und das Goldfieber alle Kreise und Verhältnisse ergriffen, die )
Arbeiter hätten nicht allein gesündigt. Damals sei sehr ernst erwogen worden, ob man nicht den Kontraktbruch auch krimi⸗ nell strafen könne; das sei gescheitert. Aber dafür sei nun die Idee der Arbeitsbücher aufgetaucht, und seit jener Zeit datire die Agitation für dieselben. Jetzt, da man der Arbeiter nicht mehr so bedürfe, glaube man, daß der Augenblick gekommen sei, um die Arbeiter nun zu unter⸗ drücken und es ihnen für immer unmöglich zu machen, sich gegen die Autorität ihrer Brotherren aufzulehnen und etwa wieder den Tanz um das goldene Kalb mit⸗ zumachen. Der Abg. Ackermann habe sich auf die sächsischen Gewerbevereine berufen; der Reichstag dürfe sich aber nicht durch die Organisationen der Arbeitgeber beeinflussen lassen, sondern müsse die Lage der weit größeren Zahl der arbeitenden Mit⸗ bürger vor Allem berücksichtigen. Was wolle man denn mit den Arbeitsbüchern? Die Arbeitskontrakte würden doch nur durch die Verhältnisse des Arbeitsmarktes bestimmt. Dagegen könnte mit den Arbeitsbüchern ein schlimmer Miß⸗ brauch getrieben werden, trotz aller dafür angedrohten Strafen. Dies habe schon die Erfahrung gezeigt und das werde sich auch in Zukunft nicht unterdrücken lassen. In Frankreich seien allerdings die obligatorischen Arbeitsbücher eingeführt worden, aber sie sind völlig unbeachtet geblieben. Nur bei Sozialistenhetzen und ähnlichen Gelegenheiten habe die Polizei rigoros auf die Erfüllung der Vorschriften ge⸗ sehen. So etwas würde auch in Deutschland vorkommen; durch die obligatorischen Arbeitsbücher würden die deutschen Arbeiter nicht nur materiell, sondern auch politisch verletzt. Die von dem Abg. Ackermann ange⸗ führten Petitionen bewiesen nichts, da sie von Arbeitgebern ausgingen. Bezüglich der von ihm getadelten wüsten Agita⸗ tion gegen die Arbeitsbücher verweise er ihn auf die hier in Berlin von gewissen Leuten abgehaltenen Versammlungen. Die geringe Zahl von 150 000 Arbeitern, die sich gegen die Arbeitsbücher ausgesprochen hätten, zeige nur, daß die unter dem Banne des Sozialistengesetzes lebenden sozialistischen Arbeitermassen nicht wagen dürften, ihre Meinung auszusprechen. Warum höre man denn nicht die Arbeiter statt der Arbeitgeber, warum veranstalte man
doenn hier nicht eine Enquete, wie bei der Zuckersteuer u. A.?
Seine Freunde wollten nicht ein Gesetz, bei dem das Volk sich nur der Gewalt füge, sondern ein solches, mit dem es zu⸗ frieden sei. Die Rechte fürchte den Arbeiter und wolle ihn an die Kette der obligatorischen Arbeitsbücher legen, aber das werde ihr nicht gelingen. Das werde der Abg. Windthorst nicht zugeben. Man habe alle Ursache, die schon erregten Arbeiter⸗ klassen nicht noch weiter zu beunruhigen.
Bei Schluß des Blattes ergriff der Bundeskommissar Geheime Regierungs⸗Rath Bödiker das Wort.
1 Bayern. München, 13. April. (W. T. B.) Der
Herzog von Aosta, welchem ein General⸗Adjutant und ein Flügel⸗Adjutant des Königs entgegengereist waren, ist zur Theil⸗ nahme an der Feier der Vermählung des Herzogs von Genua mit der Prinzessin Isabella heute Nach⸗ mittag 4 ½ Uhr hier eingetroffen und am Bahnhof, wo eine Ehren⸗Compagnie mit der Fahne und Musik aufgestellt war, vom Prinzen Luitpold im Auftrage des Köͤnigs empfangen worden. Der Herzog begab sich, von einer Schwadron Kavallerie geleitet, nach dem Wittelsbacher Palais.
Baden. Karlsruhe, 13. April. (W. T. B.) Der
Großherzog und die Großherzogin empfingen heute den Besuch des von Baden⸗Baden hier eingetroffenen Groß⸗ fürsten Nikolaus Nikolajewitsch von Rußland.
8 Mecklenburg. Schwerin, 13. Aprl. (Meckl. Anz.) Ueber das Befinden des Großherzogs ist heute Morgen 10 Uhr folgendes Bulletin ausgegeben worden:
Schon am Abend des gestrigen Tages folgte auf die Steigerung
des Fiebers, die Nachmittags eingetreten war, eine bedeutende Ab⸗
nahme der Körpertemperatur, welche auch nach geringen Schwan⸗ kungen in der Nacht heute Morgen noch zu konstatiren ist. Indessen ist der entzündliche Prozeß in der ergriffenen Lunge noch keineswegs als abgelaufen anzusehen.
Im Uebrigen sind neue Symptome von Bedeutung nicht ein⸗
getreten. 1 Dr. Mettenheimer. Dr. Thierfelder. Aus Anlaß der Erkrankung Sr. Königlichen Hoheit ist der Geheime Medizinal⸗Rath, Professor Dr. Thierfelder aus Rostock hierher berufen worden und heute früh um 9 Uhr
In dem heute Abend 6 Uhr ver⸗ öffentlichten Bulletin heißt es:
Die entzündliche Lungenaffektion Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs ist seit gestern etwas forts eee keh Auch hatte der Hohe Patient im Laufe des Tages von Schmerzen und Husten viel zu eiden. Nichtsdestoweniger erreichte das Fieber nicht die gestrige Höhe, und es begann die Temperaturabnahme schon früher als am gestrigen Tage. Se. Königliche Hoheit haben mit Appetit die dargereichte Nahrung zu sich genommen.
Oesterreich⸗Ungarn. Prag, 13. April. (W. T. B.) Von der Polizei wurde hier heute eine geheime Sozia⸗ istenversammlung überrascht, es wurden sozialistische Schriften, sowie Waffen und Munition vorgefunden und 5 Verhaftungen vorgenommen. Pest, 13. April. (W. T. B.) Die wegen der Er⸗ mordung Majlaths Verhafteten haben sich bei den mit ihnen angestellten Verhören zwar vielfach in Widersprüche verwickelt, bis jetzt aber durchaus kein Geständniß abgelegt. Der Untersuchungsrichter Toth und der Gerichtsnotar Gyuerki haben sich heute Nachmittag mit dem Courierzuge nach Preß⸗ burg begeben, da man von dem Verhör des dort verhafteten Spanga weitere Ergebnisse erwartet.
— 14. April. (W. T. B.) Bei der heute im Abgeord⸗ netenhause fortgesetzten Spezialdebatte über die Mittel⸗ schulvorlage kam §. 71 zur Berathung, welcher be⸗ stimmt, daß Personen, die in fremden Staaten leben, nicht ungarische Bürger sind, oder ausländische Gesellschaften Mittelschulen weder errichten noch unterstützen dürfen. Nach⸗ dem Wolff (Sachse) unter Berufung auf die geistlichen Orden, deren Obere im Auslande domiziliren, diese Bestimmung für unberechtigt erklärt hatte, lehnte das Haus den Para⸗ graphen ab.
Schweiz. Bern, 13. April. (W. T. B.) Der Aus⸗ schuß des National⸗Raths genehmigte heute mit acht gegen eine Stimme (ein Mitglied des Ausschusses fehlte) den Antrag, betr. den Rückkauf der Centralbahn und der Bonz⸗ b hahn durch den Staat.
2 8 8 9 * 4 1“ 1 8*
„— (Alg. Ztg.) Der National⸗Rath Aepli ist zum Ge⸗ sandten in Wien ernannt worden.
Großbritannien und Irland. London, 13. April. (W. T. B) In der heutigen Sitzung des Unterhauses brachte der Premier Gladstone eine Königliche Botschaft ein, in welcher eine Jahrespension von je 2000 Pfd. Sterl. für die Lords Wolseley und Alcester (Seymozu r) und deren nächste männliche Erben sür ihre Verdienste wäh⸗ rend des egyptischen Feldzuges beantragt wird.
— (Allg. Corr.) Beide Häuser des Kirchenparla⸗ ments traten am 11. in Westminster für die jährliche Session zusammen. Im Oberhause wurde unter dem Vorsitz des neuen Erzbischofs von Canterbury die Frage der Förderung des Christen⸗ 4 in Egypten diskutirt. Im Unterhause entspann sich eine Debatte über die im Hause der Gemeinen von der Re⸗ gierung eingebrachte Angelobungsbill, welche ein Bericht des parlamentarischen Ausschusses streng mißbilligt. Die Debatte wurde nach mehrstündiger Dauer vertagt.
Dublin, 13. April. (W. T. B.) Das Schwur⸗ gericht hat den Angeklagten Josef Brady der Ermordung Burke's für schuldig erklärt und zum Tode verurtheilt.
Frankreich. Paris, 12. April. (Fr. Corr.) In dem heutigen Ministerrath sind die Ernennungen zu den vakanten hohen Posten in der Magistratur, von denen bereits seit einiger Zeit die Rede gewesen ist, vollzogen worden. Cazot, Senator und ehemaliger Justiz⸗Minister, ist zum ersten Präsidenten am Kassationshof als Nachfolger Mercié's, der die gesetzliche Altersgrenze erreicht hat ernannt worden; des weiteren Larombière, erster Prä⸗ sident am Pariser Appellhof, zum Senats⸗Präsidenten am Kassationshof; Varambon, Deputirter und ehemaliger Unter⸗ Staatssekretär im Justiz⸗Ministerium, zum Rath am Kassations⸗ hof; Périvier, General⸗Prokurator am Pariser Appellhof, zum ersten Präsidenten desselben Gerichtshofes, und Loew, erster Staatsanwalt am Pariser Tribunal, zum General⸗Prokurator am Appellhofe.
— (Köln. Ztg.) Im heutigen Ministerrath wurde auch die Eisenbahnfrage zur Sprache gebracht und, wie verlautet, infolge der schlechten finanziellen Lage beschlossen, den Eisenbahngesellschaften Zugeständnisse zu machen und so die Umwandlung der 5prozentigen Rente zu vermeiden, die im Lande nicht beliebt ist. Die finanzielle Lage macht die Minister überhaupt sehr besorgt, da die indirekten Steuern zurückgehen und sie im Monat März sogar um 6 Millionen hinter den Voranschlägen des Budgets zurück⸗ geblieben sind. Die Frage betreffs der Erbauung der Arbeiter⸗ wohnungen wurde auch erörtert und der Vertrag mit dem Crédit Foncier vorgelegt, in welchem sich dieser verpflichtet, unter der Bürgschaft des Staats denen, welche Häuser bauen, die zwischen 3000 bis 9000 Franken jährlich abwerfen, 20 Millionen vorzuschießen.
— 14. April. (W. T. B.) Wie das „ZJournal officiel“ meldet, ist der Fregatten⸗Kapitän Kergaradec zum außer⸗ ordentlichen Gesandten in Hue (Anam) ernannt worden. Kergaradec ist dem Vernehmen nach beauftragt, von dem Kaiser Tüdüc die sofortige Ausführung der Verträge von
1874 zu verlangen.
— 13. April, Abends. (W. T. B.) Unter Bezug⸗ nahme auf eine vom „Voltaire“ gebrachte Mittheilung sagt der „Temps“: die Konvertirungsfrage und die Verständigung mit den Eisenbahngesellschaften hingen aufs Innigste zusammen; die Verhandlungen mit den letz⸗ teren seien auf gutem Wege und ließen eine Verständigung erhoffen. Der Staat würde darauf verzichten, den Eisenbahn⸗ gesellschaften in Bezug auf die Ermäßigung der Tarife rigorose Bedingungen aufzulegen, würde aber in dem Reglement für die Transit⸗ und Einfuhrtarife, im Einvernehmen mit den Eisenbahngesellschaften, die französische Industrie und den französischen Handel zu begünstigen suchen. Ein Theil der Einnahmeüberschüsse der Eisenbahngesellschaften würde zum Bau neuer E senbahnen verwendet werden. Die Stücke der 5prozentigen Anleihe würden nicht umgetauscht, sondern nur zu 4 ½ prozentigen abgestempelt; die Inhaber würden auf die Dauer von 5 Jahren gegen jede neue Reduktion sicher
gestellt werden.
Marseille, 13. April. (W. T. B.) Heute konnten ca. 400 Arbeiter unter dem Schutze von Gensd'armen ihre Arbeit am Hafen wieder aufnehmen. Die übrigen Arbeiter setzen den Strike fort. Das Militär war genöthigt, gegen die Strikenden einzuschreiten und dieselben zu zerstreuen. Mehrere Personen wurden verhaftet. Man besorgt, daß auch die Schiffsarbeiter die Arbeit einstellen werden.
Griechenland. Athen, 13. April. (W. T. B.) Die Ernennung von Contostavlos zum Minister des Aus⸗ wärtigen ist nunmehr erfolgt.
Türkei. Konstantinopel, 6. April. Der „Köln. Ztg.“ wird von hier berichtet:
Die Woche war nach außen sehr ruhig, doch ist im Innern die Bewegung einigermaßen lebhaft; es ist Vieles in Fluß, was längere Feit gestockt hatte. Zunächst der Anschluß über Wranja, den der
ultan am Montag Abend genehmigt hat. Wie ich höre, hatte der Sultan schon einmal im Anfange der vorigen Woche das Irade er⸗ lassen, welches den Anschluß über Wranja genehmigte. Aber der Ent⸗ schluß erschien ihm so bedenklich, daß er nach einer Viertelstunde Ge⸗ genbefehl gab und das Irade zurückzog. Diese Schwankungen nun waren, wie ich von glaubwürdiger Seite erfahre, der Grund zu dem Entlassungsgesuche des Großvezirs Said, der mit aller Entschiedenheit auf der Genehmigung bestand. Er hat also einen wesentlichen Antheil an dem Verdienst der glück⸗ lichen Lösung; doch sollen bei der Gelegenheit auch die Bemühungen der deutschen Beamten nicht unerwähnt bleiben, die seit Jahren im Palast und im Ministerium den Grundsatz vertreten haben, daß die Anschlußbahnen das wichtigste Element für die Aufbesserung der türkischen Verhältnisse seien, und die durch ihre Vorstellungen der Erkenntniß des vorhandenen Bedürfnisses erst den Boden bereiteten. Die strategischen Bedenken, welche bisher das größte Hinderniß für die völlige Einigung mit Oesterreich waren, sind nunmehr aus dem Wege geräumt; es bleiben nun freilich noch die finanziellen Schwierigkeiten, insbesondere die Auseinandersetzung mit Baron Hirsch, zu überwinden; doch darf man glauben, daß auch diese jetzt ernstlich in Angriff ge⸗ nommen werden. Zweitens hat der Ministerrath am letzten Sonntag den Plan der Tabackreglie genehmigt, und zwar einstimmig; das be⸗ treffende Protokoll ist am Mittwoch oder Donnerstag in den Palast befördert worden. Auch da hat der Großvezir das Verdienst, den letzten Gegner des Projekts, Subhi Pascha, bekehrt und die einstim⸗ mige Annahme durchgesetzt zu haben. Drittens sind die Einzelheiten der Finanzreform in Fluß gekommen. Ich habe Ihnen vor 14 Tagen gemeldet, daß Agap Effendi und Wettendorf Bey vom Sultan be⸗ auftragt waren, die Grundzüge der Finanzreform darzulegen, und daß der Sultan ihre Vorschläge im Grundsatz angenommen hat, vorbehaltlich der Auseinandersetzung über das Einzelne. Se. Majestät hat nun im An⸗
Ifang der vorigen Woche einen neuen Ausschuß ernannt, bestehend aus
Agap Effendi, Hussein Husni Pascha und Hrn. Wettendorf und hat denselben beauftragt, die fraglichen Einzelheiten in einer besonderen Denkschrift zu erörtern. Die Herren haben sechs Tage lang im Palast gearbeitet und das gewünschte Schriftstück am letzten März an den Palast abgeliefert. Die vorgeschlagenen Reformen sind unsern Lesern in den Grundzügen bereits bekannt. Die neue Arbeit des Aus⸗ schusses setzt die Art, wie dieselben in Ausführung zu bringen seien, auseinander und beantragt insbesondere die Ernennung von Einzelausschüssen, deren jeder mit der Ausführung eines bestimmten Antheils der Reformen betraut wird. So soll z. B. ein Ausschuß die nöthigen Vollmachten erhalten, um den Ge⸗ sammtstand der türkischen Finanzen an irgend einem Tage, z. B. 1. Januar 1884, festzustellen und die Rechnungen der Vergangenheit abzuschließen; ein anderer soll die Erhebung der Steuern neugestalten u. s. w. Der Sultan ist damit beschäftigt, diese Vorschläge zu. prüfen, und soll sich schon günstig darüber geäußert haben; eine Ent⸗ scheidung war indessen bis gestern noch nicht erfolgt. Wir haben somit im Ganzen eine recht erfreuliche Bewegung auf dem Gebiete des ökonomischen Fortschrittes zu verzeichnen.
Rußland und Polen. Odessa, 13. April. (W. T. B.) Der Herzog von Chartres ist auf seiner Reise von Konstantinopel in Sebastopol angekommen und beabsichtigt, am 17. d. M. nach Batum weiter zu reisen.
Zeitungsstimmen.
Das „Deutsche Handelsarchiv“ veröffentlicht aus
Königsberg im Februar einen Bericht, der folgendermaßen lautet:
Die vorzüglichen Ernteergebnisse, die unsere Provinz und die an⸗ grenzenden russischen Gouvernements im vorigen Jahre erzielt haben, haben wesentlich dazu beigetragen, den ersreulichen Aufschwung, den der Handel Königsbergs bereits im Jahre 1881 genommen hat, weiter zu fördern und den Wohlstand unserer Provinz zu heben. Die großen Umsätze, die in den meisten Artikeln, die zum Lebensunterhalt dienen, im vorigen Jahre gemacht worden sind, liefern den besten Beweis dafür, daß die Konsumfähigkeit unserer Bevölkerung erheblich gestiegen ist. In Folge des belebteren Handels und Verkehrs und der im Allgemeinen regen Bauthätigkeit hat auch unsere hiesige Arbeiterbevölkerung während des ganzen vorigen Jahres recht lohnen⸗ den Verdienst gehabt. 1 .
„Für die erfreuliche Hebung unserer wirthschaftlichen Verhältnisse dürfte auch die Thatsache sprechen, daß bei sämmtlichen S und Vorschußvereinen die Spareinlagen und Depositen gestiegen sind, und daß die Anzahl der kaufmännischen Konkurse in unserer Provinz im vorigen Jahre kaum nennenswerth ist und darunter sich vorzugsweise nur solche sFirmen befunden haben, die auch unter 3 allerbesten Zeitverhältnissen ihre Existenz nicht hätten behaupten nnen.
Auch der größeren Mehrzahl unserer Landwirthe ist es gelungen, einen Theil derjenigen Wechselverbindlichkeiten zu tilgen, die einzu⸗ gehen sie in Folge der schlechten Ernten früherer Jahre gezwungen war, um die zur Hebung der Ertragsfähigkeit der Besitzungen er⸗ forderlichen größeren Meliorationen vornehmen und die zur Ver⸗ besserung der Viehheerden nöthige Einführung von Rassevieh ermög⸗ lichen zu können. 8 „Der Getreidehandel hat Umsätze im vorigen Jahre aufzuweisen, wie sie bisher nur während des russisch⸗türkischen Krieges in den Jahren 1877 und 1878 vorgekommen sind. 8 „Die Zufuhr aus der Provinz hat die länger als seit 10 Jahren nicht dagewesene Höhe von 158 214 t zu 20 Ctr. erreicht. Im d sind dem hiesigen Markte zugeführt worden 493 587 t zu 2 rn.
Die Ausfuhr nach Deutschland betrug:
25 138 t, nach dem Auslande 498 442 „ zus. 523 580 t zu 20 Ctr., mithin Gesammtumsatz etwa 1 017 000 „ „ 20 „ welcher Umsatz von dem der beiden Jahre 1877 und 1878 nur wenig übertroffen wird, und zwar betrug derselbe 1877 etwa 1 245 000 t und 1878 „ 1 129 000 „
— Die „National⸗Zeitung“ berichtet:
Auch in diesem Monat wieder ist der Zudrang zur (Berliner) Sparkasse sehr stark; täglich werden große Summen eingelegt, so daß das Gesammt⸗Einlagekapital sich in dem laufenden Jahre voraussichtlich wieder um fünf bis sechs Millionen vermehren wird, wie dies 1882 geschehen ist. In der nächsten Zeit wird das Kuratorium die Errich⸗ tung der bereits beschlossenen fünften Zahlstelle ausführen.
— In dem Jahresberichte des Großherzoglich sächsischen Fabrikinspektors wird mitgetheilt, daß das die Agitation be⸗ schränkende Sozialistengesetz ganz außerordentlich zur Be⸗ ruhigung und größeren Befriedigung der Arbeiter beigetragen haben soll, so daß ein besseres Einvernehmen zwischen den Besitzern und Arbeitern vielfach gerühmt werde. Dazu be⸗ merkt die „Weimarische Zeitung“: 1
Der Radikalismus, Fortschrittspartei, Sezessionisten versichern stets mit großem Nachdruck die völlige Nutzlosigkeit des Sozialisten⸗ gesetzes. Hier wird nun aus dem Munde von Praktikern und Sach⸗ verständigen das Gegentheil bekundet. Allerdings wird zuzugeben sein, daß in den Hochburgen der Sozialdemoktratie, in den großen Fabrikstädten, wo die Organisation der Partei leicht durchgeführt ist, das Sozialistengesetz noch keinen sehr großen Erfolg erzielt hat. Darauf hat indessen wohl auch Niemand gerechnet. Nur allmählich kann durch die Unterbindung der Organisation eine Schwächung der Partei herbeigeführt werden. Die Erwartung aber, daß das Gesetz in der Peripherie, da, wo die Sozialdemokratie nicht festgeschlossene Körper bildet, wohl zu wirken vermag, wird durch obige Aeußerung in erfreulicher Weise bestätigt. Es wird später daran zu er⸗ innern sein.
— In der „Neuen Preußischen Zeitung“ lesen wir:
. Aus ländlichen Distrikten wird wiederholt die Thatsache be⸗ richtet, daß der Viehhandel seit Beendigung der vorjährigen günstigen Ernte einen bedeutenden Aufschwung genommen hat, und daß die Landwirthe darauf bedacht sind, die im voraufgegangenen inter reduzirten Bestände wieder zu vervollständigen. Neuerdings entwickelt sich vorzugsweise ein reger Handel mit Zugvieh und Schweinen. Es ist wohl nicht zu bezweifeln, daß die Schweinezucht in Folge des Verhots der Einfuhr von amerikanischem Schweinefleisch eine nicht unwesentliche Vermehrung erfahren wird.
— Aus Pillau, 12. April schreibt man der „Nord deutschen Allgemeinen Zeitung“: t
Als Folge der nevxen Zollpolitik mußte ein empfindlicher Rück⸗ gang unseres Schiffsverkehrs eintreten, so lautete die freihändlerischer⸗ seits uns seiner Zeit zu Theil gewordene Prophezeiung. Glücklicher⸗ weise ist diese so wenig wie die übrigen eingetroffen, denn unser Schiffsverkehr hat nicht abgenommen, sondern zeigt eine erfreuliche Steigerung. Im Jahre 1882 gingen 2484 Schiffe in unserem Hafen ein und 2422 aus, eine Zahl, die in früheren Jahren nur ein einziges Mal überschritten wurde und zwar in Folge der ganz ungewöhnlichen Frequenz des Ausnahmejehres 1878. Auch hier machen wir die Er⸗ fahrung, daß die Zahl der Dampfschiffe im Vergleich zur Frequenz der Segelschiffe regelmäßig zunimmt.
— In Nr. 70 des „Reichs⸗Anzeigers“ hatten wir eine
den Jahresbericht der Bielefelder Handelskammer betreffende Correspondenz des „Deutschen Tagebatts“ mitgetheilt. Mit Bezug auf jene Notitz entnehmen wir dem genannten Blatt nunmehr auch folgende Berichtigung: 1
Die Bielefelder Handelskammer ersucht uns um Berichtigung einiger sie betreffenden Mitthbeilungen in Nr. 80 unseres Blattes, welche uns von unserem —0—⸗Correspondenten zugegangen waren. Nach der uns durch Abschriften belegten Sachlage ist die dari
machte Angabe, daß die schutzzöllnerische Nähmaschinenfirma (Dür⸗ kopp u. Co.) sich überhaupt nicht in der Lage befunden habe, der Handelskammer einen Bericht über das 1881 er Geschäftsjahr zu er⸗ Fhntten, da deren Sekretariat sich geweigert habe, denselben völlig und kritiklos zu veröffentlichen, insofern einer Berichtigung bedürftig, als die Herren Dürkopp u. Co. dessenungeachtet einen kurzen Bericht erstatteten, aus dem auch die Forderung eines höheren Schutzzolles auf Nähmaschinen⸗Obertheile im Handelskammerbericht ebenso wie die Lohnerhöhung für die Arbeiter dieser Branche angeführt worden ist. Wir geben diese Berichtigung um so bereitwilliger, als damit ja ein, immerhin aber entschuldbarer, formeller Irrthum unseres Korrespon⸗ denten beseitigt wird. Was die Tendenz des Berichtes im Allgemeinen anlangt, so müssen wir der Auffassung unseres Korrespondenten inso⸗ fern beitreten, als zwar die Fakta einer Aufbesserung „einzelner“ In⸗ dustriebranchen, wenn auch widerstrebend, kurz registrirt werden, während andererseits das entschiedenste Bestreben hervortritt, die Wirkung des Schutzzolls unter keinen Umständen als günstig zuzugeben, dagegen alles hervorzusuchen, was dieselbe un⸗ günstig beleuchten könnte. So wird z. B. ebenfalls aus dem Dürkopp'schen Bericht besonders hervorgehoben, daß der Absatz von Nähmaschinen im Inlande im Jahre 1881 nicht zugenommen habe, vielmehr nur der Exvort und zwar um 50 % gestiegen sei. Wo es sonst möglich ist, wird nun fortwährend betont, daß der Schutzzoll den Export schwer schädigen müsse, daß folgt ja aus dem Nähma⸗ schinenbeispiel auch ganz — natürlich, wenn man nur ein in der Wolle gefärbter Freihändler ist. Eine Berichtigung hat ferner Platz zu greifen insofern, als in dem Bericht von Dürkopp u. Co. nichts von einer Nichtvertheuerung des für die Nähmaschinenindustrie angeb⸗ lich unentbehrlichen englischen Stahls durch den Zoll enthalten ist, was von unserem Korrespondenten behauptet worden war. Neben der Betonung des Stagnirens in der heimischen Absatzziffer bleibt aber für die von uns hervorgehobene Tendenz des Handelskammer⸗ berichts das Verschweigen des Vergleichs des jetzigen deutschen Zolles auf Nähmischinen mit dem 35 % betragenden amerikanischen Zoll charakteristisch.
Amtsblatt des Reichs⸗Postamts. Nr. 17. — Inhalt: Verfügungen: vom 9. April 1883. Fortfall der Auszeichnung der Bestellgebühr auf Postanweisungen.
Justiz⸗Ministerial⸗Blatt. Nr. 15. — Inhalt: Beschluß
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des Kammergerichts vom 5. Januar 1883.
Kunst, Wissenschaft und Literatur.
München, 13. April. (W. T. B.) Der Maler, Direktor Franz von Seitz, ist gestorben.
Gewerbe und Handel.
In einer unter den Zeitungsstimmen s. Z. mitgetheilten Cor⸗ respondenz war dem „Deutschen Wollengewerbe“ (Nr. 22) aus Grün⸗ berg i. Schl. berichtet worden, daß der Verfasser des städtischen Verwaltungsberichts, um den Geschäftsgang Grünbergs möglichst trübselig darzustellen, nur die ehemaligen Grünberger Artikel, schwarze Satins und wollblaue Tuche, die nur von kleineren Etablisse⸗ ments angefertigt werden, im Auge gehabt, aber zugegeben habe, daß die großen Etablissements, welche sich mit Doubles und halbwollenen Stoffen beschäftigen, guten Absatz haben. Hiergegen wird von einem Einsender des Blattes in Nr. 25 der Einwand erhoben, er habe ver⸗ kleinernd von der althergebrachten Grünberger Jadustrie der Satins und Wollblauen und etwas übertreibend von den Halbwollenen ge⸗ sprochen. Darauf entgegnet der erstgenannte Correspondent:
Den Vorwurf, ohne Grund verkleinernd von der Fabrikation der „Satins und Wollblauen“ und dagegen übertreibend von der Halb⸗ wollenfabrikation Grünbergs gesprochen zu haben, müssen wir eben⸗ falls ablehnen. Wenn der Herr Einsender als Gegenbeweis anführt, daß neuerdings eins der hiesigen 6 großen Etablissements der Halb⸗ wollenbranche wieder zur reinwollenen Fabrikation zurückkehrt, so ist diese Umgestaltung der Neuzeit doch keineswegs rückwirkend auf das ver⸗ flossene Geschäftsjahr 1882, über welches wir in Nr. 22 berichteten. Darin stimmen wir mit dem Herrn Einsender indeß völlig überein, daß auch wir eine allgemeine Ruͤckkehr unserer Ortsindustrie zur Ganz⸗ wollenfabrikation mit Freuden begrüßen würden; als Mitarbeiter des „Deutschen Wollengewerbes und der Ztg. für Schafz. und Woll⸗ produktion“ begeistern wir uns weit lieber für gute reine Wolle, als für — Surrogate. Vorläufig heißt es hier aber immer noch, „mit gegebenen Zahlen rechnen“, resp. den momentanen Verhältnissen Rech⸗ nung tragen! Wenn der nächste Grünberger Verwaltungsbericht den Wiederaufschwung der Wollenindustrie melden wird, welchen der Herr Einsender in Aussicht stellt, so werden wir dies mit noch größerer Genugthuung in diesen Spalten konstatiren, als wir bisher das Auf⸗ blühen der Halbwollenindustrie des Platzes konstatirt. Uns, wie sicher⸗ lich auch dem Herrn Einsender, liegt in erster Reihe daran, über⸗ haupt das Blühen unserer Ortsindustrie nach jahrelangem schweren Darniederliegen nach außen hin unter Beweis zu stellen und ten⸗ 1 Verkleinerung der jeweiligen blühenden Branchen zurück⸗ zuweisen!
Um Mißverständnissen Seitens der mit den Ortsverhältnissen weniger bekannten ig. vorzubeugen, bemerken wir, daß das von der Grünberger Tuchmacher⸗Innung im Augenblick in Angriff genom⸗
mene neue Fabrikgebäude gewissermaßen nur als ein kleinerer Ersatz für das zur englischen Fabrikation umgewandelte große Etablisse⸗ ment der einstigen „Vereinsfabrik“ zu gelten hat, und daß solches nur zu Walk⸗ und Appreturzwecken eingerichtet wird. Eine event.
weitere Ausdehnung desselben zu Spinnerei⸗ und Webereizwecken wird von der Zukunft der Orts⸗Wollenindustrie abhängig ge⸗ macht! Zum Schluß des vorstehenden Eingesandt sagt nun der Herr Verfasser, daß von der Anzahl der vorhandenen Kraft⸗ stühle auf die Wollenwaaren⸗, 3 auf die Halbwollen⸗ waarenfabrikation entfiele. Der Herr Einsender vergißt hierbei aber anzugeben, welcher Bruchtheil von ersterem einen Drittel speziell auf die den gegenwärtigen Streit heraufbeschworen habenden „Satins und Wollblauen“ kommt und wie viel Stühle dagegen von demselben Drittel auf die feineren Qualitäten reinwollener Waaren kommen, die wir in unserem Artikel in Nr. 22 ausdrücklich als hervorhebens⸗ werth bezeichneten. Wenn der Herr Einsender diese sicherlich wesent⸗ lich kleinere Zahl (als der Gesammtkraftstühle des Ortes) für das Betriebsjahr 1882 eruiren wollte, so sind wir überzeugt, daß er uns eine absichtliche und gar ungerechtfertigte Ver⸗ kleinerung, speziell der „Satins und Wollblauen“ nicht weiter imputiren wird. Andernfalls würde ja der Herr Einsender mit sich selbst in offenen Widerspruch gerathen indem der von ihm vertheidigte städtische Verwaltungsbericht selbst die „Satins und Wollblauen“ als „ehemalig“ und damit also zur Zeit des Be⸗ richts als nicht mehr tonangebend für den Platz bezeichnet! Nicht wir, sondern die (nach Ansicht des Herrn Einsenders von einander verschiedenen) Verfasser der Notiz im städtischen Verwaltungsbericht und des Artikels im Görlitzer Anzeiger haben beide übereinstimmend das Wort „ehemalig“ zuerst angewandt und damit doch deutlich fenng ausgesprochen, was der Herr Einsender uns als ungerecht⸗ ertigten Ausspruch vorwirft: Daß nämlich „Satins und Wollblaue“ nicht mehr Hauptartikel des Orts sind, wenigstens zur Zeit der be⸗ treffenden Berichte und Notizen nicht waren.
— „W. T. B.“ versendet folgendes Telegramm: Die Bekannt⸗ machung bezüglich der Konvertirung des Betrages der ungarischen 6 % Goldrente wird heute erscheinen. In Deutschland beträgt der Anrechnungscours der 6 % Goldrente 102,30 % und der Cours der dagegen zu gewährenden 4 % Goldrente 76,50 „⁄%ͥwL.
Rom, 14. April. (W. T. B.) Wie die „Agenzia Stefani“ meldet, wurden gestern 1 700 000 Frcs. Papier gegen Metall
umgewechselt.
New⸗York, 13. April. (W. T. B.) Baumwollen⸗ Wochenbericht. Zufuhren in allen Unionshäfen 72 000 B. Ausfuhr nach Großbritannien 39 000 B., Ausfuhr nach dem Konti⸗ nent 60 000 B., Vorrath 778 000 B.
Berlin, 14. April 1883.
6 Nachtrag “ zu den Mittheilungen über den gegenwärtigen Stand der Saaten in der preußischen Monarchie.
Reg. Bez. Marienwerder: Ein sicheres Urtheil darüber, wie die Saaten den Winter überstanden haben, läßt sich zur Zeit noch nicht abgeben, doch ist anzunehmen, daß dieselben durch die späten Nachtfröste erheblich gelitten haben.
Die Frühjahrsbestellung konnte bisher nicht in Angriff genommen werden, es ist daher eine sehr späte Ernte zu erwarten.
2 Vielfach wird über starkes Auftreten der Feldmäuse geklagt.
Der Zustand des Viehs und der Pferde wird als gut bezeichnet.
Reg. Bez. Potsdam: Die Saaten, welche nur mäßig stark in den Winter gekommen sind, haben durch die empfindliche Kälte der letzten Zeit erheblich gelitten, besonders Oelfrüchte, und Klee, auch die Roggensaat steht fast durchgehend ünn.
In der Havel⸗ und Elbniederung sind die Saaten in Folge des Hochwassers und gleich darauf eingetretenen starken Frostes wochenlang mit Eis bedeckt gewesen, so daß von einem Ertrage dort wenig zu erwarten ist und die Felder theilweise von Neuem mit Sommersaat bestellt werden müssen.
Die Frühjahrsbestellung ist vielfach zurückgeblieben.
1. alle Kreise des Bezirks haben unter der Mäuseplage zu leiden.
Reg. Bez. Liegnitz: Die Witterung in dem letzten Viertel⸗ jahre ist ebensowohl für die Entwickelung der Wintersaaten, als auch für die Frühjahrsbestellung höchst ungünstig gewesen. Der Mangel einer Schneedecke, ganz besonders aber die lange andauernde trockene Kälte im März haben die Entwickelungs⸗ fähigkeit der Pflanzen erheblich beeinträchti gt.
Reg. Bez. Oppeln: Der strenge Nachwinter hat den Saaten hauptsächlich auf lockerem Boden erheblich geschadet, so daß deren Stand zur Zeit als ein ungünstiger bezeichnet werden muß. Besonders Weizen und Raps haben stark ge⸗ litten, Roggen weniger. 8
Wegen des harten Frostes im März ist die Frühjahrs⸗ bestellung sehr zurückgeblieben.
Fast in allen Kreisen wird über Mäusefraß geklagt.
Die Viehstämme sind im Allgemeinen gesund geblieben.
Reg. Bez. Erfurt: Ueber den Stand der Saaten läßt sich gegenwärtig etwas Positives nicht sagen, doch sind dieselben meistens dürftig in den Winter gekommen.
Durch die außergewöhnliche Kälte im März mußten die 8 Februar begonnenen Feldarbeiten wieder eingestellt werden.
Fast in allen Kreisen wird über Mäusefraß geklagt.
Die Getreidepreise sind gewichen. 1
Viehpreise steigen fortgesetzt, ebenso die Kartoffel⸗ preise.
Rig. Bez. Münster: Der Stand der Wintersaaten ist im Allgemeinen ein guter und verspricht eine gute Mittelernte, ebenso die Futterkräuter. 1“
Die Frühjahrsbestellung ist durch die strenge Kälte im
März sehr verzögert worden. “ ist in Folge reichlichen
Der Nährzustand des Viehs Futtervorraths meistens gut. 1
Reg. Bez. Trier: Der Stand der Wintersaaten ist in Folge der verderblichen Witterungseinflüsse der letzten Monate durchgehends nicht befriedigend, die Saaten haben sich un⸗ genügend entwickelt, besonders Roggen.
Die bereits im Februar begonnenen Feldarbeiten mußten in Folge der Märzfröste einen längeren Aufschub erleiden, sind jedoch augenblicklich überall in vollem Gange.
Die Wiesen und Kleefelder haben sich gut entwickelt und versprechen einen reichlichen ersten Schnitt.
Der Stand der Weinberge ist im Allgemeinen gut, die Rebstöcke zeigen gesundes und kräftiges Tragholz.
Die Obstbäume haben gut überwintert und stellen eine günstige Ernte in, Aussicht.
Die Preise der Kartoffeln sind bebeudend gestiegen.
Die Viehpreise stehen hoch.
Organisation und Thätigkeit des Vaterländischen Frauenvereins vom Rothen Kreuz im Jahre 1882.
Der in der Generalversammlung vom 4. April 1883 in Gegen⸗ wart Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin Namens des Haupt⸗ vorstandes des Vaterländischen Frauenvereins von dem Geh. Legations⸗ Rath Dr. Hepke erstattete Generalbericht giebt, auf der Grundlage der Jahresberichte der Provinzial⸗, Bezirks⸗ und Ortsvereine, ein um⸗ fassendes Bild von der Gesammtthätigkeit des großen Vereinswesens. Derselbe lautet wie folgt: “
Was uns aus den Jahresberichten zunächst entgegentritt, ist die schlagfertige Hülfsthätigkeit, welche unsere Vereine auf den Ruf Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin bei der poßen Heimsuchung im Stromgebiete des Rheins aufs Neue bewährt haben. Nur wenige derselben nahmen keinen Antheil daran, die meisten haben durch Sammlungen und aus vorhandenen eigenen Mitteln Außerordentliches geleistet. So zwar, daß sie oft dringende Anforderungen in ihrer Nähe in zweite Linie setzten und ihren eigenen Wohlthätigkeitsanstal⸗ ten mit jenen Sammlungen Hülfsqguellen entzogen.
Der Gesammtbetrag der von den Zweigvereinen unmittelbar oder durch Vermittelung des Hauptvereins gewährten Unterstützungen läßt sich nicht genau bestimmen, ebensowenig der Werth der Natural⸗ leistungen. 8
Die Sammlung unseres Hauptvereins, welche auf den Nothstand in der Eifel ausgedehnt worden, belief sich in der zweiten Hälfte des März auf über 400 000 ℳ Sie war schon zu Ende des vorigen Jahres so bedeutend, daß sehr bald große Beihülfen gewährt werden konnten, deren Höhe zum Theil in Konferenzen beschlossen wurde, zu denen Ihre Majestät die Kaiserin und Königin einzelne Mitglieder des Vorstandes wiederholt zu befehlen geruhten. “
Die Beihülfen erstreckten sich auf die Landesvereine in Baden, Bayern, Hessen, die Reichslande, die Regierungsbezirke Cöln, Düssel⸗ dorf, Coblenz, Trier, wohin sie sowohl an die Vereine, wie an die Behörden flossen. Zur genaueren Ermittelung der Nothlage in der Eifel geruhten Ihre Majestät einen eigenen Delegirten zu entsenden, nach dessen Bericht sodann beträchtliche Summen unseren dortigen Zweigvereinen, sowie insbesondere auch den Königlichen Landraths⸗ ämtern für zweckmäßige Vorkehrungen zur Verfügung gestellt wurden.
Bei den von allen Seiten den nothleidenden Gegenden zuströmen⸗ den Hülfsquellen und dem schnell eintretenden Beistande der Staats⸗ regierungen ist bisher nur ein Theil der im Hauptverein zusammen⸗ gekommenen Summen zur Verwendung gelangt, obwohl alle unsere Organe am Rhein und in den Eifelgegenden von hier aus aufs reichlichste mit Mitteln ausgestattet worden sind.
Der Vorstand hat daher auf Antrag seines Geschäftsausschusses beschlossen, aus einem Theil des Ueberschusses der Sammlungen einen Fonds zur Unterstützung der durch örtliche Nothstände betroffenen Bewohner der Stromgebiete des Rheins zu gründen.
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Es ist zu diesem Zwecke ein Statut entworfen worden, in wel⸗ chem vorgesehen ist, daß, wenn in den betreffenden Theilen der Rhein⸗ provinz, der Provinz Hessen⸗Nassau und der Reichslande Elsaß⸗ Lothringen die bestehenden Vaterländischen Frauenvereine zu größeren Verbänden zusammentreten, diesen Verbänden Theile des zu gründen⸗ den Fonds zur eigenen Verwaltung überwiesen werden sollen.
So weit der Ueberschuß der Sammlungen nicht zu dem auf 120 000 ℳ bemessenen Fonds verwendet wird, bleibt er dem Haupt⸗ verein zur Bestreitung der Ausgaben reservirt, welche aus den jetzigen Nothständen sich für die Folge ergeben werden.
Der Vorstand beehrt sich, hiermit die Zustimmung der General⸗ versammlung zu diesem Beschlusse zu erbitten, und bemerkt, daß der Statutenentwurf bereits zur Kenntniß der sämmtlichen Zweigvereine der oben gedachten Provinzen und Lande, sowie der Bezirks⸗ und Provinzialvereine der anderen Provinzen gebracht und in der gestrigen Delegirtenversammlung im Prinzip genehmigt worden ist.
Im Fall sich gegen den Beschluß des Vorstandes kein Wider⸗ spruch erhebt, werden wir auch die Genehmigung der Generalver⸗ sammlung als ertheilt ansehen. Ich konstatire dieselbe hiermit.
Erhe ich diesen Gegenstand der außerordentlichen Vereinsthätig⸗ keit verlasse, will ich noch darauf aufmerksam machen, daß das Organ des Vaterländischen Frauenvereins, die „Frauenverband⸗Zeitung“, mehrmals übersichtliche Darstellungen der Ueberschwemmungsnoth im Rheingebiet und der dabei entwickelten umfassenden Hülfsthätigkeit gebracht hat.
„Die Jahresberichte der Zweigvereine ergeben, daß die regelmäßige Thätigkeit, welche von ihnen auf den verschiedensten Gebieten der Wohlthätigkeit geübt wird, an Ausdehnung wie an innerer Erstar⸗ kung auch im verflossenen Jahre weitere Fortschritte gemacht hat. Wirr verdanken dies ganz insbesondere der Beachtung und Unter⸗ stützung, welche die Organe der Staatsregierung wie diejenigen der Selbstverwaltung unseren Vereinen angedeihen lassen. Es lehnt sich namentlich die Armen⸗ und Krankenpflege derselben immer mehr an jene Organe an, ohne daß dabei die eigene Selständigkeit beein⸗ trächtigt wird. 8
Die Rubrik unserer Jahresberichte, welche die Frage enthält, ob die Vereine mit staatlichen, kirchlichen oder Kommunalbehörden für ihre Zwecke in Verbindung stehen, und ob und welche Unter⸗ stützuüngen ihnen zu Theil werden, — ist diesmal von etwa 200 Zweigvereinen in verschiedenster Form bejahend beantwortet worden. Die Unterstützung trifft neben den Krankenanstalten vorzüglich die Kinderpflege, deren Gebiet in unserer Vereinsthätigkeit sich ganz außerordentlich ausgedehnt hat. Wir zählen nicht weniger als 177 Waisen⸗ und Rettungshäuser, Kinderbewahranstalten, Heil⸗ und Er⸗ holungsstationen, welche von den Vereinen unterhalten oder unterstützt werden, abgesehen von den Kleinkinderschulen.
Gleich erfreulich steht es mit der Entwickelung der Krankenpflege. Hier aber ist unsere Wirksamkeit nicht blos die eines großartigen Wohlthätigkeitsvereines, sondern sie gestaltet sich zugleich zum wich⸗ tigsten Momente der vorbereitenden Thätigkeit für den Krieg.
Zwei Punkte kommen dabei in Betracht. Erstens die Erhaltung, Verwaltung und Unterstützung von Krankenhäusern und Kranken⸗ stationen. An dieser Aufgabe sind etwa 160 Vereine betheiligt und etwa 85 Krankenanstalten verzeichnet. Zweitens die Ausbildung von Krankenpflegerinnen in Vereinsinstituten und ihre Verwendung in den Krankenhäusern oder auf Stationen als Pflegerinnen und Ge⸗ meindeschwestern.
„Eine namhafte Zahl von Vereinen ist in der Lage gewesen, auf die Frage, „welche Leistung von ihnen im Fall der Mobilmachung zu erwarten stünde“, Krankenhäuser oder Krankenstationen zur Ver⸗ fügung zu stellen, die Einrichtung von Reservelazarethen, die Stellung von Krankenpflegerinnen oder die Lieferung von Sanitätsmaterial zu⸗ zusagen. Zahlreiche Vereine haben auch Reservefonds für den Kriegs⸗ fall gebildet. Eine genaue Statistik des Sanitätspersonals, welches aus den mit den Männervereinen gemeinschaftlich gegründeten oder unterstützten Krankenpflegerinnen⸗Instituten und aus den Diakonissen⸗ häusern für den Dienst des Rothen Kreuzes hervorgeht, ist zur Zeit nicht möglich.*)
Es werden dafür nothwendig gemeinschaftliche Vorkehrungen mit den Männervereinen zu treffen und ein einheitliches Zusammenfassen und regelmäßiges Nachweisen des Materials durch ein gemeinsames Organ zu bewerkstelligen sein. Ueber eine solche Einrichtung schwe⸗ d “ Verhandlungen mit dem preußischen Central⸗
omité.
Aus unseren Jahresberichten ergiebt sich nun mit einiger Genauigkeit die Zahl der von unseren Zweigvereinen beschäftigten Krankenpflegerinnen und Diakonissen. Es sind deren nicht weniger als 423, also eine Vermehrung in der Verwendung um 51 Pflege⸗ rinnen gegen das Vorjahr, wobei zu bemerken ist, daß auch die Für⸗ rge für dieselben im Fall der Erkrankung oder Invalidität von
ahr zu Jahr sich steigert.
Die beiden Fragen in dem Schema unseres Jahresberichts, „ob der einzelne Verein sich im Besitze einer Mustersammlung von Ver⸗ band⸗ und Lazarethgegenständen befinde, und ob und welche Leistungen derselbe im Kriegsfall zu übernehmen bereit ist,“ konnten von einer großen Anzahl von Vereinen günstig beantwortet werden; die letztere Frage von etwa 200 Vereinen.
Im Besitze von Mustersammlungen sind über 40 Vereine un die weitere Beschaffung solcher nimmt ihren Fortgang. Da unerachte unserer mehrfachen Mittheilungen noch an vielen Stellen Unklarhe darüber herrscht, wie diese Beschaffung am leichtesten zu bewerk stelligen sei, so wiederholen wir darüber Folgendes: 8
Der wichtigste Bestandtheil“*) einer Mustersammlung, auf welchen sich der bei weitem größeste Theil der Vereine für den Frie⸗ den füglich beschränken kann, besteht in den von Frauenhand ang fertigten Verband⸗ und Lazarethgegenständen. Die vorsitzenden Dame des Hauptvereins lassen diese Muster sehr gern den Zweigvereinen zum Kostenpreise herstellen, oder leihen solche denselben zur Selbst⸗ anfertigung dar. Es bedarf dafür nur eines Anschreibens an den Hauptvorstand.
Die Provinzialvereine für Hannover und für Brandenburg haben in dankenswerther Weise den unter ihnen vereinigten Zweigvereinen diese Mustersammlung zur Selbstanfertigung hergeliehen. E wäre wünschenswerth, daß zur Erleichterung der Aufgabe ander Provinzial⸗ und Bezirksverbände sich der gleichen Mühewaltun unterzögen. Doch befinden sich zu unserem lebhaften Bedauern noch mehrere derselben selbst nicht im Besitze einer solchen beschränkte Mustersammlung, deren Kosten nur gering sind.
Wir können die Förderung dieser Angelegenheit nicht genug anempfehlen; denn eine Mustersammlung von Frauenhand anzuferti gender Verbandmittel und Lazarethwäsche bietet auch dem kleinsten Verein Gelegenheit zu einer werthvollen Leistung für den Kriegsfall und im Frieden erwünschtes Material für die Krankenpflege. 8
Die Jahresberichte weisen ferner nach, daß die „Frauenverband Zeitung“, das Organ des Vaterländischen Frauenvereins, noch von einer sehr großen Anzahl unserer Zweigvereine nicht gehalten wird Es giebt Provinzen und darunter solche, die zu den wohlhabendsten zählen, in welchen fast die Hälfte der Vereinsvorstände kein Erem plar des Blattes bezieht. Sie berauben sich dadurch selbst des Mittels, über die Vorgänge unseres Vereinslebens auf dem Laufen den zu bleiben, und es gelangt auch eine beträchtliche Zahl amtliche Veröffentlichungen nicht an sie. Wir bes berichten häufig der Bemerkung, daß die Verein nicht bekannt worden sei!
*) Nach einer vom preußischen Centralcomits gemachten Zu sammenstellung beläuft sich die Anzahl der aus den Krankenpflegerinnen⸗- Instituten und einigen vom Rothen Kreuz unterstützten Diakonissen⸗ häusern hervorgegangenen und für den Kriegsfall bereiten Pflegerinnen und Diakonissen gegenwärtig auf etwa 500.
**⁴) Der amtliche Nachweis der vollständigen Mustersammlung ist in dem Handbuch für die Vaterländischen Frauenvereine und in dem Handbuch für die freiwillige Krankenpflege von Hru. von Kriegern (gekrönte Preisschrift) abgedruckt.
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