der Konstitution habe man die Regierungs⸗Präsidenten, Land⸗ räthe u. s. w. zur Disposition gestellt. Man werde zu einer vollkommen bureaukratischen Regierung kommen mit Ministern, Präfekten, Unterpräfekten und Ortspräfekten. . (Die Detailausführungen des Redners blieben auf der Tribüne unverständlich.) 1
Der Abg. von Rauchhaupt erklärte, daß seine Freunde sich jedes Amendements enthalten hätten. Sie betrachteten die Kommissionsbeschlüsse als ein werthvolles Material. Ein solches Gesetz müsse aus der Verständigung aller Parteien, nicht aus der Auffassung einer einzigen Partei hervorgehen, sonst würde es nicht Wurzel fassen; es sei aber hohe Zeit, daß
die Verwaltungsorganisation in einen sicheren Hafen einlaufe. Deshalb habe seine Partei verschiedene Wünsche unter⸗ drückt; die Linke möge aber dasselbe thun. Die Rede des Abg. Gneist habe schon etwas versöhnlicher geklungen als die von demselben beiderGeneraldebatte gehaltene, aber einzelnen An⸗ griffen desselben auf die Vorlage müsse er doch begegnen. Die von dem Abg. Gneist getadelte Verschmelzung der Beschluß⸗ und Vermwaltungsstreitsachen würde zu einer Schärfung des Rechtsbewußtseins in den Beschlußsachen führen; diese Erfah⸗ rung habe man schon in den Kreisausschüssen gemacht. Er ver⸗ stehe überhaupt die Polemik des Abg. Gneist gegen die Vor⸗ lage nicht, denn man wolle ja gerade dem Präfektursystem begegnen durch Schaffung von Verwaltungsgerichten zweiter Instanz und die politischen Gegensätze aus der Verwaltung herausbringen. Die Regierungs⸗Präͤsidenten seien sehr acht⸗ bare, unabhängige Männer, ständen im lebendigen Zusammen⸗ hang mit dem Volke, und hierdurch unterschieden sie sich völlig von den französischen Präfekten. Man hätte aller⸗ dings das Ober⸗Verwaltungsgericht über die Reform befragen können, aber die Materie sei doch schon genügend erörtert worden, und es habe sich auch darüber schon eine öffentliche Meinung gebildet. Er wolle allerdings die streiti⸗ gen und die nicht streitigen Verwaltungssachen nicht trennen, aber er wünsche durchaus nicht dasselbe Verfahren für beide eingeführt zu sehen; in den Streitsachen sei zum Schutz des Publikums ein besonderes Verfahren nothwendig. Wenn man an die Vorlage objektiv herangehe, werde man etwas schaffen, was die Gewähr der Dauer in sich trage. Der Abg. Dr. Meyer (Breslau) erklärte, daß seine Partei zu einem Ausgleich gern bereit sei, der die Gewähr der Dauer in sich trage. Weil dazu keine Aussicht vorhanden sei, be⸗ kämpfe eben die linke Seite den Gesetzentwurf in zweiter Lesung, wie sie es in erster schon gethan. Die Rechte werde allerdings die Kommissionsbeschlüsse mit erheblicher Majorität durchbringen, habe aber keine Garantie über das weitere Schicksal derselben dem Herren⸗ hause und der Regierung gegenüber. Bis jetzt könne sich die Linke bei ihrer Vertheidigung der Trennung von Bezirksrath und Verwaltungsgericht auf das Herrenhaus berufen. Wie die Regierung sich dazu stellen würde, könne man nicht wissen. Die Regierung habe hauptsächlich drei Reformen vorgeschlagen: erstens die Verschmelzung von Bezirksrath und Verwaltungs⸗ gericht, zweitens die Beseitigung des Unterschieds zwischen streitigen und nicht streitigen Verwaltungssachen, drittens die Abschaffung des Provinzialraths. Mit dem zweiten und dritten Vorschlage sei die Regierung ganz, mit dem ersten wenigstens halb unterlegen. Aus den Aeußerungen der Regierungs⸗ kommissare in den Kommissionsberathungen lasse sich die Stellung der Regierung absolut nicht erkennen. Billige sie die Kommissionsvorschläge, dann würden dieselben natürlich mit großer Mehrheit angenommen werden; wenn sie die Be⸗ schlüsse ablehne, würde die Vorlage wenigstens in dieser Session nicht zu Stande kommen; würde sie aber eine dilatorische Stellung einnehmen, dann sei in dieser Frage kein Ende ab⸗ zusehen. Die Linke habe ein lebhaftes Interesse an der Fort⸗ führung der Verwaltungsreform, namentlich an der Ueber⸗ tragung derselben auf die neuen Provinzen. Aber mit dieser Vorlage komme man diesem Ziel nicht näher, die gegenwärtige Berathung würde nichts Dauerndes hervor⸗ bringen; deshalb sei die Linke für die Aufrechterhaltung des bestehenden Zustandes, und in diesem Sinne habe sie ihre An- träge gestellt. Nachdem der Abg. Hansen für die Kommissionsbeschlüsse
eingetreten war, wurde die weitere Berathung um 1 Uhr bis Dienstag 10 Uhr vertagt.
— Nach Mittheilungen aus dem Auslande sind folgende Submissionen ausgeschrieben worden:
1) von der Artillerie⸗Direktion der Waffen⸗ fabrik zu Brescia in Italien für den 30. April d. J. bis 11 Uhr Vormittags eine Submission auf die Lieferung von 100 000 kg Eisen in Barren zum Tarwerthe von 50 000 Lire;
2) von der Artillerie⸗Direktion des Arsenals zu Turin für den 1. Mai d. J. bis 3 Uhr Nachmittags eine Submission auf die Lieferung von 22 356 kg Stahl in Barren zum Taxwerthe von 17 884 Lire 80 Cts.; für den 2. Mai d. J. bis 3 Uhr Nachmittags eine Submission auf die Lieferung von 22 356 kg Stahl in Barren zum Tax⸗ werthe von 17 884 Lire 80 Cts.; für den 4. Mai d. J. bis 3 Uhr Nachmittags eine Submission auf die Lieferung von 22 714 kg Gußstahl zum Taxwerthe von 18 171 Lire 20 Cts.; für den 7. Mai d. J. bis 11 Uhr Vormittags eine Sub⸗ mission auf die Lieferung von 83 740 kg Guß stahl und Eisen in verschiedenen Formen zum Gesammt⸗Taxwerthe von 42 365 Lire; und für den 8. Mai d. J. bis 3 Uhr Nachmittags eine Submission auf die Lieferung von 13 940 kg Gußstahl zum Taxwerthe von 11 152 Lire;
3) von der Artillerie⸗Direktion der Waffen⸗ fabrik zu Turin in Italien für den 7. Mai d. J. bis 3 Uhr Nachmittags eine Submission auf die Lieferung von 52 940 kg Stahl in verschiedenen Formen zum Tax⸗ werthe von 50 163 Lire.
Ueber die speziellen Bedingungen ist das Nähere an Ort und Stelle einzusehen.
— Die Fälschung von Arbeitsbüchern und son⸗ stigen Attesten und Legitimationspapieren behufs Zuwen⸗ dung von Almosen, welche von Privaten und mildthäti⸗ gen Ortsvereinen üblicherweise an den Bittsteller auf Grund derartiger Atteste gewährt werden, ist nach einem Urtheil des Reichsgerichts, III. Strafsenats, vom 15. Februar d. J., nicht als Urkundenfälschung, sondern nur als Uebertretung aus §. 363 des Strafgesetzbuchs, betreffend die Fälschung von Attesten zum Zweck des „besseren Fortkommens“, zu be⸗ strafen.
— Der Bevollmächtigte zum Bundesrath, Großherzoglich mecklenburg⸗schwerinsche Ober⸗Zolldirektor Oldenburg ist hier wieder eingetroffen.
— Der Königliche Gesandte Graf von Wesdehlen ist nach Stuttgart zurückgekehrt und hat die Geschäfte der dorti⸗ gen Gesandtschaft wieder übernommen.
— S. M. Kanonenboot „Albatroß“, 4 Geschütze, Kommandant Korvettenkapitän von Pawelsz, ist am 19. Miärz cr. in Montevideo eingetroffen.
München, 21. April. (W. T. B.) e Nothstandsvorlage in der Fassung der Regierung abgelehnt und statt dieser einen von dem Prinzen Ludwig gestellten Antrag angenom schädigten 1 075 000 ℳ und auf meinden 50 000 ℳ entfallen. dämme sollen 110 000 stützungen nicht rückzahlbar Feilitzsch hatte auf den na Preußen, Hessen und den Reich die Ueberschwemmung geschädigten Perso
hingewiesen.
Württemberg. Stuttgart, 20. Avpril. Gesammtsumme Württembergischen Staatsschuld 423 931 707 1884 auf 421 574 036 ℳ 33 ₰. auf die allgemeine Staatsschuld 49 881 550 Eisenbahnschuld 374 050 157 ℳ 23 ₰;
Bayern. Reichsrath hat di
wonach auf Distrikte und Ge⸗ Zur Herstellung der Rhein⸗ ℳ verwendet und die Einzelunter⸗ Der Minister Frhr. von chahmenswerthen Vorgang von slanden gegenüber den durch nen und Gemeinden
die Einzelbe
Davon entfallen pro 1883 ℳ 53 J, auf die pro 1884 auf die uf die Eisen⸗ 0 ₰. Hiervon sind zu verzinsen: pro 1884/85:
allgemeine Staatsschuld 49 212 534 ℳ 53 ₰, a bahnschuld 372 361
501 ℳ 8 pro 1883/84: mit 5 Proz. mit 4 ½ Proz. mit 4 Proz. mit 3 ½ Proz.
99 234 181 304 047 340 17 844 571
F57036
99 387 306 304 884 272 19 212 185 zusammen 423 931 707 ℳ Von diesen rund 424 Millionen stehen vorerst außer in Gemäßheit des Gesetzes vom 20. März 1881, wonach die Tilgung sich nach den im Wege der f den Bestimmungen zu richten hat, des Schlußtermins derselb Ferner sind eins 20 080 400 ℳ, Tilgung im Etatsjahr 1887/88) (Beginn der Tilgung 1890/91), der Tilgung 1891/92), jährlichen unterliegen
Gesetzgebung zu treffen⸗ jedoch unter Festsetzung en auf das Jahr 1950 189 017 400 ℳ stweilen außer Tilgung: 2. Anleihe von 1876 Anleihe von 1876 20 000 000 ℳ (Beginn der „Anleihe von 1878 25 000 000 ℳ Anleihe von 1879 15 000 000 ℳ zusammen 80 080 400 ℳ Verloosung 145 045 279 142 687 607 die Tilgungsrate für die Eisenbahnanlehen und daß das gleiche Ver⸗ orschlag gebracht ist. 3 441 845 ℳ nission den Antrag:
aufnahme wieder gedeckt wurde, fahren auch für 1883/85 in V. Summe beträgt für die beiden Jahre zusammen 56 ₰. Im Ganzen stellt die Finanzkomn die Kammer der Abgeordneten wolle unter Anerkennung des Etats der Staatsschuld beschließen: 1) für das Jahr 1883/84 Tit. 1 für Verzinsung 17 401 229 ℳ 29 ₰, Tit. 2 für Til⸗ ür Einlösungskosten
gung 2 357 671 ℳ 2) für das Jahr
20 500 ℳ, zusammen 19 779 400 ℳ 72 ₰; 1884/85 Tit. 1 für Verzinsung 17 503 078 ℳ 95 J, ℳ 13 ₰, Tit. 3 für Einlösungs 19 969 411 ℳ 8 ₰ zu genehmigen.
6. T. B.) Die Feier des 200jähri⸗ des Ulanen⸗Regiments ist äußerst Festbanket,
für Tilgung 2 445 832 20 500 ℳ, zusammen — 23. April. ( gen Jubiläums verlaufen. stattfand, Wilhelm Königs kommandirende Telegramm aus Wiesbaden, in welchem dem Glückwünsche ausgesprochen wer⸗ Grafen von Zeppelin der Rothe Se. Kaiser⸗
von Württemberg Regiment Schachtmeyer Majestät des Kaisers Regimente die herzlichsten den und dem Commandeur Adler⸗Orden dritter Klasse verliehen liche und Königliche Hoheit der Kronprinz hatte das Regiment ebenfalls telegraphisch beglückwünscht.
1 Gestern Nach⸗ 4 Uhr erfolgte hierselbst unter n Lande und von
Mecklenburg. Schwerin, mittag zwischen 2 ½ und 41 großartiger Theilnahme aus dem ganzen auswärts die feierliche Beisetzung der Königlichen Hoheit des am 15. d. Friedrich Franz II. stlichkeiten waren anwesend: Se. Kaiserliche Se. Kaiserliche Hoheit Königliche Hoheit
entschlafenen Großherzogs An deutschen und außerdeutschen Für und Königliche Hoheit der Kronprinz, der Großfürst Wladimir von Rußland, Se. on Mecklenburg⸗Strelitz, Ihre Königlichen Lilhelm von Preußen, der die Erbgroßherzoge von Ihre Hoheiten die Prinzen von Sachsen⸗Altenburg, und der Prinz Eduard der Prinz Günther von Prinz Heinrich VII. Reuß, der rinz Heinrich XIX. Reuß, der XXVII. Reuß jüngerer Linie, der Erbprinz zu burg⸗Walden⸗
der Großherzog v Hoheiten die Prinzen Albrecht und 2 Großherzog von Hessen, von Baden und von Oldenburg, Heinrich und Wilhelm von Hessen, der Erbprinz von Sachsen⸗Meiningen von Anhalt. Ferner waren ers Schwarzburg⸗Rudolstadt, der Prinz Heinrich X Erbprinz Heinrich Schönburg burg, der Fürst Hugo und der Prinz Hans Carolath und der Prinz Sizzo von
Graf Otto zu Stolberg⸗Wernigerode. Von den es Großherzogs nahmen drei, der zweite Sohn erster iedrich, sowie die beiden Kinder dritter drich Wilhelm und Adolf Friedrich an An Vertretern österreichische der englische Botschafter Lord Botschafter ff Kriegs⸗Minister Legations⸗Rath General⸗Lientenant Frhr. von tembergische General⸗Lieutenant von Faber du Oberst⸗Lieutenant Cavaliere sachsen⸗coburg⸗gothaische Ober⸗Jägermeister von lippesche Flügel⸗Adjutant von Hofmarschall von gische Minister⸗Resident Dr. Krüger un fmarschall von Plats. Den Genannten schl enburgischen Infanterie⸗Re⸗ Husaren⸗Regiments
III. Reuß, der P
Waldenburg, der Prinz Hugo zu Schön Prinz Hugo zu Windischgraätz, der Leuchtenberg sowie der Söhnen d Ehe, Herzog Paul Fr Ehe, die Prinzen Frie der Bestattung ihres Erlauchten Vaters T
Szechenyi, Ampthill, Saburoff; der Königlich preußische der bayerische
Gesandte, von Wentzel, Horn, der wür Faur, der italienische Bisesti, der Schack, der Strauß⸗Torney, der Land⸗ d der Fürstlich waldecksche ossen sich die Depu⸗ giments Nr. 24, und des Außerdem nent und das
tationen des 4. Brand des Hannoverischen
Thüringischen Husaren⸗Regiments Nr. 12 das österreichische 57. Infanterie⸗Regin russische 8. Grenadier⸗Regiment „Moskau“ vertreten.
verständlich waren die mecklenburgischen Würdenträger aller Klassen, das Staats⸗Ministerium, die Landstände, die Landes⸗ Dikasterien, die Universität u. s. w. zahlreich repräsentirt Nach dem Trauergottesdienst in der Schloßkirche, bei welchem de Ober⸗Hosprediger Jahn über Römer 8, 28—39 die Trauerrede hielt, hoben die dazu berufenen Herren von der adeligen Ritterschaft den hochfürstlichen Sarg auf den mit acht prachtvollen Rappe bespannten Fürstlichen Leichenwagen, und der imposant Trauerzug setzte sich unter dem Geläute der Glocken und Minutenfeuer der Artillerie nach der Domkirche in Bewegung. Um 3 ¾ Uhr traf der Trauerzug am südlichen Por⸗ tal der Domkirche ein, und ward der Sarg unter den Klängen einer vom badischen General⸗Intendanten G. zu Putlitz gedichteten und vom hiesigen Hofkapellmeiste Alois Schmitt komponirten Trauerkantate in die Kirche getragen. Nachdem das Trauergefolge vor und bei dem Alta sich placirt hatte, sprach der Superintendent Bard ein ergrei fendes Gebet, worauf der Sarg in die Heiligenblutskapell gebracht und vor den Särgen der Hochseligen Gemahlinnen des Großherzogs niedergesetzt ward, wohin die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften der Hochfürstlichen Leiche das Geleit gaben. Bei der Beisetzung versah der ebengenannte Erste Dom⸗ prediger, Superintendent Bard die Begräbnißliturgie. Ihre Kö nigliche Hoheit die Großherzogin Marie empfing nach Beendigung der Beisetzungsfeierlichkeit im Schlosse nochmals die Fürstlichkeiten und Gesandten. Die Erlauchte Fürstin und die greise Mutter des Hochseligen Großherzogs, die Großherzogin Alexandrine, Königliche Hoheit, hatten der Trauerfeier im Dome ebenso wie dem Trauergottesdienste in der Schloßkirche beigewohnt. Die Haltung des Publikums war während des ganzen Tages und bei der Trauerfeier eine durchaus angemessene und würdige. Man empfand alterseits, daß Mecklenburg durch den Tod seines Landesherrn einen unermeßlichen Verlust erlitten hat. Seine 4ljährige Regententhätigkeit wird stets mit goldenen Lettern in der einheimischen Geschichte verzeichnet sein.
Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 23. April. (W. T. B.) Heute hat hier eine große Anzahl von Bäckern die Ar⸗ beit eingestellt, noch weitere Arbeitseinstellungen scheinen bevorzustehen, zur Aushülfe wurden 200 Militärbäcker in Ver⸗ wendung genommen. Ein Bäckergehülfe, welcher aufreizende Flugschriften vertheilte, wurde verhaftet.
Agram, 23. April. (W. T. B.) Bei den Landtags⸗ wahlen wurden in 27 Bezirken regierungsfreundliche Kan⸗ didaten gewählt; 4 Bezirke wählten Starcevicianer, 3 Mrazo⸗ vicianer; in einem Bezirke ist eine engere und in einem andern eine Neuwahl vorzunehmen.
Schweiz. Bern, 21. April. (W. T. B.) Die Wahl des National⸗Raths Aepli (St. Gallen) zum schwei⸗ zerischen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister in Wien ist nunmehr erfolgt.
Niederlande. Haag, 22. April. (W. T. B.) Das neue Kabinet ist wie folgt zusammengesetzt: Heemskerk Inneres, van der Does de Willebois Auswärtiges, Dutour van Bellinchave Justiz, Vize⸗Admiral Geerling Marine, Ge⸗ neral Weitzel Krieg, Grobbee Finanzen, van den Bergh Wa⸗ terstaat Handel und Industrie, van Bloemenwaanders Kolonien.
Großbritannien und Irland. London, 20. April. (Allg. Corr.) Die Statue Lord Beaconsfields auf dem Parliamentsquare wurde gestern Nachmittag um 3 Uhr in Gegenwart einer ebenso zahlreichen wie distinguirten Ver⸗ sammlung enthüllt. Unter den Anwesenden bemerkte man nicht allein die hervorragendsten Staatsmänner und Politiker der konservativen Partei, sondern auch viele Liberale von Rang und Auszeichnung, darunter Sir W. Harcourt, Lord Rosebery, den Bauten⸗Minister Shaw Lefevre, Sir H. Brand, Sprecher des Hauses der Gemeinen,
—
u. A. Die Herren trugen alle Schlüsselblumen — die Lieblingsblume des verewigten Staatsmannes — im Knopfloch, während die Damen, darunter Lady Salisbury, mit großen Sträußen aus Schlüsselblumen und Veilchen erschienen. Ein großer Schlüsselblumenkranz mit den Worten „Peace with Honour“, aus Veilchen gebildet, wurde am Fuße des Stand⸗ bildes niedergelegt. Sir Stafford Northceote enthüllte die Statue unter dem Jubel der Zuschauer, welche sich trotz des strömenden Regens ungemein zahlreich eingefunden hatten. Nachdem die Hülle gefallen, hielt er eine Ansprache, in welcher er die politischen und Privattugenden Lord Beaconsfields ver⸗ herrlichte. Nach ihm sprachen der Marquis von Salisbury und Lord John Manners.
— 22. April. (W. T. B.) Wie hierher gemeldet wird, hat gestern Abend in der Nähe der der Regierung ge⸗ hörigen Waffenfabrik in Enfield eine Explosion stattgefunden; der angerichtete Schaden ist unbedeutend. Von dem Orte, in dessen Nähe die Explosion erfolgte, sah man unmittelbar nach der Explosion zwei Männer hinwegeilen.
Frankreich. Paris, 21. April. (W. T. B.) Die Konvertirungskommission der Deputirtenkammer verhandelte in der heute Vormittag abgehaltenen Sitzung mit dem Minister⸗Präsidenten Ferry und mit dem Finanz⸗Minister Tirard. Mehrere Kommissionsmitglieder sprachen sich für die Konvertirung in eine 3 prozentige Rente aus; der Minister⸗ Präsident Ferry trat für die unveränderte Annahme der Regierungsvorlage ein. Ein Beschluß wurde noch nicht ge⸗ faßt. Die Kommission tritt Nachmittags 2 Uhr abermals zur Berathung zusammen.
— 21. April, Nachmittags. (W. T. B.) Die Kom⸗ mission der Deputirtenkammer für das Konver⸗ tirungsgesetz hat sich mit dem Ministerium dahin ver⸗ ständigt, daß die Frist der Garantie gegen eine neue Konversion auf 10 Jahre ausgedehnt werde. Naquet wurde zum Referen⸗ ten gewählt.
— 21. April, Abends. (W. T. B.) In der De⸗ putirtenkammer interpellirte heute der Deputirte Fauré (Bonapartist) die Regierung in Betreff der im Lyceum Louis⸗le⸗Grand vorgekommenen Unruhen Der Minister⸗Präsident Ferry beantwortete die Interpellation und rechtfertigte das Verhalten des Vorstehers der Anstalt. Die Kammer nahm hierauf die einfache Tagesordnung an und begann die Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die rückfälligen Verbrecher. — Naquet wird seinen Be⸗ richt über die Konvertirungsvorlage erst am Montag in der Kammer verilesen und die sofortige Berathung der Vor⸗
lage beantragen. u 8 8
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Marseille, 22. April. (W. T. B.) In Toulon sind 2 Schiffe in Ausrüstung, welche 2000 Mann nach Tonkin bringen sollen.
Italien. Rom, 22. April. (W. T. B.) Die Kammer beendigte heute die Berathung des Gesetz⸗ entwurfs über die Vertilgung der Phylloxera und genehmigte sämmtliche Artikel desselben. Danach soll das Ministerium im Falle einer Infektion auf Antrag des Phylloxera⸗Comités entscheiden, ob die Zerstörungs⸗ oder die Heilungsmethode anzuwenden sei. Im letzteren Falle kann dem Eigenthümer eine Entschädigung von 100 Fres. pro Hektar zugesprochen werden. In den erstgenannten Fällen kann der Eigenthümer, wenn die Entschädigung für die Zerstörung 500 Fr. nicht übersteigt, sich mit den Delegirten des Comités gütlich verständigen. Wenn die Entschädigung diesen Betrag aber überschreitet und eine Verständigung nicht zu Stande kommt, so wird ein Sachverständiger zur Ent⸗ scheidung bestellt. Eine Kommission von 6 Mitgliedern wird dem Parlament vor dem 15. März 1884 über die durch die Phylloxera in Italien angerichteten Verwüstungen Bericht erstatten.
— 22. April. (W. T. B.) Kardinal Anticimattei ist gestorben.
Udine, 21. April. (W. T. B.) In Folge der Ergeb⸗ nisse der Verhandlungen gegen Giordani und Ra⸗ gosa wegen Theilnahme an dem Verbrechen Oberdanks wurde die Anklage gegen Giordani zurückgezogen. Das Gericht sprach sodann Giordani und Ragosa frei.
Türkei. Konstantinopel, 22. April. (W. T. V.) Der Fürst von Bulgarien ist nach Verabschiedung beim Sultan nach Athen weitergereist.
— 23. April. (W. T. B.) Fürst Alexander von Bulgarien hat sich nicht direkt nach Athen begeben, sondern zunäͤchst nach Jaffall und beabsichtigt von dort nach Jeru⸗ salem zu gehen, wo er während der Charwoche bleiben wird, um dann nach Athen zu reisen.
Rußland und Polen. St. Petersburg, 22. April. (W. T. B.) Die Leiche der Herzogin von Leuchten⸗ berg wird morgen nach dem Baltischen Bahnhof, von dort mit der Bahn nach der Station Sergiewo und dann nach dem Sergiewschen Kloster übergeführt werden, wo die Beisetzung im Erbbegräbniß der oldenburgischen Familie stattfindet. An dem Leichenzuge werden sich der Kaiser und die Kaiserin mit sämmtlichen hier anwesenden Mitgliedern der Kaiser⸗ lichen Familie und die Prinzessin Marie von Baden be⸗ theiligen.
Der „Russische Invalide“ veröffentlicht eine Kaiser⸗ liche Verordnung, durch welche der gegenwärtige Groß⸗ herzog von Mecklenburg⸗Schwerin an Stelle des ver⸗ storbenen Großherzogs zum Chef des 8. Moskauer Grenadier⸗ Regiments ernannt und dem Kosaken⸗Regiment „Kisliar Grebensk“ der Name des Großherzogs Friedrich Franz von
Recklenburg⸗Schwerin beigelegt wird.
Wie verschiedene Blätter melden, ist die Berathung des neuen Entwurfs, betreffend die Steuer für Auslands⸗ pässe, bis zur Herbstsession des Reichsraths vertagt worden.
Zeitungsstimmen.
Die „Elberfelder Zeitung“ sagt über „Die Kaiserliche Botschaft“:
Wie ein reinigender Gewitterschlag ist in die Stickluft, welche sich über den so frucht⸗, wie endlos hingesponnenen Gewerbe⸗Ordnungs⸗ Debatten gelagert hatte, das persönliche Wort des Kaisers hinein⸗ gefallen. Auch der Widerwillige empfindet dabei, daß es sein Gutes für die Wirkung auf das Gefühl des ganzen Volkes hat, wenn solche unmittelbare Kundgebungen von höchster Stelle bei uns für außergewöhnliche Fälle aufgespart bleiben, während in Eng⸗ land die Form der Königlichen Botschaft die einzige Weise des Ver⸗ kehrs zwischen der Regierung als solcher und dem Parlamente ist (denn die einzelnen Minister treten nur in dem Hause, welchem sie angehören, als dessen Mitglieder auf). Nur möchte man eben um jener Wirkung willen das Außergewöhnliche gern zum Ungewöhn⸗ lichen stempeln, um dieses zuletzt als unzulässig anzufechten — so weit ist es denn mit unserer Art von Parlamentarismus noch nicht gekommen. Auch als besonders auffällig kann das Außergewöhnliche der Botschaft unter den gegebenen Umständen nicht erscheinen. Ein Jahr läuft ab, seit die gegenwärtige Reichstagssession begonnen hat; durch zweimalige Ver⸗ tagung verlängert, hat sie dem Kaiser nicht wieder Gelegenheit geboten, auf dem regelmäßigen Wege der Thronrede, sei es bei Sessionsschluß oder Sessionsbeginn, zum Reichstage zu reden. Von den drei großen Vorlagen aber, welche in Verfolg der Kaiserlichen Botschaft vom 17. November 1881 dem Reichstage gleich im Anfange der Session gemacht wurden, hat derselbe die eine binnen wenigen Wochen verworfen, die beiden anderen sind seit elf Monaten von der Tagesordnung des Plenums verschwunden, bei einer von diesen hat auch die Kommission ihre Arbeit kaum begonnen. Wäre es nach den bisherigen Absichten der parlamentarischen Kreise gegangen, so würde der Reichstag binnen einigen Wochen auseinandergehen, nachdem besten Falls das Kranken⸗ versicherungsgesetz unter Dach gebracht worden — welches in der That nur eine e der im Jahre 1875 — 76 vergeblich ge⸗ thanen Arbeit ist, also nicht wohl als ein neuer Schritt zum Wohle der Arbeiter angesehen werden kann. Zwei Jahre nach Verwerfung der ersten Unfallversicherungsvorlage würde diese Arbeit sich noch ge⸗ nau auf dem Flecke finden wie vor dem Jahre. Von der nächsten Herbst⸗ und Wintersession würde die erste Hälfte von der Etats⸗ berathung wieder so vollständig in Beschlag genommen sein, daß da⸗ neben kaum für die Kommissionsberathung der Unfallversicherung 5 bliebe. In der zweiten Hälfte jener Session aber hätte der Reichstag sich dringlichster Weise schon mit der Frage der Erneuerung des Sozialistengesetzes zu beschäftigen, und wir müßten es erleben, daß dessen Geltung über das sechste Jahr hinaus erstreckt würde, ehe auch nur eine einzige der bei der ersten Feststellung desselben zu⸗ gesicherten positiven Maßregeln zum Wohle der Arbeiter ge⸗ kroffen wäre. Zwar giebt es Tröster, welche sagen, die Etatsberathung erfordere erfahrungsmäßig nicht mehr als zehn bis zwölf Tage. Wo diese Erfahrungen gemacht worden sind, vielleicht auf dem Monde, wissen wir nicht. Auf unserer Erde, in der Leipziger Straße zu Berlin hat der deutsche Reichstag zu seiner letzten Etatberathung 20 Plenarsitzungen in der Zeit vom 7. Dezember bis zum 16. Februar gebraucht, er hat überhaupt in der Zeit vom 30. November bis zum letzteren Tage außer dem Etat keine größere Arbeit erledigt, und an den Abenden hat die sozialpolitische Kommission gerade so viel Zeit behalten, um — ihren Bericht über das Krankenversicherungsgesetz noch erst während der Vertagung feststellen zu müssen. “ w
Gans aber würde sich die Geschäftslage gestalten, wenn der Reichstag den Rath der Kaiserlichen Botschaft annehmen will. Daß es nur eine „sehr kühl“ zu behandelnde „Zweckmäßigkeitsfrage ist, heute in die Berathung des nächstjährigen Etats einzutreten, wird ja zugestanden, und der berechtigte Wunsch der Reichstags⸗ mitglieder, die Session nicht zu lange in den Sommer hineink auszudehnen, kann ja nur heilsam abkürzend auf
die Etatsverhandlungen wirken. Zwischen diesen Verhandlungen aber behielte die Kommission Zeit, den Unfallversicherungsentwurf durchzuberathen, so daß der Reichstag bei seiner Wiederkehr im Herbste alsbald in die Plenarverhandlung einzutreten in der Lage wäre. Dann bleibt immer noch einige Hoffnung, um, wie die Bot⸗ schaft andeutet, noch einen weiteren Schritt in der Sozialreform zu thun und dann erst mit gutem Gewissen über die Verlängerung des Sozialistengesetzes zu beschließen....
— Die „Berliner Börsen⸗Zeitung“ schreibt in ihrer Nummer vom 22. d. M.:
Die gestrige Abstimmung im Reichstag hat für die grund⸗ legenden Bestimmungen des Krankenkassengesetzes eine sehr beträcht⸗ liche Mehrheit ergeben. Konservative, Centrum, Nationalliberale, ein Theil der liberalen Vereinigung, selbst ein Mitglied der Fortschrittsvartei und die Volkspartei haben diese Grundbestim⸗ mungen angenommen. Es ist sonach die beste Aussicht vorhanden, daß das Gesetz auf Grund der Kommissionsbeschlüsse zu Stande kommt; Schwierigkeiten könnte nur noch die Frage der Versicherung der landwirthschaftlichen Arbeiter machen. Es ist durch die gestrige Abstimmung festgestellt, daß im Reichstag eine große, von der Rechten bis in die äußerste Linke hinein reichende Mehrheit vor⸗ handen ist, welche die mit der Kranken⸗ und Unfallversicherung ein⸗ geleitete soziale Reform zu unterstützen und zu fördern entschlossen ist. Es ist damit eine würdige Antwort auf das sozialpolitische Pro⸗ gramm der Kaiserlichen Botschaft gegeben und das Vertrauen ge⸗ rechtfertigt, daß wir am Beginn einer rüstig fortschreitenden schöpfe⸗ rischen Reformgesetzgebung zum Wohle der arbeitenden Klassen steben.
Im „Berliner Tageblatt“ lesen wir Folgendes:
Die Barmer Handelskammer hat, wie uns geschrieben wird, soeben als einen Vorläufer des üblichen größeren, an den Handels⸗ Minister zu erstattenden Jahresberichts ein kurzes Referat über die Lage der Barmer Industrie im Jahre 1882 für die Handel⸗ und Eewerbtreibenden ihres Bezirks veröffentlicht. Die Kammer kann darin die immerhin erfreuliche Thatsache konstatiren, daß das verflossene Jahr im Vergleich zu seinen Vorgängern einen in mancher Hinsicht besseren Verlauf genommen. Vermag dieselbe auch keines⸗ wegs von einer generell zufriedenstellenden Situation zu sprechen, so gewährten doch einzelne Branchen zeitweise den zum Theil nicht un⸗ erheblich vermehrten Arbeitskräften lohnende Beschäftigung, während Andere den Betrieb in früherem Umfange aufrecht zu erhalten im Stande waren. Der Bericht schließt wie folgt: „Gegen⸗ über der tiefen Depression, welche sich fast aller Barmer Industriezweige bemächtigt hatte, darf die Kammer auf Grund der vorstehenden Schilderung das Jahr 1882 als ein leid⸗ lich befriedigendes bezeichnen. Die Besserung ist freilich eine sehr relative, sie vollzieht sich auf einer Grundlage, welche durch einen Niedergang der Industrie geschaffen wurde, wie ihn unser Bezirk in einer solchen Dauer und Ausdehnung wohl kaum erlebt hat. Sie entbehrt ferner der so dringend nothwendigen Stetigkeit, indem auf manchen Gebieten bereits gegen Ende des Jahres 1882 Anzeichen eines Rückschlages zu Tage traten. Nichtsdestoweniger berechtigen aber die Ergebnisse des hinter uns liegenden Zeitraums wenigstens zu der Hoffnung, daß die Gesundung, welcher der wirthschaftliche Orga⸗ nismus der Nation im Allggemeinen, wenngleich langsam entgegengeht, auf die Dauer auch unsere Verhältnisse wohlthätig beeinflussen wird.“
— In der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung“ lesen wir:
In der am 16. d. M. stattgehabten Generalversammlung der (hiesigen) Schlosserinnung wurde der Beschluß gefaßt, von jetzt ab nur noch solchen Lehrlingen Gesellenbriefe auszuschreiben, welche bei
zungsmeistern ihre Lehre absolvirt haben. Da von vielen Behörden Gesellen mit nicht von Innungsmeistern ausgestellten Gesellenbriefen zurückgewiesen werden, so liegt es auf der Hand, daß es für Eltern und Vormünder solcher Knaben, die das ehrsame Schlosserhandwerk erlernen wollen, von Interesse ist, die Lehrlinge nur bei Innungs⸗ meistern in die Lehre zu geben.
Centralblatt für das Deutsche Reich. Nr. 16.— Inhalt:
Eisenbahnwesen: Bekanntmachung, betreffend Abaäͤnderung des Be⸗ triebsreglements für die Eisenbahnen Deutschlands. — Finanzwesen: Nachweisung der bis Ende März 1883 stattgehabten Ausführung des Gesetzes, betreffend die Ausgabe von Reichskassenscheinen. — Zoll⸗ und Steuerwesen: Befugniß einer Steuerstelle. — Marine und Schiffahrt: Erscheinen des I. Nachtrags zur amtlichen Schiffsliste für 1883. — Konsulatwesen: Ernennungen. — Ermächtigung zur Vor⸗ nahme von Civilstandsakten. — Polizeiwesen: Ausweisung von Aus⸗ ländern aus dem Reichsgebiete.
Amtsblatt des Reichs⸗Postamts. Nr. 19. — Inhalt: Verfügungen: vom 14. April 1883. Post⸗Dampfschiffverbindung auf der Linie Rostock⸗Nykjöbing.
Archiv für Post und Telegraphie. Nr. 7. — Inhalt: Aktenstücke und Aufsätze: Telegraphen⸗ und Fernsprecheinrichtungen in Nordamerika. — Das Bahnpostwesen in Frankreich. — Die „Ta⸗ bernae“ des Ausonius und der Vicus Belginum. — Kleine Mitthei⸗ lungen: Die italienischen Postsparkassen im Jahre 1881. — Beerdi⸗ gung des ermordeten Geldbriefträgers Cossaeth in Berlin. — Be⸗ schwerde über das Verhalten der Wittenberger Briefträger im Jahre 1748. — Vorrichtung zur Messung der Windgeschwindigkeit in der Forth⸗Mündung. — Eisenbahn und Telegraphen im südamerikanischen Freistaate Paraguav. — Zeitschriften⸗Ueberschau.
Justiz⸗Ministerial⸗Blatt. Nr. 16. — Inhalt: Allge⸗ meine Verfügung vom 13. April 1883, betreffend die Behand⸗ lung der portopflichtigen Correspondenz zwischen den deutschen und den schweizerischen Behörden. — Allgemeine Verfügung vom 17. April 1883, betreffend die Bezeichnung der der Justizverwaltung in dem Etat für 1883/84 zur Verfügung stehenden Fonds.
Kunst, Wissenschaft und Literatur.
Der Professor der Zoologie und Direktor des hiesigen Zoolo⸗ gischen Museums, Dr. Peters, ist am Donnerstag Abend nach längerem Krankenlager verstorben. 8
Gewerbe und Handel.
Nach den statistischen Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen⸗ und Stahlindustrieller belief sich die Roheisen⸗ produktion des Deutschen Reichs (einschließlich Luxemburgs) im Monat März 1883 auf 285 536 t, darunter 168 079 t Puddel⸗ roheisen, 12 031 t Spiegeleisen, 49 680 t Bessemer⸗, 25 322 t Thomas⸗ roheisen und 28 224 t Gießereiroheisen. Die Produktion im März 1882 betrug 256 437 t. Vom 1. Januar bis 31. März 1883 wur⸗ den produzirt 833 751 t gegen 783 254 t im Vorjahre. 8
Mannheim, 21. April. (W. T. B.) Die Generalversamm⸗ lung der Rheinischen Kreditbank hat die Vertheilung einer Dividende von 6 % gleich 36 ℳ pro Aktie beschlossen; die Dividende gelangt sofort zur Auszahlung.
Nürnberg, 18. April. (Hopfenmarktbericht von Leopold Held.) In den ersten 3 Tagen dieser Woche wurden bei angenehmer Tendenz etwas über 200 Ballen am Markte verkauft. Gefragt waren vornehmlich Mittelhopfen in der Preislage von 350 — 385 ℳ; geringe und mißfarbige Waare blieben vernachlässigt. Die seit Sonn⸗ tag angelangten Zufuhren beziffern sich auf ca. 100 Ballen. Man zahlte für Primawaare 390 — 410 ℳ, bessere Mittelwaare 360— 385 ℳ, gelbliche und leichte hellfarbige Hopfen 320 — 340 ℳ Ge⸗ ringe und mißfarbige sind, weil nicht gehandelt, außer Nottz. Der Vorrath am Markte ist klein und die Stimmung fest.
Teplitz, 21. April. (W. T. B.) Die heutige Generalver⸗ sammlung der Aktionäre der Aussig⸗Teplitzer Eisenbahn be⸗ schloß, den Reservefonds mit 507 000 Fl. zu dotiren und eine Divi⸗ dende von 31 Fl. zu gewähren, die am 1. Mai d. J. zur Auszahlung gelangt. Ferner wurde von der Versammlung aus Anlaß des 25jäh⸗
rigen Jubiläums der Bahnbeamten ein Betrag von 50 000 Fl. be⸗ willigt und ein weiterer Betrag von 5000 Fl. dem Prager Theater⸗ verein zum Bau eines würdigen Kunstinstituts überwiesen. Der Revisionsausschuß wurde wiedergewählt.
Antwerpen, 21. April. (W. T. B.) Wollauktion Angeboten 1818 B. Laplatawollen, verkauft 1218 B. Preise fest.
Liverpool, 23. April. (W. T. B.) Durch ein am Sonn⸗ abend hier ausgebrochenes Feuer wurden drei große, vorwiegend Baumwolle enthaltende Magazine zerstört, der Schaden wird auf 250 000 Pfd. Sterl. geschätzt.
Glasgow, 21. April. (W. T. B.) Die Vorräthe von Roheisen in den Stores belaufen sich auf 581 900 Tons gegen 630 300 Tons im vorigen Jahre. Zahl der im Betriebe befindlichen Hochöfen 113 gegen 108 im vorigen Jahre.
Verkehrs⸗Anstalten.
Dortmund, 21. April. (Dortm. Ztg.) Die hiesige Handels⸗ kammer hatte ihre Schwesterkammern aus dem nordwestlichen Theile unserer Monarchie auf heute Nachmittag in das hiesige Hotel „zum römischen Kaiser“ einberufen, um Zeugniß dafür abzulegen, von welch außerordentlicher Bedeutung der das westfälische Industrie zebiet mit der See verbindende Kanal Dortmund⸗Emshäfen für alle be⸗ theiligten Faktoren, für das ganze Vaterland ist. Die Kammern waren dem an sie gegangenen Rufe zahlreich gefolgt, und es war eine stattliche, den Saal füllende Versammlung, welcher der Vorsitzende der hiesigen Handelskammer, Kommerzien⸗Rath von Born, präsidirte.
Durch die Präsenzliste wurden als anwesend konstatirt außer Dortmund 22 Handelskammern, und zwar Ostfriesland⸗Papenburg, Münster, Elberfeld, Hagen, Mülheim a. d. Ruhr, Osnabrück, Arns⸗ berg, Remscheid⸗Lennep, Duisburg, Essen, Harburg, Bochum, Coblenz, München⸗Gladbach, Mülheim a. Rh., Solingen, Eupen, Düsseldorf, Iferlohn, Wesel, Bielefeld, Düren. Zugestimmt hatten der Resolu⸗ tion noch Trier, Siegen, Cöln und Barmen; unentschlossen war Stollberg, abgelehnt hatte Minden.
Nach längerer Diskussion wurde folgende Resolution einstimmig angenommen:
Die am 21. April 1883 zu Dortmund versammelten Handels⸗ kammern haben die Regierungsvorlage, betreffend den Beu eines Kanals Dortmund⸗Emshäfen, als ersten und erfolgreichen Schritt zur Ausbildung der deutschen Wasserstraßen, ohne welche wir auf die Dauer der Konkurrenz der besser organisirten Nachbarländer nicht ge⸗ wachsen sind, ebenso dankbar begrüßt, wie die günstige Aufnahme, welche dieselbe im Ganzen bei dem hohen Hause der Abgeordneten gefunden hat.
Die Handelskammern würden der Königlichen Regierung zu noch lebhafterem Danke sich verpflichtet gefühlt haben, wenn sich dieselbe hätte entschließen können, durch entschiedenere Erklärungen die weiter⸗ gehenden Wünsche der interessirten Kreise und des Abgeordneten⸗ hauses zu berücksichtigen.
Da die Regierung jedoch formell bindende Zusicherungen in dieser Richtung ausdrücklich abgelehnt hat, glauben die versammelten Handelskammern die Freunde einer energischen Kanalpolitik im Ab⸗ geordnetenhause dringend ersuchen zu sollen, event. mit Verzicht auf alle Amendirungsversuche für die Regierungsvorlage zu stimmen, um die Regierung jedenfalls für die Konzessionen zu engagiren, welche die Vorlage schon jetzt enthält und welche bedeutend genug sind, um we⸗ nigstens einen Theil jener weitergehenden Wünsche voraussichtlich bald als unabweisbare Konsequenzen dieses ersten Schrittes erscheinen zu lassen.
Triest, 23. April. (W. T. B.) Der Lloyddampfer „Diana“ ist gestern Nachmittag mit der ostindisch⸗chinesischen Ueberlandpost aus Alexandrien hier eingetroffen.
Southampton, 22. April. (W. T. B.) Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Main“ ist heute früh 6 Uhr hier ein⸗ getroffen.“ 8
Plymouth, 23. April. (W. T. B.) Der Hamburger Postdampfer „Frisia“ ist gestern Abend von New⸗York hier angekommen.
New⸗York, 22. April. (W. T. B.) Der Hamburger Postdampfer „Suevia“ ist heute früh 2 Uhr hier eingetroffen.
Berlin, 23. April 1883.
Berlin, im April 1883.
Die jährliche Plenarversammlung der Central⸗Direktion der Monumenta Germaniae hat in den Tagen vom 31. März bis 2. April hier stattgefunden. Von den Mitgliedern fehlten Justiz⸗ Rath Dr. Euler in Frankfurt a. M, der durch Geschäfte verhindert war, und Hofrath Prof. Sickel in Wien, der sich auf einer Reise in Italien befand.
Hofrath Sickel und Hofrath Prof. Maaßen, deren Mandat ab⸗ gelaufen, sind kurz vorher von der Akademie der Wissenschaften in Wien wieder auf 4 Jahre zur Theilnahme an der Central⸗Direktion delegirt worden. Der letzte hat sich ebenso wie die anderen auswär⸗ tigen Mitglieder, Geh. Rath Prof. von Giesebrecht in München, Prof. Hegel in Erlangen, Prof. Dümmler in Halle, und die hier wohnhaften, Prof. Mommsen, Wirklicher Geh. Ober⸗Regierungs⸗ Rath Direktor der preußischen Staatsarchive von Sybel, Prof Wattenbach und Geh. Regierungs⸗Rath Waitz als Vorsitzender, an den Verhandlungen betheiligt, die einen gedeihlichen Fortgang de Arbeiten in den verschiedenen Abtheilungen ergaben.
Vollendet sind im Lauf des letzten Jahres
von der Abtheilung Scriptores:
1) Tomus XXVI. der großen Ausgabe in Folio;
2) Deutsche Chroniken Bd. IV., Abth. 1 in 4.; hu
3) Waltrami, ut videtur, liber de unitate ecclesiae conser- vanda. Recognovit W. Schwenkenbecher. 8
4) Annales Bertiniani. Denuo recensuit G. Waitz. In 8.;
von der Abtheilung Leges:
5) Sectio V. Formulae Merowingici et Karolini aevi. Edidit K. Zeumer. Pars prior. in 4.;
von der Abtheilung Epistolae:
6) Epistolae saeculi XIII. e regestis pontificum Romanorum selectae per G. H. Pertz. Edidit C. Rodenberg. Tomus I. in 4.;
von dem Neuen Archiv der Gesellschaft für ältere Deutsche Ge⸗ schichtskunde: 8
7) Band VIII. in, 3 Heften.
Viel bedeutender ist die Zahl der Bände, welche sich im Druc befinden und zum Theil nur zufällig nicht zum völligen Abschluß ge⸗ kommen sind. b 1
Das gilt namentlich in der Abtheilung Antiquitates unter Lei⸗ tung des Prof. Mommsen von den Bearbeitungen des Avitus von Dr. Peiper in Breslau, des Ausonius von Prof. Schenkl in Wien, des Symmachus von Prof. Seeck in Greifswald, die der Vollendung nahe sind. Begonnen hat der Druck des Sidonius von Dr. Lüt- johann in Kiel und des Ennodius von Dr. Vogel in Regensburg. Jenem werden die Briefe des Ruricius beigefügt, deren Handschriften in Paris und Sangallen verglichen sind. Zur Benutzung von Co⸗- dices des Claudian befindet sich Dr. Birt auf einer Reise in Italien. Andere Kollationen haben Dr. Frankfurter in Orford und Wien, Dr. Maas in London, Dr. Schwartz in Bologna, Florenz, Perugia, Rom und Neapel angefertigt.
Die Abtheilung Scriptores, die unter der Leitung des Vor⸗ sitzenden der Central⸗Direktion steht, hat in der Reihe der Geschichts- schreiber der Staufischen und nächstfolgenden Zeit bis zum Ende des 13. Jahrhunderts den 26. Band vollendet, der alles enthält, was französische Autoren für diese Periode darbieten, wie das im vorigen Bericht näher dargelegt ist. Die Ausgaben des Guillelmus de Nangis von Dr. Brosien, des Philipp Mousket von Prof. Tobler und meh rerer kleinerer Stücke von Dr. Holder⸗Egger wurden in diesem Jah gedruckt; das ausführliche Register lieferte mit dem letzteren zu-