¹ Uuürden, erklärte der Staats⸗Minister Dr. Friedenthal, daß eine Untersuchung dieses Vorfalles unverzüglich erfolgen werde. Der Regierungs⸗Kommissar, heime Ober⸗Regierungs⸗ Rath Illing, berichtigte die von dem Abg. Dr. w bei der zweiten Lesung des Etats gemachten Angaben über die Un⸗ gleichheit der Gehälter der Strafanstaltslehrer. Bei dem Etat der Münzverwaltung antwortete der Finanz⸗Minister Camphausen auf eine Anfrage des Abg. Lauenstein, daß, wenn die in Aussicht genommene Reduktion der Münzstätten zur Ausführung kommen würde, die Münze in Hannover in erster Linie aufgehoben werden sollte; die 1.— über diesen Gegenstand seien jedoch noch nicht zum Abschluß gelangt. 1 Zu dem Etat der Eisenbahnverwaltung erklärte der Handels⸗Minister Dr. Achenbach, daß die Regierung mit der Mehrforderung von zwei Direktorenstellen bei der Ostbahn für die Verwaltung der 11“ Bahnen gleichzeitig den Antrag an das Haus habe richten wollen, die Verwaltung dieser Bahnen staatsseitig zu übernehmen. Seiner Ansicht nach hätte nur der Mangel dieser ausdrücklichen Erklärung 86 dahin geführt, daß diese beiden Stellen gestrichen worden seien; das Haus werde nunmehr Veranlassung nehmen, diese Position wieder in den Etat aufzunehmen. Nachdem noch die Abgg. Dr. Hammacher, Frhr. von Zedlitz⸗Neukirch, Schmidt (Stettin), Richter (Hagen) und Dr. Lasker das Wort ergriffen hatten, nahm das Haus den Antrag des Abg. Frhrn. von Zedlitz, das Haus wolle beschließen, bei Kapitel 17 Titel 6 der Ein⸗ nahmen und Kapitel 24 Titel 1 der dauernden Ausgaben der Eisenbahnverwaltung den Betrag von 10 200 ℳ anzu⸗ setzen und in demselben Titel die Zahl von 23 Mitgliedern der Direktion auf 25 zu erhöhen, an. (Schluß des Blattes.)
— In den deutschen Münzstätten sind bis zum 8. Dezember 1877 geprägt worden, an Goldmünzen: 1 156 099 720 ℳ Doppelkronen, 363 295 050 ℳ Kronen, 21 315 750 ℳ halbe Kronen; hiervon auf Privatrechnung: 229 822 899 ℳ; an Silbermünzen: 71 653 095 ℳ 5⸗Markstücke, 97 669 426 ℳ 2⸗Markstücke, 143 512 165 ℳ 1⸗Markstücke, 70 149 450 ℳ 00 ₰ FSe Pfennigstücke 35 717 922 ℳ 80 ₰ 20⸗ fennigstücke; an Nickelmünzen: 23 502 530 ℳ 70 ₰ 10⸗ Pfennigstücke, 11 657 813 ℳ 75 ₰ 5⸗Pfennigstücke; an Kupfer⸗ münzen: 6 213 207 ℳ 44 ₰ 2⸗„Pfennigstücke, 3 382 722 ℳ 83 ₰ 1⸗Pfennigstücke. Gesammtausprägung an Gold⸗ münzen: 1 540 710 520 ℳ; an Silbermünzen: 418 702 058 ℳ 80 Z; an Nickelmünzen: 35 160 344 ℳ 45 ₰; an Kupfer⸗ münzen: 9 595 930 ℳ 27 ₰.
— Die Einnahmen an Zöllen und gemeinschaft⸗ lichen Verbrauchssteuern haben im Reiche für die Zeit vom 1. April bis zum Schlusse des Monats November 1877 (verglichen mit der Einnahme in demselben Zeitraum des Vorjahres) betragen: Zölle 72 170 478 ℳ (— 10 031 875 ℳ), Rübenzuckersteuer 18 704 692 ℳ (— 7 262 690 ℳ), Salzsteuer 23 373 797 ℳ (+ 1˙321 261 ℳ), Tabakssteuer 319 512 ℳ (+ 39 383 ℳ), Branntweinsteuer 17 989 811 ℳ (s— 765 132 ℳ), Uebergangsabgaben von Branntwein 70 553 ℳ (— 10 757 ℳ), Brausteuer 10 733 537 ℳ (—284 681 ℳ), Uebergangsabgaben von Bier 583 887 ℳ (+ 10 797 ℳ); Summa 143 946 267 ℳ — 2 458 314 ℳ.).
— Der Aviso „Preußischer Adler“ und die Dampf⸗ anonenboote „Meteor“ und „Habicht“ sind aus der Liste der Kriegsfahrzeuge gestrichen worden.
Bayern. München, 14. Dezember. Die Abgeord⸗ etenkammer hat heute den Eisenbahngesetzentwurf einem besonderen Eisenbahnausschuß zugewiesen und den Gesetz⸗ ntwurf, betreffend die Tax⸗ und Stempelgebühren, nach dem Ausschußantrag einstimmig angenommen. — Die von dem Ausschuß für den Gesetzentwurf bezüglich des Verwaltungsgerichtshofes niedergesetzte Subkommission hofft ihre sehr eingehenden Hhnseennge heute Abend zum Abschluß zu bringen. — Der sechste Ausschuß der Kammer beantragt, dem Gesetzentwurf die Vervollständigung der bayerischen Staatseisenbahnen, sowie die Ein⸗ richtungen der bayerischen Bodensee⸗Dampfschiffahrts⸗ und der Telegraphenanstalt betreffend, in allen seinen Theilen zuzu⸗ stimmen.
— 15. Dezember. Der Landrath von Oberbayern hat in seiner heutigen Sitzung, dem Vorgange des Landraths von Niederbayern folgend, zur Frage der Verwaltungs⸗ Reorganisation, wie sie der Abg. Hauck in Vorschlag brachte, Stellung genommen. Der Antrag des Bürgermeisters Dr. Erhardt: „Der Landrath erachtet eine Zusammenlegung der bestehenden Regierungsbezirke, sowie eine Verminderung der oberbayerischen Bezirksämter als bedenklich und stellt an die Königliche Staatsregierung die Bitte, allen diesbezüglichen Anträgen die Zustimmung zu versagen“, wurde mit allen gegen zwei Stimmen angenommen. In gleicher Weise hat der Landrath von Mittelfranken einem Antrag des Bürgermeisters Keller zugestimmt: „es sei die Aufhebung der Kreisregierung von Mittelfranken, sowie die Reduktion mittel⸗ fränkischer Bezirksämter als mit den Interessen des Kreises nicht im Einklange stehend zu erachten und an die Königliche Staatsregierung die Bitte zu stellen, die bestehende Organi⸗ sation der Kreisstellen und Distrikts⸗Polizeibehörden auch ferner beibehalten zu wollen.“
Baden. Karlsruhe, 13. Dezember. (Karlsr. Ztg.) Die 8 eite Kammer hat das Gesetz über Aufbringung des Gemeindeaufwandes in den Städten unter der Städteordnung mit 43 Stimmen gegen 15 angenommen. Der Regierungsentwurf ist dabei im Wesentlichen wieder hergestellt worden. Die Gültigkeitsdauer ist nach dem Antrag der Kom⸗ mission auf 1 Jahr beschränkt.
Waldeck. Axrolsen, 15. Dezember. Der Landtag der Fürstenthümer Waldeck und Pyrmont schritt in der heutigen Sitzung zur zweiten Lesung des mit Preußen abgeschlossenen Accessionsvertrags und nahm denselben mit Schlußprotokoll und den Resolutionen in namentlicher Abstimmung mit 12 gegen 2 Stimmen an. Zugleich wurde der Antrag ange⸗
enommen, zu Art. 7 zu erklären, „Stände leben der zuver⸗
chtlichen Erwartung, daß im Landesinteresse die Beamten der Fürstenthümer auch bezüglich ihrer äußeren Stellung wie bisher den entsprechenden Kategorien der Königlich preußischen Beamten gleichgestellt werden“.
Ebenso wurde die mit Preußen abgeschlossene Militär⸗ Konvention in zweiter Lesung en blog einstimmig ange⸗ nommen.
Von allgemeinem Interesse war nur noch der Antrag der Stände, die Amortisation der Rothschildschen Schuld des
Domaniums betreffend, welche we rend der Dauer des jetzt
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ablaufenden Accessionsvertrages aus dem Domanial⸗Stamm⸗ vermögen bestritten worden ist. Der Landtag beschloß ein⸗ stimmig: „Se. Durchlaucht den Fürsten zu ersuchen, die fr. 662 660 ℳ betragenden Amortisationsbeträge dem Domanial⸗ Stammvermögen zu restituiren.“
Zu der Nachweisung der Domanialverwaltung über die im Jahre 1876 angekauften und verkauften Domanialgrund⸗ stücke beschloß der Landtag: „Die betreffenden Veräußerungen sind, da sie ohne Zustimmung der Stände vorgenommen sind, nichtig, und behalten sich Stände bezüglich dieser nichtigen Veräußerungen alle Rechte vor.“
Nach Erledigung der Tagesordnung erklärte der Landesdirek⸗ tor von Sommerfeld, daß ihm von dem Finanz⸗Minister die Mittheilung geworden sei, daß der Etat jetzt noch nicht vor⸗ elegt werden könne, und deshalb eine Vertagung bis Mitte erforderlich sei; er (der Landesdirektor) halte diese Zeit aber bei dem Stande der preußischen Landtagsverhandlungen für zu kurz und wolle den Landtag bis auf Weiteres vertagen und im Einvernehmen mit dem Landtagsvorsitzenden wieder zusammenberufen, sobald der Etat vorgelegt werden könne.
Nach lebhafter Debatte vertagte hierauf der Landesdirektor den Landtag auf zwei Monate, behielt sich aber mit ständischer Zustimmung vor, den Landtag auch schon früher wieder ein⸗ zuberufen, wenn der Etat früher vorgelegt werden kann.
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Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 15. Dezember. Der Kaiser ist gestern Abend nach Gödöllö abgereist.
— 16. Dezember. (W. T. 5 Der „Polit. Korresp.“ zufolge dürfte, nachdem die offizielle Zustimmung der deut⸗ schen Regierung zu einer sechsmonatlichen Verlängerung des bestehenden Handelsvertrages vorliegt, die bezügliche Deklaration demnächst in Berlin unterzeichnet werden. Die Verlängerung des status quo mit Italien wurde, dem Wunsche der italienischen Regierung gemäß, auf 3 Monate beschränkt und das bezügliche Uebereinkommen am 14. Dezember in Wien unterzeichnet.
— (W. T. B.) Der Ausgleichsausschuß hat bei der Berathung des Petroleumzolls die Anträge des Referenten Süß, den Zollsatz für Petroleum auf 3 Fl. in Gold festzusetzen und eine Verbrauchssteuer für inländisches Petroleum abzulehnen, mit 20 gegen 19 Stimmen ange⸗ nommen. Der Abg. Menger meldete ein Minoritätsvotum an. Die Debatte über die Verzollung des Rohöls soll morgen fortgesetzt werden. — Der hiesige Gemeinderath hat den seitherigen Bürgermeister Dr. Felder als Bürgermeister ned
Pest, 15. Dezember. (W. T. B.) In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses meldete der Abg. Helfy eine Interpellation an über die Kriegserklärung Serbiens an die Pforte. Sodann wurde der Gesetz⸗ entwurf, betreffend das Ausgleichsprovisorium in der General⸗ und Spezialdebatte, unverändert angenommen. Die dritte Lesung des Gesetzentwurfs wurde auf morgen angesetzt.
— Die Interpellation des Abg. Helfy an den Minister⸗Präsidenten lautete:
„Nach den neuesten Nachrichten hat der Fürst von Serbien der Türkei von Neuem Krieg erklärt, indem er zugleich seiner Armee den Befehl ertheilte, die türkische Grenze zu überschreiten. Hat der Herr Minister⸗Präsident amtliche Kenntniß hiervon? Wenn ja, dann frage ich: Geschieht dieser ebenso ehrlose als ungerechtfertigte Angriff gegen das türkische Reich mit Wissen des Auswärtigen Amtes der Monarchie und mit Zustimmung der ungarischen Regierung? Wenn die un⸗ garische Regierung dieses Vorgehen billigt, womit kann sie dies mo⸗ tiviren? Wenn sie es nicht billigt, dann frage ich: Beabsichtigt sie sofort Schritte zu thun, damit dem Fürsten von Serbien dieser neue Vertragsbruch verwehrt und eventuell, daß er an der Vollziehung desselben mit bewaffneter Macht verhindert werde?“
— 16. Dezember. (W. T. B.) Heute fand eine von etwa 6000 bis 8000 Personen besuchte türkenfreundliche Versammlung statt, in welcher eine Resolution des In⸗ halts angenommen wurde, daß die Zeit gekommen sei, wo die ungarische Regierung mit allen Mitteln und unter Anwendung der bewaffneten Macht einer weiteren Ausbreitung der Macht Rußlands entgegentreten müsse. Die Versammlung beschloß, die Resolution sofort durch eine Deputation dem Minister⸗ E“ überreichen zu lassen. Der Minister⸗Präsident ehnte es aber ab, die Deputation zu empfangen, die in Be⸗ gleitung einer großen Volksmenge vor seine Wohnung ge⸗ kommen war. Die Volksmenge begann hierauf, zu excediren. Von der herzugekommenen Polizei wurde der Platz indeß ohne Schwierigkeit gesäubert, so daß das schließlich erschienene Militär nicht mehr zur Verwendung kam. †
Schweiz. Bern, 15. Dezember. (N. Zürch. Ztg.) Der Bundesrath hat den Voranschlag über Einnahmen und Ausgaben des internationalen Postamts für 1878 fest⸗
estellt. Die Ausgaben (Gehalte 49 500, Bureau, Druckkosten,
Porti und Telegramme ꝛc. 28 500 Fr.) beziffern sich auf 78 000 Fr., die Einnahmen auf 6000 Fr. Es bleiben also durch die Staaten des allgemeinen Postvereins zu decken: 72 000 Fr. — Der Nationalrath hat den Artikel 1 des Entwurfs, betreffend Suspendirung einzelner Bestimmungen der Mili⸗ tärorganisation, angenommen. Der Bundesrath wurde eingeladen, eine Besoldungsskala für Offiziere mit proportio⸗ nirter Reduktion der bisherigen Besoldung einzubringen. — Der neue Minister⸗Resident der Vereinigten Staaten bei der Eidgenossenschaft, Hr. Fish, ist letzter Tage mit seiner Familie in Bern angekommen.
Großbritannien und Irland. London, 15. De⸗ ember. (W. T. B.) Die Königin hat heute Nachmittag em Beakonsfield in Hughenden einen Besuch ab⸗ gestattet.
— 17. Dezember. (W. T. B.) Heute findet abermals ein Ministerrath statt. — Die Königin hat nach dem dem Premier, Lord Beakonsfield, abgestatteten Besuche be⸗ schlossen, nicht nach Osborne überzusiedeln, sondern die Weih⸗ nachtsfeiertage in Windsor zuzubringen.
Frankreich. Paris, 16. Dezember. (W. T. B.) Eine große Anzahl von Präfekten hat um ihre Entlassun nachgesucht. Die republikanischen Blätter wollen wissen, da feß alle im Dienst befindlichen Präfekten und Unter⸗Prä⸗ ekten, sowie eine große Anzahl anderer Staatsbeamten ihrer Stellen enthoben werden würden. — Die General⸗ räthe sind auf den 21. Dezember, die Arrondissements⸗ räthe auf den 19. Dezember einberufen worden. — Im 9. Pariser Arrondissement ist an Stelle Grévy's, der für den ura angenommen hat, Emile de Girardin mit großer ajo ät zum Deputirten gewählt worden
Versailles, 15. Dezember. (W. 2. B.) Die Depu⸗ tirtenkammer hat zwei Zwölftel des Budgets und die vier direkten Steuern bewilligt. Vor der Abstimmung wurde von Seiten der Bonapartisten und Legitimisten erklärt, daß sie zwar für die betreffenden Vorlagen stimmen würden, daß aber dieses ihr Votum keinen Ausdruck des Vertrauens einschließe. — Die Kammer wird sich voraussichtlich am nächsten Mittwoch bis zur Eröffnung der ordentlichen Session im Januar vertagen.
Italien. Rom, 15. Dezember. (W. T. B.) In der Depu⸗ tirtenkammer verlangten heute bei der Berathung des Kapi⸗ tels des Budgets für das Ministerium der öffentlichen Arbeiten, betreffend die Ausgaben für den Bau der Gotthardbahn, die Deputirten Quidici und Sella von der Regierung Aus⸗ kunft über die Lage des Gotthard⸗Unternehmens und über die Verpflichtungen, welche die italienische Regierung diesem Unter⸗ nehmen gegenüber übernommen habe. Der Minister⸗ Präsident Depretis erwiderte darauf, es sei keine neue Thatsache eingetreten, dur welche die Berner Konvention eine Abänderung erfahren könnte, daher dürfe auch keine Aenderung des Beitrages, welchen Italien zu den Kosten dieses Unternehmens zu leisten habe erfolgen. Der Minister fügte sodann hinzu, er werde ich indessen bemühen, irgend eine Ermäßigung der Verpflich⸗ tung Italiens zu erlangen. Die bezüglichen Verhandlungen werde er unter dem Vorbehalte führen, daß die betreffenden italienischen Gemeinden den von ihnen zugesagten Beitrag zu den von der italienischen Regierung übernommenen Kosten des vF⸗ Unternehmens beibehalten werden. Für den Fall, daß die Gemeinden dies verweigern sollten, werde er dem Parlamente weitere Mittheilungen machen, um geeignete Maßregeln zu berathen.
— 16. Dezember. (W. T. B.) Der neue tür⸗ kische Gesandte, Turkhan Bey, hat heute dem König sein Beglaubigungsschreiben überreicht. — In der heutigen Sitzung der Deputirtenkammer zeigte der Minister⸗Präsident Depretis an, daß das Kabinet in Anbetracht der parlamentarischen Situation seine Demission gegeben und daß der König dieselbe angenommen habe. Er sei heute Vormittag vom König mit der Bildung eines neuen Kabinets beauftragt worden; bis zur Bildung desselben würden die seitherigen Minister auf ihren Posten bleiben. Depretis sprach die Erwartung aus, daß die Kammer, indem sie ihren bezüglichen Beschlüssen einen lediglich administrativen Charakter gebe, das Budget zu Ende berathen werde.
Griechenland. Athen, 16. Dezember. (W. T. B.) Zu Gunsten des Krieges gegen die Türkei fanden heute hier öffentliche Kundgebungen statt, die Polizei und die Gensd'armerie zerstreuten die Menge.
Türkei. Konstantinopel, 16. Dezember. (W. T. B.) Der englische Botschafter Layard hat die Aufmerksamkeit der Pforte auf den Umstand gelenkt, daß der Sklaventrans⸗ port seit dem Abschluß des Vertrags mit Egypten über Tri⸗ polis gehe und beantragt, daß der Gouverneur von Tripolis durch einen Firman des Sultans und ein Schreiben des Großveziers angewiesen werde, jedes Sklavenschiff mit Beschlag zu belegen. — Heute fand die Ceremonie des Kurban Bairamsfestes statt, welcher die gesammte Bürger⸗ garde beiwohnte. — Osman Pascha hat am Donners⸗ tag seiner Familie ein Telegramm zugehen lassen, worin er bestätigt, daß der Vorrath an Lebensmitteln in Plewna gänzlich erschöpft war, als er den Durchbruch versuchte und worin er hervorhebt, daß er vom Kaiser Alexander und vom Großfürsten Nikolaus mit großer Courtoisie ausge⸗ zeichnet wurde. — Mehemed Ali ist hier eingetroffen. — Die von den türkischen Journalen geführte Sprache ist erheblich weniger kriegerisch, als sie bis dahin autete.
Belgrad, 15. Dezember. (W. T. B.) Das antliche Blatt veröffentlicht diplomatische Aktenstücke, welche das Verhältniß zwischen Serbien und der Pforte seit dem Friedens⸗ schlusse bis zur Kriegserklärung betreffen.
Numänien. Bukarest, 16. Dezember. (W. T. B.) Die Deputirtenkammer hat das Militär⸗Pensionsgesetz votirt. Fürst Karl wird am Donnerstag in Nikopolis die Adresse des Senates und der Deputirtenkammer ent gegennehmen.
Amerika. Washington, 13. Dezember. Bureau.) In der gestrigen Sitzung des Senats
Yorker Zollamte. Die Bestätigung dieser Ernennungen wurde vom Senat mit 32 Stimmen gegen 25 abgelehnt. — General Sheridan benachrichtigte den militärischen Ausschuß des Re⸗ präsentantenhauses, daß keine Gefahr eines Krieges mit Mexiko vorhanden wäre, falls er nicht durch einen zu⸗ fälligen Zusammenstoß zwischen den amerikanischen und mexi⸗ kanischen Truppen entstände. — Die neueste westindische Post meldet die Entdeckung einer revolutionären Verschwö⸗ rung in Guatemala. 17 Verschwörer wurden hingerichtet.
— 15. Dezember. (W. T. B.) Der Kongreß hat sich bis nach Weihnachten vertagt, ohne in der Silberfrage Beschluß zu fassen.
Asien. Japan. Neddo, 15. Oktober. Hr. Hanabusa, höherer Beamter des hiesigen Ministeriums der Auswärtigen Ange⸗ legenheiten, reiste vor Kurzem nach Fusan in Korea, um mit der dortigen Regierung über die im eeet ce oree en Vertrage vorgesehene Eröffnung zweier Koreanischer Häfen zu unterhandeln.
a an Bord des Dampfers, mit welchem Hr. Hanabusa bereits in Fusan angekommen war, die Cholera ausbrach, wurde dort jede Kommunikation mit dem Lande vermieden und der Bevollmächtigte kehrte aus diesem Grunde sofort mit dem Schiffe nach Nagasaki zurück, wo er sich noch befindet.
Es hatte sich anläßlich der beschleunigten Rückkehr des Abgesandten hier das Gerücht von Gewaltthätigkeiten der Koreaner gegen die japanischen Ansiedler in Fusan verbreitet, und die hiesigen Zeitungen brachten sogar die Nachricht, daß der s Kommissar mit Gewalt am Landen verhindert wor ei.
Die Regierung hat dieses Gerücht jedoch offiziell dementirt.
1““
Reuters immten 19 Demokraten für und 30 Republikaner unter der Führer⸗ schaft von Mr. Conkling gegen die Ernennungen des Präsidenten Hayes für die Hauptbeamtenstellen im New⸗
Der russisch⸗türkische Krieg.
Brüssel, 15. Dezember. (W. T. B.) Der „Nord“ spricht die Besorgniß aus, daß das Mediationsgesuch der Pforte nicht aufrichtig sei und daß sich hinter demselben die Hoffnung verberge, Uneinigkeit unter den Mächten hervor⸗ zurufen. Weiter bemerkt das genannte Blatt, es sei unmög⸗ lich auf der von der Pforte bezeichneten Basis zu verhandeln. Die Illusionen der Pforte über etwaige Uneinigkeiten zwischen den europäischen Mächten würden alsbald zerstört werden.
Konstantinopel, 16. Dezember. (W. T. B.) Der englische Vertreter, Layard, erklärt die Behauptung der tür⸗ kischen Journale, er habe bei der Pforte über die Friedens⸗ bedingungen sondirt, für unbegründet.
London, 16. Dezember. (W. T. B.) Das ‚„Reutersche Bureau“ meldet aus Konstantinopel von heute, es cir⸗ kulire dort das Gerücht, daß England, ohne vorheriges Einvernehmen mit der Pforte, von freien Stücken bei Ruß⸗ land über die etwaigen Friedensbedingungen sondirt habe und daß der Pforte mitgetheilt werden würde, Rußland würde jetzt, aber nur in dem Falle, daß direkte Verhandlungen stattfänden, einen Frieden zugestehen, im Falle einer Mediation würden die Friedensbedingungen ungleich härtere sein. Ferner meldet das gedachte Bureau aus der türkischen 2e ee. obschon man sich ein kriegerisches, zum äußersten Widerstande entschlossenes Ansehen gebe, sei doch die friedliche Strömung sehr stark und als erstes Sympton einer solchen werde ein Ministerwechsel anzusehen sein. Trotz scheinbarer Ruhe herrsche bei der Bevölkerung von Konstantinopel große Unzufriedenheit und in den Straßen der Stadt würden aufrührerische Plakate angeschlagen. — Die Thronrede des Sultans habe in den diplomatischen Kreisen Konstantinopels einen ungünstigen Eindruck gemacht. Der Eingang der Cirkularnote, in welcher die Pforte die Mediation der Großmächte anrufe, solle von mehreren Mächten bescheinigt worden sein.
London, 16. Dezember. (W. T. B.) Das „Reutersche Bureau“ meldet aus Konstantinopel, die Antwort Italiens auf die Note der Pforte, betreffend die Mediation, solle entgegenkommend und freundschaftlich sein, Italien wünsche lebhaft die Wiederherstellung des Friedens und werde sich wegen der Mediation mit den übrigen Mächten ins Vernehmen setzen.
Paris, 16. Dezember. (W. T. B.) Mit Bezug auf ein Wiener Telegramm, in welchem es hieß, England würde wünschen, daß Frankreich die Initiative zu einer Me⸗ diation ergreifen möge, erklärt der „Temps“, gegenwärtig liege überhaupt keine Initiative in Frankreichs Rolle. Paris, 17. Dezember. (W. T. B.) In Betreff der Haltung Italiens bezüglich des Mediationsgesuches der Pforte theilt die „Agence Havas“ gegenüber anderweitigen Nachrichten mit, daß Italien geneigt sei, sich den Schritten der anderen Mächte anzuschließen. ge3z
Wien, 15. Dezember. (W. T. B.) Aus Athen wird der „Pol. Korr.“ berichtet: Die Kunde von der Kapitulation Piewnas habe der kriegerischen Agitation in ganz Griechenland einen neuen Impuls gegeben. Die grie⸗ chische Regierung sei dadurch ebenso, wie durch die bedrohli⸗ chen Nachrichten aus Kreta in eine schwierige Situation ver⸗ setzt; einstweilen sei sie bestrebt, durch eine energischer⸗ Fort⸗ setzung der Rüstungen der allgemeinen Stimmung Rechnung zu tragen.
Kopenhagen, 15. Dezember. (W. T. B.) Die Nach⸗ richt der „Pall Mall Gazette“, daß zwischen dem hie⸗ sigen russischen Gesandten und der dänischen Regierung Ver⸗ handlungen im Zuge seien, die bezweckten, den Prinzen Wal⸗ demar oder den Prinzen Johann von Glücksburg als Gouverneur von Bulgarien in Vorschlag zu bringen, ist nach an bester Stelle eingezogener Erkundigung als pure Erfin⸗ dung zu bezeichnen.
Europäische
Bukarest, 15. Dezember. (W. T. B.) Der Kaiser Alexander tritt schon Montags Abends, nicht erst Dienstags, die Weiterreise von hier nach St. Petersburg an, derselbe wird die Eröffnung der neuen Eisenbahnlinie Simnitza⸗ Frateschti vornehmen. Heute begab sich derselbe zum Groß⸗ fürsten⸗Thronfolger, um sich von demselben zu verabschieden. — Bei dem am 12. d. M. um Metschka stattgehabten Ge⸗ fechte hatte sich der Großfürst⸗Thronfolger derartig exponirt, daß er von einer Kugel am Kopf gestreift wurde. — Dem Reichskanzler Fürsten Gortschakoff wurde das Großkreuz des Sterns von Rumänien von der Fürstin in Person überreicht.
Simnitza, 16. Dezember. (W. T. B.) Der Kaiser Alexander hat die rergangene Nacht in dem Hauptquartier des Großfürsten⸗Thronfolger zugebracht. Die nächste Nacht wird der Kaiser in dem Salonwagen des Eisenbahnzuges, welcher ihn nach Frateschti bringt, zubringen. Morgen Vor⸗ mittag wird der Kaiser in Bukarest erwartet. — In Plewna ist weder ein russischer noch ein rumänischer Gefangener vor⸗ gefunden worden. — Die türkischen Verwundeten werden in den verschiedenen russisch⸗-rumänischen Ambulanzen ver⸗ pflegt. Mit der Behandlung Osman Paschas ist ein Kaiser⸗ licher Leibarzt betraut worden. — Ein neues russisches Regi⸗ ment, welches soeben aus Rußland eintrifft, wird auf Rus⸗ schuk dirigirt.
Bukarest, 16. Dezember. (W. T. B.) General
ezenstof, Staatssekretär von Hamburger und das Gefolge des Kaisers Alexander sind bereits hier eingetroffen und im Hotel Metropole, gegenüber dem Fürstlichen Palais abge⸗ stiegen. Am Eingange des letzteren und auf dem Bahnhof von Tirgoviste sind für die Ankunft des Kaisers Triumphbogen gebaut, der Metropolitan, die Minister, der Bürgermeister und die Beigeordneten der Stadt werden den Kaiser mit Salz und Brod empfangen und unter Kanonen⸗ donner und unter dem Geläute der Glocken in die Stadt ge⸗ leiten, die Bürgergarde bildet in den Straßen Spalier. Im Fürstlichen Palais findet Dejeuner und Diner, sowie eine theatralische Vorstellung statt. Der Minister Cogalniceanu 88 dem Kaiser bei der Abreise bis zur Grenze das Geleite geben.
St. Petersburg, 17. Dezember. (W. T. B.) Die Ankunsft des Kaisers in der Residenz wird am 22. d. M. erwartet. — Ein Telegramm der „Neuen Zeit“ schildert die traurige Lage, in der sich die Verwundeten und Kranken in Plewna bis zur Einnahme der Stadt be⸗ fanden und meldet, daß zu deren Pflege jetzt ausreichende Maßregeln getroffen seien.
St. Petersburg, 15. Dezember. (W. T. B.) Offi⸗ zielles Telegramm aus Bogot vom 13. Dezember:
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Am 11. d. M., am Tage vor dem Angriff der Türken auf die Positionen des 12. Corps, wurden auf unserer ganzen östlichen Front mehrere Rekognoszirungen ausgesührt. Eine derselben stellte — wie bereits gemeldet — heraus, daß die Türken bei Krasnoe den Lom zu überschreiten be⸗ gannen. Eine andere Rekognoszirungsabtheilung, die sich gegen Omurkioi und Karagatsch wendete und die aus 13 Com⸗ pagnien des Kurskischen Regiments, dem Lubninschen Husaren⸗ Regiment und 2 Batterien unter General Gorschkoff bestand verwickelte sich in ein Gefecht mit den Türken, das lücklich für uns endete. Die Abtheilung stieß gegen 9 Uhr Morgens auf 14 türkische Tabors mit 4 Fächa ben. Als der Kampf entbrannte, befahl General Gorschkoff, bei Kassabin einen Hinterhalt vorzubereiten, und begann dann sich zu⸗ rückzuziehen, indem er die Türken nach der Gegend des Hinter⸗ haltes hinlockte. Die Türken verfolgten den General Gorsch⸗ koff und stießen auf den Hinterhalt, welcher sofort die Offen⸗ sive ergriff, die Türken über den Haufen warf und bis Omur⸗ kioi zurücktrieb. Der Feind ließ über 200 Todte auf dem Kampfplatze; unsererseits wurden 4 Offiziere verwundet, 34 Soldaten wurden getödtet, 230 Soldaten wurden verwundet. — Unser Verlust bei Trestenik und Metschka ist noch nicht definitiv ermittelt, annähernd beziffert sich derselbe auf 25 todte oder verwundete Offiziere und etwa 90 getödtete und 600 verwundete Soldaten. Der Verlust der Türken war ein sehr großer, besonders bei dem Zurückgehen über den Lom; vor unseren Positionen sind vorläufig über 600 Todte der Türken gesammelt, das Aufsammeln der Todten ist aber bei Weitem noch nicht beendet. Unter den gefangenen Türken befinden sich 150 Verwundete und ein Stabsoffizier. — Am 13. d. M. kamen auf unserer östlichen Fronte blos unbedeutende Plänkeleien der Vorposten vor. — Von un⸗ serer Batterie in Giurgewo wurde Rustschuk beschossen, wobei ein Geschütz und eine Batterie beschädigt wurden. — Das auf den Straßen von Slatitza nach Sofia und Etropol stehende russische Detachement wurde am 12. De⸗ zember durch die Türken aus Slatitza angegriffen, welche gegen 3000 Mann Verstärkungen erhielten. Der Kampf dauerte vom Morgen bis zum Einbruch der Dämmerung, alle Angriffe der Türken wurden zurückgeschlagen. Da die Türken indeß auf den Anhöhen, welche unsere vorderen Positionen bei Tschelopetscheni und Klissa beherrschen, ihr Nachtlager auf⸗ schlugen, so räumten wir diese Positionen. Unser Verlust ist noch nicht bekannt, aber nicht erheblich. Unsere übrigen Truppentheike halten ihre früheren Positionen in Sicht von Arab Konak besetzt und bewachen Lutikowo. Die Türken fahren fort, ihre Positionen zu befestigen und ziehen allmählich Verstärkungen aus Sofia heran.
St. Petersburg, 15. Dezember. (W. T. B.) Offi⸗ zielles Telegramm aus Bogot vom 14. d. M.: Heute, ar 14. Dezember, haben sich die Türken aus Elena zurück⸗ gezogen, nachdem sie die unglückliche Stadt vorher in Brand gesteckt hatten. Elena ist durch unsere zur Verfolgung abge⸗ sendete Vorhut besetzt. 2
London, 17. Dezember. (W. T. B.) Ein Telegramm der „Daily News“ aus Verbitza vom 15. d. besagt: Heute erfolgt der Abmarsch von 40,000 Russen nach Orkhanie.
— (W. T. B.) Aus Bukarest wird der „Pol. Korr.“ über das bereits erwähnte Schreiben Osman Paschas an die Pforte gemeldet: Osman Pascha hebe in demselben rühmend die Aufnahme hervor, welche er bei dem Kaiser Alexander und dem Großfürsten Nikolaus gefunden habe. Er sei leicht verwundet. Von seinem künftigen Internirungs⸗ orte aus, den er indeß noch nicht kenne, werde er der Pforte einen detaillirten Bericht einsenden.
Wien, 17. Dezember. (W. T. B.) Wie der ,Presse“ aus Sistowa gemeldet wird, wäre im Kriegsrath be⸗ schlossen worden, daß die rumänische Armee nicht über den Balkan gehen solle. Die russischen Operationen behufs des Ueberganges über den Balkan würden erst beginnen, wenn
alle Verluste und Abgänge bei der Armee in Bulgarien er⸗
setzt und die rumänischen Lazarethe evakuirt sein werden.
Belgrad, 16. Dezember. (W. T. B.) Fürst Milan ist in das Hauptquartier nach Alexinatz abgereist. — Das amtliche Blatt veröffentlicht as Einquartierungsgesetz, sowie eine Verordnung, wonach jeder serbische Unterthan ohne Unterschied des Alters zum Kriegsdienst herangezogen werden kann. — Aus Alexinatz von heute ist die offizielle Meldung eingegangen, daß das Morawa⸗Corps die türkische Grenze überschritten, die Anhöhen von Mramor und die Ortschaften Secanica und Topolnica besetzt und daselbst eine Batterie errichtet hat.
Loandon, 15. Dezember. Einem Telegramm des „Reu⸗ terschen Bureaus“ aus Konstantinopel vom heutigen Tage zufolge marschiren die serbischen Truppen in der Rich⸗ tung auf N isch.
Wien, 16. Dezember. (W. T. B.) Dem „Telgraphen⸗ Korrespondenz⸗Bureau“ wird aus Kattaro von heute ge⸗ meldet, sicherem Vernehmen nach sei die türkische Be⸗ satzung von Antivari, welche mit dem Fürsten von Montenegro in keine direkte Verhandlungen eintreten wolle, bereit, die Uebergabe des Platzes an Oesterreich⸗Ungarn zu vollziehen. 8
Asiatischer Kriegsschauplatz.
Wien, 17. Dezemqer. (W. T. B.) Aus Tiflis geht der „Presse“ die Nachricht zu, Fürst Melikoff habe offtziell mit⸗ getheilt, daß der Aufstand in Daghestan unterdrückt sei.
Die Nr. 50 des „Central⸗Blatts für das Deutsche Reich“, herausgegeben im Reichskanzler⸗Amt, hat folgenden Inbalt: Allgemeine Verwaltungssachen: Verw.isung von Ausländern aus dem Reichsgebiet. — Finanzwesen: Goldankäufe Seitens der Reichsbank; Nachweisung der Einnahmen an Zöllen und gemennschaftlichen Ver⸗ brauchsstenern für die Zeit vom 1. April 1877 bis zum Schlusse des Monats November 1877. — Zoll⸗ und Steuerwesen: Anschreibung des Postverkehrs nach Grenzstrecken; Nachweisung der Einnahme an Wechselstempelsteuer in den Monaten April bis November 1877; Taravergütung für saucirte Tabake in Thierhäuten; Errichtung, Um⸗ wandlung, Aufhebung und Befugnisse von Zoll⸗ und S euerämtern. — Münzwesen: Uebersicht über die Ausprägung von Reichsmünzen. — Justizwesen: Ernennung beim Reichs⸗Ober⸗Handelsgericht. — Maß⸗ und Gewichtswesen: Nachträge zur Eichordnung vom 16. Juli 1869 und zum Erlasse vom 19. März 1872. — Eisenbahnwesen: Ab⸗ änderung des Betries⸗Reglements für die Eisenbahnen Deutsch⸗ lands; Eröffnung der Personen⸗Haltestelle Legden für den Gepäck⸗, Vieh⸗ und Güterverkehr. — Marine und Schiffahrt: Cirkular⸗Erlaß an die Kaiserlichen Konsulate zur Ausführung des Gesetzes, betref⸗ fend die Untersuchung von Seeunfällen. — Konsulatwesen: Er⸗
nennung; Bestellungen zu Konsular⸗Agenten. — Handels⸗ und Ge⸗ werbewesen: Verlängerung des Handels ertrages mit Oesterreich.
— Nr. 23 des „Marine⸗Verordnungs⸗Blattes“ hat fol⸗ genden Inhalt: Streichung S. M. Aviso „Preußischer Adler“ und S. M. Dampfkanonenboote „Meteor“ und „Habicht“ aus der Liste der Kriegsfahrzeuge. — Abänderung des §. 9 des Regulativs über die sicherheitspolizeiliche Ueberwachung des Betrebes der Dampf⸗ kessel. — Abänderung mehrerer Sätze im Beköstigungsregulativ für die Marinelazarethe. — Anrechnung der Dauer der Reise S. M. S. „Vineta“ in den Jahren 1875 bis 1877 als doppelte, pensions⸗ berechtigende Dienstzeit. — Statistischer Sanitätsbericht. — Inhalts⸗ verzeichniß der Schiffsbücherkisten. — Personalveränderungen. — Benach⸗ richtigungen. — Der statistische Sanitätsbericht über die Kai⸗ serlich deutsche Marine für den Zeitraum vom 1. April 1876 bis 31. März 1877 (Beilage zum Marine⸗Verordnungs⸗Blatt Nr. 23) hat folgenden Inhalt: Allgemeine Uebersicht der Kränklichkeit, Dienst⸗ unbrauchbarkeit und Sterblichkeit in der Marine. — Krankheits⸗ verhältnisse auf den Schiffen in Ostasien. Krankheitsverhältnisse auf den Schiffen in Westindien, Nord⸗ und Südamerika Krank⸗ heitsverhältnisse auf den Schiffen im Mittelmeer. Krankheitsverhält⸗ nisse auf den Schiffen in heimathlichen Häfen und Gewässern. Krankheitsverhältnisse am Lande. — Die Krankheits⸗ und Sterblich⸗ keitsverhältnisse auf den deutschen Kriegsschiffen in Ostasien in den Jahren 1859 —1875.
— Nr. 25 des Central⸗Blatts der Abgaben⸗, Ge⸗ werbe⸗ und Handelsgesetzgevung und Verwaltung in den
oöniglich Preußischen Staaten hat folgenden Inhalt: Anzeige der in der Gesetz⸗Sammlung und im Reichsgesetzblatte erschienenen Gesetze und Verordnungen. — I. Allgemeine Verwaltungsgegenstände: Be⸗ richtigtes Verzeichniß derjenigen preußischen Zoll⸗ und Steuerämter im Innern, auf welche Begleitscheingüter unter Eisenbahnwagenver⸗ schluß abgefertigt werden dürfen. — Umwandlung des Ortsnamen Chodschesen in „Kolmar i. P.“ — III. Indirekte Steuern: Erkennt⸗ niß des Königlichen Ober⸗Tribunals. Branntweinsteuer. — Ord⸗ nunzswidrigkeit. — Brennereitreibender. — Verantwortlichkeit. — Erkenntniß des Königlichen Ober⸗Tribunals. Wechselstempel. — Formular. — Accept. — Erkenntniß des Königlichen Ober⸗Tribunals. Wechselstempel. — Verjährung. — Unterbrechung. — Stempelrevisor. — Mittheilungen der Erbschaftssteuerämter für Erbfälle. — Zweite Abtheilung: Tarifirung von Pulfords magnetischer Eisenfarbe. VI. Personalnachrichten.
Statistische Nachrichten.
Sterblichkeits⸗ und Gesundheitsverhältnisse. Ge⸗ mäß den Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesundheits⸗ amts sind in der neunundvierzigsten Jahreswoche von je 1000 Be⸗ wohnern, auf den Jahresdurchschnitt berechnet, als gestorben ge⸗ meldet: in Berlin 24,8, in Breslau 27,1, in Königsberg 28,2, in Cöln 19,3, in Frankfurt a. M. 16,2, in Haanover 18,3, in Cassel 81,3. in Magdeburg 17,0, in Stettin 15,0, in Altona 18,9, in Straß⸗ burg 24,4, in München 31,0, in Nürnberg 18,6, in Augsburg 22,7, in Dresden 22,3, in Leipzig 23,0, in Stuttgart 25,8, in Braunschweig 21,4, in Karlsruhe 18,1, in Hamburg 26,4, in Wien 26,8, in Buda⸗ pest 39,1, in Prag 34,9, in Triest 32,2, in Basel 23,4, in Brüssel 30,1, in Paris 23,3, in Amsterdam 21,4, in Kopenhagen 23,9, in Stockholm 20,2, in Christiania 13,2, in St. Petersburg 33,8, in Warschau 18,9, in Odessa 19,0, in Bukarest —, in Rom —, in Turin 18,7, in Athen 23,7, in Lissabon 40,7, in London 22,8, in Glasgow 23,6, in Liverpool 30,6, in Dublin 36,6, in Edinburgh 30,0, in Alerandria (Egypten) 40,7, in New⸗York 22,5, in Philadelphia 16,4, in Boston 18,0, in Chicago 14,7, in San Franzisko 14,4, in Calcutta 36,8, in Bombay 49,4, in Madras —.
Beim Wochenbeginn herrschten in Deutschland meist östliche und nordöstliche Luftströmungen, die im Laufe der Woche meist in südöstliche übergingen. Am Wochenschlusse herrschte in Norddeutsch⸗ and jedoch Nordost in Mittel⸗ und Süddeutschland Nordwest und Südwest vor. Die Temperatur der Luft war mild; Niederschläge selten. Der Luftdruck ein schwankender, bald steigend, bald fallend, doch zeigte er gegen das Wochenende eine stark steigende Tendenz.
Die allgemeine Sterblichkeit in den deutschen Städten ist eine größere geworden; die allgemeinen Sterblichkeits⸗ verhältnißzahl ist von 23,6 der Vorwoche auf 24,3 gestiegen (auf 1000 Bewohner und aufs Jahr gerechnet) und bethei⸗ ligten sich an der Zunahme derselben hauptsächlich die jüngeren Altersklassen, während die höheren eine Abnahme der Sterblichkeit erfuhren. Unter den Todesursachen ist ein häufigeres Hervortreten der Infektionskrankheiten zu konstatiren, namentlich zeigen sich Masern, Scharlachfieber und besonders die Diphtherie im Allge⸗ meinen häufiger. Die Masern herrschten in Celle, Budapest, London; Scharlachfieber und Diphtherie oft gleichzeitig auftretend, verursachten in Berlin, Pest, Danzig, Dresden u. a. O. zahlreiche Todesfälle unter den Kindern. Auch Unterleibstyphen führten häufiger zum Tode, doch traten sie nirgends als heftigere Epidemie auf. Aus Thorn wird ein Todesfall von Flecktyphus gemeldet. Die Zahl der Pocken⸗ todesfälle in London, Wien, Prag ist eine kleinere, in Triest und Lissabon eine erheblich gesteigerte. Darmkatarrhe und Brechdurchfälle der Kinder erschienen seltener als Todesursache, nur in Straßburg. Wien, Pest, St. Petersburg ist die Zahl der Todesfälle noch eine größere. Keuchhusten und entzündliche Prozesse der Athmungsorgane verliefen gleichfalls seltener tödtlich. Die Cholera in Japan nimmt, den neuesten amtlichen Nachrichten zufolge, im Ganzen einen milden Verlauf, in der dortigen deutschen Kolonie war der Gesundheits⸗ zustand ein vortrefflicher und noch kein Cholerafall beobachtet worden.
— Nach den im „Kirchl. Gesetz⸗ und Ver.⸗Bl.“ veröffentlichten statistischen Mittheilungen aus der Verwaltung des evangelischen Kirchenwesens in den acht älteren preu⸗ ßischen Provinzen und in Hohenzollern für das Jah 8 1876 betrug die Gesammtzahl der Pfarrbesetzungen im ge⸗ nannten Faßre (einschließlich 120 nicht fundirter Hülfspredigerstellen) 532 (gegen 542 in 1875). In die neubesetzten Stellen wurden 213 anderweitig bereits angestellte Geistliche, 153 Pfarrvikare, Hülfs⸗ prediger und Pfarrgehülfen, sowie 166 Predigtamts⸗Kandidaten be⸗ rufen. Die Erledigung der 410 fundirten Stellen ist herbeigeführ worden: in 109 Fällen durch Tod, 66 durch Emeritirung, 3 Bestel lung eines Substituten, 206 Versetzung, 8 Amtsniederlegu 1 Amtsentsetzung, 19 Neugründung. Von den Stellen besetzten 65 die geistlichen Behörden unein eschränkt und 7 mittels Vorschlags mehrerer Kandidaten, 5 andere Königliche Behörden, 191 das standesherrliche und Privatpatronat, 56 Gemeindewahl auf Grund eigenen Rechts und 88 auf Grund der Allerhöchsten Verordnung vom 2. Dezember 1874. 8 —2. — Die Anzahl von Taufen belief sich im Jahre 1876 auf 485 504, darunter 38 330 unehelicher Kinder. Gegen 1875 hat sich die Zahl der Taufen entsprechend der Zunahme der Bevölkerung vermehrt. Im Jahre 1875 blieben nämlich 8,02 % der Kinder evangelischer Eltern (einschließlich der unehelichen ꝛc.) ungetauft, im Jahre 1875 nur 7,71 %. Die Betheiligung an der Taufe berechnet sich für die Kinder aus rein evangelischen Ehen in den großen Städten: Posen 100,93 %, Breslau 99,57, Barmen 95,15, Dortmund 92,33, Königs⸗ berg 87,12, Stettin 69,18, Berlin 67,24, Magdeburg 63,95 %. Konfirmirt wurden 255 564 Personen (weniger als im Vorjahre), getraut 93 057 Paare (1,87 % günstiger als im Jahre 1875 Während im Ganzen 82,49 % der Ehen unter Evangelischen kirch⸗ lich eingesegnet wurden, stellt sich der Prozentsatz für die großen Städte, wie folgt: Posen 97,08, Barmen 93,41, Dortmund 83,33 Königsberg 65,47, Breslau 64,97, Magdeburg 36,17, Stettin 34,87 Berlin 29,31 %. Sühneversuche wurden 8839 vorgenommen. Die Zahl der Kommunikanten betrug 5 468 060, die der kirch⸗ lichen Begräbnisse 200 698 (mehr als im Vorjahre). 8
Zur evangelischen Kirche übergetreten sind 1891 (meist
Katholiken, 50 Juden), ausgeschieden aus derselben sind 1201 (davon
10 zum Judenthum).
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