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Buches zerfällt in drei Hauptabschnitte, die sich mit dem Dolus, der Fahrlässigkeit und dem Geltungsbereich der Willensschuld beschäftigen und wiederum in Kapitel getheilt sind. Nachdem Verfasser im 1. Kapitel des I. Abschnitts den Dolus in der Theorie (all⸗ gemeinen Dolusbegriff; Vorsatz, Absicht, Zweck, Beweggrund, Grundregeln und Eintheilung des Dolus, dolus even- tualis, dolus generalis, dolus indirectus oder culpa dolo determinata, aberratio ictus, error in objecro. §§. 1— 7) erörtert und im 2. den Dolus im Reichs⸗Strafgesetzbuch (Vorsatz, Absicht, Zweck und Beweggrund, Dolus als eventueller, die praktische Bedeu⸗ tung der Lehre vom dolus eventualis, dolus generalis, culpa dolo determivata. §§. 8 — 13) zur Darstellung gebracht hat, behandelt er im 3. den Dolus und die Rechtswidrigkeit (die objektive Rechtswidrig⸗ keit der Strafthat mit einer Polemik gegen die Bindingsche Theorie, welche die den Strafgesetzen zu Grunde liegenden, den verschiedenen Ge⸗ bieten der staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung angehörigen Normen mit wirklichen Rechtsnormen verwechsele S. 64, das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit als allgemeine Voraussetzung des Dolus mit ein⸗ ehender Prüfung der diese Materie behandelnden Literatur, die Wir⸗ ung des Rechtsirrthums auf den Dolus, den Dolus in seinem Ver⸗ hältniß zu den sogenannten Strafausschließungsgründen und den Dolus bei Unterlassungsvergehen sowie denjenigen des Theilnehmers. §§. 14 — 18). Im II. Abschnitt wendet sich der Verfasser zur Fahr⸗ lässigkeit und verbreitet sich in dem denselben ausmachenden einzigen Kapitel nach Voranstellung einer geschicotlichen Einleitung §. 19 über den modernen Begriff der Fahrlässigkeit in der Theorie und im Reichs⸗Strafgesetzbuche §§. 20, 21. Der III. Abschnitt: Geltungsbereich der Willensschuld, zerfällt in 2 Kapitel. 1) Das Verhältniß von Dolus und Culpa zu einander mit Bezug auf den Geltungsbereich §. 22 und 2) das Herrschaftsgebiet der subjektiven Verschuldung überhaupt (Auffassung der Wissenschaft, des preußischen Strafgesetzbuchs, Stellung des Reichs⸗Strafgesetzbuchs, praktische Beispiele §§. 23 — 26). In einem Anhange §. 27 werden schließlich noch einige Grundsätze betreffs der prozessualischen Behandlung der Verschuldung aufgestellt. — Daß Verfasser bei den einzelnen Materien und Rechtsfragen die gesammte Literatur, sowie Rechtsprechung mit kritischer Schärfe benutzt und seine Darstellung in klare und gewandte Form gekleidet hat, dürfte schließlich ein nicht zu unterschätzendes Empfehlungsmoment dieses Buches bilden, welches einen wichtigen Beitrag zu der Lehre von der Zurechnung liefert. Auf die äußere Ausstattung hat die Verlags⸗ buchhandlung ebenfalls große Sorgfalt verwendet.
— Dem Bericht über die Verwaltung der König⸗ lichen Universitäts⸗Bibliothek zu Kiel im Etatsjahr 1882/83 entnehmen wir Folgendes: Wie im vorjährigen Bericht, so ist auch dieses Mal an erster Stelle des Neubaues für die Univer⸗ sitäts⸗Bibliothek zu gedenken, zu dessen energischer Fortführung die Mittel durch den Staatshaushalts⸗Etat pro 1. April 1882/83 als zweite Rate bereitgestellt worden sind. Den Termin der Uebersiede⸗ lung der Bibliothek hat die Fürsorge des Ministers auf den März nächsten Jahres festgesetzt, damit während des Winters 1883/84 die Austrocknung des Neubaues bewirkt werden kann. Für die Vermehrung der Bibliothek war von Wichtigkeit das Cir⸗ kular der Minister des Innern und der Finanzen vom 1. Juli 1882, wonach „sämmtlichen Universitäts⸗Bibliotheken Preußens von allen auf öffentlichen Kosten hergestellten Werken ein Exemplar unentgeltlich zu überweisen ist“; dieser Fürsorge verdankt die Kieler Bibliothek eine Reihe werthroller amtlicher Publi⸗ kationen. Außerdem empfing die Bibliothek Geschenke und Austausch⸗ schriften von vielen Behörden und Instituten, sowie Publikationen von gelehrten Körperschaften und Geschenke von Privatpersonen. Der gesammte Zuwachs an gedruckten Büchern (ohne die Dissertationen und Programme) betrug 2281 Nummern (volle Bände) gegenüber 2022 Nummern im Vorjahre. Dazu kamen 149 Dissertationen⸗ und Programm⸗Bände. — Der am Schluß des Etatsjahres 1882 /83 nach⸗ gewiesene Bestand ist mithin von 177159 auf 179 440 Bände sepa⸗ rater Bücher, von 5142 auf 5291 Dissertationen⸗ und Programm⸗ Bände, und die Summe der Manuskripte um eines von 2316 auf 2317 Bände vermehrt. Hieraus ergiebt sich die Totalsumme von 187048 Bänden gedruckter Bücher und Manuskripte (nebst 73 Ur⸗ kunden). Die Benutzung der Bibliothek, welche seit dem Jahre 1875 fort und fort gewachsen ist, hat sich seitdem verdreifacht.
— Von den im Verlage von Franz Ebhardt, Berlin W., Ring⸗ straße 8/9 (gegenüber dem Joachimsthalschen Gymnasium) erscheinen⸗ den Bildern aus dem Vogelleben Norddeutschlands und seiner Nachbarländer, nach Skizzen von Paul M. Röper bearbeitet von W. Lackowitz, liegen die Hefte 7— 12 (à 50 ₰) vor. Dieselben behandeln den Kreuzschnabel, das Rothkelchen, die Tauben, den Staar, die Goldammer, Sperlinge, den Cormoran, Kiebitz vnd Zaunkönig, den Eisvogel, die Schwarzdrosseln, Steinschmetzer und Enten. Was wir schon früher gelegentlich der ersten Lieferungen sagten, das gilt auch für diese. Nicht ein Lehrbuch haben wir vor uns, weder im wissenschaftlichen, noch im populären Sinne, sonbern ein Werk, welches die Liebe zur Natur erwecken, auch dem Unkundigen die Augen öffnen will für die Wunder, die ihn überall umgeben, wenn er hinaus⸗ tritt in Gottes herrliche Schöpfung. Die Gestalten der Vögel bhilden nur den Mittelpunkt, um den sich das Leben und Treiben, das Wirken und Schaffen, das Werden und Vergehen im Wechsel der Jahreszeiten konzentrirt. Und nach diesem Gesichtspunkte ist die Auswahl vorzüglich getroffen. In jeder Skizze eröffnen sich dem Leser neue interessante Seiten des so unerschöpflich reichen Natur⸗ lebens der Heimath, die durch gelegentliche, vergleichende Blicke in die Ferne an Interesse noch gewinnen. Auch die trefflichen Holzschnitte legen den Nachdruck nicht sowohl auf die charakteristischen Gestalten der geschilderten Vögel, als vielmehr auf die Situation in Feld und Wald, Sumpf und Wasser zu jeder Jahreszeit. Die Ausstattung des c ist des gedigenen Inhalts, ungeachtet des billigen Preises, würdig.
— Von der mit Abbildungen und Karten reich ausgestatteten 13. Auflage des Brockhausschen Konversations⸗Lexikons sind wiederum 5 Hefte, Heft 72—76, erschienen. Dieselben reichen von „Eberhard I.“ bis „Ellesmere“ und enthalten 6 Bildertafeln (Säugethierreste aus dem Diluvium, Eisenbahnen 1I., Eisengießerei, Eisenerzeugung, Elektrische Entladung und Elektrisirmaschinen, Elfenbeinarbeiten) sowie 2 kolorirte Karten (Industriekarte von Deutschland; Berg⸗ und Flußkarte von Deutschland und den Nachbar⸗ ländern). — Mit dem 75. Hefte ist der 5. Band dieser 13. Auflage von Brockhaus Konversations⸗Lexikon zum Abschluß gelangt. Der⸗ selbe führt den Text von „Deidesheim“ bis „Elektra“ fort und ent⸗ hält 4643 Artikel, während in der vorigen Auflage der
5. Band nur 2028 Artikel brachie. Im Buchstaben D.
nehmen die Zusammensetzungen mit „Deutsch“, deren Mittel⸗ punkt „Deutschland und Deutsches Reich“ bildet, das Haupt⸗ interesse in Anspruch; ihrer Wichtigkeit angemessen ist ihnen auch der größte Raum, mehr als ein Sechstel des ganzen Bandes, gewidmet. Die wichtigsten Artikel im Buchstaben E., soweit derselbe hier vorliegt, sind „Eisen“ und die damit zusammengesetzten Worte, wie Eisenindustrie, Eisenerzeugung, Eisengießerei, an erster Stelle die „Eisenbahnen“, welche in Bezug auf Bau und Betrieb, auf ihre nationalökonomische und militärische, Bedeutung, ihre Geschichte, Statistik, Literatur, kurz nach allen Seiten mit Fachkenntniß behandelt sind. Außerdem finden sich auch auf den übrigen Wissensgebieten durch Neuheit des Stoffs oder durch ihre Darstellung hervor⸗ ragende Artikel; so die Biographie von Edison, dem Erfinder des Telephon und des elektrischen Glühlichts; die Städtebilder Dresden, Dublin, Edinburgh, die Artikel Demo⸗ kratie, Ehe, Eid, Destillation, Desinfektion, Dränirung, Dünger, Dreschmaschine, Domänen, Docks u. a. Die Iluustrationen des 5. Bandes bestehen aus 8 chromolithographirten Karten, die, sämmtlich zu dem Artikel Deutschland und Deutsches Reich gehörend, ein an⸗ schauliches Bild vom neuen wie vom alten Deutschland darbieten, aus 12 Tafeln mit mehr als 100 Abbildungen in Holzschnitt und aus 60 in den Text gedruckten Figuren, Kärtchen und Plänen. Mit dem 5. Bande ist beinahe der dritte Theil der neuen Auflage, die 16 Bände umfeassen soll, zur Vollendung gelangt.
Verkehrs⸗Anstalten.
Bremen, 14. Juli. (W. T. B.) Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Straßburg' ist gestern in Baltimore, und der Dampfer „Rhein“ gestern Nachmittag 5 Uhr in New⸗ York eingetroffen.
Hamburg, 13. Juli. (W. T. B.) Der Postdampfer „Suevia“ von der Hamburg⸗Amerikanischen Packetfahrts⸗ eennsenn t ist heute Morgen 8 Uhr in New⸗York ein⸗ getroffen.
Berlin, 14. Juli 1883.
Die „Allgemeine Brauer⸗ und Hopfen⸗Zeitung“ enthält folgenden Artikel über die Allgemeine deutsche Aus⸗ stellung auf dem Gebiete der Hygieine und des Ret⸗ tungswesens in Berlin:
Das Bier hat nicht nur eine große volkswirthschaftliche, es hat auch eine hygieinische Bedeutung, und die Hygieine der Getränke ist einer der entwickeltsten Zweige der gesammten Nahrungsmittelhygieine. Man hat deshalb auch dem Bier mit den übrigen Getränken einen der besten Plätze in der Hygieine⸗Ausstellung reservirt. Aber der Werth der wissenschaftlichen Getränkehygieine für das sanitäre Wohl wird im Allgemeinen noch nicht gewürdigt, sonst wäre auch diese Ab⸗ theilung der Hygieine⸗Ausstellung sowohl von Seite wissenschaftlicher Institute, als auch von Seite der Brauer reichlicher beschickt worden.
Es wird, wie Dr. L. von Stein in seinem vortrefflichen Buche (Das Gesundheitswesen) sagt, noch lange dauern, bis wir begreifen, daß die Gesundheit, die gerade auf dem Gebiete der Getränke so nach⸗ drücklich geschätzt werden kann, jedem Volke mehr werth ist, als sie kostet. Die Hygieine⸗Ausstellung ist geeignet, diese Einsicht und die öffentliche Meinung insofern günstig zu beeinflussen, als sie zum ersten Male ein ziemlich umfassendes und imposantes Bild von den Er⸗ rungenschaften entwirft, welche wir der praktischen Anwendung hygieinischer Lehrsätze durch die Gesundheitstechnik verdanken
Wir wenden uns zuerst zum vissenschaftlichen Theil der Aus⸗ stellung, welcher derselben eine Art höherer Weihe giebt und uns die Wege zeigt, auf welchen die wissenschaftliche Forschung gegenwärtig vorwärts schreitet.
Den Fortschritten der Pilzkunde, den Arbeiten Pasteurs, von Nägeli's u. A. verdankt auch die Brauindustrie und besonders die Gährungsphysiologie mannichfache Förderung. Die Bedeutung der Forschungen über die niedersten Organismen ist auch von Denen, welche ihr Interesse und ihre Thätigkeit der rationellen Ausbildung des Brauwesens widmen, längst anerkannt, und die abstrakte Wissen⸗ schaft hat bereits vielfach auch von jenen Untersuchungen Nutzen gezogen, welche über die Mikroorganismen im Interesse des Brauwesens neuerdings ausgeführt wurden. Ich er⸗ innere beispielsweise an die Versuche von Hansen in Carls⸗ berg, welche seit Jahren angestellt werden, um die in der Luft vorkommenden Pilze, welche sich in der Bierwürze entwickeln, zu studiren. Während die Sproßpilze, speziell die Hefe, als unermüd⸗ lich thätige Arbeiter für den Brauprozeß unersetzlich sind, hat man in gewissen Schimmel⸗ und Spaltpilzen gefährliche Feinde der Hefe und der Brauerei erkannt. Die Methoden der Züchtung dieser Pilze ist daher von Interesse, und es lohnt sich deren nähere Betrach⸗ sung, wozu uns das vom Reichsgesundheitsamt ausgestellte Labora⸗ torium für Untersuchungen über Mikro⸗Organismen, Infektions⸗ krankheiten und Desinfektion reichlich Gelegenheit bietet. Die Fülle von wissenschaftlichen Forschungsresultaten, welche sich hier dem Besucher darbietet, ist das Werk des Geheim⸗ Rath Dr. Koch, dessen Namen durch die Entdeckung der die Lungen⸗ schwindsucht verursachenden Bacillen (Stäbchenbacterien) weltbekannt ist. Die mvkologischen Untersuchungsmethoden Kochs sind haupt⸗ sächlich durch die Verwendung eines festen Nährbodens charakterisirt. Während man bisher nur Flüssigkeiten (Fleischextrakt⸗, Malzertrakt⸗, Pepton⸗Lösungen u. dgl.) zur Zuchtung der Mikro⸗Organismen an⸗ gewendet hat, arbeitet Koch fast ausschließlich mit Gelatine. Diese wird durch Auflösen von Gelatine in Wasser bereitet und dann mit Fleischextraktlösung, Weizeninfus u. dgl. in bestimmtem Verhältniß ver⸗ setzt, gewöhnlich so, daß die Mischung 2 ½ bis 3 % Gelatine und 1 % Fleisch⸗ extrakt enthält. Diese Nährgelatine wird nun in einem Kochkolben durch im Verlauf einer Woche mehrfach wiederholtes Aufkochen sterilisirt, d. h. die eiwa darin befindlichen Pilzkeime zerstört und der Hals der Kochflasche mit Watte wohl verschlossen. Das so zubereitete Nährsubstrat hat vor den flüssigen Nährmedien große Vorzüge, von denen der wesentlichste darin besteht, daß die einzelnen Keime, welche man aussäet, getrennt in eigenen Kolonieen oder Pilzrasen nach der Entwickelung sich reprösentiren, nicht aber im bunten Durcheinander, wie es bei Nährflüfsigkeiten der Fall ist.
Will man Pilze bei der Körpertemperatur (35 — 40 Grad C.) züchten, bei welcher die Gelatine flüssig ist, dann wendet man Blut⸗ serum an, welches durch wiederholtes Erhitzen auf 57 Grad C. (durch intermittirende Sterilisirung) von Keimen befreit wurde und einen für Krankheitsorganismen besonders geeigneten festen Nährboden dar⸗ stellt. Die auf erstarrtem Blutserum gezüchteten Tuberkelbacillen sehen wir als punktförmige weißliche Kolonien auf diesem Substrat, wahrend die ebenfalls ausgestellten Rotzbacillen, welche die Rotzkrank⸗ heit der Pferde verursachen, als gelbliche Häutchen auf dem Blut⸗ serum sichtbar sind, auch den Bacillus der Rose (Gesichtsrose, Erysipel) und einige andere Krankheiten erzeugende Pilze finden wir als Blutserumkulturen neben zahlreichen anderen sehr interessanten Objekten.
Selbstverständlich fehlen nicht die von Tuberkeln bedeckten und durchwucherten Organe der mit dem Tuberkelbacillus infizirten Thiere.
Auch diejenigen Pilze, welche die Milch sauer, und solche, welche sie blau machen, sind ausgestellt und wir sehen die durch dieselben infizirte Milch in verschiedenen Stadien der Veränderung. In zu⸗ vorkommender und aufopfernder Weise sind die im Reichsgesundheits⸗ amt thätigen Herren mablässig bemüht, Jedermann, ob Fachmann oder Laie, diese Züchtungsmethoden, die für dieselben nothwendigen Materialien und deren Bereitung, sowie die hierzu gehörigen Appa⸗ cate zu erklären. Man demonstrirt uns die Bestimmung der im Brunnen⸗ oder Flußwasser vorkommenden Pilze nach Zahl und Art. Diese geschieht dadurch, daß man 1¹½10 ceom von dem zu untersuchenden Wasser mit Nährgelatine vermischt auf einer Glas⸗ platte ausbreitet, diese vor Luftzutritt geschützt aufbewahrt und die Pilze nach ihrer Entwickelung zählt. In ähnlicher Weise wird die Luft auf ihren Gehalt an Pilzen dadurch untersucht, daß man ein be⸗ stimmtes Luftvolumen durch eine 1 m lange und circa 4 cm weite Glasröhre, deren Wandungen auf der Janenfläche mit Gelatine über⸗ zogen sind, langsam aspirirt. Auch ein sinnreich konstruirter Apparat zum Photographiren der Pilze und die durch denselben gewonnenen Photogramme von Mikro⸗Organismen verdienen besondere Er⸗ wähnung.
An den Wänden des eben erwähnten Laboratoriums und des Ganges sind 11 chromographische Karten befestigt, welche die Kinder⸗ sterblichkeit der verschiedenen deutschen Länder zur klaren Anschauung bringen und 15 graphische Darstellungen der Morbidität und Morta⸗ lität der größeren Städte Deutschlands und Euroypas während der Jahre 1877 bis 1882, wobei der Vergleich der meteorologischen Beob⸗ achtungsresultate der Boden⸗ und Grundwasserverhältnisse mit der Sterblichkeit an Infektionskrankheiten insoferne besonderes Interresse erregt, als ganz neues, zum Theil noch nicht bekanntes Material benützt ist. Durch diesen, mit so werthvollem Schmuck dekorirten Gang gelangen wir in das mit allen nothwendigen Apparaten ausgestattete Labora⸗ torium zur Untersuchung von Nahrungsmitteln, Getränken und Gebrauchsgegenständen. Von größeren Apparaten sind beispielsweise ausgestellt: ein Destillirapparat von Salleron zur Bestimmung des Alkoholgehaltes in Wein und Bier, die Reagentien und Utenslien für die Maltosebestimmung, Lactodensimeter von Soxhlet & Reck⸗ nagel, Soxhlets trefflicher Apparat, welcher den Fettgehalt
der Milch in kurzer Zeit aus dem specifischen Gewicht der
Aetherfettlösung zu ermitteln ermöglicht: letztere wird bekanntlich durch Schütteln von 200 cem Milch mit Kalilauge und wasserhaltigem Aether erhalten. Diese Methode, welche noch genauer als die gewichtsanalitische ist und die Bestimmung des Fettgehaltes von 50 — 100 Milchproben im Tag ermöglicht, hat unstreitig eine Zu⸗ kunft und ist jetzt schon allgemein acceptirt. — Mit ca. 5 — 6000 ℳ könnte sich jede Stadt in den Besitz eines solchen Laboratoriums setzen, für welches ein jährlicher Etat von 8000 ℳ, die Besoldung des Vorstandes und eines Dieners inbegriffen, mehr als ausreichend wäre. Diese Summe würde sich aufs Beste rentiren, wenn diese Anstalt gleichzeitig mit der Lebensmittelkontrole betraut würde. Die Milch in Städten hat in Folge von Wasserzusatz oder Abrahmung selten über 2,5 % Fett und entsprechend geringen Gehalt an Casein, Albu⸗ min ꝛc. Durch eine streng durchgeführte Milchkontrole könnte leicht ein Fettgehalt von 3 % gesichert werden, wodurch eine Stadt von 150 000 Einwohnern, unter der Annahme, daß jeder Bewohner einen halben Liter Milch täglich konsumirt, die Summe von 1 Million Mark pro Jahr, welche sonst verloren geht, gewonnen würde.
Also ein Laboratorium für Lebensmitteluntersuchungen rationell betrieben, erspart einer jeden Stadt Geld, viel Geld!
Wir begeben uns nun ins Hauptgebäude der Ausstellung, in welchem rechts neben dem Haupteingang die Gruppe 2, nämlich die Nahrungs⸗ und Genußmittel, sich repräsentiren.
Auch hier finden wir ein Stück Wissenschaft, nämlich die plastische Darstellung der Zusammensetzung der Nahrungsmittel und Getränke von Professor Koͤnig (Agrikultur⸗chemische Versuchsstation Münster).
Da steht z. B. ein Liter Bier und nebenan in Glascylindern
befindet sich in natura die Menge Wasser, Alkohol, Extrakt, Asche,
Säure, Maltose ꝛc., welche ein Liter Bier enthält. So entrollt sich vor unseren Blicken ein wahres Bild von der Zusammensetzung des
Bieres, das sich nicht so leicht wieder in unserem Gedächtniß ver⸗
wischen wird. Auch die Robstoffe, aus welchen die verschiedenen Biersorten des In⸗ und Auslandes bereitet werden, und die Biersurrogate, die zahl⸗
reichen Stoffe, welche man thatsächlich oder angeblich zur Fälschung
des Bieres verwendet, finden wir hier: Proben von Malz, Hopfen, Reis, Mais, Kartoffelzucker, Glyzerin, hochfeine Zuckercouleur, Hopfen⸗Aroma, Wermuthkraut (Artemisia, Absynth), Bitterklee (Mepyantus trifol.), Quassiaholz, Enzian (Gentiata lutea), Aloe vul- garis. Koloquinthe, Kokkelskörner, Krähenaugen, Herbstzeitlose, Sali⸗ cylsäure, Borsäure, Borax ec.
Ebensolche plastische Darstellungen der chemischen Zusammensetzung sind für den Wein, die Hülsenfrüchte, Mehl, Fleisch, Fische ꝛc. vor⸗ handen. Da steht z. B. ein Glasgefäß mit 1 kg Erbsen, daneben in Cylindergläsern die chemischen Bestandtheile der Erbsen. nämlich: 138 g Wasser, 495 g Stärke, 88 g Cellulose (letztere in Form kleiner Stücke von Filtrirpapier dargestellt), 20 g Fett, 235 g Eiweiß. Neben diesem liegt 1 kg Karpfen, wenn auch nicht in natura, so doch sehr treu aus Wachsmasse geformt, und in Reagensgläsern die einzelnen Nährstoffe, welche in einem Kilo Karpfen enthalten sind.
Viele, welche in der Deutung analpytischer Zahlenbefunde nicht geübt sind und sich in Folge dessen von der chemischen Zusammen⸗ setzung und dem Nährwerth der Nahrungsmittel und Getränke nur schwer richtige Vorstellungen zu bilden vermögen, werden in dem befriedigenden Bewußtsein, genaue Einsicht in die Beschaffenheit der wichtigsten Nahrungsmittel und Getränke gewonnen zu haben, diesen Tisch verlassen.
Wein und Bier sind nicht gerade reichlich vertreten. Sehr er⸗ freulich und durchaus nachahmenswerth ist die Angabe der Analysen⸗ resultate auf der Aufschrift der betreffenden Flaschen, so z. B. bei Hollacks (Dresden) „Malz⸗Extrakt⸗Gesundheitsbier“. 1
Cöln, 13. Juli. (Köln. Ztg.) Die Stadtverordnetenversamm⸗ lung faßte in ihrer gestrigen Sitzung den Beschluß, den Ausfall an Steuern, welcher der Stadtkasse durch den mit Beginn des nächsten Etatsjahres eintretenden Wegfall der Kommunalzuschläge zu den beiden untersten Stufen der Klassensteuer erwachsen wird, durch einen Zuschlag zu den übrigen Steuerstufen zu decken. Dieser Zuschlag ist ein verhältnißmäßig geringer, er wird in der 3. Klasse 45 — 50 ₰, in der 4. 64 ₰, in der 5. 1 ℳ, in der 6. 1,30 ℳ n. s. w. betragen.
Die deutsche anthropologische Gesellschaft hat Trier als Ort der diesjährigen am 9., 10. und 11. August stattfindenden allgemeinen Versammlung erwählt und die Herren DDr. Hettner und Dronke um Uebernahme der lokalen Geschäftsführung ersucht. — Die Togesordnung lautet: Mittwoch den 8. August. Von Vormittags 11 bis Abends 8 Uhr: Anmeldung der Theilnehmer an der Versamm⸗ lung im Bureau der Geschäftsführung (Stadthaus am Kornmarkt). Von Abends 6 Uhr ab: Begrüßung im Kasino am Kornmarkt. Donnerstag, den 9. August. Vormittags von 7—9 Uhr: Anmeldung der Theilnehmer im Bureau (Stadthaus am Kornmarkt), Vormit⸗ tags von 9—12 Uhr: Erste Sitzung im Justizpalaste: Eröffnungsrede durch den Vorsitzenden Hrn. Geheimrath R. Virchow. Begrüßung
durch Hrn. Ober⸗Bürgermeister de Nys als Vertreter der Staͤdt Trier.
Begrüßungsrede des Lokalgeschäftsführers Hrn. Museum⸗Direktor Dr. Hettner über: „Trier und Umgegend bis zur Herrschaft der Franken“. Wissenschaftlicher Jahresbericht des Generolsekretärs. Rechenschafts⸗ bericht des Schatzmeisters und Wahl des Rechnungsausschusses. Berichterstattung der wissenschaftlichen Kommissionen. Nachmittags von 2—4 Uhr: Zweite Sitzung im Justizpalaste: Wissenschaftliche Vorträge. (Bis jetzt angemeldete Vorträge: 1) „Militärische Bau⸗ reste längs des römisch⸗germanischen Grenzwalls“ von v. Cohausen. 2) „Die vorgeschichtliche Ansiedelung in Andernach“ von Schaaff⸗ hauten. 3) „Zur anthropometrischen Methodik“ von J. Ranke. 4) „Neue Funde in Eisenberg und auf der Limburg“ von C. Mehlis.) Nochmittags von 4—6 Uhr: Besichtigung der Porta nigra, Dom, Liebfrauenkirche, Basilika, Stadtbibliothek. Abends 6 ½ Uhr: Festessen im Kasino. Freitag, den 10. August. Vormittags von 8 Uhr an: Besichtigung des Museums (im Gymnasialgebäude). Vormittags von 10 Uhr an: Dritte Sitzung im Justizpalaste: Wissenschaftliche Vorträge. Berichterstattung des Rechnungsausschusses. Decharge. Neue Anträge. Feststellung des Etats für 1883/84. Neuwahl des Vorstandes, des Ortes und des Zeitpunktes für die XV. Versammlung. Mittags 2 Uhr: Gemeinschaftliches Mittagessen Nachmittags von 3 Uhr: Besichtigung des römischen Kaiserpalastes, Amphitheaters, Ausgrabungen der römischen Bäder in St. Barbara. Abends 6 Uhr: Von der Stadt veranstaltetes Fest auf Schneidershof. Nach Dunkel⸗ werden Beleuchtung der Porta nigra. Samstag, den 11. August: Vormittags von 9 Uhr an: Vierte Sitzung im Justizpalaste: Wissenschaftliche Vorträge. Mittags 2 Uhr: Gemeinschaftliches Mittagessen. Nachmittags 4 Uhr: Fahrt nach Igel zur Besichtigung des römischen Grabdenkmals der Familie der Secundinier, je nach dem Wasserstand auf Dampfschiff oder Eisenbahn. Abends: Concert
im Kasino. Sonntag, den 12. August: Fahrt zum Steinring nach
Otzenhausen. Extrazug nach Türkismühl und nach dem Ring. Mittagessen daselbst.
Bei dem morgen stattfindenden Concert in dem Sommergarten des Belle⸗Alliance⸗Theaters verabschiedet sich die Tiroler⸗ gesellschaft Hans Lechner. Dieselbe wird von Montag an durch die vom vorigen Jahre noch in gutem Andenken stehende Tiroler Gesell⸗ schaft Pitzinger jan, ersetzt werden.
Redacteur: Riedel.
Verlag der Expedition (Kessel). Druck: W. Elsner.
1 Sechs Beilagen (einschließlich Börsen⸗Beilage).
Erste Beilage
⸗Anzeiger und Königlich
Berlin, Sonnabend, den 14. Juli
Preußischen
8
der Einnahme an Wechs
utschen Reiche für die Zeit vom 1. April 1883 bis
Deutsches Reich. Nachweisung
zum S
chlusse des Monats Juni 1883.
im Mo
ℳ
Einnahme
Juni.
Hierzu Einnahme
nate in den Vormonaten.
Zusammen.
ℳ 121 ℳ
Einnahme in dem⸗ selben Zeitraume des Vorjahres (Spalte 4)
D0.
— weniger ℳ
I. Im Reichs⸗Postgebiete.
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5 761 14 026 46 010 11 046 74 157 44 093 20 254
9 418
104 752
6 988
34 529 109 629 49 142 16 102 31 713
6 915 11 309 12 287 45 801
193 679 53 763 10 897
Summe I.. 483 306 90 996 953 95
Iöö v“ 376 III. Württemberg 8 18 1
1 480 260 1 72 — 89 455 40 Te 48 55 39 404 80 57 553
448 997 117 983
22
54 033
Ueberhaupt 539 1 Berlin, im Juli 188838.
27 45 1 125 814 15 1 664 941 1
Haupt⸗Buchhalterei des Reichsschatz⸗Amts. Im Auftrage: Schaede.
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Literarische Neuigkeiten undperiodische Schriften.
Centralblatt für allgemeine Gefundheitspflege. — Inhalt: Die allgemeine Deutsche Ausstellung auf dem Gebiete der Hygiene und der Rettungswesen. Originalbericht von Dr. K. — Krankenhaus in Goslar. Bon Professor Henrici. Mit drei Holz⸗ schnittzeichnungen. — Einfache Prüfung der Luftreinheit in Wohn⸗ räumen. Von Dr. Wolpert. Mit zwei Holzschnittzeichnungen. — Nach⸗ weisung über Krankenaufnahme und Bestand in den Krankenbäusern aus 54 Städten der Provinzen Westfalen, Rheinland und Hessen⸗ Nassau pro Monat April 1883. — Sterblichkeits⸗Statistik von 57 Städten der Provinzen Westfalen, Rheinland und Hessen⸗Nassau pro Monat April 1883. — Kleinere Mittheilungen: Maßregeln zum Schutze der Sehkraft der Schüler und Schülerinnen im Groß⸗ berzogthum Hessen. — Zeitschrift des Königlichen preußischen Stati⸗ stischen Bureaus. — Literaturberichte.
Dr. A. Petermanns Mittheilungen aus Justus Perthes' geographischer Anstalt. Herausgegeben von Dr. E. Behm. 29. Band, 1883. VII. Inhalt: Rob. Ed. Flegels Reise nach Adamaua, März 1882 bis März 1883. — Allgemeine Bemer⸗ kungen über die Flora von Australien. Vortrag gehalten in der School of Mines and Industries zu Ballaarat von Baron Ferd. v. Mueller. — Rundreise durch die Mudiris Rohl. Von Dr. Emin⸗ Bey, Gouverneur der egyptischen Aequatorial⸗Provinzen: 1) Vom Lads am Weißen Nil durch Njambara nach Kediba im Kederü⸗Lande. 2) Von Kediba nach Bitt; Zustände im Bezirke Amadi. — Geo⸗ graphischer Monatsbericht: Europa. Asien. Afrika. Amerika. Polarregionen. Oceane. Allgemeines. — Geographische Literatur: Amerika. Polarregionen. Oceane. — Allgemeines: Lehr⸗ und Hand⸗ bücher, Methodik. Mathemathische und phvysikalische Geographie, Kartographie. Weltreisen, Sammelwerke, Verschiedenes. Atlanten, Weltkarten, Globen. — Karten unter Redaktion von B. Hassenstein: Tafel 8. Originalkarte der Reise des Dr. Emin⸗Bey durch die Mudiris Rohl, September bis Dezember 1881. Entw. und gez. von B. Hassenstein. Maßstab 1: 1000 000. — Vorläufige Kartenskizze der Gegenden im Süden des Benus nach den Reisen und Erkundi⸗ gungen von Rob. Ed. Flegel. Maßstab 1: 6 000 000. Weltpost. 13. Heft. — Inbalt: Das deutsche Element im Kongreß der Vereinigten Staaten. — Chile und Peru. 1. Von Camillo Stolle. — Das Weinland Kalifornien. Von Paul Alexan⸗ der. — Das deutsche West⸗Teras. 1. Vom Konsul Theod. Hertz⸗ berg. — Brasilianische Reiseskizzen eines deutschen Ingenieurs. — 1. und 2. Kapitel. Von Rich. Krone. — Die Diamantminen in Salobro, Prov. Bahia, Brasilien. BVon Richard Lange. — Die Riesen⸗Hängebrücke zwischen New⸗York und Brooklyvn. — Um die Welt ohne zu wollen. — Südafrikanische Post. Berichte eines Leipziger. 1. Von Otto Uhlemann. — Von der Kolonie Cerrito in Argentinien. — Deutsches Liebeswerk. — Echo aus allen Welttheilen. — Illustrationen: Der Pali bei Honolulu. — Eine Schule im Busch. — An der Werft von Honolulüu —
Illustrirte Berliner Wochenschrift „Der Bär“. Verlag von Gebrüder Paetel in Berlin W. Nr. 41 9. Jahrgangs. — Inhalt: Ein Abenteurer am Hofe König Friedrich Wilhelms I., vaterländische Erzählung von Th. L. M. (Fortsetzung), mit dem Porträt König Friedrich Wilhelm I. — Jakob Paul Freiherr von Gundling, der zu Bornstädt in einem Weinfasse begrabene Ober⸗Ceremonien⸗ meister und Präsident der Akademie der Wissenschaften von D. (mit Porträt). — Die Ghibellinenstadt in der Mark von Oskar Schwebel (mit den Illustrationen: Rathhaus und Marienkirche zu Frankfurt a. O.). — Berlin im Jahre 1835 von F. H. — Deutsch⸗österreichischer Ausstellung für 1885 in Berlin. — Eduard Daege. — Schloß⸗ apotheke. — Uniformirung der Schutzmannschaft.
register nimmt an: die Königliche Expeditio
Preußischen Stants-Anzeigers: Berlin SW., Wilhelm⸗Straße Nr. 32.
R
Inserate für den Deutschen Reichs⸗ und Königl. Preuß. Staats⸗Anzeiger und das Central⸗Handels⸗
des Deutschen Reichs⸗Anzeigers und Königlich
n 1. Steckbriefe und Untersuchungs-Sachen. 2. Subhastationen, Aufgebote, Vorladungen u. dergl.
4. Verloosung, Amortisation. Zinszahlung 8 u. s. w. von öffentlichen Papieren.
Steckbriefe und Untersuchungs⸗Sachen
[31364] Steckbrief.
Gegen die unten beschriebene unverehelichte Auguste Charlotte Dorothee Hinkfuß, welche flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Diebstahls in den Akten U. R. I. 491. 83 verhängt. Es wird ersucht, dieselbe zu verhaften und in das Untersuchungs⸗ gefängniß zu Alt⸗Moabit 11/12 abzuliefern. Berlin, Alt⸗Moabit Nr. 11/12 (NW.), den 9. Juli 1883. Der Untersuchungsrichter bei dem Königlichen Land- gerichte I. Johl. Beschreibung: Alter 24 Jahre, geb. 5./2. 59 zu Gatow, Größe 158 cm, Statur mittel, Haare blond, Augenbrauen blond, Nase ge⸗ wöhnlich, Mund gewöhnlich, Zähne defekt, Kinn spitz, Gesicht schmal, Gesichtsfarbe blaß. Besondere Kennzeichen: Beide Vorderzähne auffallend breit, rechts und links davon fehlt ein Zahn, beim Lachen tritt das ganze Gebiß sehr weit vor; hat auffallend eingefallene Backen. “
[31363] Steckbrief. 1
Gegen den unten beschriebenen Kutscher, auch Arbeiter Franz Friedrich Herrmann, am 11. Juli 1857 zu Tornau, Bitterfebzär. ic ee welcher flüchtig ist und sich verborgen hält, ist die Rertecsucungshafr wegen Diebstahls nach §. 242 Strafgesetzbuchs in den Akten 88 D. 1325. 81 ver⸗ hängt. Es wird ersucht, denselben zu verhaften und in das Untersuchungs⸗Gefängniß zu Berlin, Alt⸗ Moabit 11/12, abzuliefern. Berlin, Alt⸗Moa bit 11/12 (NW.), den 9. Juli 1883. Königliches Amts⸗ gericht I., Abtheilung 88. Bardug. Beschrei⸗ bung: Alter 25 Jahre, Größe 1m 67 em, Statur klein und untersetzt, Haare dunkelblond, Stirn niedrig, Bart, keinen, Augenbrauen dunkelblond, Augen dunkelbraun, Nase gewöhnlich, Mund, etwas dicke Lippen, Zähne gut, Kinn rund, Gesicht rund, Gesichtsfarbe gesund, Sprache deutsch.
[313621. Steckbriefs⸗Erneuerung. Der hinter den Graveur Carl August Paul Max
4. Juli 1883. Königliches Amtsgericht. V.
Oeffentlicher Anzeiger.
5. Industrielle Etablissements, Fabriken
und Grosshandel.
6. Verschiedene Bekanntmachungen.
3. Verkäanfe, Verpachtungen, Submissionen etc. 7. Literarische Auzeigen. 1
8. Theater-Anzeigen. In der Börsen- beilage.
9. Familien-Nachrichten.
Inserate nehmen an: die Annoncen⸗Expeditionen des
„Invalidendank“, Rudolf Mosse, Haasenstoin
& Vogler, G. L. Daube & Co., E. Schloete,
Büttner & Winter, sowie alle übvigen gröfoeen Annoaten⸗Buyuveaux.
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[31365] Steckbrief.
Gegen die verehelichte Schneider Peschmann, Ernestine Marie Louise, geb. Jänsch, aus Grünberg, geboren daselbst am 13. November 1850, katholisch, welche flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Betruges in 6 Fällen und wegen versuchten Betruges verhängt. Es wird ersucht, die p. Peschmann im Betretungsfalle zu verhaften und in das hiesige Amtsgerichtsgefängniß abzuliefern. Grünberg, den
[31366] Steckbrief. Gegen den Arbeitsburschen Wilhelm Foth aus Naumburg a. S., welcher flüchtig ist, sollen mehrere gegen ihn erkannte Gefängnißstrafen von 3 resp. 1 Woche und eine Haftstrafe von 2 Tagen voll⸗ streckt werden. Es wird ersucht, denselben zu ver⸗ haften und in das Gerichtsgefängniß zu Naumburg a. S. abzuliefern. Naumburg a. S., den 10. Juli 1883. Känigliches Amtsgericht.
[31361] Der hinter den Kaufmann Franz Meyhöfer von Tilsit unterm 1. März 1881 erlassene Steck⸗
brief wird hierdurch in Erinnerung gebracht. Tilsit, den 9. Juli 1883. Königliches [31249] Bekanntmachung. Unser offenes Strafvoll⸗ streckungsgesuch vom 11. Januar 1882 in Stück 12 Jahrgang 1882 dieser Zeitung wird hierdurch wieder⸗ holt. Schweinitz (Reg.⸗Bez. Merseburg), den 10. Juli 1883. Königliches Amtsgericht.
[26559] 1 8
1) Der Wehrmann, Handschuhmacher Heinrich Emil Hermann Michaelis, am 23. Mai 1852 zu Luckenwalde geboren und zuletzt dort wohnhaft, der Reservist Knecht Johann Gustav Theodor Behm, am 5. Januar 1857 zu Leplow, Ver⸗ waltungsbezirk Franzburg, geboren und zuletzt in Löwendorf wohnhaft,
Wedel, geboren am 3. Juli 1852 in Berlin, wegen schwerer Urkundenfälschung in den Akten Litt. W. Nr. 284 de 1879 — J. IV. c. 487. 80 — unter dem 28. Juli 1879 erlassene Steckbrief wird hiermit erneuert. Berlin, den 7. Juli 1883. Königliche
der Wehrmann, Tuchmacher Gustav Schötz, am 24. September 1849 zu Pulsberg, Kreis Sprem⸗ berg, geboren und zuletzt in Luckenwalde wohn⸗ haft,
wehr ohne Erlaubniß ausgewandert
Dieselben werden auf Anordnung Amtsgerichts hierselbst auf
lung geladen.
werden.
Schulz, Gerichtsschreiber des Königlichen
tretung gegen §. 360 Nr. 3 des Strafgefetzbuchs.
den 18. Oktober 1883, Vormittags 9 Uhr, vor das Königliche Schöffengericht zur Hauptverhand⸗
Bei unentschuldigtem Ausbleiben werden dieselben 1 88bF auf Grund der nach §. 472 der Strafprozeßordnung vor dem unterzeichnetem Gerichte, Zimmer Nr. 33. von den Königlichen Bezirkskommandos zu Jüterbog.
und Bernau ausgestellten Erklärungen verurtheile
Luckenmalde, den 12. Juni 1883. Stettin, den 10. Juli 1883. 8
zu sein. Ueber⸗ manen Police der Lebeirsversicherungs⸗Aktiengesell⸗ schaft Germania zu Stettin Nr. 202 ˙1u8 vom des Königlichen 16. Auagust 1868 inhalts welcher die Germania dem Antraasteller 4000 Thaer Pr. Crt., zahlbar nach dam Tode des Herrn Löser Simon Löser, versichert⸗ hat, beantragt. Der Inhabes der Uekunde wird aufgefordert. Ausgesden z. Mai 1884. Meittags 12 Uhr.
spätestens in dem auf
7.292
anberaumten Aufgebolstermine seine Rechte anzu⸗ melden und die Urkande vorzulegen, widrigenfalls
die Kraftloserklärung der Urkunde emfolgen mird.
Königliches Amtsgericht. Amtsgerichts. — — BHJ18889
131370] Aufgebot.
vom 29./30. April 1850 und vom
zwei Hypothekkapitale zu resp. 50 Thlr. auf dem zu Windhausen
eingetragen.
urkunden ist unbekannt.
Seesen, den 11. Juli 1883.
Haars.
[31374] Aufgebot.
werden beschuldigt, zu Nr. 2 als beurlaubter Re⸗
Staatsanwaltschaft beim Landgericht .
servist, zu Nr. 1 und 3 als Wehrmänner der Land⸗
das Aufgebot der ihm angeblich
Subhastationen, Aufgebote, Vor⸗ Der Scyuhmacher Carl Heer in der D ladungen u. dergl.
Die bereits im Jahre 1368 erfolgte “ der Hypothexkapitale ist glaubhaft gemacht. ird. Der Inhaber der bezeichneten Schuld⸗ und Pfand⸗ Hohenlimburg, den 10. Juli 1883.
Der Rechtsanwalt und Notar Löser Simon Löfer, früher zu Schwarzenfels, jetzt zu Fulda, hat
Aufgebot.
2 — hat des Aufgebot des unter der Nr. 3665 auf seinen Namen über 1226,95 ℳ von der Sparkasse zu Hohenlimburg ausgestellten Spakassenbuchs, welches⸗
Auf Grund der Schuld- und Pfandverschreibugen am B. März 1883 bei einem in dem Hause des
22. Mai 1861] ꝙSchuhmachers Diedrich Heer zu Obargrüne ent⸗
sind für den Leineweber Andreas Keidel zu Gittelde stardenen Feuer verbrannt sein soll, beantragt. Der
200 Thleo. und Inhaber des Svarkassenbichs wird aufgefordert, sub No. 2ss. 50 spätestens in dem auf
. N 8 * . 2** 1 1 belegenen Anbauerwesen der Ehefrau des Lohgerbers dan 19. Febrnar 1884, Vormitzags 10 Uhr. Landgericht. Der Untersuchungsrichter. Sphrer⸗ Christiane, geb. Schrader,
8¼½
zu Windhausen vor dem unterzeichneten Gerichte anbaraumten Auf⸗ gebotstermine seine Rechte anzumelden und dos
Sparkassenbuch vorzulegen, widrigenfalls die Kraft⸗
los erklärung desselben erfolgen wird.
Königliches Amtsgericht
Auf den Antrag der ꝛc. Spörer werden Alll, — welche auf die obigen Hypotheken Ansprüche machen, aufgefordert, solche Ansprüche spätestens in dem am 22. Januar 1884, Morgeuns 11 Uhr, ge 9. 1 gr anstehenden Aufgebotstermine anzumelden, auch die deren Erben nicht bekannt sind, werden dieselben
18828 Aufruf! Am 4. d. Mts. ist die verwittwete Frau Professor Emilie Artus, geb. Wirsing, hier verstorben. — Da
qu. Urkunden vorzulegen, widrigenfalls Letztere der andurch öffentlich geladen in dem auf Eigenthümerin gegenüber für kraftlos erklärt, die Hypotheken aber gelöscht werden sollen. 3
Dienstag, den 18. September d. J., Vormittags 11 Uhr, 3 anberaumten Aumeldungstermin an unterzeichneter
Herzogliches Amtsgericht. Stelle zu erscheinen und ihre Erbrechte geltend z
machen. Jena, den 8. Juli 1883. Großherzoglich Sächs. Amtsgericht II. Abtheilung. R. Pabst.
abhanden gekom⸗
bergrüne.