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verdient umsomehr die Beachtung der Fachleute, als es ausschließlich deutsche Maschiner der bekanntesten und re⸗ nommirtesten “ in seinen Mauern birgt, und daß es
wiederum die Zahl derjenigen Fabrikinstitute um eines erhöht hat, welche große Summen deutschen Geldes im Reich festhalten, die sonst — nach England wanderten. Noch ist das Etablissement in der Entwickelung begriffen; was wir indeß darüber von kompetenter Seite erfahren, läßt auf eine großartige Ausdehnung und sehr gedeihliche Zukunft schließen. 11“4“ 8
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Land⸗ und Forstwirthschaft.
Aus der Pfalz, 26. April, meldet die „Karlsr. Ztg.“: Der Regen der letzten Tage kam dem Wachsthum der Pflanzen sehr zu statten. Die Feldfrüchte stehen schön und üppig. Weniger günstig ist der Stand der Futtergewächse, denen die längere Zeit anhal⸗ tende Trockenheit wenig förderlich war. Dies gilt namentlich vom Klee, dem die kalten Osternächte seinerzeit außerdem sehr zugesetzt
hatten. Gewerbe und Handel.
Der Aufsichtsrath der Victoria zu Berlin hat nach Fest⸗ stellung des Jahresgewinns auf 410 199 ℳ die Dividende an die Aktionäre mit 132 ℳ pro Aktie und den Gewinn an die mit Ge⸗ winnantheil Versicherten auf 6 ¼ % der vom Versicherungsbeginn an gezahlten Gesammtprämien (nicht nur der einzelnen Jahresprämien) festgesetzt. Der Gewinn wird an die Versicherten der Victoria nach dem System der steigenden Dividenden vertheilt, nach welchem ganz entsprechend der Anzahl der gezahlten Jahresprämien auch der Antheil an dem Gewinn der Gesellschaft steigt. Außer den schon nach 2 Jahren zur Anrechnung kommenden Dividenden ist ausschließlich zu Gunsten der mit Gewinnantheil Versicherten noch eine Gewinn⸗ rämienreserve von 117 220 ℳ zurückgestellt, deren Zweck ist, den ahresdividenden⸗Prozentsatz der Versicherten stets über einer be⸗ stimmten Höhe zu erhalten. Die Gesammtreserven der Victoria hoben sich von 1 179 921 ℳ auf 8 737 916 ℳ ult. 1881. Natur⸗ gemäß entfällt der größte Theil dieses Zuwachses auf die rechnungs⸗ gemäße Prämienreserve der Versicherten, welche sich von 1 053 104 ℳ (49,16 % der Baarprämie) auf 7 929 276 ℳ vermehrte, während die ausschließlich zur Ausgleichung etwaiger Schwankungen in den jähr⸗ lichen Gewinnergebnissen bestimmte Kapital⸗, Gewinn⸗ und Gewinn⸗ prämienreserve sich von 96 980 ℳ hob und ult. 1881 den Betrag von 692 220 ℳ (92 220 ℳ mehr als der baare Einschuß auf das Aktienkapital) erreichte. Die Baarprämieneinnahme stieg um 241 800 ℳ auf 2 142 012 ℳ, und die Zinsen betrugen 888 600 ℳ, 54 000 ℳ mehr als im Vorjahre. Die Ergebnisse der Sterblichkeit waren sehr günstig; aus denselben resultirte ein Gewinn von 155 605 ℳ, um welchen Betrag die Sterblichkeit geringer als die rechnungsgemäß zu erwartende war. — In der Lebensversiche⸗ rungs⸗Abtheilung gingen insgesammt 4427 Anträge über 17 653 528 ℳ Versicherungssumme ein, und 3256 Policen über 12 159 588 ℳ wurden ausgefertigt. Der Gesammt⸗Versicherungs Bestand hob ich dadurch auf 21 695 Polizen über 63 495 462 ℳ Versicherungs⸗ umme.
— In der ordentlichen Generalversammlung der Aktionäre der
Deutschen Grundkreditbank vom 29. April wurde auf Vor⸗ lesung des Geschäftsberichts verzichtet, demnächst dem Vorstande Dcecharge ertheilt und die Vertheilung einer Dividende von 4 Prozent beschlossen. IS 8 Frankfurt a. M., 29. April. (W. T. B.) Der Civil⸗Senat des hiesigen Ober⸗Landesgerichts verurtheilte heute die Elisabeth⸗Westbahn⸗Gesellschaft zur Einlösung ihrer Coupons in deutscher Reichswährung und erklärte den Abzug von 10 % Einkommensteuer sowie der Stempelsteuer für unstatthaft. Frankfurt a. M., 1. Mai. (Oelbericht von Wirth & Co.) Im vorigen Jahre gab es um diese Zeit auf dem amerikanischen Petroleummarkt bekanntlich eine starke Haussebewegung; United Certificates sprangen in wenigen Tagen von 76 auf 93 Cents und auch Raffinirtes verfolgte eine stark steigende Tendenz. Die Pro⸗ duktion bleibt ca. 80 000 Faß pr. Tag. Die Verminderung der⸗ selben im Bradford⸗Distrikt wird durch die vermehrte Produktion im Alleghany⸗Distrikt ziemlich aufgehoben. United Certificates konnten sich deshalb nicht behaupten und wichen unter unbedeutenden Schwan⸗ kungen auf 77 Cents pr. Faß zurück. — In Raffinirtem beschränkt sich der Umsatz auf deg nothwendigsten Bedarf; die gegen⸗ wärtige Notirung ist le Kabeltelegramm in New YA 7 ⅜ Cents per Gallone. — Ueber die gegen die Standard Oil Co. ge⸗ richteten antimonopolistischen Bewegungen wird aus Buffalo gemeldet, daß einige einen Theil der pennsylvanischen Oelregion beherrschende Eisenbahnen sich an die Spitze dieser Opposition gestellt haben. Dieselben wollen sich nicht allein mit dem Transport von Oel be⸗ fassen und der Standard Co. alle seither genossenen Vorrechte ent⸗ ziehen, sondern auch eine größere Anzahl Raffinerien errichten. — Im Lubricating⸗Oil⸗Geschäft ist es, wie immer im Frühjahr, ziem⸗ lich still. Nachdem die Lieferungen für den Sommer größtentheils erledigt sind, bleibt in billigen Oelen wenig Nachfrage. Dagegen 8 Finden gute Cylinder⸗Oele von hohem Entzündungspunkt immer Käufer. 8 Nürnberg, 29. April. (Hopfenmarktbericht von Leopold “ Am Cen ehapectr hat sich keine Veränderung vollzogen. Gute Hopfen sind einigermaßen gefragt, während andere nur wenig gekauft werden. Die Zufuhren bleiben hinter den Umsätzen zurück, Hen die Lagerbestände kleiner werden. Die Preise waren in dieser oche keinen Schwankungen unterworfen.
Mainz, 29. April. (W. T. B.) Die Generalversammlung der Hessischen Ludwigsbahn beschloß, die ihr zur Verfügung stehenden 2 267 263 ℳ 23 ₰ in folgender Weise zu verwenden:
1 263 705 ℳ 60 ₰ Superdividende von 1 6¼10 % außer den bereits gezahlten 2 % Abschlagsdividende, 700 000 ℳ Dotation des Er⸗ ueuerungsfonds der nicht garantirten Linien, 14 228 ℳ Dotation des Reservefonds, 108 556 ℳ Tantième des Verwaltungsraths und der
Beamten, 70 000 ℳ Beitrag zur Pensionskasse der Angestellten,
110 773 ℳ 63 ₰ Vortrag auf neue Rechnung.
Ludwigshafen, 29. April. (W. T. B.) Die General⸗ versammlung der Pfälzischen Eisenbahnen hat die Vorlage der Direktion wegen Vinkulirung der Aktien und Prioritäten der Geselr⸗
schaft genehmigt. 3
. Wien, 29. April. (W. T. B.) Die Donau⸗Dampf⸗
8 schitfachrtagesegtag hat die Offerte der Kreditanstalt auf
ebernahme von 10 Millionen Mark vierprozentiger Goldprioritäten angenommen.
London, 1. Mai. (W. T. B.) Die zzweite Hälfte der italienischen Anleihe wird der „Times“ zufolge in dieser Woche emittirt werden. 1
1 Glasgow, 29. April. (W. T. B.) Die Vorräthe von Roheisen in den Stores 39 sich auf 634 100 Tons gegen 549 700 Tons im vorigen Jahre. Zahl der im Betrieb befindlichen
Hochöfen 108 gegen 122 im vorigen Jahre. .
Verkehrs⸗Anstalten. 8 8
1 Triest, 1. Mai. (W. T. B.) Der Lloyddampfer „Saturno“ ist heute büh mit der ostindisch⸗chinesischen Ueber⸗ landpost aus Alexandrien hier eingetroffen.
Berlin, 1. Mai 1882. 1 g
Verviers, 30. April. (Tel.) Die Englische Post vom 29. April, Abends, planmäßig in Verviers um 8 Uhr 39 Minuten Vormittags, ist ausgeblieben. Grund: Sturm
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Auf der Rennbahn zu Hoppegarten haben am gestrigen Sonntage die Rennen des Frühjahrs⸗Meetings des Union⸗ Klub ihren Anfang genommen. Das prächtige Frühjahrswetter hatte ein recht zahlreiches Publikum hinausgeführt, nicht blos mit den Extrazügen der Ostbahn, sondern auch mit Equipagen. — Die Rennen begannen um 3 Uhr mit dem 4 8
I. Eröffnungsrennen um den Staatspreis von 1500 ℳ für 3 jährige und ältere inländische Hengste und Stuten. 80 ℳ Einsatz, halb Reugeld. Distanz 1600 m. Dem zweiten Pferde den doppelten Einsatz. Von den zu diesem Rennen ge⸗ nannten zehn Pferden erschienen 6 am Ablauf, von denen nach einem sehr hübschen Kampf des Mr. Edwards Zjähr. F. H. „Delaware“, des Prinzen Hatzfeldt 3 jähr.
“
br. St. „Narad“ mit einer Länge schlug. Kapt. Clairs 4jähr. br. H. „Humbert“ wurde 8 Längen zurück dritter, dann folgte des König⸗ lichen Hauptgestüts Graditz br. St. „Brunhild“, Hrn. W. von Treskows schwbr. H. „Cooter“ und zuletzt Baron Oppenheims „Flie⸗ gender Holländer“. Werth 1980 ℳ für „Delawara“, 160 ℳ für „Najad“. — Um 3 ½ Uhr folgte diesem Rennen: 1“
II. Preis von Dahlwitz. Staatspreis 1500 ℳ Für 3 jähr.
und ältere inländische Hengste und Stuten. 100 ℳ Einsatz, halb Reu⸗ geld. Distanz 1200 m. Dem zweiten Pferde die Hälfte der Einsätze und Reugelder. Das Rennen hatte 11 Unterschriften, 6 zahlten Reugeld, 5 starteten. Mit einem Vorsprung von 3 Längen siegte im Canter des Hrn. Arthur Joë's 3 jähr. br. H. „Scharfschütz“ gegen des Frhrn. Ed. v. Oppenheim 4 jähr. br. H. „Durchlaucht“. Ebensoweit zurück landete hrn. Ullrichs 3 jähr. F. H. „Gottfried von Bouillon“, als dritter, ünf Längen hinter diesem, Graf Bernstorffs 3 jähr. br. St. „Mor⸗ gensteede“ und zuletzt Trainer Kelly's 3 jähr, br. St. „Palme“. Werth 1900 ℳ für „Scharfschütz“, 400 ℳ für „Durchlaucht“. — Dem Rennen schloß sich um 4 Uhr an: 8 b
III. Staatspreis IV. Klasse. 1500 ℳ für dreijährige inlän⸗ dische Hengste und Stuten, welche keinen Staatspreis JI., II. oder III. Klasse gewonnen haben. 120 ℳ Eins., halb Reugeld. Distanz 1600 m. Dem zweiten Pferde die Hälfte der Einsätze und Reugelder. Von den 11 Pferden, welche zu diesem Rennen genannt waren, zahlten 7 Reugeld und 4 erschienen am Start. Des Hrn. v. Tepper⸗Laski br. H. „Valerius“ zeigte sich vom Ablauf an den Konkurrenten überlegen und siegte nach Gefallen mit 2 ½ Längen gegen des Hrn. W. von Treskow br. H. „Harzburg“, 6 Längen hinter diesem traf Hrn. Arthur Joss’ F. St. „Flaminia“ als dritte ein, und Frhrn. Ed. von Oppenheims br. St. „Ada“ wurde 12 Längen zurück letzte. Werth des Rennens 1950 ℳ für „Valerius“, 450 ℳ für „Harzburg“. — Um 4 ½ Uhr folgte diesem Rennen: u .
IV. Verkaufs⸗Hürden⸗Rennen. Subskriptionspreis 1000 ℳ Für vierjährige u. ältere inländische u. österreichisch⸗ungarische Pferde. 60 ℳ Einsatz, ganz Reugeld. Distanz 2400 m. Da für „Alpenstock“ Reugeld gezahlt wurde, so gestaltete sich dieses Rennen zu einem Zweikampf für Rittmstr. Mollards 4 jähr. F. St. „Gold⸗ perle“ (4000 ℳ) u. Lieut. v. Treskows 5 jähr. br. W. „Xerxes“ (3500 ℳ), bei welchem die Stute den Wallach leicht mit einer Länge schlug u. den Preis von 1180 ℳ erhielt. Die Siegerin wurde nicht gefordert. — Den Schluß des Tages bildete um 5 Uhr:
V., Sonntag⸗Rennen. Staatspreis 1200 ℳ Herrenreiten. Für 3jähr. u. ältere inländische Hengste u. Stuten. 60 ℳ Einsatz, halb Reugeld. Distanz 1800 m. Dem zweiten Pferde die Einsätze u. Reugelder bis 180 ℳ Das dritte Pferd rettet vorweg seinen Ein⸗ satz. Vier Pferde waren genannt, am Start erschienen jedoch nur des Prinzen Fr. Hatzfeldt 3jähr. br. H. „Levin“ und des Lieut. von Boddien II. (17. Ul.) 4jähr. br. H. „Reginald“. Beide Pferde wur⸗ den von ihren Besitzern geritten. „Levin“ siegte wie er wollte mit 6 Längen und brachte seinem Besitzer 1200 ℳ, an „Reginald“ das zweite Geld mit 180 ℳ überlassend.
Im Verein für die Geschichte Berlins sprach „am Sonnabend Hr. J. Bloch über das Thema „Mittheilungen über Abrisse alter Berliner Häuser“. Redner hob hervor, daß in diesem Jahre, namentlich in der Friedrichsstadt, viele alte Häuser abge⸗ brochen werden, an die sich mancherlei historische Erinnerungen knüpfen. Indem nun Redner die Bedeutendsten dieser Häuser an⸗ führte, schilderte er zugleich das Historische derselben und verweilte namentlich länger bei den alten Apotheken und Konditoreien. An zweiter Stelle las sodann Hr. Ferd. Maver eine interessante Arbeit über den „altberlinischen Gasthof zum Goldenen Hirsch“: Dieser Gasthof lag wo jetzt das Haus Spandauerstraße .30 ich befindet, und wird schon 1572 genannt, wo ihn der Gastwirth
altin Doringk besaß. Man macht sich heut zu Tage keinen richtigen Begriff von dem Besitzthum eines damaligen wohlhabenden Bürgers.
u dem in Rede stehenden Hause gehörten neben einem Garten mit
cheunen und 3 Hausbuden 10 ½ Stangen Weinwachs, eine Schäferei und Meierei mit Scheunen, Garten und Buden, 27 Stück Kavel⸗ land, 3 Zins⸗ und 2 Freihufen, 8 Stück Wiesenwachs, 3 ½ Wiese (davon eine „am Teiche an der Spree“ gelegen), eine Scheune, ein Holzpack und 5 Buden (davon 3 vor dem St. Gürgenthor) und endlich ein Stück Land vor dem Spandauer Thore bei der Trift. Und für dies ganze Besitzthum zahlte Doringk jährlich an Schoß⸗ geldern 3 Thaler und 6 ½ Schilling. Obwohl nun zwar die Ber⸗ liner Gasthöfe wie die deutschen Gasthöfe überhaupt keines besonderen Rufes genossen, so muß doch der „Hirsch“ jedenfalls zu den Hotels erster Klasse gehört haben. Denn kein Geringerer kehrte bei ihm ein als Philipp Hainhofer, der bedeutendste Handelsherr seiner Zeit, der auch bei Gustav Adolf in hohem Ansehen stand und von Augsburg aus, wo er seinen Wohnsitz hatte, weite Reisen machte und darüber ein Tage⸗ buch führte. Am 30. August 1617 kam er nach Berlin und kehrte bei Peter Kerschberg im „guldin Hirschen“ gegenüber dem Rathhause ein. Drei Jahre später, an einem Sonnabend des Mai 1620, be⸗ gehrte ein schwedischer Hauptmann Gars mit nur kleinem Gefolge Auf⸗ nahme im goldenen Hirsch. Da der Besitzer den Reisenden aber für einen Engländer hielt, so verweigerte der Wirth ihm die Aufnahme. Der Abgewiesene aber war kein Geringerer als Gustav Adolf, der incognito nach Berlin kam, um seine Verlobung mit der Prinzessin Marie Eleonore zu betreiben. — Mit diesem Vortrage schlossen die Winterarbeiten des Vereins. Es beginnen nunmehr die Sommeraus⸗ flüge und zwar am Donnerstag mit einem Besuche der Heraldischen Ausstellung und am Sonnabend einer Stadtbahnfahrt nach dem Grunewald, wo im Wirthshaus zum Halensee der Baurath Orth einen Vortrag über die Stadtbahn halten wird.
Gestern Mittag wurde im Centralbureau der Hygienischen Ausstellung eine Sitzung des Centralcomités abgehalten, in welcher der Wirkl. Geh. Rath Hobrecht den Vorsitz führte. Vor etwa 150 Comitémitgliedern rekapitulirte derselbe, welchen Fortgang das Ausstellungsunternehmen seit der letzten Centralcomitésitzung am 2. Juni 1881 genommen habe, wobei er der aufopfernden Hin⸗ ebung Ihrer Majestät der Kaiserin ehrend gedachte. Nach 2 Hobrecht nahm der zweite Vorsitzende des geschäftsführen⸗ den Ausschusses, Civilingenieur Rietschel, das Wort. Er konnte konstatiren, daß in den letzten elif Monaten die dem Aus⸗ schn gestellten Aufgaben erfüllt worden sind. Hr. Hobrecht rachte zur Anzeige, daß Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz bereit sei, am 16. Mai, Nachmittags 1 Uhr, die Ausstellung zu eröffnen. Bis dahin wird, wie Baurath Kvyll⸗ mann konstatirte, die Ausstellung absolut fertig sein. Hierauf be⸗ schloß das Centralcomité nach kurzer Diskussion nahezu einstimmig: „Die Versammlung nimmt von der Mittheilung, daf hre Majestät die Kaiserin die Gnade gehabt hat, 20 goldene Medaillen zu be⸗ willigen, mit rafem Dank gegen Ihre Majestät Kenntniß und be⸗ 5. mit Rücksicht hierauf, von einer weiteren Prümlirung Ab⸗ and zu nehmen.“
Der heftige Wind, der 99 Nachmittag in Berlin und Um⸗ gegend herrschte, hat Mr. Godard verhindert, mit seinem Ballon 1 nouveau monde“ von der Charlottenburger Flora aus aufzu⸗
Die Königstädtische Realschule feierte heute ihr 50 jähriges Jubiläum durch einen festlichen Schulaktus, der in der mit Topf gewächsen reich geschmückten Aula der Anstalt stattfand. Als Ver⸗ treter der Regierung wohnten demselben der Ministerialdirektor Greiff bei. Die Motette „Lobe den Herren, meine Seele“, vom Schüler⸗ chor vorgetragen, leitete die Feier ein. Die dann folgende Festrede hielt der Direktor Vogel. Nach ihm nahm Ministerialdirektor Greiff das Wort, um die Glückwünsche der Regierung zu überbringen und
zugleich kund zu thun, daß Se. Majestät der Kaiser Seiner Gnade
dadurch besonderen Ausdruck zugeben geruht haben, daß Se. Majestät dem Ersten Oberlehrer Prof. Heinrichs den Rothen Adler⸗Orden und den Oberlehrern Dr. Steuer und Dr. Bellermann den Titel Professor verliehen habe. 81“
Friedrich v. Flotow, der Komponist der „Martha 3 feierte am 27. v. Mts. in Wien seinen 70. Geburtstag.
genannten Oper im Hof⸗Opern⸗Theater bei und wurde durch viele Ovationen ausgezeichnet. Oper, „Sakuntala schließen will.
“ I „ * 8 „ I“ 1“ 8 Auf ein ung öhnliches Interesse bei privaten K nst den sowohl wie bei den Vorständen größerer öffentlicher Sammlungen dürfen zwei Kupferstich⸗Auktionen rechnen, die in der ersten Hälfte des Monats Mai stattfinden werden. Die erste wird vom 10.— 12. Mai von R. von Zahn in Dresden veranstaltet, die andere von der Kunst⸗ handlung von Amsler u. Ruthardt geleitet, wird am 15. Mai in Lepke's Berliner Kunstauktionshause ihren Anfang nehmen. In jener gelangt die kostbare, aus 733 Nummern bestehende Kollektion eines verstorbenen russischen Sammlers, des Hrn. Peter Beresoff, in dieser die des Hrn. Oppermann und die mit ihr verschmolzene eines anderen, ungenannten Berliner Kunstfreundes — zusammen eine Reihe von fast 4000 Nummern, deren Verzeichniß einen Band von 300 Seiten Umfang bildet, — zum Verkauf. Beide Auktionen bieten eine nahezu unvergleichliche Auswahl von Arbeiten älterer Meister von den Anfängen des Kupferstichs und des Holz⸗ schnitts an bis zu den Blütheperioden des 16. und 17. Jahrhunderts und darüber hinaus in ausnahmslos auserlesenen Exemplaren von zum großen Theil ungewöhnlichster Seltenheit, zu denen in der Ber⸗ liner Auktion überdies noch eine Sammlung der besten Arbeiten des 19. Jahrhunderts von nicht geringerer Qualität hinzukommt. Auf eine Aufzählung im Einzelnen, bei der neben den werthvollsten Inkunabeln des Kupferstichs und Holzschnitts fast jeder bedeutendere Meister einer jeden Schule genannt werden
Der greise Komponist wohnte einer ihm zu Ehren veranstalteten Aufführung der oben ge⸗
Derselbe arbeitet jetzt an einer nauenn mit der er die Reihe seiner Kompositionen be⸗-
müßte, in Hinblick auf diese seltene Fülle des verschiedenartigsten
Materials verzichtend, bemerken wir nur, daß vornehmlich die deutsche
und die niederländische Schule in beiden Sammlungen in glänzendster Weise repräsentirt sind. Für das Einzelne verweisen wir auf die beiden Kataloge, von denen der von Amsler und Ruthardt heraus⸗ gegebene nicht blos die sorgfältigste Beschreibung der einzelnen Blätter darbietet, sondern auch eine Reihe der kostbarsten Unica der Sammlung in trefflichen Lichtdrucken reproduzirt. Er wird auch über die Auktion hinaus für den Kupferstichsammler als Nachweis einer stattlichen Zahl bisher noch unbeschriebener Blätter und Zustände ein schätzbares Handbuch bleiben, was, wenn auch in geringerem Maße von dem Katalog der Sammlung Beresoff ebenfalls gilt. ““
Im Friedrich⸗Wilhelmstädtischen Theater fand am Sonnabend Abend die hundertste Aufführung der Operette von Joh. Strauß: „Der lustige Krieg“, vor einem zahlreichen Publikum statt. Dem Komponisten zu Ehren war von Jacobson ein humorvoller Festprolog, „Ein Frühlingstraum“, verfaßt worden, der lebhaften Beifall fand. Frl. Elise Schmidt betrat als Walzer⸗Fee die Bühne, feierte die leichte Operettenmuse kfund ihren Meister Strauß; Walzer⸗Genien erschienen, begrüßten und gruppirten sich um sein Bild, und ein großes lebendes Tableau im Hintergrunde der Bühne, verschiedene Szenen aus Straußschen Operetten, veranschaulichend, bildete den Abschluß. Frl. Rinka, als Walzer⸗ Genius „An der schönen blauen Donau“ kostümirt, ernteten lebhaften Applaus. Die Musik, ein Potpourri der schönsten Walzer von Johann Strauß, war durch den Kapellmeister des Theaters, Hrn. Federmann, geschickt zusammengestellt worden. In der Oper selbst wirkte Fr. Direktor Fritzsche⸗Wagner als Gräfin Violetta mit und bot eine ausgezeichnete Leistung. Auch die hundertste Vorstellung der Oper wurde von reichem Beifall begleitet.
— Im Belle⸗Alliance⸗Theater eröffneten am Sonnabend Hr. Emil Thomas und 9. Betty Thomas⸗Damhofer ihr Gastspiel mit der vieraktigen Gesangsposse „Villa Sanssouci“ von Emil Korn mit Musik von W. Mannstädt. Der Inhalt des Stückes ist in wenigen Worten folgender. Der Rentier Billerbeck kehrt in der Villa seines Ruhe liebenden Freundes Lemke in Freienwalde zum Besuche ein, um dort Alles auf den Kopf zu stellen, unter dem Vor⸗ geben, daß er Alles schön arrangire. Um recht viel Störung und Unordnung zu Wege zu bringen, ist naturgemäß eine große Anzaßl von Menschen nöthig, deren Bekanntschaft Rentier Billerbeck bequem im Wartesaal eines Bahnhofs macht. Eines ähnlichen Mittels bedient sich der Autor, um die Verwirrung ihren höchsten Grad erreichen zu lassen, dadurch, daß er alle Welt in einem Gasthause mit einer großen Anzahl von Lauben zusammen kommen läßt. Wie man hieraus er⸗ sieht, sind die Mittel, deren sich der Autor zur Erreichung seines lustigen Zweckes bedient, höchst einfacher Natur; ebenso bequem hat er es sich mit den Charakteren gemacht, denen wir aus⸗ nahmslos schon in älteren Possen begegnet sind. Jedoch schien das im Großen und Ganzen der erheiternden Wirkung des Stückes auf das Publikum keinen Abbruch zu thun. — Von den ein⸗ gestreuten Couplets waren nur einige anregend; dagegen wurde ein Lied, das Fr. Betty Thomas⸗Damhofer bei Gelegenheit einer Ge⸗ burtsgratulation vortrug, recht beifällig aufgenommen. — Hr. Emil Thomas spielte den „Billerbeck“ mit jener ihm eigenthümlichen Verve, mit der er menschliche Karrikaturen darzustellen vermag. Schon sein Erscheinen wurde mit Applaus begrüßt, den er sich auch während des ganzen Abends durch sein drastisches Spiel zu erhalten wußte. Die Rolle des Kadetten „Kurt“, welche Fr. Thomas⸗Damhofer über⸗ nommen hatte, wurde von ihr recht ansprechend durchgeführt. Unter den andern Mitspielern sind noch die Damen Fr. Heltzig und Wisotzky, Frl. Strahl und Glinka, sowie die Herren Schulz und Dorn hervor⸗ zuheben. Das Stück fand bei dem überaus zahlreich versammelten Publikum, das sich sehr gut zu amüsiren schien, eine so günstige Auf⸗ nahme, daß man auf zahlreiche Wiederholungen rechnen kann.
— Im Wilhelm⸗Theater fand gestern die erste Aufführung eines Volksstückes, „Der Galeerensklave“, nach dem Englischen des Bartley Campbell, statt. Das etwas drastisch angelegte Stück errang lebhaften Beifall, welchen es zum Theil der trefflichen Dar⸗ stellung verdankt, die dadurch ermöglicht wurde, daß im National⸗ Theater wie im Victoria⸗Theater tüchtige Künstler freigeworden sind, welche die Hauptrollen in jenem Drama übernommen hatten. Die Darsteller, unter denen besonders die Herren van Hell und Door sowie die Damen Frls. Kraus und Kronau zu nennen sind, wurden nach dem vierten Akte dreimal gerufen
Redacteur: Riedel.
Verlag der Expedition (Kessel). Druck: W. Elsner.
Sieben Beilagen (einschließlich Börsen⸗Beilage), (545) außerdem ein Fahrplan der Berliuer Stadt⸗ und Ringbahn.
ihren Interessen beeinflussen.
eine 1 lheit, Zusammensetzung des Hauses
schlage.
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* 8 —
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8
Berlin, Montag, den 1. Mai
Nichtamtliches.
Preußen. Berlin, 1. Mai. Im weiteren Ver⸗ laufe der vorgestrigen (56.) Sitzung trat das Haus der Abgeordneten in die dritte Berathung des Entwurfs eines
Gesetzes, betreffend die Einsetzung von Bezirkseisen⸗
bahnräthen und eines Landeseisenbahnraths für die Statseisenbahnverwaltung ein. In der General⸗ diskussion bemerkte der Abg. Dr. Windthorst: Alles, was hier an Garantien in Bezug auf die Verwaltung und die Finanzen versucht werde, sei nicht viel werth, es wäre durchaus nicht bedauerlich, wenn Alles abgelehnt und die Verantwortung ganz und gar der Regierung, speziell dem Minister der öffent⸗ lichen Arbeiten überlassen würde. Der Minister würde dem Hause dann weit mehr perfönlich entgegentreten, während der⸗ selbe jetzt in diesen Dekorationen ein vorzügliches Schutzmittel finde. Auch die Komposition des Eisenbahnraths sei eine solche, daß ihm die Institution kein Vertrauen einflöße. Die Herren, die dort entscheidend sein würden, seien diejenigen, welche vom Minister hingeschickt würden. Die anderen Mit⸗ glieder würden zum guten Theil aus den Kreisen der Groß⸗ industriellen kommen, und er habe bezüglich der öffent⸗ lichen Verhältnisse absolut kein Vertrauen zu den Geheimen Kommerzienräthen. Dieselben ließen sich viel zu sehr von s Daneben sei die Kompetenz dieser Institutionen sehr schwankend. Ihr Werth sei ein ge⸗ ringer, sie seien nichts als eine Barriere, die der Minister mit einer leichtgeheizten Lokomotive einrennen könne. Weiter seien aber auch die Bestimmungen über die Tarife bedenklich. Es werde eine weitere Entwickelung dieser Angelegenheit an⸗ gestrebt werden können, und zwar in der Weise, daß das Haus einen erheblichen Einfluß auf das Tarifwesen sich verschaffe. Zu diesem Zwecke habe der Abg. Büchtemann den Antrag auf Einsetzung einer parlamentarischen Kommission gestellt. Es würde das eine Art Intelligenzbureau für Eisenbahn⸗ angelegenheiten sein. Er sei mit diesem Vorschlage einverstanden, soweit es wünschenswerth sein müsse, im Hause instruirte Leute zu haben. Aber die Mittel für diese Tendenz schienen ihm nicht zutreffend und nicht im Einklang mit den Verfassungsbestimmungen zu sein. Die Hauptschwäche des Antrags liege jedoch darin, daß die Mitglieder jener Kom⸗ mission nichts sollten zu sagen haben. Dann sei aber das Orientiren eine mißliche Sache, zu der sich nicht bald Jemand finden dürfte. Es müßten vom Hause in den Landeseisen⸗ bahnrath selbst Mitglieder geschickt werden, wie die Regierung auch beantragt habe, aber vom Abg. Büchtemann seltsamer Weise verworfen sei. Das Haus hätte dann seine Kom⸗ missare, ohne welche der Minister keine Aenderung im Tarif⸗ wesen vornehmen dürste. Solche Kommissare hätten sich seiner Zeit in Hannover vortrefflich bewährt. Aber das Haus sei nun einmal in der Tendenz, lauter neue Räthe zu schaffen. Er freue sich, daß der Abg. Lieber den Antrag auf Entsen⸗ dung von Landtagsmitgliedern in den Eisenbahnrath erneuert habe, und er bitte, denselben anzunehmen. Es liege darin gar nichts von Unehrerbietung, da ndas Haus damit nichts anderes wolle, als was der Minister auch gewollt habe. Der Abg. Büchtemann erklärte sich mit einem großen Theil der Ausführungen des Abg. Windthorst einverstanden,
aber nicht mit dem Vorschlage, in den Landeseisenbahnrath
parlamentarische Mitglieder zu senden. Auch er halte diese In⸗
stitution nicht für ein genügendes Schutzmittel gegen die Uebermacht des Ministers. Er sei aber nach wie vor der An⸗
sicht, daß die Befragung von Interessenten nützlich sein werde.
Die Besetzung des Eisenbahnraths flöße seiner Partei aller⸗
dings kein Vertrauen ein. Er wolle seinen Antrag auf Ein⸗ setzung einer parlamentarischen Kommission jetzt nicht erneuern, weil derselbe keine Aussicht auf Annahme habe und wolle günstigere Gelegenheit, vielleicht auch eine andere abwarten, um wirksamere Garantien zu schaffen. Möge doch einmal das Expe⸗ riment gemacht werden, wie es die Majorität haben wolle.
Nachdem sich dasselbe nicht werde bewährt haben, werde sich auch die Neigung für seinen Vorschlag eher finden. Die Mit⸗ glieder dieses Hauses hätten im Eisenbahnrath lediglich die Stellung von Interessenten, sie wären nur ein Bruchtheil des Kollegiums und wären außer Stande, allgemeine Gesichts⸗ punkte zur Geltung zu bringen. Und da es der Stellung der Mittglieder dieses Hauses nicht entsprechen würde, wenn sie
ihr Votum unter Interessenten abgeben möchten, so wolle
seine Partei die Einsetzung einer eigenen parlamentarischen Kommission. Er wolle ferner die Landesvertretung nicht direkt n die Schwierigkeiten der Verwaltung einführen, weshalb eine Partei nicht für erweiterte Befugnisse der von ihm vor⸗ geschlagenen Kommission eintrete. Mit dem Antrage Lieber önne er sich nicht befreunden und begnüge sich mit der Zusammensetzung des Eisenbahnrathes, wie sie der §. 10 vor⸗
Darauf wurde die Generaldiskussion geschlosen.. In der Spezialdiskussion wurde §. 1 ohne Debatte un⸗ verändert genehmigt. 88 §. 2. lautet nach dem Beschlusse in zweiter Lesung
Für den Bezirk einer jeden Staatseisenbahndirektion, und zwar zunächst der Königlichen Eisenbahndirektionen zu Bromberg, Ber⸗ lin, Magdeburg, Hannover, Frankfurt a. M. und Cöln wird ein Bezirkseisenbahnrath gebildet. .
Der Bezirkseisenbahnrath zu Cöln fungirt für die Bezirke der Königlichen Direktionen der rechtorheinischen und der links⸗ rheinischen Eisenbahnen.
Sobald durch Aenderungen in den Verwaltungsbezirken der bestehenden, oder Bildung neuer Staatseisenbahndirektionen die Auflösung oder anderweite Selangchensehung bestehender, oder die Bildung neuer Bezirkseisenbahnräthe erforderlich wird, erfolgt die⸗ selbe durch Königliche Verordnung, in welcher zugleich Bestim⸗ mung über die erforderlichen Wahlen zu treffen ist. Diese Wahlen sind binnen 3 Monaten zu bewirken. x 2
Hierzu lagen folgende Anträge vor: 1u“ 1)) von den Abgg. Kalle, von Fepc aup⸗ und Gen.: Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen: „Den §. 2 wie solgt zu fassen: Für den Bezirk jeder Staatseisenbahndirektion wird ein Bezirkseisenbahnrath gebildet. Ausnahmsweise kann für mehrere
Staatseisenbahndirektionsbezirke ein gemeinsamer Bezirkseisenbahn⸗ rath errichtet werden; .“
2) vom Abg. Dr. Hammacher (Essen):
Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen:
den §. 2 wie folgt zu fassen:
„Für den Bezirk einer jeden Staatseisenbahndirektion wird ein Bezirkzeisenbahnrath errichtet. Auf Anordnung des Ministers der öffentlichen Arbeiten kann jedoch ausnahmsweise statt dessen der
Bezirkseisenbahnrath für mehrere Staatseisenbahndirektionsbez irke errichtet werden.
Nach kurzer Debatte erhielt §. 2 auf Antrag des Abg. Dr. Hammacher und unter Adoption eines Amendements des Abg. von Quast folgende Fassung:
„Für den Bezirk einer jeden Staatseisenbahndirektion wird ein Bezirkseisenbahnrath errichtet. Auf Anordnung des Ministers der öffentlichen Arbeiten, für Handel und Gewerbe, und für Landwirth⸗ schaft, Domänen und Forsten kann jedoch ausnahmsweise statt dessen der Bezirkseisenbahnrath für mehre Staatseisenbahn⸗ Direktionsbezirke errichtet werden.“
§. 3 lautet nach den Beschlüssen zweiter Lesung:
Die Bezirkseisenbahnräthe werden aus Vertretern des Handels⸗ der Industrie, der Land⸗ und Forstwirthschaft zusammen⸗ gesetzt.
Die Mitglieder werden von den Handelskammern und den landwirthschaftlichen Vereinen sowie von anderen durch die Minister für öffentliche Arbeiten, für Handel und Gewerbe und der Land⸗ wirthschaft zu bestimmenden Korporationen und Vereinen auf drei Jahre gewählt.
Die Zahl der Mitglieder und deren Vertheilung auf die ver⸗ schiedenen Interessentenkreise bestimmen die Minister für öffent⸗ liche Arbeiten, für Handel und Gewerbe und der Landwirthschaft.
Hierzu lagen folgende Anträge vor:
1) von den Abgg. Dr. Wehr, Frhrn. von Minnigerode und Steffens: Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen: 1) Im §. 3 Alinea 2 hinter dem Worte „Handelskammern“ die Worte: „kaufmännischen Korporationen“; eerner die Worte: „landwirthschaftlichen Vereinen“ zu ersetzen durch die Worte: „landwirthschaftlichen Provinzialvereinen (Central⸗ bezirksvereinen)“;
endlich die Worte: „Minister für öffentliche Arbeiten, für Handel und Gewerbe und der Landwirthschaft“ zu ersetzen durch die Worte: „Minister der öffentlichen Arbeiten, für Handel und Ge⸗ werbe und für Landwirthschaft, Domänen und Forsten“.
.2) Im §. 3 Alina 3 die Worte: „Minister für öffentliche Ar⸗ beiten, für Handel und Gewerbe und der Landwirthschaft“ zu er⸗ setzen durch die Worte: „Minister der öffentlichen Arbeiten, für Hander und Gewerbe und für Landwirthschaft, Domänen und
orsten“.
89 Dem §. 3 als Alinea 4 hinzuzufügen:
zei Behinderung eines Mitgliedes kann von den Handels⸗ kammern, Korporationen und Vereinen ein Stellvertreter zu der Sitzung des Bezirkseisenbahnrathes entsendet werden. b 2) Vom Abg. Dr. Hammacher: Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen: iim §. 3 Alineag 2 hinter „Mitglieder“ zuzusetzen: „jowie die im Falle der Behinderung von Mitgliedern ein⸗ tretenden Stellvertreter“.
im §. 3 Alinea 3 Zeile 1 anstatt der Worte „der Mitglieder
und“ zu sagen:
„der Mitglieder und Stellvertreter, sowie“
Der Abg. Dr. Wehr motivirte seinen auf Entsendung von Stellvertretern gerichteten Antrag, welcher schon in zweiter Lesung vom Abg. Hammacher angeregt gewesen sei. Es sei wünschenswerth, daß nicht nur die gewählten Stellvertreter an den Sitzungen der Bezirkseisenbahnräthe theilnähmen, sondern daß auch je nach Bedürfniß andere Mitglieder der Handels⸗ kammer oder Vereine zu den Sitzungen Zutritt erhielten; dies würde namentlich im Interesse der Landwirthschaft geboten sein, die dann aus den landwirthschaftlichen Vereinen hinaus von Fall zu Fall zu den sie berührenden Gegenständen Ver⸗ treter in den Bezirkseisenbahnrath entsenden könnte.
Nach kurzer Befürwortung seines Antrages durch den Abg. Dr. Hammacher wurde der Antrag Dr. Wehr abgelehnt, der Antrag Hammacher dagegen angenommen und mit dieser Modefikation der §. 3, ebenso ohne Debatte unverändert die 88 4— 9. §. 10 lautet nach den Beschlüssen in zweiter
esung:
Der Landeseisenbahnrath besteht: 3
,'a. aus einem Vorsitzenden und dessen Stellvertreter,; hdieselben werden vom Könige, und zwar auf die Dauer von drei Jahren ernannt;
b. aus drei von dem Minister für Landwirthschaft, Domänen und Forsten, drei von dem Minister für Handel und Gewerbe, zwei von dem Minister der Finanzen, sowie zwei von dem Minister der öffentlichen Arbeiten für die Dauer von drei Jahren berufenen Mitgliedern;
ausgeschlossen sind unmittelbare Staatsbeamte;
zc. aus je einem Mitgliede für den Regierungsbezirk Cassel, den Regierungsbezirk Wiesbaden, die Stadt Berlin und die Stadt Frankfurt a. M,
aus je zwei Mitgliedern für die Provinzen Ostpreußen, West⸗ g Pommern, Brandenburg, Posen, Schlesw g⸗Holstein,
annover;
aus je drei Mitgliedern für die Provinzen Schlesien, Sachsen, Westfalen und die Rheinprovinz;
nebst einer gleichen Anzahl von Stellvertretern.
Dieselben werden durch die Bezirkseisenbahnräthe aus den Kreisen der Land⸗ und Forstwirthschaft, der Industrie oder des Handelsstandes innerhalb der Provinz, beziehungsweise des Regie⸗ rungsbezirks oder der Stadt auf die Dauer von drei Jahren ge⸗ wählt, und zwar
für die Provinzen Ostpreußen, Westpreußen und Posen durch den Bezirkseisenbahnrath zu Bromberg;
für die Provinzen Pommern, Schlesien und Brandenburg, Poe für die Stadt Berlin durch den Bezirkseisenbahnrath zu
erlin;
ür die Provinz Sachsen durch den Bezirkseisenbahnrath zu Magdeburg; für die Provinzen Hannover und Schleswig⸗Holstein, sowie 8 den Regierungsbezirk Cassel durch den Bezirkseisenbahnrath zu Hannover; —
für die Provinz Westfalen und die Rheinprovinz durch den Bezirkseisenbahnrath zu Cöln;
für den Regierungsbezirk Wiesbaden und die Stadt Frank⸗ furt a. M. durch den Bezirkseisenbahnrath zu Frankfurt a. M.
Hierzu lagen folgende Anträge vor: eer Abg. Dr. Lieber beantragte, die Regierungsvorlage wiederherzustellen, nach welcher auch Mitglierer des Landtages
(je drei aus jedem Hause) in treten sollten. Der Abg. Kalle beantragte: Das Haus der Abgeordneten wolle eßen: 1) Im §. 10 Litt. b. einzufügen hinter die Worte „berufenen “ die Worte: „nebst einer gleichen Anzahl von Stell⸗ vertretern.“
Die Abgg. Dr. Wehr, von Rauchhaupt, Kalle und Gen. beantragten: Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen:
2) Im §. 10 unter c. Zeile 15 die Worte „und zwar“ zu er⸗ setzen durch die Worte:
„nach Maßgabe eines durch Königliche Verordnung festgestell⸗ ten Vertheilungsplans,“ und die folgenden Sätze von §. 10, sowie den ganzen §. 11 zu streichen.
Endlich beantragte der Abg. Dr. Hammacher: Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen: im §. 10 sub c. Zeile 15 und folgende bis zum Schluß zu streichen und dafür zu sagen: und zwar nach Maßgabe der darüber von dem Minister der öffentlichen Arbeiten getroffenen Bestimmungen.“
Der Abg. Dr. Lieber befürwortete seinen Antrag. Eine Vertretung der parlamentarischen Körper in dem Landes⸗ eisenbahnrath sei schon früher von den Abgg. Frhrn. von Huene, von Wedell⸗Malchow und Roeckerath gewünscht worden. Es sei hervorgehoben worden, daß eine solche Vertretung eine bessere, lebendige Information über die Veränderungen im Tarifwesen, und die Vertretung höherer, allgemeinerer Gesichts⸗ punkte gegenüber einer überwuchernden Interessenpolitik mög⸗ lich mache. Nicht minder sei die Anwesenheit parlamentarisch geschulter Kräfte in dem Landeseisenbahnrath als wünschens⸗ werth anerkannt. Von denselben Anschauungen sei er bei der Wiederaufnahme des §. 10 der Regierungsvorlage ausgegan⸗ gen. Er bitte das Haus, seinem Antrage zuzustimmen.
Der Abg. Dr. Wehr erklärte, wohl nur der Noth ge⸗ horchend, habe die Regierung dies Gesetz eingebracht, das besser unterblieben wäre. Wenn seine Partei trotzdem dem⸗ selben zustimme, so geschehe das nur, weil es durch die Be⸗ schlüsse der zweiten Lesung möglichst unschädlich gemacht sei. Gegen den Antrag Lieber sei seine Partei, weil sie hindern wolle, daß die Exekutive durch die Landesvertretung kontrolirt werde, was wider den Geist der Verfassung streite.
Der Abg. Kieschke bat, es bei dem Kommissionsbeschluß zu lassen, da alles, was zu Gunsten einer Vertretung der par⸗ lamentarischen Körper in dem Landeseisenbahnrath gesprochen, illusorisch sei.
Der Abg. Dr. Windthorst war erstaunt, daß diese Ge⸗ legenheit zu einer Kontrole der Verwaltung, welche die Re⸗ gierung selbst darbiete, vom Hause so leicht dahin gegeben werde. Zu erklären sei das nur daraus, daß die Herren aus Preußen viel bureaukratischer seien, als die Vertreter der neuen Provinzen. Eine Vertretung des Landtags im Landes⸗ eisenbahnrath solle gegen den Geist der Verfassung sein, aber die Regierung selbst trage nicht Bedenken, dieser Forderung zuzustimmen. Ueberall bei der Verwaltung fänden sich In⸗ stitutionen ähnlicher Art. Gerade in der Eisenbahnverwaltung sei es von äußerster Wichtigkeit Männer an so wichtiger Stelle zu haben, die mehr vom unparteiischen Standpunkte den Fragen gegenüberständen.
Der Abg. von Wedell⸗Malchow erklärte im Gegensatz zu Freunden für den Antrag Lieber stimmen zu wollen.
Darauf wurde §. 10 nach den Beschlüssen zweiter Lesung mit dem Amendement Dr. Wehr und Gen. angenommen, der Antrag Lieber abgelehnt.
Der §. 11 wurde in Konsequenz der Beschlüsse zu §. 10 gestrichen; die §§. 12—20 wurden dagegen ohne Debatte un verändert angenommen.
§. 21 lautet nach den Beschlüssen der zweiten Lesung:
Unbeschadet der dem Reiche verfassungsmäßig zustehenden Ein⸗ wirkung auf das Eisenbahntarifwesen können Erhöhungen der für die einzelnen Klassen des Gütertarifschemas zur Zeit der Publi⸗ kation dieses Gesetzes bestehenden Normal⸗ (Maximal⸗) Transport⸗ gebühren, soweit se nicht zum Zwecke der Herstellung der Gleich⸗ mäßigkeit der Tarife oder in Folge von Aenderungen des Tarif⸗ schemas vorgenommen werden, nur durch Gesetz erfolgen.
Hierzu beantragten: 1) der Abg. Dr. Hammacher statt der Worte „zur Zeit der Publikation dieses Gesetzes“ zu sagen: „jeweilig“; 2) der Abg. Büchtemann die Worte „oder in Folge von Aenderungen des Tarifschemas“ zu streichen.
Der Abg. von Wedell⸗Malchow wünschte, daß die Tarif⸗ ermäßigung nicht im Wege der Differential⸗ und Ausnahme⸗ tarife, sondern im Wege der Normaltarife vorgenommen werde. Gegen den Antrag Hammacher habe er das schon bei Gelegenheit der zweiten Lesung geäußerte Bedenken, daß dasselbe die Regierung von Tarifermäßigungen abhalten werde.
Der Abg. Steffens trat für den Antrag Büchtemann ein. Die Aeußerungen des Regierungskommissars in der zweiten Lesung hätten jeden von der Nothwendigkeit desselben über⸗ zeugen müssen.
Der Regierungskommissar Geheime Regierungs⸗Rath Fleck erklärte, daß die Regierung gegen den Antrag —2, kein Bedenken habe, dagegen sei der Antrag Büchtemann für dieselbe unannehmbar.
Der Abg. Dr. Hammacher erklärte sich gegen den Antrag Büchtemann, nicht aus materiellen Gründen, sondern weil die Regierung denselben für unannehmbar erklärt habe, und dessen Werth nicht von der Art sei, daß er darum das ganze Gesetz reisgeben könne. Der Abg. von Wedell⸗Malchow gehe mit einen Bedenken weiter als die Regierung, die gegen die durc n Antrag geforderte Einschränkung nichts einzuwen⸗ en habe.
Der Abg. von Eynern stand dieser Frage gegenüber auf dem Standpunkt, den der Abg. Richter in I. Rede vom 24. April 1882 präzisirt habe, und bat die Fortschrittspartei, sich nach den Anschauungen des Abg. Richter, nicht des Abg. Büchtemann, in dieser Frage zu richten.
Hierauf wurde der Antrag Hammacher angenommen, de des Abg. Büchtemann dagegen abgelehnt. Die übrigen Para⸗ raphen wurden ohne Debatte erledigt und schließlich das etz im Ganzen in dritter Lesung genehmigt.