicke geeignetsten Orten den Fortgang der Bauten föör⸗ dern, jeder Zeit die beschafften kostspieligen Arbeitsgeräthe voll⸗ ständig ausnutzen und dem bei den Bauten angenommenen Stamm brauchbarer Arbeiter fortdauernde Verwendung bieten können. Den in solcher Weise zu erreichenden Ersparungen an den Baukosten tritt in Folge der Abkürzung der Dauer der Bauausführung eine Ver⸗ ringerung der Kosten der Bauleitung hinzu. Endlich wird das ver⸗ wandte Anlagekapital in einem weit früheren Zeitpunkte, als dies sonst möglich sein würde, nutzbar werden.

Neben diesen direkten Vorzügen des in Aussicht genommenen Verfahrens für die Interessen des Landes ist es von Bedeutung, daß für die nächsten Jahre noch von einer energischen Fortführung der Staatsbauten eine wohlthätige Wirkung auf die Wiederbelebung der privaten Geschäftsthätigkeit erwartet werden darf, während zugleich die erfolgte Herstellung vieler dieser Bauten dazu beitragen wird, die weitere Entwickelung solcher Thätigkeit zu fördern.

Im Allgemeinen ist davon ausgegangen worden, daß es nicht gerechtfertigt sein würde, den Aufwand für die Ausführung von Staatsbauten im Wege der Anleihe weiter bereit zu stellen, als der⸗ selbe in einer etwa fünfjährigen Periode in wirthschaftlich ange⸗ messener Weise würde Verwendung finden können, und das Be⸗ dürfniß der Herstellung dieser Bauten genügend begründet ist u. s. w.“ vol * Bauten, für deren Ausführung die Anleihe bestimmt, sind olgende:

I. Verwaltung für Handel, Gewerbe und Bau⸗ wesen. A. Allgemeine Bauverwaltung. Zur Reguli⸗ rung der Wasserstraßen. Zur Regulirung des Memel⸗, Ruß⸗ und Gilgestromes, der Weichsel und Nogat, der Warthe, Netze, Brahe, Drage, der Oder, der Havel und Spree, der Elbe, der Weser, der Ems, des Rheins, der Mosel und Saar 10,000,000 ℳ, zur Regulirung der unteren Schwinge 351,000

Zum Bau von Schiffahrtskanälen und Schleusen. Zur Kanalisirung der unteren Brahe 557,000 ℳ, zur Herstellung einer Schiffahrtsstraße zwischen den Rheinsberger Seen und den Mecklenburgischen v. 510,000 ℳ, zur dauernden Ver⸗ besserung des Bromberger Kanales 358,000 ℳ, zum Bau einer Schleuse in der Werra bei Münden 97,230 ℳ, zur Kanalisirung der oberen Netze 3,200,000 ℳ, für den Ems⸗Jade⸗Kanal einschließlich

der Verbesserung des Emdener Hafens 8,000,000 Zu Scehäfen und Schiffahrtsverbindungen. Für den

1 8 Hafen von Memel 1,275,500 sagt nach einer Summirung dieser und noch anderer Streit⸗

11“

Hafe 3 ℳ, für den Hafen vo illau 6,800,000 ℳ, für den Hafen von F e— für die hinterpommerschen Häfen 1,760,000 ℳ, zur Verlängerung der Bohlwerke im Hafen von Swinemünde 183,500 ℳ, zur Errichtung von Nebelsignalen an den preußischen Küsten 152 000 ℳ, zum Bau 2—2 bvver. * rE 120,000 ℳ, zum Bau der afenschleuse bei Harburg 1,024,000 ℳ, zum Durchstich der Swine 2 Caseburg 1549500 ℳ. e2 beren gFnsn Zum Bau von Brücken und Dienstwohnung Bau der Warthebrücke bei Küstrin 475,000 ℳ, 2 Bat⸗ 12 brücke bei Küstrin 1,200,000 ℳ, zum Bau der Torgauer Elbbrücke 400,000 ℳ, zum Bau des Regierungsgebäudes in Kassel 1,475,000 ℳ, zum Bau des Regierungsgebäudes in Königsberg 2,025,000 ℳ, zum Bau eines Dikasterialgebäudes in Danzig und zum Erwerbe des dazu Bauplatzes im Stadttheile Neugarten 1,500,000 B. Verwaltung für Handel und Gewer B des deutschen Gererherguseün 898000 ℳ, 8 Füe⸗ diLun eier . Ehmikune ün Berlin “] ℳ, zum Bau eines Navigations⸗ chulge es in eestemür 5,00 Su 88.950700 n. stemünde 155,000 Summa I. II. Justizverwalkung. Departement des A la⸗ tionsgerichts zu Marienwerder. Zum Neubau schäftshauses für die Gerichtsdeputation zu Berent 108,920 ℳ. Departement des Kammergerichts. Zum Neubau eines Geschäftshauses der Abtheilung für Untersuchungssachen des Stadt⸗ gerichts in Berlin und zum Neubau von Untersuchungsgefängnissen für dasselbe 4,564,000 ℳ, zum Neubau eines Geschäftshauses und eines Gefängnisses zu Coepenick 83,500 Departement des Appellationsgerichts zu Breslau. Zum Neubau eines Ge⸗ schäftshauses zu Münsterberg 45,500 Departement des Appellationsgerichts zu Ratibor. Zum Neubau eines Ge⸗ schäftsgebäudes und eines Gefängnisses zu Königshütte 142,900 Departement des Appellationsgerichts zu Halber⸗ stadt. Zum Neubau eines Gefängnisses zu Nordhausen 161,000 Departement des Appellationsgerichts zu Naumburg. Zum Neubau eines Geschäftshauses und eines Gefängnisses für das Kreisgericht zu Erfurt 50,550 ℳ, zum Neubau eines Geschäftshauses und eines Gefängnisses zu Bitterfeld 51,000 Departement des Appellationsgerichts zu Kiel. Zur Einrichtung der Arbeitssäle zu Schlafsälen, sowie zur Erbauung von Arbeitsbaracken bei dem Strafgefängnisse zu Glückstadt 90,470 ℳ, zum Neubau eines Geschäftsgebäudes und eines Gefängnisses für die Gerichts⸗ behörden zu Flensburg 561,630 Departement des Appel⸗ lationsgerichts zu Celle. Zum Neubau eines Geschäftshauses und eines gerichtlichen Gefängnisses zu Osnabrück 47,000 ℳ, zum Neubau eines Geschäftshauses und eines Gefängnisses für das Amts⸗ gericht und das Amt zu Wilhelmshaven 64,000 Departement des Appellationsgerichts zu Cassel Zum Neubau eines Geschäftshauses für die Gerichte zu Cassel 900,000 ℳ, Pauschquan⸗ Ferneslenees Fefkeriges Bauten, welche für die Durchführung er Justizreorganisation nothwendig sei de 23,000,000 Summa II. 29,870,470 1X“ 8 III. Verwaltung der geistlichen, Unterrichts⸗ und Medizinal⸗Angelegenheiten. Ministerium. Neubau der Dienstgebäude des Ministeriums der geistlichen, Unterrichts⸗ und Medizinal⸗Angelegenheiten 1,500,000 Universitäten. Universität in Königsberg i. Pr. Neu⸗ bau der chirurgischen Klinik 681,230 ℳ, Neubau eines Gebäudes für das botanische Institut 151,300 ℳ, Neubau eines chemischen Instituts 250,000 ℳ, Neubau eines physikalischen Instituts 300,000 Uni⸗ versität in Berlin. Neubau eines Gebäudes für das Herbarium 422,000 ℳ, Klinische Bauten auf dem Grundstück Ziegelstraße Nr. 3 bis 6 1,955,000 ℳ, Neubau von Gebäuden zur Unterbringung eines zweiten chemischen Laboratoriums, des technologischen, pharmokolo⸗ gischen und des pharmazeutischen Instituts 967,000 ℳ, Uni⸗ versitäat in Breslau. Neubau eines Gebäudes für das anatomische Institut und das zoologische Museum 1,200,000 ℳ, Universität Halle a. S. Neubau eines Anatomiegebäudes 140,000 ℳ, Neubau eines Bibliothekgebäudes 270,000 ℳ, Neubau eines physiolo⸗ gischen Instituts 180,000 ℳ, Neubau der medizinischen Klinik 543,750 ℳ, Neubau eines Gebäudes für das pathologische Institut 183,000 Universität in Kiel. Erweiterungsbau des medizinisch⸗ chirurgischen Krankenhauses und Neubau einer Lazarethbaracke 117,000 ℳ, Neubau des zoologischen Museums 282,500 ℳ, Anlegung von Wegen, Gas⸗ und Wasserleitungen ꝛc. auf dem Terrain der neuen Universitätsinstitute 264,000 Universität in Marburg. Neubau eines chemischen Laboratoriums 220,900 ℳ, Neubau eines Gebäudes für das pathologische Institut 180,000 ℳ, Neubau eines Gebäudes für das physiologische Institut 180,000 ℳ, Bau einer Aula im Anschluß an das im Bau begriffene Auditoriengebäude 200,000 ℳ, Neubau der medizinischen Klinik und Ankauf einer Baustelle für die⸗ selbe 630,000 Universität in Bonn. Neubau der chirurgischen Klinik 730,000 ℳ, Neubau des Gärtnerhauses und eines Geräthe⸗ schuppens im botanischen Garten 60,000 ℳ, Neubau eines physikali⸗ schen Instituts 300,000 Universität in Göttingen. Erweite⸗ rungsbau der Universitätsbibliother 860,000 ℳ, Neubau eines pflanzen⸗ physiologischen Instituts 49,500 Universität in Greifswald. Neubau eines Gebändes für die Universitätsbibliothek 381,300 ℳ, Neubau eines Gebäudes für das phpsiologische Institut 180,000 ℳ, Neubau eines Gebäudes für ein physikalisches Institut 200,000 Gymnasien ꝛc. Neubau des Vordergebäudes der mit dem in Berlin verbundenen Realschule 51,850 ℳ, Neubau des Gymnasiums in Köslin 40,000 ℳ, Neubau des König Wilhelmsgymnasiums in Königsberg i. Pr. 350,000 ℳ, Neubau des Klassengebäudes nebst Direktorwohnung, Turnhalle und sonstigen Nebengebäuden für das Gymnasium in Elbing 333,000 ℳ, Neubau des staatlichen Gymnasiums in Danzig 290,000 ℳ, Neubau des Gymnasiums in Graudenz 280,000 ℳ, Neubau einer höheren Unterrichtsanstalt in Moabit nebst Turnhalle und Direktorwohnung 500,000 ℳ, Neubau der Gebäude für das Pädagogium zu Züllichau 150,000 ℳ, Neubau des Gymnasiums in Frankfurt a. O. 400,000 ℳ, Neubau des Gymnasiums in Stargard i. Pom. 337,,00 ℳ, Neubau des Gymnasiums in Krotoschin 130,000 ℳ, Erweiterungsbau des Gymnasiums in Ratibor 216,000 ℳ, Neubau des Gymnasiums in Pleß 152,500 ℳ, Neubau des Domgymnasiums in Magdeburg 480,000 ℳ, Neubau des Gymnasiums zu Salzwedel 240,000 ℳ, Neubau des Kaiser⸗Wilhelmsgymnasiums in Hannover 300,000 ℳ, Neubau des Gymnasiums in Hamm 109,000 ℳ, Neubau des Gym⸗ nasiums in Arnsberg 100,000 Centralturnanstalt und Taubstummenanstalt in Berlin, Schullehrer⸗ und Lehrerinnenseminare. Neu⸗ bau einer Centralturnanstalt in Berlin 270,000 ℳ, Neubau eines Seminarinternats zu Habelschwerdt 134,155 ℳ, Neubau eines Se⸗ minars in Warendorf 97,700 ℳ, Neubau eines Seminars in Pyritz 300,000 ℳ, Neubau eines Seminarerternats in Fulda 95,900 ℳ, Neubau eines Seminarinternats in Montabaur 420,000 ℳ, Neubau eines Seminars in Usingen 155,840 ℳ, Neubau eines Seminars in Mettmann 264,475 ℳ, Neubau eines Seminarinternats in Löbau 340,000 ℳ, Neubau eines Seminarinternats in Tuchel 340,000 ℳ, Neubau eines Seminarexternats in Königsberg N.M. 2209,000 ℳ, Neubau eines Seminarexternats in Neu⸗Ruppin 220,000 ℳ, Er⸗ weiterungsbau der Taubstummenanstalt in Berlin 261,300 ℳ, Neu⸗ bau eines Klassengebäudes für die Louisenschule in Posen und bau⸗ liche Einrichtung des für dieselbe erworbenen Hauses Mühlenstraße Nr. 39 daselbst 210,000 ℳ, Neubau eines Seminarexternats in Oppeln 200,000 ℳ, Neubau eines Seminars in Delitzsch 350,000 ℳ, Neubau des Seminars in Erfurt 220,000 ℳ, Neubau eines Seminarexternats in Eckernförde 258,000 ℳ, Neubau eines Seminars in Stade 350,000 ℳ, Neubau eines Seminars in Soest 174,000 ℳ, Erweiterungsbau des Seminars in Petershagen 150,000 ℳ, Neubau eines Seminarexternats in Dillenburg 200,000 ℳ, Neubau eines Seminars für Lehrerinnen in Saarburg 220,000 ℳ, Neubau eines Seminarexternats in Siegburg 200,000 ℳ. Kunst⸗ und wissenschaftliche Anstalten. Neubau v