dern. Wer Revision wolle, müsse sagen, welcher bestimmten Punkte.
eine größere Autorität in Preußen ausüben solle, als man ihm sugestehe.
merkte, daß die Frage demnächst in der Unterrichtskommission
1““ führungen wies der Redner die seltsamen Mittel und Wege nach, deren das Centrum sich zur Herbeiführung des ihm an⸗ geblich am Frhes liegenden Friedens bediene. Andererseits habe der preußi
che Staat einen Kampf gegen Glaubensmeinun⸗ een nie versucht; er sei aber auch nicht mehr wie früher so beschaffen, daß er eben erst gegebene Gesetze aus Gunst unaus⸗ geführt lassen könne; er sei moralisch das stärkste Gemeinwesen in Europa, und werde sich niemals abschrecken lassen, seine Gesetze gegen Jedermann und alle Welt durchzuführen. Für den Friebensschluß zwischen Staat und Papstthum bedürfe es eines Programms; dieses habe das Centrum herbeizuschaffen, könne dasselbe aber nicht von dem Kultus⸗Minister erwarten oder for⸗
Durch eine Aeußerung des darauf folgenden Redners, des Abg. Dr. von Jazdzewski, veranlaßt, wies der Regierungs⸗ kommissar, Geh. Ober⸗Regierungs⸗Rath Lucanus, die Angriffe egen die sittliche Integrität der staatstreuen katholischen Pfarrer energisch zurück; es sei vom Ober⸗Präsidenten kein Pfarrer angestellt, der nicht vorher schon unangefochten eine Pfarrstelle bekleidet habe. Wenn gegen diese Pfarrer jetzt von dem Centrum Widerspruch erhoben würde, so sei derselbe an die falsche Adresse gerichtet, denn diese „erbärmlichen Subjekte“ seien durch die Bischöfe selbst in ihr früheres Amt eingeführt und als Pfarrer installirt. Der Abg. Graf Limburg⸗Stirum hob hervor, daß der kirchenpolitische Kampf nur eine Machtfrage sei, in der es sich darum handele, ob Rom
Das Centrum hätte erst dann das Recht, eine
evision der Maigesetze zu verlangen, wenn es den ernst⸗ lichen Versuch gemacht haben würde, dieselben auszuführen und die Unmöglichkeit eingesehen hätte. Nach einer Reihe öö Bemerkungen vertagte sich das Haus um 3 ¼¾ Uhr.
— In der heutigen (21.) Sitzung des Hauses der Ab⸗ geordneten, welcher am Ministertische der Minister der geist⸗ lichen ꝛc. Angelegenheiten Dr. Falk und mehrere Regierungs⸗ kommissarien beiwohnten, theilte der Präsident mit, daß von den Abgg. Dr. Virchow und Zelle ein Antrag auf Abände⸗ rung des §. 34 der Geschäftsordnung des Hauses eingegangen sei. Darauf wurde die zweite Berathung des Etats
Ministeriums der geistlichen ꝛc. Ange⸗ fortgesetzt. Bei der Position „Aushülfe zu Zwecken der Kanzlei“ entgegnete der Staats⸗ Minister Dr. Falk auf eine Anfrage des Abg. Frhrn. von Schorlemer⸗Alst, daß er auf die vielen gedruckten Peti⸗ tionen, welche ihm von Katholiken um Aenderung der bis⸗ herigen Regierungspraxis in der Schulfrage zugegangen seien, einzeln zu antworten, nicht die Absicht habe, da einestheils die von der Landesvertretung gebilligte Haltung der Regierung in dieser Frage genügend und allgemein bekannt sei, anderntheils er nicht die Absicht habe, die katholischen Agitatoren in ihrer Thätig⸗ keit zu “ Der Abg. Richter (Sangerhausen) be⸗
des . legenheiten
und auch im Plenum des Hauses zur Erörterung kommen würde. Nach einer Replik des Abg. Frhrn. von Schorlemer⸗ Alst wurde die Position genehmigt. Bei der Position: „Ge⸗ richtshof für kirchliche Angelegenheiten“ beantragte der Abg. Windthorst (Meppen) eine gesonderte Abstimmung. Dem Abg. Dr. Roeckerath gegenüber charakterisirte der Abg. Dr. von Sybel nochmals die illegale Haltung der Ultramontanen, die gesetz⸗ widrige Renitenz gegen die Maigesetze in der Bevölkerung und dem Klerus zu schüren, und sprach seine Bewunderung über die Langmuth des Hauses aus, mit welcher es derartige Aus⸗ einandersetzungen anhöre. (Schluß des Blattes).
— Die Einnahmen an Zöllen und gemeinschaft⸗ lichen Verbrauchssteuern sowie anderen Einnahmen im Reiche haben für die Zeit vom 1. April 1877 bis zum Schlusse des Monats Oktober 1877 (verglichen mit der Ein⸗ nahme in demselben Zeitraum des Vorjahres) betragen: Zölle und gemeinschaftliche Verbrauchssteuern (vergl. die spezielle Nachweisung in Nr. 272 d. Bl.) 107942 275 ℳ (—4431 175 ℳ), Wechselstempelsteuer (desgl. Nr. 270) 4 044 168 ℳ (+ 42349 ℳ), Post⸗und Telegraphenverwaltung 70 173238 ℳ (+. 2 980 129 ℳ), Reichseisenbahn⸗Verwaltung 21 302 148 ℳ (— 1 009 371 ℳ). Die Einnahme der Reichseisenbahn⸗Verwaltung des laufenden Jahres ist nach provisorischen Ermittelungen, diejenige des
orjahres nach den definitiven Feststellungen angegeben. 15 sind für beide Jahre die Einnahmen der von dem
eiche gepachteten Wilhelm⸗Luxemburg⸗Bahn, welche in den vorjährigen Nachweisungen nicht berücksichtigt worden sind, mit einbegriffen; ohne dieselben stellen sich die Zahlen wie folgt: Einnahmen vom 1. April 1877 bis Ende Oktober 1877 18 920 040 ℳ, Einnahmen in demselben Zeitraum des Vorjahres 19 615 413 ℳ, demnach 1877 weniger 695 373 ℳ
— Nach der vom Reichs⸗Eisenbahnamt in der gestrigen Nummer dies. Bl. “ Uebersicht der Betriebs⸗Ergebnisse deutscher Eisenbahnen — exkl. Bayerns — im Monat Oktober d. J. stellt sich auf den 88 Bahnen, welche in dem Zeitraume vom 1. Januar 1876 bis Ende Oktober 1877 im Betriebe waren und zum Vergleich gezogen werden können: die Einnahme aus allen Verkehrs⸗ zweigen im Monat Oktober d. J. bei 59 Bahnen höher und bei 29 Bahnen geringer als in demselben Monat des Vor⸗ jahres, und die Einnahme pro Kilometer im Monat Oktober d. J. bei 1 Bahn unverändert, bei 56 Bahnen höher und bei 31 Bahnen (darunter 7 Bahnen mit vermehrter Betriebs⸗ länge) geringer als in demselben Monat des Vorjahres; die Einnahme aus allen Verkehrszweigen bis Ende Oktober d. J. bei 35 Bahnen höher und bei 53 Bahnen geringer als in demselben Zeitraume des Vorjahres, und die Einnahme pro Kilometer bis Ende Oktober d. J. bei 29 Bahnen 12 und bei 59 Bahnen (darunter 12 Bahnen mit vermehrter
etriebslänge) geringer als in demselben Zeitraum des Vor⸗ hhras. Bei den unter Staatsverwaltung stehenden Privat⸗ eisenbahnen — einschließlich der Annaberg⸗Weiperter und Chemnitz⸗Würschnitzer Eisenbahn — beträgt Ende Okto⸗ ber d. J. das gesammte konzessionirte Anlagekapital 1 177 999 800 ℳ (416 265 900 ℳ Stammaktien, 44 595 000 ℳ Prioritäts⸗Stammaktien und 717 138 900 ℳ Prioritäts⸗Obli⸗ 9 und die Länge derjenigen Strecken, für welche
ieses pital bestimmt ist, 4174,53 kmw, so daß auf je 1 km 282 181 ℳ entfallen. ei den unter rivat⸗ verwaltung stehenden Privateisenbahnen — ausschließlich der Uelzen⸗Langwedeler Eisenbahn — beträgt Ende Oktober d. J. das gesammte konzessionirte Anlagekapital 3 051 202 207 ℳ (1 066 621 558 ℳ Stammaktien, 331 611 000 ℳ Prioritäts⸗ Stammaktien und 1 652 969 649 ℳ Prioritäts⸗Obligationen)
pital bestimmt ist, 12 279,04 km, so daß auf je 1 km 248 489 ℳ
— “
kommen.
— Vom Kaiserlichen Zoll⸗ und Steuer⸗Rechnungs⸗Bureau ist die provisorische Abrechnung zwischen dem Deut⸗ schen Reiche, Oesterreich (wegen der dem Deutschen Zoll⸗ ebiete angeschlossenen Gemeinde Jungholz) und Luxem⸗ urg über die gemeinschaftlichen Einnahmen an Zöllen, Rübenzuckersteuer, Salzsteuer und Taback⸗ steuer für das 1. und 2. Quartal des Etatsjahres 1877/78 aufgestellt worden. Nach derselben belief sich die gemeinschastliche Solleinnahme aus den vorgenannten Abgaben⸗ zweigen einschließlich der Freischreibungen für privative Rech⸗ nung der norddeutschen Staaten auf rund 64 898 134 ℳ; hiervon gehen an Erhebungs⸗ und Verwaltungskosten, sowie an unmittelbaren Ausgaben der Reichs⸗Hauptkasse 5 816 402 ℳ ab, so daß sich der zur gemeinschaftlichen Theilung zu stellende Betrag auf 59 081 732 ℳ beläuft, von welchen 58 465 022 ℳ im deutschen Zollgebiete und 616 710 ℳ ir Luxemburg auf⸗ gekommen sind. Der Antheil nach dem Verhältniß der Be⸗ völkerung (42 337 798 Einwohner) berechnet sich für das deutsche Zollgebiet (42 132 434 Einw.) auf 58 795 150 ℳ, für die österreichische Gemeinde Jungholz (206 Einw.) auf 288 ℳ und für Luxemburg (205 158 Einw.) auf 286 294 ℳ, so daß letzteres von seinen Einnahmen 330 128 ℳ an das deutsche Zollgebiet und 288 ℳ an Oester⸗ reich hat. Bezüglich der einzelnen Abgaben⸗ zweige ist zu bemerken, daß die Zölle eine Bruttoeinnahme von 52 601 130 ℳ geliefert haben; hiervon ab an Erhebungs⸗ und Verwaltungskosten 5 610 697 ℳ, bleiben zur Theilung 46 990 433 ℳ. — Bei der Rübenzuckersteuer ist statt einer Einnahme ein Minus von 3 741 097 ℳ nachgewiesen, welches dem Umstande zuzuschreiben ist, daß die für ausgeführten Rüben⸗ zucker gezahlten Ausfuhrvergütungen die Steuereinnahme um den Betrag von 3 734 975 ℳ überstiegen haben, denen noch eine Ausgabe von 6122 ℳ für Beaußsichtigung der Rüben⸗ uckerfabriken hinzutriit. — Die Solleinnahme an Salz⸗ “ hat 15 685 443 ℳ betragen; hiervon sind 131 800 ℳ Verwaltungsausgaben in Abzug gebracht und im Ganzen 15 553 643 ℳ zur Theilung gestellt worden. — Die Steuer vom inläͤndischen Tabacksbau endlich ergab 346 536 ℳ Werden hiervon die Erhebungs⸗ ꝛc. Kosten mit 67 783 ℳ in Abzug gebracht, so verbleibt ein Nettoaufkommen von 278 753 ℳ
— Auf Anordnung des Handels⸗Ministers sind die Jahtn der Fabrik⸗Inspektoren für das Jahr 1876 veröffentlicht worden (Berlin, 1877, Fr. Kort⸗ kampff). Wir werden auf den Inhalt dieser Publikation noch
zurückkommen.
Görlitz, 22. November. In der heutigen (dritten) Plenarsitzung des Oberlausitzer Kommunal⸗Landtags erstattete das Kuratorium für das ständische Waisenhaus zu Reichenbach O./L. Bericht über die Verwaltung und den günstigen Stand der Anstalt; es wurde beschlossen: auch für das Jahr 1878 die Bewilligung einer Hauskollekte innerhalb der Ober⸗ lausitz nachzusuchen. Ebenso berichtete die Direktion der Hülfs⸗ kasse über deren Verwaltung. Aus dem hiernächst erstatteten Berichte des Bank⸗Kuratorii nahm der Landtag mit Befriedi⸗ gung Kenntniß von dem günstigen Resultate der Bankver⸗ waltung für das Jahr 1876, faßte einige, vom Kuratorium bezw. von dem mit der Vorberathung beauftragt gewesenen Ausschusse angeregte Beschlüsse, namentlich auch wegen nach⸗ träglicher Einlösußgg der bisher nicht präsentirten und bereits präkludirten Banknoten, und siellte den Geschäftsunkosten⸗ Etat für das Jahr 1878 fest. Der Landtag nahm ferner davon Kenntniß, daß bei der abgehaltenen außerordentlichen Kassenrevision sämmtliche ständische Kassen wiederum in uter Ordnung befunden, und daß die, übrigens unerheb⸗ ichen Erinnerungen gegen die Rechnungen pro 1876 größten⸗ theils bereits erledigt worden, faßte über Vernichtung der ein⸗ gelösten Coupons von den Obligationen und über nach⸗ trägliche Einlösung noch nicht präsentirter Coupons Beschluß und ertheilte Decharge. Sodann erstattete die Feuersozietäts⸗ Direktion ihren Verwaltungsbericht, aus dem sich insbesondere ergiebt, daß das Jahr 1876 hinsichtlich der Brandschäden ein günstiges war, daß der Versicherungsbestand am 30. Septem⸗ ber d. J. bei den Gebäuden die Höhe von 40 534 320 ℳ, bei dem Mobiliar von 11 174 280 ℳ, erreichte und daß bei fort⸗ währendem quantitativen Wachsen der Sozietät namentlich der qualitative Bestand sich immer günstiger gestaltet. Nachdem der Landtag über einige Spezialfälle Beschluß gefaßt hatte, be⸗ schloß er auch eine Abänderung der §§. 29 und 30 des Reglements vom 5. August 1863 zu dem Zwecke größerer Zichevßeit der Sozietät gegen böswillige und fahrlässige Brandstister. Bezüglich des Pensionsfonds für emeritirte evangelische Geistliche wurde eine rechnungsmäßige Trennung der Fonds, je nachdem dieselben aus den Mitgliederbeiträgen oder aus den ständischen Bewilligungen und dem Zuschusse der Stadt Görlitz herrühren, beschlossen. Ueber die Graf Löbensche Stiftung von 15 000 ℳ für christlich mildthätige Zwecke wird der Landtag alljährlich je nach dem obwaltenden Bedürfniß verfügen; eine fernere, die bestehende Schulfondstiftung erwei⸗ ternde Stiftung der Frau Gräfin Löben zur Unterstützung von Lehrern und deren Familien wurde angenommen. Der Landtag bewilligte endlich dem Centralcomité der schlesischen Musikfeste behufs Erwerbung einer transportablen Musikhalle einen einmaligen Beitrag von 1500 ℳ, dem Professor Dr. Knothe in Dresden zu den Kosten des Druckes einer „Ge⸗ schichte des Oberlausitzer Adels und seiner Güter vom 12. bis Mitte des 16. 5 eine Subvention von 300 ℳ und die Anschaffung von 100 Exemplaren des Werkes, sowie einige Unterstützungen für Wittwen verstorbener landständischer Beamten, stellte die Bewilligung eines Bei⸗
lehnte aber die Bewilligung eines Beitrages zur Erbauung
Stiftungen und Wohlthätigkeitsfonds und Anstalten wurde für nächstes Jahr in Aussicht gestellt, und für Wander⸗Bibliotheken wurden wiederum 400 ℳ bewilligt.
Bayern. München, 23. November. (W. T. B.) Bei
schule und die Verlegung derselben an die Universität Mün⸗
der Herzsche Antrag auf Belassung einer Forstschule in Aschaf⸗
und die Länge derjenigen Strecken, für welche dieses Ka⸗
fenburg neben der an der Universität München zu errichten⸗
„(wünschte der Abg. Dumba Auskunft von der Regierung ü
trages zur Begründung eines Lehrerinnenstifts in Aussicht,
der Aschaffenburger Forstschule und der Antrag des Abg. Kurz, die Regierun Forsischule zu ersuchen, wurden angenommen.
— 24. November. (W. T. B.) Der Finanz⸗Minister von Berr hat seine Entlassung genommen. An seiner Stelle ist Finanz⸗Minister ernannt worden. .
Speyer, 19. November. Der „Allg. Ztg.“ wird
eschrieben: „Gestern wurde hier die ordentliche General⸗
ynode durch den Königlichen Kommissär Reichsrath
feierlich eröffnet. Wie bereits bekannt, hat die liberale Partei ein Uebergewicht von 2* als zwei Dritteln der Stimmen, und davon auch sogleich bei der Wahl der Sekretäre so aus⸗
stimmung zu enthalten für gut fand. In welchem Sinne die Lösung der Aufgabe ausfallen wird, die der Synode durch die drei ihr bei dieser Eröffnung v2 Nn Vorlagen gestellt ist, dürfte sich aus diesem ersten Akt bereits erschließen lassen⸗ Sie wird nämlich über Einführung einer neuen Kirchenagende eventuell Herübernahme der neuen badischen, über Herstellung einer neuen Geschäftsordnung für die Generalsynoden, ins⸗ besondere in Betreff der Wahl ihres Präsidenten, der ihr bisher im Konsistorial⸗Direktor gegeben war, und über die Mitwirkung der Presbyterien bei der Besetzung der Pfarreien zu berathen haben, über letzten Punkt zunächst nur zum Zweck einer gutachtlichen Aeußerung.“
Württemberg. Stuttgart, 22. November. Heute ist der Landtag wieder zusammengetreten. In der Kammer der Abgeordneten begrüßte Präsident von Hölder die Mitglieder des Hauses und leitete sofort zu den Geschäften über. Die drei neu gewählten Abgeordneten wurden einge⸗ führt. Dann schritt die Kammer zur Berathung eines Gesetz⸗ entwurfs, betreffend die Rechtsverhältnisse der Volksschullehrer.
Baden. Karlsruhe, 23. November. In der Zwei⸗ ten Kammer wurde heute der Gesetzentwurf, welcher die
einstimmig angenommen.
Hessen. Darmstadt, 21. November. Dem „Frkf. Journ.“ schreibt man: Die Gewerbeordnung des Reiches gestattet den einzelnen Regierungen, die Genehmigung zur Errichtung von Schankstellen für Branntwein und Spiritus von dem Nachweis des Bedürfnisses abhängig zu machen. In Hessen hat man unterlassen, eine solche Be⸗ stimmung zu Ueesen⸗ und es haben sich die schädlichen Folgen durch das Ueberhandnehmen der Branntweinschänken gezeigt. Ein Antrag des Abg. Büchner ersucht die Regierung um Vor⸗ lage eines Gesetzes in obigem Sinne. 8
Braunschweig. Braunschweig, 22. November. (W. T. B.) Behufs Ausführung der Reichs⸗Justizgesetze ist der Landtag zu einer außerordentlichen Session auf den 5. Dezember einberufen worden
Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 23. November. (W. T. B.) Bei der heutigen Generaldebatte des Ausgleichs⸗Aus⸗ schusses über den Zolltarif und das Einfahrungsgeset
er
den Gang der mit Deutschland gepflogenen Verhandlungen und das Scheitern derselben, sowie darüber, ob und in welchem Zusammenhange die Finanzzölle mit den übrigen Tarif⸗ bestimmungen ständen und ob sich hierüber getrennt verhan⸗- deln lasse. Der Handels⸗Minister erwiderte, die Frage nach dem Gange der Verhandlungen mit Deutschland lege der Re⸗ gierung eine gewisse Reserve auf, und wünsche er, mit Rück⸗ sicht auf den internationalen - der Verhandlungen, seine Eröffnungen in vertraulicher Weise zu machen. Es wurde hierauf für morgen Abend die nächste Sitzung anbe raumt, welche als eine vertrauliche behandelt werden soll.
Pest, 22. November. Im Abgeordnenhause wur heute die Generaldebatte über die Strafgesetzvorlag eröffnet. Justiz⸗Minister Perczel beleuchtete als erste Redner die leitenden Grundsätze des Entwurfes, betonte, daß derselbe die Mitte zwischen Strenge und Humanität einhalt und empfahl schließlich dem Hause die Annahme der Vorlage Da eine größere Anzahl von Rednern zum Worte vorgemerk ist, dürfte die Generaldebatte mehrere Sitzungen in Anspruch nehmen.
Schweiz. Bern, 21. November. Der, N. Zürch. Ztg.“ wird aus der Bundesstadt geschrieben: „Die national räthliche Kommission für die Herstellung des finanziellen Gleichgewichts hat ihre Arbeiten abge⸗ schlossen.é Wie bereits bekannt, schlägt sie beim Militärwesen Ersparnisse im Betrage von 2 Mill. vor. Damit sind abe nicht alles Ersparnisse gegenüber den bisherigen Auslagen ge⸗ meint, sondern für circa eine Viertelmillion solche gegenüber den Anforderungen, welche die strikte Vollziehung der Militär organisation in Zukunft weiter an uns stellen würde. An den bisherigen Militärauslagen würden somit im Falle de vollständigen Annahme der Kommissionalanträge circa 1 ¼ Mill erspart, und dazu noch circa ½ Mill. weitere Ersparnisse in Departement des Innern, an den allgemeinen Verwaltungs kosten ꝛc. kommen. Die in Aussicht genommenen Mehr einnahmen betreffen die Post⸗ und die Zollverwaltung. Was die schon früher erwähnte Einführung einer Zuschlagstaxe von 2⁄10 auf allen oder einer höheren Taxe auf einzelnen (etwa mit Ausschluß der Rohstoffe) Abtheilungen der zoll⸗ pflichtigen Gegenstände betrifft, so ist dieser Antrag nur ein eventueller, gestellt für den Fall, daß sich die Festsetzung un das Inkrafttreten eines neuen Zolltarifes noch auf länger
1 1.
eines Schulgebäudes für die Landwirthschaftsschule in Liegnitz ab. Die Bewilligung eines Beitrages zu den Kosten des Druckes der Regulative, Reglements ꝛc. über die ständischen
der in der Abgeordnetenkammer heute fortgesetzten Be⸗ rathung des Forstetats wurde das Regierungspostulat, b betreffend die Aufhebung der Aschaffenburger Forst-⸗
chen mit 78 gegen 75 Stimmen abgelehnt und damit auch
Zeit, 2—3 Fahr⸗ hinaus verzögern würde, wie viele einsichtig Männer befürchten. Das Hauptaugenmerk der Kommission ist auf eine möglichst baldige und vollständige Deckung des Defizites gerichtet. Ein Urtheil über ihre Anträge wird erst
dann möglich sein, wenn der sehr einläßliche Bericht ihres
Präsidenten, Herrn Bucher, im Drucke vorliegt. — Die national räthliche Budgetkommission hat sich in Sektionen abgetheilt und wird sich am 30. November wieder versammeln, bis wann der soeben erwähnte Bericht fix und fertig vorliegen dürste. — 22. November. Auch die ständeräthliche Kommis sion zur Herstellung des finanziellen Gleichgewichts hat ihre Be⸗ rathung geschlossen. Es wurde ein Spritsteuer⸗Ertrag von fünf Millionen, wovon eine zu Gunsten der Kantone, in Aussicht genommen und die übrig 1 ändert acceptirt.
den wegfällig. Der Therg des Ausschusses auf Beibehaltung
um Reorganisation der Aschaffenburger
der Ministerial⸗Direktor von Landgraf zumm
von Böcking und den Königlichen Konsistorial⸗Direktor Glaser
giebigen Gebrauch e daß die konservative sich der Ab⸗ 8
S8 seils⸗Präsident und Kriegs⸗Minister, Banneville, Minister des
Forterhebung der Steuern im Dezember und Januar verfügt, 8
leiten für angemessen halten sollte, sei es auf die von der Kammer 8 im Laufe der Wahlprüfungen beschlossene Verweisung, sei es von
Großbritannien und Irland. Londo n, 22. November.
Der Geburtstag der Kronprinzessin Victoria Prinzeß Royal of Great Britain, wurde gestern in Windsor in herkömmlicher Weise festlich begangen. Die Glocken der St. Georgskapelle und der Pfarrkirche ließen ihr Festgeläute erschallen, und von den Geschützen im Long Walk und in Virginia⸗Water wurden Salutschüsse abgefeuert. — Dem „Melbourne Argus“ zufolge wäre die britische Regierung an⸗ gegangen worden, die neuen Hebriden⸗Inseln zu annektiren.
hern. Bombay, 5. November. (Reuters Bureau.) Die Regierung errichtet eine Batterie von vier 40pfündigen Armstrongschen Geschützen in Quetta. Die durch den Bolan⸗Paß führende Straße wird ö““ Die neue indische Marine ist in der Organisation begriffen. Man erwartet, sie werde sich im April nächsten Jahres in Betriebs⸗ ordnung befinden.
. Frankreich. Paris, 23. November. (W. T. B.) Das neue Geschäfts⸗Ministerium ist heute definitiv kon⸗ stituirt worden. Dasselbe besteht aus: Rochebouet, Con⸗
Auswärtigen, Welche, Minister des Innern, Lepelletier, Justiz⸗ Minister, Dutilleul, Finanz⸗Minister, Ozenne, Handels⸗ Minister, Graeffe, Minister der öffentlichen Arbeiten, Faye, Unterrichts⸗Minister, und Rouxin, Marine⸗Minister. — Wie aus Regierungskreisen verlautet, würde sich das neue Kabinet den Kammern morgen vorstellen. Nach dem „Moniteur“ bestände das Programm desselben darin, alle “ Meinungen und Debatten absolut bei Seite zu lassen, und sich einzig und allein der Erledigung der Geschäfte zu widmen. Das Kabinet werde den Kammern die ge⸗ bieterische Nothwendigkeit darlegen, sofort die Berathung des Bupdgets vorzunehmen, und die beunruhigten und gefährdeten 8 Fi sen wieder zu befestigen; dasselbe werde die Kammer und den Senat einladen, auf diesem Terrain betreffs der zur Auflösung führenden politischen Voreingenom⸗ menheiten und Meinungen eine Waffenruhe zu schließen. — Von Seiten der Linken wird eine Interpellation, betreffend die von dem nexen Ministerium einzuhaltende Po⸗ litik vorbereitet. — Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, sorll das Achtzehner⸗Comité beschlossen „sofort in der morgenden Sitzung der Kammer das Ministerium zu befragen, ob es geneigt sei, die vom Ministerium Broglie den Behörden ertheilten In⸗ struktionen hinsichtlich der Untersuchungskommission zurückzunehmen, und im Gegentheil die Behörden anzuweisen, den Anordnungen der Kommission Folge zu leisten. Im Falle einer ablehnenden Antwort solle sofort ein Mißtrauens⸗ votum eingebracht werden. 1 — Das ,Journal officiel“ vom 22. d. M. veröffentlicht an seiner Spitze die Resolution der Deputirtenkam⸗ mer, betreffend die Ernennung einer mit der parlamen⸗ tarischen Enquete über die Wahlen vom 14. und 28. Oktober beauftragten Kommission. Dieselbe lautet: 8 Art. 1. Ein in den Abtheilungen ernannter Ausschuß von 33 Mitgliedern wird beauftragt, eine parlamentarische Untersuchung über die Akte zu führen, welche seit dem 16. Mai darauf abzielten, einen ungesetzlichen Druck auf die Wahlen zu üben. 8 Art. 2. Zu diesem Behufe kann der Ausschuß, abgesehen von den besonderen Untersuchungen, die er in den Departements einzu⸗
Amts wegen sich sämmtliche Aktenstücke über die Wahlen vom 14. und 28. Oktober vorlegen lassen. Er wird zur Erfüllung seines Auftrags mit den umfassendsten Gewalten, die nur den Ausschüssen für parlamentarische Untersuchungen zustehen können, ausgestattet. 8 Art. 3. Er hat so bald als möglich einen Bericht zu erstatten, in welchem er alle Thatsachen, die geeignet sind, aus irgend einem Rechtsgrunde die Verantwortlichkeit ihrer Urheber, wer diese auch sein mögen, zu belasten, darzulegen und der Kammer die Beschlüsse 1 korzuschlagen, welche seiner Ansicht nach durch diese Thatsachen ge⸗ oten sind. Weiter veröffen licht das amtliche Blatt ein Dekret des Präsidenten der Republik, welches die Wähler des 9. Ar⸗ rondissements von Paris auf den 16. Dezember zur Wahl eines Abgeordneten an Stelle des Hrn. Jules Grévy, der für Dole optirt hat, einberuft. 8 Versailles, 23. November. (W. T. W.) Die Depu⸗ tirtenkammer fuhr auch heute mit der Prüfung der I fort und erklärte mehrere konservative Wahlen für gültig. 8
Spanien. Madrid, 23. November. (Cöln. Ztg. Eine offizielle Verfügung befiehlt dem obersten Kriegsrath
er Marine, sich aller Abänderungen in Bezug auf die Königlichen Ordonnanzen zu enthalten, welche das kriegs⸗ gerichtliche Verfahren regeln.
Griechenland. (W. T. B.) Die W. „Presse“ vom 24. d. meldet auf Grund eines Athener Konsularberichts, der griechische Ministerrath habe dem Kriegs⸗Minister einen Kredit von 4 ½ Millionen Drachmen zur Beschleu⸗ I der Kriegsvorbereitungen bewilligt. In Athen seien bereits 36 000 Gewehre und 10 Millionen Patro⸗ nen eingetroffen, weitere 25 000 Gewehre und 10 Millionen Patronen seien bestellt.
b Türkei. Konstantinopel, 23. November. (W. T. B.) Nach hier vorliegenden Seä hat der Khedive gestern
in neues Dokument, betreffend die Anleihe, unterzeichnet. Das alte Dokument verpflichtete den Khedive, dem Sultan
ine Annuität, welche die Basis für die Anleihe bilden sollte, zu zahlen. Das neue Dokument legt dem Khedive die Ver⸗ pflichtung auf, die ’ Zahlungen direkt an das Haus Gluen in London zu leisten.
— Aus Konstantinopel, 14. November, schreibt man der „Pol. Korr.“: Die Regierung ist mit der Bewegung der Muradisten und Mithadisten noch nicht fertig. Vorgestern waren neue Plakate, viel revolutionärer als die am 2. November verbreiteten, an den Moscheen von Stambul affichirt. Selbst in die Bureaus der Hohen Pforte wurden sie eingeschmuggelt. Diesmal handelte es sich nicht um mehr oder weniger unpopuläre Minister, sondern um den Sultan Abdul Hamid selbst, dessen Absetzung die Muradisten verlangen, um Murad uf dem erschütterten Thron der Khalifen wieder einzusetzen. Die Po⸗ lizei beeilte sich, die Plakate zu entfernen, ohne daß es dabei zu offenen Ruhestörungen gekommen wäre. Die Agitation m Volke und die Erregtheit des Sultans gegen seinen Bruder seit iesem neuen Zwischenfalle sind aber bis zum Aeußersten gediehen. Man behauptet hier, daß die ganze Bewegu g das Werk Mahmud Damat Paschas sei, welcher dadurch Abdul Hamid in einem seinen Einfluß fördernden Schrecken erhält. Es sind das übrigens alt⸗
ist und unter seinen persönlichen Feinden eine neue Razzi die Polizei ausführen lies welche bceren eine ee nn Rußland und Polen. Taschkent. Turk. Ztg. Mahmut Chan, der Bevollmächtigte des 8 Bee 867 von Kaschgar, soll in der ersten Hälfte dieses Monats in Taschkent eintr ffen. Mahmut⸗Chan war früher Kommandant der unweit Kaschgar gelegenen Festung Artusch. — Am 16. Ok⸗ tober (a. St.) reiste der Staatsrath Weinberg mit Aufträgen an den Emir von Buchara von hier ab. —
Amerika. Washington, 21. November. (Reuters Bureau.) Das Finanz⸗Comité des Senats hat diesem Hause heute einen Bericht zu Gunsten der von Mr. Bland eingebrachten Silber⸗Bill erstattet, indeß mit dem Zusatze, daß nicht weniger als 2 000 000 Dollars und nicht mehr als 4 000 000 Dollars Silber⸗Dollars monatlich geprägt werden sollen. Der amendirte Gesetzentwurf verfügt ferner, daß diese Dollars sammt den vorher geprägten gesaßliches Zahlungs⸗ mittel bilden sollen, ausgenommen in 5 en, wo die ge⸗ schlossenen Kontrakte eine r.ee,. Bestimmung treffen. Der New⸗Yorker „Evening⸗Post“ zufolge, hätte der Präsident Hayes den Entschluß kundgegeben, jedwede Silber⸗Bill mit seinem Veto zu belegen, die nicht ausdrücklich die Staatsschuld von ihren Operationen eximirt. “ “
Der russisch⸗türkische Krieg.
(W. T. B.) Wie der „Kölnischen Zeitung“ vom 24. aus Konstantinopel gemeldet wird, hat Essad Bey, der türkische Gesandte in Wien, auf eine dort wegen einer Ver⸗ mittelung gehaltene Anfrage eine abschlägige Antwort erhalten. Der Augenblick zu einer solchen sei noch nicht ge⸗ im Uebrigen möge sich die Pforte an Rußland wenden.
London, 23. November. (W. T. B.) Das ‚Reutersche Bureau“ meldet aus Konstantinopel von heute, auf die Vorstellung des englischen Vertreters, Layard, daß nahe an 60 griechische Schiffe, zum Nachtheil des Handels anderer Länder mit besonderen Erlaubnißscheinen versehen, in das in Blokadezustand erklärte Schwarze Meer eingelaufen seien, habe die türkische Regierung 3 mit Getreide beladene griechische Schiffe am Eingang des Bosporus anhalten und durch das Prisengericht verurtheiten lassen. In einer neuen Note habe Layard der Pforte angezeigt, daß 5 weitere griechische Schiffe sich in Nicolajeff befänden und Getreide verladen. Layard habe daran die Drohung geknüpft, daß England sich weigern würde, die Blokade anzuerkennen, wenn diese Schiffe nicht, sei es innerhalb des Blokaderayons, sei es auch selbst im Bosporus, nachdem sie die Blokadelinie schon passirt hätten, mit Beschlag belegt würden. Die Pforte habe versprochen, dem Verlangen Layards stattzugeben.
wird dem „Reuterschen Bureau“ aus Konstanti⸗
nopel gemeldet, der türkische Gesandte in Wien, Essad Bey, habe telegraphisch angezeigt, er habe den Grafen Andrass wegen einer Mediation sondirt, Graf Andrassy habe inde darauf hingewiesen, daß eine Mediation inopportun und im gegenwärtigen Augenblicke nicht angenommen werden würde. Auf eine von Essad Bey wegen Serbiens an den Grafen Andrassy gerichtete Anfrage habe der letztere erklärt, falls Serbien in den Krieg eintrete, werde Oesterreich er⸗ wägen, in welchem Punkte seine eigensten Interessen berührt würden. London, 24. November. (W. T. B.) In einer gestern in Hawarden gehaltenen Vorlesung über die orientalische Frage äußerte Gladstone bezüglich der Haltung Englands, so lange die Regierung eine bedingte Neutralität aufrecht S würde die liberale Partei auch eine bedingungsweise Ruhe eobachten. Indem Gladstone weiter die Irrthümer Englands bedauerte, welche der russischen Regierung ihre jetzige Macht⸗ stellung verschafit hätten, gab er zugleich dem Vertrauen auf die Ehre des Kaisers Alexander und die Humanität des russi⸗ schen Volkes Ausdruck und fügte hinzu, falls Rußland seine Macht mißbrauche, so wäre die Welt stark genug, ihm Zügel anzulegen.
Europäischer Kriegsschauplatz.
Konstantinopel, 23. November. (W. T. B.) Ein Tele⸗ gramm Mehemed Ali Paschas aus Orkhanie vom 22. c. meldet dessen Ankunft daselbst und fügt hinzu, Mehemed habe durch Chakir Pascha die Nachricht erhalten, daß bei Wratza, in der Nahe von Etropol, ein Gefecht zwischen einem russischen Infanterie⸗Detachement, einem Regiment Kavallerie, 2 Ge⸗ schützen und 2 Bataillonen türkischer Infanterie, denen eine starke Abtheilung tscherkessischer Kavallerie zugetheilt war, “ habe. Die Russen seien zum Rückzug gezwungen worden.
Bukarest, 22. November. (Pr.) In Kotrotscheni wird die Erzeugung der Winterbaracken für die Armee fortgesetzt. Die Armee vor Plewna ist bereits zum Viertheil damit ver⸗ sehen. In Bulgarien herrscht großer NMangelan Feuerungs⸗ material; dasselbe muß aus Rumänien nachgeführt werden. — Die russischen Verluste in Europa und in Asien betrugen, wie die W. „Presse“ meldet, vom 27. Oktober zum 2./14. November 2440 Mann an Todten und Verwundeten. Auf dem europäischen Kriegsschauplatze fielen 9 Offiziere und 31 Soldaten und wurden verwundet 161 Offiziere und 498 Soldaten. Der Verlust in Asien beträgt an Todten 8 Offi⸗ ziere und 77 Soldaten, an Verwundeten 245 Offiziere und 750 Soldaten. Außerdem schieden auf dem europäischen Kriegstheater 27 Offiziere und Soldaten, in Asien 34 Offi⸗ und 600 Soldaten aus der Front. Der Gesammtverlust is zum 2./14. November beträgt 67 303 Mann.
— Aus Varna wird der „Times“ über die Streit⸗ kräfte, welche die Türkei eben im Begriffe ist aufzustellen, berichtet:
„Die Gesammtzahl der Verstärkungen — nämlich jene, welche bereits in der Front eingetroffen sind, jene, welche auf dem Marsche dahin sind, und die, welche stündlich nachzufolgen bereit nd — beläuft sich nach den Voranschlägen auf 230 Bataillone mit 0 Batterien oder nahezu 250 000 Mann. Die wirkliche Anzahl der Verstärkungstruppen wird bedeutend hinter dieser Ziffer zurück⸗ bleiben. Die rasche Aushebung so vieler Rekruten kann nicht ohne Abgänge erfolgen. Auch der wochen⸗, ja monatelange Marsch so vieler dürftig gekleideter, kümmerlich genährter und allen schädlichen Einflüssen der schlimmen Jahreszeit ausgesetzten Menschen aus den entferntesten Theilen der Türkei nach den Kriegs⸗ schauplätzen kann sich nicht anders als unter schweren Verlusten vollziehen. Nach all diesen Abzügen dürfte die wirkliche Anzahl der neuen Streiter, welche die Maßregeln des Seraskierats auf die
gewohnte Praktiken der Günstlinge der Sultane. Thatsache ist es, daß Mahmud Damat in Folge dieser Ereignisse mächtiger denn je
Beine bringen, wohl nicht ganz 200 000 Mann erreichen. Das ist zweifelsohne uoch immer eine sehr ansehnliche Streitmacht; doch im
Vergleich zur gezenwärtigen Stärke des Feindes und den fortwähren⸗ den Nachschüben, welche er empfängt, ist die Lage der Türken keine allzu vertrauenerweckende. Die vorerwähnten Maßregeln erschöpfen jedoch die militärischen Hülfsquellen des Landes keineswegs. Es bleibt noch immer eine Reserve, welche aufgerufen werden tann und die einen Zuwachs von 183 Bataillonen oder 146 000 Mann ergeben würde. Das Milizsystem schließlich würde, wenn in aller Strenge durchge⸗ führt, 467 Bataillone liefern, von denen bis jetzt blos 33 aufge⸗ bracht sind, 434 noch der Aufforderung zur Ergreifung der Waffen harren. Alles in Allem kann die gesammte, noch nicht zu den Fahnen 8ve Streitmacht der Türkei auf 500 000 Mann veranschlagt erden. .
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Wien, 23. November. (W T. B.) Die „Polit. Korresp.“ meldet aus Cettinje von heute: Das an der nördlichen Spitze des Sees von Skutari gelegene Lisendria und das benachbarte Inselfort Germomar werden von den Montenegri⸗ nern bombardirt. Von der Besetzung von Spizza abgesehen, hat eine weitere Vormarschbewegung der Montenegriner bis jetzt nicht stattgefunden.
— Aus Cettinje, 20. November, gemeldet:
. ‚Nachrichten aus Skutari stellen fest, daß dort die äußerste Ver⸗ wirrung herrscht. Truppen patrouillen die Straßen ab, da ein Auf⸗ stand befürchtet wird; während die männliche muselmännische Bevöl⸗ kerung, etwa 700 an der Zahl, zur Bekämpfung der Montenegriner ausgeschickt worden ist. — Große Anstrengungen werden gemacht, um Irreguläre aus Albanien als Hülfe zu erlangen, und Berggeschütze werden von den Türken auf die Skutari beherrschenden Anhöhen ge⸗ schafft. — Abdi Pascha hat den Befehl über zum Entsatze Antivaris bestimmte Truppen übernommen. — Die Belagerung der Citadelle von Antivari fährt fort und Dynamit wird gegen die Mauern ange⸗ wandt. Die Montenegriner haben auch die Pässe zwischen dem See, dem Meere und den Höhen bei Muliri befestigt, so daß man glaubt, ue“ die bei Mu ici gesammelt werden könne, würde etwas ausrichten.“ 3 1e“
Asiatischer Kriegsschauplatz.
Koconstantinopel, 23. November. 88 T. B.) Von Seiten der “ werden folgende Nachrichten verbreitet: Der russische Kommandant von Deveboyun hat Moukhtar Pascha schriftlich die Einnahme von Kars angezeigt mit dem Hinzufügen, daß die Truppen, welche Kars belagert hatten, sich auf dem Marsche gegen Erzerum befänden. Gleichzeitig habe er Moukhtar Pascha aufgefordert, um eine Zerstörung der Stadt und Blutvergießen zu vermeiden, Erzerum zu übergeben. Moukhtar Pascha habe jedoch ablehnend geant⸗ wortet. — Die türkischen Blätter veröffentlichen heute die Nachricht von der Einnahme von Kars, behaupten aber, daß der Kommandant von Kars, Hussein Pascha, nicht gefangen genommen sei.
1 — Der Spoezialkorrespondent der „Daily News“ in Weran⸗Kaleh vom 20. d.:
1 „Gestern hielt der Großfürst Michael seinen feierlichen Einzug in Kars und nahm die Huldigungen der Einwohner entgegen. Dann begab er sich nach der Citadell, wo er seinen Offizieren ein Dejeuner gab. Später besuchte er die Forts Hafiz und Kanli. In der Ebene lagen die Todten — Russen wie Türken — noch unbeerdigt, aber die Verwundeten waren entfernt worden. Der Großfürst dankte den Truppen im Namen des Kaisers, wobei mehrere Bataillone die Revue passirten und die Artillerie vor den er⸗ oberten Befestigungen paradirte. Es ist jetzt festgestellt worden, daß die Garnison über 20 000 Mann stark war. Nur 18 000 Russen waren bei dem Angriffe betheiligt. Die Stadt ist gefüllt mit kranken und verwuͤndeten Türken in einem unreinen und verwahrlosten 8 stande. Aerztlicher Beistand ist dringend nöthig. Das Typhusfieber greift um sich und die Kälte ist intensiv. Morgen wird sich der Stab nach Kars begeben. Tartaren und andere berittene Miliz plündern noch immer ungehindert, aber die Ordnung wird heute hergestellt werden. Die zahlreichen türkischen Kranken und Gefangenen verur⸗ sachen große Schwierigkeiten.“
wird den „Times“
„Die Nr. 47 des „Central⸗Blatts für das Deutsche
Reich“, herausgegeben im Reichskanzler⸗Amt, hat folgenden Inbalt: Allgemeine Verwaltungssachen: Mittheilung, betreffend Rinder⸗ pest; — Bekanntmachung, betreffend die Gehaltszahlung an die Beamten des Patentamts; — Verweisung von Ausländern aus dem Reichsgebiet. — Finanzwesen: Goldankäufe Seitens der Reichsbank; — Nachweisung der Einnahmen an Zöllen und gemeinschaftlichen Ver⸗ brauchssteuern, sowie anderer Einnahmen für die Zeit vom 1. April 1877 bis zum Schlusse des Monats Oktober 1877. — Münzwesen: Uebersicht über die Ausprägung von Reichsmünzen; — Ueber⸗ sicht über die bis Ende Oktober d. Js. eingezogenen Lan⸗ desmünzen. — Zoll⸗ und Steuerwesen: Errichtung einer Zoll⸗ abfertigungsstelle und Befugniß eines Steueramts; — Berich⸗ tigtes Verzeichniß derjenigen Königlich preußischen Zoll⸗ und Steuer⸗ ämter im Innern, auf welche Begleitscheingüter unter Eisenbahn⸗ wagen⸗Verschluß abgefertigt werden dürfen. — Maß⸗ und Gewichts⸗ wesen: Bundesrathsbeschluß, betreffend die Anwendung abgekürzter Maß⸗ und Gewichtsbezeichnungen. — Marine und Schiffahrt: Be⸗ ginn einer Seesteuermannsprüfung; Ertheilung eines Flaggenattestes. — Post⸗ und Telegraphenwesen: Versendung von Mustern mit Katalogen und Preislisten. — Eisenbahnwesen: Eröffnung der Bahnstrecken Crefeld⸗M.⸗Gladbach⸗Rheydt und Neuß⸗Neersen. — Konsulatwesen: Todesfall, Exequatur⸗Ertheilungen. — Nr. 43 des „Justiz⸗Ministerial⸗Blatts“ enthält ein Erkenntniß des Königlichen Ober⸗Tribunals vom 20. September 1877 über die Verfolgbarkeit der im Auslande von Deutschen begangenen Verbrechen ꝛc., wenn die deutsche Reichsangehörigkeit zur Zeit der Strafverfolgung aufgehört hat.
Kunst, Wissenschaft und Literatur
Xanten, 20. November. (Cöln. Ztg.) Das Museum des „Niederrheinischen Alterthumsvereins“ ist in den letzten Tagen um mehrere Stücke bereichert worden, unter denen sich ein etwa 12¹ hoher Stein mit folgender Inschrift befindet ( bedeutet Ausgang der Zeile): D I. M. MIVIL MARTIVS S LEG XXX. V. V LEG XXII PR P.SILANIS DvoßvS (G(5s. Der Stein wurde beim Bau eines Kellers der Roeffsschen Bierbrauerei an der Stelle einer alten römischen Töpferei unter den Trümmern von Dachziegeln gefunden. Die Schriftseite war nach unten gekehrt und ist in Folge dessen vollkommen erhalten.
— Soeben ist im Hirzelschen Verlage zu Leipzig der dritte Band von Theodor von Bernhardi's „Geschichte Rußlands und der europäischen Politik in den Jahren 1804 — 1831“ erschienen. Dieser dritte Band behandelt die Epoche vom zweiten Pariser Frie⸗ den bis zum Kongresse von Aachen und reiht sich seinen Vorgängern hinsichtlich der Gediegenheit der archivalischen Forschung, sowie hinsichtlich der Eleganz der Darstellung würdig an. Diese Geschichte Rußlands ist bekanntlich ein Theil des umfassenden Sammelwerks: „Staatengeschichte der neuesten Zeit“. Das Unternehmen wird rüstig weiter geführt. Fenäcst werden erscheinen: „Deutsche Geschichte zur Zeit des eutschen Bundes“ von Heinrich von Treitschke (erster Band) und „Geschichte Portugals“ von J. Ph. Anstett in einem Bande. Weiter stehen in Aussicht: der dritte Band von Springers „Geschichte Oesterreichs“, „Geschichte des Kö⸗
nigreichs“ der Niederlande von S. Brie, „Geschichte Belgiens“ von demselben Verfasser, „Geschichte Hollands“ seit dem Jahre 1830 von