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L-; der Kasse der Königlichen Ober⸗Rechnungskammer 1. April 1881/82. Dem Herrenhause gingen im Ganzen 74 Petitionen zu, von denen 22 durch die Beschlußfassung über die zu denselben ge⸗ hörigen Gesetzentwürfe, die anderen durch besondere Berathung Er⸗ edigung fanden. Drei Petitionen sind unerledigt geblieben, von denen eine zu dem Gesetzentwurf, betr. die Erhebung der Hundesteuer ein⸗ gegangen war. Selbständige Anträge und Interpellationen sind im Herrenhause nicht eingebracht. Dem Hause der Abgeordneten sind 1400 Petitionen ugegangen und davon 13 zurückgezogen. Von den verschiedenen Kom⸗ missionen sind darüber 57 schriftliche und 43 mündliche Berichte vor⸗ ereitet und davon 29 schriftliche und 20 mündliche im Plenum er⸗ edigt. Von den Petitionen wurden 317 als zur Erörterung im Plenum nicht für geeignet erachtet, 26 durch Uebergang zur Tages⸗ ordnung erledigt, 98 der Königlichen Staatsregierung überwiesen, 422 durch Annahme von Gesetzentwürfen oder Resolutionen für erledigt erklärt. Ueber 247 haben die Kommissionen sich schlüssig gemacht und über 213 für die Plenarberathung Anträge gestellt, über 34 aber soch nicht Bericht erstattet, wogegen 277 zum Theil wegen verspäteten Eingangs ganz unerledigt geblieben sind. 1 Selbständige Anträge sind von Mitgliedern des Hauses acht ingebracht. Davon ist ein Antrag durch Annahme des vorgeschlagenen Gesetzentwurfs von beiden Häusern des Landtags erledigt; auf drei Anträge sind Resolutionen beschlossen; ein Antrag ist an eine Kom⸗ ission verwiesen, einer abgelehnt, einer durch Uebergang zur Tages⸗ rdnung beseitigt und einer nicht zur Berathung gelangt. Interpellationen sind von Mitgliedern des Hauses drei ge⸗ ellt und Seitens der Königl. Staatsregierung beantwortet worden. Die Abtheilungen haben die Wahlen der Mitglieder des Hauses bis auf wenige Nachwahlen, über welche die Wahlakten noch nicht eingegangen waren, geprüft. Es wurden dabei die Wahlen aus 4 Wahlbezirken der Wahlprüfungskommission überwiesen. Davon sind 9 Wahlen in der Kommission unerledigt geblieben. Erledigt sind
zur Zeit 4 Mandate von Abgeordneten.
Gewerbe und Handel.
Russischer Zolltarif. esetzung aus dem „Russischen Finanz⸗Anzeiger“ Nr. 22 vom 1. Juni 1883.)
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Mittelst Cirkulars des russischen Zolldepartements vom 24. Mai er. sind die Zollämter angewiesen worden, die nachstehend benannten Handelsartikel bei Erhebung des Zolles nach dem Tarif wie folgt zu klassifiziren: -
1) Seilerfabrikate aus Korkosnußfasern in Gestalt von Dielenläufern u. dergl. unter Art. 188 (44 Kop. vom Pud).
2) Besäumte Schärpen als fertige Bekleidungs⸗ gegenstände — unter die betreffenden Punkte des Art. 219, je nach dem Material, aus welchem sie gefertigt sind (1 Rub. 50 Kop. bis 7 Rub. vom Pud). 8
3) Hefte mit Kolorirbildern als Kinderspielzeug — unter Art. 228 (37 Kop. vom Pfund). b
4) Porzellangeschirr mit einfarbigem Muster oder Malerei, selbst schablonenmäßig oder durch ein anderes fabriks⸗ mäßiges Verfahren hergestellt — unter Art. 156 Punkt 2 (8 Rub. 80 Kop. vom Pud).
5) Künstliche Vogelbälge mit Federn als Plümagen — unter Art. 221 (6 Rubel 60 Kop. vom Pfund).
6) Möbeltüll, wenn auch ungemustert — unter Art. 214 Pkt. 1 (45 Kop. vom Pfund).
7) Baumwollengarn mit Flittergold gemischt — unter Art. 213 (40 Kop. vom Pfund) als Posamentierwaaren.
8) Harziger Thonschiefer — unter Art. 15 (ollfrei)
9) Seidene Sonnenschirme ohne Futter, aber mit aufgenähten Puffen und Seidenstoff — unter Art. 224 Pkt. 2 (66 Kop. per Stück). G“
10) Uhr⸗Berloques, metallene, selbst wenn in Form von Uhrschlüsseln, je nach dem Material, mit Einsätzen aus anderem Material aber — unter Art. 227 (1 Rub. 20 Kop. — oder 37 Kop. vom Pfund). 3
11) Mit Holzspähnen gestopfte Fußkissen — unter Art. 219 Anm. 2, nach dem Hauptmaterial des Ueberzuges. b
12) Insektenpulver unter Art. 140 (2 Rub. vom Pud) als pharmazeutisches Produkt.
13) Gummi arabicum, pulverisirtes, unter Art. 140.
14) Hygroskopische Watte, als im Tarif nicht besonders benanntes pharmazeutisches Produkt — unter Art. 140. b
15) Messingschnallen für Hosenträger, Fußbheklei⸗ dung, Handschuhe und dergleichen, unvergoldet und unversilbert — unter Art. 161 — (3 Rub. 30 Kop. vom Pud).
16) Rohr und Schilf, gespalten — unter Art. 30, Pkt. 1 (15 Kop. vom Pud).
17) Beim Import von Garn, welches auf gewöhnliche Röllchen aufgewickelt ist, sind diese Röllchen zollfrei. 1
18) Eichene Fußböden, unbearbeitet — unter Art. 19 (zollfrei).
19) Gemahlener Marmor, gleich gestoßener Kreide — unter Art. 7, Pkt. 2 (in die baltischen Häfen eingeführt — 3 Kop. vom Pud, sonst zollfrei).
20) Fleischextrakt jeder Art in Konserven gleich dem Liebig'schen — unter Art. 62 (4 Rub. vom Pud Brutto).
21) Eiserne Formen für Zuckerfabriken, nicht verzinnt, aber lackirt — gleich emaillirten Fabrikaten unter Art. 166, Pkt. 1 (2 Rub. 75 Kop. vom Pud).
22) Baumwollene Servietten mit Gummi elasticum überzogen — unter die entsprechenden Punkte der Art. 210 und 211.*)
23) Wollene Gewebe mit Verzierungen aus Flitter⸗ gold — unrer Art. 202 und 203, Anm. 1.
24) Das in Rumänien gewonnene Heilsalz „Selathermat“ — wie Karlsbader, Marienbader und andere Heilsalze unter Art. 132 (6 Kop. vom Pud).
II.
Mittelst Cirkulars vom 25. Mai cr. hat das Zolldepartement die Zollämter in Kenntniß gesetzt, daß beim Import ausländischer Waaren in Gefäßen oder Behältern von Blech und Kupfer die ersteren nach Art. 166 (mit 2 Rub. 75 Kop. vom Pud), die letzteren nach Art. 161 (mit 3 Rub. 30 Kop. vom Pud) zu verzollen sind. Aus⸗ genommen sind diejenigen Fälle, wenn für die in solchen Gefäßen importirten Waaren die Zollgebühr nach dem Bruttogewicht normirt ist, wie auch diejenigen Blechemballagen, welche aus Weißblech her⸗ gestellt sind und sich ihren Dimensionen nach nicht als Weißblech zur Verarbeitung zu anderen Gegenständen eignen, wie z. B. die Büchsen mit marinirtem Fisch, Konserven u. dergl. Blechbüchsen mit
.“) Art. 210. Baumwollene Gewebe, rohe, gebleichte, gefärbte (mit Ausnahme der in Adrianopel roth gefärbten) und buntgewebte: 9) in 1 Pfd. Gewicht 8 Quad.⸗Arschin enthalt. v. Pfund 31 Kop., 2 Gewicht 8 — 12 Quad.⸗Arschin enthalt. v. Pfund op., 3) in ˖1 br Gewicht 12—16 Quad.⸗Arschin enthalt v. Pfund 55 Kop., 4) in 1 Pfd. mehr als 16 Quad.⸗Arschin enthalt. v. Pfund 1 Rub. 20 Kop. Art. 211. Dieselben bedruckt und in Adrianopel roth gefärbt: 1) s Pfd. Gewicht bis 8 Quad.⸗Arschin enthalr. v. Pfund
Kop.,
2) 1e.1.. Gewicht 8 — 12 Quad.⸗Arschin enthalt. v. Pfund op.,
3) Pfd. Gewicht 12 — 16 Quad.⸗Arschin enthalt. v. Pfund
3 Kop., 4) in 1 Pfd. mehr als 16 Quad.⸗Arschin enthalt. v. Pfund 1 Rub. 32 Kop. 1
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Malerei und Vergoldung dagegen sind ausnahmslos nach dem Artikel über 1ö-en (Art. 166 — 5 Rubel 50 Kop. vom Pud) zu verzollen.
— Die Generalversammlung der Aachen⸗Jülicher Eisen⸗ bahn⸗Gesellschaft genehmigte die von der Verwaltung bean⸗ tragte Vermehrung des Anlagekapitals durch Ausgabe von 3 000 000 ℳ neuer Aktien.
Frankfurt a. M., 2. Juli. (W. T. B.) Die Bank⸗ geschäfte des Hauses Koester & Co. in Frankfurt a. M, Mannheim und Heidelberg sind an eine Aktiengesellschaft übergegangen, welche die Firma „Koesters Bank (Aktiengesellschaft)“ führt. Das Aktienkapital der Gesellschaft ist auf 6 Millionen Mark festgesetzt, von welchen vorläufig 3 100 000 ℳ ausgegeben und voll eingezahlt sind. Der Zweck des Unternehmens ist die Fortsetzung der Geschäfte der bisherigen Firma in den drei genannten Städten. Den Vorstand der Bank bilden Hr. Kommerzien⸗Rath Wilhelm Koester als ständiger Vorsitzender und Delegirter des Aufsichtsraths und Hr. Otto Krastel. b
Glasgow, 2. Juli. (W. T. B.) Die Verschiffungen von Roheisen betrugen in der vorigen Woche 13 300 gegen 15 300 Tons in derselben Woche des vorigen Jahres.
Verkehrs⸗Anstalten.
Kursbuch der deutschen Reich⸗Postverwaltung. Bear beitet im Coursbureau des Reichs⸗Postamts. 1883. Sommer⸗ Ausgabe Nr. 4. Juli. Berlin, Julius Springer. Preis 2 ℳ Während das Kursbuch sonst in Zwischenräumen von 1 ½ — 2 Mo⸗ naten erscheint, bringt jeder der Monate Juli, August und September mit Rücksicht auf die Reisesaison eine neue Ausgabe, in welcher alle Aenderungen der Sommerfahrpläne berücksichtigt werden. Die Juli⸗ Ausgabe ist soeben ausgegeben worden und enthält neben wesentlichen das Ausland betreffenden Aenderungen vornehmlich solche neue Ver⸗ bindungen, welche mit den Reisen in Bäder und Sommerfrischen zusammenhängen; sie ist deshalb für jeden Touristen als ein Führer, auf den man sich unbedingt verlassen kann und der nie im Stiche läßt, unentbehrlich.
Bremen, 2. Juli. (W. T. B.) Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Kronprinz Friedrich Wilhelm“ ist am 30. v. M. in Bahia eingetroffen.
NewHork, 2. Pult. (. 7. Sö) Hanpfeer „The Queen“ von der National⸗Dampfschiffs⸗Com⸗ pagnie (C. Messingsche Linie) ist hier eingetroffen.
Sanitätswesen und Quarantänewesen.
Die Königlich niederländische Regierung hat in Folge des Auftretens der Cholera in Egypten alle egyptischen Fäsen für unrein erklärt.
Schiffe, welche aus Egypten kommen, werden demgemäß den Bestimmungen des niederländischen Gesetzes vom 28. März 1877 unterworfen.
Ebenso hat die spanische Regierung auf Grund der Artikel 30, 35 und 36 des Sanitätsgesetzes und der Verfügung vom 10. De⸗ zember 1874 alle Provenienzen aus Damiette für unrein erklärt und angeordnet, daß Provenienzen aus Egypten überhaupt hei ihrem Ein⸗ treffen in Spanien unter Beobachtung gestellt werden.
Die Seebehörden von Triest und Fiume haben ferner eine fünftägige Quarantäne über Schiffe aus Egypten verhängt. Führen diese Schiffe einen Arzt an Bord, so findet einfache Visitation statt.
— Um die Einschleppung der Cholera zu verhindern hat die italienische Regierung für solche aus Egypten kommenden Schiffe, auf welchen sich ein Krankheitsfall nicht ereignet hat, eine 5tägige Quarantäne angeordnet. Einer strengen Quarantäne von zehn Tagen, einer Desinfizirung und Reinigungsmaßregeln werden Schiffe mit verdächtigen Krankheitsfällen unterworfen Gäͤnzlich verboten ist die Einführung von alten nicht gewaschenen Kleidern und von Lumpen.
Berlin, 3. Juli 1883.
Der „Hamburgische Correspondent“ giebt unterm 2. Juli eine ausführliche Schilderung des ersten Festtages vom ersten all⸗ gemeinen deutschen Kriegerfest in Hamburg, welcher nir Folgendes entnehmen:
Nachdem am Sonnabend Abend 9 Uhr von 2 Musikabtheilungen ein Zapfenstreich stattgefunden, leitete den ersten Festtag die von 5 Musikcorps Morgens 6 Uhr ausgeführte Reveille ein, welche mit einer angemessenen Feier am Kriegerdenkmal schloß. — Ee eebüerece eieeeeekhe. maligen Hamburger Bürgergarde, welche in den alten Uniformen des Hamburger Bürgermilitärs erschienen war und von den Hamburgern mit großem Jubel begrüßt wurde. Um 9 ½ Uhr fand vor dem Lüblcker Thor ein Festgottesdienst statt, der in durchaus erhebender Weise ver⸗ lief; nach Absingung eines Schlußchorals signalisirten zwei Kanonenschläge das Ende der Feier. — Jetzt versam nelten sich die verschiedenen Gruppen zu dem Festzug, welcher den Glanzpunkt des Festes bildete. Eröffnet wurde derselbe durch einen Hecrold mit dem Marschallsstab, dem zwei andere mit der Reichs⸗ und Hamburger Fahne folaten; hieran schlossen sich 9 Gruppen, welche durch die Mannigfaltigkeit der Zusammenstellung und die sinnvolle Ausstattung stets erneuten Beifall hervorriefen und das Interesse der nach Tausenden zaͤhlenden Zuschauermenge rege hielten. Allegorische Figuren wechselten mit historischen Darstellungen. Die Innungen mit ihren Kostümen und Waohrzeichen waren zahlreich vertreten, den Beschluß vildeten die Straßburger Kriegervereine, deren Erscheinen mit Enthusiasmus wahrgenommen wurde. Der Festzug verlief in ausgezeichneter Pünktlich⸗ keit und Ordnung und gab einen beredten Beweis von dem seinen Theilnehmern innewohnenden soldatischen und patriotischen Geist. Ein großartiger Kommers vereinigte alle Festtheilnehmer auf der Moorweide, wo sich ein heiteres, buntes Leben entwickelte, das bis zum frühen Morgen währte.
Victoria⸗Theater. Um die nöthigen Vorbereitungen für „Excelsior“ zu treffen, tritt Direktor Scherenberg heute eine längere Geschäfts eise an, zuerst nach Coburg, um die 14 neuen Deko⸗ rationen mit Hrn. Lütkemeyer festzustellen, begiebt sich dann zu Ballet⸗Engagements nach Frankfurt a. M., Sturttgart, München, Mailand und Wien. Die Anfertigung der ca. 600 neuen Kostüme und ca. 400 Stück neuen Requisiten hat bereits begonnen und wird, da in den Ateliers des Victoria⸗Theaters nicht Alles geschafft wer⸗ den kann, um rechtzeitig bis zum 18. Oktober d. J. fertig zu werden, theilweise in Wien und Paris ausgeführt. Ein gänzlich neues, bis zu einer Höhe von 6 Fuß ansteigendes Podium, welches dieses Ballet außer dem gewöhnlichen Podium erfordert, ist ebenfalls bereits in Arbeit. Für das Corps de Ballet sind bereits 30 Damen engagirt, aber noch außer 100 Figurantinnen 50 Damen erforderlich. Als Solotänze⸗ rinnen sind engagirt die Frls. Qualitz, Taube, v. Fricke, Weiger, Bodmann, Fleury und Memmler, als Solisten die Herren Thieme und Oelschläger. Die männlichen Hauptrollen des von dem Dr. Blumen⸗ thal zu verfassenden verbindenden Textes, dessen Entwurf Hr. Man⸗ zotti durch Hrn. Merelli prüfen ließ, sind für Herren Pauli und Dr. Litaschi bestimmt. Frl. Wegmann wird eine ansprechende Gesangs⸗ rolle innehaben.
— Im Belle⸗Alliance⸗Theater giebt man seit Sonntag eine Novität, „Diamanten“, ein vieraktiges Volksstück von Paul Blumen⸗ reich. Der Verfasser hat seiner neuen dramatischen Arbeit zwar im Allgemeinen den Charakter des Volksstücks aufgeprägt, die handelnd auftretenden Personen und der Ton des Dialogs mögen zumeist diesem theatralschen Genre entsprechen, aber es fehlen jene packenden Ge⸗ fühlskontraste, die nicht etwa durch das plötzlich erscheinende, vielleicht wohlverdiente Unglück und den ebenso plötzlichen Umschwung zum Besseren allein, sondern vorwiegend durch treue Zeichnung charakte⸗ ristischer Züge aus dem Seelen⸗ und Gemüthsleben des Volkes hervorgebracht werden. Deshalb war der allgemeine Eindruck, welchen das Stück hinterl ziemlich neutraler Natur; wohl regte
1
es das Publikum hier und da zur Heiterkeit, aber selten zu kräfti⸗ geren Beifallszeichen an. Das ernste poetische Motiv, welches dem Stücke zu Grunde liegt, die Schrankenlosigkeit der Wünsche, welche in der Menschenbrust entstehen können und ihre verderblichen Folgen darzustellen, wäre einer feineren und tieferen Behandlung wohl fähig gewesen. Inhaltlich entspricht die Moral des Volksstücks fast ganz jener des alten schönen Märchens „vom Mann und von der Frau im Essigkrug“, welches man denn auch von der Bühne herab zu hören bekommt; es ist natürlich, daß da bei der dramatischen Behandlung Komik und Rührung gleichmäßig zu ihrem Rechte kommen und so unterhält das Stück sein Publikum noch immerhin ziemlich gut. — Die Darstellung war in allen wesentlichen Theilen durchaus zufrieden⸗ stellend. Die Hauptrolle, Fr. Isabella, gab Frl. Tondeur mit vielem Geschick und Geschmack. Außer dieser Dame machten sich namentlich die Gäste vom Wallner⸗Theater, die Herren Blencke, Niedt und Meißner um den Gesammterfolg verdient.
Im Krystallpalast zu London trat am 13. v. M. Frl. Cornelia Kirchhoff, eine junge, geschickte Organistin, Schülerin des Musikdirektor Otto Dienel, bierselbst zum ersten Male auf. Sie spielte auf der großen Händel⸗Orgel ein Adagio von Hesse und eine Concert⸗Fantasie von Thiele, und wurde am Schluß ihres Vor⸗ trages dreimal gerufen.
Bäder⸗Statistik. 11 Personen
Aachen bis zum 22. Juni (Fremde und Kurgäste) 9 672 Augustusbad (bei Radeberg) bis zum 21. Juni (150 Parteien) 180 * Badenweiler bis zum 13. Juni (Fremde). 852 Berka a. d. Ilm bis Mitte Juni (Badegäste). . . .. 144 Blankenburg (Schwarzathal) bis Mitte Juni (Badegäste) 102 ͤͤ11141144““ 202 Burtscheid bis zum 26. Juni (Kurgäste)).... 550 Charlottenbrunn bis zum 22. Juni (nebst 64 Durch⸗
11141414X*X“ 148 Colberg bie zum 96. Iunt (5238 Nrn.) . ... 760 Cudowa bis zum 22. Juni (nebst 144 Durchreisenden)... 265 Elgersburg bis Mitte Juni (Badegäste). ““ 216 CMter bis am 18185 Flinsberg bis zum 22. Juni (nebst Vergnügungsgästen 97 Par⸗
teien mit 132 Personen) (Kurgäste: Parteien 147 mit
ö1111414X4AX“*“ 282 Frankenhausen (Kyffhäuser) bis Mitte Junih . . . .. 179 Friedrichroda bis Mitte Juni (Badegäste) . . . .. 670 Georgenthal bis Mitte Juni (Badegäste) 82 Goczalkowitz bis zum 20. Juni (nebst 27 Durchreisenden)
1111414X4*4*“ 198 ee111e161.4* 754 Großtabarz bis Mitte Juni (Badegäste)). . .. . .. 120 1444 371 Heringsdorf 111141414“4“X“ 340 menau bis Mette Iuest (Vahefte) . . . . 192 Königsdorff⸗Jastrzemb bis zum 25. Juni (Nrn) . . .. 109 Köterit bio W 89 Landeck bis Mitte Juni (nebst 475 Dyurchreisenden) (Kurgäste) 938 Langenau bis Mitte Juni (nebst 63 Durchreisenden). 153 Liebenstein bis Mitte Juni (Badegäste). . . . . .. 310 Ippipringe bis zum ö. Jun . ..1 Neuenahr bis zum 30. Juni (Fremde) . . . . . . . 1 554 Neustadt (bei Stolpen) bis zum 27. Junik 62 Oeynhausen bis zum 27. Juni (nebst 592 Durchr.) (Nrn.) 2 129 Petersthal bis zum 26. Juni (Badegäste) ..1178 b1“ 127 Reinerz bis zum 22. Juni (nebst 506 Erholungsgästen und
FWugevretterben) (ronge)h) 111 Salzbrunn bis zum 22. Juni (nebst 559 Durchreisenden). 865 Salzungen bis Mitte Juni (Badegäste). “ 347 u11I1m“”] Schandau bis zum 24. Juni (305 Parteien) .. 601 Schmalkalden bis Mitte Junt (Kurgete) . . . . .. 151 Schwarzburg bis Mitte Juni (Kurgäste)) . . . . .. 700 Goben bisu M 111 Sonneberg (S. M.) bis Mitte Juni (Kurgäste) . . . . 90 Sooden a. d. Werra bis zum 21. Juni (115 Nrn.).. . 180 Stadtfulza bis Mitte Juni (Kurgäste) 11““ 317 Lennstent bis Mitte Immnt66 71 Teplitz⸗Schönau bis zum 24. Juni (2601 Parteien) .3 482 Thal (Herzogth. Gotha) bis Mitte Juni (Kurgäste) .. . 80 Weißer Hirsch mit Oberloschwitz (klimatischer Kurort)
bis zun 28. Junt (3828MuM8 838 Wilvungen bis zum 92, S(60 Nrn.) . 829 Wolkenstein (Warmbad) bis zum 28. Juni (134 Parteien) L 1114“*“
Von den weniger frequentirten Bädern wurden besucht: Ahlbeck bis zum 15. Juni von 52 Personen, Altheide bis zum 22, Juni von 47 Kurgästen (nebst 25 Durchreisenden), Arnstadt bis Mitte Juni von 20 Badegästen, Blankenhain (Thüringen) von 6 Badegästen, Breege bis zum 15. Juni von 2 Pers., Bukowine (bei Medzibor) bis zum 22. Juni von 22 Kurgästen, Crampas bis zum 15. Juni von 25 Pers., Deep bis zum 15. Juni von 18 Pers., Dievenow bis zum 15. Juni von 40 Pers., Godesberg bis zum 22. Juni von 18 Pers., Langensalza bis Mitte Juni von 28, Lokenstein (Reuß) bis Mitte Juni von 28, Luisenthal (bei Stotternheim) bis Mitte Juni von 50 Kurgästen, Oberhof bis Mitte Juni von 14, Polzin bis zum 14. Juni von 67 Badegästen, Prerow bis zum 15. Juni von 25 Pers., Rastenberg (Thüringen) bis Mitte Juni von 20 Kurgäften, Rügen⸗ waldermünde bis zum 15. Juni von 12 Badegästen, Ruhla bis Mitte Juni von 48 Kurgästen, Sachsa bis Mitte Juni von 32 Kurgästen.
Die Taunusbäder Wiesbaden, Ems, Schlangenbad, Schwal⸗ bach, Homburg, Kronthal, Soden, Weilbach und ihre merkwürdigen Umgebungen. Mit vielen Stahlstichen von Poppel u. A. Darm⸗ stadt v. J. — Brunnen⸗ und Badeorte. Praktisches Reise⸗ handbuch. Berlin, Goldschmidt. 1883. — Deutsch, Schlesiens Heilquellen und Kurorte. Zugleich ein Führer durch das Schle⸗ sische Gebirge. Breslau, Korn. 1877. — Nachrichten über die Kur an den ... Schwefel⸗Thermen zu Aachen und mit dem versendeten Wasser der dortigen Kaiserquelle, ausgegeben von der städtischen Badeverwaltung zu Aachen. Aachen, Palm. — Ruge, Geschichte des Augustusbades bei Radeberg. Mit 5 Ansichten. Dresden 1880. — Praktischer Führer für das Nordseebad Borkum. Emden, Schwalbe. — Kurze Nachricht über die alkalischen Kochsalz⸗ und Schwefel⸗Thermen zu Burtscheid bei Aachen v O. u. J. — Beinert, Charlottenbrunn, als Trink⸗ und Badekur⸗Anstalt und Beschreibung der Parkanlagen. Mit 1 Plan und Slith. Ansichten. Charlottenbrunn 1859. — Das Königl. Soolbad El men bei Groß⸗ Salze, unweit Magdeburg. Eine balneologisch⸗statistische Skizze zum Gebrauch für Kurgäste. Amtliche Ausgabe. Schönebeck a. d. Elbe, O. Senff. 1878. 2. Aufl. — Dr. Lohmeier, die brom,⸗, eisen⸗ und jodhaltigen Soolquellen zu Elmen, ihre wichtigsten Heilbeziehungen und Anweisung zum zweckmäßigsten Gebrauch derselben. Für Aerzte und Kurgäste mitgetheilt. Halle, Ed. Anton. — Helmkampff, Bad Elster in Sachsen. Eine Darstellung alles Wissenswerthen für Kurgäste und Freunde des Bades. Neun Briefe an einen Freund. Berlin, Grosser 1883.
Redacteur: Riedel. 1— Berlin: m Verlag der Expedition (Kessel). Druck: W. Elsner
Vier Beilagen
102*1 V. 148 N. 1138 N.
8
zum Deutschen Reichs⸗Anz
No 153.
Erste Beilage eiger und Königlich Preußischen Staats⸗An
Berlin, Dienstag, den 3. Juli
zeiger.
8 “
Deutsches Reich.
Bekanntmachung „
Vom 1. Juli d. J. ab bestehen nach den Ostseebädern Ahlbeck, Heringsdorf, Misdroy und Zinnowitz — Insel Usedom⸗Wollin —, Putbus und Saßnitz — Insel Rügen — sowie nach Dievenow für
ie Dauer der diesjährigen Badezeit folgende Postverbindungen: A. nach Ahlbeck und Heringsdorf:
Für den Reiseverkehr von Swinemünde Bahnhof über Ahlbeck nach Heringsdorf und in entgegengesetzter Richtung ist bei jedem Eisenbahnzuge durch Omnibusverbindung in ausreichender Weise gesorgt. 1 1 Für den Brief⸗ ꝛc. Verkehr 3 Kariolposten, deren Gang, wie folgt, festgesetzt ist:
Y 3 1¹ 1 11.2 A. 840 V. 535 N. S Abf. Berlin Ank. 2. 113³ V. 558 N. 12¹4 N. 1 — —
6 B,10“ B72 N.†. . Stettin . 9e7 B. 3as N. ,1020 N.
112 V. 9.*N. „ Pasewalk „ S 722 V. 282 N. 9. N. 1727 V. 652N. S. „ Stralsund. Z106 V. 822 N. 112N. 124 N. 107 N. 1. „Ducherow 6 V. 18s N. 115 N.=. Ank. Swine⸗ 1
münde Abf. 558 V.
2900— Z 2. 0 8& S88888
—
g neg; Posten. Abf. Swine⸗ ’ münde Bhf. Ank. „ 118 R. „ Swine⸗ b münde „ 11¹⁶ V.] 2²3 N. 1225 N. „ Ahlbeck „ 11³¹ V. 248 N. (1240 Ank. Herings⸗ Aü. Nachts v dorf Abf. ½ Nachts *) Nur in den Monaten Juli und August. **) Im Juli und August Güterpost.
B. nach Misdroy.
1) Von Stettin nach Laatzig (Misdroy), mit Ausnahme der Sonn⸗ und Festtage, tägliche Dampfschiffsverbindung; ab Stettin 12 Uhr 30 Min. Mittags. Dauer der Fahrt 3 ½ Stunden;
2) von Swinemünde Bahnhof nach Misdroy über Liebeseele um 1 Uhr 55 Min. Nm. (nach Ankunft des um 8 Uhr 40 Min. Vm. von Berlin abgehenden Eisenbahnzuges), in Misdroy 4 Uhr 15 Min. Nm. (Von Swinemünde Bahnhof bis Liebeseele Personen⸗ post, von Liebeseele bis Misdroy Kariolpost);
3) von Swinemünde nach Misdroy über Liebeseele aus Swine⸗ münde 6 Uhr früh, in Misdroy 11 Uhr 15 Min. Vm. (Von Swine⸗ münde Bahnhof bis Liebeseele Privat⸗Personenfuhrwerk, von Liebeseele bis Misdroy Kariolpost);
4) von Swinemünde nach Misdroy Kariolpost um 3 Uhr 10 Min. früh, in Misdroy 5 Uhr früh.
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CGo HReeʒ wvihenw w.. 18
1 Zwischen Wolgast und Zinnowitz Privat⸗Personenfuhrwerk. Dasselbe geht von Wolgaster Fähre ab. Die Verbindungen gestalten sich wie folgt:
535 N.] 840 V. 7²⁰° N. 1055 V. 9. 2 N. 11⁵2 V. 6. 5 N. 121¹³ N. 1052 N. 1²8 N.
Berlin Ank. 4A 8 Stettin 1 Pasewalk 8 Stralsund „ „ Züssow „ 112 N. 2²6 N. Ank. Wolgast Abf. ₰ 1224 N. 944 N. Privat⸗Personenfuhrwerke. 9 455 fr. 255 N. : Abf. Wolgast (Fähre) Ank. 1155 V. 920 N. 625 V. 425 N. S v Ank. Zinnowitz Abf. 1025 V. 775 N. *) In der Richtung Pasewalk⸗Stettin⸗Berlin am nächsten Tage
558 N. 11³2 V. 282 N. 722 B. 288 N. 1185N. 112 N. 105 N.
enbahnanschlüsse.
enbahnanschlüsse
1
5 Uhr 14 Min. früh.
D. nach Putbus (Lauterbach).
1) Von Greifswald nach Lauterbach (Putbus) mittels Dampfschiffs täglich mit Ausnahme der Sonntage 2 Uhr 30 Min. Nm. (nach An⸗ kunft des um 8 Uhr 40 Min. Vm. von Berlin abgehenden Eisen⸗ Bae9 867
2) Personenposten zwischen Samtens (Haltestelle der Eisenbahn
Stralsund⸗Bergen [Rügen] und Putbus, sowie zwischen Bergen (Rügen) und Putbus. Die Verbindungen gestalten sich wie folgt:
' A - 840 V. Abf. Ber⸗Ank. — 1214 llin (über Anger⸗ Nachts münde) BAbf. Ber⸗Ank. 33 N. 11.2 N. 111 V.
lin (über Neu⸗
brandenburg) -
„ Stettin [Ank. Stral⸗ .
ö’“
1 sund (über An⸗ *) germünde) 28. Ank. Stral⸗Ab. 111²½ V 44 N. S. sund äber nar brandenburg) 1 Ahf. Stral⸗ 8 1057 V. 4 ³9 N. kach SB sund Ank. 3¹⁵ =Ank. Sam⸗ 318 N. Nachts v tens Abf — 222 N. 613 N. Ank. Bergen 8s TS.. — V C(CC. Abf. Sam⸗ 30 N. 68 N. Ahf 1S. Ank. *⁵5 N. Abf. Bergen — 100N. (Rg.) Ank. 8 28S. 40 N. 72⁰2 N. Ank. Putbus Abf. *B. 115 N. 945 N. 2) 8 8 *) Auf der Strecke Stralsund—Samtens bz. Bergen (Rg). —
hnanschlüsse
Eisenba
Stralsund Personenpost.
3) von Miltzow nach Putbus um 2 Uhr 40 Min. Nachm. (nach
Ankunft des um 8 Uhr 40 Min. von Berlin abgehenden Eisen⸗
bahnzuges), in Putbus 6 Uhr 55 Min. Nachm. E. nach Saßnitz.
1) Von Stettin nach Saßnitz über Swinemünde mittels Dampf⸗ WGefs 12⁰ Uhr Mittags (bis 31. August täglich mit Ausnahme der onn⸗ und Festtage, vom 1. bis 10. September Dienstags,
D
Donnerstags und Sonnabends), Dauer der Fahrt 7 Stunden.
2) Von Bergen (Rügen) Endstation der Rügenschen Eisenbahn über Sagard (Personenpost bz. Privat⸗Personenfuhrwerk).
— 8 V. † Abf. Berlin (über eeinal —9, 8
89
S Nachts Abf. Berlin (über
burg, 8 N. 11. 9 N. 111V. Stettin 1022 N. 917 V. Stralsund „ 4 ³ N. 240 fr.
—
6u V. 121s N.
222 N. 612 N. Ank. Bergen (R-g.) Abf. 8855 V. 237 N. 11
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N. Posten 89, 2*° N. 630 N. Abf. Bergen 8 (Rg.) Ank. 840 V] 220 N. 1050 N. 75 V. 5 5N. 850 N. Sagard 6:0 V. 12¹0 N. 9.5 N. 8¹0 V. 610 N. 92 N. Ank. Saßnitz Abf. 525 B. 10³⁰° V. 7³⁰0 N. 1 1 1 1
.“) Auf der Strecke Stralsund⸗Bergen (Rügen) Verbindung mittelst Personenpost.
F. nach Dievenow.
Von Cammin (Pomm.) nach Dievenow mittels Dampfschiffs Wum 6 Uhr 30 Min. Vm., 10 Uhr 30 Min. Vm., 2 Uhr 30 Min. Nm. und 5 Uhr 30 Min. Nm. (um 5 Uhr 30 Min. Nachm. nach Ankunft des um 12 Uhr 30 Min. Nm. von Stettin abgehenden Dampfschiffs). Fahrzeit 35 Min.
In den Badeorten Binz (Kariolposten: Putbus⸗Middelhagen und Bergen⸗Middelhagen), Crampas (Postverbindungen wie bei Saßnitz), Deep (Botenpost von Treptow (Rega)), Göhren (Postver⸗ bindung wie Binz), Lohme auf Rügen (Botenpost von Nipmerow) und Stubbenkammer (Botenpost von Nipmerow) sind während der Badezeit Postagenturen in Wirksamkeit. Die Postagenturen in Binz, Crampas, Göhren, Lohme und Stubbenkammer sind mit Fern⸗ sprechbetrieb ausgestattet.
Stettin, den 27. Juni 1883.
Der Kaiserliche Ober⸗Postdirektor GWunio. 8
Aichtamtliches.
Preußen. Berlin, 3. Juli. Die in der am Sonn⸗ abend stattgehabten Sitzung des Herrenhauses bei der Berathung der Kanalvorlage nach dem Fürsten Hatzfeldt⸗ Trachenberg von dem Staats⸗Minister von Boetticher gehal⸗ tene Rede hatte folgenden Wortlaut:
Meine Herren! Ich habe zunächst dem Bedauern des Herrn Ministers für Handel und Gewerbe darüber Ausdruck zu geben, daß sein Gesundheitszustand ihm nicht gestattet hat, der heutigen Be⸗ rathung beizuwohnen, und habe mein Bedauern darüber auszusprechen, daß mir danach die Vertretung der Vorlage obliegt, die aus seinem beredteren, mit größerer Autorität ausgestatteten Munde gewiß eine ungleich werthvollere Vertheidigung gefunden haben würde. Meine Herren! Aber indem ich versichern kann, daß die Stellung der Königlichen Staatsregierung zu der Vorlage unverändert dieselbe ist, wie sie solche von vornherein eingenommen hat, darf ich hinzufügen, und ich bin dazu verpflichtet gegenüber Gerüchten, die auch heute noch kursiren, daß es nicht wahr ist, daß irgend ein Mitglied der König⸗ lichen Staatsregierung diese Vorlage nicht wolle.
Meine Herren! Es ist schon an sich innerhalb einer wohlgeglie⸗ derten und in den Grundsätzen übereinstimmenden Regierung ein un⸗ möglicher Zustand, daß irgend ein Minister, nachdem das Staats⸗ Ministerium beschlossen hat, eine bestimmte Vorlage Sr. Majestät zu unterbreiten, seinerseits eiren ablehnenden Standpunkt einnimmt und hinter den Coulissen, wie das behauptet worden ist, gegen die Vorlage arbeitet.
Meine Herren! Sie haben auch heute aus dem Munde des Ver⸗ treters des Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten gehört, daß dieser, in dessen Ressort die Vorlage entstanden ist, und dessen Ressort gerade bei dem Gesichtspunkte betheiligt ist, der auch im Kommis⸗ sionsbericht eine Rolle spielt, nämlich dem Gesichtspunkte der Kon⸗ kurrenz gegen das wichtige Gebiet der Eisenbahnen, welches seiner Vertretung obliegt, daß der Herr Minister ungeachtet der Möglichkeit dieser Konkurrenz voll und ganz zur Vorlage steht. Meine Herren! Daß mir, der ich die Ehre habe, im Reich und in Preußen in Vertretung des Herrn Reichskanzlers für Handel und Verkehr bemüht zu sein, ihrer Förderung meine Arbeit zu widmen, daß ich auch nicht entfernt auf den Gedanken verfallen könnte, ein so wichtiges Projekt, wie es hier Ihrer Annahme empfohlen wird, hinter⸗ treiben zu wollen, das bedarf keiner Versicherung.
„Meine Herren! Der Kommissionsbericht, von dem heute ja so riel die Rede gewesen ist, hat etwas außerordentlich Bestechendes, aber je näher man, und das glaube ich, wird der Eindruck vieler Mit⸗ glieder dieses hohen Hauses sein nach den kritischen Bemerkungen, die der Bericht bereits gefunden hat, je näher man auf den Kom⸗ missionsbericht eingeht, sieht man doch, daß die darin niedergelegten Bemerkungen der Gegner des Kanalprojekts auf recht schwachen Füßen stehen. b
Meine Herren! Es kann nicht meine Aufgabe sein, hier detaillirt die Berechnungen zu widerlegen, die von gegnerischer Seite in der Kommission vorgebracht sind und von denen sich ja heute herausge⸗ stellt hat, daß sie in der That ziffermäßig zum Theil nicht richtig sind; ich will auch nicht den Vorwurf gegen den Vertreter dieser gegnerischen Ansicht erheben, daß, wenn man so gegen eine Vorlage zu Felde zieht, wie es von seiner Seite geschehen ist, man wohl thut, sich mehr an offizielle und autoritative Zahlen zu halten, wie an solche Zahlen, die in Streitschriften ge⸗ geben sind, auch selbst, wenn die Streitschrift aus der Feder der Freunde des Projekts fließen. Meine Herren, ich verzichte, wie gesagt, darauf, in Details einzugehen. Denn die Berechnungen, um die es sich hier handelt, sind sehr schwieriger und umfassender Natur. Ich kann um so mehr darauf verzichten, als ich den Gegnern der Vorlage die ganze Detailberechnung preisgebe. Es handelt sich für mich nicht darum, ob der Kanal, dessen Bau wir ihnen vorschlagen, überhaupt eine Rente giebt oder nicht. Ich nehme den ungünstigen Fall: ich nehme an, daß er keine giebt. Ja, ich gehe noch weiter, ich nehme an, daß noch ein Betrag aus der Staatskasse zur Unterhaltung des Kanals gezahlt werden muß. Dennoch kann ich Ihnen die Vorlage mit gutem Gewissen empfehlen; denn es handelt sich hier nicht um kleinliche lokale Interessen, ob dieser oder jener Großindustrielle in Rheinland und Westfalen ein besseres Ge⸗ schäft macht, als bisher, oder nicht, sondern es handelt sich für mich um die weit höhere Aufgabe, die Schätze, welche in dem rheinisch⸗ westfälischen Industriegebiet liegen, zu heben; es handelt sich darum, daß einer betriebsamen Arbeiterbevölkerung mehr und sichere Gelegen⸗ heit zu lohnendem Verdienste gegeben werde, es handelt sich darum, die große soziale Frage, die uns beschäftigt, auch durch dieses Mittel lösen zu helsen. und dafür ist mir kein Opfer zu theuer.
Ich habe aber noch einen anderen Grund, weshalb ich Ihnen die Vorlage nicht dringend genug empfehlen kann. Dieser liegt auf
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1883. dem Boden der Reichspolitik, bei der mitzuarbeiten ich ja auch die Ehre hatte. Nach Artikel 4 der Reichverfassung ist der Beaufsichtigung des Reichs und seiner Gesetzgebung auch die Herstellung künstlicher Wasserstraßen unterworfen. Die Reichsregierung ist schon seit län⸗ gerer Zeit damit beschäftigt, auf diesem Gebiete anregend, fördernd und eventuell durch die Gesetzgebung bestimmend, voranzuschreiten. Wie sollen wir nun aber an unsere Bundesgenossen im Reiche die Zumuthung stellen, irgend einen Kanalbau vorzunehmen, wenn uns der Cinwand entgegengehalten werden kann, kehrt erst vor Eurer eigenen Thür, wie kommt Ihr dazu, von uns einen Kanalbau zu ver⸗ langen, wenn Ihr von den legislativen Körperschaften Preußens die Geldbewilligung zu einem so wichtigen Projekte, wie das vorliegende, nicht habt erlangen können. Ich bitte die Mitglieder dieses hohen Hauses, sich das sehr wohl zu überlegen, ob sie es auch dieser Even⸗ tualität gegenüber über sich gewinnen können, eine ablehnende Haltung zu der Vorlage einzunehmen. Aber nicht blos die Reichskanalpolitik bestimmt mich, ein gutes Wort für die Vorlage einzulegen, sondern auch die allgemeine wirtbschaftliche Politik, die der Herr Reichskanzler inaugurirt hat. Diese Vorlage ist ein Theil dieser Wirthschafts⸗ politik. Sie erhebt sich auf demselben Boden, den die Vorlagen, die bisher zur Durchführung gekommen sind, eingenommen haben, auf dem Boden der Verbesserung der wirthschaftlichen Lage des Landes und der arbeitenden Klassen. Sie nimmt in Aussicht die Hebung der Schätze eines reichen Industriegebietes, sie nimmt in Aus⸗ sicht die Besserung der Position der Arbeiter, und für diese Politik, die wir auf Befehl unseres Allergnädigsten Herrn verfolgen, nehmen wir auch die Mitwirkung des hohen Herrenhauses vertrauensvoll in Anspruch.
Meine Herren! Es gehört zu jedem großen Unternehmen Muth und Vertrauen. as Vertrauen haben Sie den bisberigen wirth⸗ schaftlichen Wegen, die auf Befehl Sr. Majestät von dem Herrn Reichskanzler eingeschlagen sind, nicht versagt. Nun haben Sie auch den Muth, die nöthigen Gelder für dies verheißungsvolle Projekt; zu bewilligen. 8
— Die in der gestrigen (19.) Sitzung des Herren⸗ hauses bei der Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend Abänderungen der kirchenpolitischen Gesetze nach Herrn Dr. Dove von dem Minister der geistlichen ꝛc. Angelegen⸗ von Goßler gehaltene Rede hatte folgenden Wort⸗ aut:
Nach den eingehenden Debatten, welche über die gegenwärtige Novelle, die zu Ihrer Berathung steht, im anderen Hause und in Ihrer Kommission stattgefunden haben, und nach dem meines Er⸗ achtens sehr klaren Vortrage Ihres Herrn Referenten habe ich kaum geglaubt, daß ich noch in die Lage kommen würde, mich über die Vorlage in einem längeren Vortrage zu verbreiten. Das Material, welches die Herren Vorredner, die gegen den Entwurf und die Be⸗ schlüsse Ihrer Kommission angekämpft haben, vorgebracht haben, giebt mir jedoch Veranlassung, in möglichst kurzen und bestimmten Zügen die Stellung der Staatsregierung zur Vorlage zu skizziren und eine Reihe von Angriffen, ich will nicht gerade sagen, zurückzuweisen, aber die Irrthümer, die zu den Angriffen geführt haben, zu widerlegen. Der Herr Dr. Beseler geht, und das soll die Einleitung für meine Bemerkungen sein von hochpolitischen Gesichtspunkten aus und be⸗ mängelt vor allen Dingen, daß die Staatsregierung dem hohen Hause nicht dasjenige diplomatische Material zugeführt habe, dessen Kenntniß erforderlich sei, um die Vorlage einigermaßen zu beur⸗ theilen. Ich glaube, dieses Verlangen überschätzt in jeder Beziehung, wie ich das schon in der Kommission geäußert habe, bedeutend die Vorlage eines derartigen Materials; es genügt nicht, daß man ein einzelnes Schriftstück mitgetheilt erhält; es ist zur vollen Orientirung erforderlich die Kenntniß eines überaus umfangreichen Materials, welches in zahlreichen Berichten und Aktenstücken besteht. Aber ich sollte meinen, daß das ein Punkt ist, der für eine preußische legis⸗ laätive Versammlung doch nur von sekundärer Bedeutung sein könnte; denn sowohl die Stärke der Freunde, wie der Feinde aller derartigen Gesetzgebungen liegt meines Erachtens darin, daß der Zustand, der in dem Gesetz von 1873 u. ff. in kirchen⸗ politischer Beziehung niedergelegt worden ist, nicht geändert werden kann durch irgend einen einseitigen Akt der Staatsregierung, auch wenn er in einem Abkommen mit der fremden Macht bestände, son⸗ dern immer nur durch die legislative Mitwirkung der Häuser des Landtages; Sie sind daher immer in der Lage, selbst diejenigen Motive zu finden, die Sie für Ablehnung oder Annahme einer Vor⸗ lage bestimmen. Ich bin gar nicht im Zweifel, daß die Motive, die Herr Prof. Dr. Beseler anzuführen die Güte gehabt hat, ihn auch be⸗ stimmt haben würden, gegen die Vorlage zu sprechen und zu stimmen, auch wenn er im Besitz alles diplomatischen Materials gewesen wäre. Die Bemerkung, die mich aber vor allen Dingen veranlaßt hat, in meinen einleitenden Worten auf seine Aeußerungen Bezug zu nehmen, besteht darin, daß Herr Professor Dr. Bese⸗ ler, wie es schien, nach einer Aufzeichnung mir Worte zugeschrieben hat, die ich überzeugt bin auch nicht andeutungsweis gebraucht zu haben. Er meinte, die Vorlage habe unter Anderem den Zweck — so soll ich gesagt haben —, die Stimmung der Par⸗ teien für künftige Verhandlungen zu sondiren. Nach dem Protokoll Ihrer Kommission, das ich eben durchgesehen habe, findet sich eine derartige Andeutung nicht. Ich kann, soweit ich mich überhaupt auf eine ähnliche Aeußerung besinne — und diese kann ich im Zusammen⸗ hang aufrecht erhalten —, nur erwähnt haben, daß die gegenwärtige Diskussion für die Regierung auch den hervorragenden Werth habe, die Stimmung der Parteien zu sondiren, in wie weit und in welchen Beziehungen die Regierung mit anderweitigen Maßnahmen vorgehen könne. Wie ich oder vielmehr die Staatsregierung im Ganzen den Charakter der Verhandlungen, die in Rom nach Auf⸗ fassung des Herrn Dr. Beseler schweben, aufgefaßt hat, babe ich in sehr bestimmt formulirter Weise in der Kommission des Abgeordnetenhauses niedergelegt. Ich habe meine Aeußerungen im Plenum ziemlich verbotenus wiederholt; etwas Neues kann ich nicht anführen. Es schweben — wie ich wiederhole — nicht in dem Sinne, wie Herr Professor Dr. Beseler anzunehmen für gut findet, Verhandlungen mit der Kurie, sondern es besteht eine Gesandtschaft, welche über viele Punkte sich unterhält, und welche sich auch über kirchenpolitische Gesetzgebungsfragen unterhalten wird, wenn es eben der Gang der Beziehungen, die zwischen den beiden Mächten bestehen, erfordert. Aber immer, wie Herr Dr. Beseler gethan, zu wiederholen, wir sind am Anfang oder Schluß von Verhandlungen zu einem be⸗ stimmten Zweck, um gewisse gesetzgeberische Vorlagen vorzubereiten, ist unrichtig; alle solche allgemeinen Bemerkungen habe ich bei jeder Ge⸗ legenheit zurückweisen müssen, und kann es auch heute nur thun. Sie kommen, meines Erxachtens, wenn Sie der Regierung in Bezug auf den Charakter der sogenannten Verhandlungen andere Auffassungen unterschieben wollen, als sie ihrerseits bei jeder Gelegenheit dokumentirt hat, in eine sehr bedenkliche Lage.
Ich möchte jetzt auf das Thema selbst übergehen und ich glaube nach meinen Aufzeichnungen in der Lage zu sein, einigermaßen dabei die verschiedenen Einwendungen und Unterstützungen, welche die Herren Redner der Vorlage haben zu Theil werden lassen, zu be⸗ leuchten.
Allerdings habe ich nicht geglaubt, daß ich über Inhalt und Zweck der Vorlage nach den Worten Ihres Herrn Referenten noch besondere Ausführungen zu machen hätte; aber den sehr scharfen An⸗